Was ist eine Razzia? Und was ein Bürgerrechtler?

Wäre ich Journalistin, konsultierte ich zur Beantwortung der ersten Frage Wikipedia und würde, wie sonst auch, blind glauben, was da zu finden ist:

Razzia (von arabisch ‏غزوة‎ ghazwa, ‚Kriegszug, Raubzug, Angriffsschlacht‘) ist die Bezeichnung für eine planmäßig vorbereitete, innerhalb einer schlagartig abgesperrten Örtlichkeit bei einem unbestimmten Personenkreis überraschend durchgeführte Suche nach Personen oder Sachen zum Zweck der Gefahrenabwehr (z. B. Prävention von Straftaten) oder der Strafverfolgung (Repression).

http://de.wikipedia.org/wiki/Razzia

In diesem Fall ist die Definition sogar korrekt – und eine Durchsuchungsmaßnahme bei einem konkreten Beschuldigten oder Zeugen daher keine Razzia. Deshalb wundert man sich schon, wenn man in angeblich seriösen Medien solche Schlagzeilen lesen muß:

Welt online:

Autor: Daniel Friedrich Sturm| 03.03.2012

                 Razzia in Großburgwedel – „Wulff war kooperativ“

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13900702/Razzia-in-Grossburgwedel-Wulff-war-kooperativ.html

Hannover Zeitung:

Razzia bei Wulff – Hausdurchsuchung nach Terminabsprache

http://www.hannover-zeitung.net/regionales/47195023-razzia-bei-wulff-hausdurchsuchung-nach-terminabsprache

DER TAGESSPIEGEL:

03.03.2012 00:00 UhrVon Peter Mlodoch, Jost Müller-Neuhof

             Razzia bei Wulff in Großburgwedel

            Unterlagen sichergestellt                   

            Ermittler durchsuchen auch Büro und Wohnungen seines        

            Freundes  Groenewold

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/razzia-bei-wulff-in-grossburgwedel-unterlagen-sichergestellt-ermittler-durchsuchen-auch-buero-und-wohnungen-seines-freundes-groenewold/6282166.html

In der Printausgabe zentral auf S. 1 placiert.

Abendzeitung München:

Großburgwedel

Razzia bei Wulff: Computer sichergestellt

dpa, vom 02.03.2012 18:31 Uhr

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.grossburgwedel-razzia-bei-wulff:-computer-sichergestellt.ac1bbcce-ed8f-4979-b5ee-83fdda0bb975.html

Es handelte sich allerdings noch nicht einmal um eine Durchsuchung, sondern um einen mit dem Beschuldigten abgestimmten Termin zur freiwilligen Herausgabe von möglichen Beweismitteln. Da wurde weder etwas sichergestellt noch beschlagnahmt, wie vielerorts berichtet wurde, sondern schlicht freiwillig herausgegeben.

Aber da kann das LKA sagen, was es will, die Presse schreibt, was sie will:

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das Privathaus Christian Wulffs durchsucht. Die Aktion wurde nach einer Übereinkunft mit dem Ex-Bundespräsidenten durchgeführt – überraschend kam sie daher nicht für ihn.

Ein Staatsanwaltschaft und fünf Beamte des Landeskriminalamts hätten gegen 17.15 Uhr mit der Durchsuchung begonnen. Eine Stunde später war die Aktion noch nicht beendet. „Der Herr Bundespräsident a.D. ist kooperativ“, sagte ein Sprecher. Nach Informationen von FOCUS Online gibt es allerdings keinen Durchsuchungsbefehl. Grundlage war vielmehr eine freiwillige Vereinbarung von Wulff und seinem Anwalt mit der Staatsanwaltschaft.

Ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) bestätigte die Maßnahme, wollte aber ausdrücklich nicht von einer Hausdurchsuchung sprechen. Die Ermittler nahmen Unterlagen, darunter Datenträger, mit.

http://www.focus.de/politik/deutschland/wulff-unter-druck/polizeieinsatz-in-grossburgwedel-hausdurchsuchung-bei-christian-wulff_aid_719981.html

Ich mag die Kommentare der von derartigen Medien-Schlagzeilen aufgehetzten Wutbürger nicht wörtlich zitieren. Ihr erwartbarer Tenor lautet: Durchsuchungen beim sprichwörtlichen Kleinen Mann finden aber ohne Ansage und nicht zur Kaffeetrinkzeit statt. Show-Veranstaltung. Die Beweise hat er jetzt doch locker vernichtet. (Die muß es nämlich gegeben haben, sonst wäre er nicht zurückgetreten bzw. sonst wäre dort ja nicht durchsucht worden.)

