Frauen zwischen Schmerzensmännern, Frauenquote und Top-Model: Was will das Weib?

Die alte Freud’sche Frage bleibt unbeantwortet wie eh und je. Schlimmer noch: läßt man Revue passieren, was in den letzten Monaten zum Problem-Thema ›Frau‹ alles medial auf uns einprasselte, kann man nur zu dem Schluß kommen, daß die Frauen das selber nicht wissen. Oder daß jede etwas anderes will. Die meisten aber alles auf einmal. Eine Kakophonie.

Gefühlt fing es mit Nina Pauer und ihrem Essay in der ZEIT an:

Die Schmerzensmänner

Heute tragen die jungen Männer Bärte und spielen Gitarre. Sie sind lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt. Für die Frauen wird das zum Problem.

http://www.zeit.de/2012/02/Maenner/komplettansicht

Da gibt es nun endlich den Neuen Mann, den frau immer wollte, und dann ist er zu unsexy geraten. Er ist ihr zu ähnlich. Da fehlt die Spannung. Ein Problemquatscher. Ein Waschlappen. Ein geschwätziger Nicht-Entscheider, der die Kunst des Aussendens und Lesens erotischer Signale nicht mehr versteht. Der nicht kapiert, daß er gleichzeitig Sensibelchen und ein richtiger Mann sein soll, der umwirbt, flirtet und in sexualibus die Intiative ergreift. Denn frau will gewollt werden.

Ein paar Sätze aus diesem Essay:

Denn auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy.

Als Gefährte ist er vielleicht ein bisschen grüblerisch, aber man kann gut mit ihm reden. Er achtet auf sich, ist höflich, lieb, immer gepflegt und gewaschen, benutzt Parfums und Cremes, macht Diäten und hört wunderbar melancholische Mädchenmusik. Nur wenn der entscheidende move gefragt ist, er sich herüberbeugen und die junge Frau endlich küssen sollte, fängt sein Kopfkino an. Vielleicht möchte die junge Frau gar nicht geküsst werden? Vielleicht würde sie sonst selber den ersten Schritt tun?

Der junge Mann spricht nur nachts, betrunken, direkt zu ihr. Er sei verletzt worden in der Vergangenheit, er wolle seinerseits nicht verletzen, erklärt er mit ernstem Blick. Und schafft es danach schließlich doch noch, die junge Frau kurz zu küssen, nur um sich danach sofort für seine plumpe Hemmungslosigkeit zu entschuldigen. Die nächsten Treffen werden verkrampft. Spiegeln gleich stehen sich die Geschlechter gegenüber und hyperreflektieren ihre Beziehung zu Tode, bevor sie überhaupt angefangen hat. Die Körper haben keine Chance gegen ihre Köpfe, die junge Frau geht.

Auf die überfordernde Doppelbotschaft, in der Partnerschaft ebenbürtig, im Geschlechterspiel selbstbewusst zu sein, kann er nur mit noch mehr Reflektion antworten.

Die junge Frau indes schimpft vor ihren Freundinnen, die böse Waschlappen-Metapher fällt. Als der junge Mann bei ihr klingelt, ihr ein letztes Tape mit seiner Bardenmusik übergibt und sie hoffnungsvoll um eine neue Chance bittet, regt sich nichts als der Wunsch, ihn tröstend in den Arm zu nehmen, anstatt sich flammend an seine starke Brust zu werfen.

http://www.zeit.de/2012/02/Maenner/komplettansicht

Da wird die junge Frau also vorzeitig zur Mutter, und das auch noch mit dem falschen Objekt. Die Lage ist ernst. Was nun? Auch die urbane emanzipierte junge Frau von heute will sich schließlich noch begehrt fühlen. ›Selber schuld!‹ ruft ihr Jonathan Widder zu:

Wenn Pauers „junge Frau“ nun trotz aller Emanzipation einen Mann will, an dessen starke Brust sie sich flammend werfen kann, dann müsste sie zusammen mit ihren aufgeklärten Freundinnen mal darüber nachdenken, ob es wirklich vernünftig ist, dem Mann als solchem immer wieder Schuldgefühle einzureden, weil er angeblich mit seiner gewalttätigen Natur für das Böse in der Welt verantwortlich ist – was letztendlich ja  doch höchstens sein Rückgrat zerstört und zu einer geknickten Haltung führt.

Sie müsste noch einmal genau prüfen, wie sinnvoll die Strategie ist, die Vertreter des anderen Geschlechts in kurzsichtigen publizistischen Rundumschlägen niederzumachen, nur um sich anschließend über deren Niedergeschlagenheit zu empören.

http://www.jonathanwidder.de/index.php/easyblog/der-frust-der-frauen.html

Genauso ist es: jahrzehnte- wenn nicht gar jahrhundertelang wurde das männliche Geschlecht verteufelt, wie Christoph Kucklick (auf dessen Text ich irgendwann einmal näher eingehen muß, so wichtig und richtig ist er) hier eindrucksvoll nachweist:

http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner/komplettansicht

Nun ist es, das männliche Geschlecht, bis zur Unkenntlichkeit domestiziert, und das Ergebnis mißfällt. Mag die Kausalität zwischen Erziehungsprozeß und Endprodukt auch noch so scharfsinnig hergeleitet sein: konstruktiv ist diese Kritik der Erziehungsarbeit natürlich nicht.

Wie also ist der jungen Frau von heute zu helfen? Harald Martenstein rät zu einem Perspektivwechsel:

Die modernen Frauen wollen Typen, die hin und wieder, und zwar genau dann, wenn die modernen Frauen es wollen, auch mal ein bisschen macho sind.

