Hans Wollschläger-Fake News- Updated

Hans, Winterberg 11-04

Hans Wollschläger in Winterberg, 2004, Foto: Gabriele Gordon

Es hätte ja eigentlich genügt, meinen letzten Artikel zu ergänzen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/17/fake-news-oder-wie-ich-zur-witwe-von-hans-wollschlaeger-wurde/

Aber irgendein Bug im WordPress-System ließ das nicht zu.

Die NZZ als Sprachrohr des gekränkten Bearbeiters der Wollschläger-Übersetzung des Ulysses von James Joyce, Harald Beck, hat nun auch dessen Zuarbeiter Hans Walter Gabler zu Wort kommen lassen.

Der Artikel hebt natürlich mit Fake News an:

Rettet den deutschen «Ulysses»

Aus rechtlichen Gründen liegt die revidierte deutsche Übersetzung von Hans Wollschläger auf Eis. Das darf nicht sein.

Hans Walter Gabler 26.3.2018, 05:30 Uhr

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Sie liegt natürlich nicht nur aus rechtlichen Gründen „auf Eis“, sondern entscheidend deshalb, weil Beck das Wollschlägersch’e Kunstwerk zerstörte.

Die NZZ vom 2.3.2018 war jedenfalls schon mal näher an der Wahrheit:

Gabriele Gordon habe keinerlei Gesprächsbereitschaft gezeigt: «Sie hat es abgelehnt, Jonathan Landgrebe, den Leiter von Suhrkamp, und den Cheflektor Fellinger zu treffen. Offenbar hat sie dem Verlag schriftlich ihre Position dargelegt; sie begründet diese einerseits juristisch – in dieser Hinsicht sind ihre Ansprüche tatsächlich unanfechtbar. Anderseits führte sie angeblich literarische und philologische Gründe an: Wollschläger hätte der Neufassung nicht zugestimmt, argumentierte sie.»

https://www.nzz.ch/feuilleton/ulysses-neuedition-rechtlich-ist-die-sache-tot-ld.1361961

Der offenbar umfassend uninformierte Gabler meint:

Das grundsätzliche Einvernehmen zwischen dem Übersetzer, einem Team von Revisoren und dem Suhrkamp-Verlag datiert aus dem Jahre 2007. Leider verstarb Hans Wollschläger wenige Monate, nachdem das Übereinkommen erzielt worden war.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Daß bei diesem Treffen von 10.3.2007 irgendein Übereinkommen erzielt worden sei, davon träumt allenfalls der Suhrkamp-Verlag. Insofern existiert lediglich ein Protokoll des Verlags, das Hans Wollschläger nie zur Kenntnis nahm. Ob er wirklich die Fron auf sich genommen hätte, sich ein ganzes Jahr die Besserwissereien von Anglisten und Philologen anzuhören? Die keine Ahnung von Kunst haben?

Ich wage es zu bezweifeln.

Eins ist jedenfalls klar. Nur Hans Wollschläger selbst hätte seine eigene geniale Übersetzung überarbeiten können. Niemand sonst.

Gabler hüpft gleich hierauf:

Durch dieses aber bestärkt, verpflichtete der Verlag Harald Beck und seine Mitarbeiter zur Durchsicht und Überarbeitung der Wollschläger-Übersetzung. Entscheidend am Übereinkommen war, dass ein durchgesehener und revidierter Übersetzungstext nicht die wollschlägersche Verdeutschung überfremden würde. Die Überarbeitung verstand sich als Dienst an der Übersetzung und deren Dienst am Roman und an seinem Autor.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Warum bringt die NZZ derlei Lügen?

Klar, Beck möchte gern seine Vorgänger Dirk Vanderbeke und Dirk Schultze, die Kommentatoren der Wollschläger-Übersetzung  im Jahr 2004, auslöschen, denen er zuarbeitete. Genauso agiert sein Zuarbeiter Gabler.

Vanderbeke und Schultze verließen das Unternehmen, als ihnen klar wurde, wie sehr Beck es auf die Zertrümmerung  der Wollschläger-Übersetzung ankam.

Gabler:

Wie ich es mir vorstelle, könnte Grundlage einer Vereinbarung sein, dass Hans Wollschlägers «Ulysses» unverändert der rein deutsche Lesetext des Werkes vom Suhrkamp-Verlag bleibt. In Parallele dazu sollte der Verlag den Plan Siegfried Unselds umsetzen, eine zweisprachige «Ulysses»-Ausgabe anzubieten. In dieser würde dem englischsprachigen originalen Text der deutsche zugesellt, der, auf der Grundlage der Übereinkunft mit Hans Wollschläger, über zehn Jahre hinweg im Auftrag des Suhrkamp-Verlags erarbeitet wurde. Dass dieser überarbeitete Text im Wesentlichen nach wie vor den Übersetzungstext Hans Wollschlägers darstellt, nur eben in einer revidierten Fassung, welche Entsprechungen im Deutschen zum englischen Original präzisiert, wäre selbstredend hervorzuheben und vertraglich festzuhalten.

Es ist eine hohe Anerkennung der Übersetzung von 1975, dass sie eben nicht ersetzt wird, sondern im Kern bestehen bleibt. Der revidierte Wollschläger-Text in einer zweisprachigen Ausgabe sollte dabei selbstverständlich zu erkennen geben, wo er von Wollschlägers Fassung von 1975 abweicht und warum er das tut. Der englischsprachige Text der Herausgeber Hans Walter Gabler, Wolfhard Steppe und Claus Melchior steht rechtlich vorbehaltlos für die zweisprachige Ausgabe zur Verfügung.

https://www.nzz.ch/feuilleton/rettet-den-deutschen-ulysses-ld.1366637

Nun mag ja wohl Suhrkamp befeuert haben, die „neue“ Übersetzungs-Bearbeitung von Beck zu promoten, weil die alte von Wollschläger nicht mehr verkauft wird, da der Markt gesättigt ist.

Gablers Vorschlag ist nicht nur weltfremd, sondern auch kontrafaktisch, da die Wollschläger-Übersetzung durch Beck zerstört worden ist.

Und warum sollte ein kommerzieller Verlag wie Suhrkamp eine englisch-deutsche Ulysses-Ausgabe herausbringen, der die zehntausende Beck-Veränderungen an der Wollschläger-Übersetzung dokumentiert, die Beck auch noch begründen soll?

 

 

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3.585 Gedanken zu „Hans Wollschläger-Fake News- Updated

  1. „Wie der Wahlkampf überhaupt aus den Fugen gerät“- das kann man wohl sagen, so zB:

    Rosie ist eindeutig noch nicht ‚recovered‘.

