»Das Private ist politisch«: Anne Sinclair und der bevormundende Feminismus

Wenn Feminismus zu Intoleranz, Verunsicherung und Haß führt, dann wird Antifeminismus zur Pflicht. Insbesondere für Frauen. Denn dem feministischen Mainstream in Gesellschaft und Medien genügt es nicht etwa, lediglich das männliche Geschlecht zu verteufeln. Dasselbe Schicksal widerfährt auch Frauen, die sich dem Sittenkodex der aktuellen Heilslehre nicht beugen. Das ›selbstbestimmte Luder‹ hat es gerade noch so eben geschafft, die Kurve zu kriegen und den beiden Schubladen zu entgehen, in die Frauen ansonsten einsortiert und vereinnahmt werden: das ›Weibchen‹ und das ›Opfer‹.

Diese beiden Typen benötigt der Feminismus wie der Fisch das Wasser. Denn nur sie belegen, daß der Emanzipationsprozeß noch nicht beendet ist. Die Etikettierung als ›Weibchen‹ oder ›Opfer‹ gelingt durch die Politisierung des Privaten – was wiederum bedeutet, daß die Intimsphäre gnadenlos mißachtet und instrumentalisiert wird. Da gehen Schlüsselloch-Boulevard und Ideologinnen Hand in Hand.

Familienministerin Kristina Schröder wurde zum Weibchen, weil sie bei der Eheschließung den Namen ihres Mannes annahm. Freiwillig von Köhler (immerhin, ein präsidiabler Name) zu Schröder (achgott, nur ein Kanzler) abzusteigen, ist für das Schlachtroß der Emanzipation, Alice Schwarzer, ein nachhaltig verwirrender Akt:

08.11.2010

Offener Brief an Kristina Schröder

Sehr geehrte Frau Ministerin! Sie sind jetzt seit fast einem Jahr im Amt. Seither warte nicht nur ich auf Taten und Zeichen von Ihnen, die die Lage der Familien verbessern und die Gleichberechtigung der Frauen weiter bringen könnten. Zeichen, wie wir sie von Ihrer couragierten Vorgängerin gewohnt waren. Wir warteten bisher allerdings vergebens. Die einzig aufregende Nachricht aus Ihrem Amt war Ihr Namenswechsel von Köhler auf Schröder – was mich persönlich, ehrlich gesagt, bis heute verwirrt.

http://www.aliceschwarzer.de/publikationen/blog/?cHash=69bb339dd9&tx_t3blog_pi1[blogList][day]=08&tx_t3blog_pi1[blogList][month]=11&tx_t3blog_pi1[blogList][showUid]=54&tx_t3blog_pi1[blogList][year]=2010

Tina Hildebrandt lästert in der ZEIT über die Verlobung von Marina Weisband:

Über Verlobungen

Die Piratin Marina Weisband gab kürzlich via Twitter ihre Verlobung bekannt. Ganz schön bürgerlich und überhaupt nicht freibeutermäßig, findet Tina Hildebrandt.

[...]

Die nächste Nachricht erreichte die Öffentlichkeit standesgemäß via Twitter: He did it. He ist der Freund der Piratin. It ist der Heiratsantrag, den er seiner Liebsten machte, wobei er offenbar einen Verlobungsring überbrachte, der nun im Netz zu sehen ist. [...] Wen interessiert’s? Funktioniert LiquidFeedback auch zu zweit? Vor allem aber: Warum überhaupt verloben? Ursprünglich verlobte man sich, um ohne Ärger Händchen halten zu dürfen. Erst 1998 wurde das Kranzgeld abgeschafft, eine Entschädigung, die fällig wurde, wenn es zu vorehelichem Sex gekommen war, auf den aber weder Glücksgefühle noch Heirat, sondern eine schnöde Entlobung folgte. Ferner galt die Verlobung in Pre-post-Gender-Zeiten als erster Erfolg bei dem Versuch, notorisch bindungsängstliche Exemplare vom Typ Mann anzuleinen. Übersetzt bedeutet Verlobung schließlich drittens: Wir hätten gerne einen Toaster, ein Kaffeeservice, eine Bodenvase. Alles drei recht bürgerliche Wünsche, die man von Freibeutern nicht unbedingt erwartet.

http://www.zeit.de/2012/19/Gesellschaftskritik-Verlobungen

»Wen interessiert’s?« Eine lustige Frage. Tina Hildebrandt interessierts. Und die meint, daß die Öffentlichkeit interessieren müßte, welche Assoziationen sich bei ihr, Tina Hildebrandt, angesichts einer Verlobung so einstellen. Was sie indes unter dem Deckmantel unstandesgemäßer ›Bürgerlichkeit‹ anprangert, ist in Wahrheit ein Rückfall in die Weibchenrolle. Schließlich hat frau sich nicht zu freuen, wenn ein Mann ihr einen Heiratsantrag macht. Sehr deutlich schimmert Hildebrandts Einstellung bei diesen vernichtenden Sätzen durch:

Seither jedenfalls hört man von Weisband mehr denn je. Über ihre blonde Perücke: Trage ich aus Spaß an der Verwandlung. Über die Piraten als Koalitionspartner: Nervtötend. Über Talkshows: Da geht es darum, dicke Eier zu haben.

Womöglich in Ermangelung ebensolcher brach Weisband kurz vor einer Sendung der Talkfrau Maybrit Illner im Studio zusammen, ein Phänomen, das bislang vor allem aus der Fauna bekannt ist: Opossums, aber auch Spinnen und andere Tiere stellen sich tot, wenn ein Steppen-Burn-out oder ein anderer Feind naht.

http://www.zeit.de/2012/19/Gesellschaftskritik-Verlobungen

So schnell rattern die üblen Assoziationen: keine Eier, Kreislaufschwäche, Weibchen, Tierreich, Totstellreflex. Die unemanzipierte Verlobung ist nur das letzte Glied in der Beweiskette: Du bist ein tranfunzeliges Weibchen, das folgerichtig die Politikkarriere aufgibt. Was ist dagegen denn schon ein Diplom in Psychologie?

Nun könnte man sagen: selber Schuld. Wer sein Privatleben in die Öffentlichkeit trägt, muß damit rechnen, daß es von ideologischen Scharfmacherinnen auseinandergenommen wird. Aber selbstgerechte Feministinnen mischen sich auch dann ein, wenn lediglich eine fiktive Ich-Figur in einem autobiographisch gefärbten Roman von der Last mit der genderpolitisch unkorrekten Lust erzählt. Alice Schwarzer in einem ihrer berüchtigten Offenen Briefe, dieses Mal an Charlotte Roche:

15.08.2011

Hallo Charlotte,

ich bin’s, dein Über-Ich. Du weißt schon, diese feministische Rachegöttin, die Seite an Seite mit deiner Mutter durch dein Buch geistert. Die deiner Protagonistin Elizabeth immer über die Schulter guckt, wenn die gerade mal Spaß haben will – die Eichel ihres Mannes mit der Zunge putzt, auf dem Familiensofa Pornos guckt oder es mit ihm und einer Brasilianerin zu dritt im Edelbordell treibt. Dein Mann ist ja Katholik und erst das „Sündigen“ wider Gottes Gebote macht ihn so richtig an. Und du bist zwar Atheistin, aber Feministin – und erst das „Sündigen“ wider den Feminismus gibt dir anscheinend den letzten Kick. Insofern habe ich eigentlich eine echt sexy Rolle in deinem Buch. Auch wenn ich sie mir mit dem Papst teilen muss.

http://www.aliceschwarzer.de/publikationen/blog/?tx_t3blog_pi1[blogList][year]=2011&tx_t3blog_pi1[blogList][month]=08&tx_t3blog_pi1[blogList][day]=15&tx_t3blog_pi1[blogList][showUid]=79

Denn das Private ist ja politisch, da wird den Frauen folgerichtig vorgeschrieben, welche Lust sie haben dürfen und welche nicht. SM, Porno und Prostitution sind ein no-go, der Wunsch nach gespielter Vergewaltigung oder hartem Genommen-Werden genauso igitt wie ein Bedienen des Mannes. Erlaubt ist Kuschelsex mit Ansage, und das Verlangen nach mehr als nur einem Bettgenossen dürfte bereits diskussionswürdig sein.

