Bloggen – die große Freiheit oder Zwang zur Produktion? (mit einem Seitenblick auf Alice Schwarzer)

Dieses Internet-Café in Side/Türkei hatte es mir angetan – denn bei aller beschworener Modernität hatte der Inhaber nicht darauf verzichtet, zwei Amulette gegen den ›Bösen Blick‹ über die Eingangstür zu hängen: ein Sinnbild für die Gleichzeitigkeit von technischem Fortschritt und archaischer Menschheitsgeschichte.

Ähnlich ergeht es dem ehrenamtlichen Blogger, der für nichts Reklame macht, nicht mal für sein Gewerbe, denn er hat keins, keinen Profit erstrebt, als Person unsichtbar und als Text sichtbar sein möchte und der das Schreiben immer als große Freiheit verstanden hat: plötzlich werden Erwartungen an ihn herangetragen, die an Autoren-Leserbindungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert gemahnen. Nur daß heute der Geduldsfaden schneller reißt als zu Schneckenpostzeiten. Ja, ich habe erfahren, daß mein Blog bereits von einer Blogroll entfernt wurde, weil er schlecht gepflegt werde… Das war zwar eine etwas übereilte Reaktion, aber wir leben nun mal in hektischen Zeiten mit überforderndem multi-tasking auf allen Kanälen und burnout-Syndromen, die ein rechtzeitiges Innehalten und ein Mindestmaß von Selbstreflektion unschwer verhindert hätten. Ich gestatte mir solche Auszeiten.

In der Zeit, als ich noch Kriminalromane verfaßte, habe ich keine einzige Zeile unter Schreibzwang verfaßt; Schreiben ist mir immer Freude, Notwendigkeit, persönlichster Ausdruck & freigewählte Arbeit gewesen – und so soll das auch in Internet-Zeiten bleiben. Zur bloßen quantitativen Blog-Pflege oder zur effektiven Schlagwort-Fütterung von Suchmaschinen fühle ich mich nicht berufen – liebe Leser, so ist das nun mal. Es gibt Zeiten, da kommt mir die Pflege anderer Dinge (Freundschaften, Haus & Garten, Bücherlesen) nützlicher vor als ›unnützliche Kommentare‹ zu verfassen, die im Wind verwehen.

Aber vielleicht mache ich mir auch nur etwas vor und leide tatsächlich bloß unter der neuen Psychomode-Krankheit Prokrastination. Harald Martenstein hat meinen Wortschatz um dieses häßliche Wort erweitert, als er neulich wieder das Klagelied eines unter Schreibzwang produzierenden Kolumnisten sang, der pünktlich liefern muß, um sein Mittelklasse-Leben fristen zu können – ja, das muß ein schreckliches Schicksal sein…

Martenstein:

Wenn ich schreiben muss, dann nehme ich mir vor, zu einer bestimmten Uhrzeit anzufangen. Wenn diese Zeit gekommen ist, meistens um neun oder zehn, und ich sitze nicht im Büro, beginne ich, die Küche zu putzen. Danach checke ich meine Mails. Anschließend gehe ich einkaufen und räume auf.

Ich fühle mich dabei nicht gut. Ich weiß genau, dass ich diese Dinge nicht deshalb tue, weil sie unbedingt getan werden müssten. Ich mache das, um dem Schreiben aus dem Weg zu gehen. Inzwischen weiß ich, dass es für dieses Verhalten, das Verschieben, einen Fachbegriff gibt. Er heißt »Prokrastination«, auf Deutsch: Vermorgung.

http://www.zeit.de/2012/30/Martenstein

Das kenne ich auch – und auch ich neige dazu, erst einmal gründlich aufzuräumen, virtuell und im real life, bevor ich mich wohlgemut und mit freiem Kopf wieder ans Werk setzen kann. Zumal viele prokrastinative (sagt man das so? Habe ich soeben erfunden) Tätigkeiten den freien Gedankenfluß fördern und Formulierungen heranschwemmen, die man später gut gebrauchen kann. Unter diesem Gesichtspunkt kann ich Unkrautjäten und Rasenkantenschnitt wärmstens empfehlen. In Ermangelung eines Gartens tuns aber auch Geschirrspülen und eine gründliche Kühlschrankreinigung. Und jetzt weiß ich auch, warum mir das immer noch nicht beendete Aufräumen so sehr in die Quere gekommen ist. Der Breno-Artikel schrie nach Fortsetzung, und das war vielleicht schon zuviel an drohendem Schreibzwang – insbesondere in einer Zeit, in der einen so viele Themen ansprangen, daß sich die ausgeschnittenen Zeitungsartikel schon wieder auf dem Schreibtisch stapeln und man sich schier verzetteln muß. Das thematische Ordnen in Klarsichthüllen und das Abspeichern von interessanten Online-Artikeln haben einen Überblick nur vorgetäuscht.

