Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (3)

MH 17 Titelfoto

 Fortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/09/28/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-1/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/10/23/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-2/

Ein kleiner Hinweis: die Lektüre dieses Artikels setzt die Kenntnisnahme der vorangegangenen Artikel voraus.

Es war nicht schlecht, zwei weitere Themen vorzuziehen, bevor die Fortsetzung dieses Threads begonnen wurde: denn die allseitige Propaganda, die den Abschuß der MH 17 umrankt, mußte nach dem bewußt nichtssagenden vorläufigen Berichts des Dutch Safety Board vom 9.9.2014 zwangsläufig ins Kraut schießen. Davon kann jemand, der Propaganda aufklären will, nur profitieren. Die Ernte war reich.

Zur Propaganda der Kiewer Regierung gehörte dieses noch am 17.7.2014 veröffentlichte Foto:

Torez BukWas sollte es zeigen?

Auskunft gibt Liveleakers, das noch am Abend des 17.7. die Indizienkette des ukrainischen Geheimdienstes SBU wiedergab und dieses Foto wie folgt ankündigte:

Timeline of evidence of Russian culpability for MAH17 shootdown.

Part of channel(s): Liveleakers (promoted), Ukraine (current event)

Barely a few hours old, and there’s a mountain of evidence incriminating Putin and his terrorists in Ukraine for the shooting down of Malaysia Airlines Flight 17, and the cold blooded murder to 295 innocent civilians.

– Sometime this morning, journalists in terrorist occupied Snizhne, Donetsk report seeing an SA-11 BUK surface to air missile system (capable of shooting down a passenger jet at cruising altitude)

[Es folgt das obige Foto]

http://www.liveleak.com/view?i=6ee_1405625074

Der niederländische Blogger ukraine@war, der sich dort zunächst als “Peter Martin” bezeichnete und seit dem 17.12.2014 bei Twitter nunmehr als „Dajey Petros“ firmiert, über dessen antirussische und westregierungsfreundliche Einstellung nie ein Zweifel bestand,

https://twitter.com/DajeyPetros/status/545301981301317632

http://ukraineatwar.blogspot.nl/p/about-me.html

hat dieses Foto am 17.7.2014 in sein gleichartiges Szenario „Putin und die russischen Terroristen“ übernommen, obwohl er es erklärungslos von Snischne nach Tores verlegte.

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/russian-transport-of-buk-into-ukraine.html

Wie kam das? Selbst sein Bruder im Geiste, Eliot Higgins alias Brown Moses alias Bellingcat, der von westlichen Leitmedien gern zitiert wird, weil er dem transatlantischen Regierungskurs zu- und nacharbeitet, hat sich bei diesem Foto einen Tag später mehr Mühe gegeben:

Buk Transporter Filmed “Heading to Russia” Sighted in an Earlier Photograph

July 18, 2014

By Eliot Higgins

Earlier today, the Ukranian Ministry of Internal Affairs posted the following video, claiming to the show the Buk Missile Launcher that has been linked by some to the downing of flight MH17 being transported to Russia

[…]

It was also claimed the following photograph was taken in Snizhne, showing the same missile system.  Despite those reports, it actually appears that this photograph was taken here in the town of Torez, with the cameraman facing northwards.  Video from 2 years ago filmed in the area shows the side of the market with the yellow signage, and the building with the white and black marks along the side of the building, confirming the location. (Thanks to Aric Toler for spotting that one)

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/07/18/buk-transporter-filmed-heading-to-russia-sighted-in-an-earlier-photograph/

Typischerweise erklärt er nicht, wer genau dieses Foto nach Snischne verpflanzt hat. Wie kam es, daß das Bild in Snischne verortet wurde, obwohl es doch Tores zeigt?

Die Lenkung des Publikums verantwortet wieder einmal Geraschtschenko, der Berater des Innenministers Awakow, Herr über den Geheimdienst SBU der Ukraine.

Der Interpreterblog in New York, obwohl gesponsert durch den Sohn des russischen Oligarchen Michail Chodorkowksi,

(Note: The Interpreter is a project of the Institute for Modern Russia which is funded by Pavel Khodorkovsky, son of Mikhail Khodorkovsky.)

— Catherine A. Fitzpatrick

http://www.interpretermag.com/category/blog/#6132

machte sich die Mühe, die Kiewer Propaganda aufzuklären und berichtete am 18.7.2014:

Pro-Russian Separatists‘ BUK Geolocated in Torez

20:08 (GMT)

The picture of the BUK missile system said to be in the possession of pro-Russian separatists which we reported 17 July, parked behind some stores in a town in southeastern Ukraine, has now been geolocated by Aric Toler on Gagarin Street in Torez.

fetching tweet…

fetching tweet…

There was some confusion between the two towns of Torez and Snezhnoye, which are about 12 km apart from each other, both of which have been occupied by separatists with heavy artillery.

Original regional news reports[Донетчина, 17 июля 2014, 21:37
http://ru.tsn.ua/politika/terroristy-spryatali-ustanovku-buk-za-supermarketom-v-snezhnom-sovetnik-avakova-377551.html ]

were based on a Facebook post by Anton Gerashchenko, an advisor to the Ukrainian Interior Ministry, who said one of two BUKs was parked „behind the Furshet in Snezhnoye.“ Furshet is a Ukrainian supermarket chain that has provided humanitarian assistance to the separatists. Then Information Resistance reported that the BUK was in Torez „near the Furshet.“

But there isn’t any Furshet store known to be in Torez, according to the company’s web site, so the theory was that the scene had to be in Snezhnoye. The eye-witnesses may have meant another supermarket chain or store.

Toller found a dash-cam video of a resident driving down Gagarin Street in Torez that clearly shows two of the buildings there that match the scene of the parked BUK — the store with the yellow awning and red and green sign and the brown building with the white-striped edges and a tall video banner:

Torez Buk Videohttp://www.interpretermag.com/ukraine-liveblog-day-151-who-shot-down-mh17/#3436

Der Fotograph des Tores-Fotos befindet sich demnach auf einem Gelände rechts von der Straße, und die Buk auf der Kreuzung in Höhe des Hauses mit den markanten Streifen.

Interessant, daß die ukrainische Regierung nur eine von gleich zwei den Rebellen zugeschriebenen Buks „lokalisierte“.

Am 18.7.2014 postete dann auch Eliott Higgins die ausführlichen Findungen seines „Followers“ Aric Toller:

Identifying the Location of the MH17 Linked Missile Launcher From One Photograph

July 18, 2014

By Eliot Higgins

In the aftermath of the MH17 downing in Ukraine various images and videos were shared on social media sites claiming to show the Buk missile launcher that was alleged by some to have been used to shoot down flight MH17.  One photograph was shared on social media sites, reportedly showing the missile launcher in Snizhne, close to where a video show a Buk missile launcher was filmed

[Es folgt das Tores-Bild]

There doesn’t seem much to go on in this picture, but one of my long term followers, Aric Toler, managed to piece together the location using a variety of open source information, in a way that impressed myself and others who have spent their time geolocating images from conflict zones.  I asked him to talk me through the process, and here’s what he told me.

[…]

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/07/18/identifying-the-location-of-the-mh17-linked-missile-launcher-from-one-photograph/

Daß das vom Innenministerium mit der Interpretation „Snischne“ kontaminierte Foto ein Fake ist, ergibt sich schon aus dem Wetter, das auf diesem Bild betrachtet werden kann: strahlender Sonnenschein mit klaren Schatten. Zu langen Schatten für die Mittagszeit? Jedenfalls war das Wetter am 17.7.2014 zur Mittagszeit in Tores ganz anders, wie aus dem Satellitenbild im Report des Dutch Safety Board vom 9.9.2014 klar hervorgeht. Es bestand dort eine durchgehende Wolkenbedeckung im roten Bereich südöstlich der Absturzstelle:

DSB S. 18Quelle: http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 18]

Es ist Zeit, daran zu erinnern, daß der BND der Ukraine die Präsentation von gefälschten Fotos vorwarf; und sieht man sich dieses Foto, das auch auf der Website des SBU eingestellt ist, näher an, dann wirkt dieser Transporter mit seinem wuchtigen verhüllten Transportgegenstand wie hineinkopiert:

Torez A Buk[Ausschnitt aus dem Eingangsfoto]

Nach den Lokalisierungen „parkte“ der Buk-Transporter nicht mitten auf der Kreuzung, sondern fuhr entsprechend der Video-Sequenz bis zu dem Haus mit dem markanten Schwarz-Weißmuster an den Ecken auf einer ansteigenden Strecke. Im geposteten Foto scheint er sich in einer falschen abschüssigen Position zu befinden.

Über Photoshop und Mißbrauch der sozialen Netze auch durch Geheimdienste und deren Zuarbeiter machen sich regierungsbestätigende Blogger offenbar keine Gedanken.

In seinem zusammenfassenden Report vom 8.11.2014, dem die ZEIT begeistert applaudierte (klar, das Ergebnis stimmt ja!)

13.11.2014

Zur Bellingcat-Studie vom 8.11.2014

MH17-Absturz

Die Spur des Raketenwerfers

Neue Beweise entlarven die Lügen über den Absturz der Malaysia-Airlines-Maschine in der Ostukraine. Eine Rekonstruktion von Bastian Berbner

DIE ZEIT Nº 47/201413. November 2014  14:04 Uhr

[…]

[wobei auch dies dazu erfunden wird, was im Bellingcat-Bericht gar nicht vorkommt:]

Die Separatisten haben den Buk in der Zwischenzeit von dem Tieflader gefahren. Im kleinen Dorf Snischne bewegt sich das 32-Tonnen-Fahrzeug jetzt auf Ketten die Karapetjan-Straße entlang, bevor es nach rechts abbiegt in Richtung Süden, raus aus Snischne, in unbewohntes Gebiet. Satellitenaufnahmen werden später dicke Spuren im Feld zeigen. Sie folgen keinem Muster, scheinbar willkürlich führen sie zunächst ganz gerade über das Feld, kreuzen einen Weg, führen durch Büsche, dann biegen sie nach Osten ab, zurück auf eine Straße. Möglich, dass von hier die Rakete abgeschossen wird.

[…]

http://www.zeit.de/2014/47/malaysia-airlines-mh17-absturz-ukraine-neue-beweise/komplettansicht

läßt Bellingcat dann sämtliche ihm sicherlich bekannten Hinweise auf das ukrainische Innenministerium und die falschen Ortszuschreibungen „Snischne“ weg:

Torez

Das obige Bild wurde am Abend des 17.Juli veröffentlicht. Dem Bellingcat MH17 Untersuchungsteam ist es nicht gelungen, ein früheres Beispiel der Fotografie zu finden, als diesen Beitrag von einem Benutzer des russischen Social-Media-Website VKontakte(VK)11 am 17. Juli um 20:09 Uhr (Kiew Zeit).