Wenn sich eine junge Frau daraufhin erdreistet, die Verwirrungen zu schildern, die der aktuelle feministische Sexualmoralkodex auslöst, dann wird die eigene Über-Ich-Rolle ins Lächerliche gezogen und der aufmüpfigen Feminismusgeschädigten Schläge unterhalb der Gürtellinie versetzt:

Vielleicht passt es so besser zu deinem neuen Leben als Seine Frau. Eine Frau, die über ihren Mann schreibt: „Er hat mir gnadenlos alles über seine Sexualität gesagt.“ Und die wenige Zeilen später sinniert: „Jetzt bin ich bald dran, ihn mit meiner wahren Sexualität zu konfrontieren.“ In der Tat, das wäre keine schlechte Idee nach all den Jahren.

[...]

Du aber hast inzwischen dein eigenes Geld. Doch – hast du auch eine eigene Existenz? Bist du mit deinem Mann freiwillig zusammen weil du es so willst – oder bist du es, weil du emotional von ihm abhängig bist und bei ihm bleiben musst?

[...]

In denen [in deutschen Feuilletons] wirst du interessanterweise von den meisten Frauen beschwärmt, von den meisten Männern aber verrissen. Sie scheinen dich nicht zurückzulieben, die Männer.

Okay, damit sollte eine starke Frau leben können. Eines allerdings wäre fatal: Wenn deine Leserinnen deine verruchte Heimatschnulze über Sex & Liebe für ein Rezept halten würden. Denn du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.

http://www.aliceschwarzer.de/publikationen/blog/?tx_t3blog_pi1[blogList][year]=2011&tx_t3blog_pi1[blogList][month]=08&tx_t3blog_pi1[blogList][day]=15&tx_t3blog_pi1[blogList][showUid]=79

Schwups, schon ist Charlotte Roche ein Weibchen »mit Oma-Beziehungsmodell«, Opfer einer emotionalen Abhängigkeit vom Mann und bestenfalls »eine Feministin auf dem Trip«, die der Entgiftung durch die Suchttherapeutin A. S. bedarf.  Schwarzer hat die verkleisternde Süße der ›sogenannten Liebe‹ schon immer als die Hauptfeindin klarer Geschlechterverhältnisse betrachtet.

Über Schwarzers brachiale Opferrekrutierung in Sachen Prostitution gegen die klar und eindeutig geäußerten Wünsche der Sex-Arbeiterinnen selbst habe ich mich bereits geäußert:

http://gabrielewolff.wordpress.com/2012/03/15/zur-hebung-des-talkshow-niveaus-der-or-sender-keine-einladung-mehr-an-alice-schwarzer/

http://gabrielewolff.wordpress.com/2012/04/01/alice-schwarzers-anti-prostitutions-kreuzzug-moralin-das-frauen-schadet/

Aber gegen die Unfehlbarkeit der fundamental-feministischen Doktrin kommen selbst vernünftige Feministinnen wie Elisabeth Badinter nicht an:

20.11.2011 01:15 Uhr

„Ich werde ständig von Feministinnen attackiert“

Interview: Verena Mayer

[...]

Alice Schwarzer sieht die Frauen gern als Opfer. Nervt Sie das?

Und wie. Ich kenne Alice sehr gut, wir hatten eine ziemlich rüde Diskussion über Prostitution. Für mich ist das eine philosophische Frage des eigenen Selbst. Wenn eine Frau in einer Nacht so viel verdienen will wie andere in einem Monat, dann soll sie das tun. Bekämpfen soll man die Zuhälter, die Netzwerke dahinter. Aber die Frau hat ihren freien Willen. Da ist Alice ganz und gar dagegen. So wie ich dagegen bin, Frauen immer nur als Opfer zu sehen.

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/sonntagsinterview-ich-werde-staendig-von-feministinnen-attackiert-/5863722.html

Wie ein Brennspiegel hat Anne Sinclair, erfolgreiche Journalistin, TV-Ikone, Buchautorin, Sozialistin, Erbin, Mutter und Großmutter, in zweiter Ehe seit zwanzig Jahren mit Dominique Strauss-Kahn verheiratet, diese Zuschreibungsprozesse gebündelt und auf sich gelenkt. Alles ohne ihr Zutun. Sie, die ihr Privatleben trotz der Öffentlichkeit ihrer beruflichen Existenz immer diskret behandelt hat, mußte erdulden, was einer weniger starken Persönlichkeit den Rest gegeben hätte: Klatsch, Tratsch, Indiskretionen, Verhöhnung, Beleidigungen, Anfeindungen, vorgeblich gutgemeinte Ratschläge zur Beziehungsgestaltung – und immer wieder die Klischees von ›Opfer‹ und ›Weibchen‹, schlimmstenfalls das der ›Komplizin‹ des Mannes, für den keine Unschuldsvermutung galt. Vor allen Dingen in Deutschland.

In Frankreich hielt wiederum Elisabeth Badinter die Fahne des Rechtsstaats hoch, gegen alle erschöpfenden Anfeindungen aus den eigenen Reihen:

Madame Badinter, nach der Sexaffäre um Dominique Strauss-Kahn hieß es, im Macholand Frankreich sei eine Schweigemauer gefallen. Ist es für die Frauen jetzt besser?

Es ist nicht so, dass in Frankreich ständig Frauen geschunden und bedrängt werden. Das ist ein Teil der Realität wie überall anders auch, und es ist richtig, das anzuprangern. Aber die Gleichsetzung „Frau gleich Opfer“ funktioniert nicht. Man sagt nicht automatisch die Wahrheit, weil man eine Frau ist. Genauso wenig, wie man als Frau automatisch lügt. Es ist die Aufgabe der Justiz, das im Einzelfall zu klären.

Strauss-Kahn ist nach seiner Freilassung in New York wieder in den Schlagzeilen. Er soll als IWF-Chef Partys mit Prostituierten besucht haben, die von Unternehmen bezahlt wurden.
Ich bin sehr gut befreundet mit Anne Sinclair, seiner Frau. Mein Mund war von Anfang an versiegelt, außer einmal, als ich den Feministinnen etwas entgegensetzen wollte.

Sie warfen den Feministinnen vor, den Fall zu instrumentalisieren. Viele fanden das seltsam.
Die Stunde der Stille ist gekommen. Ich will für keinen Eklat mehr sorgen.

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/sonntagsinterview-ich-werde-staendig-von-feministinnen-attackiert-/5863722.html

Man braucht eben Mut, für die Vernunft und gegen die Zuschreibung von Geschlechterrollen zu streiten. Letzteres ist nur opportun, wenn Mädchen an klassische Männerberufe herangeführt werden sollen, obwohl sie dazu keine Lust haben. Zu etwas befähigt zu sein heißt ja noch lange nicht, daß man dazu auch motiviert ist. Und die Frage ›Geld oder Leben‹ beantworten Frauen generell klüger als Männer: sie entscheiden sich mehrheitlich für das Leben, von dem sie dann auch mehr haben.

Jenseits der aktuellen Arbeitsmarktsbedürfnisse der Wirtschaft – Facharbeitermangel! – wird allerdings weiter munter zugeschrieben. Der Mann, das Tier. Die Frau, das Opfer. BRIGITTE sieht in Anne Sinclair das arme betrogene Hascherl:

Lug und Betrug

Anne Sinclair: Wie hält diese Frau das aus?

Anne Sinclair ist nicht zu beneiden: Sie ist die Frau von Dominique Strauss-Kahn, dem Mann, der in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen sexuell missbraucht haben soll. Zumindest für mangelnde Treue gab es schon Vorzeichen – wir werfen einen Blick auf die Beziehung.

http://www.brigitte.de/gesellschaft/politik-gesellschaft/anne-sinclair-1091900/

Schließlich sind Vergewaltigungsvorwürfe und sexuelle Untreue gleich schändlich, und frau läßt sich nun mal nicht demütigen: einen untreuen Gatten wirft sie stantepede hinaus. Sie ist nämlich kein selbstbestimmtes Individuum, das den Inhalt und die Tragweite einer Ehe ohne Vormund definieren könnte. Die etwas anderes von ihrem Mann will als sexuelle Treue, die auch sie nicht garantieren kann. Nein, die Deutungshoheit steht allein den Moralisten des Mainstreams zu.

Beim SPIEGEL weiß man nicht so recht, erwägt dieses und jenes und landet dann beim Hausmütterchen, der niedrigsten Stufe des Weibchens. Die Rolle der Beraterin, die auf Augenhöhe mit den Verteidigern konferiert, traut man Anne Sinclair wohl nicht zu.

