›Das verteufelte Geschlecht‹ Mann – und die Erosion der Unschuldsvermutung (I)

Nahtlos kann ich an meinen Frauen-Artikel anschließen –

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/04/17/frauen-zwischen-schmerzensmannern-frauenquote-und-top-model-was-will-das-weib/

denn die Verheerungen, die der gegen den Mann gerichtete hardcore-Feminismus à la longue gesellschaftlich angerichtet hat, zeigen sich heute in aller Schärfe.

Geschlechterrollen

Der Penis ist keine Waffe

betitelt Jonathan Widder seine Rezension vom 6.3.2012 des Buchs von Ralf Bönt: ›Das entehrte Geschlecht‹. Und es stimmt hoffnungsfroh, daß in einem Medium wie der ZEIT, in dem zum Geschlechter-Thema bislang nahezu ausschließlich dezidiert feministisch-weibliche Stimmen zu hören waren, nun endlich einmal auch das als gewalttätig, machtversessen und defizitär diffamierte männliche Geschlecht Gelegenheit zur Gegenrede erhält. Die nicht medial wirkenden Frauen in den westlichen Ländern wissen, daß es nicht das Patriarchat ist, das sie unterdrückt, und schon gar nicht der Mann oder die Männer, mit denen sie es real zu tun haben. Es ist vielmehr die Arbeitswelt, die zerstörerisch auf Menschen und Familien wirkt, und die falsche Wertschätzung von Erwerbstätigkeit, die über jeden, der – aus welchen Gründen auch immer – aus ihr herausfällt, ein Unwerturteil ausspricht. Das Verdikt der Ökonomie trifft nicht nur Frauen, die sich für Erziehungsarbeit entscheiden. Es trifft vor allen Dingen Männer, denen die Ernährerrolle auferlegt wird, während Frauen schon immer Wahlmöglichkeiten hatten. Widder faßt die Thesen von Bönt so zusammen:

 Im Kern des Buches stehen drei Forderungen: „1. Das Recht auf ein karrierefreies Leben. Der Mann muss auch jenseits einer beruflichen Stellung respektiert werden. 2. Das Recht auf Krankheit jenseits der Vorwürfe von Hypochondrie und Fühllosigkeit. 3. Das Recht auf eine geehrte Sexualität jenseits von Ablehnung, Diffamierung, Kapitalisierung und Kriminalisierung.“

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Und wie reagieren Feministinnen auf diese Forderungen, soweit sie männliche Geschlechterdiskurse überhaupt zur Kenntnis nehmen? Beispielsweise so:

Die Zitate aus Bönts Buch empfinde ich als seltsam. Es mischen sich hier oberflächlich nachvollziehbare Wünsche der Männer mit Forderungen – ja – an wen? Vor allem der seltsame Satz mit der “geehrten Sexualität”. Wer soll die denn ehren? Die Partnerin? Die Gesellschaft? Die Männer selbst? Die Vergewaltigten? Alles in allem spüre ich hier mehr Verlangen nach weiterer Macht und Kontrolle als den Wunsch gemeinsam und vor allem jenseits von heteronormativem Denken etwas zu ändern. Also alles was jetzt noch als “unmännlich” gilt – keine Karriere, Kinderbetreuung, Krankeit, das mit der Sexualität verstehe ich leider nicht so ganz, soll jetzt “ehrbar” und männlich werden. Das ist Eroberung von Terrain und keine Verbesserung der Zustände.

http://maedchenmannschaft.net/wie-koennten-neue-maennlichkeiten-aussehen/#comments

Prompt wird die männliche Sexualität, wie zurecht kritisiert,  kriminalisiert (»Vergewaltigte«), und frau wittert sogleich Gefahr: wenn der moderne Mann ein Recht auf Wertschätzung auch bei fehlender beruflicher Karriere und Hinwendung zur Erziehungsarbeit einfordert, wenn er reklamiert, auch schwach sein zu dürfen – denn die Akzeptanz von Krankheit trägt zu einer besseren medizinischen Behandlung der Männer bei und könnte dazu führen, die geringere Lebenserwartung von Männern an die höhere der Frauen anzugleichen –, dann erobert er weibliches Terrain und erstrebt, so ist der Mann nun mal beschaffen, nichts weiter als Macht und Kontrolle. Während er nur Gleichberechtigung verlangt.

