Hans Wollschläger-Fake News- Updated

Hans, Winterberg 11-04

Hans Wollschläger in Winterberg, 2004, Foto: Gabriele Gordon

Es hätte ja eigentlich genügt, meinen letzten Artikel zu ergänzen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/17/fake-news-oder-wie-ich-zur-witwe-von-hans-wollschlaeger-wurde/

Aber irgendein Bug im WordPress-System ließ das nicht zu.

Die NZZ als Sprachrohr des gekränkten Bearbeiters der Wollschläger-Übersetzung des Ulysses von James Joyce, Harald Beck, hat nun auch dessen Zuarbeiter Hans Walter Gabler zu Wort kommen lassen.

Der Artikel hebt natürlich mit Fake News an:

Rettet den deutschen «Ulysses»

Aus rechtlichen Gründen liegt die revidierte deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger auf Eis. Das darf nicht sein.

Hans Walter Gabler 26.3.2018, 05:30 Uhr

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Sie liegt natürlich nicht nur aus rechtlichen Gründen „auf Eis“, sondern entscheidend deshalb, weil Beck das Wollschlägersch’e Kunstwerk zerstörte.

Die NZZ vom 2.3.2018 war jedenfalls schon mal näher an der Wahrheit:

Gabriele Gordon habe keinerlei Gesprächsbereitschaft gezeigt: «Sie hat es abgelehnt, Jonathan Landgrebe, den Leiter von Suhrkamp, und den Cheflektor Fellinger zu treffen. Offenbar hat sie dem Verlag schriftlich ihre Position dargelegt; sie begründet diese einerseits juristisch – in dieser Hinsicht sind ihre Ansprüche tatsächlich unanfechtbar. Anderseits führte sie angeblich literarische und philologische Gründe an: Wollschläger hätte der Neufassung nicht zugestimmt, argumentierte sie.»

https://www.nzz.ch/feuilleton/ulysses-neuedition-rechtlich-ist-die-sache-tot-ld.1361961

Der offenbar umfassend uninformierte Gabler meint:

Das grundsätzliche Einvernehmen zwischen dem Übersetzer, einem Team von Revisoren und dem Suhrkamp-Verlag datiert aus dem Jahre 2007. Leider verstarb Hans Wollschläger wenige Monate, nachdem das Übereinkommen erzielt worden war.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Daß bei diesem Treffen von 10.3.2007 irgendein Übereinkommen erzielt worden sei, davon träumt allenfalls der Suhrkamp-Verlag. Insofern existiert lediglich ein Protokoll des Verlags, das Hans Wollschläger nie zur Kenntnis nahm. Ob er wirklich die Fron auf sich genommen hätte, sich ein ganzes Jahr die Besserwissereien von Anglisten und Philologen anzuhören? Die keine Ahnung von Kunst haben?

Ich wage es zu bezweifeln.

Eins ist jedenfalls klar. Nur Hans Wollschläger selbst hätte seine eigene geniale Übersetzung überarbeiten können. Niemand sonst.

Gabler hüpft gleich hierauf:

Durch dieses aber bestärkt, verpflichtete der Verlag Harald Beck und seine Mitarbeiter zur Durchsicht und Überarbeitung der Wollschläger-Übersetzung. Entscheidend am Übereinkommen war, dass ein durchgesehener und revidierter Übersetzungstext nicht die wollschlägersche Verdeutschung überfremden würde. Die Überarbeitung verstand sich als Dienst an der Übersetzung und deren Dienst am Roman und an seinem Autor.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Warum bringt die NZZ derlei Lügen?

Klar, Beck möchte gern seine Vorgänger Dirk Vanderbeke und Dirk Schultze, die Kommentatoren der Wollschläger-Übersetzung  im Jahr 2004, auslöschen, denen er zuarbeitete. Genauso agiert sein Zuarbeiter Gabler.

Vanderbeke und Schultze verließen das Unternehmen, als ihnen klar wurde, wie sehr Beck es auf die Zertrümmerung  der Wollschläger-Übersetzung ankam.

Gabler:

Wie ich es mir vorstelle, könnte Grundlage einer Vereinbarung sein, dass Hans Wollschlägers «Ulysses» unverändert der rein deutsche Lesetext des Werkes vom Suhrkamp-Verlag bleibt. In Parallele dazu sollte der Verlag den Plan Siegfried Unselds umsetzen, eine zweisprachige «Ulysses»-Ausgabe anzubieten. In dieser würde dem englischsprachigen originalen Text der deutsche zugesellt, der, auf der Grundlage der Übereinkunft mit Hans Wollschläger, über zehn Jahre hinweg im Auftrag des Suhrkamp-Verlags erarbeitet wurde. Dass dieser überarbeitete Text im Wesentlichen nach wie vor den Übersetzungstext Hans Wollschlägers darstellt, nur eben in einer revidierten Fassung, welche Entsprechungen im Deutschen zum englischen Original präzisiert, wäre selbstredend hervorzuheben und vertraglich festzuhalten.

Es ist eine hohe Anerkennung der Übersetzung von 1975, dass sie eben nicht ersetzt wird, sondern im Kern bestehen bleibt. Der revidierte Wollschläger-Text in einer zweisprachigen Ausgabe sollte dabei selbstverständlich zu erkennen geben, wo er von Wollschlägers Fassung von 1975 abweicht und warum er das tut. Der englischsprachige Text der Herausgeber Hans Walter Gabler, Wolfhard Steppe und Claus Melchior steht rechtlich vorbehaltlos für die zweisprachige Ausgabe zur Verfügung.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Nun mag ja wohl Suhrkamp befeuert haben, die „neue“ Übersetzungs-Bearbeitung von Beck zu promoten, weil die alte von Wollschläger nicht mehr verkauft wird, da der Markt gesättigt ist.

Gablers Vorschlag ist nicht nur weltfremd, sondern auch kontrafaktisch, da die Wollschläger-Übersetzung durch Beck zerstört worden ist.