Anne Sinclair

Die Frau an Strauss-Kahns Seite

Von Stefan Simons, Paris

[...]

Frankreichs Medien charakterisieren die frühere Journalistin daher mal als Heldin, mal als Opfer, ihr “leidendes Lächeln” zierte die Titelseiten der People-Presse. Offen bleibt dabei, ob Sinclair, die dritte Ehefrau von Strauss-Kahn, die bewundernswerte Säulenheilige einer traditionellen Lebens- und Wertegemeinschaft ist oder eine düpierte und gedemütigte Ehefrau.

Immerhin: DSK war kaum verhaftet, da flog Sinclair nach New York; während er noch in der Haftzelle schmorte, bemühte sich die gut vernetzte Frau um Anwälte und eine Apartment. Ganz selbstverständlich, dass die Tochter und Millionenerbin eines der wichtigsten Pariser Kunsthändler der Nachkriegszeit – mit ihrem Privatvermögen die Rechnungen für ihren Mann bezahlt: sechs Millionen Dollar Kaution, 50.000 Monatsmiete für ein mondänes Townhouse, 200.000 Dollar für die Sicherheitsfirma, die DSK bewacht und satte Honorare für die besten US-Anwälte, die für Geld zu haben sind.

Und jetzt gibt Sinclair das Hausmütterchen: Sie kümmert sich um das leibliche Wohl ihres Gatten, kauft Handtücher, schafft Möbel aus der Washingtoner Residenz nach New York und renoviert das neue Heim.

http://www.spiegel.de/panorama/leute/anne-sinclair-die-frau-an-strauss-kahns-seite-a-767048.html

Die stramm feministische taz, für die DSK selbstredend ein Monstrum war und auch nach der Einstellung zweier Verfahren eins bleibt, wundert sich noch am 20.1.2012, dem Tag, als Anne Sinclair die Leitung der französischen Ausgabe der Internet-Zeitung ›Huffington Post‹ übernahm, über die Loyalität der Ehefrau: wie kann sie bloß!

Auf die Frage nach ihrer verblüffenden Loyalität antwortet sie: “Eine bedingungslose Unterstützung gibt es nicht. Man steht zu jemandem, weil man das beschlossen hat. Niemand weiß, was in der Intimsphäre eines Paares vor sich geht, und niemand hat das Recht, über meine Beziehung zu urteilen.” Seitensprung hin oder her, für sie zählt nur, dass keine Gewalt im Spiel gewesen sei. Von feministischen Kritikerinnen lässt sie sich keine Lehren erteilen: “Ich habe immer für den Schwangerschaftsabbruch, die Gleichheit im Beruf, die Respektierung der Würde der Frauen und ihren Platz im öffentlichen Leben gekämpft. Das ist Feminismus, nicht aber, sich in das Privatleben anderer Frauen einzumischen und an ihrer Stelle zu sagen, was moralisch sei oder nicht.” Auf die provokative Frage, ob sie noch in ihren Mann verliebt sei, kontert sie darum empört, das gehe schlicht niemanden etwas an. Auch für die Journalistin hat die Transparenz Grenzen. RUDOLF BALMER

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a2&dig=2012%2F01%2F20%2Fa0045&cHash=ef54f117de

Der Klatschbase Dagmar von Taube von der WELT am SONNTAG begegnet sie am 11.3.2012 ebenso souverän – und hätte sie geahnt, daß sie bereits in der Überschrift auf ›Strauss-Kahns Ehefrau‹ reduziert werden würde, hätte sie allen Anlaß für einen ihrer Wutanfälle gehabt:

Strauss-Kahns Ehefrau

Autor: Dagmar von Taube

11.03.2012

“Wehe, wenn ich wütend werde!”

Wie lebt man eigentlich mit so einem Mann? Ein Gespräch mit Anne Sinclair, der Ehefrau Dominique Strauss-Kahns, über Medien und die Grenzen des Privaten.

[...]

Welt am Sonntag: Schon klar. Aber ist es nicht auch ein bisschen ein Befreiungsakt, wenn Sie nun plötzlich mit einem Spitzenjob aus dem Schatten treten? Diese Nachricht lenkt mal angenehm von dem Debakel ab, das Ihr Mann mit dem Familiennamen veranstaltet hat. Wir erinnern uns: Vor einem Jahr noch war Dominique Strauss-Kahn Währungsfondspräsident. Dann wird er von einem New Yorker Stubenmädchen der sexuellen Gewalt beschuldigt. Verhaftung aus dem Flugzeug. Jetzt die Ermittlungen in Lille um eine vermeintliche Beteiligung an einer Prostitutionsaffäre. Das muss doch ein Albtraum für Sie sein.

Sinclair: Pardon, aber dazu möchte ich nichts sagen. Mein Privatleben ist tabu.

Welt am Sonntag: Ein frommer Wunsch. Wer sagte noch, das Private sei politisch? Uns beiden ist doch klar, dass das Privatleben seit dem Internet vielmehr zu einer Fiktion geworden ist und die Forderung danach genauso Steinzeit, wie ein Leben ohne Computer und Blogs.

Sinclair: Sie haben schon recht, im Ernstfall stehen wir heute alle ziemlich entblößt da. Das Internet hat viele Seiten, bietet Chancen und Risiken. Es scheint vielen Menschen zu gefallen, sich im Netz zu verbreiten. Mein Stil ist diese Form von Exhibitionismus nicht.

http://www.welt.de/vermischtes/article13914399/Wehe-wenn-ich-wuetend-werde.html

Dennoch bohrt Frau von Taube immer wieder nach und spult das Pflichtprogramm (die Wiederaufnahme der Karriere, die Vorstellung von Sinclairs neuem Buch über ihren Großvater, den Kunsthändler und Picasso-Freund Paul Rosenberg) eher lustlos ab. Selbst in ihre Frage zu Anne Sinclairs Vorstellung von Feminismus flicht sie noch eine abwertende Bemerkung zum Ehemann ein:

Welt am Sonntag: Interessant ist: Einerseits sympathisieren Sie mit dem Feminismus – Ihr Mann steht als Chauvie in Verruf. Was bedeutet Gleichberechtigung in einer Beziehung für Sie?

Sinclair: Ich lebe grundsätzlich nach der Devise: Ich mache, was ich will, wie ich es will und ohne, dass sich jemand einmischt. Nein, ich glaube an die Selbstbehauptung der Frau – nicht auf Kosten anderer natürlich. Sagen wir so, ich glaube an den Feminismus, aber nicht unbedingt an den Kampf zwischen Mann und Frau.

http://www.welt.de/vermischtes/article13914399/Wehe-wenn-ich-wuetend-werde.html

Wenn Feminismus grundsätzlich so verfaßt wäre, wie Sinclair ihn hier definiert, wäre gegen ihn nichts einzuwenden. Der Interviewerin gelingt es nicht, Anne Sinclair in die jammervolle Opferrolle zu zwingen. Also versucht sie es am Schluß andersherum. Nun fließen Krokodilstränen für den Zwangsrentner DSK – der allerdings seit Dezember 2011 im internationalen Rahmen wirtschaftswissenschaftliche Vorträge hält, in China, Cambridge, der Ukraine, in Marokko… Aber als Klatschreporterin weiß man sowas ja nicht.

Welt am Sonntag: Man weiß, dass Männer mit einer erzwungenen Ruhestandssituation schlechter zurechtkommen als Frauen. Haben Sie Sorge, dass Ihr Mann daran seelisch zerbricht? Oder was hat er jetzt vor?

Sinclair: Haha, netter Versuch. Nein, darüber mache ich mir keine Sorgen. Und zu seinen Plänen wird er sich selbst äußern.

Welt am Sonntag: Wie geht es ihm eigentlich?