Beschämt und der Bewunderung voll warf ich so manchen Seitenblick auf den Blog der unermüdlichen Alice Schwarzer, die die seltene Gabe hat, auch die heikelsten Weltprobleme auf knackige anderthalb DIN A 4-Seiten einzudampfen und sich auf dieser Grundlage eine unerschütterliche Meinung zu bilden – schade, daß sie sich zur Euro-Krise nicht zu Wort meldet. Das wäre doch eine große Hilfe für sämtliche Regierungen, wenn Schwarzer erklärte, daß eine Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten von Banken und Hedgefonds die Lösung schlechthin sei. Denn Frauen sind edel, hilfreich und gut, kennen mangels Macht keinen Machtmißbrauch, betatschen ihre Assistenten nicht und Geldgier ist ihnen von Natur aus fremd. So viel Natur muß auch für eine Gender-Verfechterin sein, wenn’s der Sache dient.

Innerhalb gut eines Monats erledigte sie rüstig folgende Themen – und ich befleißige mich, meinem unerreichbaren Vorbild nachzueifern, indem ich keine Links setze und den Inhalt der Postings frei paraphrasiere: denn in der Kürze liegt bekanntlich die Würze, wie BILD es ja auch schon so erfolgreich vorführt:

02.07.2012

Soll die Beschneidung verboten werden?

Natürlich nicht. Religion ist zwar nicht ihr Ding, aber soviel Gedöns um einen kleinen Schnitt, der die ganze ohnehin unerfreuliche Sache viel hygienischer gestaltet, muß ja nicht sein. Betrifft ja eh nur Jungs, für die sie nicht zuständig ist.

06.07.2012

Es reicht, Herr Kachelmann!

Die Schadensersatzklage von Jörg Kachelmann gegen die frühere Anzeigenerstatterin ist nach Auffassung unserer frischgebackenen Rechtsexpertin juristisch Kokolores und dient nur der Werbung für das für Oktober angekündigte Buch ›Recht und Gerechtigkeit‹ des Klägers und seiner Frau (weshalb auch der Anwalt der Beklagten die Chefreporterin Tanja May von der BUNTE über das Zivilverfahren unterrichtete). Irgendwie alles Litigation-PR durch Prozeßführung. Und daß das Landgericht Frankfurt a. M. in einer Sache, der kein Erfolg beschieden sein kann, auch noch Termin anberaumt, ist schlicht und einfach ungeheuerlich.

13.07.2012

Wie masochistisch sind Frauen?

Erstens: ›Fifty Shades of Grey‹ ist kein Porno-Roman. Zweitens: Die Heldin ist nicht sub, denn sie verläßt ihren Herrn und Meister (was dann wohl in den zwei Fortsetzungsbänden vor sich gehen mag?). Drittens: Phantasie darf sein, da ist sie großzügig. Viertens: In der Realität gibt es so gut wie kein BDSM. Fünftens: wenn es ihn dann doch marginalst gibt, ist die heterosexuelle Variante männlicher Dom – weibliche Sub aufs schärfste zu verurteilen. Alle anderen Formen sind unbedenklich, da sie dem emanzipatorischen Fortschritt der FRAU nicht in die Speichen greifen.

16.07.2012

Die SM-Debatte & Spiegel TV

Die medienunerfahrene Alice im Fernsehland mußte die bittere Erfahrung machen, daß man aus ihrem differenzierten Statement lediglich einen Satz brachte:

In diesem Fall blieben von einem knapp halbstündigen Dreh – mit immer wieder denselben, zunehmend suggestiven Fragen – genau 20 Sekunden. Und darin ließ der Spiegel-TV-Reporter mich zwischen zwei Auspeitschungen Folgendes sagen:

Die Männer von heute seien irritiert und so mancher, der beruflich mit Frauen konkurriere, stelle sich das weibliche Geschlecht eben lieber auf allen vieren vor als im aufrechten Gang.

Das ist allerdings eine sehr zutreffende und juristisch unanfechtbare Beschneidung gewesen, die die Sache auf den Punkt bringt…

Nina Pauer, eine Frau von heute, sieht die Sache realistisch:

Dass sich heute, in einer Zeit, in der Frauen Männer in Ausbildung und Arbeitspensum abhängen und Familien ernähren, der Topos des ausgepeitschten Managers um den der ausgepeitschten Managerin erweitert, ist nur plausibel.

http://www.zeit.de/2012/29/Shades-of-grey

17.07.2012

Outing: Argumentieren statt Denunzieren!

Hier meint sie, ein Zwangs-Outing eines Politikers erkannt zu haben und findet das gar nicht gut, die Entschuldigung der taz-Chefredakteurin für den Anschlag dagegen umso besser, während sie zugleich einen dissentierenden Kollegen als homosexuell outet, der aber, anders als sie, kein Problem mit der Öffentlichmachung seiner sexuellen Orientierung hat. Ein Kabinettstückchen! Die Kunst des entstellenden Zitats mit anschließendem Bashing erreicht Alpengipfelhöhe!

26.07.2012

NEIN zur Intervention in Syrien

Lieber Auto- und Kleptokraten, Tyrannen und Gewaltherrscher (deren Opfer überwiegend Männer sind) als böse Islamisten, die nach jeder Volkserhebung in der islamischen Welt zwangsläufig an die Macht kommen und Frauen entrechten, selbst wenn die vorher auch schon nichts zu lachen hatten. Da steht sie seit zwanzig Jahren und kann nicht anders. So ist es nun mal, da beißt keine Maus einen Faden ab.

