›Das verteufelte Geschlecht‹ Mann – und die Erosion der Unschuldsvermutung (I)

Nahtlos kann ich an meinen Frauen-Artikel anschließen –

http://gabrielewolff.wordpress.com/2012/04/17/frauen-zwischen-schmerzensmannern-frauenquote-und-top-model-was-will-das-weib/

denn die Verheerungen, die der gegen den Mann gerichtete hardcore-Feminismus à la longue gesellschaftlich angerichtet hat, zeigen sich heute in aller Schärfe.

Geschlechterrollen

Der Penis ist keine Waffe

betitelt Jonathan Widder seine Rezension vom 6.3.2012 des Buchs von Ralf Bönt: ›Das entehrte Geschlecht‹. Und es stimmt hoffnungsfroh, daß in einem Medium wie der ZEIT, in dem zum Geschlechter-Thema bislang nahezu ausschließlich dezidiert feministisch-weibliche Stimmen zu hören waren, nun endlich einmal auch das als gewalttätig, machtversessen und defizitär diffamierte männliche Geschlecht Gelegenheit zur Gegenrede erhält. Die nicht medial wirkenden Frauen in den westlichen Ländern wissen, daß es nicht das Patriarchat ist, das sie unterdrückt, und schon gar nicht der Mann oder die Männer, mit denen sie es real zu tun haben. Es ist vielmehr die Arbeitswelt, die zerstörerisch auf Menschen und Familien wirkt, und die falsche Wertschätzung von Erwerbstätigkeit, die über jeden, der – aus welchen Gründen auch immer – aus ihr herausfällt, ein Unwerturteil ausspricht. Das Verdikt der Ökonomie trifft nicht nur Frauen, die sich für Erziehungsarbeit entscheiden. Es trifft vor allen Dingen Männer, denen die Ernährerrolle auferlegt wird, während Frauen schon immer Wahlmöglichkeiten hatten. Widder faßt die Thesen von Bönt so zusammen:

 Im Kern des Buches stehen drei Forderungen: “1. Das Recht auf ein karrierefreies Leben. Der Mann muss auch jenseits einer beruflichen Stellung respektiert werden. 2. Das Recht auf Krankheit jenseits der Vorwürfe von Hypochondrie und Fühllosigkeit. 3. Das Recht auf eine geehrte Sexualität jenseits von Ablehnung, Diffamierung, Kapitalisierung und Kriminalisierung.”

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Und wie reagieren Feministinnen auf diese Forderungen, soweit sie männliche Geschlechterdiskurse überhaupt zur Kenntnis nehmen? Beispielsweise so:

Die Zitate aus Bönts Buch empfinde ich als seltsam. Es mischen sich hier oberflächlich nachvollziehbare Wünsche der Männer mit Forderungen – ja – an wen? Vor allem der seltsame Satz mit der “geehrten Sexualität”. Wer soll die denn ehren? Die Partnerin? Die Gesellschaft? Die Männer selbst? Die Vergewaltigten? Alles in allem spüre ich hier mehr Verlangen nach weiterer Macht und Kontrolle als den Wunsch gemeinsam und vor allem jenseits von heteronormativem Denken etwas zu ändern. Also alles was jetzt noch als “unmännlich” gilt – keine Karriere, Kinderbetreuung, Krankeit, das mit der Sexualität verstehe ich leider nicht so ganz, soll jetzt “ehrbar” und männlich werden. Das ist Eroberung von Terrain und keine Verbesserung der Zustände.

http://maedchenmannschaft.net/wie-koennten-neue-maennlichkeiten-aussehen/#comments

Prompt wird die männliche Sexualität, wie zurecht kritisiert,  kriminalisiert (»Vergewaltigte«), und frau wittert sogleich Gefahr: wenn der moderne Mann ein Recht auf Wertschätzung auch bei fehlender beruflicher Karriere und Hinwendung zur Erziehungsarbeit einfordert, wenn er reklamiert, auch schwach sein zu dürfen – denn die Akzeptanz von Krankheit trägt zu einer besseren medizinischen Behandlung der Männer bei und könnte dazu führen, die geringere Lebenserwartung von Männern an die höhere der Frauen anzugleichen –, dann erobert er weibliches Terrain und erstrebt, so ist der Mann nun mal beschaffen, nichts weiter als Macht und Kontrolle. Während er nur Gleichberechtigung verlangt.

Tatsächlich sind es berechtigte Forderungen beider Geschlechter an eine durchökonomisierte und auf Effizienz getrimmte Welt, die den Menschen insgesamt schadet und nur einer Elite nutzt. Insbesondere die letzte Forderung hat es allerdings in sich. Denn wie sehr die Sexualität des Mannes bereits mit Kriminalität konnotiert ist, belegt Bönt an einem Einzelbeispiel:

 Weil das, auch wenn es selbstverständlich klingen mag, kein gesellschaftlicher Konsens ist, beschreibt Bönt die Facetten negativer und banalisierter Männerbilder in der Öffentlichkeit und ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Privatleben. Er schildert fassungslos, wie ein Freund auf dem Spielplatz auf Initiative der umstehenden Mütter von der Polizei kontrolliert wird, weil er seiner Tochter die Strumpfhose richtet.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Man darf sich nicht wundern, daß sich junge Männer angesichts dieses gesellschaftlichen Klimas selten für einen pädagogischen Beruf entscheiden, in dem sie mit Kindern zu tun haben, obwohl sie dort, in Kindergärten und Grundschulen, die fest in weiblicher Hand sind, angesichts der zunehmenden Zahl alleinerziehender Mütter dringend benötigt werden. Wie ich mich nicht wunderte, von einer alten Freundin zu hören, daß sich ihr 75-jähriger Mann nicht mehr traut, seine Enkelin auf den Schoß zu nehmen, um nicht als Fummel-Opa wahrgenommen zu werden.

Den Feminismus kritisiert Bönt nur dort, wo er über die Gleichberechtigung hinausgeht und den Mann als ständigen Täter porträtiert (und damit paradoxerweise gleichzeitig die Frau im Opferstatus zementiert). Dabei rechnet er vor allem mit Alice Schwarzer und ihrer Schwanz-Ab-Ideologie ab: “Schwarzer ist der Franz Josef Strauß des Feminismus, der notwendig gewesene Macho der Frauenbewegung”; aber: “Der Hass hat das Problem der Geschlechter, statt es zu lösen, verschärft.”

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Nun gibt es Menschen, denen es nicht einmal mehr auffällt, mit wieviel Häme und Verachtung über das männliche Geschlecht seit einigen Jahren medial verhandelt wird. Menschen, die solche Artikel für ›normal‹ halten, in denen stellvertretend für das männliche Geschlecht in aller Genüßlichkeit und mit einem Höchstmaß von polemischem Einsatz Einzelpersonen attackiert werden:

Sex, Lügen, Twitter – die schlimmsten Männerpannen

Von Boetticher, Strauss-Kahn, Schwarzenegger, Kachelmann oder Fürst Albert: Diese mächtigen Männer demontierten sich 2011 selbst.

Von Judith Luig

29.12.11

2011 war das Jahr der Männer. Ist das nicht jedes Jahr, fragen Sie? Kann sein, aber dieses Mal war es das in besonderer Form: Ein Jahr, das durch Ereignisse bestimmt wurde, bei denen ein männlicher Protagonist, der angesehen, geschätzt und teilweise sogar bewundert wurde, über eine als besonders männliche verschriene Eigenschaft besonders dämlich stolperte. Selbstüberschätzung, Selbstgerechtigkeit und Realitätsverlust gelten ja schon lange als Männertugenden, aber selten haben sie so viele so dumm dastehen lassen wie in den vergangenen zwölf Monaten.

[...]

Die seltsam archaischen Männer, die uns in diesem Jahr mit ihren Großmannsgeschichten in Atem gehalten haben, haben eines gemein: Sie gehen davon aus, dass der wie auch immer zustande gekommene Sex ein Geheimnis zwischen ihnen und der Frau bleibt. Und sie scheinen zu glauben, Sex über den man spricht, bringt ihm Ruhm und ihr Schande.

Aber 2011 haben ein paar Frauen diesen Pakt gebrochen. Auch wenn es fraglich ist, was es ihnen persönlich gebracht hat, der Welt haben sie damit geholfen, dass man sich endlich ein paar überfälligen Fragen zum Thema Jungsbünde, Sexprotze und Imponiergehabe stellt.

http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article13788891/Sex-Luegen-Twitter-die-schlimmsten-Maennerpannen.html

Nicht unzufällig hat die Autorin die beiden Verfahrenseinstellungen gegen Dominique Strauss-Kahn ›vergessen‹, und der Freispruch von Jörg Kachelmann erfolgte ja ›nur‹ aus Mangel an Beweisen. Auch der seinerzeit noch amtierende Bundespräsident kriegt sein Fett weg: zwar gab es lediglich einen medialen Shitstorm gegen ihn, und auch Frau Luig wußte nicht so recht, was sie ihm eigentlich vorwerfen sollte. Aber er ist ein Mann, und daher leidet er ›naturgemäß‹ unter Selbstüberschätzung (und einem kostspieligen Hang zur Zweitfamilie, der er schließlich was bieten muß).

Das mediale Geschlechterbild ist festzementiert: hier der sexuell untreue, umtriebige, gewalttätige, vergewaltigende unmoralische Mann – dort die Frau, das reine Opfer. Das sie sogar bleibt, wenn sie zur Täterin geworden ist. Wäre es denkbar, einen Artikel über einen gewalttätigen Mann, der eine Selbsthilfegruppe gründet, so einzuleiten?