Und warum sollte ein kommerzieller Verlag wie Suhrkamp eine englisch-deutsche Ulysses-Ausgabe herausbringen, der die zehntausende Beck-Veränderungen an der Wollschläger-Übersetzung dokumentiert, die Beck auch noch begründen soll?

 

 

9.923 Gedanken zu „Hans Wollschläger-Fake News- Updated

  1. Trump hat am 4.7. vermutlich für die schweigende Mehrheit gesprochen:

    Der Kulturkampf der Democrats hat wohl erst mit der verlorenen Wahl 2016 Fahrt aufgenommen:

    Upps! Wer hat denn angefangen?

    Das sollte den Democrats zu denken geben: auch die Republikaner werden immer vielfältiger. 😉

    • Denn auch auf der Linken gibt es tiefes Unbehagen gegenüber der Cancel Culture der Linken:

      Ein interessanter Bericht eines Mitarbeiters der Bernie-Kampagne, der wegen eines zehn Jahre alten Comedy-Video-Clips als „Rassist“ denunziert wurde und, ohne sich verteidigen zu können, wieder herausgeworfen wurde:

      Remember that viral video that got me hired — the one that massively outperformed every single previous Bernie 2020 video? The campaign wouldn’t share it on Facebook, Instagram, or elsewhere without a dramatic re-cut. My boss Sara Pearl told me that my first assignment working for the campaign was to cut out the part with Trevor Noah, the host of “The Daily Show”, because it made Noah look bad.

      Why would they destroy something proven to be so incredibly effective and helpful to their own campaign to make a talk show host look better? Because Bernie Sanders and his staff prioritized access to powerful people like Joe Biden (& even Trevor fricken Noah…) over actually trying to win an election.

      Fittingly, the Senior Producer of “The Daily Show”, Matt Negrin, congratulated Pearl yesterday on her job with the Biden campaign. And on Twitter, they laughed about how much fun they had partying together at last year’s 4th of July party (not long before Pearl ordered me to help Trevor Noah’s image at the Bernie Sanders campaign’s expense).

      I do not want to villainize Sara Pearl Kenigsberg. I’m sure she’s a very nice person and just taking orders herself. But the good news is we don’t have to worry about her, she’ll be fine. Because now she’s making a nice salary working for Joe Biden.

      Auf Medium.com ansehen

      Auch der Linke Tracey hat nur Hohn und Spott für den symbolischen Aktivismus der Social Warriors und Verachtung gegenüber den Randalierern:

      In unseren Medien werden Gewalt und Vandalismus verschwiegen, sie werden unter „antirassistische Proteste“ verbucht. Als pars pro toto dieser Kommentar in der ZEIT:

      Donald Trump
      Die Show muss weitergehen
      Die Infektionszahlen steigen, die Wirtschaft kriselt. Der US-Präsident aber entzweit das Land. Auch am Mount Rushmore wirkt er wie im Wahn. Doch sein Rückhalt schwindet.
      Eine Analyse von Johanna Roth
      4. Juli 2020, 13:00 Uhr
      […]
      Längst hat sich das Land gespalten: in die, die Angst haben und sich eine rationale Politik wünschen, und in die, denen ihre Freiheit über alles geht. Donald Trump treibt diese Spaltung immer weiter voran, ungeachtet der Tatsache, dass ihn das vermutlich seine Wiederwahl kosten wird.

      Er wettert gegen „linksextreme Faschisten“

      In seiner Rede am Mount Rushmore beschwor er auf besonders aggressive Weise ein Amerika, das es nicht mehr gibt und wohl nie gegeben hat. So wetterte Trump gegen die antirassistischen Proteste der vergangenen Wochen und „linksextreme Faschisten“, die die Geschichte und Werte der Vereinigten Staaten auslöschen und „uns zum Schweigen bringen wollen“. Das „starke und stolze Volk“ der USA werde dies nicht zulassen, echauffirte sich der Präsident und spielte damit auf die Debatte über die Entfernung umstrittener Statuen ehemaliger Sklavenhalter an. Trump hingegen will, so sagte er es, einen großen Outdoorpark errichten, wo Abbildungen „der größten Amerikaner aller Zeiten“ versammelt sein würden.

      Und er sagte es ausgerechnet an einem Ort, an dem wegen der Waldbrandgefahr kein Feuerwerk mehr stattfinden dürfen, an einem Ort, den amerikanische Ureinwohner als heilig erachten. Über Trump, in der anbrechenden Dämmerung, leuchteten die angestrahlten Gesichter vier seiner Vorgänger, die Köpfe von George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln, in den Fels gemeißelt von einem Bildhauer, der dem Ku-Klux-Klan nahestand.

      Diese Inszenierung sollte nicht nur die amerikanische Volksseele streicheln, die in diesem Jahr ausgerechnet am beliebten „Independence Day“ zu Hause sitzen muss. Was Trump in den vergangenen Wochen und in dieser Nacht sagte, tat und twitterte, geht über seinen üblichen Nationalismus hinaus. Es ist wie ein Wahn, in den er sich immer mehr hineinsteigert: Er konstruiert das Bild einer ideologischen Front von Liberalen und Minderheiten, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen gelte. Damit peitscht er zwar seine Anhänger in einem gefährlichen Maße auf, schreckt aber jene ab, die ihn 2016 mehr aus Neugier, Protest oder Pragmatismus denn aus Überzeugung gewählt haben. Es ist, als würde Trump sich den Sand unter den eigenen Füßen weggraben und ihn auf all die schleudern, deren Stimme er sich im November nicht absolut sicher sein kann. Und die werden immer zahlreicher.
      […]

      https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-07/donald-trump-unabhaengigkeitstag-mount-rushmore-us-wahl-corona-krise/komplettansicht

      Unglaublich.