Ich finde das unlogisch. Ein Typ, der auf Wunsch einer Frau den Macho gibt, verhält sich, weil er dem Befehl der Frau folgt, doch völlig antimacho und softie. Ein echter Macho zieht sein Ding durch und lässt sich nicht reinreden. Wenn ein echter Macho Lust dazu hat, mal selbstreflexiv zu sein, dann tut er das auch. Wenn es sein muss, dann reflektiert er die ganze Nacht. Wir lassen uns das Jammern nicht verbieten.

http://www.zeit.de/2012/08/Martenstein

Diese geistige Volte hilft frau natürlich nur begrenzt. Denn erstens will die moderne junge Frau von heute keinen klassischen Macho von gestern, und der Macho von heute, der sein Mann-Sein darin erschöpft, die Frau nicht zu wollen, ist ja nun vollkommen uninteressant. SIE will einen Mann, der auf dieselbe Art kompliziert ist wie sie selbst. Der zweite Lebenshilfe-Tip kommt von Christoph Scheuermann:

Die Verweigerung von Eindeutigkeit ist die Stunde des grauhaarigen Gentleman, der hier und da noch existiert. Ihm liegt plötzlich ein riesiges Reservoir enttäuschter junger Frauen zu Füßen, derer er sich annehmen kann. Auf lange Sicht ist der alternde Bohemien, nicht der Macho, der Profiteur der Schluffi-Krise. Für die jungen Männer ist das seltsam, aber im Grunde wenig ärgerlich, weil ohnehin genügend Frauen übrig bleiben.

Beide Gestalten, die Optimier-Frau und der Lieber-nicht-Mann, sind zugleich tragische wie komische Figuren der Gegenwart. Tragisch, weil sie sich mit ihrer Verbesserungssucht und Entscheidungsunlust so lange gegenseitig quälen, bis sie zusammenbrechen vor Erschöpfung. Komisch, weil sie trotzdem nicht voneinander lassen können.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,809420-2,00.html

Nun mag der alternde Bohemien hier und da gottlob noch aufzutreiben sein, seltener auf dem Lande oder in der Kleinstadt, aber Berlin ist schon mal kein schlechter Turf. Allerdings: mehr als ein Mann für gewisse Stunden wird er nicht sein können, da er regelmäßig in festen Händen ist und den sicheren Hafen als Ablegestelle schätzt. Und die junge Frau in Nina Pauers Essay wünscht sich doch eine richtige BEZIEHUNG. Genau das ist ihr Fehler, bescheidet Alice Schwarzer barsch. Das ›Weibchen‹ muß an sich arbeiten, die neuen trantütigen Männer sind nämlich goldrichtig für ihr Gender-Programm hin zur spannungslosen Geschwisterlichkeit:

Pointiert tischte Schwarzer unter dem Titel «Emanzipierte Frauen und verunsicherte Männer – und nun?» ihre anekdotisch gespickten Thesen auf, die zwar nicht immer über alle Zweifel erhaben schienen, deren Kern aber manche angeblich verunsicherten Männer aufmuntern musste: «Lasst euch vom Ruf nach echten Männern nicht verwirren. Lasst euch nicht von Weibchen und Machos aufhalten, zu echten Menschen zu werden», sagte sie.

http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/stadt_und_region/lieber_keine_echten_maenner_1.16127848.html

Männer sind nämlich keine Menschen, wie Kucklick nicht nur anhand dieser stereotyp-diskriminierenden Sentenz grandios herausgearbeitet hat. Praktisch bewandert, wie Alice Schwarzer in Sachen heterosexueller Sexualität nun einmal ist, also sozusagen päpstlich, hat sie aber auch noch einen Verhaltenstip auf Lager:

Sie scheint nicht zu begreifen, dass das Verhalten im Beruf einerseits sowie in Liebe und Familie andererseits unteilbar ist. Ich finde es sehr begrüssenswert, wenn Männer jetzt nicht immer nur die Helden spielen oder vielleicht auch mal Frauen sich trauen, als erste zu küssen.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Frauen-sollten-auch-mal-zuerst-kuessen/story/28937231

Selbst für eine gnadenlose Chefin (im Beruf) ist das aber nicht so easy, wie sich das anhört. Beruflich folgt die Unangreifbarkeit aus der Funktion. Privat begegnen sich Menschen, was Schwarzer womöglich vergessen hat. Männer haben es jahrhundertelang gelernt, sich Körbe einzufangen, ohne grundsätzlich an sich und ihrer Attraktivität zu zweifeln, ob sie vorhanden ist oder nicht. Jeder weiß auch, daß nichts schlimmer ist als der Zorn einer verschmähten Frau. Würden Männer sich also trauen, weibliche Avancen abzulehnen? Sie träumen ja nur davon, von einer Frau angemacht zu werden, die sie selbst auch wollen. Kriegen Männer es hin, so diplomatisch weibliche Kußversuche abzulehnen, daß die Rachearie ausbleibt? Eine verfahrene Kiste…

Ebenso wie die alte findet auch eine junge Feministin, Julia Seeliger, daß Pauers junge Frau einen Webfehler hat:

Ich musste erst lernen, dass das Private auch politisch ist. Dass Beziehungsglück auch eine Menge mit dem Geschlechterverhältnis zu tun hat. Und dass Sex und Gefühle eine Rolle spielen. Und dass an Reflexion und Gespräch darüber kein Weg vorbeigeht. Dass es einen sexuellen Konsens geben muss, den man vor dem Sex verhandelt, damit man beim Sex nicht mehr nachdenken muss.

