Adorno-Preis für die feministische Gender-Ikone Judith Butler: ein Skandal?

Und was für einer.

Aber nicht wegen der sattsam bekannten, nur noch ermüdenden ewig gleichen Vorwürfe von Antisemitismus, Terrorunterstützung  bzw. jüdischen Selbsthasses gegen die der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik kritisch gegenüberstehenden Autorin – das ist die alte Leier, die man nicht mehr hören mag, angeschlagen von den ewig gleichen Protagonisten,  die niemand mehr ernst nimmt, weil jeder, der noch einigermaßen geradeaus denken kann, weiß, daß Kritik an Regierungshandeln nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Und nie stand eine israelische Regierung so zurecht in der Kritik wie heute – die eigene, ja wohl kaum antisemitische, Bevölkerung lehnt die kriegerischen Angriffspläne der Regierung genauso ab wie ihre verheerende Sozialpolitik und die grassierende Korruption. Und auch in Israel gibt es eine Friedensbewegung und Kräfte, die sich gegen die Diskriminierung von Palästinensern innerhalb wie außerhalb der schwammigen Staatsgrenzen engagieren.

Der Schein-Skandal, der sich im Feuilleton unter den üblichen Verdächtigen abspielt, sei daher nur kurz gestreift.

04.09.2012

Adorno-Preis für Judith Butler

Israelische Orangen

Die Kontroverse um die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an Judith Butler hält an. Die Debatte droht, ihrem Werk die politische Dimension zu nehmen.

von Sonja Vogel

„Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als ‚Halbjude‘ in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als ein bloßer Fehlgriff gelten.“ Mit drastischen Worten kommentierte der Sekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, die für kommenden Dienstag geplante Vergabe des Theodor-W.-Adorno-Preises der Stadt Frankfurt am Main an Judith Butler.

Die Philosophie Butlers, die sich mit „den Todfeinden des israelischen Staates“ verbündet habe, sei nicht von „ihrer moralischen Verderbtheit zu trennen“. Der Zentralrat kündigte daher an, die Verleihung zu boykottieren.

Das Adorno-Preis-Kuratorium hingegen verteidigte seine Entscheidung. Butler soll wie vorgesehen am 11. September als eine „maßgebliche Denkerin unserer Zeit“ in der Frankfurter Paulskirche mit dem mit 50.000 Euro dotierten Adorno-Preis ausgezeichnet und geehrt werden.

http://www.taz.de/Adorno-Preis-fuer-Judith-Butler/!100970/

Die ZEIT räumte der so maßlos Angegriffenen glücklicherweise viel Raum zur Verteidigung ein:

Adorno-Preisträgerin Butler

„Diese Antisemitismus-Vorwürfe sind verleumderisch und haltlos“

Die jüdische Philosophin Judith Butler, Anwärterin auf den Adorno-Preis, wird bezichtigt, sie unterstütze Hamas und Hisbollah. Hier antwortet sie ihren Kritikern.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-08/judith-butler-kritik-israel-antwort

Dieser Theaterdonner, der fast schon wie eine Pflichtübung daherkommt, überlagert und verdeckt allerdings den eigentlichen Skandal: nämlich die Mainstream-Würdigung der Philosophin und Literatur-Professorin Butler als »maßgebliche Denkerin unserer Zeit«, was allenfalls Bände über unsere Zeit spricht. »Maßgeblich« sind die theologisch anmutenden Thesen, achwas, Axiome, von Judith Butlers Gender Studies leider tatsächlich – aber von »Denken« kann weder bei ihr noch bei ihren Anhängern und institutionellen Profiteuren nun mal keine Rede sein.

Pseudowissenschaftliche Genderstudien wie die von Butler gehen von feministischen Glaubenssätzen aus, die besagen, daß wir weder unseren Augen noch unseren Hormonen über den Weg trauen können: die 90 % der Menschheit, die sich mit Körpergefühl, Geschlechtsidentität und gegengeschlechtlichem Begehren in Harmonie mit der Natur und der auf Fortpflanzung ausgerichteten Evolution befinden, leben nämlich unter einer unbemerkten Diktatur; nur die 10 %, die im falschen Körper leben, denen die Natur ein uneindeutiges Geschlecht zugeordnet hat oder diejenigen, die gegengeschlechtlich lieben, genießen Freiheit, haben den Durchblick und dekretieren daher: es gibt kein Geschlecht, Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, dem sich die Körper durch wiederholte Übung erst anpassen.

So ein Quatsch, sagen Sie, lieber Leser, zurecht. Stimmt. Laut darf man das wirklich nicht sagen, sonst lachen ja die Hühner. Laut darf es nur eine leider maßgebliche Denkerin sagen, so wie im aktuellen ZEIT-Interview:

In diesem Sinne ist das soziale Geschlecht auch eine Inszenierung und »die hegemoniale Heterosexualität selbst ein andauernder und wiederholter Versuch, die eigenen Idealisierungen zu imitieren«. Judith Butler behauptet nicht nur, dass es so etwas wie eine »heterosexuelle Melancholie« gibt, nämlich die Trauer um die aufgegebenen Möglichkeiten anderer sexueller Orientierung. Sie sagt sogar, dass »die ›echteste‹ lesbische Melancholikerin die strikt heterosexuelle Frau und der ›echteste‹ schwule Melancholiker der strikt heterosexuelle Mann« ist, sie erklärt darüber hinaus, dass »Heterosexualität nicht ausschließlich den Heterosexuellen zukommt«. Als Beispiel nennt sie den Fall eines Mannes mit frühkindlicher Mutteridentifizierung. Wenn dieser Mann, fragt sie, »nun einen anderen Mann begehrt oder eine Frau, ist sein Begehren dann homosexuell, heterosexuell oder gar lesbisch?« Nicht ohne Sinn für Selbstironie zitiert Butler die italienische Zeitung La Repubblica mit der Bekanntmachung, »dass sich die Zahl der Gender in den Vereinigten Staaten auf fünf erhöht« habe.

http://www.zeit.de/2012/37/Judith-Butler-Portraet/komplettansicht

Letzteres ist übrigens stark untertrieben.