Wenn Frauen nur zuschlagen können

Opferschicksal

Eine Mutter berichtet über ihre Aggressionen den Töchtern gegenüber

Marika Bach gründet eine Selbsthilfegruppe. Sie hat ihre Töchter täglich geschlagen.

von Sabine Schicke

Oldenburg – Marika Bach (Name geändert) ist eine freundliche Frau mit dunklen Haaren. Anfang 40, hilfsbereit und zuvorkommend. Aufmerksam selbst in kleinen Dingen. Dass sie ein zweites Gesicht haben kann, würde niemand glauben. „Gewalt von Frauen, das ist noch immer ein Tabu-Thema“, erklärt sie. Über Jahre hat sie ihre beiden Töchter täglich geschlagen, hatte ihre Aggression nicht unter Kontrolle. „Schon während ich ausholte, habe ich mich selbst gehasst – und trotzdem zugeschlagen.“

Nun möchte sie anderen Frauen helfen, die ähnliche Probleme mit Aggressionen haben und gründet eine Selbsthilfegruppe.

http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Oldenburg/Artikel/2847945/Wenn-Frauen-nur-zuschlagen-k%F6nnen.html

Natürlich, sie konnte nur zuschlagen angesichts der von Gewalt, Mißbrauch und fehlender Mutterliebe geprägten Kindheit. Aber schlagende Männer haben ähnlich schreckliche Kindheiten, wie man weiß. Nur, daß deren Kindheitserzählungen eher als Schutzbehauptung oder als Mitleidsmasche bewertet werden, wenn sie vor Gericht stehen. Unsere Selbsthilfegruppengründerin stand gewiß niemals vor Gericht: die Lehrer und die Jugendamtsmitarbeiter, die von ihrer Gewalttätigkeit wußten, haben sicherlich den Datenschutz bemüht und keine Anzeige erstattet. Denn eine prügelnde Frau ist Opfer und darf nicht kriminalisiert werden.

Wenden wir uns dem Leitmedium für aggressive niedrige Instinkte zu, der Aufputschdroge, die die heftigsten Verwüstungen in den Seelen des Menschengeschlechts anrichtet, weil sich damit am leichtesten Geld verdienen läßt. Der BILD nämlich, die zu allem Überfluß auch noch Briefe schreiben läßt. Für die Amokläuferin von Lörrach, deren Tötungsserie (3 Tote, zahlreiche Verletzte) auch von unseren seriöseren Medien wie FAZ, SPIEGEL und WELT gern als ›Beziehungstat‹ gewürdigt wurde, fand F. J. Wagner am 21.9.2010 in BILD folgende Worte:

Ja, es war richtig, die Amokläuferin zu töten. Sie war eine Maschine.

Aber sie war auch mal ein Mensch. Abitur, Jurastudium, Ehe, ein Kind, eine Fehlgeburt, Anwältin, Trennung, zwei getrennte Wohnungen, Kind beim Vater, Kind bei der Mutter. Das alltägliche Drama.

Auch dieser Mensch wurde erschossen. Ein Mensch, der kaputt ging, ein Mensch, eine Maschine wurde.

http://www.bild.de/news/standards/news/post-von-wagner-14029404.bild.html

»Sabine R.« (nur das übliche »Liebe« ließ er weg), schmalzte er am selben Tag so an:

Es ist ein Foto im Garten Ihres Glücks. Sie haben ein eigenes Häuschen mit Garten. Papa, Mama, Kind. Vielleicht ist eine Schaukel irgendwo, man sieht Blumen auf dem Foto.

Im nächsten Moment werden Sie Ihr Kind umarmen, mit Ihrem Kind durch den Garten herumtollen. Ihr Kind auf den Schultern tragen.

Das Foto ist ein Jahr alt. Sie sehen gut aus, Sie sind schlank. Sie sehen aus, wie eine glückliche, 41-jährige Frau, die Mutter ist. Eine Mutter, die in der Sonne liegt, das Liebste neben sich hat, ihr Baby, ihr Sonnenschein.

Als diese Frau tötete, war sie selbst schon tot. Ihr Mann hatte sie verlassen, ihr heiler Garten war zerstört.

http://www.bild.de/news/standards/news/post-von-wagner-14041228.bild.html

Nach anderen Berichten hatte sie zwar ihren Mann verlassen, aber was soll’s. Der Mann muß schuld sein und die Frau traumatisiert. Gerne ist sie auch schuldunfähig, die Psychiatrie ist ja gesellschaftlich geprägt. In Diktaturen gilt der querulatorische Wahn als Ausschlußkriterium gegen Oppositionelle, in feministisch beherrschten  Welten bekommen Frauen bei Persönlichkeitsstörungen, die bei Männern nie zur Schuldunfähigkeit führen, den Jagdschein. Und schon ist das säuberliche Mann-Frau-Weltbild wieder in Ordnung.

Nur einen Tag später textet BILD:

Toter Mann in Schuppen gefunden

Rosenheim-Killer tot aufgefunden

München – Ist die wochenlange Jagd nach dem Doppelmörder von Rosenheim zu Ende? Gestern wurde ein Mann tot aufgefunden, bei dem es sich mit ziemlicher Sicherheit um Franz Müller (48) handelt.

Der Tote hat sich wohl aufgehängt. In einem Schuppen in der Äußeren Münchner Straße in Rosenheim. Nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Entdeckt hätte ihn ein Hausmeister.

Die Polizei wollte das weder bestätigen noch dementieren. Aber: „Es deutet einiges darauf hin“, dass es sich um den verdächtigen Doppelmörder handeln könnte. Erst nach der Obduktion heute könne genaueres gesagt werden.

Rückblick: Am 30. August wurden Lacramioara (†37) und ihr kleiner Sohn Marcus (†3) in Rosenheim bestialisch getötet. Wohl von ihrem Ex Franz Müller! Den Bub hängte der feige Killer im Keller auf! Die Mutter erschlug er brutal – die Tat einer Bestie! Ganz Bayern war erschüttert von dieser Horrortat!

Nach der Bluttat floh der feige Killer. Gejagt von der Polizei, der „Soko Hochgern“.

Mögliches Motiv des Doppelmords: Angeblich hätte Franz Müller Zweifel an der Vaterschaft von Marcus gehabt. Glaubte, er habe ein Kuckuckskind groß gezogen.

Laut Obduktion der Kindes-Leiche war Müller allerdings der leibliche Vater von Marcus.

http://www.bild.de/BILD/regional/muenchen/aktuell/2010/09/22/leiche-des-rosenheim-killers/toter-mann-in-schuppen-gefunden.html

Ist es bestialischer, das eigene Kind zu erhängen oder mit einer Plastiktüte zu ersticken? Wer ist eher ein feiger Killer: der, der seinen Partner erschlägt oder der, der ihn erschießt? Ganz zu schweigen von dem Aggressionsüberschuß, die eigene Wohnung hochgehen zu lassen, einen unbeteiligten Krankenpfleger zu ermorden, Patienten zu gefährden und sich mit der Polizei auf einen Schußwechsel einzulassen, auf daß die den eigenen geplanten Tod exekutiere.

BILD weiß Bescheid. BILD ordnet ein. Der Mann ist die Bestie und die Frau das traumatisierte Opfer.

In welcher Welt lebt eine feministische Kolumnistin wie Silke Burmester? Na, in dieser:

Liebe Herren, keine Angst vor den 30 Prozent! Damit Sie die Umstellung nicht merken, kommen auch weiterhin natürlich nur attraktive Sahneschnitten.

Silke Burmester, freie Journalistin

http://www.pro-quote.de/unterzeichnerinnen/silke-burmester/

Wer Männer für hormongesteuerte Trottel hält, die nicht mitbekommen, daß ihre Sexobjekte die Macht an sich gerissen haben, muß schon ein finsteres Männerbild haben. Wie die BILD eben. Daher ist es vollkommen unverständlich, daß sie Kristina Schröder das hier zuruft:

Familienministerin Schröder

Die Feindin aller Frauen

[...]

Und jetzt Ihr Buch! Ein Buch, in dem Sie eine Emanzipationswut anprangern, die seit 20 Jahren nicht mehr existent ist. Ein Buch, in dem Sie sich vor einem “Weltanschauungsfeminismus” fürchten, der Männer verteufelt, der aber mit dem Aufgehen von Alice Schwarzer als “Bild”-Maskottchen und als Ratetante im Fernsehen untergegangen ist und den außer Ihnen niemand mehr sieht.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828803,00.html

Diese Hybris! ›Feindin aller Frauen‹! Als ob Frau Burmester, die noch was werden will, für alle Frauen spräche. Vieleicht machen ihr die zahlreichen kritischen Kommentare klar, daß sie auf dem falschen Dampfer ist.

Denn umgekehrt wird ein Schuh daraus. Sie selbst erkennt ihre eigene Männer-Verteufelung nicht einmal. Und verkennt, daß die Saat der Schwarzerschen Männer-Verteufelung zur giftigen Sumpfblüte aufgegangen ist, die fest im Ur-Schlamm der wohlfeilen populistischen Empörung von Springers Gnaden wurzelt. Rate-Tante ist Schwarzer schon seit längerem nicht mehr, dafür aber Talkshow-Tante, zumindestens in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Und sie hat mehr Nachfolgerinnen, als Burmester ahnt, die in der heutigen Feministinnen-Szene wohl nur harmlose akademische Gender-Forscherinnen, konziliante Alpha-Mädchen und die intellektuelle F-Klasse am Werke sieht. Da sollte sie sich mal in einschlägigen Blogs und Foren kundig machen, damit sie mitkriegt, wieviel Haß und Erbitterung gegen den Mann dort wüten.