    Dann doch lieber diesen Lacher : kreative GOP Kandidatin aus Californien mit ihrem Wahl-Werbespot gegen den Kontrahenten, dem nur ein A fehlt, um noch lustiger zu sein. 😉
    Leider ist sie dem noch weit unterlegen.

    • Ja, das ist eine probate Methode der Republikaner, darauf hinzuweisen, daß ihre Gegenkandidaten von Fossilien wie den Clintons, Pelosi oder gar den Obamas unterstützt werden. Selbst die Medien der dems wollen diese Altlasten loswerden.

      Mich verstört ja vor allem, wie verlogen die Demokraten und die sie stützenden Mainstream-Medien verfahren. In deren Gefolge natürlich auch unsere deutschen Politiker und Medien, denn mehr als Abschreiben kann ich nicht erkennen. O.K., man versucht, den Iran-Sanktionen entgegenzuwirken -: aber im Ernst: welches große Unternehmen würde seine US-Geschäfte riskieren, gegenüber den minimalen Umsätzen mit dem Iran?

      Der US-Rechtsstaat ist ja inexistent: er ist reine Machtdemonstration.

      Kommen wir also zur Heuchelei im Wahlkampf:

      Der selbstgerechte Adam Schiff:

      Der aber 2015, als Saudi-Arabien anfing, den Jemen zu bombardieren, ganz anders tönte:

      Was hatte Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes aktuell dazu zu vermelden?

      Looking back, I wonder what we might have done differently, particularly if we’d somehow known that Obama was going to be succeeded by a President Trump. In hindsight, we were wrong to think that cautious and at times conditional support for the war in Yemen would influence Saudi and Emirati policy, or help shape the actions of MbS, particularly given the turn American politics took with the 2016 election.

      https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2018/10/jamal-khashoggi-and-us-saudi-relationship/572905/

      In dem ganzen verlogenen Stück wird nicht mit einem Wort auf Obamas Zerstörung Libyens und Syriens hingewiesen. Wie George W. Bush zielte Obama auf die Zerstörung aller säkularer Regierungen im Nahen Osten.

      Was Moral bedeutet, stellt wiederum einmal mehr Tucker Carlson dar:

      Wie korrupt die Medien sind, zeigt deren Eingehen auf millionenschwere PR-Aktivitäten der saudi-arabischen Regierung:

      […]
      The investigation into how London has become a focus of lobbying efforts in recent years to burnish the country’s image reveals:
      • Major PR agency Freud’s, which has worked with Saudi Arabia, is now distancing itself from the kingdom.

      • There are fresh concerns over the Independent’s decision to establish a partnership with a Saudi publisher with close links to the Saudi government.

      • The London office of online publisher Vice has been working on a series of films to promote Saudi Arabia.

      • A Saudi publishing company that is signing partnerships with western media firms has donated to the Tony Blair Institute for Global Change in return for his advice to the country.

      • A company largely staffed by former employees of the collapsed PR firm Bell Pottinger has advised the Saudi state on communications strategy.
      […]
      One video produced by Vice as part of the deal promoted tourism to a Saudi Arabian camel festival, has attracted millions of views on Vice’s YouTube channel.

      A single frame at the end of the 15-minute film states the video was “produced in partnership” with SRMG. Vice said it retained full editorial control over the material but that the deal was now under review.
      […]

      https://www.theguardian.com/world/2018/oct/19/saudi-arabia-pays-uk-firms-millions-to-boost-image

      Die Wähler in den USA lesen derlei Medien eh nicht, und wenn, interessiert sie das alles nicht.

      Was den Senat angeht, so dürfte sich der Vorsprung der Republikaner noch vergrößern, dank des Kavanaugh-Effekts; denn daß die dems da in letzter Minute die „Kronzeugin“ Christine Blasey Ford heranzerrten, kam genauso schlecht an wie die einen Tag vor der Anhörung herangezerrte Avenatti-Zeugin:

      Democrats slide in battle for Senate
      By Alexander Bolton – 10/21/18 05:59 AM EDT

      The battle for control of the Senate is looking worse and worse for Democrats, who just a month ago saw a path to the majority but now increasingly look like they could lose more seats and have a smaller minority next year.

      Republicans have seen a bump in the polls in several key races since Labor Day. They believe momentum has flipped to their party since the fight over Supreme Court Justice Brett Kavanaugh polarized the electorate, hurting Democrats running for reelection in states where President Trump is popular.

      Two states where Democrats had hopes of pulling major upsets — Texas and Tennessee — have moved in favor of Republicans. Races in Nevada and Arizona, two other states where Democrats had hoped to make gains, remain tight, but Republicans feel more confident about their candidates.
      […]

      https://thehill.com/homenews/senate/412243-democrats-slide-in-battle-for-senate

      Was das Repräsentanten-Haus angeht, das traditionell in den midterm-Wahlen gegen den amtierenden Präsidenten gewählt wird: da sieht es ebenfalls nicht gut für die dems aus:

      Vielleicht ist eine Ära angebrochen, in der lügende Politiker und ihre Medien nicht einfach nur mehr hingenommen werden?

  2. Sieht man diese windelweichen Äußerungen von Heiko Maas von gestern:

    https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-462009.html,

    kommt einem der Kommentar von Pitzke erst recht spanisch vor:

    Trump und der Fall Khashoggi
    Mörder und Heuchler
    Die Khashoggi-Affäre offenbart, wie sehr die US-saudischen Beziehungen von Eigennutz getrieben sind. Menschenrechte interessieren kaum – keiner zeigt das so schamlos wie Donald Trump.
    Eine Analyse von Marc Pitzke, Las Vegas
    Sonntag, 21.10.2018 08:00 Uhr

    Die Khashoggi-Affäre verfolgt Donald Trump bis nach Nevada. Dort macht der US-Präsident gerade Kongresswahlkampf: Am Samstag versetzt er im Goldgräberort Elko mit einer seiner faktenfreien Büttenreden Tausende Anhänger in Ekstase.
    „Das war wirklich toll“, preist Trump sich anschließend selbst vor den mitreisenden Reportern. „Noch Fragen?“

    Natürlich – und fast alle drehen sich um den mutmaßlichen Mord an dem saudi-arabischen Regimekritiker Jamal Khashoggi in Istanbul – und um Trumps endloses Lavieren in dem Fall. Mr. President, machen Sie Kronprinz Mohammed bin Salman mit verantwortlich? Glauben Sie Riads Version der Todesumstände? Sind Sie damit zufrieden?
    Trump laviert weiter, obwohl der Rest der Welt längst klar Stellung bezogen hat.
    „Nein, ich bin nicht zufrieden“, sagt er zwar – doch sagt er dann sofort, wie so oft, genau das Gegenteil: „Aber es war ein großer erster Schritt. Es war ein guter erster Schritt.“ Leichtgläubigkeit, Zynismus, Kalkül? Bei Trump ist alles möglich.
    […]