Nun versteht es jeder, daß eine burschikos-jungenhafte Frau, die Frauen liebt, sich so ihre Gedanken über die Launen der Natur macht, Normen ablehnt und ihr Anderssein als Freiheit proklamiert, zumal sie sie sich erkämpfen mußte. Daß von der Norm abweichende Lebens- und Liebesformen nicht nur nicht diskriminiert, sondern anerkannt und geschützt werden sollten, liegt jedem Humanisten am Herzen. In Köln formuliert man das so: ›Jeder Jeck ist anders‹ – und wer das (Achtung, soziales Konstrukt!) mit der rheinischen Muttermilch aufgesogen hat, hat nicht die geringsten Probleme, lieb und freundlich mit Menschen umzugehen, die anders als die Mehrheit sind. Dafür brauchen wir keine Judith Butler, eine Scharlatanin des akademischen Überbaus eines boomenden Wirtschaftszweiges, den zuletzt nur Machtbegehren steuert.

Das akademische Postulat: „Es gibt kein Geschlecht“ heißt nämlich, überführt in die Realität, daß Männer kastriert und Frauen in bislang den Männern vorbehaltene (genau: erstrebte) Positionen gefördert werden müssen – auf daß es endlich freie Menschen gebe.

Als Simone de Beauvoir 1949 sagte, daß man zur Frau erst gemacht werde, nahm sie die mangelnden Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen ihrer Zeit in den Blick (daß Männer erst gemacht werden, hat sie bezeichnenderweise nie gesagt). Die Zeiten haben sich geändert. Geschlechterforschung heute, die sich auf Butler beruft, beruft sich in Wahrheit auf einen fatalen Menschenversuch mit tödlichem Ausgang.

Es sei daran erinnert, daß die These, auf die Biologie komme es nicht an, auf einem menschenverachtenden, die These auch noch widerlegenden, Experiment eines Psychiaters namens Dr. John Money basiert. Der hatte in den sechziger Jahren proklamiert, daß die Geschlechtsidentität allein eine soziale Konstruktion sei – und der am 22.8.1965 geborene Bruce Reimer sollte diese These belegen. Nach einer mißlungenen Beschneidung (ja, das gibt es auch!) im Jahr 1967 war dessen Penis verstümmelt, und seine Eltern wußten sich keinen Rat. Money witterte seine Chance – und schritt zu einem Experiment, das einem den Atem verschlägt: auf seine Empfehlung hin wurde das zweijährige Kind kastriert, eine künstliche Scheide angelegt, weibliche Hormone zugeführt und aus Bruce wurde Brenda, von heute auf morgen. Die Eltern wies Money strikt an, dem Kind nie die Wahrheit zu sagen, es klassisch weiblich zu erziehen und vollkommen anders als dessen Zwillingsbruder zu behandeln.

Das Martyrium, das die falsche Brenda, die sich nie wie ein Mädchen fühlte und benahm, bis zum 14. Lebensjahr durchmachte, ist unbeschreiblich… Weder medizinische noch soziale Einwirkungen konnten ihre männliche Identität auslöschen. Auch ihr Bruder litt unter den gefürchteten jährlichen Kontrollen dieses Dr. Mabuse. Mit vierzehn konnte Bruce endlich die Wahrheit einfordern – und wurde ein unglücklicher David, der sich im Jahr 2004 das Leben nahm. Wer die Tragödie in Gänze lesen möchte, lese bei Volker Zastrow nach:

http://www.faz.net/themenarchiv/2.1198/gender-mainstreaming-der-kleine-unterschied-1329701.html

Wie es Money gelang, dieses zynische (und grausam fehlgeschlagene) Modell als Beleg für seine These im Wissenschaftsbetrieb durchzusetzen: man weiß es nicht.  Daß auch der Wissenschaftsbetrieb von Korruption und Blendern gebeutelt wird, ist eine Erkenntnis, die nur langsam einsickert. Butler jedenfalls gelang es in den neunziger Jahren, die krude These des Geschlechts als soziales Konstrukt als Wissenschaft zu etablieren. Theologie ist schließlich auch eine Wissenschaft, die von Dogmen und Denkverboten geprägt ist (und gilt das grundsätzlich nicht auch für die Mathematik?).

Für einen wissenschaftlichen Anstrich in geisteswisseschaftlichen Fächern reicht es offensichtlich aus, sich eines unverständlichen, umständlichen und bedeutungsschwangeren Jargons zu bedienen:

Alan Posener:

Butler ist berühmt für ihre komplizierten Sätze. Dafür hat sie sogar den ersten Preis im „Wettbewerb für schlechtes Schreiben“ erhalten, der von der Zeitschrift „Philosophy and Literature“ veranstaltet wird. Der in der Laudatio zitierte Satz Butlers geht so: „The move from a structuralist account in which capital is understood to structure social relations in relatively homologous ways to a view of hegemony in which power relations are subject to repetition, convergence, and rearticulation brought the question of temporality into the thinking of structure, and marked a shift from a form of Althusserian theory that takes structural totalities as theoretical objects to one in which the insights into the contingent possibility of structure inaugurate a renewed conception of hegemony as bound up with the contingent sites and strategies of the rearticulation of power.“ Auf Deutsch: Ganz so leicht, wie sich die Marxisten die Welt erklären, ist sie nicht.

