Hans Wollschläger-Fake News- Updated

Hans, Winterberg 11-04

Hans Wollschläger in Winterberg, 2004, Foto: Gabriele Gordon

Es hätte ja eigentlich genügt, meinen letzten Artikel zu ergänzen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/17/fake-news-oder-wie-ich-zur-witwe-von-hans-wollschlaeger-wurde/

Aber irgendein Bug im WordPress-System ließ das nicht zu.

Die NZZ als Sprachrohr des gekränkten Bearbeiters der Wollschläger-Übersetzung des Ulysses von James Joyce, Harald Beck, hat nun auch dessen Zuarbeiter Hans Walter Gabler zu Wort kommen lassen.

Der Artikel hebt natürlich mit Fake News an:

Rettet den deutschen «Ulysses»

Aus rechtlichen Gründen liegt die revidierte deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger auf Eis. Das darf nicht sein.

Hans Walter Gabler 26.3.2018, 05:30 Uhr

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Sie liegt natürlich nicht nur aus rechtlichen Gründen „auf Eis“, sondern entscheidend deshalb, weil Beck das Wollschlägersch’e Kunstwerk zerstörte.

Die NZZ vom 2.3.2018 war jedenfalls schon mal näher an der Wahrheit:

Gabriele Gordon habe keinerlei Gesprächsbereitschaft gezeigt: «Sie hat es abgelehnt, Jonathan Landgrebe, den Leiter von Suhrkamp, und den Cheflektor Fellinger zu treffen. Offenbar hat sie dem Verlag schriftlich ihre Position dargelegt; sie begründet diese einerseits juristisch – in dieser Hinsicht sind ihre Ansprüche tatsächlich unanfechtbar. Anderseits führte sie angeblich literarische und philologische Gründe an: Wollschläger hätte der Neufassung nicht zugestimmt, argumentierte sie.»

https://www.nzz.ch/feuilleton/ulysses-neuedition-rechtlich-ist-die-sache-tot-ld.1361961

Der offenbar umfassend uninformierte Gabler meint:

Das grundsätzliche Einvernehmen zwischen dem Übersetzer, einem Team von Revisoren und dem Suhrkamp-Verlag datiert aus dem Jahre 2007. Leider verstarb Hans Wollschläger wenige Monate, nachdem das Übereinkommen erzielt worden war.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Daß bei diesem Treffen von 10.3.2007 irgendein Übereinkommen erzielt worden sei, davon träumt allenfalls der Suhrkamp-Verlag. Insofern existiert lediglich ein Protokoll des Verlags, das Hans Wollschläger nie zur Kenntnis nahm. Ob er wirklich die Fron auf sich genommen hätte, sich ein ganzes Jahr die Besserwissereien von Anglisten und Philologen anzuhören? Die keine Ahnung von Kunst haben?

Ich wage es zu bezweifeln.

Eins ist jedenfalls klar. Nur Hans Wollschläger selbst hätte seine eigene geniale Übersetzung überarbeiten können. Niemand sonst.

Gabler hüpft gleich hierauf:

Durch dieses aber bestärkt, verpflichtete der Verlag Harald Beck und seine Mitarbeiter zur Durchsicht und Überarbeitung der Wollschläger-Übersetzung. Entscheidend am Übereinkommen war, dass ein durchgesehener und revidierter Übersetzungstext nicht die wollschlägersche Verdeutschung überfremden würde. Die Überarbeitung verstand sich als Dienst an der Übersetzung und deren Dienst am Roman und an seinem Autor.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Warum bringt die NZZ derlei Lügen?

Klar, Beck möchte gern seine Vorgänger Dirk Vanderbeke und Dirk Schultze, die Kommentatoren der Wollschläger-Übersetzung  im Jahr 2004, auslöschen, denen er zuarbeitete. Genauso agiert sein Zuarbeiter Gabler.

Vanderbeke und Schultze verließen das Unternehmen, als ihnen klar wurde, wie sehr Beck es auf die Zertrümmerung  der Wollschläger-Übersetzung ankam.

Gabler:

Wie ich es mir vorstelle, könnte Grundlage einer Vereinbarung sein, dass Hans Wollschlägers «Ulysses» unverändert der rein deutsche Lesetext des Werkes vom Suhrkamp-Verlag bleibt. In Parallele dazu sollte der Verlag den Plan Siegfried Unselds umsetzen, eine zweisprachige «Ulysses»-Ausgabe anzubieten. In dieser würde dem englischsprachigen originalen Text der deutsche zugesellt, der, auf der Grundlage der Übereinkunft mit Hans Wollschläger, über zehn Jahre hinweg im Auftrag des Suhrkamp-Verlags erarbeitet wurde. Dass dieser überarbeitete Text im Wesentlichen nach wie vor den Übersetzungstext Hans Wollschlägers darstellt, nur eben in einer revidierten Fassung, welche Entsprechungen im Deutschen zum englischen Original präzisiert, wäre selbstredend hervorzuheben und vertraglich festzuhalten.

Es ist eine hohe Anerkennung der Übersetzung von 1975, dass sie eben nicht ersetzt wird, sondern im Kern bestehen bleibt. Der revidierte Wollschläger-Text in einer zweisprachigen Ausgabe sollte dabei selbstverständlich zu erkennen geben, wo er von Wollschlägers Fassung von 1975 abweicht und warum er das tut. Der englischsprachige Text der Herausgeber Hans Walter Gabler, Wolfhard Steppe und Claus Melchior steht rechtlich vorbehaltlos für die zweisprachige Ausgabe zur Verfügung.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Nun mag ja wohl Suhrkamp befeuert haben, die „neue“ Übersetzungs-Bearbeitung von Beck zu promoten, weil die alte von Wollschläger nicht mehr verkauft wird, da der Markt gesättigt ist.

Gablers Vorschlag ist nicht nur weltfremd, sondern auch kontrafaktisch, da die Wollschläger-Übersetzung durch Beck zerstört worden ist.

Und warum sollte ein kommerzieller Verlag wie Suhrkamp eine englisch-deutsche Ulysses-Ausgabe herausbringen, der die zehntausende Beck-Veränderungen an der Wollschläger-Übersetzung dokumentiert, die Beck auch noch begründen soll?

 

 

9.188 Gedanken zu „Hans Wollschläger-Fake News- Updated

  1. Medienausfälle wie diese:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-241/#comment-88266

    und andere haben nun selbst in der ZEIT zu einem medienkritischen Artikel geführt, zu dem der im Mainstream beliebte Medien-Professor Pörksen herangezogen wurde: dennoch gab es, sieht man von den Relativierungen ab, ein paar starke Stellen:

    Corona-Berichterstattung
    Angesteckt
    Warum der Journalismus in der Corona-Krise besonders gebraucht wird – und vor welchen Problemen er steht.
    Von Marc Brost und Bernhard Pörksen
    7. April 2020 DIE ZEIT Nr. 16/2020, 8. April 2020
    […]
    Und dennoch gibt es eine dunkle Seite des Ganzen. Den Schnappatmungs-Journalismus. Zuspitzung und Dramatisierung. Und eine Rhetorik der Alternativlosigkeit, die es im Verhältnis zur Tragweite der von der Politik im „Schnell, schnell“-Modus getroffenen Entscheidungen so auch noch nicht gegeben hat. Es ist die Gleichzeitigkeit des Verschiedenen, die sich gerade beobachten lässt.
    Und ganz bestimmt ist es kein Zufall, dass zuletzt ausgerechnet der im Augenblick bekannteste Kommunikator dieser Krise sein Unbehagen darüber erklärte. Er finde es „kontraproduktiv, wie politische Journalisten im Moment fragen“, sagte der Virologe Christian Drosten. In Talkshows werde versucht, „Konflikte zwischen Wissenschaftlern zu schüren und zu überzeichnen“. Er sei wütend, wie „Personen für ein Bild missbraucht werden, das Medien zeichnen wollen, um zu kontrastieren„.
    […]
    „Geht’s Ihnen darum, als der härteste Corona-Bekämpfer wahrgenommen zu werden?“, fragte Anne Will den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in ihrer Sendung. Und sie wollte wissen, ob sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet „nicht doch durchgesetzt“ habe bei den Ausgangsbeschränkungen. ZDF-Moderatorin Maybrit Illner wollte in ihrer Sendung eine Stunde später Details von Laschet zum Streit mit Söder wissen. Als ob es an diesem Abend keine drängenderen Fragen gegeben hätte.
    […]
    Die Harmonie-Falle

    Wenn in Krisenzeiten die politische Opposition hinter der Exekutive verschwindet, reduziert sich die Stimmenvielfalt. Und wenn dann auch noch die journalistische Kritik fehlt und sich Expertenmonopole herausbilden, entsteht eine Harmonie der Wohlmeinenden. Es macht schon einen Unterschied, ob Journalisten die Äußerungen von Politikern darstellen – oder sie nachplappern.
    […]
    In der ersten Phase der Krise mag es richtig gewesen sein, vor allem auf Virologen zu hören und medizinische Maßnahmen zu diskutieren. Aber nun erleben wir die wohl größte Einschränkung von Grundrechten in der Geschichte der Republik. Das öffentliche Leben ist weitgehend lahmgelegt, die Reisefreiheit ebenso beschnitten wie die Religionsausübung. Alte Menschen sterben, ohne dass sie von ihren Angehörigen noch einmal besucht werden können. Es geht in dieser zweiten Phase jetzt darum, die gesellschaftspolitische Debatte zu öffnen. Es braucht Ökonomen, Soziologen, Psychologen, Philosophen und Juristen – und zwar nicht nur als Hilfswissenschaftler, die sich bekümmert darüber äußern, wie man die Kollateralschäden des Krisenmanagements abzufedern vermag.