      • Das weiß natürlich auch Juliane Schäuble, daß die Democrats polarisieren. Am 4.7.2020 erschien im Tagesspiegel (Print) auf S. 2 unter der Überschrift „Die 7 Plagen der USA. Corona außer Kontrolle und die Folgen für den Wahlkampf um die Präsidentschaft: Den Vereinigten Staaten droht ein schicksalhafter Sommer. Wie krank ist Amerika?“ ein Kommentar von ihr und von Christoph von Marschall. (Online nur als Bezahl-Artikel)

        Unter „3 Rassismus, Denkmalstreit, Geschichtsbilder“ heißt es u.a.:

        Aber muss man Polizisten pauschal als Rassisten abstempeln und ganze Einheiten als unreformierbar abstempeln? Drei Viertel der Weißen haben Vertrauen in die Polizei, ebenso zwei Drittel der Latinos, aber nur ein Drittel der Afroamerikaner [die nur 13% der Bevölkerung ausmachen].
        […]
        Müssen Denkmäler für Christoph Kolumbus verschwinden, weil mit ihm die Verdrängung der „First Nations“, also der Ureinwohner, die Kolonialisierung, die Sklaverei und manches mehr begann? Die Selbstgewissen in beiden Lagern sind für ein vehementes Ja oder Nein. Die breite Masse erfasst allgemeine Verunsicherung.

        Unter „4 Spaltung der Gesellschaft, Selbstblockade der Politik“ heißt es:

        Polarisierung und Ideologisierung nehmen in den USA weiter zu. Zwei Blöcke stehen sich gegenüber, die sich teilweise nichts mehr zu sagen haben und kein Verständnis für die andere Seite aufbringen.
        […]

        Das ist alles noch geschönt, und wie üblich fehlt jeder Hinweis auf die gewaltsamen Ausschreitungen im Namen von „Black Lives Matter“, unter denen vor allen Dingen Schwarze litten; aber immerhin wird keine Schuldzuweisung an die Republikaner und Trump betrieben, wie bei der ZEIT.
        Aber die Freude währte nicht lange, Schäuble reihte sich in den deutschen Einheitschor ein – und zwar, indem sie alle diese Aspekte ausblendete, obwohl sie vorgeblich die Mount Rushmore-Rede von Trump rezensierte:

        [4.7.2020]
        09:24 Uhr
        Coronakrise in den USA
        Die Ohnmacht der Macht
        Die Coronakrise droht, die USA in die Knie zu zwingen. Doch der Präsident lässt sich davon bei der Feier zum Independence Day nicht beeindrucken. Ein Kommentar.
        Juliane Schäuble

        Der „Independence Day“ ist traditionell ein fröhlich-patriotischer Tag. Jedes Jahr am 4. Juli kommen die Amerikaner zusammen, picknicken, schauen sich ein Feuerwerk an und erfreuen sich an ihrem Land.

        An diesem Unabhängigkeitstag aber ist alles anders. Dieser 4. Juli wird in die Geschichtsbücher eingehen als ein trauriger Feiertag, an dem die USA nicht als Supermacht, sondern als ein Land am Rande des Kontrollverlusts wahrgenommen werden.

        Fast 58.000 Corona-Neuinfektionen in nur 24 Stunden: Was Trump „großartige Neuigkeiten“ nennt, weil ja so viel mehr getestet werde, ist der bittere Beleg dafür, dass sein angekündigtes „sensationelles amerikanisches Comeback“ ein leeres Versprechen ist. Die Pandemie droht, eines der reichsten und mächtigsten Länder der Welt erneut in die Knie zu zwingen. Darüber kann keiner froh sein.
        […]
        Wenn aber der Mann an der Spitze des Landes seine Vorbildfunktion dazu nutzt, die Erkenntnisse und Mahnungen der Wissenschaft aus dem Weißen Haus anzuzweifeln, ja lächerlich zu machen, braucht sich keiner zu wundern, dass viele es ihm gleichtun.

        Die Quittung erhalten alle Neuerkrankten

        Die Quittung erhalten nun alle, die neu erkranken und/oder von den wieder eingeführten Lockdown-Maßnahmen betroffen sind. Viele Firmen bringt diese Entwicklung endgültig in existenzielle Nöte.
        Bedanken können sie sich bei ihrem Präsidenten. Diese dramatische Zuspitzung hat er mit zu verantworten, er, der seine mit so viel Sachverstand ausgestattete Coronavirus-Taskforce schon vor Wochen entmachtete und seitdem nur noch über das wirtschaftliche Comeback sprechen will.

        Trumps Glaubwürdigkeit wird umso mehr schwinden, je öfter er wahrheitswidrig und mit Blick auf den Wahltermin in vier Monaten behauptet, die Krise unter Kontrolle zu haben. Schon jetzt sagen in Umfragen mehr als drei Viertel der Amerikaner, ihr Land bewege sich in die falsche Richtung.
        […]

        https://www.tagesspiegel.de/politik/coronakrise-in-den-usa-die-ohnmacht-der-macht/25974460.html

        Wie schon gesagt: es gibt keine Corona-Krise in den USA:

        https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-260/#comment-89329

        Was Juliane Schäuble hier zurücknimmmt, wird selbst in ihrem Blatt verbreitet, Martenstein sei Dank, auch wenn er sich giftige Kommentare der seit Jahren verhetzten Leser der Leitmedien anhören muß:

        20.06.2020, 19:35 Uhr
        Harald Martenstein über einen Zug der Zeit
        Das liberale Wertesystem landet gerade auf dem Sperrmüll

        Gestürzte Statuen, nicht gedruckte Artikel, Unvoreingenommenheit von Journalisten – unser Kolumnist macht sich Gedanken über die illiberale Hygienearbeit.
        Harald Martenstein