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article108993984/Wenn-Schafe-bloeken.html

Nun sind die Genderstudies an den Unis zwar ein Stilblüten-, aber keinesfalls ein Orchideenfach. Nicht nur, daß sie weiblichen Lehrkräften eine gutalimentierte Domäne sichern – allein in Nordrhein-Westfalen befassen sich 270 Professorinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sowie ein (!) männlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Genderfragen und netzwerken eifrig miteinander –

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/wissenschaftlerinnen/portrait/

während jeder Mann weiß, daß es auf die Biologie ankommt beim Mann-Sein, alles andere würden sexuell aktive Frauen auch nicht akzeptieren, nein, deren theologische Axiome sind mittlerweile schon seit 1998 verpflichtende Regierungspolitik:

30.12.2006

Regierung

Der neue Mensch

Von René Pfister

Unter dem Begriff „Gender Mainstreaming“ haben Politiker ein Erziehungsprogramm für Männer und Frauen gestartet. Vorn dabei: Familienministerin Ursula von der Leyen.

[…]

Die wohl einflussreichste und radikalste Vertreterin der Gender-Theorie ist die im kalifornischen Berkeley lehrende Professorin Judith Butler. Für Butler ist die Geschlechtsidentität der meisten Menschen eine Fiktion, eine „Komödie“, die aufzuführen sie von frühester Kindheit an eingebläut bekommen. Das Zusammenleben von Mann und Frau und das sexuelle Begehren zwischen den unterschiedlichen Geschlechtern betrachtet sie als Ausdruck eines perfiden Repressionssystems, der „Zwangsheterosexualität“.

Es ist leicht, Butler für das Produkt eines etwas überdrehten amerikanischen Universitätsbetriebs zu halten. Aber das hieße, ihre Wirkung zu unterschätzen. An jeder der zahlreichen deutschen Hochschulen, die Gender-Studien anbieten, gehört Butler zum Kanon, und für die Studenten bieten sich immer mehr Möglichkeiten, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Den Gender-Theoretikern ist es gelungen, aus ihrer akademischen Nischendisziplin ein bürokratisches Großprojekt zu machen.

Bis in die Provinz sind die Gender-Arbeiter schon vorgedrungen. Für die Dorferneuerung von Jützenbach, einer 550-Einwohner-Gemeinde im Südharz, gab das Erfurter Landwirtschaftsministerium einen „Gender-Check“ für 15 000 Euro in Auftrag, der unter anderem zu der Erkenntnis führte, dass in der freiwilligen Feuerwehr nur eine einzige Frau Dienst tut. Die Freiburger Stadtverwaltung hat einen Leitfaden für Erzieher herausgegeben, damit „negativen Einwirkungen jungmännlicher Dominanz“ schon im Kindergarten begegnet wird.

http://www.spiegel.de/spiegel/a-457053.html

Millionen von Staatsgeldern versickern in diesen sinnlosen politisch korrekten Aktionen, die ersichtlich nur eins im Sinn haben: eine Machtverschiebung hin zu den Frauen und eine Verteufelung des männlichen Geschlechts. Verdutzt fragen sich die Politiker heute, wieso nur 3 % der Erzieher in Kitas männlich seien – die Antwort ist simpel: nicht wegen der schlechten Entlohnung, auch Wachmänner arbeiten für einen Appel und ein Ei, sondern wegen des Verdachts der Eltern, ein männlicher Erzieher könne ja nur pädophil sein. Aktuell läuft wieder eine Kampagne zur Steigerung der „Sensibilität“ für sexuellen Mißbrauch – auch in Kitas, in denen weibliche Erzieher generell verdachtsfrei agieren.

Die angeblich widerständige Butler ist absoluter mainstream, insbesondere bei geistfernen Politikern, für die Renate Künast bei ihrer Laudatio für Butler anläßlich der Verleihung des Zivilcouragepreises der Christopher Street Day-Organisatoren in Berlin 2010 ein beredt-gestammeltes Zeugnis ablegte:

Christopher Street Day

Zivilcouragepreis 2010 für Judith Butler: Laudatio von Renate Künast

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Queer-Community!

Der Zivilcouragepreis 2010 geht an die Philosophin Professor Dr. Judith Butler, herzlichen Glückwunsch!

[…]

Queer sein bedeutet für Judith Butler frei sein. Frei von festgefügten Rollen, ihnen nicht entsprechen zu müssen. Was ich faszinierend finde, dass sie sagt: Es gibt keinen richtigen Hetero. Es gibt auch nicht die richtige Lesbe. Sie sagt einfach an der Stelle, die Frage ist vollkommen offen wer wir sind und wer jeder und jede von uns noch werden kann. Und das finde ich faszinierend.

Judith Butler hat diesen Preis verdient, weil das was sie denkt, eigentlich normal sein sollte. Normal ist eben anders. Ich könnte auch sagen, wir sind eben anders normal – wer auch ein Thema; vielleicht fürs nächste Jahr.