    Warum ist die Weitung der Perspektive zentral? Weil es buchstäblich um alles geht. Um die Zunahme häuslicher Gewalt. Um die Rolle von Menschen, die an der Supermarktkasse und als schlecht bezahlte Pfleger ihren Dienst tun. Um den Verlust der beruflichen Existenz. Vielleicht kommen die Debatten auch deshalb so zaghaft in Gang, weil in der Stunde der Krise die Lebenslüge der westlichen Gesellschaften spürbar wird. Denn sie beschwört einerseits den unbedingten Wert des menschlichen Lebens, aber handelt ökonomisch und ökologisch häufig nach den Prinzipien des Nützlichkeitsdenkens. [Ich ergänze: geopolitisch und militärisch sowieso.]

    Wir sind – im Reden – Kantianer, aber im Alltag Utilitaristen, für die es sehr wohl einen Unterschied macht, ob uns die potenziellen Opfer nahe sind und ob wir selbst betroffen sein könnten. Wie lange kann das Land einen Lockdown vertragen? Ab wann sind die Kollateralschäden größer als die Ur-Katastrophe? Welche Szenarien gibt es?

    Doch hört und liest man: „Bloß keine Exit-Debatte! Nicht jetzt!“ [von der Bundeskanzlerin] Hier treffe „er wirklich einmal zu, der berühmte Satz: Diese Politik ist alternativlos“, schrieb der Spiegel in seinem Morgennewsletter.

    Aus Sicht der Regierung mag solch ein Diskurstabu verständlich sein. Aber ist es das auch aus Sicht der Bürger? Und wäre es nicht die Aufgabe der Journalisten – im Bemühen um den richtigen Ton und in der Sichtbarmachung von Trauer und eigener Verzweiflung –, die schwierigsten Fragen zu stellen, zu diskutieren und Dilemmata sichtbar zu machen?

    Vom Umgang mit Ungewissheit

    „Information ist schnell, Wahrheit braucht Zeit“, hat der Netzphilosoph Peter Glaser einmal gesagt, und ganz sicher würden die meisten Journalisten in dieser Krise gern viel mehr Zeit zur Einordnung und Sortierung haben. Eigentlich müsste man in jedem Artikel die unsichere Datenlage und die Annahmen hinter den Modellrechnungen transparent machen. Das geschieht allerdings selten, weil: keine Zeit. Eigentlich müsste man, wenn es um die Toten geht, zwischen jenen unterscheiden, die an Corona gestorben sind, und jenen, die mit Corona starben. Aber diese Daten gibt es nicht. Wichtige Zahlen sind bestenfalls einzuschätzen. Und jede Stunde kommen neue, ganz andere Zahlen dazu.

    Auch Journalisten verfolgen die Entwicklung atemlos, sind gehetzt, schlafen zu wenig. Auch sie sind erschöpft, machen Fehler. Aber Journalismus in Krisenzeiten verlangt das Kunststück der Paradoxiebewältigung: Es gilt zu erklären und einzuordnen, was sich noch gar nicht richtig erklären und einordnen lässt. Und es gilt, kritische Distanz zu wahren, auch wenn man selbst gerade fortgerissen wird von den Ereignissen oder der eigenen Angst.

    Denn angenommen, die aktuellen Maßnahmen würden sich im Nachhinein als unverhältnismäßig erweisen – was wäre dann? Dann droht auch den Medien ein Vertrauensverlust, gegen den sich die Kritik an der Berichterstattung in der Flüchtlingskrise wie ein höfliches Zuzwinkern ausnehmen wird.

    https://www.zeit.de/2020/16/coronavirus-berichterstattung-journalismus-information/komplettansicht

    Womit wir direkt wieder bei der Juristerei über die Verhältnismäßigkeit wären.

    Ich hatte da zuletzt geschrieben:

    3. Gesellschaftliche Aspekte
    These 3: Entstehung und Bekämpfung einer Pandemie sind in gesellschaftliche Prozesse eingebettet.

    Die derzeitig angewandte allgemeine Präventionsstrategie (partieller shutdown) kann anfangs in einer unübersichtlichen Situation das richtige Mittel gewesen sein, birgt aber die Gefahr, die soziale Ungleichheit und andere Konflikte zu verstärken. Es besteht weiterhin das Risiko eines Konfliktes mit den normativen und juristischen Grundlagen der Gesellschaft. Demokratische Grundsätze und Bürgerrechte dürfen nicht gegen Gesundheit ausgespielt werden.

    Die Einbeziehung von Experten aus Wissenschaft und Praxis muss in einer Breite erfolgen, die einer solchen Entwicklung entgegenwirkt.
    […]

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88242

    „Ein ganz hervorragendes Papier!

    Wenn sich die Justiz – die bislang nur in kursorischen Eilentscheidungen geurteilt hat – den Fragen mit diesem kritischen Besteck genähert haben wird, bleibt von der bislang attestierten Verhältnismäßigkeit von Regierungsverordnungen nichts mehr übrig.
    Und drei Eilentscheidungen fielen auch schon gegen die Exekutive aus:“
    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88251
    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-241/#comment-88258

    Dipfele hat diese Eilentscheidung des BVerfG gebracht, das meine Einschätzung geradezu bestätigt:

    „Höchstrichterliche Folgenabwägung vom 7. April mit Verweis auf BayVerfGH-Entscheidung vom 26 März 2020:“
    https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2020/04/rk20200407_1bvr075520.html
    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-241/#comment-88261

    Auch dort nur eine oberflächliche Prüfung, die von vorneherein tendenziell gegen eine Aufhebung der bayerischen Verordnungen gerichtet sein mußte. Ich zitiere mal aus der begleitenden Pressemitteilung vom 8.4.2020:

    Die Kammer hatte im Rahmen einer Folgenabwägung aufgrund summarischer Prüfung [sprich: oberflächlicher] zu entscheiden, wobei die Auswirkungen auf alle von den angegriffenen Regelungen Betroffenen zu berücksichtigen waren.
    […]
    Damit [für den Fall eines Erfolgs der einstweiligen Anordnung gegen die Regierungs-Verordnungen bei späterem Unterliegen in dem Hauptsacheverfsahren] würde sich aber auch die Gefahr der Ansteckung mit dem Virus, der Erkrankung vieler Personen, der Überlastung der gesundheitlichen Einrichtungen bei der Behandlung schwerwiegender Fälle und schlimmstenfalls des Todes von Menschen nach derzeitigen Erkenntnissen erheblich erhöhen.

    • Eine geltende Regelung kann im Eilrechtsschutz nur ausnahmsweise außer Vollzug gesetzt werden; dabei ist ein strenger Maßstab anzulegen. Nach diesem erscheinen die Folgen der angegriffenen Schutzmaßnahmen zwar schwerwiegend, aber nicht im geforderten Maß unzumutbar. Es erscheint nicht untragbar, sie vorübergehend zurückzustellen, um einen möglichst weitgehenden Schutz von Gesundheit und Leben zu ermöglichen, zu dem der Staat grundsätzlich auch nach der Verfassung verpflichtet ist. Gegenüber den Gefahren für Leib und Leben wiegen die Einschränkungen der persönlichen Freiheit weniger schwer. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass die Regelungen befristet sind, bezüglich der Ausgangsbeschränkungen viele Ausnahmen vorsehen und bei der Ahndung von Verstößen im Einzelfall im Rahmen des Ermessens individuellen Belangen von besonderem Gewicht Rechnung zu tragen ist.

    https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/bvg20-023.html

    Der Kläger hatte nicht etwa Arbeitslosigkeit oder Existenzvelust beklagt, sondern nur dies:

    Der Beschwerdeführer legt zwar nachvollziehbar dar, dass die angegriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seine grundrechtlich geschützten Freiheiten weitgehend verkürzen, weil er danach derzeit etwa keine Partnerschaft anbahnen, mit anderen musizieren oder demonstrieren könne.

    https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2020/04/rk20200407_1bvr075520.html

    Und daß es bei oberflächlichen Entscheidungen nicht bleiben wird, belegen schon die Caveats der einschlägigen Beschlüsse: „derzeitiger Kenntnisstand“, „befristete Einschränkungen“, Ermessensspielraum bei Sanktionen, in den NW-Fällen auch Kompensationen für Existenzgefährdung.

    Was aber gar nicht geht: ungeeignete Beschränkungen, weshalb der Kreis Ostprignitz-Ruppin, der Berliner daran hindern wollte, über Ostern ihre Zweitwohnsitze in OPR aufzusuchen (ursprünglich sogar, bereits anwesende Berliner auszuweisen), vor Gericht scheiterte. Das Argument war, das Krankenhauswesen könnte durch diese eher kleine Zahl von Berlinern überfordert werden. Was nicht überzeugt.

    In Brandenburg herrscht ein Zustand, der dem interdisziplinären Thesenpapier entspricht:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88242

    Landesweit ist nichts los, aber die größte Klinik des Landes, das Bergmann-Klinikum in Potsdam, hat eine von der Geriatrie ausgehende Ansteckungswelle unter Patienten und professionellen Helfern nicht in den Griff gekriegt und wetteifert nun mit Berlin um die meisten „Corona-Toten“, die natürlich allesamt keine „Corona-Toten“ sind, sondern um ein paar Monate vorgezogene natürlich Verstorbene, wie Püschel erklärt. Statistisch wird die Entleerung deutscher Kliniken von „verschiebbaren“ OP und die allgemeine Vermeidungshaltung der deutschen Bevölkerung vor diesen gefährlichen Einrichtungen am Ende des Jahres nicht einmal eine Übersterblichkeit verzeichnen: denn eventuell fallen dann viele der 40.000 Toten, die an im Krankenhaus zugezogenen multiresistenten Keimen versterben, weg. Die nehmen wir seit Jahren ja klaglos hin, obwohl es andererseits ja Hygiene-Aktivitäten in deutschen Krankenhäusern gegeben haben soll.

