Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy: Dekonstruierung einer Konstruktion

12-05-07 Vergänglichkeit 4Heute beginnt das Wiederaufnahmeverfahren von Ulvi Kulac, der im Jahr 2004 vom Landgericht Hof zu Unrecht wegen Mordes der am 7.5.2001 verschwundenen 9-jährigen Peggy Knobloch aus Lichtenberg verurteilt worden ist. Das kann man deshalb so wuchtig sagen, weil es damals wie heute weder einen Beweis für ein Tötungsdelikt an jenem Tag noch für eine Täterschaft des geistig behinderten Ulvi Kulac gab und gibt. Wer von dem Fall noch nie etwas gehört hat, dem empfehle ich einen ersten Überblick anhand dieses Artikels:

Mordfall „Peggy Knobloch“

Viele Zweifel an einem zweifelsfreien Urteil

17.03.2013  ·  Im Mai 2001 verschwand die neunjährige Peggy Knobloch spurlos. Eine Leiche wurde nie gefunden, dennoch verurteilte das Landgericht Hof den geistig behinderten Ulvi Kulac wegen Mordes. Nun will sein Anwalt beweisen, dass er unschuldig ist.

Von David Klaubert

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordfall-peggy-knobloch-viele-zweifel-an-einem-zweifelsfreien-urteil-12118132.html

Welches Ergebnis das Wiederaufnahmeverfahren haben muß, geht es dort rechtsstaatlich einwandfrei zu, steht bereits fest: eine Staatsanwaltschaft Bayreuth, die einerseits seit 2012, getrieben von den Medien, neue Ermittlungen zur Aufklärung des Falls Peggy aufgenommen hat, alte, nie ausermittelte Spuren der Soko Peggy II aufnehmend, kann andererseits in der neuen Hauptverhandlung nicht volltönend ihre Überzeugung von der Schuld des Ulvi Kulac vertreten. Auch dann nicht, wenn sie ihren engagierten ergebnisoffenen Ermittler, Oberstaatsanwalt Dr. Ernst Schmalz, kurz vor Prozeßbeginn öffentlich als überengagiert darstellte und ihren Experten auch als Sitzungsvertreter im Wiederaufnahmeverfahren aus dem Rennen nahm. Auf eigenen Wunsch selbstverständlich.

Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Bayreuth vom 2. April 2014

Seit Mitte 2012 ermittelt die Staatsanwaltschaft Bayreuth unabhängig vom Wiederaufnahmeantrag des Angeklagten Ulvi K. im Zusammenhang mit dem Verschwinden der damals 9-jährigen Peggy K.

In einem der entsprechenden Verfahren wurde in einer Vernehmung dem Wunsch des dortigen Verdächtigen nach Hinzuziehung eines Verteidigers in prozessual angreifbarer Weise nicht entsprochen. Der bisher mit der Sache betraute Staatsanwalt hat dies im Nachhinein erkannt und um seine Entbindung gebeten.

Um bestmöglich zu gewährleisten, dass auch das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy“ frei von jeglichen Belastungen ist, hat der bislang zuständige Staatsanwalt dort ebenfalls darum gebeten, einen anderen Staatsanwalt mit der Sachbearbeitung zu beauftragen. Dem ist nachgekommen worden.

Es wird um Verständnis dafür gebeten, dass dazu keine weiteren Einzelheiten bekannt gegeben werden können.

Im Wiederaufnahmeverfahren hinsichtlich Ulvi K. nehmen Frau Staatsanwältin als Gruppenleiterin Sandra Staade und Herr Staatsanwalt als Gruppenleiter Daniel Götz die Sitzungsvertretung wahr.

http://www.justiz.bayern.de/sta/sta/bt/presse/archiv/2014/04329/index.php

Wenig wahrscheinlich, daß sich die neuen Sitzungsvertreter in dem Aktenmaterial, das schon vor Stellung des Wiederaufnahmeantrags knapp 14.000 Seiten betrug, so zurechtfinden werden wie der versierte Oberstaatsanwalt.

Er hat das Wiederaufnahmeverfahren befürwortet und die neuen Ermittlungen im Fall Peggy vorangetrieben: der Bayreuther Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz. Am Mittwoch wurde er überraschend ausgetauscht, um den neuen Prozess „frei von jeglichen Belastungen“ zu halten, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Bei einer Vernehmung habe Schmalz einem Verdächtigen den Anwalt vorenthalten, so die Begründung, und deshalb um seine „Entbindung“ gebeten. Bei Prozessbeobachtern sorgt die Auswechslung kurz vor Verfahrensbeginn für große Verwunderung. Den engagierten Ermittler jetzt aus dem Verkehr zu ziehen, sei ein Skandal, sagt einer.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.das-verschwundene-maedchen-peggy-auf-ein-neues.8d59755f-f473-4330-93dd-38c042786d8a.html

Das kann man durchaus so sehen. Ulvi Kulac hat jedenfalls einen Verteidiger verloren. „Gruppenleiter“ bei den bayerischen Staatsanwaltschaften sollen übrigens, so wird gemunkelt, auf einem Karrieresprungbett stehen, das ihnen in der Regel eine Beförderungsstelle in der Richterschaft verschafft.

Die Wiederaufnahmeentscheidung hat das Landgericht Bayreuth so begründet:

Landgericht Bayreuth ordnet Wiederaufnahme des Strafverfahrens im Fall „Peggy“ an

Die 1. Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth hat mit Beschluss vom 09.12.2013 die Wiederaufnahme des Strafverfahrens im Fall „Peggy“ angeordnet. Damit kommt es gegen den am 30.04.2004 vom Landgericht Hof wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten Ulvi K. zu einer neuen Hauptverhandlung. Der Angeklagte befindet sich derzeit wegen anderer Taten in einem psychiatrischen Krankenhaus. Diese Unterbringung ist von der heutigen Entscheidung nicht betroffen.

Die Jugendkammer stützt sich auf zwei Gründe, welche die Wiederaufnahme notwendig machen.

So habe sich ein – zwischenzeitlich verstorbener – Zeuge mit seiner Aussage vor dem Landgericht Hof einer vorsätzlichen falschen uneidlichen Aussage zu Ungunsten des Angeklagten schuldig gemacht. Dieser Zeuge hat seine Falschaussage im Jahr 2010 vor dem Ermittlungsrichter eingeräumt. Es könne auch nicht sicher ausgeschlossen werden, dass die Aussage dieses Zeugen auf die Urteilsfindung Einfluss hatte. Die Aussage dieses Zeugen habe auch als Tatsachengrundlage für das seinerzeitige psychiatrische Sachverständigengutachten gedient.

Als weiteren Grund für die Wiederaufnahme führt die Jugendkammer das Vorliegen einer sogenannten Tathergangshypothese vom 30.04.2002 an, welche dem Gericht in Hof nicht bekannt gewesen sei. Diese Tathergangshypothese sei erheblich, weil der Sachverständige, der im Verfahren vor dem Landgericht Hof die Glaubhaftigkeit der Geständnisse des Angeklagten zu beurteilten hatte, ausgeschlossen habe, dass deren Inhalt ihm durch vernehmende Kriminalbeamte suggeriert worden sei. Der Sachverständige begründete dies damit, dass den Beamten selbst zum Zeitpunkt der Geständnisse am 02.07.2002 ein hypothetisches Tatszenario gefehlt habe, das sie dem Angeklagten hätten vorhalten können. Eine solche Tathergangshypothese hat es aber, wie sich im Wiederaufnahmeverfahren herausgestellt hat, tatsächlich gegeben. Auf die weiteren von der Verteidigung vorgetragenen möglichen Wiederaufnahmegründe kam es nicht an.

http://www.justiz.bayern.de/imperia/md/content/stmj_internet/gerichte/landgerichte/bayreuth/peggy_13_12_09_pressemitteilung.pdf

Eine bemerkenswert mutige Entscheidung, denn sie zielt in medias res eines konstruierten Verfahrens: die Polizei hatte einen Spitzel auf den bereits im BKH untergebrachten Ulvi Kulac angesetzt, Peter Hoffmann, der dort ebenfalls untergebracht war und der sich Vorteile erhoffte, wenn er der Polizei vorlog, Kulac habe ihm gegenüber ein Geständnis abgelegt. Dieses angebliche durch Hoffman kolportierte Geständnis von Kulac war wiederum Grundlage der Tathergangshypothese der Polizei. Jedenfalls in dem Vernehmungskonzept der durch den Innenminister Günther Beckstein unter Erfolgsdruck gesetzten, seit Februar 2002 neuformierten Soko Peggy II unter der Leitung von Wolfgang Geier, die vorwiegend auf Geständniserwirkung bedacht war.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hatte sich dem Wiederaufnahmeantrag der Verteidigung zwar angeschlossen, allerdings eine andere, gesichtswahrende, Begründung gewählt:

Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Bayreuth vom 20.11.2013 zum Fall Peggy

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat nach eingehender Überprüfung am 20. Nov. 2013 dem Landgericht Bayreuth ihre Stellungnahme zum Wiederaufnahmeantrag des Verurteilten Ulvi K. vom 03./19. April 2013 vorgelegt.

Zumindest einer der im Antrag des Verurteilten vorgebrachten Punkte – nämlich die Benennung einer Zeugin, die dem damals erkennenden Landgericht Hof nicht bekannt war – könnte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens hinsichtlich der Verurteilung wegen Mordes an Peggy Knobloch rechtfertigen.

Zu Einzelheiten können vor einer Entscheidung durch das Landgericht Bayreuth keine weiteren Erklärungen abgegeben werden.

http://www.justiz.bayern.de/sta/sta/bt/presse/archiv/2013/04132/

Nun ist unbekannt, welche Zeugin die Staatsanwaltschaft dabei im Visier hatte; schließlich gibt es zahlreiche Zeugen und Zeuginnen, die Peggy nach der vom Gericht „festgestellten“ Tötung durch Ulvi Kulac am 7.5.2001 bis 13:45 Uhr gesehen oder gesprochen haben. Aber die Präsentation von neuen Beweismitteln ist immer geeignet, das ersturteilende Gericht zu entlasten…

Man war also guten Mutes, was das Wiederaufnahmeverfahren anging. Bis diese Nachricht hineinplatzte:

Neuer Prozess, alter Gutachter Fall Peggy: Schock-Nachricht für Ulvi K.

Helmut Reister, 14.01.2014 12:21 Uhr

[…]

Ein Skandal?

Für die Jugendkammer des Landgerichts, wo der neue Prozess gegen Ulvi im April starten wird, stellt der Berliner Universitätsprofessor als Gutachter kein Problem dar. „Er hat den gerichtlichen Auftrag bekommen, sein früheres Gutachten zu ergänzen“, erklärt Behördensprecher Thomas Goger die juristische Ebene.

Irgendwelche Interessenskonflikte oder mögliche Befangenheitsgründe sind für ihn nicht erkennbar: „Er hat damals sein Gutachten auf der Grundlage objektiv unzureichender oder falscher Vorgaben gemacht und kann das jetzt berücksichtigen.“

Für Rechtsanwalt Michael Euler, der Ulvi K. vertritt und den neuen Prozess durchgesetzt hat, stellt sich die erneute Beauftragung Kröbers als Gutachter wesentlich komplizierter dar. „Mein erster Gedanke war, sofort einen Befangenheitsantrag zu stellen, als ich das gehört habe“, sagt Euler.

Nach der Schock-Nachricht will er seinen Worten zufolge erst einmal abwarten, zu welchen Ergebnissen der psychiatrische Sachverständige diesmal kommt –  und erst dann entscheiden, wie es weiterläuft.

Skeptisch, sagt Euler, bleibe er auch deshalb, weil er Zweifel an der handwerklichen Qualität des ersten Gutachtens bestünden. Er könne dies auch belegen.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.neuer-prozess-alter-gutachter-fall-peggy-schock-nachricht-fuer-ulvi-k.c2ea9834-3aec-445a-86a1-ba6a596eb168.html

Wie wahr. Der Psychiater Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber hatte die zweifelhaften Geständnisse von Juli 2002 trotz fehlender Kompetenz als Aussagepsychologe und unterbliebener Wertung polizeilicher Vernehmungsmethoden im Ergebnis so gewürdigt:

Zusammenfassend sprechen die zu prüfenden aussagepsychologischen Gesichtspunkte im Falle von Herrn Kulac gegen die Nullhypothese, dass das in seinen Geständnissen dargestellte Geschehen unwahr, z.B. von ihm erfunden ist oder ihm suggeriert wurde und mithin für die Annahme, dass diese Angaben in tatsächlichem Erleben begründet sind.

[S. 124 f. seines Gutachtens vom 19.10.2002]

Diese bloße Annahme reichte dem Landgericht Hof für eine Verurteilung von Ulvi Kulac aufgrund seines widerrufenen Geständnisses aus.

Das Landgericht Bayreuth, das diesen Gutachter zur „Ergänzung“ seiner Expertise unter Zugrundelegung des Vernehmungskonzepts der Soko Peggy II beauftragte, ging offenbar davon aus, es mit einem unbefangenen Gutachter zu tun haben, der zur Selbstkorrektur angesichts neuer Sachverhalte fähig ist.

Nun bilden womöglich Richter eine Berufsgruppe, die nicht besonders internetaffin ist – aber es lohnt sich manchmal, sich im Internet zu informieren. Der Journalist Christoph Lemmer, Co-Autor von Ina Jung („Der Fall Peggy. Die Geschichte eines Skandals“, Droemer 2013, ein Buch, in dem exakt jene polizeiliche Geständnisproduktion nach dem rechtlich bedenklichen Reid-Verfahren und die angebliche Unkenntnis des Gutachters Kröbers von der Tathergangshypothese thematisiert wurde), hat bereits am 12.12.2013 offenbart, wie emotional-voreingenommen Kröber auf bloße kritische Nachfragen zu seinen Peggy-Gutachten reagiert.

Warum sich der Fall #Peggy zum Debakel für Psychiatrie-Gutachter #Kröber entwickelt

[…]

Ich habe auch versucht, Kröber selbst zu einer Stellungnahme zu bewegen, und zwar erstmals im April 2012. Da hatte Rechtsanwalt Michael Euler gerade erst mit der Arbeit an seinem – nunmehr erfolgreichen – Wiederaufnahmeantrag begonnen. Ich wollte von Kröber wissen, wie er angesichts der wachsenden Zweifel am Mordurteil gegen Ulvi Kulac zu seinem Gutachten stehe. Er antwortete:

Sehr geehrter Herr Lemmer,
dieser Rechtsanwalt Michael Euler, nicht zu verwechseln mit dem renommierten Rechtsanwalt Wolfgang Euler, hat mich schon vor mehr als einem Jahr “zwecks Wiederaufnahme” mit vermeintlich neuen Erkenntnissen konfrontiert, von denen jedes einzelne im Prozess in Hof lang und breit erörtert und geklärt worden ist.
Die Verschwörungstheoretiker verschweigen übrigens alle, dass Ulvi unstreitig Peggy am Donnerstag vor der Tat am Montag massiv vergewaltigt hatte und vorher bekanntermaßen andere Kinder des Ortes sexuell missbraucht hatte.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Kröber

http://www.bitterlemmer.net/wp/2013/12/12/peggy-justizirrtum-fehlurteil-kroeber-mollath-gutachten-psychiatrie-wiederaufnahme-bayreuth-lichtenberg/

Aus seiner subjektiven Sicht müßten mithin jetzt auch die Staatsanwaltschaft und das Landgericht Bayreuth zu „Verschwörungstheoretikern“ mutiert sein, und, wie auch im Fall Mollath, in dem er bei seiner Verteidigung seines bayernfreundlichen Bestätigungsgutachtens feuilletonistisch zu Werke ging, weist er bei dieser Replik bedenkliche Gedächtnislücken auf *. Von einer „unstreitigen massiven Vergewaltigung“ Peggys durch Ulvi Kulac kann nämlich keine Rede sein, wie er wissen muß. Kröber selbst hat in seinem Gutachten die beiden Varianten des „Geständnisses“ von Ulvi Kulac aufgeführt:

Ulvi Kulac hatte einen schweren sexuellen Mißbrauch der Peggy, begangen am Donnerstag, dem 3.5.2001, in einer Vernehmung am 06.09.2001 gestanden. Bei einer weiteren Beschuldigtenvernehmung zu diesem Thema am 24.06.2002 hatte er, wie auch nachher immer wieder, betont, daß er mit seinem Glied nicht in Scheide oder Anus des Mädchens gewesen sei, sonden dieses zwischen ihren Pobacken auf- und nieder bewegt habe.

[S. 6 des Gutachtens]

Ihm gegenüber hat Ulvi Kulac konstant die zweite Variante aufrechterhalten.

Ulvi Kulacs überaus fragwürdiges und aktuell bestrittenes „Geständnis“, was die Tat vom 3.5.2001 zum Nachteil Peggys angeht – sie weicht von den niedrigschwelligeren sonstigen Sexualdelikten, die durch Zeugenaussagen von ausschließlich männlichen Kindern belegt sind, auffällig ab – ist vom Landgericht Hof in seinem nun wegen der Mord-Verurteilung hinfälligen Urteil vom 30.4.2004 als „Tatsache“ im Sinn des zweiten und der späteren Geständnisse „festgestellt“ worden.

In der Beweiswürdigung zur Geständnisqualität heißt es dort:

Im Fall B V. 4. schilderte der Angeklagte in der Hauptverhandlung das Geschehen gleichfalls in sich widerspruchsfrei in einem stimmigen, zeitlichen, räumlichen und situativen Zusammenhang mit hohem Grad an Konkretisierung und Detaillierung sowohl hinsichtlich des Kerngeschehens als auch des Rahmengeschehens: So bekundete er zum Rahmengeschehen, es sei am Donnerstag gewesen. Das sei der Donnerstag vor dem Verschwinden von Peggy gewesen. Peggy habe am Nachmittag ans Fenster seiner Wohnung geklopft, es sei das linke der beiden Fenster gewesen. Er habe aufgemacht, sie reingelassen, sie hätten sich unterhalten und play-Station gespielt. Zum Geschehen nach den Vorfällen bekundete der Angeklagte, Peggy habe geheult, sie habe raus rennen wollen. Er habe zu ihr gesagt, sie solle sich anziehen. Sie habe sich angezogen und er habe sie gefragt, ob sie so einen Brauereilaster habe, wie er sie sammele. Sie habe gesagt, sie habe so einen und habe einen gebracht. Das sei aber nicht der Richtige gewesen, sondern ein „orangener Straßenbaulaster“.

