Der Fall Mollath: das Buch von Gerhard Strate

Rosenkrieg 2

 Der Fall Mollath

Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie

lautet der Titel des von Gerhard Strate verfaßten Buches zum Prozeß, das soeben im orell füssli Verlag erschienen ist.

Gleich zu Beginn wird der Leser darauf eingestimmt, daß dieses Werk des früheren Verteidigers von Gustl Mollath tatsächlich auch eine Abrechnung mit der Psychiatrie ist, die an seinem Mandanten schuldig wurde – und die diese Schuld an eine versagende Justiz weiterreicht, die ihr unkritisch folgt.

Vor der Titelei befindet sich ein Foto, das den Verfasser neben einem überlebensgroßen Porträt König Ludwigs II. zeigt, dessen Untertitel „Kennen Sie mich?“ lautet.

Gerhard Strates Kommentar:

Die Zuschreibung geistiger Verwirrtheit allein auf den Zuruf Dritter hat – wie das Beispiel König Ludwigs II. zeigt – eine unselige Tradition.

Auch die Widmung deutet in diese Richtung:

Dieses Buch ist gewidmet Dr. Johann Simmerl aus Mainkofen – einem Psychiater, der mit den Augen und Ohren eines Menschen seinen Beruf ausübt.

Was im Verfahren selbst kaum möglich war, weil die psychiatrische Meinung der lediglich als Zeugen gehörten Psychiater nicht gefragt war, wird hier nachgeholt; der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund. Er schont weder die Justiz noch die Psychiatrie noch deren Protagonisten, die, in bewährter Kraus’scher Manier, durch Zitieren ihrer schriftlichen wie mündlichen Aussagen hinreichend kenntlich gemacht werden. Mehr braucht es nicht, um als Leser Strates Einschätzung der Situation nach dem Freispruch vom 14.8.2014 zu teilen:

Damit ist klar: Das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 8. August 2006 war ein Unrechtsurteil. Die Anordnung der Unterbringung durch das Landgericht Nürnberg-Fürth war und ist eine Schande der Justiz in Deutschland, nicht nur in Bayern. Das gilt aber nicht allein für die Strafjustiz, sondern auch für die forensische Psychiatrie, die mit einer omnipotenten Weltsicht jede Regung des Andersseins als „Auffälligkeit“ registriert und zu jeder Einflüsterung von Krankheitsbildern in die Ohren vorurteilsstarker Richter gut und bereit ist. „Die Psychiatrie – der dunkle Ort des Rechts“ – so lautet die treffende Überschrift eines Kommentars von Heribert Prantl. Diesen dunklen Ort etwas aufzuhellen, ist das Anliegen dieses Buches. Es wird sich zeigen, dass die mit Hilfe der forensischen Psychiatrie erreichte schnelle Stigmatisierung von Menschen auch das Denken und Handeln von Juristen kontaminiert. Die Lust und Laune zur Entrechtung von Menschen befreit sich von den Fesseln des Gesetzes.

[S. 12]

Welches Publikum will der frühere Verteidiger des Gustl Mollath ansprechen, dem so viel Unrecht widerfahren ist? Einen kleinen Hinweis gibt diese Passage:

Die durch das Bundesverfassungsgericht vorgegebene Rechtslage war eindeutig. Sie wurde durch den Amtsrichter bei der Anordnung der Unterbringung ignoriert. Seine Unkenntnis einer für ihn verbindlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die er bei der Entscheidung über die vorläufige Unterbringung Mollaths objektiv missachtet hatte, reichte dem Oberlandesgericht aber nicht für den Vorwurf der schweren Freiheitsberaubung. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts möge vielfach veröffentlicht und kommentiert worden sein. Das beweise nicht – so das Oberlandesgericht –, dass der Amtsrichter auch Kenntnis von ihr erlangt hatte. Verallgemeinert gesagt: Rechtskenntnis ist bei einem Richter in Bayern nicht vorauszusetzen. So das höchste Gericht in der bayerischen Hauptstadt. Jede Beugung des Rechts ist damit stets frei von Vorsatz, allenfalls ein Geschehen aus Versehen. Eine Nachlässigkeit.

[…]

Lohnt es dann überhaupt, den Fall des Gustl Mollath zu berichten? Eine Kriminalgeschichte, die nicht richtig eine werden wird, da die Akteure um ihn herum absehbar nie zur Verantwortung gezogen werden? Die Frage ist rhetorisch. Sie ist zu bejahen. Im Staat des Grundgesetzes ist zwar die rechtsprechende Gewalt „den Richtern anvertraut“. Der Rechtsstaat selbst ist jedoch uns allen anvertraut. Urteilsgewalt haben nur wenige, Urteilskraft jedoch viele. Ihnen wird die Geschichte des Falles Mollath erzählt.

[S. 16 f.]

Damit ist der Kreis derjenigen, für die das Buch geschrieben wurde, schon sehr weit gezogen. Und wird auch nicht die „Kriminalgeschichte“, die Gerhard Strate im Sinn hatte, geschrieben werden können – zum traditionellen Krimi gehört die Überführung und Bestrafung der Täter –, so entfalten viele Passagen doch krimihafte Spannung, u.a. im zweiten Kapitel „Kriminalisierung Mollaths: Wechselnde Schauplätze“, das dem Plädoyer nachempfunden ist und (Jagd)-Szenen einer zu Ende gehenden Ehe beschreibt. Wie schnell Psychiatrie und Justiz zum Nachteil des Mannes Partei ergreifen, wie es anschaulich im 3. Kapitel geschildert wird, gibt einem auch dann zu denken, wenn man den Ausgang des Verfahrens schon kennt, das mit zeitlich unbegrenzter Unterbringung in der Psychiatrie endete. Wie war es angesichts dieser aktenkundigen Vorgeschichte möglich, daß die Unschuldsvermutung in den Wind geschlagen wurde?

Breiteste Leserkreise wird das Buch allerdings nicht erreichen: mag Gerhard Strate sprachlich auch alle Saiten aufziehen, vom untertourigen Reportagestil über Polemik und feine Ironie bis hin zu Funkelstücken an stilistischer Eleganz, so ist er als Jurist doch zu sehr der Genauigkeit verpflichtet, als daß er sich beim Publikum durch Betroffenheitsbekundungen und/oder journalistische Einebnungen anbiedern würde.

Bestsellererfolge à la Norbert Blüm mit seiner Justiz-Breitseite „Einspruch“ sind eher nicht zu erwarten.

Hier ein paar Auszüge aus dem Buch von Norbert Blüm:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=23403

RiBGH Prof. Dr. Thomas Fischer schießt allerdings mit Kanonen auf Spatzen und belegt damit unfreiwillig Blüms Verdikt, daß Kritik an Richtern als Majestätsbeleidigung aufgefaßt werde:

Norbert Blüm“Vom Recht verstehe ich wenig bis nichts“

In seinem neuen Buch „Einspruch“ führt der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm einen wütenden Feldzug gegen Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte – kurz, gegen die gesamte deutsche Justiz. Ein heftiger Widerspruch Ein Gastbeitrag von Thomas Fischer

DIE ZEIT Nº 45/2014 1. November 2014  15:58 Uhr

http://www.zeit.de/2014/45/norbert-bluem-einspruch-justiz

Die Anklagen von Gerhard Strate haben mehr Wucht – er nennt Roß und Reiter, bezieht sich auf Akten, zitiert die Normen: er hat schlicht und nachvollziehbar recht:

Die Verweigerung jeglichen Rechtsschutzes gegen die von den Regelbestimmungen der Untersuchungshaftvollzugsordnung abweichenden Maßnahmen der Klinik für Forensische Psychiatrie hinsichtlich Hofgang und Fesselung war Rechtsbeugung durch den Richter Brixner. Er kannte Mollaths Eingaben. Seine massiven Klagen über die Fesselung hatte Mollath sogar in der Anhörung vor der 7. Strafkammer am 31. März 2006 mündlich allen drei Richtern und zum Protokoll vorgetragen.

Trotzdem geschah nichts – kein Wort, keine Entscheidung. Nur Entrechtung.

[S. 104]

Anders als Norbert Blüms Werk mit dem offenbar zutreffenden Untertitel „Polemik“ wendet sich Gerhard Strate natürlich auch an Juristen, die aus dem entsetzten Staunen nicht herauskommen dürften, werden sie der Fülle an Rechtsfehlern gewahr, die sich in den Mollath-Verfahren ereignet haben, so auch im Betreuungsverfahren, das im 8. Kapitel mit beißender Ironie präsentiert wird (S. 105 ff.). Der unheimliche Subtext dieser Erzählung stellt das letztlich gescheiterte Unterfangen als ein Komplott zwischen Psychiatern in Bayreuth und Straubing und einer unzuständigen Amtsrichterin in Bayreuth dar, mit dem letztlich eine Zwangsmedikation des nur vorläufig gemäß § 126 a StPO untergebrachten Gustl Mollath ermöglicht werden sollte. Die angestrebte Maßnahme war rechtswidrig, denn über die Betreuerlösung können Zwangsbehandlungen bei dieser strafprozessualen Unterbringung nicht durch die Hintertür eingeführt werden.

Jetzt sollen sie nach dem aktuellen bayerischen Gesetzentwurf durch die Vordertür ermöglicht werden – die bayerischen Richter und Staatsanwälte haben anscheinend aus dem Mollath-Verfahren gelernt und laufen Sturm.

Stellungnahme des Bayerischen Richtervereins e.V.

Gesetzentwurf der Staatsregierung über den Vollzug der Maßregeln der Besserung und Sicherung sowie der einstweiligen Unterbringung
(Bayerisches Maßregelvollzugsgesetz – BayMRVG)

Der Bayerische Richterverein e.V. hält den vorgelegten Entwurf für überfällig.
Er ist jedoch insbesondere aus verfassungsrechtlichen Gründen, aber auch im Hinblick auf die Praktikabilität, dringend ergänzungs- und verbesserungsbedürftig.

[…]
2. Regelungsbedarf im Hinblick auf § 81 Strafprozessordnung (StPO) (Unterbringung zur Beobachtung des Beschuldigten) und das UnterbrG

Neben den Unterbringungen gemäß den §§ 63 und 64 Strafgesetzbuch (StGB) und Entscheidungen nach § 126a StPO kann eine Unterbringung auch nach § 81 StPO erforderlich sein. Obwohl es sich auch bei diesen Fällen um gravierende Eingriffe in das Freiheitsrecht des Betroffenen handelt, gibt es keine Vorschriften zum Vollzug. Es sollte deshalb im vorliegenden Gesetzentwurf auch der Vollzug dieser freiheitsentziehende Maßnahme geregelt werden. Die Praxis einer Unterbringung nach § 81 StPO zeigt, dass man die Betroffenen ohne Sonderstatus im Alltag einer geschlossenen Klinik alleine lässt. Dies ist nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Mitarbeiter der Klinik eine Zumutung. Es gibt schließlich in ganz Bayern keine Einrichtung, die speziell für eine Unterbringung zur Beobachtung Vorrichtungen bereithält. Das Zusammenleben mit psychisch kranken Patienten etwa auf einer Aufnahmestation dürfte für einen Menschen, der von heute auf morgen aus dem Alltag herausgerissen wurde, eine extreme Erfahrung sein und womöglich das Untersuchungsergebnis verfremden.

http://www.bayrv.de/DesktopModules/ExpandableTextHtml_News/PopUpContent.aspx?moduleid=615&itemid=64

Diese Forderung ist sicherlich ein Reflex auf die Causa Mollath, in der § 81 StPO nicht nur verfassungswidrig angewandt wurde, sondern man es auch noch mit Psychiatern wie Leipziger und Kröber zu tun hatte, die allen Ernstes meinten, man könne unter den Bedingungen dieser Extremerfahrung “Alltagsbeobachtungen” über das Verhalten eines Menschen anstellen. Ist es zwangsläufig, daß Psychiater, die in der Zwangseinrichtung „Maßregelvollzug“ arbeiten oder mit ihr beruflich befaßt sind, ethische Standards durch Abstumpfung verlieren?