Sinclair: Danke, es geht ihm sehr gut. Aber Sie, Sie sollten jetzt wirklich Ihr Tonbandgerät ausschalten und endlich shoppen gehen, wenn Sie schon mal in Paris sind.

http://www.welt.de/vermischtes/article13914399/Wehe-wenn-ich-wuetend-werde.html

Ein sehr guter Rat von Madame, und wir wollen hoffen, daß Frau von Taube wenigstens beim Schuheinkauf mehr Stilsicherheit beweist als bei diesem Interview oder die WELT am SONNTAG mit diesem Artikel, dem folgender Kasten mit weiterführenden Links beigefügt ist:

Gemeine Männer


John F. Kennedy

Arnold Schwarzenegger

Baschar al-Assad

Ja, da sind die richtigen gemeinen Typen versammelt, einer schlimmer als der andere. Und Kennedy war sogar katholisch… In diesem neuen ideologischem Licht betrachet hat seine Ermordung dann doch noch einen Sinn. Ist Baschar al Assad wirklich ein Fremdgeher? Neugierig klicke ich und finde das hier:

Asma al-Assad galt lange als Sinnbild eines modernen, weltoffenen Syrien. Auch ihren Mann hat ihre Schönheit aufgewertet: Jetzt, aber, als sich rausstellt, dass ihr Mann ein Diktator ist, der für Tausende Tote verantwortlich ist, da schweigt sie.

Hä? Durfte da eine frauenbewegte Volontärin ran, die der deutschen Sprache nicht mächtig ist? Und warum muß die Schönheit seiner Frau nun Schuld tragen? Der Feminismus säbelt Männer und Frauen in gleicher Weise ab. Das haben Ideologien so an sich, daß sie nichts mit Humanität und Kultur gemein haben.

EMMA kolportiert, wen wunderts, genüßlich blanke Beleidigungen:

Am 23. August 2011 kam Richter Michael Obus dem Antrag von Staatsanwalt Vance nach, das Verfahren einzustellen. Vor dem Gebäude demonstrierten Frauen und Männer mit Schildern wie: „Nafissatou, wir glauben dir“ und „Shame on you, Cyrus Vance!“ Heather Cottin, Aktivistin für die Rechte von Immigranten, wetterte vor Journalisten über Strauss-Kahns Ehefrau Anne Sinclair, die in Nibelungentreue zu ihrem Mann gehalten und mit allen Mitteln seine Freilassung betrieben hatte: „Leider machen das viele Frauen, deren Männer Schweine sind. Idiotin!“

http://www.emma.de/ressorts/artikel/vergewaltigung/affaere-dsk-in-den-usa/

Den Tiefpunkt im Umgang der deutschen Presse mit Anne Sinclair, die sich partout nicht im feministischen Sinn instrumentalisieren läßt, setzte überraschenderweise nicht einmal Alice Schwarzer. Ihr Kommentar vom 4.11.2011 war zwar erwartbar schadenfroh, hämisch und wie üblich inhaltlich falsch, wurde aber locker unterboten:

Und Anne Sinclair? Die als „Antigone“ bejubelte Ehefrau, die Hand in Hand mit ihrem der Vergewaltigung verdächtigten Ehemann zu den Vernehmungen zu schreiten pflegte. Jetzt ist auch sie weg. Zurzeit in ihrer Villa in Marrakesch, heißt es.

http://www.aliceschwarzer.de/publikationen/blog/?tx_t3blog_pi1[blogList][showUid]=84&tx_t3blog_pi1[blogList][year]=2011&tx_t3blog_pi1[blogList][month]=11&tx_t3blog_pi1[blogList][day]=04&cHash=17ca4cab74

Da DSK niemals vernommen wurde – er machte von seinem Schweigerecht Gebrauch –, hat seine Frau ihn auch nie zu Vernehmungen begleitet, sondern zu Gerichtsterminen zur Haft- und Kautionsfrage und zur Verfahrenseinstellung. Anne Sinclair hat ihn auch nicht verlassen, Schwarzer hat lediglich diejenigen französischen Klatschblätter gelesen, die allesamt vom Paar Strauss-Kahn/Sinclair wegen Verbreitung von Gerüchten und Verletzung der Intimsphäre verklagt worden sind. Intimsphäre? Ist abgeschafft. Das Private ist schließlich politisch, wenn nicht gar symbolisch.

Nein, den Tiefpunkt lieferte Claus Lutterbeck im STERN 5/2012 ab, einem Organ, das sich schon mehrfach lustvoll-geifernd an DSK abgearbeitet hatte. Allerdings erfolglos; da muß dann eben die Frau als Komplizin bestraft werden, wenn der strafwürdige Lustmolch den Fängen der Justiz entkommt.

Madame der Woche

Lust am Bösen

DSK-Gattin Anne Sinclair übernimmt ein französisches Internet-Klatschblatt

STERN 5/2012, S. 30

So, da hat Madame Sinclair Lust am Bösen? Und die Huffington Post.fr. ist ein Klatschblatt? Beides ist pure Desinformation. Die Huff Post fr. ist eine kritische politische tagesaktuelle Zeitung mit einem unwesentlichen People-Anteil. Wer mag, werfe einen Blick hinein:

http://www.huffingtonpost.fr/

Auf das ›Böse‹ kommt Claus Lutterbeck durch ein Zitat von Roman Polanski, der seinen Erfolg bei Frauen damit zu erklären suchte, daß Frauen immer neugierig auf das Böse oder den Bösen seien.

Lutterbeck:

Vielleicht hilft sein Spruch dabei, eine Frau zu begreifen, die auch ihre Freundinnen kaum noch verstehen: Anne Sinclair, 63. Die Gattin von Dominique Strauss-Kahn steht unbeirrt zu ihrem Streuner, und je mehr Frauen auftauchen, denen er ungefragt an die Wäsche ging, umso treuer ist sie ihm. Warum?

Das weiß auch der Herr Lutterbeck nicht, weshalb er ja Polanski bemühen muß. Letzterer ist zwar wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen verurteilt worden und somit nicht vergleichbar mit einem ›Streuner‹ und mit jemandem, der wegen einer mehr als nur dubiosen Vergewaltigungsanzeige seine Existenz verlor, aber das ist ja Jacke wie Hose. Der Herr Lutterbeck ist jedenfalls ersichtlich verzweifelt, denn auch Anne Sinclair hilft ihm nicht auf die Sprünge, und er muß doch als Frankreich-Korrespondent des STERN seine Zeilen vollkriegen:

Lutterbeck über ein Elle-Interview mit Sinclair:

– Ob sie nicht das „duldende Opfer“ sei und damit eine „archaische Konzeption des Paares“ fördere? Sinclair pampig: Sie sei weder „Heilige noch Opfer, ich bin eine freie Frau“. Ob sie ihren Mann noch liebe? Da wurde Madame deutlich: „Das! geht! Sie! Nichts! An!“

Man muß nämlich auch wissen, daß der Herr Lutterbeck traumatisiert ist, weil er von den Stars derartig gedemütigt wurde, daß er davon träumt, daß sie ihn, auf Knien liegend, um ein Interview anwinseln.

Brückerhoff: Welche Interviews waren besonders unerfreulich?

Claus Lutterbeck: Mit der Schauspielerin Charlotte Gainsbourg. Es hat nur eine Minute gedauert. Ich stellte zwei harmlose Fragen auf die sie, kaum hörbar, nuschelte: “Das geht sie nichts an.”; Da bin ich aufgestanden und gegangen.

Brückerhoff: Hatten Sie schon einmal das Gefühl, Ihren Beruf nicht vollständig ausüben zu können?

Claus Lutterbeck: In Hollywood dauernd. Die Studios, vor allem aber die Agenten und Pressefritzen der Stars kontrollieren jedes Wort. Man ist, ob man will oder nicht, nur ein Handlanger der Filmvermarktung. Eigentlich hat das mit Journalismus wenig zu tun, was unsereins dort treibt. Ich habe immer davon geträumt, dass alle Medien auf der ganzen Welt sich mal ein Jahr lang weigern, über den Hollywood-Zirkus zu berichten. Und wenn die Stars nach drei Monaten auf dem Boden gekrochen kämen und bettelten “Ach bitte, frag mich, was Du willst!” würden wir Journalisten sagen: “Sorry, kein Bedarf. Ihr seid zu langweilig.” – Ach wär’ das schön.

http://www.neuegegenwart.de/koepfe/claus_lutterbeck.htm

Ja, endlich einmal Macht ausüben! Ein Mal zurückschlagen! Das tut Lutterbeck, indem er unterhalb der Gürtellinie agiert (und er macht das umso gehässiger, als er eine wesentlich erfolgreichere Kollegin bashen kann):

Mal sehen, ob es in der französischen Ausgabe auch so locker zugeht wie in der britischen, wo Themen wie Pippas Hintern oder „die Frau mit zwei Vaginen“ große Renner sind. Und eine Studie, die besagt, dass Frauen oft einen Orgasmus vortäuschen, um ihren Mann am Fremdgehen zu hindern.