[UA, S. 22 f.]

Über die Plausibilität einer solchen Nachtat-Schilderung möge jeder selbst urteilen. Für unvoreingenommene Betrachter, die ein Motiv für einen  Verdeckungsmord nicht benötigen, hat dieses Geständnis jedenfalls den Anschein, als sei ein sexueller Vorgang lediglich in einen typischen Alltagsbesuch eingebaut worden.

Erschwerend kommt hinzu, daß eine faktische Überprüfung des „Geständnisses“, wie es Gerichten auferlegt ist, nicht stattgefunden hat. Gudrun Röbel, Ulvi Kulacs rührige Betreuerin, hat aus den Akten den Tagesablauf Peggys am 3.5.2001 rekonstruiert: es kann praktisch ausgeschlossen werden, daß Peggy den Beschuldigten Kulac am Nachmittag des 3.5.2001 besuchte und daß es hier zu einem sie belastenden Geschehen kam.

http://www.ulvi-kulac.de/prozess.html

Prof. Kröber scheint bei seiner Antwort an Christoph Lemmer auch auszublenden, daß Ulvi Kulac entsprechend dem psychiatrischen Gutachten von Prof. Nedopil wegen nicht ausschließbarer Schuldunfähigkeit bezüglich der Sexualdelikte freigesprochen und gegen ihn die Maßregel gemäß § 63 StGB verhängt wurde.

Diese Minderbegabung des Angeklagten mit der darauf fußenden Retardierung im psychosozialen und psychosexuellen Bereich ist den Ausführungen des Sachverständigen Professor Dr. Nedopil zufolge als Schwachsinn im Sinne des § 20 StGB zu qualifizieren.

[UA S. 117]

Daß Kröber zu dieser Wertung im psychiatrischen Teil seiner Beurteilung der Aussagetüchtigkeit nicht gelangte, versteht sich von selbst.

Am 2.4.2014 lancierten Ina Jung und Christoph Lemmer folgendes:

Zeitgleich haben am Mittwoch zwei Journalisten schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden Richter Michael Eckstein erhoben. Die Autoren Christoph Lemmer und Ina Jung, die ein vieldiskutiertes Buch über den Fall geschrieben haben, erklärten in einer Pressekonferenz in Bayreuth, ihnen lägen Informationen vor, wonach der Richter in einem Telefongespräch mit dem Berliner Gerichtspsychiater Hans Ludwig Kröber „diskutiert“ habe, zu welchem Ergebnis ein von Kröber zu erstellendes Gutachten über die Glaubwürdigkeit des wegen des Mordes an Peggy verurteilten Ulvi K. kommen solle.

„Mehr oder weniger frei erfunden“

Kröber war im ersten Peggy-Prozess vor dem Landgericht Hof zu dem Ergebnis gekommen, das von Ulvi K. später widerrufene Geständnis sei glaubwürdig. Dafür, so Kröber damals, spreche auch, dass die Polizei kein Szenario über den Tathergang gehabt habe, mit dem sie Ulvi hätte konfrontieren und so sein Geständnis beeinflussen können. Dass es ein solches Tatszenario doch gab, war einer der Gründe, warum das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens verfügte.

Das Landgericht will von Kröber nun wissen, ob er unter diesen Umständen zu einer neuen Einschätzung komme. Der Vorsitzende Richter, so Lemmer, habe Kröber nahegelegt, er möge Ulvis Geständnis für „mehr oder weniger frei erfunden“ erklären. Kröber, so besagten die Informationen, deren Quelle Lemmer nicht offenlegte, „soll das vom Richter gewünschte Ergebnis schon zugesagt haben“. Überraschenderweise, so Lemmer, sei Kröber aber in seiner Stellungnahme entgegen dieser Zusage zu dem Ergebnis gekommen, Ulvis Geständnis sei doch glaubwürdig.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/wiederaufnahme-im-fall-peggy-staatsanwalt-legt-mandat-nieder-1.1927817

Die beiden Journalisten berufen sich dabei auf nicht näher bezeichnete Quellen aus dem „Berliner Umfeld“ des Gutachters.

http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Schwere-Vorwuerfe-gegen-das-Gericht;art2388,3253552

Im Licht der ersichtlichen Voreinstellung des Gutachters scheint eine solche Fehldeutung des Vorgangs des Gutachtenauftrags plausibel. Denn wie sollte er aus seiner Sicht die wiederholt vorgetragenen Ergänzungswünsche des Gerichts anders verstehen als ein Mißtrauensvotum gegen sein altes Gutachtenergebnis?

Es kann ihm schließlich nicht entgangen sein, daß die Staatsanwaltschaft Hof ihn deshalb bereits am 8.8.2002 mit einem Gutachten über die Aussagetüchtigkeit von Ulvi Kulac betraut hatte, weil die polizeilich erwirkten Geständnisse eines geistig Behinderten allein, die zeitnah aus gutem Grund nicht als Ermittlungserfolg öffentlich gemacht wurden, zur Überführung nicht ausreichten. Bei Abwesenheit von polizeilichem Druck war erfahrungsgemäß jederzeit mit einem Widerruf zu rechnen.

Prompt bestritt Ulvi Kulac gegenüber dem Sachverständigen am 22. und 23.08.2002 sowie am 10.09. 2002 (selbst noch am 14. 10.2002) die Tötung Peggys. War das der Grund, weshalb diese Explorationen entgegen den Mindestbestimmungen für die Anfertigung von aussagepsychologischen Gutachten nicht aufgezeichnet wurden? Waren diese Explorationen nur Aufwärmübungen für die eigentliche (aufgezeichnete) Exploration vom 14.10.2002, in der Ulvi Kulac aufgefordert wurde, sein gegenüber der Polizei abgegebenes Geständnis zu wiederholen?

In seiner methodenkritischen Erstanalyse des Gutachtens kommt der forensische Psychologe Dr. Rudolf Sponsel bei Untersuchung dieser zunächst komplett fehlgeschlagenen Gedächtnisprobe vom 14.10.2002 u.a. zu folgenden Ergebnissen:

4.5  Komplizierte Mehrfachvorgaben – mindestens zwei  – , die miteinander nicht in direktem, unmittelbaren Zusammenhang stehen, die überwiegend auch zudem noch Suggestivfragen beinhalten. Ein ganz fatales Beispiel (siehe auch oben Kröber-01):

Kröber-02.2: Jetzt haben wir uns das angehört, das letzte Stückchen, und das ist soweit okay. Nun haben Sie ja eine Geschichte erzählt, die noch nicht ganz dem entspricht, was Sie bei der Polizei erzählt haben. [S. 74] Da fehlt mittags rum ein Stück. Dieses Stück würde mich noch mal interessieren, was Sie da der Polizei erzählt haben, daß Sie der Peggy begegnet sind. Ich weiß, daß Sie jetzt sagen, Sie sind der Peggy an dem Montag nicht begegnet. Aber damals haben Sie der Polizei was anderes erzählt. Das würde ich gerne noch einmal von Ihnen hören, was Sie damals der Polizei erzählt haben, als Sie da am Henri-Marteau-Platz sitzen, auf der Rentnerbank, glaube ich.“
Kulac-02: Das war nicht die Rentnerbank.“

Wie hätte an dieser Stelle richtig gefragt werden können und müssen? Nun, z.B.

  • Gibt es noch was oder ist diese Geschichte fertig? Falsch suggestiv wären: Gibt es noch was? ebenso wie Ist die Geschichte fertig? Oder: Fehlt noch was?
  • Hm. Ist das haarklein die Geschichte, die Sie der Polizei erzählt haben oder ist das noch nicht haarklein die Geschichte, die Sie der Polizei erzählt haben?
  • Haben Sie etwas vergessen oder fehlt nichts mehr? Falsch suggestiv wäre: Haben Sie etwas vergessen? Oder: Fehlt vielleicht noch was?

Völlig unmöglich sind natürlich Kröbers Suggestionen: 1) entspricht nicht der Geschichte bei der Polizei. 2) Es fehlt mittags rum ein Stück. Und völlig fatal 3) Peggybegegnung. 4) Henri-Marteau-Platz, 5) sitzen, 6)  Rentnerbank  – von Ulvi Kulac übrigens zurückgewiesen. Kröber gibt hier – wie der allerschlimmste Anfänger – genau das vor, was Ulvi erzählen soll, um anschließend zu schlussfolgern, dass Ulvi die „falsche“ Geschichte gut nacherzählen konnte – bei einer Suggestivfragenrate von 68%. Tatsächlich erzählte Ulvi Kulac bereits in seiner ersten umfassenden Antwort weitgehend die seiner Meinung nach richtige (Erst)- Geschichte

[…]

6.2.c  Geständnisvergleiche
Ulvi Kulac wird aufgefordert dem Gutachter „haarklein“ zu erzählen, was er im Juli der Polizei erzählt hat. Die Konstanz bezieht sich auf das widerrufene Geständnis und damit auf die Nacherzählung einer falschen Geschichte, die noch dazu eine ganze Reihe durch Zeugenaussagen und Rekonstruktion bestätigbarer Aussageteile enthält. Was soll das für einen Beweiswert haben? Die Schlusslogik ist mir aus der aussagepsychologischen Literatur auch nicht bekannt. Grundidee und Hauptsatz des Kröber’schen Ergebnisses:
Eine falsche Geschichte ist wahr, wenn sie richtig nacherzählt werden kann. Ein solches Kriterium findet sich nicht unter den 19 Kriterien, die der BGH in seinem aussagepsychologischen Urteil 1999 ausweist.

http://www.sgipt.org/forpsy/Kulac/MKEAKr%C3%B6b.htm

Aus welchen Gründen könnte sein „Berliner Umfeld“ gegenüber Journalisten Auskunft über sein Verständnis des neuen Gutachtenauftrags gegeben haben? Anhaltspunkte dafür ergeben sich aus seinem Gutachten, denn so rechtfertigte er sein Tätigwerden auf einem fachfremden Gebiet:

In der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Einlassungen von Herrn Kulac bei den Vernehmungen am 2. Juli 2002, 23.07.2002 und 24.07.2002 sowie den Video-Rekonstruktionen vom 30.07 und 01.08.2002 stützt sich das Gutachten auf die Kriterien und Qualitätsmaßstäbe zur aussagepsychologischen Beurteilung, wie sie von Max Steller und Renate Volbert, Institut für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin, in ihrem Gutachten für den Bundesgerichtshof dargelegt wurden.

Dieses Gutachten bildete eine wesentliche Grundlage des Urteils des BGH vom 30. Juli 1999 (1 StR 618/98)2 „Wissenschaftliche Anforderungen an aussagepsychologische Begutachtungen (Glaubhaftigkeitsgutachten )“.

M. Steller, R. Volbert (1999) Wissenschaftliches Gutachten Forersisch- aussagepsychologische Begutachtung (Glaubwürdigkeitsbegutachtung).

Praxis der Rechtspsychologie 9: 46-112; siehe auch: M. Steller, R. Volbert (2000) Anforderungen an die Qualität forensisch-psychologischer Glaubhaftigkeitsbegutachtungen. Praxis der Rechtspsychologie 10, Sonderheft 1, 102-116: 46-112 2 I;3GH, Urteil vom 30.07.1999 – 1 StR 618198, abgedruckt in: NJW 1999, S. 2746-2751, Strafverteidiger 9199, S. 473-478, Neue Zeitschrift für Strafrecht (NStZ) 2000, S. 100-105, sowie Praxis der Rechtspsychologie 9 (1999) 113-125 sowie 10 (Sonderheft Glaubhaftigkeitsbegutachtung) S. 117-130

Der Sachverständige ist als Leiter dieses Instituts in ständiger Diskussion mit Prof. Dr. Max Steiler, Frau Dr. Renate Volbert und weiteren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Instituts im Hinblick auf die fortlaufende Forschung zu Realkennzeichen und Qualitätskriterien der Glaubhaftigkeitsbegutachtung; der konkrete Fall wurde vom Sachverständigen auch eingehend mit Prof. Steller diskutiert.

[S. 3 f. des Kröber-Gutachtens]

Daß er sich mit dieser indirekten Einbeziehung des leitenden Personals der Abteilung „Rechtspsychologie“ in seinem Berliner Umfeld nicht nur Freunde gemacht haben wird, leuchtet ein.

Christoph Lemmer hatte schon im Dezember 2013 versucht, die behauptete Assistenz der aussagepsychologischen Koryphäen Steller/Volbert zu ermitteln:

Dass Kröbers Gutachten erst jetzt kritisch untersucht wird, könnte damit zusammenhängen, dass er als Direktor des Instituts für forensische Psychiatrie in Berlin in seiner Zunft zu den Mächtigen gehört, mit denen man sich nicht ohne weiteres anlegt. Es könnte außerdem damit zusammenhängen, dass er in seinem Gutachten anmerkt, er habe sich mit zweien seiner Kollegen ausgetauscht, nämlich Professorin Renate Volbert und Professor Max Steller, was wohl auf zusätzliche fachliche Autorität weisen soll. Das hätte ich gern hinterfragt, was aber größtenteils misslang. Steller wollte das auf meine Anfrage nicht kommentieren. Auch Frau Volbert beantwortete meine Fragen nicht, schickte mir aber stattdessen einen von ihr verfassten Aufsatz. Der trägt sinnigerweise den Titel “Falsche Geständnisse”, zitiert Studien, bei denen zehn bis 20 Prozent früherer Verhörpersonen sagten, sie hätten schon einmal falsche Geständnisse abgelegt und befasst sich umfassend mit den Motiven für falsche Geständnisse.

http://www.bitterlemmer.net/wp/2013/12/12/peggy-justizirrtum-fehlurteil-kroeber-mollath-gutachten-psychiatrie-wiederaufnahme-bayreuth-lichtenberg/

Was ist demnach von der angeblichen „Absprache“ zwischen dem Vorsitzenden Richter und dem Sachverständigen zu halten?

Das glaubwürdige Dementi des LG Bayreuth liest sich so:

In diesem Zusammenhang hat der Vorsitzende in Telefonaten mit dem Sachverständigen im Rahmen seiner Verpflichtung zur sachgerechten Vorbereitung der Hauptverhandlung diesem den Wiederaufnahmegrund erläutert, der sein Gutachten betrifft. Der Vorsitzende hat dem Sachverständigen, welchem zum Zeitpunkt der vorbereitenden Telefonate die Akten und der Wiederaufnahmebeschluss noch nicht vorlagen, deutlich gemacht, weshalb es sich bei der Existenz der Tathergangshypothese aus Sicht der Kammer um eine wesentliche Änderung der Tatsachengrundlage seines vormals erstatteten Gutachtens handelt. Zu keinem Zeitpunkt hat der Vorsitzende dem Sachverständigen inhaltliche Vorgaben für das von ihm zu erstattende Gutachten gemacht oder gar ein Ergebnis vorgegeben. Der Vorsitzende hat dies auch den Verfahrensbeteiligten heute so mitgeteilt.

http://www.justiz.bayern.de/imperia/md/content/stmj_internet/gerichte/landgerichte/bayreuth/peggy_14_04_03_pressemitteilung.pdf

Übersetzt: es bedurfte mehrere Telefonate, um den Gutachter Kröber davon zu überzeugen, sein damaliges Gutachten zu ergänzen. Kröber mußte mehrfach klargemacht werden, daß die Tathergangsghypothese, die ihm seinerzeit nicht vorgelegen haben soll, eine wesentliche Änderung der Tatsachengrundlage seines Gutachtens darstelle. Diese Wertung greift der sachverständigen Stellungnahme vor; denn wenn eine wesentliche Änderung vorliegt, dann müßte sich auch am Ergebnis etwas ändern – insoweit könnte der Eindruck entstanden sein, das Gericht habe eine inhaltliche Vorgabe gemacht. Daß Prof. Kröber entsprechendes explizit zugesagt haben soll, halte ich angesichts seiner akzentuierten Persönlichkeit wiederum für absolut unwahrscheinlich. Ihm dürfte subjektiv bereits die Annahme des neuen Auftrags als Niederlage erschienen sein, stellt man seine vehemente Mail an Christoph Lemmer von April/Mai 2012 in Rechnung.

Aufklärungsbedarf sehe ich eher bei der Vorfrage, die Gisela Friedrichsen aufwirft:

Kröber, der Ulvi K.s Geständnis für glaubhaft hält, ist Psychiater, nicht Psychologe. Warum ausgerechnet er und nicht, wie üblich und geboten, ein namhafter Aussagepsychologe von der Staatsanwaltschaft beauftragt wurde, bleibt das Geheimnis der Ankläger in Hof. Dass es nur pragmatische oder ökonomische Gründe gewesen sein sollen, ist wenig glaubhaft.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-peggy-knobloch-ulvi-k-bekommt-neues-verfahren-a-963089.html

Da hat sie recht. Prof. Kröber macht solche pragmatischen Gründe in seinem Gutachten zwar geltend:

Nach den beiden ersten Untersuchungsgesprächen wurde in Rücksprache mit der auftraggebenden Staatsanwaltschaft entschieden, daß auch die aussagepsychologische Beurteilung durch den Sachverständigen übernommen wird, zumal unter pragmatischem Aspekt ansonsten ein Begutachtungsabschluß im Jahre 2002 nicht möglich gewesen wäre.

Speziell unter diesem Gesichtspunkt erfolgten dann die beiden nachfolgenden Gespräche am 10.09. und am 14.10.2002, wobei Herr Kulac bei letztgenanntem Gespräch bereit war, nochmals eingehend sein der Polizei gemachtes Geständnis dem Sachverständigen zu wiederholen und auf Tonband aufzeichnen zu lassen.