  1. Kritik an den Regeln zum Vollzug der einstweiligen Unterbringung (Teil 3)

    a. Unschuldsvermutung […] Bis zur Rechtskraft hat der Untergebrachte als unschuldig zu gelten und muss auch so behandelt werden.

Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang Art. 41 Nr. 3 des Entwurfs. Demnach soll die Einrichtung alle Behandlungsmaßnahmen durchführen können und zwar auch gegen den Willen des Untergebrachten, solange sich die Behandlung auf die Erkrankung bezieht, die Anlass für die einstweilige Unterbringung ist. Eine derartige „Erkrankung“ muss aber erst einmal vom Gericht festgestellt werden, bevor man dem Staat die Befugnis erteilt, dass er sie möglicherweise auch zwangsweise behandelt.

Diese voreilige „Zwangsbehandlung“ ist auch aus anderen Gründen bedenklich. In der Praxis kann man auf den Untergebrachten durch Verabreichung von Psychopharmaka so einwirken, dass er sich ruhig, besonnen, apathisch, resignierend, kooperativ oder einfach nur „vernünftig“ verhält, entsprechend den Bedürfnissen der Klinik. Psychopharmaka sollen ja gerade auf die Psyche einwirken. Der Mensch wird dadurch aber nicht immer geheilt, sondern man erreicht nur, dass er nicht mehr unter den Symptomen leidet. Eine derartige medikamentöse „Einstellung“ des Betroffenen darf gerade im Hinblick auf das Verfahren nicht Folge der einstweiligen Unterbringung sein und wird fast ausnahmslos von den Staatsanwälten und Richtern nicht gewünscht.

Wer nunmehr einwendet, dass man den Betroffenen doch nicht ohne Heilbehandlung seinem Schicksal überlassen dürfe, sollte sich überlegen, was bei Behandlungsbedürftigkeit und krankheitsbedingter Uneinsichtigkeit mit einem Patienten in Freiheit passiert: Es wird ein Betreuer für ihn bestellt, der dann die ganze Palette des § 1906 BGB prüfen und nach betreuungsgerichtlicher Genehmigung durchführen kann. Diese Position darf man dem Betroffenen nicht nehmen, indem man ihn ohne Verurteilung dem Behandlungsregime der Einrichtung unterstellt.

Schließlich würde es niemanden einfallen, während der Untersuchungshaft mit der Resozialisierung zu beginnen, weil man damit die Verurteilung vorwegnehmen würde. Eine Zwangsbehandlung während der einstweiligen Unterbringung würde sich genauso auswirken.

http://www.bayrv.de/DesktopModules/ExpandableTextHtml_News/PopUpContent.aspx?moduleid=615&itemid=64

In der Tat, vorläufig ist vorläufig, weshalb sich auch U-Haft und Strafhaft voneinander unterscheiden. Ein Gegengutachten ist ja nichts Außergewöhnliches, und nicht wenigen Anklagen liegen fehlende Tatnachweise zugrunde. Daß die Juristen des Bayerischen Richtervereins grundsätzlich an der Behandlung mit Psychopharmaka zweifeln, ergibt sich nicht nur aus der Formulierung “oder einfach nur „vernünftig“ verhält, entsprechend den Bedürfnissen der Klinik”, sondern auch aus anderen Formulierungen, insbesondere bei der Kommentierung zu der vom Freistaat vorgesehen Regelung zur Zwangsbehandlung im Maßregelvollzug.

Insoweit ist das Buch Psychiatern nicht nur unverbindlich zu empfehlen, sondern es sollte zur Pflichtlektüre gedeihen. Denn es gibt in diesem Buch nicht nur eklatante Fehlleistungen bekannter und weniger bekannter Kollegen zu besichtigen, sondern auch Kapitel mit grundsätzlichen Fragestellungen, wie das Kapitel 15, „Zeitgeist – der Wahn der Mehrheit“.

Institutionelle Strukturen aller Art sind stets genaue Abbilder der sie hervorbringenden Gesellschaft und des kulturprägenden Menschenbildes. Vorherrschende Glaubenssätze und Überzeugungsinhalte, vermeintliches oder tatsächliches Wissen, all dies fließt in den Organen des Staates zu einer die allgemeine Ordnung vorgebenden Struktur zusammen, die ihre trügerische Ewigkeitsanmutung nur der zwangsläufigen Blindheit der Zeitgenossen verdankt. Würde man sich der psychiatrischen Terminologie befleißigen, könnte man die Erscheinungsbilder des wechselnden Zeitgeists durchaus als induzierte Wahnvorstellungen bezeichnen, die nur deshalb nicht leicht als solche erkennbar sind, weil sie von einer Mehrheit geteilt werden. So blicken wir heute mit Schaudern auf die Rechtsvorstellungen der Inquisition zurück. Mit welchen Gefühlen werden künftige Generationen die heute noch von vielen Menschen achselzuckend zur Kenntnis genommenen Errungenschaften der forensischen Psychiatrie betrachten? Wird der Gedanke, dass derartigem Unfug einst gerichtsfeste Beweiskraft zuerkannt worden war, allgemeines Kopfschütteln hervorrufen? Mit welchen Begriffen werden die Historiker der Zukunft das merkwürdige Phänomen rückblickend belegen, um darzustellen, dass man es eben damals einfach nicht besser wusste?

[S. 167]

So hebt dieses Grundsatz-Kapitel an, das man eigentlich in Gänze zitieren müßte, und es findet seine ebenbürtige Fortsetzung in Kapitel 19, „Einige Schlussbemerkungen zur forensischen Psychiatrie“, das sich mit den Stellungnahmen der DGPPN befaßt:

Der Fall des Gustl Mollath sei eine „Lackmusprobe“ für die forensische Psychiatrie, heißt es in der „Presseinformation Nr. 19 der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)“, welche die maßgebliche Fachgesellschaft hierzulande darstellt. Die Branche zeigt sich beunruhigt, wurde ihr doch durch den unbeugsamen Franken in nie gekannter Weise ein Spiegel vorgehalten, den man für das hässliche Bild, das er nun zurückwirft, nicht verantwortlich machen kann. Nun üben sich die Wortführer der Profession in Schadensbegrenzung, wie aus der genannten Pressemitteilung unschwer erkennbar hervorgeht. „Bundesweite Reform des Maßregelrechts konsequent vorantreiben“, so lautet die Kernforderung der Psychobranche. Und worin diese Reform bestehen soll, daran lässt sie keinen Zweifel: Die DGPPN sehe „dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die Qualifizierung forensischer Gutachter“. Weiter heißt es:

Dringender Reformbedarf besteht im Maßregelvollzug vor allem auch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Qualitätssicherung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung psychisch kranker Straftäter.

 

Die Stoßrichtung ist eindeutig: Nach Auffassung der maßgeblichen Fachgesellschaft lassen sich die Unsäglichkeiten nur durch den weiteren Ausbau eben jener Mechanismen lösen, die sie verursacht haben.

[S. 199 f.]

Strate ist kein Anhänger der Anti-Psychiatrie, die so weit geht, die Existenz psychischer Krankheiten zu leugnen. Als Jurist würde er auch niemals die rechtsstaatliche Lösung, Menschen, die wegen eines seelischen Ausnahmezustands Straftaten begehen, nicht mit Strafhaft zu belegen, ablehnen. Worin also sieht er die Lösung des Dilemmas?

Darin, die zerstörerische Definitionshoheit, die den Psychowissenschaften trotz fehlender Wissenschaftlichkeit der Diagnose (oder gar der einer Prognose) zuerkannt wird, durch eine ethisch-humanitäre Grunddisposition der im Machtbereich der Psychiatrie Tätigkeit auszutarieren.

Nicht nur das Beispiel des Allgemeinpsychiaters Dr. Simmerl zeigt, dass es Mediziner gibt, deren lebendige Individualität in der Lage ist, sich der Mittel ihres Fachs in einfühlsamer Weise und zum Wohle der Menschheit zu bedienen: Derart eigenständige Denker gibt es immer wieder auch im Bereich der forensischen Psychiatrie. Erinnert sei an dieser Stelle an Willi Schumacher, einen der Nestoren der deutschen Gerichtspsychiatrie. Er setzte sich mit Vehemenz gegen die „Verobjektivierung“ des Menschen zum Zwecke der Beobachtung ein. Seine Gutachten blieben unabhängig und entsprachen nicht immer den Erwartungen der Strafjustiz, so im Fall Weimar und auch im Flowtex-Fall.

[…]

Solche Ärzte sind zum Glück nicht einmal selten und zeigen hohes Engagement, wenn es darum geht, den Leidensdruck ihrer Patienten auf einvernehmlichen Wegen zu vermindern. Ihrer täglichen Kreativität sollte unser aller Dank gelten. Ihre ethische Festigkeit alleine schützt sie davor, die ihnen anvertrauten, nicht unerheblichen Machtmittel missbrauchen zu wollen. Damit erweist sich gerade eine Eigenschaft, die mit keinem Zertifikat der Welt erworben werden kann, als ihre wichtigste Qualifikation. Eine Tatsache im Übrigen, die auch für Juristen gilt.

[S. 204 f.]

Deren Wissenschaftlichkeit er im übrigen ebenfalls in Frage stellt, als er die Verteidigungsartikel zugunsten der bankseitigen Steuerhinterziehungs-Beihelfer darstellt:

Die in Grünton gefärbten Annoncen der Dresdner Bank für „eine sichere Geldanlage“ nun ausgerechnet bei der Dresdner Bank Luxembourg S.A. mögen bei der Steuerfahndung in Düsseldorf und der dortigen Staatsanwaltschaft besonderen Anstoß erregt haben. Jedenfalls ist es die Dresdner Bank, die am 5. Januar 1994 Betroffene einer vom Amtsgericht Düsseldorf angeordneten Durchsuchung wird. Nach einer erfolglosen Beschwerde zum Landgericht ruft die Rechtsabteilung der Dresdner Bank, unterstützt durch eine Frankfurter Steuerrechtsozietät, erfolgsgewiss das Bundesverfassungsgericht an. Großangelegte Razzien bei Banken hat es bis dahin nicht gegeben. Der Ruf von Banken ist zu diesem Zeitpunkt noch frei von Tadel. Banken sind sakrosankt, weshalb die Gerichtsbeschlüsse aus Düsseldorf noch als Unfall gelten, eine Karambolage, deren Schrott schnell aus dem Weg geräumt werden muss. Doch die Eilentscheidung aus Karlsruhe fällt gänzlich anders als erwartet aus: Die Unterstützung der Bank bei der Anonymisierung von Geldtransfers nach Luxemburg lege den Schluss nahe,

„dass es sich bei den Beihilfehandlungen nicht um vereinzelte Taten handelte, sondern um aufgedeckte Teile einer geschäftsmäßig und in großem Umfang betriebenen Praxis der Verschleierung zum Zwecke der Erleichterung der Steuerhinterziehung.“

 

Der Verdacht einer Beihilfe zur Steuerhinterziehung – so die damaligen Verfassungsrichter, Mahrenholz, Kruis und Winter in ihrem Beschluss vom 23.3.1994 – sei verfassungsrechtlich nicht angreifbar.