03.08.2012

Liebeserklärung an Marilyn

Marilyn war kein unglückliches sexy Dummchen, sondern eine belesene toughe Karrierefrau, die sich durchgesetzt hat. Und daher ist sie zurecht eine Feminismus-Ikone, neben der Simone de Beauvoir alt und grau aussieht.

Ein Blog, der einen das Fürchten lehrt. Aber gepflegt, das muß man Alice Schwarzer lassen, sieht er schon aus. Öfter mal was Neues – wenn auch im zerschlissenen alten Gewand.

Die Sache mit dem Sex – dürfen Frauen jetzt doch wollen, was sie wollen?

Versprochen – das hier ist endlich einmal ein rundum erfreulicher, total optimistischer Beitrag, der zu den schönsten Hoffnungen Anlaß gibt. Immer nur kritisieren und lamentieren bringt ja nichts. »Und wo bleibt das Positive?« ist schließlich eine berechtigte Frage.

Die erste gute Nachricht: der Hochsommer fand an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Mai statt – fast schon ein deutscher Rekord. Und wenn auch der eine oder die andere darob ermattet zusamensank,

so reichte doch ein kühler Trunk, der binnen einer guten halben Stunde wieder auf die Beine half.

Heiße Tage, heißes Thema, ein heißes Eisen gar. Nun wird es beherzt angepackt.

Hier hatte ich am 15.5.2012 noch harsch den bevormundenden Feminismus à la Schwarzer kritisiert, der den Frauen die genderpolitisch unkorrekte Lust verbietet und sich maßregelnd in die Beziehungsgestaltung durch Frauen, Ehefrauen und Mütter einmischt:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/05/15/das-private-ist-politisch-anne-sinclair-und-der-bevormundende-feminismus/

Die Frau ist ja immer die größte Kritikerin der Frau…

Damit meine ich jetzt nicht Selbstkritik, das wäre ja mal was. Nein, es geht immer um das Leben der Anderen, denen das eigene Lebenskonzept als überlegen angedient werden soll. Die eigene Biographie – die immer eine Geschichts- und Erinnerungsklitterung ist, die mehr von Selbstermächtigung handelt als von den real existierenden Zufällen, die sie regieren – wird hypertrophiert und als alleinseligmachendes Modell auf den Markt der Eitelkeiten geworfen.

Alice Schwarzer führt dieses Phänomen, das mir sehr wesensfremd ist, mustergültig vor. In EMMA 2/2010 blickt sie auf die fünfunddreißig Jahre zurück, die seit ihrem Bestseller vom »kleinen Unterschied« vergangen sind: und obwohl sie in der Überschrift konstatiert, daß seitdem »viel passiert« sei, stellt sie letztlich fest, daß in der Sexualität letztlich Alles beim Alten geblieben sei und kaum eine Frau ihren höchstpersönlichen Weg der frei gewählten (wenn nicht gar flottierenden) sexuellen Orientierung beschritten habe. Ich greife ein paar Kernsätze heraus:

Doch in jüngster Zeit schlagen Sexualwissenschaftlerinnen wie Margret Hauch vom Hamburger Institut Alarm. Sie stellte fest, dass Frauen aller Generationen zunehmend unzufriedener sind mit dem Sex als Männer. Jede Dritte tut sich gar schwer, überhaupt sexuell erregt zu sein.

Da ist die einschüchternde, mediale Sexualisierung aller Lebensbereiche sowie die epidemische Pornografisierung der Sexualität. Und da sind die neuen Machos aus den alten Machokulturen, die als Platzhirsche unsere „neuen Männer“ an die Wand drücken.

Doch hat diese Entwicklung wirklich das Gebot der Monosexualität erschüttert? Nicht zwingend. Eher im Gegenteil: Sie hat sie verfestigt. Denn heute sind die Menschen zwar nicht mehr zwangsheterosexuell, aber sie sind entweder heterosexuell oder homosexuell. Und es heißt wieder, die „sexuelle Orientierung“ sei angeblich angeboren, zumindest aber irreversibel geprägt.

Sicher, die sexuelle Präferenz mag häufig früh geprägt sein und die jeweilige Neigung eine tiefe Vorliebe – unerschütterlich jedoch ist sie nicht. Das haben nicht zuletzt die vielen heterosexuell lebenden Frauen in den 1970er Jahren gezeigt, die sich im Zuge der „neuen Zärtlichkeit“ plötzlich reihenweise in Frauen verliebten.

http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2010/fruehling-2010/sex-bestandsaufnahme-35-jahre/

So hat sie es nämlich selbst gemacht, und an ihrem sehr individuellem Wesen soll nun mal ganz Deutschland genesen. Das biographische Material erhellt, wie es für sie zu der Spaltung von Sexualität in eine ›zärtliche‹ (zwischen Frauen) und eine unterdrückende/gewalttätige (zwischen Männern und Frauen) kommen konnte. Liebe, Gender, Sexualität und Beziehung sind nur soziale Fragen, über die sich frei entscheiden läßt. Hätte sie sich ohne die Frauenbewegung plötzlich für Frauen als Sexualpartner entschieden? Folgerichtig wird die Biologie in die Pflicht genommen, diese absurde These der freien Wahl zu bestätigen (wobei mal wieder ungenannte Studien Eideshelfer spielen dürfen):

Alice Schwarzer:

Schließlich hat das Liebesmonopol von Männern über Frauen für das starke Geschlecht sehr nützliche Folgen: Im Namen der Liebe neigen Frauen zur Selbstaufgabe, Gratisarbeit und Relativierung ihrer eigenen Existenz.