[S. 114]

Aber er widerspricht dieser angeblich nachträglichen Auftragserweiterung aus praktischen Gründen durch die Staatsanwaltschaft selbst. Bei der Wiedergabe seiner Belehrung von Ulvi Kulac vor der ersten Exploration am 22.8.2002 heißt es [Hervorhebung von mir]:

Herr Ulvi Kulac wurde nach Vorankündigung erstmals am 22.08.2002 im BKH Bayreuth auf der Station FP 6 aufgesucht. Er war über das Kommen des Sachverständigen informiert.

Es wurden ihm zu Beginn Gegenstand und Ablauf der Begutachtung erläutert.

Er wurde darauf hingewiesen, daß es hierbei speziell um die Aussagetüchtigkeit ginge und um die Glaubhaftigkeit seiner Aussage. Er wurde darauf hingewiesen, daß er die Teilnahme an der Begutachtung verweigern könne.

[S. 47]

Soll man sich jetzt aussuchen, an welcher Stelle Kröber die Unwahrheit spricht?

Daß Kröber bei seinem Gutachtenergebnis trotz Vorliegens einer in ein umfassendes Vernehmungskonzept eingebetteten Tathergangshypothese geblieben sein soll, ist nahezu unerklärlich; Friedrichsen hierzu:

Unter anderem heißt es in der Tathergangshypothese: „Im vorliegenden Delikt dürfte es zu einer Eskalation im Handlungsablauf gekommen sein… Grund für die Eskalation könnte die Vergewaltigung der Peggy durch Ulvi im Vorfeld sein und er am 7.5.01 bei einer erneuten Kontaktaufnahme mit Peggy eine Überreaktion auf ihre ‚Flucht‘ vor ihm zeigte, wobei eine Einwirkung auf den Hals aufgrund von Schreien der Peggy nicht auszuschließen ist. Bei der Beseitigung der Leiche wirkten weitere Personen, evtl. enges familiäres Umfeld des Ulvi mit…“ Dürfte, könnte, eventuell, alles Hypothesen, bis heute. Genauso hat es Ulvi K. dann gestanden. Zudem hatte man ihn mit angeblichen Blutspuren an seiner Kleidung konfrontiert, die tatsächlich nicht existierten.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-peggy-knobloch-ulvi-k-bekommt-neues-verfahren-a-963089.html

Aber letztlich, da stimme ich ihr zu, wird es auf ein unrichtiges Gutachten zu einem falschen Geständnis gar nicht ankommen. Die Tatsachen sprechen für sich.

Falsch ist auf jeden Fall der Tathergang, von dem die Polizei ausging, da sind sich Jung und Lemmer einig. Ein Indiz: Ulvi K. soll Peggy aus dem Ortskern bis zur Burg nachgelaufen sein (siehe Karte). „Ulvi K. kann gar nicht rennen“, sagt Lemmer.

Am Nachmittag nach dem Pressetermin in Bayreuth stehen er und Jung hinter dem Haus in Lichtenberg, in dem Peggy lebte. Es ist verwahrlost, am Fenster im ersten Stock verblassen Kinder-Aufkleber. Zwischen dem Grundstück und dem Friedhof verläuft der bucklige, schmale Weg, den die Ermittler für Peggys Fluchtweg hielten. „Hätten die Polizisten Ulvi nur ein einziges Mal die Strecke rennen lassen“, sagt Ina Jung, „dann hätten sie gemerkt, dass es so nicht gewesen sein kann.“

Gleich der erste Prozesstag könnte für die Polizei brisant werden. Zwei junge Männer werden aussagen – sie sahen ihre Schulkameradin Peggy am 7. Mai 2001 in einen roten Mercedes mit tschechischem Kennzeichen einsteigen. Sie machten detaillierte Aussagen, wussten sogar noch, dass sie an dem Tag Würstel zu Mittag gegessen hatten. Doch ihre Aussage spielte im ersten Prozess keine Rolle.

Jung und Lemmer machten die beiden ausfindig. Sie erzählten ihnen, dass die Ermittler sie kurz nach ihrer ersten Aussage unter Druck gesetzt hatten: Die Polizisten besuchten die Buben getrennt voneinander, ohne Eltern, erzählten ihnen, der jeweils andere habe seine Angaben zurückgenommen. Die Kinder bekamen Angst, zogen ihre Aussagen zurück. Jetzt bekommen sie eine zweite Chance. Und vielleicht auch Ulvi K.

Von Carina Lechner

http://www.merkur-online.de/aktuelles/bayern/peggy-suche-nach-wahrheit-3466751.html

Die Vernehmung

Am zweiten Tag des „Peggy-Prozesses“ sind etliche Kripo-Beamte als Zeugen geladen. Auf sie warten viele, sehr unangenehme Fragen.

Von Joachim Dankbar

Hof Es spricht viel für die Annahme, dass der kommende Freitag, als der zweite Verhandlungstag des Peggy-Prozesses, ein besonders unangenehmer Tag werden wird. Das gilt weniger für den Angeklagten Ulvi Kulac, als viel mehr für die Polizisten, die ihn im Juli 2002 vernommen haben. Das Bayreuther Gericht hat an diesem Tag die Chance zu klären, wie es zu jenem Geständnis kam, das der wesentliche Grund für die Verurteilung von Kulac am 30. April 2004 durch das Hofer Landgericht geworden ist. Das Wiederaufnahmeverfahren fußt auf der Annahme, dass das Hofer Gericht wesentliche Umstände des – später widerrufenen – Geständnisses nicht kannte. In Bayreuth könnte nun geklärt werden, ob die Richter bewusst getäuscht wurden.

Als Zeugen sind der prominente Profiler bei der Münchner Kripo, Alexander Horn, und Wolfgang Geier, der damalige Chef der „Soko Peggy II“ geladen. Der damals 31-jährige Alexander Horn verfasste eine genaue Gebrauchsanleitung für die Vernehmung von Ulvi Kulac, die am 2. Mai 2001 bei der Soko Peggy II einging. Darin stand, wo die Vernehmung stattfinden sollte, wer an ihr teilnehmen sollte und im Grunde stand auch darin, was dabei herauskommen sollte. Denn Horn gab eine komplette Version der angeblichen Vorgänge vor, die am 7. Mai 2011 zum Tod von Peggy Knobloch geführt haben sollen. Unter dem Begriff „Tathergangshypothese“ sollte diese Version noch traurige Berühmtheit erlangen. Fakt ist: Diese Hypothese ähnelt in weiten Zügen dem Geständnis, das Ulvi Kulac später ablegen sollte.

[…]

Es ist nicht das einzige Mal, dass Geier Ärger mit den eigenen Mitarbeitern bekommt. Nach Informationen unserer Zeitung gab es auch innerhalb der Kripo immer wieder Beschwerden über Geiers Ermittlungsmethoden. So sollen Hinweise der Beamten auf andere Spuren oder Bedenken weggefegt worden sein.

Der forsche Geier gilt als „Mann mit Scheuklappen“. Das wird ihm später spektakulär zum Verhängnis. Die von ihm geleitete „Soko Bosporus“ übersieht jahrelang jede Spur der NSU-Mörder und sucht nur Täter im Umfeld der zumeist türkischen Opfer. Sie kriminalisiert sie und ihre Familien – obwohl Profiler Horn auf die Handschrift rechtsextremer Einzeltäter hinweist.

Trotz aller penibler Vorbereitungen bestreitet Ulvi Kulac auch am 2. Juli zunächst jede Schuld. Nun überschlagen sich die Merkwürdigkeiten: Am Ende des Verhörs soll Kulac in die Psychiatrie zurückgebracht werden. Deswegen verabschiedet sich sein Verteidiger. Kaum ist er fort, soll Kulac es sich anders überlegt haben. Die Beamten bringen ihn zurück in den Verhörraum, wo Kulac gesteht. Auf einmal ist aber das Tonband defekt, mit dem die Vernehmungen sonst protokolliert werden. Im Nebenzimmer soll es ein weiteres Tonband gegeben haben, das aber auch nicht verwendet wird. Warum, das weiß keiner mehr – oder keiner kann es schlüssig erklären.

So gibt es vom Geständnis nur ein Gedächtnisprotokoll eines einfachen Polizeihauptmeisters, eben „jenes väterlichen Freundes“ aus Lichtenberg. Trotz der Tragweite des Geschehens fertigt er es auch erst am nächsten Morgen an. Später wird Ulvi sagen, dass er nur gestanden habe, um wieder in Ruhe gelassen zu werden. Er klagt auch darüber, dass er körperlich angegangen wurde.

Obwohl sich später alles, was Ulvi Kulac an jenem Abend zum Verbleib der Leiche sagt, als erfunden herausstellt, bleibt das Geständnis die wichtigste Grundlage seiner Verurteilung wegen Mordes. Es gibt nicht einen einzigen Sachbeweis gegen ihn.

[…]

Klarheit könnte auch Gerhard Heindl schaffen. Er vertrat 2003 und 2004 die Anklage gegen Ulvi Kulac. Unserer Zeitung sagte Heindl, dass er zu diesem Fall gar nichts mehr sagen werde, da er nicht mehr Staatsanwalt sei. Heindl ist heute Direktor des Amtsgerichts in Weiden. Alexander Horn ist weiter der prominenteste Profiler Bayerns. Wolfgang Geier ist der oberste Verbrechensbekämpfer der Kripo in Unterfranken. Ulvi Kulac freut sich über den ersten Freigang seit zwölf Jahren.

http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Die-Vernehmung;art2388,3263713

Ja, über „Erfolge“ bei einer Staatsanwaltschaft Bayerns macht man Karriere als Richter. Amtsgerichtsdirektor wird nicht jeder.

Nachzutragen bleibt, daß an jenem berüchtigten 2. Juli 2002 nicht nur das Tonbandgerät versagte, sondern auch die Videokamera: da funktionierte nur der Ton…

Beides ist verständlich. Das Geständnis vom 2.7.2002 war ja in seinen nachprüfbaren Teilen schnell widerlegt, und mußte in den nachfolgenden zwei Vernehmungen optimiert werden. Es ist zu hoffen, daß dieser Polizei-, Psychiatrie- und Justizskandal in der jetzt anstehenden Hauptverhandlung geklärt wird. Denn noch steht die Behauptung von Jung/Lemmer im Raum, daß sowohl das Gericht als auch der Gutachter Kröber die Tathergangshypothese gekannt hätten, bevor sie ihr Urteil fällten.

*http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Nachtrag-zur-Anmerkung-der-Verteidigung-2013-11-17.pdf

http://strate.net/de/dokumentation/Mollath-Anmerkung-der-Verteidigung-2013-11-16.pdf

 

983 Gedanken zu „Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy: Dekonstruierung einer Konstruktion

  1. Ob die Ausstrahlung des Filmes zum „Fall Wörz“ etwas mit dem plötzlichen Sinneswandel zu tun hat?

    Justizopfer: Harry Wörz erhält Entschädigung (Spiegen Online)

    Zitat:

    Viereinhalb Jahre lang saß er unschuldig im Gefängnis. Nun bekommt das Justizopfer eine weitere Entschädigung. Nach Bewertung eines Gutachtens sprach ihm die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe „wegen strafverfolgungsbedingter Erwerbsunfähigkeit“ eine zeitlich befristete monatliche Zahlung zu.
    […]
    Auch dessen Anwalt Hubert Gorka nannte den Betrag nicht, sagte aber: „Ich bin von der Entscheidung sehr enttäuscht, da viele Teile seiner Ansprüche nicht berücksichtigt wurden.“ Wörz müsse die 23-seitige Entscheidung nun erst einmal durchlesen. Zugleich kündigte Gorka an, er „werde Herrn Wörz höchstwahrscheinlich zur Klage raten“. Es gehe um eine angemessene Entschädigung, die er beim Landgericht Karlsruhe durchsetzen wolle.

    Staat hat Strafrechtsentschädigung für Harry Wörz festgelegt – Justizopfer nennt die Summe eine „Lachplatte“ (SWR)

    Zitat:

    Harry Wörz bekommt eine seit Jahren erwartete Strafrechtsentschädigung. Das teilte jetzt die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe mit. Die Zahlung steht Wörz unter anderem zu, weil er viereinhalb Jahre lang unschuldig im Gefängnis gesessen hatte. Gegenüber dem SWR bezeichnete er die Summe allerdings als „Lachplatte“.
    […]
    Nähere Einzelheiten zu der Entschädigung nannte der Bauzeichner aus Birkenfeld-Gräfenhausen nicht. Er werde aber dagegen klagen, sagte der Mann, der rund 13 Jahre lang in mehreren Prozessen um einen Freispruch gekämpft hatte.
    […]
    Seither wartete der Bauzeichner aus Birkenfeld-Gräfenhausen auf eine Wiedergutmachung des Staates, die ihn für das erlittene Unrecht entschädigt und seine enormen Anwalts- und Gerichtskosten deckt. Dazu kommen die über den gesamten Zeitraum ausgefallenen Beiträge für die Rentenversicherung und ein fairer Ausgleich für entgangene Gehälter.

    Er hatte zwar die typische Haftentschädigung von 25 Euro pro Hafttag (für die sogenannten imateriellen Schäden) und eine weitere Entschädigung (für angeblich materielle Schäden) erhalten. Dabei hat es dem Staat aber in keinster weise interessiert, was Herr Wörz wirklich an materiellen Schaden erlitten hatte (Anwaltskosten, entfallener Lohn, Altersversorung usw.).

  2. Manchmal möchte ich es verfluchen, das ich noch einen Fulltime-Job habe.

    Erst heute in der Früh bin ich auf den Bericht der Reporterin Nicole Enders für das „Radio Euroherz“ über den 3. Verhandlungstag gestolpert. Auf das Interview mit der Gerichtsreporterin des Spiegels, Frau Gisela Friedrichsen hatte ich ja (sozusagen Zeitgleich mit Frau Wolff) bereits hier:
    https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/04/10/wiederaufnahmeverfahren-im-fall-peggy-dekonstruierung-einer-konstruktion/comment-page-1/#comment-35126
    vorgestellt.

    Am gleichen Tag hat die Reporterin noch ein kurzes Fazit des dritten Prozesstages vorgestellt. Was mich beim Hören heute Morgen elektrisierte waren diese beiden Sätze, die lt. der Reporterin aus den Aussagen des inzw. Verstorbenen V-Mannes stammen sollen:

    Er hatte den Plan, Ulvis vertrauen mit Haschisch zu erschleichen und Infos vom Mord auszuspionieren. Infos, die Peter H. aber selbst noch vor seinem Tot als erlogen bezeichnete.

    (Ab Minute 1:50)
    Quele: Radio Euroherz –> http://www.euroherz.de/mediathek/audio/der-dritte-prozesstag-am-landgericht-bayreuth-die-ergebnisse/

    Wenn dies stimmt, das Peter H. Ulvi Haschisch gegeben hat, dann ist das auch ein verheerendes Bild des BKH. Das ein V-Mann Drogen in das BKH rein schmuggeln kann und scheinbar verwenden kann. Wenn man die Menschenunwürdige Behandlung von Herrn Mollath bedenkt, nachdem er unter Aussicht eines BKH-Mitarbeiters vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt hat, kommt mir dies, sollte es so gewesen sein doch recht merkwürdig vor.

    • @Gaston

      Wenn dies stimmt, das Peter H. Ulvi Haschisch gegeben hat, dann ist das auch ein verheerendes Bild des BKH. Das ein V-Mann Drogen in das BKH rein schmuggeln kann und scheinbar verwenden kann. Wenn man die Menschenunwürdige Behandlung von Herrn Mollath bedenkt, nachdem er unter Aussicht eines BKH-Mitarbeiters vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt hat, kommt mir dies, sollte es so gewesen sein doch recht merkwürdig vor.

      Eine Merkwürdigkeit kann ich hier nicht erkennen. Es ist ein altbekanntes Phänomen, dass es in jedem Gefängnis trotz heftigster Kontrollen eingeschmuggelte Drogen gibt, und zwar nicht zu knapp. Warum nicht auch im Maßregelvollzug? Dass der V-Mann imstande war, Kulac Haschisch zu geben, muss, wenn es denn überhaupt so war, nun wirklich nichts mit seiner V-Mann-Tätigkeit zu tun gehabt haben.

      Wie gelangen Drogen in den Knast?
      Die Hauptwege sind: Besuche, Rückkehr von Gefangenen nach Vollzugslockerungen, korrupte Beamte und Angestellte, Arbeitsbetriebe der Anstalt, Postweg. Der immer häufiger werdende Transport der Drogen in Körperöffnungen läßt sich kaum überwachen.

      https://www.knast.net/article.html?id=672

      Ein weiterer denkbarer Weg ist übrigens das Einschmuggeln durch Anwälte. Auch das soll vorkommen:

      http://www.lto.de/recht/nachrichten/n/ag-moenchengladbach-urteil-92-ls-77-13-anwalt-drogenschmuggel-knast-freiheitsstrafe/

      • Laut einem Artikel von Otto Lapp im Nordbayerischen Kurier vom 16.4.2014, „Was hat Ulvi dem V-Mann wirklich erzählt?“ (ein untauglicher Versuch, offenzuhalten, ob dessen einstige Belastung zutreffend war oder das spätere Geständnis, damals gelogen zu haben – „Das Bayreuther Landgericht muss nun entscheiden, wie es die geänderte Aussage des Zeugen bewertet. Denn die Wahrheit hat Peter H. mit ins Grab genommen.“), heißt es, daß Peter Hoffmann schon sehr früh Lockerungen hatte, die er mißbrauchte.

