Hans Wollschläger-Fake News- Updated

Hans, Winterberg 11-04

Hans Wollschläger in Winterberg, 2004, Foto: Gabriele Gordon

Es hätte ja eigentlich genügt, meinen letzten Artikel zu ergänzen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/17/fake-news-oder-wie-ich-zur-witwe-von-hans-wollschlaeger-wurde/

Aber irgendein Bug im WordPress-System ließ das nicht zu.

Die NZZ als Sprachrohr des gekränkten Bearbeiters der Wollschläger-Übersetzung des Ulysses von James Joyce, Harald Beck, hat nun auch dessen Zuarbeiter Hans Walter Gabler zu Wort kommen lassen.

Der Artikel hebt natürlich mit Fake News an:

Rettet den deutschen «Ulysses»

Aus rechtlichen Gründen liegt die revidierte deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger auf Eis. Das darf nicht sein.

Hans Walter Gabler 26.3.2018, 05:30 Uhr

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Sie liegt natürlich nicht nur aus rechtlichen Gründen „auf Eis“, sondern entscheidend deshalb, weil Beck das Wollschlägersch’e Kunstwerk zerstörte.

Die NZZ vom 2.3.2018 war jedenfalls schon mal näher an der Wahrheit:

Gabriele Gordon habe keinerlei Gesprächsbereitschaft gezeigt: «Sie hat es abgelehnt, Jonathan Landgrebe, den Leiter von Suhrkamp, und den Cheflektor Fellinger zu treffen. Offenbar hat sie dem Verlag schriftlich ihre Position dargelegt; sie begründet diese einerseits juristisch – in dieser Hinsicht sind ihre Ansprüche tatsächlich unanfechtbar. Anderseits führte sie angeblich literarische und philologische Gründe an: Wollschläger hätte der Neufassung nicht zugestimmt, argumentierte sie.»

https://www.nzz.ch/feuilleton/ulysses-neuedition-rechtlich-ist-die-sache-tot-ld.1361961

Der offenbar umfassend uninformierte Gabler meint:

Das grundsätzliche Einvernehmen zwischen dem Übersetzer, einem Team von Revisoren und dem Suhrkamp-Verlag datiert aus dem Jahre 2007. Leider verstarb Hans Wollschläger wenige Monate, nachdem das Übereinkommen erzielt worden war.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Daß bei diesem Treffen von 10.3.2007 irgendein Übereinkommen erzielt worden sei, davon träumt allenfalls der Suhrkamp-Verlag. Insofern existiert lediglich ein Protokoll des Verlags, das Hans Wollschläger nie zur Kenntnis nahm. Ob er wirklich die Fron auf sich genommen hätte, sich ein ganzes Jahr die Besserwissereien von Anglisten und Philologen anzuhören? Die keine Ahnung von Kunst haben?

Ich wage es zu bezweifeln.

Eins ist jedenfalls klar. Nur Hans Wollschläger selbst hätte seine eigene geniale Übersetzung überarbeiten können. Niemand sonst.

Gabler hüpft gleich hierauf:

Durch dieses aber bestärkt, verpflichtete der Verlag Harald Beck und seine Mitarbeiter zur Durchsicht und Überarbeitung der Wollschläger-Übersetzung. Entscheidend am Übereinkommen war, dass ein durchgesehener und revidierter Übersetzungstext nicht die wollschlägersche Verdeutschung überfremden würde. Die Überarbeitung verstand sich als Dienst an der Übersetzung und deren Dienst am Roman und an seinem Autor.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Warum bringt die NZZ derlei Lügen?

Klar, Beck möchte gern seine Vorgänger Dirk Vanderbeke und Dirk Schultze, die Kommentatoren der Wollschläger-Übersetzung  im Jahr 2004, auslöschen, denen er zuarbeitete. Genauso agiert sein Zuarbeiter Gabler.

Vanderbeke und Schultze verließen das Unternehmen, als ihnen klar wurde, wie sehr Beck es auf die Zertrümmerung  der Wollschläger-Übersetzung ankam.

Gabler:

Wie ich es mir vorstelle, könnte Grundlage einer Vereinbarung sein, dass Hans Wollschlägers «Ulysses» unverändert der rein deutsche Lesetext des Werkes vom Suhrkamp-Verlag bleibt. In Parallele dazu sollte der Verlag den Plan Siegfried Unselds umsetzen, eine zweisprachige «Ulysses»-Ausgabe anzubieten. In dieser würde dem englischsprachigen originalen Text der deutsche zugesellt, der, auf der Grundlage der Übereinkunft mit Hans Wollschläger, über zehn Jahre hinweg im Auftrag des Suhrkamp-Verlags erarbeitet wurde. Dass dieser überarbeitete Text im Wesentlichen nach wie vor den Übersetzungstext Hans Wollschlägers darstellt, nur eben in einer revidierten Fassung, welche Entsprechungen im Deutschen zum englischen Original präzisiert, wäre selbstredend hervorzuheben und vertraglich festzuhalten.

Es ist eine hohe Anerkennung der Übersetzung von 1975, dass sie eben nicht ersetzt wird, sondern im Kern bestehen bleibt. Der revidierte Wollschläger-Text in einer zweisprachigen Ausgabe sollte dabei selbstverständlich zu erkennen geben, wo er von Wollschlägers Fassung von 1975 abweicht und warum er das tut. Der englischsprachige Text der Herausgeber Hans Walter Gabler, Wolfhard Steppe und Claus Melchior steht rechtlich vorbehaltlos für die zweisprachige Ausgabe zur Verfügung.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Nun mag ja wohl Suhrkamp befeuert haben, die „neue“ Übersetzungs-Bearbeitung von Beck zu promoten, weil die alte von Wollschläger nicht mehr verkauft wird, da der Markt gesättigt ist.

Gablers Vorschlag ist nicht nur weltfremd, sondern auch kontrafaktisch, da die Wollschläger-Übersetzung durch Beck zerstört worden ist.

Und warum sollte ein kommerzieller Verlag wie Suhrkamp eine englisch-deutsche Ulysses-Ausgabe herausbringen, der die zehntausende Beck-Veränderungen an der Wollschläger-Übersetzung dokumentiert, die Beck auch noch begründen soll?

 

 

10.101 Gedanken zu „Hans Wollschläger-Fake News- Updated

  1. Bei einer Anhörung des außerparlamentarischen Untersuchungsausschuss ACU führt Prof. Sucharit Bhakdi aus, dass 2 Prozent der Covid-19-Tests falsch positiv sind (Min. 14).

    Ferner erläutert er (ab Min. 25:30), dass eine herkömmliche Impfung zwar zur Produktion von Antikörpern führt, diese jedoch machtlos ist bei starkem Virenbefall, daher sei ein Impf-Immunitätsausweis sinnlos.

    Als wichtigen dritten Punkt nennt Bhakti den Nachweis von Lymphozyten, die bei 80-90 Prozent der Bevölkerung gegen das neue Covid-19-Virus wirksam sind (ab Min. 29:38). So sei schon eine Herdenimmunität in Deutschland erreicht.

    Das sei dann auch der Grund, weshalb Bhakdi bei den neuartigen Impfungen mit Virus-Genmaterial damit rechnet, dass es zu unkontrollierten Auto-Immunreaktionen kommen wird, denn die Killer-Lymphozyten werden zuschlagen, weil sie da sind…

    • @ Mark Smith:

      Und manchmal lohnen sich auch Tweets von gewissen Menschen, die bei Leitmedien arbeiten:

      NYT, WaPo und CNN sind out.

      Oder Yüzel:

      Und der Tagesspiegel hat ihn gelobt:
      https://www.tagesspiegel.de/kultur/florian-schroeder-und-die-anti-corona-demo-wollt-ihr-die-totale-meinungsfreiheit/26079052.html

      was er bei einem weiteren Redner nicht machte:

      09.08.2020, 11:29 Uhr
      Ex-Fußballer auf Anti-Corona-Demo
      Maske auf, Thomas Berthold!
      Thomas Berthold wettert in einer kruden Rede gegen die Corona-Maßnahmen und spekuliert mit wilder Theorie. Das hätte er besser gelassen. Ein Kommentar.
      Claus Vetter
      Natürlich war das eine krude Vorstellung, die der Hobbyredner Thomas Berthold da am Sonnabend ablieferte. Im Rahmen einer Demonstration von Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart spielte sich der einstige Fußball-Nationalspieler als erfahrener Mikrobiologe auf.

      Er habe 20 Jahre lang unter einer schlimmen Krankheit gelitten und die schließlich besiegt, weil er ohne Angst gewesen sei. Die Ableitung ist für ihn wohl einfach, angstfrei lässt sich auch das Coronavirus besiegen. Also, liebe Mitmenschen, runter mit der Maske!
      […]
      Natürlich darf und sollte jeder Bürger seine Meinung zum Thema Pandemie haben und es ist völlig in Ordnung, mit Maßnahmen der Regierung nicht einverstanden zu sein. Allerdings ist es eben die Frage, auf welchem Niveau man die Diskussion führen kann. Mit Verschwörungstheorien gegen wissenschaftliche Studien anzukämpfen, das funktioniert nicht. Die Welt ist schließlich keine Scheibe mehr.

      Auch der weithin kolportierte Unsinn, dass sich die besten Virologen des Landes nicht einig seien in vielen Dingen, die das Virus betreffen, hilft nicht. Sie sind sich eben doch vor allem einig darüber, dass das Coronavirus eine Bedrohung ist. Und von diesem Konsens aus diskutieren sie auf hohem Niveau und auf dem gibt es wie immer in der Wissenschaft auch einen Diskurs.
      Und an diesem Diskurs kann sich Thomas Berthold nicht beteiligen. Dafür reichen 20 Jahre Erfahrung als Hobby-Mikrobiologe nicht. Also, Maske auf!

      https://www.tagesspiegel.de/sport/ex-fussballer-auf-anti-corona-demo-maske-auf-thomas-berthold/26078670.html

      Auf dem Niveau des Tagesspiegel sollte man jedenfalls keine Diskussion führen. Selbst der Marburger Bund spricht Alltagsmasken den Nutzen ab:

      Und weil auch der SPIEGEL auf die Schiene von furchterregenden 1000 „Neuinfektionen“ pro Tag springt: selbst im ör Fernsehen darf der Mathematiker Gerd Antes auftreten und erklären, daß diese Zahlen praktisch eine Null bedeuten (und angesichts der Fehlalarm-Quote des nicht validierten Drosten-Tests tatsächlich zu vernachlässigen).

      Video: ARD extra: Die Corona-Lage
      06.08.20 | 21:34 Min. | Verfügbar bis 06.08.2021
      In Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg kehren die Schulen zum Regelbetrieb zurück. Wie greifen die dortigen Sicherheitsmaßnahmen? Dazu spricht Susanne Stichler mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher und dem Kinderarzt Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Außerdem erläutert Jens Spahn die verpflichtenden Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten.

      https://www.daserste.de/information/nachrichten-wetter/ard-extra/videosextern/ard-extra-die-corona-lage-304.html
      [Ab 20:38]

      Eine Waldorf-Schule in Jena hat übrigens erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Gera gegen die von der Stadt frühzeitig verhängte Maskenpflicht in Schulen geklagt. Danach muß ich noch suchen.

      Entwarnung auch für Großereignisse im Freien:

      „Superspreader-Events“
      Massenveranstaltungen haben Corona-Infektionen offenbar kaum beeinflusst
      2. August 2020

      Tausende auf einer Party am Berliner Landwehrkanal mitten in der Coronakrise. Zehntausende bei Anti-Rassismus-Protesten in Hamburg, München und anderen Städten. Solche möglichen oder tatsächlichen „Superspreader-Events“ haben für breite Diskussionen gesorgt und Ängste vor einem neuen Massenausbruch geschürt. Doch was ist – mit dem Abstand von ein bis zwei Monaten betrachtet – daraus geworden? Hörerinnen und Hörer haben danach gefragt. Wir haben uns bei den Behörden umgehört.

      „Sehen die Befürchtungen massenhafter Verbreitung nicht bestätigt“

      Am 16. Mai geriet Stuttgart in die Schlagzeilen, weil sich dort die größte Gruppe von Menschen versammelt hatte, um gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu demonstrieren. Im Nachhinein wurde auch darüber diskutiert, inwiefern solche Versammlungen verantwortungslos seien im Hinblick auf eine Verbreitung des Virus. Die Sprecherin der baden-württembergischen Landeshauptstadt, Jasmin Bühler, teilte nun auf Anfrage des Deutschlandfunks mit, wie sich das Demonstrationsgeschehen während der Corona-Krise bisher auf das Infektionsgeschehen ausgewirkt habe, lasse sich nicht mit Gewissheit sagen. Aber: Für die Stadt Stuttgart konnten die Behörden bislang keine ungewöhnliche Zunahme der offiziell gemeldeten Erkrankungsfälle feststellen, führte sie aus. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg bestätigte die Einschätzung. Es liegen keine Hinweise auf COVID-19-Erkrankungen oder Infektionsketten im Zusammenhang mit der Anti-Corona-Demo am 16. Mai 2020 in Stuttgart vor, heißt es.