Ob das hilft? Vielleicht werden wir es demnächst in „Le HuffPost“ lesen, in der Rubrik: „Das! Geht! Sie! Absolument! Nichts! An!“

Daß die studierte Anne Sinclair für einen intelligenten politischen Journalismus steht, ist diesem komplexbeladenen Mann natürlich nicht ein- oder aufgefallen. Denn er selber steht für kompetenzlosen Null-Journalismus. Und gibt es auch noch zu:

Brückerhoff: Wie wurden Sie Korrespondent? Haben Sie sich schon immer für das journalistische Fach interessiert?

Claus Lutterbeck: Immer. Mit acht Jahren habe ich den ersten Aufsatz für die Pfadfinderzeitung geschrieben, ich war bei jeder Schul-und Studentenzeitung dabei – aber ich habe nie eine Ausbildung oder ein Volontariat gemacht. Ich hatte das seltene Glück, gleich zu Beginn einen exzellenten Journalisten als Chef zu haben (Gerd Gründler beim “Vorwärts”), der meine Stärken und Schwächen erkannt und mich sehr gefördert hat. Man braucht so jemand am Anfang seiner Karriere, leider nehmen sich nur wenige Chefs die Zeit dafür. — Korrespondent wurde ich eher zufällig – ich wollte nach acht Jahren Innenpolitik mal was Neues machen.

Brückerhoff: Waren Sie gut in der Schule? Würden Sie sagen, dass das für Ihren heutigen Beruf eine Rolle gespielt hat?

Claus Lutterbeck: Ich war faul und mittelmäßig. Für meinen Beruf habe ich dort aber gelernt, wie man erfolgreich vortäuscht, von allem ein bisschen Ahnung zu haben.

http://www.neuegegenwart.de/koepfe/claus_lutterbeck.htm

Vielleicht müssen solche Köpfe einfach nur mal ordentlich durchgelüftet werden. Vielleicht hilft ja die Schadensersatzklage auf eine Million Dollar wegen Verleumdung, die DSK jetzt gegen das Zimmermädchen eingereicht hat, das noch heute vom Hotel bezahlt wird, obwohl es dort seit dem 14.5.2011 nicht mehr gearbeitet hat. Schweigen kostet eben…

Es muß ja nicht jeder so reflexhaft reagieren wie der Diallo-Anwalt, der außer der Rassismus- und Feminismus-Karte nichts in der Hand hat:

Diallos Anwalt Douglas Wigdor bezeichnete die Gegenklage als Beispiel für “Strauss-Kahns frauenfeindliche Haltung”. Wie bereits der Versuch des früheren IWF-Chefs, sich auf seine diplomatische Immunität zu berufen, werde auch dieses “verzweifelte Manöver” nicht zum Erfolg führen, sagte der Anwalt.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/dominique-strauss-kahn-reicht-klage-gegen-zimmermaedchen-ein-a-833367.html

Anne Sinclair, die Kämpferin, wird ihm zeigen, was eine Harke ist. Denn natürlich hat sie, die alles finanziert, sich zum Angriff entschlossen. Genug ist genug. Und auf Staatsanwaltschaften, die selbst bei klaren Beweislagen gegen Falschbeschuldigerinnen nichts unternehmen, wie das in der westllichen Welt üblich ist, kann sie pfeifen.

Die Staatsanwaltschaft von Manhattan verfolgt ja nicht einmal die Straftaten der Nafissatou Diallo, die sie klar nachgewiesen hat: Steuerhinterziehung durch die Angabe, zwei Kinder zu unterhalten, obwohl sie nur eins hat. Sozialbetrug durch Verschweigen ihres 40.000,- Dollar-Einkommens, um eine billige Wohnung zu erhalten. Meineid vor der Grand Jury durch Lügen über ihr Verhalten nach der angeblichen Tat. Erschleichen von Asyl durch die Erfindung, ihr Mann sei als politisch Verfolgter im Gefängnis mißhandelt worden und dort verstorben. Tatsächlich war er an einer Krankheit zuhause gestorben. Auch dem Geldwäscheverdacht (60.000,- Dollar aus Drogengeschäften ihres Verlobten und seiner Komplizen wurden über ihr Konto gewaschen, sie selbst hob Beträge ab und übergab sie den Geschäftspartnern in bar, wobei sie von jeder Tranche profitierte) wurde nicht nachgegangen.

So etwas nennt man politisches Strafrecht. Denn Cyrus Vance will es sich mit der black community nicht gänzlich verscherzen, weil er wiedergewählt werden will. Anne Sinclair hat die Mittel, sich dagegen zur Wehr zu setzen.

Und sie ist stark. Wie Simone Signoret. Elle fait face.

http://www.lindependant.fr/2012/03/24/faire-face,126188.php

 

Update (17.5.2012):

Hier habe ich noch so einen fuchtelnden feministischen Zeigefinger gefunden: Tina Groll am 19.1.2011 gegenüber Kristina Schröder. Unglaublich.

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-01/kommentar-schwangerschaft-schroeder/seite-2

›Das verteufelte Geschlecht‹ Mann – und die Erosion der Unschuldsvermutung (I)

Nahtlos kann ich an meinen Frauen-Artikel anschließen –

http://gabrielewolff.wordpress.com/2012/04/17/frauen-zwischen-schmerzensmannern-frauenquote-und-top-model-was-will-das-weib/

denn die Verheerungen, die der gegen den Mann gerichtete hardcore-Feminismus à la longue gesellschaftlich angerichtet hat, zeigen sich heute in aller Schärfe.

Geschlechterrollen

Der Penis ist keine Waffe

betitelt Jonathan Widder seine Rezension vom 6.3.2012 des Buchs von Ralf Bönt: ›Das entehrte Geschlecht‹. Und es stimmt hoffnungsfroh, daß in einem Medium wie der ZEIT, in dem zum Geschlechter-Thema bislang nahezu ausschließlich dezidiert feministisch-weibliche Stimmen zu hören waren, nun endlich einmal auch das als gewalttätig, machtversessen und defizitär diffamierte männliche Geschlecht Gelegenheit zur Gegenrede erhält. Die nicht medial wirkenden Frauen in den westlichen Ländern wissen, daß es nicht das Patriarchat ist, das sie unterdrückt, und schon gar nicht der Mann oder die Männer, mit denen sie es real zu tun haben. Es ist vielmehr die Arbeitswelt, die zerstörerisch auf Menschen und Familien wirkt, und die falsche Wertschätzung von Erwerbstätigkeit, die über jeden, der – aus welchen Gründen auch immer – aus ihr herausfällt, ein Unwerturteil ausspricht. Das Verdikt der Ökonomie trifft nicht nur Frauen, die sich für Erziehungsarbeit entscheiden. Es trifft vor allen Dingen Männer, denen die Ernährerrolle auferlegt wird, während Frauen schon immer Wahlmöglichkeiten hatten. Widder faßt die Thesen von Bönt so zusammen:

 Im Kern des Buches stehen drei Forderungen: “1. Das Recht auf ein karrierefreies Leben. Der Mann muss auch jenseits einer beruflichen Stellung respektiert werden. 2. Das Recht auf Krankheit jenseits der Vorwürfe von Hypochondrie und Fühllosigkeit. 3. Das Recht auf eine geehrte Sexualität jenseits von Ablehnung, Diffamierung, Kapitalisierung und Kriminalisierung.”

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Und wie reagieren Feministinnen auf diese Forderungen, soweit sie männliche Geschlechterdiskurse überhaupt zur Kenntnis nehmen? Beispielsweise so:

Die Zitate aus Bönts Buch empfinde ich als seltsam. Es mischen sich hier oberflächlich nachvollziehbare Wünsche der Männer mit Forderungen – ja – an wen? Vor allem der seltsame Satz mit der “geehrten Sexualität”. Wer soll die denn ehren? Die Partnerin? Die Gesellschaft? Die Männer selbst? Die Vergewaltigten? Alles in allem spüre ich hier mehr Verlangen nach weiterer Macht und Kontrolle als den Wunsch gemeinsam und vor allem jenseits von heteronormativem Denken etwas zu ändern. Also alles was jetzt noch als “unmännlich” gilt – keine Karriere, Kinderbetreuung, Krankeit, das mit der Sexualität verstehe ich leider nicht so ganz, soll jetzt “ehrbar” und männlich werden. Das ist Eroberung von Terrain und keine Verbesserung der Zustände.

http://maedchenmannschaft.net/wie-koennten-neue-maennlichkeiten-aussehen/#comments

Prompt wird die männliche Sexualität, wie zurecht kritisiert,  kriminalisiert (»Vergewaltigte«), und frau wittert sogleich Gefahr: wenn der moderne Mann ein Recht auf Wertschätzung auch bei fehlender beruflicher Karriere und Hinwendung zur Erziehungsarbeit einfordert, wenn er reklamiert, auch schwach sein zu dürfen – denn die Akzeptanz von Krankheit trägt zu einer besseren medizinischen Behandlung der Männer bei und könnte dazu führen, die geringere Lebenserwartung von Männern an die höhere der Frauen anzugleichen –, dann erobert er weibliches Terrain und erstrebt, so ist der Mann nun mal beschaffen, nichts weiter als Macht und Kontrolle. Während er nur Gleichberechtigung verlangt.