    Zurück zur Juristerei. Eine Welle von Berlinern im schönen Kreis OPR war eh nicht zu erwarten. Denn Berlin verbietet ja das Verlassen der Wohnung aus „nicht triftigen Gründen“, und das Aufsuchen eines Zweitwohnsitzes gehört dazu:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88251

    Brandenburg muß gerichtlich erlauben, was Berlin verbietet. Und im Tagesspiegel las ich, daß Berlin „Rückkehrer“ streng bestrafen werde (falls man sie kriegt). Das ist nur noch irre.

    Soeben unterlag MV, das sogar Einheimischen Tagesausflüge im eigenen Land verbieten wollte, vor Gericht. Logo! Welche Steigerung von Gefahr sollte diese Maßnahme auch verhindern können? Wo sich die eigenen, kaum belasteten, Einwohner aufhalten, ist irrelevant, solange sie Abstand wahren.

    Je länger der Ausnahmezustand andauert, desto mehr werden wir von der Justiz hören.

    • @ Angelika Roll:

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-241/#comment-88275

      Schön, daß Johnson nicht mehr in der Intensivstation ist und daß der Tagesspiegel alle Jubelmeldungen vermeldet.

      https://www.tagesspiegel.de/politik/an-covid-19-erkrankter-regierungschef-britischer-premier-boris-johnson-von-intensivstation-entlassen/25732002.html

      „Die Tendenz der Times ist freilich furchterregend:
      „Next fortnight is crucial to Boris Johnson’s chances of survival the intensive care unit there are two routes out: death or discharge. According to very early data, both are equally likely.“
      (Aus der Reklame mail der Times vom 8.4. 2020, ohne link, da ich mein knappes Kontingent nicht opfern wollte.)“

      Man glaubt ja auch nicht, daß Deike Diening ihren Tagespiegel-Artikel verändern würde:

      Ist eine Geschichte, die sich derart, nach ihrer Eigenlogik rundet, vorbei? Dem Autor eines Polit-Krimis würde man so ein Ende nicht verzeihen. In der Realität bereiten die Medien die Nachrufe vor, aber es wäre geradezu Kitsch, wenn Johnson jetzt sterben würde. Die ersehnte Größe hätte es, würde Johnson, knapp dem Tod entronnen, geläutert vom Krankenbett aufstehen. Endlich erwachsen geworden.
      https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/grossbritannien-und-das-coronavirus-mit-boris-johnson-liegt-ein-ganzes-land-auf-der-intensivstation/25723928.html

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-241/#comment-88266

      Haß ist eben ein schlechter Ratgeber.

      Zumal es doch zu erwarten ist, daß ein genesender Johnson sich als Repräsentant der relativen Harmlosigkeit von Covid-19 inszenieren wird, dem nur wegen seiner Prominenz besondere medizinische Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

      Das allgegenwärtige Medienversagen – es betrifft ja nicht nur die Corona-Krise, sondern praktisch jegliche Themen – wird teilweise von dem Philosophen Peter Sloterdijk überaus kritisch angesprochen-: der andererseits u.a. keine Ahnung hat, wie die kritische Wissenschaft Covid-19 einschätzt, weil er eben nur Mainstream-Medien benutzt:

      Peter Sloterdijk

      „Für Übertreibungen ist kein Platz mehr“
      Der Philosoph Peter Sloterdijk über die Rolle der Medien in der Corona-Krise, staatlichen Rigorismus, europäische Solidarität und die Frage, warum der symptomfreie Virenträger eine bleibende Figur sein wird
      Interview: Adam Soboczynski
      7. April 2020, 16:50 Uhr Editiert am 8. April 2020, 10:21 Uhr DIE ZEIT Nr. 16/2020, 8. April 2020
      […]
      ZEIT: Intellektuelle haben in der vergangenen ZEIT-Ausgabe einen Aufruf für einen Corona-Fonds veröffentlicht, um Not leidenden Staaten zu helfen.
      https://www.zeit.de/2020/15/europa-kann-nur-weiterleben-wenn-die-europaeer-jetzt-fuereinander-einstehen
      Wären Sie auch dafür?

      Sloterdijk: Ich meine, man sollte sentimentale Menschen niemals mit geldpolitischen Angelegenheiten betrauen. Geldpolitik ist eine Grausamkeitspraxis, darin der Katastrophenmedizin verwandt. Der Wohlmeinende verteilt Mittel, die er nicht hat, mit offenen Händen. Ob ein Corona-Fonds sinnvoll ist, will ich nicht beurteilen, aber es kommt mir vor, als ob zu viele Laien auf dem Gebiet der Finanzpolitik dilettieren.

      ZEIT: Wir haben zuletzt 1989 erlebt, dass ein einziges Thema über viele Wochen so präsent ist, dass alle anderen wie weggewischt wirken. Noch vor wenigen Wochen dachte man, die Zwanzigerjahre werden chaotisch, weil hierzulande Rechtspopulisten die Macht übernehmen. Sogar diese Debatte scheint an den Rand gedrückt.

      Sloterdijk: Wir erleben ein großes medientheoretisches Seminar. Man erkennt, im Ausnahmezustand entsteht Monothematismus. Dann sieht man erst richtig, wie moderne Gesellschaften in ihren Stimmungen von Tag zu Tag gewoben sind. Dank der Medien leben wir in Erregungsräumen, die durch wechselnde Themen gesteuert werden. Themen sind Erregungsvorschläge, die von der Öffentlichkeit angenommen werden oder nicht. Dabei schießen die Medienmacher immer etwas Übertreibung zu. Denken Sie an die AfD-Aufregung im Lande: Sie ist ein Luxusthema für unterbeschäftigte Übertreiber. Denken Sie an die MeToo-Welle: Sie hatte einen ernsten Kern, um den lagerten sich sofort die Übertreibungsunternehmen an. Denken Sie vor allem an den Terrorismus. Über den wurde zumeist im Modus der Halbernsthaftigkeit berichtet, man durfte und musste immer zusätzlich übertreiben. Ein Mann wird getötet, 82 Millionen sollen sich bedroht fühlen, die freiheitliche Demokratie wankt.

      ZEIT: Sie meinen, die Medien verfehlen ihre Aufgabe, maßvoll zu informieren?

      Sloterdijk: Aus der Sicht der Medien ist etwas, das passiert, nie schlimm genug. Man weiß ja nie, was wie schlimm ist. Das entspricht im Übrigen der klassischen Rhetoriklehre. Quintilian sagte: Bei Gegenständen, deren Bedeutung und Dimension nicht sicher bestimmt werden können, ist es besser, zu weit zu gehen als nicht weit genug.

      ZEIT: Und jetzt übertreiben wir bei Corona?

      Sloterdijk: Bei Corona erleben wir zum ersten Mal, dass die Anfangsübertreibungen durch die Geschehnisse eingeholt werden.
      […]
      Wir entwickeln derzeit ein heikles, leicht unheimliches Gegenseitigkeitsbewusstsein. Der Mitmensch erscheint wie ein Umkehrbild des Vampirs, er saugt nicht ab, er flößt etwas ein: Der Nächste könnte unbewusst ein Virenträger sein. Mit Corona wird der symptomfreie spreader zu einer bleibenden Figur werden. In Amerika deutet sich das übrigens seit Längerem an, wo bestimmte Leute als toxic persons bezeichnet werden. Da bricht der Puritanismus als Hygienismus durch. Ein Schritt weiter, und wir landen bei der toxischen Männlichkeit und entsprechenden Detox-Kuren.
      […]
      [Was dort schon längst Realität ist.]

      ZEIT: Wir leben in einer Zeit, in der es schwierig ist, sich zu verlieben. Man könnte sich anstecken.

      Sloterdijk: Das Liebesobjekt ist neuerdings ein möglicher symptomfreier spreader. Man könnte auch sagen: Das Objekt hat zu allen bestehenden Optionen, dich unglücklich zu machen, noch eine hinzubekommen.

      https://www.zeit.de/2020/16/peter-sloterdijk-corona-krise-gesundheitspolitik/komplettansicht

      Das erinnert an die Zeiten, als völlig zu unrecht jegliche heterosexuelle Partner als Aids-gefährlich verteufelt wurden.

    • Zum Thesenpapier: Gibt auch einen Bericht in der Ärztezeitung darüber:
      „COVID-19-Maßnahmen
      Experten provozieren mit konstruktiver Corona-Kritik
      Sechs Gesundheitsexperten üben in einem Thesenpapier konstruktive Kritik am Vorgehen der Regierung in der Corona-Krise. Darunter: SARS-CoV-2 werde mehr und mehr nosokomial und die Sterblichkeit überschätzt. Und sie haben Gegenvorschläge, um die Maßnahmen besser zu machen.“
      https://www.aerztezeitung.de/Politik/Experten-provozieren-mit-konstruktiver-Corona-Kritik-408383.html

  2. In den USA ist wohl die Nachricht, daß Bernie Sanders nach den Vorwahlen in Wisconsin, aber vor deren Ergebnis-Verkündigung, die erst in der nächsten Woche erfolgen sollte, das Handtuch geworfen hat.