Das Untersuchungsteam vermutet, dass das Bild ursprünglich in der “Overheard in Torez”12 VKontakte Seite gepostet wurde, aber diese Seite ist seitdem gelöscht.

Es war wieder möglich den genauen Ort zu finden, an dem das Foto aufgenommen wurde13, und mit den im Bild sichtbaren Schatten wurde die Zeit auf etwa 12:30 Uhr (Ortszeit) bestimmt.

Diese Zeitangabe wird gestützt durch Beiträge auf VKontakte und Twitter, in denen Einwohner über einen Konvoi von Militärfahrzeugen berichten, den sie am frühen Nachmittag ostwärts durch Torez in Richtung Snizhne fahrend sahen.

Drei Tweets, die die Fahrt des Raketenwerfers und eines Begleitkonvois durch Torez beschreiben wurden um 12:07Uhr14,12:15 Uhr15, und 12:26 Uhr16 Ortszeit gepostet.

————————————–

11

https://vk.com/wall-5063972_387136?reply=38716

[…]

14

https://twitter.com/WowihaY/status/489698009148837888

15

https://twitter.com/WowihaY/status/489700047215685632

16

https://twitter.com/MOR2537/status/48970273676658688

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 7]

Natürlich verweist der angeblich früheste Tweet mit diesem Foto auf den Ort Tores. Bellingcats Geheimnis bleibt es, wie er den Tweet, mit dem ein Eintrag des kiew-treuen „Euromaidan“ kommentiert wird, auf 20:09 Uhr (Ortszeit Kiew) datiert, während der Tweet selbst keine Uhrzeit aufweist:

Tweet Tores auf VKontaktehttps://vk.com/wall-5063972_387136?reply=38716

Wer nicht so ein begnadeter Internet-Freak ist, muß diese Datierung leider unüberprüft hinnehmen.

Bei den ersten beiden Tweets mit Sichtungen einer Buk in Tores handelt es sich um diese Tweets:

Wowi Torez-Tweet 1https://twitter.com/WowihaY/status/489698009148837888

Wowi Torez-Tweet 2https://twitter.com/WowihaY/status/489700047215685632

Bellingcat verrät uns leider ebenfalls nicht, wie die Umrechnungen von 02.07 Uhr und 02.16 Uhr der Tweets auf 12.07 Uhr und 12:15 Uhr Ortszeit gestaltet wurden. Die Internet-Experten bei Bellingcat müßten doch wissen, daß Zeitangaben von Postings bei Facebook, Twitter & Co. notorisch unzuverlässig sind, ebenso wie deren interne Lade-Daten.

Nicht nur der russische Geheimdienst hat damit also seine Probleme…

Und wie konnte „WowihaY“ vier Raketen erkennen, wenn doch das schwere Gerät auf dem Tieflader verhüllt war?

Die von Eliott Higgins gegründete Plattform Bellingcat, die mitunter mit dem gleichgesinnten Anonymus aus den Niederlanden „Martin“/“Petros“ („ukraine@war“) zusammenarbeitet, hätte auch wissen müssen, wie verdächtig dieser „WowihaY“ ist.

Denn der Kiew-Anhänger „WowihaY“ hatte am 17.7.2014 auch das Wölkchenfoto per Tweet verbreitet:

Wowi Tweet Wölkchenhttps://twitter.com/WowihaY/status/489807649509478400

Und der niederländische Kollege hatte bereits am 25.7.2014 diesen Austausch mit „WowihaY“ veröffentlicht, in dem es um das ebenfalls von Geraschtschenko schon am 17.7.2014 verbreitete „Wölkchen“-Foto geht, das das Titelbild meiner MH-17-Artikel ist.

Da heißt es:

Friday, July 25, 2014

EXIF data timestamp in MH17 missile launch photo is 16:25:48 17th July

[…]

I contacted @rrubanov and he said he recieved the tweet from @WowihaY. here it is:

свидетель скинул фотку момента пуска ракеты.На горизонте канатная дорога между Лутугина и Цоф #Торез граница #Снежное pic.twitter.com/Z3mBtLjWfa
— Хуевый Торез (@WowihaY) July 17, 2014

Timestamp 18:23, 2 minutes earlier. He says he got the photo from a witness.

Now the funny thing is that @Wowiha made a very similar calculation as I did. In the middle of the night at 1:27 he has already been tweeting about it!!!

нашли 2свид залпа.линии-направления набл-ния.Север вверху.Балка пос.Ремовка рядом хут.Берегись http://t.co/KKVTEvSMgF pic.twitter.com/EdddRkG11k
— Хуевый Торез (@WowihaY) July 17, 2014

He says that he found a second witness and so he is drawing the lines of sight on a map. He gets an approximate launch location.

[…]

I asked him [WowihaY] if he had the original photo with the EXIF info. He does. It has already been released to the Ukrainian Security Service. It can not be made public (now) because it will reveal who the author is and we don’t want to get this person killed.
So I asked him the next question:

[…]

16:25[:48] local time is 13:25 UTC, since in Ukraine the time is 3 hours ahead of UTC.

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/exif-data-in-mh17-missile-launch-photo.html

Wenn ein unbekannter „WowihaY“ die genaue Aufnahmezeit des Wölkchenfotos vom 17.7.2014 benennt, dann muß sie natürlich stimmen. Und daß seine Kalkulationen, wo denn der Abschußort gelegen sein mag, mit denen des ukrainischen Geheimdienstes übereinstimmen – ein paar Kilometer südlich von Snischne, wie es auch „Peter/Petros“ ergoogelt hatte ­­– macht ihn natürlich besonders glaubwürdig.

Wowi Abschußort Tweethttps://twitter.com/WowihaY/status/489914266439671808/photo/1

Da hatte er bereits das Video, das die Buk auf einer Straße, südlich aus Snischne herausfahrend, zeigen soll, „zutreffend“ lokalisiert. Wer dieses Video wiederum lanciert hat, wann es gefertigt wurde – niemand weiß es. Nach dem ersten Posting wurde es gelöscht, und die Bloggergemeinde arbeitet mit Kopien, die interessierte Kreise weitergeleitet haben. Noch erstaunlicher ist es, daß der SBU bei seiner phantasievollen Pressekonferenz vom 19.7. 2014 (dagegen sind sein Chef, Innenminister Awakow, mit seiner einsamen Buk-Startrampe auf dem Rückweg nach Rußland um 4:50 Uhr, und dessen Berater Geraschtschenko mit seinen zwei „russischen“ Buks am Tattag ja Waisenknaben) mit dem genauen Abschußort nicht herausrücken wollte – das geschah erst später:

Ukraine’s Security Service Counterintelligence Chief presents photo evidence of Russia’s direct involvement in the downing of Malaysian Flight MH17 that resulted in the deaths of 298 passengers

Kyiv, 19 July 2014

– Three Russian “BUK-M1” surface-to-air missile systems were located on Ukrainian territory controlled by terrorists at the time when Malaysia Airlines Boeing-777 was shot down. One of the systems, operated by a crew of 3 Russian citizens, fired the missile that hit MH17 airliner from a location near the town of Snizhne in Donetsk region.

The Head of Ukraine’s Security Service (SBU), Counterintelligence Department, Vitaliy Nayda, told journalists that they have uncovered evidence of this during the course of their investigation, at a briefing in the Ukraine Crisis Media Center.

According to Mr. Nayda, Ukraine’s Security Service has photo materials proving that two “BUK-M1” missile systems crossed the border from Ukraine into Russia at 2:00 AM on 18 July 2014, the day after the act of terrorism took place  One of them had a full set of 4 missiles, the other – 3 missiles. At 4:00 AM, 4 transport vehicles crossed the border from Ukraine into Russia, one of them was carrying “BUK-M1” command vehicle.

[…]

Mr. Nayda also said that the SBU has evidence that a missile was launched at 16:20 on 17 July 2014, from an area near Torez, not far from Snizhne, and that was the missile that shot down the passenger plane. The exact launch spot is not being revealed at the moment while the investigation is ongoing.

[…]

http://uacrisis.org/v-sbu-eh-dokazi-bezposeredno%D1%97-priche/

Die Beweisfotos der zwei Grenzübertritte von insgesamt drei Buk-Systemen sind natürlich niemals aufgetaucht.

Merkwürdig ist jedenfalls das Auseinanderklaffen der Uhrzeiten: bei ukraine@war wird der Tweet von „WowihaY“ auf 1.27 Uhr in der Nacht zum 18.7.2014 datiert, auf Twitter wird der 17.7.2014, 16:27 Uhr genannt (was auf jeden Fall falsch ist).

Wieso sind eigentlich seit November 2014 von beiden Seiten verstärkt propagandistische Aktivitäten zu verzeichnen?

Der Westen hat keinen Aufwand gescheut, seine Narration vom MH 17- Abschuß durch eine Buk in Russsen/Rebellenhand durchzusetzen in der Zeit des bewußten Schweigens durch das Dutch Safety Board, das die übermittelten russischen Primärradar-Daten aus Rostow am Don schlicht nicht ausgewertet hatte. Das wiederum animierte die russische Seite, ihre These eines ukrainischen Kampfjet-Einsatzes nachdrücklich (in einem Fall auch desaströs daneben) deutlich zu machen. Darüberhinaus mußte das Informations-Vakuum nach Durchsetzung einer Vereinbarung der strafrechtlich ermittelnden Staaten, lediglich einvernehmliche gemeinsame Presseerklärungen herauszugeben, gefüllt werden. Da die beschuldigte Ukraine mitermittelt, und zwar durch ihren wahrheitsunfähigen Geheimdienst, kann sie gemäß der nondisclosure-Vereinbarung des Joint Investigation Teams jegliche Information über den Fortgang der Ermittlungen verhindern, soweit ihr das Ergebnis nicht paßt.

http://www.rtlnieuws.nl/nieuws/australische-documenten-over-geheimhoudingsovereenkomst-mh17

Selbst die Übereinkunft über die Generierung von Pressemitteilungen ist wegen staatlicher Interessen geheim und wird nicht veröffentlicht. Immerhin ist es Rußland gelungen, Anfang Dezember 2014 auch Malaysia gleichberechtigt in das Ermittlungs-Team hineinzudrücken. Man kann es nicht fassen: Malaysia als der meistbetroffene Staat dieses Abschusses wurde von den ermittelnden NATO-(Freund)Staaten einschließlich des ermittelnden Beschuldigten-Staates nicht als gleichberechtigt zugelassen. Und das, obwohl sich Malaysia über die Kiew-Verbote einer Näherung an den Absturzort hinweggesetzt, direkt mit den Repräsentanten der „Donezker Volksrepublik“ verhandelt und daher die Black Boxes erhalten hatte. Oder sollte man sagen: weil Malaysia das getan hatte?

