Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose? Ach was: von Augusta Luise, Westzeit & Co.

Die Gartensaison neigt sich dem Ende zu, und erstaunt stelle ich fest, daß ich dem Garten, der mir doch mehr als nur ein Hobby ist, lediglich zwei Blog-Beiträge gewidmet habe.

Am 6.5.2012 waren die erfrorenen Rosen dran:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/05/06/erfrorene-rosen-der-mensch-und-die-jahreszeiten/

und am 13.6.2012 habe ich mich als Ankläger gegen marodierende Schnecken betätigt:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/06/13/deutschland-gegen-portugal-und-viecher-bluhgut-fusball-und-garten-als-welt-in-der-nusschale/

Das kann doch nicht alles gewesen sein! Sind Gärtner von Haus aus der nörgelige Typ, oder ist es normal, die Natur als Feind zu betrachten, wenn man ihr einen harmonischeren Gegenentwurf abtrotzen will? Ach nein, für heute lassen wir die großen Fragen beiseite und betrachten einfach nur das Gelungene. Daß der Sommer groß gewesen sei, läßt sich für Brandenburg zwar nicht behaupten. Aber meinen Lieblingen, den Rosen, hat die Saison gefallen.

Nur drei von ihnen sind wirklich erfroren. Alle anderen machten das Beste aus ihrem erzwungenen Neustart von ganz unten, langsam, spät und, surprise, surprise, gänzlich ohne Blattkrankheiten wie Rosenrost und dergleichen – was ich noch nie erlebt habe. Und so wenige Blattläuse wie in diesem Jahr gab es auch noch nie: ausgleichende Gerechtigkeit für die Ungerechtigkeit des späten und langen Winters.

Ab Anfang Mai blühte die Tea Time, aber die gilt nicht: die war eine Neuerwerbung. Sie lebte sich wunderbar ein, wuchs (und wächst noch immer), hat schöne große Blüten – nach Regengüssen muß man die Stengel natürlich festbinden – und produziert ständig neue Triebe. Ein Schmuckstück…

Da konnten die anderen natürlich nicht mithalten…

Am 28.5.2012 sah die robuste blühfreudige Westzeit, die sogar größer und üppiger wurde als in den Jahren zuvor, so aus:

Da keimten Blütenträume.

Auch die Augusta Luise I (die mit dem Rosa-Appeal) wuchs aus dem Nichts vielversprechend heran und präsentierte sich am 31.5.2012 so:

Augusta Luise II (die mit dem Gelb-Appeal) tat es ihr nach:

Meinem anspruchslos-munteren Cherry Girl machte es überhaupt nichts aus, ganz von vorne zu beginnen – es legte sich ins Zeug und erreichte auch fast die alte Größe:

Die kräftige Friesia war immer strebend bemüht, die vor ihr stehende Hortensie zu überragen – naja, letztendlich habe ich ihr den Weg zur Sonne freigeschnitten…

Mein empfindliches Sorgen- und Lieblingskind, die Red Diamond, vergaß alles übliche Herumgezicke und wuchs vor sich hin, als ob das für sie normal wäre, und war am 31.5.2012 schon richtiggehend stattlich:

Und meine namenlose rote Riesenrose? Strengte sich an und wurde auch wieder die größte im Garten.

Die einzige Rose, die neben der Tea Time am 31.5.2012 blühte, war die Pfingstrose – aber die gült nicht.

Ab dem 21.6.2012 ging es dann los, spät, aber nicht zu spät.