Transkript der Laudatio von Renate Künast, gehalten am 19. Juni 2010.

http://berlinercsd.blogspot.de/2010/07/zivilcouragepreis-2010-fur-judith_08.html

Ich sage an der Stelle, daß Künast für das fehlerhafte Transkript natürlich nicht verantwortlich ist – wohl aber für den Unsinn, den sie da abließ. Normal ist eben anders, und so wer das schon ein Thema, ob Butler den Preis nicht wegen dieser Friede-Freude-Eierkuchen-Laudatio einer Politikerin, die wohl noch nie etwas von Butler gelesen hat, abgelehnt hat. Aber nein, Butler ging es darum, daß Minderheiten nicht gegen Minderheiten ausgespielt werden sollen. Und Hedonismus ist auch nix für eine brillante Asketin, die einen Ruf zu verlieren hat.

Auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor hörte sich die amerikanische Philosophin erst die Laudatio der grünen Bundestagsfraktionschefin Renate Künast an, um dann in einer kurzen Rede die Annahme der Auszeichnung abzulehnen. Ihre Begründung: Der Berliner CSD sei „zu kommerziell und oberflächlich“.

Die Veranstaltung richte sich zudem nicht genügend gegen Rassismus und doppelte Diskriminierung – etwa von Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden, sagte die 54-jährige linke Theoretikerin, die an der Universität im kalifornischen Berkeley lehrt. Butler schlug vor, den Preis lieber an Organisationen wie dem Verein der türkeistämmigen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen und Transgendern GLADT e.V. zu vergeben. Ausdrücklich lobte sie den alternativen „Transgenialen CSD“, der seit einigen Jahren im Stadtbezirk Kreuzberg veranstaltet wird. Dort werde sich noch mit „den großen Fragen von Krieg und Frieden und sexueller Identität in einer modernen Gesellschaft“ auseinandergesetzt.

[…]

Die CSD-Veranstalter zahlten Butlers Flug und ihre Unterkunft im Hotel Adlon.

http://www.queer.de/detail.php?article_id=12336

Janun, das Adlon muß es schon sein – schließlich sind ihre Hokus-Pokus-Thesen sogar Regierungspolitik.

Hier ihre Rede zur Ablehnung des Preises – wie Künast da wohl aus der Wäsche geguckt haben mag? Bilder sind leider nicht überliefert. Gottlob, war es doch ein wenig erfolgreicher Pressetermin. Erfolg in der Politik beruht ja auf schönen Bildern.

http://www.egs.edu/faculty/judith-butler/articles/ich-muss-mich-distanzieren/

Vielleicht habe ich nicht konsequent genug gegoogelt: aber in unserer Mainstream-Presse, die selbstverständlich die regierungsamtlichen gender-mainstream-Programme unterstützt und Frauenquoten in Pressebetrieben fordert, die ohnehin schon Frauen propagieren und Männer runterschreiben, habe ich ganze zwei Stimmen gefunden, die sich aus inhaltlichen Gründen gegen den Adorno-Preis für Judith Butler wenden.

Räusper. Wie merkwürdig, daß es zwei Publizisten sind, denen ich ansonsten gar nicht zustimme? Auch Gertrud Höhler kritisiert Merkel aus einer Position heraus, die ganz und gar nicht die meine ist… Mich beschleicht der Verdacht, daß sich niemand, der sich als Mitte-Links verortet, überhaupt noch Kritik an Frauen zu wagen traut, weil es die doch zu fördern gilt?!

Henryk M. Broder, der natürlich ansonsten ebenfalls die Antisemitismus- und anti- 68er-Keule schwang, denen er Adorno glatt zuordnete, der 1969 gestorben ist, hat sich jedenfalls ins Herz des eigentlichen Vorwurfs gewagt:

06.09.12

Intellektuelle

Warum Judith Butler den Adorno-Preis verdient hat

Wegen ihrer umstrittenen Äußerungen zu Israel, Hamas und Hisbollah gibt es Streit um die Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler. Dabei passen Adorno und Butler bestens zusammen. Im Schlechten. Von Henryk M. Broder

Im Jahre 1900 erschien in der Verlagsbuchhandlung Carl Marhold in Halle an der Saale ein 23-seitiges Pamphlet eines bis dahin wenig bekannten Neurologen und Psychiaters namens Dr. Paul Julius Möbius: „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“. Möbius behauptete, Frauen hätten von Natur aus eine physiologisch bedingte geringere geistige Begabung als Männer.

Die Veröffentlichung kam zu einer Zeit, da in Deutschland über die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium gestritten wurde. Entsprechend fielen die Reaktionen aus. Die einen feierten den Leipziger Privatgelehrten als mutigen Vordenker, die anderen verdammten ihn als verbohrten Ignoranten. Die kleine Schrift erreichte viele Auflagen und gilt bis heute als Musterbeispiel für wissenschaftlich verbrämten Unsinn.

Unsinn kommt nie aus der Mode

Über 100 Jahre, zwei Weltkriege und viele Revolutionen später haben sich die Parameter gründlich verschoben. Es gilt das allgemeine Wahlrecht, Frauen dienen in Polizei und Armee, sie boxen, spielen Fußball und fällen politische Entscheidungen von größter Tragweite. Wer heute „den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ zur Diskussion stellen würde, wäre nicht nur blamiert, er wäre erledigt.

Was freilich nicht bedeutet, dass wissenschaftlich verbrämter Unsinn aus der Mode gekommen wäre, im Gegenteil. Wie zur Zeit von Möbius findet jedes schräge Angebot ein dankbares Publikum, wenn es nur den Bedürfnissen der Klientel entgegenkommt. Egal, ob es sich um Ökostrom handelt, der aus der Steckdose fließt, während der Nachbar gegenüber Atomstrom bezieht, oder die These, „dass die Identifikation mit einem Geschlecht, also die Vorstellung, ein Mann oder eine Frau zu sein, eine elaborierte, von der Gesellschaft oktroyierte Fantasie ist – ein Konstrukt aus internalisierten Bildern und Diskursen also und keine von den Merkmalen des eigenen Körpers vorgegebene Kategorie“.