Es blieb dem Boulevard vorbehalten, die selbstgestiftete Verheerung in den Köpfen der Leserschaft ein wenig zu vermindern – und er brachte dabei das Kunststück fertig, die sachlich falschen Begriffe dennoch zu recyceln:

Bundespräsident a. D. könnte vorher Beweise straffrei vernichtet haben

Warum wusste Wulff vorher von der Razzia und was bedeutet das?

04. März 2012 09.00 Uhr, BZ

Razzia ohne Überraschungseffekt – Alt-Bundespräsident Christian Wulff (52) hatte die Durchsuchung seines Privathauses in Großburgwedel „freiwillig angeboten“, so dessen Anwalt Gernot Lehr. Wulff wusste also, dass er Besuch von LKA und Staatsanwaltschaft bekommen wird. Warum haben die Ermittler nicht überraschend zugeschlagen?

„Wegen der langen Diskussion um die Aufhebung seiner Immunität war ein Überraschungseffekt eh nicht mehr zu erwarten“, so der Hannoveraner Oberstaatsanwalt Jürgen Lendeckel zur B.Z. AM SONNTAG. Anders ausgedrückt: Wulff hätte ohnehin genügend Zeit gehabt, belastendes Material verschwinden zu lassen. Denn dass er direkt im Visier der Justiz steht, wusste Wulff seit 16. Februar.

http://www.bz-berlin.de/archiv/warum-wusste-wulff-vorher-von-der-razzia-und-was-bedeutet-das-article1403391.html

So leicht ist das mit dem Zurückrudern denn nun doch nicht.

Manche, wie die verschwisterten Blätter ›Berliner Zeitung‹ und ›Frankfurter Rundschau‹, bringen so etwas erst nach Erlaß einer einstweiligen Verfügung per gleichlautendendem Text übers Herz:

In eigener Sache

Die Chefredaktion der Frankfurter Rundschau nimmt Stellung zur Berichterstattung über die Lieferung eines Audi Q3 an das Ehepaar Bettina und Christian Wulff.

Die Frankfurter Rundschau hat online und in ihrer Ausgabe vom Donnerstag, 2. Februar 2012, im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Bundespräsident Christian Wulff Folgendes berichtet: Im Sommer 2011 sei ein Vorserienmodell des Audi Q3 zu einem Audihändler nach Berlin geliefert worden. Die Lieferung sei von der Audi AG überraschend veranlasst worden mit dem Hinweis, das Auto werde von Wulffs abgeholt.

Insoweit wird unser Bericht nicht bestritten. Weiter berichteten wir allerdings, dass nach unseren Informationen die Wulffs dieses Auto ab dem Sommer bis Dezember 2011 kostenlos gefahren haben. Diese Behauptung, gegen die Bettina Wulff vor dem Landgericht Köln eine Einstweilige Verfügung erwirkt hat, halten wir nicht aufrecht, da sie nach allem, was wir heute wissen, unzutreffend ist.
Die Chefredaktion

http://www.fr-online.de/politik/affaere-wulff-in-eigener-sache,1472596,11600038.html

Da sehe ich doch eine erfreuliche Lernbereitschaft und Wendigkeit am Werk, die sich nicht nur beim Runterschreiben des einen, sondern sogar beim Raufschreiben des anderen bewährt; so titelte die Frankfurter Rundschau am 25.2.2012:

Gauck-Auftritt in Fürth
Viel Bürgerrechtler, wenig Präsident

Joachim Gauck gab sich ganz unstaatsmännisch. Im offenen Hemd und sichtlich überwältigt von dem gewaltigen Medienansturm präsentierte sich der designierte Bundespräsident am Freitagabend in Fürth zum ersten Mal seit seiner Nominierung einer größeren Öffentlichkeit.

http://www.fr-online.de/gauck-folgt-wulff/gauck-auftritt-in-fuerth-viel-buergerrechtler–wenig-praesident,11460760,11705602.html

Dann gab die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG am 28.2.2012 drei Bürgerrechtlern Asyl, die für die angemessene Erdung des hochgeschriebenen Kadidaten Gauck sorgten:

Streit um Joachim Gauck

Auf der Suche nach dem verlorenen Freund

28.02.2012, 10:40

Von Jens Schneider

Langjährige Wegbegleiter Joachim Gaucks streiten darüber, was einen Bürgerrechtler in der DDR ausmacht – und ob der künftigte Bundespräsident dazugehört. Am Mythos kratzen viele frühere Freunde, und manch einer stellt gar Gaucks Empathiefähigkeit in Frage.