Tatsächlich sind es berechtigte Forderungen beider Geschlechter an eine durchökonomisierte und auf Effizienz getrimmte Welt, die den Menschen insgesamt schadet und nur einer Elite nutzt. Insbesondere die letzte Forderung hat es allerdings in sich. Denn wie sehr die Sexualität des Mannes bereits mit Kriminalität konnotiert ist, belegt Bönt an einem Einzelbeispiel:

 Weil das, auch wenn es selbstverständlich klingen mag, kein gesellschaftlicher Konsens ist, beschreibt Bönt die Facetten negativer und banalisierter Männerbilder in der Öffentlichkeit und ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Privatleben. Er schildert fassungslos, wie ein Freund auf dem Spielplatz auf Initiative der umstehenden Mütter von der Polizei kontrolliert wird, weil er seiner Tochter die Strumpfhose richtet.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Man darf sich nicht wundern, daß sich junge Männer angesichts dieses gesellschaftlichen Klimas selten für einen pädagogischen Beruf entscheiden, in dem sie mit Kindern zu tun haben, obwohl sie dort, in Kindergärten und Grundschulen, die fest in weiblicher Hand sind, angesichts der zunehmenden Zahl alleinerziehender Mütter dringend benötigt werden. Wie ich mich nicht wunderte, von einer alten Freundin zu hören, daß sich ihr 75-jähriger Mann nicht mehr traut, seine Enkelin auf den Schoß zu nehmen, um nicht als Fummel-Opa wahrgenommen zu werden.

Den Feminismus kritisiert Bönt nur dort, wo er über die Gleichberechtigung hinausgeht und den Mann als ständigen Täter porträtiert (und damit paradoxerweise gleichzeitig die Frau im Opferstatus zementiert). Dabei rechnet er vor allem mit Alice Schwarzer und ihrer Schwanz-Ab-Ideologie ab: „Schwarzer ist der Franz Josef Strauß des Feminismus, der notwendig gewesene Macho der Frauenbewegung“; aber: „Der Hass hat das Problem der Geschlechter, statt es zu lösen, verschärft.“

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-03/ralf-boent/komplettansicht

Nun gibt es Menschen, denen es nicht einmal mehr auffällt, mit wieviel Häme und Verachtung über das männliche Geschlecht seit einigen Jahren medial verhandelt wird. Menschen, die solche Artikel für ›normal‹ halten, in denen stellvertretend für das männliche Geschlecht in aller Genüßlichkeit und mit einem Höchstmaß von polemischem Einsatz Einzelpersonen attackiert werden:

Sex, Lügen, Twitter – die schlimmsten Männerpannen

Von Boetticher, Strauss-Kahn, Schwarzenegger, Kachelmann oder Fürst Albert: Diese mächtigen Männer demontierten sich 2011 selbst.

Von Judith Luig

29.12.11

2011 war das Jahr der Männer. Ist das nicht jedes Jahr, fragen Sie? Kann sein, aber dieses Mal war es das in besonderer Form: Ein Jahr, das durch Ereignisse bestimmt wurde, bei denen ein männlicher Protagonist, der angesehen, geschätzt und teilweise sogar bewundert wurde, über eine als besonders männliche verschriene Eigenschaft besonders dämlich stolperte. Selbstüberschätzung, Selbstgerechtigkeit und Realitätsverlust gelten ja schon lange als Männertugenden, aber selten haben sie so viele so dumm dastehen lassen wie in den vergangenen zwölf Monaten.

[…]

Die seltsam archaischen Männer, die uns in diesem Jahr mit ihren Großmannsgeschichten in Atem gehalten haben, haben eines gemein: Sie gehen davon aus, dass der wie auch immer zustande gekommene Sex ein Geheimnis zwischen ihnen und der Frau bleibt. Und sie scheinen zu glauben, Sex über den man spricht, bringt ihm Ruhm und ihr Schande.

