Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (4)

MH 17 TitelfotoFortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/09/28/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-1/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/10/23/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-2/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/01/19/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-3/

Ein kleiner Hinweis: die Lektüre dieses Artikels setzt die Kenntnisnahme der vorangegangenen Artikel voraus.

Als aufgeklärter Bürger fragt man sich, wieso sich gerade im Januar 2015 ersichtlich voreingenommene Medien wie Correctiv und SPIEGEL mit dem regierungstreuen britischen Blogger Eliot Higgins und seiner Bellingcat-Plattform verbündeten, um die von Anfang an durch den ukrainischen Geheimdienst produzierte Narration eines Buk-Abschusses der MH 17 durch eine aus Rußland gelieferte Buk-Abschußrampe (natürlich mit russischem Personal) zu bestätigen.

Obwohl Beweise dafür nicht existieren.

Es könnte daran liegen, daß etwaige durchgesickerte Ergebnisse der strafrechtlichen Ermittlungen dem westlichen Narrativ widersprechen. Schließlich liegen die Obduktionsergebnisse und die Untersuchungen der herauspräparierten Metall-Teile längst vor. Und es ist zu vermuten, daß die Ukraine ihr Veto gegen eine Veröffentlichung dieser – vermutlich nicht eindeutigen – Ergebnisse eingelegt hat. Es könnte auch daran liegen, daß seinerzeit zuvor vermehrt mediale russische Thesen von der Beteiligung eines Kampfjets am Abschuß diskutiert wurden, die genauso zweifelhaft erscheinen wie die westlichen medialen „Beweisführungen“. Um es klarzustellen: von beiden Seiten gab es niemals offizielle Darstellungen, auch wenn es im Westen Usus ist, russische Medien mit der offiziellen Kreml-Linie zu identifizieren:

http://fortruss.blogspot.de/2014/12/meet-pilot-who-shot-down-malysian.html

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=AmUmzqWRuco

http://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/luegendetektortest-bei-ukrainischem-deserteur-moskaus-ermittler-halten-zeugen-fuer-mh17-abschuss-glaubwuerdig_id_4367105.html

russische Erstausstrahlung der Karaulow-Dokumentation am 24.11.2014:

http://novorossia.today/editor-s-choice/-how-mh17-crashed-documentary-by-andrey-.html

http://www.youtube.com/watch?v=PlQ5hAgTl9Q

Hier die deutsche Version:

https://www.youtube.com/watch?v=G5yiRdQveC4&feature=youtu.be

Der SPIEGEL läßt in seinem Print-Bericht in Nr. 3/2015 vom 10.1.2015 von Anfang an keinen Zweifel an seinem Standpunkt:

Katastrophen

Wahrheit in Trümmern

Von Bensmann, Marcus; Buse, Uwe; Crawford, David; Goos, Hauke; Neef, Christian; Schnibben, Cordt; Stock, Jonathan

Ein halbes Jahr nach dem Abschuss einer Boeing der Malaysia Airlines tobt im Internet und in anderen Medien die Propagandaschlacht der Täter – mit Fotos und Videos, mit Dokumenten und Fälschungen. Ein Team von „Algemeen Dagblad“ und „Correctiv“ hat sich auf die Suche nach den Schuldigen gemacht.

[…]

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131242892.html

Entsprechend heißt es in der mühsam zu lesenden „multimedialen“ SPIEGEL Online-Präsentation:

Ein halbes Jahr nach dem Absturz einer Boeing über der Ukraine tobt der Propagandakrieg der Täter.

Ein gemeinsames Team von SPIEGEL, „Correctiv“ und dem „Algemeen Dagblad“ hat sich auf die Suche gemacht nach der Wahrheit.

Von Marcus Bensmann und Cordt Schnibben

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html

Klar, Propaganda machen nur die Täter, und wer die sind, wissen wir sowieso schon. Wir, die westlichen Medien, sind ausschließlich an der Wahrheit interessiert.

Stimmt das?

Correctiv schreibt:

Wo kommt die Waffe her?

Woher aber stammt die Lenkwaffe? Auch das hat Bellingcat ermittelt. Minutiös haben die Rechercheure Bilder von russischen BUKs mit Aufnahmen jener Abschussrampe verglichen, die am 17. Juli in Richtung Snizhe fuhr. Besonders ein Detail führte die Ermittler auf die richtige Spur: Abschürfungen an der Abdeckung über der linken Panzerkette. Genau die gleichen Abschürfungen hatte eine BUK-Rampe, die im Juni in Russland fotografiert wurde. Sie gehört zur 53. russischen Luftabwehrbrigade, stationiert in Kursk, und sie trägt die Kennziffer 3*2 – die mittlere Zahl war stets unleserlich. Zwei weitere Details passen: die übermalten Reste eben dieser Kennziffer und ein heller Farbfleck. Legt man die Aufnahmen beider BUKs übereinander, jener aus Russland, jener in Donetzk, ist die Übereinstimung offensichtlich.

Es gibt weitere Besonderheiten: Ein besonders internetaffiner Feldwebel der 53. Brigade postet etliche Bilder von seiner Einheit auf seiner Seite im russischen Facebook-Klon Vkontakte. Sein Name: Ivan Krasnoproshin. Unter seinen Bildern ein Foto, das seine Entlassung aus der russischen Armee Mitte Juni dokumentiert. Abgebildet auf dem Foto ist das Dienstbuch seiner Einheit, es zeigt die Namen derjenigen, die zum Abendappell antreten. Nummer eins: Feldwebel Krasnoproshin, dahinter: 13 einfache Soldaten. Jeder Tag wird angekreuzt. Nach dem 13. Juni enden die Eintragungen. „Entlassen wegen Beendigung der Dienstzeit nach Befehl Nr (unleserlich)“, ist handschriftlich hinter dem Namen des Feldwebels Krasnoproshin und dreien seiner Soldaten vermerkt.

Entlassungen in diesen Zeiten werfen Fragen auf. Das Komitee Russischer Soldatenmütter hat mehrfach davon berichtet, dass Soldaten vor ihrer Entsendung in die Ukraine Entlassungspapiere unterschreiben mussten.

Und wirklich: Mitte Juni, wenige Tage später, macht sich ein langer Konvoi der 53. Flugabwehrbrigade auf in Richtung Ukraine. Bellingcat veröffentlicht allein von diesem Konvoi mehr als ein Dutzend Fotos, mehrmals ist die BUK 3*2 dabei.

Es besteht kein Zweifel: Es ist die Abschussrampe der 53. russischen Luftabwehrbrigade aus Kursk, die Stellung bezogen hat in Snizhne, im Osten der Ukraine, an jenem verhängnisvollen Nachmittag.

https://mh17.correctiv.org/

Die Übereinstimmungen der beiden BUK-Startrampen sind nicht „offensichtlich“, sondern sie werden suggeriert. Die verschwommene Paris Match-Aufnahme aus Donezk eignet sich nicht für Identifizierungsversuche. Und die Bilder des Ivan Krasnoproshin nebst seiner hier suggerierten Pro-Forma Entlassung aus dem Jahr 2014 belegen den Einsatz der russischen BUK 3_2 aus Kursk am 17.7.2014 im Donbass? Es besteht kein Zweifel?

Bensmann ist hinsichtlich dieser Propaganda der Unwahrheit überführt worden.

By Anna Vatavu

A small introduction: there are two types of army service in Russia – conscription and professional contract service. Conscription service takes exactly one year (apart from fleet, where it can be 2 or 3 years) and it is compulsory. As for the contract service, one can sign a contract for at least 3 years. 53rd brigade has soldiers of both types.

I decided to find out, what type of a sergeant Krasnoproshin could have been. From the photos of his (now deleted) VK page we can estimate, that he started his army service in June 2012 (he took the oath on 22/07/2012). So, by 2014 he would have already left the army, if he was a conscript. And if he had a contract, he would not have been able to leave the army until 2015. So, his dismissal in June 2014 looks suspicious indeed.

But how do we know that Ivan was dismissed in June 2014? Mainly because Correctiv tells us this:

Correctiv Logbuch 1https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

The first line says: “was dismissed due to the end of service term according to the order №225 on 13(5)/06/13“. Other three soldiers were also dismissed in 2013. One does not have to know Russian to see the numbers clearly. They were all dismissed in 2013, more than one year before the tragedy. So, everything is crystal clear now – Krasnoproshin joined the army as a conscript in June 2012 and in June 2013 he finished his service. This fully corresponds to the Russian laws and regulations. Knowing this, we understand that this part -“This alleged dismissal of a lot of soldiers seems to be happening with one special reason: the Russian President Vladimir Putin wants to be able to claim that there are no Russian soldiers deployed to Eastern Ukraine” is complete bullshit.

Correctiv team were sure – if they say “In June, a week before he and his unit went to Ukraine, Ivan Krasnoproshin and some of his colleagues were dismissed from the Russian army“, nobody will look at the journal closer. What is more, in the Russian version of the report, Correctiv says that it is impossible to see what is written in the journal after the phrase “was dismissed due to the end of service term according to the order…“, though in fact we can clearly see the numbers. Obviously, they knew that Krasnoproshin and the other soldiers were dismissed in 2013 and had nothing to do with Ukraine and MH17 in particular.

http://thetruthspeaker.co/2015/04/15/bellingcat-caught-up-and-out-in-yet-another-mh17-falsification/

Anna Vatavu hat recht: Marcus Bensmann lügt.

In diesem Ausschnitt kann man es sehen:

Correctiv Logbuch 2Bellingcat selbst hat den Mund bei Publikation seiner zusammengefaßten Erkenntnisse am 8.11.2014 nicht so voll genommen wie Bensmann:

Es gibt starke Hinweise darauf, dass das russische Militär den Separatisten im Osten der Ukraine den im Osten der Ukraine am 17. Juli gefilmten und fotografierten Buk Raketenwerfer zur Verfügung stellten.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 3]

Heutzutage tönt er persönlich ganz anders; aber das liegt schlicht daran, daß er von den Mainstream-Medien als einer der Ihren anerkannt und dementsprechend nach seinen rein politischen Einschätzungen befragt wird, die nicht internet-gestützt sind. Und wie der Herr, so’s Gescherr:

Daniel Romein – April 26th, 2015

The Buk missile launcher has a small radar itself too, it does not always need a Buk radar system and control unit. The downside of that is that the crew does not know what type of aircraft is flying in their direction, which they would have known when a Buk control unit and radar was nearby. The Ukrainian army was not in control of Snizhne nor Torez, so they never could have fired a missile from there. You are right about the fact separatists did not fire the Buk missile, it were Russian soldiers.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17/comment-page-3/#comment-14583

Es gibt keinen Grund mehr, die eigene Voreingenommenheit zu verbergen. In der aktuellsten „journalistischen“ Überprüfung der Eliot Higgins-Bellingcat-Findungen durch die australische „60 Minutes“-Sendung tritt Higgins als politischer Journalist auf, während der Reporter in die Rolle desjenigen schlüpft, der durch seine oberflächlichen Bellingcat-Überprüfungen den ultimativen Beweis dafür präsentiert, daß „die Russen“ MH 17 abgeschossen haben:

MH17 | 60 Minutes | A Special Investigation [FULL]

CosplayerProductions

Veröffentlicht am 18.05.2015

Who shot down MH17? 60 Minutes tracks the killers deep inside rebel territory.

It is one of the most shocking war crimes of modern times. A passenger jet shot out of the sky, killing 298 people, 38 of them Australian. The images of the wreckage and debris of Flight MH17 strewn across the fields of Ukraine are seared into our memory. Australia’s leaders vowed to hunt down the killers, but nine months on no one has been held to account. This Sunday on 60 Minutes, reporter Michael Usher travels deep into Russian-controlled, eastern Ukraine to conduct a forensic investigation, painstakingly piecing together the evidence that leads to the very spot from where the missile was fired, finally revealing the proof about who shot down MH17.

Reporter: Michael Usher
Producer: Stephen Rice

https://www.youtube.com/watch?v=RrI0xrnvops

Dieses Reporter-Vertrauen der Transatlantiker in Bellingcats „Leistungen“ wird u.a. dadurch genährt, daß der wohlbekannte russische Invasionen-Erfinder General Breedlove Bellingcat lobte, weil er eine Seite einrichtete, auf der der interessierte Jedermann – jeder weiß, von welchem Interesse die ermunterte Gemeinde geleitet ist – Bilder von „russischem“ Kriegsmaterial im Donbass einstellen durfte.

Tweet Breedlovehttps://twitter.com/pmbreedlove/status/564855335627018242

Breedloves Link verweist auf diesen Bellingcat-Artikel:

Bellingcat Launches the Ukraine Conflict Vehicle Tracking Project

February 3, 2015

By Veli-Pekka Kivimäki

[…]

https://www.bellingcat.com/resources/2015/02/03/ukraine-conflict-vehicle-tracking-launch/

Eliot Higgins wird nicht müde, darauf hinzuweisen, daß er diesbezüglich auch mit dem Atlantic Council zusammenarbeite – was den Kreis schließt:

Bellingcat Atlantic Councilhttps://twitter.com/EliotHiggins/status/599900813486592000

Der von ihm gepostete Link verweist darauf, daß wir am 28.5.2015 Großes von den Transatlantikern zu erwarten haben:

May 28, 2015

Hiding in Plain Sight: Putin’s War in Ukraine and Boris Nemtsov’s Putin. War.

Russia is at war with Ukraine. The war’s toll—more than 6,000 dead, tens of thousands wounded, and nearly 1.3 million displaced persons—is the direct result of Russian President Vladimir Putin’s efforts to establish control over Ukraine. Putin continues to deny Russia’s military involvement, though the evidence that the Kremlin is directing the war is overwhelming.

Please join the Atlantic Council and the Free Russia Foundation for the release of two independently produced reports: Hiding in Plain Sight: Putin’s War in Ukraine and the English language release of Boris Nemtsov’s, Putin. War., on Thursday, May 28, 2015, from 2:00 p.m. to 3:30 p.m. at theAtlantic

http://www.atlanticcouncil.org/events/webcasts/hiding-in-plain-sight-putin-s-war-in-ukraine-and-boris-nemtsov-s-putin-war

Da die USA zwischenzeitlich ihren Kurs geändert haben und auf Diplomatie gegenüber Rußland und Einhegung der Kiew-Aggressionen durch die energische Victoria Nuland setzen, wird Bellingcat genauso entbehrlich werden wie das Atlantic Council.

Aber davon wußte Marcus Bensmann und sein Correctiv-Team ja noch nichts, als er sich im November 2014 auf die sicherlich vom SPIEGEL finanzierte Reise machte. Mit ein paar Grillen im Kopf: denn von Correctiv wird eine Karte mit einem unterstellten Reiseweg der Buk gepostet, die an der Fähigkeit zur Logik von Bensmann/Crawford zweifeln läßt:

Correctiv Karte Weg der Bukhttps://mh17.correctiv.org/wp-content/uploads/2014/12/karte-kampfgebiet1.jpg

Da fährt die Buk, vermutlich selbständig, aus Rußland eigens nach Donezk, nur um dort bei einer von den Rebellen requirierten Baufirma (laut Paris Match) auf einen Tieflader geladen zu werden ­– um danach nach Snischne zurückgefahren zu werden? An einen Ort, an dem sie zuvor blöderweise vorbeigefahren war? Come on.

In der SPIEGEL-Präsentation wird in einem Video demgegenüber diese Graphik eingeblendet:

Spiegel Kursk Rostowhttp://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html

Im SPIEGEL 3/2015 (Print) heißt es hierzu vage:

Das Bellingcat-Team fand bis heute insgesamt 20 Videos, die den Weg des Konvois zwischen dem 23. Juni (Kursk) und dem 25. Juni (Millerowo) zeigen.

Die Abschussrampe mit der Nummer „3×2“ ist auf vielen dieser Videos zu sehen. Neben der fehlenden mittleren Ziffer weist sie ein weiteres Merkmal auf: einen auffälligen weißen Fleck am Chassis. Zudem bilden Beschädigungen am Chassis über den Panzerketten ein charakteristisches Profil, eine Art Fingerabdruck.

Satellitenaufnahmen des russischen Militärstützpunktes in der Nähe von Rostow – 60 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt – lassen vermuten, dass der Konvoi mit den Raketenabschussrampen dort landet – die Zahl der Militärfahrzeuge nimmt deutlich zu.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131242892.html

Kein Wunder, daß die Zahl der Militärfahrzeuge dort zunahm, schließlich fanden dort Übungen statt. Beide eingezeichnete Wege sind Fiktion – denn Bellingcat ist damit gescheitert, die Buk 3_2 aus Kursk, für ihn Tatwerkzeug des Abschusses der MH 17 im Donbass, in die Nähe der Ukraine zu „transportieren“. Das ist für jeden ersichtlich. Das war es auch für Correctiv und SPIEGEL.

