Ukraine – quo vadis?

Glanz und Gloria

Fortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/02/ukraine-vermischte-nachrichten/

Es ist nicht mehr zu leugnen: in der Ukraine herrscht ein Bürgerkrieg zwischen dem Westen und dem Südosten, der sich seit der Wahl von Poroschenko zum Präsidenten der Ukraine am 25.5.2014 rasant ausgeweitet hat und auf die Zivilbevölkerung nicht die geringste Rücksicht nimmt.

Auch auf Journalisten nicht:

18.6.2014

Mehrere russische Fernsehjournalisten gerieten am Dienstag beim Lugansker Vorort Metallist an einer Straßensperre der Rebellen unter Granatfeuer. Der Korrespondent Igor Korneljuk und der Videotechniker Anton Woloschin kamen dabei ums Leben. Beide, heißt es, trugen Helme und Westen mit der Aufschrift TV. Der ukrainische UN-Botschafter Juri Sergejew behauptete aber, die Opfer seien nicht als Reporter zu erkennen gewesen.
[…]

Kremlchef Wladimir Putin forderte bei einem Telefonat mit seinem ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko eine Aufklärung des Vorfalls. […] Der ukrainische Außenminister Andrej Deschtschiza bedauerte den Tod der Reporter, der wohl von den Sicherheitskräften verursacht worden war. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates forderten eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls.

[…]

Bereits Ende Mai starben unweit der Separatistenhochburg Slawjansk der italienische Fotoreporter Andrea Rocchelli und sein russischer Übersetzer Andrei Mironow – ebenfalls durch Granatfeuer.

Außerdem nahmen beide Seiten immer wieder Journalisten gefangen. So gerieten Mitte Mai zwei Reporter eines Kreml-nahen Senders in die Hände der Ukrainer. Ebenso wie zwei Fernsehjournalisten des russischen Militärsenders Swesda am vergangenen Wochenende wurden sie bald wieder freigelassen. Russischen Medien berichten über Lösegeldforderungen und Folter.
Gezieltes Feuer auf Presseleute?

Auch die Separatisten machen Jagd auf Journalisten. In den besetzten Amtsgebäuden von Donezk und Lugansk hängen Steckbriefe des „prowestlichen“ russischen Reporters Andrei Babtschenko. Wiederholt gerieten ukrainische und ausländische Korrespondenten in den berüchtigten Keller der Geheimdienstzentrale von Slawjansk, dem Hauptquartier der Rebellenstreitkräfte.
Separatisten verschleppten den liberalen Moskauer Reporter Pawel Kanygin, sie raubten ihn aus, verprügelten ihn und forderten 30.000 Dollar Lösegeld, ließen ihn dann aber für 2000 Dollar frei. Auch wenn er Opfer der Separatisten wurde: Kanygin glaubt durchaus, dass ukrainische Soldaten gezielt das Feuer auf Presseleute eröffneten. „Dort herrscht Krieg. Für die Soldaten sind die russischen Fernsehjournalisten feindliche Propagandisten und ebensolche Gegner wie die Separatistenkämpfer selbst.“

Stefan Scholl

http://www.derwesten.de/wp/politik/ukrainische-soldaten-toeten-gezielt-journalisten-id9490298.html#plx549406196

Der Informationskrieg beider Seiten wird längst nicht mehr nur durch Propaganda-Nachrichten und Internet-Trolle jeglicher Couleur betrieben. Jetzt stehen bereits die Überbringer schlechten Nachrichten im Fadenkreuz. Die letzten Verbliebenen berichten unter Lebensgefahr.
Für den Bürger wird es auch deshalb immer schwieriger, sich ein Bild von der Lage zu machen. Allerdings wird nach umfassender Kenntnisnahme der unterschiedlichsten Medien dieser Eindruck immer stärker, den der Autor Florian Rötzer bei Telepolis bereits am 11.6.2014 so schilderte:

Poroschenko setzt auf militärische Konfliktlösung

Florian Rötzer11.06.2014

„Fluchtkorridore“ sollen ein härteres Vorgehen gegen Separatisten ermöglichen

Der neue ukrainische Präsident, der Oligarch und „Schokoladenkönig“ Poroschenko, konnte noch keinen überzeugenden Fortschritt in der Lösung der Krise verzeichnen. Das ist auch wenig verwunderlich, weil er durchaus widersprüchliche Signale aussendet und keine politische Linie erkennbar ist, sieht man von der weiteren Annäherung an die EU und die Forderung nach Wiederherstellung der territorialen Integrität, also auch der Krim, ab. In der Ostukraine gehen trotz der auch auf Seiten der Regierung folgenlosen Ankündigung eines Waffenstillstands die Kämpfe in Lugansk, Donezk, Kramatorsk, Artyomovsk oder Slawjansk weiter und fordern Tote und Verletzte auf beiden Seiten, auch Zivilisten werden zu Opfern wie in Slawjansk.

[…]

Wenn Poroschenko es nicht schafft, den Wildwuchs an nationalistischen Milizen einzudämmen, die von der Zentralgewalt kaum zu steuern sind und eigene Interessen verfolgen, wird die Zukunft der Ukraine düster aussehen, selbst wenn die Separatisten entmachtet und vertrieben werden können. Ohne tiefgreifende politische Reformen und eine nationale Versöhnung könnte höchstens ein schnelles Wirtschaftswachstum Hoffnung mit sich bringen. Aber erst einmal werden breite Teile der Bevölkerung unter den Sparmaßnahmen leiden, die im Zuge der Westanbindung umgesetzt werden müssen. Und das könnte die Lage auch in der Westukraine wieder zuspitzen, schließlich sind die rechten Nationalisten dort auch nicht für eine enge Anbindung an den Westen, zudem kritisieren sie die auch vom Westen unterstützte Oligarchenregierung.

http://www.heise.de/tp/artikel/41/41978/1.html

Aber zunächst mußte sich Poroschenko um seinen durchgedrehten Übergangs-Außenminister kümmern, der bei dem Versuch, Randalierer von der weiteren Verwüstung der russischen Botschaft sowie von Fahrzeugen von Botschaftsangehörigen in Kiew abzuhalten, denen erst einmal zustimmte und Putin mit einem Schimpfwort belegte, das in deutschen Zeitungen mit „Arschloch“ und in englischen mit „F….r“ wiedergegeben wurde. Nur die NZZ weiß es ganz genau:

Poroschenko will Aussenminster entlassen

«Putin Chuilo» geht nicht

18. Juni 2014, 15:48
Der ukrainische Aussenmininster könnte seinen Job verlieren, weil er gemeinsam mit Demonstranten ein populäres Schmählied über Putin angestimmt hat.

ws. Sport und Politik haben mehr mit einander zu tun, als man gemeinhin so denkt. Das muss sich jetzt auch der ukrainische Aussenminister Andrei Deschtschiza schmerzlich bewusst werden. Der bisher wenig aufgefallene Spitzendiplomat liess sich in der Nacht auf Sonntag vor der russischen Botschaft in Kiew zu einer unbedachten Äusserung hinreissen, die ihm nun sein Amt kosten könnte. Umringt von aufgebrachten ukrainischen Demonstranten, meinte der Aussenminister in einer hitzigen Diskussion: «Ich bin ja mit Euch einverstanden, Putin ist ein Chuilo!» Was unzensiert etwa so viel bedeutet wie «Putin ist ein Schwanzgesicht».

[…]

Präsident Petro Poroschenko, der derzeit das Gespräch mit Russland sucht, hat dem Parlament am Mittwoch vorgeschlagen, den Aussenminister zu entlassen.

Die Gemüter in Moskau dürfte Poroschenko damit etwas beruhigen. Auch wenn der Duma-Abgeordnete Aleksei Puschkow bemängelte, dass sich Kiew für die abfälligen Worte seines Aussenministers nicht entschuldigt habe. Seinem Volk hat Poroschenko mit dem Entscheid aber kaum aus der Seele gesprochen.

http://www.nzz.ch/international/putin-chuilo-geht-nicht-1.18325039

Nun, die Spatzen pfiffen es schon lange von den Dächern, daß dieser Übergangsminister ohnehin durch den ukrainischen Botschafter in Deutschland, Pawlo Klimkin, ersetzt werden sollte.

Ukrainischer Botschafter in Berlin soll Außenminister werden

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Pawlo Klimkin, soll neuer Außenminister seines Landes werden. Präsident Petro Poroschenko habe den 47-Jährigen für diesen Posten vorgeschlagen, teilte die ukrainische Parlamentsverwaltung mit. Klimkin gilt als erfahrener proeuropäischer Diplomat.

Er hatte wesentlichen Anteil an den Gesprächen über ein Assoziierungsabkommen der Ukraine und der Europäischen Union (EU), das die Westanlehnung der Ukraine an die EU befördern soll. Das Nein des früheren Präsidenten Viktor Janukowitsch zu dem Abkommen hatte im vorigen Jahr die Demonstrationen in Kiew ausgelöst, die die Ablösung der alten ukrainischen Führung zur Folge hatten. Für die Ernennung zum Außenminister benötigt Klimkin die Unterstützung durch das Parlament.

http://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-krise-russland-tadelt-un-bericht-als-unannehmbar-1.2005795

Diese kleine Geste war er den Amerikanern schuldig, nachdem die ukrainische Führung erstmals gerügt worden war und das State Department sich sogar zu einem Wort des Bedauerns gegenüber Rußland gezwungen sah:

https://twitter.com/StateDept/status/477866531842699264

Dessen Sprecherin Jen Psaki sich am 16.6.2014 minutenlang wand, als sie zum Sprachgebrauch des Außenministers und des Premierministers, der das Wort „Untermenschen“ für russische Unterstützer der „Separatisten“ in den Mund genommen hatte, befragt wurde:

Jen Psaki

Spokesperson
Daily Press Briefing

Washington, DC

June 16, 2014

 

[…]

QUESTION: Jen, over the weekend, there were a couple instances – well, two instances that I’m aware of: One with the Ukrainian – involving the Ukrainian prime minister, who is someone who has had a great deal of interaction with the U.S., and also the foreign minister who has also had a great deal of action with the U.S., making some rather interesting, to say the least, strident comments. The prime minister referred to Russians who are – Russia and Russians who are supporting the separatists as sub-human. Is that something that you guys would agree with? Is it something that you’re concerned about?

MS. PSAKI: Well, those —

QUESTION: Is it the kind of language that you would expect from an ally of the United States? And the foreign minister called President Putin something that I can’t even say here in the briefing room.

MS. PSAKI: Come on, Matt, you want to. (Laughter.)

QUESTION: No. I’m not going to take the – I’ll let you if you’d like to.

MS. PSAKI: No, thank you. I will refrain from that.

QUESTION: But maybe you would like to repeat it. Maybe you agree with it. I don’t know.

MS. PSAKI: I will refrain from that.

QUESTION: Is this the kind of —

MS. PSAKI: Let me – let me – let me —

QUESTION: Is this the kind of language coming from – this isn’t – these are officials who you guys have supported, and I just want to know. Do you – I mean, this is something – is this kind of language acceptable?

MS. PSAKI: Well, I think one piece here that’s incredibly important is to remind you and everybody what the foreign minister was doing when he made those comments. And he was – he went to the Russian Embassy, he personally went to the Russian Embassy in order to calm the protestors and succeeded in doing so. That was where he was. He’s been encouraging calm, encouraging a peaceful resolution, and I would otherwise point you to the Ukrainians on the meaning of the language used. But I think the context here of what effort he was undergoing is an incredibly important part.

QUESTION: So you don’t think that kind of language is inflammatory from the foreign minister’s – from the foreign minister’s language, his comment, you don’t think that’s inflammatory at all?

MS. PSAKI: Well, Matt, again you’re familiar with the words we use and don’t use, but I think the context of what he was trying to accomplish there is important here.

QUESTION: Okay. All right. Well, comments made and whatever in that kind of context when you’re out, so you’re at a – trying to calm things down, if that’s, in fact, what he was doing, which I don’t have any reason to doubt, that’s one thing.

But the prime minister’s reference to Russians as being subhuman was actually posted in English on their – on the Embassy website here. One of the complaints or one of the accusations that the Russians have made about these guys in Ukraine is that they are very right-winged, that they’re fascists, that they’re Nazi kind of – and this kind of language just – it would appear to speak to it. Are you okay with them using words like “subhuman” to describe the Russians?

MS. PSAKI: I think – Matt, look, I think the prime minister’s behavior and his leadership has been pretty consistently in support of a peaceful resolution to the circumstances on the ground, protections for individuals including Russians across eastern Ukraine, and I think I would encourage anyone to look at that as evidence of how he feels.

QUESTION: So you’re not – you don’t think that it warrants any kind of condemnation or any kind of – you don’t think he should rethink – not use that kind of language? Because it is inflammatory, I mean – right?

MS. PSAKI: I would point you to the Ukrainians for that, but again, I would remind everyone of the behavior and the support for a peaceful and calm resolution to the conflict.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/06/227650.htm

Das ist einleuchtend: wenn es darum geht, Frieden zu schaffen, muß man bei der Wortwahl nicht so pingelig sein, wie man das als Kriegstreiber sein sollte, der sich als friedliebend verkaufen möchte.

Forscht man nach der Ursache für die verbalen und physischen Haßausbrüche in Kiew an diesem 15. Juni, so sind es diese aufstachelnden Wutworte von Poroschenko, die stets in die immer fadenscheiniger werdende westliche Lesart eingebunden sind, daß die Milizen in der Ostukraine auf Putins Befehl und mit dessen militärischer Unterstützung handeln:

14.6.2014

Beleg für russische Unterstützung?

Beim Abschuss eines schweren Militärflugzeuges vom Typ Iljuschin IL-76 durch prorussische Separatisten sind 49 Soldaten ums Leben gekommen, wie das ukrainische Militär in Kiew am Samstag bestätigte. Das Verteidigungsministerium in Kiew hatte zuvor ohne Angaben von Opferzahlen den Verlust der Maschine im Anflug auf Lugansk durch eine Attacke von „Terroristen“ gemeldet.

Laut der ukrainischen Staatsanwaltschaft wurde das Flugzeug um 1.10 Uhr getroffen. Ex-Verteidigungsminister Anatoli Grisenko zufolge befanden sich an Bord 40 Fallschirmjäger einer Luftlandebrigade aus Dnjepropetrowsk sowie neun Mann Besatzung. Das Flugzeug sei in etwa 700 Metern Höhe von Geschossen aus dem Raketenwerfer „Igla“ (Nadel) getroffen worden. Ein Sprecher der separatistischen Aufständischen wollte den Abschuss gegenüber der russischen Agentur ITAR-TASS „erst einmal weder bestätigen noch dementieren“.

 

Poroschenko droht mit Vergeltung

Der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärte diesen Sonntag zu einem landesweiten Tag der Trauer. Zudem drohte er mit Vergeltung für den Abschuss: Die Tat sei ein „zynischer Akt des Terrors, der bestraft werden wird. Die Terroristen werden die angemessene Antwort erhalten.“ Poroschenko versammelte die Sicherheitschefs in Kiew.

Mögliche Bestätigung für US-Vorwürfe

Grisenko warf Kreml-Chef Wladimir Putin vor, die militanten Gruppen in der Ostukraine weiter aufzustacheln. „Das ist kein Konflikt zwischen Bürgern, sondern ein Krieg Putins gegen die Ukraine“, sagte er. Der ukrainische Militärexperte Dimitri Tymtschuk sagte, zuletzt seien drei Transportflugzeuge problemlos in Lugansk gelandet. Allerdings hätten Separatisten in den vergangenen Tagen um den Flughafen herum Stellung bezogen. „Sie belagern das Areal mit MG-Nestern“, sagte Tymtschuk.

[…]

http://orf.at/stories/2234087/2234088/

Der ungeheuerliche Verdacht läßt sich nicht mehr wegreden: wer hat dieses Himmelfahrtskommando angeordnet? Wieso fliegt dieses riesige schwerfällige Transportflugzeug in ein bekanntes Kampfgebiet? Warum werden gerade einmal 40 Militärs zu ihrem Einsatzort in einem Flugzeug geflogen, das eine Ladekapazität von 40 Tonnen hat? Die ukrainischen „Anti-Terror“-Kräfte haben schon etliche Kampfhubschrauber und Kampfjets verloren, und schon am 8. März 2014 war durch eine russische Quelle folgendes über diese tragbaren Raketenwerfer ausgeführt worden:

Boden-Luft-Raketenwerfer Igla aus Militärlagern in Ukraine gestohlen

STIMME RUSSLANDS Bei den jüngsten Unruhen in der Ukraine sind mehrere Dutzende von tragbaren Boden-Luft-Raketenwerfern „Igla“ (Nato-Bezeichnung SA-18) aus den Militärdepots gestohlen worden.

Dies teilte ein hochrangiger ukrainischer Armeeangehöriger Journalisten mit.

Die neue Spitze des ukrainischen Verteidigungsamtes unternehme alles Mögliche, um die gefährliche Situation geheim zu halten, und ersetze die abhanden gekommenen Waffen durch die Attrappen, die alten und Testwaffen, führte der Mann aus.