Männern bleibt das Kinderkriegen versagt

Mit diesen Worten bringt der Kulturkritiker Daniel Schreiber die Thesen der amerikanischen Philosophin Judith Butler auf eine griffige Formel. Eine Person ist nicht ein Mann oder eine Frau, die Person hat nur die „Vorstellung“, ein Mann oder eine Frau zu sein, und die ist eine „von der Gesellschaft“ aufgezwungene Fantasie. Das ist eine durchaus reizvolle philosophische Figur, der allerdings Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Disziplinen entgegenstehen – der Biologie, der Medizin und der Verhaltensforschung zum Beispiel. Ein Mann mag die Vorstellung genießen, eine Frau zu sein, das Menstruieren, das Kinderkriegen und die Menopause bleiben ihm dennoch versagt.

http://www.welt.de/debatte/article109056853/Warum-Judith-Butler-den-Adorno-Preis-verdient-hat.html

Das geht schon in die richtige Richtung, Butlers ›maßgebliches Denken‹ als ausgemachten Quatsch zu dekonstruieren.

Aber so richtig hat nur Bettina Röhl begriffen, welcher Unfug da als Wissenschaft durchgeht und welche handfesten materiellen Ziele Frauen damit verfolgen; leider muß man in ihrem lesenswerten Artikel mal wieder reichlich scrollen, um ihre bekannten Ressentiments gegen die Alt-68er überlesen zu können – Bettina Röhl hat es leider noch nicht realisiert, daß die von ihr zurecht kritisierten Scharlatanerieen eines gender-mainstreaming heute sogar von Figuren wie von der Leyen und Kristina Schröder vertreten werden (müssen), wobei die letztere immerhin zurückzurudern wagt…

04.09.2012

Bettina Röhl direkt

Judith Butler – systemkonforme Genderkönigin

Kolumne von Bettina Röhl

Am 11. September bekommt die Amerikanerin Judith Butler den Theodor W. Adorno-Preis verliehen. Butler ist vielleicht die bedeutendste Ikone der weltweiten Gender-Ideologie, die sich zum Motor der Quotenregelungen für Frauen entwickelt hat.

[…]

Gender ist eine weltweit mit Milliardenaufwand finanzierte Ideologie, die von inzwischen 1000senden Wissenschaftlern jahrein jahraus beforscht wird und bisher nicht über die Behauptung hinaus gekommen ist, dass es zwar Menschen, aber keineswegs Männer und Frauen gäbe. Gender ist demnach ein fiktives Geschlecht, gern als das „soziale Geschlecht“ bezeichnet, nämlich das Geschlecht, das sich jeder Mensch selber in seinem sozialen Umwelt aussucht und dass er je nach Gusto täglich oder häufiger ändern könnte. Butler dreht das Rad dieses Verwirrspiels weiter, in dem sie behauptet, dass es entgegen dem äußeren Anschein auch körperlich zwischen Mann und Frau, keine Differenz gäbe. Dass also das, was jeder täglich biologisch wahrnimmt, nämlich das körperliche Geschlecht seines Gegenüber, nur Produkt seiner im Prinzip wahnhaften Wahrnehmung beziehungsweise die Anpassung des Körpers an die falsche Vorstellung vom eigenen und von fremden Körpern sei usw.usw.

Für Menschen, die in Mathematik nicht so fit sind, wird es langsam schwierig, denn die Gender-Forscher, die aber unter dem Dach des Bundeskanzleramtes, des Frauen und Familienministeriums, der Bildungsministerien und vieler anderer Machtzentren für oder gegen uns alle Politik machen, haben inzwischen 16 und mehr unterschiedliche Geschlechter ausgemacht. Da ist alles dabei, nur nicht Mann oder Frau. Und wer das zaghaft bezweifelt ist in den Augen der Gender-Fanatiker bestenfalls ein Antiquierter und schlimmstenfalls ein Reaktionär oder gar ein Rassist und im Zweifel mindestens frauenfeindlich.
Gender ist, um es beim Namen zu nennen, ein pseudowissenschaftliches Unternehmen mit ähnlichen Denkfehlern behaftet wie der „wissenschaftliche Sozialismus“, der bereits unzählige Male gescheitert ist. Gender ist ein Unternehmen, das 20.000 Jahre und mehr Patriarchat mindestens vorübergehend durch die Einführung frauendominanter Strukturen zwecks schlussendlicher Herstellung von Gleichberechtigung aller Menschen, insbesondere der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, die es nach der Gender-Doktrin eigentlich gar nicht gibt, kompensieren will.

[…]

Die Gender-Ideologie kommt nicht als männermordender Feminismus daher. Es ist in Wahrheit viel schlimmer. Butlers permanenter Selbsteinschätzung besonderer Friedfertigkeit, passt zu einer Ideologie, die mit Systemgewalt den Mann aus dem Mann austreiben will. Gender kämpft nicht gegen den Mann, sondern „nur“ gegen dessen Männlichkeit. Gender kämpft nicht gegen den Mann, sondern gegen das Testosteron im Mann, so dass vom Mann nichts übrig bleibt. Weshalb bis in die Kindergärten hinunter, je nachdem wie indoktriniert die Kindergärtner schon sind, die Entmännlichung der Gesellschaft insgesamt und die der Männer und Jungen im Besonderen das erklärte strategische Gender-Ziel ist.
Da die Gender-Ideologie das geltende Recht fatalerweise schon beherrscht, aber noch nicht in der Rechtswirklichkeit sprich in den Köpfen der Menschen angekommen ist, geschweige denn von der Mehrheit durchschaut und als Scharlatanerie entlarvt ist, wäre Aufklärung über Gender und zwar Massenaufklärung das Gebot der Stunde, statt Gender-Apologeten wie Judith Butler derart mit Preisen zu ehren, dass deren Gender-Mission immer weiter und immer hemmungsloser unterstützt wird.