Malaysia jedenfalls hofft weiter auf russischen Rückhalt:

http://www.rnews.co.za/article/2414/malaysia-hopes-for-russia-s-further-help-in-mh17-crash-probe

Das ersichtlich vom Westen gewünschte Verschweigen valider Informationen wird entsprechend anderweitig kompensiert. So müßten die Ergebnisse der chemischen Untersuchungen an den den Leichen und Gepäckstücken entnommenen Metallstücken längst vorliegen. Hätten diese Untersuchungen ein eindeutiges Ergebnis, wäre jeglichen Spekulationen ein Ende gesetzt. Falls es ausschließlich Splitter aus dem Gefechtskopf einer Buk-Rakete gewesen wären, hätte sich auch die Ukraine gegen eine Veröffentlichung nicht gewehrt, auch wenn dann noch die Frage anstünde, ob es eine von ukrainischen Kräften bediente Buk oder ob es eine „russische“ Buk gewesen war. Aus russischer Produktion sind beide. Logischerweise läßt dieser Befund darauf schließen, daß die Ergebnisse tatsächlich nicht eindeutig waren. Es gibt Thesen, wonach sowohl ein Kampfflugzeug als auch eine Buk-Rakete am Abschuß beteiligt waren. Es gibt nicht belastbare Hinweise (CyberBerkut), daß Buk-M1 Schrapnelle gefunden wurden, die in Rußland keine Verwendung mehr finden, weil dieses System dort längst ausgemustert und die älteste dort verwandte Version die Buk-M1-2 sei, die andere Eigenschaften aufweise.

Die journalistischen Bemühungen des Westens führten immerhin zur Kenntlichmachung des Status‘ von „WowihaY“.

So lancierte RTL Nieuws (NL) am 22.12 2014 die „Sensation“ eines weiteren Wölkchen-Fotos desselben Fotographen, das zu dessen Schutz allerdings nicht veröffentlicht wurde:

http://www.rtlnieuws.nl/nieuws/binnenland/hoe-onderzocht-rtl-nieuws-de-nieuwe-mh17-fotos

Dajey Petros dagegen verlor die am 25.7.2014 noch vorhandene entsprechende Hemmung: daß in der „Donezker Volksrepublik“ jeder gekillt wird, der Beweise gegen die Milizen vorlegt, ist ja nicht nur sein Credo. RTL, die Macher von Bellingcat und Correct!v glauben das auch.

Am 22.12.2014 präsentierte „Petros“ nichtsdestotrotz das erste, angemessen graugefärbte, Foto mit dem “Kondensstreifen” und der ersehnten Wolkenuntergrenze oben – zugleich in einer noch dunkleren Version, damit man den “Wölkchen-Streifen” überhaupt sehen kann.

Tweet Martin Wölkchen 22.12.2014https://twitter.com/DajeyPetros/status/547140124874899456

Könnten die durchhängenden Kabel den genauen Wohnort des Fotographen in Tores verraten? Egal, „Petros“ ist at war und veröffentlicht am 23.12.2014 auch noch einen Blogbeitrag zu diesem Foto:

Russian Propaganda Trolls have long argued that this photo was fake, because there were clouds above the area and those were not visible in the first photo.
This second photo clearly shows how there are indeed clouds above the area, which is compatible with the weather conditions at that time and day. The first photo had zoomed in on the horizon where only haze was apparent.

http://ukraineatwar.blogspot.de/search?updated-min=2014-01-01T00:00:00-08:00&updated-max=2015-01-01T00:00:00-08:00&max-results=50

Genau. Es den “russian trolls” zu zeigen, ist sicherlich ein Menschenleben wert.

Ich als Amateurfotographin frage mich eher, wie es dem Fotographen möglich war, das Zoom-Foto meines Titelbildes zu machen, ohne die Kabelstränge mit aufs Foto zu bekommen…

RTL-Nieuws hat sogar eine Studie anfertigen lassen. Untersucht wurde allerdings nur das bereits bekannte Zoom-Foto:

http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf

Diese Studie besagt leider nichts. Im Gegenteil begründet sie den Verdacht, daß das „Wölkchenfoto“, das sowohl der Berater des ukrainischen Innenminister Awakow, Geraschtschenko, als auch „WowihaY“ posteten, älteren Datums sein könnte. Hier wird eine große charakteristische Baumgruppe T 4 in dem untersuchten „Titelfoto“ festgestellt.

RTL-Studie T4 S. 12http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf#page=12

Und hier wird ein Digital Globe-Foto von 2014, das die fotographierte Gegend zeigen soll, eingestellt. Ohne die Baumgruppe T 4:

RTL-Studie T4 2, S. 11http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf#page=11

Nun kann die Baumgruppe auch erst nach dem 17.7.2014 entfernt worden und das Digital Globe-Foto nach dem 17.7.2014 entstanden sein. Mir ist aus einem Forum jedenfalls bekannt, daß auch die Masten bereits am 17.7.2014 dort teilweise nicht mehr gestanden hätten (das Posting habe ich leider nicht gesichert und finde es jetzt nicht wieder). Problematisiert wird das Fehlen der Baumgruppe T 4 in dieser Studie jedenfalls nicht.

Überdies werden konkrete Lokalisierungen vermieden. Man kann lediglich nachvollziehen, daß die Abschußstelle südöstlich vom Standort des Fotographen vermutet wird, also entsprechend der Vorgaben des SBU, wonach die „Täter“-Buk ein paar Kilometer südlich von Snischne bei Pervomais’kyi verortet wird.

Landkarte Snischne - Krasnodon - Luganskhttps://www.google.de/maps/place/Tores,+Oblast+Donezk,+Ukraine/@48.0730654,38.596743,10z/data=!4m2!3m1!1s0x40e0510df0e54653:0x95eb26e70828bdff

Im übrigen wird in dieser Studie in der vermuteten Abschußgegend nach Brandspuren gesucht und sie werden auch gefunden, wobei deren Ursache allerdings ebenfalls nur vermutet werden kann. Belegen die Wölkchen überhaupt einen Buk-Abschuß? Nichts Genaues weiß man nicht.

Wer „WowihaY“ ist und welche Nähe er zum ukrainischen Geheimdienst pflegt, hat das RTL/NL-Interview mit dem angeblichen Fotographen des Wölkchenfotos jedenfalls herausgearbeitet; auch der Fotograph ist anti-separatistisch eingestellt und erklärt sogleich, wieso er der einzige ist, der dieses Wölkchen Foto gemacht hat: alle anderen hätten nämlich Angst vor den bösen Separatisten gehabt. Wie das? Erklären kann er das nicht. Wenn er doch nur spontan auf einen leiseren und dann auf einen lauteren Knall reagiert haben will, deren Grund und Zweck ihm unbekannt waren? Deren Reihenfolge eher unplausibel ist, weil der erste Knall (Abschuß) lauter gewesen sein muß als eine Explosion eines Buk-Gefechtskopfes in 10 km-Höhe und ca. 20 km Abstand. Oder war der zweite Knall eine Folge des Durchbruchs der Schallmauer? Leider sagt er auch nichts über das Entstehen des dritten Fotos, das Rauchwolken am Absturzort zeigt.

„Ukraine@war“ war so liebenswürdig, eine englische Übersetzung dieses Interviews bereitzustellen; ich zitiere hier nur den Auszug, der sich auf den Freund „WowihaY“ und den Einfluß des SBU beschränkt, empfehle aber die komplette Lektüre:

Do you still have the camera with which you took the photos?
„I contacted a friend of mine and gave him the photos, including the originals. That friend contacted the SBU and they were interested in the photos. He handed them over to the SBU. After that I had to explain the details of the photo to them and hand the camera over to them.“

Did they compensate you for this? 
„To replace it? Of course. They paid the value of the camera back to me.“

Did you make private copies?
„Sure. But I had to give them the flash-cards too.“

And after that you went to Kiev?
„Yes, in the beginning I directly spoke to with the SBU. After that representatives of the international investigation committee contacted me via the SBU. That was beginning of August, when I also handed them the camera. THe SBU didn’t need it themselves and gave it to the Dutch researches. They had asked for the camera.“

Did the researchers talk to you?
„Yes, I talked extensively with the researchers of the international committee. Those were two researchers: one from the Netherlands and one from Australia. We talked about three hours and it was recorded with a video camera.“

http://ukraineatwar.blogspot.com.tr/2014/12/interview-with-eyewitness-who-made.html

Daraus ergibt sich, daß Freund „WowihaY“ so nett war, die Fotos umgehend dem SBU zu übermitteln. Aber auch das ist vermutlich nur eine Legende. Die Zusammenarbeit zwischen angeblich journalistisch tätigen privaten Bloggern (die ersichtlich auf Regierungslinie sind) und den Geheimdiensten läuft auch umgekehrt. Blogger verbreiten in social media auch Material, das ihnen Geheimdienste zur Verfügung stellen. Im Fall des „Wölkchen“-Fotos liegt das nahe. Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, daß ein nach Nordwesten gerichteter Buk-Abschuß im von Tores aus östlich gelegenen Snischne entsprechende Fotos mit Kondensstreifen von rechts unten nach links oben in einem 45-Gradwinkel hätten erzeugen müssen. Die in einem 90-Gradwinkel zur Erdoberfläche aufsteigenden Wölkchen sind als Beweis für einen Buk-Abschuß indiskutabel.

Die mangelnde Kritik der angeblich unabhängigen Blogger wie Eliott Higgins, Ukraine@war (Martin/Petros) und seit dem 8.1.2015 von dem journalistischen Investigativ-Team Correct!v an Internet-Erzeugnissen stimmt einen bedenklich. Allerdings passen deren Findungen noch nicht einmal zueinander. Und nach dem Auftreten von Correct!v, das seine Zukunft als Recherche-Plattform schon dadurch verspielt hat, daß es sich mit dem SPIEGEL verbündete, der von vorneherein „Putin war’s“ ausgerufen hat, sieht es sehr schlecht für diese Branche aus, der man womöglich zu Unrecht eine Alternative zugetraut hatte.