      Ähnlich ist die Lage in Hamburg. Dort hatte man es am 6. Juni mit breiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt zu tun, ausgelöst durch den gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA. Die Sprecherin der Hamburger Sozialbehörde, Anja Segert, erklärte, angesichts der aktuellen Infektionszahlen in Hamburg mit überwiegend niedrigen einstelligen Neuinfektionen in den vergan-genen Tagen „sehen wir die Befürchtungen einer massenhaften Verbreitung gegenwärtig nicht an-hand dieses Ereignisses bestätigt“. Der für Gesundheit zuständigen Behörde in der Hansestadt lie-gen nach eigenen Angaben keine näheren Erkenntnisse darüber vor, in welcher Weise sich das Er-eignis auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens ausgewirkt hat. Hamburg zieht aus seinen Er-kenntnissen den Schluss, der verfassungsrechtlich gebotenen Versammlungsfreiheit so viel Raum wie möglich bieten zu wollen. Das heißt in dem Fall, dass seit dem 1. Juli eine aktualisierte Regelung in Kraft ist, die weitere Versammlungen zulässt, wie Segert erläutert, aber grundsätzlich und allgemein die Einhaltung des Abstandsgebotes und weitere Vorsichtsmaßnahmen fordert.

      Auch München hat keine anderen Erkenntnisse: „Die Meldezahlen zeigen keine überdurchschnittliche Zunahme an Corona-Fällen in München nach der Anti-Rassismus-Demo am 6. Juni“. Das bestätigte auch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Bei der Betrachtung der bayernweiten Zahlen insgesamt lasse sich zunächst ohne weiteres kein signifikanter Anstieg der Fallzahlen in der Folge des besagten Events beobachten.
      […]

      https://www.deutschlandfunk.de/superspreader-events-massenveranstaltungen-haben-corona.1939.de.html?drn:news_id=1157469

      Dasselbe gilt offensichtlich für den „unverantwortlichen“ Rave mit 3.000 Teilnehmern in der Hasenheide in Berlin vom 27.7.2020, und es wird mit Sicherheit für die allgemein medial und politisch gedisste Anti-Coroma-Maßnahmen-Demo vom 1.8.2020 gelten. Die Gefahr lauert nicht im Freien, sondern in schlecht gelüfteten Räumen. Das Problem sollte man in den Griff kriegen können, gern auch kombiniert mit UV-Bestrahlung in Eingangsbereichen, die die Viren abtötet.

      • Sowas liest man, wenn man Artikel über Gerichtsentscheidungen liest:

        Die Masken-Pflicht während des Unterrichts in Jenaer Schulen ist rechtswidrig. Stadt erkennt Entscheidung an.

        Jena. Das hat das Verwaltungsgericht Gera am Dienstagnachmittag entschieden und gab damit ei-nem Eilantrag der Waldorfschule Jena gegen die Allgemeinverfügung Jenas statt.

        „Alle Corona-Regeln müssen darauf ausgerichtet sein, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Eine solche Gefahr sei in Jena zurzeit nicht zu erkennen.“, argumentiert das Gericht.

        https://www.jenaer-nachrichten.de/stadtleben/13285-rechtswidrig-masken-pflicht-im-unterricht-in-jena

        Jenun, sagt man sich: das ist doch nirgendwo in Deutschland anders.
        Glücklicherweise veröffentlicht das Verwaltungsgericht Gera einige seiner Entscheidungen, und so findet man diesen Beschluß vom 5.5.2020, wie üblich im Eilverfahren mit summarischer Prüfung der Erfolgsaussichten:

        3 E 617/20 Ge
        Gesundheits-, Hygiene-, Lebens- und Arzneimittelrecht
        05.05.2020

        Leitsätze:
        1. Ministerielle Vorgaben auf Landesebene im Rahmen der Coronapandemie hindern eine zuständige Gesundheitsbehörde auf kommunaler Ebene grundsätzlich nicht, gegebenenfalls weitergehende Schutzmaßnahmen, wie das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Schulunterricht, anzuordnen. Dafür müssen jedoch lokale Besonderheiten, wie z. B. eine steigende Zahl von Neuinfektionen bestehen, die dort zum jetzigen Zeitpunkt verschärfte Anordnungen rechtfertigen.

        http://www.thovg.thueringen.de/webthfj/webthfj.nsf/$$webservice?openform&vggera&entscheidungen

        Und das war in Jena mit gerade einmal 6 Infektionsfällen nicht der Fall:
        http://www.thovg.thueringen.de/webthfj/webthfj.nsf/A34A920928E16E26C1258560003655BC/$File/20-3E-00617-B-A.pdf?OpenElement

        Aus dieser Entscheidung läßt sich also kein Honig saugen.
        In der nächsten Entscheidung ging es um die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in Geschäften in Jena:

        Verwaltungsgericht Gera, Beschluss vom 03.04.2020
        – 3 E 432/20 Ge –
        Corona-Pandemie: VG Gera weist Eilantrag gegen Maskenpflicht der Stadt Jena ab
        Maskenpflicht nicht offensichtlich rechtswidrig
        […]
        Die Maßnahme sei noch verhältnismäßig angesichts des Umstandes, dass nicht das Tragen eines zertifizierten Mund-Nasen-Schutzes verlangt wird, sondern auch selbstgefertigte Masken, Schals oder Tücher ausreichen. Das befristete Tragen des Mund-Nasen-Schutzes wiege nicht so schwer, wie die möglichen Gefahren, die noch immer von einer weiteren dynamischen Verbreitung des hoch ansteckenden Sars-CoV-2-Virus für das Gesundheitssystem und die Gesundheit der Bevölkerung ausgehen.

        Stadt muss Wirksamkeit der Maskenpflicht fortlaufend prüfen

        Allerdings hat das Verwaltungsgericht darauf hingewiesen, dass die Stadt Jena die Wirksamkeit und Geeignetheit einer Gesichtsmaske zur Eindämmung der Virusinfektion fortlaufend überprüfen müsse.

        https://www.kostenlose-urteile.de/VG-Gera_3-E-43220-Ge_Corona-Pandemie-VG-Gera-weist-Eilantrag-gegen-Maskenpflicht-der-Stadt-Jena-ab.news28607.htm

        Das ist die entscheidende Frage: inwiefern sind Alltagsmasken überhaupt geeignet, Infektionen zu verhindern? In der nächsten Entscheidung gibt es dazu folgende Ausführungen:

        3 E 545/20 Ge
        Gesundheits-, Hygiene-, Lebens- und Arzneimittelrecht
        16.04.2020

        Leitsätze:
        1. Die Einschätzung, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung eine geeignete Schutzmaßnahme zur Einschränkung der Weiterverbreitung des SARS-CoV-2-Virus ist, ist nicht zu beanstanden.
        2. Ob die Anordnung des Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung am Arbeitsplatz verhältnismäßig ist, ist offen geblieben. Im Rahmen einer Interessenabwägung im Einzelfall hat das öffentliche Interesse an der Vollziehung der Anordnung überwogen.

        http://www.thovg.thueringen.de/webthfj/webthfj.nsf/$$webservice?openform&vggera&entscheidungen

        Da findet man diese Begründung:

        Die Einschätzung der Antragsgegnerin, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung eine geeignete Schutzmaßnahme ist, um die Weiterverbreitung der Krankheit einzuschränken, ist nicht zu beanstanden. In einer aktuellen Empfehlung stellt die WHO zwar fest, dass der Einsatz von nicht zertifizierten Masken, die Mund und Nase bedecken, nicht ausreichend evaluiert sei und daher weder eine Empfehlung für noch gegen den Einsatz gegeben werden könne. Dagegen empfiehlt nunmehr jedoch das Robert Koch-Institut (RKI) im Rahmen einer Neubewertung ein generelles Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum als einen weiteren Baustein, um Risikogruppen zu schützen und den Infektionsdruck und damit die Ausbreitungsgeschwindigkeit von COVID-19 in der Bevölkerung zu reduzieren. Dabei betont es, dass der Einsatz von MNB die zentralen Schutzmaßnahmen, wie die (Selbst-) Isolation Erkrankter, die Einhaltung der physischen Distanz von mindestens 1,50 m, die Hustenregeln und die Händehygiene zum Schutz vor Ansteckung, nicht ersetzen kann. Diese zentralen Schutzmaßnahmen müssten weiterhin strikt eingehalten werden. Daneben könne jedoch durch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung eine teilweise Reduktion der unbemerkten Übertragung von infektiösen Tröpfchen auf Populationsebene zu einer weiteren Verlangsamung der Ausbreitung beitragen.

        http://www.thovg.thueringen.de/webthfj/webthfj.nsf/354444CCDE31E0F8C125855A0042D409/$File/20-3E-00545-B-A.pdf?OpenElement

        Das ist windelweich, und vor allen Dingen: es bezieht sich nur auf Tröpfchen.

        Das hier ist die aktuellste veröffentlichte Entscheidung (in Jena muß ein sehr von sich selbst eingenommener Profilierungs-Neurotiker sitzen):

        3 E 851/20 Ge
        Gesundheits-, Hygiene-, Lebens- und Arznei-mittelrecht
        25.06.2020
        Leitsätze:
        1. Die Einschätzung, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf Verkehrsflächen von Einkaufszentren eine geeignete Schutzmaßnahme zur Einschränkung der Weiterverbreitung des SARS-CoV-2-Virus ist, ist nicht zu beanstanden und erweist sich im Rahmen einer summarischen Prüfung nicht als unverhältnismäßig.

        http://www.thovg.thueringen.de/webthfj/webthfj.nsf/$$webservice?openform&vggera&entscheidungen

        Nicht nur dagegen hatte ein Arzt geklagt, sondern – erfolgreich – auch gegen diesen Jenaer Sonderweg:

        II. Ergänzende Regelungen und konkretisierende Hinweise zur Dritten Quarantäneverordnung vom 15.06.2020
        1.
        Ein-und Rückreisende aus dem gesamten Ausland bzw. deren Personenberechtigte sind dazu verpflichtet, sich unverzüglich telefonisch bei der Hotline ….. oder per Mail an … zu melden und die Umstände des Aufenthalts im Ausland (Datum, Ort, Kontakte, Personalien, Adresse) mitzuteilen.
        2.
        Personen nach II. Ziffer 1. mit Krankheitssymptomen sind verpflichtet, unverzüglich die Stadt ….. zu kontaktieren. Diese Pflicht besteht unabhängig davon, ob daneben eine Meldung beim Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erfolgt.

        […]
        Die Antragsgegnerin erkennt den Anspruch des Antragstellers bezüglich der Meldepflicht bei der Rückkehr nach Auslandsaufenthaltenaus Gebieten, die nicht als Risikogebiete nach §1 Abs. 4 der Dritten Thüringer Quarantäneverordnung eingestuft sind, an […]

        […]
        Am 19.Juni 2020 hat sich der Antragsteller um vorläufigen Rechtsschutz an das Verwaltungsgericht gewandt. Er fühle sich durch die Antragsgegnerin in gutsherrenartiger Weise bevormundet. Ein Zusatznutzen im Vergleich mit den geltenden Thüringer Regelungen durch die Allgemeinverfügung sei nicht erkennbar. Sie sei überflüssig. Als Arzt trage er nahezu den ganzen Tag einen Mund-Nasen-Schutz. Die Pflicht zum Tragen im Bereich der Verkehrsflächen von Einkaufszentren sowie den Gängen in den Einkaufszentren sei unzumutbar und mit dem aktuellen Infektionsgeschehen in der Stadt nicht mehr zu rechtfertigen. In den Geschäften mag das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung noch Sinn machen. Aber auf den Verkehrsflächen erfolge nur eine sehr kurze Begegnung, so dass das Risiko einer Übertragung sehr gering sei oder nicht bestehe. Auch die Corona-Warn-App veranschlage erst bei einem Kontakt von mehr als 15 min ein hohes Übertragungsrisiko.
        […]
        Aber selbst wenn die Erfolgsaussichten eines Rechtsbehelfs in der Hauptsache als offen zu bewerten sein sollte, ginge eine dann notwendige Interessenabwägung zu Lasten des Antragstellers aus. Bei der Folgenabwägung sind dabei die Auswirkungen auf alle von der angegriffenen Regelung Betroffenen zu berücksichtigen, nicht nur die Folgen für den Antragsteller. Würde der Aussetzungsantrag im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes abgelehnt, erwiese sich im Ergebnis des Hauptsacheverfahrens die angegriffene Regelung in der Allgemeinverfügung aber als rechtswidrig, wäre zwar der Antragsteller – vorübergehend – in seinen Grundrechten beeinträchtigt. Der mit dem Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verbundene Eingriff stellt sich im Vergleich mit anderen Maßnahmen zur Abwendung einer Pandemie wie dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens nicht als derart schwerwiegend dar, zumal mit ihm keine dauerhafte und grundlegende Infragestellung des verfassungsrechtlich gebotenen Schutzes verbunden ist.

        http://www.thovg.thueringen.de/webthfj/webthfj.nsf/C1991DAD41D25581C1258596003FF122/$File/20-3E-00851-B-A.pdf?OpenElement

        Das halte ich für eine Fehlentscheidung: ein Lockdown ist immer die schlimmste Variante. Zur Geeignetheit fand ich nichts Weiterführendes. Allerdings hat sich die wissenschaftliche Einschätzung des Übertragungswegs mittlerweile geändert:

        Ein Plan für den Herbst
        Die Treiber der Epidemie aufspüren, die Quarantäne verkürzen, die Tests genauer auswerten – mit dieser Strategie können wir in einer zweiten Welle verhindern, dass es zu einem erneuten Lockdown kommt.
        Ein Gastbeitrag von Christian Drosten
        5. August 2020 DIE ZEIT Nr. 33/2020, 6. August 2020

        […]
        Jetzt aber laufen wir Gefahr, unseren Erfolg zu verspielen. Das hat vor allem einen Grund: Wir lernen sehr viel Neues über das Virus, setzen dies aber nur zögerlich um. Wir müssen uns ein paar Fragen stellen: Welche Konsequenzen ziehen wir aus der Erkenntnis, dass sich das Virus vor allem über die Luft überträgt – also nicht nur über die klassische Tröpfcheninfektion, sondern auch über Aerosole? Was bedeutet das im Herbst und Winter für öffentliche Gebäude, für Kitas und Schulen, für Ämter und Behörden, für Krankenhäuser und Pflegeheime?
        […]

        https://www.zeit.de/2020/33/corona-zweite-welle-eindaemmung-massnahmen-christian-drosten/komplettansicht

        Und da nutzen Alltagsmasken überhaupt nichts. Lauterbach weiß das auch:

        Nur Drosten nicht, der so fortfährt:

        Wann werden wir konsequent unsere Maske tragen, und zwar auch auf der Nase, nicht nur darunter?