[…]

Quotenfrauen will wohl Niemand und doch ist nicht auszuschließen, dass Quotenregelungen Ebensolche generieren. Letzten Endes aber muss man wissen, dass in Wahrheit der Gender-Druck hinter der Einführung der Quotenregelung bezüglich Großunternehmen steckt, dass also eine Ideologie, die man getrost furchtbar nennen darf, der Quote zum Durchbruch verholfen hat. In Skandinavien, wo es schon 100 Jahre Gender-Politik gab, bevor der furchtbare amerikanische Arzt John Money diesen Begriff erfand, scheint man aus dem Wahnsinn zu erwachen. In Norwegen ist die staatlich mit fast 60 Millionen Euro jährlich subventionierte Gender-Forschung gerade Knall auf Fall quasi wegen erwiesener Scharlatanerie gestrichen worden. Gegen den erbitterten Widerstand der Mainstream-Medien und der Gender-Ideologen, versteht sich. Ein Heer arbeitsloser Genderforscher ist die in Kauf genommene Folge. Im nostalgischen Frankfurt ticken die Uhren offenbar deutlich langsamer.

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-judith-butler-systemkonforme-genderkoenigin-seite-all/7090556-all.html

Röhls Ausführungen zur Quote, deren europaweiter Anordnung für Aufsichtsräte gerade gescheitert ist (Deutschland enthielt sich feige der Stimme), habe ich weggelassen.

Denn viel wichtiger ist es, daß sie hier endlich einmal in die Mainstream-Presse einbrachte, daß diese ganze Gender-Chose, die hunderttausende weibliche Karrieren hervorbrachte und staatliche Millionen in den Sand setzte, auf falschen theologischen Prämissen beruhte und daher rausgeschmissenes Geld, vergebliche Erziehungsbemühungen und eine kontraproduktive Männerverteufelung hervorgebracht hat – natürlich auch die unsägliche Frauenquote: aber das ist ein eigenes Thema.

Im genderbewegten Norwegen hat es ein Komiker vermocht, die Scheinwissenschaftlichkeit von Gender Studies zu entlarven und diesen Wissenschaftszweig ein für allemal zu entsorgen – in unserer Mainstream-Presse war darüber natürlich nichts zu lesen. Da sei die PC vor!

02.09.12

Aus für Gender (mit Updates)

……zumindest für die staatliche Genderforschung des Nordic Institut ab 2012 mit einem ursprünglichen Jahresbudget von 56 Millionen. Wie war das möglich? Ein intelligenter Komiker mit einem Kamerateam stellte Genderexperten einfache Fragen.  Mit ihren Antworten kam eine Lawine ins Rollen…….Hier ist die Geschichte:

Ein Mann, eine Idee, eine Tat.

Harald Eia, mit einem MA in Soziologie und Norwegens bekanntester Komiker, kam nach seinem Studium zu der Erkenntnis, dass die Gendertheorie – nach der Mann und Frau gleich seien und alle Unterschiede ihre Ursache ausnahmslos in gesellschaftlichen Prägungen hätten, und nicht mit den klassischen Wissenschaften wie  Biologie, Anthropologie etc. übereinstimmen. Sein Kommentar: „Ich fühlte mich von meinen Universitätslehrern betrogen“.

Die Idee

Harald Eia’s Idee war es, das „Gender Paradox“ in Norwegen zu hinterfragen. Dieses Paradox besteht in einem Widerspruch zwischen jahrzehntelanger „gendersensibler Erziehung“ zur Gleichheit (hier der norwegische Genderplan) auf der einen Seite und der Berufswahl und Ausbildung in die altbekannten männertypischen und frauentypische Berufe auf der anderen Seite. Ein solches klassische Berufswahlverhalten  hätte eigentlich die jahrzehntelange(!)  Gleichheitserziehung in Norwegen verändern  sollen. Aber: Dieser Unterschied in Norwegen  ist seit langem größer als in vergleichbaren  Ländern mit weniger Frauenförderung und keiner „gendersensiblen Erziehung“. Dieses Paradox, das die Genderforschung nicht erklären konnte, wurde mehr und mehr zu einem Tabu in der norwegischen Öffentlichkeit und einem Problem für die regierende Sozialdemokratie. Das wollte Harald Eia durchbrechen.

Die Tat

Eia organisierte ein Kamerateam und stellte bekannten norwegischen Wissenschaftlern kritische Fragen zur Gendertheorie und stellte deren Antworten jene von international anerkannten Wissenschaftlern klassischer Disziplinen gegenüber. Es waren Fragen über sexuelle Orientierung, Geschlechtsrollen, Gewalt, Rasse und Erziehung. Er tat dies mit fundierten Wissen und einer bewußt naiven, aber humorvollen Fragetechnik. Solche Art von Fragen  waren die Genderwissenschaftler nicht gewohnt. Schon gar nicht kritische Fragen zur Gendertheorie. Viele Interviewte merkten erst danach, was da eigentlich abgelaufen war. Ehe sie sich beschweren konnten, was sie später nachholten, gingen seine Interviews beim staatlichen TV-Sender NRK in der Sendereihe „Gehirnwäsche“ auf Sendung. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Wissenschaft entsetzt.  Vor allem das Feature „The Gender Equality Paradox“ heizte erstmals eine offene Debatte über die skandinavische Genderdebatte an. Zum Video hier. Es ist eins von sieben ausgestrahlten Videos

Dazu wird in der englischen  Pressemitteilung des Europäischen Journalistenverbandes  folgendes Resümee gezogen:

“So even if Eia’s methods have been critisised, there is now a general agreement that the result of this project has been good for both the sciences and society as a whole. For the first time, science is really being discussed. Even if many strange things have been said and written, this has been (and still is) a unique educational process for both the general public and the scientific community.