    Hier die Wahrnehmung des Parteilinken Tracey:

    Der Pseudo-Progressive Obama hat seine Partei also noch im Griff. Und die Presse schmiert, wie üblich:

    Nun wird also der demente Joe Biden der Trump-Herausforderer:

    Selbst innerhalb der Democrats wird er nicht als Krisenlöser gesehen:

    In der Tagesschau vom 8.4.2020 wurde explizit erwähnt, daß nach Umfragen Trump mehrheitlich als der bessere Krisenmanager angesehen wird:

    https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-36529.html

    ab Minute 8

    Und natürlich hat auch die chinafreundliche WHO zur Pandemie beigetragen; heute setzen alle Staaten auf Einreisebeschränkungen, und niemand glaubt mehr der WHO-Mitteilung, daß China selbst Mitte Januar noch nicht gewußt habe, daß es eine Mensch-zu Mensch-Übertragung des Virus gegeben habe. Das hatte China in kürzester Zeit herausgefunden und es der WHO am 31.12.2019 mitgeteilt.

    Der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus ist mit unkritischen pro-China-Tweets aufgefallen:

    Ansonsten geht es in den USA wie üblich: es wird von Schiff an die Democrats Media geleakt:

    Die Leitmedien agieren weiter aggressiv gegen Trump und politisieren das Corona-Virus:

    Wie bei uns, hat in den USA Corona Vorrang. Was die Daten-Unsicherheit dort angeht, kann ich direkt an meinen Beitrag auf der Vorseite anknüpfen:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88247

    Das bislang leitende „wissenschaftlich“ evaluierte Computer-Simulations-Programm ist nun mehrfach der viel weniger dramatischen Realität angepaßt worden:

    Wie bei uns werden Verstorbene mit Corona-Virus-Test schlicht als Corona-Virus-Tote verrechnet:

    Und noch schlimmer: in den USA werden Menschen als infiziert gezählt, die nicht einmal getestet sind:

    Und lokale Verbote unteminieren den Rechtsstaat:

    Da freuen wir uns, daß Rand Paul seine Erkrankung überwunden hat. Und hoffen für Deutschland, daß nicht die Presse-Hysterie, sondern die Vernunft überwiegt:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-241/#comment-88258

    • Warum es wenig wünschenswert ist, von Wissenschaftlern „regiert“ zu werden:

      Lauterbach gegen Wodarg:

      „Also ich habe Wodarg immer sehr geschätzt, als wir noch zusammen Politik gemacht haben, er war ja im Bundestag und er ist auch ein anerkannter Amtsarzt gewesen. Trotzdem was er dort gesagt hat, über COVID-19, SARS und das Coronavirus ist blanker Unsinn, das muss ich so in dieser Klarheit sagen. Das sage ich jetzt so als Epidemiologe und auch als Wissenschaftler, dass entbehrt jeder Grundlage. Das fängt schon damit an das er da von Coronaviren ganz allgemein spricht, dass es die immer gegeben hätte und so. Wir haben es hier mit einem Coronavirus zu tun, wie wir es noch nie gehabt haben. Das ist auf der einen Seite extrem ansteckend und auf der anderen Seite sehr gefährlich und tödlich. Die meisten Coronaviren sind entweder sehr ansteckend, aber harmlos, oder aber sie sind sehr tödlich, stecken aber nicht so schnell an. Und diese Kombination, diese Horror-Kombination, die wir hier sehen, die haben wir noch niemals vorher gesehen und darauf ist Wodarg in keiner Weise angemessen eingegangen, ich will jetzt nicht über das Video im Detail sprechen, aber es war schlicht und ergreifend blanker Unsinn und es hatte mich auch verwundert, dass er das sagt, denn wenn ich mich an die Öffentlichkeit wende, dann muss ich das im Schweiße meines Angesichts erkämpft haben, ich muss mich richtig auskennen, wenn ich den Ruf habe ein anerkannter Experte oder Wissenschaftler zu sein. Das geht mir auch nicht anders, ich muss jeden Morgen und jede Nacht muss ich lesen, mich austauschen mit den Kollegen, ich muss mich vergewissern, dass das auch ungefähr stimmt was ich sage, oder das es tatsächlich irgendwie so gut wie die Studien jetzt hergeben stimmt, sonst kann ich nicht sprechen. Diese Sorgfalt habe ich bei Wodarg nicht erkennen können, daher war das eine Riesenenttäuschung und es muss einfach weg. Das ist eine fahrlässige, unsinnige und basislose Einlassung von ihm gewesen.“

      Püschel gegen Lauterbach:

      02.04.20
      LUNGENKRANKHEIT
      Bettina Mittelacher

      Chef des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin beruhigt: Es seien bislang keine speziellen Gefahrenmomente erkennbar.

      Hamburgs Rechtsmediziner warnen davor, in Bezug auf die Coronakrise einer Panik anheimzufallen. „Covid-19 ist nur im Ausnahmefall eine tödliche Krankheit, in den meisten Fällen jedoch eine überwiegend harmlos verlaufende Virusinfektion“, sagt Prof. Dr. Klaus Püschel, der Direktor des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin. „Durch eine starke Fokussierung auf die vergleichsweise wenigen negativen Abläufe werden Ängste geschürt, die die Menschen sehr belasten“, meint Püschel.

      Die Erkenntnisse aus der rechtsmedizinischen Untersuchung der bisherigen Todesfälle in Hamburg sei, dass alle Verstorbenen „an zuvor bestehenden schwerwiegenden inneren Erkrankungen litten. Zumindest hier in Hamburg sind keineswegs zuvor völlig gesunde Personen betroffen gewesen“, erklärt der forensische Experte. „Insofern kann ich die Bevölkerung beruhigen. Es gibt keinen Grund für eine Todesangst im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Krankheit hier in der Region Hamburg.“
      […]

      http://archive.is/z7lNi#selection-1563.5-1566.3

      Es geht auch vernünftiger. Zum Beispiel im Wirtschaftsteil der ZEIT, wo tabulos gesprochen wird:

      Coronavirus in Deutschland
      „Wir können nicht Wuhan kopieren“
      Deutschland steckt im Lockdown, die Wirtschaft in der Rezession. Müssen wir uns jetzt entscheiden, was wichtiger ist: Wohlstand oder Gesundheit? Ein Virologe und ein Ökonom haben bessere Ideen
      Interview: Lisa Nienhaus
      1. April 2020, 16:55 Uhr Editiert am 1. April 2020, 19:14 Uhr DIE ZEIT Nr. 15/2020, 2. April 2020
      […]
      DIE ZEIT: Herr Fuest, Herr Kekulé, der Bundesfinanzminister hat am Sonntag gesagt: „Ich wende mich gegen jede dieser zynischen Erwägungen, dass man den Tod von Menschen in Kauf nehmen muss, damit die Wirtschaft läuft.“ Hat er recht?

      Clemens Fuest: Besonders hilfreich finde ich diesen Satz nicht. Es besteht doch kein unauflösbarer Widerspruch zwischen der Stabilisierung der Wirtschaft und der Stabilisierung der Gesundheit. Wir müssen in dieser Krise beides schützen: Gesundheit und unsere wirtschaftliche Existenz.

      Alexander Kekulé: Ja, der Widerspruch ist künstlich aufgebaut. Allerdings erzeugen wir tatsächlich Kollateralschäden in der Wirtschaft während einer Pandemie. Man muss sich fragen: Wie viele Tote nehmen wir in Kauf durch die Pandemie? Schließlich sterben durch die Influenza auch 10.000 oder 20.000 Menschen in manchem Jahr in Deutschland. Und wie viele Tote werden durch die Schäden erzeugt, die unsere Gegenmaßnahmen auslösen?

      ZEIT: Dann müsste man die Toten durch das Virus und die Krise aufrechnen. Das ist kompliziert.

      Kekulé: Es geht mir nicht nur um die Toten. Wenn die Leute jetzt beispielsweise alle zu Hause sind, dann bewegen sie sich weniger, sie essen mehr, Depressionen nehmen zu. Das müsste man insgesamt in Wohlergehen bemessen und dann abwägen.

      ZEIT: Das wollen viele nicht. Sie sagen: Gesundheit geht immer vor. Können Sie das verstehen?

      Kekulé: Nein. Es ist dringend notwendig, wirtschaftliche und medizinische Folgen abzuwägen. Das ist zu wenig passiert, wir wachen gerade erst auf. Wir dürfen nicht in einer Regierung durch Virologen und Epidemiologen enden.

      ZEIT: Sollte man aus virologischer Sicht nicht im Lockdown abwarten, bis ein Impfstoff da ist?

      Kekulé: Das kann ein Jahr dauern, zwei Jahre oder auch fünf Jahre. Bei einem Virus, an dem ganz viele sterben, hätte man vielleicht nur diese Option. Aber wir haben eine Krankheit, die in vielen Fällen milde verläuft, gerade bei jungen Leuten – und deshalb haben wir andere Möglichkeiten. Wir Ärzte wägen immer Gesundheit gegen Gesundheit oder Wohlergehen gegen Wohlergehen ab. Wenn wir die Gesellschaft noch drei Monate oder mehr im Lockdown halten, dann opfern wir alles, was wir unter unserer Identität und Kultur verstehen, dafür, dass wir nicht bereit sind zu akzeptieren, dass einzelne Menschen sterben, damit am Ende die Mehrheit immun ist. Das finde ich falsch.