Belllingcat präsentiert in seiner zusammenfassenden Studie am 8.11.2014 lediglich dies:

Das Bellingcat MH17 Untersuchungsteam hat 16 [also nicht 20] Videos auf Social Media Websites wie VKontakte, YouTube, Instagram und Odnoklassniki, die die Bewegung des 53. Brigade Konvois von Kursk am 23. Juni bis Millerowo 29 am 25. Juni zeigen gefunden.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 14]

Die Fußnote 29 zu „Millerowo“ verlinkt auf dieses Video, das absolut nichts mit den Findungen in Rußland zu tun hat:

Veröffentlicht am 26.08.2014

Уничтоженная военная техника из Шахтерска едет на парад в Донецк.
Запись сделана 23 августа

https://www.youtube.com/watch?v=GDy8wnfYzVI

Per Google-Übersetzer ins Englische übertragen:

Destroyed military equipment from Miner rides on parade in Donetsk.
Recorded on August 23

Dieses Video gehört vielmehr zur „Beweisführung“ Bellingcats, daß die Rebellen auch noch im August über den Tieflader verfügt hätten, mit dem am 17.7.2014 die Buk von Donezk nach Snischne transportiert worden sei:

Am 26. August 2014 wurden ein Foto und ein Video eines identischenTiefladers online veröffentlicht. Im Video spielt eine Frau ein Rolle, die bereits in früheren von Separatisten gefilmten Videos zu sehen war, und wahrscheinlich wurde der Tieflader verwendet, um ein beschädigtes Fahrzeug zu transportieren.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 12]

Auch die englischsprachige Version der Bellingcat-Studie vom 8.11.2014 führt nicht weiter, was die propagierten Findungen hinsichtlich der russischen Buk 3_2 angeht; im Gegenteil – diese weitere Fehlleistung deutet vielmehr auf eine bewußte Verschleierung hin:

The Bellingcat MH17 investigation team has collected 16 videos posted on social media sites including VKontakte, YouTube, Instagram, and Odnoklassniki that show the 53rd Brigade’s convoy moving from Kursk on June 23rd to Millerovo  on June 25th. The Bellingcat MH17 investigation team has also been able to identify the exact location at which each video was filmed and, by matching vehicles visible in different videos, to confirm that all these 16 videos show the same convoy.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/11/08/origin-of-the-separatists-buk-a-bellingcat-investigation/

Tippt man dieses Versprechen der “exact location” an, so gerät man ins Niemandsland eines “Article not found”. Bellingcat vertraut, offenbar zurecht, darauf, daß niemand seine Berichte gründlich liest.

Man muß sich also auf die mühsame Suche nach früheren Artikeln auf der Bellingcat-Seite mit Nachforschungen in Rußland machen. Und da findet man diesen Artikel:

Images Show the Buk that Downed Flight MH17, Inside Russia, Controlled by Russian Troops

September 8, 2014

By Magnitsky

New evidence has been found that shows the Buk missile system that was used to shoot down MH17 on the 17th of July came from Russia, and was most likely operated by Russian soldiers. Using videos posted by locals in Russia’s Belgorod region back in June it has been possible to identify the Buk missile launcher seen in Ukraine on July 17th as part of a convoy of Buk missile launchers. It has also been possible to identify the Russian brigade the Buk is likely to have belonged to, and who may have operated the Buk missile launcher when it was in Ukraine.

The Buk launcher can be identified because of a number of features, including white markings on the left side side of its chassis, and what looks like the traces of a number that has been painted over. Here is a comparison of the Buk seen in previously unpublicised video taken in Russia on the 23rd of June with a well known image from Paris Match, which shows a Buk in Donetsk at 9am on July the 17th.

[…]

On the left: the Buk in a column of Russian military vehicles seen on the evening on the 23rd of June on the motorway from Staryy Oskol to the OEMK steel works in the Belgorod area.

[…]

Left: Same Paris Match image as above. On the right: image from a video taken near the Magnit store in Alexeyevka, Russia on the 24th of June. [Source]

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/09/08/images-show-the-buk-that-downed-flight-mh17-inside-russia-controlled-by-russian-troops/

Da muß man schon sehr viel glauben, bis man was sehen kann.

Viele Links funktionieren nicht (mehr), es wird hilflos herumgetastet. Das Referenzbild ist immer das fragwürdige Buk-Foto von Paris Match aus dem Artikel vom 25.7.2014, gravierend geändert am 29.7.2014 (Austausch des angeblichen Aufnahmeorts Snischne in den zutreffenden Aufnahmeort Donezk).

Am 29.9.2014 tastet sich das Bellingcat-Team weiter vor:

Geolocating the MH17 Buk Convoy in Russia

September 29, 2014

By Veli-Pekka Kivimäki

[…]

Putting all these data points together we can plot these points on a map, which would fit on a possible route from Kursk to Alexeevka.

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/

Genau. Dort, bei Alexejewka, enden alle Nachweisversuche, diese ausschließlich für Bellingcat bedeutsame BUK mit der Nummer 3_2 zu orten – weit weg von der ukrainischen Grenze. Und auf kritische Kommentare zu seinen Findungen hatte der Belllingcat-Autor auch nichts Erhellendes beizutragen:

 Rob – September 30th, 2014

Thank you Veli-Pekka and team at Bellingcat, for this awesome work in tracking down the MH-17 BUK system. I’m a great admirer of your work, and hope that by crowd sourcing we can shed some light on this disaster.

One question I have :
You made a pretty compelling case that the convoy (most notably with the important BUKs) went through Gorodishche [Coordinates: 51.137286, 38.064599].

But in doing so, it will approach Alexeyevka from the North, and it would be almost impossible for the convoy to go through the Magnit store intersection in Alexeyevka, which you would only get through if you were to approach Alexeyevka from the south…

Is this convoy doing some sort of “parading” ?

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1496

Rob – September 30th, 2014

I’m sorry. I should have been more clear :
In the Magnit store Alexeyevka intersection video, both BUK 232 and suspect BUK 3’2 come from the right (the south) which suggests they took highway P185 to Alexeyevka. But if they did, they should not have come through Gorodishche. Isn’t that odd ?

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1498

Schon komisch, in der Tat. Der Bellingcat-Autor stimmt zu:

Veli-Pekka Kivimäki – September 30th, 2014

The Alexeyevka scene is quite interesting, don’t have a solid explanation what happened. Seems the convoy had either split up and was regrouping, or some kind of reordering was going on. It’s also the last known video currently of this convoy together.

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1520

Rob – October 1st, 2014

A re-ordering makes sense ; Russian military may often do that to avoid satellite tracking of individual vehicles.

The Alexeyevka intersection video is still very interesting though.

It seems that most vehicles (including TELAR 232 and suspect TELAR 3’2) are moving towards the train station (along with TELAR 221, 231, loader 323), while loader 223, TELAR 211 and 212 are moving back into the direction that the convoy came from…

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1533

Da kann man natürlich die tiefsinnigsten Spekulationen anstellen; festzuhalten ist, daß sich der Konvoi in und bei Alexejewka auflöste, und danach gab es von ihm keine Spur mehr. Insbesondere nicht von der von Bellingcat als russisches Tatwerkzeug in der Ukraine angenommenen BUK-Startrampe (TELAR) mit der Nummer 3_2.

Der fehlende Link zu den vagen Findungen des Bellingcat-Teams über russische BUK-Bewegungen ist offenbar gewollt, denn der beglaubigende Artikel, was Millerowo in der Nähe der ukrainischen Grenze angeht (35 km entfernt), sieht so aus (und ist erst am selben Tag des zusammenfassenden Artikels, am 8.11.2014, „unauffindbar“ erstellt worden):

Geolocating the June Russian Buk Convoy in Millerovo

November 8, 2014

By Eliot Higgins

One of a series of videos that shows a convoy containing the Buk linked to the downing of MH17 was reportedly filmed near the town of Millerovo. The following demonstrates how it’s possible to use a combination of satellite map imagery and Google Street View imagery to find the exact location the video was filmed.

The video was originally uploaded here, with the date and time on the camera shown to be 11:31am on June 25th.

[…]

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/11/08/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo/

Das offenbar einzige Millerowo-Video war schon kurze Zeit später nicht mehr zugänglich, und die von Bellingcat in diesem bewußt ausgegrenzten Nebenartikel geposteten Standbilder aus diesem Video zeigen keine BUK-Abschußrampe. Inwiefern es sich um denselben Konvoi, der in Kursk startete, handeln soll, wird ebenfalls nicht ersichtlich. Auf die nachfolgenden Fragen eines Kommentators geht Eliot Higgins nicht ein:

Wouter (dutch) – November 20th, 2014

Hi Eliot,

Unfortunately, I cannot get to the url you give in this post: http://www.odnoklassniki.ru/video/13597280818. Any suggestion?

What is your conclusion based on what you’ve analysed? Is it authentic?

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/11/08/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo/comment-page-1/#comment-3552

Dabei betont Higgins doch gern, daß er wichtige Videos umgehend sichert. Das gehört schließlich zum Handwerkszeug eines Laptop-Detektivs. Gab es Gründe, dieses Video zu verstecken?

Auch auf der am 9.11.2014 veröffentlichten interaktiven Karte von Bellingcat wird zu Millerowo lediglich dieses Foto gezeigt:

Bellingcat Millerowo Maphttps://www.mapbox.com/labs/bellingcat/index.html

Auch hier ist kein BUK TELAR zu sehen, und schon gar keiner mit der Nummer 3_2.

Das letzte Mal wurde laut Bellingcat-Map vom 9.11.2014 die fragliche BUK an einem unbestimmten Tag südlich bei Alexejewka gesichtet, weit entfernt von der ukrainischen Grenze:

Bellingcat Alexejewka Maphttps://www.mapbox.com/labs/bellingcat/index.html

Halbseidener geht es nun wirklich nicht mehr.

In der SPIEGEL-Präsentation wird aus dem Millerowo-Video immerhin eine BUK-Abschußrampe gezeigt – man fragt sich, wieso Bellingcat auf dieses Bild verzichtete:

Spiegel Millerowohttp://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html

Da wächst zusammen, was zusammengehört. Zwei Ideologen arbeiten mit Bellingcat zusammen, der seine Nicht-Findungen mühsam verbirgt. Und sie dennoch zur Schau stellt.

Ich habe es zwar nicht für möglich gehalten, aber merkwürdigerweise hat Bellingcat das verschwundene Millerowo-Video

http://ok.ru/video/13597280818

dann doch wieder gepostet.

Am 13.5.2015 erschien ein langatmiger Bellingcat-Bericht, dessen Zweck es wohl war, für die strafrechtlichen Ermittler des JIT Zeugen zu finden, die die fragliche BUK 3_2, wie von Bellingcat beweislos behauptet, in die Ukraine gefahren haben könnten.

Routes, Destinations, and Involvement of the 2nd and 147 th Automobile Battalions in the June and July 2014 Buk Convoys

A bell¿ngcat Investigation

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2015/05/Routes-Destinations-and-Involvement-of-the-2nd-and-147th-Automobile-Battalions-in-the-June-and-July-Convoys.pdf.pdf

Der Immer-noch-Bellingcat-Fan Correctiv erkennt messerscharf, daß es hier um wertvolle Beweise gegen Rußland geht – eine geteilte Ideologie verbindet nun mal:

CORRECT!V@correctiv_org

Neuer Report von @bellingcat trägt weitere Belege zusammen für die Verantwortung Russlands beim Abschuss von #MH17: https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/05/13/tracking-the-trailers-investigation-of-mh17-buks-russian-convoy/ …

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23:47 – 14. Mai 2015

https://twitter.com/correctiv_org/status/599103834355605504

und postet den Link zu dem zusammenfassenden Ergebnis des über 5o-seitigen PDF-Berichts:

Tracking the Trailers: Investigation of MH17 Buk’s Russian Convoy

May 13, 2015

By Bellingcat

[…]

Dmitry Z, the driver of truck 6902 HH 50, which hauled Buk 232 in the 23-25 June convoy, did not transport Buk 3×2 to the border (he transported other vehicles to the border area during his last ride with his truck just before the end of his service). However, he might possibly know who did, considering that driver was behind him in the convoy with Buk 3×2. And, looking at the connections the drivers have on VK, it seems that the drivers of the Buk convoys may know each other.

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/05/13/tracking-the-trailers-investigation-of-mh17-buks-russian-convoy/

Der Berg kreißt, und er gebiert eine Maus. Diesen Nicht-Zeugen hatte die ukrainische Propagandaseite Informnapalm bereits zuvor präsentiert, unter voller Namensnennung (am 12.5. in Russisch, am 13.5. in Englisch):

https://en.informnapalm.org/the-last-haul-of-the-russian-soldier-to-mh17/

Es gibt kaum noch etwas, das Bellingcat von einer derartigen Seite unterscheidet.

Immerhin gab es für mich ein Erfolgserlebnis:

Auf S. 35 des PDF-Berichts von Bellingcat

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2015/05/Routes-Destinations-and-Involvement-of-the-2nd-and-147th-Automobile-Battalions-in-the-June-and-July-Convoys.pdf.pdf

wird in Fußnote 42 zu diesem Video verlinkt:

[0024] Идут войска к границе трасса Миллерово-Луганск

Bellingcat Vehicle Tracking Project

Veröffentlicht am 08.03.2015

0024

Original link: http://ok.ru/video/13597280818

https://www.youtube.com/watch?v=VrjbVIv61qE

Per Google übersetzt:

Go troops to the border route Millerovo-Lugansk

Da ist es also still und leise schon im März 2015 wieder aufgetaucht, das verschwundene Millerowo-Video!

Man sieht deutlich: dort ist weder die BUK 232 noch die BUK 3_2 zu erblicken. Sondern lediglich eine BUK mit der Nummer 200 (die der SPIEGEL zeigte) und ein BUK-Raketenlader (den Bellingcat zeigte) ohne Nummer. Ansonsten nur zahlreiche LKW und vier massive verhüllte Transportgegenstände, bei denen es sich um BUK-Kommando- oder Radarfahrzeuge handeln könnte, deren Elektronik vor Nässe geschützt werden mußte. Simple BUK TELAR-Abschußrampen wurden bei Transporten in Rußland niemals komplett verhüllt.

Millerovo Buk 200 Sek 26Millerovo Buk oN Sek 27

Millerovo Buk oN Sek 28Mag Bellingcat weiter seine Phantom-BUK und Phantom-Zeugen jagen…

Marcus Bensmann von Correctiv tut nichts weiter, als Bellingcats Bilder erneut – und schlechter – zu fotographieren.

Hier meint er, am Ort der Aufnahme der Paris Match-BUK in Donezk zu sein. Abgesehen davon, daß auf dem Foto die Umgebung nicht zu sehen ist, hat er sich auch noch die falsche Stelle ausgesucht, wie ein Vergleich zeigt:

Correctiv Donezkhttps://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Paris Match Bukhttp://www.parismatch.com/Actu/International/EXCLU-MATCH-Un-camion-vole-pour-transporter-le-systeme-lance-missiles-577289

Man sieht, daß der Transporter auf einem sich verjüngenden Standstreifen parkt, der im Bensmann-Foto nicht zu sehen ist. Ich kann mir keine Entschuldigung ausdenken, die Marcus Bensmann für diesen Fehlgriff vorbringen könnte. Schließlich heißt es in dem von ihm mitverfaßten SPIEGEL-Artikel:

Donezk, Ukraine, 11 Uhr Ortszeit

Auf der Schnellstraße N21 nach Luhansk fotografiert ein französischer Journalist [!] am Stadtausgang von Donezk einen auffälligen weißen Volvo-Sattelschlepper mit einem roten Tieflader. Die N21 ist hier noch zweispurig, beide Fahrtrichtungen sind durch einen Mittelstreifen getrennt. Der Tieflader steht auf dem Standstreifen, in Fahrtrichtung Osten.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131242892.html

Die Ungereimtheiten, die im Zusammenhang mit der Herkunft und der Publizierung dieses Paris Match-Fotos aufgetreten sind, habe ich in der zweiten Hälfte meines letzten Beitrags ausführlich erörtert:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/01/19/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-3/

Und danach war es naheliegend, die Behauptung, dieses Fahrzeug sei am 17.7.2014 von einer „équipe de Paris Match“ oder einem „französischen Journalisten“, wie der SPIEGEL unterstellt, fotographiert worden, für unglaubhaft zu halten. Schon damals hätte ich wissen können, daß diese Behauptung des Reporters Alfred de Montesquiou tatsächlich falsch war. Den Beweis lieferte er nämlich selbst in einem langen Artikel, der einen Tag vorher, am 24.7.2014, in Paris Match erschienen war. Das bzw. die beiden Fotos der BUK in Donezk sind ihm zugespielt worden, als er sich ab dem 18.7./19.7.2014 in der Ukraine aufhielt.