Ein späteres Ereignis in diesem Zusammenhang war noch sensationeller: am 19.Oktober 2011 erschien eine Pressemitteilung, die die  Schließung des NIKK, Nordic Gender Institute, zum 31.12.2011 ankündigte. Damit war der Förderstopp auch für Genderstudies des skandinavischen Instituts verfügt. Die „Wissenschaft“ der  Genderstudies wurde mit einer einstimmigen Entscheidung des Nordic Council beendet. (Update 2.9.:  Der Coucil begründete seine Entscheidung damit, dass es dem NIKK mit seinen Gender Studies nicht gelungen sei, weder zur wisenschaftlichen Debatte in allen nordischen Ländern bei zu tragen, noch  mit ihrer Arbeit die Brücke zur Gesamtgesellschaft zu schlagen.  Und das in dem „Genderland“ Nr. 2 auf der Welt (nach dem Global Gender Gap Index 2011.) ! Auch der Versuch, die Gender Studies durch sinnvolle Projekte zu ersetzen, wurde von dem Coucil abgelehnt. Obige Pressemitteilung fand zunächst nur in Norwegen Verbreitung. In Deutschland ist sie den Medien bislang gänzlich entgangen, obwohl – oder gerade weil – die Gründe für die Einstellung der skandinavischen Genderforschung auf Einwänden beruhen, die für unser Genderforschung hierzulande uneingeschränkt ebenfalls zutreffen.

http://agensev.de/agens-meint/aus-fur-gender-2/

Hier ein weiterer Artikel zum Thema:

http://genderama.blogspot.de/2012/08/56-millionen-euro-gerettet-komiker.html

Und Deutschland ehrt die Dinosaurierin einer Pseudowissenschaft, die als solche längst entlarvt und dem Untergang geweiht ist. Manchmal überdauert ein Lebenswerk ein Leben nicht.

Adorno würde sich im Grabe umdrehen angesicht der Preisverleihung in seinem Namen an diese unselige Schwätzerin, die pseudointellektuell soviel Haß und Elend legitimiert hat. Meine ich. Broder, der Adorno nicht gelesen zu haben scheint, wie seine zum Allgemeingut gewordenen Zitat-Schnipsel belegen, behauptet natürlich das Gegenteil:

Vieles von dem, das Adorno und Horkheimer geschrieben haben, wirkt heute nicht nur angestaubt, sondern auch pompös und prätentiös. Adornos „Minima Moralia“, lange Zeit der philosophische Ratgeber für alle Lebenslagen, liest sich heute wie eine Sammlung von Sprüchen aus einem Fortune-Cookie: „Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein“, „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Was, wenn doch?

Diesen moralischen Rigorismus, darüber zu verfügen, was für andere gut sein soll, pflegt auch Judith Butler. Insofern hat sie sich den Adorno-Preis redlich verdient. Solange es keinen Paul-Julius-Möbius-Preis gibt.

http://www.welt.de/debatte/article109056853/Warum-Judith-Butler-den-Adorno-Preis-verdient-hat.html

Sein WELT-Kollege Alan Posener sieht die Sache genau andersherum:

Theordor [sic!] Adorno zeigte in seiner „Dialektik der Aufklärung“, wie aus fortschrittlichem unversehens reaktionäres Denken werden kann. Judith Butler illustriert Adornos These geradezu lehrbuchmäßig. Eben deshalb eignet sie sich nicht als Preisträgerin.

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article108993984/Wenn-Schafe-bloeken.html

Broder bewertet Adorno falsch und hält den Preis für Butler daher für richtig. Alan Posener bewertet Adorno richtig und hält den Preis für Butler daher für falsch. Himmel hilf! Dann googelt man herum, weil der Himmel nicht hilft, und gerät unversehens an Vorlesungsgegenstände, deren Inhalation Punkte zur Erringung eines akademischen Grades versprechen, obwohl sich die Veranstaltung eher wie eine intellektuelle Therapie für Liebeskummergeschädigte ausnimmt.

Ich bitte alle Leserinnen und Leser, sich anzuschnallen – so etwas ereignet sich tatsächlich auf Staatskosten und auf Kosten Adornos:

Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität, Berlin

53 820 Du und ich und in_zwischen uns der Kapitalismus – Perspektiven jenseits der

Herrschaftsförmigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen?

2 SWS

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Als vereinzelte Einzelne begeben wir uns in der verwalteten Welt des Kapitalismus auf die Suche nach dem einen Menschen, der uns ganz macht: vom Single zur Romantischen Zweierbeziehung (RZB). „Du und ich – in Ewigkeit (d.h. bis zur nächsten RZB), amen.“ Doch die romantische Liebe, die wir suchen, steht mitnichten außerhalb kapitalistischer und geschlechtlicher Herrschaftsverhältnisse, sondern beruht selbst auf warenförmigen und sexistischen Organisationsprinzipien.