        Außerdem, das zeigen Recherchen dieser Zeitung, hatte Peter H. bereits Lockerungen, als er Ulvi kennenlernte. Er durfte in Begleitung die Klinik verlassen. Was er missbrauchte: Peter H. büxte aus. Öfter fahndete die Polizei nach ihm. Peter H. war also alles als ein „einfacher Fall“. Und alles andere als zuverlässig. Und die Lockerungen wurden immer wieder einkassiert.
        Einmal rief Peter H. erbost den Staatsanwalt an, der die Ermittlungen im Fall Peggy leitete. Unverhohlen drohte er, nicht auszusagen, wenn er keine Lockerungen erhalte. Um sich zwei Wochen später für diesen Ausbruch zu entschuldigen. Er habe „überreagiert“, weil ihm Lockerungen gestrichen worden seien. Natürlich werde er aussagen, was er über Ulvi wisse.

        Daß Polizei und Staatsanwaltschaft sich auf diesen Mann überhaupt einließen, ist unverständlich. Aber, so heißt es bei Lapp weiter:

        Auch als Informant der Polizei hatte er öfters unzuverlässige Angaben gemacht. Aber Polizist Klaus O. sagte auch: „Er war ein Straftäter, der bei enger Führung durchaus nachvollziehbare Angaben gemacht hat.“
        2002 hat Peter H. einen weiteren Mitpatienten im BKH Bayreuth bei der Polizei angeschwärzt: Auch dieser habe ihm einen Mord gestanden. Sowohl Ulvi als auch der andere Mitpatient widersprachen den Angaben von Peter H.

        Daß Otto Lapp den Lesern verschweigt, daß der V-Mann-Führer Klaus O. die Frage verneint hatte, ob Hoffmann noch weitere Patienten belastet habe, versteht sich von selbst. Es war RA Euler, der danach diesen weiteren Fall (der zur Verurteilung führte) präsentierte.

        • Daran, dass die Heranziehung des verstorbenen Zeugen Hoffmann von Anfang an hoch fragwürdig war, habe ich keine Zweifel. Ich kann mir sogar vorstellen, dass er mit etwaigen Belohnungsmitteln für Kulac aus der Asservatenkammer ausgestattet wurde. Mir ging es nur darum, dass es für sich genommen noch kein schlechtes Licht auf eine Maßregeleinrichtung wirft, wenn es einem Untergebrachten gelingt, an Drogen ranzukommen.

          Schön auch, wie Lapp den Satz “Er war ein Straftäter, der bei enger Führung durchaus nachvollziehbare Angaben gemacht hat” als Hinweis auf dessen Glaubwürdigkeit zu verkaufen versucht.

          Mich erinnert dieser dieser Satz eher an Beschreibungen in Arbeitszeugnissen a la “Er hat sich stets bemüht” 😉

        • Wie zu erwarten: Lapp arbeitet Kröber und Geier zu.

          Die bisher von Euch berichteten „Informationen“ aus dem Artikel würden, sollten diese zutreffen, beide Aussagen des V-Manns Peter H. fragwürdig machen: Dass Ulvi K. den Mord gestanden habe – und dass dies eine falsche Aussage auf Druck der Polizei hin gewesen sei.

          Diese damit Relativierung eines zentralen Wiederaufnahmegrundes kommt Kröber entgegen, der dann so argumentieren könnte:

          Natürlich sei Peter H. ein zweifelhafter Zeuge gewesen. Dies bis zuletzt in allen Belangen. Schon sein erstes Gutachten beruhe (deshalb) nicht auf dessen Aussagen. Genauso halte er es mit dem zweiten. Denn letzlich entscheidend sei nur das zweifelsfreie erstattete Geständnis des Ulvi K. – und dies gerade gegenüber einer Vertrauensperson, was viel mehr wert sei. Dieses habe der Lichtenberger Polizist – entgegen der Aussage 2012 in Hof (also das wird der Herr Kröber nicht sagen) – ja aktuell auch im zweiten Verfahren 2014 bestätigt. Das müsse man überhaupt erst einmal hinbekommen, vier unterschiedliche Geständnisse abzugeben. Dass Ulvi K. die Polizisten auch bei der Tatortbegehung derart in die Irre führte, zeige, dass dieser doch deutlich intelligenter sei als er versuche den Anschein zu vermitteln. Es sei jedoch offensichtlich, dass dieses Verwirrspiel einzig dazu gedient habe, sein ihm in einer vertrauensseligen Situation herausgerutschtes und damit einzig zu wertendes Geständnis unglaubwürdiger zu machen. Da sehe man, was ein guter Profiler vermag, indem er eine Vernehmungssituation vorschlägt, die hier passgenau dazu geführt hat, dass Ulvi K. etwas zugegeben habe was er eigentlich verheimlichen wollte. Insofern war die Situation bei den Tatrekonstruktionen schon wieder eine andere: Die scheinbaren Unstimmigkeiten zeigen, dass der Angeklagte hierbei – offenbar bewusst und damit ziemlich verschlagen – versuchte, sein zuvor Geständnis gegenüber einer Vertrauensperson zu relativieren, um eine Bestrafung zu vermeiden. Ein solches Vorgehen setzt voraus, dass er sich ziemlich sicher gewesen sein muss, dass die Leiche nicht gefunden werden würde, was ja bis heute der Fall ist. Im Übrigen dürfe man den sich so harmlos gebenden Angeklagten angesichts der anderen im nachgewiesenen schweren Taten gegenüber Kindern nicht unterschätzen. Dieser werde schließlich – und dies vielfach überprüft – wegen dieser und der damit einhergehenden Gemeingefährlichkeit zu Recht in der Forensik verwahrt. Insofern ist diesem alles, auch ein Mord zur Vertuschung, zuzutrauen. Angesichts dessen ist sein Geständnis in dieser außergewöhnlichen Vertrauenssituation insgesamt das Glaubwürdigste von dessen Seite, wenn auch die späteren Aussagen, aufgrund der dort veränderten Motivation, die genauere Aufklärung des Verbrechens, wie von ihm gewollt, behindern mussten!?

          Mal schauen, wie sich der Psychiater Kröber am 6. Mai geben wird – und wie weit meine Prognose dann daneben liegen bzw. zutreffen wird.

          (Was meint Ihr? Sollte ich vielleicht doch noch auf Psychiater umsatteln, bei der Begabung, Phantasien als Realitäten auszugeben und mich über Gott und die Welt, Menschen und Tatsachen, gesunden Menschenverstand und wissenschaftliche Grundsätze zu erheben? Also, warum eigentlich nicht? So gut, wie Kröber und Leipziger wäre ich doch allemal!? Also, irgendwie bin ich doch wirklich super, kann schon fast fliegen, und wer das nicht erkennen mag, der soll auch lebenslange sitzen, jedenfalls wenn ich neben meinem Professorengehalt dafür gut bezahlt werde, bei Aussicht auf weitere Aufträge!)

        • Schon das Lesen so verquerer imaginärer Gedankengänge verursacht erhebliche Schmerzen – und wer Kröbers Interview auf Telepolis gelesen hat, erkennt durchaus Ähnlichkeiten mit seinen sonstigen Auffassungen und Reinterpretationen von Realem.

          Man fragt sich, wie Kröber die permanente kognitive Dissonanz aushält, die sich aufgrund seiner noch vorhandenen Restintelligenz doch ständig bei ihm bemerkbar machen müsste.

      • Mir ging es nicht um die Frage, das in Knästen und (sehr wahrscheinlich) auch Psychiatrien Drogen rein kommen. Es geht um die Art wie man mit verschiedenen Menschen umgeht. Eine Person, die vom BKH zu einer Aussage in einem Untersuchungsausschuss mit ständig anwesender Begleitung gefahren wird und von dort wieder zurück muss sich einer menschenunwürdigen Körperdurchsuchung unterziehen lassen. Dies ist eindeutig ein Missverhältnis.
        Das ist das Eine.
        Und auf dieses Nebelwerfende Missverhältnis, der angeblichen sorgfältigen Kontrolle bezog sich mein „ein verheerendes Bild des BKH“.

        Viel wichtiger ist, dass lt. dieser Aussage Ulvi Kulac mit Drogen zu einer Aussage von dem Mitinsassen bewogen wurde. Das ist von wegen der Glaubwürdigkeit schon eine wesentliche Info. Es handelt sich bei Herrn Kulac um eine Person, die nachweislich so schon sein Leben nur in gewissen Grenzen regeln kann. Sollten Drogen im Spiel sein (auch z.B. beruhigende Medikamente), dann ist das Ganze um die angeblichen Aussagen ein bitterer Witz.
        Haschisch beeinflusst auch das Denken und die Wahrnehmung der Umwelt (inkl. der eigenen Wahrnehmung von sich selbst).

        • Laut aktuellem Sachstand hat der damalige Belastungszeuge Peter H. nur Märchen erzählt, was bedeutet, daß Kulac ihm gegenüber kein Geständnis abgelegt hat. In dieselbe Rubrik „Hoffmanns Erzählungen“ gehört logischerweise die Absichts-Bekundung, er wolle sich das Vertrauen Kulacs durch Cannabis-Beschaffung erwerben.

          Mich befremdet allein, daß sich die Polizei diverse Male mit diesem unseriösen Mann traf, um ihn wegen seiner „Erkenntnisse“ im Fall Peggy abzuschöpfen, und das sogar noch, nachdem ein Teil seiner Berichte (Kulac habe ihm erzählt, ein Dritter habe Peggy umgebracht und sie bei Lobenstein verscharrt) bereits falsifiziert worden war. Umso schlimmer, falls dieser zweite, im Jahr 2002 von ihm belastete, Mitpatient tatsächlich wegen seiner Aussage zu elf Jahren plus Sicherungsverwahrung verurteilt worden sein sollte. Dann dürfte das nächste Wiederaufnahmeverfahren im Anmarsch sein, nachdem Geier im Verfahren hier ausgesagt hat: „H. ist ein grandioser Lügner, der für einen Vorteil seine Mutter verkaufen würde.“ Und daß er ihm kein Wort geglaubt habe.

        • Das zeigt schön, in welch Klemme sich die Polizei gefühlt hat. Die haben nach allem gegriffen, was nach Strohhalm aussah, und nach noch viel mehr……

        • Für bestimmte Dinge sind Polizei und Justiz auf die Kooperation mit zwielichten Subjekten angewiesen; quasi für alles, was nicht koscher ist….

        • Aus dem BTM- und dem OK-Bereich ist das bekannt, daß mit zwielichtigen V-Leuten gearbeitet wird; so ein Fall lag hier aber nicht vor. Ich denke, daß der frühere Chef der Soko I Näheres dazu aussagen kann, warum sie den Spitzel schnell ad acta legten, wohin gegen die Soko II letzteren noch am 29.4.2002, am Tag der Dienstbesprechung mit dem Profiler Horn, noch einmal aufsuchten, wie sich aus dem Jung/Lemmer-Buch ergibt.

        • @Mafred Werner

          Mit zwielichtigen Objekten meinen sie hoffentlich nicht Prof. Dr. Kröber, Dr. Klaus Leipziger etc.:)

          Robert Stegmann

        • @Gabriele Wolff:

          … nachdem Geier im Verfahren hier ausgesagt hat: “H. ist ein grandioser Lügner, der für einen Vorteil seine Mutter verkaufen würde.” Und daß er ihm kein Wort geglaubt habe.

          Ich habe diesen Beitrag jetzt erst nach meiner „Kröber-Phantasie“ gelesen – und sehe in dieser mir bis dahin nicht bekannten Aussage des Herrn Geier die selbe strategische Zielrichtung, der sich der Herr Lapp offenbar verschrieben hat: Den inzwischen verstorbenen Zeugen Peter H. insgesamt zu diskreditieren – und damit auch dessen für das Wiederaufnahmeverfahren zentrales Eingeständnis, dass er auf Druck und Zusagen der Polizei hin Ulvi K. falsch beschuldigt hatte.

          Ich habe den BR-Film gesehen, in dem Peter H. diese Selbstbezichtigung vor laufender Kamera wiederholte. Sollte ich gefragt werden, wem ich mehr glauben würde, Peter H. mit dieser (außergewöhnlich mutigen und durch nichts anderes als einem besseren Gewissen belohnter) Aussage, oder dem Herrn Geier, dann spricht alles gegen Letzteren.

          Dafür reicht schon das eingangs wiedergegebene Zitat: Da behauptet der ehemalige Soko-II-Leiter Geier, er habe Peter H. aufgrund dessen Persönlichkeit kein Wort geglaubt – und dennoch wurde dieser in dem ersten Verfahren zum Hauptbelastungszeugen. Kann mir jemand erklären, wie das gehen soll: Als federführender Polizist einem Belastungszeugen kein Wort glauben, und dennoch seinen „Ermittlungserfolg“ maßgeblich mit dessen belastender Aussage zu begründen?

          (Das hat dieselbe Qualität, wie die Angabe von Beckstein, er sei bei den Ceska-Morden immer auch davon ausgegangen, die Täter könnten Rechtsextreme sein. Beckstein war auch dort angesichts seiner Funktion de facto oberster Ermittler. Wenn er tatsächlich dieser Meinung gewesen wäre, hätte sein Apparat, an der Spitze wiederum der ebenso im Falle Peggy von Beckstein eingesetzte Herr Geier, auch in diese Richtung ermitteln müssen. Gerade dies aber war offenbar nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: Der dahingehend vermutende Profiler Horn wurde nach meinem Kenntnistand abgelöst durch einen baden-württembergischen Profiler, der Rechtsextreme als Täter ausschloß. Im Falle Peggy wurde der Profiler Horn, wie die Tathergangshypothese belegt, sowohl hinsichtlich einer nur wenige Tage vorher geschehenen Vergewaltigung des Mädchens durch Ulvi K. als auch dessen Anwesenheit auf dem Marktplatz offenbar falsch informiert. Kein Wunder, dass er aufgrund dieser Informationen Ulvi K. als Täter vermuten musste und damit auf Grundlage dieser Informationen zwangsläufig zu seiner – für mich dann absolut nachvollziehbaren – Tathergangshypothese gekommen ist bzw. zu dieser kommen musste. Mich würde wirklich interessieren, inwieweit, wann und durch wenn auch Polizisten innerhalb der Soko-II solche nach heutigem Kenntnisstand nicht zutreffende Informationen erhalten hatten. [Wenn ich das richtig mitbekommen habe, kam die Legende von den Blutflecken auf der Kleidung von Ulvi K. über bzw. vom Leiter Geier zu den anderen Polizisten der Soko II !?])

        • Das ist bei diesem Verfahren eben das Problem. Man sammelt die Pussel in vielen Artikeln zusammen. Dies macht es so schwierig.
          Da wird von bewiesenen Kindesmisshandlungen gesprochen. Die Bewohner des Ortes sprechen aber „nur“ von Entblößungen und die damaligen Kinder/Jugentlichen sogar davon, das sie Hernn Kulac (zumindest Teilweise) dazu angestiftet haben.
          Die Frage nach der wirklichen Wahrheit wird in vielen Artikeln (auch wegen der begrenzten Möglichkeit eines Artikels einer bestimmten Länge) zwischen dem wirklich Nachweisbaren und den Vermutungen (oder Hergangsprognosen) vermischt.
          Auch setzt jeder andere Schwerpunkte in seiner Berichterstattung.
          Das schönste wäre selbst an den Verhandlungen teilnehmen zu können.

        • In der Tat wäre das am Sinnvollsten, sich das selber anzuhören.
          Aber das Zitat von Lapp hatte auch der Reporter Joachim Dankbar, so daß es vermutlich stimmen wird:

          Für das aktuelle Verfahren dürfte dies jedoch geringe Bedeutung haben, da das Hofer Gericht Peter H. in seinem Urteil nur wenig Bedeutung beimaß, weil es den Zeugen für unglaubwürdig hielt. Chef-Ermittler Wolfgang Geier bezeichnete ihn als „grandiosen Lügner, de selbst seine Mutter verkaufen würde“, wenn er einen Vorteil davon hätte.

          http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Der-dritte-Prozesstag-im-Fall-Peggy;art2388,3280365

          @ Michael Bach:

          Über die Anwesenheit Kulac‘ am Marktplatz konnten die Ermittler den Profiler Horn am 29.4.2002 noch nicht informiert haben, denn diese Aussage erhielten sie erst im Mai 2002.