        Zurzeit passieren Dinge auf der Welt, die ich bis vor ein paar Jahren für unmöglich gehalten hätte. Nie hätte ich gedacht, dass in der besten Zeitung der USA, der „New York Times“, ein Redakteur gefeuert wird, weil er, um zu informieren, auch mal eine Meinung aus dem Trump-Lager abdruckt.
        Die gleiche Zeitung hat 1931 immerhin ein Hitler-Interview und kürzlich den Meinungsbeitrag eines Taliban gedruckt. Ich würde gern alle drei Texte lesen.
        Nie hätte ich gedacht, dass im „Spiegel“ einmal darüber diskutiert wird, ob Unvoreingenommenheit bei Journalisten eine Tugend sei oder eher ein Defizit. Der „richtige Klassenstandpunkt“ feiert unter neuem Namen Auferstehung.
        Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass in Virginia eine Statue des Seefahrers Christoph Kolumbus gestürzt wird. Falls Kolumbus, gestorben 1506, wirklich für alles mitverantwortlich ist, was Jahrhunderte nach seiner Landung in Amerika passierte, dann doch wohl auch für das Gute, nicht nur das Schlimme. Also auch für die beliebte Stadt New York, für Abraham Lincoln oder den Kampf gegen Hitler.

        Genauso wenig hätte ich es für möglich gehalten, dass eine Berliner Demonstration „Für die Versammlungsfreiheit“ verboten wird, weil 5000 angekündigte Teilnehmer aus Hygienegründen zu viele seien. Eine antirassistische Großdemonstration mit 15 000 Personen aber findet nur wenig später statt, obwohl sich dort viele nicht um Hygienevorschriften scheren.

        Die andere Seite hören

        Das liberale Wertesystem landet gerade auf dem Sperrmüll, Ideen wie: gleiches Recht für alle. Man muss in Debatten immer auch die andere Seite hören. Es ist okay, friedlich für politische Veränderungen einzutreten. Schuld ist konkret und individuell, nicht ganze Menschengruppen können kollektiv schuldig sein, weder Weiße noch Juden noch Russen noch sonst wer.

        Es ist verboten, Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen, um jemanden gezielt fertigzumachen. Mich wundert, dass dieses liberale, liebenswerte System vielerorts fast ohne Widerstand zusammenzubrechen scheint, wie das alte Rom.

        Viele haben Angst, klar. Mir ist, als hätten die Aktivisten schon die Macht übernommen, obwohl das natürlich nicht stimmt, sie sind in der Minderheit, das waren Revolutionäre oft. Das Tragische an Revolutionen ist, dass fast nie die Unterdrückten an die Macht kommen, sondern meistens ihre selbst ernannten Repräsentanten, die Aktivisten.

        Ich frage mich, was die Bilderstürmer und Umbenenner mit der Kantstraße vorhaben, wenn sie erst mal entdecken, dass der große Aufklärer, wie fast alle seine Zeitgenossen, nicht frei von Rassismus war. Die Vergangenheit ist durchweg unsauber, es bleibt viel Hygienearbeit zu tun.

        https://www.tagesspiegel.de/politik/harald-martenstein-ueber-einen-zug-der-zeit-das-liberale-wertesystem-landet-gerade-auf-dem-sperrmuell/25935524.html

        Hier kann ich jeden Satz unterschreiben, wehalb ich auch jeden Satz wiedergegeben habe. Aber auch andere Kollegen im Tagesspiegel hatten vor Schäuble schon den PC-Quatsch mit den Denkmalstürzen entlarvt, zu denen sie, obwohl es Trump in seiner Mount Rushmore-Rede ging, plötzlich keine Stellung mehr nahm:

        25.06.2020, 18:56 Uhr
        Müssen missliebige Denkmäler zerstört werden?
        Kolumbus vom Sockel stürzen ist folgenlose Symbolik

        Gold und Sklaven, Kolumbus und Kant: Geschichte lässt sich nicht stürzen. Ohne die Aufklärung hätten wir heute unsere Freiheit nicht. Ein Essay.
        Kerstin Decker
        […]
        Kolumbus kam aus einer tief ständischen Gesellschaft. Welten lagen zwischen einem Bauern und einem König. Schon beim Bauern waren sich viele nicht sicher, ob er nicht doch mehr zu den Tieren zähle. Die Existenz unmündigen Seins beunruhigte ihn nicht. Das wurde erst mit der Aufklärung anders. Soeben wurde Immanuel Kant als Rassist verdächtigt.
        https://www.tagesspiegel.de/kultur/sollte-man-kant-als-rassisten-bezeichnen-kritik-der-weissen-vernunft/25935036.html

        Man weiß nicht recht, ob man darüber weinen oder lachen soll. Der Mann war ein Aufklärer. Für einen Aufklärer steht die wahre Schöpfung der Menschheit am Ende, nicht am Anfang. Sie ist Arbeit, ist Entwicklung. Eine Existenzweise, die sich nie aus ihren Anfängen heraus entwickelt hat, durfte nicht mit seiner besonderen Wertschätzung rechnen.

        Kant, der alte weiße Mann war es, der das Unhaltbare der Sklaverei begründete

        Es klingt in der derzeitigen Situation vielleicht etwas deplatziert, darauf hinzuweisen, dass, nun ja, der alte weiße Mann es war, der das Unhaltbare der Sklaverei begründete, natürlich mit System und Methode. Kant und andere vor ihm. Der alte weiße Mann, der es plötzlich als Beleidigung des eigenen Menschseins, des Menschseins aller begriff, solange auch nur ein anderer in die Sklaverei gestoßen wird.
        An diesem Punkt war der Mensch, egal welcher Hautfarbe, nur noch Mensch, auch für Kant. Man nennt diese Wahrnehmungsform auch Universalismus. Kein Stammesangehöriger, für den die Menschheit im strengen Sinn dort endet, wo das Gebiet des eigenen Volkes endet, wäre je auf eine solch skurrile Idee verfallen.

