Hans Wollschläger-Fake News- Updated

Hans, Winterberg 11-04

Hans Wollschläger in Winterberg, 2004, Foto: Gabriele Gordon

Es hätte ja eigentlich genügt, meinen letzten Artikel zu ergänzen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/17/fake-news-oder-wie-ich-zur-witwe-von-hans-wollschlaeger-wurde/

Aber irgendein Bug im WordPress-System ließ das nicht zu.

Die NZZ als Sprachrohr des gekränkten Bearbeiters der Wollschläger-Übersetzung des Ulysses von James Joyce, Harald Beck, hat nun auch dessen Zuarbeiter Hans Walter Gabler zu Wort kommen lassen.

Der Artikel hebt natürlich mit Fake News an:

Rettet den deutschen «Ulysses»

Aus rechtlichen Gründen liegt die revidierte deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger auf Eis. Das darf nicht sein.

Hans Walter Gabler 26.3.2018, 05:30 Uhr

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Sie liegt natürlich nicht nur aus rechtlichen Gründen „auf Eis“, sondern entscheidend deshalb, weil Beck das Wollschlägersch’e Kunstwerk zerstörte.

Die NZZ vom 2.3.2018 war jedenfalls schon mal näher an der Wahrheit:

Gabriele Gordon habe keinerlei Gesprächsbereitschaft gezeigt: «Sie hat es abgelehnt, Jonathan Landgrebe, den Leiter von Suhrkamp, und den Cheflektor Fellinger zu treffen. Offenbar hat sie dem Verlag schriftlich ihre Position dargelegt; sie begründet diese einerseits juristisch – in dieser Hinsicht sind ihre Ansprüche tatsächlich unanfechtbar. Anderseits führte sie angeblich literarische und philologische Gründe an: Wollschläger hätte der Neufassung nicht zugestimmt, argumentierte sie.»

https://www.nzz.ch/feuilleton/ulysses-neuedition-rechtlich-ist-die-sache-tot-ld.1361961

Der offenbar umfassend uninformierte Gabler meint:

Das grundsätzliche Einvernehmen zwischen dem Übersetzer, einem Team von Revisoren und dem Suhrkamp-Verlag datiert aus dem Jahre 2007. Leider verstarb Hans Wollschläger wenige Monate, nachdem das Übereinkommen erzielt worden war.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Daß bei diesem Treffen von 10.3.2007 irgendein Übereinkommen erzielt worden sei, davon träumt allenfalls der Suhrkamp-Verlag. Insofern existiert lediglich ein Protokoll des Verlags, das Hans Wollschläger nie zur Kenntnis nahm. Ob er wirklich die Fron auf sich genommen hätte, sich ein ganzes Jahr die Besserwissereien von Anglisten und Philologen anzuhören? Die keine Ahnung von Kunst haben?

Ich wage es zu bezweifeln.

Eins ist jedenfalls klar. Nur Hans Wollschläger selbst hätte seine eigene geniale Übersetzung überarbeiten können. Niemand sonst.

Gabler hüpft gleich hierauf:

Durch dieses aber bestärkt, verpflichtete der Verlag Harald Beck und seine Mitarbeiter zur Durchsicht und Überarbeitung der Wollschläger-Übersetzung. Entscheidend am Übereinkommen war, dass ein durchgesehener und revidierter Übersetzungstext nicht die wollschlägersche Verdeutschung überfremden würde. Die Überarbeitung verstand sich als Dienst an der Übersetzung und deren Dienst am Roman und an seinem Autor.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Warum bringt die NZZ derlei Lügen?

Klar, Beck möchte gern seine Vorgänger Dirk Vanderbeke und Dirk Schultze, die Kommentatoren der Wollschläger-Übersetzung  im Jahr 2004, auslöschen, denen er zuarbeitete. Genauso agiert sein Zuarbeiter Gabler.

Vanderbeke und Schultze verließen das Unternehmen, als ihnen klar wurde, wie sehr Beck es auf die Zertrümmerung  der Wollschläger-Übersetzung ankam.

Gabler:

Wie ich es mir vorstelle, könnte Grundlage einer Vereinbarung sein, dass Hans Wollschlägers «Ulysses» unverändert der rein deutsche Lesetext des Werkes vom Suhrkamp-Verlag bleibt. In Parallele dazu sollte der Verlag den Plan Siegfried Unselds umsetzen, eine zweisprachige «Ulysses»-Ausgabe anzubieten. In dieser würde dem englischsprachigen originalen Text der deutsche zugesellt, der, auf der Grundlage der Übereinkunft mit Hans Wollschläger, über zehn Jahre hinweg im Auftrag des Suhrkamp-Verlags erarbeitet wurde. Dass dieser überarbeitete Text im Wesentlichen nach wie vor den Übersetzungstext Hans Wollschlägers darstellt, nur eben in einer revidierten Fassung, welche Entsprechungen im Deutschen zum englischen Original präzisiert, wäre selbstredend hervorzuheben und vertraglich festzuhalten.