        Irgendwann muß dieser Punkt in einem Hauptsache-Verfahren eingehend untersucht werden. Der Verweis aufs RKI reicht nicht aus.

      • Gestern Nacht hatte ich ein längeres Posting zu Corona geschrieben, und als ich fast fertig war, stürzte es ab, grrr. Mit dabei war Ihr Artikel:

        Denn es wäre einiges zu dem Drosten-Artikel in der ZEIT zu sagen – denn unter dem Tweet mit dem Artikel gab es nicht nur Lobhudeleien:

        Und wie will man überhaupt den Superspreader entdecken: gerade er könnte doch asymptomatisch sein?!

        Nun hat Drosten sich getraut, das Wort „Restrisiko“ in den Mund zu nehmen, das man vernachlässigen müsse. Da dreht so manch ein vom Mediengetöse beeinflußter Fan durch:

        Und diese Grundsatzkritik ist sehr erforderlich:

        Nicht nur, daß Drostens PCR-Test unzuverlässig ist: nun soll er sogar noch mehr können als bislang verlautbart; und die „Cluster-Mitglieder“ sollen ganz ohne Test der Freiheit beraubt werden, was als 5-tägige „Abklingzeit“ verniedlicht wird. Dafür winkt in der Tombola dieser Hauptgewinn:

        Zusätzlich brauchen wir eine weitere entscheidende Änderung unserer Strategie: eine Testung auf Infektiosität statt auf Infektion. Die Information dafür liefern die gängigen PCR-Tests schon in Form der Viruslast. Eine niedrige Viruslast bedeutet, dass ein Patient nicht mehr ansteckend ist. Würden wir uns zutrauen, aus den inzwischen vorliegenden wissenschaftlichen Daten eine Toleranz-schwelle der Viruslast abzuleiten, könnten Amtsärzte diejenigen sofort aus der Abklingzeit entlassen, deren Viruslast bereits unter die Schwelle gesunken ist. Es würden wohl die allermeisten sein.

        Selbst eine Beendigung der Abklingzeit ohne Test wäre in Krisenzeiten denkbar, denn die Clusterstrategie arbeitet ohnehin mit Restrisiken. Alle Beteiligten müssen akzeptieren, dass man in Krisenzeiten nicht jede Infektion verhindern kann. Die wenigsten Amtsärzte würden aber die Verantwortung allein tragen wollen. Im Zweifelsfall müssen ihre Entscheidungen nämlich gerichtsfest sein. Deswegen kann ein Amtsarzt oft gar nicht anders, als an externen Vorgaben festzuhalten, etwa an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Diese zielen auf eine korrekte und vollständige Fallverfolgung. Wenn in der zweiten Welle die Gesundheitsämter hierdurch überfordert sind, droht aber ein Lockdown.
        […]
        Die bestehenden Empfehlungen des RKI sind präzise und richtig, aber die Ämter bräuchten einen zusätzlichen Krisenmodus. Dazu gehört eine vereinfachte Überwachung der Einzelkontakte, eine Festlegung von Clustersituationen, die sofort und pauschal quarantänepflichtig sind, sowie eine kurze Cluster-Abklingzeit mit Zulassen einer Restviruslast. Hierüber muss Einigkeit herrschen.

        https://www.zeit.de/2020/33/corona-zweite-welle-eindaemmung-massnahmen-christian-drosten/komplettansicht

        Und: die Menschen sollten Corona-Kontakt-Tagebücher führen.

        Ein lesenswerter Artikel von zwei Fachleuten:

        Bis heute sind im Wesentlichen nur zwei Fachrichtungen, Virologen und mathematische Modellierer, in den Medien und von der Politik gehört worden. Die anfänglichen Modellrechnungen insbesondere der Wissenschaftler des Imperial College in London waren maßgeblich für die politischen Entscheidungen zum Lockdown verantwortlich. Sie ergaben, dass es weltweit 40 Millionen Covid-19-Tote geben würde; für Deutschland wurden 1,1 Millionen Intensivpatienten prognostiziert.

        Corona so tödlich wie eine normale Grippe?

        Viele nun vorliegende Studien zeigen aber, dass die Infection Fatality Rate (IFR), der Anteil der Todesfälle an allen Corona-Infektionen, in einem Bereich von 0,1 bis 0,3 Prozent liegt, also dem einer normalen Grippe. In diesen Studien wurden repräsentative Zufallsstichproben von Bevölkerungsgruppen untersucht und die Infizierten durch serologische Antikörpertests identifiziert. Dabei stellte sich heraus, dass die Zahl der mit Sars-CoV-2 Infizierten viel größer ist als die der positiv getesteten Menschen mit Symptomen. Wenn die Covid-19-Todesfälle auf diesen größeren Nenner bezogen werden, errechnen sich deutlich geringere IFR-Zahlen als vom Robert-Koch-Institut (RKI) und der WHO angegeben. Mittlerweile haben wir verlässlichere Daten darüber, dass die Corona-pandemie nicht so gefährlich ist wie ursprünglich angenommen.

        Die von der Politik als Entscheidungsgrundlage übernommenen Hochrechnungen gingen von der Grundannahme einiger Virologen aus, dass das Virus vollkommen neu sei und sich jeder, ungeachtet anderer Faktoren, infizieren könne, dass es also weltweit keine Immunität gegen das neue Virus gebe. Dem ist aber nicht so. Das Immunsystem vieler Menschen ist offenbar durch frühere Kontakte mit Viren aus der Coronagruppe mit deren und ähnlichen Antigenen vertraut – so bei der saisonalen Grippe, die ja durch einen Virencocktail, dem häufig auch Coronaviren angehören, hervorgerufen wird –, weshalb viele Menschen offenbar eine Immunität oder Teilimmunität gegen Sars-CoV-2 aufweisen. Eine Teilimmunität gegen Sars-CoV-2 erklärt auch die langen Inkubationszeiten – und warum sich nur vergleichsweise wenige Menschen infizieren, viele nicht sehr schwer erkranken oder ganz symptomlos bleiben.
        […]
        Für die Einschätzung einer Pandemie ist es grundsätzlich wichtig, genügend große repräsentative Zufallsstichproben der gesamten Bevölkerung mit validierten serologischen Antikörpertests in regelmäßigen zeitlichen Abständen zu untersuchen, um die Dynamik des viralen Geschehens und den Immunstatus der Bevölkerung richtig beurteilen zu können.
        […]
        Die vom RKI Anfang Mai angekündigte repräsentative Zufallsstichprobenuntersuchung der deutschen Bevölkerung steht bis heute aus.

        https://taz.de/Streit-um-Corona-Politik/!5701892/

        Was Homburg zu Drosten sagen würde, war eh klar:

        Lauterbach war auch nicht untätig: die Zwangstest von Rückkehrern aus Risikogebieten sei undurchführbar mangels ausreichenden Testmaterials.

        Dabei ist die Lage mehr als ernst:

        Und hier versucht er, seine düsteren Prophezeiungen von ehedem, die sich nicht erfüllt hatten, durch neue zu ersetzen:

        Der Kaiser ist nackt.

  2. @ Mark Smith:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-265/#comment-89614

    Ioannidis:

    I was unable to publish my essay about nosocomial spread of COVID-19 in nursing homes and hospitals. I submitted to many outlets. I suspect the editors feared social media backlash against my raising an uncomfortable issue. Fear isn’t healthy for science.»

    https://thehealthcareblog.com/blog/2020/07/09/a-conversation-with-john-ioannidis/

    Und auch nicht für die Gesellschaft, den Rechtsstaat, die Politik und die Medien. Wobei der Trend allerdings seit Jahren genauso läuft, seitdem sogar Wissenschaftler einem Teenager hinterherlaufen, der „I want you to panic!“ ruft. Im Rahmen der cancel culture kommt jetzt noch die Angst hinzu, wegen eines falschen Sprachgebrauchs oder eines Gedankens außerhalb des Mainstream die berufliche Existenz zu verlieren. Der von Dir zitierte Prof. Michael Meyen hat zwar noch seinen Job, aber den Blog mußte er aufgeben.

    Kleiner Nachtrag zum Thema Feminismus:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-265/#comment-89610

    Eine FDP-Mitgliedin schreibt über Rechtsstaat und Erbsünde:

    Thüringer Verfassungsgerichtshof
    Paritätsregelung für Wahllisten in Thüringen ist verfassungswidrig
    Parteien müssen nicht abwechselnd Männer und Frauen aufstellen: Die AfD hat erfolgreich gegen paritätische Wahllisten vor dem Thüringer Verfassungsgerichtshof geklagt.
    15. Juli 2020, 10:14 Uhr
    Der Thüringer Verfassungsgerichtshof hat das Landesgesetz zur paritätischen Besetzung von Männern und Frauen auf den Wahllisten der Parteien für nichtig erklärt. Das Gericht gab damit einer Klage der AfD statt. Es ist bundesweit die erste Entscheidung zu einem zur Erhöhung der Frauenanteile in den Parlamenten gedachten Paritätsgesetz.
    Die Freiheit der Wahl verlange, dass Wahlen nicht durch Zwang und Druck des Staates durchgeführt würden, sagte der Präsident des Verfassungsgerichtshofes, Stefan Kaufmann, zur Begründung. Die Wählerinnen und Wähler könnten so nicht mehr frei entscheiden, ob sie etwa mehr Frauen oder mehr Männer ins Parlament schicken wollen.
    […]

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-07/paritaetsregelung-fuer-wahllisten-in-thueringen-ist-verfassungswidrig

    Letzteres hat der Wähler nicht zu wollen. 😉

    Gesetz tritt Dienstag in Kraft
    Verfassungsgericht verhandelt im August über Brandenburger Paritätsgesetz
    29.06.20 | 19:13
    Das Verfassungsgericht Brandenburg verhandelt am 20. August mündlich über das Paritätsgesetz. Das teilte das Gericht am Montag mit.
    Brandenburg hatte im Januar 2019 das bundesweit erste Paritätsgesetz auf den Weg gebracht. An diesem Dienstag tritt es in Kraft, wirkt sich aber erst bei der Landtagswahl 2024 aus.

    Gleich viele Männer und Frauen auf Wahllisten

    Das Gesetz verpflichtet Parteien dazu, gleich viele Männer und Frauen auf ihre Wahllisten zu setzen und sie in abwechselnder Reihenfolge aufzuführen. Eine Regelung für Direktkandidaten ist damit nicht verbunden.
    Die Piratenpartei, die NPD und die AfD hatten ein Organstreitverfahren gegen das Gesetz angestrengt. Zudem hatte eine Privatperson Verfassungsbeschwerde eingereicht.
    […]

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2020/06/paritaetsgesetz-brandenburg-landesverfassungsgericht-august.html

    Von der Peinlichkeit, daß sich die AfD als Rechtsstaatspartei profiliert, hat uns in Brandenburg immerhin der FDP-Nachwuchs befreit:

    Auch die Jungen Liberalen Brandenburg meldeten sich in einer Pressemitteilung zu Wort. Matti Karstedt teilte schriftlich mit: „Am thüringischen Maßstab wird sich nun auch das brandenburgische Gesetz messen lassen müssen. Angesichts des heutigen Urteils sind wir zuversichtlich, dass unsere Klage dagegen Erfolg haben wird. Eine Quotierung von Wahllisten, die das freie Wahlvorschlagsrecht aushebelt, bleibt verfassungsrechtlich wie politisch der falsche Weg. Statt verordneter Ergebnisgleichheit müssen wir echte Chancengerechtigkeit schaffen.“

    Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Brandenburger Landtag, Sahra Damus, teilte mit: „Klar ist: Das Thüringer Urteil ist nicht auf Brandenburg übertragbar. Die Verfassungen, die die beiden Länder sich gaben, unterscheiden sich voneinander, insbesondere auch hinsichtlich des Passus zur Gleichstellung. Insofern warten wir gespannt auf das Urteil zum Brandenburger Paritätsgesetz im August.“ Wirkliche Gleichberechtigung setze voraus, dass Frauen auch gleichbeteiligt an politischen Entscheidungen und an der Gesetzgebung mitwirken könnten, so Damus. „Deswegen machen wir uns für Parität stark.“

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2020/07/paritaet-urteil-thueringen-brandenburg-verfassungsgerichtshof.html

    Selbst wenn in der Partei keine Parität herrscht.