[…]

Küssen ohne zu fragen ist uncool

Und das sollte er auch. Ein Mann kann gar nicht zu lange nachdenken, ob er eine Frau „einfach küssen“ kann. Einfach küssen ohne vorher zu fragen ist reichlich uncool, egal, wer da wen küsst. Ob ein Mann eine Frau küsst, eine Frau eine Frau oder ein Mann einen Mann. Oder ein Transgender einen Intersexuellen. Mir ist es mal passiert, dass mich einer einfach versuchte zu küssen. Daraufhin habe ich „Nein“ gesagt, mich schlafen gelegt und die Person danach nie wieder getroffen.

[…]

Anstatt ein reaktionäres Gesellschafts- und Männerbild zu vertreten, sollte Nina Pauer vielleicht einfach mal anders küssen. Vielleicht selbst mal fragen, ob man den Mann küssen darf?

http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/01/07/richtig-kuessen-frau-pauer.aspx

Wie sie das macht, hat sie 09. Januar 2012, 10:43 ebenfalls verraten:

Zur Sache: da ich nicht „date“, muss ich auch nicht nach dem dritten Rotwein debile Fragen wie „Ich würde dich schon so lange so gern küssen. Darf ich jetzt vielleicht?“ stellen. Ich bevorzuge Formulierungen wie „Hey, lass mal rausgehen, knutschen“. Solche Formulierungen habe ich schon mehrmals in meinem Leben verwendet, ich habe das aber nicht gezählt.

http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/01/07/richtig-kuessen-frau-pauer.aspx

Aber da merkt man schon, daß sie der unromantische Typ ist, eher das Mädel zum Pferdestehlen, handfest und direkt. Von Begehren und herzklopfender Verliebtheit keine Spur, und mit Dates hat sie auch nichts am Hut. Das kann kein Role-Model für eine sich anbahnende Romanze in Prenzlauer Berg sein. Liebe ist ja ganz etwas anderes. Mit ihrer juristisch sauberen Verhandlungstechnik vor dem Sex liegt sie dafür voll auf der aus den USA zu uns herüberschwappenden ›Yes-means-Yes‹-Kampagne:

NEIN heißt NEIN oder Antisexismus muss Praxis werden: das Zustimmungskonzept.

23. Dezember 2008

in Allgemein

Zustimmung definiert das freiwillige und ausdrückliche Einverständnis aller Beteiligten zu einer spezifischen sexuellen Handlung. Ab wann genau eine sexuelle Handlung beginnt, wird sehr subjektiv wahrgenommen, daher: besser zuviel als gar nicht fragen. Eine Grenzüberschreitung kann durch eine flüchtige Berührung als solche erlebt werden, deswegen frag lieber auch bei einer Umarmung oder einem Kuss, ob das für die Person in Ordnung ist.

Übergriffiges Verhalten, Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt können Traumata bei den Betroffenen auslösen – deswegen ist es wichtig, bei jeder sexuellen Handlung mit der_dem Partner_in zu kommunizieren. Durch Reden erfährst du, wie weit dein Gegenüber gehen möchte und kannst potentiellen Grenzverletzungen vorbeugen.

Zustimmung bedeutet immer wieder und jedes einzelne Mal und für jede sexuelle Handlung zu fragen, also zum Beispiel, ob es einer Person angenehm ist, wenn ihr euch küsst, umarmt, streichelt, du ihr den Rücken kraulst…

http://defma.blogsport.de/2008/12/23/nein-heisst-nein-oder-antisexismus-muss-praxis-werden-das-zustimmungskonzept/

Das ist freilich der Tod der Erotik und das Ende aller Leidenschaft. Und was ist mit denen, die keine Liebhaber von dirty talk sind? Denen die Worte ausgehen, weil der Trieb übernimmt? Und mit denen, die sich lustvoll fallenlassen und nicht ahnen, was sie selbst in der nächsten Sekunde machen wollen oder empfinden könnten? Man merkt es schon, hier geht es um Kriminalisierung eines ›Gegners‹ und nicht um Lust. Bei den jungen Alpha-Feministinnen von ›Mädchenmannschaft‹ wird von einer Helga, von der sich Männer nachhaltig fernhalten sollten, Sexualität umstandslos mit Kriminalität konnotiert:

Ebenfalls völlig unerwähnt bleibt, dass in den vergangenen Jahren, über rechtliche Begriffe hinaus, neue Konzepte und Ideen zu Sexualität entwickelt wurden. Aus der alten Parole „Nein meint Nein“ ist „nur ein enthusiastisches Ja meint Ja“ geworden, bereits 2008 erschien Yes MYes von Jaclyn Friedman und Jessica Valenti. Das Zustimmungskonzept verschiebt den Fokus auf die Einvernehmnlichkeit des Sex – damit Grauzonen gar nicht erst entstehen.

Weg von derzeitigen Rechtsbegriffen geht auch das Konzept der Definitionsmacht. Danach gelten auch Taten als sexualisierte Gewalt, die vom Gesetz nicht erfasst werden, unerwünschte Zungenküsse etwa. Statt der komplexen Debatte um „Grau­zonen“ und Grenzüberschreitungen gerecht zu werden und sie voran­zu­treiben, bleibt der Artikel leider bei der Grenze „Nein“.

http://maedchenmannschaft.net/ueber-konsens-reden-aber-richtig/

Auweia. Da stehen die Beteiligten ja fast mit einem Fuß im Gefängnis, wenn sie sich aufeinander einlassen, aber ihre Definitionsmacht unterschiedlich einsetzen. Außerdem müssen sie wissen, was sie wollen, und zwar vorher. Und wehe, das ausdrückliche ›Ja‹ klingt nicht enthusiastisch genug und wurde mit einem ›Liebst du mich nicht mehr?‹ perfiderweise erzwungen. Und vorher trinken sollte man auch nichts mehr, denn nur bei klarem Kopf, einwandfrei nachgewiesener Geschäftsfähigkeit und nicht als Opfer erregender Verführungstechniken oder charmanter Manipulationen gilt ein weibliches Ja auch als solches. Enthemmung und Lust sind nämlich das neue biedermeierliche Tabu – sowas wird Frauen heute ideologischerseits abgesprochen.. Auffallend ist nämlich, daß es unausgesprochen immer die Frauen sind, die Grenzverletzungen monieren.