Der Boden-Luft-Raketenwerfer „Igla“ ist eine äußerst gefährliche Waffenart, die zur Vernichtung von Luftzielen auf niedrigen Höhen bestimmt ist.

http://german.ruvr.ru/news/2014_03_08/Boden-Luft-Raketenwerfer-Igla-aus-Militarlagern-in-Ukraine-gestohlen-3584/

Das ist natürlich russische Propaganda, denn selbstverständlich müssen diese Waffen Bestandteile von unterstellten russischen Lieferungen gewesen sein. Der Einsatz der Iljuschin war aus militärischer Sicht unverantwortlich, da die Existenz der „MG-Nester“ rund um den Flughafen von Lugansk bekannt war, ebenso wie die Tatsache, daß einige der im Südosten operierenden Milizen über diese Igla-Waffe verfügen. Waren die getöteten Soldaten Kanonenfutter, um die mediale Empörungsspirale weiterzutreiben?

Diesen Verdacht dürfte der ukrainische Militärstaatsanwalt haben, der ein Ermittlungsverfahren gegen ukrainische Armee-Angehörige und gegen Verantwortliche für die Steuerung des „Antiterror-Einsatzes“ des ukrainischen Geheimdienstes SUB im Zusammenhang mit dem Abschuß der Iljuschin-Maschine eingeleitet hat. Quelle dieser Nachricht sind die der russischen Propaganda völlig unverdächtigen Organe „EuromaidanPR“ und „Ukraine-Interfax“ bzw. „Kyiv Post“ -: der Grund der strafrechtlichen Ermittlungen: „Might have ignored operational info“:

https://twitter.com/EuromaidanPR/status/479245314214621185

Military prosecutor’s office opens case against army officials due to downed aircraft near Luhansk

June 18, 2014, 3:10 p.m. | Ukraine — by Interfax-Ukraine

The main department for supervision over the observance of laws in the military sphere of the Prosecutor General’s Office has launched criminal proceedings against officials of the Ukrainian Armed Forces and the operational headquarters for the management of the anti-terrorist operation of the SBU Anti-Terrorist Center due to the downing of an Il-76 aircraft near Luhansk, in which 49 servicemen were killed.

http://www.kyivpost.com/content/ukraine/military-prosecutors-office-opens-case-against-army-officials-due-to-downed-aircraft-near-luhansk-352400.html

Ob die Informationen über die Bedingungen im Landegebiet tatsächlich nur grob fahrlässig ignoriert wurden? Oder wurde ein Anlaß für noch härteres Vorgehen und einer weiteren Beschuldigungsmöglichkeit Rußlands inszeniert?

Eine nicht fernliegende Annahme, denn kurz zuvor war das mediale Szenario verbreitet worden, am 11.6.2014 hätten drei russische T-64-Panzer, von Rostow am Don kommend, die russisch-ukrainische Grenze überschritten und führen nun in der Ostukraine umher. Militärisch absurd, denn was sollen „prorussische Separatisten“ mit ausrangierten Panzern ohne Nachlieferung von Munition und ohne Tankmöglichkeiten anfangen, zumal es nicht zu ihrer Guerilla-Taktik paßt, Panzer einzusetzen, die ohne Unterstützung aus der Luft schnell kampfunfähig gemacht werden können? Abgesehen davon verfügen einzelne Rebellen-Verbände ohnehin über Panzer, die ihnen beim Überlaufen oder der Kapitulation von Teilen der regulären Armee bereits im April 2014 in die Hände gefallen waren.

Nicht nur die Deutsche Welle folgte diesem natogestützten ukrainischen Panzer-Medienphantom:

Ukraine-Krise

Russlands Einmarsch in der Ostukraine?

Es sind keine langen Panzer- und LKW-Kolonnen, sondern kleine Gruppen, die durch die offene Grenze sickern. Beobachter sind sich uneins, ob Russland in der Ostukraine eine verdeckte Invasion betreibt.

Im Schatten der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien und der neuen Krise im Irak verschärft sich die Lage in der Ukraine. Erstmals haben prorussische Separatisten im Osten des Landes schwere Waffen bekommen. Drei Kampfpanzer vom Typ T-64 sind nach Angaben ukrainischer Medien in der Nacht auf Donnerstag (12.06.2014) aus Russland über die Grenze gekommen. Das bestätigte auch die Regierung in Kiew. Die Panzer rückten bis nach Donezk vor und wurden später von ukrainischen Einheiten außer Gefecht gesetzt.

Ein Berater des ukrainischen Innenministers sagte am Freitag (13.06.2014), die Panzer seien früher im Bestand der ukrainischen Armee auf der Krim gewesen. Sie seien von der von Russland annektierten Halbinsel zunächst auf das russische Festland verschifft worden und dann über die Grenze in die Ostukraine gelangt.

Die ukrainische Regierung erhebt nun schwere Vorwürfe gegen Russland. Moskau schicke Konvois mit Waffen für die Separatisten über die Grenze, sagte Innenminister Arsen Awakow am Donnerstag in Kiew.

[…]

http://www.dw.de/russlands-einmarsch-in-der-ostukraine/a-17705820

Die transatlantisch gesonnene FAZ bemühte sich hingebungsvoll, die NATO-Sicht auf diese Phantom-Panzer ins Licht der deutschen Öffentlichkeit zu rücken. Das war nun nicht so einfach, denn Bilder von einem Grenzübertritt dieser ausgemusterten Panzer, aber auch von deren späteren Zerstörung durch ukrainische Verbände in der Nähe von Donezk, fehlen. Insbesondere letzteres ist ein Beweis dafür, daß an dieser medialen Inszenierung nichts stimmt. Die FAZ verzweifelt irgendwie auch, denn was die NATO als „Beweise“ vorlegt, hat so ungefähr denselben Beweischarakter wie die Belege für mobile Biowaffen-Labore, die einstmals einen Krieg der USA rechtfertigen mußten, der ihnen heute wieder auf die Füße fällt.

http://www.sueddeutsche.de/politik/biowaffen-im-irak-informant-curveball-ich-habe-es-fuer-mein-land-getan-1.1060957

Jetzt fällt den USA ein, daß der irakische Premier al-Maliki mehr zur Versöhnung der religiös gespaltenen Bevölkerung hätte tun müssen. Den Präsidenten Poroschenko, der alles dafür tut, die kulturell und ethnisch gespaltene Bevölkerung der Ukraine weiter zu spalten, läßt sie gewähren. Und spielt dessen PR mit.

Wer sich einen seriösen Eindruck von der zwiegespaltenen Bevölkerung in der Ukraine verschaffen will, dem empfehle ich dieses Interview mit dem in den USA lehrenden deutschen Historiker Jochen Hellbeck und dessen Bericht über die unterschiedliche Erinnerungskultur hinsichtlich des 2. Weltkriegs:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-gegen-die-ukraine-historiker-ueber-erinnerung-an-weltkrieg-a-974402.html

To make Ukraine work as a unified political state, future governments must acknowledge and respect these divisions; they cannot build on just one of the conflicting memory cultures and ignore, or estrange, the other. With respect to Victory Day, they should not rush to value judgments and seek to ‘Europeanise’ or ‘de-Russify’ a popular memory that forms a quintessential chapter in Ukraine’s complex history.

http://eutopiamagazine.eu/en/jochen-hellbeck/columns/victory-day-ukraine#sthash.JW4ZCLGk.dpuf

Zurück zur FAZ, die sich am 14.6.2014 bemüht, die NATO-Sicht der Dinge in den westlichen Medien zu etablieren, denn die NATO pumpt sich anläßlich des Ukraine-Konflikts mit neuer Bedeutung voll, will plötzlich dauerhafte Stationierungen in Osteuropa, bislang ein no-go, und fordert mehr Geld und militärisches Engagement von Europa. Ein Fest für eine fast in Vergessenheit geratene Organisation!

Die FAZ läßt sich also hinsichtlich der dargebotenen NATO-„Beweise“ beraten:

Einen Tag später präsentierte die Nato dann selbst Material, das die russische Intervention belegen soll.

Die Allianz hat dazu eine Indizienkette zusammengestellt, die aus mehreren Satelliten- und Bodenaufnahmen besteht. Es handelt sich um frei verfügbares Bildmaterial kommerzieller Anbieter und aus Internetforen. Die Nato hat nach Auskunft eines Offiziers eigene Aufnahmen von den fraglichen Ereignissen, die sie aber nicht freigeben will. Diese sollen eine höhere fotografische Qualität haben als das nun veröffentlichte Material.

[…]

Um deutlich zu machen, dass es sich um einen russischen Panzer handelt, hat die Nato ihrem Material Fotos des Panzertyps T-64 hinzugefügt, den sowohl die russische als auch die ukrainische Armee benutzen. Der russische Panzer hat erkennbar ein anderes Tarnmuster und eine andere Panzerung als die ukrainische Version. Danach wäre der Panzer in Sneschnoje russischer Herkunft. Es handelt sich um ein Modell, das die russischen Streitkräfte selbst schon ausgemustert haben, von denen aber noch gut 2000 vorhanden sein sollen.

Ein Offizier des Bündnisses legte dieser Zeitung dar, dass die Bilder folgenden Ablauf nahelegten: Zunächst habe Russland wie angekündigt tatsächlich seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine abgebaut, wie der Abzug der gepanzerten Fahrzeuge auf den ersten Bildern aus Rostow zeigt. Danach tauchten aber Panzer auf dem Militärgelände auf, die zum Weitertransport verladen wurden. Einen Tag später habe die ukrainische Regierung berichtet, dass drei russische Panzer und mehrere gepanzerte Fahrzeuge die Grenze am Übergang Dovzhansky überquert hätten, der unter Kontrolle der Aufständischen der selbsternannten „Volksrepublik Luhansk“ steht. Die Bilder aus Makijiwka und Sneschnoje seien als Beleg dafür zu werten, dass die Panzer tatsächlich die Grenze überschritten hätten und in der Südostukraine im Einsatz seien.

http://www.faz.net/aktuell/politik/kampfpanzer-in-der-ostukraine-nato-dokumentiert-russische-intervention-12990196.html

Ohne „Beratung“ sieht man auf diesen Bildern wirklich nichts. Und wenn man sich die originale NATO-Website ansieht, bekommt man glatt einen Lachanfall:

http://www.aco.nato.int/statement-on-russian-main-battle-tanks.aspx

Ganz am Schluß sieht man zwei Panzer. Bei dem linken soll es sich um einen ukrainischen Panzer T-64 handeln, bei dem rechten um einen russischen T-64, nämlich um demjenigen, der in Snizhne/ Sneschnoje herumfuhr. Beide Fahrzeuge weisen nicht die geringste Ähnlichkeit auf, und zwar nicht nur deswegen, weil bei dem rechten die Tarnfarben fehlen. Das soll ein und dasselbe Modell sein? Der kompakte Panzer T-64 und das einsame Monstrum mit Motorproblemen in Snizhne/ Sneschnoje?

http://www.youtube.com/watch?v=O5xFm4gwjws

Sorry, aber dem militärtechnisch nicht bewanderten Normalbürger entgeht die Pointe. Und betrachtet man das von der NATO ausgewertete Video, das einen Konvoi in der Stadt Makijiwka/Makiivka am 12.6.2014 zeigen soll, sieht man Erstaunliches: vorneweg fährt zur Sicherung des Verkehrs ein blinkendes Polizeiauto, das die Separatisten sicherlich ebenfalls aus Moskau bekommen haben werden:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=q977zU2J1ww

Daß an dem ersten LKW eine russische Fahne flattert, ist seit Erfindung der false-flag-Operationen als „Beweis“ ebenso wenig ernstzunehmen.

Der gesamte Ablauf legt vielmehr einen Fake der ukrainischen Regierung nahe, die zudem behauptet hatte, im Osten keine Panzer einzusetzen. Das allerdings hatte sie bereits im April 2014 getan – damals stellten sich ihnen Bürger in den Weg, und da sich die illegitime Regierung seinerzeit nur auf die Armee verließ, die nicht auf ihre eigenen Bürger schießen wollte und desertierte, fielen den Rebellen natürlich auch schon Panzer in die Hände, die sie für ihre Art des Widerstands allerdings kaum gebrauchen konnten.

Hier ein Bericht der Tagesschau vom 16.4.2014 über den Widerstand der Bürger in Kramatorsk gegen die ukrainischen Panzer:

http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-kramatorsk100.html

Hier ein weiterer Bericht vom 17.4. 2014 über die Auflösungserscheinungen der ukrainischen Armee, die mit Panzern im Osten eingriff, indes ihren Auftrag nicht durchführte:

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2014/04/die-ukrainische-armee-ist-in-auflosung.html

Auch im Juni 2014 setzte die ukrainische Armee Panzer im Osten ein:

Ostukraine

Panzer, Luftschläge und Standrecht für Plünderer

Im Osten der Ukraine deutet alles auf eine weitere Eskalation der militärischen Auseinandersetzungen hin. Durch die Kämpfe wird die Versorgungslage der Zivilbevölkerung immer schlimmer.

06.06.2014, von Reinhard Veser

 

© AP Ein ukrainische Panzer am Freitag in Slawjansk

 

Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine haben nach eigenen Angaben ein Kriegerdenkmal von seinem Sockel geholt: Es sei ihnen gelungen, in dem Ort Konstantinowka einen historischen Panzer wieder in Betrieb zu setzen, der dort bisher an Kämpfe gegen die deutschen Okkupanten im Zweiten Weltkrieg erinnerte, teilten sie laut der Nachrichtenagentur Interfax mit. Ob dieser Panzer tatsächlich kampftauglich ist, blieb offen. Doch sind im Donezker Gebiet offenbar mittlerweile tatsächlich Panzer im Einsatz. Sowohl ukrainische Stellen als auch die Separatisten meldeten am Freitag, vor dem umkämpften Slawjansk seien ukrainische Panzer aufgefahren. Nach Angaben der Separatisten wurden sie auch eingesetzt – erstmals habe es einen Angriff mit Panzern gegeben.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/wie-die-zivilbevoelkerung-in-der-ostukraine-leidet-12977005.html

Selbstredend hat Rußland die angebliche Verschickung von drei ausrangierten Panzern in die Ukraine dementiert:

14.6.2014, 9:15 GMT:

Kiev should not cover the crimes against its own people under a guise of a fight against terrorism, Russia said.

“Taking actions with a foreign blessing and support to suppress a protest movement, using troops and radical nationalists against civilians under the guise of a fight against terrorism, which is what is happening today in Ukraine, is absolutely unacceptable,” Russian presidential representative for international cooperation against terrorism and organized crime Aleksandr Zmeyevsky told a UN conference on Friday.

He warned that those responsible for crimes against their own people “will be held accountable by courts, the international community and their own conscience.”

The Russian official rejected accusations that Russia is fueling the violence in eastern Ukraine and is arming anti-Kiev militias there.

“The fantasies of Russia’s alleged role in escalating the tension are not based on anything. We reject the unfounded claims that Russia is interfering in Ukraine, sending troops and arms there,” he stated.

The comment came after the US accused Russia of supplying three tanks and some multiple rocket launchers to Ukrainian militias, which are defending against the constant attacks by the Ukrainian military.

http://rt.com/news/eastern-ukraine-army-operation-680/

Die Wahrheit ist ein rares Gut in Zeiten, in denen es um wirtschaftliche Interessenwahrung, geopolitische Strategievorteile und die Vertuschung eines Krieges gegen die eigene Zivilbevölkerung geht.

Janukowitsch wurde vom Westen gewarnt, Gewalt gegen Demonstranten einzusetzen, selbst dann noch, als die pro-westliche Mittelschichtsbevölkerung der Maidan-Bewegung längst durch gewalttätige rechte Kräfte instrumentalisiert war, die Verwaltungsgebäude besetzten und das Parlament mit Waffengewalt bedrohten. Jetzt schweigt der Westen, wenn Kiew – auch mithilfe rechter Milizen und Oligarchen-finanzierter Truppen – die Zivilbevölkerung bombardiert, sie ohne Strom und Wasser dahinvegetieren läßt oder in die ungewisse Flucht treibt. Niemand fällt diesen westlichen Machthabern in den Arm. EU-Kommissar Öttinger ist unfähig, Kiew klarzumachen, daß es einfach nur frech ist, Milliarden an Gasschulden nicht zu zahlen, gleichwohl dem Lieferanten Gazprom Rabatte abzwingen zu wollen, nur weil die Ukraine das Erpressungspotential besitzt, die Durchleitung russischer Gaslieferungen nach Europa zu unterbinden.

Das gehört zum Wirtschaftskapitel des Konflikts, das natürlich das wichtigste ist. Aber daß die EU amerikanische Interessen bedient und keine europäischen, dürfte klar sein. Spätestens nach diesem Bericht:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/south-stream-bulgarien-stoppt-arbeiten-an-pipeline-a-974111.html

Glücklicherweise hatte Bundeskanzler Schröder, der sich schon dem Irak-Krieg entgegenstellte, mehr Weitblick als die Merkel-Regierung, so daß Deutschland durch Rußland über die North-Stream-Pipeline versorgt wird, die von der Ukraine unabhängig ist.