Bemerkenswert ist, dass auch die Sexualpraktiken wieder schmalspuriger geworden sind. Das belegen Studien: Sex zwischen Frauen und Männern gleich Koitus. Das weibliche Sexualorgan ist bekanntermaßen nicht die empfindungslose Vagina, sondern die Klitoris. Dass Frauen trotzdem Lust empfinden beim Koitus, hat sowohl psychische Gründe (die Vereinigung), als auch physische: Beim Eindringen in die Vagina können die Schwellkörper der Klitoris aktiviert werden.

Soweit die Anatomie. Doch das wichtigste Sexualorgan ist und bleibt der Kopf. Und der scheint bei Frauen noch präsenter zu sein als bei Männern. So empfinden interessanterweise körperlich erregte Frauen keine Lust, solange sie nicht auch begehren. Gar nicht so einfach, das mit der Lust und den Frauen.

http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2010/fruehling-2010/sex-bestandsaufnahme-35-jahre/

Körperliche Erregung soll keine Lust sein? Was denn sonst? Janun. Man kann auch einfache Dinge verkomplizieren. Und komplizierte vereinfachen. Denn wenn der Koitus schon entbehrlich ist, wie die Expertin weiß, dann muß die falsche Lust wenigstens eingehegt, begrenzt und domestiziert werden. Da weiß sie sich einig mit der katholischen Sexualmoral:

Sexualmoral

„Alice Schwarzer könnte Verbündete des Papstes sein“

Aus: Ausgabe 47/2011

Benedikt XVI. hat an die Katholiken appelliert, entschieden gegen Pornografie vorzugehen. Der Moraltheologe Martin Lintner über Würde, Wollust und Weltbild

[…]

Buchtipp: Martin M. Lintner: Den Eros entgiften. Plädoyer für eine tragfähige Sexualmoral und Beziehungsethik. Tyrolia Verlag, Innsbruck 2011. 182 Seiten, 17,95 Euro.

http://www.christundwelt.de/themen/detail/artikel/alice-schwarzer-koennte-verbuendete-des-papstes-sein-1/

Der Eros an und für sich ist nämlich giftig, wie die Kirche (nicht etwa Jesus) schon lange vor dem Feminismus wußte. Wir würden glatt ums Leben kommen, wenn es keine Autorität gäbe, die uns sagen, was wir wie zu tun oder zu lassen haben im Umgang mit dem gefährlichen Tier in uns. Ja, das ist wörtlich zu nehmen: Vormünder wie Kirche und Feminismus bringen einen um das Leben, wenn man sich ihnen beugt…

Doch kommen wir zum versprochenen optimistischen Teil, denn Schwarzers Lebens- und Sexualrezepte taugen nichts für die Mehrheit der Frauen, die sich nun mal nicht in Frauen verlieben, sondern in Männer. Ein Verlieben auf Kommando oder aus höherer Einsicht gibt es nämlich nicht. So will es verteufelterweise die Evolution, die auf Fortpflanzung gerichtet ist und die der Mehrheit der Menschen daher eine eindeutige innere wie äußere Geschlechtszugehörigkeit sowie eine eindeutige Präferenz des gegengeschlechtlichen Partners verordnet. Daß wir Minderheiten, die anders empfinden und begehren, achten und vor Diskriminierung schützen, ist eine der schönsten Blüten der Humanität. Zur Auflösung der höheren Ordnung aber kann und soll diese aktive Toleranz allerdings nicht führen: es ist nicht alles nur ein soziales Konstrukt, an dem man beliebig herumdoktern kann.

Feministinnen wie Julia Seeliger haben Schwarzer denn auch entschieden widersprochen:

Es kann ja sein, dass der Koitus entbehrlich ist und dass er für sexuelle Lust nicht nötig ist. Er schadet aber auch nicht und es ist auch nicht nötig, so sehr dagegen zu hetzen.

Das klitorisfixierte Gerede von Schwarzer nützt nichts und schadet nur. Denn zum einen wird die Orgasmushatz noch größer und das Schweigen nach dem Sex noch kälter. “Wars schön für dich” “Ja klar”. Und zum anderen reißt die Sex-Ideologie Gräben auf, die nicht nötig sind.

Und verstärkt Klischees. Genauso falsch wie das blöde Klischee, das Schwule immer nur Analverkehr haben – in absoluten Zahlen sind da eindeutig die Heteros vorn – ist es auch nicht richtig, dass sich Lesben die ganze Zeit streicheln, BDSM brutal ist und Heterosexuelle immer nur Vaginalverkehr in Missionar- und Hündchenstellung haben. Sex ist vielfältiger als die billigen Klischees, die von Alice Schwarzer verbreitet werden.