        Die Aufklärung hat das „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!“ erst möglich gemacht, unter dessen großem Schutzschirm immer neue Menschengruppen nun ihre Unabhängigkeitserklärung abgeben. Noch im Dezember 1492 gründete Kolumbus die erste europäische Siedlung auf der Insel Hispaniola, deren eine Hälfte Haiti heißt. 1791 befreiten sich die Sklaven Haitis im Namen der Französischen Revolution.

        https://www.tagesspiegel.de/kultur/muessen-missliebige-denkmaeler-zerstoert-werden-kolumbus-vom-sockel-stuerzen-ist-folgenlose-symbolik/25950512.html

        Der Artikel erinnert auch daran, daß im Orient und in Afrika Sklaverei zur Normalität gehörte, und daß die Kolonisatoren von ihr „nur“ Gebrauch machten. In Europa gab es die verwandte „Leibeigenschaft“ und das „ius primae noctis“ der Fürsten über die Bauern, deren Schutz sie im Gegenzug gewährten.

        Wir können uns alle freuen, in besseren Zeiten zu leben.

        Auch in der ZEIT gibt es Widerstand gegen den Quatsch vom „white privilege“, mit dem wir vollgesülzt werden, als befänden wir uns in der Selbstgeißelungsphase der chinesischen Kulturrevolution. Allerdings engagierte die ZEIT für diesen erhellenden Artikel einen Außenstehenden – und versteckte ihn hinter einer Bezahlschranke. Ich bin jetzt mal ganz mutig und veröffentliche ihn in Gänze:
        Privileg

        Die falsche Anklage
        Es ist kein Privileg, ein Weißer zu sein. Eine dringend notwendige Begriffsklärung 
        Von Jörg Scheller
        1. Juli 2020, 16:46 Uhr Editiert am 3. Juli 2020, 6:05 Uhr DIE ZEIT Nr. 28/2020, 2. Juli 2020 Exklusiv für Abonnenten

        Der Gebrauch des Begriffs „Privileg“ ist zu einem kommunikativen Ärgernis geworden. Vor allem in den sozialen Netzwerken und in journalistischen Meinungsbeiträgen hat sich die nobel tönende Vokabel zu einem Kampfbegriff entwickelt, der nicht mehr der Verständigung dient, sondern als Allzweckwaffe eingesetzt wird. Ähnlich wie kaum noch zwischen Rassismus, Xenophobie, Vorurteil, Ressentiment differenziert wird, kann „Privileg!“ allen an den Kopf geworfen werden, die aus Sicht der Werfer über Wettbewerbsvorteile verfügen.

        Will man eine Diskussion abwürgen, möchte man ein Gegenüber diskursiv plattmachen, fehlen einem schlicht Argumente, schleudert man ihm einfach ein check your privilege!, „überprüfe deine Privilegien!“, entgegen. Das soll heißen: Was du da sagst, ist nur eine verbrämte Rechtfertigung deiner privilegierten Position und deiner Machtinteressen! So macht sich ein vulgärer Schrumpfmarxismus breit, der erahnen lässt, warum schon Marx mit Marxisten haderte.

        Was ist ein Privileg? Ein Privileg, und das ist entscheidend, ist nicht einfach ein Vorteil. Sprachlich wie historisch ist es ein Vor-Recht, das von hierarchisch höherstehenden Einzelnen oder Institutionen an hierarchisch untergeordnete Menschen offiziell verliehen wird. So durften beispielsweise früher Männer wählen und Frauen nicht, in der Vormoderne waren bestimmte Kleidungsstücke bestimmten Personengruppen vorbehalten. Solche Rechtslagen mit Geburtslotteriegewinnen oder selbst erarbeiteten Vorteilen – ja, die soll es geben! – gleichzusetzen ist unredlich. Nimmt man den Gedanken ernst, dass Sprache unsere Realität miterzeugt, dann gilt: Achtung gerade bei solchen Begriffen, die das Zeug zur Spaltung haben! Wer möglichst viele Menschen für den Kampf gegen Diskriminierungen gewinnen will, der sollte besser nicht so tun, als sei dieses Ziel nur dadurch zu erreichen, dass man bestimmten Menschen etwas wegnimmt, weil sie „von oben“ bevorzugt werden. Genau diese falsche Botschaft sendet aber das Reden von „Privilegien“.

        Jörg Scheller
        41, ist Professor für Kunstgeschichte an der Zürcher Hochschule der Künste, Autor und Metal-Musiker.

        Im Grundgesetz heißt es: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Gemeint ist die Gleichheit vor dem Gesetz, nicht das Phantasma faktischer Gleichheit. Natürlich ist jemand in einer kompetitiven salesman culture benachteiligt, dessen Religion ein kontemplatives Leben verlangt. Natürlich bin ich bevorteilt, wenn ich mit vielen weißen Muskelfasern auf die Welt komme und deshalb, im Gegensatz zu meinem Nachbarn mit den vielen roten Muskelfasern, als Gewichtheber reüssieren kann. Natürlich bin ich bevorteilt, wenn ich von Tante Lotte ein Häuschen in der Südpfalz erbe. Alle diese Vorteile haben aber nichts mit einem Privileg zu tun, das mir von irgendeiner höheren Instanz als exklusives Vor-Recht gewährt worden wäre. Wer Privilegien mit Kontingenz und Ungleichheit in eins setzt, die kein System verhindern kann, neigt zum Verschwörungsideologischen.

        Insinuiert wird, die Vorteile würden von mächtigen, höheren Instanzen vergeben, die Möglichkeit des Zufalls oder schlichten Glücks wird taktisch ausgeblendet.

        Immer wieder ist zu lesen, Weiße seien per se privilegiert. Seltsam – ist das nicht die grundlegende Funktionsweise des Rassismus: Einzelne mit Gruppen gleichzusetzen, den Kollektivsingular an die Stelle präziser Beobachtung und Empirie zu setzen? In Wahrheit ist die Sache ja vertrackter. Warum ist es ausgerechnet dem Afroamerikaner Jay-Z gelungen, zum ersten Rap-Milliardär zu avancieren? Ist der ausgebeutete Rumäne in einem Tönnies-Schlachthof privilegiert, weil seine Hautfarbe Weiß ist? Und wenn eine deutsche Maklerin die Wahl hat, eine Immobilie an einen gebildeten, eloquenten, vermögenden Nichtweißen zu vermieten oder aber an einen finanziell klammen, weißen Arbeiter aus Osteuropa, der gebrochen Deutsch spricht – für wen würde sie sich wohl entscheiden?