Vol MH 17

Le massacre des innocents

Grabovo, le 17 juillet. A quelques kilomètres de la frontière russe, les premiers sauveteurs arrivés sur les lieux du drame éteignent les flammes de l’incendie du Boeing 777. © Capucine Granier-Deferre

Le 24 juillet 2014 | Mise à jour le 27 juillet 2014
De notre envoyé spécial en Ukraine Alfred de Montesquiou

[…]

http://www.parismatch.com/Actu/International/Vol-MH-17-Le-massacre-des-innocents-577249

In diesem hochspekulativen Artikel, der sich entsprechend der Blattlinie von Paris Match:

http://www.parismatch.com/Actu/International/Crash-en-Ukraine-Tant-pis-pour-les-avions-C-est-la-guerre-576131

bemüht, „den Russen“ die Schuld in die Schuhe zu schieben, wird behauptet, ein Zeuge am Absturzort namens „Alexandre“ und mehrere andere Zeugen hätten mitgeteilt, einen Abschuß aus Snischne wahrgenommen zu haben (während der Luftunfall-Experte Alain Diehl in demselben Artikel nachvollziehbar einschätzt, die Zeugen hätten den Abschuß weder hören noch sehen können); auch der ukrainische Geheimdienst habe erklärt, Rebellen in der Nähe von Snischne hätten die MH 17 abgeschossen. In Snischne seien zudem am 15.7.2014 (nach anderen, glaubwürdigeren, Artikeln am 16.7.2014) elf Menschen bei einem ukrainischen Luftangriff auf einen Vorort von Snischne gestorben. Danach heißt es, nachdem wahrheitswidrig behauptet wird, die CIA habe die Authentizität der vom ukrainischen Geheimdienst herausgegebenen “Telefonmitschnitte” bestätigt:

Des témoins fiables ont ainsi montré à Paris Match la photo volée d’un système lance-missiles Buk en train d’être conduit, justement vers ­Snijne, le matin même de l’incident. L’arme est transportée par un semi-­remorque aisément reconnaissable : il est blanc avec un gros liseré bleu sur le capot, et un panneau jaune canari sur le bord. Or, le renseignement ukrainien a, depuis, fait circuler les images d’un semi-­remorque repassant la frontière russe à la nuit tombée, au lendemain du crash. On discerne sans peine le même camion.

http://www.parismatch.com/Actu/International/Vol-MH-17-Le-massacre-des-innocents-577249

Meine Übersetzung:

Auch haben glaubwürdige Zeugen Paris Match ein heimlich aufgenommenes Foto eines BUK-Systems gezeigt, das gerade, genau an diesem Morgen des Zwischenfalls, nach Snischne transportiert wurde. Er wird auf einem leicht wiedererkennbarem Sattelschlepper transportiert: er ist weiß mit einer großen blauen Verzierung auf der Kabine und hat ein kanariengelbes Schild an der Seite. Zudem hat der ukrainische Geheimdienst zwischenzeitlich die Bilder eines Sattelschleppers verbreitet, der die russische Grenze im Schutz der Dunkelheit am Tag nach dem Absturz wieder überquert. Man erkennt mühelos denselben Lastwagen wieder.

Fotos glaubwürdiger Zeugen, die den ukrainischen Geheimdienst bestätigen, werden also mühelos als Fotos der „équipe de Paris Match“ eingemeindet. Kein Wunder, daß de Montesquiou über Aufnahmeort und -zeit nicht orientiert war und keine EXIF-Daten herausgab. Über die dürfte er schlicht nicht verfügen.

Die Paris Match-Fotos müssen als verbrannt gelten. Die einzigen Referenzfotos von Bellingcat, mit denen er die Identifizierung einer russischen BUK aus Kursk versucht, sind nicht nur qualitativ für derlei Versuche ungeeignet, sondern schon durch ihre Herkunft derartig kontaminiert, daß sie seriöserweise als Vergleichsmaterial ausscheiden müssen.

In Tores hat Bensmann, was nicht weiter schwierig war, den richtigen Standort erwischt. Bedeutet das auch, daß dort am 17.7.2014 eine BUK transportiert wurde bzw. sogar mitten auf einer Kreuzung „parkte“?

Correctiv ToresHatte Bensmann im Donbass nur ein Billig-Handy dabei oder wie erklärt sich die schlechte Qualität seiner Fotos?

Das bessere Foto hat der niederländische Bürgerjournalist Max van der Werff am 18.4.2015 gemacht – und er hat, wie sich das für einen Journalisten gehört, auch Erkundigungen eingeholt. Wenn man schon mal vor Ort ist…

Tweet Max Toreshttps://twitter.com/MaxvanderWerff/status/599862407306092544

Ein Vergleich mit dem vielfach getweeten Bild des BUK-Transports in Tores (Ausschnitt):

Torez A BukIst es wirklich plausibel, daß der BUK-Transporter sich in Höhe des Hauses mit den Streifen an den Hausecken in einer Abwärtsbewegung befindet, während die Straße bis zu diesem Haus relativ steil ansteigend ist?

Bensmann erklärt nicht, ob er in Tores nach Zeugen gesucht, aber eventuell keine bestätigenden Zeugen gefunden hat. Möglicherweise kannte er diesen vergeblichen Versuch von Kollegen, die das schon zeitnah am 22.7.2014 unternommen hatten.

Malaysia Airlines MH17 crash: Was a Russian-made missile really parked in this quiet square?

Andrew Buncombe , Cahal Milmo

Tuesday 22 July 2014

It is a photograph that could play a crucial role in proving the deadliest of deeds. Or else it could be dismissed as a fake, nothing more than crude propaganda.

At the weekend, Ukraine’s security services (SBU) released photographs and videos it said proved that Russian-made BUK-M1 surface-to-air missile systems were inside the rebel-held area shortly before Malaysian Airlines MH17 crashed to the ground.

Among the images, said to have been taken on the day of the tragedy, was one of a missile system, either parked or passing through the rebel-controlled town of Torez, barely five miles from where Boeing 777 tore into fields of wheat and sunflowers. According to Vitaliy Nayda, head of the SBU’s counterintelligence unit, the image was “evidence” of Russia’s involvement.

But on Tuesday, when The Independent visited the site where the image was taken and showed it to local people, they claimed they had seen no such missile truck and dismissed the image as hoax. “All the Ukrainian media is lying,” said one man, Andrei Sushparnov. “We have no missiles. If we did, would the Ukrainians be bombing our cities?”

[…]

“I saw this picture on the internet. But there was no such vehicle parked here,” said Svetlana Eivashenko, a 50-year woman with red hair. “I wish Ukraine would leave Donetsk in peace.”

The photograph released by Ukrainian intelligence appears to have been taken from somewhere on the forecourt of the Pit Stop Market and petrol station, located close to the junction of Gagarin and 50th Anniversary of the USSR streets in central Torez. Nearby is a large statue dedicated to coal miners, for whom this area of eastern Ukraine is famous.

The staff at the petrol station said none of them had been on duty last Thursday. A woman who gave her name as Diana and who worked in a toy shop called Briefcase, said she had been at work last Thursday and had seen nothing, even when she stepped out for a cigarette break. “I did not see that, for sure,” she said.

[…]

Mr Toler [Bellingcat-Mitarbeiter] admitted there was no irrefutable proof the image was taken on July 17 as claimed by the Ukrainians. But he said an internet search revealed the picture did not appear before the 17th. „And it matches accounts in other videos and pictures along with audio intercepts,“ he said.

The Independent spent around 90 minutes at the location in Torez, at times drawing a number of animated locals who looked at the image and shook their heads.

The only hint of a positive answer came indirectly from a woman working in the Sport betting shop. She had also been off last Thursday but her colleague, whom she contacted on the telephone, said she had „heard something heavy passing by“.

The woman said her friend did not wish to speak any further and added: „There are tanks passing by here all the time.“

http://www.independent.co.uk/news/world/europe/malaysia-airlines-mh17-crash-was-a-russianmade-missile-really-parked-in-this-quiet-square-9622031.html

Einen Zeugen hat Marcus Bensmann dann doch noch aufgetrieben. Leider fälschlicherweise im Norden von Snischne. Meine Frage dazu hat er nicht beantwortet, wie er sich auch sonst in Schweigen über seine mißlungene Reportage hüllt:

Gabriele Wolff

am 02.04.2015 01:27:20

Was sagen Sie dazu, Herr Bensmann, daß sämtliche anderen Rechercheure, von Bellingcat bis zum Rechercheteam der SÜDEUTSCHEN mit dem ör Fernsehen und Reuters, den Abschußort der Buk nicht wie Sie nördlich von Snischne in Puschkin, sondern südlich von Snischne zwischen Pervomais’ke und dem Dorf “Roter Oktober” lokalisiert haben? Auch die von RTL in Auftrag gegebene Studie kommt zu diesem vom SBU vorgezeichneten Ergebnis.

Was soll man also von den wackelnden Ziegeln in Puschkin halten?

Und wieso haben Sie nicht in Pervomais’ke gesucht, wo vor und nach Ihnen alle anderen gesucht haben? Dazu haben Sie jegliche Erklärung vermissen lassen.

https://correctiv.org/blog/2015/01/27/mh-17-zum-hintergrund-unserer-recherche/#comment-137

Tja. Vermutlich hat er es versucht und ist genauso gescheitert wie Roland Oliphant vom TELEGRAPH, der genauso russenfeindlich eingestellt ist wie ukraine@war, auf dessen Lokalisationsspuren eines Abschußortes südlich von Snischne er sich zeitnah am 22.7.2014 begab.

MH17: the clues which may lead to missile launch site

Telegraph pursues clues on the ground in Eastern Ukraine to try and track down where rocket launcher was based

By Roland Oliphant, Snizhnoye

9:39PM BST 22 Jul 2014

[…]

None the less, the quest for the launch site is a frustrating search for a needle in a wheat field.

Two possible launch sites – a rundown collective farm and a nearby wheat field – showed some track marks but no sign of any rocket launch whatsoever.

In the middle of one proposed launch site, an ancient combine harvester sedately chewed its way through the wheat on a rise that gave excellent views in all directions – including towards the MH17s flight path.

It seemed an ideal spot to park a radar unit for an anti-aircraft missile. But Vassily, the driver, said he had neither heard nor seen anything like signs of a missile launch.

„No, haven’t heard or seen anything like that. That said, I can’t even hear the shelling when I’m in the cab,“ he said.

„But the field down the way burnt the other day. Don’t know why. You might have a look there.“

The location of the fire lies on the supposed flight path of the rocket, and track marks – though indistinct – are present. Some unidentifiable bits of green plastic littered the site of the fire.

It is well within rebel control, in easy reach of the Russian border, and in an area where the Ukrainian air force has struck rebel positions in the past.

But with a strip of recently ploughed land running straight through the potential site, the evidence is inconclusive.

To add to the difficulties, experts approached by the Telegraph said a Buk launcher is a relatively light piece of kit. So any telltale track marks are unlikely to be particularly distinguishable.

„The launch of the surface-to-air missile leaves scorched strip behind the launcher, so the second picture in theory might be taken at the place where launcher stood,“ said Igor Sutyagin, a Russian military expert at the Royal United Services Institute (Rusi) said.

The photograph of the missile’s smoke trail also suggests the launch was „nearly vertical“ he said.

„In this case the plume from the missile’s nozzles will be to the very large extent ‚deflected‘ by the hull of the launcher.“

That might also place the launch site further north, much closer to the crash site.

Wherever it was fired from, the search for the Buk will be a long one.

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/10984530/MH17-the-clues-which-may-lead-to-missile-launch-site.html

Das sah düster aus, sowohl für die “Analysen” aufgrund des Wölkchenfotos als auch für bestätigende zeitnahe Aussagen von Bewohnern dieser Gegend.

Marcus Bensmann bekam es mit einem der typischen „Zeugen“ zu tun, die Monate nach einem Ereignis, das sie nur am Rande mitbekommen haben, nicht mehr wissen, was sie wahrgenommen und was sie später erfahren haben. Hinzu kommen bei derartig verspäteten Recherchen bekanntlich der übliche Zeugentypus, der sich wichtig macht, sowie derjenige, der eine eigene politische Agenda verfolgt. Aussagepsychologie ist Reportern, die mit der Tür ins Haus fallen, so unbekannt wie überflüssig. Sie wollen O-Töne, die ihre Sicht der Dinge plakativ bestätigen.

Und so wird die Zeugenaussage eines Mannes in dem nördlich von Snischne befindlichen Dorf Puschkin von Bensmann in seiner „Hauptgeschichte“ präsentiert [Hervorhebungen von mir]:

Zwei Tage später ein weiterer Besuch. Es ist noch früh. Die Straßen in der Siedlung sind leer. Wieder bellen Hunde, sie zerren hinter Metalltoren an Ketten. Nach langem Klopfen öffnet ein Bewohner seine Haustür. „Vielleicht sind Sie ein Spion?“, ist die erste Frage nach einer hastigen Begrüßung. Am 17. Juli 2014 war er am Ort. Die Frage nach diesem Tag macht ihm Angst.

„Ich erinnere mich. Aber wissen Sie, ich sage Ihnen dazu nicht alles. Das könnte schlecht für mich enden.“ Der Reporter stellt sich vor. Er zeigt seine Ausweise. Er sagt, er sei hier, um mehr zu erfahren. Die Menschen in Europa wollten wissen, was passiert ist, warum so viele aus ihrer Mitte hier in der Ukraine sterben mussten, abgeschossen in einem friedlichen Flugzeug.

Der Mann stockt. Dann fängt er an zu erzählen: „Sie haben es mit einer Rakete abgeschossen. Die Rakete haben sie von dort abgeschossen. Wir haben sie gesehen, wie sie geflogen ist.“

Er weist auf den Bahndamm. Ein Freund von ihm habe die Raketen vorher schon gesehen. „Er hat mich angerufen und gesagt: Dort steht so ein krasses Teil mit vier Raketen.“ Auch der Freund bleibt ohne Namen. „Er hat auch Angst. Es sind gefährliche Zeiten.“ Aber eine andere Frage beschäftigt den Zeugen auch noch. „Sie haben alles geplant. Ich weiß nur nicht, warum Sie es hier hin gekarrt haben.“

Endlich kommt er ins Reden. “Ich war im Hof und habe eine Explosion gehört, einen Schlag. Da war so ein Chlop (russisch für Schlag). Die Ziegel auf dem Dach wackelten. Und dieser Schlag war dort drüben, das war hier sehr gut zu hören. Es gab so einen langen Ton. Und dann gab es eine sehr starke Explosion: Bach Bach. Und gerade als ich auf die Straße gelaufen bin, stürzte das Flugzeug ab, entlang der Straße einige Kilometer entfernt von hier. Verstehen Sie? Und man konnte sehen, wie es dort brannte.” Für den Chlop, den Schlag, hat der Zeuge eine Erklärung. “Da ist sie von dort offensichtlich losgeflogen.”

Auf die Frage ob russische Soldaten oder Separatisten die Rakete abgeschossen hätten, muss der Mann lachen. Für ihn können es nur russische Soldaten gewesen sein. “Nun, welcher Bergmann wird mit einer Rakete schießen? Das waren Spezialisten. Kann ich etwa Raketen abschießen?”

https://mh17.correctiv.org/

Ist die Aussage dieses Mannes richtig übersetzt worden? Ist sie zutreffend wiedergegeben worden?

Bensmann war – das unterscheidet ihn von seinen Nachfolgern – so großzügig, an versteckter Stelle sein Ausgangsmaterial (falls richtig übersetzt) freizugeben; und trotz der Zensur:

Zum Schutz des Zeugens vor Racheakten haben wir die Stimme von einem Schauspieler übersprechen lassen und Kürzungen vorgenommen.

läßt sich feststellen, daß die Ausage des Zeugen ganz anders ausgefallen ist als in der redaktionellen Bearbeitung auf der Correctiv-Hauptseite.

Journalist: Guten Tag. Ich bin Marcus Bensmann, ein deutscher Journalist. Ich gehe über die Dörfer und schaue, wie die Menschen so leben.

[…]

Journalist: Ich habe da noch eine Frage. Sie erinnern sich an den 17. Juli, als sie das Flugzeug abgeschossen haben, MH17, erinnern sie sich?

Bewohner: Aber wissen sie, ich sage ihnen dazu nicht alles, das könnte schlecht für mich enden.

Journalist: Das heißt, sie wollen darüber nicht sprechen?

Bewohner: Nein, ich habe Angst.

Journalist: Aber warum?

Bewohner: Ich weiss doch nicht, was sie im Schilde führen, in diesen wahnsinnigen Zeiten.

Journalist: Nur, Sie müssen verstehen. Die Menschen dort fragen das. Sie beschäftigt diese Frage.

Bewohner: Wo?