    Zurück zu Meinhardt und seiner Trennung von der Süddeutschen.

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-265/#comment-89613

    Beim Ex-DDR-Bürger David Ensikat findet Meinhardt Verständnis:

    04.08.2020, 16:29 Uhr
    Presse- und Meinungsfreiheit
    Alles wie im Osten?
    In einem Erfahrungsbericht sagt Birk Meinhardt der „Süddeutschen Zeitung“ auf Nimmerwiedersehen. Ihr Umgang mit Texten erinnert ihn an die DDR.
    David Ensikat

    Es gibt einen Meinungskorridor im Land, heißt es, auf dem soll man hübsch bleiben, sonst wird es ungemütlich. Abweichendes wird ausgesondert, kleingeredet, beiseitegeschoben. Die Medien sind auf Linie, es ist eigentlich wie damals in der Zone …

    Man kennt die Haltung, man kennt die eigenen Reflexe: Jetzt hör mal, da gibt es schon noch ein paar Unterschiede. Wo wird denn eine Meinung unterdrückt? Kann nicht jeder sagen, was er meint, von ein paar Nazi-Ekeleien abgesehen? Selbst innerhalb einer Zeitung, eines Senders gibt es die unterschiedlichsten Stimmen. Und so weiter und so fort.

    Jetzt hat sich einer hingesetzt, ein kluger und hervorragender Autor, der bei der „Süddeutschen Zeitung“ war, bei der vielleicht besten Zeitung des Landes, und er hat aufgeschrieben, warum er dort nicht mehr sein will. Es läuft auf das heraus, was oben steht, ganz oben, im ersten Absatz.
    […]
    Anhand der Erlebnisse mit drei Texten, die nicht in der Zeitung erschienen, aber im Buch abgedruckt sind, beschreibt Birk Meinhardt detailliert, wie sich seine Wahrnehmung der journalistischen Freiheit gewandelt hat. Der erste aus dem Jahr 2004 behandelte die Deutsche Bank, den teuren und hochriskanten Ausbau des Investmentsektors und den Abbau des Kreditgeschäfts, durch den kleine Firmen in den Ruin getrieben werden. Seit der Krise 2008 weiß man, dass die Vorgänge in der Bank noch weit skandalöser waren und wurden.
    2004 aber geschah es, dass sich der Chef des Wirtschaftsteils gegen den Text aussprach, welcher so, in seiner ersten Form, nicht erscheinen durfte. Im zweiten Text, 2010, ging es um Fehlurteile in der juristischen Aufarbeitung fremdenfeindlicher Übergriffe, darum, wie eine wohlmeinende politische Haltung dazu führen kann, voreilige und falsche Schlüsse zu ziehen.

    Argumente für die Gegenseite?

    Ein gründlich recherchiertes Stück, welches so nicht erscheinen durfte, unter anderem weil es der Gegenseite, den rechten Gewalttätern und Provokateuren, Argumente liefern würde: Die eigentlichen Opfer seien sie.
    […]
    Was hat er also, dieser merkwürdige Ostler mit seiner erstaunlichen Empfindlichkeit? Er beschreibt es in dem kleinen Buch – und das ist der erste Grund, weshalb es empfohlen werden muss (der noch wichtigere kommt später). Birk Meinhardt war einer von den hochtalentierten und schwierigen Autoren, mit denen die Arbeit an Texten immer aufwendiger wurde, so kann man erfahren
    Das dürfte auch daran liegen, dass er einer war, der mehr als andere seine Worte auf die Goldwaage legte. So etwas hält auf im Alltagsgeschäft – und es lohnt sich; man lese nur die Meinhardt-Reportagen.

    Wichtiger noch: Birk Meinhardts DDR-Erfahrung. Er hatte in einem System gesteckt, in dem sich alle irgendwie schuldig machten, in dem sie gehorchten, sich weggeduckten, Sprachregelungen einhielten und weiterreichten. Das „Nie wieder“, das er daraus mitnahm, kannten die Kollegen aus dem Westen nicht. Was hat er nur?, mögen sie gedacht haben, wenn er mal wieder störrisch war. Und wenn jemand ihm sagte, ein Text liefere dem politischen Gegner Munition, dann ahnte er gar nicht, welche Saite er bei Meinhardt zum Schwingen brachte.
    Es war exakt dieses Argument, mit dem im Osten so viele Kritiker mundtot gemacht worden waren. Mit wie viel Verständnis kann man rechnen, wenn man einem altgedienten Redakteur in München darlegt, er argumentiere wie ein Ostbonze?

    Widerwillen gegen uniforme Meinungen

    Das Bild, das Meinhardt von seiner alten Zeitung entwirft, erscheint einseitig und ungerecht. Jenseits der Erfahrung mit seinen eigenen Texten beschreibt er die Berichterstattung etwa über Russland, die transatlantischen Beziehungen, die Flüchtlingskrise als uniform und ganz und gar glattgebügelt.

    Seine Kollegen von damals verweisen nun auf Texte, die „der Blattlinie“ entgegenstehen. Natürlich gibt es sie – aber wer wollte sie gewichten? Dass es leichter fällt, so zu meinen und zu formulieren, wie es in der Redaktion üblich ist, liegt ja auf der Hand. Dass, wer dagegen anschreibt, es sich schwer macht, versteht sich auch von selbst.

    In der „Süddeutschen Zeitung“ finden sich wie in jeder anderen Zeitung deutlich mehr bequeme, mit dem Strom schwimmende Texte als gut durchdachte, die gegen den Mainstream argumentieren. Das ist weit weniger skandalös, als es zunächst klingen mag. Es ist – auf kritikwürdige Weise – normal. Und eben hier liegt die wichtigste Botschaft von Meinhardts Buch, das an diversen Stellen aufbrausend und unfair sein mag.

    Wir, die Wohlmeinenden, Liberalen, machen es uns zu oft zu leicht. Wir agieren ängstlich, schwimmen in unserem Strom, wollen unter unsereins nicht anecken. Wir sind die gleichen Menschen wie jene damals in der DDR, kein bisschen besser. Nur die Umstände, unter denen wir agieren, die sind noch immer sehr viel besser.
    […]

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/presse-und-meinungsfreiheit-alles-wie-im-osten/26065104.html

    Eine sehr schöne Einsicht.

    • Die SZ konnte sich glücklich schätzen, daß sich in Stefan Niggemeier ein Verteidiger fand. Was Maaßen gut findet, muß Teufelszeug sein:

      Es kostet etwas Überredungskraft, die „Süddeutsche Zeitung“ dazu zu bringen, sich öffentlich zu dem Buch zu äußern. Schließlich lässt sich Chefredakteur Wolfgang Krach mit den Worten zitieren:
      „Die Anschuldigungen, die in dem Buch erhoben werden, sind irreführend und nicht zutreffend.
      […]
      Dass Autoren Geschichten zur Überarbeitung zurückerhalten, wie das Herrn Meinhardt immer wieder passiert ist, gehört bei der SZ zum redaktionellen Alltag. Dies hat journalistische Gründe, sie haben nichts mit der Haltung des Autors oder dem Tenor des jeweiligen Textes zu tun.“

      Hat er Recht? Ist das die ganze Geschichte? Ist das überzeugend für Leute, die die „Süddeutsche Zeitung“ lesen? Ist es überzeugend für diejenigen, die mit großer Skepsis die etablierten Medien verfolgen oder die sich von ihnen abgewandt haben? Ist es überzeugend für Leute wie den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten, die auf das Buch verweisen?

      […]

      https://uebermedien.de/51341/haltung-statt-wirklichkeit-ein-ehemaliger-redakteur-bricht-mit-der-sz/

      Stefan Niggemeier
      Vom Seite-Drei-Reporter zum Kritiker
      Haltung statt Wirklichkeit? Ein ehemaliger Redakteur bricht mit der SZ
      21. Juli 2020
      […]
      Die Erzählung sagt: Es ist wieder soweit. Man muss wieder aufpassen, was man sagt, weil man sonst zum Verstummen gebracht wird, nicht mit den Mitteln einer Diktatur, aber genauso effektiv. Und die Medien spielen dabei eine große, eine gefährliche Rolle.
      Meinhardt erzählt das vor dem Hintergrund seiner DDR-Biographie; in den USA wird es auch mit Vergleichen zur McCarthy-Ära erzählt.

      Drei Mal wird es dem Leser eingetrichtert: alles nur ein Narrativ!

      Genau genommen hat Meinhardt weniger ein Buch über die SZ geschrieben, als eines über sich selbst und seine Erfahrungen mit der SZ. Es ist kein im engeren Sinne journalistisches Buch: Er hat nicht recherchiert und mit anderen Leuten über ihre Erfahrungen mit oder bei der SZ gesprochen; er hat auch niemanden bei der SZ mit seinen Vorwürfen konfrontiert. Es ist ein rein biographisches Buch, wie vermutlich der Untertitel „ein Jahrebuch“ deutlich machen soll.
      Dadurch beruhen die weitreichenden Schlussfolgerungen über die SZ, zu denen das Buch einlädt, auf sehr wenigen einzelnen persönlichen Erlebnissen, die subjektiv geschildert werden. Das macht es nicht weniger wirkungsvoll. Aber problematisch.

      Meint: Meinhardt ist nun mal Schriftsteller, der journalistisch unsauber arbeitet. Im Gegensatz zu ihm, Nigggemeier.

      Der erste Fall, mit dem sich das Stück beschäftigt, ist der des Nazi-Skinheads G. aus Brandenburg, der mit zwei Kameraden immer wieder rechtsextreme Straftaten beging. Das Trio war im Ort für seine Aggressionen bekannt. Nach einem Brandanschlag auf einen Döner-Imbiss 2004, bei dem ein Mann verletzt wurde, wurden alle drei zu acht Jahren Haft verurteilt. Eine Zeitungszustellerin sagte aus, sie habe drei Verdächtige gesehen; der Aussage der Mutter, ihr Sohn habe an jenem Abend das Haus nicht verlassen, wurde nicht geglaubt.

      […]
      Meinhardt erwähnt nur, dass die zwei tatsächlichen Täter das taten, „schöne Kumpels waren das, vor Gericht hatten sie geschwiegen, um ihre Haut zu retten“, schrieb er in seiner Reportage. Er schrieb nicht, dass auch G., der Unschuldige, keine Aussage machte – um seine Kameraden zu schützen. Gemeinsam spekulierten sie darauf, dass die Indizien bei allen dreien nicht für eine Verurteilung reichen würden.
      Der Richter, der G. im Wiederaufnahmeprozess schließlich freisprach, sagte zu ihm: „Sie haben Ihre Verurteilung durch ihr Schweigen mitverursacht.“
      Das verkompliziert natürlich die scheinbar einfache Geschichte vom Neonazi, der zu Unrecht verurteilt wird, weil ein Richter im Zweifel gegen Neonazis entscheidet. Nun könnte man sagen, dass auch eine lange Seite-Drei-Geschichte nicht jedes Detail erzählen kann. Aber wäre dieses Detail nicht wichtig?

      Der Richter hat natürlich unrecht: wenn man der Mutter das Alibi nicht abkauft, dann selbstverständlich auch ihrem Sohn nicht. Ganz abgesehen davon, daß das Schweigen eines Angeklagten nicht gegen ihn ausgelegt werden darf.

      Birk Meinhardt sieht darin, dass andere seinen Artikel verändern wollten und sollten, nicht nur einen politischen Eingriff, der ihn an die Zensur in der DDR erinnerte. Er hat auch ein grundsätzliches Problem damit, dass nicht jedes Wort so gedruckt werden sollte, wie er es geschrieben hatte.
      So schildern es ehemalige Kollegen, so deutet er es auch selbst in seinem Buch an. Meinhardt hatte schon länger Schriftsteller werden wollen; der Streit um diesen Seite-Drei-Text forcierte den Berufs-Wechsel.
      […]
      Mit den „Urkunden“ meint Meinhardt die Kisch-Preise, die er gewonnen hatte, gleich zwei in drei Jahren. Was er als „Glück“ beschreibt, erlebten andere als Problem, denn nach diesen Preisen sei die Zusammenarbeit mit ihm schwieriger geworden: Meinhardt habe nur noch wenige Artikel geschrieben und sich in seiner Selbsteinschätzung als Schriftsteller bestärkt gesehen. Er habe angefangen, sein Denkmal zu pflegen, sagt ein ehemaliger Kollege, und redaktionelle Abläufe zu ignorieren. Er habe einen Seite-Drei-Artikel verfasst, der doppelt so lang war, wie auf eine Seite Drei passte. Der solle dann eben in zwei Teilen veröffentlicht werden.
      Man kann größere Teile von Meinhardts Buch als langen, enttäuschten Bericht eines Journalisten lesen, der eigentlich immer schon lieber und besser Schriftsteller geworden wäre.