Die Friesia:

Eine namenlose gelbe Rose aus einer Zeit, in der ich auf Namen noch nicht geachtet habe:

Hach, und die Westzeit:

Und dann ging es Schlag auf Schlag – hier Bilder vom 4.7.2012:

Augusta Luise I, die wohlriechende:

Augusta Luise II, die nicht minder wohlriechende:

Und das Cherry Girl, verführerisch wie immer:

Selbst die Seerose tat mir den Gefallen (und das tut sie längst nicht jedes Jahr):

Am 9.7.2012 zeigte die göttliche Red Diamond, warum sie so heißt:

Auch die Große Rote erblühte erstmals:

Während die Tea Time schon die zweieinhalbte Blühphase erlebte:

Überhaupt, dieser Juli:

Im August waren die meisten damit beschäftigt, sich für die zweite Blüte zu rüsten – was der großen Roten bis heute nicht gelang: sie wuchs und wuchs, entwickelte aber keine Knospen mehr. Im September aber gab es ansonsten noch überaus erfreuliche Anblicke.

Die Augusta Luise I zum Beispiel:

Oder, wieder mal, die Westzeit, deren zweite Blüte noch prächtiger war als die erste:

Jetzt, im Oktober, wenn fast alle Pflanzen schlappmachen (naja, die Vanillepflanze blüht noch wie einst im Mai, das Alpenveilchen leuchtet, ein paar Lobelien auch noch), ist es die Red Diamond, die ihre letzte Schönheit zeigt:

Und dann gibt es noch das Versprechen auf allerletzte Blüten, wenn das Klima mitspielt.

Am 2.10.2012 gab es folgende Verheißungen:

Von der wackeren Friesia:

Vom lieben Cherry Girl:

Die größte Überraschung bot Augusta Luise II; sie vernachlässigte einen Zweig und steigerte den Wuchs des zweiten auf gut 1,70 m – warum wieso weshalb? »Da steckt man nicht drin«, murmelt der Experte. Und sie produzierte sieben Knospen.

Damit endet das kleine Rosenbrevier des Jahres 2012 vorerst. Nun heißt es abwarten und Teetrinken und ganz fest an den Klimawandel glauben, auf daß wir von einem frühzeitigen Frost verschont bleiben…

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Erfrorene Rosen – der Mensch und die Jahreszeiten

Mir kam zu Ohren, daß in Internetzeiten Wortlastiges nicht so gut ankomme. Bildchen müßten schon sein. Und wenn man dann auch noch längere Texte darbiete als es der Häppchen-Journalismus tut, bedeute das eine schiere Überforderung des multitask-fähigen Users, der lieber fünf Sachen gleichzeitig macht und keine davon richtig. Da ist natürlich was dran. Obwohl man schwächlich einwenden könnte, ob es nicht kontraproduktiv sei, Notwehrmaßnahmen gegen Arbeitsverdichtung und Technikterror zum positiven Leitbild zu verklären?

Ich bin jedenfalls in mich gegangen – und das ist nun dabei herausgekommen. Ein Neuruppiner Bilderbogen.

Als ich dieses Schild an der Filiale meines vietnamesischen Gemüsehändlers in der Friedrich-Engels-Straße im November 2011 erstmals sah, war ich mit dessen Botschaft sehr einverstanden. ›Wegen Winter geschlossen‹, ja, so müßte sich jeder gegen die Zumutungen des Winters wehren können. Man läßt die Jalousie herunter und bleibt bei menschenunfreundlichen Temperaturen einfach zu Hause, läßt sich beliefern und schaudert wohlig ob der draußen herrschenden Sturzgefahr. Freut sich, daß jeder Jeck anders ist und daß die Evolution auch den Typus der Naturburschen und -mädels hervorgebracht hat, der sogar noch Geld dafür bezahlt, um sich im alpinen Schnee die Haxen brechen zu dürfen. Die Belieferung wäre also sichergestellt, denn es gibt genügend Menschen, die finden, daß es kein falsches Wetter gebe, sondern allenfalls unpassende Kleidung. Halleluja!

Und daß der Engels irgendwann mal keine Lust haben würde, den Marx weiter durchzufüttern, leuchtete mir damals ebenfalls ein.