 

Eigentlich war mit diesem Machtspruch aus Karlsruhe schon 1994 klar: Der anonymisierte Kapitaltransfer nach Luxemburg und in die Schweiz war eine Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Denn die Anonymisierung machte nur Sinn, wenn die Bankkunden die Erträge aus ihren im Ausland angelegten Geldern im Inland nicht versteuern wollten. Das wussten auch die Banken und ihre Mitarbeiter. Für den anonymen Geldverkehr ins Ausland war seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Ampel auf Rot geschaltet. Seit dem Frühjahr 1994!

 

Wenn dennoch – nicht nur am Arbeitsplatz von Petra Mollath bei der Hypobank in Nürnberg, sondern bei allen Vermögensberatern bundesdeutscher Banken – weiterhin so getan wurde, als sei die Ampel für den anonymen Kapitalverkehr ins Ausland allenfalls auf Gelb geschaltet, so ist hierfür eine Wissenschaft verantwortlich, die fern davon ist, eine zu sein, jedoch große Leistungen darin vollbringt, die Suggestion von Wissenschaftlichkeit zu verbreiten: die Strafrechtswissenschaft. Ihre Leistung war es, noch weitere sechs Jahre nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts den Anschein zu erwecken, Mitarbeiter von Geldinstituten, die ihren Kunden einen spurenlos bleibenden Kapitaltransfer in Ausland ermöglichen, handelten straflos. „Da wird nie was passieren“ – das war nicht nur (möglicherweise) die Einstellung von Petra Mollath, sondern auch die Devise der Strafrechtswissenschaft (jedenfalls des überwiegenden Teils der ihr Zugehörigen) […]

[S.20f.]

Eigentlich sollten auch diejenigen Unterstützer, die von dem Wiederaufnahmeverfahren mehr erwartet hätten, mit diesem Buch zufrieden sein. Einer hat sich bei AMAZON gemeldet und seine partielle Unzufriedenheit via 3 Sternen (von fünf) kundgetan.

Lesenswert. Aber der Autor bleibt unter seinen Möglichkeiten.

Von Erwin Bixler am 11. Dezember 2014

Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf

Das Buch ist durchaus lesenswert. Aber der Untertitel „Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie“ hätte eigentlich zum Titel des Buches erhoben werden sollen. Denn der Schwerpunkt liegt auf der „Abrechnung“ mit der forensischen Psychiatrie und einigen Psychiatern, der Justiz und einigen Richtern. Und anderen.
„Der Fall Mollath“ dient Strate vor allem als Aufhänger für besagte Abrechnung. Wobei die gründliche Ausleuchtung des eigentlichen Falles an entscheidender Stelle Not leidet. Das scheint vor allem dem Umstand geschuldet, dass sich Strate nach wie vor partout nicht dem Verdacht aussetzen will, im Fall Mollath einer Komplott-Theorie anzuhängen. Unter diesem Bestreben des Autors leidet die augenfällige Klärung und Aufklärung des Falles.
Dabei sind es doch gerade Strates eigene Feststellungen, Aussagen und Andeutungen, sonstige Veröffentlichungen (Mitschriften der Hauptverhandlung) und ihm vorliegende Akten, die bei genauerem Hinsehen eine perfide Intrige zum Nachteil Mollaths und einen „demolierenden“ Beweis für den Belastungseifer der Ex-Gattin liefern. In dieser Hinsicht bleibt der Autor weit unter seinen Möglichkeiten.

Lieber Herr Strate, insoweit schade.

http://www.amazon.de/review/R3QV4BQ4EEQU7D/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3280055598&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books

Erwin Bixler hat, so scheint es mir, das Buch nur oberflächlich gelesen. Tatsächlich eignet es sich nicht für eine Schnell-Lektüre: sein Reichtum liegt in der andeutenden Interpretation des Materials. Ein kurzer Vergleich mit dem tatsächlich ergangenen Urteil, das einen gravierenden Teil der Ergebnisse der Hauptverhandlung schlicht wegläßt und die verschwommenen Aussagen Nedopils auf eine Art und Weise ausbeutet, die ihm nicht recht sein kann, nur um einen kleinen Rest von Legitimität des ansonsten in die Tonne versenkten Nürnberger Urteils und seiner psychiatrischen Zuarbeiter zu erhalten, dürfte eigentlich ausreichen, um zu einer anderen Schlußfolgerung zu gelangen.

http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Urteil-schriftlich.pdf

Sowohl die Justiz als auch die Psychiatrie können ihre Macht mißbrauchen, das ist die Botschaft dieses Buches. Daß beide Institutionen das tun, ist hinlänglich historisch belegt und wird anhand dieses Falls auf die Ebene der Aktualität gehoben.

Woran mag es liegen, daß die Justiz sich gegenüber der Politik und autoritären Regimen traditionell willfährig erweist – und für ihre Entgleisungen nicht einmal bestraft wird? An der fehlenden Wissenschaftlichkeit der Disziplin? Logik allein ist nur ein methodischer Bestandteil von Wissenschaftlichkeit. Wenn die Materie, die derart behandelt wird, aus menschengemachten Gesetzen und gesellschaftlich-politischen Strömungen, die sie hervorbringen, besteht, dann kann „Gerechtigkeit“ nur gelingen, wenn Juristen den richtigen inneren Kompaß haben.

Dasselbe gilt für die Psycho-Wissenschaften, die dann zum Zuge kommen, wenn medizinische Erklärungen für „Auffälligkeiten“ und subjektives Leiden ausscheiden, die aber, soweit es um die Psychiatrie geht, dennoch darum buhlen, als Naturwissenschaftler anerkannt zu werden, und die mit verheerenden Psychodrogen arbeiten, obwohl die Behauptung von entgleisten Gehirn-Chemie-Prozessen als Ursache von psychischen Krankheiten nicht erwiesen ist und die uralten Mittel nur der Symptomunterdrückung und nicht der Heilung dienen. An dieser fehlenden diagnostischen biologischen Herleitung liegt es auch, daß es seit langem keine Psychopharmaka-Forschung mehr gibt.

Daß allein die behauptete „Krankheit“ eines „abweichenden Verhaltens“ zur Stigmatisierung, Ausgrenzung, Einsperrung, schlimmstenfalls zur Tötung „lebensunwerten Lebens“ führt, ist bekannt. Wie aber können die Psychowissenschaften ihre Nähe zur Macht, auch zur wirtschaftlichen (Pharmaziebranche) eindämmen? Wie entfernt man die ethisch Unfähigen aus diesem System?

Diese Frage stellt sich umso drängender, wenn man sich vor Augen hält, wie zwei Psychologen das Folterprogramm der CIA inszeniert und umgesetzt haben.

Erich Möchel

11.12.2014

Die „schwarze Psychologie“ der CIA

Die CIA-Folterpsychologen orientierten sich an Tierversuchen mit Einsatz von Elektroschocks der kognitiven Verhaltensforschung der späten 60er Jahre.

Die im CIA-Bericht des US-Senats aufgezählten Folterpraktiken wurden weder von der CIA noch in den USA erfunden. Wie aus dem Senatsbericht hervorgeht, stammen sie vielmehr von erklärten Feinden der USA. Jene beiden Psychologen, deren Firma dieses millionenschwere Programm „verschärfter Verhörmethoden“ für die CIA betrieb, hatten ihren Katolog der Grausamkeiten nämlich anhand von Methoden der Gestapo und stalinistischer Regime zusammengestellt. Davor hatten James Mitchell und Bruce Jessen nämlich jahrelang für das SERE-Programm des US-Verteidigungsministeriums gearbeitet.

Jessen und Mitchell hatten das SERE-Überlebenstraining für US-Kriegsgefangene sozusagen umgedreht und daraus ein mit Elementen der kognitiven Verhaltensforschung pseudowissenschaftlich verbrämtes Folterprogramm konstruiert. Laut einem bereits 2010 veröffentlichten Erlass des Generalinspektors für die US-Militärgeheimdienste war ein solcher Ansatz, aus dem Überlebenstraining mittels „schwarzer Psychologie“ neue, „verschärfte Verhörmethoden“ abzuleiten, bereits im Juni 2009 bei den US-Streitkräften generell verboten worden.

„Erlernte Hilflosigkeit“

Ziel des mit insgesamt 81 Millionen Dollar dotierten Programms war erklärtermaßen, einen Zustand der „erlernten Hilflosigkeit“ bei den Gefolterten herbeizuführen. Dieser Begriff, der sich siebenmal im Text des Senatsberichts findet, stammt aus der kognitiven Verhaltensforschung der späten 60er Jahre. Er bezeichnet einen für das Krankheitsbild der Depression charakteristischen Zustand völliger Passivität.

[…]

Wie im Behaviorismus üblich arbeitete man dabei mit Kontrollgruppen, die jeweils eine andere Behandlung erfuhren. Die erste Gruppe bestand aus Hunden, die im Lauf des Experiments nur mit Riemen fixiert wurden. Die zweite Gruppe wurde zusätzlich so lange mit Stromstößen traktiert, bis diese Hunde gelernt hatten, einen Hebel umzulegen, der den Stromstoß abstellte. Die dritte Gruppe wurde ebenso behandelt wie die zweite – mit dem einzigen Unterschied, dass hier der Hebel die Stromstöße nicht abstellte.

CIA bespitzelte Ausschuss

Im Vorfeld der Veröffentlichung des Senatsberichts drangen Mitarbeiter der CIA in das Netzwerk jenes parlamentarischen Ausschusses, der ihre Aktivitäten kontrollieren soll, ein und durchsuchten den E-Mail-Verkehr – mehr dazu in fm4.ORF.at.

Tierversuche an Menschen

Diese Hunde ergaben sich nach einiger Zeit winselnd ihrem Schicksal, zeigten nur noch passive Reaktionen, aber keinerlei Versuche zur Abwehr mehr. Auch bei veränderten Bedingungen danach – wenn der Hebel tatsächlich Stromstöße abschaltete – konnten sie sich an die veränderte Situation nicht mehr anpassen, ein Lernprozess wie bei den Hunden der Gruppe zwei fand nicht mehr statt. Diese Tierversuche wurden im Rahmen des „verschärften Verhörmethoden“ von Jessen und Mitchell für Menschen adaptiert.

[…]

„Rektale Rehydration“

Von der Gestapo entlehnte man nicht nur den Begriff „verschärfte Verhöre“ („enhanced interrogation“) sondern auch Foltermethoden wie Schlafentzug über mehrere Tage und systematische Erniedrigung. Die Form musste dabei allerdings gewahrt bleiben, die von allen Folterknechten weltweit bekannten analsadistischen Quälereien wurden deshalb als medіzinische Maßnahmen getarnt. Den Gefangenen wurden Flüssigkeiten zwangsweise nicht nur über Mund und Nase bis knapp vor dem Ersticken zugeführt, sie wurden auch systematisch mit „rektalen Untersuchungen“, „rektaler Rehydration“ und sogar mit „rektaler Zwangsernährung“ gequält. Das Wort „rektal“ findet sich rund 50-mal im Text des Senatsberichts.

[…]

Empirisch falsifiziert

Die Fortführung der behavioristischen Tierversuche aus den 60er Jahren mit Menschen durch die beiden Folterpsychologen im Dienst der CIA hat die damaligen Erkenntnisse Seligmans jedenfalls bestätigt. Der Zustand „erlernter Hilflosigkeit“ führte zu einer vergleichbaren Reaktion auch jener Folteropfer, die sich anfangs kooperativ gezeigt hatten.

Mitchell und Jessen in Wikipedia

Die beiden Folterpsychologen James Elmer Mitchell und Bruce Jessen finden sich bereits in der Wikipedia.