Aber 2011 haben ein paar Frauen diesen Pakt gebrochen. Auch wenn es fraglich ist, was es ihnen persönlich gebracht hat, der Welt haben sie damit geholfen, dass man sich endlich ein paar überfälligen Fragen zum Thema Jungsbünde, Sexprotze und Imponiergehabe stellt.

http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article13788891/Sex-Luegen-Twitter-die-schlimmsten-Maennerpannen.html

Nicht unzufällig hat die Autorin die beiden Verfahrenseinstellungen gegen Dominique Strauss-Kahn ›vergessen‹, und der Freispruch von Jörg Kachelmann erfolgte ja ›nur‹ aus Mangel an Beweisen. Auch der seinerzeit noch amtierende Bundespräsident kriegt sein Fett weg: zwar gab es lediglich einen medialen Shitstorm gegen ihn, und auch Frau Luig wußte nicht so recht, was sie ihm eigentlich vorwerfen sollte. Aber er ist ein Mann, und daher leidet er ›naturgemäß‹ unter Selbstüberschätzung (und einem kostspieligen Hang zur Zweitfamilie, der er schließlich was bieten muß).

Das mediale Geschlechterbild ist festzementiert: hier der sexuell untreue, umtriebige, gewalttätige, vergewaltigende unmoralische Mann – dort die Frau, das reine Opfer. Das sie sogar bleibt, wenn sie zur Täterin geworden ist. Wäre es denkbar, einen Artikel über einen gewalttätigen Mann, der eine Selbsthilfegruppe gründet, so einzuleiten?

Wenn Frauen nur zuschlagen können

Opferschicksal

Eine Mutter berichtet über ihre Aggressionen den Töchtern gegenüber

Marika Bach gründet eine Selbsthilfegruppe. Sie hat ihre Töchter täglich geschlagen.

von Sabine Schicke

Oldenburg – Marika Bach (Name geändert) ist eine freundliche Frau mit dunklen Haaren. Anfang 40, hilfsbereit und zuvorkommend. Aufmerksam selbst in kleinen Dingen. Dass sie ein zweites Gesicht haben kann, würde niemand glauben. „Gewalt von Frauen, das ist noch immer ein Tabu-Thema“, erklärt sie. Über Jahre hat sie ihre beiden Töchter täglich geschlagen, hatte ihre Aggression nicht unter Kontrolle. „Schon während ich ausholte, habe ich mich selbst gehasst – und trotzdem zugeschlagen.“

Nun möchte sie anderen Frauen helfen, die ähnliche Probleme mit Aggressionen haben und gründet eine Selbsthilfegruppe.

http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Oldenburg/Artikel/2847945/Wenn-Frauen-nur-zuschlagen-k%F6nnen.html

Natürlich, sie konnte nur zuschlagen angesichts der von Gewalt, Mißbrauch und fehlender Mutterliebe geprägten Kindheit. Aber schlagende Männer haben ähnlich schreckliche Kindheiten, wie man weiß. Nur, daß deren Kindheitserzählungen eher als Schutzbehauptung oder als Mitleidsmasche bewertet werden, wenn sie vor Gericht stehen. Unsere Selbsthilfegruppengründerin stand gewiß niemals vor Gericht: die Lehrer und die Jugendamtsmitarbeiter, die von ihrer Gewalttätigkeit wußten, haben sicherlich den Datenschutz bemüht und keine Anzeige erstattet. Denn eine prügelnde Frau ist Opfer und darf nicht kriminalisiert werden.

Wenden wir uns dem Leitmedium für aggressive niedrige Instinkte zu, der Aufputschdroge, die die heftigsten Verwüstungen in den Seelen des Menschengeschlechts anrichtet, weil sich damit am leichtesten Geld verdienen läßt. Der BILD nämlich, die zu allem Überfluß auch noch Briefe schreiben läßt. Für die Amokläuferin von Lörrach, deren Tötungsserie (3 Tote, zahlreiche Verletzte) auch von unseren seriöseren Medien wie FAZ, SPIEGEL und WELT gern als ›Beziehungstat‹ gewürdigt wurde, fand F. J. Wagner am 21.9.2010 in BILD folgende Worte:

Ja, es war richtig, die Amokläuferin zu töten. Sie war eine Maschine.

Aber sie war auch mal ein Mensch. Abitur, Jurastudium, Ehe, ein Kind, eine Fehlgeburt, Anwältin, Trennung, zwei getrennte Wohnungen, Kind beim Vater, Kind bei der Mutter. Das alltägliche Drama.