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/jamal-khashoggi-donald-trump-beschuetzt-saudi-arabien-a-1234309.html

    Ich muß mich übrigens korrigieren:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-80/#comment-77737

    Christoph Sydow war nicht an der verplemperten SPIEGEL-Titelgeschichte von gestern beteiligt; neben Christoph Reuter waren dort u.a. zwei weitere Christophs beteiligt: Schult und Scheuermann, der Ober-anti-Trumper beim SPIEGEL. Sydow blieb es vielmehr vorbehalten, den Scherbenhaufen der Titelstory am Tag ihres Erscheinens zusammenzufegen:

    Verdächtige im Fall Khashoggi
    Der General und der Troll
    Die Erklärung Saudi-Arabiens zum Tod Jamal Khashoggis klingt hanebüchen. Das Regime macht zwei Vertraute des Kronprinzen verantwortlich: den Vize-Chef des Geheimdiensts und den „Steve Bannon von Saudi-Arabien“.
    Von Matthias Gebauer und Christoph Sydow
    Samstag, 20.10.2018 09:50 Uhr

    Den Zeitpunkt seiner Erklärung wählte das saudische Königshaus mit Bedacht: Am Samstagmorgen um 1 Uhr Ortszeit – mitten in der Nacht zwischen den beiden Wochenendtagen in Saudi-Arabien -, veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur SPA eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Zu einem Zeitpunkt also, an dem die brisante Nachricht im Land so wenig Aufmerksamkeit bekommt wie nur möglich.
    […]
    Nun plötzlich teilt die Justiz mit: Khashoggi wurde in der diplomatischen Vertretung getötet.
    Die Saudis stellen das Ganze als Unfall und Verkettung unglücklicher Umstände dar: Das Königshaus habe eine allgemeine Direktive erlassen, im Ausland lebende Dissidenten in die Heimat zurückzuholen. Als diese Anweisung dann in der Befehlskette nach unten weitergegeben wurde, sei es zu Missverständnissen gekommen. Diese hätten dann dazu geführt, dass sich im Istanbuler Konsulat zwischen Khashoggi und den saudischen Agenten eine Schlägerei entwickelte, in deren Verlauf der 59-jährige Journalist getötet wurde.
    Ein saudischer Offizieller behauptet in der „New York Times“, ein lokaler Mitarbeiter habe sich um die Beseitigung der Leiche gekümmert, daher wüssten die Saudis auch gar nicht, wo sich die sterblichen Überreste Khashoggis befinden.
    […]

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/jamal-khashoggi-saudi-arabien-macht-zwei-verdaechtige-verantwortlich-a-1234255.html

    Dabei erfährt man, wie es Journalisten in Saudi-Arabien so ergeht:

    Der General gehörte in den vergangenen Jahren zu den wenigen bekannten Gesichtern des saudi-arabischen Sicherheitsapparates. Massiv geschult von westlichen PR-Agenturen sollte der smarte Asiri vor allem westlichen Journalisten glaubhaft erklären, dass die Saudis rechtmäßig in den Krieg im Jemen eingegriffen hätten und sich an die internationalen Kriegskonventionen hielten.

    Asiri war dazu viel unterwegs. Regelmäßig reiste er in die USA. Er tourte durch die europäischen Hauptstädte oder lud Journalisten nach Saudi-Arabien ein. Wenn er in Riad Hof hielt, ließ er seine Gäste die Aura seiner Macht spüren. Er war immer ein bisschen mehr als nur ein General und er machte, in fließendem Englisch oder Französisch, keinen Hehl daraus, dass er das Vertrauen des Kronprinzen genießt, der in Riad nur MBS genannt wird.

    Umgeben von Leibwächtern in traditionellen Gewändern, mit silbernen Revolvern im Holster, empfing er Reporter gern mitten in der Nacht in prachtvollen Hotelsuiten. Er selbst trug statt Uniform Maßanzüge, die seine durchtrainierte Figur zur Geltung brachten, dazu stets starkes Parfum. Wer ihn kannte, bekam Zugang zum saudischen Militär. Manchmal ging es vom Hotel direkt in die streng abgeschirmte Kommandozentrale der Jemen-Mission.

    So läßt man sich doch gern überzeugen.

  3. Im Zuge der von der Türkei befeuerten Medienkampagne im Fall Kaschoggi traute sich auch Alice Bota wieder, einen anti-Rußland-Beitrag zu verfassen – weil, Verdacht reicht ja aus:

    Russland: Wir doch nicht!
    Der Giftanschlag in Salisbury, der Abschuss der malaysischen Passagiermaschine, die Trollfabriken, die Hackerangriffe – alles Lachnummern. Hat nichts mit Putin zu tun. Russland leugnet systematisch jede Verantwortlichkeit.
    Von Alice Bota
    17. Oktober 2018, 17:00 Uhr Editiert am 20. Oktober 2018, 11:37 Uhr DIE ZEIT Nr. 43/2018, 18. Oktober 2018
    […]

    https://www.zeit.de/2018/43/russland-wladimir-putin-verantwortung-staat-autoritaere-regierung

    Glücklicherweise nur für Abonnenten lesbar. Am Ende ist sie fassungslos, daß die Russen über Londons und Bellingcats Ermittlungen nur noch Witze reißen. So gebe es T-Shirts zum RT-Interview mit Petrow und Boschirow mit Aufdrucken, wo sie gefragt werden: „Sind Sie beim GRU?“ Antwort: „Sie etwa?“
    Und in Moskau gebe es Bars, die Nowitschok-Cocktails anbieten.

    Offenbar kennt sie die lächerlichen „Ermittlungen“ in London nicht.