[…]

In einer gleichberechtigten Beziehung sollte der Partner oder die Partnerin ein Interesse haben, dass Sex dem anderen auch Spaß macht. Und natürlich ist auch jeder Mensch selbst in der Verantwortung, herauszufinden und zu artikulieren, was gefällt. Nicht gleichberechtigte Beziehungen sollte es nicht geben. Gibt es sie doch, ist das nicht an erster Stelle ein strukturelles Problem mit sexuellen Orientierungen oder biologischen Geschlechtern, sondern ein Problem in der Beziehung, das kommunikativ gelöst werden sollte.

Zwar werden wir allein mit Kommunikation das Patriarchat nicht überwinden. Jedoch kann sie mehr bewirken, als es bislang versucht wurde. Das Private ist doch politisch.

http://seeliger.cc/2011/alice-und-der-sex/

So verstanden stimmt der Satz von dem politischen Privaten natürlich. Welch ein Lichtblick, endlich einmal das Wort von der eigenen Verantwortung zu lesen, die zu einer gelingenden Sexualität auf Augenhöhe führe, und nicht immer nur von patriarchalischen Strukturen, männlicher Hegemonie und maskulinen Privilegien, die es natürlich auch im Bett gebe.

Aber es wird noch besser: begeben wir uns in das dunkle Reich der weiblichen Lust.

Das hat Barbara Sichtermann in ihrem neuen Buch ›Was Frauen Sex bedeutet. Eine Befragung‹ erforscht, das ich hier

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/04/17/frauen-zwischen-schmerzensmannern-frauenquote-und-top-model-was-will-das-weib/

bereits erwähnte. Wer hätte das gedacht, daß dieses befreiende Werk in feministischen Kreisen auf warme Aufnahme stößt? Ich jedenfalls nicht. Und so wurde ich von Antje Schrupps positiver Rezension nicht nur kalt erwischt, sondern auch in gute Laune versetzt:

Ohne jede Moral: Was Frauen Sex bedeutet

Frauen und Sex ist ein mühsames Thema, vor allem weil es normalerweise nie diskutiert wird, ohne die Antwort mit den Männern zu vergleichen: Wollen Frauen seltener Sex oder genauso oft? Wollen sie “kuscheligeren” Sex oder ist das nur anerzogen?

Wunderbar anders geht Barbara Sichtermann an das Thema heran. Sie lässt sieben Frauen ihre Geschichte erzählen und verpackt das Ganze in Romanform: Ihre fiktive Ich-Erzählerin soll Frauen für eine sozialwissenschaftliche Studie zum Thema Sex befragen und gibt dabei nichts vor, sondern lässt die Interviewpartnerinnen einfach frei erzählen, was ihnen dazu einfällt.

[…]

Die Geschichten sind individuelle Geschichten, die Ansichten und Erfahrungen der Frauen unterscheiden sich stark, widersprechen sich teilweise krass, Gemeinsamkeiten finden sich eigentlich kaum, wenn man die äußeren Fakten ihres Umgangs mit Sexualität betrachtet oder ihre Einstellungen dazu.

Aber gerade deshalb tritt das, was sie gemeinsam haben, umso frappierender zu Tage: Und das ist die vollständige Abwesenheit jeglicher Moral. Das ist ein sehr interessanter Befund, denn schließlich hat man das den Frauen doch lange zugeschrieben – dass sie moralisch wären, gerade im Bezug auf Sexualität. Doch das sexuelle Begehren scheint sich, auch wenn es sich bei jeder Frau völlig anders äußert, genau nicht in konventionelle Beziehungsformen leiten zu lassen, selbst bei den Frauen nicht, die dieses Bild nach außen aufrechterhalten. Das Begehren folgt einer anderen Logik, es überwältigt, schmeißt Konventionen um, ist unverfügbar, bringt Dinge durcheinander.

[…]

Barbara Sichtermann: Was Frauen Sex bedeutet. 183 S., Brandes & Apsel, Frankfurt 2012, 17,90 Euro.

http://antjeschrupp.com/2012/05/15/ohne-jede-moral-was-frauen-sex-bedeutet/

Ja, die Liebe ist eine Himmelsmacht und die Lust ein reißender Strom. Wie schön, daß das Leben selbst sich endlich wieder in den Vordergrund schiebt, fernab von schablonenhaften Betrachtern. Antje Schrupp deutet sogar an, was das eigentliche Problem mit der Sexualität ist: die Unlebbarkeit von Monogamie, soweit sie mit sexueller Treue gleichgesetzt wird. Denn ach, die Attraktion schwindet, und was macht ein Paar dann, das dennoch zusammenbleiben will? Davon wußte schon Schiller, der zwei Schwestern liebte und eine Ehe zu dritt präferierte, ein Lied zu singen:

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
Lieblich in der Bräute Locken
Spielt der jungfräuliche Kranz,
Wenn die hellen Kirchenglocken
Laden zu des Festes Glanz.
Ach! des Lebens schönste Feier
Endigt auch den Lebensmai,
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
Reißt der schöne Wahn entzwei.
Die Leidenschaft flieht!
Die Liebe muß bleiben,
Die Blume verblüht,
Die Frucht muß treiben.