Sie verfielen in einen für schwere Depressionen charaktistischen Zustand völliger Apathie, die für die Folterer keinerlei neue Erkenntnisse über bevorstehende Anschläge brachte. Die These der beiden Folterpsychologen, dass diese „erlernte Hilflosigkeit“ zu erhöhter Kooperationsbereitschaft der Gefangenen führen würde, wurde damit empirisch falsifiziert, um es in der Begrifflichkeit des Behaviorismus zu sagen.

[…]

http://fm4.orf.at/stories/1750651/

Die Reaktion eines der beiden Psychologen kommt einem bekannt vor:

Auch mit der Foltermethode Waterboarding hätten „Swigert“ und „Dunbar“ keinerlei Erfahrungen gehabt, da es im SERE-Training nicht vorgekommen sei, heißt es weiter. Trotzdem hätten sie es als „absolut überzeugende Technik“ beschrieben – und als notwendig, um die „Widerstandsfähigkeit“ von Zubaydah und anderen Gefangenen zu „brechen“.

Am häufigsten wurde 9/11-Drahtzieher Khalid Sheikh Mohammed dem Waterboarding unterzogen: 183 Mal. „Swigert“ und „Dunbar“ hätten die Prozeduren meist persönlich durchgeführt. 2006 wurde Scheich Mohammed ins US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba überführt. Im Jahr darauf löste die CIA ihren Vertrag mit dem Psychologen-Duo auf.

Am Dienstag stöberten US-Reporter „Dr. Swigert“ alias James Mitchell in Florida auf, wo er im Ruhestand lebt. „Warum können Sie mich nicht in Ruhe lassen?“, bellte er einen Reuters-Journalisten am Telefon an. „Sprechen Sie mit der CIA.“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/cia-folterbericht-us-psychologen-verdienten-mit-folter-millionen-a-1007587.html

Die Auftraggeber sind schuld. So rechtfertigen sich auch unsere willfährigen Psychiater.

Gerhard Strate hat ein wichtiges Buch geschrieben.

Kritik?

Natürlich hätte ich mir mehr Urteilskritik hinsichtlich des Urteils des LG Regensburg vom 14.8.2014 gewünscht.

Aber die ließ wohl nicht nur der Zeitfaktor, sondern auch das Zerwürfnis mit dem Mandanten nicht zu, dessen Ursachen wohl hier zu verorten sind:

Die Vorstellungen von Sinn und Möglichkeiten der Strafprozessordnung, die in den verschiedenen Lagern vorherrschten, hätten denn auch unvereinbarer nicht sein können. Hatten sich vor seiner Freilassung am 6. August 2013 noch viele Menschen unabhängig von der jeweiligen persönlichen Motivation gemeinsam in großartiger Weise für Mollath eingesetzt, sollten die unterschiedlichen Strömungen in der Folgezeit offen zutage treten und nicht zuletzt die Arbeit der Verteidigung schwer belasten. Der latente Grundkonflikt, die unausgesprochene Frage nämlich, ob in Regensburg ein solider Strafprozess oder aber ein systemstürzendes Staatstribunal stattfinden würde, vergiftete die Atmosphäre grundlegend: Die Stunde der Provokateure mit ganz eigener Agenda hatte geschlagen. Ihr Wirken, das durch manch wohlmeinenden, juristisch völlig unbeleckten Unterstützer wenn nicht in jedem Fall gefördert, so doch mangels Durchblick zumindest geduldet wurde, sollte auch Mollath selbst nicht unberührt lassen und ihm in der Folge schwer beschädigen.

[S. 207 f.]

Das ist leider sehr wahr, und ich kann es diesem engagierten Anwalt nicht verdenken, wenn er die Lichtseiten des aufwendig erstrittenen Urteils hervorhebt und dessen Schattenseiten verschweigt. Zumal sein Mandant mit seiner unzulänglichen Teileinlassung zum Anklagevorwurf der gefährlichen Körperverletzung vom 12.8.2001 das Material lieferte, das die Kammer brauchte – obwohl eine gefährliche Körperverletzung nicht nachweisbar war, allenfalls eine einfache (verjährte) Körperverletzung.

Ob auch die Schattenseiten dieses Urteils ausnahmsweise angreifbar sind, erkundet nun ein anderer Anwalt, dem ich einerseits Erfolg wünsche, allein zur Klärung der Frage, ob ein Freispruch auch eine Beschwer darstellen kann, andererseits auch zurufen möchte, daß dieses Verfahren Gustl Mollath nichts nützen wird. Von der umfassenden Entschädigungsregelung hat er vor Rechtskraft des Urteils nichts, und eine Schadensersatzklage gegen Dr. Leipziger wegen durch Nedopil attestierter Fehler seines Gutachtens wird sich ebenfalls verzögern.

Das Buch von Gerhard Strate hat selbst mir, die ich seit Dezember 2012 den Fall begleite, noch Denkanstöße verpaßt. Aber bin ich, die in der Sache so engagiert war, eigentlich die Richtige, um dieses Buch nicht nur vorzustellen, sondern auch zu empfehlen?

Nachdem so viel von Ethik die Rede war: jeder kann sich über meine Vita und mein rechtsstaatliches Engagement informieren, sei es über meine (seit langem nicht mehr gepflegte) Homepage

http://www.gabrielewolff.de/

als auch über meinen Blog, insbesondere dessen Kachelmann-Beiträge.

Heute bekam ich folgende Mail:

Sofern Sie versuchen bzgl. MH-17 etwas in die Welt zu setzten sind Sie unglaubwürdig, solange Ihr Impressum und die  dahinter befindliche eMail-Adresse nicht stimmig sind….

Sorry, man sollte damit gabrielewolff.wordpress.com meiden …

Der Vorwurf ist mir unerfindlich – selten dürfte klarer sein, wer ich bin und wer da im Internet publiziert.

Nun könnte man einwenden, daß ich mich mit dieser Rezension für die Danksagung von Gerhard Strate bedanke:

Mollath hatte in den letzten zwei Jahren viele Unterstützer. Hervorheben möchte ich vor allem Gabriele Wolff und Ursula Prem mit den von ihnen initiierten Blogs. Hier wurde seit dem Dezember 2012 auf höchstem Niveau die Entwicklung des Wiederaufnahmeverfahrens und des Prozesses in Regensburg dokumentiert und diskutiert. Gleiches gilt für die juristischen Kommentare von Oliver García und Henning Ernst Müller. Der ständige Rat Ursula Prems hat insbesondere die Schlussphase bei der Abfassung dieses Buches begleitet. Den Vieren danke ich besonders.

Gerhard Strate

[S. 13]

Daß sich zwei Geistesverwandte zufälligerweise getroffen haben, ist allerdings zutreffend. Und das ist auch gut so. Ich fühle mich frei.

Update (13.12.2014)

Prof. Dr. Müller, der ebenso wie ich am Mollath-Verfahren Anteil nahm, hat gestern eine Rezension verfaßt, die mir bei Verfassung der meinigen unbekannt war.

Ich will sie nicht vorenthalten:

http://www.lto.de/recht/feuilleton/f/juraprof-und-blogger-mueller-rezensiert-gerhard-strates-der-fall-gustl-mollath/

 

 

 

 

 

 

 

 

915 Gedanken zu „Der Fall Mollath: das Buch von Gerhard Strate

  1. Im neuen Print-Spiegel ist auf S. 38 ff. ein Artikel über den Maßregelvollzug (gemeint ist wohl die Unterbringung nach § 63 StGB, habe den Artikel aber nur kurz anlesen können) von Carsten Holm.

    • Nebenbei eine etwas traurige Nachricht für die ehrenwerte Frau Wolff in ihrem Haus: der Liedertexter und Komponist Udo Jürgens ist im Alter von 80 Jahren verstorben. In 50 Jahren schuf er 1.000 Lieder. Ich meine: es gibt viel zu wenige Politiker, Richter und Staatsanwälte, Psychiater, Journalisten u.a., die zumindest vernünftig singen und musizieren können. Es heißt ja schließlich: „Wo man singt (und musiziert), da laß dich nieder; böse Menschen haben keine Lieder“. An dieser Stelle auch einen herzlichen Gruß an Ursula Prem und besinnliche Festtage an Alle!

      • Ja, dieser Tod hat mich schwer erschüttert: Udo Jürgens und seine Lieder haben mich seit meinem 10. Lebensjahr, im Jahr 1966 begann es, mit „Merci Chérie“ im Radio, auf das mich meine Mutter aufmerksam machte, permanent begleitet. Ein Gänsehaut-Erlebnis für mich.
        Ein Verlust sondergleichen – und ich verstehe ihn nicht. Sein letztes Konzert in Köln am 5.11. war überwältigend. Live war er ja am besten, und in Köln war immer eine überaus emotionale Atmosphäre, die ihn selber jedes Mal aufs Neue ergriff. Seit 1976 habe ich kein einziges Köln-Konzert verpaßt, auch nach meinem Wegzug nicht.

        Er muß fit gewesen sein, sonst hätte er dieses anstrengende Konzert nicht so präsent und leidenschaftlich, musikantisch perfekt, stimmlich auf der Höhe, absolvieren können. Standing ovations schon zu Beginn – alle, auch ich, hatten den Schimmer der Ahnung eines kostbaren Ereignisses, weil die Endlichkeit dieser Auftritte – rein rational – abzusehen war. Aber doch nicht jetzt, in dieser Erholungsphase (er trat noch Anfang Dezember auf)… Natürlich hatte ich mir schon eine Karte für das Kölner Wiederholungskonzert im März 2015 gesichert.

        Eine wichtige Dauerbegleitung meines Lebens ist nicht mehr da. Eine Ära vorbei, die Todesfälle um einen mehren sich, der Winter wird dunkler.
        Schöne Erinnerungen und viele Lieder bleiben. Aber im Moment bin ich einfach nur traurig.

        „Mitten im Leben“ hieß die letzte CD wie auch die Tournee. Ex post muß man die Ahnung spüren: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, heißt es. Einen schöneren Tod nach dieser triumphalen Tournee und nach dieser Hommage vieler Künstler (Helene Fischer habe ich erst in der Gala zu seinem 80. Geburtstag als ernsthafte Künstlerin erlebt – sie sollte von ihrem bisherigen unterkomplexen Kunstleben Abschied nehmen) hätte er eigentlich nicht haben können: ein Spaziergang, Bewußtlosigkeit, Herzversagen.

        Nur der Abschied von seinen Lieben blieb ihm versagt. Für die er, wie er zuletzt erkannte, viel mehr Zeit hätte aufwenden müssen – das wollte er jetzt nachholen. Die Zeit blieb ihm nicht mehr.