      ZEIT: Sie wollen den Stillstand schnell beenden?

      Kekulé: Ich will nicht, dass er abgekürzt wird, aber in drei Wochen [ab dem 19.4.2020] sollten wir anfangen, den Lockdown langsam wieder zu verlassen.
      […]
      ZEIT: Nehmen wir mal an, Deutschland bekommt die Lage halbwegs unter Kontrolle. Wie sorgen wir dafür, dass das Virus nicht wieder eingeschleppt wird?

      Kekulé: Darüber wird zu wenig gesprochen. Wenn es uns gelingt, diese Epidemie in den Griff zu bekommen, dann müssen wir danach konsequent die Grenzen geschlossen lassen, auch zu unseren EU-Nachbarn, wenn die das noch nicht hingekriegt haben.

      ZEIT: Geschlossene Grenzen, das ist wirtschaftlich eher schädlich. Oder, Herr Fuest?

      Fuest: Natürlich sollten sie nicht die Regel werden. Wenn wir die Industrieproduktion hochfahren wollen, dann brauchen wir Zwischenprodukte aus Italien oder Frankreich. Wir müssen lernen, die Arbeitsteilung in Europa wieder in Gang zu bringen trotz einer gefährlichen Seuche. Dazu bräuchten wir zum Beispiel smarte Grenzschließungen: Verfahren, die Güter über die Grenze lassen, aber nicht zu viele Menschen. Auch da muss man die Virologen fragen: Wie geht das?

      Kekulé: Ich würde das so machen: Alle Personen, die im Zusammenhang mit dem Güterverkehr stehen, dürften einreisen, aber sie würden besonders kontrolliert. Das funktioniert wie bei Flugreisenden aus den Risikogebieten: Da werden Einreisekarten ausgefüllt, unter Umständen wird Fieber gemessen, man muss wissen, wo sie sich im Land aufhalten. Das ist unangenehm, aber es ist notwendig.
      […]

      https://www.zeit.de/2020/15/coronavirus-deutschland-finanzkrise-alexander-kekule-clemens-fuest/komplettansicht

      Rationale Überlegungen sind allemal hilfreicher als moralisch hochgerüstete „Alternativlosigkeit“ oder Sprüche wie „Das Virus kennt keine Grenzen“.

      • @Gabriele Wolff

        Lauterbach kann sich doch nicht erlauben, eine Meinung zu haben, die vom Mainstream abweicht. Das ist mir übrigens besonders aufgefallen, dass sich vor allem Wissenschaftler zu Wort melden, die entweder selbständig sind oder bereits pensioniert, also nix zum Verlieren haben. Der Rest duckt sich weg.

        PS. Könnte es sein, dass das letzte Posting im Spamordner hängen geblieben ist?

        • Nein, im „Papierkorb“ liegt nichts.

          Mal wieder ein wenig Mainstream-Medienkritik:

          Unser Freund Julian dreht schier durch: überall nur Desinformation:

          Und eine Studie aus Schanghai reicht ihm, um Panik zu schüren:

          Zugleich schlägt er Trumps Kurs gegen die WHO und China ein:

          Taiwan hat’s gefallen. 😉

          Rainer Bonhorst / 07.04.2020 / 14:08 /
          Get well soon, Boris!

          Auch wenn ich keine Schwäche für Boris Johnson hätte, würde ich ihm gute Genesung wünschen. Da ich aber eine habe, kommen meine Genesungswünsche sogar von Herzen. Das scheint nicht bei allen Deutschen der Fall zu sein. Als die Nachricht kam, dass der britische Premierminister mit Corona in die Intensiv-Station verbracht wurde, gab es allerlei Häme in den sozialen Medien. Es hieß sogar, Johnson habe der Welt mehr Gewalt angetan als ein paar schadenfrohe Twitter. Wirklich?
          http://apollo-news.net/get-well-soon-boris/

          Schadenfreude ist eines der deutschen Wörter, die im angelsächsischen Sprachraum eine erstaunliche Karriere gemacht haben. Das Wort kennt man von London über New York bis nach Sidney. Es ist nicht der netteste unserer Export-Artikel.
          Aber so ist es halt. Johnson ist der Brexit-Boris. Den mag man nicht so gern. Der gilt in unserem ordentlichen, gut frisierten Deutschland als eine Art Donald Trump mit Oxford-Akzent. (Den Akzent von Trump kann ich nicht einordnen. Ist wahrscheinlich ein Unikat.) Und noch was: Mit den guten Frisuren wird es bald auch bei uns vorbei sein. Die Friseure und unser Haupthaar waren ja die ersten Opfer der Corona-Krise. Bei Boris Johnson würde man – zugegeben – den Unterschied kaum merken. Aber das nur nebenbei.
          […]
          Die eigentliche Katastrophe heißt London, diese unglaubliche und schwer zu zügelnde Weltstadt. Sowas haben wir einfach nicht. Ähnliches gilt übrigens für New York. Die Katastrophe in der Stadt, die einst nie schlief, sorgt dafür, dass Amerika statistisch die Deutschen als Infektionsherd jetzt überholt hat. Letzter Stand: 95 Infizierte auf 100.000 Einwohner. Das war trotz Trumps irrlichternder Politik lange nicht der Fall.

          Der Ordnung halber gehört zu diesen Statistiken aber auch, dass in Deutschland viel weniger Menschen an dem Virus sterben als anderswo. Im Vergleich scheint unser Gesundheitssystem – so angespannt es derzeit ist – doch nicht das Schlechteste zu sein.

          Was sollen diese Statistiken? Eigentlich geht es doch um den schwer erkrankten Boris Johnson. Tut es auch. Aber ein Stück in Zahlen gefasste Sachlichkeit kann in einer hoch emotionalen Zeit nicht schaden. Zu den Emotionen sollte allerdings gehören, dass man auch dem Mann, der uns den Brexit beschert hat, eine möglichst baldige Genesung wünscht. Also: Get well soon, Boris.

          https://www.achgut.com/artikel/get_well_soon_boris

          Häme gab es nicht nur in den sozialen Meien. Der Tagesspiegel gönnte sich dieses Stück:

          07.04.2020, 19:31 Uhr
          Großbritannien und das Coronavirus
          Mit Boris Johnson liegt ein ganzes Land auf der Intensivstation
          Der Premier auf der Intensivstation, die Führungsriege außer Gefecht, das Land in der Selbstisolation von der EU. Die Coronakrise gerät zur Metapher.
          Deike Diening
          […]
          Politiker, die auf Sicht fahren, sagen im Englischen gern: „We cross that bridge, when we get to it.“ Diese Brücke überqueren wir erst, wenn wir dort angekommen sind. Boris Johnson hat am Sonntagabend die Westminster-Brücke überquert, die von Westminster, Heimat des von Empire-Träumen benebelten Parlaments, auf kürzestem Weg in die Realität des NHS auf der anderen Seite der Themse führt.
          […]
          Es ist ja möglich, den ganzen mehrjährigen Brexit-Prozess als eine riesige, nationale Verdrängungsleistung zu lesen: Eine kollektive Verdrängung der globalisierten Realität des 21. Jahrhunderts, in der es nicht mehr möglich ist, als sich abschottender Nationalstaat zu den Hochkulturen, den erfolgreichen Wissensgesellschaften zu gehören. Auf die nationale Verdrängung folgte die persönliche: Der Premier behauptete auch dann noch, die Regierungsgeschäfte vom Krankenbett aus führen zu können, als sich am Montag sein Zustand bereits verschlechterte.
          […]
          Dazu kommt Johnsons Eton-Haltung des ewigen Privatschülers: Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden. Die eigene Stellung in der sozialen Hackordnung misst sich daran, wie viel einer zu riskieren bereit ist. Mutproben sind umso spannender, je höher der Einsatz ist. Diese Haltung des Schülers hat sich nahtlos in den Stolz des aktuellen Premierministers verlängert, mit dem er noch vor wenigen Tagen die Hände von Corona-Infizierten schüttelte.
          […]
          Wie hohl das Getöse der Populisten ist, sieht man jetzt deutlich. Populisten können Meinungen nicht von einer Strategie unterscheiden. Auch Johnson holten die Zahlen ein, die er nicht mehr weglachen konnte: Bis Dienstag sind in Englands Krankenhäusern 5655 am Virus gestorben. Würde die Regierung ihr Konzept der Herdenimmunität weiter verfolgen, mahnten die wissenschaftlichen Berater vor zwei Wochen, gäbe es mehr Tote als im Zweiten Weltkrieg. Das war Realitätsdruck, Johnson schwenkte um. Die Regierung rief gleich ein neues Ziel aus: Wenn England unter 20 000 Toten bliebe, hätte die Regierung einen guten Job gemacht.

          Häme ist nicht angebracht

          Aber alle Witze, die sich jetzt anbieten, werden nicht gerissen. Keine Häme, nirgends. Weil die Welt, empathisch begabt, eben nicht nur von Populisten bewohnt ist und rhetorische Nebelkerzen von echten Notraketen unterscheiden kann: Ein beatmeter Clown bringt auch in England niemanden mehr zum Lachen. Er provoziert Mitleid.
          […]
          Es melden sich die Queen und ihre Familie, die EU-Staatenlenker, Abgeordnete und sogar Donald Trump, der bislang in der Krise keine persönliche Regung gezeigt hatte.