(aus: Das Lied von der Glocke, 1799)

Mit diesem Problem schlägt sich auch die Menschheit im 21. Jahrhundert noch herum, und so erscheint es schon als Fortschritt, wenn die allen Konventionen trotzende weibliche Sexualität ›ohne Moral‹ in den Blick gerät. Das ist allemal besser als das biedermeierliche Opfergeschrei betrogener Frauen, die auf Exklusivität pochen und in den Medien dankbare Abnehmer für Herz-Schmerz-Stories finden; und das, obwohl die Fremdgehquote von Männern und Frauen, soweit sie eingestanden wird, laut einer aktuellen SPIEGEL-Studie nicht gerade himmelweit auseinanderliegt. 47% zu 38%. Die Dunkelziffer dürfte nicht nur weitaus höher sein, sondern auch ein relativ ausgeglichenes Verhältnis aufweisen.

Der Gründer des Seitensprung-Portals ›Ashley Madison‹, Noel Biderman, hat ein paar goldene Sätze zu diesem Menschheitsthema, das ja schon in der Bibel vorkommt, von sich gegeben:

Biderman: Unsere Gesellschaft sollte weniger Wert auf Monogamie legen. Studien zeigen, dass Scheidungsraten für offene Ehen viel niedriger sind. Wer freier atmet, sich weniger einsam fühlt, mehr lacht und mehr Sex hat, ist ein glücklicherer Mensch. Und nörgelt vielleicht weniger. Moderne Beziehungen haben so viele Ansprüche: Du musst vertraut und aufregend sein, durchgeknallt, romantisch und zuverlässig, ein guter Vater, bester Freund und weltbester Liebhaber. Es kann sehr befreiend sein, nicht alles gleichzeitig für seinen Partner sein zu müssen.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/noel-biderman-plant-seitenspruenge-und-ist-chef-von-ashley-madison-a-830225.html

Streben wir nun dem absoluten Höhepunkt der Aufklärung über die weibliche Sexualität zu: die lieferte der STERN 20/2012 vom 10.5.2012 mit seiner Titelstory: ›Mach mit mir, was ich will. Warum selbstbewusste Frauen von einer anderen Sexualität träumen.‹ An der linken Schulter der wollüstigen Frau mit Schmollippen prangte ein kleines STERN-Logo mit dem angeschlossenen Spruch: ›So sieht’s aus, Männer: wo ich bin, ist oben.‹ Will meinen: auch wenn ich mich unterwerfe, ist es meine Lust und mein Orgasmus. Denn eigentlich ist dem Blatt und seinen Journalistinnen das Thema zuwider. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber manchmal muß man eben auch als meinungsstarke Journalistin das real life zur Kenntnis nehmen, wenn die Chefs das verordnen.

Sage und schreibe sechs Journalistinnen haben an diesem Text der Titelstory gearbeitet: Christine Kruttschnitt und Carla Woter habe den Artikel geschrieben, Ulrike von Bülow, Irmgard Hochreither, Andrea Ritter und Stefanie Wilke haben recherchiert – es geht um Fessel-Sex, Gewalt, Kontrollverlust, Hingabe, Genuß. Eine Immobilienmaklerin, eine Beamtin, eine Lehrerin, eine Anwältin und eine Informatikerin kommen zu Wort, die Männer für einen ONS ›aufreißen‹, SM-Szenarien lieben, gewaltfrei dominiert werden wollen, Gäste ins ›Spielzimmer‹ hinzubitten, einen bisexuellen Mann zum Freund haben, dem sie zusehen, wenn er mit einem Mann zusammen ist – ›gefesselt‹, ›verspielt‹, ›hemmungslos‹ ›wehrlos‹ und ›mädchenhaft‹, so werden sie vorgestellt.

Nach dem feministisch daherkommenden Puritanismus-Export liefern die USA nun also einen neuen Trend, meinen die Autorinnen beklommen:

In Amerika feiert derzeit der pornografische Roman „Fifty Shades of Grey“ [von E. L. James] einer englischen Hausfrau und Mutter einen beispiellosen Erfolg – ein Buch, das von der Begeisterung einer jungen Frau für einen gewalttätigen Geschäftsmann und dessen sado-masochistischen Praktiken handelt. Mit diesem Buch wird im Sommer auch die Diskussion um feminine Unterwerfungsrituale nach Deutschland kommen.

(STERN 20/2012, S. 104).

Und so weichen sie erst einmal auf das harmlosere Thema der sexuellen Phantasie aus:

Bei Bettina Fürst ist es wie bei anderen auch: Ob auf Knien oder gegen die Wand, ob mit Fremden oder mit George Clooney, mit mehreren Männern und/oder Publikum – der beste Sex findet erstmal im Kopf statt.