Solche Meldungen landen zwar nur in der Abteilung Kuriosa/Vermischtes:

Zu viel Sex – Mann ruft Polizei

München – Vor einer sexbegeisterten Bekannten ist ein Mann in München auf den Balkon geflüchtet und hat die Polizei um Hilfe gerufen. Der 43-Jährige hatte die vier Jahre ältere Frau laut Polizei in einer Kneipe kennengelernt und war mit in ihre Wohnung gegangen. Als der erschöpfte Mann nach mehreren Liebesakten gehen wollte, ließ ihn die Frau nicht aus der Wohnung. Er flüchtete auf den Balkon und wählte per Handy den Notruf. Die 47-Jährige erwartet nun ein Strafverfahren wegen Verdachts der sexuellen Nötigung und Freiheitsberaubung.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,827353-3,00.html

Aber sie bilden natürlich nur die Spitze eines Eisbergs. Welcher eigentlich müde, Sex ablehnende, Mann würde seine Partnerin moralisch fertigmachen oder gar anzeigen, nur weil sie ihn gegen seinen Willen und gegen sein Nein rein physisch muntermachte? Annabel Wahba, gegen deren Artikel ›Die Angst, Nein zu sagen‹ sich Helgas Unmut richtete, hat so ein männliches Alltagsexemplar aufgegabelt –  und dabei eine für Feministinnen (aber auch nur für die) erstaunliche Feststellung gemacht:

Aber die Männer sind nicht immer die Bösen. Johanna Koljonen, die schwedische Journalistin, hat mit ihrer Website auch große Überraschungen erlebt. Es haben sich nicht nur viele Frauen gemeldet, sondern auch Männer, die erzählten, wie sie sich zu Sex überreden ließen, den sich eigentlich nicht wollten. Ein homosexueller Mann war darunter. Auch ein Mann, der von einer Freundin erzählte, die ihn eines Nachts zum Sex drängte, obwohl sie wusste, dass er müde war. Er ließ sich darauf ein und wollte danach seine Ruhe. »Aber sie wollte mehr und hat nicht aufgehört, zu betteln und mich anzufassen«, schreibt er. Danach trennte er sich von ihr.

http://www.zeit.de/2012/14/Grauzone-Gewalt/komplettansicht

Wir haben es heutzutage bei Sex also mit einer Kampfzone zwischen den Geschlechtern zu tun – und mit Frauen, die sich nicht trauen, Nein zu sagen, um keine Spielverderberin zu sein. Oder die sich hinterher nicht gut fühlen, weil sie überflüssigen und/oder schlechten Sex hatten, den sie ›eigentlich‹ nicht wollten. Da hat das Es gegen das Ich gesiegt, ein völlig normaler Vorgang, der urplötzlich als Grauzone zwischen einvernehmlichen Sex und Vergewaltigung definiert wird. Die es selbstverständlich zu verkleinern gilt. Da waren wir Frauen schon mal weiter.

Gegen alle diese durchsichtigen feministischen Bemühungen, weibliche Triebe moralisch einzuhegen wie sonst nur die katholische Kirche (wie kann frau bloß einen One Night Stand haben oder einen Seitensprung aus purer Lust!) und den Mann als potentiellen Täter zu kriminalisieren, schreibt glücklicherweise Barbara Sichtermann an – und das war leider überfällig.

Was Frauen Sex bedeutet: Eine Befragung

Barbara Sichtermann

Sichtermann lässt ein mehrdeutiges Sittenbild entstehen, eine Sphäre weiblicher Sexualität, in der die gewohnte Moral nicht gilt. Weibliche Liebeslust findet in einer »Geheimwelt« statt, die manche Überraschungen für die Leserinnen und Leser bereit hält; denn Eros ist in der Liebespraxis der Frauen ein Vagabund, ein Wegelagerer – und ein König!

»Frauen lernen Heimlichkeit, Umwertung der gewohnten Werte (vor allem was Aufrichtigkeit betrifft), Unberechenbarkeit und Amoralität als Teil ihres Lebens und als Bedingung ihrer Lust anzuerkennen.«

Brandes & Apsel, Neuerscheinungen 2012

Das mußte wirklich mal gesagt werden…

Aber was soll man auch vom Stand der heutigen Emanzipation halten, wenn uns Marie Schmidt in der ZEIT eine junge Feministin namens Laurie Penny mit diesen Worten empfiehlt:

Schlachtfeld Frau

Es muss endlich ein Ende haben mit Heidi Klum und der Dressur des weiblichen Körpers. Die britische Feministin Laurie Penny plädiert für einen starken jungen Feminismus von heute.