Irritierend war nur, daß ich die Aufnahmen noch am 23.3.2012 machen konnte. Denn da war ja schon zu ahnen, daß der Frühling in der freilich noch arg kühlen Luft lag. Folgerichtig trat er am 27.3.2012 machtvoll aus allen Ritzen in die Erscheinung:

Was dem Menschen keine Ruhe läßt, der die Spezies Löwenzahn aus dem Garten verbannt hat und sich mit der einsam blühenden Forsythie nicht bescheiden mag. Die Natur muß doch zu optimieren sein!

Doch die Natur läßt sich nicht überlisten. Acht der zehn eingangs gezeigten Stiefmütterchen, ins von halbvertrockneten und sich unmäßig ausbreitenden Spindelsträuchern verunstaltete Mittelbeet gepflanzt, waren binnen einer Woche von Schnecken niedergemacht. Die hausten fröhlich undetektierbar unter den Sträuchern, lachten sich eins ins Fäustchen und schwärmten los, um sich an dem zarten frischen Grünzeug zu laben. Schnecklich verständlich, saftige Stiefmütterchen munden besser als vertrocknete Spindelsträucher.

O Freude und Farbtupfer, dahin, dahin! Nur die zwei Exemplare auf der Fensterbank haben überlebt.

Dieser Affront ließ die Gärtnerin nicht rasten und ruhen. Eine radikale Lösung war das Gebot der Stunde. Bzw. von so einigen Stunden, denn die Entfernung von acht halbtoten aber nach vier Jahren außer Rand und Band geratenen Spindelsträuchern nebst Ausläufern war keine Kleinigkeit. Aber eben nicht nur wegen der Schnecken notwendig. Denn sie umwucherten auch die Veredelungspunkte der erfrorenen schönduftenden zwei Augusta Luise-Rosen, und die sollten doch Licht und Wärme kriegen. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt…

Die Sache mit den erfrorenen Rosen hatte ich ja schon mal angesprochen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/03/19/108-demokraten-erfrorene-rosen/

Und so sieht eine ehedem 2x2x2 m riesige rote Rose am 2.5.2012 aus:

So berappelt sich eine bescheidenere Westzeit-Rose (in den schönsten Orangetönen leuchtend):

Alle meine Rosen sehen zur Zeit so oder ähnlich aus. Die Gärtnerin weiß nicht, ob sie jubeln oder verzweifeln soll, denn es wird Jahre dauern, bis die alte Pracht wieder auferstehen wird. Dann ermahnt sie sich zur Rationalität. Sieht die alten Fotos wieder an, von denen sie weiß, daß sie nur die Schönheit und nicht die Dekadenz einfangen. Räumt ein, daß die neue Chance auch ihr Gutes hat. Ist aber dennoch zutiefst betrübt, daß es die Stämmchenrose Jubile du Prince de Monaco (links im Bild) und die zarte Harzola (rechts dahinter), wenig robuste überzüchtete Produkte, nicht geschafft haben. Fragt sich, wieso die Diva unter ihren Rosen, die farbschöne Red Diamond (im Hintergrund), es gepackt hat und aus Ruinen neu ersteht…

Und will es nicht wahrhaben, daß just die schleswig-holsteinische Bauernrose, die bei maximal zwei Stunden Sonne am Tag von oft verfluchter Vitalität war (2 Meter hoch, Hunderte von Blüten), bis heute nicht den kleinsten Trieb zeigt. Diese anspruchsloseste aller Rosen, die seit 1998 immer mehr produzierte, als sie tragen konnte, die im Dauerregen im Juli des letzten Jahres buchstäblich nicht mehr zu halten war, soll es plötzlich nicht mehr geben?

Da hilft nur eins: Mensch wie Tier verdrängen und tun so, als sei es ein Frühling wie früher. Als die Welt noch in Ordnung und nicht so kalt und böse war wie jetzt (pssst: die Klimakatastrophe ist ein Phantom! Nichts weiter als das Phänomen einer von Forschungsgeldern abhängigen Wissenschaft, die Gleichklang produziert und Gegenstimmen als Spinnerei aussortiert. Die Wahrheit ist, daß das Klima für Gärtner und Landwirte schon immer eine Katastrophe war…).