Gestern sinnierte ein Mann darüber, wie man denn eine emanzipierte Männlichkeit definieren könnte.

Diesen Beitrag kommentierte als erste eine Frau. Und zwar so:

Worin genau besteht denn nun der Unterschied zwischen Mann und Frau, den man unbedingt anerkennen muss?

Warum könntest Du keine Frau sein, was an “der Art zu leben” missfällt Dir so?

M.A.n. gibt es viel zuwenig Männer, die sich von (Kinderficker-)Sextouristen oder Freiern allgemein abgrenzen, viel zu wenig Männer, die ihr Unverständnis gegenüber staatlich-legitimierten Soldaten oder den (Miniatur-)Breiviks dieser Welt zum Ausdruck bringen, viel zu wenig Männer, die sagen, dass sie froh sind, dass ein Typ wie DSK einen Machtverlust hinnehmen musste.

Umfasst Dein Konzept von Männlichkeit all diese Männer, oder blendest Du sie einfach aus?

Wozu braucht es ein Konzept von (frauenausschließender) Männlichkeit?
Was fehlt Dir denn bei der Idee, die man Menschlichkeit nennt?

http://allesevolution.wordpress.com/2012/04/24/der-emanzipierte-mann/?replytocom=35036#respond

Bevor diese Frau Vorstellungen eines Mannes über Männlichkeit überhaupt thematisiert, muß er sich erst einmal dafür entschuldigen, daß er sagt, daß er gern Mann ist, weil er als Frau nicht leben könne. Ich kenne keine Frau, die lieber als Mann leben würde (es sei denn, ER ist im falschen Körper geboren). Keine Frau würde, von wem auch immer, aufgefordert werden, sich von echten oder vermeintlichen weiblichen Untaten zu distanzieren, bevor sie sich über ihre Geschlechterrolle äußern darf. Und niemand würde es wagen, das Reden einer Frau über Weiblichkeit mit dem Argument zu delegitimieren, daß es Wichtigeres gebe, nämlich Menschlichkeit, die gegenüber der (männerausschließenden) Weiblichkeit nicht nur ein aliud , sondern etwas Höherrangiges sei.

Nein, der Haß gegen den Mann  an sich sitzt tief und ist hochaktuell. Es ist erfreulich, daß Kristina Schröder dagegen anschreibt. Sie beweist damit Mut. Die klassische Politikerin von der Leyen hat 2007 der CSU-Forderung nach dem Betreuungsgeld zugestimmt, und dieser Vorgabe und Merkels Machtwort (der gestaltende Politik am Arsch vorbeigeht, ihr geht es um bloßen Machterhalt, Überzeugungen hatte sie noch nie) folgt sie zähneknirschend, denn andernfalls wird sie entlassen. Mehr an Kompromissen wird sie nicht eingehen, und ihr Buch provoziert bewußt den blöden medialen Mainstream.

Als »BILD-Maskottchen« hat Alice Schwarzer ihre gefährlichste Wirkungsphase erreicht: den Anschluß des fundamental-feministischen Männerhasses (der nur einen Teilbereich der Frauenbewegung abdeckt) an ein gewissenloses journalistisches Milieu, in dem es um den Aufbau von Erregungspotentialen aus kommerziellen Gründen geht. Sandor Ragaly hat dieses Geschäftsprinzip in einem medienkritischen Aufsatz mit dem Titel:

Der Reiz, zu verachten – instrumenteller Moralismus als Medien-Stil

- Skizze eines aufsteigenden Medienproblems  -

sehr klar ausgeleuchtet. Hier ein kleiner Auszug:

M.E. kann man dabei, wie sicher öfters, von einer Mischung aus instrumentellem Moralismus verschiedener Akteure (auch auf politischer Seite), authentischer Kritik und Empörung sowie Mischphänomenen ausgehen – letztere etwa im Fall an sich wahrhafter Emotionen und Kritik, welche aber ins Über- und Hineinsteigern geraten durch den massiven Gleichklang moralisch überhitzter Debatten.

Der instrumentelle Moralismus von BILD jedenfalls lügt – denn er gibt nur vor, moralisch intendiert zu sein und so wirken zu wollen, während er doch nur Mittel zum Zweck (von Einfluss und Verkaufszahlen) ist. Und: Er wirkt vermutlich nicht nur politisch. Die aggressive Substanz sickert in die Gesellschaft ganz allgemein hinein. Auch die ständigen bösartigen Denk- und Handlungsmuster, wie sie in den Reality-”Dokus” bis zum Ekel vorgeführt werden und der Stil in den dezentral/schwarm-mäßig vorangetriebenen “Spontan-Kampagnen” u.a. der Medien (Wulff, Grass), all das beeinflusst – so meine These – nicht nur das Politiker-, sondern auch das allgemeine Menschen- und Weltbild in bestimmten Bevölkerungsteilen.

https://sandoragaly.wordpress.com/2012/04/23/der-reiz-zu-verachten-instrumenteller-moralismus-als-medien-stil/

BILD ist seit längerer Zeit weitaus mehr als ein Medium dumpfer Unterschichten, wie Silke Burmester zu glauben scheint. Politiker, die allesamt populistisch agieren, wenn’s drauf ankommt, beobachten genau, welchen Volkszorn BILD gerade befeuert – und reagieren entsprechend bis hin zu menschenrechtswidrigen Wegsperr-Aktivitäten, die allesamt Männer betreffen.

Update (25.4.2012) : Ich las, daß es auch drei Frauen gibt, gegen die Sicherungsverwahrung verhängt wurde, drei von rund 450 Betroffenen dieses atavistischen Verfahrens. Das wäre schon interessant, deren Gefährlichkeitsprognosen zu studieren.

Soeben durfte man bei Maischberger eine Gattenmörderin (Heimtücke, weil sie ihren schlafenden Mann mit 14 – 20 Messerstichen tötete) bewundern, die sich als Opfer eines Tyrannen präsentierte, um im entscheidenden Moment einen Affektdurchbruch zu erleiden, der ihr verminderte Schuldfähigkeit und damit nur zehn Jahre Haft statt lebenslänglich einbrachte. Selbstverständlich verließ sie den Mann nie, weil sie ihm hörig war. Und natürlich half ihr nie jemand, und natürlich verfolgte die Justiz ihren Mann nicht, obwohl er ihr in aller Öffentlichkeit mit einem Messer in den Hals stach. Solche Märchen dürfen heute unhinterfragt bei Maischberger verbreitet werden.

Wer diese Frau erlebt hat, mußte Angst vor ihrer noch immer vorhandenen Aggressivität kriegen. Als Vertreterin der Opferklasse war sie denkbar ungeeignet. Ihre Töchter hatten Glück, daß sie nach der Tat in anderen Verhältnissen aufwachsen durften.

http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/sendung/2012/gier-hass-eifersucht-100.html

Das Haustyrannenmord-Urteil des BGH hat dieser Verteidigungslinie die Stichworte vorgegeben, die sie allesamt beherzigte. Und daß mittlerweile alle Medien anschlußfähig an BILD sind, steigert das dumpfe Empörungs-Potential. Wulff, Grass, Kristina Schröder – alles eine Einheits-Sauce, die jegliche intellektuelle Redlichkeit vermissen läßt und nur auf den eines gekränkten Moralismus setzt. Es ist nun mal so in unserer schnellebigen Zeit, daß lediglich Skandale Klicks und Reichweite und Werbeeinnahmen generieren..

Was Alice Schwarzers Anti-Kachelmann-Kampagne in BILD besonders gefährlich macht, ist ihr Angriff auf den Rechtsstaat. Denn wer für eine vermeintliche Unschuldsvermutung zugunsten einer Anzeigenerstatterin (die keine Beschuldigte ist, sondern Zeugin, die nicht verfolgt wird und daher keiner Unschuldsvermutung bedarf) eintritt, negiert ein Fundament des Rechtsstaats: die Unschuldsvermutung eines Beschuldigten/Angeklagten, der nämlich plötzlich seine Unschuld zu beweisen hat – denn der Anzeigenerstatterin wird unterstellt, die Wahrheit gesagt zu haben.

Alle gesetzgeberischen Vorhaben zur Stärkung des Opferschutzes der letzten zehn Jahre gehen bereits von diesem Konzept aus. Das aufgrund eigener Behauptung konstruierte Opfer erhält staatsanwaltschaftsähnliche Befugnisse, die den aufklärerischen Impuls, persönliche Vergeltungsbedürfnisse einer rationalen Ebene zu überantworten, negieren. Und der Staat zahlt im Zweifel den ›Opferanwalt‹: Feminismus erschließt lukrative Geschäftsfelder. Der ›Weiße Ring‹ macht die Lobby-Arbeit, die Anwaltslobby sowieso, Parlamentarier nicken ab, Politiker profilieren sich mit ›Opferschutz‹, das macht sich immer gut. Es gibt allerdings echte und falsche Opfer, und die müssen erst geschieden werden. Unschuldsvermutung? Ach was. Beschuldigte haben keine Lobby, und zu Unrecht Verurteilte schon mal gar nicht.

Und auch in der justitiellen Praxis gilt die Opferanzeige einer Frau gegen einen Mann mehr als dessen bestreitende Einlassungen. Hierzu mehr in Teil II.

Kristina Schröder sagt auch, was gesagt werden muß

und erntet dieselben Reflexe, die Günter Grass erfahren hat. Denn Feminismus-Kritik ist dasselbe verminte Gelände wie Israel-Kritik.