  • Von Marie Schmidt
  • Datum 08.03.2012 – 06:37 Uhr

[…]

Penny beschreibt zum Beispiel ihre Erfahrung mit Essstörungen: »Nichts zu wollen scheint leicht erlernbar zu sein, und ebenso scheint es einfach zu sein, die Regeln bis in ihre letzte, tragische Konsequenz zu beherrschen und jede Nahrungsaufnahme zu verweigern, den Körper zu bestrafen und mit der künstlichen Vorpubertät, in der er durch das Hungern chemisch dauerhaft gehalten wird, die Libido abzutöten. Es ist leichter, ein Zeichen zu werden, als zu versuchen, etwas zu bezeichnen.«

Es ist einfacher, heißt das, sich dem Size-Zero-Sex-Appeal anzupassen, als auf der eigenen Körperlichkeit zu bestehen, deren Erotik möglicherweise erst durch echte Berührungen zwischen Menschen ausgehandelt werden müsste: »Junge Menschen, die mit dem Druck aufwachsen, in jedem Bereich ihres Lebens etwas zu leisten, finden sich in der Situation wieder, eine roboterhafte, kapitalistische Erotik nachzuäffen, die kaum etwas mit ihren eigenen legitimen Wünschen zu tun hat.«

[…]

»Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten«, fantasiert Penny, »und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.«

http://www.zeit.de/2012/11/Feminismus-Schlachtfeld-Frau/seite-2

Gibt es wirklich so viele eßgestörte junge Frauen, die sich an Top-Models orientieren, als daß deren Therapie als feministisches Projekt durchginge? 95% aller jungen Mädchen wissen, daß sie für eine solche Karriere nicht in Betracht kommen, und dank Heidi Klums ›Germany’s Next Top Model‹-Sendung wissen sie auch, daß eine solche Karriere keineswegs erstrebenswert ist. Allein schon die Unterwerfung unter diese Domina Klum steht für die Härte des Business, stellvertretend für jegliches Angestelltenverhältnis in einer globalisierten kapitalistischen Welt. Mühelos lernen die Teenies vor der Glotze, daß man die Girls mit Kurven als zu sexy für die Haute Couture vor dem Finale aussortiert, und daß reale Jungs im Gegensatz zu den überwiegend schwulen männlichen Modemachern keine Hungerhaken mögen, müßten ihnen eigentlich ihre Real-Erfahrungen vermitteln. Falls nicht, sollten ihnen die Brustvergrößerungen der als sexy geltenden Stars zu denken geben. Aber wer die eigene Libido abtötet wie die bedauernswerte Laurie Penny, hat gewiß ganz andere und viel tieferliegende Probleme als die Wahl eines falschen weiblichen Körper-Vorbilds.

Marie Schmidt:

Nicht nur, dass sie die Arbeit am Selbst einfach einstellen könnten, es bestünde auch die Gefahr, dass sie einen echten Willen zur Macht entwickelten. Wie die Dinge liegen, scheinen Frauen keine Möglichkeit zu haben, sexy gefunden zu werden, weil sie Macht an sich nehmen, höchstens obwohl. Frauen, die Einfluss wollen, müssen deshalb ihre professionellen Ziele immerzu gegen ihren erotischen Wert »verrechnen«. Sie tun es, indem sie ihren Geschlechtskörper sublimieren, was die Bundeskanzlerin beispielhaft vorzeigt. Oder indem sie ihre erotischen Körper selber als Instrument ihrer Macht »nutzen«.

http://www.zeit.de/2012/11/Feminismus-Schlachtfeld-Frau/seite-2

Diesem Schwulst ist schwer zu folgen, aber ich versuche es mal: eine Frau, die sich schön findet, ohne ihren Körper optimieren zu müssen, wird eventuell machthungrig. (Hä?) Entweder ist sie wirklich schön und schläft sich nach oben, oder aber sie ist nicht wirklich sexy, dann schafft sie es anderswie nach oben, wird aber gezwungen, ihren Körper zu verstecken, obwohl der gar nicht sexy ist. Ups, da war ich wohl dem Beispiel Merkel aufgesessen. Ach nein, irgendwie wird es Frau Schmidt anders gemeint haben, ohne es ausdrücken zu können. Das wäre was, wenn ideologie-trunkene Journalisten sich mal der Logik verpflichtet fühlen müßten.

Glücklicherweise wird sich das von ihr vage skizzierte Problem bald erledigt haben, denn die Frauen drängen mit Macht zur Quote. Da ist es dann egal, ob frau dumm oder klug, fähig oder unfähig, hübsch oder häßlich oder erotisch oder unerotisch ist. Da muß nix mehr verrechnet und ausgehandelt werden, da muß man nur Frau sein, und zwar eine echte (Nachweis der Nicht-Transsexualität inclusive)! Und frau muß natürlich ein paar mächtige Männer kennen –: ohne Vitamin B hätten es die männlichen Vorstandskollegen ja auch nicht geschafft. Ganz abgesehen davon wäre es nicht schlecht, wenn mit der parteipolitischen Berufung in Behördenleitungen mal Schluß wäre – aber da darf man sich keinen Illusionen hingeben: Chefs wie Chefinnen sind immer unfähig, da waltet zuverlässig das Peter-Prinzip.

http://private.freepage.de/hame/peter.htm

Wie man einen solchen offen männer-diskriminierenden und in die Freiheit von Betrieben eingreifenden Paragraphen verfassungskonform formulieren könnte, hat noch nie jemand erklärt. Und wieso in Betrieben, für die Frauen sich nicht interesssieren, plötzlich 30 % des Vorstands weiblich sein soll, versteht sowieso keiner. Gottlob gibt es da noch Frau Kristina Schröder, die sich wie ein Mann dem drohenden Ungemach entgegenstellt:

Gleichberechtigung

Schröder knüpft ihre politische Zukunft an die Frauenquote

„Solange ich Ministerin bin, wird es keine starre Quote geben“: Kristina Schröder legt sich im Streit um eine gesetzliche Frauenquote schicksalhaft fest.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-04/schroeder-quote-karriere

Recht so. Wenigstens eine, die nicht wackelt und sich traut, Unfug Unfug zu nennen. Wenn sie sich schon gezwungen sieht, den Unfug des Betreuungsgeldes für Kinder, die nicht in die Kita dürfen, zu finanzieren. (Bereits da wäre ich zurückgetreten.) Politiker sind leidensfähiger als der Normalmensch.. Aber selbst wenn der Sturm sie aus dem Amt blasen würde und die DAX-Firmen gezwungen wären, sich jede Menge Frühstücksdirektoren-Pöstchen für den Vorstand auszudenken: wir wissen ja, daß Frauen gar keine Karriere machen wollen und daher jegliche Rekrutierungsversuche obsolet wären:

Bascha Mika über Frauen im Beruf

Zu weich, zu feige, zu unterwürfig

09.02.2011, 12:09

Von Cathrin Kahlweit

Es gibt zu wenige Frauen in den Führungsetagen? Selber schuld, findet Bascha Mika. Frauen seien zu bequem und zu feige, um wirklich Karriere zu machen. Sie müssen aufhören, sich selbst zu betrügen, fordert die Feministin.

http://www.sueddeutsche.de/leben/bascha-mika-ueber-frauen-im-beruf-zu-weich-zu-feige-zu-unterwuerfig-1.1057495

Hier halte ich erschöpft inne, obwohl ich noch lange weitermachen könnte.

Keine dieser Frauen repräsentiert mich, keine ihrer Forderungen und Wünsche bedeuten mir etwas. Frauen sind so unterschiedlich, wie es Menschen nun mal sind.

Frauen scheint wirklich nur eins gemeinsam zu sein: das Nörgeln über die Männer.

Mely Kiyak:

Wäre es nicht sowieso viel interessanter, zu untersuchen, warum sich immer nur Frauen über Männer beklagen und nie umgekehrt? Bis auf einige wenige Komödianten, die sich sehr harmlos über Frauen und ihren angeblichen Hang zu übermäßigen Handtaschen- und Schuhkäufen amüsieren, gibt es das Genre »Kritik an Frauen« nicht. Und das, obwohl sich durch die beschriebenen Veränderungen auch das Leben der Frauen verändert hat. Wie finden das Männer?

http://www.zeit.de/2012/05/P-Maenner/komplettansicht

Der Frauen ›ewig Weh und Ach‹ hat schon der Großmeister Goethe thematisiert. Ob sein Mephisto-Rezept (hier schließt sich der Kreis) doch (noch) gültig ist?

Mephistopheles.

Besonders lernt die Weiber führen
Es ist ihr ewig Weh und Ach
So tausendfach
Aus einem Punkte zu kurieren,
Und wenn Ihr halbweg ehrbar tut,
Dann habt Ihr sie all unterm Hut.
Ein Titel muss sie erst vertraulich machen,
Dass Eure Kunst viel Künste übersteigt;
Zum Willkomm tappt Ihr dann nach allen Siebensachen,
Um die ein andrer viele Jahre streicht,
Versteht das Pülslein wohl zu drücken,
Und fasset sie mit feurig schlauen Blicken
Wohl um die schlanke Hüfte frei,
Zu sehn, wie fest geschnürt sie sei.

Schüler.
Das sieht schon besser aus! Man sieht doch, wo und wie.

Mephistopheles.
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.

Nina Pauers junger Frau würde ich übrigens raten, die Stammkneipe zu wechseln. Es gibt nämlich so viele unterschiedliche Männer wie es unterschiedliche Frauen gibt. Aber in gewissen Biotopen findet man eben nur Zeitgeist-Angepaßte.

32 Gedanken zu „Frauen zwischen Schmerzensmännern, Frauenquote und Top-Model: Was will das Weib?

  1. @QuoVadis
    https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/04/17/frauen-zwischen-schmerzensmannern-frauenquote-und-top-model-was-will-das-weib/#comment-299

    Da hast Du einen interessanten Punkt angesprochen: denn die, die jetzt Kristina Schröder (die ja vollkommen recht hat mit ihrer Forderung nach Entideologisierung der Geschlechterdebatte) angreifen, werfen ihr vor, daß sie sich mit dem Steinzeitfeminismus einer überkommenen Alice Schwarzer auseinandersetze, die doch längst ohne Bedeutung sei.

    Damit liegen sie falsch, und man fragt sich, wie blöd diese Schröder-Kritikerinnen eigentlich sein müssen, wenn sie nicht mal zur Kenntnis nehmen, daß die schlichten Männer-Haß-Reflexe einer A.S. im populistischsten Mainstream überhaupt, nämlich der BILD, hoffähig sind.

    Die Realitätsverweigerung ist in dieser Szene eben flächendeckend…

    • Die Antwort hast Du doch schon gegeben: der noch zu stellende Antrag an Schröders Ministerium wegen der bereits ›zugesagten‹ 150.000.- Euro pro Jahr macht soooo viel Arbeit. Da kommt man zu nix mehr. Und bis zum 30.6.2012 muß sie noch Verwendungsnachweise für die verbratenen 460.000,- des Bundesforschungsministeriums anfertigen. Streß pur.

      • Liebe Gabriele,

        mit solchen Vorahnungen: ASchwarzer beim Rechnen, solltest Du seeehr vorsichtig sein! Stelle es Dir vor, Deine Vermutung wird wahr und ASchwarzer beschäftigt sich mit Kalkulation. Bei ihrer Rechenschwäche dürften dann Fehler in Milliardenhöhe „einschleichen“. So, wie sie mit Fakten, hier Zahlen, umgeht, ist ein Desaster auf Kosten des Steuerzahlers programmiert.

        Natürlich wird sie kein Wort über Schröder verlieren. Diejenigen, die jetzt die Feminismusflagge hissen sind auch momentaan die argsten Feinde des Schwarzrischen Wohlergehens. Nicht daß da noch ein Text von ASchwarzer kommt, in dem es heisst, die hätten alle Schröder missverstanden.