[…]

Lietz – einst Pfarrer in Güstrow – war schon dabei, als sich zu Beginn der achtziger Jahre die zarten Anfänge der illegalen Opposition in der DDR entwickelten. Er zählte zu denen, bei denen die losen Enden der Opposition zusammenfanden. Die DDR fürchtete ihn so sehr, dass sie ihn unter Hausarrest stellte, als 1981 Bundeskanzler Helmut Schmidt die Stadt besuchte.

Lietz holt ein Buch hervor, Gaucks Autobiographie. Laut liest er eine Passage, in der Gauck über sein Leben als Pfarrer in Rostock schreibt, dass er sich zunächst nicht so rigoros und offen gegen das System gestellt habe wie sein Freund Lietz. Der findet das ehrlich von dem Mann, den er „Jochen“ nennt und weiter als Freund sieht. „So ist Jochen Gauck gewesen“, sagt Lietz. „Aber dann ist die Kunstfigur aufgebaut worden. Dafür kann man ihn nie verantwortlich machen.“ Er denkt nach. „Die Frage könnte sein, ob Jochen hätte widersprechen sollen.“ Als er die vielen Preise entgegennahm, stellvertretend für die Bürgerrechtler. Und jetzt wieder: „Hätte er nicht zur Kanzlerin sagen müssen: ,Liebe Frau Merkel, Sie sprechen mir eine Bedeutung zu, die ich nicht hatte‘?“

[…]

Lietz kennt Gauck seit einem halben Jahrhundert, aus der Oberschule in Rostock. Freunde wurden sie später, als Gauck den Jüngeren an der Theologischen Fakultät zum Handball einlud. Sie spielten gegen Theologen-Seminare anderer Städte. Man wusste, dass Gaucks Vater in den frühen Jahren der DDR nach Sibirien verschleppt worden war. Über seine Haltung gab es keine Zweifel. „Er lehnte diesen Staat ab. Er war verlässlich.“ Aber als sich landesweit die Opposition vernetzte, illegal, mit Risiken, da sei Gauck nie dabei gewesen. „Er war in der Friedensbewegung nicht verwurzelt, es war wohl nicht sein Thema.“ Auch als die Bewegung breiter wurde, sei Gauck nicht unter den Aktivisten, die das Neue Forum gründeten, vorne dabei gewesen. „Ich glaube, er hat sich auf Rostock konzentriert. Dort haben die Leute gesagt: Jochen, du kannst reden! Du musst das machen!“ Spät sei Gauck im Neuen Forum aufgetaucht und habe sich nach Berlin wählen lassen, „als der Zug schon längst abgefahren und das Tor weit auf war“. Und dann, als die SED kapitulierte, „musste jeder gucken, was ihm wichtig war“. Die Kluft, die damals aufbrach, tritt nun wieder zutage. Viele, die von Anfang an dabei waren, hatten von einer besseren DDR geträumt, einem menschlichen Sozialismus in Freiheit, auch Lietz. Gauck sei anders gewesen.

Bald wirkte Gauck, der dann die Behörde für Stasi-Unterlagen führte, auf Lietz wie aus einer anderen Welt. Der Theologe erinnert sich an eine Tagung in den Neunzigern. Er mahnte, die friedliche Revolution sei nicht zu Ende; er wollte für eine gerechte Gesellschaft kämpfen. Sein Freund Jochen habe davon nichts wissen wollen. „Heiko“, habe der gesagt, „Leute mit Meinungen, wie du sie jetzt hast, die gehören auf die Couch.“

[…]

http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-joachim-gauck-auf-der-suche-nach-dem-verlorenen-freund-1.1295298

Was macht man da bloß als Mainstream-Zeitung, die sich der abermalsten ›Lichtgestalt‹ verschrieben hat, dem Unpolitischen, der, Ironie der Geschichte, durch parteipolitische Ränkespiele zum Kandidaten wurde? No problem. Man führt mit demselben Heiko Lietz ebenfalls ein Interview:

Eine übellaunige Debatte um Gauck

Autor:  Bernhard Honnigfort

Datum:  1 | 3 | 2012

Joachim Gauck wird oft vorgeworfen, kein DDR-Bürgerrechtler gewesen zu sein. Aber genau das hat Gauck auch nie von sich behauptet.