Tatsächlich sind es berechtigte Forderungen beider Geschlechter an eine durchökonomisierte und auf Effizienz getrimmte Welt, die den Menschen insgesamt schadet und nur einer Elite nutzt. Insbesondere die letzte Forderung hat es allerdings in sich. Denn wie sehr die Sexualität des Mannes bereits mit Kriminalität konnotiert ist, belegt Bönt an einem Einzelbeispiel:

 Weil das, auch wenn es selbstverständlich klingen mag, kein gesellschaftlicher Konsens ist, beschreibt Bönt die Facetten negativer und banalisierter Männerbilder in der Öffentlichkeit und ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Privatleben. Er schildert fassungslos, wie ein Freund auf dem Spielplatz auf Initiative der umstehenden Mütter von der Polizei kontrolliert wird, weil er seiner Tochter die Strumpfhose richtet.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Man darf sich nicht wundern, daß sich junge Männer angesichts dieses gesellschaftlichen Klimas selten für einen pädagogischen Beruf entscheiden, in dem sie mit Kindern zu tun haben, obwohl sie dort, in Kindergärten und Grundschulen, die fest in weiblicher Hand sind, angesichts der zunehmenden Zahl alleinerziehender Mütter dringend benötigt werden. Wie ich mich nicht wunderte, von einer alten Freundin zu hören, daß sich ihr 75-jähriger Mann nicht mehr traut, seine Enkelin auf den Schoß zu nehmen, um nicht als Fummel-Opa wahrgenommen zu werden.

Den Feminismus kritisiert Bönt nur dort, wo er über die Gleichberechtigung hinausgeht und den Mann als ständigen Täter porträtiert (und damit paradoxerweise gleichzeitig die Frau im Opferstatus zementiert). Dabei rechnet er vor allem mit Alice Schwarzer und ihrer Schwanz-Ab-Ideologie ab: “Schwarzer ist der Franz Josef Strauß des Feminismus, der notwendig gewesene Macho der Frauenbewegung”; aber: “Der Hass hat das Problem der Geschlechter, statt es zu lösen, verschärft.”

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Nun gibt es Menschen, denen es nicht einmal mehr auffällt, mit wieviel Häme und Verachtung über das männliche Geschlecht seit einigen Jahren medial verhandelt wird. Menschen, die solche Artikel für ›normal‹ halten, in denen stellvertretend für das männliche Geschlecht in aller Genüßlichkeit und mit einem Höchstmaß von polemischem Einsatz Einzelpersonen attackiert werden:

Sex, Lügen, Twitter – die schlimmsten Männerpannen

Von Boetticher, Strauss-Kahn, Schwarzenegger, Kachelmann oder Fürst Albert: Diese mächtigen Männer demontierten sich 2011 selbst.

Von Judith Luig

29.12.11

2011 war das Jahr der Männer. Ist das nicht jedes Jahr, fragen Sie? Kann sein, aber dieses Mal war es das in besonderer Form: Ein Jahr, das durch Ereignisse bestimmt wurde, bei denen ein männlicher Protagonist, der angesehen, geschätzt und teilweise sogar bewundert wurde, über eine als besonders männliche verschriene Eigenschaft besonders dämlich stolperte. Selbstüberschätzung, Selbstgerechtigkeit und Realitätsverlust gelten ja schon lange als Männertugenden, aber selten haben sie so viele so dumm dastehen lassen wie in den vergangenen zwölf Monaten.

[...]

Die seltsam archaischen Männer, die uns in diesem Jahr mit ihren Großmannsgeschichten in Atem gehalten haben, haben eines gemein: Sie gehen davon aus, dass der wie auch immer zustande gekommene Sex ein Geheimnis zwischen ihnen und der Frau bleibt. Und sie scheinen zu glauben, Sex über den man spricht, bringt ihm Ruhm und ihr Schande.

Aber 2011 haben ein paar Frauen diesen Pakt gebrochen. Auch wenn es fraglich ist, was es ihnen persönlich gebracht hat, der Welt haben sie damit geholfen, dass man sich endlich ein paar überfälligen Fragen zum Thema Jungsbünde, Sexprotze und Imponiergehabe stellt.

http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article13788891/Sex-Luegen-Twitter-die-schlimmsten-Maennerpannen.html

Nicht unzufällig hat die Autorin die beiden Verfahrenseinstellungen gegen Dominique Strauss-Kahn ›vergessen‹, und der Freispruch von Jörg Kachelmann erfolgte ja ›nur‹ aus Mangel an Beweisen. Auch der seinerzeit noch amtierende Bundespräsident kriegt sein Fett weg: zwar gab es lediglich einen medialen Shitstorm gegen ihn, und auch Frau Luig wußte nicht so recht, was sie ihm eigentlich vorwerfen sollte. Aber er ist ein Mann, und daher leidet er ›naturgemäß‹ unter Selbstüberschätzung (und einem kostspieligen Hang zur Zweitfamilie, der er schließlich was bieten muß).

Das mediale Geschlechterbild ist festzementiert: hier der sexuell untreue, umtriebige, gewalttätige, vergewaltigende unmoralische Mann – dort die Frau, das reine Opfer. Das sie sogar bleibt, wenn sie zur Täterin geworden ist. Wäre es denkbar, einen Artikel über einen gewalttätigen Mann, der eine Selbsthilfegruppe gründet, so einzuleiten?

Wenn Frauen nur zuschlagen können

Opferschicksal

Eine Mutter berichtet über ihre Aggressionen den Töchtern gegenüber

Marika Bach gründet eine Selbsthilfegruppe. Sie hat ihre Töchter täglich geschlagen.

von Sabine Schicke

Oldenburg – Marika Bach (Name geändert) ist eine freundliche Frau mit dunklen Haaren. Anfang 40, hilfsbereit und zuvorkommend. Aufmerksam selbst in kleinen Dingen. Dass sie ein zweites Gesicht haben kann, würde niemand glauben. „Gewalt von Frauen, das ist noch immer ein Tabu-Thema“, erklärt sie. Über Jahre hat sie ihre beiden Töchter täglich geschlagen, hatte ihre Aggression nicht unter Kontrolle. „Schon während ich ausholte, habe ich mich selbst gehasst – und trotzdem zugeschlagen.“

Nun möchte sie anderen Frauen helfen, die ähnliche Probleme mit Aggressionen haben und gründet eine Selbsthilfegruppe.

http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Oldenburg/Artikel/2847945/Wenn-Frauen-nur-zuschlagen-k%F6nnen.html

Natürlich, sie konnte nur zuschlagen angesichts der von Gewalt, Mißbrauch und fehlender Mutterliebe geprägten Kindheit. Aber schlagende Männer haben ähnlich schreckliche Kindheiten, wie man weiß. Nur, daß deren Kindheitserzählungen eher als Schutzbehauptung oder als Mitleidsmasche bewertet werden, wenn sie vor Gericht stehen. Unsere Selbsthilfegruppengründerin stand gewiß niemals vor Gericht: die Lehrer und die Jugendamtsmitarbeiter, die von ihrer Gewalttätigkeit wußten, haben sicherlich den Datenschutz bemüht und keine Anzeige erstattet. Denn eine prügelnde Frau ist Opfer und darf nicht kriminalisiert werden.