    Die West-Medien haben sich in Sachen Kaschoggi wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert; hier eine bereits widerlegte „türkische Quelle“:

    Die NYT und das WSJ scheinen ja jetzt zurückzurudern, zu spät für den SPIEGEL vom 20.10. mit Redaktionsschluß am Donnerstag, dem 18.10.2018:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-80/#comment-77737

    Wie konnte das kommen, wo doch auch die dems und ihre Verbündeten in den USA den roten Teppich für den Kronprinz ausgerollt hatten, wie Angelika Roll gepostet hat?

    https://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/mohammad-bin-salman-us-visit-itinerary-oprah-saudi-arabia-prince-google-trump-washington-dc-a8276751.html
    „[-]
    „His itinerary is packed with America’s best, brightest and most influential.“
    Es folgt eine imposante Liste namhafter Democrats und ihrer Medien. !“
    https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-79/#comment-77706

    Noch einmal Gabriel, der offenbar nicht weiß, daß Deutschland im Jahr 2012 die Muslimbrüder, eine in Saudi-Arabien und Syrien verbotene islamistische Terror-Organisation, nach Berlin-Wilmersdorf einlud, um über die Zukunft des alsbald fallenden Assad zu diskutieren:

    Lange Zeit war Saudi-Arabien ein Hort der internationalen Terror-Finanzierung. Der Führer von Al-Qaida kam nicht zufällig aus Saudi-Arabien. Die überwiegende Mehrzahl deutscher IS-Kämpfer und Terrorsympathisanten kamen aus salafistischen Moscheegemeinden – finanziert durch Saudi-Arabien. Hintergrund ist der für dieses Land konstitutive Kompromiss zwischen der kapitalistisch orientierten Führungselite und den konservativen Religionsführern. Die einen können hinter den Mauern ihrer Paläste leben, wie sie wollen, solang die anderen – die religiösen Führer – daheim und in der Welt ihren islamischen Fundamentalismus predigen und verbreiten dürfen. Der Terror beginnt nicht mit dem Attentat, sondern mit der Radikalisierung seiner Anhänger.

    Der heutige Kronprinz Mohammed bin Salman hatte den Mut, mit dieser verhängnisvollen Tradition der Machtteilung seines Landes zu brechen. Weit entscheidender als die Erlaubnis für Frauen, Autofahren zu dürfen, ist dieser auch für den Kronprinzen persönlich nicht ungefährliche Kurs. Er bekämpft zugleich Korruption, Terrorfinanzierung und religiösen Fanatismus und stoppt auch in Deutschland die Finanzierung extremistischer Moscheegemeinden. Bin Salman wendet sich ebenso gegen die Radikalen der Moslembrüder wie er seine Wirtschaft modernisieren und Saudi-Arabien unabhängiger vom Öl machen will.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/saudi-arabien-und-der-fall-khashoggi-mit-dem-teufel-aus-einem-topf-essen/23210250.html

    Weil Gabriel die historischen Zusammenhänge verkennt – die Muslinbrüder formten 2011 zusammen mit der Türkei und Katar die FSA, rekrutiert aus fanatischen Sunniten, die aus der syrischen Armee desertierten, das alles unter dem Wohlwollen von Obama -, versteht er die Welt von heute nicht.

    Hier eine trennscharfe Analyse:

    • Muss ich noch lesen, aber hier schrieb auch Patrick Cockburn interessante Gedanken zum Fall:
      https://www.counterpunch.org/2018/10/17/when-saudi-arabias-credibility-is-damaged-so-is-americas/
      [-]
      „For the first time, the US media is giving wall-to-wall coverage to negative stories about Saudi Arabia. One effect of this is to undermine Mr Trump’s effort to sell his confrontational policy towards Iran by demonising it as a uniquely criminal and terrorist regime. These denunciations are now being undercut by the drip-drip of allegations about the fate of Mr Khashoggi with even the case for the defence apparently resting on the claim that he was accidentally tortured to death by an overly enthusiastic security officer.“

      Das passt doch auch wunderbar zum Wahlkampf der dems vs Trump/GOP

    • Eine zweifellos korrekte Analyse, auch wenn die hinreichend bekannten Standpunkte uns nicht gefallen, jedenfalls mir nicht.
      Cherchez…Ben Rhodes, die Stimme seines Herrn- auch das kann ja kaum verwundern.

    • Why Is Khashoggi Being Made The Defining Issue Of U.S. Foreign Policy?
      The alleged killing of Jamal Khashoggi reveals far more about the nature of the American press and political establishment than it does foreign policy.

      By Ben Weingarten

      October 19, 2018
      […]
      Given the realities of an Islamic world marked by tyranny and perpetually roiled in internecine warfare, it is striking that this single alleged episode would lead to calls for America to effectively dismantle its entire regional policy.

      Yet is Saudi Arabia significantly different today than it was yesterday? It is even more curious, again, that the press would rush to such a judgment without evidence from a single trustworthy source, or any piece of compelling evidence.

      Occam’s Razor suggests the media and political establishment is interested in Khashoggi for three main reasons.

      First, Khashoggi is being used as a cudgel against President Trump’s foreign policy.
      […]
      Second, casting bin Salman as a murderous dictator feeds into one of the establishment’s favorite narratives, that Trump embraces authoritarians and harbors authoritarian tendencies himself. The counter of course is that foreign policy requires partnering at times with unsavory regimes that reject our values in order to advance our greater interests, and Trump understands this.
      […]
      Third, the media believes in protecting its own, and virtue-signaling. Threatening a journalist — if that journalist isn’t a conservative, and the person threatening him isn’t a leftist — is the surest way to draw the media’s ire.
      […]

      http://thefederalist.com/2018/10/19/khashoggi-made-defining-issue-u-s-foreign-policy/

      Das erklärt ja schon viel, was die bedenkenlose Übernahme antisaudischer türkischer Leaks angeht. Als ob die US-Medien nicht wüßten, wie positv die Türkei gegenüber den Muslimbrüdern steht und wie negativ gegenüber dem sunnitischen Rivalen Saudi-Arabien…

      Jetzt geht es ins Eingemachte:

      There’s More Going On Here, Of Course

      Another element to this story was raised in one of Khashoggi’s last columns for The Washington Post. It has gone ignored, and might explain in part the rush to make Khashoggi a cause célèbre given the lack of facts and evidence, and Khashoggi’s checkered background.

      On Aug. 28, 2018, Khashoggi published an article for The Washington Post titled “The U.S. is wrong about the Muslim Brotherhood — and the Arab world is suffering for it.”
      https://www.washingtonpost.com/news/global-opinions/wp/2018/08/28/the-u-s-is-wrong-about-the-muslim-brotherhood-and-the-arab-world-is-suffering-for-it/
      […]
      “There are efforts here in Washington, encouraged by some Arab states that do not support freedom and democracy [read: Saudi Arabia], to persuade Congress to designate the Muslim Brotherhood as a terrorist organization. If they succeed, the designation will weaken the fragile steps toward democracy and political reform that have already been curbed in the Arab world. It will also push backward the Arab countries that have made progress in creating a tolerant environment and allowing political participation by various components of society, including the Islamists.”

      The Obama administration’s entire Middle East policy was disastrous to America’s national interest, but it was in accord with Khashoggi’s wishes, and those of a political establishment for which political Islam was considered not only acceptable but also desirable, and the Muslim Brotherhood was viewed as its most viable vehicle. Obama disrupted any semblance of balance in the historically bloody and chaotic Middle East by seeking to swing all power to one side, unleashing violent, supremacist, theocratic forces on all sides.
      […]

      http://thefederalist.com/2018/10/19/khashoggi-made-defining-issue-u-s-foreign-policy/

      Man fragt sich, warum die WaPo Kaschoggi ein Forum bot, auf dem er dekretieren konnte, es sei demokratiefeindlich, die Islamisten der Muslimbruderschaft zu verbieten, weil diese, wie in Ägypten, von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt werden würde. Ist das nicht eine Diffamierung von Islamgläubgigen?