        • Ich habe auch gerade ein bisschen an Dich gedacht beim Udo Jürgens. Nun, mir fehlt ja hier jegliches Einfühlungsvermögen, weshalb gewisse Leute sooo Gefallen daran hatten. Vielleicht magst es uns oder mir mal erklären. Habe gerade bei zwei Bekannten gesehen auf ihren FB Profilen, dass sie auch was geschrieben haben, vielleicht gefällt es Dir ja. 🙂

          „Udo Jürgens nicht zu mögen, grenzt fast schon an Ignoranz.
          Jemand, der mit seiner Kunst und nicht zuletzt seiner über die Maßen charmanten, kultivierten, nonchalanten Art eben diese darzubieten, über so viele Jahre so viel emotional Verbindendes zwischen den Menschen geschaffen hat, gehört für immer in den Olymp der Herzen.
          Hape Kerkeling sagte einmal, ein Engel habe zwei Flügel. Es gebe aber auch Engel mit nur einem – Udo Jürgens.
          Dem ist nichts hinzuzufügen.“

          Und:

          „Mit Udo Jürgens ist der Helmut Schmidt des deutschen Schlagers von uns gegangen. Nicht allein, dass sich beide in den letzten Jahren optisch mehr und mehr aneinander anglichen, sie eint auch die Tatsache, dass ihre großen Lebensleistungen untrennbar mit dem nationalen Bewusstsein verknüpft sind. ‚Merci Cherie‘ ware eine gesungene Hamburger Sturmflut, ‚Griechischer Wein‘ ein musikalisches Mogadischu, und ‚Ich war noch niemals in New York‘ tritt in seiner Wucht „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ zur Seite. Udo Jürgens, das war champagnerbefeuerte Sozialdemokratie im Bademantel, und falls Udo Jürgens geraucht hätte, er wäre der zweite Mann neben Schmidt gewesen, der das sogar im Kölner Dom gedurft hätte. Jetzt ist er Schmidt vorausgegangen – einem Mann, der die ominösen 66 Jahre schon fast eine Generation hinter sich gelassen hat; Gott, will es scheinen, liest die GALA, nicht die ZEIT.“

        • Achja, Chomskyy,

          das habe ich befürchtet, daß Du solche Bekannte hast wie den zweiten Kommentator, der nicht einmal abgesichts eines Todes von Witzeleien Abstand nehmen kann, sondern ihn zum Anlaß nimmt, sprachlich zu brillieren.

          Was an seiner Polemik wahr ist: natürlich haben mich auch die politischen Botschaften von Udo Jürgens angesprochen, angefangen von „Lieb Vaterland“ über „Griechischer Wein“ (es wäre ja schön, wenn dessen Botschaft Politik geworden wäre, dann gäbe es Sarrazins Bucherfolge, CSU-Parolen und Pegida-Demos nicht, die ja nur die jahrzehntelange Ausländerabschreckung durch die Gesetzgebung widerspiegeln – wobei deren implizite Botschaft merkwürdigerweise heutzutage nicht mehr politisch korrekt ist: abschrecken sollen die Gesetze weiterhin, aber man darf den dahinterstehenden Affekt der politischen Klasse nicht mehr äußern), über „Gehet hin und vermehret euch“ in einer großen symphonischen Dichtung, eingespielt von den Berliner Philharmonikern, bis hin zu den aktuellen kritischen Liedern. „Gefeuert“, ein Lied für die Opfer des Kapitalismus. Der musikalische Kracher „Ein ehrenwertes Haus“, in dem die unehrenhaften Spießer, die gegen eine wilde Ehe im Mietshaus waren, wurde im aktuellen Udo Jürgens-Musical umgedichtet zu einem Lied gegen schwule Paare, weil der in den siebziger Jahren grassierende Affekt mittlerweile überwunden ist. „Fünf Minuten vor zwölf“ – der Umwelt-Song schlechthin.

          Stimmt. Udo Jürgens war der bessere Sozialdemokrat, denn anders als die SPD ist er seinen Idealen stets treu geblieben. „Traumtänzer“, der er war. Eins seiner schönsten Lieder.

          Wem der Instinkt für Musik fehlt, dem wird diese Art der Vermittlung von Inhalten natürlich nichts sagen. Es ist kein Geheimnis, daß Udo Jürgens von der klassischen Musik herkommt (Kriegszeit als Kind, Studium am Konservatorium) und durch den amerikanischen Jazz und Swing sowie den französischen Chanson (Nachkriegszeit) geprägt wurde wie auch durch die russischen Wurzeln seiner Existenz („Der Mann mit dem Fagott“ – was für eine Einfühlung in die russische Klangwelt!), er hat den Reggae aufgenommen („Die Sonne und Du“) – er hat aus alldem etwas ganz und gar Eigenes gemacht – etwas Unwiederholbares.

          Banausen wie Dein Bekannter haben dafür natürlich keine Sinnesorgane. Sie müssen ihre Pfauenfedern spreizen.

          Udo Jürgens hat für Brandt (der ein Fan war) wie für Kiesinger gesungen. Verbogen hat er sich nie. Das ist mehr, als man von Politikern gemeinhin sagen kann.
          Aber richtig stolz war er wahrscheinlich nur auf seine Einspielung mit den Berliner Philharmonikern. Denn er war Musiker, das vor allem anderen.

        • Hier das einfühlsame Kammertöns-Porträt von 2014, das heute in der ARD wiederholt wurde – wie todesnah das alles war, hat wohl niemand ernsthaft bedacht, obwohl der Tod immer im Raum stand. Udo Jürgens starb in der Fülle seiner Wirkmacht – das mag ein Trost sein:

          http://www.focus.de/kultur/musik/seine-musik-wird-auf-ewig-bleiben-so-emotional-nehmen-freunde-und-kollegen-abschied-von-udo-juergens_id_4361735.html

          Nachtrag:

          Da letzte Video sollte angesteuert werden.

  2. Gustl Mollath hat sich offenbar Sympathien verscherzt: jetzt hat sich selbst Pascal Durain, der für die Mittelbayerische Zeitung noch die akkuratesten und sehr zeitnahe Beiträge zum Prozeßverlauf verfaßt hat, zu einer Zusammenarbeit mit Otto Lapp bereitgefunden. Immerhin erfahren wir jetzt, daß zu Mollaths Habe auch Spielzeugautos gehören, was die Ex-Ehefrau gegenüber Lapp und Lakotta noch verschwiegen hatte. Was für eine Nachricht!

    Natürlich braucht Petra M. nach Erscheinen des Buchs von Gerhard Strate, das über ihre Rolle und die ihres damaligen Freundes und jetzigen Ehemanns beim Feldzug gegen den getrennten bzw. geschiedenen Ehemanns keine Zweifel läßt, etwas PR. Tatsächlich geht es nicht um die paar persönliche Gegenstände, die die Ex-Ehefrau vor der von ihr veranlaßten rechtswidrigen Räumung des gesamten Hausinventars „gerettet“ hat (was soll Gustl Mollath mit diesen Erinnerungsstücken auch anfangen, wenn er noch keine permanente Bleibe hat?). Was soll der Vorschlag eines Übergabeorts in dern Nähe des Christkindl-Marktes?
    Ich weiß nicht, wieso sich Pascal Durain bereitfand, sich der PR-Kampagne Otto Lapps für die Ex-Ehefrau anzuschließen. Ihre Opfer-Story ist nach dem Strate-Buch schlicht in den Bereich der Legende zu verweisen.

    Ich denke mal, daß das Buch auch in Nürnberg gelesen wird. Mit derlei Artikeln läßt sich ihm wohl kaum entgegentreten. Ein unnetter Versuch, den selbst Beate Lakotta nicht unternommen hätte.

    http://www.mittelbayerische.de/region/nuernberg-ressort/artikel/mollath-holt-sein-spielzeug-nicht-ab/1165496/mollath-holt-sein-spielzeug-nicht-ab.html

    • Strates Buch ist in der Gesamtschau der Hammer. Das Buch im öffentlichen Raum zu lesen, führt scheinbar zwangsläufig zu Diskussionen mit Unbekannten…

      Und bei Lektüre des 4. Kapitels über die „klebrige“ Stigmatisierung von psychiatrischen (Fehl-)Gutachten kam ich sehr ins Grübeln: Strate beschreibt haargenau die Empörung und das Ausgeliefertsein, ja den UNGLAUBEN, der einen gesunden Menschen erfasst, wenn er plötzlich als „wahnkrank“ in der Forensik sitzt, „milde lächelnd“ betrachtet….und rührte in mir einmal mehr das leise Bewusstsein, dass ich 2010 dem Teufel von der Schippe gesprungen bin.

      Der „Spielzeug-Artikel“ wirkt im direkten Kontrast des Nachfühlens von Mollaths Schicksal und der von Strate erlebbar gemachten „Vorgehensweise“ Petra Mollaths 2003 unmittelbar nur frech….trollhaft.

    • ….“Der Fall Mollath ist Kriminalgeschichte, ein Justizmord“, sagt Strate….

      …“Einen Menschen zwischen psychiatrischen Nebelwänden ganz legal verschwinden zu lassen, ist erschreckend einfach: Werden die Weichen in der richtigen Weise gestellt, ist ein Entrinnen kaum noch möglich.“ Wie viele Menschen „aufgrund leichter Straftaten oder Falschbeschuldigungen auf unbestimmte Zeit“ in geschlossenen Anstalten sitzen, könne „nur vermutet werden“. Gutachter, deren Expertisen nach seiner Überzeugung leichtfertig und selbstherrlich angefertigt worden seien, nennt Strate namentlich, er spricht unter anderem von einem Gutachten, in dem bestimmte Darstellungen den Eindruck erweckten, als „sollten sie ein bereits vorgefasstes Ergebnis lediglich bestätigen“.“

      http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article135464272/Hamburger-Starverteidiger-rechnet-mit-der-Psychiatrie-ab.html

      • Hut ab, dass sich nun auch das Hamburger Abendblatt Ehre über Herrn Dr.h.c. Strate einlegt! Die BürgerInnen der Freien und Hansestadt Hamburg denken freiheitlich – wohl ganz in meinem Sinne – schließlich habe auch ich eine lange Zeit in HH gelebt! Nun aber zu einer zynischen wie auch lachhaften Lappalie vom Lappotto ohne Kommentar: http//www.mittelbayerische.de/region/nuernberg-ressort/artikel/mollath-holt-sein-spielzeug-nicht-ab/1165496/mollath-holt-sein-spielzeug-nicht-ab.html

      • Psychiatrische Gutachten ziehen aus höchstens korrekt beobachtbarem Verhalten aufgrund der in dem Fachgebiet jeweils anerkannten subjektiv entstandenen und unscharfen Hypothesen, auch Lehrmeinungen genannt, weitreichende Schlüsse über prinzipiell nicht objektiv nachweisbare Angelegenheiten wie etwa die Ausgestaltung der Persönlichkeit unter Einschluss von sogenannten Persönlichkeitsstörungen, neurotischen Fehlentwicklungen und psychotischen Störungen.

        Das Fachgebiet gleicht in vielerlei Hinsicht einer Glaubensgemeinschaft, und solche waren und sind in der Lage, auf der Grundlage unbewiesener, eben geglaubter Annahmen über dies und das weitreichende Regeln für das Leben (oder Sterben) von Mitmenschen aufzustellen, zeitweilige oder dauernde Beeinträchtigungen der persönlichen Freiheit und der körperlichen Unversehrtheit eingeschlossen.

        Die geforderte richterliche Entscheidung hilft da ebenso verlässlich wenig weiter wie das zu der Zeit der Hexenverbrennungen der Fall war, wenngleich anerkannt werden muss, dass es eben ein Jurist war, der zusammen mit anderen den ins Kraut geschossenen Umgang mit der Hexerei beendet hat, unvollständig, und vorläufig. Das hat viele Gründe, nicht zuletzt in der durchaus unbegründeten .Annahme, Psychiatrie sei eine Wissenschaft.
        Im Bereich der sogenannten somatischen Medizin hat sich ja in den letzten Jahrzehnten viel geändert, was den Umgang mit fehlerhaften Diagnosen und schädlichen Therapien angeht, inakzeptable Nebenwirkungen eingeschlossen. Und dem Prinzip der Selbstbestimmung des Patienten genannten Menschen gegenüber den Vorschlagen des Arztes wurde in erheblicher Weise zunehmend Rechnung getragen, was der weiteren Entwicklung der somatischen Medizin zu Gute gekommen ist, bei allen Härten, die im Einzelfall aufgrund der immer möglichen Fehlbeurteilung eines Sachverhaltes auch für die Ärzteschaft zu beklagen waren und sind.