        Ich bin halt abergläubig…

        LG, QV

  2. Was will das Weib?

    Nach Dekaden des Lesens einschlägiger Literatur…

    Die Literatur-Ecke, in die zwar erst ab 18 Zutritt gewährt wird, in der aber das Versprechen der Befriedigung meist gehalten wird und die Befriedung stattfindet, meine ich nicht. Da liest man womöglich sowas: „(…) daß das Leben schön ist, wenn man es zu genießen weiß.“ (Linas aufrichtigen Bekenntnisse oder die Freude der Wollust, S.455, 1790-95)

    Sondern denke ich an die Schmuddelecke, in der ohne Alterszensus feministisches Kopfkino ohne Befriedigung oder Befriedung gedreht wird.

    Ich meine somit verstanden zu haben, was das feministische Weib will. Und so kann ich die Antwort geben, die Freud, der Ungnade seiner frühen Geburt ausgeliefert, nicht finden konnte (Selbstironie off).

    Das feministische Weib will Kontrolle. Ich kann sogar sagen, was das feministische Weib nicht will: Das feministische Weib will keine Verantwortung für die Kontrolle, die es haben will. Das feministische Weib geht noch weiter, in dem, daß es vom Manne fordert die Kontrolle über ihn an das femWeib abzugeben. Dafür aber darf der Mann die Verantwortung behalten. Man munkelt vom Geschenk der Danaer.

    Das reale Weib aber ist kein Ideologiekanninchen und läßt sich mit Genderwahn nicht infizieren. Und will, was es jeweils will, was weiß ich… Je nach dem…

    Hier werden also zwei Unter-Arten der gleichen Gattung femina sapiens sozialis betrachtet, ob der Linné mir dies verzeiht… Die Feministischbelastete und die Ideologiefreie.

    Die FB sieht die Welt nur in Relation zu sich bzw. der Ideologie: Ist etwas „für“ Feminismus, muss aber nicht unbedingt für „Frau“ per se sein, ist es existenzberechtigt. Ist etwas aber nicht ausgesprochen „für“, soll es verrecken. „Heaven has no rage like love to hatred turned / Nor hell a fury like a woman scorned.“, sagte William Congreve in 1697. In vielem scheint mir der Feminismus die „heilige Wut“ zu konzentrieren und zu replizieren, um dann als Extrakt für die Ideologiesuppe zu verwenden. FB hat das Schema: Frau = Opfer des Mannes so verinnerlicht, daß ein männliches Opfer für sie eine Anomalie der Natur darstellt. Oder er ist ein Täter, der sich im Opfer-Pelz tarnt. Je nach dem…

    Die IF macht, was sie will, was weiß ich… Sie braucht aber keine Matrix aus der Denkfabrik um zu denken und keinen „Kodex der Feministin“ um zu fühlen. Sie hat sogar Sex, ohne daß der Feminismus-Affe auf der Schulter hockend ihr dabei zuschaut. Will die IF denn keine Kontrolle? Doch, doch, natürlich. Nur sie ist auch der traurigen Tatsache bewusst, daß sie nicht über jeden Ziegelstein, der vom Dach fällt, Kontrolle haben kann. Sowie, daß nicht jede Taube, die auf ihren Haupt scheißt, ein Tauber seien muss. Somit lässt sie die Kontroll-Neurose Kontroll-Neurose sein und widmet sich viel schöneren Neurosen, wie z.B. Wie bediene ich die Tastatur mit überlangen Fingernägeln oder Ist Mem tatsächlich nur ein Gespenst, das um die Welt geht ohne ontologischen Bezug zur Empirie? IF fordert keine Quote für die Piratenpartei, sie tritt da ein, wenn sie es so will. Die IF hat auch nicht verdrängt, daß nicht ein Geschlecht das Opfer ist, sondern Menschen können zu Opfern werden. Je nach dem…

    George Bush Jun. hatte viel vom Feminismus gelernt: Who is not with us, is against us… Feminismus wiederrum von… wer war es noch mal, der meinte, alle, die nicht „für“ sind, sollen… An den österreichischen Gefreiten mit deutschem Paß denke ich nicht mal. Ich denke nur an Ideologien en gros, und da könnte man die allesamt vorführen, denn alle Ideologien haben etwas gemeinsam: Alle „nicht-„für“-Sager“ sind ihre Feinde und sollen bekämpft, manipuliert, gekauft oder eingeschüchtert werden, bis die zu „“für“-Sagern“ mutieren. Die Ideologien schießen auf alles, was sich aus der Reihe bewegt, ein Schritt nach links, ein Schritt nach rechts… Tot. Wenn früher Menschen auf Menschen schossen, ist das jetzt bei feministischer Ideologie umgekehrt?
    Kollateralschäden durch freundliche Kugel… Da freut sich der Kollateralgeschädigte sehr.

    Die Welt soll 5.000 Jahre (wie alt soll die Welt überhaupt sein, und was war vorher…) vom definitionsmächtigen Patriarchat regiert worden. Hat denn Feminismus einen anderen Duktus, Machtanspruch und Waffen als das, was schon vorher bekannt war, erfunden? Mitnichten. Und, gibt’s doch was neues? Jawohl, die Platz- und Zeitverschwendung durch -Inn und -Innen sowie die ideologisch vorgeschriebenen Muster des Denkens, Redens, Schreibens un Küssens.

    Nicht Feminismus mit immanentem Dissens und zwanghafter Polarisierung treibt die Emanzipation voran sondern ideologiefreier Konsens aller Beteiligten.