          Gänzlich ins Rutschen kam Horn, als er dann doch einmal eine Zeugenaussage ins Spiel brachte und damit ein kausales Argument. Da habe es die Zeugenaussage einer Frau gesehen, die Ulvi auf einer Parkbank gesehen habe, genau dort, wo Peggy auf ihn getroffen sein könne. Er bringt wieder sein Bewegungsprofil ins Spiel, und diese Aussage habe also die Wege von Ulvi und Peggy zusammengeführt. Dummerweise hielt ihm einer der Beisitzer vor, dass das so nicht stimmen könne, denn die Zeugin hatte ihre Aussage erst nach seinem Bericht abgegeben, den er der Polizei am 2. Mai 2002 erstattete. „Das ist sehr interessant“, stammelte Horn, „aber mit ist nicht bewusst, dass sie vorher noch gar nicht vernommen wurde.“
          „Wurde Sie“, meldet sich da sie Staatsanwältin zu Wort, „aber dabei hat sie das noch nicht gesagt“.

          http://www.bitterlemmer.net/wp/2014/04/11/peggy-ulvi-prozess-wiederaufnahme-bayreuth-geier-horn-profiler-justiz/#more-8535

          Die Vernehmung dieser Frau wird noch sehr interessant werden, denn sie hat ein Falschbelastungsmotiv:

          Der Staatsanwaltschaft erscheint die Belastungszeugin „nicht unproblematisch“. Die Frau sagte erst 2002 aus, sie habe „den Ulvi“ mit einem Topf auf einer Bank gesehen. Hier soll er schließlich Peggy getroffen haben. 2001 hatte sie noch erklärt, ihr Sohn habe den Mann gesehen. Zudem ist nicht geklärt, wo der besagte Topf geblieben ist. Ihr Sohn, der selbst einmal als Verdächtiger galt, konnte sich an keinen Topf erinnern. „Das widerspricht sich ja im Ergebnis“, sagt der Richter.

          http://www.sueddeutsche.de/bayern/wiederaufnahme-im-fall-peggy-chefermittler-will-tathergangszenario-nicht-gekannt-haben-1.1935903

          Und:

          Vielleicht zweifelten die Beamten am Anfang an der Schuld Ulvis – doch dann ändert eine überraschende Zeugenaussage alles. Die Frau aus Lichtenberg gibt im Mai 2002 an, also ein Jahr nach Peggys Verschwinden, dass sie Ulvi K. am Tattag im Ort gesehen hat. Das ist wichtig, weil er nur dann als Täter in Frage kommen kann. Bei einer früheren Vernehmung hatte die Zeugin noch das Gegenteil behauptet – und es gibt mehr als ein Dutzend Zeugen, die Ulvi nicht sahen. Doch die Frau beharrt jetzt auf ihrer Beobachtung. Sie könne sich gut an den Tag erinnern, weil es der Geburtstag ihres Sohnes war. Warum kommt ihre Erinnerung so spät?
          Fakt ist: Als sie ihre zweite Aussage macht, steht ihr Sohn unter Verdacht, Peggy getötet zu haben. Später werden die Ermittlungen gegen den 24-Jährigen eingestellt. „Das ist keine unproblematische Zeugin“, sagt Staatsanwältin Sandra Staade zum Ex-Soko-Chef. Die Frage, ob die Lichtenbergerin Hauptbelastungszeugin gewesen sei, beantwortet Geier jetzt zögerlich – doch am Ende mit einem Ja.

          http://www.merkur-online.de/aktuelles/bayern/fall-peggy-chef-ermittler-kannte-wichtige-akte-nicht-3478348.html?cmp=defrss

  3. Es gibt eine Zusammenfassung des 3. Hauptverhandlungstages, aus der sich Neues ergibt; so wird hier angeführt, daß der Lichtenberger Ex-Polizist zuletzt nicht mehr ausschließen wollte, das Geständnis mit der Androhung eines Freundschaftsentzuges herbeigeführt zu haben.
    Und es gibt auch keine Erklärung dafür, warum nicht zeitnah zum Geständnistag, 2.7.2002, nachvernommen wurde, obwohl sich schon am selben Tag die Unhaltbarkeit der angeblichen Leichenverbringung erwiesen hatte. Tatsächlich fanden die weiteren Vernehmungen erst am 24. und 26. Juli statt – erst zu diesem Zeitpunkt befand sich RA Schwemmer in Urlaub. Das hat den Anschein, als ob die Polizei gezielt den Urlaub des Verteidigers ausgenutzt hätte. RA Euler kündigte jedenfalls an, daß RA Schwemmer aussagen werde, und zwar ganz anders als der frühere Soko-Leiter Wolfgang Geier.
    http://www.tvbayern.tv/tvo/nachrichten/fall-peggy-tag-3-im-wiederaufnahmeverfahren.html

    • Und auch Christoph Lemmer hat neue Details:

      http://www.bitterlemmer.net/wp/2014/04/16/peggy-ulvi-prozess-wiederaufnahme-lichtenberg-polizei-gestaendnis-v-mann-peter-hoffmann-waffe/?fb_action_ids=10154031632835414&fb_action_types=news.publishes&fb_ref=pub-standard

      Der angeblich von dem Polizeibeamten Walter H. mit der Pistole bedrohte Zeuge war einer der späteren Alibi-Zeugen von Ulvi K., Hilmar K. Tja, und ob der V-Mann-Führer von Peter Hoffmann die ganze Wahrheit gesagt hat?

      • Hier eine Hintergrundinformation zu dem Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Polizisten Walter H. aus Lichtenberg wegen Falschaussage (Tatzeitpunkt: Dezember 2012, mithin nicht verjährt):

        http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Wortgefechte-im-Fall-Peggy;art2388,2255138

        Eine Freud’sche Fehlleistung will ich nicht vorenthalten (Hervorhebung von mir):

        Prozess offenbart neue Zweifel an Geständnis
        Auch am dritten Verhandlungstag geht es in Bayreuth um Ulvis Geständnis. Langsam kommt das Gericht jedoch in Zeitnot.

        Von Joachim Dankbar

        Bayreuth – Das Wiederaufnahmeverfahren in der Mordsache Peggy K. vor dem Bayreuther Landgericht könnte länger dauern als erwartet. Aus Zeitmangel hat das Gericht die für den gestrigen Dienstag geplante Erstattung des Gutachtens zur Glaubwürdigkeit des – inzwischen widerrufenen – Geständnisses verschoben. Der Berliner Gerichtspsychiater Hans-Ludwig Kröber soll nun erst am 6. Mai vortragen, wie glaubwürdig dieses Gutachten war.
        […]

        http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Prozess-offenbart-neue-Zweifel-an-Gestaendnis;art2388,3281213

        😉

        • @gabrielewolff

          Interessant, die Hintergrundinformation zum Beleidigungsprozess in 2012.
          http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Wortgefechte-im-Fall-Peggy;art2388,2255138

          So ist Hörteis auch erbost darüber, dass ein zweiter Teil der Anklage gegen ihn eingestellt wurde. Dabei ging es um die Anzeige des früheren Soko-Leiters Wolfgang Geier wegen übler Nachrede. Der heutige Polizeichef von Unterfranken fühlte sich von Behauptungen Hörteis‘ wie „hochnotpeinliche Befragung des Bauernopfers Ulvi“, „bewusstes Täuschen und Belügen des Beschuldigten mittels nicht vorhandener Beweise“ ebenso in seiner Ehre getroffen wie durch die Unterstellung, die Polizei und der „gottähnliche Staatsanwalt“ hätten einen Belastungszeugen mit dem Versprechen von Vollzugslockerungen „gekauft“ und ihm die gewünschte Aussage eingetrichtert. Doch zum Showdown zwischen Hörteis und Geier kommt es nicht. Denn das Gericht stellt diesen Teil der Anklage nach Paragraf 154 Strafprozessordnung vorläufig ein, da dieser Tatbestand beim zu erwartenden Strafmaß nicht beträchtlich ins Gewicht fallen würde.

          Interessant ist vor allem, wie der leitende OStA die Öffentlichkeit für dumm verkaufte:

          Der Chef der Hofer Staatsanwaltschaft, Leitender Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt, begegnet den gesammelten Vorwürfen Hörteis‘ mit nur einem einzigen Satz: „Nach den Regeln der Strafprozessordnung bestimmt das Gericht den Prozessstoff – und nicht der Angeklagte; so ist es hier geschehen.“

          Denn das ist ja nicht richtig. Nach § 154 Abs. 2 StPO kann das Gericht den Prozessstoff ohne einen Antrag der Staatsanwaltschaft gar nicht einschränken. Man muss deshalb nicht die Verschwörungsideen des provozierenden Unterstützers („einvernehmliches unter-den Teppich-kehren“) teilen, aber Einvernehmen zwischen Gericht und StA muss es schon gegeben haben. Tatsächlich hätte die StA, die ja offenbar die üble Nachrede gegen Geier angeklagt hatte, das Amtsgericht zwingen können, bei der Aufklärung der üblen Nachrede den gesamten Peggy-Prozess aufzuarbeiten. Dass das letztlich von keiner Seite gewollt war, kann durchaus (nur) prozessökonomische Gründe gehabt haben, die bei Anklageerhebung noch keiner vor Augen hatte. Dass hier erst mal unreflektiert alles angeklagt worden war, wäre auch typisch: Straftaten gegen Polizeibeamte nicht in Gänze aufklären? Wo kommen wir denn da hin?

    • Ja, das hatte ich hier bereits zitiert, daß BILD die neue schriftliche Stellungnahme von Kröber vorliege, wonach er bei seinem alten Gutachten bleibe:

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/04/10/wiederaufnahmeverfahren-im-fall-peggy-dekonstruierung-einer-konstruktion/comment-page-1/#comment-35128

      Aber vielleicht läßt er die Hauptverhandlung noch mal auf sich einwirken? Er soll nämlich – traut man BILD-Völkerling – auf eigenen Wunsch heute nicht mehr vorgetragen haben:

      Ermittler befragt Fall Peggy: Zweifel am Geständnis von Ulvi K.
      Natalie Kettinger, 15.04.2014 16:25 Uhr

      Bei der Neuauflage des Peggy-Prozesses in Bayreuth werden die ehemaligen Ermittler befragt – und ein wichtiger Psychiater

      Wie glaubhaft war das Mordgeständnis, das die Ermittler der „Soko II“ Ulvi K. 2002 im Verhör entlockten – und das er später widerrief? Plapperte der geistig behinderte Gastwirtssohn vielleicht einfach nach, was die Beamten ihm in ihren Fragen suggerierten – und wurde deshalb vom Landgericht Hof 2004 als Mörder der kleinen Peggy Knobloch aus Lichtenberg verurteilt? Am dritten Tag des Wiederaufnahmeverfahrens vor dem Bayreuther Landgericht dreht sich alles um diese zentralen Fragen. Dabei wird klar: Es ist kein guter Tag für die Vernehmungsbeamten.
      Hauptkommissar Roman M. hat Ulvi K. gemeinsam mit einem Kollegen im Sommer 2002 drei Mal vernommen – bis zu dessen überraschendem Geständnis am 2. Juli 2002. Der Kollege hatte selbst einen behinderten Bruder, deshalb habe er die meisten Fragen gestellt, sagt M. vor Gericht. Er habe die Belehrung in „einfachen Worten erklärt, damit Herr K. sie auch versteht“. In Bezug auf den Vorwurf, die Beamten hätten Druck aufgebaut oder K. gar gefoltert, sagt M.: „Er hat die Erlaubnis gehabt, zu rauchen und Getränke sowie Lebensmittel zu sich zu nehmen. Wir haben ihm die angenehmste Situation geschaffen, die es gibt.“ Zudem sei bei allen drei Vernehmungen K.s damaliger Anwalt anwesend gewesen.
      […]
      Als der Beisitzende Richter aus den Vernehmungsprotokollen zitiert, entsteht ein völlig anderes Bild: „Kann es sein, dass die Peggy ein zweites Mal hingefallen ist?“ wurde K. demnach von den Beamten gefragt. Er verneint – und ihm wird vorgehalten: „Es war ja nass, kann doch sein, dass sie nochmal hingefallen ist.“ Später gab Ulvi K. genau das zu: Dass er sich bei Peggy entschuldigen wollte, weil er sie missbraucht hatte, dass sie vor ihm floh und dabei zwei Mal stürzte. Weiteres Beispiel aus dem Protokoll: Frage: „Haben Sie denn keine Angst gehabt, wenn die Peggy nach Hause kommt, am Kopf blutet und erzählt, was passiert ist?“ Antwort K.: „Nein, da hab ich keine Angst gehabt.“ Erneute Frage nach einer kurzen Pause der Vernehmung: „Sie haben uns vorher gesagt, dass sie Angst gehabt haben, die Peggy könne Zuhause erzählen, was passiert ist – erinnern Sie sich?“ Antwort K.: „Ja.“
      K.s Anwalt Michael Euler wirft den Beamten vor, sie hätten sich vor den Vernehmungen durch Beamte der Operativen Fallanalyse (OFA) der Münchner Polizei – so genannte Profiler – eine Hypothese über den möglichen Tathergang erstellen lassen und diese dann in den Vernehmungen abgefragt. OFA-Chef Alexander Horn hat die Zusammenarbeit am zweiten Verhandlungstag bestätigt. Auch Roman M. kann sich an mehrere Treffen mit dem Profiler erinnern – allerdings nicht mehr an das Schreiben mit dessen Hypothese.
      Dafür weiß er noch genau, wie es war, als Ulvi K. plötzlich den Mord gestand – nicht ihm, sondern einem Beamten aus Lichtenberg, der ihn nach der offiziellen Vernehmung wieder ins Bezirkskrankenhaus bringen sollte.
      Er habe K.s Anwalt verabschiedet und sei dann in den Nebenraum des Verhörzimmers zurückgekehrt, sagt M. Drinnen sah er K. und den Kollegen H., „und dann konnte ich im Prinzip mithören, wie der Herr K. dem Herrn H. die Tötung von Peggy gestand.“ Ohne Anwalt – und ohne Tonbandmitschnitt. Die Aufnahmegeräte seien zwar nicht kaputt gewesen, wie immer behauptet werde, sagt M. Aber er habe sie bereits abgebaut gehabt.
      Obwohl er nicht von Anfang an bei dem Gespräch dabei gewesen war, setzte M. später seine Unterschrift mit unter das Gedächtnisprotokoll. Wie es zu dem Geständnis kam, weiß er nur vom Hörensagen: „Ich weiß aus zweiter Hand, dass Herr K. auf dem Weg ins Bezirkskrankenhaus gesagt hat, er habe nicht die ganze Wahrheit gesagt – deshalb wurde er zurück ins Vernehmungszimmer gebracht.“

      http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.ermittler-befragt-fall-peggy-zweifel-am-gestaendnis-von-ulvi-k.0fd43e4d-3fce-4a14-bb64-68c8420e3c79.html

      Daß er die schriftliche Hypothese von Horn nicht kannte, ist unerheblich; er war bei den Besprechungen mit Horn dabei, als sie entwickelt wurde, und es wurde sich an das Vernehmungskonszept gehalten: nicht den Fehler der Soko I wiederholen, die es mit Anschreien, Druck und wahrscheinlich einem körperlichen Übergriff versucht hatte. Deshalb sollte als Vernehmungsort Hof ausscheiden, da durch Kulac negativ besetzt. Ebenfalls sollte der nicht zur Soko gehörende „Vertraute“, der Lichtenberger Polizist Walter H., herangespielt werden.
      Was auch geglückt ist.

      Ich sichte gerade die Pressemeldungen, um herauszufinden, ob der sich auf ein Auskunftsverweigerungsrecht zurückziehen konnte oder ob er doch noch etwas gesagt hat…

      • Walter H. hat dann doch „freiwillig“ ausgesagt.
        Er ist inzwischen in Pension, und körperlich deutlich geschwächt.
        Auf die Frage, ob er sich im Vorfeld der Verhandlung mit ehemaligen Kollegen darüber abgesprochen habe, antwortete er zunächst mit: NEIN.
        Aus dem Nein wurde dann im weiteren Verlauf ein JA.
        Er hat keine gute Figur gemacht.
        Auf die Frage, ob er im Wirtshaus, (besoffen) einem anderen Zeugen seine Dienstwaffe an den Kopf gehalten hat, konnte er keine Antwort geben. Er kann sich ganz einfach nicht erinnern.
        RA Euler verlas und übergab sodann eine Eidesstattliche Versicherung des mit der Dienstwaffe bedrohten Zeugen.
        RA Euler sagte weiter, wenn ich jemand eine Waffe an den Kopf halten würde, könnte ich mich daran erinnern, außer es wäre an der Tagesordnung.

        Übrigens Prof. Kröber sagt am Dienstag 13 Uhr 30 aus, es war sein Terminwunsch.

        Der Vorsitzende Richter ist gegenüber allen Prozessbeteiligten sehr höflich und rücksichtsvoll.

        • Und noch etwas:
          Es ist bereits angesprochen und angedacht Ulvi´s ehemaligen Anwalt Schwemmer in den Zeugenstand zu rufen.
          Der Anwalt wird von seiner Schweigepflicht entbunden.
          Ich denke es dürfte auch in seinem Interesse sein, seinen Ruf wieder gerade zu rücken.
          Das kann noch spannend werden.

        • Danke – ich gehe davon aus, daß Sie der Verhandlung beigewohnt haben?

          Dem Internet konnte ich zu seiner Aussage nur soviel entnehmen:
          Zunächst BILD-Völkerling, der mit Vorsicht zu genießen ist:

          Nach dem Aufbau des nachfolgenden Artikels müßte es sich bei dem „anderen“ Ermittler um Walter H. gehandelt haben:

          Ein anderer Ermittler sagte dem Gericht am Dienstag: „Dem Gedächtnisprotokoll habe ich keine große Bedeutung zugemessen. Als Mordermittler brauche ich Sachbeweise, brauche ich eine Leiche.“

          http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/oberpfalz-bayern/artikel/peggy-viele-gestaendnisse-viele-zweifel/1048382/peggy-viele-gestaendnisse-viele-zweifel.html#1048382

          In einem Update des Holzhaider-Artikels in der SÜDDEUTSCHE von heute heißt es:

          Es könnte also durchaus sein, dass das Geständnis, das zu Ulvi K.s Verurteilung führte, aus einer Kombination aus Vorgaben durch die Vernehmungsbeamten und K.s Erinnerungen an andere, ähnliche Situationen entstand. Der zweite Beamte, der am Dienstag aussagte, widersprach dieser Vermutung allerdings. Sie seien schon auf der Treppe gewesen, als er Ulvi K. gefragt habe, ob er die Wahrheit gesagt habe. Ulvi K. habe verneint, dann habe er ihm spontan von der Tötung Peggys erzählt. Beim Geständnis habe er Ulvi K. keine Vorhalte gemacht, sagte der Polizist, sondern habe ihn frei reden lassen.

          http://www.sueddeutsche.de/bayern/wiederaufnahme-im-fall-peggy-neue-zweifel-am-gestaendnis-von-ulvi-k-1.1937935

          Und Otto Lapp hat mal wieder einen Bezahlartikel:

          15.04.2014 15:56 Uhr
          Fall Peggy: Der Mann, dem Ulvi den Mord gestand
          Von Otto Lapp
          BAYREUTH. Er war der Polizist, bei dem Ulvi gestand, die neunjährige Peggy ermordet zu haben. Er war der Polizist, den Ulvi lange aus seiner Heimatstadt Lichtenberg kannte. Und er ist der Polizist, der deswegen schon immer im Kreuzfeuer des Ulvi-Unterstützerkreises stand. Walter H. (68) sagte vor Gericht, Ulvi nicht gedroht zu haben. Auch nicht mit dem Entzug der Freundschaft.

          http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/fall-peggy-der-mann-dem-ulvi-den-mord-gestand_249072

          Das ist alles ein wenig mager…

        • Ja, ich war dort.
          Der Mordermittler, welcher Sachbeweise braucht, ist der Zeuge Greger aus München.
          Er hat heute Nachmittag als zweiter ausgesagt.
          Am Anfang war er recht cool, hat sich sogar einen Becher zum Trinken mitgebracht. Im Verlauf hat er dann geschwächelt, und in einer Pause Unterstützung beim Staatsanwalt gesucht.
          Er hat Protokolle unterzeichnet, welcher er nur zu einem geringen Bruchteil selbst verfasst hat, er kann somit wenig dazu sagen.
          Es waren die Kollegen, welche genau weiß er nicht.