Scharfe Kritik in offenem Brief

Schröder-Gegner starten Internetkampagne

Von Annett Meiritz und Anna Reimann

 

Der Widerstand gegen die Politik von Familienministerin Kristina Schröder wächst: Ihre Gegner machen mobil, mehrere prominente Grünen-Politiker haben eine Kampagne im Netz gestartet. Die Ministerin steht wegen ihres Feminismus-Buchs und des umstrittenen Betreuungsgeldes in der Kritik.

[...]

Schröder hat schwere Tage und Wochen hinter sich: Der Streit um das Betreuungsgeld, das Schröder als zuständige Ministerin in ein Gesetz gießen muss, eskaliert in der eigenen Partei. Schröders Modell der flexiblen Frauenquote stößt auch bei Frauen in den eigenen Reihen auf Ablehnung.

Ihr Buch “Danke, emanzipiert sind wir selber!” wurde durchgehend vernichtend rezensiert. Als Schröder das Buch an diesem Dienstagabend in Berlin-Prenzlauer Berg vorstellte, kamen hämische Zwischenrufe aus dem Publikum. Ein Team der Satiresendung “Extra 3″ verhöhnte die Ministerin mit einem Lied, Moderator Tobias Schlegl überreichte Schröder für ihren Einsatz fürs Betreuungsgeld eine goldene Schürze.

Kritik hagelt es außerdem von der Opposition an der Rolle von Schröders Co-Autorin. SPD und Grüne verlangten Aufklärung: “Es ist nicht die Aufgabe von Mitarbeitern, ein privates Buch für die Ministerin zu schreiben.”

Auf SPIEGEL ONLINE hatten sich am Donnerstag Frauen aus ganz Deutschland gegen das Betreuungsgeld ausgesprochen – darunter prominente Unionsanhängerinnen. Auch SPIEGEL-ONLINE-Leser stimmten deutlich gegen die Prämie: Mehr als 7300 Leser stimmten über das Betreuungsgeld ab, knapp 85 Prozent der Vote-Teilnehmer sprachen sich gegen den Zuschuss aus.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828620,00.html

Und schon läuft die nächste Pressekampagne, angeschoben von den getroffenen Mainstream-Feministinnen in Medien und Politik, die zurecht aufheulen, wenn jemand die Entideologisierung der Geschlechterrollen fordert. Es ist mal wieder eine Scheindiskussion, die mit den realen Frauen nicht geführt werden könnte, denn die haben andere Sorgen. Und wie üblich kommt es zu einer Personalisierung, die an Unsachlichkeit nicht zu überbieten ist, wie ein Blick auf den Blog ›Mädchenmannschaft‹ belegt.

Kotztüte Kristina Schröder hat ein Buch geschrieben, wie wir leider zur Kenntnis nehmen mussten. Recht und Geschlecht hat es gelesen, rezensiert und Pressestimmen eingefangen.

Antje Schrupp dagegen will Schröders Buch nicht lesen. Nicht, weil sie alles schlecht findet, was die Ministerin tut oder nicht tut, sondern weil Schröder in “Danke, emanzipiert sind wir selber!” sämtliche platten Argumente des Antifeminismus’ bedient.

Was Schröder so alles nicht tut, listet dann noch einmal Karnele in einem sehr wütenden Beitrag auf.

StopTalk kritisiert den Brief gegen Schröder, weil die nationalistischen und rassistischen Ideologien der Ministerin bei der Kritik unter den Tisch gefallen sind.

http://maedchenmannschaft.net/kotztueten-und-andere-ekelfaelle-die-blogschau/

http://nichtmeineministerin.de/

Zur Sache:

1.

Kristina Schröder wird vorgeworfen, sich für das Betreuungsgeld einzusetzen.

Das war nicht ihre Idee, sondern die der CSU, die es der CDU abtrotzte. Schröder hat insoweit nur die Wahl, zurückzutreten oder den entsprechenden Gesetzentwurf mit zusammengebissenen Zähnen vorzubereiten. Wählt sie die erste Option, erhält eine stramme Parteisoldatin ihren Job.

2.

Kristina Schröder wird vorgeworfen, den Kita-Ausbau nicht voranzutreiben.

Der Kita-Ausbau ist Sache der Kommunen.

3.

Kristina Schröder wird vorgeworfen, zu wenig für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu tun.

Diese Forderung muß zuständigkeitshalber an Frau von der Leyen adressiert werden.

4.

Kristina Schröder wird vorgeworfen, gegen die Frauenquote in Aufsichtsräten von DAX-Unternehmen zu sein.

Man kann auch aus feministischen Gründen gegen Quotenfrauen sein:

http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2011/winter-2011/warnung-vor-der-quote/

Letztlich ist es ohnehin nur Symbolpolitik für ein paar happy few, die bei einigen Sitzungen im Jahr das abnicken, was die entscheidenden Aufsichtsratsausschüsse und der Vorsitzende ihnen präsentieren, wofür sie fürstlich entlohnt werden.

5.

Kristina Schröder wird vorgeworfen, nichts gegen den Gender Pay Gap in Höhe von 23 % zu unternehmen.

Sorry, selbst wenn es ihn gäbe, wäre sie dafür ebensowenig zuständig. Das statistische Bundesamt konnte überdies nur eine Einkommenslücke von 8% entdecken, für die es noch keine Erklärung gibt. Aber Mythen leben eben lange…

Existiert in der Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst auch nur ein einziger Tarifvertrag, in dem zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern/Angestellten differenziert wird? Haben wir nicht ein Antidiskriminierungsgesetz, nach dem auf gleiche Bezahlung geklagt werden kann? Gibt es nicht auch den Niedriglohnsektor für Männer (Wachschutz, Gebäudereiniger)? Werden Frauen gezwungen, in Branchen zu arbeiten, in denen weniger verdient wird als in anderen?

Zwischen der sozialen und der Geschlechterfrage muß getrennt werden. Denn das abgehängte Drittel unserer Gesellschaft besteht aus Frauen, Männern und Kindern. Familien, Ledigen und Alten. Immigranten und Deutschen.

Die alle sind der Ministerin zutiefst dankbar, daß sie sich gegen eine Ideologie wendet, die in Wahrheit eine Gruppe bevorteilen und die andere diskriminieren will, ohne die realen Gegebenheiten in den Blick zu nehmen. Und Rechtsstaat ist schon gar nicht deren Ding. In Österreich lassen sich die Auswüchse dieses Wahns gerade besichtigen:

Medizin-Studium: Frauen-Bevorzugung rechtswidrig

Weil Frauen beim EMS-Eignungstest für das Medizin-Studium schlechter abgeschnitten haben als Männer, sollen sie beim nächsten Test bevorzugt werden. Laut einem Gutachten im Auftrag der Hochschülerschaft ist das jedoch rechtwidrig, berichtet „Die Presse online“.

Der Testwert, der über die Zulassung entscheidet, soll am 6. Juli erstmals nach Geschlechtern getrennt ausgewertet und die Ergebnisse der Frauen um einen „Ausgleichsfaktor“ erhöht werden. Diese Art der Auswertung könnte zur Folge haben, dass eine Frau etwas schlechter abschneidet, aber dank „Ausgleichsfaktor“ gleich gut wie ein besserer Mann gereiht wird. An der Medizin-Uni Wien waren zuletzt 56 Prozent der Bewerber Frauen; unter den Zugelassenen waren sie jedoch nur noch zu 43 Prozent vertreten.

Gutachter: „Umgekehrte Diskriminierung“

Laut dem Gutachten des Juristen Joseph Marko von der Universität Graz ist der geplante „Ausgleichsfaktor“ jedoch nicht zulässig. Marko sieht in der genderspezifischen Auswertung „zwar das verfassungs- wie europarechtlich legitime Ziel des Ausgleichs einer objektiven Benachteiligung verfolgt“, jedoch im Sinne des Prüfungsmaßstabes der Bundesverfassung sowie der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) eine „umgekehrte und indirekte Diskriminierung“.

http://wien.orf.at/news/stories/2529840/

(Danke, Nina, für den Tip!)

Ich halte es lieber mit Adam Soboczynski:

Lasst mich mit eurem Geschlecht in Ruhe!

Warum uns das Gerede von weiblicher und männlicher Befindlichkeit verdummt.

Jeder Humanbiologe kann einem schlüssig darlegen, dass es zwar körperliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, die auch ihr Alltagsverhalten beeinflussen, dass aber die charakterlichen Unterschiede zwischen einzelnen Individuen, wenn man vom Geschlecht absieht, noch immer weitaus größer sein können als die zwischen Mann und Frau. Den weinerlichen Mann gibt es heute im Alltag genauso wie die nicht nur im Berufsleben über Leichen gehende weibliche Führungskraft, den verzärtelten Bartträger in Berlin-Mitte genauso wie die kommunikationsgestörte, empathielose Mutter.

[...]

Die Beschwörung des Geschlechts lenkt nur vom Unbehagen an den Produktionsverhältnissen ab. Das Selbstverwirklichte ist heute das Unfreie. Wer das Geschlecht mit einem trügerischen Freiheitsversprechen befrachtet, spricht doch nur wie ein Unternehmensberater: Er setzt auf Männer und Frauen, die über Kommunikations-, Kooperations- und Empathiefähigkeit verfügen, den Schmierstoffen des allerneuesten Kapitalismus. Wer von Frauen spricht, spricht in Wahrheit von keinem Geschlecht, sondern vom neuen Menschen. Der aber ist ein Angestellter, der von einer Bürokarriere träumt, nicht von Emanzipation.

http://www.zeit.de/2012/12/Identitaetsdebatte-Geschlechterrollen/komplettansicht

Update (mit Dank an Oliver Thomas):

Kristina Schröder

“Mutter, Karriere, Geliebte. Das erschlägt Frauen”

Familienministerin Kristina Schröder legt sich mit Feministinnen und Konservativen an: Dafür erntet sie giftige Kritik. Doch der Gegenwind schreckt sie nicht. Im Gegenteil. Von Ulf Poschardt

[...]