        In dieser Hinsicht ist es mit der Psychiatrie radikal anders bestellt. Von der “ „Anzeigenerstattung“ ggfs. durch anonym bleibende Dritte hinsichtlich eines missliebigen Verhalten über den reichlich undurchsichtigen Prozess der weiteren fachpsychiatrischen Abklärung durch öffentliche Einrichtungen bis hin zur Therapie, gegebenenfalls auch zwangsweise nach richterlicher Bewertung des vorgelegten psychiatrischen Gutachtens gleicht das Verfahren immer noch weit mehr einem Geheimprozess als einer medizinischen Abklärung.

        In den Anträgen zur Unterbringung und zur Zwangsmedikation werden hinsichtlich der weiteren Entwicklung und mehr noch hinsichtlich der Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der vorgeschlagene Therapien regelhaft unzutreffende Angaben gemacht, nahezu immer zu Ungunsten des durch die Prozedur massiv Beschwerten, wenngleich und weil die Ausnahmen in der Gegenrichtung regelhaft große öffentliche Empörung hervorrufen.

        In München hat es das dortige Max Planck Institut für Psychiatrie zu einem traurigen, teilweise wegen eines (verloren gegangenen) Schadensersatzprozesses öffentlich gewordenen Höhepunkt gebracht: statt weniger Wochen zur Überbrückung war eine junge Frau für zwei Jahre festgehalten worden, bis zur Medikamentenabhängigkeit mit Tranquilizern behandelt, mit und möglicherweise auch ohne ihre Zustimmung mehrfach mit Elektroschocks bedacht und für insgesamt mehrere Monate in einer „schützenden Einzelzelle“ gehalten worden.
        Die SZ hatte seinerzeit darüber berichtet.

        http://www.sueddeutsche.de/muenchen/patientin-klagt-gegen-psychiatrische-klinik-tage-in-der-isolierzelle-1.1928105

        http://www.sueddeutsche.de/muenchen/landgericht-muenchen-i-sachgerechte-elektroschocks-1.1971391

        • Noch schlimmer finde ich eigentlich, daß Mediziner, die sich gerne von den Nicht-Medizinern, den Psychiatern, abgrenzen (auch Kröber wollte eigentlich „richtiger“ Arzt werden und nicht wie seine Eltern bloß Psychiater, durfte es aber nicht wegen seiner linken Betätigungen in seiner Jugendzeit), von Pharmazie nichts verstehen.

          Wie kann das eigentlich sein?

          Sie diagnostizieren dies und das, streng wissenschaftlich, weshalb sie auch wissen müßten, welche Wirkstoffe einzusetzen wären, setzen dabei aber auf Tabletten, die ihnen die Industrie mittels Pharamreferenten, Werbung und „Studienaufträgen“, sprich Einnahmegnerierung, aufschwätzt. Freizeitintensive Kongresse in exotischen Gegenden, bezahlte Vorträge etc. gehören ebenfalls zum Ärzte-Verwöhnprogramm der Pharmaindustrie.

          Jetzt stellt sich heraus, daß zahlreiche Innovationen der Pharma-Industrie, die sich durch ihre Mondpreise auszeichnen, auf gefälschten Studien indischer Unternehmen beruhen. Eine weitere Studie zeigt, daß 45 % der Neuschöpfungen (die viel Geld kosten), keinen gegenüber den billigen alten Produkten erweislichen Vorteil haben.

          Psychiater wissen nicht einmal, ob die von ihnen freihändig diagnostizierten psychischen Erkrankungen körperlich begründet sind. Die „Gehirnchemie-Entgleisung“ ist ein bislang nicht verifiziertes Postulat. Genau deshalb gibt es seit 50 Jahren keine grundlegende pharmazeutische Forschung auf dem Gebiet der Psychiatrie mehr. Sie hat sich darauf beschränkt, „moderne“ Neuroleptika zu präsentieren, die die auf den ersten Blick ersichtlichen schädlichen Nebenwirkungen verstecken (Sabbern, Gewichtszunahme, Bewegungsstörungen, Konzentrationsstörungen, Abnahme der intellektuellen Fähigkeit – kurz: das ersichtliche Zombie-Dasein) tatsächlich aber verstärkt zur Lebensverkürzung wegen Herz- und Organstörungen verursachen.

          Und all diese Vergiftung und Lebensverkürzug dient nicht einmal der Heilung, sondern nur der Symptom-Unterdrückung.
          Weil die Psychiatrie eben weiß, daß sie nichts weiß. Und daher nur schädigend Symptome unterdrückt.

          In welchem Bereich ist das ethische Problem wohl größer? Von meinem Eingangssatz muß ich mich distanzieren. Ich kann mich schlicht nicht entscheiden. „In aller Freundschaft“ – einer Illusionssendung, die ich manchmal ansehe, um mir Illusionen zu bewahren. Ab einem gewissen Alter wird es nicht mehr möglich sein, sich dem Krankenhaus-Betrieb zu entziehen, und da will man ja nicht nur schwarz sehen.

          Nachdem nun der grundgütige Chefarzt und die mit ihm liierte grundgütige Oberschwester in Rente gegangen sind und die effiziente Verwaltungschefin Chefin geworden ist (ihrerseits bedrängt durch den privaten Übernehmer-Konzern), wird es ab jetzt vielleicht eine Spur realistischer. Ich hoffe auf den neuen untergeordneten Chefarzt, der sich gegen das Profit-Management doch wohl hoffentlich durchsetzen wird. Schließlich ist es ohne Träumereien unmöglich, sich diesem Betrieb als Patient auszuliefern.

          Man kann sich kaum entscheiden.

        • @gabrielewolff:

          Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hinsichtlich der Aufzählung auch nur der wichtigsten Ursachen für den Schlamassel in der Psychiatrie sind zu nennen:

          Übernahme der Kosten und der Durchführung der Studien zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen der einzelnen Präparate, entscheidend für die Zulassung, durch die Pharmaindustrie. Keine ausreichende Kontrolle dieser Studien einschließlich der statistischen Auswertung und keine Sanktionen selbst bei groben Verstößen gegen anerkannte Regeln der Wissenschaft:

          Missliebige Studienergebnisse können bis heute noch unterdrückt werden, , das heißt nicht angemessen publiziert werden, so dass dadurch ein Übergewicht positiver Ergebnisse folgt, selbst wenn innerhalb der Studien nicht manipuliert worden ist.

          Die Definitionen und damit die Abgrenzung von Nebenwirkung versus Begleit- oder Folgeerscheinung der in Rede stehenden Erkrankung ist vor allem in der Psychiatrie unscharf, dadurch ergibt sich die Möglichkeit, den relativen Nutzen zwanglos zu vermehren.

          Medikamentöse Therapien nur noch gegeneinander zu vergleichen, weil angeblich aus ethischen Gründen die Abgrenzung zum Beispiel gegenüber jedem Verzicht auf eine medikamentöse Behandlung nicht gemacht werden dürfe, schafft indirekt unbegründetes Vertrauen in die Medikation, Dabei ist allerdings längst aufgefallen, und wird auch zumindest halboffiziell eingeräumt, dass heutzutage folgende Ergebnisse häufig sind; Medikament A ist besser als Medikament B, dieses wiederum ist überlegen im Vergleich mit Medikament C, dieses wiederum schlägt A im direkten Vergleich, Die Auflösung des Rätsels folgt nicht, erst eine gründliche Beschäftigung mit den Studien zeigt, dass etwa unterschiedliche Dosierungen verwendet worden sind, beim solchermaßen „überlegenen“ Medikament wird dann später gerne eine Höherdosierung empfohlen, ohne damit offiziell das alte Studienergebnis damit zu konfrontieren. Die Unterschätzung der dosisabhängigen Nebenwirkungen und deren Bedeutung für die Patienten ist ein weites Feld für wissenschaftliche Manipulationen.
          Die Dauer der Behandlung kann Einfluss haben auf das relative Verhältnis von Nutzen zu Schaden, auch das wird weidlich ausgenutzt. Nicht nur in der Psychiatrie. Selbstverständlich ist die Vergabe von 10 mg Haloperidol einmalig zur Beendigung eines gemeingefährlichen Ausrastens weniger schädlich als eine Polizeikugel, oder eine Fesselung über 1 bis 10 Tage, dieses Ergebnis kann man nicht zwingend ausdehnen auf die nächsten eintausend bis zehntausend Tage (entsprechend drei bis dreißig Jahre). Das Beispiel ist absichtlich übertrieben, um den Kern, den Unterschied zwischen einer akuten Situation und der sogenannten Rezidivprophylaxe deutlich zu machen.

          Die Verdrängung anderer Therapieformen, die teilweise auch schwerer zu vergleichen sind, ist auch eine Folge des finanziellen Einsatzes der Industrie zur Promotion ihrer Produkte.

          Verzweifeln muss man dennoch nicht: Wenn eine Erkrankung klar definiert ist, die Therapie rational begründet, seit längerer Zeit in Gebrauch und ohne statistische Tricks ihren Nutzen nachweislich hat, dieser auch konkret ausgewiesen ist, wie etwa die Lebenszeitverlängerung unter Inkaufnahme von Nebenwirkungen bei potentiell tödlichen Erkrankungen, oder die Verbesserung der körperlichen Fitness beim Gelenkersatz wegen fortschreitender Gelenkabnutzung, dann kann man und wird man sich rational dafür oder dagegen entscheiden können, Keine Therapie ist ohne Risiken und Nebenwirkungen, und sei es nur der Vermögensverlust durch eine insuffiziente Gesprächsbehandlung eines Leidens, insbesondere wenn es bessere Alternativen gibt. Derzeit überweigen aber ganz eindeutig die vermeidbaren Fehler in den Studien, leider sind aber die Ergebnisse dieses Vorgehens finanziell derart lohnend für die Industrie, so dass zusammen mit den bekannten Käuflichkeit des Menschen dieses Übel noch lange Bestand gaben wird.

          Andere persönliche Beweggründe, Ruhm, Ehre und Verdienste für das Vaterland machen die Sache nicht besser. Im Dienste der Öffentlichen Ordnung und Sicherheit, zum Schutz von Volk und Staat ist allerhand möglich, was sich mit dem Eid des Hippokrates nun wirklich nicht in Übereinstimmung bringen lässt.

          Psychiater und Psychologen sind nicht die einzigen Berufe, in denen zum Schaden von Menschen manipuliert wird.
          Die Vorgänge zu den Zeiten des aufkommenden Verdachts auf die massenhafte Verbreitung von Aids durch die segensreichen Möglichkeiten der Substitution fehlender Gerinnungsfaktoren zeigen das ebenso eindrücklich wie der Contergan-Skandal, oder die jüngst bekannt gewordenen Vorgänge im Zusammenhang mit dem Silikon für Implantate.

          Schön, dass sich die Regierung zur Veränderung der Wartezeiten in den Praxen so viel Hilfreiches einfallen lässt.

    • Der Bericht in der MZ wurde inzwischen mit einem update versehen, der auf diesen Link verweist:

      Klicke, um auf Mollath-Dokumente-Auskunftsklage-2008.pdf zuzugreifen


      Daraus ergibt sich, dass Frau M. die „Kisten“, die ja auch lt. MZ-Bericht Schmuck, Silberbesteck und Uhren enthalten sollen, ggü. dem AG Nürnberg im PKH-Verfahren verschwiegen hat. Warum die Geschichte um diese Kisten überhaupt so wichtig sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis.