Die USA haben den mit dem SBU abgestimmten Abschußort „Snischne“ dank der Verwendung von unscharfem Satelliten-Material nach dem Pressebriefing durch Geheimdienst-Mitarbeiter am 22.7.2014 im Vagen gelassen, wenn auch eher ein Abschuß südlich von Snischne angedeutet wird (aber das ist bereits eine Frage der subjektiven Interpretation, die jeder für sich anders beantworten wird):

FB US-Botschafthttps://www.facebook.com/photo.php?fbid=10152288664556936&set=a.431664811935.225869.43732151935&type=1&theater

Völlig unbelegt ist jedenfalls diese Aussage von Correct!v (Bensmann/Crawford):

Der Abschussort

Schon kurz nach dem Abschuss des Fluges MH17 benannte das US State Department einen Ort nördlich von Snizhne als Tatort. Von dort aus sei eine Rakete auf das zivile Flugzeug abgeschossen worden. Auf der Facebookseite der US-Botschaft findet sich immer noch ein verschwommenes Satelitenphoto, das die Behauptung bestätigen soll.

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Die USA haben niemals einen konkreten Abschußort genannt, sondern immer nur von „rebel hold territory“ gesprochen. Dieses nach dem Geheimdienstbriefing von ausgesuchten Medienvertretern am 22.7.2014 getwitterte „Beweisbild“ stellt die einzige konkrete „Lokalisation“ durch die USA dar.

https://twitter.com/barbarastarrcnn/status/491559153559932928

Pervomais’kyi als Abschußort südlich von Snischne spielt in einem vom ukrainischen Geheimdienst am 7.8.2014 verbreiteten Szenario allerdings eine entscheidende Rolle.

Danach haben die blöden Russen den mehrfach in der Ostukraine vorkommenden Ort Pervomais‘kyi schlicht verwechselt. Statt den beabsichtigten Ort Pervomais‘kyi zum geplanten Abschuß der russischen Zivilmaschine AFL-2074 Moskau-Larnaka im Rahmen einer false flag operation westlich von Donezk anzusteuern, hätten die Russen demnach wegen Ortsunkenntnis des Kommandeurs den falschen Ort Pervomais‘kyi südlich von Snischne erwischt, und MH 17 nur aus Versehen abgeschossen.

http://www.ssu.gov.ua/sbu/control/en/publish/article?art_id=129860&cat_id=35317

Entsprechend die Pressekonferenz des SBU vom 8.8.2014:

http://uacrisis.org/ukrainian-intelligence-agency/

Ziel des geplanten Abschusses einer zivilen russischen Maschine mit Absturzort in einem von Kiew kontrollierten Gebiet sei es gewesen, diesen der Ukraine in die Schuhe zu schieben und Rußland zum Eingreifen zu zwingen. Die Aufständischen im Donbass beklagten nämlich mangelnde Hilfe aus Moskau.

Dieses Szenario wurde zurecht in der westlichen Welt nicht aufgegriffen, denn es entlarvte den ukrainischen Geheimdienst als dumm-dreist, schließlich waren nach eigenen Angaben des SBU in seinen am 18.7.2014 veröffentlichten „Telefonmitschnitten“ ortskundige Rebellen als Entscheider über den Verwendungszweck der Buk tätig. Dennoch wurde in den Medien der behauptete Abschußort südlich von Snischne allgemein akzeptiert.

Nur der wackere Investigativ-Reporter Marcus Bensmann von Correct!v kündigte die Gefolgschaft auf und verortete den Abschußort der westlicherseits mehrheitsfähigen Buk plötzlich im Norden von Snischne. Ich tippe mal, daß er im Süden nicht so einen putzig-„überzeugenden“ Zeugen wie im Norden gefunden hat.  Allerdings hätten seine ebenfalls nichts hörenden Zeugen im nahegelegenen Zaroshchens‘ke, nach russischen Angaben Stellung einer ukrainischen Buk-Abschußrampe, etwas hören müssen, auch wenn von Pervomais’kyi aus geschossen worden wäre. Das war aber nicht der Fall:

Die Einwohner von Zaroshchens‘ke sind sich sicher: Hier waren keine ukrainischen BUKs.

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Es sind ja schon einige Reporter-Kollegen bei dem Versuch gescheitert, südlich von Snischne Abschußort und –zeugen aufzutreiben. Zur Transparenz hätte es gehört, mitzuteilen, ob und mit welchem Ergebnis durch Bensmann südlich von Snischne gefahndet worden ist.

Man schaue sich das ganze Elend der Begründung selber an:

https://mh17.correctiv.org/

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Hier gibt es fundierte Kritik an Correct!v, insbesondere an seinem anonymen Militärberater, der allen Grund hat, anonym zu bleiben:

https://www.freitag.de/autoren/gunnar-jeschke/correct-v-korrigiert

Ich selbst bringe kein Verständnis für einen Journalismus auf, der sich auf die Bestätigung von Aufnahmeorten als Verifizierung beschränkt. Was trägt die Stimmigkeit des Ortes bei social media-Produkten zur Frage einer Photoshop-Tätigkeit oder zu der nach dem Entstehungszeitpunkt einer Aufnahme bei?

Zu dem laut Innenminister Awakow um 4:50 Uhr nach Rußland zurückkehrenden Buk-Fahrzeug im Grenzport Krasnodon, dessen wahrer Aufnahmeort längst anderswo verortet ist – und zwar im Westen von Lugansk, im ATO-Gebiet Kiews:

HRI Lugansk Bukhttp://humanrightsinvestigations.org/2014/08/05/mh17-the-lugansk-buk-video/

wo am 14.7.2014 westlich von Lugansk mit Stoßrichtung Süden ein Angriff des ukrainischen Militärs stattgefunden hatte:

http://www.directupload.net/file/d/3868/ogtnqfhl_jpg.htm

teilt Correct!v lapidar mit:

Der rauchende Colt aus Luhansk

[…]

Tatsächlich wurde das Video mit der fehlenden Rakete in Luhansk aufgenommen, am Ende der Landstraße N21 – zwischen Snizhne und der russischen Grenze. CORRECT!V-Reporter waren im November hier an der Straßenkreuzung in Luhansk, und können bestätigen: Das Foto ist authentisch. Selbst das Plakat des Autohändlers „Bogdan“ klebt, wenn auch eingerissen, noch an der Werbetafel.

https://mh17.correctiv.org/

Das nichtssagende Foto zu diesem Text wurde in diesem Thread veröffentlicht:

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Kartenmaterial? Eine genaue Lokalisierung? Fehlanzeige.

Nicht einmal das ist wahr: daß die N 21 [in kyrillischer Schrift: H 21] in Lugansk endet.

Lugansk, N 21, Google MapQuelle: Google Map

Aber was soll man schon von einem Journalisten erwarten, der sich derartig platt äußert?:

Bensmann: Russland bemüht sich, eine zweite Theorie aufzubauen. Die dortige Propagandamaschine bringt immer wieder Zeugen und Behauptungen vor, MH17 hätte auch aus der Luft hätte abgeschossen werden können. Gleichzeitig sagt Russland, dass es die BUK gab, die Abschussrampe. Wenn also vom Boden geschossen wurde, dann wurde eine BUK-Rakete abgefeuert. Da sind sich alle einig.

[…]

Bensmann: Man muss sagen, dass das Internetportal Bellingcat hervorragende Vorarbeit geleistet hat. Bellingcat hat Bilder geordnet, die in sozialen Netzwerken in Russland kursierten. Darauf haben wir uns in unserer Arbeit auch gerne gestützt.

[…]

Bensmann: Das darf man aber nicht missverstehen. Natürlich ist auch Onlinerecherche wichtig. Die Arbeit von Bellingcat wurde auch deswegen von anderen Journalisten – auch von uns – übernommen. Aber wir haben auch gesagt: die Onlinearbeit alleine reicht nicht. Wir müssen vor Ort suchen. Wir sehen nach, ob das, was Bellingcat beschreibt, auch wirklich stimmt. Sind die Fotos wirklich dort entstanden, wo sie entstanden sein sollen? Kommen wir zum selben Ergebnis durch den Vor-Ort-Besuch? Und finden wir vor Ort weitere Hinweise? Insofern haben wir die Arbeit von Bellingcat ergänzt.

[…]

https://mh17.correctiv.org/interviewgerman/

Da bahnen sich unheilige Allianzen an: einseitig westlich orientierte Propaganda-Blogger wie Bellingcat oder Ukraine@war filtern das Internet auf ihre eigene Art und Weise. Dies wird selbstverständlich von westlichen Medien goûtiert, weil es die eigenen Voreinstellungen auf eine alternative Art, ganz modern, bestätigt. Und nun schaltet sich auch noch ein „Investigativ“-Journalismus-Team dazwischen, das den Schulterschluß zwischen Kampagnenjournalismus à la SPIEGEL („Stoppt Putin“) und den Internet-Propaganda-Medien herstellt.

Ist denn wirklich niemandem aufgefallen, daß mit den angeblichen Sichtungen der Buk-Abschußrampe ab 13:30 Uhr, angeblich auf einer Straße südlich aus Snischne herausfahrend – und diese Sichtungen fanden in politisch Kiew-treuen Kreisen statt – schlagartig Schluß war? Daß niemand diese Buk auf der Fahrt zu ihrem möglichen Einsatzort gesehen hat? Daß niemand gesehen hat, wie sie nach 16:20 Uhr wieder zurückfuhr, irgendwo wieder auf den Tieflader geladen wurde, auf unbekannten Wegen fuhr und dann erst auf einem Video von verdeckten Ermittlern des Innenministeriums, dazu noch mit einer falschen Ortsbezeichnung, nämlich dem Grenzort Krasnodon, am 18.7.2014 um 4:50 Uhr auftauchte? Die spätere Korrektur der Ortsbezeichnung, nämlich ein westlicher Vorort von Lugansk, macht die Sache wahrhaftig nicht besser, sieht man sich die Landkarte an: wieso sollten diese Umwege gefahren werden, wenn es von Snischne aus den kurzen Weg nach Rußland über die von Rebellen beherrschten Übergänge Gukovo und Krasnodon gab? Während der Westen und der Süden von Lugansk aktuell umkämpft waren?

Hinzu kommt die obskure Quelle für das einzige Snischne-Foto, auf dem vermutlich der hintere Teil einer Buk-Abschußrampe zu sehen ist:

https://twitter.com/girkingirkin/status/489884062577094656

Der Igor Girkin, seinerzeit „Verteidigungsminister“ der „Donezker Volksrepublik“, verspottende Twitterer ist ein entschiedener Gegner der Separatisten, und in seinem einschlägigen Dunstkreis wird auch ukraine@war adressiert. Harmlos-unpolitische Ortsansässige sind es jedenfalls nie, die diese „passenden“ Bilder twittern.

Einstweilen genug der Quellenkritik an Social Media-„Beweisen“? Eigentlich ja, weil der Artikel schon viel zu lang geraten ist.