Welt Online: Die Kritik war zum Teil sehr persönlich und giftig.

Schröder: Das belegt die These des Buches. Über die Lebensentwürfe von Frauen tobt eine wahnsinnig heftige Debatte – wie man bei der Buchvorstellung am Dienstagabend im Prenzlauer Berg sehen konnte. Die Medienberichte über den Abend waren aber übertrieben.

Richtig ist, ein Teil der Besucher in dem Saal war auf Krawall gebürstet – aber das waren bekannte Aktivisten. Bei denen konnte ich nicht mit Beifall rechnen.

[...]

Welt Online: Eigentlich machen Sie etwas theoretisch Linkes. Sie dekonstruieren Normen und Mythen, aber gerade die Linke hasst Sie besonders.

Schröder: Auch da gibt es Leute, die kritisch, aber konstruktiv diskutieren. Angegriffen werde ich von den Ideologen.

[...]

Welt Online: Die Opposition wirft Ihnen vor, eine Mitarbeiterin Ihres Ministeriums als Co-Autorin missbraucht zu haben. Ist das so?

Schröder: Nein, natürlich nicht. Meine Co-Autorin Caroline Waldeck war auch ziemlich entsetzt, dass Frau Künast ernsthaft so tut, als müsste man einer erwachsenen Frau verbieten, in ihrem Urlaub an einem Buch mitzuschreiben. So weit kommt es noch.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article106207522/Mutter-Karriere-Geliebte-Das-erschlaegt-Frauen.html?wtmc=google.editorspick?wtmc=google.editorspick

Mariam Lau hat in der ZEIT vom 19.4.2012, S. 5, Folgendes zu der turbulenten Buchvorstellung geschrieben:

 In der Backfabrik-Lounge übereichen ihr ein paar Witzbolde von Extra 3 eine goldene Schürze, ein Frauenchor singt ein Dankeslied dafür, dass man zurückdarf an den Herd, und eine Studentin ruft empört: »Ist Ihnen nicht klar, wie viele Mädchen da draußen rumlaufen, die nicht wissen, wo ihre Klitoris ist?«

Wenn Alice Schwarzer das wüßte, die sie doch für Deutschland erfunden haben will…

Mariam Lau:

Offenbar nicht. Unbekümmert, etwas spröde, aber hartnäckig beharrt die Familienministerin (eine Frauenministerin möchte sie eigentlich gar nicht sein) auf ihrer These, dass der Feminismus die Frauen gern als Opfer sieht und bevormundet, bis hinein in die Auswahl des richtigen Schuhwerks und der verträglichen Sexualpraktiken. Täte er das nicht, wer bräuchte dann noch eine Frauenbewegung? »Feminismus ist die Antwort«, hat die von Schröder viel zitierte Autorin Katharina Rutschky einmal geschrieben, »aber was war nochmal die Frage?«

Ach, die großartige Katharina Rutschky! Aus dem Nachruf von Harry Nutt:

Das wichtigste Medium ihres intellektuellen Ausdrucks war der Streit. Im Kampf um das richtige Argument konnte Katharina Rutschky schnell in Rage geraten. Unterschwellig Gesagtes spürte sie unerbittlich auf, Ungenauigkeiten duldete sie nicht. Dabei war sie alles andere als streitsüchtig. Sie wusste ihre scharfe Zunge stets mit damenhafter Eleganz einzusetzen.

Zu einer besonderen Probe ihrer aufgeklärten Empfindsamkeit geriet Anfang der 90er Jahre die Debatte um sexuellen Missbrauch, in der Katharina Rutschky schonungslos die Ambivalenzen des Missbrauchsbegriffs aufdeckte und vor dessen Missbrauch warnte. Die Angst vor dem Missbrauch, so Rutschkys Kernthese, grassiere wie ein ideologischer Virus, der zur Diskreditierung alles Sexuellen führe.

Für ihr Engagement gegen eine Instrumentalisierung des Missbrauchsbegriffs wurde Rutschky in öffentlichen Diskussionen körperlich attackiert und in feministischen Kreisen zur Persona non grata erklärt. Als Feministin der ersten Stunde der 68er Bewegung wurde sie später zur strengen Kritikerin eines feministischen Fundamentalismus, den sie als spießig und lustfeindlich kritisierte.

http://www.fr-online.de/kultur/nachruf-katharina-rutschky-die-aufklaererin,1472786,3150092.html

Genauso ist es gekommen.

In der Dunkelkammer der selbstgerechten Empörung habe ich dann doch noch ein aufgeklärtes freiheitliches Funkelstück entdeckt, das zu lesen sich lohnt (und das nicht nur wegen der Schwarzer-Sottise zu Beginn… Bei Geld hört die Feindschaft bekanntlich auf):

Birgit Kelle in THE EUROPEAN:

21.04.2012

Kristina im Gouvernantenstadl

Der flächendeckende Beißreflex des versammelten weiblichen Feuilletons beweist alleine schon: Familienministerin Kristina Schröder hat mitten ins feministische Herz getroffen.

[...]

Ich komm vor Lachen gar nicht mehr in den Schlaf ob des raffinierten Schachzuges von Kristina Schröder, sich erst vor wenigen Wochen überraschend und ungefragt mit versprochenen Subventionen in das Herz von Alice Schwarzer einzukaufen, um jetzt mit ihrem neuen Buch deren Feminismusdefinition eine volle Breitseite zu verpassen. Dabei hatten die Damen Schröder und Schwarzer sich doch erst kürzlich gegenseitig und öffentlich wärmende Worte zugeflötet. Von wegen Zickenkrieg. Vergessen war der Unfähigkeitsvorwurf von Alice an die junge Ministerin. Man darf gespannt sein, wie die Grande Dame der Emanzipation nun reagieren wird. Noch sind die Gelder zur Rettung ihres FrauenMedia Turmes in Köln nicht geflossen, sie muss sie artig, bürokratisch und vorschriftsmäßig beantragen und erstmal genehmigen lassen. Was also tun? In den aktuellen Shitstorm einsteigen und Klein-Kristina abwatschen, oder auf die Zunge beißen und haareraufend erst die Überweisung aus dem Ministerium abwarten?

http://theeuropean.de/birgit-kelle/10803-shitstorm-ueber-dem-familienministerium

 

Frauen zwischen Schmerzensmännern, Frauenquote und Top-Model: Was will das Weib?

Die alte Freud’sche Frage bleibt unbeantwortet wie eh und je. Schlimmer noch: läßt man Revue passieren, was in den letzten Monaten zum Problem-Thema ›Frau‹ alles medial auf uns einprasselte, kann man nur zu dem Schluß kommen, daß die Frauen das selber nicht wissen. Oder daß jede etwas anderes will. Die meisten aber alles auf einmal. Eine Kakophonie.

Gefühlt fing es mit Nina Pauer und ihrem Essay in der ZEIT an:

Die Schmerzensmänner

Heute tragen die jungen Männer Bärte und spielen Gitarre. Sie sind lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt. Für die Frauen wird das zum Problem.

http://www.zeit.de/2012/02/Maenner/komplettansicht

Da gibt es nun endlich den Neuen Mann, den frau immer wollte, und dann ist er zu unsexy geraten. Er ist ihr zu ähnlich. Da fehlt die Spannung. Ein Problemquatscher. Ein Waschlappen. Ein geschwätziger Nicht-Entscheider, der die Kunst des Aussendens und Lesens erotischer Signale nicht mehr versteht. Der nicht kapiert, daß er gleichzeitig Sensibelchen und ein richtiger Mann sein soll, der umwirbt, flirtet und in sexualibus die Intiative ergreift. Denn frau will gewollt werden.

Ein paar Sätze aus diesem Essay:

Denn auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy.

Als Gefährte ist er vielleicht ein bisschen grüblerisch, aber man kann gut mit ihm reden. Er achtet auf sich, ist höflich, lieb, immer gepflegt und gewaschen, benutzt Parfums und Cremes, macht Diäten und hört wunderbar melancholische Mädchenmusik. Nur wenn der entscheidende move gefragt ist, er sich herüberbeugen und die junge Frau endlich küssen sollte, fängt sein Kopfkino an. Vielleicht möchte die junge Frau gar nicht geküsst werden? Vielleicht würde sie sonst selber den ersten Schritt tun?

Der junge Mann spricht nur nachts, betrunken, direkt zu ihr. Er sei verletzt worden in der Vergangenheit, er wolle seinerseits nicht verletzen, erklärt er mit ernstem Blick. Und schafft es danach schließlich doch noch, die junge Frau kurz zu küssen, nur um sich danach sofort für seine plumpe Hemmungslosigkeit zu entschuldigen. Die nächsten Treffen werden verkrampft. Spiegeln gleich stehen sich die Geschlechter gegenüber und hyperreflektieren ihre Beziehung zu Tode, bevor sie überhaupt angefangen hat. Die Körper haben keine Chance gegen ihre Köpfe, die junge Frau geht.