Auch dieser Mensch wurde erschossen. Ein Mensch, der kaputt ging, ein Mensch, eine Maschine wurde.

http://www.bild.de/news/standards/news/post-von-wagner-14029404.bild.html

»Sabine R.« (nur das übliche »Liebe« ließ er weg), schmalzte er am selben Tag so an:

Es ist ein Foto im Garten Ihres Glücks. Sie haben ein eigenes Häuschen mit Garten. Papa, Mama, Kind. Vielleicht ist eine Schaukel irgendwo, man sieht Blumen auf dem Foto.

Im nächsten Moment werden Sie Ihr Kind umarmen, mit Ihrem Kind durch den Garten herumtollen. Ihr Kind auf den Schultern tragen.

Das Foto ist ein Jahr alt. Sie sehen gut aus, Sie sind schlank. Sie sehen aus, wie eine glückliche, 41-jährige Frau, die Mutter ist. Eine Mutter, die in der Sonne liegt, das Liebste neben sich hat, ihr Baby, ihr Sonnenschein.

Als diese Frau tötete, war sie selbst schon tot. Ihr Mann hatte sie verlassen, ihr heiler Garten war zerstört.

http://www.bild.de/news/standards/news/post-von-wagner-14041228.bild.html

Nach anderen Berichten hatte sie zwar ihren Mann verlassen, aber was soll’s. Der Mann muß schuld sein und die Frau traumatisiert. Gerne ist sie auch schuldunfähig, die Psychiatrie ist ja gesellschaftlich geprägt. In Diktaturen gilt der querulatorische Wahn als Ausschlußkriterium gegen Oppositionelle, in feministisch beherrschten  Welten bekommen Frauen bei Persönlichkeitsstörungen, die bei Männern nie zur Schuldunfähigkeit führen, den Jagdschein. Und schon ist das säuberliche Mann-Frau-Weltbild wieder in Ordnung.

Nur einen Tag später textet BILD:

Toter Mann in Schuppen gefunden

Rosenheim-Killer tot aufgefunden

München – Ist die wochenlange Jagd nach dem Doppelmörder von Rosenheim zu Ende? Gestern wurde ein Mann tot aufgefunden, bei dem es sich mit ziemlicher Sicherheit um Franz Müller (48) handelt.

Der Tote hat sich wohl aufgehängt. In einem Schuppen in der Äußeren Münchner Straße in Rosenheim. Nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Entdeckt hätte ihn ein Hausmeister.

Die Polizei wollte das weder bestätigen noch dementieren. Aber: „Es deutet einiges darauf hin“, dass es sich um den verdächtigen Doppelmörder handeln könnte. Erst nach der Obduktion heute könne genaueres gesagt werden.

Rückblick: Am 30. August wurden Lacramioara (†37) und ihr kleiner Sohn Marcus (†3) in Rosenheim bestialisch getötet. Wohl von ihrem Ex Franz Müller! Den Bub hängte der feige Killer im Keller auf! Die Mutter erschlug er brutal – die Tat einer Bestie! Ganz Bayern war erschüttert von dieser Horrortat!

Nach der Bluttat floh der feige Killer. Gejagt von der Polizei, der „Soko Hochgern“.

Mögliches Motiv des Doppelmords: Angeblich hätte Franz Müller Zweifel an der Vaterschaft von Marcus gehabt. Glaubte, er habe ein Kuckuckskind groß gezogen.

Laut Obduktion der Kindes-Leiche war Müller allerdings der leibliche Vater von Marcus.

http://www.bild.de/BILD/regional/muenchen/aktuell/2010/09/22/leiche-des-rosenheim-killers/toter-mann-in-schuppen-gefunden.html

Ist es bestialischer, das eigene Kind zu erhängen oder mit einer Plastiktüte zu ersticken? Wer ist eher ein feiger Killer: der, der seinen Partner erschlägt oder der, der ihn erschießt? Ganz zu schweigen von dem Aggressionsüberschuß, die eigene Wohnung hochgehen zu lassen, einen unbeteiligten Krankenpfleger zu ermorden, Patienten zu gefährden und sich mit der Polizei auf einen Schußwechsel einzulassen, auf daß die den eigenen geplanten Tod exekutiere.

BILD weiß Bescheid. BILD ordnet ein. Der Mann ist die Bestie und die Frau das traumatisierte Opfer.