[…]

Den öffentlich ausgetragenen Streit, ob der designierte Bundespräsident Gauck nun ein Bürgerrechtler war oder nicht, kann Lietz nicht verstehen. „Geschwätz auf niederem Niveau“, sagt er.

Für ihn, der Gauck seit 54 Jahren kennt, ist die Sache eindeutig: Natürlich war Gauck keiner.

http://www.fr-online.de/gauck-folgt-wulff/bundespraesidentenwahl-eine-uebellaunige-debatte-um-gauck,11460760,11738890.html

Man zitiert einen bescheiden klingenden Satz des Kandidaten:

Er hat das allerdings auch nicht behauptet. In einer Spiegel-TV-Sendung aus dem Jahr 1993 mit Hellmuth Karasek sagt Gauck, damals Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde: „Ich gehörte nicht zu der Gruppe um Freya Klier und Eppelmann.“ „Fundamentalopposition“ sei seine Sache nicht gewesen.

http://www.fr-online.de/gauck-folgt-wulff/bundespraesidentenwahl-eine-uebellaunige-debatte-um-gauck,11460760,11738890.html

Aha, nur Opposition und keine Fundamentalopposition… Man unterschlage die Kritik an der Annahme der Auszeichnungen, die Gaucks Widerständigkeit würdigen sollten:

22.02.2012 17:46 | Hans-Jochen Tschiche

„Gauck ist die falsche Person“

Der frühere Bürgerrechtler und Grünen-Politiker Hans-Jochen Tschiche kritisiert die Nominierung von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten

Nun ist es so weit: Joachim Gauck wird Bundespräsident. Die deutsche Öffentlichkeit tut so, als hätte sie nach einigen Nieten nun das große Los gezogen. Sie behängt ihn mit Würdigungen, die er nicht verdient. Er ließ sich in München bei einer Preisverleihung mit den Geschwistern Scholl vergleichen und wurde noch nicht einmal schamrot. Er hat niemals zur DDR-Opposition gehört, deren Akteure man im heutigen Sprachgebrauch Bürgerrechtler nennt. Er verließ erst Ende 1989 die schützenden Mauern der Kirche und kam über das Neue Forum in die Volkskammer.

http://www.freitag.de/politik/1208-gauck-ist-die-falsche-person

und komme zu folgendem Fazit:

Wie lautet eigentlich der Vorwurf? Dass er nur ein Glückskind der friedlichen Revolution war? Sich mit fremden Federn schmückt? Dass er jetzt nicht täglich öffentlich erklärt, er sei leider kein Held gewesen, der sein Leben riskierte?

Merkwürdige Dinge mischen sich in dieser Debatte zu einem übellaunigen Sud: Zorn und Ungerechtigkeit, aus den Herbsttagen 1989; dazu Verachtung der alten DDR-Elite gegen den Pfarrer aus Rostock, der demnächst ins Schloss Bellevue einzieht. Schließlich ein Medienhype, der sich nach dem Zerschreddern des Schnäppchenmannes Christian Wulff mit ähnlicher Hitze dem Kandidaten Gauck zuwendet.

http://www.fr-online.de/gauck-folgt-wulff/bundespraesidentenwahl-eine-uebellaunige-debatte-um-gauck,11460760,11738890.html

Da bleibt einem doch glatt der Mund offenstehen: die wahren Bürgerrechtler von damals gehören zur DDR-Elite? Der jetzige pro-Gauck-Medienhype derer, die ihn gegen Merkel – eigentliches Ziel beider Kampagnen, von wegen ›Sozialdemokratisierung‹ der CDU – schon 2010 wollten, sei in Wahrheit einer, der das Zerschreddern des Kandidaten Gauck zum Ziel habe?