Journalist: In Deutschland.

Bewohner: Aber was wollen sie wissen? Sie haben es mit einer Rakete abgeschossen. Die Rakete haben sie von dort abgeschossen. Wir haben sie gesehen, wie sie geflogen ist. Verstehen sie? Was wollen sie noch wissen?

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Typischerweise beginnt das Gespräch zur Sache nicht mit einer Ich-, sondern mit einer „Wir“-Aussage, die als Reduzierung auf einen Behauptungskern daherkommt. In der Folge wird sie Stück für Stück zurückgenommen. Und hätte daher nicht mehr zitiert werden dürfen.

Journalist: Sie haben es gesehen?

Bewohner: Ich war im Hof und habe eine Explosion gehört, einen Schlag. Da war so ein „Chlop“ (russisch für Schlag). Und dieser Schlag war dort drüben, das war hier sehr gut zu hören. Und dann gab es eine sehr starke Explosion. Meine Ziegel haben gewackelt. Und gerade als ich auf die Straße gelaufen bin stürzte das Flugzeug ab, entlang der Straße einige Kilometer entfernt von hier. Verstehen Sie? Und man konnte sehen, wie es dort brannte. Ich bin auf die Strasse gerannt und sehe, da kam ein sehr grosse Schlag von dort und schwarzer Rauch. Kurz gesagt, ich bin in diesem Moment rausgelaufen, als es abstürzte. Ich habe es nicht gesehen, als es flog, das habe ich alles gehört. Und es hat dann dort gebrannt.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

In der Konkretisierung wird aus dem behaupteten Sehen einer fliegenden Rakete eine im Hof gehörte Explosion in der Nähe, danach folgt die Explosion des abgestürzten Flugzeugs nebst schwarzer Rauchwolke. Beide Ereignisse wurden jeweils nur gehört und später miteinander kausal verbunden.

Journalist: Das Flugzeug haben sie gesehen?

Bewohner: Nein, das Flugzeug habe ich nicht gesehen. Als ich nach dieser Explosion rausgelaufen bin, habe ich gehört, dass sich eine große Explosion dort ereignet hatte.

Journalist: Ja.

Bewohner: Ich war im Hof unter der Plane, höre eine Explosion: „Bach Bach“. Die Ziegel auf dem Dach wackelten und es gab so einen langen Ton. Ich bin sofort auf die Strasse gelaufen und sehe, wie es dann entlang dieser Strasse zur Erde stürzt. Es ereignete sich, dass es genau entlang dieser Strasse passierte.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

In der erneuten Wiederholung wird deutlich, daß der Zeuge im Hof unter einer Plane stand, als die erste Explosion erfolgte – gesehen hat er nichts. Dafür sieht er plötzlich das abstürzende Flugzeug, das er zuvor nicht gesehen hatte.

Journalist: Sie haben also von hier geschossen?

Bewohner: Von dort ungefähr. Ich habe einen Schlag gehört. Ich habe unter dem Verschlag ein „Chlop“ (russisch für Schlag) gehört. Ein „Chlop“, so ein Schlag eben. Da ist sie von dort offensichtlich losgeflogen. Aber dann eine starke Explosion. Den habe ich dann von hier aus gehört. Im Himmel war eine starke Explosion. Ich bin dann zwischen Garage und Strasse rausgerannt. Habe geschaut. Aber habe nichts gesehen. Aber als ich dann gelaufen bin, da habe ich gesehen, wie es auf die Erde gestürzt ist.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Bei der nächsten Variante (auf eine Suggestivfrage hin) erkennt man, wie die Schlußfolgerung „Da ist sie von dort offensichtlich losgeflogen“ die wahrgenommen Ereignisse überlagert. Gleichzeitig überlagert die Information über den Absturz der MH 17 die Erinnerung an das Erlebte; denn plötzlich will der Zeuge zusätzlich sogar eine Explosion im Himmel gesehen haben – die er wegen der geschlossenen Wolkendecke bei einer Explosion in 10 km Höhe nicht gesehen haben kann.

Journalist: Haben Sie Fahrzeuge gesehen dort?

Bewohner: Wo?

Journalist: Nun, wer dort geschossen hat, also die Raketen.

Bewohner: Nun, die Fahrzeuge habe ich nicht gesehen. Aber ein Freund hat diese Fahrzeuge gesehen. Er hat mich angerufen und gesagt: Dort steht so ein „krasses Teil“ mit vier Raketen. Sie haben in der Stadt gestanden.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

In der Stadt Snischne soll der Freund also die BUK gesehen haben – und nicht im nördlichen Vorort Puschkin, dem Wohnort des Zeugen. Das wird in der zusammenfassenden Präsentation des Interviews mehr als nur verschwiegen; im Gegenteil wird durch die Ortsbezeichnung „Bahndamm“ nahegelegt, daß der Freund eine BUK ganz in der Nähe, nämlich am Bahndamm in Puschkin, gesehen habe.

Journalist: Vier Raketen?

Bewohner: Ja, vier Raketen waren da.

Journalist: Waren das russische Soldaten oder Separatisten?

Bewohner: (lacht) Nun, welcher Bergmann wird mit einer Rakete schiessen? Das waren Spezialisten. Kann ich etwa Raketen abschiessen?

Journalist: Also das war von hier?

Bewohner: Ich weiss nur nicht, warum sie sie hierhin gekarrt haben.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Der Zusatz in der Präsentation: „Sie haben alles geplant. Ich weiß nur nicht, warum Sie es hier hin gekarrt haben.“ fehlt. Ob es sich hier um eine Erfindung Bensmanns oder um eine der Kürzung zum Opfer gefallene Stelle handelt – ich weiß es nicht. Irgendeine Bedeutung hat diese Aussage des unwissenden Dorfbewohners ohnehin nicht.

Journalist: Sie sind von hier.

Bewohner: Ja, ich bin von hier.

Journalist: Und das von hier geschossen wurde, dass hier Raketen gestanden haben, haben auch alle gesehen?

Bewohner: Nun, was heisst schon alle? Zu dieser Zeit sind wir nicht viel rumgefahren. Ich kenne einen, der das alles gesehen hat. Nur wird der nicht mit Ihnen reden. Er hat alles gesehen. Er hat als erster die Raketen gesehen. Er ist als erster hingefahren, nachdem das Flugzeug abgestürzt ist. Er ist hingefahren und hat geguckt. Er hat es mir erzählt.

Journalist: Nur, er wird nicht mir mir reden?

Bewohner: Kaum. Er hat auch Angst. Man weiss ja nicht, wo Du hingehst. Es sind gefährliche Zeiten. Wir haben hier keine Demokratie.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Zuguterletzt nimmt er sogar die Wir-Aussage der Eingangsbehauptung zurück. Er selbst hat gar nichts Konkretes mitbekommen. Es ist wahrscheinlich, daß es am 17.7. 2014 eine Kriegseinwirkung bei Puschkin gab – so berichtete eine Einwohnerin von Rauch über der nahegelegenen Fabrik, die später von Bellingcat als „KhimMash plant“ identifiziert wird (s.u.).

Die andere Frau hat von der Fabrik aus „starken Rauch gesehen. Alle haben sich erschreckt.“ Woher der Rauch gekommen sei? Sie reagiert verunsichert. „Woher sollten wir wissen, was das war? Wir haben gehört, wie etwas explodierte.“

https://mh17.correctiv.org/

Letztlich ist er der klassische Zeuge vom Hörensagen, der Monate später interviewt und dessen vage und widersprüchliche Aussage von voreingenommenen Reportern tendenziös wiedergegeben wird. Nach diesem Muster verfuhren alle weiteren Reporter, die sich nach Correctiv auf Recherchereise in den Spuren Bellingcats begeben haben.

Bensmann ist es zu verdanken, daß man Einblick in die journalistische Verdreherei von Zeugenaussagen gewonnen hat. Genauso hat man sich das als Medienkonsument immer vorgestellt.

Eine Ohrfeige für Marcus Bensmann hat Bellingcat jedenfalls am 27.1.2015 geliefert:

Is this the Launch Site of the Missile that Shot Down Flight MH17? A Look at the Claims and Evidence

January 27, 2015

By Daniel Romein

In a previous investigation related to the 17 July 2014 downing of Malaysian Airlines Flight 17 (MH17) in eastern Ukraine, the Bellingcat investigation team provided the origin and movements of a Buk M1 missile launcher filmed and photographed that same day that travelled from Donetsk past Zuhres, through Torez and Snizhne. Before reaching Snizhne, the Buk M1 missile launcher was transported on a red low-loader hauled by a white Volvo truck featuring a telephone number and unique blue stripes. In Snizhne, however, the Buk was unloaded off the hauler and driven south out of Snizhne under its own power. In the early hours of 18 July 2014 the missile launcher was spotted in Luhansk, where it was again being hauled by the same white Volvo truck, but this time it was missing one missile.

The location of the Buk between its last sighting in Snizhne and its appearance in Luhansk the following morning is a vital question that will shed light on the culprits and circumstances of the MH17 tragedy. This report will consider four vital clues that allow us to estimate the launch location for the missile that downed MH17: 1) photographs of a white smoke trail taken a few moments after the crash of flight MH17, 2) visible burn damage to a wheat field that appeared between 16 and 20 July 2014, 3) audio recordings reportedly from 17 July 2014, and 4) a US intelligence satellite image from 22 July 2014.

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17

Danach befindet sich der für ihn wahrscheinliche Abschußort nicht nördlich, wie Bensmann meint, sondern südlich von Snischne, und zwar hier:

Bellingcat Abschußorthttps://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17

Daß nach einem verbrannten Feld gefahndet wurde, mag Marcus Bensmann besonders irritiert haben, hatte er doch, eventuell unter dem Einfluß seines anonymen Militärberaters, kühn zur Buk-Rakete dekretiert:

Die Rakete wird aus einem feuerfesten Container gestartet, deshalb hinterlässt sie kaum Brandflecken; die Spuren der Abschussrampe auf dem Boden gleichen denen eines Panzers.

https://mh17.correctiv.org/

Dummerweise verortet Bellingcat das offiziell von den USA am 22.7.2014 verbreitete „Abschußfoto“ ebenfalls südlich von Snischne, wie ich das nach bloßem Augenschein auch eingeordnet hatte. Nix da mit der von Bensmann ohne Nachweis verbreiteten Behauptung, die USA hätten einen Abschußort nördlich von Snischne benannt. In die Ecke stellen und schämen, ist mein Ratschlag für diese Art von Journalismus.

Wie konnte es zu diesem Affront zwischen Bellingcat einerseits und Correctiv/SPIEGEL andererseits kommen, obwohl sich doch beide mit großer Naivität auf social media und Geolocating verlassen und in der Sache („Rußland war es!“) einig sind?

Ganz einfach: Elliot Higgins mißtraute am 22.7.2014 noch den entsprechenden „Findungen“ des ersichtlich vorurteilsbehafteten „ukraine@war“-Bloggers aus den Niederlanden.

The Latest Open Source Theories, Speculation and Debunks on Flight MH17

July 22, 2014

By Eliot Higgins

[…]

The Launch Site Found?

A couple of days ago Storyful shared high resolution satellite map imagery of the areas around the crash site and locations identified in images of the Buk Missile Launcher (shared here, open with Google Earth).  While many people focused on the crash site itself, others were looking for signs of the launchers. In a post on the Ukraine@WAr blog the author identified tracks in a field in images from July 20th, just south of the location the suspected Buk Missile Launcher was filmed, south of Snizhne

In his next post on the subject, the author also believes he’s identified the direction of smoke seen on the day, which some have claimed to be from the launch of the Buk’s missile, as being the same direction as the field.  Personally I believe there’s two things that would be useful here, having satellite map imagery from the day before the attack to confirm the tracks are fresh, and having someone on the ground examine the tracks, ideally measuring the distance between the two sides of the tracks to see if it matches the specifications of the Buk. While I don’t feel the posts are conclusive, it’s something that warrants further investigation.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/07/22/the-latest-open-source-theories-speculation-and-debunks-on-flight-mh17/

Diese Zurückhaltung legte das Bellingcat-Team erst am 27.1.2015 ab und schenkte dem Wölkchenfoto aus Tores erstmals Beachtung. Dazu trug natürlich die für RTL/NL gefertigte Studie bei, die zwar von Bellingcat erwähnt, zu der allerdings nicht verlinkt wurde. Diese am 22.12.2014 von RTL veröffentlichte Studie hatte just jenes spezifische Feld als Ort eines möglichen Brandes identifiziert, auf das sich Bellingcat jetzt, am 27.1.2015, risikolos als Abschußort festlegte:

RTL-Studie Abschußort S. 12http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf

[S. 12]

RTL-Studie Abschußort, S. 23http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf

[S. 23]

Und wie erklärt Bellingcat, daß ihr Kollege und Fan Marcus Bensmann mit seinem Zeugen und seinem freihändig erkorenen BUK-Abschußort derartig danebenlag?

Tweet Max Correctivhttps://twitter.com/MaxvanderWerff/status/601789446833479682

Sehr nüchtern auf eine entsprechende Anfrage im Kommentarteil seines Blogs:

Daniel Romein – January 28th, 2015

This location is based on testimonies of a few witnesses, the audio recordings of Zello conversations where some people mention the KhimMash plant and a wrong geolocation of the direction the pictures of 17 july in Torez were taken from. The tracks they have seen in the fields could have been made by tanks as well.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17/comment-page-2/#comment-8611

Oder von Mähdreschern, denn Bensmann unterließ es, den Radstand einer verdächtigen Spur zu vermessen. Soviel zu Correctiv und SPIEGEL. Außer Spesen nichts gewesen. Aber das gilt natürlich gleichermaßen für seine Nachfolger, die den Bellingcat-Trip in den Donbass unternahmen, um sich dort der Nachbebilderung und/oder dem „Zeugenschütteln“ im Dienst einer unverhohlen offenbarten Agenda zu widmen.

Nachtrag (27.5.2015):

Eine erneute Überprüfung des deutschsprachigen Bellingcat-Beitrags „MH 17 Herkunft der Separatisten Buk“ vom 8.11.2014 ergab den endgültigen Beweis für die Verschleierungskünste, derer sich die Plattform Bellingcat bedient.

Das Bellingcat MH17 Untersuchungsteam hat 16 Videos auf Social Media Websites wie VKontakte, YouTube, Instagram und Odnoklassniki, die die Bewegung des 53. Brigade Konvois von Kursk am 23. Juni bis Millerowo 29 am 25. Juni zeigen gefunden.

Das Bellingcat MH17 Untersuchungsteam war auch in der Lage, den exakten Standort 30 zu identifizieren an dem jedes Video gefilmt wurde und anhand gleicher Fahrzeuge in verschiedenen Videos nachzuweisen, dass alle 16 Videos den gleichen Konvoi zeigen.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 14 f.]

So die Behauptung. Im Gegensatz zur englischsprachigen Fassung (in der es die in die Irre führende Fußnote 29 zu „Millerowo“ gar nicht gibt), führt in der deutschsprachigen Fassung das Versprechen des exakten Standorts nicht zu einem „article not found“ wie im englischsprachigen Pendant, sondern zu etwas sehr Eindeutigem. Offenbar schätzt Bellingcat deutsche Leser als die größeren Pedanten ein; Deutsche – mit Ausnahme von Journalisten – delektieren sich halt an Fußnoten, das ahnt man in Großbritannien.

Fußnote 30:

30 https://www.bellingcat.com/news/2014/11/07/geolocated-june-buk-convoy-videos-in-russia

verlinkt zu diesem oberflächlichen Artikel mit Landschaftsaufnahmen (man sieht kein einziges erkennbares militärisches Gerät) vom 7.11.2014, der also hastig einen Tag vorher erstellt wurde:

Geolocated June BUK convoy videos in Russia

November 7, 2014

By Veli-Pekka Kivimäki

In September, the discovery of six videos of a Buk convoy in Russia was reported on Bellingcat. During the research done by the Bellingcat team, another 10 videos have been discovered from June 23-25, which can be linked to the same convoy. As the basis for the geolocation work, the previous videos from June were utilized both as reference material, as well as to give indications of a possible route which would narrow down the search area.[…]

The tenth video is from Millerovo, and is addressed in a separate case study, walking through the geolocation process.

https://www.bellingcat.com/news/2014/11/07/geolocated-june-buk-convoy-videos-in-russia/

Logischerweise führt der Link zum Millerowo-Video zu dem gelöschten Video, und der Link zur “separate case study” nicht einmal zu dem bereits erörterten nichtssagenden Artikel von Eliot Higgins vom 8.11.2014,

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/11/08/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo/

sondern zu dem bereits bekannten:

Article Not Found!