In welcher Welt lebt eine feministische Kolumnistin wie Silke Burmester? Na, in dieser:

Liebe Herren, keine Angst vor den 30 Prozent! Damit Sie die Umstellung nicht merken, kommen auch weiterhin natürlich nur attraktive Sahneschnitten.

Silke Burmester, freie Journalistin

http://www.pro-quote.de/unterzeichnerinnen/silke-burmester/

Wer Männer für hormongesteuerte Trottel hält, die nicht mitbekommen, daß ihre Sexobjekte die Macht an sich gerissen haben, muß schon ein finsteres Männerbild haben. Wie die BILD eben. Daher ist es vollkommen unverständlich, daß sie Kristina Schröder das hier zuruft:

Familienministerin Schröder

Die Feindin aller Frauen

[…]

Und jetzt Ihr Buch! Ein Buch, in dem Sie eine Emanzipationswut anprangern, die seit 20 Jahren nicht mehr existent ist. Ein Buch, in dem Sie sich vor einem „Weltanschauungsfeminismus“ fürchten, der Männer verteufelt, der aber mit dem Aufgehen von Alice Schwarzer als „Bild“-Maskottchen und als Ratetante im Fernsehen untergegangen ist und den außer Ihnen niemand mehr sieht.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,828803,00.html

Diese Hybris! ›Feindin aller Frauen‹! Als ob Frau Burmester, die noch was werden will, für alle Frauen spräche. Vieleicht machen ihr die zahlreichen kritischen Kommentare klar, daß sie auf dem falschen Dampfer ist.

Denn umgekehrt wird ein Schuh daraus. Sie selbst erkennt ihre eigene Männer-Verteufelung nicht einmal. Und verkennt, daß die Saat der Schwarzerschen Männer-Verteufelung zur giftigen Sumpfblüte aufgegangen ist, die fest im Ur-Schlamm der wohlfeilen populistischen Empörung von Springers Gnaden wurzelt. Rate-Tante ist Schwarzer schon seit längerem nicht mehr, dafür aber Talkshow-Tante, zumindestens in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Und sie hat mehr Nachfolgerinnen, als Burmester ahnt, die in der heutigen Feministinnen-Szene wohl nur harmlose akademische Gender-Forscherinnen, konziliante Alpha-Mädchen und die intellektuelle F-Klasse am Werke sieht. Da sollte sie sich mal in einschlägigen Blogs und Foren kundig machen, damit sie mitkriegt, wieviel Haß und Erbitterung gegen den Mann dort wüten.

Gestern sinnierte ein Mann darüber, wie man denn eine emanzipierte Männlichkeit definieren könnte.

Diesen Beitrag kommentierte als erste eine Frau. Und zwar so:

Worin genau besteht denn nun der Unterschied zwischen Mann und Frau, den man unbedingt anerkennen muss?

Warum könntest Du keine Frau sein, was an “der Art zu leben” missfällt Dir so?

M.A.n. gibt es viel zuwenig Männer, die sich von (Kinderficker-)Sextouristen oder Freiern allgemein abgrenzen, viel zu wenig Männer, die ihr Unverständnis gegenüber staatlich-legitimierten Soldaten oder den (Miniatur-)Breiviks dieser Welt zum Ausdruck bringen, viel zu wenig Männer, die sagen, dass sie froh sind, dass ein Typ wie DSK einen Machtverlust hinnehmen musste.

Umfasst Dein Konzept von Männlichkeit all diese Männer, oder blendest Du sie einfach aus?

Wozu braucht es ein Konzept von (frauenausschließender) Männlichkeit?
Was fehlt Dir denn bei der Idee, die man Menschlichkeit nennt?

http://allesevolution.wordpress.com/2012/04/24/der-emanzipierte-mann/?replytocom=35036#respond

Bevor diese Frau Vorstellungen eines Mannes über Männlichkeit überhaupt thematisiert, muß er sich erst einmal dafür entschuldigen, daß er sagt, daß er gern Mann ist, weil er als Frau nicht leben könne. Ich kenne keine Frau, die lieber als Mann leben würde (es sei denn, ER ist im falschen Körper geboren). Keine Frau würde, von wem auch immer, aufgefordert werden, sich von echten oder vermeintlichen weiblichen Untaten zu distanzieren, bevor sie sich über ihre Geschlechterrolle äußern darf. Und niemand würde es wagen, das Reden einer Frau über Weiblichkeit mit dem Argument zu delegitimieren, daß es Wichtigeres gebe, nämlich Menschlichkeit, die gegenüber der (männerausschließenden) Weiblichkeit nicht nur ein aliud , sondern etwas Höherrangiges sei.