Die ukrainische Regierungspropaganda macht vor nichts Halt. Mein Lieblings-Anti-Rußland-Twitterer und -Blogger ist und bleibt der unvergleichliche Peter Martin aus den Niederlanden, der jeden Fake aus diesen Medien begierig aufgreift, und zur Zeit ist bei denen angesagt, den Eindruck zu erwecken, daß Rußland quasi in die Ukraine einmarschiert:

https://twitter.com/djp3tros/status/477093734216388610

Dann wird er darauf hingewiesen, daß das von ihm verbreitete Propaganda-Medium „Inforesist“ mit Material aus dem Georgien-Krieg 2008 arbeite, und woraufhin er einknickt:

https://twitter.com/djp3tros/status/477096576159318016

Aber auch deutschen Medien ist nicht zu trauen.

29.03.2014 | 11:56

ZDF verbreitet Lügen über Demo in Kiew

Staatsfunk | In Kiew demonstrieren Hunderte Anhänger des rechten Sektors gegen den Innenminister. Das heute-journal behauptet, es sei eine Demo gegen Janukowitsch.

Am gestrigen Freitag demonstrierten rund 1000 Anhänger des extremistischen “Rechtern Sektors” vor dem Parlament in Kiew gegen den Innenminister wegen der Erschiessung ihres Kumpans Muzichko und drohten sogar, das Parlament zu stürmen.
Im heute-journal verwandelte sich dieses Ereignis, das die gefährliche Lage in der Ukraine symbolisiert, in eine “Demonstration gegen Janukowitsch”.
Zu den Bildern der Demonstranten wurde die folgende Lügengeschichte verbreitet:
“In der Ukraine gab es erneut Demonstrationen gegen den gestürzten, pro-russischen Präsidenten Janukowitsch. Der hatte heute aus dem russischen Exil zu Volksabstimmungen in allen ukrainischen Regionen aufgerufen.”
Die Tagesschau hatte zuvor den wahren Hintergrund der Demo korrekt berichtet. Beide Berichte können in den folgenden Links verglichen werden.
Zuerst die Lügengeschichte des ZDF:

Klick Bild! Ausschnitt auf myvideo oder hier ZDF-Mediathek 8min 49sek

Hier der Bericht der Tagesschau:

Klick Bild! Ausschnitt Tagesschau

https://www.freitag.de/autoren/propagandaschau/zdf-verbreitet-luegen-ueber-demo-in-kiew

Im Original-Artikel lassen sich die beiden unterschiedlichen Berichte ansehen.
Angesichts der Lebensgefahr, in die sich Journalisten heute begeben müssen, die Realität abbilden wollen, erscheint es mir umso wichtiger, auf den britischen Kriegsreporter Mark Franchetti, Sunday Times, hinzuweisen. Er war drei Wochen zusammen mit dem „Wostok“ („Ost“)-Bataillon unterwegs, das gemäß ukrainischer Propaganda aus schwerbewaffneten Russen und Tschetschenen bestehen soll, worüber er am 8.6.2014 berichtete:

Pinned to the ground by blizzard of bullets

As Ukraine’s new president prepared to meet Putin in Paris, Mark Franchetti joined a militia flushing out a border post in the east. Then all hell broke loose

Mark Franchetti Published: 8 June 2014

Mark Franchetti of The Sunday Times: ‘We had fallen into a deadly trap’

My face is pressed so hard into the ground I can taste the dirt. I am wearing a brand new flak jacket and helmet, but I feel completely exposed.

Around me a fierce battle is raging between Ukrainian soldiers defending a border crossing with Russia and pro-Moscow separatists fighting to capture it. Dmitry Beliakov, a photographer for this paper, and I are caught in the middle.

Bullets whizz around us, cutting the air with a distinctive whistle and a metallic ping as they repeatedly hit an armoured personnel carrier (APC) a few yards away from us already riddled with holes.

[…]

http://www.thesundaytimes.co.uk/sto/news/world_news/Ukraine/article1420283.ece

In einer beliebten ukrainischen Talkshow berichtete er am 14.6.2014, daß diese Einheit aus ganz gewöhnlichen Menschen aus dem Donbass bestehe. Daß sie keineswegs schwerbewaffnet sei. Und daß es abwegig sei, zu glauben, daß Putin irgendetwas für diese Leute tun würde.

https://www.youtube.com/watch?v=Yq8kc4izDrQ

Was zu erwartbaren Reaktionen der anderen schockierten Talkshow-Gäste führte. Insbesondere ein vermummter Möchtegern-„Krieger“, typischer Repräsentant der „Nationalgarde“, ereiferte sich: die Separatisten seien doch nur von Rußland bezahlte Alkoholiker und Drogenabhängige. Hier ein erhellender Zusammenschnitt der Sendung mit deutschen Untertiteln; diese lassen sich über das zweite Symbol unten rechts zuschalten:

http://www.youtube.com/watch?v=YfHFupR3Md0

Bestätigt wird Franchetti durch einen Bericht vom 16.6.2014 von Julia Ioffe (New Republican), die sich im Mai 2014 eine Woche im Donbass aufhielt und ebenfalls Kontakt zur Wostok-Einheit hatte. Offenbar hatte sie die Woche vor der Präsidentenwahl vom 25.5.2014 in der Ukraine verbracht, als es dort noch – im Vergleich zu heute – relativ ruhig war. Zwei Tage nach ihrem Abflug aus Donezk, am 27.5.2014, kam es zu der militärischen Offensive mit über 40 Toten gegen den kurzzeitig von Rebellen besetzten Flughafen:

http://edition.cnn.com/2014/05/27/world/europe/ukraine-crisis/

 

My Mind-Melting Week on the Battlefields of Ukraine

Death and disappearance in the foggiest of wars

By Julia Ioffe@juliaioffe

[…]

http://www.newrepublic.com/article/118131/week-battlefields-ukraine

http://www.newrepublic.com/article/118205/ukraine-battlefield-photos-max-avdeev

Solche sensiblen, hautnahen Reportagen findet man in der deutschen Presse nicht.

Man muß schon froh sein, daß ukrainische Regierungs-Propaganda nicht immer eins-zu-eins in deutschen Medien auftaucht:

18.6.2014

Ukraine: Bombe soll Explosion an Gasleitung ausgelöst haben

Ein Sprengsatz soll unter der Leitung platziert worden sein: Laut ukrainischem Innenministerium hat eine Bombe für die Explosion an der Gas-Pipeline nach Europa gesorgt. Allerdings werden auch Zweifel an dieser Version laut.

Kiew – Die Hinweise auf einen Anschlag auf die Gasleitung in der Ukraine verdichten sich: Laut dem ukrainischen Innenminister Arsen Awakow hat eine Bombe die Explosion nahe der Pipeline ausgelöst. „Wir gehen davon aus, dass ein Sprengsatz unter einem Stützblock der Pipeline platziert wurde“, sagte Awakow. Es habe zwei Detonationen gegeben.

Die genauen Umstände würden zurzeit untersucht, man gehe aber inzwischen nicht mehr davon aus, dass es sich um einen Unfall gehandelt haben könnte. „Seit Wochen“, sagte Awakow, „gibt es Hinweise, dass der Ruf der Ukraine als Transitland beschädigt werden soll.“

Zweifel an der Darstellung des ukrainischen Innenministers äußerte der Verwaltungschef der Region Poltawa, in der der Sprengsatz detoniert sein soll. „Seit zwei Jahren machen wir auf den technisch erbärmlichen Zustand dieser Pipeline aufmerksam“, sagte Viktor Bugaitschuk. Statt Teile auszutauschen, habe der ukrainische Versorger Naftogaz die Leitung stets nur notdürftig repariert.

[..]

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-pipeline-explosion-laut-innenminister-von-bombe-verursacht-a-975849.html#js-article-comments-box-pager

Die WELT bringt noch eine andere Möglichkeit ins Spiel:

Der Sender Russia Today weist Schuldvorwürfe zurück und erinnert daran, dass am 7. Mai 2007 der Gastransit gestoppt werden musste, weil es zu einer Explosion an der Leitung im Kiewer Umland kam. Und zwar weil der Untergrund eingebrochen und in weiterer Folge ein Druckabfall in der Leitung stattgefunden hatte.

Die Reparatur zog sich damals über fast zwei Wochen hin. Im Dezember desselben Jahres explodierte die Pipeline nochmals an einer anderen Stelle.

Im März dieses Jahres nahmen übrigens die Nationalgarde und der ukrainische Geheimdienst das Gasleitungs- und Gasverteilungssystem der Ukraine unter besondere Aufsicht, nachdem der Anführer des so genannten „Rechten Sektors“, Dmitrij Jarosch gedroht hattte, die ukrainischen Gas- und Ölpipelines, durch die Russland Gas und Öl nach Europa liefert, zu zerstören.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article129182974/Explosion-an-Gasleitung-Richtung-Europa-in-Ukraine.html

Es ist an der Zeit, daß sich die Wahrheit durchsetzt.

Unbegreiflich, daß die USA, die NATO und Europa die Übergangsregierung in Kiew und Poroschenko auf ihrem Weg in den „Irrsinn“ (Steinmeier) auch noch unterstützen.

Während sich Obama im neu entflammten Irak-Konflikt klüglich zurückhält:

19.6.2014

Bisheriger Höhepunkt dieser Kriegsvermeidungsstrategie ist ein Auftritt Obamas am Donnerstag vor der Hauptstadtpresse. Eben noch hat er sich mit seinem Sicherheitskabinett abgestimmt, jetzt verkündet er den Plan:

  • Erstens: „Gezielte und präzise militärische Aktionen“ – gemeint sind: Luftschläge – gegen die Isis-Miliz („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) sind möglich, „wenn und falls“ das die Lage erfordere. Obama also verschiebt diese Entscheidung erneut, Iraks umstrittener Ministerpräsident Nuri al-Maliki kann das vorerst als Absage auf seine Anfrage verstehen.
  • Zweitens: Obama schickt bis zu 300 „Militärberater“, um irakische Truppen zu trainieren und die Lage vor Ort für mögliche Luftschläge auszukundschaften. Dass Obama die dabei eingesetzten Spezialeinheiten nur als Berater bezeichnet, zeigt, wie tief er seine Aktionen zu hängen sucht.
  • Drittens: US-Kampftruppen werden nicht zurück in den Irak geschickt.
  • Viertens: Isis-Stellungen werden aus der Luft aufgeklärt – mit Drohnen und Kampfjets, 24 Stunden, sieben Tage die Woche.
  • Fünftens: Druck auf Maliki. Erneut fordert Obama die Bildung einer „inklusiven Regierung“, die nicht nur wie bisher die Interessen der Schiiten, sondern auch die der Sunniten und Kurden vertreten soll. Nicht wirklich versteckt fordert der US-Präsident damit die Ablösung Malikis, der den schiitisch-sunnitischen Gegensatz in den vergangenen Jahren angeheizt hatte. Sollte Maliki abtreten, dann schwindet die Unterstützung der Sunniten für Isis. Hofft jedenfalls Obama.

[…]

In der militärischen Analyse der Lage waren Hagel und von der Leyens Militärberater ausnahmsweise recht nah beieinander: Die hochmobilen kleinen Stoßtrupps der Isis-Guerilla könne man selbst nach guter Aufklärung aus der Luft kaum treffen, ohne Fehlschläge auf die Zivilbevölkerung zu riskieren. Selbst Angriffe auf befestigte Stellungen würden den Vormarsch der Radikalislamisten auf ihren Pick-ups kaum bremsen.

Die Luftaufklärung der USA bestätigt diese Annahmen: US-Drohnen haben erspäht, wie sich die Isis-Kämpfer mehr und mehr in Städten wie Mosul festsetzen und dort absichtlich Schulen oder Häuser nahe Moscheen als Kommandozentralen nutzen. Ohne Basen, Feldlager oder Nachschubstationen – im Militärjargon statische Elemente genannt – sind die Radikalislamisten kaum sichtbar, warnen deswegen die Militärs.

Nicht nur die militärische, auch die politische Lage lässt Obama vor Luftangriffen zurückschrecken: Mit Kampfjets, Drohnen oder Cruise Missiles würde er bisher moderate Sunniten möglicherweise provozieren, ebenfalls in den Kampf zu ziehen;

http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-isis-krise-us-praesident-obama-sendet-300-militaerberater-a-976270.html

Exakt jene politische und wirtschaftliche Ausgrenzung eines Drittels der Bevölkerung und diesen schmutzigen Krieg, den Obama im Irak vermeiden will, betreiben seine Statthalter in der Ukraine. Und erhalten hierfür Militärhilfe aus den USA, die allein seit März 2014 23 Millionen Dollar verschlang:

http://usnato.tumblr.com/post/87782034805/u-s-security-assistance-to-ukraine

Wie lange noch?

12-05-07 Taube 4

Update: 21.6.2014

Nachzutragen bleibt, daß das „Untermensch“-Zitat von Ministerpräsident Jazenjuk vom 15.6.2014, das auf der Website der ukrainischen Botschaft in Washington wiedergegeben worden war, mittlerweile von „subhumans“ (für russische Unterstützer der Rebellen) in „inhumans“ geändert worden ist.

“We bow our heads to the heroes who lost their lives for the sake of their country, to prevent the war from coming into the house of each of us”, – said the Prime-Minister of Ukraine Arseniy Yatsenyuk while expressing condolences to the families and friends of those military men killed last night near Luhansk.

“They lost their lives because they defended men and women, children and the elderly who found themselves in a situation facing a threat to be killed by invaders and sponsored by them inhumans. […]“

http://usa.mfa.gov.ua/en/press-center/news/24185-mi-uvichnimo-pamjaty-gerojiv-ochistivshi-nashu-zemlyu-vid-nechistiarsenij-jacenyuk-u-spivchutti-ridnim-i-blizykim-zagiblih-vojiniv-u-lugansyku

Auf dieser Seite kann man einen Screenshot der ursprünglichen Fassung sehen:

http://veragraziadei.wordpress.com/2014/06/18/ukrainian-genocide-and-its-cheerleaders/

[zur Vergrößerung anklicken]

Das ließ schon nichts Gutes erahnen, sondern eher auf einen Realitätsverlust schließen: sollte dem ukrainischen Geheimdienst entgangen sein, daß es sich bei den Milizen um keine „Invasoren“ handelt, sondern um eine Minderheit derjenigen ostukrainischen Mitbürger, deren Präsident „vom Westen“ gestürzt worden war? Unter tätiger Mithilfe militanter Rechter? Über die Zahl der ausländischen Unterstützer der inländischen „Separatisten“ aus Rußland, Tschetschenien und Südossetien mag man sich streiten, und das Sponsoring Rußlands dürfte dem offiziell bekanntgegebenen US-amerikanischen Sponsoring der ukrainischen Streitkräfte wohl auch nicht nachstehen.

Das, was Poroschenko als „Friedensangebot“ verkaufte – und er tat das gegen den Widerstand einiger Regierungsmitglieder – , las sich bereits nicht wie ein Friedensangebot:

20.6.2014

Friedensplan für Ukraine: Poroschenko kündigt einseitige Waffenruhe an

Präsident der Ukraine, Poroschenko: Will prorussischen Separatisten die Gelegenheit geben, ihre Waffen niederzulegen

Der ukrainische Präsident Poroschenko hat eine einwöchige Feuerpause angekündigt. So sollen prorussische Separatisten die Gelegenheit bekommen, ihre Waffen niederzulegen. Moskau hält den Friedensplan für unzureichend.

Kiew – Der Schritt ist seit Langem angekündigt und soll den Weg für einen Friedensplan in der Ukraine freimachen: Petro Poroschenko hat eine einseitige Waffenruhe angekündigt, die ab Freitagabend gelten soll. Der ukrainische Präsident erklärte, die einwöchige Feuerpause solle den prorussischen Separatisten in der Ostukraine Gelegenheit geben, ihre Waffen niederzulegen. „Diejenigen, die das nicht tun, werden vernichtet“, sagte Poroschenko.

Das sagte Poroschenko am Freitag bei seinem ersten Besuch in Donezk seit seinem Amtsantritt am 7. Juni. Die Streitkräfte würden demnach Waffen nur noch zur Verteidigung einsetzen und nicht mehr aktiv gegen die militanten Separatisten vorgehen.

[…]

Laut Medienberichten sieht der 14-Punkte-Plan eine „Dezentralisierung der Macht“ im Land vor. Wie schon vorher durchsickerte, sieht das Papier eine Pufferzone an der ukrainisch-russischen Grenze vor. Der Bereich soll zehn Kilometer breit sein und nach dem Willen Poroschenkos demilitarisiert werden.