Wenden wir uns dem Leitmedium für aggressive niedrige Instinkte zu, der Aufputschdroge, die die heftigsten Verwüstungen in den Seelen des Menschengeschlechts anrichtet, weil sich damit am leichtesten Geld verdienen läßt. Der BILD nämlich, die zu allem Überfluß auch noch Briefe schreiben läßt. Für die Amokläuferin von Lörrach, deren Tötungsserie (3 Tote, zahlreiche Verletzte) auch von unseren seriöseren Medien wie FAZ, SPIEGEL und WELT gern als ›Beziehungstat‹ gewürdigt wurde, fand F. J. Wagner am 21.9.2010 in BILD folgende Worte:

Ja, es war richtig, die Amokläuferin zu töten. Sie war eine Maschine.

Aber sie war auch mal ein Mensch. Abitur, Jurastudium, Ehe, ein Kind, eine Fehlgeburt, Anwältin, Trennung, zwei getrennte Wohnungen, Kind beim Vater, Kind bei der Mutter. Das alltägliche Drama.

Auch dieser Mensch wurde erschossen. Ein Mensch, der kaputt ging, ein Mensch, eine Maschine wurde.

http://www.bild.de/news/standards/news/post-von-wagner-14029404.bild.html

»Sabine R.« (nur das übliche »Liebe« ließ er weg), schmalzte er am selben Tag so an:

Es ist ein Foto im Garten Ihres Glücks. Sie haben ein eigenes Häuschen mit Garten. Papa, Mama, Kind. Vielleicht ist eine Schaukel irgendwo, man sieht Blumen auf dem Foto.

Im nächsten Moment werden Sie Ihr Kind umarmen, mit Ihrem Kind durch den Garten herumtollen. Ihr Kind auf den Schultern tragen.

Das Foto ist ein Jahr alt. Sie sehen gut aus, Sie sind schlank. Sie sehen aus, wie eine glückliche, 41-jährige Frau, die Mutter ist. Eine Mutter, die in der Sonne liegt, das Liebste neben sich hat, ihr Baby, ihr Sonnenschein.

Als diese Frau tötete, war sie selbst schon tot. Ihr Mann hatte sie verlassen, ihr heiler Garten war zerstört.

http://www.bild.de/news/standards/news/post-von-wagner-14041228.bild.html

Nach anderen Berichten hatte sie zwar ihren Mann verlassen, aber was soll’s. Der Mann muß schuld sein und die Frau traumatisiert. Gerne ist sie auch schuldunfähig, die Psychiatrie ist ja gesellschaftlich geprägt. In Diktaturen gilt der querulatorische Wahn als Ausschlußkriterium gegen Oppositionelle, in feministisch beherrschten  Welten bekommen Frauen bei Persönlichkeitsstörungen, die bei Männern nie zur Schuldunfähigkeit führen, den Jagdschein. Und schon ist das säuberliche Mann-Frau-Weltbild wieder in Ordnung.

Nur einen Tag später textet BILD:

Toter Mann in Schuppen gefunden

Rosenheim-Killer tot aufgefunden

München – Ist die wochenlange Jagd nach dem Doppelmörder von Rosenheim zu Ende? Gestern wurde ein Mann tot aufgefunden, bei dem es sich mit ziemlicher Sicherheit um Franz Müller (48) handelt.

Der Tote hat sich wohl aufgehängt. In einem Schuppen in der Äußeren Münchner Straße in Rosenheim. Nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Entdeckt hätte ihn ein Hausmeister.

Die Polizei wollte das weder bestätigen noch dementieren. Aber: „Es deutet einiges darauf hin“, dass es sich um den verdächtigen Doppelmörder handeln könnte. Erst nach der Obduktion heute könne genaueres gesagt werden.

Rückblick: Am 30. August wurden Lacramioara (†37) und ihr kleiner Sohn Marcus (†3) in Rosenheim bestialisch getötet. Wohl von ihrem Ex Franz Müller! Den Bub hängte der feige Killer im Keller auf! Die Mutter erschlug er brutal – die Tat einer Bestie! Ganz Bayern war erschüttert von dieser Horrortat!

Nach der Bluttat floh der feige Killer. Gejagt von der Polizei, der „Soko Hochgern“.

Mögliches Motiv des Doppelmords: Angeblich hätte Franz Müller Zweifel an der Vaterschaft von Marcus gehabt. Glaubte, er habe ein Kuckuckskind groß gezogen.

Laut Obduktion der Kindes-Leiche war Müller allerdings der leibliche Vater von Marcus.

http://www.bild.de/BILD/regional/muenchen/aktuell/2010/09/22/leiche-des-rosenheim-killers/toter-mann-in-schuppen-gefunden.html

Ist es bestialischer, das eigene Kind zu erhängen oder mit einer Plastiktüte zu ersticken? Wer ist eher ein feiger Killer: der, der seinen Partner erschlägt oder der, der ihn erschießt? Ganz zu schweigen von dem Aggressionsüberschuß, die eigene Wohnung hochgehen zu lassen, einen unbeteiligten Krankenpfleger zu ermorden, Patienten zu gefährden und sich mit der Polizei auf einen Schußwechsel einzulassen, auf daß die den eigenen geplanten Tod exekutiere.

BILD weiß Bescheid. BILD ordnet ein. Der Mann ist die Bestie und die Frau das traumatisierte Opfer.

In welcher Welt lebt eine feministische Kolumnistin wie Silke Burmester? Na, in dieser:

Liebe Herren, keine Angst vor den 30 Prozent! Damit Sie die Umstellung nicht merken, kommen auch weiterhin natürlich nur attraktive Sahneschnitten.

Silke Burmester, freie Journalistin

http://www.pro-quote.de/unterzeichnerinnen/silke-burmester/

Wer Männer für hormongesteuerte Trottel hält, die nicht mitbekommen, daß ihre Sexobjekte die Macht an sich gerissen haben, muß schon ein finsteres Männerbild haben. Wie die BILD eben. Daher ist es vollkommen unverständlich, daß sie Kristina Schröder das hier zuruft:

Familienministerin Schröder

Die Feindin aller Frauen

[...]

Und jetzt Ihr Buch! Ein Buch, in dem Sie eine Emanzipationswut anprangern, die seit 20 Jahren nicht mehr existent ist. Ein Buch, in dem Sie sich vor einem “Weltanschauungsfeminismus” fürchten, der Männer verteufelt, der aber mit dem Aufgehen von Alice Schwarzer als “Bild”-Maskottchen und als Ratetante im Fernsehen untergegangen ist und den außer Ihnen niemand mehr sieht.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828803,00.html

Diese Hybris! ›Feindin aller Frauen‹! Als ob Frau Burmester, die noch was werden will, für alle Frauen spräche. Vieleicht machen ihr die zahlreichen kritischen Kommentare klar, daß sie auf dem falschen Dampfer ist.

Denn umgekehrt wird ein Schuh daraus. Sie selbst erkennt ihre eigene Männer-Verteufelung nicht einmal. Und verkennt, daß die Saat der Schwarzerschen Männer-Verteufelung zur giftigen Sumpfblüte aufgegangen ist, die fest im Ur-Schlamm der wohlfeilen populistischen Empörung von Springers Gnaden wurzelt. Rate-Tante ist Schwarzer schon seit längerem nicht mehr, dafür aber Talkshow-Tante, zumindestens in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Und sie hat mehr Nachfolgerinnen, als Burmester ahnt, die in der heutigen Feministinnen-Szene wohl nur harmlose akademische Gender-Forscherinnen, konziliante Alpha-Mädchen und die intellektuelle F-Klasse am Werke sieht. Da sollte sie sich mal in einschlägigen Blogs und Foren kundig machen, damit sie mitkriegt, wieviel Haß und Erbitterung gegen den Mann dort wüten.

Gestern sinnierte ein Mann darüber, wie man denn eine emanzipierte Männlichkeit definieren könnte.

Diesen Beitrag kommentierte als erste eine Frau. Und zwar so:

Worin genau besteht denn nun der Unterschied zwischen Mann und Frau, den man unbedingt anerkennen muss?

Warum könntest Du keine Frau sein, was an “der Art zu leben” missfällt Dir so?

M.A.n. gibt es viel zuwenig Männer, die sich von (Kinderficker-)Sextouristen oder Freiern allgemein abgrenzen, viel zu wenig Männer, die ihr Unverständnis gegenüber staatlich-legitimierten Soldaten oder den (Miniatur-)Breiviks dieser Welt zum Ausdruck bringen, viel zu wenig Männer, die sagen, dass sie froh sind, dass ein Typ wie DSK einen Machtverlust hinnehmen musste.