Auf die überfordernde Doppelbotschaft, in der Partnerschaft ebenbürtig, im Geschlechterspiel selbstbewusst zu sein, kann er nur mit noch mehr Reflektion antworten.

Die junge Frau indes schimpft vor ihren Freundinnen, die böse Waschlappen-Metapher fällt. Als der junge Mann bei ihr klingelt, ihr ein letztes Tape mit seiner Bardenmusik übergibt und sie hoffnungsvoll um eine neue Chance bittet, regt sich nichts als der Wunsch, ihn tröstend in den Arm zu nehmen, anstatt sich flammend an seine starke Brust zu werfen.

http://www.zeit.de/2012/02/Maenner/komplettansicht

Da wird die junge Frau also vorzeitig zur Mutter, und das auch noch mit dem falschen Objekt. Die Lage ist ernst. Was nun? Auch die urbane emanzipierte junge Frau von heute will sich schließlich noch begehrt fühlen. ›Selber schuld!‹ ruft ihr Jonathan Widder zu:

Wenn Pauers „junge Frau“ nun trotz aller Emanzipation einen Mann will, an dessen starke Brust sie sich flammend werfen kann, dann müsste sie zusammen mit ihren aufgeklärten Freundinnen mal darüber nachdenken, ob es wirklich vernünftig ist, dem Mann als solchem immer wieder Schuldgefühle einzureden, weil er angeblich mit seiner gewalttätigen Natur für das Böse in der Welt verantwortlich ist – was letztendlich ja  doch höchstens sein Rückgrat zerstört und zu einer geknickten Haltung führt.

Sie müsste noch einmal genau prüfen, wie sinnvoll die Strategie ist, die Vertreter des anderen Geschlechts in kurzsichtigen publizistischen Rundumschlägen niederzumachen, nur um sich anschließend über deren Niedergeschlagenheit zu empören.

http://www.jonathanwidder.de/index.php/easyblog/der-frust-der-frauen.html

Genauso ist es: jahrzehnte- wenn nicht gar jahrhundertelang wurde das männliche Geschlecht verteufelt, wie Christoph Kucklick (auf dessen Text ich irgendwann einmal näher eingehen muß, so wichtig und richtig ist er) hier eindrucksvoll nachweist:

http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner/komplettansicht

Nun ist es, das männliche Geschlecht, bis zur Unkenntlichkeit domestiziert, und das Ergebnis mißfällt. Mag die Kausalität zwischen Erziehungsprozeß und Endprodukt auch noch so scharfsinnig hergeleitet sein: konstruktiv ist diese Kritik der Erziehungsarbeit natürlich nicht.

Wie also ist der jungen Frau von heute zu helfen? Harald Martenstein rät zu einem Perspektivwechsel:

Die modernen Frauen wollen Typen, die hin und wieder, und zwar genau dann, wenn die modernen Frauen es wollen, auch mal ein bisschen macho sind.

Ich finde das unlogisch. Ein Typ, der auf Wunsch einer Frau den Macho gibt, verhält sich, weil er dem Befehl der Frau folgt, doch völlig antimacho und softie. Ein echter Macho zieht sein Ding durch und lässt sich nicht reinreden. Wenn ein echter Macho Lust dazu hat, mal selbstreflexiv zu sein, dann tut er das auch. Wenn es sein muss, dann reflektiert er die ganze Nacht. Wir lassen uns das Jammern nicht verbieten.

http://www.zeit.de/2012/08/Martenstein

Diese geistige Volte hilft frau natürlich nur begrenzt. Denn erstens will die moderne junge Frau von heute keinen klassischen Macho von gestern, und der Macho von heute, der sein Mann-Sein darin erschöpft, die Frau nicht zu wollen, ist ja nun vollkommen uninteressant. SIE will einen Mann, der auf dieselbe Art kompliziert ist wie sie selbst. Der zweite Lebenshilfe-Tip kommt von Christoph Scheuermann:

Die Verweigerung von Eindeutigkeit ist die Stunde des grauhaarigen Gentleman, der hier und da noch existiert. Ihm liegt plötzlich ein riesiges Reservoir enttäuschter junger Frauen zu Füßen, derer er sich annehmen kann. Auf lange Sicht ist der alternde Bohemien, nicht der Macho, der Profiteur der Schluffi-Krise. Für die jungen Männer ist das seltsam, aber im Grunde wenig ärgerlich, weil ohnehin genügend Frauen übrig bleiben.

Beide Gestalten, die Optimier-Frau und der Lieber-nicht-Mann, sind zugleich tragische wie komische Figuren der Gegenwart. Tragisch, weil sie sich mit ihrer Verbesserungssucht und Entscheidungsunlust so lange gegenseitig quälen, bis sie zusammenbrechen vor Erschöpfung. Komisch, weil sie trotzdem nicht voneinander lassen können.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,809420-2,00.html

Nun mag der alternde Bohemien hier und da gottlob noch aufzutreiben sein, seltener auf dem Lande oder in der Kleinstadt, aber Berlin ist schon mal kein schlechter Turf. Allerdings: mehr als ein Mann für gewisse Stunden wird er nicht sein können, da er regelmäßig in festen Händen ist und den sicheren Hafen als Ablegestelle schätzt. Und die junge Frau in Nina Pauers Essay wünscht sich doch eine richtige BEZIEHUNG. Genau das ist ihr Fehler, bescheidet Alice Schwarzer barsch. Das ›Weibchen‹ muß an sich arbeiten, die neuen trantütigen Männer sind nämlich goldrichtig für ihr Gender-Programm hin zur spannungslosen Geschwisterlichkeit:

Pointiert tischte Schwarzer unter dem Titel «Emanzipierte Frauen und verunsicherte Männer – und nun?» ihre anekdotisch gespickten Thesen auf, die zwar nicht immer über alle Zweifel erhaben schienen, deren Kern aber manche angeblich verunsicherten Männer aufmuntern musste: «Lasst euch vom Ruf nach echten Männern nicht verwirren. Lasst euch nicht von Weibchen und Machos aufhalten, zu echten Menschen zu werden», sagte sie.

http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/stadt_und_region/lieber_keine_echten_maenner_1.16127848.html

Männer sind nämlich keine Menschen, wie Kucklick nicht nur anhand dieser stereotyp-diskriminierenden Sentenz grandios herausgearbeitet hat. Praktisch bewandert, wie Alice Schwarzer in Sachen heterosexueller Sexualität nun einmal ist, also sozusagen päpstlich, hat sie aber auch noch einen Verhaltenstip auf Lager:

Sie scheint nicht zu begreifen, dass das Verhalten im Beruf einerseits sowie in Liebe und Familie andererseits unteilbar ist. Ich finde es sehr begrüssenswert, wenn Männer jetzt nicht immer nur die Helden spielen oder vielleicht auch mal Frauen sich trauen, als erste zu küssen.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Frauen-sollten-auch-mal-zuerst-kuessen/story/28937231

Selbst für eine gnadenlose Chefin (im Beruf) ist das aber nicht so easy, wie sich das anhört. Beruflich folgt die Unangreifbarkeit aus der Funktion. Privat begegnen sich Menschen, was Schwarzer womöglich vergessen hat. Männer haben es jahrhundertelang gelernt, sich Körbe einzufangen, ohne grundsätzlich an sich und ihrer Attraktivität zu zweifeln, ob sie vorhanden ist oder nicht. Jeder weiß auch, daß nichts schlimmer ist als der Zorn einer verschmähten Frau. Würden Männer sich also trauen, weibliche Avancen abzulehnen? Sie träumen ja nur davon, von einer Frau angemacht zu werden, die sie selbst auch wollen. Kriegen Männer es hin, so diplomatisch weibliche Kußversuche abzulehnen, daß die Rachearie ausbleibt? Eine verfahrene Kiste…

Ebenso wie die alte findet auch eine junge Feministin, Julia Seeliger, daß Pauers junge Frau einen Webfehler hat:

Ich musste erst lernen, dass das Private auch politisch ist. Dass Beziehungsglück auch eine Menge mit dem Geschlechterverhältnis zu tun hat. Und dass Sex und Gefühle eine Rolle spielen. Und dass an Reflexion und Gespräch darüber kein Weg vorbeigeht. Dass es einen sexuellen Konsens geben muss, den man vor dem Sex verhandelt, damit man beim Sex nicht mehr nachdenken muss.

[...]

Küssen ohne zu fragen ist uncool

Und das sollte er auch. Ein Mann kann gar nicht zu lange nachdenken, ob er eine Frau “einfach küssen” kann. Einfach küssen ohne vorher zu fragen ist reichlich uncool, egal, wer da wen küsst. Ob ein Mann eine Frau küsst, eine Frau eine Frau oder ein Mann einen Mann. Oder ein Transgender einen Intersexuellen. Mir ist es mal passiert, dass mich einer einfach versuchte zu küssen. Daraufhin habe ich “Nein” gesagt, mich schlafen gelegt und die Person danach nie wieder getroffen.

[...]