Zudem werde in dem Plan ein „Korridor für russische und ukrainische Söldner“ zum Verlassen der Krisenregion angekündigt. Was der Plan zur Dezentralisierung im Land genau bedeutet, blieb unklar.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-poroschenko-kuendigt-einseitige-waffenruhe-an-a-976527.html

So ziemlich alles an diesem Plan ist unklar, so auch die Frage einer Amnestie:

The plan calls for the release of all illegally held government buildings in Donetsk and Lugansk regions and pledges the restoration of buildings damaged during the course of the conflict. It also promises to exonerate all rebels who lay down their arms and are not guilty of serious crimes.

On the political front, the peace proposal calls for decentralization of power, granting regional authorities more autonomy, as well as the protection of the Russian language and early local and parliamentary elections.

http://www.kyivpost.com/content/ukraine/petro-poroshenko-unveils-peace-plan-during-visit-to-east-352786.html

Selbstverständlich hat jeder, der zuvor mit Waffengewalt gegen die Übergangsregierung gekämpft hat, „schwere Verbrechen“ begangen. Und wie sollen  Korridore gebildet werden, wenn die ukrainischen Verbände die Lage nicht unter Kontrolle haben?

Übersetzt bedeuten Poroschenkos Pläne, daß er den ukrainischen Verbänden, die in ihren Stellungen verbleiben, für eine Woche weitere Angriffe verboten, ihr aber Selbstverteidigung erlaubt hat. Und wenn es keine Kapitulationserklärung der unterschiedlichen Gegner gibt, womit nicht zu rechnen ist, werden sie „vernichtet“.

Entsprechend inszenierte er sich bei seinem ersten Besuch in Donezk als Kriegsfürst in Tarnfleck-Uniform.

So reagierte der Kreml, traut man dieser Übersetzung des Kreml-Webste-Textes ins Englische:

The website of Russian President Vladimir Putin has posted a statement responding to Ukrainian President Petro Poroshenko’s cease-fire initiative in eastern Ukraine.

Here is the statement in full:
The announcement of Ukrainian President Petro Poroshenko about a temporary halt of military activities was accidentally or intentionally made against the background of firing on Russian territory in the region of the Dolzhansk border crossing, which caused the destructgion of a building and, more importantly, wounded a Russian border guard.

Russia is awaiting an explanation and apology regarding this incident.

Considering this situation, the Russian side must carefully analyze the text of the corresponding decision of the Ukrainian president and the plan for implementing it.

Unfortunately, an initial analysis shows that it is not an invitation to peace and negotiations, but an ultimatum to the militias of southeastern Ukraine to lay down their arms.

So far, the main element — a proposal to begin negotiations — is missing.

http://www.rferl.org/contentlive/liveblog/25416257.html#liveblog37803

Da sollten am 20.6.2014, kurz vor Waffenruhe um 21 Uhr, noch ein paar Geländegewinne an der Grenze erzielt werden; unglücklicherweise wurden dabei russisches Territorium und ein russischer Grenzposten verletzt.

Die von Russland verlangte Erklärung und Entschuldigung von Kiew sah dann so aus, wie die regierungsnahe Kyiev-Post am 21.6.2014 berichtet:

Ukrainian Armed Forces units involved in the anti-terrorist operation (ATO) did not use artillery and mortars when resuming control over the state border in the east of the country, the press and information department of the Ukrainian Defense Ministry has reported.

The ministry’s press service disclosed the details of the ATO in the east.

„On June 20, when performing the tasks of the anti-terrorist operation, Armed Forces units involved in the ATO approached the Dovzhansky checkpoint on the Ukrainian-Russian border. Terrorists who have recently occupied this border facility immediately offered desperate armed resistance to the government forces,“ reads the statement.

The militants who opened fire were trying to hold their positions.

„At one point during the clashes, a mortar bomb exploded near the border line. According to the Russian side, a representative of the Russian customs service was injured in this explosion,“ the ministry said.

The ministry said that militants extensively used artillery and mortars during clashes with Ukrainian law enforcers.

„In connection with this case, the press and information department of the Ukrainian Defense Ministry states that because of the proximity to the border with the Russian Federation, Ukrainian military did not and do not use artillery or mortars,“ reads the statement.

http://www.kyivpost.com/content/ukraine/ukrainian-military-did-not-use-artillery-and-mortars-when-resuming-control-over-state-border-defense-ministry-352849.html

Da fragt man sich, mit welchen Waffen die ukrainischen Verbände denn wohl versucht haben, diesen Grenzposten zurückzuerobern? Und wieso landet eine Granate, mit der die angegriffenen „Separatisten“ den Angriff abwehren wollen, plötzlich auf russischem Gebiet? Es ist das alte Lied: Nachrichten in Zeiten des Krieges stimmen nie.

In den ZDF-Nachrichten um 19 Uhr hieß es gar, daß „Separatisten“ die Grenzstation angegriffen hätten…

Der Kreml bewertet den Friedensplan richtig: er setzt ein Ultimatum für eine Kapitulation, droht für die Woche danach eine noch härtere Kriegsführung an und bleibt in dem, was er verspricht, vage.

Fraglich ist auch, ob sich die frei flottierenden regierungsnahen Privatmilizen (die natürlich nicht entwaffnet werden sollen), überhaupt an diese Waffenruhe halten werden.

Schon gibt es Hinweise, die daran zweifeln lassen:

Trotz Waffenruhe in Ostukraine: Kolomojski will „Separatisten“ den Rest geben

11:24 21/06/2014

KIEW, 21. Juni (RIA Novosti).

Der ukrainische Oligarch Igor Kolomojski hat sich gegen die Feuereinstellung im Osten der Ukraine und gegen jegliche Kontakte zu Aufständischen in den Gebieten Donezk und Lugansk ausgesprochen. Das teilte ein Mitarbeiter des Rates für nationale Sicherheit der Ukraine RIA Novosti mit.

„Während der jüngsten Arbeitsreise von (Präsident Pjotr) Poroschenko in das Gebiet Donezk hatte Kolomojski ihm offen gesagt, er werde nie auf seine Befehle hören. Zudem erklärte der Oligarch, dass seine Privatarmee den ‚Separatisten‘ trotz Waffenruhe den Rest geben wird“, sagte der Sprecher, der anonym bleiben wollte.

http://de.ria.ru/security_and_military/20140621/268816990.html

Keine unparteiische Quelle, fürwahr. Aber die Frage stellt sich durchaus: wie will Poroschenko die frei flottierenden Milizen der rechten Parteien, der Oligarchen und der Mafia in den Griff kriegen?

Das braucht er vielleicht nicht, denn tatsächlich gab es keine Waffenruhe. In diesem Fall gilt es, für die richtige Nachrichtenlage zu sorgen. Und die sieht immer gleich aus: die Regierung sagt, ihre Stellungen seien angegriffen worden, die Gegenseite sagt, daß die Regierungsseite die selbstverordnete Waffenruhe gebrochen habe.

http://www.reuters.com/article/2014/06/21/us-ukraine-crisis-idUSKBN0EW0EH20140621

Das alles führt nur zum Zulauf für die Rebellen:

In Donetsk about 100 troops of the self-styled separatist Donetsk People’s Republic took an oath of an allegiance, in an apparent sign of defiance to Porosheko’s peace plan.

In a ceremony on the town’s Lenin Square, armed fighters, some wearing face masks, pledged they would „defend the Donetsk People’s Republic to the last drop of blood.“

„We swear, we swear, we swear,“ they chanted in unison.

Alexei, a miner, said he decided to take up arms last week: „I am 43. I have children. I had a job but I dropped everything to defend the homeland.“

A number of women, many in tears, rushed to hug troops and give them flowers. „A great day, a great day, we love our army. They will protect us from fascists,“ said Nastya, 32, holding hands with one masked soldier.

http://www.reuters.com/article/2014/06/21/us-ukraine-crisis-idUSKBN0EW0EH20140621

Wie es aktuell in der Ostukraine aussieht, zeigen tapfere Journalisten der BBC und von Vice-News.

Gut, daß sie daran erinnern, worum es wirklich geht:

http://www.bbc.com/news/world-europe-27941174

https://news.vice.com/video/russian-roulette-dispatch-49

Wie auch aktuelle amerikanische Fotos aus dem Kriegsgebiet:

http://www.thedailybeast.com/galleries/2014/06/22/this-is-what-ukraine-looks-like-now-photos-by-yusuf-sayman.html#bf0bb592-09eb-4762-9acd-df581b875d50

Es ist herzerreißend.

Udate: 23.6.2014

Es kommt Bewegung in die Sache:

Entgegen der martialischen Auftritte von Poroschenko,

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/20/ukraine-quo-vadis/comment-page-1/#comment-36994

der als Dialog-Partner aus dem Osten des Landes Vertreter der „Separatisten“, ob militärisch, ob zivil, ausgeschlossen hatte, indem er nur „legal gewählte“ Vertreter einlud:

Immediate fulfillment of the peaceful plan will open the path to the political dialogue. I invite legally elected representatives of local government, civic organizations and everyone else to this dialogue.

http://www.president.gov.ua/en/news/30570.html

gab es nun doch Gespräche der Übergangsgregierung in Kiew mit Vertretern des Widerstands.

In Donezk hatte sich eine unerwartete Zusammenkunft ergeben: Vertreter Russlands, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der Ukraine trafen mit prorussischen Aufständischen zu Diskussionen zusammen.

Für die Ukraine nahm der ukrainische Ex-Präsident Leonid Kutschma teil – mit einem Mandat von Staatschef Petro Poroschenko, meldete die Agentur Interfax. Für die Separatisten sei der „Volksrepublik Donezk“-Ministerpräsident Borodaj in das Gebäude der Gebietsverwaltung gekommen. Was konkret bei dem Treffen besprochen wurde, blieb zunächst unklar.

Blieb es aber nicht lange:

Ukraine-Konflikt: Auch Separatisten verkünden Waffenruhe

Prorussische Aufständische in den Regionen Donezk und Luhansk gehen auf den Friedensplan der Ukraine ein. Sie schließen sich der vorläufigen Waffenruhe an. Zuvor hatten die Separatisten Vertreter Russlands, der Ukraine und der OSZE getroffen.

Kiew – Im Ukraine-Konflikt haben nach der Armee nun auch die prorussischen Separatisten in den Gebieten um Donezk und Luhansk eine Waffenruhe bis zum 27. Juni verkündet. Als Reaktion auf den Friedensplan von Präsident Petro Poroschenko würden die Aufständischen in diesen Gebieten nun ihrerseits das Feuer bis zu diesem Freitag einstellen. Das sagte der selbsternannte Ministerpräsident der von Kiew nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“, Alexander Borodaj, der Agentur Interfax zufolge.

„Wir hoffen, dass während der Feuerpause Verhandlungen über eine Friedensregelung beginnen können“, sagte er. Donezk gilt als eine der wichtigsten Hochburgen der Separatisten.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-separatisten-treffen-ukraine-russland-und-osze-a-976965.html

Dem SPIEGEL-Artikel läßt sich weiter entnehmen, daß die Europäer und die USA mal wieder mit Sanktionen drohen, weil sie Rußland für den bösen Buben halten, während sie vor der Illegitimität der amtierenden Regierung, deren Gewalttätigkeiten gegenüber Zivilisten und vor den nationalistischen Sprüchen von Ministerpräsident und Ex-Außenminister die Augen verschließen. Es ist kein aktives politisches Handeln zur De-Eskalation durch den Westen ersichtlich.

Während Rußland klug agiert (es ist doch klar, daß Moskau an der Ost-Ukraine kein Interesse hat: sollen doch die Europäer den Wiederaufbau dort bezahlen – was sie ja auch tun werden, das ist bereits versprochen).

Putin will OSZE-Vorsitzenden in Wien treffen

Der russische Präsident wird am Dienstag zu einem Staatsbesuch in Wien erwartet, bei dem das Thema Ukraine weit oben auf der Tagesordnung stehen dürfte. Putin will in Österreich auch den OSZE-Vorsitzenden Didier Burkhalter treffen. In der Ostukraine werden seit fast einem Monat zwei Beobachterteams der OSZE vermutlich von prorussischen Separatisten festgehalten.

Russland brachte am Montag eine Ukraine-Konferenz unter OSZE-Vorsitz ins Gespräch. Poroschenko wiederum plädierte für ein Dreiertreffen mit Vertretern Russlands und der EU. Solche Gespräche auf Expertenebene könnten noch vor dem EU-Gipfel stattfinden, sagte Poroschenko einer Mitteilung zufolge bei einem Telefonat mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-separatisten-treffen-ukraine-russland-und-osze-a-976965.html

Der „Westen“ präsentiert sich als uninformierter Ideologe, der beweislos mit dem Finger auf Putin als den Aggressor zeigt und gleichzeitig die nationalistisch-aggressiven Tendenzen der pro-westlichen Regierung in Kiew ausblendet: und das schließt sogar das Ignorieren von Massakern an der Bevölkerung und Krieg gegen Wohngebiete ein. Jeder kann die Bilder sehen, jeder kann Schlüsse ziehen. Putin tut das, was ich als deutsche Bürgerin von meiner Regierung erwartet hätte. Nämlich De-Eskalation. Vermutlich hat er registriert, daß Poroschenkos martialische Auftritte lediglich den rechten Teilen der illegitimen Übergangsregierung und dem Druck der Straße in Kiew und dem der von westlich orientierten Oligarchen gegründeten Milizen geschuldet sind. Als Oligarch braucht Poroschenko Ruhe und Ordnung. Womöglich gibt es ein geheimes, zwischen Putin und Poroschenko, dessen Schokoladenfabriken in Rußland geschlossen wurden (nebst Einfrierens seiner Konten dort und Import-Veboten der Roshen-Süßigkeiten) geschlossenes Abkommen. Eine absolut verkehrte Welt, die weder die USA noch Europa durchschauen. In dieser Ecke walten nur dumpfe Reflexe.

Hoffentlich ist die EU nicht auch noch so blöd, den polnischen Außenminister Sikorski zum „Außenminister“ der EU zu machen. Mit dem US-Pudel, der Britin Ashton, ist sie bereits schlecht gefahren; daß sie überhaupt darauf verfiel, dem EU-skeptischen Großbritannien diesen Posten anzuvertrauen, läßt an der Vernunft der Europäer grundsätzlich zweifeln.

Ein Vertreter eines russophoben und amerikafreundlichen osteuropäischen Landes wie Polen ist per se ungeeignet, ein selbstbewußtes Europa zu repräsentieren, das mit seinem Nachbarn Rußland gut auskommen muß und die eigenen Interessen gegenüber den USA vertreten sollte.

Daher sind die Enthüllungen durch illegale Mitschnitte von Gesprächen in Polen sehr interessant.

Die erste über ein Gespräch des Zentralbank-Chefs mit dem Innenminister mit der Forderung, der Finanzminister müsse weg, was er dann auch alsbald war, hat die derzeitige Regierung ins Wanken gebracht; vorgezogene Neuwahlen sind wahrscheinlich. Die über Sikorski halte ich für weitaus brisanter. Die ZEIT berichtet darüber so:

Radosław Sikorski

Abhöraffäre bedroht Polens Außenminister

Eben hat Polen Radosław Sikorski als EU-Chefdiplomaten nominiert, da bringt ihn ein Mitschnitt in Bedrängnis. Er soll das Verhältnis zu den USA „Bullshit“ genannt haben.

Aktualisiert 22. Juni 2014  18:41 Uhr

Die polnische Regierung könnte durch neue Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der Abhöraffäre weiter in Bedrängnis geraten. Das Magazin Wprost veröffentlichte einen illegalen Gesprächsmitschnitt, in dem Polens Außenminister Radosław Sikorski die Beziehungen zu den USA als wertlos und als „totalen Bullshit“ bezeichnet haben soll.

Sikorski soll in einem Gespräch mit dem ehemaligen Finanzminister Jacek Rostowski gesagt haben, der enge Schulterschluss mit Washington sei sogar schädlich, weil man sich dadurch in falscher Sicherheit wäge. „Wir haben Konflikte mit den Deutschen, mit Russland, und wir tun so, als sei alles super, weil wir den Amerikanern einen Gefallen tun. Totale Verlierer.“

Wo das Gespräch stattgefunden haben soll, war zunächst unklar. Wprost-Herausgeber Michal Lisiecki twitterte, das Treffen von Sikorski und Rostowski habe in einem Restaurant in der Nähe des Warschauer Außenministeriums stattgefunden. Quelle der Informationen sei ein Geschäftsmann. Andere Quellen sprechen von einem illegal aufgezeichneten Telefonat der beiden Politiker.

[…]

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-06/regierungskrise-polen-usa-abhoeraffaere

Was ist das bloß für ein Journalismus! Es fehlt an jeglicher Einordnung der Meldung – auf den ersten Blick wirkt sie ja so, als ob der mit der amerikanischen Journalistin Anne Applebaum verheiratete Sikorski, die zu den Falken zu rechnen ist, plötzlich amerikakritisch geworden sei und sich damit tatsächlich als europäischer Vertreter profiliert hätte. Und warum sollte Polen nicht nur mit Rußland, sondern auch mit Deutschland Probleme haben?