        • Danke auch für die Ergänzung.
          Mir liegt jetzt auch der Artikel von Otto Lapp vor. Nicht weiter erstaunlich, aber natürlich gibt es keinen Hinweis darauf, daß er letztlich abschwächend gemeint hat, er könne sich an den angedrohten „Liebesentzug“ nicht mehr erinnern, es fehlt die Geschichte mit dem Pistolefuchteln in der Kneipe und bei Wiedergabe des Geständnisses wird der Teil weggelassen, der sich sogleich als falsch herausgestellt hat, nämlich die gemeinsame Leichenverbringung mit einem Kumpel im Wald bei Schwarzenstein.

          Falls das, was Lapp als Zeugenaussage von Walter H. wiedergibt, so auch im „Gedächtnisprotokoll“ steht, dann ist es in den nachfolgenden Vernehmungen im Juli und bei der Videorekonstruktion vom 30.7.2002 jedenfalls nicht gelungen, ihn das reproduzieren zu lassen: denn danach sagte Peggy zwei Mal zu ihm, ein Mal nach dem ersten Hinfallen und ein Mal kurz vor dem Erstickungsakt: „Ich verrate dich!“
          Noch interessanter ist, was Ulvi Kulac dazu gesagt hat, was sie denn verraten könne. Nicht etwa einen sexuellen Mißbrauch vom 3.5.2001…

          Otto Lapp:

          Er wollte sich entschuldigen, die Peggy reißt aus, als sie ihn sah und rannte Richtung Park. Ulvi hat mehrere Male gerufen, ich will mich doch bei dir entschuldigen.“Dann hat die Peggy das Knie hochgezogen und ihn in seine Weichteile getreten. Ulvi lässt Peggy los und sie läuft schreiend weiter. „Ich verrate dich.“ Es war die Stelle schon unterhalb der Burgmauer. Der Ulf hatte Angst gehabt, dass er entdeckt wird, weil er Angst gehabt hat, dass er entdeckt wird, weil da oben die Mitarbeiter vom Sportverein waren.“

          „Denn der Ulvi wusste, dass er das Verbot gehabt hatte, mit Kindern in den Wald zu gehen. Denn wenn die Eltern das rauskriegen, dann kriegt er Hausarrest. Wenn die es mitkriegen, bin ich der Angeschissene.“

          „Die Peggy konnte sich losreißen, dann ist sie nochmal hingefallen, dann konnte er sie überholen. Dann hat er sie überholt, dann war er vor ihr. Dann hat die Peggy geschrien: „Ich verrate dich.“

          Er soll sie also umgebracht haben, damit die Eltern nicht erfahren, daß er mit einem Kind im Wald gewesen war. Und die nicht vorhandenen Vereinsmitarbeiter hätten das den Eltern schließlich auch sagen können, weil sie ja wissen mußten, daß sie ihm das verboten hatten.
          Kein Wunder, daß dieses „Geständnis“ noch erheblich nachgebessert werden mußte.

          Was ich davon halten soll, weiß ich allerdings nicht:
          Otto Lapp:

          In der Zwischenzeit seien die anderen Beamten wieder gekommen. Auch der Rechtsanwalt sei dazugekommen.

          http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/fall-peggy-der-mann-dem-ulvi-den-mord-gestand_249072

          Letzteres ist auf jeden Fall falsch.

        • Nachzutragen bleibt, daß auch in einer späteren Vernehmung das angenommene Mord-Merkmal der Verdeckung einer Straftat (eine etwaige Tat des sexuellen Mißbrauchs von Peggy vom 3.5.2001) nicht herausgearbeitet werden konnte.
          Christoph Lemmer über die heutige Hauptverhandlung:

          Dann legt der Richter offene Widersprüche bloß, etwa den, der das angebliche Mordmotiv betrifft, also den Vorwurf, Ulvi habe Peggy vergewaltigt. Einerseits:
          Beisitzer zitiert wieder den Vernehmer: „Sie haben uns gesagt, Sie hätten Angst gehabt, dass die Peggy was erzählt und sie alt aussehen.“ Ulvi: „Ja!“
          Andererseits:
          Da ging es um die Frage, wie Ulvi Peggys Stiefvater erklären wollte, dass Peggy einen Kratzer an der Stirn habe. Ulvi erklärt: „Dass ich Sexverkehr mit ihr hatte, mich entschuldigen wollte und sie vor mir weggelaufen und gefallen ist.“
          Sagt das jemand, dem das Gericht später vorwirft, er habe Peggy ermordet, um eine Vergewaltigung zu verdecken?

          http://www.bitterlemmer.net/wp/2014/04/15/peggy-ulvi-lichtenberg-mord-wiederaufnahme-euler-kroeber-gestaendnis-soko-geier/

          Und dann kommt noch hinzu, daß die Aussage, Ulvi Kulac habe Angst vor einem Verrat von Peggy gehabt, gar nicht von ihm, sondern von einem Vernehmer stammt.

          Mehrmals habe Ulvi K. Vermutungen von Vernehmungsbeamten in seine Aussagen übernommen. Ein Beispiel:
          Polizist: „Haben Sie vielleicht Angst gehabt, was passiert, wenn die Peggy heimkommt und blutet, dass sie dann vielleicht alles erzählt?“
          Ulvi K.: „Nein, ich habe keine Angst gehabt.“
          Danach 13 Minuten Pause.
          Polizist: „Sie haben vorhin gesagt, sie hätten Angst gehabt, dass Peggy was erzählt.“
          Ulvi K.: „Ja.“

          http://www.sueddeutsche.de/bayern/wiederaufnahme-im-fall-peggy-neue-zweifel-am-gestaendnis-von-ulvi-k-1.1937935

          Hinter all diesen Suggestionen, die das Geständnis geformt haben, das letztlich abgegeben wurde, um endlich Ruhe vor der Fragerei zu haben – der Wunsch, einen „Freund“ nicht zu verlieren, war letztlich nur das auslösende Moment – steckt: keine Wahrheit. Alle überprüfbaren Details erwiesen sich als falsch.
          Selbst das Motiv beruht auf wechselnden unüberprüfbaren Aussagen des Beschuldigten, die immer wieder nachgebessert werden mußten, bis sie paßten.

          Otto Lapp vertritt folgenden Standpunkt:
          Thema Fall Peggy: Nüchtern bleiben
          Von Otto Lapp

          Zwei Dinge nerven im Fall Peggy: Die Menschen, die den Fall ideologisch sehen, und die Menschen, die in Gerüchten schwelgen. Beide vergessen nämlich eins: die Fakten. Und davon gibt es leider nicht viele. Nur das: Am 7. Mai 2001 verschwand ein neunjähriges Mädchen. Am frühen Nachmittag, kurz nach der Schule, hat man sie gesichert noch gesehen.
          Die Ermittlungen leiden bis heute darunter, dass es keine verwertbaren Spuren gibt, die auf ein Gewaltverbrechen hinweisen. Und sie leiden darunter, dass es für den Tag von Peggys Verschwinden keine verlässlichen Zeugen gibt. Und das ist bis heute so. Selbst neueste Kriminaltechnik hilft nicht, wenn es keine Spuren gibt. Und die Angaben der Zeugen sind nach all den Jahren immer noch widersprüchlich. Ein ideales Betätigungsfeld also für Hobby-Verschwörungstheoretiker, Schuld-Zuschieber und Gerüchte-Köche. Denen möchte man zurufen: Schweigt endlich! Denn auch ihr habt keine Beweise.
          […]

          http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/thema-fall-peggy-nuechtern-bleiben_236630

          Es ist nämlich so: wenn weder Ermittlungsbehörden & Gericht noch Kritiker wissen, was geschehen ist, dann dürfen sich lediglich erstere ein (unzulängliches) Urteil erlauben, und mag es auch auf lebenslang lauten.
          Zu den berechtigten Verurteilern gehört natürlich auch der von der Staatsanwaltschaft engagierte Prof. Kröber…
          Eben habe ich von einer Leserin des Nordbayerischen Kuriers erfahren, daß dort vor Beginn der Hauptverhandlung gemeldet wurde, daß der Redaktion das Kröber-Gutachten vorliege.

          Das waren noch Zeiten, als die ZEIT für den Gutachter Kröber auf- und einstand, der unleugbar seine Meriten hat. Aber eben auch einen Keller mit Leichen. Es dürfte der nunmehr in die Chefredaktion aufgestiegene Kröber-Weggefährtin Sabine Rückert zu verdanken sein, daß die ZEIT sich entschlossen hat, über den Wiederaufnahmefall Peggy nicht zu berichten. Kröber kann nur noch durch Lapp verteidigt werden; selbst Lakotta würde sich dafür nicht bereitfinden…

        • Erstens: Ich glaube schon, dass Lakotta sich bereitfinden würde, wenn sie denn gefragt wäre. Zweitens. Kröber könnte versuchen, einen zweiten Band von „Mord. Geschichten aus der Wirklichkeit“ zu schreiben. Gibt bestimmt genug Leute, die so was lesen wollen. Also alles in allem gar nicht so dramatisch.

        • Aber ob Rowohlt da mitspielen würde?

          Der Band „Mord. Geschichten aus der Wirklichkeit“ von 2012 war nun nicht gerade ein Renner, literarisch (bis auf die letzte Geschichte) ein Flop und psychiatrisch absolut an der Oberfläche kreisend, wobei allzu oft eine arrogante Deutungshoheit durchbrach, eine Verachtung unterer Schichten sowieso – das Beklemmende ist, daß er mit diesem ausbeuterischem semifiktionalen Werk ein Selbstporträt abgibt, das er nun präzise bestätigt.
          Ihn zeichnet eine Oberflächlichkeit aus, die mit Wortschall die fehlende Arbeit am Stoff überspielt. Auf literarischem Gebiet scheitert man damit noch offensichtlicher als auf psychiatrischem, das ja mit naturwissenschaftlicher Medizin wenig zu tun hat. Und wenn sich dann ein Psychiater auch noch unzuständigerweise auf das Gebiet der Aussagepsychologie und der Vernehmungstechnik versteigt, von der er absolut nichts versteht, ja, die er nicht einmal untersucht: dann denke ich doch, daß die Entzauberung bereits jetzt komplett ist.

          Sollte das Gericht nicht noch eine salomonische Lösung finden, so wird Kröbers Auftritt am 6.5.2014 in einer Selbstdemontage enden.

          Mir wurde vorhin der Scan eines undatierten, aber vor Prozeßbeginn veröffentlichten Artikels im Nordbayerischen Kurier zugemailt.

          Justiz: Vorwürfe gegen Ulvi-Richter falsch
          Auch der Prozessgutachter bestätigt: Keine Beeinflussung durch Gerichtsvorsitzenden
          Bayreuth
          Von Manfred Scherer und Otto Lapp
          […]
          Kröber sagte, er habe Eckstein niemals Zusagen gemacht und belegt das mit einem Brief vom 25. Februar, der unserer Zeitung vorliegt. Darin hatte er Eckstein verwundert gefragt, wie Lemmer zu seinen angeblichen Erkenntnissen gekommen sei. Lemmer hatte Kröber am 24. Februar eine Mail geschrieben, in der er von der angeblichen telefonischen Diskussion gehört haben will. Kröber antwortete nicht, sondern schrieb gleich einen empörten Brief an den Richter. „Alles, was der Journalist gefragt und unterstellt hat, war falsch“, sagte Kröber und bestätigt Angaben von Justizsprecher Goger, wonach dem Gutachter weder die Verfahrensakten noch der Wiederaufnahmebeschluss vorgelegen habe.
          Tatsächlich ist Kröber in seinem neuen Gutachten, das unserer Zeitung vorliegt, zum gleichen Ergebnis gekommen wie im Jahr 2004.

          Ja, so ist das, wenn einen nur noch eine Provinzzeitung verteidigt. Daß Kröber keine Aktenkenntnis hatte, weder damals noch heute, sollte auf ihn zurückfallen. Üblicherweise besteht man auf Tatsachengrundlagen für Gutachten. Daß er nicht einmal die wenigen Akten auswertete, die ihm zur Verfügung standen (im Fall Mollath wie im Fall Kulac), ist allerdings sein ureigenes Problem.

        • Es sieht so aus, als sei die Kammer in Sachen Aussagepsychologie deutlich sachkundiger als der Sachverständige. Offenbar wird erstmals die Entstehungsgeschichte des Geständnisses gründlich hinterfragt, was bereits 2002 zwingend hätte geschehen müssen.

          Schon das, was bislang aus den gerichtlichen Befragungen der Vernehmer im WA-Verfahren bekannt geworden ist, würde jeden kompetenten Aussagepsychologen zu dem Schluss bringen, dass die Nullhypothese nicht zu widerlegen ist. Die Angaben Kulacs sind so derartig kontaminiert durch suggestive Befragungselemente, dass sie für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit schlicht kein brauchbares Analysematerial darstellen.

          Der Drops ist gelutscht.

        • Das sehe ich genauso.

          M.E. erscheint es am günstigsten, wenn alle Prozeßbeteiligten auf die neue Stellungnahme zu Kröbers altem Gutachten verzichten, weil diese selber – anders als der Psychiater – über die erforderliche aussagepsychologische Sachkunde verfügen und weil der Teil über die Aussagetüchtigkeit kompetenter und mit besserer Datenlage von Prof. Nedopil behandelt worden ist. Danach sollte man ihn nur noch als Zeugen darüber vernehmen, wie es nach den ersten beiden Explorationen im August 2002 plötzlich zu einer Auftragserweiterung durch die Staatsanwaltschaft gekommen ist (nunmehr auch aussagepsychologische Begutachtung) und welche Kenntnisse er auf diesem Gebiet habe. Die Lektüre des BGH-Urteils von 1999 zu den Mindestanforderungen sowie des Steller-Gutachtens, das dieser Entscheidung zugrundelag, wie er es angegeben hat, wird wohl nicht ganz reichen. Und Besprechungen mit Herrn Steller auch nicht.

          Ich glaube aber, daß die Kammer mehr vorhat, als nur die Polizei- und Gutachterarbeit zu zertrümmern und eine in dubio-Entscheidung zu fällen. Ich zitiere aus dem Artikel „Der Pfadfinder im Indiziendschungel“ von Manfred Scherer in Nordbayerischen Kurier (Print) von heute (online nur als Bezahlartikel):

          Es wird ein großes Indiziengebäude. Noch wird daran gebaut, übrigens auch von den Staatsanwälten Sandra Staade und Daniel Götz, die mehrfach dezidiert davon sprechen, dass sie den Fall „aufklären“ wollen. Der Prozess wird am 5. Mai fortgesetzt, dann soll unter anderem der Chef der ersten Sonderkommission aussagen und auch der Ermittler, der jetzt, fast 13 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens, bei der Bayreuther Kripo die Ermittlungen gegen drei weitere Verdächtige leitet.

      • Ein pensionierter Polizeihauptmeister aus Lichtenberg hat der Behauptung widersprochen, dass er Ulvi K. unter Druck gesetzt habe, ein Geständnis abzulegen. Es sei nicht richtig, dass er gesagt habe, dass Ulvi die Wahrheit sagen solle, wenn er sein Freund bleiben wolle. Das könne schon deshalb nicht so sein, weil er mit dem Wort „Freund“ sehr vorsichtig umgehe. Nach der Vernehmung am 2. Juli 2002 habe er Ulvi K. auf der Außentreppe der Polizeidirektion Bayreuth nur gefragt: „Hast du wirklich die Wahrheit gesagt?“ Da habe dieser den Kopf schräg gelegt und gesagt: „Ich habe nicht die Wahrheit gesagt.“ Darauf habe er seinen Kollegen gerufen: „Rainer, da kommt noch etwas.“ Und man sei zurück ins Vernehmungszimmer. Dort habe Ulvi dann mit ihm allein gesprochen. Die übrigen Polizeibeamten hätten das Gespräch aus dem Nebenzimmer verfolgt. Ihm sei es nur darum gegangen den Redefluss zu erhalten. Auf Nachfrage von Verteidiger Michael Euler und des Gerichts musste der Polizeihauptmeister einräumen, dass er sich nicht mehr genau erinnern könne, ob er Ulvi den Entzug der Freundschaft androhte.

        Euler konfrontierte den 72-Jährigen mit einer weiteren, bizarren Episode: Er soll einem weiteren Zeugen, der im Verfahren noch nicht gehört wurde, noch vor dem Verschwinden in einem Lichtenberger Wirtshaus einmal im Rausch seine Dienstpistole an den Kopf gehalten und gesagt haben: „Wenn ich jetzt abdrücke hast du ein großes Loch im Kopf“. Dann sei noch eine Patrone aus der Waffe gefallen und der Polizist habe einen der Wirtshausbesucher aufgefordert, diese wieder aufzuheben. Der Zeuge konnte sich daran ebenfalls nicht erinnern. Offen blieb, welchen Bezug diese Episode zum Verschwinden von Peggy K.haben soll.

        http://www.np-coburg.de/regional/franken/schauplatzregionnp/Der-dritte-Prozesstag-im-Fall-Peggy;art83463,3280390

        • Schon richtig soweit, in den Augen des gebürtigen Lichtenbergers Walter H. war Ulivi natürlich kein Freund, so hat er sich ja letztendlich auch Ulvi gegenüber verhalten.
          Nur Ulvi glaubte wohl in seiner Naivität, einen Freund vor sich zu haben und diese Freundschaft erhalten zu müssen.
          Der Polizist Hennig nutzte dies gnadenlos aus, als er mit Ulvi allein auf der Treppe war.
          Im Übrigen läuft aktuell gegen diesen Polizisten ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage in Hof.
          In Bayreuth hat er heute dann gerade noch aus seinem „NEIN“ ein „JA“ gemacht, er lernt noch mit 72 Jahren.