Nein, der Haß gegen den Mann  an sich sitzt tief und ist hochaktuell. Es ist erfreulich, daß Kristina Schröder dagegen anschreibt. Sie beweist damit Mut. Die klassische Politikerin von der Leyen hat 2007 der CSU-Forderung nach dem Betreuungsgeld zugestimmt, und dieser Vorgabe und Merkels Machtwort (der gestaltende Politik am Arsch vorbeigeht, ihr geht es um bloßen Machterhalt, Überzeugungen hatte sie noch nie) folgt sie zähneknirschend, denn andernfalls wird sie entlassen. Mehr an Kompromissen wird sie nicht eingehen, und ihr Buch provoziert bewußt den blöden medialen Mainstream.

Als »BILD-Maskottchen« hat Alice Schwarzer ihre gefährlichste Wirkungsphase erreicht: den Anschluß des fundamental-feministischen Männerhasses (der nur einen Teilbereich der Frauenbewegung abdeckt) an ein gewissenloses journalistisches Milieu, in dem es um den Aufbau von Erregungspotentialen aus kommerziellen Gründen geht. Sandor Ragaly hat dieses Geschäftsprinzip in einem medienkritischen Aufsatz mit dem Titel:

Der Reiz, zu verachten – instrumenteller Moralismus als Medien-Stil

– Skizze eines aufsteigenden Medienproblems  –

sehr klar ausgeleuchtet. Hier ein kleiner Auszug:

M.E. kann man dabei, wie sicher öfters, von einer Mischung aus instrumentellem Moralismus verschiedener Akteure (auch auf politischer Seite), authentischer Kritik und Empörung sowie Mischphänomenen ausgehen – letztere etwa im Fall an sich wahrhafter Emotionen und Kritik, welche aber ins Über- und Hineinsteigern geraten durch den massiven Gleichklang moralisch überhitzter Debatten.

Der instrumentelle Moralismus von BILD jedenfalls lügt – denn er gibt nur vor, moralisch intendiert zu sein und so wirken zu wollen, während er doch nur Mittel zum Zweck (von Einfluss und Verkaufszahlen) ist. Und: Er wirkt vermutlich nicht nur politisch. Die aggressive Substanz sickert in die Gesellschaft ganz allgemein hinein. Auch die ständigen bösartigen Denk- und Handlungsmuster, wie sie in den Reality-”Dokus” bis zum Ekel vorgeführt werden und der Stil in den dezentral/schwarm-mäßig vorangetriebenen “Spontan-Kampagnen” u.a. der Medien (Wulff, Grass), all das beeinflusst – so meine These – nicht nur das Politiker-, sondern auch das allgemeine Menschen- und Weltbild in bestimmten Bevölkerungsteilen.

https://sandoragaly.wordpress.com/2012/04/23/der-reiz-zu-verachten-instrumenteller-moralismus-als-medien-stil/

BILD ist seit längerer Zeit weitaus mehr als ein Medium dumpfer Unterschichten, wie Silke Burmester zu glauben scheint. Politiker, die allesamt populistisch agieren, wenn’s drauf ankommt, beobachten genau, welchen Volkszorn BILD gerade befeuert – und reagieren entsprechend bis hin zu menschenrechtswidrigen Wegsperr-Aktivitäten, die allesamt Männer betreffen.

Update (25.4.2012) : Ich las, daß es auch drei Frauen gibt, gegen die Sicherungsverwahrung verhängt wurde, drei von rund 450 Betroffenen dieses atavistischen Verfahrens. Das wäre schon interessant, deren Gefährlichkeitsprognosen zu studieren.

Soeben durfte man bei Maischberger eine Gattenmörderin (Heimtücke, weil sie ihren schlafenden Mann mit 14 – 20 Messerstichen tötete) bewundern, die sich als Opfer eines Tyrannen präsentierte, um im entscheidenden Moment einen Affektdurchbruch zu erleiden, der ihr verminderte Schuldfähigkeit und damit nur zehn Jahre Haft statt lebenslänglich einbrachte. Selbstverständlich verließ sie den Mann nie, weil sie ihm hörig war. Und natürlich half ihr nie jemand, und natürlich verfolgte die Justiz ihren Mann nicht, obwohl er ihr in aller Öffentlichkeit mit einem Messer in den Hals stach. Solche Märchen dürfen heute unhinterfragt bei Maischberger verbreitet werden.