Umfasst Dein Konzept von Männlichkeit all diese Männer, oder blendest Du sie einfach aus?

Wozu braucht es ein Konzept von (frauenausschließender) Männlichkeit?
Was fehlt Dir denn bei der Idee, die man Menschlichkeit nennt?

http://allesevolution.wordpress.com/2012/04/24/der-emanzipierte-mann/?replytocom=35036#respond

Bevor diese Frau Vorstellungen eines Mannes über Männlichkeit überhaupt thematisiert, muß er sich erst einmal dafür entschuldigen, daß er sagt, daß er gern Mann ist, weil er als Frau nicht leben könne. Ich kenne keine Frau, die lieber als Mann leben würde (es sei denn, ER ist im falschen Körper geboren). Keine Frau würde, von wem auch immer, aufgefordert werden, sich von echten oder vermeintlichen weiblichen Untaten zu distanzieren, bevor sie sich über ihre Geschlechterrolle äußern darf. Und niemand würde es wagen, das Reden einer Frau über Weiblichkeit mit dem Argument zu delegitimieren, daß es Wichtigeres gebe, nämlich Menschlichkeit, die gegenüber der (männerausschließenden) Weiblichkeit nicht nur ein aliud , sondern etwas Höherrangiges sei.

Nein, der Haß gegen den Mann  an sich sitzt tief und ist hochaktuell. Es ist erfreulich, daß Kristina Schröder dagegen anschreibt. Sie beweist damit Mut. Die klassische Politikerin von der Leyen hat 2007 der CSU-Forderung nach dem Betreuungsgeld zugestimmt, und dieser Vorgabe und Merkels Machtwort (der gestaltende Politik am Arsch vorbeigeht, ihr geht es um bloßen Machterhalt, Überzeugungen hatte sie noch nie) folgt sie zähneknirschend, denn andernfalls wird sie entlassen. Mehr an Kompromissen wird sie nicht eingehen, und ihr Buch provoziert bewußt den blöden medialen Mainstream.

Als »BILD-Maskottchen« hat Alice Schwarzer ihre gefährlichste Wirkungsphase erreicht: den Anschluß des fundamental-feministischen Männerhasses (der nur einen Teilbereich der Frauenbewegung abdeckt) an ein gewissenloses journalistisches Milieu, in dem es um den Aufbau von Erregungspotentialen aus kommerziellen Gründen geht. Sandor Ragaly hat dieses Geschäftsprinzip in einem medienkritischen Aufsatz mit dem Titel:

Der Reiz, zu verachten – instrumenteller Moralismus als Medien-Stil

- Skizze eines aufsteigenden Medienproblems  -

sehr klar ausgeleuchtet. Hier ein kleiner Auszug:

M.E. kann man dabei, wie sicher öfters, von einer Mischung aus instrumentellem Moralismus verschiedener Akteure (auch auf politischer Seite), authentischer Kritik und Empörung sowie Mischphänomenen ausgehen – letztere etwa im Fall an sich wahrhafter Emotionen und Kritik, welche aber ins Über- und Hineinsteigern geraten durch den massiven Gleichklang moralisch überhitzter Debatten.

Der instrumentelle Moralismus von BILD jedenfalls lügt – denn er gibt nur vor, moralisch intendiert zu sein und so wirken zu wollen, während er doch nur Mittel zum Zweck (von Einfluss und Verkaufszahlen) ist. Und: Er wirkt vermutlich nicht nur politisch. Die aggressive Substanz sickert in die Gesellschaft ganz allgemein hinein. Auch die ständigen bösartigen Denk- und Handlungsmuster, wie sie in den Reality-”Dokus” bis zum Ekel vorgeführt werden und der Stil in den dezentral/schwarm-mäßig vorangetriebenen “Spontan-Kampagnen” u.a. der Medien (Wulff, Grass), all das beeinflusst – so meine These – nicht nur das Politiker-, sondern auch das allgemeine Menschen- und Weltbild in bestimmten Bevölkerungsteilen.

https://sandoragaly.wordpress.com/2012/04/23/der-reiz-zu-verachten-instrumenteller-moralismus-als-medien-stil/

BILD ist seit längerer Zeit weitaus mehr als ein Medium dumpfer Unterschichten, wie Silke Burmester zu glauben scheint. Politiker, die allesamt populistisch agieren, wenn’s drauf ankommt, beobachten genau, welchen Volkszorn BILD gerade befeuert – und reagieren entsprechend bis hin zu menschenrechtswidrigen Wegsperr-Aktivitäten, die allesamt Männer betreffen.

Update (25.4.2012) : Ich las, daß es auch drei Frauen gibt, gegen die Sicherungsverwahrung verhängt wurde, drei von rund 450 Betroffenen dieses atavistischen Verfahrens. Das wäre schon interessant, deren Gefährlichkeitsprognosen zu studieren.

Soeben durfte man bei Maischberger eine Gattenmörderin (Heimtücke, weil sie ihren schlafenden Mann mit 14 – 20 Messerstichen tötete) bewundern, die sich als Opfer eines Tyrannen präsentierte, um im entscheidenden Moment einen Affektdurchbruch zu erleiden, der ihr verminderte Schuldfähigkeit und damit nur zehn Jahre Haft statt lebenslänglich einbrachte. Selbstverständlich verließ sie den Mann nie, weil sie ihm hörig war. Und natürlich half ihr nie jemand, und natürlich verfolgte die Justiz ihren Mann nicht, obwohl er ihr in aller Öffentlichkeit mit einem Messer in den Hals stach. Solche Märchen dürfen heute unhinterfragt bei Maischberger verbreitet werden.

Wer diese Frau erlebt hat, mußte Angst vor ihrer noch immer vorhandenen Aggressivität kriegen. Als Vertreterin der Opferklasse war sie denkbar ungeeignet. Ihre Töchter hatten Glück, daß sie nach der Tat in anderen Verhältnissen aufwachsen durften.

http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/sendung/2012/gier-hass-eifersucht-100.html

Das Haustyrannenmord-Urteil des BGH hat dieser Verteidigungslinie die Stichworte vorgegeben, die sie allesamt beherzigte. Und daß mittlerweile alle Medien anschlußfähig an BILD sind, steigert das dumpfe Empörungs-Potential. Wulff, Grass, Kristina Schröder – alles eine Einheits-Sauce, die jegliche intellektuelle Redlichkeit vermissen läßt und nur auf den eines gekränkten Moralismus setzt. Es ist nun mal so in unserer schnellebigen Zeit, daß lediglich Skandale Klicks und Reichweite und Werbeeinnahmen generieren..

Was Alice Schwarzers Anti-Kachelmann-Kampagne in BILD besonders gefährlich macht, ist ihr Angriff auf den Rechtsstaat. Denn wer für eine vermeintliche Unschuldsvermutung zugunsten einer Anzeigenerstatterin (die keine Beschuldigte ist, sondern Zeugin, die nicht verfolgt wird und daher keiner Unschuldsvermutung bedarf) eintritt, negiert ein Fundament des Rechtsstaats: die Unschuldsvermutung eines Beschuldigten/Angeklagten, der nämlich plötzlich seine Unschuld zu beweisen hat – denn der Anzeigenerstatterin wird unterstellt, die Wahrheit gesagt zu haben.

Alle gesetzgeberischen Vorhaben zur Stärkung des Opferschutzes der letzten zehn Jahre gehen bereits von diesem Konzept aus. Das aufgrund eigener Behauptung konstruierte Opfer erhält staatsanwaltschaftsähnliche Befugnisse, die den aufklärerischen Impuls, persönliche Vergeltungsbedürfnisse einer rationalen Ebene zu überantworten, negieren. Und der Staat zahlt im Zweifel den ›Opferanwalt‹: Feminismus erschließt lukrative Geschäftsfelder. Der ›Weiße Ring‹ macht die Lobby-Arbeit, die Anwaltslobby sowieso, Parlamentarier nicken ab, Politiker profilieren sich mit ›Opferschutz‹, das macht sich immer gut. Es gibt allerdings echte und falsche Opfer, und die müssen erst geschieden werden. Unschuldsvermutung? Ach was. Beschuldigte haben keine Lobby, und zu Unrecht Verurteilte schon mal gar nicht.

Und auch in der justitiellen Praxis gilt die Opferanzeige einer Frau gegen einen Mann mehr als dessen bestreitende Einlassungen. Hierzu mehr in Teil II.