        Überhaupt klammert die Privilegien-Diskussion meist den postkommunistischen osteuropäischen Bereich aus, wo die Erfahrungen sich deutlich von denjenigen unterscheiden, von denen manche Gesellschaftstheorien ausgehen, die an angloamerikanischen Universitäten gelehrt werden. Die gern bemühte „Intersektionalität“, also die Kritik sich überschneidender Diskriminierungsformen, ist schließlich nur dann erhellend, wenn ihr gleichzeitig wirksame Bevorteilungsformen gegenübergestellt werden. Und schon verwandeln sich Schwarz-Weiß-Szenarios in ein Flimmern von Grautönen.

        Allein die Differenzierung gilt schon als verdächtig

        Allein die Differenzierung gilt im Kontext der neuen Kulturkämpfe aber schon als verdächtig. Wer die Gleichsetzung von Vorrechten mit Vorteilen kritisiert, ist natürlich nur bestrebt, die eigenen Privilegien zu sichern. Wie schließlich können „Privilegierte“ beweisen, dass das, was sie in Diskussionen vorbringen, nicht eine raffinierte Sophisterei ist, um Reputation, Rente, Reihenhaus zu sichern? Dass die eben vertretene These nicht kausal darauf zurückzuführen ist, als Kind Tennisunterricht bekommen zu haben? Indem die Privilegienpolizei ein „Privilege Profiling“ unter ausgewählten Personengruppen vornimmt und sie unter einen Generalverdacht stellt, der sich nicht ausräumen lässt, bringt sie sich in eine letztlich unangreifbare Machtposition. Sie nimmt sich das Recht der Petitio Principii, der zufolge bestimmte Haltungen, Meinungen, Argumente stets Ausdruck von Privilegien sind, und: Privilegien können nur passiv empfangen, nicht aktiv erarbeitet werden. Undenkbar, dass sich jemand aus eigener Kraft etwas verdient hat. Das ist verdammenswerte neoliberale Rhetorik! Wenn Privilegien erarbeitet wurden, dann nur, weil sie aufgrund von nicht erarbeiteten Privilegien erarbeitet werden konnten!

        Dass es in liberalen Demokratien Privilegien gibt, ist unbestritten. Sie variieren je nach Rechtslage: Die einen dürfen Alkohol trinken, die anderen nicht. Die einen dürfen wählen, die anderen nicht. Diese Privilegien sind weder willkürlich noch per se schlecht oder gut, sondern mal gut und mal weniger gut begründet. Ein Weißen-Privileg aber existiert in liberalen Demokratien nicht, genauso wenig wie ein Liebende-Eltern-Privileg oder ein „Ich profitiere von einem Garten während des Corona-Lockdowns“-Privileg. Mal ist der Garten hart erarbeitet, mal mühelos ererbt. Aber Menschen sind eben vergleichende Wesen. Sogar in annähernd paradiesischen Zuständen würden ihnen Mikrounterschiede wie Makrounterschiede vorkommen. All das ist natürlich keine Ausrede dafür, asymmetrische Machtverhältnisse einfach hinzunehmen.

        Mit Blick auf „Racial Profiling“ ist ebenfalls oft von Privilegien die Rede: Weiße würden deutlich weniger oft von der Polizei kontrolliert. Es trifft zu, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe vor allem in Grenzregionen häufiger gestoppt und durchsucht werden als Weiße. Aber ist das die einzige Form von Profiling? Jüngere Menschen werden häufiger auf Drogen kontrolliert als ältere und Punks misstrauischer beäugt als Geschäftsfrauen, Männer werden eher eines Gewaltverbrechens verdächtigt als Frauen und härter dafür bestraft. Racial Profiling ist nur eine Facette von etwas, das man „Social Profiling“ oder „Identity Profiling“ nennen könnte.

        Selbst einer der schärfsten Kritiker des Rassismus und des Racial Profiling in den USA, der Erfinder des Gangsta-Rap, Ice-T, hat einen höheren Differenzierungsgrad erreicht als so manche der akademisch sozialisierten check your privilege!-Rufer.
        Als Reaktion auf die Bewegung Black Lives Matter, die er unterstützt, veröffentlichte er 2017 den Song No Lives Matter. Darin betont er die gemeinsamen Anliegen jener, die Ungerechtigkeit erfahren: „But honestly it ain’t just black / It’s yellow, it’s brown, it’s red / It’s anyone who ain’t got cash / Poor whites that they call trash.“ Der neue diskursive Winkelzug aus Akademikerkreisen, wonach „Weiß“ eigentlich nichts mit Hautfarbe zu tun habe und etwa die von den Nazis ermordeten Juden nicht wirklich weiß gewesen seien, vermag da nicht zu überzeugen. Wenn man diese Logik bedient, springen als Nächstes irgendwelche Alt-Right-Spinner auf den Zug auf und erklären, die Schwarzen in den USA seien gar nicht schwarz und könnten deshalb nicht aufgrund ihrer Hautfarbe benachteiligt sein.