The article you were looking for was not found.

https://www.bellingcat.com/uncategorized/2014/11/07/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo

Da bei Bellingcat Computer-Freaks arbeiten, die sich mit Verlinkungen auskennen müßten, sicherlich auch mit der Einrichtung einer Suchfunktion, die ich auf dieser Seite partout nicht finden kann, muß man Bellingcats Fehlleistungen in ihrer Gesamtheit wohl als bewußte Irreführung des Publikums bezeichnen. Aber für die Mainstream-Medien, die sich auf Verifizierungstour der Bellingcat-Behauptungen begeben, reichen derartige Schlampigkeiten allemal.

Wenn da nicht diese eindeutige Zusammenfassung am Ende des Artikels von Kivimäki wäre:

„# Location Coordinates Buk TELAR 3×2 in video?
1 Troitskiy 51.3590587,37.500688 Yes, 00:24
2 Stary Oskol 51.3590587,37.500688 Yes, 02:01
3 Popovy Dvory 51.6544589,36.7921105 No
4 Stary Oskol 51.3065105,37.9023863 No
5 Stary Oskol 51.2707467,37.9254813 No
6 Stary Oskol 51.3203988,37.886651 No
7 Neznamovo 51.2441558,37.9365475 No
8 Alexeyevka 50.624703,38.6503823 Yes, 6:22
9 Alexeyevka 50.5831713,38.7146552 Yes, 0:52
10 Millerovo 48.902343, 40.444658 No“

https://www.bellingcat.com/news/2014/11/07/geolocated-june-buk-convoy-videos-in-russia/

Bei SPIEGEL und Correctiv hat man über die Tatsache, daß die verdächtige BUK 3_2 in Millerowo nicht gesichtet wurde, großzügig hinweggesehen und das Gegenteil behauptet. Die bei Millerowo gesichtete BUK 200 zeigt durch die Nullen gerade an, daß sie keinem konkreten Truppenteil angehörte, ebensowenig wie der nicht gekennzeichnete BUK-Raketenlader. Ein Zusammenhang mit der 53. Brigade aus Kursk besteht daher offensichtlich nicht.

Das Bellingcat-Unternehmen ist lediglich ein interessegeleitetes Bindeglied zwischen Politik und Medien und hat mit „alternativer“ Recherche nichts zu tun. In diesen bitteren Apfel der Erkenntnis muß man beißen.

Aber das hatte ich ja schon in den Artikeln:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/02/01/ukraine-intermezzo-wie-bellingcat-arbeitet/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/03/28/ukraine-intermezzo-wie-bellingcat-arbeitet-2/

dargelegt.

Zur Fortsetzung geht es hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/07/29/informationskrieg-um-mh17-5/

(wird fortgesetzt)

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Ukraine – quo vadis? (II)

Glanz und Gloria

Fortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/20/ukraine-quo-vadis/

Eigentlich müßte die Frage mittlerweile erweitert werden: Europa ­– quo vadis? Und noch eigentlicher müßte man feststellen, daß es sich hierbei um eine rhetorische Frage handelt, denn die Antwort liegt auf der Hand. Europa ist dabei, sich zum selbstzerstörerischen Anhängsel der USA und der NATO zu degradieren und auf diesem Weg Vernunft gegen Paranoia, Wahrheit gegen Lüge und Moral gegen eine doppelte Buchführung einzutauschen, bei der der Einsatz von schwerstem Kriegsgerät gegen Zivilisten wahlweise Entsetzen (die Opfer des MH 17 Fluges und die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen), wahlweise vollkommene Indifferenz (die ostukrainische Zivilbevölkerung) auslöst.

Wie empört hat Europa reagiert, als mit Jörg Haider ein Rechter in der österreichischen Regierung wirkte; und wie dröhnend ist sein Schweigen gegenüber Kiew, das seine entfesselte nationalistische Soldateska so wenig im Griff hat wie den rechtsradikalen Rada-Abgeordneten Oleg Lyashko, der auf seine eigene Art in den „befreiten Gebieten“ aufräumt.

Begleitet wird dieses Szenario durch einen transatlantischen Unisono-Mainstream in privaten wie auch öffentlich-rechtlichen Medien, der von allen journalistischen Tugenden verlassen ist, um es milde auszudrücken. Man könnte ihn als bellizistischen Kampagnenjournalismus bezeichnen, will man den treffenderen Begriff Propaganda vermeiden. Jeder Vorwurf gen Moskau wird als Tatsache behandelt, obwohl es keine Beweise gibt. Für nichts gibt es Beweise: weder für Ausrüstungslieferungen an die Rebellen noch für die Teilnahme russischer Soldaten an deren militärischen Operationen durch die russische Regierung. Daß es russische Staatsangehörige gibt, die auf Seiten der Rebellen kämpfen, daß es Waffenlieferungen gibt, die von russischem Staatsgebiet aus über die poröse Staatsgrenze in die Ukraine gelangen, dürfte zutreffen. Eine Verbindung zur Regierung ist damit allerdings noch nicht gezogen. Moskau solle die Grenze sichern, lautet eine der Forderungen des Westens. Moskau solle seine Soldaten von der Grenze abziehen, eine andere. Was also soll Putin tun? Und wie steht es um seine Einflußmöglichkeiten auf die bunt zusammengewürfelten Milizen der Regierungsgegner?

Da es bis heute noch nicht einmal Beweise für die behaupteten täglichen Unterstützungslieferungen Rußlands für die „Separatisten“ gibt, schien die große Stunde gekommen, als der britische Guardian-Journalist Shaun Walker am 15.8.2014 (zuvor per Twitter am 14.8.2014) verbreitete, er habe, auf russischem Staatsgebiet befindlich, 23 Militärfahrzeuge nebst Begleitfahrzeugen beobachtet, wie sie am späten Abend des 14.8.2014 über die Grenze in die Ukraine hineingefahren seien:

Aid convoy stops short of border as Russian military vehicles enter Ukraine

Armoured personnel carriers and support vehicles cross the border, while the 280-truck convoy comes to a halt separately

[…]

But, while the trucks came to a halt well short of Ukraine’s border, a different Russian convoy did make the crossing into Ukrainian territory late on Thursday evening.

The Guardian saw a column of 23 armoured personnel carriers, supported by fuel trucks and other logistics vehicles with official Russian military plates, travelling towards the border near the Russian town of Donetsk – about 200km away from Donetsk, Ukraine.

So @RolandOliphant and I just saw a column of APCs and vehicles with official Russian military plates cross border into Ukraine.

— Shaun Walker (@shaunwalker7) August 14, 2014

After pausing by the side of the road until nightfall, the convoy crossed into Ukrainian territory, using a rough dirt track and clearly crossing through a gap in a barbed wire fence that demarcates the border. Armed men were visible in the gloom by the border fence as the column moved into Ukraine. Kiev has lost control of its side of the border in this area.

The trucks are unlikely to represent a full-scale official Russian invasion, and it was unclear how far they planned to travel inside Ukrainian territory and how long they would stay. But it was incontrovertible evidence of what Ukraine has long claimed – that Russian troops are active inside its borders.

http://www.theguardian.com/world/2014/aug/14/russian-military-vehicles-enter-ukraine-aid-convoy-stops-short-border

Schade, daß es offenbar schon zu dunkel war, um dieses nicht näher lokalisierte Ereignis fotographisch zu sichern. Und wie der Reporter zu der Vermutung kam, daß es sich bei den Insassen um russische Soldaten handele, hat er leider nicht überliefert. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn alle, von den Medien über die Politik bis hin zur NATO, stürzten sich auf diesen ersten „Beweis“ und gossen wieder einmal Öl ins Feuer, nachdem Poroschenko persönlich die freudige Nachricht aufgegriffen und volltönend erklärte hatte, daß der überwiegende Teil dieses Militärkonvois vernichtet worden sei. Beweise? Wie immer keine. Nichts über den Ort des Gefechts, nichts über den Truppenteil, der beteiligt war, nichts zur Anzahl, Staatsangehörigkeit oder zum militärischen Status der Gegner, nichts zur Zahl der Toten, Verwundeten oder Gefangenen.

Freitag, 15.08.2014 – 18:17 Uhr

Kiew – Eskalation in der Ostukraine: Nachdem dort eine russische Militärkolonne die Grenze durchbrochen hat, meldet die ukrainische Armee nun, die meisten Fahrzeuge der Kolonne seien zerstört worden. Das teilte das Büro des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko mit. Demnach erfolgte der Artillerieangriff auf die gepanzerten Truppentransporter und Militärlastwagen bereits in der Nacht zum Freitag.

Ein Teil des Konvois „existiert nicht mehr“, bestätigte auch ein Militärsprecher. Auf der Internetseite des ukrainischen Präsidentenamtes hieß es, ein „bedeutender Teil“ des Verbandes sei durch Artillerie zerstört worden. Dies habe Poroschenko auch dem britischen Premierminister David Cameron mitgeteilt.

Das russische Verteidigungsministerium weist die ukrainischen Berichte zurück. So zitiert Reuters die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosty. Weil keine Militärfahrzeuge über die Grenze gefahren seien, habe das ukrainische Militär sie dort auch nicht zerstören können.

Von Seiten der Uno kann der Vorfall an der Grenze nicht bestätigt werden: „Wir haben von den Berichten in der Ukraine gehört, können sie jedoch nicht unabhängig bestätigen. Wir verfolgen die damit verbundenen Entwicklungen genau“, sagte Uno-Sprecher Farhan Haq. Berichte wie diese verdeutlichten den dringenden Bedarf, dass die Lage so schnell wie möglich deeskaliert werde und Lösungen durch Dialoge gefunden würden.

[…]

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätigte später die Grenzüberquerung. „Ich kann bestätigen, dass wir vergangene Nacht einen russischen Einmarsch über die ukrainische Grenze beobachtet haben“, sagte Rasmussen in Kopenhagen. „Ich kann bestätigen, dass wir einen kontinuierlichen Zustrom von Waffen und Kämpfern aus Russland in die Ostukraine beobachten.“ Das sei ein klares Anzeichen für eine fortdauernde Beteiligung Russlands an der Destabilisierung der Ostukraine.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-truppen-greifen-russischen-konvoi-an-a-986396.html

Sind die alle noch bei Sinnen? Ungeprüft auf eine windige Reporter-Meldung und die übliche Kiew-Propaganda hereinzufallen?

Großbritannien bestellte den russischen Botschafter Alexander Jajowenko in London ein. Frankreichs Präsident François Hollande rief Moskau auf, die „territoriale Integrität“ der Ukraine zu respektieren.

Die EU-Außenminister drängten Russland, „alle Feindseligkeiten“ an der Grenze zur Ukraine umgehend einzustellen. Insbesondere müsse der Fluss von Waffen, Militärberatern und bewaffneten Kräften gestoppt und die Truppen von der Grenze zurückgezogen werden, forderten die Minister nach einem Sondertreffen in Brüssel. Der britische Außenminister Philip Hammond warnte vor „sehr ernsten Konsequenzen“, sollten sich die Berichte über die Kolonne bestätigen.

http://web.de/magazine/nachrichten/ausland/ukraine-krise/19214802-russischer-militaerkonvoi-angeblich-ukraine.html#.A1000145

Das russische Dementi geriet zur Nebensache:

 Defense Ministry denies reports military column crossed into Ukraine

Published time: August 15, 2014 13:56
Edited time: August 15, 2014 19:16

Russia’s Defense Ministry has denied Kiev’s report that it “destroyed the Russian military column” which allegedly crossed into Ukraine, saying that no such column ever existed.

No Russian military column that allegedly crossed the Russian-Ukrainian border at night or during the day ever existed,” said Major General Igor Konashenkov, a spokesman for the Russian Defense Ministry.

The best scenario would be, the official said, if it was a “phantom” that the Ukrainian military destroyed “rather than refugees or their own servicemen.”

“Such statements – based on fantasies, or journalists’ assumptions, to be precise – should not be subject for a serious discussion by top officials of any country,” Konashenkov said.

The Defense Ministry’s comment comes shortly after Ukrainian President Petro Poroshenko announced that his country’s artillery had destroyed a “significant” number of Russian military vehicles that allegedly crossed into Ukraine on Thursday night. Reports of the alleged incident had appeared in several Ukrainian and Western media outlets.

[…]

In an article published by The Guardian, reporter Shaun Walker said he “saw a column of 23 armored personnel carriers, supported by fuel trucks and other logistics vehicles with official Russian military plates, traveling [toward] the border near the Russian town of Donetsk.” Late on Thursday the convoy “crossed into Ukrainian territory,” he said. However, no photographic or video evidence of the incident was presented either in his article or in his Twitter feed. The photograph published with the text was taken on Russian territory.

The Telegraph also reported that “at least 23” Russian vehicles had crossed into Ukraine. The report is accompanied by a video also filmed on Russian territory.

http://rt.com/news/180584-border-russian-military-troops/

Die Tagesschau hielt wegen der vermeintlichen russischen „Invasion“ sogar eine Sondersendung zum Thema für erforderlich; ihre bewährte Mitarbeiterin Atai durfte sich als distanzlose Pressesprecherin von Poroschenko profilieren, die dessen Angaben über eine Zerstörung des Militärskonvois vortrug und daran anknüpfend die Bewertung vornahm, daß es sich nach Einschätzung Poroschenkos hier wohl um ein alltägliches Ereignis handele. Der ebenso bewährte Lielischkies, zugeschaltet aus Moskau, brachte es fertig, das klare Dementi aus dem Kreml zu verschweigen. Stattdessen trug er die (natürlich lächerlichen) Befürchtungen des russischen Außenministeriums vor, rechtsextreme ukrainische Kräfte könnten den russischen Hilfs-Konvoi angreifen, sobald er sich auf ukrainischem Boden bewege. Die Agentur Interfax habe bestätigt, daß in Lugansk rechte Kräfte festgenommen worden seien, denen derartige Planungen vorgeworfen werden. Was das mit dem Militärkonvoi zu tun hat? Nichts.

Offenbar Angriffe auf Militärfahrzeuge in Ukraine: G. Atai und U. Lielischkies mit Details

15.08.2014 18:20 Uhr

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-17281~_parentId-ondemand100.html

SPIEGEL und SPON, üblicherweise auf knallchargigem anti-Putin-Kurs, leisten sich sehr selten auch mal nachdenklichere Artikel. Und so durfte mit Christian Neef ein Journalist die Lage analysieren:

Ukraine-Konflikt: Wenn Hysterie brandgefährlich wird

Samstag, 16.08.2014 – 16:09 Uhr

Von Christian Neef, Donezk

[…]

Freitagabend mussten Zuschauer und Leser im Westen glauben, in der Ostukraine sei der Casus Belli erreicht: Eine Meldung von der teilweisen Vernichtung eines „russischen Militärkonvois“ auf ukrainischem Gebiet durch die ukrainische Armee machte die Runde. Auch SPIEGEL ONLINE griff die Nachricht auf und sprach von einem Angriff auf den Militärkonvoi. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen „bestätigte“ in seiner wie üblich vorpreschenden Art sofort den „Einfall“ der russischen Armee in die Ostukraine. Die Amerikaner sprachen ebenfalls von einer „russischen Militärintervention“. Weltweit rutschten die Börsenkurse ab.

Es war ein Beispiel, wie in diesem Krieg Hysterie immer mehr die sachliche Analyse der Situation verdrängt. Hysterie ist in militärischen Konflikten wie diesem brandgefährlich.

[…]

Militärkolonnen wie diese überqueren seit Beginn des Konflikts fast jeden Tag die russisch-ukrainische Grenze und fahren in die „Volksrepubliken“ von Donezk und Luhansk, um dort die Separatisten zu unterstützen. Es ist kaum anzunehmen, dass am Steuer der Fahrzeuge russische Soldaten sitzen – es dürften russische Freiwillige oder Rebellen sein. Ist die Kolonne vom Freitagmorgen aber auch wirklich „vernichtet“ worden, wie behauptet wurde?

Das ist eher fraglich. Komischerweise war vom Kiewer Stab der sogenannten Anti-Terror-Operation dazu stundenlang nichts zu hören. Erst gegen Abend meldete das Büro von Präsident Petro Poroschenko – und nicht etwa der zuständige Militärstab – die „teilweise“ Vernichtung der Kolonne. Bilder davon hat die Regierung in Kiew bis heute nicht vorgelegt, auch die Amerikaner haben offenbar keine. Die besagte Kolonne ist inzwischen zudem von allen ukrainischen Nachrichtenseiten verschwunden.

So bleibt der Eindruck: Ja, den Einmarsch der 23 Fahrzeuge hat es tatsächlich gegeben, den Angriff möglicherweise aber nicht. Denn Kiew reagierte überhaupt erst, nachdem die Meldungen der beiden britischen Korrespondenten die Runde gemacht hatten. Eigentlich sollte es umgekehrt sein: Die eigene Aufklärung stellt das Eindringen der Fahrzeuge fest und berichtet darüber der Öffentlichkeit.