Aber nein, ein Beispiel will ich doch noch bringen, weil mit diesem Foto die Bellingcat-These, für den Abschuß sei eine russische Buk mit der Aufschrift 3_2, die in Kursk/RU stationiert sei, benutzt worden, steht und fällt. Eigentlich sollte das Foto über jeden Verdacht erhaben sein, wurde es doch von einem Team der Paris Match aufgenommen und am 25.7.2014 auch dort veröffentlicht:

Paris Match Bukhttp://www.parismatch.com/Actu/International/EXCLU-MATCH-Un-camion-vole-pour-transporter-le-systeme-lance-missiles-577289

Leider ist es für Beweisführungen ungeeignet, da nun ausgerechnet der geladene Gegenstand auf dem Tieflader so verschwommen ist, daß nicht einmal eine Fotomontage ausgeschlossen werden kann. Darüber können auch keine kunstvollen Neben- und Übereinanderlegungen, wie Bellingcat sie vornimmt, hinwegtäuschen: nur wer bereits glaubt, daß die in Rußland aufgenommene Buk 3_2 mit der hier fahrenden identisch ist, kann das auch „sehen“.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 18ff]

Interessanter ist der französische Artikel selbst:

 Le 25 juillet 2014 | Mise à jour le 29 juillet 2014
Alfred de Montesquiou

[…]

Les photographies de Paris Match montrent que les rebelles avaient omis d’ôter le panneau publicitaire sur le camion qu’ils avaient volé. C’est ainsi que nous avons joint le propriétaire du véhicule. Vassili a indiqué que les rebelles occupaient ses entrepôts dans la banlieue de Donetsk depuis le 8 juillet. «Ce sont des combattants de Slaviansk. Ils ont débarqué en me disant qu’ils aimaient mes locaux et qu’on devait dégager. Ils m’ont embarqué une dizaine de gros véhicules, dont le camion blanc. Je sais pas ce qu’ils sont devenus», a avoué Vassili, désemparé.

[…]

http://www.parismatch.com/Actu/International/EXCLU-MATCH-Un-camion-vole-pour-transporter-le-systeme-lance-missiles-577289

Ja, schon komisch, daß die Rebellen die Reklameschilder mit der Telefonnummer nicht entfernt haben. Immerhin widerlegt diese Episode den SBU-Unfug von den ortsunkundigen Russen, die das falsche Permovais’kyi angesteuert hättten.

Alfred de Montesquiou berichtet zu dem Foto, daß man hier einen Buk-Raketenwerfer sehe, der sich am Vormittag des 17.7.2014 in einem Vorort von Donezk auf der N 21 in Richtung Snischne bewege. Über die dort ersichtliche Telefonnummer habe man den Eigentümer Wassili der Firma Stroy-Bud Montage in Donezk erreicht. Dieser erklärte, daß Kämpfer aus Slwajansk am 8.7.2014 seine Firma besetzt, den Tieflader und und ungefähr zehn andere Fahrzeuge weggefahren hätten und daß man ihm gesagt habe, daß man sein Firmengelände schätze und daß er ausscheiden solle. So der Stand nach dem Update vom 29.7.2014.

Ähnlich hätte sich jeder Fahrzeughalter herausgeredet, dessen Auto an einer Unfallflucht beteiligt war. Seltsamerweise war der Firmenchef aber spätestens am 25.7.2014 noch oder wieder unter seiner Firmennummer erreichbar. Das paßt schlecht mit der Firmenbesetzung durch Rebellen zusammen.

In der Erstfassung des Paris Match-Artikels vom 25.7.2014 war allerdings behauptet worden, das Foto sei in Snischne aufgenommen worden. Wie kann einem „Paris Match-Team“ ein solch grober Fehler unterlaufen?

Am 28.7.2014 beschäftigte sich ukraine@war mit dem „Snischne“-Foto von Paris Match und stellte klar, daß die Aufnahme in Donezk entstanden sein muß:

Monday, July 28, 2014

Another photo of the MH17 BUK transport leads to the truck company

A French newspaper claims to have another photo of the BUK on transport:

[Paris Match Foto]

The photo had been made by a Paris Match journalist while in Snizhne, although it is strange that they publish this one week after the incident. But maybe they wanted to trace the owner down first.

Geolocating the photo is a bit tricky, because there are little clues. The article says the journalist took the photo in Snizhne in the morning, but it is more likely to be in Donetsk, because there are trolley bus lines ahead the road and these are only to be found in Donetsk and Lugansk.

Chris Postal managed to do the job by going along the route from the truck company in Donetsk to Torez:

[…]

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/another-photo-of-mh17-buk-transport.html

Da ihm das Ergebnis in den Kram paßt, stört ihn die falsche Ortsbezeichnung von Paris Match nicht weiter.

Ein Blogger von Human Rights Investigation veröffentlichte am 28.7.2014 einen Tweet von Alfred de Montesquiou:

@olposoch @ParisMatch @EmLemoine Bonjour, la photographie du camion prise par @ParisMatch est à l’entrée de Snijne, 6h avant le crash

— AlfredDeMontesquiou (@AdeMontesquiou) July 25, 2014

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/28/why-is-paris-match-on-the-location-of-a-buk/

Ein anderer diesen Tweet:

 EXCLUSIF: Crash du MH17. Un camion volé pour transporter le lance-missiles

Paris Match

Les rebelles pro-russes du Donbass ont dérobé un camion pour transporter le système lance-missile BUK photographié dans la ville de Snijne quelques heures avant le crash du vol MH17, a indiqué à Paris Match le propriétaire du véhicule.

https://plus.google.com/+IainMartin/posts/MWyx9pgG4tN

HRI stellte die Sachlage klar und hat sich an den Journalisten von Paris Match gewandt, woraufhin am 29.7.2014 die Korrektur des Aufnahmeorts durch Paris Match erfolgte.

Update 1/8/2014 As we know

1) Paris Match have said that their photographers took this vital photograph.
2) Paris Match say there was some kind of mix-up in locations accounting for them saying it was in Snizhne rather than Donetsk (75km away).
4) This is an incredible error to make in a matter of this seriousness, but these things do happen.
3) We have pointed out Paris Match’s error with regard to the SBU-provided “Krasnodon” clip – actually in Lugansk – but they still haven’t corrected it, saying this is because it was officially provided information.
4) We have asked Paris Match for a copy of the photograph to check EXIF data etc and will update everyone when we receive a response.

Update 5/8/2014
Alfred De Montesquiou has told HRI that it was coincidence that the BUK was seen by Paris Match on that morning as lots of journalists were heading out towards Snizhne that day as there was fighting in the area.

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/28/why-is-paris-match-on-the-location-of-a-buk/

Die Exif-Daten des Fotos wurden offensichtlich nicht herausgerückt, und Paris Match weigerte sich, die falsche Ortsangabe Krasnodon hinsichtlich der “zurückreisenden” Buk, die Innenminister Awakow bereits zurückgenommen hatte, zu korrigieren.

Update 30/07/2014 Despite the geolocation of the BUK video to Lugansk, and pictures at the location being taken to confirm it media, including Paris Match, have continued to insist it is in Krasnodon (ie heading into Russia). The reason for this has been explained by Paris Match journalist Alfred De Montesquiou:

@HRIMark @ParisMatch regarding Krasnodon, we have official, on record Ukranian source saying it’s the picture’s location.

— AlfredDeMontesquiou (@AdeMontesquiou) July 30, 2014

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/22/ukraines-krasnodon-video-actually-in-lugansk/

Auch Eliot Higgins kannte die falsche Ortsbezeichnung in dem ursprünglichen Paris Match-Artikel vom 25.7.2014:

Two More Key Sightings of the MH17 Buk Missile Launcher

July 28, 2014

By Eliot Higgins

[…]

But can we confirm the claim of the witness it was in the town of Snizhne, near the possible launch site? In fact we can’t, because it has been possible to locate it in a different town altogether, Donetsk.  The Ukraine@War blog highlighted the work of Chris Postal, who managed to find the precise location by creating a route between Donetsk and Snizhne using a route planning website, and checking the the road along the automatically created route.

[…]

Using SunCalc the shadows point to the Paris Match image being from early morning, roughly around 9am.  In my next post, I’ll take a look at all the evidence that has been gathered so far, and how it all fits together.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/07/28/two-more-key-sightings-of-the-mh17-buk-missile-launcher/

Nach Mitteilung von de Montesquiou soll das Foto aber gegen 10:20 Uhr (sechs Stunden vor dem Abschuß) aufgenommen worden sein. Schon wieder ein Widerspruch.

Angesichts dieser Vorgeschichte und der ersichtlichen Einstellung von Paris Match, die an der Falschinformation des Innenministers Awakow, Krasnodon sei der Aufnahmeort der nach Rußland ausreisenden Buk, auch dann noch festhielt, nachdem Awakow am 22.7.2014 davon Abstand genommen hatte, sollte das Foto als seriöse Grundlage weiterer Schlußfolgerungen ausscheiden.

Bellingcat sieht das anders: im zusammenfassenden Report vom 8.11.2014 wird die fragwürdige Vorgeschichte das Paris Match-Fotos schlicht verschwiegen:

Eine Anfrage bei der Redaktion3 von Paris Match ergab, dass die Fotografie “morgens gegen 11:00 Uhr des 17.Juli“ gemacht wurde.

Die Schatten des Fahrzeugs auf dem Foto stimmen mit dieser Tageszeit überein.

Paris Match bestätigte auch, dass dies die qualitativ beste Version des Bildes ist, die zur Verfügung steht.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S.4f.]

So schmerzlos nimmt Bellingcat von dem famosen Schattenkalkulationsprogramm „SunCalc“ Abschied, das zum Ergebnis 9 Uhr gekommen war… Und es wird auch nicht die sich aufdrängende Frage gestellt, ob Paris Match möglicherweise vom korrumpierten ukrainischen Bodenpersonal geleimt wurde. Angesichts der ungenauen Zeitangaben von Paris Match kann man fast sicher sein, daß man dort über die Exif-Daten des Fotos nicht verfügt und sich auf den freien Mitarbeiter vor Ort verlassen hat.

Die Polit- und Medien-Inkompetenz der Internet-Detektive paart sich also mit dem Politikgestaltungswillen der Leitmedien, die idealerweise kritisch berichten sollten. Was sie schon seit längerer Zeit nicht mehr tun. Schlimmer hätte es kaum kommen können.

Am 17.1.2015 hängt sich Bellingcat an Correct!v und SPIEGEL an, von denen sich diese Plattform endlich angemessen gewürdigt sieht; Bellingcat nimmt ein zweites Foto von Paris Match, abgedruckt im SPIEGEL (Print 3/2015) vom 10.1.2014, S. 61, in den wunscherfüllenden Blick:

Paris Match Buk 2https://wp4553-flywheel.netdna-ssl.com/wp-content/uploads/2015/01/PM2-BUK-Snijne17072014.jpeg

Paris Match hatte recht: sie haben das gelungenere Foto abgedruckt, während das zweite noch verschwommener ist und noch viel mehr an eine Fotomontage gemahnt: die kastenförmige schräg abfallende Rückfront, die auf dem eingangs gezeigten Tores-Foto ganz anders aussieht, läßt sich mit den Umrissen eine Buk- M1 zwanglos nicht vereinbaren.