        Last, but not least hat niemand etwas von weinerlichen, symbolpolitischen Selbstanklagen akademischer Weißer. So bekennt man auf Facebook oder Twitter zerknirscht, aus einer zentral gelegenen Altbauwohnung zu senden, weit gereist zu sein und eine tolle Bildung genossen zu haben, selbstverständlich alles nur unverdient empfangen, nicht selbst erarbeitet. Diese Selbstgeißelungen erinnern stark an Augustinus, Bischof von Hippo, der in seinen Confessiones die eigene Sündhaftigkeit bejammerte und auf dem Fundament dieser Geständnisse seine Macht ausbaute. Eher selten hört man gut situierte Privilegienkritiker rufen: „Schaut, ich habe mein ganzes Vermögen einer guten Sache gespendet und verbringe den Rest meines Lebens nun auf diesem Nagelbrett, auf dass es anderen besser gehe!“
        Das größte „Privileg“ ist es, öffentlich die eigenen Privilegien bekennen und sich für sie kritisieren zu können, ohne den Verlust dieser Vorteile befürchten zu müssen.

        https://www.zeit.de/2020/28/privileg-begriff-recht-macht-definition/komplettansicht

        Dem kann man nur wenig hinzufügen. 😉

  2. Im Nachgang zur abgeschmetterten Strafanzeige gegen Prof. Hendrik Streeck:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-259/#comment-89327

    Das ist der Anzeigenerstatter:

    Markus Kühbacher
    @Kuehbacher
    Scientist
    Wendlingen am Neckar, Deutschland
    Seit Oktober 2011 bei Twitter
    156 Folge ich
    85 Follower

    Man merkt dem Verfasser förmlich an, wie viel Freude ihm die Abweisung dieser querulatorischen Anzeige bereitet hat; Kühbacher befand sich zuvor und danach in einem Twitter-Austausch mit dem Strafrechtsprofessor Henning Ernst Müller aus Regensburg:

    Ihm bleibt nur eine Dienstaufsichtsbeschwerde: fff. Formlos, fristlos, fruchtlos. 😉

    Aber der Scientist fühlt sich betroffen:

    Unabhängig davon, was Herr K. damit andeuten will: ein Strafrechts-Professor gehört grundsätzlich nicht zu den Amtsträgern, die sich einer Rechtsbeugung strafbar machen können.

    § 339 [StGB]

    Rechtsbeugung
    Ein Richter, ein anderer Amtsträger oder ein Schiedsrichter, welcher sich bei der Leitung oder Ent-scheidung einer Rechtssache zugunsten oder zum Nachteil einer Partei einer Beugung des Rechts schuldig macht, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bestraft.

    https://dejure.org/gesetze/StGB/339.html

    Nachtrag:

    Ich habe nachgesehen, was der CAPITAL-Redakteur Steinmann dazu zu sagen hat, schließlich hat er sich auf den querulatorischen Vortrag bezogen:

    Merke: Journalisten behalten immer recht. 😉

    • Zuletzt schrieb ich auf der Vorseite:

      Um meinen Standpunkt zu umreißen: mir wäre schon geholfen, wenn der Politisiererei (durch Politik, insbesondere aber durch die Medien und alarmistische eitle Wissenschaftler) ein Riegel vorgeschoben werden könnte: siehe die politisierten anti-Trump-Medien in den USA:

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-259/#comment-89319
      […]

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-259/#comment-89327

      Auch bei uns wird der Medienhype aus den USA mitgemacht: „Die USA verlieren die Kontrolle“, da die Fallzahlen ansteigen – wobei gern insinuiert wird, daß dies nur in republikanischen Gefilden der Fall sei. Keineswegs, Kalifornien ist ebenso betroffen:

      Bei uns wird die absolute Zahl von 9.000 „Corona-Toten“ hervorgehoben (von denen die wenigsten obduziert wurden):

      Absolute Zahlen sind absolut sinnlos: in Deutschland sterben ca. 2.400 Menschen pro Tag. In der „Corona-Zeit“ vom 1.3.2020 bis 30.6.2020, also in ca. 120 Tagen, starben also 288.000 Menschen. Statistisch gesehen machen die 9.000 angeblichen Corona-Toten also keinen Unterschied, zumal sie ohnehin zu über 90% in den Bereich der statistischen Lebenserwartung fallen. Jedes individuelle Schicksal zählt – aber Politik sollte vernunftbasiert arbeiten und faktenorientiert. Dazu gehört die Evaluierung der Kollateralschäden der Maßnahmen.

      Was die absoluten Zahlen in den USA angeht: ohne eine Relation zur Bevölkerungsgröße von 330 Millionen ist jede Zahl bedeutungslos. Warum wird uns die von der Presse habituell vorenthalten?

      Mediengetriebene Politiker in den USA reagieren jeweils kopflos: hier der demokratische Gouverneur von Kalifornien:

      Hier der republikanische Gouverneur von Texas:

      Was natürlich rassistisch ist. 😉

      Ich bitte, zu beachten, daß in Texas die „positivity rate“ von 4% auf 14% gestiegen ist (d.h., daß innerhalb der Tests wesentlich mehr positiv getestet wurden als früher – und das trotz der generell unzuverlässigen PCR-Tests, die oft auch auf inaktive oder harmlose Coronaviren reagieren). Dafür gibt es eine Erklärung (s. weiter unten).

      Was den Streß des texanischen Gesundheitssystems angeht, so liegt der nicht an Covid-19, wie ich auf der Vorseite berichtet hatte:

      https://dailycaller.com/2020/07/01/marc-siegel-coronavirus-texas-hospital-surge/

      https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-259/#comment-89319

      Ein rein kommerzieller Etikettenschwindel.

      Das wache Publikum will allerdings nicht länger beschwindelt werden:

      Man muß hinzufügen: und natürlich auch das Verhältnis der Testzahlen zu den Entdeckungen von Infektionen, denn hier hat Trump wirklich recht:

      In den Medien wird diese Relation nie erwähnt. Soll der Bürger durch die narrativen Gatekeeper der Journalisten darauf verwiesen werden, sich entweder bei der oft schwer verständlichen Quelle oder in alternativen Medien zu informieren?

      Zu dem unerklärlichen Anstieg von 4 auf 14% an positiven Testungen in Texas gibt es eine gesonderte Erklärung:

      Why are positive COVID-19 cases are skyrocketing in the US and not in other industrialized nations?

      by Alexander Muse · Pandemic · 02 Jul 2020

      It is actually not that complicated. Here in the United States, we currently have the capacity to test around 650,000 people per day using lab-based PCR tests. Results from these tests are reported to the CDC and are used by our political leaders to make policies regarding lockdowns and closures. Higher and higher percentages of these lab-based PCR tests are coming back positive resulting in alarming media reports. The reason is very simple.