      Augen auf bei der Berufswahl! Und bitte keine Erfolge erzielen, die bei den lieben Kollegen Neid erregen.

      Einen großen Teil der Fakten, die Meinhardt 2010 erzählen wollte, kannten SZ-Leser längst; auch ihre Einordnung war nicht neu. Wie plausibel ist dann seine Behauptung, sein Text habe ein „Tabu“ gebrochen und sei deshalb verhindert worden?
      Neu war allerdings, wie pointiert Meinhardt Jauch und Heye ins Visier nahm. Er schrieb, auf sie gemünzt:
      „(…) das ist vielleicht das finsterste an der ganzen Geschichte: Wie Differenzierung noch heute abqualifiziert wird als Verharmlosung; wie die Selbstgerechten von einst an ihrer Kampflinie festhalten (…).
      Man kann mit ihnen stundenlang in schöner Atmosphäre Kaffee trinken und angeregt darüber reden, was nicht läuft bei Gott und in der Welt, aber wenn man die Frage aufwirft, wie eine im Grunde prächtige Haltung durch Übertreibung sich zuweilen selbst diskreditiert, und ob sie, Heye und Jauch, vielleicht Anteil daran gehabt hätten, erheblichen sogar, wollen sie einem nun gar nicht folgen.“

      War das zuviel Kritik an den „Guten“? Oder war das Problem, wie sich Meinhardt aus der Chefredaktion angeblich anhören musste, dass das Stück von den Rechten als Beweis dafür genommen werden könnte, dass sie ungerechtfertigterweise verfolgt würden?

      Eine Ablehnung des Textes aus dem erstgenannten Grund wäre natürlich voll o.k. gewesen. 😉

      Er nimmt den russischen Präsidenten Putin in Schutz:
      „Mein altes Blatt kommt, was Rußland betrifft, seit Jahren ohne Differenzierungen aus. Es ist zum Platz der Einseitigkeit geworden, zur Grube, in die alle Zusammenhänge und Hintergründe fallen, die Verständnis fürs russische Handeln wecken oder befördern könnten, nur ein Beispiel, ein kleines nur: Der russische Präsident, wie er als Alleinherrscher tituliert wird und als Zar, wie es immer heißt, sein Reich, als gäb’s in der deutschen Politik keine Richtlinienkompetenz, als wär’s nicht die Kanzlerin gewesen, die 2015 wie eine Zarin gehandelt hat (…).“
      Die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin und der über Leichen gehende Autoritarismus von Wladimir Putin, nur Nuancen derselben Machtausübung. Ist das wirklich die Perspektive, die den deutschen Medien fehlt, das Stück der Realität, das sie ausblenden?

      Da Niggemeier offensichtlich ein SZ-affiner Putin-Basher ist, übersieht er Meinhardts Hauptanklagepunkt (gefettet). Schließlich werden einige Artikel herausgekramt, in denen auch mal negativ über Flüchtlinge berichtet wurde.

      Welche Menge an Beispielen müsste es geben, damit Vorwurf entkräftet wäre, dass die SZ die Realität frisiert? Wie müsste das Verhältnis von Guten-Flüchtlings- zu Böse-Flüchtlings-Geschichten sein, und ist es nicht schon ein Problem, die gegeneinander aufzurechnen?

      Andererseits braucht Birk Meinhardt auch nur sehr wenige persönliche Geschichten, um ein zumindest scheinbar überzeugendes Bild vom Alltag einer Haltungsredaktion zu zeichnen, in der unbequeme Dinge nicht geschrieben werden dürfen. Sein Buch plädiert dafür, die Wirklichkeit in all ihrer Farben zu zeigen, und reduziert sie selbst auf ein sehr monochromes Bild.

      Danach folgen dann die letzten Zeilen, in denen er großzügig konzediert, daß Meinhardt immerhin ein real existierendes Problem aufgezeigt habe. Und, man hätte es ebenfalls nicht gedacht, wagt ein wenig Kritik an der SZ, die er doch so entschlossen verteidigt hat:

      Es ist ein problematischer Beitrag zu einer wichtigen Debatte. Der müsste sich die SZ viel entschlossener stellen, auch und gerade in eigener Sache. Schon um nicht eine Diskussion darüber, ob man knifflige Diskussionen totschweigt, totzuschweigen.
      […]

      https://uebermedien.de/51341/haltung-statt-wirklichkeit-ein-ehemaliger-redakteur-bricht-mit-der-sz/

      Da ist ihm gerade noch rechtzeitig eingefallen, daß er von Beruf ja Medienkritiker ist und kein Kritiker von Medienkritikern.

      Das Beste an dem Artikel ist der Link zu dem beim New York Magazine und Vox ausgeschiedenen Andrew Sullivan aus der „McCarthy“-Erzählung:

      Andrew Sullivan hat das „New York“-Magazin verlassen, weil er das Gefühl habe, dass sein Konservatismus für viele Kolleginnen und Kollegen eine kaum noch zu tolerierende Peinlichkeit darstelle.

      Was für eine Niggemeier’sche Zusammenfassung!

      interesting times July 17, 2020

      See You Next Friday
      A Farewell Letter
      By Andrew Sullivan
      […]
      What has happened, I think, is relatively simple: A critical mass of the staff and management at New York Magazine and Vox Media no longer want to associate with me, and, in a time of ever tightening budgets, I’m a luxury item they don’t want to afford. And that’s entirely their prerogative. They seem to believe, and this is increasingly the orthodoxy in mainstream media, that any writer not actively committed to critical theory in questions of race, gender, sexual orientation, and gender identity is actively, physically harming co-workers merely by existing in the same virtual space. Actually attacking, and even mocking, critical theory’s ideas and methods, as I have done continually in this space, is therefore out of sync with the values of Vox Media. That, to the best of my understanding, is why I’m out of here.

      Two years ago, I wrote that we all live on campus now. That is an understatement. In academia, a tiny fraction of professors and administrators have not yet bent the knee to the woke program — and those few left are being purged. The latest study of Harvard University faculty, for example, finds that only 1.46 percent call themselves conservative. But that’s probably higher than the proportion of journalists who call themselves conservative at the New York Times or CNN or New York Magazine. And maybe it’s worth pointing out that “conservative” in my case means that I have passionately opposed Donald J. Trump and pioneered marriage equality, that I support legalized drugs, criminal-justice reform, more redistribution of wealth, aggressive action against climate change, police reform, a realist foreign policy, and laws to protect transgender people from discrimination. I was one of the first journalists in established media to come out. I was a major and early supporter of Barack Obama. I intend to vote for Biden in November.

      It seems to me that if this conservatism is so foul that many of my peers are embarrassed to be working at the same magazine, then I have no idea what version of conservatism could ever be tolerated. And that’s fine. We have freedom of association in this country, and if the mainstream media want to cut ties with even moderate anti-Trump conservatives, because they won’t bend the knee to critical theory’s version of reality, that’s their prerogative. It may even win them more readers, at least temporarily. But this is less of a systemic problem than in the past, because the web has massively eroded the power of gatekeepers to suppress and control speech. I was among the first to recognize this potential for individual freedom of speech, and helped pioneer individual online media, specifically blogging, 20 years ago.

      And this is where I’m now headed.
      […]
      And that’s my larger hope and ambition. If the mainstream media will not host a diversity of opinion, or puts the “moral clarity” of some self-appointed saints before the goal of objectivity in reporting, if it treats writers as mere avatars for their race and gender or gender identity, rather than as unique individuals whose identity is largely irrelevant, then the nonmainstream needs to pick up the slack. What I hope to do at the Weekly Dish is to champion those younger writers who are increasingly shut out of the Establishment, to promote their blogs, articles, and podcasts, to link to them, and encourage them. I want to show them that they have a future in the American discourse.
      […]

      https://nymag.com/intelligencer/2020/07/andrew-sullivan-see-you-next-friday.html

      Da kann man ihm nur viel Erfolg wünschen!

      • Mal sehen, was es mit dem „Widerwillen gegen uniforme Meinungen“ (Ensikat) in der deutschen Presse auf sich hat.

        Die freien Köpfe beim SPIEGEL, Jakob Augstein und Jan Fleischhauer, gibt es dort schon lange nicht mehr. In der ZEIT scheint man die Kolumne „Vertwittert“ abgeschafft zu haben, in der sich abwechselnd die anti-rechts ör-Kriegerin Anja Reschke und der Selberdenker Ulf Poschardt jeweils einen Tweet vorknöpfen durften.
        Poschardt liest nicht nur WaPo und NYT, die Parteiorgane der Democrats, sondern auch den hochintellektuellen konservativen Federalist:

        Die ironische Spalte „Liebe“ von Peter Dausend gibt’s nicht mehr, dafür darf jetzt ein Politiker den nächsten „lieben“, zuletzt Franziska Giffey Ursula von der Leyen, aktuell von der Leyen Sarah Wiener. Gähn. Schmieriger hat sich Politik lange nicht angefühlt, und ob Sarah Wiener als EU-Grüne aus dem Schema ausbrechen wird, wage ich mal zu bezweifeln. Wieso wurde der geniale Dausend abgewürgt? Wieso konnte die ZEIT Thomas Fischer nicht ertragen, der beim SPIEGEL versandet, weil das online-Publikum dort entsprechend dumpf und nur sehr selten intellektuell ist.

        Die FAZ trennte sich vom unabhängigen Blogger Don Alphonso, der bei der WELT weitermachte, dort aber hinter der Bezahlschranke verschwand.
        Und nun ist auch der einzige freie Kopf beim unerträglich gewordenen mainstreamigen STERN, Hans-Ulrich Jörges, gegangen.

        Seitdem die sprachlich wie denkerischen Mittelmaßler Anna-Beeke Gretemeier und Florian Gless dort die Chefredaktion übernommen haben – beide könnte man sich auch als „Wort zum Sonntag“-Prediger, Green Peace-Pressesprecher oder EMMA-bis Missy-Kolumnisten vorstellen – sieht es beim STERN zappenduster aus. Jede Ausgabe ist ein Erziehungsprogramm, Trump- und Putin-Bashing inclusive. So wurde Jörges von Gretemeier in Nr.32/2020 vom 30.7.2020 auf S.5 mit einem Arbeitszeugnis versehen:

        Du hast stets gesagt, was Du denkst, auch wenn es unbequem war. Hast gern andere überzeugt – und Dich seltener selbst überzeugen lassen. Du bist ein sehr gerader Mensch, der stets offen mit seinen eigenen Fehlern umgegangen ist – bis zum Schluss. In dem Abschiedsgespräch, das wir mit Dir geführt haben (S.58), räumst Du noch einmal kräftig auf. Das Gleiche gilt für Deine letzte Kolumne auf S.18. Wir werden Dich und Deinen Ton vermissen, Uli!

        Was sind sie froh, ihn los zu sein…

        Bei dem Interview fällt auf, daß es kein einziges Mal darum geht, warum Jörges aufhört. Es hallt allerdings nach, wenn er auf S. 62 bekundet:

        Ich fühle mich frei und freue mich auf das, was kommt.

        Seine letzte Kolumne, „Ein scharfes Schwert“, berichtet von politischer Einflußnahme, mutmaßlich von Schröder, um ihn abzusetzen, der der Verlag Gruner+Jahr aber widerstanden habe. Zwei Kollegen in einem anderen Verlag seien unter einem anderen Kanzler als Chefredakteure zu Fall gebracht worden. Mich irritiert noch mehr, daß er schreibt:

        Und Angela Merkel raunte mir im Vorübergehen zu: Machen Sie sich keine Sorgen, Ihnen wird nichts passieren.

        Das ist dem STERN natürlich unangenehm, daß der Durchgriff der Politik auf die Medien so öffentlich dokumentiert wird.

        Und ganz am Schluß gibt es auch Klartext von Jörges, was den verlogenen STERN angeht:

        Ich schreibe das am Ende meiner Zeit, weil es auf innere Pressefreiheit nicht weniger ankommt als auf äußere. Auf die Freiheit von Autoren, in einem Blatt, in einer Redaktion auch das vertreten zu können, was dort anderen, vielleicht sogar der Mehrheit, nicht gefällt. In einer Zeit, in der Freiheitsrechte vielen Menschen in Angst zweitrangig erscheinen und der Korridor der Meinungen enger wird, ist das besonders wichtig.

        Das durfte er vermutlich nur deshalb schreiben, weil er eilfertig anfügt:

        Der stern war in dieser Hinsicht immer eine verlässliche Heimat für mich. Bleiben Sie ihm gewogen.

        Welche Überwindung muß ihn dieser Satz gekostet haben!

        Florian Gless übernahm Jörges`Kolumnistentätigkeit: Propaganda pur:

        Dafür soll man Geld bezahlen??? Das kriegt man doch bei Habeck & Co. umsonst.