Die ukrainische Agentur UNIAN meldete aber erst um 12.06 Uhr, der „Anti-Terror-Stab“ habe – offenbar auf Nachfrage – das Eindringen russischer Militärfahrzeuge „bestätigt“. Sie seien „nicht sehr zahlreich“ gewesen, die genaue Zahl der gepanzerten Wagen und Lkw festzustellen, sei „den Aufklärern nicht gelungen“. Erst um 17.51 Uhr zitierte die Agentur die Worte von Präsident Poroschenko, wonach „ein bedeutender Teil der eingedrungenen Militärtechnik“ zerstört worden sei.

Hatte Kiew hier auf einmal nur die Chance erkannt, einen großen Propagandacoup gegen Russland zu landen? Und auf diese Weise, wie sich dann herausstellte, erst so richtig Öl ins Feuer gegossen und die ganze Welt in Aufruhr gebracht? Beobachter in Donezk konnten in den vergangenen Tagen mehrfach die Feststellung machen, dass so manche Mitteilung der Kiewer Militärs nicht stimmt. Oder zumindest nicht exakt ist.

[…]

Unübersehbar ist: In Kiew wie in Moskau gibt es Besonnene und Unbesonnene. Und es wird immer schwieriger, in diesem Krieg in der Ostukraine Wahres von Unwahrem zu unterscheiden. Darin liegt eine zusätzliche Gefahr, dass der Konflikt völlig außer Kontrolle gerät.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-und-militaerkonvoi-gab-es-einen-angriff-a-986481.html

Ja, Kiew eilt militärisch von Erfolg zu Erfolg – das erinnert an die Frontbegradigungsberichte der Wehrmacht; erstaunlich, daß die Kämpfe immer noch nicht beendet sind. Die Gegenseite prahlt nicht minder haltlos, um ihre Schlagkraft zu behaupten:

17. August 2014, 08:39

Angeblich 30 Panzer und 1.200 Kämpfer aus Moskau – USA sehen „anhaltende Militärintervention“ in der Ukraine – Heftige Kämpfe zwischen Armee und Separatisten

Donezk/Luhansk/Moskau – Die Separatisten in der Ostukraine erhalten nach eigener Darstellung massive militärische Unterstützung aus Russland. 30 Panzer sowie 1.200 auf russischem Gebiet ausgebildete Kämpfer seien zur Verstärkung gekommen, verkündete ihr Anführer Alexander Sachartschenko in einem Video auf einer den Separatisten nahestehenden Internetseite (übersetzt vom „Telegraph„). Die russische Führung hat eine direkte Beteiligung am Konflikt in der Ostukraine immer bestritten. Der Kreml teilte mehrfach mit, es sei möglich, dass Freiwillige zum Beispiel aus dem Nordkaukasus aus eigener Initiative aufseiten der Separatisten kämpfen könnten.

http://derstandard.at/2000004413943/Separatisten-bestaetigen-militaerische-Unterstuetzung-aus-Russland

Natürlich auch schon von Moskau dementiert. Zur Orientierung in diesem Desinformations-Chaos beider Seiten sei empfohlen, erst einmal skeptisch zu sein.

Nachdem zuvor der Hilfskonvoi, den Rußland auf den Weg gebracht hat, in Kiew und im Westen zu Verlegenheit, Abwehr, Hysterie und wilden Verdächtigungen ob eines Trojanischen Pferdes geführt hatte, obwohl Moskau mit allen Bedingungen – Wahl der Route durch Kiew, vorherige Kontrolle der Ladung, Verteilung der Güter durch das Internationale Rote Kreuz – einverstanden gewesen war, markiert diese vemeintliche verdeckte  „Invasion“ einen weiteren Tiefpunkt in der medialen wie politischen Behandlung von Vermutungen.

Sind die alle noch bei Trost?

Warum analysiert niemand, aus welchen Gründen Kiew sich zunächst tatsächlich so sehr gegen die Hilfslieferungen sträubte, die die notleidende Bevölkerung insbesondere in Lugansk (deren Leid sie erst verursacht hat) so dringend braucht?

Zumindest in einem Artikel gab es einen Hinweis:

Die russische Kolonne aus 280 Lastwagen habe bei Kamensk-Schachtinski auf einem Feld angehalten, sagte der epa-Fotograf. Von dort kann der Konvoi direkt auf ein Gebiet fahren, das von prorussischen Separatisten kontrolliert wird. Kiew hatte diese Variante zuletzt nicht ausgeschlossen. Eine Route über Charkow wurde verworfen, weil Kiew Angriffe von Radikalen auf den Konvoi fürchtet.

http://web.de/magazine/nachrichten/ausland/ukraine-krise/19213326-wladimir-putin-krim-ukraine-blutigem-chaos-versunken.html#.news_spotlight.Ukraine%20%22in%20Chaos%20versunken%22.272.1221

Dem entspricht diese russische Meldung vom 15.8.2014:

Aid convoy to Ukraine faces disruption, may be attacked – Russia

Published time: August 15, 2014 15:18
Edited time: August 15, 2014 18:21

Moscow has information that the convoy delivering humanitarian aid to eastern Ukraine may be attacked by Kiev’s forces, with the “punitive” Aidar Battalion planning to mine the road that the vehicles will use, the Russian Foreign Ministry says.

On Friday, Moscow accused Ukraine of attempting to disrupt the humanitarian aid convoy now that the preparations for its delivery have reached their final stages and all key issues have been agreed upon.

“We draw attention to the sharp intensification of military actions by Ukrainian forces with the obvious goal to block the route, agreed upon with Kiev, of the humanitarian convoy from the Russia-Ukraine border to Lugansk,” the Foreign Ministry said in a statement.

In Moscow’s view, all this gives the impression that there are people both in Ukraine and abroad who are willing to disrupt the humanitarian mission, even “at the cost of new casualties and destruction.”

Those nurturing such criminal plans are taking huge responsibility for their consequences,” the ministry said.

[…]

http://rt.com/news/180664-ukraine-russian-humanitarian-convoy/

So sieht es aus: Kiew hat die nationalistischen Schwadronen, derer es sich bei der Niederschlagung der Erhebung bedient und bedienen muß, in keiner Weise im Griff und zieht es daher vor, den Konvoi durch Separatisten-Gebiet fahren zu lassen. Andererseits hat die Regierung verkündet, Lugansk sei vollständig eingekreist, was vermutlich ebenfalls nicht stimmt, denn ansonsten hätte es keinen Sinn, den Konvoi in ein Separatistengebiet, wo er sicher ist, hineinfahren zu lassen. Es muß also auch noch von Regierungsgegnern beherrschte Korridore geben, die die Sicherheit des nun unter der Schirmherrschaft des Internationalen Roten Kreuzes stehenden Konvois, anders als Kiew, gewährleisten.

Denn mittlerweile blendet der Westen die Rolle der Nationalisten im Staatsgefüge der Ukraine nicht mehr aus, wie das der Fall war, als sie noch als „Maidan-Selbstverteidigungsgruppen“ bagatellisiert wurden. Mittlerweile ist beispielhaft das internationale rechtsextreme Asow-Bataillon in die Kritik westlicher Medien geraten:

Reportage aus Donezk
Neonazis für den Häuserkampf

Von Christian Esch

Die ukrainische Armee rückt auf Donezk vor, den Hauptsitz der Separatisten. Einheiten aus Freiwilligen sollen die Soldaten dabei unterstützen, die Stadt zu erobern – darunter ist auch ein Bataillon von Rechtsradikalen.
Am Rand der Industriestadt Donezk, an einem heißen Augustabend, haben sich plötzlich die Tore Walhallas geöffnet. Jetzt sitzt an Odins Tafel der junge Sergej Grek, Spitzname Balagan („Schabernack“). Balagan ahnte nicht, dass er im Vorort Marjinka in einen Hinterhalt geraten würde. Zusammen mit seinen Kameraden vom Bataillon „Asow“ ging er hinter einem Panzer der ukrainischen Armee her, als eine Sprengladung ferngezündet wurde. Die Explosion riss ihm ein Bein ab.
Nun liegt der tote Balagan im offenen Sarg, aufgebahrt in der Mittagshitze in Ursuf, dem Stützpunkt seines Bataillons. Am Kopfende weht die Fahne mit der Wolfsangel-Rune. Bataillonskommandeur Andrej Belezki hält vor dreihundert Kämpfern eine kurze Ansprache: Balagan habe gelebt wie ein Mann und sei gestorben wie ein Mann, sagt er, Balagan bereue nichts! „Versprechen können wir ihm nur eins“, sagt Belezki und schaut auf den Sarg – „dass wir ihn rächen bis zum letzten Mann!“ Dann wird in die Luft geschossen, und in langer Reihe nehmen sie Abschied. Die Männer heben den rechten Arm eckig vor die Brust, fast keiner bekreuzigt sich. Sie haben es nicht so mit dem Christentum. Sie haben andere Götter.
[…]

http://www.berliner-zeitung.de/politik/reportage-aus-donezk-neonazis-fuer-den-haeuserkampf,10808018,28084600,item,0.html

Lohnenswerte Lektüre.

Mitarbeiter des Telegraph haben dieses Azow-Freikorps mit seinen ausländischen Söldnern ebenfalls besucht – und sind entsetzt:

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/11025137/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html

Wer und wie für dieses Bataillon. in dem auch Putin-hassende Russen dienen, aus dem westlichen Ausland rekrutiert wird, erhellt dieser Artikel:

Ukraine: Ehemaliger Söldner von Blackwater vermietet Lizenz zum Töten

Von Jürgen Apitzsch – Am 15. Aug. 2014

Zum Kill In in die Ostukraine. Wer gerne mal ungestraft Menschen töten möchte, ist den Auftragskillern in der Ukraine herzlich willkommen – gegen Bares, versteht sich

Preisliste des Todes

Eine faschistische Safari der besonderen Art bietet der US- Söldner Stan Patton auf seinem Twitter- Account an. Wer krank genug ist, um auf hilflose Menschen in der Ostukraine schießen zu wollen, kann sich die dazu nötigen Werkzeuge direkt vor Ort mieten. Der ehemalige Blackwater- Mietkiller, der bei Twitter mit deren Firmenlogo, der Bärentatze, wirbt, hat auch sogleich eine Preisliste parat. Ein einzelner Schuss aus einer Haubitze ist für 100 Dollar zu haben. Teurer zu Buche schlägt ein Schuss aus einem Panzer mit 200 Dollar. Wer sich sogar 350 Dollar pro Schuss leisten kann, darf dafür ein Dorf beschießen. Ein ebenso ekelhaftes, wie auch bekanntes Buisiness. Bereits während des Jugoslawienkrieges wurde von dieser Praxis berichtet.

Don Francesco Fontana

Einer der Safaritouristen, der 53 jährige Italiener Francesco Fontana, firmiert derzeit unter dem Codenamen Don und ist offenbar zufrieden mit der Zahl seiner ‘Abschüsse’: „Wir, die Volontäre, bekommen kein Geld. Ich habe selbst für mein Flugticket bezahlt, um in die Ukraine zu gelangen. Von einer solchen Erfahrung habe ich mein Leben lang geträumt. Hier ist kein Platz für Gefühle. Das ist Krieg und ich bin gekommen, um zu töten.“ Der ehemalige Manager hatte sogar seinen Job bei einem Autohaus aufgegeben, um seinem unmenschlichen Hobby zu frönen. Identifiziert worden war der Mann anhand eines Tattoos am Hals.

[…]

Nachdem Fontana angereist war, wurde er dem Bataillon Azov zugeordnet, welches auf Wunsch der Berater aus Washington extra für ausländische Kämpfer angelegt worden war.

Der Anführer dieser ‘Slawischen Garde’ Wladimir Rogov hierzu: „Diese Leute verheimlichen noch nicht einmal, dass sie hier sind, um einfach die Zivilisten zu töten. Die Ukrainer sind für sie wie Papua, oder besser, wie Tiere. Im Grunde kaufen sie eine Lizenz, um hier Menschen abzuschießen, sogar mit Haubitzen, Panzern und so weiter.“

[…]

http://www.neopresse.com/politik/ukraine-ehemaliger-soeldner-von-blackwater-vermietet-lizenz-zum-toeten/

Zu abenteuerlich? Propaganda? Der Artikel ist gut belegt.

Die ARD-Frontfrau Golineh Atai verteidigt diese rechtsextreme Azow-Truppe stoisch, zumal der Justizminister betont, daß diese Leute der Regierung und deren Regeln unterstehen: dann ist ja alles easy. Außerdem, so Golineh Atai entsprechend der westlichen Sprachregelung, seien es ja nur einige hundert Leute, von denen 12 leider umgekommen seien – wobei deren Harmlosigkeit damit belegt werden soll, daß sie mit einem „einfachen Bus“ zur Front unterwegs gewesen seien:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=3ao3s0PGBWo

Daß es einen angesichts einer solchen „Berichterstattung“ gruselt, versteht sich von selbst.

Solange die USA, die sich Fracking-Rechte in der Ost-Ukraine um Slawjansk gesichert haben, von denen es durch die Entvölkerung des Donbass profitiert, dieses Regime noch stützt, ist Kritik an Kiew offenbar nicht opportun. Da mag Amnesty International noch so sehr anprangern:

Amnesty International kritisiert in einem Bericht die menschenrechtswidrigen Vergehen des rechtsextremen Politikers Oleh Ljaschko, der mit seinen eigenen Videos selbst Beweise liefert.

Amnesty International (AI) prangert in einem Bericht die sich rasant verschlechternde Menschenrechtssituation in der Ostukraine an. Dem Bericht zufolge häuften sich vor allem in den letzten Monaten Beweise für Entführungen und Gewaltausschreitungen in der Region. Ein Großteil der Menschenrechtsverstöße wurde laut Amnesty International zwar von prorussischen Separatisten verübt, doch steige auch die Beweislast für Verbrechen proukrainischer Milizen.

Ukrainischer Politiker prahlt mit Gewaltvideos

Besonders oft fällt in diesem Zusammenhang der Name Oleh Ljaschko, eines gewählten Volksvertreters der Radikalen Partei, der sich eigentlich für Recht und Ordnung in der Ukraine einsetzen sollte. Stattdessen handelt er laut Amnesty International nach seinen eigenen Gesetzen. Sein Leitspruch – den er oft auch zu wörtlich nimmt – lautet: „Ruhm der Ukraine, Tod den Besatzern!“

Amnesty International beschuldigt den ultranationalistischen Parlamentsabgeordneten schwerer Menschenrechtsverstöße – das Beweismaterial dafür findet sich paradoxerweise auf seiner eigenen Homepage: Oleh Ljaschko veröffentlichte in den letzten Monaten regelmäßig Videos von Entführungen, Misshandlungen und Überfällen. Sie zeigen, wie Ljaschko – der immer von einer Gruppe maskierter und bewaffneter Männer umgeben ist – in öffentliche und private Gebäude eindringt, Separatisten und Privatpersonen entführt und misshandelt. Morddrohungen, Folter und Erniedrigung sind auf diese Weise zu seinem Markenzeichen geworden.

[…]

http://derstandard.at/2000004225985/Ruhm-der-Ukraine-Tod-den-Besatzern

Oder Human Rights Watch:

Raketenangriff in Donezk: Human Rights Watch wirft Kiews Armee Kriegsverbrechen vor

[…]

New York/Kiew – Es geht um vier Raketenangriffe zwischen dem 12. und 21. Juli in der Großstadt Donezk im Osten der Ukraine. Mindestens 16 Menschen starben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, kurz HRW, wirft ukrainischen Truppen vor, bei ihren Attacken zielungenaue Raketen vom Typ “Grad” eingesetzt zu haben – und das in dem Gebiet der Millionenstadt.
Dies verstoße gegen internationales humanitäres Recht und könne als Kriegsverbrechen geahndet werden, so die Menschenrechtler. “‘Grad’-Raketen sind bekanntlich ungenaue Waffen, die nicht in bewohnten Gebieten eingesetzt werden sollten”, sagt Oleg Solvang von HRW. (Den ausführlichen Bericht der Menschenrechtler mit Video- und Bildmaterial finden sie hier).

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-human-rights-watch-wirft-kiews-armee-toeten-von-zivilisten-vor-a-982825.html

Die USA, die ja auch die CIA mit ihren Folterprogrammen gewähren ließ, kümmert das nicht:

Marie Harf

Deputy Spokesperson
Daily Press Briefing

Washington, DC

August 14, 2014

[…]

QUESTION: Okay, great. So at the same time, it seems like the city of Donetsk has come under some heavy shelling —

  1. HARF: Yes.

QUESTION: — apparently by Ukrainian forces. Do you have any comment on that?