Die Kurve ist genommen, wenn auch auf Kosten der zuvor präsentierten freien Frauen, die das leben, was nun als Phantasie abgehandelt wird. Puh, Schweiß auf der Stirn. Dann pirscht man sich an das Thema heran, indem man eine Kubanerin namens Jimena Martinez sagen läßt:

»Deutsche Frauen haben Angst davor, dass etwas sexistisch sein könnte. Ständig hinterfragen sie sich: Bin ich zu sehr Weibchen? Lasse ich mich als Objekt behandeln? Wenn man sich ständig selbst beobachtet – dann ist man doch nicht emanzipiert?«

Aha, da haben wir also nur ein deutsches Nationalproblem, das eine feurige Kubanerin selbstverständlich nicht hat. Das feministisch-ideologische Über-Ich, das viele Frauen hemmt, sich nach gusto gehen zu lassen, und viele Männer verunsichert, ob und wie man heutzutage denn noch flirten soll, ist damit elegant entsorgt. Aber es kommt noch besser: die hemmungslos leidenschaftliche Überwältigung, die Männern gern eine Anzeige wegen sexueller Nötigung beschert, wird durch die gleichartige Handlungsweise einer Frau zum Erweckungserlebnis:

Für Carola Struve war eine Frau das Schlüsselerlebnis. „Von einem Mann bin ich noch nie so krass angemacht worden wie damals von Hanna. Sie hat mich an der Garderobe gekrallt, mich an die Wand gedrückt, eine Hand an meiner Kehle. Einem Kerl hätte ich sofort eine gescheuert. Von ihr habe ich mich direkt auf die Toilette ziehen zu lassen. Ich war total überwältigt. Ich mochte das.“

Inzwischen spielt sie solche Situationen mit ihrem Freund durch. „Einer Frau konnte ich mich ausliefern. So habe ich entdeckt, dass mir Machtlosigkeit gefällt. Auch mit Männern. Als Spiel.«

(STERN 20/2012, S. 104f.)

Ja, die Autorinnen ringen sich sogar dazu durch, die Frage zu stellen, warum männliche Kunden von Dominas nie mit der Unterstellung konfrontiert werden, daß sich hierin ein typisch männliches Bedürfnis nach Unterdrückung äußere. In derlei kniffligen Lagen fragt man doch am besten einen Experten, hier die feministische Psychologin Marta Meana, die über diesen ›politisch unkorrekten Reiz‹, dem 30 – 60 % aller Frauen frönen sollen, folgendes sagt:

„weibliche Lust“ drücke sich laut ihren Studien am besten in folgendem Szenarium aus: von einem Mann in einem Hauseingang fast aufgefressen zu werden, ohne Rücksicht auf Zeugen, unter Wegfall sämtlicher Manieren. „Was Frauen wollen, ist ein echtes Dilemma: solchen Typen begegnen, aber nicht wirklich in Gefahr sein. Sie wollen einen Höhlenmenschen, der Rücksicht nimmt.

(STERN 20/2012, S. 106)

Unsere Autorinnen plagt das ideologische Über-Ich so sehr, daß sie an dieser Stelle noch einmal die Warntafel aufstellen:

Nun begehrt die weibliche Seele in ihrem tiefsten Inneren das, was schon der Höhlenmann wusste: „Stell dich nicht so an, du willst es doch auch!“ Oder? Nein! Nein heißt NEIN, immer und für alle Zeiten.

Bis SIE es sich anders überlegt jedenfalls. Denn leidenschaftlich begehrt zu werden ist der größte Kick.

Mit dem Feminismus, der den STERN seit vielen Jahren unterwandert hat, haben es sich die Autorinnen also nicht verdorben, und so können sie das interessante Detail liefern, daß das partnerschaftliche Verhältnis nicht die primäre Quelle weiblicher Lust sei, und daß Frauen in langjährigen Beziehungen schneller das Interesse am Sexualpartner verlieren als umgekehrt. Wie schon gesagt, die falsch verstandene Monogamie ist das Problem…

Aber dann sinkt der Artikel wieder auf typisches STERN-Niveau, wenn die Autorinnen sich vor den Talkshows gruseln, die nach Erscheinen des Buchs ›Shades of Grey – Geheimes Verlangen‹ Band 1, im Goldmann-Verlag im Juli zu erwarten seien.

Man kann sich schon die Talkshowrunden ausmalen, besetzt mit alarmierten Feministinnen und Psychologen, die darüber rätseln, weshalb Frauen gerade heute, da sie so intensiv an der Glasdecke kratzen, sich nach den Primaten sehnen.

Die Frauen sind immer noch zu bevormundende Geisteskranke und die Männer Tiere. Das alte feministische Klischee, das ohne Opfer und Feinde nicht existieren kann.

Dann noch ein paar Worte über den im Mainstream angekommenen BDSM-Schick, und schon werden in der Schlußkurve alte feministische Glaubenssätze in Stein gemeißelt, mit einer Frauke Werner aus Hamburg als Eideshelferin:

„Es kann sein“, sagt sie mit tapferem Lächeln, „dass es mal puff macht, so in 10, 15 Jahren, und dann finde ich ihn. Ich bin eben doch ein Scheißromantiker.“

(STERN 20/2012, S. 107)

Denn eigentlich, so wollen es die Axiome des Feminismus’, können Frauen Liebe und Sex nicht trennen, das können nur Männer, die daher auch keine Probleme haben, ihre Bedürfnisse bei Prostituierten zu befriedigen. Die im STERN interviewten Frauen behaupten das Gegenteil, und jede unkonventionell lebende Frau weiß, daß es Lust ohne Liebe gibt. Liebe ohne Leiden allerdings nicht…

Unsere Autorinnen machen es sich leicht: Zynismus und Beton sind nicht die Mittel, mit denen man solchen Lebensthemen begegnet. Aber offenbar waren sie froh, diese Pflichtaufgabe der Chefredaktion erledigt zu haben, ohne es sich mit ihresgleichen zu verscherzen. Sie agieren ja in einem stickigen Milieu der Mittelschicht, in dem man sich Freiheit verbietet und das auch noch ideologisch verbrämt. Das ist nicht emanzipiert, wie die reizende Kubanerin angemerkt hatte. Aber das Ducken unter der ideologischen Knute ist ja schon in Fleisch und Blut übergegangen… So also schließen unsere Autorinnen folgerichtig:

Aaah, die kühnste aller Frauenfantasien: wahre Liebe. Und der Vollständigkeit halber noch die wichtigste: Lohn- und Chancengleichheit. Das will das Weib.