Anstatt ein reaktionäres Gesellschafts- und Männerbild zu vertreten, sollte Nina Pauer vielleicht einfach mal anders küssen. Vielleicht selbst mal fragen, ob man den Mann küssen darf?

http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/01/07/richtig-kuessen-frau-pauer.aspx

Wie sie das macht, hat sie 09. Januar 2012, 10:43 ebenfalls verraten:

Zur Sache: da ich nicht “date”, muss ich auch nicht nach dem dritten Rotwein debile Fragen wie “Ich würde dich schon so lange so gern küssen. Darf ich jetzt vielleicht?” stellen. Ich bevorzuge Formulierungen wie “Hey, lass mal rausgehen, knutschen”. Solche Formulierungen habe ich schon mehrmals in meinem Leben verwendet, ich habe das aber nicht gezählt.

http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/01/07/richtig-kuessen-frau-pauer.aspx

Aber da merkt man schon, daß sie der unromantische Typ ist, eher das Mädel zum Pferdestehlen, handfest und direkt. Von Begehren und herzklopfender Verliebtheit keine Spur, und mit Dates hat sie auch nichts am Hut. Das kann kein Role-Model für eine sich anbahnende Romanze in Prenzlauer Berg sein. Liebe ist ja ganz etwas anderes. Mit ihrer juristisch sauberen Verhandlungstechnik vor dem Sex liegt sie dafür voll auf der aus den USA zu uns herüberschwappenden ›Yes-means-Yes‹-Kampagne:

NEIN heißt NEIN oder Antisexismus muss Praxis werden: das Zustimmungskonzept.

23. Dezember 2008

in Allgemein

Zustimmung definiert das freiwillige und ausdrückliche Einverständnis aller Beteiligten zu einer spezifischen sexuellen Handlung. Ab wann genau eine sexuelle Handlung beginnt, wird sehr subjektiv wahrgenommen, daher: besser zuviel als gar nicht fragen. Eine Grenzüberschreitung kann durch eine flüchtige Berührung als solche erlebt werden, deswegen frag lieber auch bei einer Umarmung oder einem Kuss, ob das für die Person in Ordnung ist.

Übergriffiges Verhalten, Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt können Traumata bei den Betroffenen auslösen – deswegen ist es wichtig, bei jeder sexuellen Handlung mit der_dem Partner_in zu kommunizieren. Durch Reden erfährst du, wie weit dein Gegenüber gehen möchte und kannst potentiellen Grenzverletzungen vorbeugen.

Zustimmung bedeutet immer wieder und jedes einzelne Mal und für jede sexuelle Handlung zu fragen, also zum Beispiel, ob es einer Person angenehm ist, wenn ihr euch küsst, umarmt, streichelt, du ihr den Rücken kraulst…

http://defma.blogsport.de/2008/12/23/nein-heisst-nein-oder-antisexismus-muss-praxis-werden-das-zustimmungskonzept/

Das ist freilich der Tod der Erotik und das Ende aller Leidenschaft. Und was ist mit denen, die keine Liebhaber von dirty talk sind? Denen die Worte ausgehen, weil der Trieb übernimmt? Und mit denen, die sich lustvoll fallenlassen und nicht ahnen, was sie selbst in der nächsten Sekunde machen wollen oder empfinden könnten? Man merkt es schon, hier geht es um Kriminalisierung eines ›Gegners‹ und nicht um Lust. Bei den jungen Alpha-Feministinnen von ›Mädchenmannschaft‹ wird von einer Helga, von der sich Männer nachhaltig fernhalten sollten, Sexualität umstandslos mit Kriminalität konnotiert:

Ebenfalls völlig unerwähnt bleibt, dass in den vergangenen Jahren, über rechtliche Begriffe hinaus, neue Konzepte und Ideen zu Sexualität entwickelt wurden. Aus der alten Parole „Nein meint Nein“ ist „nur ein enthusiastisches Ja meint Ja“ geworden, bereits 2008 erschien Yes MYes von Jaclyn Friedman und Jessica Valenti. Das Zustimmungskonzept verschiebt den Fokus auf die Einvernehmnlichkeit des Sex – damit Grauzonen gar nicht erst entstehen.

Weg von derzeitigen Rechtsbegriffen geht auch das Konzept der Definitionsmacht. Danach gelten auch Taten als sexualisierte Gewalt, die vom Gesetz nicht erfasst werden, unerwünschte Zungenküsse etwa. Statt der komplexen Debatte um „Grau­zonen“ und Grenzüberschreitungen gerecht zu werden und sie voran­zu­treiben, bleibt der Artikel leider bei der Grenze „Nein“.

http://maedchenmannschaft.net/ueber-konsens-reden-aber-richtig/

Auweia. Da stehen die Beteiligten ja fast mit einem Fuß im Gefängnis, wenn sie sich aufeinander einlassen, aber ihre Definitionsmacht unterschiedlich einsetzen. Außerdem müssen sie wissen, was sie wollen, und zwar vorher. Und wehe, das ausdrückliche ›Ja‹ klingt nicht enthusiastisch genug und wurde mit einem ›Liebst du mich nicht mehr?‹ perfiderweise erzwungen. Und vorher trinken sollte man auch nichts mehr, denn nur bei klarem Kopf, einwandfrei nachgewiesener Geschäftsfähigkeit und nicht als Opfer erregender Verführungstechniken oder charmanter Manipulationen gilt ein weibliches Ja auch als solches. Enthemmung und Lust sind nämlich das neue biedermeierliche Tabu – sowas wird Frauen heute ideologischerseits abgesprochen.. Auffallend ist nämlich, daß es unausgesprochen immer die Frauen sind, die Grenzverletzungen monieren.

Solche Meldungen landen zwar nur in der Abteilung Kuriosa/Vermischtes:

Zu viel Sex – Mann ruft Polizei

München – Vor einer sexbegeisterten Bekannten ist ein Mann in München auf den Balkon geflüchtet und hat die Polizei um Hilfe gerufen. Der 43-Jährige hatte die vier Jahre ältere Frau laut Polizei in einer Kneipe kennengelernt und war mit in ihre Wohnung gegangen. Als der erschöpfte Mann nach mehreren Liebesakten gehen wollte, ließ ihn die Frau nicht aus der Wohnung. Er flüchtete auf den Balkon und wählte per Handy den Notruf. Die 47-Jährige erwartet nun ein Strafverfahren wegen Verdachts der sexuellen Nötigung und Freiheitsberaubung.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,827353-3,00.html

Aber sie bilden natürlich nur die Spitze eines Eisbergs. Welcher eigentlich müde, Sex ablehnende, Mann würde seine Partnerin moralisch fertigmachen oder gar anzeigen, nur weil sie ihn gegen seinen Willen und gegen sein Nein rein physisch muntermachte? Annabel Wahba, gegen deren Artikel ›Die Angst, Nein zu sagen‹ sich Helgas Unmut richtete, hat so ein männliches Alltagsexemplar aufgegabelt –  und dabei eine für Feministinnen (aber auch nur für die) erstaunliche Feststellung gemacht:

Aber die Männer sind nicht immer die Bösen. Johanna Koljonen, die schwedische Journalistin, hat mit ihrer Website auch große Überraschungen erlebt. Es haben sich nicht nur viele Frauen gemeldet, sondern auch Männer, die erzählten, wie sie sich zu Sex überreden ließen, den sich eigentlich nicht wollten. Ein homosexueller Mann war darunter. Auch ein Mann, der von einer Freundin erzählte, die ihn eines Nachts zum Sex drängte, obwohl sie wusste, dass er müde war. Er ließ sich darauf ein und wollte danach seine Ruhe. »Aber sie wollte mehr und hat nicht aufgehört, zu betteln und mich anzufassen«, schreibt er. Danach trennte er sich von ihr.

http://www.zeit.de/2012/14/Grauzone-Gewalt/komplettansicht

Wir haben es heutzutage bei Sex also mit einer Kampfzone zwischen den Geschlechtern zu tun – und mit Frauen, die sich nicht trauen, Nein zu sagen, um keine Spielverderberin zu sein. Oder die sich hinterher nicht gut fühlen, weil sie überflüssigen und/oder schlechten Sex hatten, den sie ›eigentlich‹ nicht wollten. Da hat das Es gegen das Ich gesiegt, ein völlig normaler Vorgang, der urplötzlich als Grauzone zwischen einvernehmlichen Sex und Vergewaltigung definiert wird. Die es selbstverständlich zu verkleinern gilt. Da waren wir Frauen schon mal weiter.

Gegen alle diese durchsichtigen feministischen Bemühungen, weibliche Triebe moralisch einzuhegen wie sonst nur die katholische Kirche (wie kann frau bloß einen One Night Stand haben oder einen Seitensprung aus purer Lust!) und den Mann als potentiellen Täter zu kriminalisieren, schreibt glücklicherweise Barbara Sichtermann an – und das war leider überfällig.

Was Frauen Sex bedeutet: Eine Befragung

Barbara Sichtermann

Sichtermann lässt ein mehrdeutiges Sittenbild entstehen, eine Sphäre weiblicher Sexualität, in der die gewohnte Moral nicht gilt. Weibliche Liebeslust findet in einer »Geheimwelt« statt, die manche Überraschungen für die Leserinnen und Leser bereit hält; denn Eros ist in der Liebespraxis der Frauen ein Vagabund, ein Wegelagerer – und ein König!

»Frauen lernen Heimlichkeit, Umwertung der gewohnten Werte (vor allem was Aufrichtigkeit betrifft), Unberechenbarkeit und Amoralität als Teil ihres Lebens und als Bedingung ihrer Lust anzuerkennen.«

Brandes & Apsel, Neuerscheinungen 2012

Das mußte wirklich mal gesagt werden…

Aber was soll man auch vom Stand der heutigen Emanzipation halten, wenn uns Marie Schmidt in der ZEIT eine junge Feministin namens Laurie Penny mit diesen Worten empfiehlt:

Schlachtfeld Frau

Es muss endlich ein Ende haben mit Heidi Klum und der Dressur des weiblichen Körpers. Die britische Feministin Laurie Penny plädiert für einen starken jungen Feminismus von heute.