      • Lieber Herr Professor Müller,

        die Geschichte mit den sorgsam für den Ex-Gatten aufbewahrten Kisten (egal, was nun da noch drin sein mag) ist nicht „wichtig“. Es handelt sich um eine PR-Aktion zugunsten der Ehefrau, die rechtswidrig, lange vor dem Versteigerungstermin des Hauses und noch vor Rechtskraft des Urteils von August 2006, sich als Eigentümerin des gesamten Inventars, das allein Gustl Mollath gehörte, gerierte und entschied, was entsorgt, was verwertet und was gnädigerweise für ihn aufbewahrt wurde. Zur Scheinlegitimation „kaufte“ sie das gesamte Inventar für 10 Euro von einem Freund Gustl Mollaths, der über das gesamte Inventar gar nicht verfügte und der durch die Ankündigung der Ex-Ehefrau verschreckt worden war, sie würde ihm das Inventar vor die Tür stellen, wenn er den Kaufvertrag nicht unterschreibe.

        Insoweit sind solche Berichte wie damals und jetzt nur insoweit wichtig, als sie dem Image der Geschäftsfrau Petra M. weichzeichnend fürsorgliche Züge andichten. Gleichzeitig sollen sie Gustl Mollath diskreditieren, der erklärt hatte, nichts mehr zu besitzen, nicht einmal ein Bild seiner Mutter. Dies tat er zu einem Zeitpunkt, als seine Ex-Frau noch jeglichen Zugriff auf seine Habe verschwiegen hatte, auch gegenüber dem Gericht, das er angerufen hatte.

        Erst Lapp und Lakotta kamen ja groß raus mit der Story, daß sie doch noch etwas (jenseits der verschwiegenen illegalen Entsorgung) für ihn „gerettet“ hatte. Daß er mit diesen kläglichen Überresten nichts anfangen kann, schon gar nicht, wenn er noch keine eigene Wohnung hat, in der er diese persönlichen Erinnerungsstücke aufbewahren könnte, ist klar.

        Aber schön, daß Pascal Durain und die Mittelbayerische Zeitung sich mittels dieses Links von Lapps PR-Bemühung um Petra M. distanziert hat. Ich konnte es nicht glauben, daß insoweit eine Kooperation möglich war.

        • Das ist eine Blamage für diese Journalisten und diese Zeitungen.
          „… klagte Mollath darüber, …. Nicht mal ein Bild seiner Mutter sei ihm geblieben – was nicht stimmte.“
          Erst bezichtigen sie Herrn Mollath zu lügen und am Ende des Artikels stellen sie es im Update richtig.
          (Update: In einem Verfahren aus dem Jahr 2008, in dem es um die Auskunft über die Wertsachen von Mollath ging, ist keine Rede von Kisten und Gegenständen, die Petra M. für ihren Ex-Gatten verwahrt.)

  3. Herr Dr. Weinberger ist, wen wundert’s, nicht zufrieden mit der zutreffend beschriebenen Rolle, die er als Psychiater im Mollath-Verfahren gespielt hat, und vermutet gar eine „Ghostwriterin“, da er RA Strate soviel Durchblick, wie in Kapitel 16, „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, S. 171ff, bewiesen, offenbar nicht zutraut.

    DER SPIEGEL 49/2014 enthielt eine glänzende Rezension des jetzt erschienenen Buchs Dr. Strates, Mollaths Verteidiger im jüngsten Wiederaufnahmeverfahren, DER FALL MOLLATH – Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie. Das Buch ist flüssig geschrieben, enthält viele Details zum Fall, macht viele Zusammenhänge noch ansichtiger und läuft letztlich doch wieder auf eine Verzeichnung des Psychiatriemißbrauchs hinaus. Der Einsatz der GEP und ihrer Sprecher sei 1.) völlig wirkungslos gewesen und 2.) allein aus Eitelkeit zur Feier des eigenen Egos geschehen, so Strate, dessen beeindruckendes Konterfei auf dem Cover prangt. Kann ein vielbeschäftigter Anwalt in drei Monaten ein 270-Seiten-Buch schreiben? Gegen uns wendet er (seine Ghostwriterin?) u.a. ein, “die Verwendung des Begriffs Mißbrauch“ bedinge „die Annahme, es könne auch einen sinnvollen Gebrauch dieser rechtsstaatlich bedenklichen Institution geben“, einen sinnvollen Gebrauch der Psychiatrie. Zum Glück ist das Mandat dieses jetzt ins Antipsychiatrische abgeglittenen Staranwalts beendet, steht der erfahrene Münchner Strafverteidiger Dr. Adam Ahmed jetzt an Mollaths Seite. Bei vielen, die sich seiner Sache bisher annahmen, liegen Verdienst und Verfehlung dicht beisammen. Zum Glück kam seine Sache in dem Gemenge dennoch voran. W. 11.12., ergänzt 14.12.14.

    http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/

    Natürlich ist Gerhard Strate kein „Antipsychiater“. Er bezweifelt den Sinn von Psychiatrie, soweit sie per staatlichen Zwang aufoktroyiert wird, zumal ihre Grundlagen wissenschaftlich unbelegt sind. Dennoch werden die Gehirnchemie beeinflussende Psychopharmaka mit gravierendsten Nebenwirkungen eingesetzt, während das Entstehen psychischer Erkrankungen, soweit biologische Ursachen ausgeschlossen sind, völlig ungeklärt ist. Einer solchen zweifelhaften Obsorge sollte man sich nur freiwillig unterziehen, meint er.

    Aber Weinbergers Abwehr gilt nicht den Angriffen gegen seine Profession, die er in Ordnung findet, sondern diesen Passagen in dem Buch, die ihn persönlich betreffen.

    Tatsächlich reicht ja ein Blick in die Akten, um Strates klare Sicht auf die Verhältnisse nachvollziehen zu können: juristisch brachte sein Privatgutachten nichts, zur Mobilisierung von Unterstützern trug es bei. Kritisch merkt Strate an:

    Im Falle des Weinberger-Gutachtens mag zudem eine unglückliche Formulierung am Anfang zu dessen juristischer Leichtgewichtigkeit beigetragen haben. So schrieb Dr. Weinberger:

    „Vom Schicksal Gustl Mollaths hörte ich erstmals im Frühjahr 2010 durch einen seiner Leidensgenossen. Dieser hatte gegen eine fehlerhafte ‚Psychiatrisierung‘ im Februar 2010 beim OLG München obsiegt. Zu seinem Erfolg hatte ich gutachtlich beitragen können“.
    Hätte sein Gutachten mehr Bedeutung erlangt, wenn der wackere Garmischer Psychiater sich diese kleine Eitelkeit hätte verkneifen können? Wir werden es nicht mehr erfahren. Obwohl Weinberger die Situation Gustl Mollaths in seinem Gutachten zutreffend einschätzt, haben die eindeutige Stoßrichtung der GEP und die offensichtliche Nähe des Gutachters zu Mollaths Unterstützerkreis es dessen Gegnern sehr einfach gemacht.

    Als der Fall im Herbst des Jahres 2012 zum öffentlichen Skandal avanciert, wird Dr. Weinberger nicht müde, permanent auf die fundamentale Bedeutung seines Gutachtens und persönlichen Einsatzes hinzuweisen, wodurch dessen aus den genannten Gründen ohnehin begrenzte Wirkungskraft proportional zur Menge der Einlassungen seines Urhebers weiter abnimmt. Dies ist umso bedauerlicher, als gerade die forensische Psychiatrie eines fachinternen Korrektivs eigentlich dringend bedürfte, zumindest solange ihrem Treiben nicht durch eine fundamentale Änderung der Gesetzeslage wirksame Grenzen gesetzt werden. Dass es uns als Mollaths Verteidigern im Jahre 2014 sinnlos erscheint, die unsägliche „Psychiatriekiste“ im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens unnötig weit zu öffnen, nimmt Dr. Weinberger zum Anlass für Attacken auch gegen die Verteidigung.

    [S. 175 f.]

    Ja, es ist schon schade, daß die GEP ihre Korrektiv-Funktion so leichtfertig verspielt.

    • Und ich Dummerchen dachte immer, Mollaths Freilassung wäre auf die herausragende, einzigartige Demo zurückzuführen…

      Aber das Weinberger sich in seiner Argumentation des fundamentalen Gutachtens nah an Mollath fühlt, der wiederum sein eigenes Zurverfügungstellen seines Faxgerätes an eine Bande Schüler als maßgeblichen Initialzündungsbeitrag für die weltgrößte Friedensdemo ansieht, ist verständlich.

      Eigentlich ein Wunder, dass sich in dieser Welt noch Unzufriedene zu finden scheinen, wo doch der allgemeine, uneitle Einsatz so wirkungsvoll war.
      Und nun räumt Ahmed noch die Reste weg und dann haben wir endlich die Beste aller Welten.

      Dann kann ich ja beruhigt in den Winterschlaf…

  4. Ich habe heute die SPIEGEL-Titelgeschichte zum CIA-Folterprogramm gelesen; insbesondere aus dem Interview eines ehemaligen FBI-Beamten, der selbst gerade erfolgreich einen hochrangigen Al Quaida-Gefangenen interviewt hatte, geht hervor, welchen Einfluß der Psychologe James Mitchell auf die Ermittlungen hatte; der FBI-Mann mußte seine freundschaftlichen Vernehmungen, die viel erbracht hatten, abbrechen, und der Gefangene wurde dem Regime von Mitchell unterstellt. Es muß so schrecklich gewesen sein, daß selbst CIA-Leuten die Tränen kamen.

    Die Maßnahmen hatten keinen Erfolg, über geplante Anschläge konnte der Mann nichts berichten. Mitchell hatte früher das SERE-Training bei der Airforce geleitet, bei dem Soldaten lernen sollen, wie sie Gefangenschaft und Folter überstehen. Mitchells Nachfolger erklärte bereits 2002, daß dieses Programm, ins Aktive gewendet, nichts bewirken werde:

    New Report: Bush Officials Tried to Shift Blame for Detainee Abuse to Low-Ranking Soldiers

    Posted: 05/22/2009 5:12 am EDT Updated: 05/25/2011 1:15 pm EDT

    Today we’re releasing the declassified report of the Senate Armed Services Committee’s investigation into the treatment of detainees in U.S. custody. The report was approved by the Armed Services Committee on November 20, 2008 and has, in the intervening period, been under review at the Department of Defense for declassification.

    In my judgment, the report represents a condemnation of both the Bush administration’s interrogation policies and of senior administration officials who attempted to shift the blame for abuse – such as that seen at Abu Ghraib, Guantanamo Bay, and Afghanistan – to low ranking soldiers. Claims, such as that made by former Deputy Secretary of Defense Paul Wolfowitz that detainee abuses could be chalked up to the unauthorized acts of a „few bad apples,“ were simply false.
    […]
    On October 2, 2002, Lieutenant Colonel Morgan Banks, the senior Army SERE psychologist warned against using SERE training techniques during interrogations in an email to personnel at GTMO, writing that:

    „[T]he use of physical pressures brings with it a large number of potential negative side effects… When individuals are gradually exposed to increasing levels of discomfort, it is more common for them to resist harder… If individuals are put under enough discomfort, i.e. pain, they will eventually do whatever it takes to stop the pain. This will increase the amount of information they tell the interrogator, but it does not mean the information is accurate. In fact, it usually decreases the reliability of the information because the person will say whatever he believes will stop the pain… Bottom line: the likelihood that the use of physical pressures will increase the delivery of accurate information from a detainee is very low. The likelihood that the use of physical pressures will increase the level of resistance in a detainee is very high… (p. 53).“
    […]
    http://www.huffingtonpost.com/sen-carl-levin/new-report-bush-officials_b_189823.html

    Inkompetent war er also auch noch.