Oder ist eventuell nur gemeint, daß die Hitze beider medialer Kampagnen, kontra Wulff und pro Gauck, vergleichbar sei, was dem um Sachlichkeit und Informationsvermittlung bemühten Herrn Honnigfort von der FR Übellaunigkeit verursache?

Gegenüber der Presse gilt die Unschuldsvermutung nicht. Allein schon deshalb, weil sie selbst beweislos anklagt, richtet und vollstreckt. Da nützt es nichts einmal was, wenn nachträglich alle Vorwürfe wie Seifenblasen zerplatzen, wie es bislang der Fall war: dann lag der Rücktrittsgrund eben im ungeschickten Krisenmanangement desjenigen, der im medialen shitstorm stand. Und wenn alle Stricke reißen, können die Medien das Volk höchstpersönlich verantwortlich machen: haben die Umfragen nach monatelangem Trommelfeuer der Presse doch endlich die richtigen Ergebnisse erzielt. Sozialneid ist ein bewährter Brandbeschleuniger…

Die beweislose Hochschreiberei einer Person ist selbstverständlich ebenso gefährlich: da sie dem Bild nie entsprechen kann, das von ihr gezeichnet wird, ist das zukünftige ›Kreuziget ihn!‹ absehbar. Bei dieser konstruierten Fallhöhe reichen ein paar Fettnäpfchen aus. Keine Partei will ihn wirklich, der pastorale Tonfall ist vielen unerträglich, Freiheit zur Karriere trifft den eigentlichen Freiheitskern nicht, Kalte-Krieg-Positionen sind vorgestrig, und eine Weltdeutung aus der eigenen Biographie mag zwar das eigene Lebensprogramm der Sinnfrage erfüllen, reicht für die integrative Funktion eines Bundespräsidenten aber nicht aus.

(Die belanglose Stänkerei aus katholischsten Spießerkreisen wegen ungeordneten Privatlebens lasse ich mal weg. Ich frage mich nur, warum eine gestandene berufstätige Frau ohne rechtliche und materielle Absicherung ihre professionelle Existenz aufgeben soll, um maximal fünf Jahre lang die ›First Lady‹ zu spielen. Und warum Alice Schwarzer als Wahlfrau der CDU NW für einen Pfarrer mit desem Lebensmodell votiert, obwohl sie areligiös, antikirchlich und angeblich feministisch ist – dabei steht auch eine Frau zur Wahl, die den Kampf gegen die NS-Zeit und pro Israel symbolisiert. Ja, vieles versteht man einfach nicht mehr.)

Und die Presse tut in dieser neuen Unübersichtlichkeit alles, um eine gewünschte Meinung zu generieren statt sie zu ermöglichen. Wie wäre es mit weniger fetten Schlagzeilen und weniger Meinungsmache? Dann klappt’s auch wieder mit dem Leser. Der sonst unweigerlich auf der Suche nach content ins Internet ausweichen muß.

29 Gedanken zu „Was ist eine Razzia? Und was ein Bürgerrechtler?

  1. Hallo Gabriele,
    schön dein Blog und es macht wieder Spaß, richtige Beiträge zu lesen als ständig nur „die Gefühle wechseln“ zu müssen……..
    Freue mich auf eine spannende und intelligente Diskussion.
    Herzliche Grüße und gutes Gelingen
    Bis bald
    Steffi

  2. So wie ich das verstehe, Jeder wendet sich jetzt angewidert von dem „größten politischen Verbrecher aller Zeiten“ ab, wird ihm nie mehr die Hand reichen wollen. Und dann wird Gauck kommen und es wird ein Paradies auf Erden.

    Das „Verbrechertum“ Wulffs ist zwar nocht nicht bewiesen, es gab die „Razzia“, die keine war, Medien mussten ihre Berichte schon zurücknehmen, ob irgendwas strafrechtlich relevantes vorhanden ist, weiß nur die Kristallkugel.

    Die moralische Empörung ist aber desto größer, da Wulff hat die „politische Klasse“ beschädigt, die lächerlich gemacht, und das verzeiht die Klasse nicht.

    Man wird in einem Opferritual den Sündenbock erledigen.

    Und dann??

    Hier könnte man drei Lehren ziehen:

    1. lass dich nie mit der Hand in der Keksdose erwischen
    2. aber, wenn du erwischt wurdest, sofort bereue, streue sofort Asche auf das Haupt und frage nicht nach den restlichen Keksen
    3. oder mache es wie Putin – einer Milliarde Kekse fragt keiner nach,

    …und nicht etwa, daß die Keksdose für die politische Klasse ein Tabu sein muss sowie der Hersteller der Kekse.