  • Von Marie Schmidt
  • Datum 08.03.2012 – 06:37 Uhr

[...]

Penny beschreibt zum Beispiel ihre Erfahrung mit Essstörungen: »Nichts zu wollen scheint leicht erlernbar zu sein, und ebenso scheint es einfach zu sein, die Regeln bis in ihre letzte, tragische Konsequenz zu beherrschen und jede Nahrungsaufnahme zu verweigern, den Körper zu bestrafen und mit der künstlichen Vorpubertät, in der er durch das Hungern chemisch dauerhaft gehalten wird, die Libido abzutöten. Es ist leichter, ein Zeichen zu werden, als zu versuchen, etwas zu bezeichnen.«

Es ist einfacher, heißt das, sich dem Size-Zero-Sex-Appeal anzupassen, als auf der eigenen Körperlichkeit zu bestehen, deren Erotik möglicherweise erst durch echte Berührungen zwischen Menschen ausgehandelt werden müsste: »Junge Menschen, die mit dem Druck aufwachsen, in jedem Bereich ihres Lebens etwas zu leisten, finden sich in der Situation wieder, eine roboterhafte, kapitalistische Erotik nachzuäffen, die kaum etwas mit ihren eigenen legitimen Wünschen zu tun hat.«

[...]

»Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten«, fantasiert Penny, »und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.«

http://www.zeit.de/2012/11/Feminismus-Schlachtfeld-Frau/seite-2

Gibt es wirklich so viele eßgestörte junge Frauen, die sich an Top-Models orientieren, als daß deren Therapie als feministisches Projekt durchginge? 95% aller jungen Mädchen wissen, daß sie für eine solche Karriere nicht in Betracht kommen, und dank Heidi Klums ›Germany’s Next Top Model‹-Sendung wissen sie auch, daß eine solche Karriere keineswegs erstrebenswert ist. Allein schon die Unterwerfung unter diese Domina Klum steht für die Härte des Business, stellvertretend für jegliches Angestelltenverhältnis in einer globalisierten kapitalistischen Welt. Mühelos lernen die Teenies vor der Glotze, daß man die Girls mit Kurven als zu sexy für die Haute Couture vor dem Finale aussortiert, und daß reale Jungs im Gegensatz zu den überwiegend schwulen männlichen Modemachern keine Hungerhaken mögen, müßten ihnen eigentlich ihre Real-Erfahrungen vermitteln. Falls nicht, sollten ihnen die Brustvergrößerungen der als sexy geltenden Stars zu denken geben. Aber wer die eigene Libido abtötet wie die bedauernswerte Laurie Penny, hat gewiß ganz andere und viel tieferliegende Probleme als die Wahl eines falschen weiblichen Körper-Vorbilds.

Marie Schmidt:

Nicht nur, dass sie die Arbeit am Selbst einfach einstellen könnten, es bestünde auch die Gefahr, dass sie einen echten Willen zur Macht entwickelten. Wie die Dinge liegen, scheinen Frauen keine Möglichkeit zu haben, sexy gefunden zu werden, weil sie Macht an sich nehmen, höchstens obwohl. Frauen, die Einfluss wollen, müssen deshalb ihre professionellen Ziele immerzu gegen ihren erotischen Wert »verrechnen«. Sie tun es, indem sie ihren Geschlechtskörper sublimieren, was die Bundeskanzlerin beispielhaft vorzeigt. Oder indem sie ihre erotischen Körper selber als Instrument ihrer Macht »nutzen«.

http://www.zeit.de/2012/11/Feminismus-Schlachtfeld-Frau/seite-2

Diesem Schwulst ist schwer zu folgen, aber ich versuche es mal: eine Frau, die sich schön findet, ohne ihren Körper optimieren zu müssen, wird eventuell machthungrig. (Hä?) Entweder ist sie wirklich schön und schläft sich nach oben, oder aber sie ist nicht wirklich sexy, dann schafft sie es anderswie nach oben, wird aber gezwungen, ihren Körper zu verstecken, obwohl der gar nicht sexy ist. Ups, da war ich wohl dem Beispiel Merkel aufgesessen. Ach nein, irgendwie wird es Frau Schmidt anders gemeint haben, ohne es ausdrücken zu können. Das wäre was, wenn ideologie-trunkene Journalisten sich mal der Logik verpflichtet fühlen müßten.

Glücklicherweise wird sich das von ihr vage skizzierte Problem bald erledigt haben, denn die Frauen drängen mit Macht zur Quote. Da ist es dann egal, ob frau dumm oder klug, fähig oder unfähig, hübsch oder häßlich oder erotisch oder unerotisch ist. Da muß nix mehr verrechnet und ausgehandelt werden, da muß man nur Frau sein, und zwar eine echte (Nachweis der Nicht-Transsexualität inclusive)! Und frau muß natürlich ein paar mächtige Männer kennen –: ohne Vitamin B hätten es die männlichen Vorstandskollegen ja auch nicht geschafft. Ganz abgesehen davon wäre es nicht schlecht, wenn mit der parteipolitischen Berufung in Behördenleitungen mal Schluß wäre – aber da darf man sich keinen Illusionen hingeben: Chefs wie Chefinnen sind immer unfähig, da waltet zuverlässig das Peter-Prinzip.

http://private.freepage.de/hame/peter.htm

Wie man einen solchen offen männer-diskriminierenden und in die Freiheit von Betrieben eingreifenden Paragraphen verfassungskonform formulieren könnte, hat noch nie jemand erklärt. Und wieso in Betrieben, für die Frauen sich nicht interesssieren, plötzlich 30 % des Vorstands weiblich sein soll, versteht sowieso keiner. Gottlob gibt es da noch Frau Kristina Schröder, die sich wie ein Mann dem drohenden Ungemach entgegenstellt:

Gleichberechtigung

Schröder knüpft ihre politische Zukunft an die Frauenquote

“Solange ich Ministerin bin, wird es keine starre Quote geben”: Kristina Schröder legt sich im Streit um eine gesetzliche Frauenquote schicksalhaft fest.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-04/schroeder-quote-karriere

Recht so. Wenigstens eine, die nicht wackelt und sich traut, Unfug Unfug zu nennen. Wenn sie sich schon gezwungen sieht, den Unfug des Betreuungsgeldes für Kinder, die nicht in die Kita dürfen, zu finanzieren. (Bereits da wäre ich zurückgetreten.) Politiker sind leidensfähiger als der Normalmensch.. Aber selbst wenn der Sturm sie aus dem Amt blasen würde und die DAX-Firmen gezwungen wären, sich jede Menge Frühstücksdirektoren-Pöstchen für den Vorstand auszudenken: wir wissen ja, daß Frauen gar keine Karriere machen wollen und daher jegliche Rekrutierungsversuche obsolet wären:

Bascha Mika über Frauen im Beruf

Zu weich, zu feige, zu unterwürfig

09.02.2011, 12:09

Von Cathrin Kahlweit

Es gibt zu wenige Frauen in den Führungsetagen? Selber schuld, findet Bascha Mika. Frauen seien zu bequem und zu feige, um wirklich Karriere zu machen. Sie müssen aufhören, sich selbst zu betrügen, fordert die Feministin.

http://www.sueddeutsche.de/leben/bascha-mika-ueber-frauen-im-beruf-zu-weich-zu-feige-zu-unterwuerfig-1.1057495

Hier halte ich erschöpft inne, obwohl ich noch lange weitermachen könnte.

Keine dieser Frauen repräsentiert mich, keine ihrer Forderungen und Wünsche bedeuten mir etwas. Frauen sind so unterschiedlich, wie es Menschen nun mal sind.

Frauen scheint wirklich nur eins gemeinsam zu sein: das Nörgeln über die Männer.

Mely Kiyak:

Wäre es nicht sowieso viel interessanter, zu untersuchen, warum sich immer nur Frauen über Männer beklagen und nie umgekehrt? Bis auf einige wenige Komödianten, die sich sehr harmlos über Frauen und ihren angeblichen Hang zu übermäßigen Handtaschen- und Schuhkäufen amüsieren, gibt es das Genre »Kritik an Frauen« nicht. Und das, obwohl sich durch die beschriebenen Veränderungen auch das Leben der Frauen verändert hat. Wie finden das Männer?

http://www.zeit.de/2012/05/P-Maenner/komplettansicht

Der Frauen ›ewig Weh und Ach‹ hat schon der Großmeister Goethe thematisiert. Ob sein Mephisto-Rezept (hier schließt sich der Kreis) doch (noch) gültig ist?

Mephistopheles.

Besonders lernt die Weiber führen
Es ist ihr ewig Weh und Ach
So tausendfach
Aus einem Punkte zu kurieren,
Und wenn Ihr halbweg ehrbar tut,
Dann habt Ihr sie all unterm Hut.
Ein Titel muss sie erst vertraulich machen,
Dass Eure Kunst viel Künste übersteigt;
Zum Willkomm tappt Ihr dann nach allen Siebensachen,
Um die ein andrer viele Jahre streicht,
Versteht das Pülslein wohl zu drücken,
Und fasset sie mit feurig schlauen Blicken
Wohl um die schlanke Hüfte frei,
Zu sehn, wie fest geschnürt sie sei.

Schüler.
Das sieht schon besser aus! Man sieht doch, wo und wie.

Mephistopheles.
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.

Nina Pauers junger Frau würde ich übrigens raten, die Stammkneipe zu wechseln. Es gibt nämlich so viele unterschiedliche Männer wie es unterschiedliche Frauen gibt. Aber in gewissen Biotopen findet man eben nur Zeitgeist-Angepaßte.