      In Syrien wäre das jedenfalls nie der Fall gewesen.

      The Iran Deal and Muslim Brotherhood echo chamber chorus, led by none other than Ben Rhodes

      https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2018/10/jamal-khashoggi-and-us-saudi-relationship/572905/

      is wholly hypocritical in its criticism given the evil regimes with which the Obama administration colluded, self-evidently to the detriment of our national interest. The Khashoggi affair has revealed significantly more about the nature of our media and political establishment than about the Islamic world and American foreign policy.

      http://thefederalist.com/2018/10/19/khashoggi-made-defining-issue-u-s-foreign-policy/

      Mehr noch über Kaschoggi und die US-Presse erfährt man hier:

  4. Gar nicht so leicht, alle Neuigkeiten hier wie auch woanders nachzulesen, schon gar nicht bei einer leider immer wieder versagenden Internetverbindung…

    Sehr konkret ist das Ganze immer noch nicht. Nur eins scheint klar: in Saudi-Arabien werden „Köpfe rollen“.

    Verschwundener Journalist
    Saudi-Arabien bestätigt Tötung von Jamal Khashoggi
    Aktualisiert am 20.10.2018-08:34

    Das Königreich hat zugegeben, dass der Journalist im Konsulat in Istanbul getötet worden ist. Zuvor sei es zu einem Streit gekommen. Der amerikanische Präsident hält den Fall aber für noch nicht restlos aufgeklärt.

    Traurige Gewissheit: Mehr als zwei Wochen nach dem mysteriösen Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat Saudi-Arabien den Tod des Regimekritikers eingeräumt. Vorläufige Ergebnisse hätten gezeigt, dass es zwischen Khashoggi und mehreren Personen im Istanbuler Konsulat zu einem tödlichen Streit gekommen sei, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa am späten Freitagabend. 18 saudische Staatsangehörige seien festgenommen worden, darunter auch der Vizechef des Geheimdienstes.
    […]
    Spa zufolge war „der Verdächtige“ – dessen Identität nicht aufgeklärt wird – nach Istanbul gereist, um Khashoggi zu treffen. Es habe Anzeichen gegeben, dass dieser möglicherweise zurück nach Saudi-Arabien zurückgehen werde. Das Treffen im Konsulat allerdings sei nicht „wie erwartet“ verlaufen und endete in Khashoggis Tod. Die Täter hätten danach versucht, die Tötung zu vertuschen.
    […]
    Quelle: dpa

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/saudi-arabien-bestaetigt-toetung-jamal-khashoggi-15847571.html

    11:28 Uhr
    Im Konsulat in Istanbul
    Saudi-Arabien bestätigt Tötung Khashoggis

    Der Tod des saudischen Journalisten Khashoggi ist traurige Gewissheit. Die Regierung in Riad verkündet Festnahmen und behauptet, eine Schlägerei habe zu seinem Tod geführt.
    Saudi-Arabien hat zugegeben, dass der vermisste Journalist Jamal Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet worden ist. Ein Streit zwischen Khashoggi und Männern im Konsulat habe sich zu einer „Schlägerei“ entwickelt, „die zu seinem Tod führte“, erklärte der saudische Generalstaatsanwalt Scheich Saud al-Modscheb.
    […]
    Kurz vor der Bestätigung von Khashoggis Tod telefonierten der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und der saudische König Salman miteinander, wie aus einem in der Nacht veröffentlichten Bericht der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hervorgeht. Erdogan und Salman hätten über den Fall Khashoggi gesprochen und über die Wichtigkeit, bei den Ermittlungen voll zu kooperieren. Während des Gesprächs hätten der Präsident und der König Informationen über die Fortschritte der Ermittlungen ausgetauscht.
    […]

    https://www.tagesspiegel.de/politik/im-konsulat-in-istanbul-saudi-arabien-bestaetigt-toetung-khashoggis/23210494.html

    Einen Spin bringt die ZEIT herein – erstaunlicherweise durch die NYT:

    6. Warum wurde Khashoggi umgebracht?

    Das ist unklar. Saudi-Arabien hat sich nicht zum Motiv der 18 Verdächtigen geäußert, die in der Botschaft festgenommen worden sein sollen. Ein politischer Hintergrund ist jedoch sehr wahrscheinlich. Die Tötung eines Kritikers ist allerdings ungewöhnlich – das Regime unter Mohamed bin Salman ist dafür bekannt, Dissidenten vielmehr wegzusperren und zu harten Strafen zu verurteilen. Es könnte daher sein, dass Khashoggis Tötung ein Versehen war: Die New York Times zitiert einen anonymen saudischen Funktionär,

    der sagte, im Königreich gebe es eine generelle Anweisung, Dissidenten zurück ins Land zu bringen, wenn man ihrer habhaft werden könne. Deshalb sei eine Gruppe Geheimdienstbeamter in die türkische Botschaft entsandt worden, um ihn festzunehmen. Als Khashoggi die Männer gesehen habe, habe er versucht, zu fliehen. In einem anschließenden Kampf habe einer der Geheimdienstmitarbeiter Khashoggi stranguliert.

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-10/jamal-khashoggi-saudi-arabien-journalist-konsulat-istanbul-faq

    Seltsam, war doch die NYT bislang bemüht, einen MBS-„Auftragsmord“ zu konstruieren.

    Das WSJ geht in dieselbe Richtung:

    “Discussions between citizen Jamal Khashoggi and those who met him while he was in the Saudi Consulate in Istanbul led to a brawl and a physical altercation, which led to his death,” the statement said, citing the preliminary findings of the investigation.

    A separate statement issued by the Saudi foreign ministry said the perpetrators tried to cover up what happened.
    […]
    Several people close to the royal court believe Prince Mohammed was ultimately behind the operation targeting Mr. Khashoggi. The young prince had wanted Mr. Khashoggi silenced long before he went missing, and he had asked some of his closest aides to bring him back to the kingdom, they say. They said they don’t know if the prince specifically ordered the killing, but believed it was unlikely.