      The White House COVID-19 task force met with representatives at Abbott labs in February to dis-cuss rolling out a coronavirus test using the ID NOW molecular point-of-care platform. By March the FDA had approved the test and since then more than 4.5 million ID NOW rapid testing machines have been shipped to hospitals, physician offices, and urgent care clinics in all 50 states (1.5 test systems per 100 people). The average machine can test between 30 and 90 people per day and these systems can conduct up-to 200 million COVID-19 tests each day. Results from these tests are NOT reported to the CDC.

      If an ID NOW test comes back positive the individual is instructed to get a lab-based PCR test for confirmation and only then if the result is positive is the result reported. A larger and larger percentage of lab-based PCR tests in the U.S. are being used for confirmation of presumed COVID-19 positive cases. If we were to take the total number of people tested in the U.S. by combining daily point-of-care results + lab-based results the percentage of positive to negative cases would be in line with other nations. No other industrialized nation has conducted a widespread deployment of point-of-care testing systems for COVID-19 so comparing positive case percentages is misleading.

      The problem began when the White House mandated that almost all ID NOW units and supplies be reserved for U.S. hospitals, physician offices, and urgent care clinics. The president’s decision to rapidly expand testing in the U.S. meant that other countries like the UK and Australia are almost entirely dependant on lab-based PCR tests. For example, the NIH can process around 80,000 tests per day and as a result, they’ve got to reserve most of this capacity for frontline healthcare workers and their patients. The rest of the capacity is used for tests that the NIH has been sending out rand-omly in an effort to estimate the level of exposure throughout the country. Without widespread testing, the UK and Australia appear to have a very low percentage of positive to negative cases. We shouldn’t be surprised that when we primarily test positive cases we’re getting a very high percentage of positive cases.

      Here in Texas positive cases continue to climb at rates that are causing our leaders to panic despite the fact that deaths aren’t keeping pace. The truth is that we’re testing millions of people each day with point-of-care tests – the vast majority are negative and never get reported. We then send the positive results for confirmation and only then are they reported. On top of that, the State of Texas has changed the definition of a “case” to include probable cases. As was explained in mid-May by Collin County Judge Chris Hill, before the huge spike of Texas COVID-19 cases, Texas decided to redefine what the state reported to the CDC as a ‘case’. Previously, only cases that were confirmed through lab-based PCR testing were reported as ‘cases’. In mid-May, the Texas DSHS began asking counties to report ‘probable cases’ as ‘cases’. They also changed the definition of ‘probable cases’ to include everyone a confirmed case has come in contact with. Furthermore, anyone in the state that “has a subjective fever and a headache” now is counted as ‘case’ as reported to the CDC by Texas. You can see the divergence between reported ‘cases’ and deaths around the time Texas changed definitions. More data is always a good thing unless it is being used to manipulate and mislead the American people. If you’re reporting on COVID-19 cases as spiking you should ALWAYS include the caveat that Texas expanded each ‘case’ to include ‘probable cases’ – growing the positive case count 17:1 or more. Watch the video from Collin County Commissioner Court meeting on May 18, 2020:
      [Video]

      https://partisan.space/why-are-positive-covid-19-cases-are-skyrocketing-in-the-us-and-not-in-other-industrialized-nations/

      Daß nicht einmal der Gouverneur diese Manipulationen durchschaut, stimmt allerdings bedenklich.

      • Alle US-Leitmedien sind vergiftet. Wenn Trump sagt, man müsse die Wirkung von hydroxychloroquine weiter erforschen und er selbst nehme das Mittel prophylaktisch ein, war hydroxychloroquine natürlich „umstritten“, und die Medien stürzten sich natürlich auf eine widerlegte und zurückgezogene Studie, um ihre anti-Trump-Kampagne zu legitimieren:

        Nun gibt es eine nicht umstrittene gegenteilige Studie:

        Währenddessen nähert sich sogar das CDC dem Stanford Professor Ioannidis an:

        Aber da entdeckt er ja nur die Spitze des Eisbergs. Viele „Genesene“, die von der Krankheit nicht einmal etwas mitbekommen haben, entwickeln gar keine Antikörper, weil andere Zellfunktionen die Abwehr übernommen haben:

        Man muß froh sein, daß Twitter der selbstgestellten Aufgabe, alle „falschen“ sprich regierungsferne Corona-Infos zu löschen, weder algorithmisch noch intellektuell in der Lage ist. 😉

    • @ Gabriele Wolff

      Zu Henning Ernst Müller: Ich hatte ja vor ca. 2 Jahren mal ein Interview mit ihm gemacht über den Mordfall Charlotte Böhringer:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Charlotte_Böhringer#Bemühungen_um_Wiederaufnahme_des_Verfahrens

      Müller hatte sich ja auch in einem Dok-Film über den Fall geäussert, und da mich der Fall interessierte und ich ein Buch über den Fall schrieb, war das eine Gelegenheit, ihn zu diesem Fall zu befragen. Er hat eine andere Auffassung als ich zu diesem Fall, und ich würde sagen, dass er bei diesem Fall ein bisschen „naiv“ die Sache gesehen hat.

      Du schreibst:

      „Aber da entdeckt er ja nur die Spitze des Eisbergs. Viele „Genesene“, die von der Krankheit nicht einmal etwas mitbekommen haben, entwickeln gar keine Antikörper, weil andere Zellfunktionen die Abwehr übernommen haben:“

      Ja, das wurde ja bereits früher in einer Studie entdeckt und es zeigt sich, dass Ioannidis immer mehr richtig liegen könnte. 🙂

      „Antikörper weisen nur einen Fünftel der Fälle nach“

      Klicke, um auf tagesanzeiger-antibody-study-june-2020.pdf zuzugreifen

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