Nicht einmal die Darstellung des Gespräches stimmt. Vermutlich gibt es bei keiner deutschen Nachrichtenagentur jemanden, der der polnischen Sprache mächtig ist. Der englischen offenbar auch nicht, denn englischsprachige Organe bringen eine Übersetzung, die nicht nur den vulgären Sprachgebrauch Sikorskis, sondern auch eine inhaltliche Falschübersetzung darlegen:

Polish Foreign Minister: We Gave The US A „Blowjob,“ Got Nothing

The latest leaked recording to rock European politics.posted on June 22, 2014, at 4:23 p.m.

 

Ben Smith BuzzFeed Staff

Polish Foreign Minister Radek Sikorski, generally viewed as a leading ally of the United States in Europe, said in a mysteriously-leaked recording Sunday that the alliance between the two countries is “not worth anything.”

“The Polish-American alliance is not worth anything. It’s even damaging, because it creates a false sense of security in Poland,” Sikorski says on an excerpt of a longer conversation set to be published Monday morning in the magazine Wprost, which is reportedly between Sikorski and former finance minister Jacek Rostowski. It’s unclear who recorded the conversation said to be from this spring, and why, though speculation has focused on Russian intelligence, which is believed to have leaked a similarly embarrassing conversation between American officials.

After his interlocutor asks why he’s skeptical of the alliance, Sikorski continues that it is “bullshit.”

“We are gonna conflict with both Russians and Germans, and we’re going to think that everything is great, because we gave the Americans a blowjob. Suckers. Total suckers,” Sikorski says, according to a translation of the account for BuzzFeed.

The recording is one of many made of politicians’ conversations in posh restaurants, and has emerged as a massive problem for the country’s ruling Civic Platform.

Sikorski also employs a racially-charged word in the conversation, describing the mentality of Poles as “Murzyńskość.” An English-language Polish outlet described the phrase as meaning “thinking ‘like a Negro.’”

Sikorski said on Twitter that he hadn’t been to the restaurant in which he was allegedly recorded; Wprost’s editor said the recording had in fact been made in a different location.

http://www.buzzfeed.com/bensmith/polish-foreign-minister-we-gave-the-us-a-blowjob-got-nothing

Da hat Polen den USA, gedemütigt, einen “geblasen”, aber nichts zurückbekommen. Hier spricht der russophobe Hardliner, der genau weiß, was Polen den USA bereits zugestanden hat: geheime CIA-Gefängnisse einschließlich Foltermöglichkeit auf seinem Territorium und Fracking-Rechte für Chevron und Exxon:

http://polishshalegas.pl/de/schiefer-in-polen/sonstige-konzessionstraeger

Um die geht es ja eigentlich in diesem Konflikt, weshalb Rasmussen Putin auch beschuldigte, die Anti-Fracking-Bewegung in Europa zu finanzieren – süß, wie er da auf das Wesentliche zu sprechen kam. Weshalb die EU sich gleich von ihm distanzierte:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fracking-gegner-streiten-mit-nato-chef-rasmussen-ueber-unterwanderung-a-976657.html

Was hat Polen im Gegenzug von den USA erwartet? Die dauerhafte Stationierung von mehr Militärs, als die USA finanzieren wollen, und Raketen-Abwehrschirme auf ihrem Gebiet, ein Unterfangen, das die USA unter Obama abgesagt haben. Bush hatte den Abwehrschirm gegen den Iran geplant, der jetzt gar als Bündnispartner gegen ISIS in Betracht kommt. Polen will damit Moskau abschrecken.

Sikorski sagte, daß Polen mit Rußland und Deutschland Probleme bekommen werde (nicht, wie die ZEIT berichtet, daß Polen diese Probleme bereits habe). Die zukünftigen Probleme, die Sikorski sich ausmalt, liegen auf der Hand. Er weiß, daß die USA gegenüber Rußland niemals direkt militärisch aggressiv vorgehen würde. Was er für die einzig richtige Vorgehensweise gegenüber Rußland hält, weshalb Polen mit Rußland natürlich Probleme bekommen wird. Desgleichen mit Deutschland, das zwar unter Merkel gern deutsche Interessen über Bord wirft, wenn es darum geht, sich bei den USA nicht unbeliebt zu machen, aber eben niemals die direkte Konfrontation mit Rußland suchen würde. So wie Polen das will.

In Sikorski spricht die enttäuschte submissive Liebhaberin eines Chefs. Trotz Blowjobs nichts erreicht.

Sikorski bestreitet den Gesprächsinhalt nicht einmal, sondern beruft sich darauf, daß das Gespräch in einem anderen Restaurant stattgefunden habe als zunächst angegeben. Was ihm dann gern bestätigt wird.

Als „Außenminister“ der EU hat sich Sikorski diskreditiert.

Interessant, daß die polnische Regierung nicht Rußland als Leakerin dieser Aufzeichnungen verantwortlich macht. Das läge ja nahe, einen derart russophoben Menschen abschießen zu wollen.

Präsidentenberater Tomasz Nalecz forderte den Rücktritt Sikorskis. US-Diplomaten versuchten dagegen die Affäre herunterzuspielen. Die Aufnahmen würden keinen Einfluss auf die Beziehungen haben, so US-Botschafter Stephen Mull auf Twitter. Er wollte den Inhalt des privaten Gesprächs nicht kommentieren und betonte, dass die polnisch-amerikanische Allianz stark sei.

Die Regierung vermutet eine kriminelle Verschwörung gegen sich. „Wir werden von einer organisierten Verbrecherbande angegriffen“, so Sikorski. Tusk sprach von Versuchen, das Land zu destabilisieren. Gleichzeitig betonte er, er werde „keine Konsequenzen gegen Politiker ziehen, deren Sünde unzensierte Äußerungen während eines vertraulichen Gesprächs sind“.

Unklar ist, wer zu einer illegalen Abhöraktion solch großen Ausmaßes in der Lage sein soll. Die Aufnahmen wurden über einen längeren Zeitraum in mindestens zwei Warschauer Restaurants gemacht. Betroffen sind Regierungsvertreter, Politiker und Unternehmenschefs.

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/3825852/Polen_Sikorski-nennt-USAllianz-Bullshit?from=rss

Ich meine: wenn wir nun schon alle illegal überwacht werden, dann habe ich nichts dagegen, wenn ab und zu tatsächlich etwas dabei etwas herauskommt.

Zur Fortsetzung geht es hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/08/17/ukraine-quo-vadis-ii/

 

 

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Die Fußball-WM- und die Garten-Ecke (mit aktuellen Updates)

PassionsblumeUpdate vom 13.7.2014

W O W !

Deutschland – Argentinien  1 : 0 n. V.

Im verschlafenen Neuruppin steigen gehortete Silvester-Raketen, ein paar Autofahrer hupen, und ich bin ganz erschlagen nach diesem packenden Spiel. Zwei sehr unterschiedliche, aber zunächst gleichwertige Mannschaften rangen miteinander. Auf hohem Niveau. Als die Kräfte schwanden, wurden die Fouls der Argentinier härter, und der italienische Schiri sah plötzlich weg. Was mußte Bastian Schweinsteiger nicht alles einstecken… Ich konnte schon nicht mehr hinsehen, wie er nach diesem ungeahndeten Faustschlag ins Gesicht einen Cut erlitt und blutete.

Und in der 113. Minute schoß der frisch eingewechselte Mario Götze das Traumtor… Mit der Brust angenommen, locker abtropfen lassen, scharf aus einem unmöglich spitzen Winkel ins lange Eck. Da reagieren Instinkte, so was kann man weder planen noch üben.

Aber natürlich waren es die gesamte Mannschaft und ihr Trainer, die Weltmeister wurden. Sie haben es allen bösartigen Nörglern gezeigt. Alle waren an diesem Final-Sieg beteiligt, und man traut sich nicht, einen besonders auszuzeichnen. Aber ohne Neuer, Boateng und Hummels wäre dieses Spiel nicht gewonnen worden. Das muß einfach gesagt werden, denn Argentinien lieferte das beste Spiel dieser WM und spielte offensiver als üblich. Aber die Mannschaft ist grundsätzlich defensiv eingestellt, und muß auf Konter hoffen.

Die komplettere Mannschaft hat verdient den Titel geholt. Die Kanzlerin klatschte wie immer kindlich. Putin wird sich gefreut haben. Und wir alle haben ein tolles Fußballspiel gesehen.

Ich bedanke mich mit einem Gartenfoto vom 2.7.2014, das unwiederholbar ist, denn die rote Rose im Hintergrund hat mittlerweile ihre erste Blüte beendet, während das Cherry Girl im Vordergrund weiterhin blüht.

14-07-02 Cherry Girl rote Rose

 

 

 

 

Update vom 12.7.2014

Achnö, gerade haben wir den 13.7., und der paßt wohl besser.

Niederlande – Brasilien  3 : 0

Denn ich bin schwer deprimiert darüber, daß dieses Spiel durch zwei Schiedsrichter-Fehlentscheidungen innerhalb von 20 Minuten der ersten Halbzeit entschieden wurde: mal wieder ein unberechtigter Elfmeter dank Robbens Flugkünste in der 3. Minute, danach ein Abseitstor für die NL. Da ist es mit der Moral einer Mannschaft, die gerade eine historische Klatsche kassiert hatte, natürlich zu Ende, obwohl sie nie aufsteckte.

Holland spielte danach schlecht, aber das reichte wegen der fehlenden Chancenverwertung Brasiliens aus, um über die Runden zu kommen. In der Nachspielzeit der 2. Halbzeit erzielte Holland gar noch ein unverdientes 3 : 0.

Das Schlimmste: das von Anfang an Brasilien-Bashing-Gequatsche von ZDF-Sprecher Oliver Schmidt.

Das war ein trauriger Fußball-Abend. Mein Garten bietet entsprechende Bilder.

Die Reste einer Terrassen-Lobelie, die nach zwei Gewittertagen komplett von Schnecken aufgefressen war:

14-07-10 Schnecke Lobelie

Hier eine meiner ekligen Todfeinde, zugleich ein Tip, falls es mit der Bierfalle nicht klappt: sie stehen auf Katzenfutter.

14-07-10 Schnecke Katzenfutter

Aber so möchte ich die brasilianische Mannschaft nicht verabschieden. Die letzte verblühende Knospe der red diamond, bei der man nie weiß, ob und wie sie sich zur zweiten Blüte aufrafft, scheint mir doch der passendere Kommentar zu sein. Sie ist glamourös auch dann, wenn sie verblüht.

14-07-02 red diamond

 

 

 

 

 

Update vom 9.7.2014

Argentinien – Niederlande 1. Halbzeit 0 : 0

Das Spannendste an diesem Spiel war wohl der Versuch, es zu sehen. Denn nach dem unfaßbaren 7 : 1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien ging auch mein betagter Fernseher in die Knie und fiel aus. Mein für die Technikbeschaffung zuständiger Gatte ist beruflich unterwegs, ich selbst bin zu blöd, mit Technik-Verkäufern umzugehen, denn vielleicht liegt es ja auch am SAT-Receiver.

Mein Computer ist zu oft im Dienst und Livestreaming daher gefährdet. Die gute Idee, den Compi abzuschalten, faßte ich allerdings zu spät, nämlich erst kurz vor 22 Uhr. Daraufhin ergab sich Folgendes: Windows 7 erklärte mir heuchlerisch: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 1 von 15“. Der erste Update dauerte Minuten… Ich zog den Stecker. Stöpselte ihn nach 30 Sekunden wieder ein, nur um zu sehen, daß Window 7 mir sagte: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 2 von 15“. Das ist echt nicht normal, daß man in schweißtriefender Gewitterschwüle vor so einer Maschinendiktatur sitzt. Über zehn Minuten dauerte die Tortur. Dann schaltete sich der Computer aus. Ca. 3-4 Minuten soll man ihn ja in Ruhe lassen, menschlich verständlich. Aber auch das Anschalten gestaltete sich schwierig, da Window unbedingt etwas konfigurieren mußte, und gleich zwei Mal durchstartete.

Kurz und gut: ich konnte erst bei Minute 22 einsteigen. Und muß konstatieren: die Technikprobleme, die ich hatte, hatten beide Mannschaften auch. Wer beim Spiel Brasilien – Deutschland 20 Minuten verpaßt hat, hat 5 Tore verpaßt. Bei diesem Halbfinale hat er nicht viel verpaßt. Beide verteidigen, in der Spitze haben sie nichts zu bieten, und der Schiedsrichter hat sich zu spät darauf besonnen, Fouls zu ahnden.

Das wird womöglich langwierig und zäh.

Da ich nur schöne Gartenfotos produziere, habe ich auch leider kein Foto…

2. Halbzeit 0 : 0, n.V. 0 : 0, und im Elfmeterschießen versagten die Niederländer zwei Mal

Ehrlich gesagt: es war eine Pein, dieses Fußballspiel zu verfolgen. Und irgendwie waltete eine höhere Gerechtigkeit, daß gegen die Schwalben- und Psychotrick-Mannschaft der NL die fußballerisch bessere von Argentinien gewann.

Sie hat natürlich keine Chance im Finale… 😉

Aber dafür, daß die bessere Mannschaft ins Finale eingezogen ist und daß Südamerika dort noch vertreten ist, gibt es eine Rose:

14-07-06 Westzeit erste Blüte

Das ist die erste Blüte der zweiten Blüte der Westzeit-Rose. Ein Wunder insoweit, als alle anderen Rosen Wochen brauchen, um zur zweiten Blüte zu gelangen.

Und so hoffe ich auf ein wahnsinnig gutes Finale Deutschland-Argentinien.

 

2. Update vom 8.7.2014

Deutschland- Brasilien 7 :1

Da bleibt einem die Spucke weg, wie der für Klose eingewechselte Schürrle noch zwei weitere Tor machte.

Ich habe weder Worte noch Bilder für diese überragende Leistung der deutschen Mannschaft. Sie hat alle Chancen auf den Titel. Und hoffentlich hören jetzt die medialen Nörgeleien auf.

Ich bin nach diesem Fußballfest echt fertig.

Update vom 8.7.2014

Brasilien gegen Deutschland  0: 5 in der 1. Halbzeit

WAHNSINN!

Ich hatte zwar auf eine 60 zu 40 Chance für die deutsche Mannschaft getippt, aber was hier los war, hat doch alle meine Erwartungen übertroffen. War das erste frühe Tor durch Müller noch einer Standardsituation geschuldet, fielen die vier weiteren – Klose, Kroos, Kroos, Khedira, vielleicht war die Reihenfolge auch anders, sorry, bin gerade zu aufgeregt, selbst im friedlichen Neuruppin wurde gerade ein Silvesterböller gezündet – aus erspielten Situationen. Mann, was spielte die deutsche Mannschaft auf allen Positionen gut! Selbst nach dem 5 : 0 war sie dem 6 : 0 näher als Brasilien einem Anschlußtreffer. Zu verdanken war der Spielfluß natürlich auch dem Schiedsrichter Rodriguez, der die üblichen südamerikanischen Fouls konsequent abpfiff.

Ein Spiel, das in die Geschichte eingehen wird. Und das mich die vielen Regenschauer, Gewitter und Schnecken-Attacken des heutigen Tages vergessen läßt.

14-07-04 Cherry Girl Phlox

 

 

Update vom 6.7.2014

Niederlande – Costa Rica nach Verlängerung: 0 : 0, nach Elfmeterschießen 4 : 3

Wie hätten wohl deutsche Journalisten losgeblökt, wenn Deutschland auf diese Art und Weise mit Hängen und Würgen ins Halbfinale gekommen wäre?

Ich habe die Partie erst ab der sechzigsten Minute gesehen, als es 0 : 0 stand. Ich scheine nicht viel verpaßt zu haben. Es war Zufall, wer weiterkam. Natürlich wird jetzt die Legende verbreitet werden, daß es der geniale Trainer van Gaal war, der kurz vor Schluß den Torwart einwechselte, der zwei Elfmeter von Costa Rica hielt. Ich bin ziemlich immun, was derlei Geniestreiche angeht.

Es war Gück, nichts weiter.

14-07-02 Cosmea und UmgebungIn ein paar Tagen wird diese Idylle durch Schnecken zerstört sein. Die Blüten der Cosmea sind bereits weg.

 

 

 

 

2. Update vom 5.7.2014

Argentinien gegen Belgien 1 : 0

Das Gesetz der Serie: in den drei Viertelfinal-Spielen gewann immer die Mannschaft mit dem frühen Führungstor: Deutschland in der 12., Brasilien in der 7. und jetzt Argentinien in der 8. Minute. Aber anders als bei dem hektischen planlosen harten Herumgestümpere von Brasilien und Kolumbien konnte man hier ein packendes Fußballspiel mit Betonung auf „Spiel“ sehen. Das lag an dem famosen Schiedsrichter, der sofort nach der ersten Hakelei einen Freistoß gab und bei der zweiten danach ebenso eingriff, und sich die Gelb-Kandidaten später präventiv verbal zur Brust nahm. Als am Schluß die Nerven blank lagen, zögerte er auch nicht, gelbe Karten zu zücken.

So kam Spielfluß auf, und ich muß gestehen, daß mein Herz zuguterletzt für Belgien schlug, das nie aufsteckte und bis zum Schluß um den Ausgleich kämpfte – mit vielen Möglichkeiten.