    Among those aides was Mr. Qahtani, who had previously tried to persuade Mr. Khashoggi to return to the kingdom, even offering him the prospect of a government job, according to friends of Mr. Khashoggi. The journalist declined the offer, worried it was as trap.
    In a message on Twitter last year, Mr. Qahtani said: “I don’t do anything from my own head without an order. I am an employee and executer to my king and my crown prince.”
    […]

    https://www.wsj.com/articles/saudi-arabia-detains-18-people-in-connection-with-journalists-death-1539987519

    Ganz alt sieht der SPIEGEL aus, der Kaschoggi zur Titel-Story der heutigen Ausgabe erhob und sich ganz und gar auf die türkischen Leaks, die NYT und geneigte Experten verließ. U.a. beteiligt an der knalligen Story: Sydow und Reuter.

    https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/image/title/SP/2018/43/300

    Tod am Bosporus

    Saudi-Arabien  Ein grausiger Kriminalfall erschüttert die Weltpolitik: Agenten des saudischen Thronfolgers und Regenten sollen in der Türkei einen prominenten Kritiker zerstückelt haben – der Skandal sorgt im Westen für Erschrecken und setzt Donald Trump unter Druck.
    [Foto]
    Kronprinz bin Salman: Touristen mit Knochensäge im Gepäck

    Der Arzt Salah Muhammed Al-Tubaigy ist ein Experte mit außerordentlichen Fähigkeiten. Sein Spezialgebiet sind schnelle Autopsien. In einem Interview mit einer arabischen Zeitung hat er einst damit geprahlt, er könne eine Leiche in Rekordzeit in handhabbare Teile zerlegen.
    […]

    https://magazin.spiegel.de/SP/2018/43/160089286/index.html

    BILD für Abiturienten.

    Die Rolle Erdogans war eigentlich klar: die Regierung sagt nichts, setzt Saudi-Arabien aber durch Leaks in die türkischen und US-Medien unter Druck. Danach kooperiert er, sicherlich nicht zum wirtschaftlichen Schaden seines Landes.

    • Ein gefundenes Fressen für Sydow, Reuter & Co, klar. Sicher gut für die Auflage. Ich wette, sie sprachen mit der Leiche, wie bei BILD üblich.
      Solange keine solche oder unstrittig beglaubigt Teile davon präsentiert werden, glaube ich gar nichts!

      • Jetzt habe ich endlich wieder Internetzugang, und will Ihnen daher schnell antworten:

        https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-80/#comment-77739

        MBS wird schon mit Mr. Bone Saw „übersetzt“; dabei sind nun gerade diese türkischen Behauptungen in keiner Weise belegt.

        @ Barish:
        https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-80/#comment-77735

        Jamal Khashoggi nannte sich so, weil schon sein Onkel, der bekannte Waffenhändler Adnan Khashoggi, seinen Namen auf diese Art und Weise anglisiert hatte.
        Daß die Welt horrende Unterdrückung, Terrorismus-Unterstützung und den Krieg in Jemen hingenommen hat, bei der Kaschoggi-Geschichte aber, zumindest medial, ausflippt, hat tieferliegende Gründe (dazu komme ich später noch). Einstweilen verweise ich auf den Postillon:

        Mittwoch, 17. Oktober 2018
        „Folter und Enthauptung waren doch bis jetzt auch kein Problem“: Saudis ratlos, was sie beim Khashoggi-Mord falsch gemacht haben

        Riad (dpo) – Saudi-Arabien versteht die Welt nicht mehr: Nach den empörten internationalen Reaktionen auf die bestialische Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi zeigte sich das saudische Königreich verwundert, dass Folter und Enthauptungen plötzlich ein Problem für seine westlichen Partner darstellen.
        „Seit Jahrzehnten wenden wir bei Dissidenten Folter an und enthaupten unliebsame Kritiker, ohne dass sich jemand groß beschwert hat“, erklärte Kronprinz Mohammed bin Salman in Riad. „Stockhiebe, öffentliche Hinrichtungen, gewaltsame Niederschlagung von Aufständen – das alles war nie ein Problem.“

        Nicht einmal die Tatsache, dass die saudische Luftwaffe im Jemen tausende Zivilisten tötet und mit ihrer rücksichtslosen Kriegsführung den Hungertod von Millionen Menschen riskiert, hat die Weltgemeinschaft bislang groß gestört. „Im Gegenteil! Wir bekommen ja von allen die Waffen dafür geliefert“, so bin Salman.
        […]

        https://www.der-postillon.com/2018/10/khashoggi-bin-salman.html

        • Nur mal so: der zweite Teil des Frank Rich-Artikels über die Wahlen war auch nicht ohne:

          […]
          In any case, as Silver explains, anyone who expresses certainty about anything is likely to be humbled on November 6. The only thing everyone can agree on is that this is a battle of the bases, and turnout is all.
          It’s a fact that the Democrats have not turned out as Republicans have in recent midterm elections.
          […]
          It’s also a fact that Democrats are brilliant at shooting themselves in the foot — witness the already endangered North Dakota senator Heidi Heitkamp’s now recanted newspaper ad incorrectly naming victims of sexual abuse.

          The party’s “stars” are no better. Bill and Hillary Clinton are not on the ballot, and Elizabeth Warren has a safe reelection bid in Massachusetts this year, but they nonetheless felt compelled to grab the spotlight from candidates who are in political dogfights during the pre–Election Day stretch. Warren’s gratuitously announced DNA test in response to Trump’s “Pocahontas” taunts seems to have consumed more oxygen in these final days of the campaign than McConnell’s post-election plan to cut Social Security, Medicare, and Medicaid to pay for the GOP tax cut. As for the buck-raking Clintons — whose foundation has collected at least $10 million from the kingdom of Saudi Arabia — their unwanted and unseemly rollout of a joint post-election speaking tour, with top tickets costing hundreds of dollars, is nothing if not another incitement for Trump voters to go to the polls and for potential swing Democratic voters to stay home. One is tempted to wish that someone would lock them up.

          http://nymag.com/intelligencer/2018/10/saudi-arabia-mbs-bone-saw-beheading-khashoggi.html

        • Genau! Und sogar Bill gleich mit…er traute sich was! Kann sich aber immer rausreden mit DIE waren nicht gemeint.. 😉

      • Merkwürdig! Als die USA, GB und Frankreich wegen „Assads Giftanschlag“ in Khan Sheikoun Missiles gen Syrien sandten, ohne die geringste Sachaufklärung, fand Merkel diesen völkerrechtswidrigen Schlag angemessen und erforderlich. Aufgrund bloßer Behauptungen der britischen Regierung im Fall Skripal wurden Diplomaten abgezogen – und nun soll plötzlich Aufklärung gefragt sein?