          Trump will Hilfe schicken

          Als dessen eigener Marinekapitän für seinen Corona-infizierten Flugzeugträger mit 5000 Mann Besatzung um Hilfe rief, hieß er dessen Entlassung gut. Zu Boris Johnson aber schickt der amerikanische Präsident Experten mit ihren noch immer unausgegorenen Heilmitteln nach London, um dem „great gentleman, great leader“ Boris Johnson Hilfe anzubieten.
          […]
          Ausgerechnet am Abend, als die Ansprache der Queen gesendet wurde, wurde Boris Johnson ins Krankenhaus eingeliefert. England hat ohnehin zu wenige Beatmungsgeräte, von denen jetzt eines für den Premierminister persönlich reserviert ist. Falls er es brauchen sollte.
          […]
          Medien bereiten nachrufe vor

          Ist eine Geschichte, die sich derart, nach ihrer Eigenlogik rundet, vorbei? Dem Autor eines Polit-Krimis würde man so ein Ende nicht verzeihen. In der Realität bereiten die Medien die Nachrufe vor, aber es wäre geradezu Kitsch, wenn Johnson jetzt sterben würde. Die ersehnte Größe hätte es, würde Johnson, knapp dem Tod entronnen, geläutert vom Krankenbett aufstehen. Endlich erwachsen geworden.

          https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/grossbritannien-und-das-coronavirus-mit-boris-johnson-liegt-ein-ganzes-land-auf-der-intensivstation/25723928.html

          Diening hat sich schon mal als Nachrufschreiberin empfohlen, auch wenn das womöglich verfrüht war.

          Juliane Schäuble hat die Geschichte um den Flugzeugträger-Kapitän liebevoll ausgewalzt. Mit Trump hat sie eigentlich nichts zu tun, mehr mit Sturm im Wasserglas der Democrats-Medien. Und natürlich wurde mal wieder geleakt. 😉

          08.04.2020, 06:33 Uhr
          Streit über „USS Theodore Roosevelt“
          Die Ehre des Kapitäns Brett Crozier

          Der Kapitän eines US-Flugzeugträgers wird entlassen, weil er nach einem Corona-Ausbruch seine Mannschaft schützen will. Das hat nun personelle Konsequenzen.
          Juliane Schäuble
          […]
          Nachdem Croziers Brandbrief an die Zeitung „The San Francisco Chronicle“ durchgestochen worden war, entließ Modly den Kapitän am Donnerstag. Crozier sei offenbar wegen des neuartigen Coronavirus überfordert gewesen und habe mit dem weit gestreuten Brief gegen die Befehlskette verstoßen, begründete der Marine-Staatssekretär seine Entscheidung.

          Der Brief ging an viele Empfänger

          Der Brief habe Zweifel an dem Urteilsvermögen des Kapitäns geweckt und Amerikas Feinden Einblick in vertrauliche Informationen zur Kampfbereitschaft des Flugzeugträgers gegeben. Crozier habe sein Schreiben an einen breiten Verteiler mit 20 bis 30 Empfängern gesendet und daher davon ausgehen müssen, dass dieses nicht geheim bleiben werde.

          Doch Modly hatte offenbar nicht mit dem öffentlichen Aufschrei gerechnet, der nach dem Rausschmiss des Kapitäns laut wurde. Und schon gar nicht damit, welche Emotionen ein Video auslösen würde, das am Freitag auftauchte.
          […]
          Das zeigten auch die Äußerungen des Präsidenten am Dienstagabend in seinem täglichen Corona-Briefing. Da behauptete Trump zunächst, bei dem „selbstlosen“ Rücktritt seines Marine-Staatssekretärs keine Rolle gespielt zu haben. Der Schritt sei eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre. Crozier hätte eben einfach den Brief nicht schreiben sollen, sagte er erneut. „Er musste doch nicht Ernest Hemingway geben.“
          Und Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht angefügt hätte: Schädlich sei in Wahrheit nur gewesen, dass dieser Brief in die Medien gelangt sei.

          https://www.tagesspiegel.de/politik/streit-ueber-uss-theodore-roosevelt-die-ehre-des-kapitaens-brett-crozier/25725114.html

          Man kann sich gut unterhalten fühlen.

        • Zu Boris und Häme:
          Abgesehen davon, daß sich jegliches Nachruf- Schreiben nun ja erübrigt hat -schon am frühen Abend wurde die Entlassung aus der Intensivstation gemeldet-

          https://www.tagesspiegel.de/politik/an-covid-19-erkrankter-regierungschef-britischer-premier-boris-johnson-von-intensivstation-entlassen/25732002.html

          fiel mir wiederum als krass die Formulierung in der Times auf:

          „Next fortnight is crucial to Boris Johnson’s chances of survival

          From the intensive care unit there are two routes out: death or discharge. According to very early data, both are equally likely.“

          (Aus der Reklame mail der Times vom 8.4. 2020, ohne link, da ich mein knappes Kontingent nicht opfern wollte.)

  3. @ Angelika Roll:
    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88252

    Schon lustig, was da als Rechtsgrundlage für Regierungsverordnungen herhält:

    Das Gericht hat den Antrag wesentlich mit der Begründung abgelehnt, die Regelung erweise sich voraussichtlich (im Hauptsacheverfahren) als rechtmäßig und habe im Infektionsschutzgesetz des Bundes (§§ 28, 32 IFSG) eine hinreichende gesetzliche Grundlage.

    https://www.anwalt.de/rechtstipps/ovg-nrw-corona-entscheidung-zur-geschaeftsschliessung-ende-absehbar_166254.html

    Zu den Paragraphen komme ich später noch. Erst einmal eine rechtliche Einschätzung der ZEIT:

    Können wir zu Ostern einen Ausflug machen?
    Bund und Länder haben beschlossen, dass das Kontaktverbot bis zum Ende der Osterferien gilt. Was heißt das für das Fest? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick
    Von Tina Groll
    20. März 2020, 18:23 Uhr Aktualisiert am 1. April 2020, 19:26 Uhr
    […]
    Können wir zu Ostern wegfahren oder wenigstens Verwandte und Freunde treffen?
    Die Bevölkerung in Deutschland ist aufgefordert, jegliches privates Reisen zu unterlassen. Alle sind aufgefordert, von Besuchen bei Freunden und Verwandten abzusehen – selbst wenn enge Angehörige allein sind. Die Deutschen sollen auch keine Tagesausflüge machen, das gilt für die gesamten Feiertage und auch bei schönem Wetter. „Wir haben eine große Verpflichtung, ältere und kranke Menschen zu schützen“, sagte etwa Malu Dreyer, die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.
    […]
    Warum müssen die Maßnahmen sein?

    Nach Einschätzung von Bund und Ländern ist „nicht das Verlassen der Wohnung die Gefahr, die Gefahr ist der enge, unmittelbare soziale Kontakt“, wie der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, bereits am 22. März sagte. Deshalb sei ein Kontaktverbot ab zwei Personen nötig, um eine Unterbrechung der Infektionsketten „verhältnismäßiger, zielgerichteter und besser zu vollziehen“.
    […]
    Eine allgemeine Ausgangssperre gab es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie. Sie bedeutet einen sehr weitgehenden Eingriff in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger. Verfassungsrechtler aber halten sogar bundesweite Ausgangssperren in dieser Situation für juristisch möglich und begründbar. Die rechtliche Grundlage dafür bietet im Fall der Corona-Pandemie das Infektionsschutzgesetz.

    https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__28.html

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-03/ausgangssperren-coronavirus-deutschland-social-distancing-quarantaene-ansteckung-faq#warum-muessen-die-massnahmen-sein

    Zu was Politiker auffordern, ist rechtlich wie praktisch irrelevant. Daß die ZEIT darin schon den Bürger verpflichtende Rechtsetzungsakte zu sehen scheint, ist hochproblematisch.

    In § 32 steht nur, daß Länderregierungen ermächtigt werden, die Maßnahmen nach § 28 – 31 per Rechtsverordnung zu ergreifen und daß sie diese Befugnis delegieren können.

    https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__32.html

    In beiden eilig neugefaßten Paragraphen werden zwar jede Menge Grundrechtseinschränkungen aufgeführt. Was allerdings fehlt, ist ausgerechnet der bei Geschäftsschließungen und Untersagung von Dienstleistungen maßgebliche Art. 12 GG:

    https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_12.html

    Als Rechtsgrundlage hierfür finde ich nur diesen Paragraphen:

    § 31 Berufliches Tätigkeitsverbot
    Die zuständige Behörde kann Kranken, Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen und Ausscheidern die Ausübung bestimmter beruflicher Tätigkeiten ganz oder teilweise untersagen. Satz 1 gilt auch für sonstige Personen, die Krankheitserreger so in oder an sich tragen, dass im Einzelfall die Gefahr einer Weiterverbreitung besteht.

    https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__31.html

    Hier geht es um Einzelfall-Anordnungen gegen „Verdächtige“, nicht um die Schließung ganzer Branchen.

    Auch in § 28 geht es um bestimmte Personen:

    § 28 Schutzmaßnahmen

    (1) Werden Kranke, Krankheitsverdächtige, Ansteckungsverdächtige oder Ausscheider festgestellt oder ergibt sich, dass ein Verstorbener krank, krankheitsverdächtig oder Ausscheider war, so trifft die zuständige Behörde die notwendigen Schutzmaßnahmen, insbesondere die in den §§ 29 bis 31 genannten, soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten erforderlich ist; sie kann insbesondere Personen verpflichten, den Ort, an dem sie sich befinden, nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu verlassen oder von ihr bestimmte Orte oder öffentliche Orte nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu betreten.
    […]

    https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__28.html

    Das soll eine Rechtsgrundlage für Maßnahmen gegen eine zu 90-95%ig nicht betroffene Bevölkerung sein? (Auf die Zahl komme ich, weil regelmäßig bei Testungen in dieser Höhe Negativ-Ergebnisse herauskommen, obwohl bei uns eigentlich nur „Verdächtige“ getestet werden.