    Manchmal ist der Feminismus nur ein Nackter, der sich in die Mitte der Menschenmasse auf der Einkaufsstraße stellt und sich darüber empört, daß er angeglotzt wird. Oder darüber, daß alle vorbeigehen und ihm keine Beachtung schenken. Je nach dem…

    Was will das Weib? Je nach dem…
    Was will der Mann? Ruhe…

    😉

    LG, QV

    P.S. Wenn es nicht so politisch relevant und brisant wäre…

    • Was sollte/könnte/müßte ich dem noch hinzufügen?!
      Du hast Glück, daß Du Dich durch das Wörtlein ›Selbstironie‹ als Anti-Feministin geoutet hast und nicht als Anti-Feminist.
      Denn als nur kollateral Betroffene des feministischen Furors kann man sich als ideologiefreie Frau schon mal etwas mehr herausnehmen: schlimmstenfalls kriegt man die Worte Kollaborateurin, Komplizin und Stockholm-Syndrom (Identifizierung mit dem Mächtigen zwecks Leugung der eigenen Opferrolle) zu hören… Und das läßt sich doch locker verschmerzen wenn es von Damen des Schlages kommt, die bekunden, ein Buch zwar nicht lesen, aber einen Vortrag drüber halten zu wollen. Da weiß man beruhigenderweise doch gleich, woran man ist.

      Will die IF denn keine Kontrolle? Doch, doch, natürlich. Nur sie ist auch der traurigen Tatsache bewusst, daß sie nicht über jeden Ziegelstein, der vom Dach fällt, Kontrolle haben kann. Sowie, daß nicht jede Taube, die auf ihren Haupt scheißt, ein Tauber seien muss.

      Nur zur Klarstellung: Du meinst einen hörfähigen Tauberich?
      ,-))

      LG,

      Gabriele

      • Ich wäre schon sehr in Deiner Erfahrung und Erinnerungen vom „damals“ interessiert. Aber ich stelle es mir vor, daß Vieles nicht erzählbar ist…

        Jawohl, auch den Tauberich… „Tauber“ fand ich auch zweideutig, aber in „Der neue Brehm“, 1962, S. 556 6. Zeile von oben, steht gerade der, der „hitzige Tauber“. Die Natur der Sprache ist wunderlich…

        Besonderes angesprochen fühle ich mich, wenn jemand von mir die „Frauensolidarität“ verlangt. Da möchte ich doch sofort mit der über den gleichen Chromosomensatz befreundete Schwester Hand in Hand in die glorreiche Y-freie Zukunft hüpfen.

        Solange keiner ein Opfer des FrauenMediaTurm-Syndroms wird….

        Ich habe auch so manches gehört, daß „schlimmste“ war, zumindest als solches gemeint: Du redest/schreibst wie ein Mann. Dabei habe ich gar nicht sooo eine tiefe Stimme, wie Frau Staatsanwalt bei dem Tatort aus Münster.

        Es ist offensichtlich was faul im Reiche D. Emanzipation als Schulfach, anstatt Reli? „Schutzräume“ nicht nur für die Einen, sondern gleich für Alle?

        LG, QV

  3. @ Steffi:

    Danke für den köstlichen Lesetip!

    Buch der Familienministerin
    Kristina Schröder kapituliert vor der Frauenfrage

    Von Anna Reimann
    Kristina Schröder hat ein Buch über Frauen in Deutschland geschrieben – sie klagt darin über starre Rollenbilder, vor allem aber rechnet sie mit dem Feminismus ab. Was die Familienministerin als Liberalität tarnt, ist in Wahrheit der Abschied von der Politik.
    […]
    Allerdings: Wenn in Deutschland in den vergangenen Jahren über Feminismus gesprochen wurde, dann ging es – mit wenigen Ausnahmen – um einen sehr weichen, wenig ideologischen, sehr pragmatischen Feminismus, etwa in den Büchern „Wir Alphamädchen“ oder „Neue deutsche Mädchen“. Von einer Diktatur der Verbiesterten kann keine Rede sein. Natürlich schaltete sich auch hier Alice Schwarzer ein – mit ihr beharkte sich die Familienministerin, die schon als Abiturientin erklärte, bloß keine Feministin werden zu wollen, öffentlich. Schwarzers Einfluss allerdings zur allgegenwärtigen Kultur zu erhöhen, damit liegt Schröder daneben.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,825967,00.html

    Witzig: auch Anna Reimann muß Schwarzer zum alten Eisen erklären, um Schröder abbürsten zu können. Als ob es nicht die gleich verbiesterten Damen Oestreich, Lantzsch, Schrupp etc. gäbe, die öffentlich-rechtlichen Frauen- und Opferbeauftragten, die gesamte mediale Präsenz dieser Richtung auch in der Politik. Daran ändern doch ein paar Bücher nichts.

    Tja, da teilt Schröder den Gauck’schen Freiheitsbegriff: aber was bei ihm toll ist, ist bei ihr daneben. Abgesehen davon: für eine Reform der Arbeitswelt ist nicht sie, sondern Frau vdL zuständig. Stichwort Norwegen mit seinen ›Goldröcken‹ und den acht Aufsichtsratposten pro Frau:

    Wie aber kann die Unternehmens- und Familienkultur entsprechend verändert werden? In einer Hinsicht jedenfalls, gesteht Lund, habe sie als Norwegerin einen deutlichen Vorteil.
    Noch immer gilt in ihrem Land die Grundregel: kein Meeting mehr nach vier Uhr. Denn die meisten Mitarbeiter sind dann bereits auf dem Weg zum Kindergarten – Frauen wie Männer. „Solche Arbeitszeiten sind nur möglich bei produktiver Arbeit, flachen Hierarchien und entsprechend schnellen Entscheidungsstrukturen“, sagt sie.
    „In Frankfurt oder London“, fügt die Managerin hinzu, „würde ich in einem Job wie dem meinen sicher nicht vor neun Uhr zu Hause sein.“

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76862454.html

    Und immer wieder die Wiederholung längst widerlegter Statistiken zum gender pay gap.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.