        • @horst: Danke für die Informationen. Mit deren Interpretation wäre ich aber zurückhaltender:

          Im Übrigen läuft aktuell gegen diesen Polizisten ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage in Hof.
          In Bayreuth hat er heute dann gerade noch aus seinem “NEIN” ein “JA” gemacht, er lernt noch mit 72 Jahren.

          Es könnte auch sein, dass der Ex-Polizist in Hof richtig ausgesagt hatte, und das „Lernen“ in Bayreuth auf Druck etwa von Seiten anderer Polizisten beruht. Oder das Zögern auf die Zwickmühle wegen der Ermittlungen in Hof zurückzuführen ist. Irgendwie scheint dieser Ex-Polizist jedenfalls erhebliche Bedenken zu haben, einfach draufloszureden über das, was wirklich war.

          Andererseits: Man stelle sich vor, dieser Mann hätte heute – wie in Hof – tatsächlich ausgesagt, er wäre bei dem Geständnis nicht dabei gewesen. Was hätte das bedeutet?

          (Puh, also in der Haut dieses Mannes möchte ich nicht stecken! Seinen offenbar nicht sonderlich tollen Zustand deute ich aber so, dass er mit dem Geschehen und deswegen auch mit sich nicht im Reinen ist. Man kann ihm nur wünschen, dass er sich entscheidet, wirklich ehrlich und ohne Rücksicht auf etwaige Folgen zu dem zu stehen, was damals wirklich geschehen ist. Ich glaube, da haben wir das Ende der Übereinstimmung noch nicht erreicht.

          Er könnte sich etwa ein Beispiel an dem V-Mann der Polizei nehmen, der Ulvi Kulac zuerst belastet hatte und der dann unbedingt reinen Tisch machen wollte. Oder zumindest einen vertrauenswürdigen Priester aufsuchen und mit diesem durchsprechen, wie er vorgehen könnte. Warum nicht Anselm Grün oder vielleicht den Psychologen Wunnibald Müller von der Abtei Münsterschwarzach? Die haben Schweigepflicht, sind fit und nicht weit weg.

          Vielleicht hat er aber ja auch einen vertrauenswürdigen Anwalt – und keinen von einer vergleichbar unverträglichen Sorte, wie den, der den „Polizeispitzel“ Peter H., der Ulvi Kulac zuerst wahrheitswidrig belastet hatte, mit Verweis auf noch Nichtverjährung jahrelang davon abhielt, in mutiger, ehrenwerter und sehr anerkennenswerter Weise die Falsch¬beschuldigung einem Richter gegenüber einzuräumen. (http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/nz-news/fall-peggy-anwalt-im-zwielicht-1.3145601 )

          Solche Wahrhaftigkeit wünsche ich diesem Ex-Polizisten jedenfalls. Nicht dass er an deren Fehlen zugrunde geht. Denn die Gesamtsituation könnte für eine wahrhaftige Aussage nicht günstiger sein als aktuell – und wird es auch nicht mehr werden. Denn etwaige Falschaussagen damals wären heute wohl verjährt. Da bleibt ein Zeitfenster von vielleicht zwei bis drei Wochen. Mit Verkündung des Urteils wird es deutlich schwieriger werden. Denn eine Falschaussage im aktuellen Verfahren würde wohl ziemlich sicher bis zum Lebensende belastend sein und möglicherweise auch erhebliche straf- und zivilrechtliche Folgen nach sich ziehen. Das wäre dann ziemlich dumm, insbesondere weil man auch nicht wissen kann, was da im Verfahren noch alles aufkommt. Man kann jedenfalls nur hoffen, dass der Mann gut beraten ist. A. Hirsch bitte übernehmen Sie! 😉 )

          P.S.: Hat jemand noch den Überblick, wie viele der vernehmenden Polizisten jetzt schon zugegeben haben, das entscheidende Vernehmungsprotokoll unterschrieben zu haben, ohne das Geständnis (vollständig) mitbekommen zu haben? Waren es zwei oder schon drei? Wie viele hatten denn auf dem Protokoll überhaupt unterschrieben?

          P.S. II: Weiß jemand, ob es sich bei dem Anwalt, der die Berichtigung der Falschaussage des Belastungszeugen Peter H. um Jahre hinauszögerte (s.o), auch schon um den Anwalt Thomas Dolmany gehandelt hatte. Dieser war jedenfalls später – in die Polizei entlastender und dabei wiederum fragwürdiger Weise – für Peter H. tätig. (s. http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.lokales-mordfall-peggy-zeuge-hat-ulvis-gestaendnis-erfunden.c0b1ff36-138b-46a5-9adc-c117e442538c.presentation.print.v2.html )

        • Da die damalige HV gegen Kulac 2004 stattfand und dortige Falschaussagen also 2009 verjährt waren, verstehe ich Ihre Ausführungen zur Verjährung der Falschaussage „in Hof“ nicht; wann fand denn das Beleidigungsverfahren vor dem AG Hof statt, in dem er erklärt hatte, er habe an keiner Vernehmung von Kulac teilgenommen? Und wann wurde das Ermittlungsverfahren eingeleitet, das die Verjährung unterbricht?

          Das Gedächtnisprotokoll sollen außer ihm noch zwei Beamte unterschrieben haben, die aber bei Kulac‘ „Plausch“ mit dem guten Bekannten nicht von Anfang an dabei waren.
          Lemmer schildert es nach der gestrigen Hauptverhandlung so:

          Zuvor war es in der Verhandlung um die Umstände gegangen, unter denen Ulvi Kulac sein Geständnis ablegt. Der Zeuge schilderte einen Ablauf, der so noch nicht bekannt war und den im zweiten Verhandlungstag der Chef der zweiten Sonderkommission, Wolfgang Geier, und ein weiterer Vernehmer auch schon erzählt hatten. Er geht so:
          Ulvi Kulac sei regulär vernommen worden. Ein Geständnis habe es nicht gegeben. Dann war die Vernehmung zu Ende. Der Anwalt verabschiedet sich, die Kripoleute bauen ihre Aufnahmegeräte ab. Alle sind mehr oder weniger aufbruchbereit. Nur Ulvi Kulac, der sitzt da noch im Vernehmungszimmer, bei ihm der Lichtenberger Polizeibeamte Walter H.. H. gehört nicht zur Soko, er ist auch kein Kripo-Mann, sondern einer, der Kulac schon seit lange kennt und als Vertrauensfigur dabei war. H. und Kulac hätten dann „die Köpfe zusammengesteckt“. Er habe dazu zufällig aus dem Nebenzimmer mitbekommen, sagte einer der Kripo-Vernehmer, sich still in den Türrahmen gestellt und habe aus der Ferne gelauscht. Ein weiterer Soko-Mann will im Nebenzimmer mitgehört haben. Ein dritter, so sagte Geier aus, sei die Treppen heruntergerannt, um ihn zu suchen und habe dann gemeldet: „Er gesteht gerade“. Die ganze Zeit über habe sich niemand in den Plausch zwischen Kulac und dem Lichtenberger Polizisten eingemischt. Eine halbe Stunde habe das gedauert. Dann habe einer der Kripo-Leute „verschriftet“, was er da aufschnappte – das mittlerweile legendäre Gedächtnisprotokoll des Geständnis-Verhör entstand. Es unterschrieben zwei der Soko-Ermittler und der Lichtenberger Polizist H.
          Wie er dazu komme, dieses Protokoll zu unterschreiben, obwohl er nur einen Teil des Gesprächs mithören konnte, will Kulacs Anwalt Michael Euler wissen. Er habe immer[hin] „Mund und Nase zuhalten“ verstanden, antwortet der.
          Dann will der Anwalt wissen, wie die Soko den Wahrheitsgehalt des Geständnisses überprüfte, immerhin gab es darin ja objektiv nachprüfbare Aussagen. Er selber habe noch am selben Tag Ulrike S. festgenommen und verhört, antwortet der Beamte. Die hatte Ulvi Kulac in seinem Geständnis als Helferin genannt. Sie soll mit ihrem Freund und ihrem Auto gekommen sein, um Peggys Leiche abzutransportieren. Sie hatte aber ein Alibi und an diesem Tag war ihr Auto abgemeldet. „Das war bis zum Abend abgeklärt“, sagte der Zeuge.

          http://www.bitterlemmer.net/wp/2014/04/15/peggy-ulvi-lichtenberg-mord-wiederaufnahme-euler-kroeber-gestaendnis-soko-geier/

          Natürlich sollten die zwei zusätzlichen Unterschriften das Protokoll adeln. Der Lichtenberger Polizist Walter H. war kein Mitglied der Soko und in Hof nur mit Verwaltungsaufgaben betraut. Er ist, entsprechend dem schriftlichen Vernehmungskonzept von Horn, bewußt als Vertrauensperson für Kulac an diesen herangespielt worden. Die Fehler der Soko I wollten sie nicht wiederholen. Die Soko II hat es auf die weiche Tour versucht.

    • Von Bild und Otto Lapp verteidigt. Wem sonst noch alles Kröbers neues Gutachten vorliegt weis man nicht. Zitat aus der BILD
      “ Die Vorstellung, dass man einem nicht alkoholisierten Menschen einen Mord einrede, obwohl er zu diesem Zeitpunkt beim Holzhacken war, könne er sich nur als „Kino-Stoff“ vorstellen, sagte Kröber.“
      Könnte es sein, dass Kröber die Person Ulvi Kulac überhaupt nicht zu erfassen in der Lage ist? Kröber ist jetzt zweimal dabei erwischt worden, dass er entweder die ihm vorliegenden Akten nur sehr flüchtig, selektiert liest oder möglicherweise nicht den Inhalt zu erfassen in der Lage ist. Und der größte Witz für mich ist, dass Kröber selbst sehr leicht beeinflussbar scheint, dies aber nur von einer Seite, nämlich den „richtigen und wichtigen“ Leuten, Menschen mit Titel, Renommee und Namen, gutes Beispiel das Schreiben an Herrn Lemmer mit dem Seitenhieb über den unbekannten RA Euler. Dies ist ein offensichtlicher Charakterfehler und wird manchen Stellen nicht entgangen sein. O.g. Ausspruch in einem Interview mit Bild zeigt obendrein wenig Menschenkenntnis auf und es wundert mich dass Kröber so einen Ausspruch überhaupt getätigt hat.
      Was Kröbers neues Gutachten angeht kann ich mir trotz allem nicht vorstellen, dass er nicht die neuen Erkenntnisse und Beobachtungen der jetzigen Verhandlung einfließen lässt und dieses dann entsprechend anpasst. So b… kann er einfach nicht sein.

      • Der zitierte Satz von Kröber ist deshalb aufschlußreich, weil er wiederum belegt, daß Kröber nur oberflächliche Kenntnis des Falls besitzt. Ulvi Kulac hat bekanntlich kein Holz gehackt, sondern es geschichtet. Und sein fehlendes Vorstellungsvermögen beruht allein darauf, daß er sich mit dem Problemfeld „falsche Geständnisse“ noch nie beschäftigt hat, wobei hinzukommt, daß sein Vorstellungsvermögen, was geistige Behinderung bedeutet, auch nicht stark entwickelt ist.

        • Der Satz gegenüber BILD entlarvt Kröber vollends. Entgegen aller empirischer Erkenntnisse hält er es offenbar nicht für möglich, dass ein geistig Behinderter ohne Alkoholeinfluss einen Mord gesteht, den er nicht begangen hat. Was er sich vorstellen kann oder will, hat mit der Realität herzlich wenig zu tun. In Richtung der Realität erweitern könnte er seine Vorstellungskraft nicht nur durch Lektüre der Veröffentlichungen seiner Kollegen Volbert und Steller. Er muss auch keine Fortbildung bei Herrn Köhnken besuchen (obwohl sehr empfehlenswert). Einen kleinen Einblick in das Unvorstellbare könnte er sich zum Beispiel hier beschaffen:

          http://www.innocenceproject.org/understand/False-Confessions.php

          Das US-amerikanische Projekt hat durch nachträgliche DNA-Analysen bislang in mehreren 100 Fällen die Unschuld vormals Verurteilter bewiesen. In fast 25% der untersuchten Fälle hatten die Verurteilten im Verlauf des Verfahrens falsche Geständnisse abgelegt. Verschiedene Faktoren waren dafür jeweils mitverantwortlich, so u.a.:

          People with mental disabilities have often falsely confessed because they are tempted to accommodate and agree with authority figures. Further, many law enforcement interrogators are not given any special training on questioning suspects with mental disabilities. An impaired mental state due to mental illness, drugs or alcohol may also elicit false admissions of guilt.

          Wenn man sich nur ein klitzekleines bisschen in die Problematik der Suggestibilität einliest, weiß man, dass die Behinderung Kulacs schon für sich genommen für eine erhöhte Suggestibilität spricht – ähnlich wie bei kleinen Kindern. Dafür bedarf es keines Alkoholeinflusses. Eine fachgerechte Glaubhaftigkeitsanalyse ist deshalb ohne detaillierte Kenntnis über die Entstehung der Aussage schlicht nicht möglich. Wer das ignoriert, hat ganz offensichtlich keine ausreichende Sachkunde und darf sich kein Urteil erlauben.

        • Die erhöhte Suggestibilität, eine erhöhte Phantasietätigkeit und ein wesentlich niedrigerer IQ sind bei späteren, nach Kröbers Gutachten, durchgeführten Tests auch festgestellt worden, rechtzeitig vor der Hauptverhandlung. Kröber hat sich auch davon offensichtlich nicht beeindrucken lassen. So manch einer hat eben seine „unkorrigierbaren“ Überzeugungen.
          Da hilft auch keine Beratung durch Prof. Steller.

        • Man braucht gar nicht bis in die USA schauen – der Fall Rupp ist doch so nah und müsste selbst Kröber bekannt sein.
          Auch dort hätten doch alle Geständigen wissen müssen, ob sie Holzhacken waren oder gemordet haben. Und unter Alkoholeinfluss standen sie wohl auch nicht. Also Kino-Stoff ist das eher nicht.

          Ich schwanke bei Kröber immer ob er a) einfach nur gut bezahlte unausgesprochene Auftragsgutachten gemacht hat, oder b) ob er ein eitler Scharlatan ist oder, und das ist inzwischen meine eigentliche Vermutung, c) ob er selber in gewisser Weise beeinträchtigt ist.

          Seine in Interviews oder Mails selber zur Schau gestellte Sachunkenntnis, gepaart mit der Beharrlichkeit die Fakten zu verdrehen oder auszublenden, sind mir so weit von „normal“ entfernt, dass ich ihm inzwischen nicht nur den Experten nicht mehr abkaufe, sondern ernsthaft an seinem Verstand zweifle.

        • @arne
          …., hinzu kommt noch d) Berufskrankheit
          Herr Kröber unterscheidet sich von seinen im Fall Mollath bekannt gewordenen Kollegen durch seine Popularität, Ansehen, Position. Eine Koryphäe eben. Und Ich glaube nicht mal, dass Kröber ein besonders negatives Beispiel ist. Er steht nur jetzt stellvertretend in der Schusslinie, weil zufällig hier der Blitz zweimal trifft und er seinen Mund nicht halten will/kann.
          Lesen wir nochmal das Gutachten von Leipziger, aber vor allem die von Bahlig-Schmidt und Zappe. Bei letzteren wird trotz neuer Erkenntnisse weiter unverrückbar an der falschen Diagnose festgehalten. Pfäfflin verwarf sein ursprüngliches positives Gutachten und vertraute lieber brav seinen Kollegen.
          Im Fall Rupp war ja bekanntlich der gute Dr. Haderthauer involviert, der in diesem Fall auch ein einzigartiges Beispiel an Inkompetenz darstellt. Zieht hier jemand Konsequenzen? Nein, trotzdem werden alle weiter unbehelligt zur Gutachtenerstellung herangezogen.
          Was machen jahrelang unwidersprochene Diagnosen, fehlende außenstehende Kontrolle, Fehlgutachten, die keine beruflichen Konsequenzen nach sich ziehen, aus den sich unfehlbar gebenden Gutachtern, die sich auch nicht an Mindestanforderungen bei der Gutachtenerstellung halten, da Richter/Gerichte sich nicht interessieren? Da liegt der Hund begraben. Hierzu auch wieder Mollath: „Macht braucht Kontrolle, wirksame Kontrolle“.
          Bis heute ist außerdem von den vollmundigen Versprechungen der politischen Entscheider hinsichtlich mehr Kontrolle nach meiner Kenntnis Null und Nichts umgesetzt worden.

  4. Ein interessantes kurzes Interview mit der Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen vom SPIEGEL.
    Am Schluss ist die Bemerkung zu den beiden (?) Psychologen und deren Fachkunde sehr interessant. Was auch ein Licht darauf wirft, dass das Gericht Kröber wieder für ein „Glaubwürdigkeitsgutachten heran gezogen hat:
    Radio Euroherz Reporterin Nicole Enders im Gespräch mit der Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen (<– Link!)

    Mir gefällt es, dass das "Radio Euroherz" so am Ball bleibt.

      • 15. April 2014 15:24

        Wiederaufnahme im Fall Peggy Neue Zweifel am Geständnis von Ulvi K.