  5. An allen uns bekannt werdenden Schrecklichkeiten sehen wir: in den meisten lebendigen Organismen sind psychische Phänomene auch auffälliger Art manipulativ auslösbar; am deutlichsten beim Homo sapiens. Die Grundlage ist selbstverständlich im Organ „Gehirn“ zu suchen; wir wissen aber nichts über die genauen (patho-)physiologischen Vorgänge.
    Diese auffälligen psychischen Phänomene werden von Psychiatern als Erfolg verbucht, nämlich z. B. indem der Mensch „gesteht“; oder diese Phänomene werden fälschlich als Symptome identifiziert und als „psychische Erkrankung“ (bisweilen recht niederträchtig unter dem Deckmantel der „Fürsorglichkeit“) gedeutet und bewertet.
    Grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse zu Gehirnmanipulation und zu angeblich kranken Gehirnen gibt es nicht. Die Psychiatrie nimmt einerseits Gehirne, um Ziele zu erreichen, z. B. „Geständnisse“ zu erhalten, und sie nimmt Gehirne, um sie als „krank“ zu erklären. In beiden Fällen weiß sie nichts über Ursachen.
    Auffällige psychische Phänomene können also in einem „normalen“ Gehirn unter geeigneter Fremdmanipulation erzeugt werden. Man kann sich sogar bewusst oder unbewusst selbstmanipulieren, weswegen der geniale und neugierige Feynman sich Experimenten aussetzte, die ihm neben Körperentfremdungsgefühlen auch Halluzinationen bescherten. Kein Wunder, dass er in anderem Zusammenhang von Psychiatern für krank erklärt wurde, was glücklicherweise nur zu Heiterkeit bei seinen Physikerkollegen führte.
    Nur die Psychiater als Mediziner haben die Befugnis, Menschen zu „Kranken“ zu erklären, während Psychologen diese „Krankheit“ übernehmen dürfen.
    Man merkt (die Absicht und man ist verstimmt): die „psychische Erkrankung“ basiert bei fehlender wissenschaftlicher Erkenntnis auf einer Bewertung. Diese wird bei ethischer Festigkeit (wie sieht die aus?) menschenfreundlich ausfallen…oder auch nicht. Wichtig und immer wieder sich klarmachend: unsere Denkmaschine wird für krank erklärt oder, im Fall der Folter, krank gemacht, was uns der wichtigsten Rechte und unserer Gemütsruhe beraubt.
    Der berühmte Psychiater Thomas Szasz hat, und dies immer noch zu Recht, vom Mythos psychischer Erkrankungen/Geisteskrankheit gesprochen. Seine Texte sind allerdings trotz aller Klarheit wegen einer uns andressierten (sic!) Denkweise zunächst schwer zu verstehen.
    Szasz war angesichts real existierender psychisch auffälliger Phänomene kein „Antipsychiater“, genauso wie Journalisten, die den Mainstreamjournalismus kritisieren, keine „Antijournalisten“ sind.
    Die Psyche ist ein Konstrukt, wiewohl sie sich auf materieller Basis abspielt. Statt von „psychischer Krankheit“ könnten wir genauso von einer „lila Idee“ sprechen.
    Die Physiologie der materiellen Basis kennen wir nicht, insofern dürften Psychiater ihre Kliniken noch nicht einmal „Klinik für Gehirnkrankheiten“ nennen. Dann wäre auch aus anderen Gründen der Teufel los.
    Die Psychiatrie ist natürlich nicht schuldig hinsichtlich ihrer fehlenden Erkenntnis. Sie suggeriert uns aber, eine schnell voranschreitende angewandte Neurowissenschaft zu sein und nutzt den allgemeinen Neuro-Hype.
    Und wirklich: das Suggerieren, Manipulieren, Hypnotisieren und Ängstigen zusammen mit einem guten Marketing sind wirksame psychologische Maßnahmen. Wir merken das am eigenen LEIB!

    • Wenn heute jemand etwa ein „Burn out“ Syndrom an sich bemerkt, und auf welchem Weg auch immer damit an einen Psychiater gerät, läuft er große Gefahr, „zur Unterstützung“ Neuroleptika und verwandte Substanzen, selbstverständlich aus der neuesten Entwicklungsreihe, verschrieben zu bekommen. Seine Aussichten, dauerhaft behindert zu werden, sind groß.

      Gerät er etwa an einen systemisch denkenden Arzt oder Psychologen, ist es gut möglich, dass versucht wird, vorurteilsfrei, auf sachliche Weise, eine Lösung der Probleme zu erreichen. Den Gebrauch in schwerwiegender und zum Teil in bis heute nicht einmal genau bekannter Weise in das Nervensystem des Menschen einzugreifen wird man ebenso unterlassen wie etwa den Ratschlag, es doch einmal mit etwas Alkohol zu versuchen. Dabei sind dessen Wirkungen und Nebenwirkungen (abhängig von der Dosis, von der persönlichen Situation, von Art und Dauer der Einnahme usw.) weit besser bekannt als die jener Medikamente genannten Stoffe, mit denen Diktaturen und nicht nur die ihre Repression leicht und verlässlich ausüben können.

      Ausgesprochen bedenklich sind die vielfältigen Versuche der Industrie, mit allen geeigneten Mitteln, zu denen die Verwendung willfähriger, naiver und gerissener Ärzte unbedingt gehört, ihre Produkte als „unterstützend“, „absichernd“, „zusätzlichen Nutzen stiftend“ usw. in jede Art des Umgangs mit menschlichen Angelegenheiten einzuschleusen.
      Das geht von der Wiege bis zur Bahre, vom Urlaub bis zur Intensivstation

      Ihre Erfolge bei diesen Aktivitäten sind beeindruckend, die Vorgehensweise etwa hinsichtlich sogenannter Studien bedenklich bis kriminell, und aufgrund ihrer immensen Geldmittel nicht einfach abzustellen.

  6. Ich möchte mich auch bei Frau Wolff und den vielen Kommentatoren für das Engagement bedanken. Das nicht Alle immer das Gleiche fokussieren und dann auch noch einvernehmlich einschätzen, hat sicher viele Ursachen. In einem respektvollen Umgang können solche Differenzen diskutiert und ausgehalten werden. So gab es nicht nur die Sicht der Juristen von innen auf die Justiz/Psychiatrie und die Sicht der Nichtjuristen von außen, sondern auch den kritischen Draufblick der vom täglichen Geschäft befreiten Experten. Viele Einsichten und Informationen waren lehrreich und verdienen die Weiterentwicklung. Es gibt kein Ende der Diskussion, kein vollständiges Auflösen von Interessenkonflikten, Meinungsverschiedenheiten und Missverständnissen. Aber immerhin kam man endlich ins Gespräch und konnte dafür grundsätzlich eine gemeinsame Basis finden. Die Isolation des juristischen Expertentums wurde ein wenig überwunden, die Justiz als für Nichtjuristen unergründbare und erhabene Parallelwelt zumindest in Frage gestellt. Ein kritisches Miteinander, Verständnis und Vertrauen könnten aufgebaut werden, denn davon lebt eine rechtsstaatliche Gesellschaft. Diese Öffnung hat mir ein Stück weit das Gefühl wiedergegeben, dass „Hopfen und Malz“ noch nicht verloren sind. Es gilt dran zu bleiben. Eine transparente, glaubwürdige Strafjustiz wird den jetzigen und zukünftigen Opfern von Straftaten und damit eben auch den Opfern von Falschbeschuldigung, unrechter Strafverfolgung und Psychiatrisierung zu Gute kommen.

    In diesem Sinne,
    Allen ein besinnliches Fest!
    Lutz Lippke

  7. Psychowissenschaftler wie Psychiater und Psychologen, letztere gern als Glaubwürdigkeits-Gutachter oder als Gutachter zu Erziehungsfähigkeit bei Familiengerichten eingesetzt, rechtfertigen ihre Fehlleistungen im Rahmen der überwiegend fachlich falschen Gutachten damit, daß es ja schließlich die (komplett ahnungslosen und wegen der Fallzahlen überforderten) Richter seien, die die Entscheidungen träfen.

    Ein bequemes Modell, das Falschgutachter nicht exkulpieren kann.

    Im Fall der CIA-Psychologen kann diese übliche Taktik bei professionellem Versagen schon gar nicht wirken. Denn ohne ihre Teilnahme wäre es zu den Folterungen nicht gekommen:

    CIA on the Couch
    Why there would have been no torture without the psychologists.

    By Steven Reisner

    […]
    The psychologists were vital to the torture program for one additional reason: The Justice Department’s Office of Legal Counsel had determined that the presence of psychologists and physicians, monitoring the state and condition of the prisoner being tortured, afforded protection for the CIA leadership and the Bush administration from liability and potential prosecution for the torture. Later, the OLC applied the same rules to the Defense Department’s “enhanced interrogation program,” which, according to an investigation by the Senate Armed Services Committee, was created and overseen by a team led by a clinical psychologist, and eventually overseen exclusively by clinical psychologists.

    http://www.slate.com/articles/news_and_politics/politics/2014/12/psychologists_role_in_the_cia_s_torture_why_these_medical_professionals.html

    Ohne die Überwachung von Psychologen und Ärzten wäre niemand von der CIA direkt gefoltert worden; wie die Folterstaaten, denen die CIA illegal entführte Menschen zuführte, diese CIA-Opfer behandelten, steht ohnehin nur in den Schwärzungen.

    Amerikanische Psychologen und Ärzte haben demnach diese ekelhaften Vorgänge überwacht und als verhältnismäßig eingestuft, bei deren Video-Anblick sich weniger kompetente CIA-Bedienstete übergeben haben. Das spricht nun eindeutig für ihre intellektuelle Kompetenz, der humanitäre und ethische Aspekte gänzlich fern sind. Das spricht ebenso eindeutig für eine Unterordnung deren Expertise unter staatliche Zwecke und damit für eine Millionen-Dollar-Korruption.

    Dieser Befund sollte auch die hiesigen Psychowissenschaftler aufrütteln, die tendenziell ebenfalls staatlichen Zwecken zuarbeiten, von deren Zahlungen sie abhängig sind.

    Wie in Deutschland den versagenden Psyhiatern, so stand auch die Berufsvereinigung der Psychologen (APA) den versagenden Psychologen Mitchell und Jessen zur Seite:

    In July 2004, months before the role of psychologists in torture was made public when a report from the International Committee of the Red Cross on Guantanamo was leaked to the New York Times, Hubbard, Gerwehr, and personnel from the CIA and Pentagon were invited by Mumford and APA’s ethics director Stephen Behnke to a secret meeting.

    Publicly the APA has claimed at various points that the meeting was to address challenges faced by domestic law enforcement investigations. However, the true goal of the meeting, according to the emails obtained by Risen, was to “bring together people with an interest in national-security” interrogations and to “ask individuals involved in the work what the salient issues” were and to “provide guidance” for the ethical issues that may come up with regard to those interrogations—the very interrogations so nauseatingly described in the Senate report.

    http://www.slate.com/articles/news_and_politics/politics/2014/12/psychologists_role_in_the_cia_s_torture_why_these_medical_professionals.html

    Man möge weiterlesen. Und es ist erhellend, wenn man mitkriegt, wie wenig die deutsche Presse leistet. Sie sollte uns ab und zu doch mit den Findungen amerikanischer unabhängiger Presse bekanntmachen. Und ab und zu eine Auseinandersetzung mit RT wagen. Da wird nämlich nicht gelogen, sondern einseitig informiert. So wie im Westen auch, der es allerdings nicht merkt.

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