Buk Skizzehttp://www.financetwitter.com/2014/07/here-is-how-russian-made-buk-missile-systems-shot-down-flight-mh17-in-nine-point-eight-six-seconds.html

Die noch schlechtere und vor allen Dingen fragwürdige Bildqualität hält Higgins nicht ab, sein Identifizierungskunststückchen, jetzt sogar als Videosequenz, zu wiederholen:

New Images of the MH17 Buk Missile Launcher in Ukraine and Russia

January 17, 2015

By Eliot Higgins

Following the Bellingcat report Origin of the Separatists’ Buk, which showed that the Buk missile launcher linked to the downing of MH17 was filmed inside Russia a few weeks earlier, the Bellingcat investigation team has continued to search for additional information, and has recently discovered two more images of the Buk missile launcher linked to the downing of MH17.

The first image is one that appeared recently in the print edition of Der Spiegel, which was part of their joint investigation with Correct!v into the downing of MH17, which included visiting the same sites Bellingcat identified as being part of the route the MH17 linked Buk missile launcher travelled along on July 17th. This image shows the Buk missile launcher travelling through separatist controlled Donetsk on the morning of July 17th:

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/17/new-images-of-the-mh17-buk-missile-launcher-in-ukraine-and-russia/

Das zweite Paris Match-Foto wird bearbeitet, gedreht und gestaucht, und dann kann das Spiel mit dem Überblenden eines russischen Fotos erneut beginnen. Das ist nicht überzeugend. Aber schön, daß der ohnehin schon überzeugte Reporter Udo Lielischkies vom WDR applaudiert. Der die Premiere auslöste, daß sich Moderator Thomas Roth in den Tagesthemen für eine von Lielischkies zu verantwortende antirussische Falschmeldung entschuldigen mußte.

Udo Lielischkies @ULielischkies  ·  3 Std. Vor 3 Stunden

#MH17: Mehr Indizien für ein russ. BUK-System! https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/17/new-images-of-the-mh17-buk-missile-launcher-in-ukraine-and-russia/ … https://www.youtube.com/watch?v=wVl_wY7glSk … #MH17

https://twitter.com/ULielischkies/status/556566418108735489

Daß weder dem WDR noch der ARD seine parteiische Twitterei peinlich ist, ist bezeichnend. Lielischkies scheint der bevorstehenden Kiew-Militär-Aktion gegen den Osten des Landes ja geradezu entgegenzufiebern, während unsere Regierung trotz der Mobilisierungswellen noch so tut, als glaube sie an einen Friedenswillen Kiews. Und wen er retweetet, von Euromaidan über Conflict Report, Bellingcat und Aric Toller, spricht ebenfalls für sich. Dieser entsprechend bebilderte Theiner-Tweet, den er am 17.1.2015 retweetete, drückt womöglich aus, worauf er hofft:

Thomas C. Theiner@noclador

#Ukraine army preparing to enter #Donetsk in force. If executed swiftly & ruthless then Donetsk will fall in hours.

https://twitter.com/noclador/status/556577930252681217

Ich mache natürlich weiter.

(Fortsetzung folgt)

Und zwar hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/05/24/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-4/

Und zwar hier

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Der STERN und Udo Jürgens – wie mit PC Auflage gemacht werden soll

Udo, 7.2.09[Udo Jürgens am 7.2.2009 in Köln]

Ein Großer ist gegangen. Einer, der Vielen etwas bedeutet hat. Nicht nur mir, die ihm als Zehnjährige im Jahr 1966 verfiel, als ich „Merci Chérie“ im Radio hörte, weil meine Mutter mit dem verhaßten Wäscheziehen plötzlich aufhörte und ganz andächtig sagte, daß dieses Lied gestern den Grand Prix Européen de la Chanson gewonnen habe.

Nie zuvor war mir Musik in einer solchen Intensität begegnet. Sie traf mich in den Magen, ich bekam eine Gänsehaut, ich hatte Tränen in den Augen. Rückblickend kann ich nicht verstehen, was mich damals als Kind so umgehauen hat; ich wußte ja nichts von Liebe und Schmerz der Erwachsenen – aber daß da von Höhen und Tiefen zu hören war, die die Fortsetzung meiner Märchenwelt waren, denen ich gerade entwuchs und die ich zeitgleich bei Karl May wiederfand, nur eben viel realistischer, das werde ich wohl „verstanden“ haben. Und auch, daß Musik viel tiefere Schichten anspricht als Worte. Diese drängenden Triolen, dieses Abzielen auf den hohen, erlösenden Ton, der sogleich beruhigende Abwärtsbewegungen auslöst…

Oliver Polak, 38, hat im SPIEGEL 1/2015 vom 29.12.2015 von einem ähnlichen Initiationserlebnis im Alter von elf Jahren erzählt, von einem Konzertbesuch in Oldenburg während der „Deinetwegen“-Tournee im Jahr 1987.

Ich musste weinen, ich weiß nicht, warum, da war ein Punkt, den dieser Typ in meinem Kinderherzen berührte – es umarmte, es verstand, mich verstand. Ich verliebte mich. Bei seinem Abgang klatschte Udo die zur Bühne hochragenden Hände ab. Auch meine kleine Kinderhand hielt er kurz in seiner großen verschwitzten Popstar-Hand. Ich saß versteinert auf dem Bühnenrand.

[aaO, S. 135]

Neben den vielen Millionen, die lediglich Udo Jürgens‘ kultige Hits kennen, gibt es Millionen, die mit Udo Jürgens seit ihrer Kindheit bis zu seinem Tod (und darüber hinaus) verbunden waren und kaum jemals eines seiner magischen Konzerte verpaßten, in denen er über sich hinauswuchs, sich völlig verausgabte und in denen eine geheimnisvolle Alchimie herrschte: Publikum und Sänger gaben in gleichem Maß. Dankbarkeit, Ergriffenheit, Jubel und Ekstase der einen Seite trieben die andere zu Energieleistungen, die an den Rand der Erschöpfung führten.

Bei seiner Tournee „Mitten im Leben“ in Köln am 5.11.2014 hatte dieses Bündnis zwischen Publikum und Sänger etwas Überirdisches: Udo Jürgens wurde mit standing ovations empfangen – Köln war immer ein besonders inniges Heimspiel für ihn -, weil die Endlichkeit dieser gemeinsamen Erlebnisse unausgesprochen im Raum stand. Weil man sich für die jahrelangen Beglückungen bedanken wollte. Und auch er wußte um die Endlichkeit dieser gemeinsamen Verschwörungen der idealen Lieder gegen die Realität. Schon beim ersten Lied nach der Pause begann der run auf die Bühne – das Pepe Lienhard-Orchester hat sich selbst übertroffen, Jürgens war nie besser als bei diesem Konzert, das ihn die letzten Kräfte kostete. Was man ihm bei den Zugaben, so nah an der Bühne, deutlich ansah – aber diese symbiotischen Kräfte trieben einander eben bis zum letzten an.

Obwohl ich ahnte, daß dieses Konzert ein Abschied war, kaufte ich Karten für das Wiederholungskonzert im März 2015. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und nun der STERN.

Erinnern Sie sich noch, wie er gegen Christian Wulff hetzte, ohne sich später für seine Entgleisungen zu entschuldigen?

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/03/08/der-stern-kontra-wulff-kann-journalismus-noch-tiefer-sinken/

Erinnern Sie sich noch an seine Sexismus-Kampagne gegen Rainer Brüderle, als die Täterin Laura Himmelreich diesen FDP-Politiker niederschrieb, und sich, gender mainstreaming sei Dank, zugleich zum Opfer stilisierte, das nach einem Jahr der im Busen gehüteten Schmach zum Rache-Artikel ausholte? Nun, Brüderle, die FDP und Himmelreich sind Geschichte – wer sie nachlesen will, findet sie hier:

http://www.stern.de/politik/deutschland/stern-portraet-ueber-rainer-bruederle-der-herrenwitz-1964668.html

Festzuhalten bleibt, daß der Feminismus, der Frauen als Opfer von Sexismus kleinhält, in Wirklichkeit denunziatorischen Täterinnen einen moralischen Vorwand liefert. Dieses Denkmuster schreitet immer weiter fort bis hin zur Forderung einer Aufweichung des Vergewaltigungsparagraphens, der Frauen die Definitionshoheit darüber zuspricht, wann ein später als unangenehm empfundener Geschlechtsverkehr strafbar sein soll. Und das auch noch zwanzig bis dreißig Jahre später. Ja, in den USA gehen die Überlegungen so weit, daß man sagt, daß ein zu Unrecht beschuldigter Mann weniger leide als eine Frau, deren Beschuldigungen man nicht glaube – diese Perversion des Rechtsstaats und seiner Unschuldsvermutung ist in Politik und Medien längst Mainstream, der wie immer gegen die Rechtswirklichkeit und gegen die Meinung des Volks steht. Das nämlich genau weiß, daß Gut und Böse, Dominanz und Schwäche zwischen Männern und Frauen ziemlich genau gleich verteilt sind. Auch Provokation und Aggression sind gleich verteilt, mag auch in der medialen Darstellung die spektakulärere physische Aggression der Männer überwiegen.

Nun sind die Leitmedien nicht ohne Grund wirtschaftlich bedroht: es muß Folgen haben, wenn ausschließlich neoliberalistische, feministische und transatlantische Positionen vertreten werden, Elitenmeinungen also, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Der Vorwurf der „Lügenpresse“ wird ja nicht nur durch „Pegida“ erhoben. Das Publikum wendet sich ab, wenn es merkt, daß es indoktriniert werden soll.

Ein schönes Beispiel bietet der gerade aktuelle Chefredakteur des STERN. Er meint, posthum Udo Jürgens diffamieren zu können. Christian Krug heißt der Mann, der zur Zeit dort Chefredakteur ist und der wohl hofft, mit diesem Editorial im STERN 2/2015 vom 2.1.2015 auf S. 5 auflagesteigernd zu wirken – man merkt ihm allerdings an, daß er keine Ahnung von Udo Jürgens und seiner Wirkung hat.