        Gabriel war da heute morgen schon weiter, in der Print-Ausgabe des Tagesspiegel, und stichelt auch gleich gegen seinen Nachfolger:

        Saudi-Arabien und der Fall Khashoggi
        Mit dem Teufel aus einem Topf essen
        Werte und Interessen müssen immer wieder miteinander abgewogen werden, auch im Umgang mit Saudi-Arabien. Ein Kommentar.
        Sigmar Gabriel
        […]
        Selbst diejenigen, die sich in der Abwägung von Werten und Interessen immer für die Interessen entscheiden, dürfen also ihre Partner nicht „out of control“ geraten lassen. Blankoschecks sind auch in der internationalen Politik teuer. Im Falle Saudi-Arabiens jedenfalls ist es dringend nötig, dem Herrscherhaus wieder Grenzen dessen aufzuzeigen, was wir bereit sind zu akzeptieren. Auftragsmord jedenfalls liegt jenseits der Grenze. Und das gilt für alle gleichermaßen: für Russland ebenso wie für Saudi-Arabien. Wer beim bloßen Verdacht bereits bereit ist, russische Diplomaten auszuweisen, darf keine doppelten Standards anlegen, wenn es um einen Partner des Westens geht. Es wäre allerdings gut, wenn diese Reaktionen von allen europäischen Nachbarn gleichermaßen käme. Es war bereits eine Schande, dass niemand in Europa sich offensiv an die Seite der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland gestellt hat, als Kanada wirtschaftlichen und diplomatischen Repressionen wegen ihrer Kritik an der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien ausgesetzt war. Ich habe das auch erleben müssen, als ich Saudi-Arabien für das Verhalten gegenüber Katar und gegenüber dem Libanon kritisiert habe. Die dann folgende Zeit zeigt: wer zu spät Grenzen aufzeigt, der vergrößert die Probleme.

        https://www.tagesspiegel.de/politik/saudi-arabien-und-der-fall-khashoggi-mit-dem-teufel-aus-einem-topf-essen/23210250.html

        Ansonsten eiert er herum:

        Sollen wir alle Rüstungsexporte in die Türkei stoppen, weil sie Krieg im eigenen und in fremden Ländern gegen die Kurden führt? Oder treiben wir das Land damit in die Arme Russlands und schaffen wir damit eine noch instabilere Situation an der Grenze zu Europa, auf die wir keinerlei Kontrolle mehr haben?

      • Es gab auch schon solche Forderungen, das war aber vor dem Eingeständnis

        Muchabarat ist die arabische Bezeichnung für Nachrichtendienst.

        • Wenngleich Skepsis durchaus angebracht ist bei unseren Hauptstrommedien, kann ich bei der Sache eigentlich nur anmerken:

          a) die Plumpheit, mit der die „neue Generation“ saudischer Führung ans Werk geht. So die Delegierung des eigenen Angriffskriegs gegen Jemen an von auswärts Angeheuerte – Söldner aus diversen Entwicklungsländern, Controller für Feindaufklärung und Zielauswahl aus unserem Wertewesten, Piloten für Einsatzflüge sowieso usw.

          b) die Geiselhaft eines frenetisch loyalen, ausländischen Staatsoberhaupts Hariri, der nicht loyal genug war, oder aber

          c) in Bezug auf Punkt a) der folgende und unzählige andere Massenmorde:

          https://www.salon.com/2016/10/08/u-s-armed-saudi-coalition-bombed-yemen-funeral-massacring-82-wounding-534-in-lake-of-blood/

          „U.S.-armed Saudi coalition bombed Yemen funeral, massacring 140, wounding 525 in “lake of blood”
          Western-backed, Saudi-led coalition killed or injured hundreds of Yemenis in airstrikes on funeral in capital Sanaa

          follow us in feedly
          BEN NORTON
          OCTOBER 8, 2016 6:30PM (UTC)
          Western-backed, Saudi-led coalition airstrikes killed and wounded hundreds of Yemenis at a crowded funeral on Saturday.

          More than 140 Yemenis were killed and at least 525 were injured, the U.N. said, citing health officials. The casualty figures are likely to increase. […]“

          Man achte auf das Datum – vor 2 Jahren war das. War die Aufruhr dort auch nur annähernd so voluminös wie jene, welche der Liquidierung des gesalbten Märtyrers Kaşıkçı folgte? Selbstredend nein, denn Beerdingungen zu bombardieren gehört selbstredend zum Ton der „unersetzlichen Nation“, wie sie der ebenfalls gesalbte Seigneur Obama nannte, und ihrer Verbündeten.

          Warum ich die Schreibweise Kaşıkçı – „Löffelmacher“- wähle? In türkischen Medienberichten wird gerne zu genau dieser gegriffen, z.B. in diesem bereits verlinkten Video:

          Und schaue ich mir die arabische Schreibweise an, خاشقجي sprich „Chaschiqji“, so leuchtet diese Umschreibung ein und legt nahe, dass die Familie durchaus türkische Wurzeln hat. Was nicht heißen muss, dass er der Türkei gewogen sei und mit deren Nachrichtendienst bei einem Täuschungsmanöver vergleichbar dem bereits erwähnten der ukrainischen Dienste mitmacht. In dem Falle müsste er spätestens jetzt für die vorhersehbare Zukunft untergetaucht bleiben.

          Warum sonst die Schreibweise „Khashoggi“ so geläufig ist? Möglicherweise eine von ihm selbst oder der Passausstellung gewählte. Übertragung vom Arabischen ins lateinische Alphabet kann sehr frei sein, und seine Kollegen bei der WaPo & Co. hätten sonst zweifelsohne so ihre Probleme bei der Aussprache…;)

        • @ Barish
          “ Piloten für Einsatzflüge sowieso usw.“
          Hä? OMG, soll das heißen, nicht mal diese haben sie selbst gestellt? Das war/ wäre auch mir neu. Ansonsten ist ja unterdessen bekannt geworden, welche tragende Rolle die US Dienste spielten und spielen, über Luft-auftanken weit hinaus, auch wenn die MSM es nahezu 2 Jahre herunterspielten, zT ganz dementierten.(NYT)

        • In Anknüpfung an Barishs Vorführung des wahrhaft langen Sündenregisters der Saudis und hier speziell des jungen ‚Reformers‘ mit seinen 2030 Visionen hat Frank Rich im NyMag Intelligencer eine interessante Betrachtung, die letztendlich auch dem Wahlkampf gewidmet ist:

          http://nymag.com/intelligencer/2018/10/saudi-arabia-mbs-bone-saw-beheading-khashoggi.html

          Während er nicht an herber Kritik spart, für Trump ebenso wie die dems und die Gesellschaft, sieht er den Grund für diese plötzliche Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für Verbrechen des Hauses Saud/MBS in zwei Worten:
          bone saw.