Das ist nun wirklich voll daneben: wahre Liebe existiert genauso wie Lohn- und Chancengleichheit. Haben die Autorinnen auch unzulänglich gearbeitet, so ist es doch zu loben, daß man mal auf zwölf Seiten im STERN darüber, über die wahre Wildheit und Unkorrektheit weiblicher Sexualität, geredet hat.

Und nicht minder hat mir gefallen, daß der hervorgehobene Leserinnenbrief zu diesem Artikel im STERN 21/2012 von Sabine Kowalski aus Hamburg so lautete:

Es ist mir unbegreiflich, wie es heutzutage noch verwunderlich erscheinen kann, dass eine selbstbewusste Frau sich beim Sex gern unterwirft oder dass eine scheinbar schüchterne Frau im Bett den Ton angibt. Das hat weder mit Gewaltverherrlichung noch mit Emanzipation zu tun, sondern mit individuellen menschlichen Bedürfnissen.

So einfach kann Wahrheit sein. Aber das müssen Scheuklappen-Ideologinnen, die das Leben in seinen individuellen Façetten vor lauter Gender-Theoretisiererei nicht mehr in den Blick nehmen wollen, erst auf die harte Tour lernen. Schade, daß so viele Journalistinnen nicht mehr frei denken können. Daher in Großbuchstaben:

ES GIBT KEINEN POLITISCH KORREKTEN SEX. SEX IST INDIVIDUELLE FREIHEIT.

Es gibt nur Lust, die sich zu allen Zeiten nichts vorschreiben ließ. Alle Umerziehungsprogramme, ob sie Männer betreffen oder Frauen, sind zum Scheitern verurteilt. Es ist mehr Biologie im Spiel, als die Umerzieher wahrhaben wollen. Sie richten nur Schaden an.

Das Sahnehäubchen meines optimistischen Artikels ist der Passus eines Interviews mit der Sexologin (ja, da macht man Scheine und ein Examen und ist dann Expertin!) Ann-Marlene Henning.

Was Frauen wollen

Geschrieben von  Sigrun Friederike Priemer,

„Frauen wollen eingenommen werden“, sagt Sexologin und Psychotherapeutin Ann-Marlene Henning. Ein Gespräch über Männer und die Frage, was Frauen wirklich wollen.

Typisch Mann – gibt es das?

Es gibt im Wesentlichen zwei Sorten von Männern. Solche, die sich ihrer Männlichkeit sehr bewusst sind und sich damit wohl fühlen, und andere, unsichere Männer, die sich selbst noch nicht gefunden haben.

Der typische moderne Mann ist eher unsicher. Er denkt, ich will doch nett sein, ich will auf die Bedürfnisse meiner Partnerin achten. Solche Männer kommen in die Praxis, weil ihre Partnerinnen es möchten. Liebevolle Männer, die kommunizieren, die weinen können, die ihre Frau lieben, die aber deshalb ihre Frau sexuell nicht einnehmen können: sie empfinden ihre stoßende Männlichkeit, ihre bestimmende Männlichkeit, als negativ.

Aber genau das ist das Problem.

Der eigentliche Unterschied zwischen Mann und Frau besteht für mich nämlich darin, dass der Mann penetrierend ist. Er kann und sollte stoßen! Er kann eine Frau einnehmen. Nicht im bösen, sondern weil er ein Bedürfnis danach hat und weil Frau es auch möchte. Sie ist ja das Gegenstück zu ihm, sie möchte ihn in sich aufnehmen, ihn entgegennehmen. Wissenschaftler sprechen sogar von einem „Zelteffekt“ bei der Frau: Wenn sie sexuell erregt ist, zieht sich ihre Gebärmutter etwas nach oben, was von vielen Frauen als Bedürfnis empfunden wird „ausgefüllt zu werden“.

http://www.menscore.de/sex-orgasmus/sex/item/151

Soweit sind wir nämlich schon gekommen: daß die durch alberne akademische Diskurse, deren Täter-Opfer-Abklatsch es in den medialen Mainstream geschafft hat, in manchen Milieus geschaffene Verunsicherung bereits Natur ausgetrieben hat? Da schämen sich Männer wegen des natürlichen Akts, der ihnen die aktive Rolle zuschreibt, und Frauen müssen verleugnen, daß sie Hingabe genießen?

Ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

Laßt uns Menschen doch einfach in Ruhe und moralisiert nicht, ihr Medienschaffenden und Ideologen. Das wäre doch die Lösung eines gar nicht existierenden Problems…