Ich bin sicher, dass unter den Weihnachtsbäumen nie so viel getanzt wurde. Vor allem nach „Merci Chérie“, dem nach meiner Überzeugung meist falsch interpretierten Lied, dem er seinen Durchbruch verdankte. Jürgens hatte den Song als eine Art Entschuldigung für ein Davonstehlen nach einer durchliebten Nacht getextet. Eine Liebeserklärung an die unbekannte Schöne, deren Namen er schnell wieder vergessen hatte, als er die Tür hinter sich zuzog.

[Hervorhebungen im STERN]

Krug kann weder Musik empfinden noch Texte lesen – es geht ihm um sexistische Denunziation des Mannes, wie es gerade feministische Mode ist. Männer sind Schweine, und Frauen Opfer. So der mediale Diskurs, der mit dem wahren Leben nichts zu tun  hat.

Der Text des Liedes aus dem Jahr 1966 lautet – und ich markiere die Silbe, die den höchsten Ton markiert, auf den die Musik hindrängt -:

Merci, Merci, Merci
Für die Stunden Cherie, Cherie
Unsere Liebe war schön, so schön
Merci Cherie
Sei nicht traurig, muß ich auch von Dir geh’n

Adieu, Adieu, Adieu
Deine Tränen tun weh, so weh, so weh
Unser Traum fliegt dahin, dahin
Merci Cherie, weine nicht
Auch das hat so seinen Sinn

Schau nach vor’n, nicht zurück
Zwingen kann man kein Glück
Denn kein Meer ist so wild, wie die Liebe
Die Liebe allein, nur die kann so sein, so sein

Merci, Merci, Merci
Für die Stunden Cherie, Cherie
Unsere Liebe war schön, so schön
Merci Cherie, so schön, so schön
Merci Cherie, so schön, so schön
Merci Cherie
Merci

http://www.golyr.de/udo-juergens/songtext-merci-cherie-196992.html

Nur ein politisch korrekter Chefredakteur kann im Jahr 2015 dieses Lied von 1966, dessen Schmelz von Liebe und Liebesleid kündet, so mißverstehen wie der Herr Krug das tut. Aber er macht das mit Absicht, denn er muß den denunziatorischen Charakter des in seinem Heft publizierten Artikels verteidigen. Und also schreibt er, wiederum komplett an der Realität vorbei und ohne Interpunktionskenntnis:

Diese dunklere Seite von ihm, dieser Ausdruck seiner Beziehungsunfähigkeit [,] wird heute als Schmachtschlager geträllert. Als Helene Fischer den Song auf ihrer Gala für ihn zum Besten gab, sah er sie an, als hätte sie rein gar nichts verstanden. Nichts von seiner Zerrissenheit, nichts von seinem Narzissmus, nichts von seiner Hintergründigkeit als Künstler.

[Hervorhebung im Originaltext]

Klar, Männer sind narzisstisch, und nur Männer, so will es die feministische Definition. Krug lügt allerdings, nur um dieses Klischee zu begründen. Und es ist ihm leicht nachzuweisen. Udo Jürgens war nach der Interpretration seines uralten Liedes durch Helene Fischer ergriffen, dankbar, begeistert, er fand sie wunderbar und er applaudierte jeweils, als sie den hohen Ton des „sauschwierigen“ Liedes ideal vortrug – er darf nämlich nicht angesungen und dann mit Schwellton ausgeführt werden, er muß mit Attacke vorgetragen werden. Das hat Helene Fischer getan – und Udo Jürgens hat jeweils anerkennend applaudiert. Wohlgemerkt: es geht um das Wort „Liebe“, dessen erste Silbe so vehement interpretiert werden muß.

Helene Fischer in der Geburtstagsshow für Udo Jürgens mit „Merci Chérie“ (aufgezeichnet am 1.9.2014)

http://www.youtube.com/watch?v=VOEAANdAN8g

Helene Fischer in ihrer Show mit Merci Chérie (aufgezeichnet am 11./12.12.2014)

https://www.youtube.com/watch?v=VnlqLm8208k

Krug lügt also. Und wieso? Weil er den unterirdischen Beitrag eines Interviews mit einem prekären Cousin von Udo Jürgens (die üblichen Geier umkreisen berühmte Tote sogleich) mithilfe eines feministischen Mainstreams adeln möchte:

Applaus war sein Antrieb und seine Lebensdroge. Er hat sein Publikum gebraucht wie ein Vampir das Blut. Sein Cousin Andrej Bockelmann beschreibt ihn im Interview mit dem STERN als einen Einzelgänger, der seine erste Ehe nur zum Schein aufrechterhielt (ab S. 70). Geliebt hat er wohl nur sich selbst.

[Hervorhebung im Editorial]

An dieser Stelle ist man wirklich dem Kotzen nah.

Die Familie Bockelmann hat von ihren Sprößlingen viel verlangt. Darunter hat auch Udo Jürgens gelitten. Andrej Bockelmann hat den Maßstäben seines Vaters Werner Bockelmann wohl kaum entsprochen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Bockelmann

Mit über siebzig Jahren muß er sich noch als Werbefilmer auf dem Markt verdingen, weil er als freier Autor sicherlich keine auskömmliche Rente hat:

Ich kann meine Arbeit sehr preiswert für 200 € pro Arbeitstag (incl. Ausrüstung) anbieten. In der Regel lässt sich ein etwa 15 Minuten langer Film an 4 – 5 Tagen herstellen und kostet um die Tausend EURO. Aber auch schon für 600 – 800 € lässt sich ein passabler 5 – 8-Minuten-Film realisieren. Größere Werke kosten je nach Aufwand in der Regel zwischen 2000 und 5000 €.

http://www.andrejbockelmann-imagefilm.de/kosten-und-preise.html

Das Gästbuch seiner seit 2011 eingerichteten Website sieht mau aus: es gibt dort sechs Einträge, drei stammen von ihm selbst, einer von seinem Sohn und zwei von obskuren Bekannten:

http://www.andrejbockelmann-imagefilm.de/guestbook.html

Dieser Mann darf also gegen Udo Jürgens losschießen; das Wichtigste hat der STERN auch online gestellt.

http://www.stern.de/kultur/musik/udo-juergens-vetter-im-stern-udo-hat-die-menschen-nie-geliebt-2163102.html

Natürlich macht dieser neidzerfressene unerfolgreiche Verwandte lediglich Reklame für sein Buch, das er im Frühjahr herausbringen will – der alberne Titel lautet: „Udo Jürgens – der Mann, der mir das Schwimmen beibrachte“ [STERN Nr.2, 2.1.2015, S. 78]

Wieso hat der STERN die haltlosen Aussagen dieses krückeligen Verwandten, der Udo Jürgens kaum kannte, für seine feministische Agenda und sein Bashing gegen Männer, die bei Frauen erfolgreich sind, derartig mißbraucht?

Daß die Frauen Udo Jürgens nachliefen und daß er Probleme hatte, Nein zu sagen, ist ja bekannt. Daran soll er jetzt schuld und die Frauen Opfer sein? Come on. Get it straight.

Udo Jürgens hat nie ein Hehl aus seiner Vita gemacht:

Talkrunde mit Lanz, 2012

https://www.youtube.com/watch?v=e_0C0EtN5TE

Hier ein letztes großes Interview mit Giovanni die Lorenzo, das am 28.8.2014 im ZEIT-Magazin erschienen ist und in dem er zur aktuellen sexuellen Verklemmtheit wie auch zu seinen Defiziten einiges sagt:

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/36/udo-juergens-geburtstag

Ich denke, daß die Kalkulation des STERN, mittels feministischer Mainstream-Schablonen ein Interview zu adeln, in dem ein minderer Verwandter Udo Jürgens abwertet, nicht aufgehen wird, auch wenn der prekäre Verwandte mehr als seinen üblichen 200-Euro-Stundensatz erhalten haben wird.

Udo Jürgens läßt sich dadurch nicht skandalisieren, und auf eine Auflagenerhöhung darf der STERN auch nicht hoffen. Mal sehen, wie lange es der neue Chefredakteur auf dem Schleudersitz aushält.

Ich bin sicher, daß ihm dieser Beitrag sehr übelgenommen wird. Da nützt es nichts, daß dieses Interview auf BILD-Niveau mit Andrej Bockelmann von einem weiblichen Reporter namens Sophie Albers Ben Chamo geführt wurde, die am Schluß anmerkte:

erlebte Andrej Bockelmann als warmherzigen Gesprächspartner, dem Gerechtigkeit ein besonderes Anliegen war.

[aaO, S. 79]

Frauen lassen sich, wie Männer auch, im prekären Job des Journalisten wirklich zu allem mißbrauchen. Warmherzig ist an diesem Interview nichts, das lediglich zu einer auflagesteigernden Skandalisierung eines gerade Verstorbenen beitragen soll. Wobei die Skandalisierung durch den Chefredakteur auch noch ideologisch geadelt wird. Da fehlen einem wirklich fast die Worte dazu, wie weit die Presse geht.

Dieser Schuß wird aber gewiß nach hinten losgehen. Udo Jürgens, der von derselben psychisch kranken Frau gestalkt und physisch bedroht wurde, die Karl Dall der Vergewaltigung zieh, der dennoch angeklagt aber dann zurecht freigesprochen wurde, kennt die Frauen sehr gut. Zuletzt hatte er es mit einer aggressiven Frau zu tun, die behauptete, seine Tochter zu sein, was sie allerdings nicht war. Einem Star wie ihm schlug schon immer weiblicher wie männlicher Haß entgegen – typisch, daß der um Auflagesteigerung barmende STERN diesem Haß ein Sprachrohr bietet und den auch noch ideologisch rechtfertigt. Ich sage mal voraus, daß dieser Schuß nach hinten losgeht.

Als Antidot empfehle ich dieses Interview mit Jürgens‘ langjährigem Manager Freddy Burger, der ihn wirklich kannte:

http://m.schweizamsonntag.ch/ipad/articleView.htm?article=bGluZTJfTFRHX2xpbmUyLTI4XzEyXzIwMTRfU29ubnRhZ19SZWRha3Rpb25fdjFfMTczMjgyNg%3D%3D

Nachtrag (26.1.2015):

Natürlich entschuldigt sich der STERN nicht für seine Entgleisungen in der Wulff-Hatz, die weder juristisch noch politisch angemessen war.

12.03.14

„Stern“-Reporter Tillack will sich nicht entschuldigen

Frankfurt am Main. Der „Stern“-Reporter Hans-Martin Tillack wehrt sich gegen Vorwürfe, Journalisten hätten im Fall Christian Wulff vorschnell unhaltbare Vorwürfe erhoben. „Mit Verlaub, das ist grober Unfug“, schreibt der Enthüllungsjournalist, der seit vielen Jahren für das Hamburger Magazin tätig ist, in einem Beitrag für das aktuelle „medium magazin“. „Keine einzige Zeile meiner Artikel wurde vor Gericht attackiert.“ In den Beiträgen sei es nicht um „Klein-Klein“ gegangen, sondern um millionenschwere Geschäfte. „Mich stört die Nonchalance, mit der jetzt einige Journalisten eine regelrechte neue Meute des Ermittler- und Journalisten-Bashings schaffen“, so Tillack in seinen Ausführungen. Neben der „Bild“-Zeitung war er einer der Ersten, die über den umstrittenen Hauskredit des einstigen Staatsoberhaupts berichtet hatten.