Es hat nicht sollen sein. Am Ende trat Ermattung ein – jedenfalls bei der Zuschauerin.

14-07-02 Schöne aus HamburgEs klingt ja irgendwie schadenfroh, aber das soll es nicht. Brasiliens Top-Stürmer Neymar hat sich eine schwere Verletzung zugezogen und fällt für den Rest der WM aus. Das erhöht zwar die Chancen der deutschen Mannschaft – aber Neymar wünsche ich alles Gute!

14-07-02 Augusta Luise II und Cherry Girl

 

 

Update vom 5.7.2014

Brasilien – Kolumbien 2 : 1

Ich hatte ja das Ergebnis Kolumbien-Brasilien 1 : 0 getippt, und irgendwie ist das auch jetzt noch naheliegend. Deutschlands nächster Gegner Brasilien hat keine einzige Torchance herausgespielt, sondern die Tore nur durch Standards bewerkstelligt. Brasilien wurde durch nicht geahndete Fouls begünstigt, hat ihren Kapitän da Silva durch die 2. gelbe Karte für das Spiel gegen Deutschland verloren und hat in Neymar einen Blender, der davon ablenkt, daß Hulk der effektivste brasilianische Spieler ist (ich erwähnte ihn  bereits).

Selten konnte man ein konfuseres, hektischeres und härteres Fußballspiel sehen. Es war ein Fehler des spanischen Schiedrichters, nicht frühzeitig gelbe Karten zu ziehen. Die Mannschaft, die wirklich Fußball spielte, nämlich Kolumbien, hatte in dieser Atmosphäre keine Chance.

Die deutsche Mannschaft, die deutlich besser Fußball spielt als Kolumbien, und die hoffentlich auf einen besseren Schiedrichter stößt, ist favorisiert.

Disziplin siegt eigentlich immer gegen Wildwuchs.

14-06-27 3 Katzen

😉

 

Update vom 5.7.2014

Frankreich – Deutschland 0 : 1

Wer sagt’s denn! Geht doch! Allen mißgünstigen und besserwisserischen Nörglern zum Trotz steht die deutsche Elf im Halbfinale. Angehmerweise fiel das Tor durch einen Kopfball von Mats Hummels schon in der 13. Minute, so daß die ganz großen Herzinfarkt-Momente ausblieben. Schönes Kombinationsspiel, sichere Abwehr, ein wie immer hervorragender Manuel Neuer wurde nur zwei Mal gefordert: bei Valbuenas Schuß kurz vor Ende der ersten Halbzeit und bei Benzemas Versuch in der 94. (!) Minute: da rettete seine Faust. Aus dem Ansturm der Franzosen ergaben sich gute Konterchancen – ein spannendes Spiel.

So ertrug ich dann auch den Kommentator, der die Franzosen „frischer“ fand und hervorhob, daß sie ja viel offensiver agierten als die Deutschen (klar, sie lagen schließlich zurück. Was hätte er gesagt, wenn die deutsche Mannschaft angegriffen und sich daraus eine Kontermöglichkeit für Frankreich ergeben hätte? Das ist doch klar). Kaum hat er Mesut Özil heruntergemacht, gab es dessen energische Aktion links außen nebst Vorlagen für Müller bzw. Schürrle, der leider wieder einmal nur den Torwart traf.

Sollte man den Ton abdrehen? Oder darauf hoffen, daß es nach dem pflichtgemäß erreichten Halbfinale nun eine Kür der Kommentatoren geben wird?

Egal. Eine Teatime-Rose für die deutsche Mannschaft gibt es auf jeden Fall.

 

14-06-28 Teatime 3

 

 

 

Update vom 2.7.2014

USA – Belgien  1 : 2 n. V.

Soviel zum Gerede von Favoriten und vom Genörgel am Spiel der deutschen Mannschaft. Deutschland hat die USA in der Normalspielzeit klar geschlagen, und dabei niemals den Eindruck erweckt, eventuell verlieren zu können. Ganz anders der Auftritt Belgiens. Offensiv aber abschlußschwach, zudem behindert durch den starken amerikanischen Torwart Howard, vermochte die belgische Mannschaft in der regulären Spielzeit, die 0 : 0 endete, nicht einmal den Hauch einer Überlegenheit zu entwickeln.

Mit Glück erzielte sie in der Verlängerung ein 2 : 0, das im Drama des Geschehens durch die USA umgehend auf 1: 2 verkürzt wurde. Es ist schicksalshaft für beide Seiten, wie das Spiel ausgegangen ist. Denn daß Belgien keine bessere Fußballmannschaft hat als Deutschland, ist klar erwiesen.

Der Klinsmann-Mannschaft reiche ich wegen des ungerechten Ausscheidens eine Rose, die ich am 1.7.2014 aufnahm (denn die Teatime hat den Regentagen zwar Tribut zollen müssen, aber sie behauptet sich doch):

14-07-01 Teatime 1

 

Zweites Update vom 1.7.2014

Argentinien – Schweiz 1 : 0 n.V.

Wow! Mein Schluß nach diesem Spiel: es gibt keine leichten Spiele in den Achtelfinals dieser WM 2014. Wer hätte gedacht, daß Argentinien und die Schweiz auf Augenhöhe spielen würden, und daß Argentinien erst in der 117. Minute DAS Tor gegen die Schweiz machen würde? Und das nicht einmal durch Messi, der nur vorbereitete – bei dem ersten und letzten machtvoll-schnellen Konterangriff auf eine in Auflösung befindliche Schweizer Abwehr?

Kurz danach Powerplay der Schweizer mitsamt deren Wolfsburger Torwart Benaglio: ein Pfostenschuß. Zentimeter oder ein Lidschlag vorbei an der Sensation, daß die kleine Schweiz das große Argentinien ins Elfmeterschießen gezwungen hätte. Im Gegenzug traf Argentinien das noch leere Schweizer Tor nicht…

Die Preisfrage: was kommt dabei heraus, wenn eine defensiv eingestellte Mannschaft, die auf Konter lauert, auf eine Ballbesitz-versessene Mannschaft trifft, die nur über einen Star-Stürmer, nämlich Messi, verfügt? Genau, ein ewiges Null zu Null, das es dem Zuschauer nicht leicht machte, bei der Stange zu bleiben. Für beide Mannschaften ergaben sich nur wenige echte Chancen. Und es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, wie der Schweizer Dmric, völlig unbedrängt wenige Meter vor dem Torwart, der weit vor dem Tor steht, schießend, den Ball ganz zart direktemang in die hilfreichen Arme des Torwarts befördert. Sind das blackouts? Ist das ein archaischer Zwang, einen so in nächster Nähe stehenden Menschen nicht als Gegner, sondern als Partner aufzufassen?

Trotz des Sieges von Argentinien: als Favorit kann ich diese Mannschaft nicht sehen. Das Aufregendste an ihr war nach endlosen 117 Minuten fehlender Souveränität und Effektivität die Frisur des Spielers Palacio, sein „Rattenschwänzchen“, das aus einer kreisförmigen Haarwucherung am Hinterhaupt des ansonsten millimeterkurz gestutzten Kopfhaars hin- und herwedelte.

http://www.hna.de/sport/fussball-wm/stilfrage-setzt-argentiniens-rodrigo-palacio-einen-trend-3646711.html

Ich habe lange überlegt, welches Gartenfoto zu diesem Spiel bzw. meiner Stimmung danach paßt.

14-07-01 Phlox 1Ich bin dann auf das heutige Foto gestoßen – denn meine vier Phloxe, die zwischen und hinter den Rosen stehen, beginnen zu blühen.

Eine schöne Aussicht in unschönen Zeiten, in denen mitten in Europa Haß und Gewalt Platz greifen. In denen einem Fußball als Symbol für Völkerverständigung vorkommt…

 

Ab sofort stelle ich die Updates oben ein, um das lästige Scrollen zu vermeiden. Hier also ein Update vom 1.7.2014:

Auf Wunsch stelle ich hier ein Foto vom Eisenhut ein – to whom it may concern:

14-07-01 Eisenhut 2Er blüht wunderschön – aber erst im August; ich greife daher auf ein Foto aus dem letzten Jahr zurück.

Eisenhut, 4.8.2013

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Nichts ist unnützlicher als Fußball. Dennoch liebe ich ihn, und vielleicht gerade deshalb. Er schenkt uns magische Momente, wie dieses Foto einer Passionsblume, die in Wirklichkeit vor sich hinkränkelte, aber dann plötzlich eine Blüte produzierte, die von einer tiefstehenden Abendsonne geradezu enigmatisch erleuchtet wurde.

In der aktuellen ZEIT gibt es einen aufschlußreichen Briefwechsel zwischen Sabine Rückert, die Fußball haßt, und Harald Martenstein, der Fußball liebt.

Frau Rückert hat Probleme mit ihrem fußballbegeisterten Mann, der doch sonst so pflegeleicht ist, der sich aber leider stundenlang dem Fernsehen widmet, geht es um Fußball oder gar um die WM; der sich gar einen Kunstfaser-FC-Bayern-Schal um den sonst so leinen- und baumwoll-liebenden Hals schlingt, wenn er sich Spiele seiner Mannschaft ansieht. Und dessen leidende Ehefrau sich streng politisch korrekt den kapitalistischen Auswüchsen dieses Sports widmet, dessen wirtschaftliche Seite besonders korruptionsanfällig ist.

Alles richtig, konzediert Harald Martenstein, aber jemand, der diesem Sport nichts abgewinnen kann, sollte besser schweigen. Zur Partnerschaft gehöre es, dem Partner die Freiheit von abwegigen Hobbies einzuräumen, zumal ihr Mann sie ja nicht zwinge, mitzugucken. Kommerz, Korruption und unglaubliche Honorare gebe es auch in anderen Bereichen wie im Model-Business oder im Genre des Pop. Und überhaupt wolle er kein Leben führen, das politisch korrekt sei, dazu sei es zu kurz.

Drei zu Null für Martenstein.

Er darf der humorvoll-hedonistische Freigeist-Kolumnist sein, sie als Mitglied der Chefredaktion bedient protestantischen Zeitgeist und zugleich Mißtrauen gegen die Frauenquote. Denn seitdem Sabine Rückert Mitglied der Chefredaktion ist, läßt sie jegliche rechtsstaatlich orientierte Justizkritik vermissen, sondern deckt das psychiatrische Establishment in Gestalt von Prof. Dr. Kröber, der sich in den bayerischen Fehlurteilen bzw. Vollstreckungs-Desastern in den Fällen Ulvi Kulac und Gustl Mollath unsterblich blamiert hat.

Diese persönliche Psychiatrie-Allianz darf sie aus ihrer Machtposition heraus dahingehend ausleben, in unglaublicher Manier gegen die von bayerischen Fehlurteilen betroffenen Angeklagten Kulac und Mollath diffamierend zu Felde zu ziehen oder zu Felde ziehen zu lassen.

Und jetzt auch noch diese moralinsauren Traktate gegen den Fußball.

Ich habe heute ein 5:1 der Niederlande gegen Spanien gesehen, das aus magischen Momenten bestand.

Ich mag beide Mannschaften nicht, weil mir die Niederlande zu rüde spielen und Spanien zu technokratisch. Dennoch habe ich zu den Niederlanden gehalten, weil ich den spanischen Fußball für den Tod des Fußballs halte: Ballbesitz gleich Überlegenheit gleich Totlaufenlassen des Gegners gleich Konterchance. Das ist nicht der Fußball, der wirklich attraktiv ist. Gegen Paßgenauigkeit ist nichts einzuwenden, aber Tiki-Taka-Fußball ist schlicht langweilig.

Durch einen zu Unrecht gegebenen Elfmeter ging Spanien auch noch in Führung. Derlei Ungerechtigkeiten würzen ein Spiel, fördern manchmal sogar die Offensivkräfte des Gegners. Letztlich waren es individuelle Stärken und Schwächen, die das Spiel entschieden, und die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, die zum 1:0 für Spanien führte, wurde kompensiert durch die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, einen Angriff auf den spanischen Torwart zu übersehen, der zum 3:1 für die Niederlande führte.

Wie mag sich der spanische Torwart fühlen, der durch einen mangelhaften Paß auf einen eigenen Spieler das 1:4 verursachte? Und wie Arjen Robben, der durch eine Super-Einzelleistung das demütigende 5:1 gegen den Weltmeister besiegelte?

Drama pur, und nichts war vorhersehbar.

Das ist Fußball. So ähnlich ist auch Garten. Man plant und die Natur will es anders. In diesem Blog-Beitrag werden die weichen Themen behandelt. Die nicht planbaren. Die Momente, die berühren – die, die man braucht, um nicht vollends am Versagen des Rechtsstaats in Deutschland und an der macht- und wirtschaftspolitischen Gewalt in der Ukraine und anderswo zu verzweifeln.

Jetzt wird Obama mit dem Bush-Erbe eines verfehlten Irak-Krieges konfrontiert. Nun dürfen die USA womöglich Seit an Seit mit Iran gegen Extremisten vorgehen, die Alquaida weit in den Schatten stellen. Das ist alles nur noch verrückt.

So auch meine weltflüchtende Liebe zu Rosen, die aber zur Psychohygiene erforderlich ist. Insbesondere die zu meinen beiden sehr unterschiedlichen Rosen Augusta Luise, die sich im Mittelbeet ausbreiten.

14-06-09 Augusta Luise I 1 14-06-10 Augusta Luise II 214-06-09 Augusta Luise I Lavendel 2

 

Jeder kann sich vorstellen, was ein Gewitter oder ein Dauerregen diesen empfindlichen Schönheiten antut. So wenig, wie ich Kriegsfotographen verstehe, so wenig mag ich Schäden dokumentieren.

Mir ist der Optimismus zu eigen, daß der Fußball und die Natur siegen werden.

Was die Humanität angeht, bin ich skeptisch. Deren Gegner sind zu zahlreich.

Update 15.6.2014

1. Halbzeit England – Italien 1:1

Was für ein begeisterndes Fußballspiel!

Zwei gleichwertige, offensiv eingestellte Mannschaften, die einfallsloses Sicherheits-Kurzpaßspiel nicht nötig haben, um das Mittelfeld zu überqueren. Präzise lange Bälle tun es besser. Mir wird es angst und bange, wenn ich das temporeiche Spiel sehe, das in einem unerträglichen Dschungelklima vorgetragen wird. Mir wäre es wohl ergangen wie dem britischen Mannschafts-Physiotherapeuten, der schon im Sitzen abklappte.

Eigentlich darf das Spiel nur unentschieden enden. Und eigentlich sollte ich den Kommentator ausblenden, denn der stört.

[…]

Nun, Italien hat durch einen Glückstreffer das 2:1 erzielt, ich sage nur: Balotelli, das England mit all seiner wuchtigen Entschlossenheit nicht mehr ausgleichen konnte.

Das Drama schlechthin. So ist Fußball.

Der britische Physiotherapeut ist übrigens nicht wegen des mörderischen Klimas in Manaus zusammengebrochen, sondern weil ihm sein Freudentaumel angesichts des britischen Ausgleichs eine Knöchelverletzung beschert hatte.

Trotz des ungerechten Ausgangs: Reklame für echten Fußball.

Diese Fußball-Impressionen waren spontane Reaktionen auf ein begeisterndes Spiel. Morgen werden logistische Probleme angegangen: was kocht man, wenn man gewöhnlich zwischen 19:30 Uhr und 20:00 Uhr speist, das Spiel Deutschland gegen Portugal aber um 18:00 Uhr beginnt? Da bietet sich doch glatt eine Suppe an, die vorgekocht und in der Pause zwischen den Halbzeiten eingenommen wird.

Die Interviews, Analysen und Kurznachrichten dazwischen informieren eh recht wenig. Ob’s an mir liegt? Ich war, so sieht es aus, wohl noch nie mehrheitsfähig.

Meine Rosen offenbar auch nicht, denn laut Wikipedia bringt es die Rose Augusta Luise maximal auf einen Meter:

Sie ist eine überreich blühende Edelrose mit einem aufrechten Wuchs. Unter guten Bedingungen erreicht sie eine Höhe von 70 – 100 cm.

http://de.wikipedia.org/wiki/Augusta_Luise_%28Rose%29

Kürzlich habe ich in einem Kommentar gestrunzt, daß die höchste der meinigen 1,70 m erreicht habe. Heute habe ich das überprüft und muß zehn Zentimeter abziehen…

Nun sind die beiden Augusta Luises im Mittelbeet zwar prominent placiert und DER Blickfang. Mein rechtes Sonnen-Rosenbeet liebe ich aber nicht minder.