    Beim Focus war man kritischer:

    Corona-Regelungen der Regierung
    Verfassungsrechtler schlagen wegen „schwerwiegender Grundrechtseingriffe“ Alarm
    Montag, 30.03.2020, 12:46

    Die Bundesregierung hat in der Corona-Krise die Rechte der deutschen Bürger eingeschränkt wie nie zuvor. Verfassungsrechtler sehen das kritisch – der demokratische Rechtsstaat sowie der Föderalismus seien in Gefahr. Einige geplante Maßnahmen könnten die Lage sogar noch verschlimmern.

    Am 25. März beschloss der Bundestag das sogenannte „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“; der Bundesrat stimmte am 27. März zu. Dadurch wurden gleich mehrere Gesetze geändert, allen voran das Infektionsschutzgesetz. Das Bundesgesundheitsministerium wird dadurch zu Anordnungen ermächtigt, die nicht der Zustimmung des Bundesrats bedürfen – wenn eine epidemische Lage von nationaler Tragweite vorliegt.
    Verfassungsrechtler sehen diese Ermächtigung kritisch. Christoph Möllers, Professor für Öffentliches Recht an der Berliner Humboldt-Universität, warnte in der „Welt m Sonntag“ vor einer „Verschiebung der rechtlichen Maßstäbe“. Er habe prinzipiell nichts gegen die Maßnahmen der Kontaktreduzierung, sagt er. Das Problem sei ein anderes.
    „Man kann auf dieser Grundlage nicht wochenlang ein ganzes Land zumachen“
    „Das Infektionsschutzgesetz, das jetzt zur Grundlage des politischen Handelns gemacht wird, gibt die weitreichenden Einschränkungen der Freiheitsrechte der Bürger einfach nicht her“, moniert der Experte. „Man kann auf dieser Grundlage nicht wochenlang ein ganzes Land zumachen.“
    […]
    Dabei kritisiert der Berliner Professor nicht nur das Was sondern auch das Warum der Maßnahmen. Mit wievielen Kranken und Toten würde die Bundesregierung bei einer unbegrenzten Ausbreitung des Coronavirus rechnen? „Dazu hat die Regierung nicht mehr vorgetragen als das, was jeder aufmerksame Zeitungsleser wissen kann„, kritisiert Möllers.

    Verfassungsrechtler sieht Gefahr eines „faschistoid-hysterischen Hygienestaats“

    Noch weiter geht Kirchen- und Verfassungsrechtler Hans Michael Heinigaus Göttingen. Er sagte der Zeitung, „dass sich unser Gemeinwesen von einem demokratischen Rechtsstaat in kürzester Frist in einen faschistoid-hysterischen Hygienestaat“ verwandeln könnte. Das zeige sich auch an der Absage der Ostergottesdienste „zum ersten Mal seit der Christianisierung Europas. In jedem Krieg, in jeder Katastrophe haben die Gemeinden zusammen gebetet. Natürlich lässt sich das nicht durch Onlinegottesdienste auffangen“.

    Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans Jürgen Papier, formuliert seine Bedenken etwas vorsichtiger, aber nicht weniger kritisch. „Notlagenmaßnahmen rechtfertigen nicht die Außerkraftsetzung von Freiheitsrechten zugunsten eines Obrigkeits- und Überwachungsstaates“, warnt er und nennt die geltenden Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen „schwerwiegende Grundrechtseingriffe“.
    […]
    Noch weitergehende Einschränkungen sind aus seiner Sicht rechtlich nicht zulässig. „Eine totale Ausgangssperre, die weder regional, zeitlich, noch personell oder sachlich begrenzt ist, würde definitiv das Verhältnismäßigkeitsgebot verletzen“, warnt er.
    […]
    Ins selbe Horn wie Papier stößt Ulrich Battis, der jahrelang Staatsrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrte. „Wir sind trotz aller dramatisierenden Rhetorik nicht im Krieg“, meint er und sagt, dass man Verfassungsänderungen und Regelungen für Notfallparlamente nicht übers Knie brechen sollte. „Panik ist zu vermeiden.“
    Dazu gehöre aus seiner Sicht auch, dass das Parlament tatsächlich tage und nicht etwa wie die CDU Fraktionssitzungen absage. Die Gewaltenteilung sei dazu da, die Exekutive vor Fehlern zu bewahren. Dazu braucht man laut Battis den Widerspruch der Opposition. „Mit Blick auf unsere gesamte Demokratie müssen wir immer bedenken: Die Medizin darf nicht gefährlicher sein als die Krankheit“, gibt Battis zu bedenken.
    […]

    https://www.focus.de/politik/deutschland/corona-regelungen-der-regierung-medizin-darf-nicht-gefaehrlicher-sein-als-die-krankheit_id_11827625.html

    • Bei dieser Argumentation des OVG Nordrhein-Westfalen beißt sich die Katze in den Schwanz:

      Das Oberverwaltungsgericht hat den Antrag der Antragstellerin auf Erlass einer einstweiligen Anordnung abgelehnt. Zur Begründung hat es im Wesentlichen ausgeführt, die angegriffene Regelung sei voraussichtlich rechtmäßig.

      Infektionsschutzgesetz des Bundes bietet hinreichende gesetzliche Grundlage für Ladenschließung

      Sie habe im Infektionsschutzgesetz des Bundes eine hinreichende gesetzliche Grundlage. Die grundsätzliche Betriebsuntersagung belaste die betroffenen Unternehmen auch nicht unangemessen. Nach der Risikoeinschätzung des Robert Koch-Instituts drohe angesichts des hochdynamischen, exponentiell verlaufenden Infektionsgeschehens mit teils schweren Krankheitsfällen in absehbarer Zeit ohne wirksame Gegenmaßnahmen eine gravierende Überlastung des Gesundheitswesens.

      Berufsfreiheit tritt gegenüber dem Schutz von Leben und Gesundheit zurück

      Vor diesem Hintergrund sei die Annahme des Antragsgegners nicht zu beanstanden, dass eine weitgehende Reduzierung persönlicher menschlicher Kontakte erforderlich sei, um die Ausbreitung des im Wege einer Tröpfcheninfektion besonders leicht von Mensch zu Mensch übertragbaren neuartigen Coronavirus zu verlangsamen. Das schließe die Vermeidung nicht zur Deckung des Grundbedarfs notwendiger Kundenkontakte ein. Die durch die Betriebsuntersagung in erster Linie betroffene Berufsfreiheit trete gegenüber dem Schutz von Leben und Gesundheit zurück. Der mit der Coronaschutzverordnung bezweckte Erhalt der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens und insbesondere der Krankenhäuser zur Behandlung schwer- und schwersterkrankter Menschen stelle ein überragendes Gemeinwohlinteresse dar. Bei der Abwägung der gegenläufigen Positionen sei zudem zu berücksichtigen, dass die Eingriffsintensität für die betroffenen Betriebe durch eine Ausnahmeregelung für den Versandhandel und die weiterhin bestehende Möglichkeit zur Auslieferung oder Abholung der Waren abgemildert werde. Darüber hinaus stellten sowohl das Land NRW als auch der Bund Liquiditätshilfen zur Verfügung. Die Verordnung trete überdies bereits am 19. April 2020 wieder außer Kraft. Ungeachtet dessen bestehe für den Verordnungsgeber eine fortwährende Beobachtungs- und Überprüfungspflicht der getroffenen Maßnahmen.

      https://www.kostenlose-urteile.de/OVG-Nordrhein-Westfalen_13-B-39820NE_Corona-Pandemie-Eilantrag-gegen-die-Schliessung-von-Einzelhandelsgeschaeften-in-Nordrhein-Westfalen-erfolglos.news28613.htm

      Da schließich mich der Kritik von RA Olaf Möhring an:

      Die abschlägige Hauptlinie der Rechtsprechung dürfte nicht zuletzt der herrschenden Meinung in Medizin, Politik und Medien geschuldet sein, welche die Maßnahmen -selbst in ihrer Absolutheit- kaum hinterfragt bzw. solches auch nur zulässt.

      Dies, obwohl sich die Stimmen mehren, die bezweifeln, dass die Maßnahmen -einzelfallbezogen, insgesamt oder längerfristig- erforderlich, angemessen und verhältnismäßig sind.

      Insoweit bemerkenswert ist folgende Lektüre:
      • In medizinisch-fachwissenschaftlicher Hinsicht das Interview mit dem im hauptbetroffenen Kreis Heinsberg/NRW forschende Virologe Hendrik Streek auf http://www.zeit.de:
      https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-04/hendrik-streeck-covid-19-heinsberg-symptome-infektionsschutz-massnahmen-studie

      • In verfassungsrechtlicher Hinsicht die Ausführungen des ehem. Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier auf http://www.welt.de:
      https://www.welt.de/politik/deutschland/article206964441/Erosion-des-Rechtsstaats-Hans-Juergen-Papier-sieht-Grundrechte-bedroht.html

      Nach diesseitiger Auffassung sprechen gewichtige Gründe dafür, dass die Regelungen in ihrer umfassenden Ausprägung, wie sie für NRW in der CoronaSchVO (und ähnlich in den anderen Bundesländern) derzeit normiert sind, in einer Nachfolgeregelung ab dem 20. April 2020 so nicht weiter haltbar sind.
      […]
      Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens nicht dauerhaft isoliert aufrechterhalten werden kann, wenn im Übrigen das gesamte Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland und dasjenige der EU in sich zusammenbrechen.
      Diese Problematik sieht offenbar auch das OVG NRW, wenn seine Entscheidung damit schließt, dass „eine fortwährende Beobachtungs- und Überprüfungspflicht der getroffenen Maßnahmen“ bestehe.
      Es bleibt abzuwarten, wie engmaschig diese „Korrekturbetrachtungen“ erfolgen und ob diese von den Gerichten erforderlichenfalls auch eingefordert werden.

      https://www.anwalt.de/rechtstipps/ovg-nrw-corona-entscheidung-zur-geschaeftsschliessung-ende-absehbar_166254.html

      Das blinde Vertrauen in Thesen und Zahlen ist unangebracht.