    LG, QV

  3. Ach, was für eine Erleichterung ! Endlich morgens den Laptop aufklappen ohne Angst vor Bluthochdruck und Ärger !

    Herzlichen Glückwunsch, Frau Wolff zum eigenen Blog.

    Ist natürlich schade, daß es offenbar nicht möglich ist, ein Forum so zu betreiben, daß nicht nur die Spinner und Trolle übrigbleiben.
    Habe schon 3 Foren so den Bach runtergehen sehen. Ein Jammer !

    Was Ihren Feldzug gegen die Medien angeht, – ganz prima.

    Und ja, ich verstehe unsern Altkanzler Schmidt manchmal gar nicht mehr. Ich glaube, der Medienhype, der um jedes seiner Worte gemacht wird, ist ihm wohl zu Kopf gestiegen.
    Wahrscheinlich äußert er sich auch schon mal, ohne die ganze Vorgeschichte zu kennen.

  4. THE NO-SHOW MUST GO ON.
    http://www.n-tv.de/politik/Ex-Praesidenten-boykottieren-Wulff-article5676311.html
    Politik
    Sie kommen nicht zum Zapfenstreich
    Ex-Präsidenten boykottieren Wulff

    Christian Wulffs feierlicher Abschied vom Amt als Bundespräsident könnte zu einer trostlosen Veranstaltung werden. Immer mehr hochkarätige Gäste sagen ihren Besuch des Zapfenstreichs ab. Neben der SPD-Spitze boykottieren auch alle noch lebenden Altbundespräsidenten die Zeremonie.
    Rückwirkende Kürzung möglich
    Wulffs Ehrensold wird geprüft

    • Das ist ja sowas Erbärmliches !

      Schwarmverhalten in Reinkultur.

      Nur 2 Kommandos sind für einen Schwarm nötig :
      1. Versuche immer in die Mitte zu schwimmen
      2. Tu genau das, was dein Nebenmann tut
      Qed !

      • Vorverurteilen, Unhöflichkeiten und Nachtreten werden jedenfalls modern – alles ohne Anklage und Urteil. Da lebte Graf Lambsdorff in freundlicheren Zeiten:

        »Im Zuge der sog. „Flick-Affäre“ hob der Bundestag am 2. Dezember 1983 auf Ersuchen der ermittelnden Bonner Staatsanwaltschaft die Immunität des amtierenden Bundeswirtschaftsministers Lambsdorff auf, der dann, als die Anklage zugelassen wurde, am 27. Juni 1984 zurücktrat. Der Prozess vor dem Bonner Landgericht zog sich rund anderthalb Jahre hin.
        Am 16. Februar 1987 wurde Otto Graf Lambsdorff gemeinsam mit dem Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch („Pflege der politischen Landschaft“) sowie dem vormaligen Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt[6]. Lambsdorff erhielt eine Geldstrafe in Höhe von 180.000 D-Mark. Vom Vorwurf der Bestechung bzw. Bestechlichkeit sprach das Gericht die Angeklagten mangels Beweisen frei.[7]
        Vom Bundeswirtschaftsministerium wurden ihm jedoch 515.000 DM Prozesskostenhilfe zur Deckung seiner Anwaltskosten zugesprochen.[8]«
        http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Graf_Lambsdorff

        Im heutigen SPIEGEL Print geht es derweil schon etwas sachlicher zu (S.66):

        »In allen Parteien hat das Nachdenken begonnen, welche Lehren aus der Wulff-Affäre zu ziehen sind. Es sind ja juristisch keine großen Vorwürfe, die Christian Wulff zu Fall brachten, eher Gefälligkeiten, die den Eindruck erweckten, hier lasse sich einer aushalten. Der zehnte Bundespräsident hat sein Amt geräumt, die Frage aber, wo genau die Grenzen zur Vorteilsannahme verlaufen, bleibt.
        Der böse Anschein ist schnell geweckt, entsprechend groß ist die Verunsicherung.«

        Anschein und Eindruck reichen natürlich für eine Strafbarkeit nicht aus. Sie begründen allenfalls einen Anfangsverdacht.

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