        Wie sich der STERN ohne Jörges aufstellte, dazu mehr später. Einstweilen nur dies: wie Firmen, die Motorsport betreiben, angebliche wokeness zur Werbung machen, ist nur noch pervers:

        Und diesen Artikel muß man wirklich lesen, um zu erkennen, daß die westlichen „guten“ NGOs zur Rettung der Natur in Afrika eigentlich die menschenfeindlichen zeitgemäß gewandeten Kolonisatoren sind:

        Umweltschutz in Afrika
        „Naturschutz ist der neue Kolonialismus“
        Der kenianische Ökologe Mordecai Ogada macht sich keine Freunde: Wissenschaftler nennt er Prostituierte, NGOs Piraten – und Umweltschutz in Afrika ist für ihn vor allem ein verlogenes Machtinstrument
        Gesa Gottschalk
        GEO: Dr. Ogada, Sie haben das Buch „Die große Naturschutz-Lüge“ geschrieben. Wer lügt?

        Mordecai Ogada: Naturschutz präsentiert sich bei seinen Spendern im Westen als friedlich und linksliberal. Im Globalen Süden aber trägt er grüne Uniformen, ist elitär, gewalttätig und oft rassistisch. Eine rechte Agenda, die mit Geldern von Linken durchgesetzt wird: Das ist die größte Lüge.
        […]

        https://www.geo.de/natur/oekologie/23131-rtkl-umweltschutz-afrika-naturschutz-ist-der-neue-kolonialismus

        Ein augenöffnendes Interview, das zu lesen ich eindringlich empfehle!

        • Da Du gerade eine Presseschau gemacht hast, habe ich mir auch gerade überlegt, was ich so im deutschsprachigen Raum lese. Spiegel, SZ, Zeit, Welt, FAZ und Ähnliches lese ich überhaupt nicht oder quasi nur die Überschriften und den Vorspann oder dann von Leuten wie Thomas Fischer, Martenstein, Fleischhauer, Don Alphonso. Die Staatssender wie ZDF, ARD, SF, DFK etc. quasi auch nicht, sondern höchstens im Nachhinein, wenn mal eine gute Sendung in Video vorhanden ist.

          Wenn ich Artikel lese dann:
          NZZ
          Cicero
          Tichys Einblick
          Achse des Guten
          Telepolis
          NDS
          Infosperber
          Makroskop
          Novo Argumente
          Köppel mit seinen Videos
          WoZ (aber auch nur, damit ich auf dem Laufenden bin, was in der linken, identitätspolitischen Szene abgeht)
          Dann so Blogs wie:
          Michael Meyen
          Norbert Häring
          Heiner Flassbeck
          Alles Evolution
          Gunnar Kunz
          Michael Lüders (Videos)
          Etc.
          Den Rest der Informationen hole ich mir dann meist über Sachbücher und wissenschaftliche Literatur.
          Und die gesamten linken Medien muss ich überhaupt nicht lesen, weil ich diese jahrelang gelesen habe und demzufolge weiss, was drin steht. 🙂
          Zum Geo-Artikel. Habe ihn gelesen, kann aber nix dazu sagen, zumal ich mich bei diesem Thema nun wirklich nicht auskenne. 😉

  3. @ Mark Smith:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-264/#comment-89607

    Ja, der politisch gewollte rechtsfreie Raum der linksextremen Gewaltszene in Berlin ähnelt der in Seattle:

    Nur: wie paßt Joe Biden in dieses Bild?

    😉

    Aber schließlich kommt die Gefahr in Deutschland von Rechts, wie uns der SPIEGEL erneut versichert:

    Nochmal zur Kabarettistin Lisa Eckhart:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-264/#comment-89603

    11:07 Uhr
    Lisa Eckhart, Dieter Nuhr, Nurhan Soykan

    Wie die Wächter über das Sagbare die Redefreiheit einschränken
    Ja, wenn’s doch der guten Sache dient: Mit diesem Argument sollen unliebsame Menschen in Deutschland zum Schweigen gebracht werden. Immer öfter. Ein Kommentar
    Malte Lehming
    […]
    Weil „Aktivisten“ vor vier Jahren versucht hatten, am selben Ort eine Lesung mit Tagesspiegel-Autor Harald Martenstein zu sprengen, die Atmosphäre inzwischen noch aggressiver geworden sei und es entsprechende besorgte Warnungen aus der Nachbarschaft gegeben hatte, waren sich die Veranstalter nach ihren eigenen Worten „sicher, dass die Lesung mit Lisa Eckhart gesprengt werden würde“, und luden die Kabarettistin aus.
    […]
    Ja, wenn’s doch der guten Sache dient: Dann darf ein AfD-Vertreter nicht in Talkshows auftreten, Bernd Lucke keine Vorlesung an der Hamburger Universität halten, Thilo Sarrazin nicht in der SPD bleiben.
    Dann darf der Kameruner Kolonialismusforscher Achille Mbembe nicht den Eröffnungsvortrag bei der Ruhrtriennale halten, die Muslimin Nurhan Soykan nicht das Auswärtige Amt beraten, der „Spiegel“ nicht mit dem durchgeknallten veganen Koch Attila Hildmann spazieren gehen. Dann muss der Meinungschef der „New York Times“ wegen eines reaktionären Gastbeitrags gehen, Donald Trump auf Twitter und Facebook „eingeordnet“, ein Konzert der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt werden.

    Die zufällige Macht jeweils Stärkerer

    Diese Auflistung legt Äpfel neben Birnen. Das ist schon klar. Jeder Fall ist gesondert zu betrachten. Doch in ihrer Gesamtheit nähren die Fälle den Verdacht, dass das Beil immer öfter und schneller fällt, weil selbsternannte Scharfrichter erbarmungslos urteilen. Und weil die, die ihnen die Stirn bieten, weniger werden.
    […]
    Wenn die freie Rede aber nicht mehr von Recht und Gesetz eingeschränkt wird, sondern von der zufälligen Macht jeweils Stärkerer, verwandelt sich ein Wert in ein Instrument. Das ist eine gefährliche Tendenz.
    In einer ersten Fassung des Textes hieß es, es hätte Drohungen von Seiten des „Schwarzen Blocks“ der Antifa gegen die Lesung mit Lisa Eckhart gegeben. Diese Darstellung weisen die Veranstalter zurück.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/lisa-eckhart-dieter-nuhr-nurhan-soykan-wie-die-waechter-ueber-das-sagbare-die-redefreiheit-einschraenken/26075780.html

    Im aktuellen SPIEGEL 33/2020 vom 8.8.2020 wird Lisa Eckhart dagegen niedergemacht; in der Hausmitteilung auf S. 3 heißt es:

    Er hatte gehofft, die „wahre“ Lisa Eckhart kennenzulernen, die Frau hinter der umstrittenen Kabarettistin, die mit grenzwertiger Satire verstört, die über Schwarze und Juden poltert, die Chinesen als „Schlitzaugen“ bezeichnet. Aber SPIEGEL-Mitarbeiter Arno Frank traf in Leipzig eine Kunstfigur, die so tat, als ginge sie all die Kritik nichts an. Ihr Obertreil war ein ornamentiertes Etwas von Versace, die Lacklederhose schwarz und eng. Ihre Fingernägel waren künstlich, aber nicht so krallenlang wie auf der Bühne. Über die angeklebten Extensions, erzählte Eckhart, komme sie oft mit Kassiererinnen ins Gespräch, an denen sie mehr Liebe zur Kunst feststelle als „bei manchem, der behaupte, Künstler zu sein“. S. 116

    Gilt es nicht als sexistisch, das Äußere in den Vordergrund zu stellen?

    Hervorgehoben auf S. 5 im Inhaltsverzeichnis:

    Toxische Weiblichkeit

    Die Kabarettistin und Schriftstellerin Lisa Eckhart macht Satire, die verstört. Ist das noch provokante Kunst oder schon Rassismus? Die Kritik hat nun dafür gesorgt, dass sie von einem Literaturfestival ausfeladen wurde. S.116

    Die Kritik? Das nenne ich die Untertreibung des Jahres. Daß der Holzhammer-Autor dieser Dame hoffnungslos unterlegen war, versteht sich von selbst: denn sie spricht die rassistischen Klischees genauso an wie die Stereotype der Identitätspolitik und der PC. Und manchmal weiß man nicht mehr, welches sie gerade benutzt.

    Die Leibhaftige
    Literatur Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart verstört mit grenzwertiger, manche finden: grenzüberschreitender Satire. Sie selbst versteht das nicht als Provokation, sondern als gewagte Kunst.
    […]Ihre Satire ist auf eine perfide Weise unterhaltsam. Eine Venusfliegenfalle im Gemüsebeet des Kabaretts.
    Im Grunde hätte Lisa Eckhart dort nie Wurzeln schlagen, geschweige denn eine solche Aufmerksamkeit erlangen dürfen .

    [S.116]

    Ein frustrierter „Wächter über das Sagbare“, der derartig kühl abserviert wird, daß das Stück eine reine Werbung für Eckhart ist.
    „Denn Beifall kommt von rechts, die Empörung von links.“, schreibt er. [S.118] Kein Wunder, will sie doch „nicht die Rechten bekehren, sondern die Selbstgerechten kurz bremsen in ihrem „Furor und zum Innehalten zwingen“.“ Ganz nebenbei geht es um ihren Roman „Omama“, den nicht einmal Arno Frank verreißen mag.

    Wie Trump beim Golfen schummelt, erfährt man ebenfalls in dieser Ausgabe. 😉

    • Die Cancel Culture hat ihr nächstes Target gefunden: Männerrechtler! Die scheinen bei der FDP Fuß zu fassen, und das darf doch nicht sein. Den Dreischritt kennen wir schon: Nähe zu Rechten, Kontaktschuld, Gewalt, Terrorismus. Im Tagesspiegel gab es drei Varianten des Artikels von Sebastian Leber:

      06.08.2020, 21:15 Uhr
      „Feministen missbrauchen die Coronakrise!“
      Die kruden Wahrheiten der Männerrechtler
      Sie halten Feminismus für „die größte Bedrohung seit Bestehen der Bundesrepublik“, wollen Gesetze beeinflussen. Mitunter führt der Hass der Antifeministen zu realer Gewalt.
      VON SEBASTIAN LEBER
      […]

      http://archive.is/wV6z8#selection-569.0-601.15

      In der Printausgabe vom 7.8. hieß es auf S.3:

      Das Netzwerk der Männerrechtler
      In Wahrheit sei sein Geschlecht das benachteiligte, sagt Matthias Enderle. In Vereinen, Initiativen und auf Kongressen verbünden sich immer mehr Menschen politisch gegen den Feminismus. Doch auf diese Ideen berufen sich auch Terroristen
      Von Sebastian Leber

      Und hier die aktuelle Online-Version:

      07.08.2020, 15:33 Uhr
      Das Netzwerk der Antifeministen
      Wenn fragile Männlichkeit gefährlich wird
      Sie halten Feminismus für „die größte Bedrohung seit Bestehen der Bundesrepublik“, wollen Gesetze beeinflussen. Auf diese Ideen berufen sich auch Terroristen.
      Sebastian Leber
      […]
      Dagegen gehen die Aktivisten an, ringen um politischen Einfluss, wollen in der Öffentlichkeit ernst genommen werden und männerfreundliche Gesetze durchsetzen. Mit ihrer Lobbyarbeit, in der sie ihre Gefühle als Fakten verkünden, haben sie einige Erfolge erzielt. Sie wirken sogar bereits in einer Bundestagspartei mit, und es ist nicht mal die AfD.
      […]
      Aktuelle Statistiken wie die der Bundesregierung, wonach 81 Prozent aller Opfer von Partnerschaftsgewalt weiblich sind, bei sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind es sogar 98 Prozent, werden von Männerrechtlern angezweifelt, kleingeredet, als „ideologisch motiviert“ abgelehnt. Solche Zahlen dienten nur der „Dämonisierung“ des Mannes.
      Die Aktivisten kontern mit eigenen Studien. Eine besagt, dass Männer, die ihre Oberarme und Schultern mit Testosteron-Gel einreiben, anschließend eher bereit sind, Geld für wohltätige Zwecke zu spenden.
      […]
      Zum Spektrum des Antifeminismus gehören auch die sogenannten „Incels“. Männer, die nach eigener Aussage keine Aussicht auf Sex haben und dies Frauen verübeln. Ihre Überzeugung: Frauen seien oberflächlich, grausam und einfach böse. Incels fordern, der Staat müsse Frauen zu Sex mit Männern verpflichten.

      Frauenhass als Motiv bei Terrortaten

      Immer öfter führt der Hass im Netz zu Gewalt in der realen Welt. Etliche rechte Attentäter der vergangenen Jahre waren Antifeministen: Anders Breivik genauso wie die Mehrfachmörder von Halle und Hanau, Christchurch, El Paso und Toronto. Das Motiv Frauenhass werde bei vielen Terrortaten noch unterschätzt, sagt der Soziologe Andreas Kemper am Telefon: „Dieser Faktor wird zu wenig beleuchtet.“ Kemper hat sich jahrelang mit Antifeminismus und seinen Folgen beschäftigt. Es gebe in der Szene etliche „Breivik-Versteher“, die den Attentäter eigentlich für ein Opfer hielten. Dieser habe letztlich ausrasten müssen, weil der Feminismus und die politische Korrektheit ihn drangsaliert hätten.
      Was Frauenhasser zu Mördern werden lasse, nennt Andreas Kemper „apokalyptische Männlichkeit“. Eine Männlichkeit, die auf die Vernichtung des Feindes ausgerichtet sei. Eine Männlichkeit, die „abrechnet“.