      Da komme ich auf das Thesenpapier zurück, das Mark Smith gestern auf der Vorseite gepostet hat:

      Thesenpapier zur Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19
      Problemlage soll wissenschaftlich erklärt werden;
      Daraus: Empfehlungen für wirksame Präventionsmassnahmen;
      Risikogruppen:
      – Hohes Alter
      – Multimorbidiät
      – Nosokomiale Übertragung (also Infektion im Krankenhaus oder sonst)
      – Spontanes Auftreten von Clustern (Ballung)

      These 1: Gemeldete Infektionen und Letalität reichen nicht aus, die Ausbreitung und Ausbreitungsmuster zu beschreiben: können daher nur eingeschränkt zur Absicherung weitreichender Entscheidungen dienen.

      These 1.1: Zahl der gemeldeten Infektionen hat nur geringe Aussagekraft: da kein repräsentativer Ausschnitt. Messung ist ein Zeitpunkt in der Vergangenheit und hohe Rate nicht getesteter Infizierte (asymptomatisch) anzunehmen ist.

      – Zahl, der täglich bei RKI gemeldeten Fälle ist abhängig von der Testverfügbarkeit und Anwendungshäufigkeit.

      – Bei dieser Teststrategie ist es nicht sinnvoll, von einer Verdoppelungszeit auszugehen und von dieser Masszahl politische Entscheidungen abhängig zu machen.

      – Darstellung der exponentiell ansteigenden Kurven für [führt] zu einer überzeichneten Wahrnehmung. Sollte korrigiert werden um die Gesamtzahl der gesund gewordenen und Infizierten, die asymptomatisch sind.

      – Die Zahl der gemeldeten Fälle am Tag X stellt keine Aussage über die Situation an diesem Tag dar, sondern bezieht sich auf einen Zeitpunkt in der Vergangenheit.

      – Ungefähr zwei Drittel werden zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst.

      Überlegungen zu repräsentativen Stichproben müssen intensiviert werden.

      These 1.2: Die Zahlen zur Sterblichkeit überschätzen derzeit das Problem und können nicht valide interpretiert werden.

      – Mangelnde Abgrenzung der Grundgesamtheit: es ist derzeit nicht bekannt, auf wie viel infizierte Personen die Zahl der gestorbenen Patienten zu beziehen ist;

      – Fehlende Berücksichtigung der zugeschriebenen Mortalität: ist nicht klar, inwieweit die beobachtete Letalität tatsächlich auf die Infektion mit Sars-cov-2 zurückzuführen ist oder durch den natürlichen Verlauf oder Komormobität zurückzuführen ist.

      – Fehlender Periodenvergleich: über mehrere Jahre in gleichen Patientenkollektiven bezüglich Morbidität (Häufigkeit von Erkrankungen): Es gibt keine Erkenntnisse über die Übersterblichkeitsrate im Vergleich zu einer Alters-, Komorbiditäts- und Jahreszeit-gematchten Population in den zurückliegenden Jahren.

      These 1.3. SARS-CoV-2 kann als nosokomiale Infektion (in medizinische Einrichtungen erworben) in Krankenhäusern und Pflege bzw. Betreuungseinrichtungen auf andere Patienten und Mitarbeiter übertragen werden.
      Dieser Ausbreitungstyp stellt mittlerweile den dominierenden Verbreitungsmodus dar. Der Aufenthalt in Risikogebieten und der individuelle Kontakt wird an Bedeutung abnehmen

      These 1.4. Covid-19 ist durch ein lokales Herdgeschehen (Cluster) mit nicht vorhersehbarem Muster des Auftretens gekennzeichnet.

      SARS-CoV-2/Covid-19 stellt keine homogene, eine ganze Bevölkerung einheitlich betreffende Epidemie dar, sondern breitet sich inhomogen über lokal begrenzte Cluster (z.B. Heinsberg, Würzburg, Wolfsburg) aus, die in Lokalisierung und Ausdehnung nicht vorhersehbar sind (komplexes System).

      2. Präventionsstrategien

      These 2: Die allgemeinen Präventionsmaßnahmen (z.B. social distancing) sind theoretisch schlecht abgesichert, ihre Wirksamkeit ist beschränkt und zudem paradox (je wirksamer, desto größer ist die Gefahr einer „zweiten Welle“) und sie sind hinsichtlich ihrer Kollateralschäden nicht effizient.

      Analog zu anderen Epidemien (z.B. HIV) müssen sie daher ergänzt und allmählich ersetzt werden durch Zielgruppen-orientierte Maßnahmen, die sich auf die vier Risikogruppen hohes Alter, Multimorbidität, institutioneller Kontakt und Zugehörigkeit zu einem lokalen Cluster beziehen.
      […]
      3. Gesellschaftliche Aspekte

      These 3: Entstehung und Bekämpfung einer Pandemie sind in gesellschaftliche Prozesse eingebettet.

      Die derzeitig angewandte allgemeine Präventionsstrategie (partieller shutdown) kann anfangs in einer unübersichtlichen Situation das richtige Mittel gewesen sein, birgt aber die Gefahr, die soziale Ungleichheit und andere Konflikte zu verstärken. Es besteht weiterhin das Risiko eines Konfliktes mit den normativen und juristischen Grundlagen der Gesellschaft. Demokratische Grundsätze und Bürgerrechte dürfen nicht gegen Gesundheit ausgespielt werden.
      Die Einbeziehung von Experten aus Wissenschaft und Praxis muss in einer Breite erfolgen, die einer solchen Entwicklung entgegenwirkt.
      […]

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88242

      Ein ganz hervorragendes Papier!

      Wenn sich die Justiz – die bislang nur in kursorischen Eilentscheidungen geurteilt hat – den Fragen mit diesem kritischen Besteck genähert haben wird, bleibt von der bislang attestierten Verhältnismäßigkeit von Regierungsverordnungen nichts mehr übrig.

      Und drei Eilentscheidungen fielen auch schon gegen die Exekutive aus:

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-240/#comment-88251

  4. Um da unten nicht noch mehr anzuhängen, gehe ich hiermit mal nach oben:
    >“Um auf den Rauswurf von Atkinson zurückzukommen:“

    Ja, nicht nur kam Catherine Herridge mit jenen Tweet hinterher, es gibt dazu weitaus mehr nachzutragen:
    Nur kurz zu ihrer Fehlverlinkung zur DNI Website: die wurde offenbar sofort danach geändert, um nur noch den acting ICIG anzuzeigen
    https://www.dni.gov/index.php/who-we-are/organizations/icig/icig-about-us/icig-leadership/icig-ig-bio

    Dennoch wird Atkinson bei Google fälschlicherweise mit dem link noch immer namentlich aufgeführt:( kopiert von Google)

    IC Inspector General – Office of the Director of National …www.dni.gov › catid=196:biographies
    Diese Seite übersetzen
    Michael K. Atkinson was sworn in as the Inspector General of the Intelligence Community on May 17, 2018, following his confirmation by the U.S. Senate.

    Für ihn gibt es unterdessen nur eine frisierte Wiki
    https://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Atkinson_(Inspector_General) *
    https://www.wikiwand.com/en/Michael_Atkinson_(Inspector_General) -führt ihn noch als ‚incumbent‘

    *interessant darin per Fußnote die Verlinkung zu seinem Statement im Senatsausschuss zur confirmation Anhörung:

    https://www.intelligence.senate.gov/sites/default/files/documents/os-matkinson-011718.pdf

    worin er zu seiner NSD Zeit einräumt, von dem Feld keinerlei Ahnung gehabt zu haben.Aber als seinen Schwerpunkt die Unterstützung für Whistleblower nennt und nebenbei das (korrupte) Senate Intel Committee hochlobt.

    Nachdem Horowitz die Steilvorlage geliefert hatte, zogen natürlich die dems Medien sofort nach und über Trump her:
    Atkinson selbst gab zuvor auch ein eigenes Protest Statement voller Larmoyanz heraus:
    https://int.nyt.com/data/documenthelper/6865-atkinson-statement-on-removal/339e56bc31e7c607c4b9/optimized/full.pdf#page=1

    Kyle Cheney bringt es als Screenshot und in Auszügen sowie den POLITICO Bericht:

    Thread

    Bericht verlinkte das Atkinson Statement)

    https://www.theguardian.com/us-news/2020/apr/06/ousted-us-intelligence-inspector-general-urges-others-to-speak-out-and-defend-whistleblowers

    alle mit dem Spin „Trump made it clear on Saturday that Atkinson was dismissed as a reprisal for his handling of the whistleblower complaint.“

    Auch die notorische Nakashima der WaPo mischte sich ein:

    Da loben wir uns doch den exzellenten Bericht mit den Klarstellungen von Prof Cleveland!

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