  1. HARF: We do. We’re watching that. Obviously, we’ve stressed the importance of showing restraint to minimize casualties among the civilian – the local population. Ukrainian forces are seeking to dislodge the separatists from Luhansk and Donetsk. The separatists, as we’ve seen, have chosen to operate from heavily populated areas. We’ve called on the Ukrainians to take every step to avoid the local population as they try to free the city from the separatists.

QUESTION: But do you support the specific use of heavy artillery that could carry the risk of civilian casualties in order to do that?

  1. HARF: We’ve called on them not to use weapons that could increase that. But again, we’re very supportive of the Ukrainians here. It’s a tough fight they’re in, and we do think that the ultimate goal here needs to be these cities not being under the control of the separatists.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/08/230614.htm#RUSSIA

Der Zweck heiligt die Mittel – wer sich in Europa und in Deutschland jetzt noch auf eine Wertegemeinschaft des Westens beruft, ist ein Heuchler. Wer es aushält, möge sich dieses Video, aufgenommen am 15.8.2014 in einem Vorort von Lugansk, ansehen.

http://www.liveleak.com/view?i=063_1408119390

Oder dieses vom 14.8.2014 aus Donezk:

https://vk.com/ers2152?z=video234075632_169849259%2Fd00f573f79398c1ba7

Lugansk, 5.8.2014

https://www.youtube.com/watch?v=0P8exx-ekbw

12-05-07 Taube 4

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Thyssen AG, Dieter Spethmann, hat am 14.8.2014 erlebt, was passiert, wenn man bei FAZ-Net einen Kommentar schreibt, der daran, an diese Wertegemeinschaft, erinnert; hier sein Kommentar:

‚Seit Monaten zeigen die deutschen Medien hinter dem Kiew-Ministerpräsidenten Jazenjuk die ukrainische Flagge und die der EU, obwohl die Ukraine nicht Mitglied der EU ist. Das Regierungshandeln in Kiew erfolgt also im Zeichen der EU, mithin mit Billigung der EU, auch der Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Osten. Hat dagegen schon mal jemand im Namen der EU protestiert? Mir nicht bekannt. Oder im Namen der Bundesrepublik Deutschland? Mir auch nicht bekannt. Also akzeptiert man in Brüssel und Berlin zumindest stillschweigend, dass die Kiew-Regierung mit schwerem militärischen Gerät (Flugzeugbomben und Artillerie) gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Frau von der Leyen, von Frau Merkel wegen ‚Krieg oder nicht Krieg‘ offenbar im Besitz weitestgehender Vollmachten, sollte sich das Urteil des Nürnberger Gerichtshofes von 1946 ansehen. Es enthält nicht nur Todesurteile, sondern auch Maßstäbe, die bis heute gelten.‘

http://www.ef-magazin.de/2014/08/14/5647-dokumentation-krieg-im-zeichen-der-eu

Der Kommentar wurde binnen Stunden von FAZ-Net gelöscht.

Zuflucht fand er bei dem Internet-Magazin „eigentümlich frei“ – und er schrieb, in Erwartung weiterer Löschungen durch die stramm transatlantische FAZ, die sich von Recht und Moral nicht weiter beirren lassen möchte, einen Brief an Bundestagsabgeordnete, der ebenfalls bei ef unter diesem Link veröffentlicht worden ist. Darin geht es um folgende Punkte:

Beispiel eins: Auf dem ‚Majdan‘ wurden von Scharfschützen mindestens 150 Menschen getötet. Vielleicht hatten Putschisten ihre Hand im Spiel. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Nein.

Beispiel zwei: In Odessa wurden 40 oder mehr Bürger von Kiew-Anhängern in ein Haus getrieben und dann in Brand gesetzt. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Nein.

Beispiel drei: Der Abschuss des Fluges MH 17 mit rund 300 Toten am 17. Juli. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Vermutlich bis ins Detail hinein, aber dem Bürger bis heute verborgen geblieben.

Und jetzt also der Konvoi. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, den leidenden ukrainischen Bürgern dessen Hilfe vorzuenthalten.

Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, daß man gegen das vereinte Kriegsgeschrei von FAZ, ZEIT, BILD, SPIEGEL, SPON, SÜDDEUTSCHE, WELT & Co. noch etwas bewirken kann. Jakob Augstein nutzt seine Stellung als Kolumnist jedenfalls weidlich aus:

Krieg in Gaza, der Ukraine und im Irak: Waffen! Waffen! Waffen!

Donnerstag, 14.08.2014 – 15:14 Uhr

Eine Kolumne von Jakob Augstein

Ukraine, Gaza, Irak: Jeder weiß, Gewalt wird die Probleme dort nicht lösen. Dennoch findet die Gewalt kein Ende – und auf die eine oder andere Weise mischt Deutschland überall mit. Eine neue Kultur des Krieges breitet sich aus. Wir müssen uns ihr entgegenstellen.

Es herrscht Krieg. Niemals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs traf das mehr zu als heute. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählt mehr bewaffnete Konflikte denn je. Eine neue Kultur des Krieges ist auf dem Vormarsch. Auch Deutschland soll die Bomben wieder lieben lernen. Politiker und Medien wollen den Deutschen ihren Pazifismus abgewöhnen. Wer Gewaltlosigkeit predigt wie Margot Käßmann wird zur lächerlichen Figur gemacht. Wir müssen dem Einhalt gebieten. Die Zyniker, die nur noch den Krieg denken können, nicht mehr den Frieden, haben den Kampf um unsere Köpfe begonnen.

Deutschland soll eine neue Rolle in der Welt spielen. Der Bundespräsident sagt das, die Verteidigungsministerin und der Außenminister auch. Viele Zeitungen schließen sich an. Wie soll diese Rolle aussehen? Etwa so: In Kiew unterstützen wir eine Regierung, die ihre eigene Bevölkerung beschießen lässt. An Israel liefern wir Panzerfäuste und atomwaffenfähige U-Boote, während der Chef der UNO in Verbindung mit den Angriffen auf Gaza von „Verbrechen“ spricht. Und nun will Deutschland sich militärisch im Irak engagieren. „Bis an die Grenzen des politisch und rechtlich Machbaren“, sagt Frank-Walter Steinmeier. Wenn es gilt „einen Genozid zu verhindern“ vielleicht auch darüber hinaus, deutet Ursula von der Leyen an.

[…]

http://www.spiegel.de/politik/ausland/augstein-ueber-die-ukraine-gaza-irak-gewalt-loest-keine-probleme-a-986048.html

Auch Gabor Steingart schreibt wacker gegen diese unerträglich irrationale Hetze an und plädiert für wirtschaftliche Vernunft:

Politik der Eskalation

Der Irrweg des Westens (Ложный путь Запада)

08.08.2014, 13:53 Uhr

Regierung und Medien schalten angesichts der Ereignisse in der Ukraine von besonnen auf erregt um. Aber die Politik der Eskalation schadet deutschen Interessen. Ein Essay auf Deutsch, Russisch und Englisch.

von Gabor Steingart

Ein jeder Krieg geht mit einer geistigen Mobilmachung einher, einem Kriegskribbeln. Selbst kluge Köpfe sind vor diesen kontrolliert auftretenden Erregungsschüben nicht gefeit. „Dieser Krieg ist bei aller Scheußlichkeit doch groß und wunderbar, es lohnt sich ihn zu erleben“, jubelte Max Weber 1914, als in Europa die Lichter ausgingen. Thomas Mann empfand „Reinigung, Befreiung, und eine ungeheure Hoffnung.“

[…]

Blätter, von denen wir eben noch dachten, sie befänden sich im Wettbewerb der Gedanken und Ideen, gehen im Gleichschritt mit den Sanktionspolitikern auf Russlands Präsidenten Putin los. Schon in den Überschriften kommt eine aggressive Verspannung zum Ausdruck, wie wir sie sonst vor allem von den Hooligans der Fußballmannschaften kennen.

Der „Tagesspiegel“: „Genug gesprochen!“ Die „FAZ“: „Stärke zeigen“. Die „Süddeutsche Zeitung“: „Jetzt oder nie“. Der „Spiegel“ ruft zum „Ende der Feigheit“ auf: „Putins Gespinst aus Lügen, Propaganda und Täuschung ist aufgeflogen. Die Trümmer von MH 17 sind auch die Trümmer der Diplomatie.“
Westliche Politik und deutsche Medien sind eins.

http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/politik-der-eskalation-der-irrweg-des-westens-/10308844.html

Der kritische Monitor-Journalist Georg Restle weicht auf Facebook aus, offenbar, weil ihm im eigenen Haus kein ausreichendes Forum zur Verfügung gestellt wird.

  1. August um 19:12 ·

NATO und die Ukraine: Ein Besuch zur falschen Zeit

Mitten in der Schlacht um Donezk besucht der NATO-Chef die Ukraine. Verspricht militärische Hilfe für die Machthaber in Kiew und demonstriert Rückendeckung durch die NATO. Was immer Rasmussen geritten haben mag, es war definitv der falsche Besuch zur falschen Zeit. Solange das ukrainische Militär laut UNO die Zivilbevölkerung terrorisiert. Solange einige ukrainische Freiwilligenheere auch von dubiosen Nationalisten und Faschisten unterwandert werden. Solange sollte sich der Westen zurückhalten mit symbolischen militärischen Offerten, die allenfalls dazu geeignet sind, weiter Öl ins Feuer eines europäischen Brandherdes zu gießen. Wer Russland wegen seiner Unterstützung für die prorussischen Milizen kritisiert, darf nicht selbst als militärischer Waffenbruder einer Regierung unterwegs sein, die wegen ihrer Kriegsführung international in die Kritik geraten ist.
Wenn es dem Westen tatsächlich um Demokratie und Frieden in der Ukraine geht, dann sollte er auf freie Wahlen im Herbst setzen, auf Hilfen für die vom Krieg geplagte Zivilbevölkerung – und auf Deeskalation. Denn das braucht die ukrainische Bevölkerung im Osten des Landes am allerwenigsten: Zum Spielball eines geopolitischen Planspiels gemacht zu werden, in dem die Falken in Brüssel Morgenluft wittern.

Georg Restle

https://www.facebook.com/monitor.wdr/posts/750543678317908

Alexander Unzicker legt einen großen, so analytisch wie leidenschaftlichen, Kommentar zum Thema vor, der mit vielen weiterführenden Links versehen ist – Pflichtlektüre für Medienschaffende wie Politiker, die ihren Verstand verloren zu haben scheinen.

Die Irrationalität in der Ukraine-Krise gefährdet unsere Demokratie

Alexander Unzicker 15.08.2014

Ein Gastkommentar

Laut Julian Nida-Rümelin lebt die Demokratie von der Vision, dass sich die Öffentlichkeit ein verlässliches politisches Urteil bilden kann (Interview). Wenn dies zutrifft, muss man sich Sorgen machen.

Denn die Meinungsbildung der Öffentlichkeit scheint nach ähnlichen Mustern wie beim Fernsehen zu verlaufen: ein spannender Plot und gute Schauspieler befördern Emotionen und Überzeugungen, Auslassungen oder logische Brüche im Drehbuch spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Nur: die Nachrichten sind auch zu so einer Art von Fernsehen geworden. Die Rede ist von der Ukraine. Es ist nicht eine Krise wie viele andere, ihr Kennzeichen ist eine beunruhigende Irrationalität der Akteure. Wo Verstand und Logik ausgeschaltet ist, ist unsere Demokratie in Gefahr.

[…]

Zu meinem Entsetzen hat sich dies auf den Kopf gestellt. Vergleichen sie auf YouTube die Pressekonferenzen des russischen Verteidigungsministeriums mit den peinlichen Behauptungen der Sprecherin des State Department. Die Rollen des kalten Krieges sind, was Transparenz und Dokumentation betrifft, komplett vertauscht. Es gibt heute Meldungen, die nur auf Rianovosti, Russia Today oder im Internet thematisiert werden, aber nicht in den westlichen Leitmedien, nur Stichworte: Das „Fuck the EU“-Telefongespräch mit der entlarvenden Passage über die Installation von Jazenjuk, die Identität der Maidan-Schützen, die ukrainischen Neonazis, die Brandursache im Gewerkschaftshaus von Odessa, die Bombeneinschläge in der Ostukraine, die Flüchtlingsströme, die nicht nur in der Westukraine, sondern vor allem in Russland ankommen.

Im Westen findet man statt Recherche inszenierte Empörung wie mit den Beschuldigungen zum Flugzeugabsturz von MH 17. Nichts dazu im Folgenden über die black box, nichts über die von Kiew beschlagnahmten Gespräche zum Tower, nichts über den ukrainischen Kampfjet, nichts über die verräterischen Einschusslöcher in den Wrackteilen, stattdessen Rechtfertigen der endlosen Verzögerung der Untersuchung.

Schizophrene Medien

An solchen Nachrichten zu zweifeln, ist nur mehr ein sehr bescheidener Intelligenztest. Immerhin wird er von einigen bestanden, wenn das Niveau im freien Fall ist. Der Tiefpunkt war das „Stoppt Putin“-Cover des Spiegel. Dort, wo sich der Protest entlud, wie auf der Facebook-Seite des Spiegel, machen sich nun wohl die Redakteure auf die Suche nach russischen IP-Adressen von Putin-Trollen. Viel Spaß dabei, aber es gibt einen medizinischen Ausdruck dafür: Realitätsverlust.

[…]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42531/1.html

Der ehemalige Richter des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, Peter Vonnahme, hat sich der Berichterstattung um den Absturz der MH 17 und der daraufhin beschlossenen Sanktionspolitik mit Ausblick auf Aufrüstung und Präsenz der NATO an den Grenzen zu Rußland angenommen:

MH 17 – der Glaubwürdigkeits-GAU

Zwischen Vasallenpolitik und willfährigen Medien – Von PETER VONNAHME, 15. August 2014 –

[…]

Der Aufsatz ist ein Versuch, die Mechanismen fremdgesteuerter Politik und die geistige Engführung des bundesdeutschen Nachrichtendschungels auszuleuchten. Er versucht, die mediale Spreu vom Weizen zu trennen. Das ist schwierig, weil in (Vor-)Kriegszeiten sogar Tatsachenberichte ideologisch eingefärbt und verfälscht werden. Die traditionellen Medien verlieren rapide an Verlässlichkeit. Umso wichtiger werden Kriterien für die eigene Bewertung von Nachrichten. Deshalb soll der Aufsatz die Beliebigkeit und Einseitigkeit politischer und publizistischer Aussagen anhand richterlicher Überprüfungsroutinen sichtbar machen. Zunächst müssen dazu möglichst viele Informationen gesammelt, auf ihre Plausibilität hin überprüft und gewichtet werden. Aus der Informationsfülle muss sodann von einer gedanklich und strukturell unabhängigen „Instanz“ ein nachprüfbar stimmiges Gesamtbild geformt werden. Unverzichtbar ist dabei, dass bei Bewertungen in jedem Fall die gleichen Maßstäbe angelegt werden. Wünschenswert ist, dass der Bewertende Unstimmigkeiten und Lügen erkennt und den Mut hat, sie als solche zu bezeichnen.
Unvermeidlich ist, dass bei einem solchen Unterfangen auch persönliche Überzeugungen des Verfassers sichtbar werden. Das ist auch so gewollt. Ich bemühe mich um Objektivität, nehme aber in Kauf, dass ich mich trotzdem angreifbar mache.

[…]

http://www.hintergrund.de/201408153197/hintergrund/medien/mh-17-der-glaubwuerdigkeits-gau.html

Nein, er hat sich nicht angreifbar gemacht, steht er doch für diejenigen Werte ein, die den Westen eigentlich auszeichnen sollten, derer er, der Westen,  aber vollständig verlustig gegangen ist. Dafür stehen exemplarisch die Grünen, deren realitätsblinde Maidan-Politikerin Rebecca Harms doch tatsächlich am 13.8.2014 Folgendes über die Lippen brachte [Hervorhebung von mir]:

 Interview vom 13.08.2014

Ukraine-Konflikt“Strategie des Westens kann aufgehen“Rebecca Harms im Gespräch mit Gerd Breker

[…]

Gerd Breker: Russland will den Menschen in der Ostukraine helfen – und dann dieses Misstrauen. Wie erklärt sich das?

Rebecca Harms: Also erstens ist natürlich klar, dass die Menschen in der Ukraine, im Osten, in Donbass, dass die Hilfe brauchen. Zweitens ist aber auch klar, dass diese ganze furchtbare Situation, dass alle diese Kämpfe, die da stattfinden, dass die darauf zurückgehen, dass Russland zuerst die Krim annektiert hat und dann ganz offensichtlich die selbst ernannten Separatisten mit Waffen und allem, was sie gebraucht haben, unterstützt haben, um eben den Osten der Ukraine zu destabilisieren. Und vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass man diesen Hilfskonvoi aus ukrainischer Perspektive auch als Trojanisches Pferd betrachtet.