      Erst Klagen eingereicht, dann gemordet

      Oft erst nach langer Vorlaufzeit. In den USA versuchte ein Antifeminist vorigen Monat, eine angeblich zu frauenfreundliche Bundesrichterin zu erschießen. Zuvor hatte der Mann als Rechtsanwalt jahrelang gegen Benachteiligungen von Männern geklagt, etwa gegen Clubbetreiber, die Frauen an „Ladies’ Nights“ günstigere Drinks versprachen. Beim Versuch, das Haus der Richterin zu stürmen, tötete der Rechtsanwalt ihren Sohn.
      Auch die anonymen, mit „NSU 2.0“ unterschriebenen Todesdrohungen richteten sich zunächst ausschließlich gegen Frauen, enthielten sexistische Schmähungen und Vergewaltigungsfantasien.
      Zuweilen mischt sich der Frauenhass mit Antisemitismus. In seinem Bekennervideo erklärte der Attentäter von Halle, geheime Mächte hätten den Feminismus erfunden, um die Geburtenzahlen zu senken und so die Völker des Westens auszurotten. Und diese geheimen Mächte seien natürlich die Juden.
      […]
      Doch die Schnittmengen der verschiedenen Lager seien größer, als nach außen hin suggeriert werde. „Und die Übergänge sind fließend.“ Tatsächlich gebe es Berührungspunkte zwischen Vereinen der Männerrechtsbewegung und Frauenhasser-Portalen. „Die Bewegung hat sich vor zehn Jahren gespalten“, sagt Kemper. Der moderatere, sich seriös gebende Flügel habe eine strategische Entscheidung getroffen. „Die Vereine wollen gesellschaftlich anerkannt werden, vertrauenswürdig und wissenschaftsgeleitet wirken.“ Um dann in Fernsehsendungen als Experten geladen zu werden. Um Medien mit Statistiken versorgen zu können. Um ernst genommen zu werden und gestalten zu können.

      Früher schrieb er im „Compact-Magazin“

      Tatsächlich waren Manndat-Mitglieder wie der Publizist Arne Hoffmann vor zehn Jahren noch im Hassforum von WGvdL aktiv, Hoffmann bezeichnete es als „zentrales Diskussionsforum der Männerbewegung“. Eines seiner Bücher veröffentlichte er im Verlag des extrem rechten Götz Kubitschek, schrieb auch für dessen Blog „Sezession“ und rechte Plattformen wie „Die Freie Welt“, deren Herausgeber der Ehemann von Beatrix von Storch ist. Mehrfach gab Hoffmann der „Jungen Freiheit“ Interviews, warnte dort etwa vor „faschistoiden Aspekten“ im Feminismus. Im „Compact“-Magazin von Jürgen Elsässer veröffentlichte er den Text „Von Hitler bis Breivik: Das Elend der Vaterlosigkeit“.
      […]

      https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/das-netzwerk-der-antifeministen-wenn-fragile-maennlichkeit-gefaehrlich-wird/26072892.html

      Arne Hoffmann hat den Streitstand zusammengestellt:

      5. Es gab gestern verschiedene Reaktionen auf den „Tagesspiegel“-Artikel gegen die Männerrechtsbewegung. Da die wechselseitige Schärfe hier etwas eskaliert ist, muss ich zuerst klarstellen, dass ich hier nur berichte und mich Werturteilen, die von einer der beteiligten Personen geäußert wurde, nicht anschließe und insbesondere Beleidigungen beider Seiten nicht zielführend finde. In einem Fall habe ich auch schon darauf hingewirkt, die Schärfe ein wenig herauszunehmen.
      […]
      Gunnar Kunz sieht sich in seiner Entscheidung bestätigt, aufgrund einer früheren negativen Erfahrung mit dem „Tagesspiegel“ Leber nicht für ein Interview zur Verfügung gestanden zu haben, und richtet an ihn einen offenen Brief. Darin befindet Kunz es als „kühn“, in einem Artikel, der von A bis Z nur auf Emotionen setze, ernsthaft zu behaupten, Männerrechtler, die ihre Ansichten seit Jahrzehnten unermüdlich belegen, würden Gefühle als Fakten verkünden. Kunz zerpflückt die Rheotrik mehrerer Passagen des „Tagesspiegel“-Artikels:
      „[…]
      Natürlich darf auch der Verweis auf irgendwelche extremistischen Außenseiterpositionen nicht fehlen, die in der Männerbewegung zwar keine Rolle spielen, aber es macht sich immer gut, so zu tun, als ob. Wo ist eigentlich Ihre Empörung angesichts der Tatsache, dass sich führende Feministinnen nicht nur von vergleichbaren Positionen in ihren eigenen Kreisen nicht distanzieren (#KillAllMen, #MenAreTrash etc.), sondern bis heute zu ihren Vorbildern erklären (Valeria Solanas „Manifest zur Vernichtung der Männer“)?

      Aber es geht ja ohnehin nicht um eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit unseren Anliegen, nicht wahr? Wenn sich Herr Enderle Ihrer Meinung nach nicht deutlich genug von problematischen Positionen absetzt, wird das von Ihnen kritisiert, wenn sich Feminismuskritiker hingegen eindeutig positionieren, erklären sie es einfach zu einer „sich seriös gebenden“ Methode und einer „strategischen Entscheidung“. So einfach kann ein Weltbild sein.

      (…) Meine Lieblingsstelle in Ihrem Artikel ist übrigens beim Thema häusliche Gewalt der Satz „Die Aktivisten kontern mit eigenen Studien“. Klar, die über 500 internationalen Studien, die darlegen, dass Frauen Männern in puncto häuslicher Gewalt in nichts nachstehen, sind irgendwie alle von uns initiiert, bezahlt und durchgeführt worden.“
      https://frauengewalt.wordpress.com/
      […]

      https://genderama.blogspot.com/2020/08/frauenministerin-giffey-spd-wurde.html

      Das war ein ziemlich plumper Versuch, die Männerrechtsbewegung zu verunglimpfen, während zugleich der Versuch, Frauen per Quote in der Politik zu begünstigen, vor Gerichten scheitert.

      • @ Gabriele Wolff

        Das Problem bei der Partnerschaftsgewalt ist, dass die Frauen-Lobby gerade wie es ihr passt, einmal nur die Zahlen aus dem Hellfeld nimmt oder dann nur die Zahlen aus dem Dunkelfeld. Bei der Häuslichen Gewalt/Partnerschaftsgewalt nehmen sie immer nur das Hellfeld, weil da sind Frauen als Opfer tatsächlich vermehrt erfasst. Aber wenn wir das Dunkelfeld einbeziehen bzw. sogenannte Prävalenzstudien zu Rate ziehen, dann haben wir, zumindest was die Quantität anbelangt, kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen, was Opfer und Täter anbelangt. Natürlich müsste die Qualität der Gewalt auch näher beleuchtet werden, nur dazu gibt es offenbar noch sehr wenig Studien.

        Bei der sexuellen Gewalt nimmt dann die Frauenlobby jeweils nur das Dunkelfeld, weil das Hellfeld einfach nicht viel hergibt, was sexuelle Gewalt anbelangt. 🙂
        Und wenn Gewalt von Frauen ausgeübt wird, sei dies gegen Partner, Kinder, alte Menschen etc., dann hören wir quasi überhaupt nix von der Frauenlobby.

        Und die Dämonisierung der Männerrechtsbewegung läuft seit Jahren und Jahrzehnten, also nix Neues.
        Das politische Geschäft läuft also hier auch nicht über Empirie, Argumente und Begründungen etc., sondern über Moralisierung, Emotionalisierung, Dämonisierung, Polemik, Rabulistik etc.

        • Exakt, und der Feminist Andreas Kemper dämonisiert die sehr erforderliche Männerrechtsbewegung seit vielen Jahren. Er hat allerdings einen schweren Stand, denn dank der Gender- und Transgender-Identitätstpolitik der „Progressiven“ wurde der Feminismus als die Klientel-Lobby entlarvt, die sie ist. Und jetzt steht sie unter dem Verdacht, „Frau“ rein biologisch zu betrachten, während Gender doch nur ein soziales Konstrukt sei, und Jeder das sei, was er empfinde. 😉

          Eine interessante neue Front im Corona-Diskurs hat sich aufgetan: zu den „Verschwörungstheoretikern“, die die Maßnahmen der Bundesregierung kritisch sehen:

          „Hätte es nicht ausgereicht, ihn rechtswidrigerweise in Quarantäne zu schicken? Der Rechtsstaat ist zunehmend eine zu vernachlässigende Größe.“
          https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-264/#comment-89591

          Hier weiter aufgedröselt, auch im Hinblick auf die Rechtswidrigkeit der Aktion:

          https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-264/#comment-89595

          gesellte sich nun der gelernte DDR-Bürger, blöderweise im Fraktions-Vorstand der CDU, der sich zwar parteipolitisch treu hinter die Corona-Maßnahmen der Regierung stellte, den das Drum und Dran allerdings sehr an DDR-Verhältnisse erinnerte. Daß das CDU-Mitglied Hans-Georg Maaßen, den die Leitmedien nun schon seit langem vergeblich zum „Rechten“ hochzuschreiben versuchen, vergeblich, er ist Rechtsstaatler, war natürlich besonders provozierend:

          Arnold Vaatz:

          […]
          Regierungen und Medien, die die Ausbreitungsgefahr der Seuche von der Gesinnung der potentiellen Verbreiter abhängig machen, beschädigen ihre Glaubwürdigkeit; uns einreden zu wollen, im Kampf für das Gute sei die Verbreitung des Virus akzeptabel, ist von der gleichen intellektuellen Qualität wie die Trumpschen Empfehlung, man solle sich Desinfektionsmittel spritzen.

          Mit dem Wertungsunterschied im Fall der beiden Demonstrationen hat der Glaubwürdigkeitsverfall nicht begonnen, er erfuhr nur seine Fortsetzung. Los ging es mit Einführung der Maskenpflicht, nachdem es lange hieß, Masken nützten nichts – so lange es keine zu kaufen gab. In der DDR streute die Partei: Bananen seien gar nicht so gesund.

          Von Monat zu Monat lernt man mehr von der DDR. Die dreiste Kleinrechnung der Teilnehmerzahlen der Demo vom 1. August durch die Berliner Polizei entspricht in etwa dem Geschwätz von der „Zusammenrottung einiger weniger Rowdys“, mit der die DDR-Medien anfangs die Demonstrationen im Herbst 1989 kleinrechneten. Der gefährlichere Versuch, die Straßen leerzukriegen, war damals die Unterstellung, die Demonstranten handelten im Auftrag von CIA und BND. Der heutige Versuch, die Straßen leerzubekommen, besteht in der Warnung: Pass auf, mit wem du demonstrierst. Das ist die Drohung, als Nazi diffamiert und damit gesellschaftlich ruiniert zu werden, sobald man bei einer Demonstration angetroffen wird, in der eine Person, die man weder gekannt noch überhaupt im Gewühl gesehen haben muss, ein „bei Rechten beliebtes“ Kleidungsstück trägt. Bei Nazis war es Sippenhaft, im Deutschland von heute ist es Kollektivhaft. [Ich bevorzuge den Terminus „Kontaktschuld“.] Letztere lässt sich leicht organisieren. In Chemnitz wurde das schon mal geübt. Blöderweise missglückte diese Übung, weil der Hitlergrußzeigende dort vergaß, seine Tätowierung zu verstecken. Sie zeigte ein bei den Linken beliebtes Symbol.

          Im Herbst 1989 riefen wir: Wir sind das Volk! – und ahnten nicht, welches Glück wir hatten. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn es den Sprachreglern von damals gelungen wäre, uns entgegenzuschleudern: Ihr habt nicht das Recht, Euch so zu bezeichnen, niemand vertritt das ganze Volk!
          Die nächste Eskalationsstufe wären Kugeln gewesen.
          […]

          https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/regierung-und-medien-beschaedigen-ihre-glaubwuerdigkeit/

          Wie mainstreamig Vaatz tatsächlich ist, belegt ja schon sein Spruch über Trump, den er den deutschen Propaganda-Medien entnommen hat. Trump hat nichts dergleichen empfohlen.

          Die komplett falsche Antwort vom Tagesspiegel:

          06.08.2020, 17:12 Uhr
          CDU-Politiker auf Abwegen
          Der Flirt des Arnold Vaatz mit den Corona-Leugnern

          Ex-DDR-Bürgerrechtler und Unionsfraktionsvize Vaatz verteidigt in einem neurechten Blog die Berliner Corona-Demo – und fühlt sich an NS-Zeit und DDR erinnert.
          Fabian Löhe Benjamin Reuter
          […]
          Erschienen ist der Text von Vaatz auf dem Online-Portal „Tichy’s Einblick“. Das Magazin ist für seine Nähe zum Rechtspopulismus nicht nur bekannt, sondern auch berüchtigt. Das Portal selbst bezeichnet sich als „liberal-konservativ“ und erscheint seit 2014 online, seit 2016 auch gedruckt. Es wird von dem ehemaligen Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“, Roland Tichy, geführt. Häufig erscheinen rechtspopulistische Beiträge; viele deckten sich politisch stark mit Positionen der AfD, wird Tichy immer wieder vorgeworfen.
          […]
          Die abwegigen Vergleiche des stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden werfen ein Schlaglicht darauf, wie manch einstiger DDR-Bürgerrechtler sich heute mitunter schwer damit tut, sich nach rechts abzugrenzen: Eine vermutete „Mainstream“-Meinung wird mit der verordneten Meinung in der DDR verglichen und Sympathie für die vermeintliche Gegenposition bekundet.