14-06-14 Rosen Totale 14-06-14 rote Rose und UmgebungDort gibt es natürlich nicht ausschließlich Rosen, sondern auch Johanniskraut, Lilien und vier Phloxe, um die größeren Mitbewohner des Beetes zu erwähnen. Die kleineren wechseln, da sie als Schneckenfutter fungieren, so sehr ich mich auch dagegenstemme. Demut gehört zum Gärtnerdasein dazu…

Zu den Rosen gehört die aristokratische Teatime, im Hintergrund die Diva meiner Rosen, die zickige Red Diamond, die ihrem Namen aber immer alle Ehre macht:

14-06-15 Teatime und red diamond 3Und die robuste Westzeit:

14-06-15 Westzeit 2

Und die namenlose große rote Rose, die jetzt gerade erst loslegt und an die 50-70 Blüten haben wird. Viel Freude werde ich in diesem Jahr auch am Cherry Girl haben, das doppelt so groß geworden ist als sonst, und traditionell immer als letzte ihre Erstblüte hat, so kompliziert ist die Ausbildung der zahlreichen Knospen an jedem ihrer Zweige.

Aber die Augusta-Luisen sind schon was Besonderes. Und sie riechen so gut.

14-06-15 Augusta Luise I 1 14-06-15 Augusta Luise I 2 14-06-15 Augusta Luise I 3 14-06-15 Augusta Luise I 6 14-06-15 Augusta Luise II 1Daß sie in die Magnolie hineingewachsen sind, lag natürlich nicht im Plan. Aber sie haben sich nun mal nicht mit dem einen Meter beschieden, der ihnen vorausgesagt war. Weshalb ich den einen und anderen Magnolienzweig, so leid es mir tut, abschneide.

Das mit der Gerechtigkeit ist gar nicht so leicht.

Update: 16.6.2014

Deutschland – Portugal?

Da war doch mal was! Genau, vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich schon mal einen Garten-Fußball-Artikel, zur Fußball-Europameisterschaft.

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/06/13/deutschland-gegen-portugal-und-viecher-bluhgut-fusball-und-garten-als-welt-in-der-nusschale/

Damals endete es 1 : 0, heute 4: 0, aber was bedeutet das Ergebnis für die Frage, ob man ein tolles Spiel gesehen hat oder nicht? Die einzige Übereinstimmung zwischen beiden Spielen war, daß Boateng den gefürchteten Ronaldo wiederum voll im Griff hatte. Der nicht einmal mehr in Schönheit starb, sondern in kläglichem Mißerfolg. Da baut der Gegner nicht einmal mehr eine Mauer auf, wenn er zum Freistoß ansetzt – das muß bis ins Mark verunsichern.

Einen einzigen wirklich gefährlichen Schuß produzierte er. Für sowas haben wir Neuer, für die Tore den Thomas Müller (solange Klose und Podolski auf der Bank sitzen) und wenn’s sein muß, auch den Abwehrspieler Mats Hummels, der dafür sorgte, daß auch die Borussen-Fans einmal ganz befreit jubeln konnten. (Gell, Stringa?)

Nach der ersten Halbzeit hätte das Spiel eigentlich aufhören können. Es war überirdisch gut, mehr ist dazu nicht zu sagen: Tempowechsel, lange intelligente Pässe, Torszenen, Elfmeter, gute Kombinationen, eine aufmerksame Abwehr, die Überlegenheit einer klar besseren Mannschaft, die die Portugiesen zu Fouls verleitete, gar zu einer Tätlichkeit gegen Thomas Müller, die mit einer roten Karte geahndet wurde.

Klar, ohne die zweite taktische Schongang-Halbzeit hätte Müller das dritte Tor nicht geschossen; aber dann hätte sich Hummels auch nicht verletzt. Haderhaderhader.

Die Löw-Niederschreiber wurden in die Ecke gestellt, die Gina-Lisas dieser Welt hatten dieses Mal keine Chance (die kleinlichen Skandalisierungsversuche wg. Urinierens in einem Hotelfoyer oder Führerscheinverlustes verpufften), und nun darf man hoffen, daß dieser Teil der Medien endlich a Ruah gibt.

Kommen wir zur Preisverleihung:

Thomas Müller bekommt eine jugendliche Teatime-Rose:

14-06-15 Teatime solo

Mats Hummels ein Zweiglein einer kleinen Neu-Rose mit dem poetischen Namen „Die Schöne aus Hamburg“:

14-06-10 Schöne aus HamburgUnd Ronaldo den Trostpreis; angesichts der imaginierten Heftigkeit des Trostbedürfnisses muß es schon eine spektakuläre, wenn auch nicht sehr haltbare, Blüte sein:

14-06-10 Hiibiscus 2Die Augusta Luise behalte ich natürlich für mich. Da wird nichts abgeschnitten…

 

@ Stringa:

14-06-15 weiße Rose

Update: 17.6.2014

Brasilien-Mexiko, 1. Halbzeit 0 : 0

Heute hatte ich gelesen, daß nach der Papierform Mexiko überlegen sei, denn in 16 Begegnungen habe Mexiko 8 Mal gewonnen und Brasilien nur 4 Mal. Statistik eben, die nichts aussagt. Mexiko war nicht überlegen. Brasilien allerdings auch nicht. Irgendwie kam mir das alles sehr planlos vor, was beide Mannschaften da veranstalteten, und so viele Fehlpässe habe ich bislang auch noch nicht gesehen. Zwei klare Torchancen für Brasilien. Und die Erkenntnis, daß der mexikanische Torwart Guillermo Ochoa nicht nur sehr niedlich ist, sondern auch ein guter Torwart.

2. Halbzeit, 0 : 0

25 Minuten vor Schluß wachte die brasilianische Elf auf und zeigte, daß sie eigentlich ein Tor schießen wollte. Leider ist die brasilianische Mannschaft keine Mannschaft, und so wurde daraus nichts – produzierte aber Spannung bis zum Schluß, auch durch die Konterchancen, die sie ermögllichte.

Ich habe keine Mannschaften gesehen, die sich auch nur für’s Viertelfinale empfohlen hätten. Dafür aber einen superattraktiven Weltklassetorwart aus Mexiko namens Guillermo Ochoa.

Ich habe leider keine Fotos für Euch.

Was Ochoa angeht, muß ich noch suchen…

Und bin mit einem Reisefoto aus Side (Türkei) fündig geworden.

Promenade 07

 

Update: 19.6.2014

1. Halbzeit England – Uruguay 0 : 1

Hektisch, hirnlos, harmlos, Herzinfarkt-Momente; dann schoß ein Liverpooler das Tor. Leider spielte er für Uruguay. (Ich bin parteiisch, mein Mann ist Brite.)

Am Klima kann es nicht gelegen haben, typischer englischer Sommer, 12 Grad Celsius. Eher lag es am fehlenden inneren Feuer, und außerdem: zunächst hatten die Briten kein Glück, und dann kam noch das Pech hinzu. Wayne Rooneys Kopfball an die Latte – der hätte doch reingehen müssen. Tat er aber nicht.

Die Deutsche in mir sagt: Uruguay führt nicht unverdient.

Interessante Frisuren gab es zu bestaunen. Ich wußte gar nicht, daß männliches Haupthaar soviele kreative Möglichkeiten bietet. Und figurbetonte Leibchen bei den Südamerikanern. Ob’s daran gelegen hat? 😉

2. Halbzeit England Uruguay 1 : 2

Spannend war sie, keine Frage. Und der liebe Wayne Rooney machte endlich sein WM-Tor zum 1 : 1. Und dann kam schon wieder dieser Liverpooler „El Pistolero“ Suares und erzielte den zweiten Treffer für Uruguay. Irgendwie kam der aus dem Nichts und stand – nein, er stand nicht, er lief – frei im Strafraum und verwandelte, woraufhin er sich mit Wadenkrämpfen vom Platz verabschiedete. Großartig, und irgendwie war klar, daß es das war. Das Spiel war gelaufen.

Gewinnt wirklich derjenige, der den Sieg am meisten will?

Bye bye, England. In Europa ist der Wurm drin, neben Spanien ist jetzt auch England draußen. Das wird die Suche nach dem EU-Komissionspräsident nicht erleichtern, zumal Luxemburg bei der WM gar nicht erst mitspielt.

Nun sollte ich wieder ein Gartenfoto einstellen, aber das einzig passende wäre eins meiner schwarzen Petunie. Die ich bislang aber noch nicht fotographiert habe. Das hole ich morgen nach. Versprochen.

Nachtrag: 20.6.2014

Hier ist sie:

14-06-20 Schwarze Petunie 1

Schweiz – Frankreich, 1. Halbzeit, 0 : 3

Ein Spiel, das den Zuschauer erfreut – alles dabei: Drama, Torszenen, tolle Schüsse, tolle Tore, ein gehaltener Elfmeter durch die Schweiz (mit einem Nachschuß gegen die Latte und einem zweiten, der auch sehr gefährlich war). Zwei Mannschaften mit Leib und Seele und Drang zum Tor.

Und eine tapfere Schweizer Mannschaft, die auch nach dem Doppelpack binnen einer Minute nicht aufsteckte. Hach, die Zuschauerin ist entzückt. Und bewundert mal wieder das wahre menschliche Ingenium, das in der Friseur- und Barbierkunst sein eigentliches Zentrum hat. Von Totalglatze bis Gel-Igel, von Dutt bis Mittelstreifen, der teilweise blond gefärbt, teilweise am Hinterhaupt spitz zulaufend, mal mit Ponyfransen, mal minimalistisch ausgeprägt war. Von Kein-Bart über Bartandeutung, 5-Tage-Bart oder Ziegenbärtchen bis richtigem Bart war alles dabei. Style as style can.

An den Torwart der Herzen kam allerdings keiner ran:

http://successfortress.com/guillermo-ochoa-one-of-soccers-best-goallies/

Schweizer mit exotischen Namen, die überall spielen nur nicht in der Schweiz. Unter dem deutschen Trainer Hitzfeld, der ihnen jedenfalls ein großes Kämpferherz verpaßt hat.

BTW: nicht Belgien, Frankreich ist der Geheimtip!

Schweiz – Frankreich, 2. Halbzeit, 2 : 5

Das 2 : 6 fiel zwei Sekunden nach dem unsensiblen Abpfiff, der mitten in eine Torszene der Franzosen trillerte.

Ein traumhaftes Fußballspiel – jeder, der es verpaßt hat, tut mir leid… Beide Mannschaften spielten offensiv weiter, und wie die Schweizer auch nach einem 0 : 5-Rückstand nicht aufgaben und noch zwei Tore machten: Respekt! Das 2 : 5 war ein Freistoß-Tor, und das müssen die Franzosen noch lernen: in der Mauer steht man nicht breitbeinig…

Nach diesem Fußballfest reiche ich meine Großrose, an der sich beide Mannschaften bedienen mögen.

14-06-20 rote Rose 1

Update 21.6.2014

Deutschland gegen Ghana – 2: 2

Bin noch immer ganz aufgewühlt von diesem Klasse-Fußballspiel. Die Zeit der Klein-Klein-Ballschieberei ist definitiv vorbei, gottseidank. Ghana hat stark und mit Löwenmut gespielt, sehr athletisch im Einsatz.

0 : 0 in der ersten Halbzeit, was nicht bedeutet, daß sie nicht spannend war. Im Gegenteil! Beide Mannschaften spielten auf Sieg, Torchancen auf beiden Seiten, ein Genuß für den Zuschauer. Aber erst in der zweiten Halbzeit ging es so richtig zur Sache. Was ich am Fußball liebe, ist seine Unberechenbarkeit. Da geht die deutsche Mannschaft durch Götze mit 1 : 0 in Führung, und da sollte man doch denken, daß dieser Vorsprung Sicherheit verleiht. Das Gegenteil ist der Fall. Binnen Minuten zwei gravierende Abwehrfehler, und Ghana führt 2 : 1.

Ich bin total unsportlich und wäre, Sportlichkeit unterstellt, für einen Mannschaftssport auch nicht geeignet gewesen. Und daher weiß ich nicht, wie es in der Psyche eines Mannschaftsspielers zugeht. Führt der Vorsprung in einem so engen Spiel vielleicht zu einem trügerischen Gefühl der Sicherheit?

Danach die Auswechselung. Die offensiven Kämpen Schweinsteiger und Klose steigen ein, und nicht mal zwei Minuten später schießt Klose das 2 : 2. Als ob ein Ruck durch die Mannschaft gegangen wäre, häufen sich die Chancen – aber auch Ghana steckt nicht auf. Es blieb spannend bis zum Schluß.

Ein großartiges Spiel. Und irgendwie schon ein Sieg für Deutschland, daß es nicht verloren ging.

Ein Kompliment an beide Mannschaften, die sich verausgabt und Reklame für Fußball gemacht haben, wie er sein sollte. Da muß nun meine Garten-Diva, die Red Diamond, ran.

14-06-20 red diamond

 

Update: 23.6.2014

USA gegen Portugal 2 : 2

Ich habe es dann doch noch geschafft, dieses Spiel zu sehen. Und habe es nicht bereut. Das Glückstor der Portugiesen in der 5. Minute habe ich verpaßt, das gebe ich zu, weil ich erst in der 7. Minute einschaltete. Ab da gab es nur eine Mannschaft, die Fußball spielte, und das war die der USA. Sie spielte, das war dank Klinsmann nicht anders zu erwarten, deutsch – nur eben nicht ganz so gut.

Ein spannendes Spiel, ein Spiel, das begeisterte. Die USA legten in der 63. Minute nach, 1 : 1. Sie erzielten das 2 : 1, völlig verdient. Ronaldo blieb pomadig, versemmelte einen Freistoß hoch übers Tor, glänzte bei einem Alleingang durch einen Schuß ins Seitennetz, markierte eine Schwalbe – eine desolate Vorstellung.

Wie Fußball so ist, nämlich ungerecht, gab es 5 Minuten Nachspielzeit und Portugal quälte sich irgendwie in der letzten Sekunde zum 2 : 2.

Nun fangen die Rechner wieder an zu rechnen. Ich denke, daß ich wieder einmal ein mitreißendes Spiel gesehen habe, das durch zwei unverdiente Glückstore einer unterlegenen Mannschaft gedreht wurde.

Für Deutschland heißt das: man muß die Mannschaft der USA durchaus ernstnehmen – aber Angst muß man nicht haben 😉

Update: 24.6.2014

Italien gegen Uruguay 0 : 1

Die erste Halbzeit entging mir, weil im Garten größere Aufräumarbeiten anstanden nach drei heftigen Schauern am heutigen Tag, von den Schnecken-Killaktionen ganz zu schweigen. Die zweite Halbzeit kriegte ich so halbwegs mit beim Kochen: letztlich muß man nicht alles ständig kontrollieren, da blieb genug Zeit, um mehr als nur ab und zu reinzusehen. Und während die asiatische Nudelpfanne manierlich gelang, mißriet das Spiel durch eine inakzeptable Schiedsrichterleistung. Ab da vertagte ich das Essen und guckte nur noch. Mein Mann wußte beides zu versöhnen: Gucken beim Essen.

Kleiner Tip: vielleicht sollte man keinen mexikanischen Schiedsrichter nehmen, wenn eine südamerikanische Mannschaft gegen eine europäische spielt?

Das Ende vom Lied der WM-Teilnahme Italiens war eine ROTE KARTE wegen eines Allerweltfouls, das maximal GELB erfordert hätte. Danach zeigte „El Pistolero“ Suarez, daß er nicht nur schießen, sondern auch beißen kann, und irgendwie bot sich die linke Schulter eines italienischen Gegenspielers an, über den er sich offenbar geärgert hatte. Das bekam der Schiedsrichter nicht mit, und auch die Schulter-Entblößung des Gebissenen half nicht, weil sie definitiv unversehrt wirkte. Das Trikot hat wohl eine Spurenbildung verhindert.

Danach gab es kurz vor dem offiziellen Schluß ein Ecke-Tor-Tor für Uruguay, wogegen die Italiener anrannten. Drama pur, zwischendurch zückte der Schiri auch die gelbe Karte gegen den Torwart von Uruguay, wieso, ist mir entgangen in der Hektik, weil die fünf Minuten Nachspielzeit so kräftezehrend waren und ich schon an die Chinapfanne dachte. Und dann krönte der Schiri seine Leistung auch noch dadurch, daß er die Nachspielzeit eigenmächtig um 40 Sekunden verlängerte, was wohl seine Entschuldigung gen Italien sein sollte, denn deren Mannschaft war bei einem Freistoß am Zug.

Ich kann natürlich nicht sagen, woran es lag, daß die Italiener bis zur 70. Minute, als das Drama begann, kein Tor geschossen haben. Logischerweise haben sie sich das selber zuzuschreiben. Aber was in den letzten 25 Minuten der Partie geschah, muß man wohl wie ein Naturereignis hinnehmen. Such is life.

Jetzt sind die Angstgegner der Deutschen, nämlich Spanien, Italien und England draußen. Und neue Angstgegner wachsen nach.

Zwei Symbolbilder aus meinem Garten, in dem es auch ein Mini-Biotop gibt, bei dem man nie weiß, wie es im neuen Jahr aussehen wird:

14-05-20 Biotop 1

Und hier nature in a nutshell:

14-05-20 Terrasse Flieder 2Update: 25.6.2014

1. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

Irgendwie störend, dieser Kommentator Gottlob: jeden Furz der Ecuadorianer bejubelnd, aber das schöne Kombinationsspiel der Franzosen, die in dieser Halbzeit die dickste Chance hatten, ignorierend. Wir sehen ein sehr unterschiedliches Spiel – aber das ist wohl immer so.