      • Für welche Version und Kommentare sich unsere Medien nun entscheiden, bleibt abzuwarten. Bisher las ich nur den Tagesspiegel, der sich auf Agenturmeldungen beruft und die US Medien zitiert.
        https://www.tagesspiegel.de/politik/im-konsulat-in-istanbul-saudi-arabien-bestaetigt-toetung-khashoggis/23210494.html

        Quelle der Trump Zitate : (Video)
        https://edition.cnn.com/videos/politics/2018/10/20/trump-saudi-arabia-jamal-khashoggi-sot-arizona-air-force-base-vpx.cnn

        und natürlich die WaPo
        https://www.washingtonpost.com/national/trump-saudi-arrests-in-khashoggi-death-a-good-first-step/2018/10/19/47c8b484-d416-11e8-a4db-184311d27129_story.html

        Unberücksichtigt im TS dabei die jüngste CNN Version: Würgegriff/ Strangulation als Todesursache.
        3 hr 15 min ago
        Jamal Khashoggi „died from chokehold“
        https://edition.cnn.com/middleeast/live-news/saudi-journalist-jamal-khashoggi-missing/index.html

  5. Die beiden Kommentare eben zuvor auf die alte Seite gepostet, landeten nicht. Hier dazu, wie sich das bei Al Arabya liest:

    https://english.alarabiya.net/en/News/gulf/2018/10/20/Saudi-Arabia-Investigation-shows-the-death-of-Jamal-Khashoggi-in-a-fight.html

    Für The official Saudi Press Agency kommt : die Seite ist nicht erreichbar. auch bei direkter URL Eingabe lädt nichts: https://www.spa.gov.sa/

    Nunja, wen wundert’s…bei einer solchen Meldung zu nächtlicher Zeit..

  6. Off-topic:
    Noch so eine witzlose Strafanzeige, nicht einmal eine Anklage, womit sich die NSD Abteilung des DOJ zu profilieren sucht

    https://www.justice.gov/opa/pr/russian-national-charged-interfering-us-political-system

    Viele Worte um nichts und natürlich mit den üblichen Erläuterungen:

    „The criminal complaint does not include any allegation that Khusyaynova or the broader conspiracy had any effect on the outcome of an election. The complaint also does not allege that any American knowingly participated in the Project Lakhta operation.“

    Und der bei Kavanaugh zur Farce gewordenen Beteuerung am Schluss
    „Every defendant is presumed to be innocent until proven guilty beyond a reasonable doubt in a court of law.“

    Dagegen auch heute in Virginia: Gerichtstermin für Manafort und Gegenseite.
    Hier die Ankündigung der Ellis Anordnung vor 8 Tagen:
    https://www.cnbc.com/2018/10/11/judge-slams-unusual-aim-to-defer-manafort-sentencing-in-mueller-case.html

    https://www.documentcloud.org/documents/5000505-Judge-T-S-Ellis-III-order-re-Paul-Manafort.html
    An order issued by U.S. District Judge T.S. Ellis III regarding his wish to sentence Paul Manafort before he finishes his cooperation with special counsel Robert Mueller’s team.

    Erste Berichte
    https://apnews.com/765b1e08b9b34b89a96f5329b827eab3

      • FBI und DoJ wollen, passend zur Wahlkampfzeit, bestätigen, daß es Russian Meddling in die US-Wahlen gab und gibt. Der Swamp ist also noch da. Das ist nicht nur Satire pur seit der Facebook-Anklage von Mueller, die ja zusamenbricht, weil er blöderweise auch die russische Firma Concord angeklagt hat, die eine Höchststrafe von 500.000 Dollar zu erwarten hat und die sich daher verteidigt.

        Was Mueller anklagte, war gar nicht strafbar (was unserem europäischen Rechtsgefühl entspricht):

        Das würde ich mal als Erfindung einer Straftat bezeichnen.

        Und genauso betreibt es das DoJ jetzt. Das ist ja reine Satire!

        In der Tat. Die Fake News der MSM sind viel wirkungsvoller. Und dann aber doch nicht, weil die keiner mehr liest.

        Das ist schon toll: Adam Schiff verspricht, im Fall einer demokratischen Übernahme des Abgeordnetenhauses nur nioch im Notfall „Russian Collusion“ zu untersuchen:

        https://gabrielewolff.wordpress.com/2018/03/27/hans-wollschlaeger-fake-news-updated/comment-page-79/#comment-77703

        Gleichzeitig veröffentlicht das immer noch von demococrats unterwanderte DoJ diese an Mueller angelehnte Anklage…

        Hier gibt es eine echte verfassungsrechtliche Challenge gegen Mueller: der nächste Termin findet am 8.11.2018 statt.

        https://www.forbes.com/sites/marinamedvin/2018/09/30/what-if-the-constitutional-challenge-to-muellers-power-prevails/#2ce7b6b24791

        Was Manafort angeht: natürlich ist Mueller Politiker und möchte den Eindruck erwecken, daß seine Opfer gaaanz viel über Trumps „Collusion“ mit den Russen zu erzählen hätten, was natürlich nicht der Fall ist. Er fürchtet zurecht, daß sich seine Opfer an die Presse wenden werden – und das muß hinausgezögert werden.

        • Ja, der Wahlkampf hat auch wieder das Russia Fieber angeheizt. FAIR widmete sich dem Thema sehr ausführlich:
          https://fair.org/home/why-is-russiagate-rumbling-into-the-2018-midterms/
          [-]
          „The concern of the media over Russian actions has not resonated with the public more generally; a July Gallup poll reported that the number of Americans who considered Russia a top problem for the country was less than 1 percent“
          [-]
          The question is not whether Russia, like other countries with extensive intelligence apparatuses, seeks to influence the elections of foreign nations. The question is why corporate media are concentrating on foreign interference, and not the other threats to democracy
          [-]
          The focus on Russia as the sole reason for Trump’s victory allows establishment Democrats to continue as normal, without need for radical internal or policy change. As Clinton said, “America is already great.” To deflect pressure from the left, they can construct a narrative to explain why they lost to the most unpopular candidate ever.“

          Auch wenn, wie in diesem letzten Fall eben nichts dabei rauskommen wird, macht sich ein Warnhinweis im Wahlkampf immer gut, auch rein vorsorglich für die nächste Niederlage.

          WSJ bemerkt:
          „The charges were brought by prosecutors unaffiliated with Special Counsel Robert Mueller, apparently because many of Ms. Khusyayovna’s alleged activities took place after the 2016 election that is the focus of Mr. Mueller.“
          und
          „The latest document suggests there has been little letup in the Russian interference efforts, despite enormous attention on the issue.“

          Womit sich Mr Mueller stattdessen befasst, erklärt uns das WSJ auch gleich. Solche Munkeleien kursierten ja auch bei CNN.

          Tote Zeugen nützen in aller Regel nicht viel.

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