          Die Berührungsängste mit äußerst rechten Positionen sind klein. Erst im September vergangenen Jahres hatte Vaatz in der auflagenstarken Illustrierten “Super Illu” behauptet, es sei gerade der Kampf gegen Rechts gewesen, der die AfD überhaupt zur Volkspartei im Osten gemacht habe.
          Nach der neuerlichen Irrfahrt von Vaatz bleibt die Frage: Darf ein Unionsfraktionsvizevorsitzender sowas in einer neurechten Publikation schreiben? Natürlich. Auf einem anderen Blatt steht, ob er seiner Partei damit einen Gefallen tut. Seit Wochen kämpft die Bundesregierung um die Akzeptanz der vielfach weitreichenden und einschneidenden Coronamaßnahmen, die letztendlich Leben retten.
          Zum Schluss des Textes unkt Vaatz, es könne die „Überzeugung wachsen, dass der Kampf gegen Corona weniger ein Ziel der Politik als ein Instrument der Politik ist.“ Das würden Verschwörungstheoretiker sicher sofort unterschreiben.
          Der Faktencheck:
          […]

          https://www.tagesspiegel.de/politik/cdu-politiker-auf-abwegen-der-flirt-des-arnold-vaatz-mit-den-corona-leugnern/26072174.html

          Der ist natürlich entsprechend. Auch der Regierungs-Sender DLF läßt einen vielfach unterbrochenen linken „Corona-Leugner“, nämlich Anselm Lenz („Nicht ohne uns“-Mitbegründer, der für den 29.8. die nächste Corona-Demo in Berlin ankündigt), ein klitzekleines Bißchen zu Wort melden, nur um ihm vorzuwerfen, er erkenne nicht an, daß der DLF ja auch manchmal „Dissidenten“ zu Wort kommen lasse:

          [audio src="https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/08/08/was_treibt_die_hygienedemonstrierenden_an_interview_mit_dlf_20200808_0810_face6dea.mp3" /]

          Die zwischen liberal-konservative und neurechts changierende Seite (nur erstere Definition stimmt) faßt die Reaktionen auf die Vaatz-Wortmeldung so zusammen:

          https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/unionspolitiker-vaatz-hat-offenbar-einen-nerv-getroffen/

          Daß DDR-Bürgerrechtler, die sich nicht dem West-Mainstream angepaßt haben, als „Rechte“ denunziert werden, kennen wir nun ja schon: von Vera Lengsfeld bis Uwe Tellkamp, alle werden sie flächendeckend denunziert.

          DDR-Bürger haben besondere Antennen für Propaganda, mediale Narrative und stasiähnliche Zersetzungsprozesse. Reitschuster hatte nicht ohne Grund in aktuellen Zusammenhängen Bärbel Bohley zitiert:

          Die Denunzianten sind los
          Kündigung für Teilnahme an Corona-Demo

          Die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley hat es kommen sehen. „Alle diese Untersuchungen“, sagte sie 1991 bei einem Treffen mit Freunden, „die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen.“ Die Gesprächspartner schwiegen verblüfft, wie sich Chaim Noll, der damals dabei war, später erinnerte. Bohley fuhr fort: „Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“
          https://www.achgut.com/artikel/baerbel_bohley_die_frau_die_es_voraussah

          Mit erschreckender Frequenz findet man heute in den Nachrichten ebenso wie im Privaten Ereignisse, die Bohleys traurige Vorhersage bestätigen. Die einst freiheitliche Bundesrepublik entwickelt sich 30 Jahre nach der Wiedervereinigung mit dem sozialistischen Stasi-Staat DDR immer mehr zu einem Land, in dem Diffamieren, Denunziation, Bespitzeln und das Ausgrenzen von Menschen mit abweichenden Meinungen Alltag sind.

          https://www.reitschuster.de/post/die-denunzianten-sind-los-k%C3%BCndigung-f%C3%BCr-teilnahme-an-corona-demo

          Zuletzt hatte ich von der Abkehr des Ex-DDR-SZ Reporters Birk Meinhardt von der SZ und seinem Buch „Wie ich meine Zeitung verlor“ berichtet:

          https://www.br.de/kultur/birk-meinhardt-wie-ich-meine-zeitung-verlor-sz-medienkritik-100.html

          Harald Martenstein hat dessen Buch gelesen und sich als kongenialen Leidensgenossen empfunden; Martenstein wird sowohl beim Tagesspiegel als auch bei der ZEIT nur für Abonnenten freigeschaltet: soll er versteckt werden? Soll er Abos generieren? Ich vermute mal letzteres:

          Harald Martenstein
          Über eine enttäuschte Liebe und Haltung im Journalismus
          Exklusiv für Abonnenten

          Von Harald Martenstein
          ZEITmagazin Nr. 32/2020 29. Juli 2020

          Ich habe Mails von Kollegen bekommen, die mir ein Buch ans Herz legten. Das musst du lesen! Ich kenne Birk Meinhardt, er ist einer der besten deutschen Reporter gewesen und hat zweimal den wichtigsten Preis gewonnen, den Kischpreis. Er ist ein ruhiger, uneitler Mensch und ein Ostdeutscher. Ich habe mich manchmal gefragt, warum er trotz seines Erfolgs ausgestiegen ist. Während Claas Relotius mit erfundenen, aber politisch erwünschten Geschichten zum Superstar der Reportage aufstieg, schrieb Meinhardt dicke Romane. Und jetzt „Wie ich meine Zeitung verlor“, gemeint ist die Süddeutsche.
          […]

          Meinhardt, Jahrgang 59, war in der DDR Journalist, und das, was er an der neuen Zeit liebte, hieß „Freiheit des Westens“. Im Buch stehen ein paar Reportagen, die nicht gedruckt wurden, jede finde ich besser als jeden Satz von Relotius, den ich kenne. Eine handelt von einem Rechten, der wegen vermeintlichen Mordversuchs vier Jahre im Knast sitzt, und einem zweiten Rechten, der in den Medien mit Foto als eine Art Monster vorgeführt wird. Beide sind unschuldig, von Anfang an sprach einiges dafür. Am Ende werden beide freigesprochen, aber sie sind fürs Leben gebrandmarkt. Wichtige Nebenfigur ist ein ehrgeiziger Richter, der schon zweimal Rechte freigesprochen hat und deshalb unter Druck steht. Wenn er beim nächsten Mal kein deftiges Urteil liefert, könnte es schwierig werden mit seiner Karriere. Meinhardts Botschaft: Die Klischees stimmen nicht, folgt nicht euren Reflexen, Schuld und Unschuld sind eben nicht an der Hautfarbe oder der Meinung von vornherein zu erkennen. Das ging in seiner Zeitung nicht.

          Als in Chemnitz ein beliebter Mann von Einwanderern getötet wird und danach viele Chemnitzer wütend demonstrieren, keineswegs nur Radikale, fragt sich Meinhardt, warum diese Demonstranten in seinem Blatt keine Stimme bekommen. Warum, fragt er sich, redet keiner mit denen? Muss man nicht immer auch die andere Seite hören, ist das keine Grundregel? Nicht mehr.

          Meinhardt erkennt das Prinzip der Parteilichkeit wieder, er kennt es aus der DDR, jetzt heißt das „Haltung“. Er kann nicht mehr Journalist sein, nicht so. „Ich hatte nie Angst vorm Schreiben, jetzt habe ich welche.“ Die Lockerheit ist weg. Wenn du nicht locker bist, wirst du schlechter. Die beiden Unterschiede zur DDR sind für ihn, dass man in München erstens immer freundlich zu ihm ist und zweitens nie Klartext redet. Ein brisanter Text wird mit bizarren Gründen immer wieder verschoben, irgendwann ist er veraltet, Reportagen zu harmlosen Themen – ein afghanischer Astronaut! – werden durchgewinkt.

          Wann hat das nur angefangen? Womit? Ein paar Leute gehen, ein paar Leute passen sich an, einige sind begeistert, und ein paar machen weiter, bis sie gefeuert werden. Dieser einseitige Haltungsjournalismus erreicht das Gegenteil dessen, was er bezweckt, er bekehrt ja niemanden, im Gegenteil, er stößt Schwankende ab mit seiner Plumpheit. Das Traurigste an diesem Buch ist seine Hoffnungslosigkeit, es wird ja, aufs Ganze gesehen, eher schlimmer als besser. Die Auflagen vieler Zeitungen sinken, die Leserschaft wird allmählich homogener, dadurch verstärkt sich die Tendenz. Das Land teilt sich, wieder einmal, und verwandelt sich in etwas, wofür ich noch keinen Namen weiß.

          https://www.zeit.de/zeit-magazin/2020/32/harald-martenstein-haltungsjournalismus-birk-meinhardt
          Dafür erntet er diesen Kommentar des aufgehetzten Publikums

          tkno
          #2 — vor 3 Tagen
          2
          Martenstein bleibt konsequent auf der „rechten Schiene“ !

          https://www.zeit.de/zeit-magazin/2020/32/harald-martenstein-haltungsjournalismus-birk-meinhardt?cid=53579672#cid-53579672

          Martenstein gehört zu der bedrohten Spezies der aufrechten Journalisten.

        • Es heisst:
          «Das Magazin ist für seine Nähe zum Rechtspopulismus nicht nur bekannt, sondern auch berüchtigt.»

          Also ich beobachte nun Tichys Einblick schon eine längere Zeit und ich sehe da nicht viel Rechtspopulismus und zwar vom Duktus wie vom Inhalt her nicht. Es ist momentan eine wichtige Stimme, wenn es darum geht, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Meinungspluralismus etc. zu verteidigen.

          Auch Michael Meyen (Prof. an der LMU München für Kommunikationswissenchaft) ist ja ein Kind aus der DDR und deshalb hat auch er offenbar ab und an ein gutes Gespür für «autoritäre» Tendenzen in Deutschland:
          «Vom Kampf um die Öffentlichkeit
          VON MICHAEL MEYEN · 13/05/2020
          Ein Gespenst geht um in Deutschland: die Verschwörungstheorie. Dubiose Kanäle im Internet, so liest und hört man es jetzt allerorten, haben erst die öffentliche Debatte vergiftet und treiben jetzt unbescholtene Bürger auf die Straße und damit in die Hände von Rattenfängern aller Couleur – mit ungeahnten Folgen für die politische Kultur und den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Die Diffamierung von Demonstranten hat hierzulande Tradition. Und die Geschichte lehrt: Es muss nicht immer gut ausgehen für die, die gerade an der Macht sind.» (…)
          https://medienblog.hypotheses.org/9558

          Dann einen Artikel von Ulrich Teusch (Lückenpresse), der m.E. doch gewisse Tendenzen in Deutschland gut auf den Punkt bringt, obwohl er m.E. die Sache ein bisschen konkreter und differenzierter angehen könnte.

          «Querdenker aller Lager ignorieren Abstandsgebote
          Die Maxime „Teile und herrsche“ ist zur Richtschnur der deutschen Politik geworden. Es gibt keine ernstzunehmende parlamentarische Opposition mehr. Die etablierten politischen Kräfte bilden faktisch eine Einheitsfront. Von Woche zu Woche wird die Spaltung der Gesellschaft spür- und sichtbarer. Demokratie und Rechtsstaat sind in Gefahr. Viele Millionen Bürger, die sich von der herrschenden politischen Klasse nicht mehr repräsentiert fühlen, die ihren Dissens und ihren Protest artikulieren, werden aus jeglicher Debatte ausgegrenzt – stigmatisiert, diffamiert, ruiniert. Worauf soll das hinauslaufen? Auf einen Schrecken ohne Ende? Oder auf ein Ende mit Schrecken?» (…)
          https://multipolar-magazin.de/artikel/querdenker-aller-lager-ignorieren-abstandsgebote

          Auch John Ioannidis kann offenbar nicht mehr alles sagen und publizieren, was er möchte:
          « SJ: You received considerable pushback for your piece. Has it changed your opinion of academic discourse?

          JPA: Appearing on Fox may have infuriated some of my colleagues – but that speaks to the polarization in the US. I’m a data-driven technocrat. It’s unlikely I would fit well with “conservative ideology” (good grief)!
          I welcome academic discourse and disagreement. I have no doubt that I know very little and that I make mistakes, but I am just trying to learn a bit more and to make fewer mistakes, if possible. I consider that people who criticize me with valid scientific arguments are my greatest benefactors. But the outrage propagated by social media is a force of its own, and destroys any intelligent discourse, civil or uncivil. Once the outrage gets going, platforms for academic discourse censor and the discourse just doesn’t happen. I was unable to publish my essay about nosocomial spread of COVID-19 in nursing homes and hospitals. I submitted to many outlets. I suspect the editors feared social media backlash against my raising an uncomfortable issue. Fear isn’t healthy for science.»
          https://thehealthcareblog.com/blog/2020/07/09/a-conversation-with-john-ioannidis/

Schreibe eine Antwort zu Dipfele Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.