Wer diese Frau erlebt hat, mußte Angst vor ihrer noch immer vorhandenen Aggressivität kriegen. Als Vertreterin der Opferklasse war sie denkbar ungeeignet. Ihre Töchter hatten Glück, daß sie nach der Tat in anderen Verhältnissen aufwachsen durften.

http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/sendung/2012/gier-hass-eifersucht-100.html

Das Haustyrannenmord-Urteil des BGH hat dieser Verteidigungslinie die Stichworte vorgegeben, die sie allesamt beherzigte. Und daß mittlerweile alle Medien anschlußfähig an BILD sind, steigert das dumpfe Empörungs-Potential. Wulff, Grass, Kristina Schröder – alles eine Einheits-Sauce, die jegliche intellektuelle Redlichkeit vermissen läßt und nur auf den eines gekränkten Moralismus setzt. Es ist nun mal so in unserer schnellebigen Zeit, daß lediglich Skandale Klicks und Reichweite und Werbeeinnahmen generieren..

Was Alice Schwarzers Anti-Kachelmann-Kampagne in BILD besonders gefährlich macht, ist ihr Angriff auf den Rechtsstaat. Denn wer für eine vermeintliche Unschuldsvermutung zugunsten einer Anzeigenerstatterin (die keine Beschuldigte ist, sondern Zeugin, die nicht verfolgt wird und daher keiner Unschuldsvermutung bedarf) eintritt, negiert ein Fundament des Rechtsstaats: die Unschuldsvermutung eines Beschuldigten/Angeklagten, der nämlich plötzlich seine Unschuld zu beweisen hat – denn der Anzeigenerstatterin wird unterstellt, die Wahrheit gesagt zu haben.

Alle gesetzgeberischen Vorhaben zur Stärkung des Opferschutzes der letzten zehn Jahre gehen bereits von diesem Konzept aus. Das aufgrund eigener Behauptung konstruierte Opfer erhält staatsanwaltschaftsähnliche Befugnisse, die den aufklärerischen Impuls, persönliche Vergeltungsbedürfnisse einer rationalen Ebene zu überantworten, negieren. Und der Staat zahlt im Zweifel den ›Opferanwalt‹: Feminismus erschließt lukrative Geschäftsfelder. Der ›Weiße Ring‹ macht die Lobby-Arbeit, die Anwaltslobby sowieso, Parlamentarier nicken ab, Politiker profilieren sich mit ›Opferschutz‹, das macht sich immer gut. Es gibt allerdings echte und falsche Opfer, und die müssen erst geschieden werden. Unschuldsvermutung? Ach was. Beschuldigte haben keine Lobby, und zu Unrecht Verurteilte schon mal gar nicht.

Und auch in der justitiellen Praxis gilt die Opferanzeige einer Frau gegen einen Mann mehr als dessen bestreitende Einlassungen. Hierzu mehr in Teil II.

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17 Gedanken zu „›Das verteufelte Geschlecht‹ Mann – und die Erosion der Unschuldsvermutung (I)

    • Es freut mich sehr, daß Ralf Bönt mit seinem Buch ›Das entehrte Geschlecht‹ endlich auch in den Mainstream-Medien angekommen ist. Das und der Erfolg von Kucklicks ›Das verteufelte Geschlecht‹ sollten doch langsam Wirkung zeigen. Denn Frauen und Männer sitzen in einem Boot und führen keinen Krieg gegeneinander – die psychisch bedenklichen Ausnahmen bestätigen die Regel. Als die ich mich als klassisch friedfertige, nur in der Sache streitbare, Frau fühle. Und das hier wird niemanden verwundern: ich habe mehr persönliche Aggressionen von Frauen als von Männern erfahren.

      Wie ist es nur möglich gewesen, Minderheiten zum Leitbild aufzublasen? Das frage ich mich immer wieder.