Der inzwischen vom Vorwurf der Vorteilsnahme freigesprochene Ex-Bundespräsident hat laut Tillack in seinen Aussagen vor Gericht vieles zugegeben, was er in Statements zuvor bestritten habe. „Ich finde daher nicht, dass ich mich als Journalist heute dafür entschuldigen muss, wenn ich Anfang 2012 ein bisschen den Respekt vor ihm verloren hatte und nicht bereit war, mich auch noch für eine Inszenierung der präsidialen Normalität auf Staatsbesuch in Italien einspannen zu lassen.“

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article125698922/Stern-Reporter-Tillack-will-sich-nicht-entschuldigen.html

Das sieht Jan Fleischhauer zurecht vollkommen anders, denn Tillacks jeglichen Anstands entbehrende Entgleisung anläßlich des Italien-Besuches ist schlicht nicht zu rechtfertigen:

S.P.O.N. – Der Schwarze Kanal: Maßlose Jäger

Eine Kolumne von Jan Fleischhauer

Wenn sich Journalisten wie Staatsanwälte aufführen, dürfen sie sich nicht wundern, dass sie schlecht aussehen, wenn vor Gericht nichts herauskommt. Vielen Bürgern wird der Fall Wulff als Beispiel für Macht und Machtmissbrauch von Medien in Erinnerung bleiben.

Der MDR-Redakteur Michael Götschenberg hat in seinem Buch „Der böse Wulff?“ festgehalten, wie es an Bord des Regierungsfliegers zuging, als der Bundespräsident im Februar 2012 zu seiner letzten Dienstreise nach Italien aufbrach. Wenn die Details der Affäre längst in die Dämmerung des Vergessens gesunken sind, wird diese Szene bleiben.

„Treten Sie nur aus Angst vor Mittellosigkeit nicht zurück?“ fragte einer der Journalisten, als Christian Wulff die Presse begrüßte. „Glauben Sie im Ernst, dass sich jemand dafür interessiert, was Sie in Italien vorhaben?“, lautete später eine andere Frage. Vier Tage blieben Wulff zu diesem Zeitpunkt noch bis zu seinem Rücktritt, aber für die nachbohrenden Redakteure war schon nicht mehr genug Zeit für die korrekte Anrede. Für sie war das Staatsoberhaupt nur noch „Herr Wulff“.

„Absolut grenzwertig“ sei das Verhalten gewesen, erinnert sich Götschenberg: Einige Kollegen, die dabei waren, hätten aus Scham zu Boden geschaut. Zu denen, die sich besonders hervortaten, gehörte der „Stern“-Reporter Hans-Martin Tillack. „Etwas frech“, findet Tillack im Nachhinein seine Fragen, aber es sei das „Kennzeichen einer Untertanengesellschaft“, Amtsträgern eine Ehrerbietung unabhängig von ihrem Verhalten zu gewähren. Normaler menschlicher Anstand hätte auch gereicht, um einen vor solcher Anmaßung zu bewahren.

[…]

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/christian-wulff-jan-fleischhauer-kolumne-zum-freispruch-im-prozess-a-955971.html

Für die STERN-Hetze gegen Wulf, der heute als Repräsentant Deutschlands zu der Trauerfeierlichkeit in Saudiarabien geschickt wird, hat sich ein einziger entschuldigt. Der einzige unabhängige Journalist des STERN, der sich zu sehr spät zu einem einzigen Hetz-Artikel entschlossen hat, ist Hans-Ulrich Joerges:

http://www.stern.de/politik/deutschland/joerges-der-video-zwischenruf-die-medien-haben-wulff-kaputt-gemacht-2093252.html

http://www.stern.de/politik/deutschland/zwischenruf-aus-berlin-fuersorgliche-vernichtung-2001136.html

Aber Hans-Martin Tillack, um dessen Intellekt man sich ebensoviel Sorgen machen muß wie um seine intakte Psyche, setzt natürlich nach:

http://blogs.stern.de/hans-martin_tillack/wie-schoenfaerberisch-ist-das-wulff-buch/

Der STERN ist, wie sein Udo Jürgens-Editorial und -Artikel deutlich zeigt, auf einem falschen Weg. Noch deutlicher wird der falsche Weg, sieht man sich seine Ukraine. Berichterstattung an.

Auch hier ragt Jörges wie ein Leuchtturm heraus.

Denn hier muß man die Ausnahme hervorheben: Hans-Ulrich Jörges in seinem “Zwischenruf aus Berlin” im STERN vom 23.12.2014, S. 81. Üblicherweise kommt sein Zwischenruf weiter vorne. Aber der STERN mußte zuvor unbedingt noch zwei unendlich lange Propaganda-Artikel vorschalten.

Von S. 54 – 62 den Artikel

Der kalte Hauch des Gestrigen

Seit der Annexion durch Russland im März feiern die meisten Krimbewohner Putin, ihren starken Mann. Widerspruch wird nicht geduldet. Eine Reise durch eine Region am Wendepunkt der Geschichte

von Bettina Sengling

Düstere Fotos, fast ausschließlich Innenaufnahmen.
Die Autorin besucht ein Veteranen-Treffen (mit Stalin-Bild an der Wand), zwei Kadettenschulen (und wundert sich, daß die Kinder schon militärische Übungen machen), ein Armee-Museum, und sie redet ausschließlich mit Maidan-Anhängern, die schon nicht mehr in der Krim wohnen oder kurz davor sind, die Krim zu verlassen, und mit einem Krim-Tataren, dessen Sohn verschwunden ist, etc. Soweit die Ukraine vehement abgelehnt wird, sind das alles Leute, die von Propaganda vernebelt wurden. So kam es dann wohl zum mehrheitlichen Sezessions-Votum der Krimbewohner. Die waren alle von Propaganda umnebelt.

Unmittelbar danach folgt auf den S. 64 – 70 der Artikel

Aus dem Himmel gerissen
Auf Feldern in der Ostukraine liegen verstreut die Überreste des Fluges MH 17, zerfetzt von einer Rakete.298 Menschen starben, die meisten davon Niederländer.Ihre Angehörigen verzweifeln – an den Lügen, der Ungewissheit und der Unmöglichkeit, Abschied zu nehmen

Von Joachim Rienhardt

Zu sehen ist ein Kornfeld mit Flugzeugsitzen, also ein altes Foto. Die Machart des Artikels ist genauso, wie es schon die Überschrift andeutet: viel Herzeleid der Angehörigen, dazwischen eingestreut Unterstellungen (Rakete), Falschinformationen und Schuldzuweisungen.

Verbrannt, verkohlt, verstümmelt. Schutzlos bärtigen Kämpfern in Tarnuniform ausgeliefert, die vor laufender Kamera mit Plüschtieren der toten Kinder hantierten und Ringe von Fingern streiften.

[S. 66]

Nicht einmal vor der Wiederholung dieser bereits längst widerlegten Propaganda wird zurückgeschreckt.

Vom ersten Tag verteidigte sich Russland mit schmutziger Kriegspropaganda.

[S. 68]

Und kaum sagt ein Angehöriger, der drei Tage nach dem Abschuß vor Ort war, mal etwas Falsches, kriegt er einen drüber:

“Wieso kann ich da hin und meine Regierung nicht?”, fragt Oehlers, obwohl er weiß, dass die offiziellen Missionen immer wieder Attentatsversuchen der Separatisten ausgesetzt sind. Die haben kein Interesse daran, die Absturzstelle von Experten untersuchen zu lassen. Eher daran, Spuren zu verwischen.

[S. 70]

Ein einziger Lügensumpf, getarnt als Opferempathie.

Dagegen sticht Jörges tatsächlich heraus:

Amerikas Verirrungen
2014 gilt als russisches Krisenjahr. Doch die USA haben viel mehr angerichtet, ihre Fehler erschütttern die Welt.

Es ist ein Meisterwerk der Bewusstseinstrübung und Perspektivverschiebung, wie das Krisenjahr 2014 im öffentlichen Bewussstsein verankert wurde. Wegen der Annexion der Krim und des von Moskau mitgetragenen Bürgerkriegs in der Ostukraine gilt es gemeinhin als russisches Jahr. […]
Dabei müsste 2014 eher als amerikanisches Jahr in Erinnerung bleiben. Denn die globale Datenschnüffelei der NSA, die Bedrohung durch den IS, die nun auch amtlich bestätigte Folterpraxis nach 9/11 und selbst der Ukraine-Konflikt markieren fatale Fehler und Verirrungen amerikanischer Politik. Dagegen Putin zum Weltfeind Nummer eins zu erklären, ist ein Triumph gelenkter Kommunikation.

STERN Nr. 1 o.J., S. 70

Später spricht er es tatsächlich aus, was jeder weiß, es sich aber entweder nicht zu schreiben traut oder es bewußt verschweigt:

Beim Umsturz in der Ukraine Anfang des Jahres hatten die USA denn auch die Finger im Spiel, wie ein abgehörtes Telefonat der Diplomatin Victoria Nuland mit dem US-Botschafter in Kiew offenbarte. Sie empfahl “Jats” als Regierungschef, den Hardliner Arsenij Jazenjuk, der es dann auch wurde, und verwarf “Klitsch”, Vitali Klitschko. Europa? “Fuck the EU!”

Und er weiß sogar zu berichten, was 2008 geschah, als Deutschland sich vergebens der Aufnahme-Einladung der Ukraine und Georgiens in die NATO widersetzte.
Denn Steinmeier wurde von seiner US-Kollegin Condoleeza Rice am Telefon derart angebrüllt, dass er das niemals vergaß. Steinmeier wird mit den Worten zitiert:

“2008 war ein wichtiges Jahr, das schon Vorzeichen des heutigen Ukraine-Konflikts trägt.”

 

Ja, in Ausnahmefällen leistet sich der STERN mal die Wahrheit. Jörges ist so ein Ausnahmefall. Ansonsten hält er sich an den Mainstream, insbesondere den feministischen – der im Fall Udo Jürgens gewaltig in die Hose ging. Weil er ganz offensichtlich nur ein diffamierendes Interview mit einem prekären Verwandten rechtfertigen sollte.

Ich glaube nicht, daß Henri Nannen einen solchen Journalismus gut finden würde.