Es ist eine hohe Anerkennung der Übersetzung von 1975, dass sie eben nicht ersetzt wird, sondern im Kern bestehen bleibt. Der revidierte Wollschläger-Text in einer zweisprachigen Ausgabe sollte dabei selbstverständlich zu erkennen geben, wo er von Wollschlägers Fassung von 1975 abweicht und warum er das tut. Der englischsprachige Text der Herausgeber Hans Walter Gabler, Wolfhard Steppe und Claus Melchior steht rechtlich vorbehaltlos für die zweisprachige Ausgabe zur Verfügung.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Nun mag ja wohl Suhrkamp befeuert haben, die „neue“ Übersetzungs-Bearbeitung von Beck zu promoten, weil die alte von Wollschläger nicht mehr verkauft wird, da der Markt gesättigt ist.

Gablers Vorschlag ist nicht nur weltfremd, sondern auch kontrafaktisch, da die Wollschläger-Übersetzung durch Beck zerstört worden ist.

Und warum sollte ein kommerzieller Verlag wie Suhrkamp eine englisch-deutsche Ulysses-Ausgabe herausbringen, der die zehntausende Beck-Veränderungen an der Wollschläger-Übersetzung dokumentiert, die Beck auch noch begründen soll?

 

 

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2.160 Gedanken zu „Hans Wollschläger-Fake News- Updated

  1. @ Dipfele:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-53/#comment-75774

    Eine köstliche Satire zum Skripal-Fall: da paßt aber auch hinten und vorn nichts zusammen.

    Another challenge was the scene at the Avon Playground in The Maltings, when the Skripals were feeding ducks with some local boys.

    “This was really tricky,” said Hugh. “To start with, we had Doug giving some bread to the boys, one of whom ate a piece, since this was what a number of reports stated. But of course we quickly realised that this would have meant the boys becoming contaminated with Novichok from his hands, which of course none of them were. So we tried a few other methods that Colonel Skripal might have used to give bread to the boys. For example, tipping the bread into the floor for them to pick up; putting the bag on the ground and inviting them to come and get the bread themselves; and even taking the bread out with a spoon — anything to avoid it coming directly from his hand. But to be honest, it all looked a bit ridiculous.”

    http://www.theblogmire.com/bbc-crimewatch-reconstruction-of-salisbury-poisonings-shelved/

    @ Angelika Roll:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-53/#comment-75768

    Ich habe mir jetzt mal den NYT-Artikel durchgelesen – dort sitzt man wohl im Tal der Ahnungslosen.

    Embracing Conspiracy Theory, Trump Escalates Attack on Bruce Ohr
    By Michael D. Shear, Katie Benner and Nicholas Fandos
    Aug. 17, 2018
    […]
    Mr. Ohr was in touch with Mr. Steele, a professional acquaintance whom he had known before Mr. Steele began working for Fusion GPS, through summer and fall 2016, including one conversation in which Mr. Steele said that he “was desperate that Donald Trump not get elected and was passionate about him not being president.”

    Mr. Ohr eventually told the F.B.I. about his wife’s work and about his conversations with Mr. Steele, passing along information given to him by Mr. Steele that the F.B.I. had already received directly from the former spy. Mr. Steele had worked with the bureau on past cases.

    And no evidence has emerged showing that Mr. Ohr or his wife played a role in starting the F.B.I.’s Russia investigation. Rather, it was contacts between a former Trump foreign policy adviser, George Papadopoulos, and Russian intermediaries that prompted the bureau to open the inquiry in late July 2016.

    Noch ist Ohrs Rolle bei der Verfahrenseinleitung ungeklärt; aber daß er mit Steele und Simpson weiter zusammenarbeitete, als das FBI Steele als Informanten längst herausgeworfen hatte, wird natürlich nicht erklärt. Das hübsche Wort „eventually“ bemäntelt, daß Ohr die Tätigkeit seiner Frau für Simpson und das Steele-Dossier bis Ende 2017 verschwiegen hatte.

    Former Justice Department officials said that it should be up to the department and its inspector general, Michael E. Horowitz, to determine whether Mr. Ohr’s contact with Mr. Steele was improper. It is “not a matter to be judged by the president without Justice Department and inspector general input,” said Eugene Casey, the former chief of the F.B.I.’s Eurasian Organized Crime Unit.
    […]
    A largely anonymous part of the 113,000-person Justice Department work force, Mr. Ohr, who did not work on counterintelligence, has not been found to violate the terms of his security clearance. He was given a title demotion this year from his role leading the counternarcotics unit and works in the criminal division on smaller legal matters. A Justice Department spokeswoman would not comment on Mr. Ohr, including on why he lost his more senior title.

    Anonym ist gut: er arbeitete in der obersten Etage des Ministeriums, als Mitarbeiter von Sally Yates – hiervon wurde er entbunden, als die Tätigkeit seiner Frau herauskam -, und natürlich waren die verheimlichten Kontakte zu Steele und Simpson „improper“: die NYT bemerkt ja selber, daß er für das Gegenspionage-Verfahren des FBI gar nicht zuständig war. Die Entbindung von der Leitung der O.K.- und Rauschgift-Abteilung war ebenfalls eine disziplinarische Maßnahme. Das wird nicht die letzte sein, aber noch liegt der Horowitz-Report über das Verfahren gegen die Trump Campaign nicht vor.

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