      • Liebe -und geschätzte- Frau Wolf,

        sie haben geschrieben: „.. Wie ist es nur möglich gewesen, Minderheiten zum Leitbild aufzublasen? Das frage ich mich immer wieder. ..“

        Nun, aus meiner Sicht stellt es sich so dar: Minderheiten schreiben in den Medien und folgen dem Altar des Opfers. Alles zusammen ergibt dann den Mainstream („Zahnlücken-Post-Wagner“, SpOn, Zeit etc.)

        Am Ende bleibt dann die so genannte „Herrschende Meinung“, welche durch solche Medien oder Geschlechter-Rassistinnen, wie Silke Burmester postuliert und in den Köpfen manipuliert wird.

        Wir sind Zeitzeugen eines Minderheitenterrors und der politischen Korrektheit, weil uns die Medien so ‚gewaschen‘ haben. Im vorauseilendem Gehorsam schlucken Viele das, was uns untergejubelt wird – und nicken devot.

        Die Vierte Macht im Staat ist zum Sprachrohr dieser Leute und des überbordenden Feminismus verkommen, da es wohl nicht mal im Ansatz reicht, „Gender Mainstreaming“ als das zu begreifen, was Ideologen über dieses Land erbrechen (man verzeihe mir die Wortwahl)

        Dieses Land ist in eine Polarisierungsfalle ohnegleichen gerannt – dank der Medien, wie sie zurecht aufzeigen (sehr fundiert und exemplarisch unterlegt).

        Unsere Medien – die Minderheiten – agieren wie unsere Politik:

        – Verblendet
        – und benebelt

        Leider; wie man an der Beschneidungsdebatte, dem Euro etc. erkennen mag.

        Herzlich
        Stefan L.

  1. Hallo Frau Wolfl,

    vielen Dank. Die ständigen Anfeindungen, weil man ein Mann ist, schlagen einem wirklich auf die Seele. Ich persönlich verstehe auch meine Geschlechtsgenossen nicht. Wie tickt ein Mann, der einen Artikel eines Leitmediums liest, in dem es heißt, dass der Mann eine Krankheit sei, und sich dabei nicht im Geringsten angegriffen fühlt? Es gibt keine männliche Solidarität. Dass mir heilsame Texte ausgerechnet von einer Frau unterbreiten werden, ist vielsagend. Es gibt keine männliche Solidarität.

    • Ich würde nicht an der Solidarität zweifeln.

      Es ist vielmehr so, daß es für jeden Einzelnen Mut erfordert, gegen den Mainstream zu argumentieren. Da passen sich viele an oder schweigen. Was meinen Sie, was ich schon alles zu hören bekommen habe? Frauenhaß wird mir unterstellt, eine männliche kalte herzlose Schreibe (denn Ratio, die einer Rechtsstaatlichkeit aus dem Geist der Aufklärung zukommt, ist Verweigerung von ›Herz‹ und geschlechtsspezifischer ›Solidarität‹).

      Dabei gibt es keinen Anlaß, sich nun gerade aus dem Geschlecht heraus zu definieren. Wann immer mir Ungerechtigkeit begegnet ist, dann wegen meiner nunja doch eher spezifischen Persönlichkeit, die ich als Mann aber ebenso hätte. Warum ich als Frau gegen die Ungerechtigkeit eines medial, justitiell und politisch diffamierten männlichen Geschlechts ein- und auftrete, dann deshalb, weil meine spezifische Persönlichkeit immer auf Wahrheit und Gerechtigkeit abzielte – damit macht man sich nirgendwo Freunde.

      Ich bin auch nicht zu Kreuze gekrochen, als mir bei meinen Bewerbungen 1983 ff. unverhohlener Sexismus begegnete (jaja, den gab es damals ganz offen, und wenn ich aus dem Nähkästchen plaudern würde, klänge es wie eine Märchenstunde).

      Was ich sagen will: umbeugsame Charaktere, die sich gegen den jeweiligen Mainstream wenden, sind eher rar gesät. Anpassung und Unterordnung, genauer: Mittelmaß, ist auch in der Arbeitswelt gefragt. Da dürfen Sie sich nicht wundern, daß es mit der männlichen Solidarität hapert. Das hat nämlich nichts mit dem Geschlecht zu tun (warum auch sollte das mehr verbinden als Sympathie, politische Einstellung, Herkunft, Bildung, kulturelle Interessen?) , sondern mit Mut.

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