Ich hadere mit der Technik, der olle Fernseher reagiert nicht mehr auf die Fernbedienung, an Batterieschwäche soll es nicht liegen (sagt mein Mann), oben weist er – der Fernseher – zwar Knöpfe mit verwirrenden Piktogrammen auf, die ich allesamt nicht verstehe (früher stand da schlicht „Ein“ und „Aus“, heute gibt es Symbole für Analphabeten, zu denen ich nicht gehöre), aber allesamt durchprobiert habe, leider tut sich da auch nichts, und meine Erfahrungen mit livestream-Internet-Fernsehen sind mies: wenn es spannend wird, fällt es aus. Plötzlich rotiert da was und es heißt: „Loading“, aber das ist nur eine Verheißung…

Kurz und gut: Frankreich, das mit einem Unentschieden Gruppenerster wäre, spielt auf Sieg, bislang glücklos, und Ecuador, das gewinnen muß, um weiterzukommen, präsentiert sich harmlos.

Die wackeren Schweizer führen 2 : 0 gegen Honduras, und wären weiter, wenn Frankreich gewönne. Und jetzt zurück zum Livestream.

2. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

3 : 0 hätte die drückend überlegene französische Mannschaft, die in Zweitbesetzung auflief, gewinnen können, hätte sie nicht so glücklos gespielt. Sowas gibt’s im Fußball, im Kommentatorensprech heißt es dann gern, daß der Knoten nicht platze. Trotz beseelter Anfeuerungen von Herrn Gottlob, der sich die Ecuadorianer auch dann noch im Achtelfinale wünschte, als die wackere Schweiz schon 3 : 0 gegen Honduras führte, was dann auch der Endstand war, hatte der Simpelzuschauer wie ich niemals das Gefühl, daß einer der harmlosen Angriffe von Ecuador zum Erfolg hätten führen können.

Herr Gottlob hat wohl mitbekommen, wie enervierend falsch seine Kommentierung lag, sonst hätte er am Ende nicht behauptet, nicht Ecuador hätte Rot sehen sollen, sondern mindestens zwei Mal Frankreich. Sowas nennt man „Nachtreten“ zur Rechtfertigung des eigenen bias.

Gut. Frankreich und die Schweiz sind weiter. Ein schöner Fußballabend.

Und morgen werde ich es trotzdem ausprobieren mit einer neuen Batterie für die Fernseh-Fernbedienung. Und jetzt grüble ich nach, welches Blumenbild wohl zu diesem trefflichen Fußball-Abend am besten paßt. Hm. Ach ja. Die erste Pfingstrose in meinem Garten, die wirklich pfingstnah zu blühen begann, nämlich am 14.6.2014.

 

14-06-01 PfingstroseAuch wenn sie dieses Jahr schwächelte und nur diese eine Blüte produzierte.

Es ist wie beim Fußball. Man steckt nicht drin. 😉

 

Update: 26.6.2014

Deutschland – USA  1 : 0

Das Spannendste war ja vor dem Spiel. Vormittags hatte ich den Dreh raus, wie ich den Fernseher ankriege, eine Kombination aus Knopf am Gerät und halb funktionierender Fernbedienung. Kurz vor dem Spiel (muß an der Aufregung gelegen haben), klappte sie aber nicht mehr. Panik. Schließlich hatte ich doch ein Bild, nur daß mir die Mannschaftsaufstellung von Portugal präsentiert wurde. Portugal? Hektik, bis ich die Sendereinblendung „ZDF-Info“ entdeckte. Punkt 18 Uhr war ich drin im Spiel.

Ein disziplinierter Arbeitssieg, der die Kräfte der Spieler und die Nerven der Zuschauer schonte. Nie mußte man Angst um die Jungs haben, und das mal-wieder-Müller-Tor in der 54. Minute war das Sahnehäubchen auf dem grundsoliden Streuselkuchen. Zumal sie danach, anders als gegen Ghana, wieder schön diszipliniert weiterspielten, als wäre nichts geschehen.

Rundum gelungen – bis auf die Chancenverwertung. Auch die USA sind weiter, dank des 2 : 1 von Portugal gegen Ghana. Heute war der erste Sonnentag nach vier Regentagen, meine Schneckenfangquote der reine Wahnsinn, und so tritt jetzt behagliche Entspannung ein. Die werde ich nutzen, um Fotos auszusuchen…

Spielbegleitende Harmonie, so dachte ich’s mir, herrscht ja vor allen Dingen auf der Terrasse, selbst wenn es auch dort ungeahnt wild wuchert und man immerfort eingreifen muß. Die Susanne häkelt sich in den Oleander, die Geranie nimmt dem Jasmin das Licht weg, und Schneckenalarm herrscht täglich in den Töpfen der Verbene, der Petunie und der Lobelien. Aber ansonsten – die schönste Eintracht. Passend zum heutigen Tag.

14-06-10 Hibiscus

14-06-26 Terrasse Margerite

14-06-26 Terrasse Begonia Bionfire

14-06-26 Terrasse Petunie

14-06-26 Terrasse Schwarzäugige Susanne 214-06-26 Terrasse Kommode

 

Den nächsten Gegner der deutschen Mannschaft habe ich mir auch angesehen, jedenfallls ab der 37. Minute: Rußland oder Algerien? Rußland führte da mit 1 : 0. Die deutsche Mannschaft hat Glück gehabt: von zwei unorganisierten Mannschaften mit hoher Fehlpaßquote kam die schlechtere durch ein 1 : 1 weiter.

Ich denke nicht, daß Algerien ein Stolperstein für die deutsche Mannschaft werden wird. 🙂

 

Update: 28.6.2014

Brasilien gegen Chile: 1 : 1 nach Verlängerung, 3 : 2 im Elfmeterschießen = 4 : 3

Was für ein Spiel!

Die erste Halbzeit ungestüm, offensiv, ohne Spielfluß, da zu viel gefoult wurde (insbesondere von den Chilenen). Das 1 : 0 für Brasilien durch ein gut herausgespieltes Eigentor. Und dann das: die brasilianische Nr. 7, Hulk, vertändelt einen Ball im eigenen Strafraum, das gnadenlose 1 : 1 folgt auf dem Fuß.

Dieser Hulk war mir schon aufgefallen, als er auflief. Ein Bär von einem Mann, ganz untypisch für einen Südamerikaner. Ein gutmütiger Riese, tapsig aber schnell. Als ich dann hörte, daß er für St. Petersburg spielt, mußte ich lachen. Nach seinem Fehler in der ersten Halbzeit war es für mich ein Hulk-Spiel, zumal Neymar nur in der ersten Halbzeit zeigte, was für ein großer Fußballspieler er ist.

Und das ist Hulk, der eigentlich ganz anders heißt:

http://www.blick.ch/sport/fussball/fuer-96-millionen-st-petersburg-schnappt-sich-hulk-und-witsel-id2021434.html

In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung wollte Hulk seinen verhängnisvollen Fehler wiedergutmachen. Hulk war hinten, Hulk war vorne, Hulk flankte, Hulk schmiß sich hin und rein, Hulk donnerte wuchtige Fernschüsse aufs Tor. Einen faustete der chilenische Torwart Bravo, der nicht nur so hieß, sondern auch ein ums andere Mal so rettete, gerade noch so eben weg.

Nichts wollte gelingen. Eine Tragödie für den Mann, eine Tragödie für die Mannschaft. Nach sieben (!) gelben Karten das Elfmeterschießen.

Drama pur. Ganz Großes Kino. Der brasilianische Cäsar unter den Torhütern hält zwei Elfmeter. Dann kommt Hulk. Der braucht nur seine Masse einzusetzen. Ich sehe ihn anlaufen – nein, das ist nicht das richtige Wort. Er trippelt an, und da weiß ich schon: das geht daneben. Unglaublich, wie schwach so ein Kraftbündel schießen kann, wenn die Verantwortung niederdrückt. Bravo hält. Hulk ist am Boden – es wird ihn nicht getröstet haben, daß auch ein anderer Brasilianer daneben schießt.

Dann kommt Neymar, der es allen zeigen will und es auch tut. Nun ruht die Last auf dem letzten Chilenen. Der trifft den Pfosten. (Die größte Chance kurz vor Schluß hatten ebenfalls die Chilenen: da rettete die Latte.)

Was für ein Spiel! (Man kann es gar nicht oft genug ausrufen.) Mit dem glücklichen Ende für Brasilien, für die WM und für unsere Mannschaft. Denn gegen die ruppigen, leidenschaftlichen Chilenen spielen zu müssen, ist ausgesprochen undankbar. Mein Puls geht langsam runter.

Ich suche was Ruhiges aus dem Garten aus.

14-06-26 Terrasse lila Hortensie

Nachtrag:

Achja, ich vergaß – oder habe ich es verdrängt? Hulk schoß sogar das 2 : 1 für Brasilien – aber es zählte nicht und er kassierte dafür sogar eine gelbe Karte. Anders als bei einem weltberühmten argentinischen Spieler, der damit durchkam, lenkte zwar nicht die Hand Gottes den Ball ins Tor, aber sein Oberarm den Ball auf den Fuß, der das Tor erzielte. Hulk hat wirklich alles probiert, das muß man schon sagen.

Update: 29.6.2014

Uruguay-Kolumbien 0 : 2

Ich schrieb es schon in einem Kommentar:

Gesendet am 28.06.2014 um 23:03 | Als Antwort auf stringa .

Leider ist mein Tränendes Herz schon vor Jahren eingegangen, ich müßte also im Archiv suchen… Und außerdem sehe ich gerade Kolumbien-Uruguay, mit dem Traumtor dieser WM bislang durch Kolumbiens James Rodriguez. Perfektion in Reinkultur, und eine völlig verdiente Führung nach der ersten Halbzeit. Muß wieder weg!

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/14/die-fusball-wm-und-die-garten-ecke/comment-page-1/#comment-37108

Verwirrung herrscht bei mir nur, weil dieser Rodriguez ein Trikot trägt, auf dem lediglich „James“ zu lesen ist, was der Kommentator aber nicht englisch wie „Dschäims“, sondern spanisch wie „Chamess“ aussprach. Dennoch tauchte immer wieder die Kombination „James Rodriguez“ auf. Wie er nun auch immer heißen mag, der Mann ist Weltklasse und schoß das 0 : 2 in Thomas Müller-Manier, nach selbstredend genialer Vorbereitung durch seine Mannschaft. Er hat nun 5 Tore bei dieser WM gemacht und ist eine echte Gefahr nicht nur für Müller, was den Torschützen-Rang angeht. Sondern auch für Brasilien, auf das die junge, frische, offensive Mannschaft Kolumbiens demnächst treffen wird.

Diese Begegnung wird ein Fußballfest, ganz bestimmt!

Die Uruguay-Mannschaft war nach der 9-Spiele-Sperre ihres bissigen Leader of the Pack Suarez nur ein Schatten ihrer selbst. Und das ist auch gut so.

Für diese überzeugende Vorstellung gibt es einen Gruß meiner Cherry  Girl:

14-06-27 Cherry Girl 2

Weiteres Update vom 29.6.2014:

Niederlande – Mexiko 2 : 1

Wie ungerecht! Mexiko spielte Fußball, die Niederlande pennte im Schlafwagen. Trotz vieler Chancen in der ersten Halbzeit für Mexiko stand es 0 : 0, und so war es ausgleichende Gerechtigkeit, daß Arjen Robben, der gern Elfmeter herausschindet, den Elfmeter kurz vor Schluß der ersten Halbzeit nicht bekam.

Wegen Hollands Schlafmützigkeit war von Guillermo Ochoa, dem attraktiven Torwart Mexikos, leider nur sehr wenig zu sehen.

Das änderte sich zunächst auch in der zweiten Halbzeit kaum, denn wieder spielte nur eine Mannschaft: Mexiko, das in der 50. Minute das erlösende 1 : 0 erzielte. Eine völlig verdiente Führung, die die Niederlande aufrüttelte und der begeisterten Zuschauerin mögliche und eigentlich unmögliche Paraden Ochoas bescherte. Das Spiel wurde mitreißend, und es kam, was aufgrund des Drucks kommen mußte: ein gewaltiger Fernschuß, abgezogen mit all dem Frust, den das Oranje-Team angesammelt haben mußte. Ein unhaltbarer Schuß, „selbst für Ochoa“, wie der Kommentator anmerkte. Arjen Robben markierte eine Schwalbe und ließ sich in den Strafraum fallen, aber der Schiedsrichter durchschaute das Spiel.

Dummerweise bekam er „seinen“ Elfmeter doch noch, als er sich zwei Minuten vor Ende der sechsminütigen Verlängerung nach einer unwesentlichen Feindberührung wiederum mit Schmackes auf den Boden schmiß. Nie und nimmer war das einen Elfmeter wert! Ochoa entschied sich für die falsche Ecke, und das Spiel war gelaufen.

Ich weiß, ich weiß, Fußballergebnisse sind selten gerecht -: aber ich hätte es nun mal gern. Stringa hätte gern ein Tränendes Herz gehabt, nun habe ich es im Archiv gefunden, ein Foto vom 6.5.2007. Irgendwann hat die Pflanze den Winter nicht überstanden, und heute hätte sie dort ohnehin keinen Platz mehr gehabt, nachdem der Wein am Zaun und der Ranunkelstrauch daneben um die Vorherrschaft kämpfen.

Tränendes Herz 6.5.2007Aber eigentlich ist mir so zumute wie beim Anblick der Teatime-Rose nach vier Tagen Regen:

14-06-26 Teatime 2

Für die Freunde der Augusta Luise: ihre erste Blüte ist definitiv vorbei. Die vordere hat noch zwei Knospen, die hintere eine Blüte und zwei Knospen. Und endlich einen neuen Trieb, um den ich sie schon im letzten Jahr gebeten hatte – ohne Erfolg.

14-06-28 Augusta Luise II14-06-28 Augusta Luise II neuer TriebUnd so geht es doch immer weiter, trotz Träne im Knopfloch.

 

Update 30.6.2014

Frankreich – Nigeria 2: 0

Nö, das Achtelfinale Costa Rica – Griechenland habe ich nicht zu Ende gesehen. Zwei schlechte Mannschaften, ein schlechtes Spiel, und mir schwante, daß ein Elfmeterschießen entscheiden würde. Nun hat wenigstens ein Außenseiter im Elfmeterschießen gewonnen, und das ist ja immer irgendwie gut.

Deutschlands nächster Gegner ist Frankreich, sollte das Spiel gegen Algerien heute gewonnen werden. Und zwar zurecht. Nach einem munteren Offensiv-Fußballspiel beider Mannschaften, die lange Zeit gleichwertig waren, tolle Chancen hatten und nur insoweit den Genuß trübten, als allzuviele Pässe nicht ankamen und also der Zufall zuhilfe kommen mußte.

Da fiel mir ein französischer Spieler ins Auge: Matthieu Valbuena von Olympique Marseille, der Zwerg mit der Nummer 8. Mindestens einen Kopf kleiner als alle anderen Spieler auf dem Feld, ausgesprochen kurzbeinig, ein wenig erinnerte er mich an einen schlanken Dirk Bach. Großer Gott, wie der herumwuselte. Kaum hatte er eine Ecke getreten, lauerte er schon hinten in der Verteidigung. Der Mann war überall und immer rechtzeitig da, wie der Igel vor dem Hasen. Verteilte die Bälle, trat viele Ecken, ein kleiner Tausendsassa. Einmal gewann er sogar ein Kopfball-Duell – ich war platt. Der Lange neben ihm war einfach zu früh gestartet und war schon auf dem absteigenden Ast, als Valbuena zum richtigen Zeitpunkt wie ein Flummi hochschoß.

Valbuena trat die Ecke, die zum 1 : 0 durch Frankreich in der 79. Minute führte. Valbuena bereitete mit seinem Paß das Eigentor durch Yobo in der Nachspielzeit vor – und hey, Yobo konnte nichts dafür. Alle reden von Benzema und Giroud und wie sie alle heißen mögen. Held des Tages war allerdings die kleine große Nr. 8.

Wie auch im Garten die Nahaufnahmen oft die schönsten sind:

14-06-28 rote Rose Johanniskraut 214-06-28 Lavendel Schöne aus HamburgIch habe gerade gegoogelt:

Der Mann ist gerade einmal 3 cm größer als ich, nämlich 1, 67 m. Wow.

http://www.weltfussball.de/spieler_profil/matthieu-valbuena/

 

Update 1.7.2014

Deutschland- Algerien 2 : 1 n.V.

So ist das in K.O.-Spielen, die Angst ist groß, und daher manifestiert sich der Siegeswille erst in der Verlängerung. Mein Erkenntnisgewinn: Manuel Neuer ist ein klasse Feldspieler. Und Schürrle absolut ein Gewinn.

Wow. Es geht weiter. Jetzt gegen Frankreich.

Kompliment:

14-06-28 rote Rose 2