Breker: Weder die Separatisten noch die ukrainische Armee gehen besonders rücksichtsvoll mit den Zivilisten um. Menschenrechtsorganisationen werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

Harms: Die Organisation Amnesty International hat schon sehr früh einen Bericht veröffentlicht, in dem es um Menschenrechtsverletzungen in großem Umfang gegangen ist. In erster Linie wurden die sogenannten Separatisten angegriffen, aber auch der ukrainischen Regierung und der ukrainischen Armee sind schwere Vorwürfe gemacht worden. Und ich glaube, dass es richtig ist, dass hier immer wieder insistieren, dass die ukrainische Armee eben internationales Recht auch in diesem Einsatz in der Ukraine im Osten respektiert.

„Es wird keine rein militärische Lösung geben“

Breker: Offensichtlich, Frau Harms, setzt aber Kiew derzeit auf eine rein militärische Lösung.

Harms: Es wird keine rein militärische Lösung geben. Es gibt ein politisches Problem, selbst wenn diese Kämpfe da gestoppt werden können, wenn die selbst ernannten Separatisten oder die Milizen, die da auch aus dem Ausland wieder im Einsatz sind im Osten der Ukraine, selbst wenn die gestoppt werden können. Ich glaube, dass es wirklich nur eine politische Lösung geben kann. Und ich meine, es wäre nach wie vor nicht das Richtigste, jetzt humanitäre Hilfe zu leisten, sondern richtig wäre, dafür zu sorgen, dass diese Kampfhandlungen, dass die gestoppt werden. Seit Wochen fordern wir, Nachschub für die Separatisten, dass der gestoppt werden muss, dass ein Waffenstillstand endlich durchgesetzt werden muss. Und davon ausgehend muss man nach einer politischen Lösung in der Ukraine dann suchen.

[…]

http://www.deutschlandfunk.de/ukraine-konflikt-strategie-des-westens-kann-aufgehen.694.de.mhtml?dram:article_id=294419

Wie kann man nur gegen eine sofortige humanitäre Hilfe für Zivilisten sein? Und wieso verschließt eine Grüne die Augen vor der Vasalleneigenschaft Kiews gegenüber den USA? Was fehlt? Genau. Der Aufruf an Kiew, die Kampfhandlungen zu stoppen und sich der rechtsextremen Kräfte zu entledigen. Aber das schafft Kiew offensichtlich nicht mehr.

Ultimatum an Poroschenko: „Rechter Sektor“ droht Kiew mit Feldzug

13:53 17/08/2014

MOSKAU, 17. August (RIA Novosti).

Die ukrainische Nationalistenorganisation „Rechter Sektor“, die die Regierungsarmee bei den Gefechten gegen Regimegegner im Osten des Landes bislang unterstützt, hat der Führung in Kiew mit einer bewaffneten Offensive gedroht, wenn diese ihre Forderungen nicht erfüllen sollte.

In einer am Samstagabend veröffentlichten Erklärung forderte der „Rechte Sektor“ Präsident Pjotr Poroschenko ultimativ auf, binnen 48 Stunden alle festgenommenen Mitglieder der Bewegung freizulassen und die Ermittlungen gegen sie einzustellen. Auch sollten die Behörden die „rechtswidrig beschlagnahmten Waffen“ zurückgeben sowie alle „anti-ukrainischen Kräfte“ aus dem Innenministerium entlassen. „Wenn unsere Forderungen binnen 48 Stunden nicht erfüllt werden, werden wir gezwungen sein, unsere Kampfverbände von der Front abzuziehen, Reservistenbataillone zu mobilisieren und einen Feldzug auf Kiew zu beginnen.“

Der „Rechte Sektor“ hatte zu Jahresbeginn an den Krawallen auf dem Kiewer Protestplatz Maidan teilgenommen. Nach dem Februar-Umsturz kämpfen seine Schläger auf der Seite der Regierungsarmee gegen die Regierungsgegner im Osten der Ukraine. In der vergangenen Woche hat die Kiewer Polizei nach eigenen Angaben 35 mutmaßliche Maidan-Aktivisten wegen bewaffnetem Überfall auf ein Restaurant in der ukrainischen Hauptstadt festgenommen.

http://de.ria.ru/politics/20140817/269314407.html

Die Drohung war erfolgreich – ein Beleg dafür, welchen Einfluß die rechten Kräfte auf das korrupte ukrainische Polizei- und Justizsystem haben.

Rechter Sektor sagt Marsch auf Kiew ab: „Ultimatum teilweise erfüllt“

18:53 17/08/2014

KIEW, 17. August (RIA Novosti).

Der ultranationalistische „Rechte Sektor“ (RS) hat seinen angedrohten bewaffneten Feldzug gegen Kiew abgesagt und versprochen, weiter gegen die Regierungsgegner im Osten des Landes zu kämpfen. RS-Anführer Dmitri Jarosch erklärte den Rückzieher damit, dass die Regierung sein Ultimatum teilweise erfüllt habe.

„Uns wurde bekannt, dass alle unsere Waffenbrüder freigelassen wurden und dass die Frage des (Vize-Innenministers Wladimir – Red.) Jewdokimow  jetzt vom Kabinett erörtert wird“, sagte Jarosch am Sonntag in einer Videoansprache. Er hoffe, dass Jewdokimow  entlassen werde. „Das ist ein kleiner Sieg. Deshalb werden wir angesichts der aktuellen Situation an der Front in den Kampfstellungen bleiben.“ Jarosch betonte, dass der „Rechte Sektor“ seine Kämpfer auch weiterhin „mit Entschlossenheit gegen polizeiliche Willkür schützen“ werde.

http://de.ria.ru/politics/20140817/269316588.html

Aber das ist wohl nur russische Propaganda.

Nachtrag:

Das Aidar-Bataillon, das von Moskau beschuldigt wird, Angriffe auf den Hilfskonvoi zu planen, ist natürlich auch eine rechte Truppe, die unabhängig von irgendwelchen Regierungsanweisungen agiert. Die regimetreue Kiyv-Post charakterisiert sie so:

Volunteer Aidar Battalion fights on front lines in Luhansk Oblast

July 21, 2014, 2:35 p.m.

[…]

Dozens of armed men and women are walking over the territory of their base, while others are having lunch, watching TV, talking or napping. Even thoguht Aidar is subordinate to Ukraine’s Ministry of Defense, its fighters are quite different from army soldiers.

Only 10 percent of them had any military experience before joining the battalion. But the volunteers say they compensate their lack of military skill with a strong fighting spirit, developed over the months at the EuroMaidan Revolution in Kyiv that overthrew Viktor Yanukovych as president on Feb. 22.

“Aidar taught our army forces not to be afraid to shoot,” battalion’s spokesman Anatoliy Usychenko with a nome de guerre as the Tick said, quoting Andriy Parubiy, secretary of National Security and Defense Council

[…]

Now Aidar Battalion has some 400 fighters with dozens of volunteers coming almost every day. After two weeks of training every newcomer receives gun and a task he has to fulfill. Most of their weapon Aidar’s fighters received from the army, and then also seized some guns from separatists.

[…]

Aidar has already lost 10 of its fighters and many more have been wounded during this war. Shakh, 29, a Ukrainian of Chechen origin born in Vinnytsia Oblast, believes that the war is “nothing else but the dividing of money.” He condemns the Chechen mercenaries who fight on the side of the Kremlin-backed separatists, but admits getting offers to fight in Syria.

The ultra-nationalist orientation of Aidar people often makes the residents of Donbas in eastern Ukraine very suspicious of them. The separatists are reportedly more willing to arrest the army soldiers, when they often decide to finish the fighting volunteers, the reports said.

Aidar guys also behave sometimes more harshly than the army.

After liberating the city of Shchastya some 15 kilometers from the provincial capital of Luhansk on June 14, Aidar installed its own commandants in the city’s police station and even arrested the local deputy mayor for cooperation with separatists. Local residents find it scary to see armed strangers walking the streets and imposing their own rules, but they have no choice.

During the May 25 presidential elections, Aidar’s people successfully captured 13 separatists who seized ballots at several polling station in Novoaidar. Two civilians were killed, however, in the crossfire between Aidar and the Kremlin-backed guerrillas, as the Kyiv Post witnessed.

The incident exposed the Aidar’s lack of discipline and willingness to disobey army commands. “They may tell us what to do, but it doesn’t mean that we will necessarily do this,” said one of Aidar’s men, a businessman from Severodonetsk in Luhansk Oblast.

Many of Aidar’s fighters criticize the army for being too hesitant. “Maidan taught us to remove all the obstacles on our way,” Usychenko said.

http://www.kyivpost.com/multimedia/photo/volunteer-aidar-battalion-fights-on-front-lines-in-luhansk-oblast-357129.html

Nachtrag (18.8.2014)

Die Behauptung Poroschenkos, daß der angebliche russische Militärkonvoi zu einem erheblichen Teil vernichtet worden sei, dürfte endgültig als Propagandaluftblase zerplatzt sein. Denn wenn das Weiße Haus diesen Vorfall nicht bestätigt, dann war wirklich nichts dran.

@jimsciutto

CNN’s Chief National Security Correspondent http://on.cnn.com/1a7VCAU 

Washington, DC

jimsciutto.com

Jim Sciutto @jimsciutto  ·  15. Aug.

WH accuses Moscow of „repeated Russian & Russian-supported incursions“ into #Ukraine tho says can’t confirm convoy destroyed by Kiev

Im Außenministerium gab es seit dem 14.8. bis jetzt keine Pressekonferenz, so daß man sich mit der Nichtbestätigung durch das Weiße Haus zufriedengeben muß.

Was allerdings weiterhin durch die deutschen Medien wabert, ist die wegen eines „Übersetzungsfehlers“ falsch wiedergegebene Äußerung des neuen Premiers der „Volksrepublik Donezk“, Alexander Sachartschenko, in einem russischsprachigen Video vom 15.8.2015

Heute schrieb Nina Jeglinski im TAGESSPIEGEL (Print), S. 6:

Porträt

Alexander Sachartschenko

Ostukrainischer Separatist

„Russland schickt uns Kriegsgerät“

[…]

Doch der Mann ist hochnervös. Denn das, was Sachartschenko verkündete, war reiner Sprengstoff: In den vergangenen vier Monaten seien 1200 seiner Mitarbeiter in der Russischen Förderation geschult worden. Nun könnten diese Männer Panzer und Militärfahrzeuge fahren und bedienen. Am Ende des Lehrganges hätten die Russen ihnen 30 Panzer und 120 Fahrzeuge inklusive Waffen und Munition zur Verfügung gestellt.

Seit dem 16.8.2014 war allerdings schon die Erklärung der BBC in der Welt, daß die letzte Aussage auf einem Übersetzungsfehler beruhe:

16 August 2014 Last updated at 17:48 GMT

Ukraine crisis: Rebel fighters ‘trained in Russia’

[…]

The new rebel leader in east Ukraine’s Donetsk region has said his forces include 1,200 fighters who underwent military training in Russia.
Addressing a meeting, Alexander Zakharchenko said the fighters had trained “four months on the territory of the Russian Federation”.
The rebels, he said, had reserves of 150 combat vehicles, including tanks.
An earlier mistranslation of his words suggested Mr Zakharchenko had said the vehicles were on their way from Russia.
Russia has denied claims by Ukraine and Western reporters that military aid to the rebels has been crossing the border.
[…]
Mr Zakharchenko, who became the prime minister of the self-declared Donetsk People’s Republic (DPR) last week, made the announcement to the rebels’ parliament on Friday, with a video of his speech (in Russian) posted on YouTube.
Littering the speech with military jargon, he said: “There are, at present, in the axis of the corridor [linking rebels in Donetsk with those in Luhansk and the Russian border] – there have been assembled -reserves of the following order: 150 units of military hardware of which about 30 are actual tanks and the rest are infantry fighting vehicles and armoured personnel carriers, and 1,200 personnel who underwent four months of military training on the territory of the Russian Federation.”
The rebel leader went on a Russian pro-Kremlin TV channel on Saturday to reject reports that the hardware had come from Russia.
“The Ukrainian military have left us so much hardware that we can’t find enough people to crew it – I mean tanks, troop carriers, Grad [multiple rocket] launchers and so on,” he told Life News (video in Russian).
He added that “ethnic Ukrainian” volunteers from Russia, not servicemen, were fighting for the rebels, along with “Turks; a great many Serbs; Italians and Germans; and even two Romanians”.

http://www.bbc.com/news/world-europe-28817347

Ich bleibe dennoch dabei: Sachartschenko hat maßlos übertrieben, was die Kampfkraft seiner Truppen angeht – das ist schlicht und einfach psychologische Kriegsführung.

Stichwort Aidar-Batallion: die „Säuberungen“, die diese rechtextreme Truppe betreibt, werden noch viel Elend auslösen. Am 8.8.2014 wurde der Lugansker Bürgermeister von Kräften dieses Bataillons festgenommen und angeblich dem ukrainischen Geheimdienst übergeben. Letzterer bestreitet das und behauptet, den Aufenthaltsort des Bürgermeisters nicht zu kennen.

Latest from OSCE Special Monitoring Mission (SMM) to Ukraine based on information received as of 18:00 (Kyiv time), 15 August 2014

KYIV 16 August 2014

This report is for media and the general public.

In Donetsk the situation remained tense and the SMM heard repeated explosions on the city’s outskirts. Draftees protested against mobilization in Chernivtsi.

[…]

Relatives of Luhansk city Mayor, Sergey Kravchenko, told the SMM that as of 14 August he was still missing and his whereabouts unknown. Earlier on 13 August, an ATO commander informed the SMM that Mr. Kravchenko had been detained by the Security Service of Ukraine (SBU) and was kept in custody in Kyiv. Asked to confirm, SBU representatives in Kyiv denied responsibility for the detention and stated they are not aware of the individual’s whereabouts. The SMM was informed about his disappearance on 8 August after his arrested by the “Ajdar” Battalion (see Daily Report of 8 August and 11 August).

http://www.osce.org/ukraine-smm/122662

Nachtrag (19.8.2014)

Mit dem Phantom-Konvoi und seiner Behandlung durch SPON hat sich Jens Berger beschäftigt:

SPIEGEL Online und der Phantom-Konvoi – Hysterie, Lügen und Heuchelei

Verantwortlich: Jens Berger

http://www.nachdenkseiten.de/?p=22863

Und nun ist es amtlich, daß die Invasion eines russischen Militärkonvois in die Ukraine und seine nachfolgende Vernichtung eine Ente war: am Anfang stand journalistische Fahrlässigkeit, am Ende eines der übliches Lug- und Trug-Manöver aus Kiew, dieses Mal höchstpersönlich durch Poroschenko vorgetragen. Das macht Marie Harf deutlich, die als stv. Sprecherin des Außenministers John Kerry keinen leichten Stand hat – seine Glaubwürdigkeit ist seit langem dahin.

Die Begründung seines Glaubwürdigkeitsverlustes findet sich in diesem Memorandum pensionierter Geheimdienstmitarbeiter an den Präsidenten der USA von Ende Juli 2014, in der Aufklärung über den Absturz der MH 17 gefordert wird:

http://futurefastforward.com/images/stories/financial/MH17MemoForThePresident.pdf#page=6

Wie der Herr, so’s Gescherr. So hat Marie Harf keine Probleme, noch am 18.8.2014 die humanitäre Hilfe Rußlands für ein Trojanisches Pferd zu halten, wobei sie sich weigert, öffentlich zu erklären, daß die Lage der Zivilisten in Lugansk und Donezk katastrophal ist. Außerdem weiß sie jetzt schon, daß entweder die Separatisten oder Rußland die MH 17 abgeschossen haben. Kiew habe damit nichts zu tun, weil es in dem fraglichen Gebiet keine BUK-Systeme stationiert hätte. Die entsprechenden Satelliten-Bilder ukrainischer BUK-Stellungen, die das russische Verteidigungsministerium am 21.7.2014 präsentiert hat, hat sie offenbar nicht zur Kenntnis genommen. Aber den Phantom-Konvoi will sie nicht bestätigen:

Marie Harf

Deputy Spokesperson
Daily Press Briefing

Washington, DC

August 18, 2014

[…]

QUESTION: There were also reports that a military convoy crossing from Russia into Ukraine was struck. Do you have any information on that?

  1. HARF: Yeah, and this was something we had a little bit on Friday talked about a little bit. We are working to gather more information regarding the Ukrainian reports that their security forces disabled vehicles in a Russian military column inside Ukraine. We, at this time, still, as we said on Friday, cannot confirm these reports. We are working to gather that information. Of course, at the same time reiterate our concern about repeated Russian and Russian-supported incursions into Ukraine, but can’t confirm those specific reports.

QUESTION: Okay.

  1. HARF: Yes.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/08/230695.htm#UKRAINE

Fortsetzung hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/09/28/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-1/