        Kam das Geständnis im Fall Peggy durch Vorgaben der Ermittler zustande? Im Wiederaufnahmeverfahren sagt ein Polizeibeamter als Zeuge aus – und macht deutlich, dass die Ermittler das Aussageverhalten des geistig behinderten Ulvi K. wohl gesteuert haben.
        Von Hans Holzhaider, Bayreuth

        […]

        Vor dem Landgericht Bayreuth liest der Richter Passagen aus alten Verhörprotokollen vor: Einer der Ermittler habe sich an Ulvi K. gewandt und ihm erzählt, „was ich an Ihrer Stelle in dieser Situation gemacht hätte“. Mehrmals habe Ulvi K. Vermutungen von Vernehmungsbeamten in seine Aussagen übernommen. Ein Beispiel:
        Polizist: „Haben Sie vielleicht Angst gehabt, was passiert, wenn die Peggy heimkommt und blutet, dass sie dann vielleicht alles erzählt?“
        Ulvi K.: „Nein, ich habe keine Angst gehabt.“
        Danach 13 Minuten Pause.
        Polizist: „Sie haben vorhin gesagt, sie hätten Angst gehabt, dass Peggy was erzählt.“
        Ulvi K.: „Ja.“
        Ulvi K. sei am Anfang sehr unsicher gewesen, sagt der Beamte im Zeugenstand. „Er hat uns dann immer lang angeschaut, als ob er auf eine Reaktion wartet, ob wir nicken oder nicht.“ Es wird an diesem dritten Prozesstag ziemlich deutlich, dass der Vernehmungsbeamte das Aussageverhalten von Ulvi K. durch eigenen Vorgaben gesteuert hat. Der Richter arbeitet auch heraus, dass verschiedene Elemente in dem Geständnis Vorbilder aus früheren Vernehmungen haben – so hatte Ulvi K. schon einmal in einem anderen Zusammenhang von einem Sturz Peggys berichtet.

        Es könnte also durchaus sein, dass das Geständnis, das zu Ulvi K.s Verurteilung führte, aus einer Kombination aus Vorgaben durch die Vernehmungsbeamten und K.s Erinnerungen an andere, ähnliche Situationen entstand.
        […]

        http://www.sueddeutsche.de/bayern/wiederaufnahme-im-fall-peggy-neue-zweifel-am-gestaendnis-von-ulvi-k-1.1937935

        Da Kröber 3 Bände mit Vernehmungen des Herrn Kulac vorlagen, hätte eine bloße Aktenauswertung schon gereicht, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Offensichtlich hat er sich diese Akten nicht angesehen, sondern sich auf die Vermerke von Geier verlassen, wonach Ulvi Kulac als Täter überführt worden sei.

  5. Landgericht Bayreuth Fall Peggy: Gutachter Kröber befangen?
    Helmut Reister, 15.04.2014 07:00 Uhr

    Der Berliner Psychiater und Gutachter Hans Ludwig Kröber ist bereits durch die Fälle Mollath und Kachelmann in Erscheinung getreten. Im Fall Peggy werden Vorwürfe lauter, Kröber sei nicht unvoreingenommen.

    Bayreuth – Schon wieder gibt es Wirbel um den Berliner Psychiater Hans Ludwig Kröber (62), der im Fall Peggy eine entscheidende Rolle spielt. Am heutigen Dienstag soll er den Terminplanungen zufolge im Wiederaufnahmeprozess sein Gutachten über die Glaubwürdigkeit des geistig behinderten Ulvi Kulac (37) darlegen. Die Frage ist: Ist Kröber befangen?
    Am Wochenende kursierte in den sozialen Medien, zum Beispiel auf Facebook, ein Schreiben, das Zweifel an der Unvoreingenommenheit des gerichtlich bestellten Gutachters aufkommen lässt. So sieht es jedenfalls der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler, der Ulvi Kulac in dem gerade laufenden Prozess vor dem Bayreuther Landgericht vertritt. „Ich ziehe einen Befangenheitsantrag gegen den Gutachter in Betracht“, erklärte er keine 24 Stunden vor der Fortsetzung der Verhandlung.
    Der Buchautor Christoph Lemmer, der intensive Recherchen in dem Fall um das spurlos verschwundene Mädchen angestellt hat, bestätigt die Authentizität des Facebook-Postings. Es handle sich dabei um eine Mail, die ihm Professor Kröber geschickt habe. Darin heißt es unter anderem: „Die Verschwörungstheoretiker verschweigen übrigens alle, dass Ulvi unstreitig Peggy am Donnerstag vor der Tat am Montag massiv vergewaltigt hatte….“
    Rechtsanwalt Euler hält eine derartige Einlassung des Gutachters für sehr bedenklich: „Objektiv gibt es keinerlei Indizien oder Beweise, die eine Vergewaltigung belegen. Nur das Geständnis eines geistig Behinderten, der viel erzählt hat, was sich hinterher als falsch herausgestellt hat.“
    […]
    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.landgericht-bayreuth-fall-peggy-gutachter-kroeber-befangen.2c31a5d2-8a45-49ee-aa41-54417eac40dd.html

    Nunja, das Schreiben Kröbers an Lemmer wurde bereits im Dezember 2013 veröffentlicht…

    • @gabrielewolff

      Nunja, das Schreiben Kröbers an Lemmer wurde bereits im Dezember 2013 veröffentlicht…

      Das nötigt RA Euler aber nicht zur Eile. Ablehnungsanträge gegen Sachverständige können ja noch bis zum Beginn der Urteilsverkündung gestellt werden.

      • von Carolin Muenzel / MAIN-POST 11:13
        Polizeihauptkommissar Roman M. war gerade im Zeugenstand. Er sagte, dass Ulvi K. bei den Vernehmungen auf ihn durchaus den Eindruck machte, als Liese er sich von dem was die Beamten sagten, beeinflussen.

        von Carolin Muenzel / MAIN-POST 11:15
        „Wir wollten vermeiden, ihm etwas zu suggerieren“, so M. Denn wenn Ulvi K. Sich an etwas nicht mehr habe erinnern können, habe er Aussagen der Beamten aufgegriffen.

        von Carolin Muenzel / MAIN-POST 11:17
        M. war einer der beiden Beamten, vor denen Ulvi K. NICHT gestanden hatte. Erst als diese das Behörden schon beendet hatten offenbarte er sich den Polizisten K. und H. „Ich habe mich schon gefragt, wie kommt es jetzt dazu? Warum sagt er das plötzlich“, erinnert sich M. am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth.

        von Carolin Muenzel / MAIN-POST 11:20
        Exkurs: Bei der Vernehmung von Ulvi K. am 2.7.2002 waren vier Polizeibeamte und Chef-Ermittler Wolfgang Geier anwesend. Die Beamten M. und R. Befragten Ulvi K. zuerst. Ihnen gestand er den Mord nicht. Das Verhör wurde abgebrochen, die Beamten K. und H. sollten Ulvi K. Zurück ins Bezirkskrankenhaus bringen. Ihnen öffnete er sich plötzlich – ohne Anwalt und ohne Tonband (das war bereits abgebaut worden). Erst im Verlauf des Geständnisses kamen Geier, M. und R. wieder dazu.

        von Carolin Muenzel / MAIN-POST 11:25
        Beisitzender Richter Jochen Götz befragte den Zeugen M. in inzwischen schon gewohnter Manier – intensiv und detailreich.

        von Carolin Muenzel / MAIN-POST12:49
        Interessant war vor der Pause noch die Äußerung des Zeugen Roman M. Er hatte angegeben, dass er sich nicht erinnern könne, das der damalige Anwalt von Ulvi K., Wolfgang S., bei Verhören jemals laut geworden sei. Damit widersprach er Chef-Ermittler Wolfgang Geier. Der hatte am Freitag ausgesagt: „wenn einer Laut geworden ist, dann der Anwalt von Herrn K.“

        http://live.mainpost.de/Event/Drama_um_ein_getotetes_Kind_Fall_Peggy_wird_wieder_aufgerollt

        • Der dritte Prozesstag im Fall Peggy
          Am dritten Verhandlungstag hört das Landgericht Bayreuth Vernehmungsbeamte und Professor Kröber. Es geht um die Glaubhaftigkeit des widerrufenen Geständnisses von Ulvi K. Joachim Dankbar berichtet aus dem Gerichtssaal.

          12 Uhr:

          Ein ehemaliger Vernehmungsbeamter hat energisch den Vorwurf von sich gewiesen, Ulvis Geständnis könnte mit psychischem oder körperlichem Duck gewonnen worden sein. Verteidiger Michael Euler hatte am ersten Verhandlungstag sogar von Folter gesprochen. Richtig sei genau das Gegenteil: „Wir waren bemüht um die angenehmste Situation, die es gibt“ sagte der Polizeihauptkommissar. „Wir wussten ja, dass er nichts mehr sagen würde, wenn wir laut werden.“ Zudem sei der Verteidiger Ulvis während der gesamten Vernehmung anwesend gewesen. Ulvi K. habe aber gesagt, dass bei früheren Vernehmungen angeschrien worden sei.
          Der Zeuge räumte ein, dass auch die vernehmenden Beamten immer wieder Zweifel gekommen seien. „Der Angeschuldigte hatte die Tendenz, unsere Erwartungshaltungen zu erfüllen.“ Einige Details des gestandenen Tatablaufs beruhten auf Vorhalten der Beamten.
          Das Geständnis sei im übrigen nicht deshalb nicht auf Tonband aufgezeichnet, weil dieses kaputt war, sondern weil die Anlage schon abgebaut war. Schließlich sei die Vernehmung schon abgeschlossen gewesen. Vom Geständnis sei man am 2. Mai 2002 regelrecht überrascht worden.

          http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Der-dritte-Prozesstag-im-Fall-Peggy;art2388,3280365

          Tja. Bislang kein Bericht über die Tathergangshypothese – aber „Erwartungshaltungen“ und „Vorhalte“ geben einen kleinen Fingerzeig.

        • Vielleicht ist das Kröber-Gutachten nur ein Ausdruck des bayerischen Diskriminierungsverbots: Auch geistig Behinderte sollen das Recht haben, zu Unrecht verurteilt zu werden, ohne Wenn und Aber.

        • Ja, bei Lemmer kann man en détail nachlesen, wie da vorgegangen wurde…

          Ob Kröber sich wenigstens unter dem Eindruck der Hauptverhandlung der Realität stellt?

          Bereits im Prozess 2004 hatte Kröber die damals schon widerrufenen Geständnisse von Ulvi K. „glaubwürdig“ genannt. In einem BILD vorliegenden neuen Gutachten für das Wiederaufnahmeverfahren wiederholt der Charité-Professor diese Einschätzung.

          Laut Michael Euler (32), Anwalt von Ulvi K., entspricht das Geständnis vom 2. Juli 2002 exakt einer „Tathergangs-Hypothese“ der Kripo, sein Mandant habe nur die Erwartungshaltung seiner Vernehmer befriedigt.
          Kröber, der noch am heutigen Prozesstag aussagen soll, wischt diesen Einwand beiseite: Die vielen blumigen Details des Geständnisses hätten Ulvi K. nicht suggeriert werden können.
          Ulvi K., sagt Kröber, berichte sehr anschaulich von einem Stein, über den Peggy gestolpert sei, und von ihrem Schulranzen, der beim Sturz über den Kopf des Mädchens nach vorn geflogen sei. Die Vorstellung, dass man einem nicht alkoholisierten Menschen einen Mord einrede, obwohl er zu diesem Zeitpunkt beim Holzhacken war, könne er sich nur als „Kino-Stoff“ vorstellen, sagte Kröber.

          http://www.bild.de/news/inland/prozess/peggy-gutachter-haelt-ulvi-fuer-schuldig-35526540.bild.html

          Leider scheint der als Vertrauensperson zugespielte Polizeibeamte Walter H. (Bin nicht mehr Dein Freund“) aus Lichtenberg, der das Geständnis erwirkte, als Zeuge auszufallen:

        • Vermutlich hat er nur die Frage nicht verstanden, weil sie der Anwalt im Juristendeutsch gestellt hat. Da verstehe ich meistens auch nur Bahnhof.

    • A. Hirsch

      Ich bin kein Jurist, wie sie wissen.

      Der Entscheidung des BGH kann ich nicht entnehmen, dass vorher ein strafrechtliches Urteil gegen den Arzt erfolgt ist.

      Dann dürfte es anderst aussehen, nehme ich an. Prof. Dr. Kröber ist für meine bescheidenen Kenntnisse noch lange nicht aus dem Schneider.

      Robert Stegmann

      • @ Robert Stegmann

        Ob jemand schon strafrechtlich verurteilt wurde, spielt für die Frage, ob eine zivilrechtliche Anspruchsgrundlage einschlägig ist, sicher keine Rolle. Ich gebe aber zu, dass ich in Sachen Amtshaftung nicht besonders viel weiß. Zum Beispiel weiß ich nicht, ob der Staat, wenn er vorrangig haftet, beim fehlerhaft arbeitenden Sachverständigen hinterher Regress nehmen kann. Ich wollte Monsieur ja auch nur eine kleine goldene Brücke bauen.. 😉

        • Aus dem BGH-Urteil geht klar hervor, daß der beklagte Rechtsmediziner nicht strafrechtlich verurteilt worden war: welchem Mediziner kann bei einem Fehlgutachten schon Vorsatz nachgewiesen werden?
          Der Rechtsmediziner in diesem Fall war einer grob fahrlässigen Falschbegutachtung schuldig, was einen Chefarzt kurzzeitig hinter Gitter brachte.

          Ich bin ebenfalls keine Expertin im Staatshaftungsrecht: aber ich glaube nicht, daß Prof. Kröber unter Berufung auf dieses Urteil einer persönlichen Haftung entgehen kann. Denn anders als die Obduktion einschließlich der anschließenden toxikologischen Gutachten sind Gutachten zur Aussagetüchtigkeit und zur Glaubhaftigkeit keine hoheitlichen Aufgaben.

          Er befindet sich vielmehr in der Gesellschaft von Prof. Dr. Möller von der Uni München, der in dem bekannten Teppichhändlerfall persönlich haftete. Sehr zum Leidwesen des Klägers.

          @ A. Hirsch:

          Ich denke, daß Prof. Kröber eine auskömmliche Haftpflichtversicherung hat und daß ihn Schadensersatzforderungen, egal, ob direkt in Anspruch genommen oder per Regreß des Staates, nicht weiter interessieren.
          Sein Problem liegt auf der persönlichen Ebene. Wenn diejenigen, die ein fragwürdiges Urteil angreifen, das schließlich sogar von der Justiz gekippt wird, Verschwörungstheoretiker sind, dann sagt das etwas über sein Sebstbild aus. Alle Zeugen, die zur Verurteilung beigetragen haben, werden jetzt erstmals superkritisch befragt. Sie alle haben ein Bedürfnis nach Rechtfertigung, Kröber eingeschlossen. Da wird niemand Fehler zugeben, weshalb es auch sehr interessant sein wird, den damaligen Verteidiger zu hören, der alles das, was Geier zur Selbstentlastung gegen ihn vorbrachte, bestreiten wird.
          Schließlich ist es realistischer, daß die Polizei seinen Urlaub bewußt ausnutzte. Machen wir uns nichts vor.

        • @gabrielewolff

          Naja, der Teppichsachverständige Möller war doch, ähnlich wie Frau Krach aus Erlangen im Fall Mollath, privat herangezogen worden. Kröber wurde, wie der Obduzent in der aktuellen BGH-Entscheidung, von der Staatsanwaltschaft beauftragt. Ich wäre mir nicht so sicher, dass das keine „hoheitliche Tätigkeit“ i.S.d. BGH war.

          Aber Sie haben natürlich Recht, das Geld ist sicher im Moment zweitrangig. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Kröber überzeugt davon ist, in eine Verschwörung geraten zu sein.

        • Ich streite mich höchst ungern mit Ihnen, haben Sie doch öfter recht als ich und bereichern mich immer wieder: aber Schuldfähigkeits-, Aussagetüchtigkeits- und Glaubwürdigkeitsgutachten sind, anders als Obduktionen, keine originär hoheitlichen Aufgaben, weil sie von jedem privaten Gutachter auch erfüllt werden können.

          Der BGH hat lediglich klargestellt, daß es in diesem Fall der hoheitlichen Aufgabe nicht darauf ankommt, ob die StA oder das Gericht den Auftrag erteilt.

          Im übrigen sind wir uns einig: Kröber wähnt sich im falschen Film. Er war von Geier instruiert worden, wie er die ihm unbekannten Ermittlungsakten zu werten habe, um die drei Aktenordner mit Kulac-Vernehmungen kümmerte er sich nicht; ihm lag nur ein Video der beiden desaströsen Videos vom 2.7.2002 vor, und das auch noch mit Bildausfall. Er kam, da er keine Aussagepsychologe ist, noch nicht einmal auf den Gedanken, die Aussageentwicklung seit Einwirkung der Soko II am 24.6.2002 zu verfolgen, und schon gar nicht kam er auf den Gedanken, die polizeiliche Vernehmungstechnik zu evaluieren. Die hat er schließlich selbst übernommen. Ohne seine suggestive Nachhilfe wäre Kulac nie in der Lage gewesen, eine annähernde Wiedergabe des Inhalts seiner diversen polizeilichen Geständnisse zu liefern, die er nur einen Monat zuvor abgeliefert hatte.

          Dieser Polizei-Persilschein-Gutachter ist erledigt, und irgendwann wird er es kapieren, daß er unwissenschaftlich vorgegangen ist. Vielleicht bringt Prof. Max Steller es ihm irgendwann bei, daß er von Aussagepsychologie keine Ahnung hat, und von dem Spezialgebiet „Vernehmung“ schon mal gar keine.

          Im aktuellen Verfahren spielt er keine Rolle mehr. Geständnisevaluationen haben keinen Wert, wenn die Fakten gegen eine Täterschaft des Angeklagten sprechen.

        • Damit dieser Link inbezug „Möller-Gutachten“ von Kröber nicht verloren geht: http://www.chillingeffects.de/moeller.pdf „In einem Rechtsstaat wäre es anders“ – „Keine Diagnose ohne Exploration“ – „So ist z.B. bekannt, daß Hans-Ludwig Kröber für ein Gericht ein „Möller-Gutachten“ erstellen durfte, und zwar über Gustl Mollath, obwohl Prof. Dr. Kröber den Herrn Mollath niemals zuvor psychiatrisch exploriert hatte. In einem Rechtsstaat wäre es anders“. Und wie wird Kröbers Rolle im Fall Peggy entwickeln?

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