Im Kurs soll die Vermachtung romantischer Liebe thematisiert werden, ohne die ihr zugrunde liegende Sehnsucht nach einem „besseren menschlichen Zustand“ (Horkheimer) zu suspendieren. Anschließend werden wir uns mit alternativen Ansätzen zwischenmenschlicher Beziehungen (z.B. Polyamory) auseinandersetzen und diese kritisch nach ihrem emanzipatorischen Gehalt befragen.

Literatur:

Adorno, Theodor W. (1989): Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt am Main.

Illouz, Eva (2003): Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus, Frankfurt am Main. Fremdgenese (2007): Glück im Unglück. Un/möglichkeiten der romantischen Zweierbeziehung, in: A.G. Gender-Killer (Hrsg): Das gute Leben. Linke Perspektiven auf einen besseren Alltag, Münster, S. 95-113.

 

https://agnes.hu-berlin.de/lupo/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=UeberschriftDetail&publishConfFile=ueberschrift&publishSubDir=ueberschrift&keep=y&publishid=53968&fachrichtung=$fach

Ach, die liebe RZB, wie ist sie nur auf den Hund gekommen… Ich habe in den ›Minima Moralia‹ geblättert und treffliche Zitate zum Thema gefunden. Aber Adornos Worte gehören ja Reemtsma, Geist kann man nämlich kaufen, und wenn ich mehr zitiere als kommentiere, kriege ich es mit seinen Rechtsanwälten zu tun. Man sollte Adorno also wieder selber lesen – dann wüßte man, daß Adorno mit dieser Preisverleihung nicht einverstanden gewesen wäre.

Aber vielleicht lehnt Butler diesen Preis ja auch mal wieder ab nach diesen Scheinquerelen des Feuilletons und der Jüdischen Gemeinde, für deren Repräsentation wohlfeiler Empörungsgestus Bedingung zu sein scheint.

Wer ist eigentlich ihr Laudator? Alice Schwarzer? Die Künast des Alt-Feminismus? Da müßte man freilich Hoffnung hegen, daß der Stadtsäckel 50.000,- sinnlos verpulverte Euro einsparen kann.

Update (10.9.2012)

Die Laudatorin ist Prof. Dr. Eva Geulen von der  Universität Bonn. Das paßt.

http://www.gleichstellung.uni-bonn.de/perspektive_wissenschaft/professorinnen/geulen

Wobei es dann doch verwunderlich ist, daß die gender-erfahrene Professorin im entsprechenden Netzwerk von Nordrhein-Westfalen nicht aufscheint:

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/wissenschaftlerinnen/portrait/

Ob sie um ihre wissenschaftliche Reputation besorgt ist?

 

Die Sache mit dem Sex – dürfen Frauen jetzt doch wollen, was sie wollen?

Versprochen – das hier ist endlich einmal ein rundum erfreulicher, total optimistischer Beitrag, der zu den schönsten Hoffnungen Anlaß gibt. Immer nur kritisieren und lamentieren bringt ja nichts. »Und wo bleibt das Positive?« ist schließlich eine berechtigte Frage.

Die erste gute Nachricht: der Hochsommer fand an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Mai statt – fast schon ein deutscher Rekord. Und wenn auch der eine oder die andere darob ermattet zusamensank,

so reichte doch ein kühler Trunk, der binnen einer guten halben Stunde wieder auf die Beine half.

Heiße Tage, heißes Thema, ein heißes Eisen gar. Nun wird es beherzt angepackt.

Hier hatte ich am 15.5.2012 noch harsch den bevormundenden Feminismus à la Schwarzer kritisiert, der den Frauen die genderpolitisch unkorrekte Lust verbietet und sich maßregelnd in die Beziehungsgestaltung durch Frauen, Ehefrauen und Mütter einmischt:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/05/15/das-private-ist-politisch-anne-sinclair-und-der-bevormundende-feminismus/

Die Frau ist ja immer die größte Kritikerin der Frau…

Damit meine ich jetzt nicht Selbstkritik, das wäre ja mal was. Nein, es geht immer um das Leben der Anderen, denen das eigene Lebenskonzept als überlegen angedient werden soll. Die eigene Biographie – die immer eine Geschichts- und Erinnerungsklitterung ist, die mehr von Selbstermächtigung handelt als von den real existierenden Zufällen, die sie regieren – wird hypertrophiert und als alleinseligmachendes Modell auf den Markt der Eitelkeiten geworfen.

Alice Schwarzer führt dieses Phänomen, das mir sehr wesensfremd ist, mustergültig vor. In EMMA 2/2010 blickt sie auf die fünfunddreißig Jahre zurück, die seit ihrem Bestseller vom »kleinen Unterschied« vergangen sind: und obwohl sie in der Überschrift konstatiert, daß seitdem »viel passiert« sei, stellt sie letztlich fest, daß in der Sexualität letztlich Alles beim Alten geblieben sei und kaum eine Frau ihren höchstpersönlichen Weg der frei gewählten (wenn nicht gar flottierenden) sexuellen Orientierung beschritten habe. Ich greife ein paar Kernsätze heraus:

Doch in jüngster Zeit schlagen Sexualwissenschaftlerinnen wie Margret Hauch vom Hamburger Institut Alarm. Sie stellte fest, dass Frauen aller Generationen zunehmend unzufriedener sind mit dem Sex als Männer. Jede Dritte tut sich gar schwer, überhaupt sexuell erregt zu sein.

Da ist die einschüchternde, mediale Sexualisierung aller Lebensbereiche sowie die epidemische Pornografisierung der Sexualität. Und da sind die neuen Machos aus den alten Machokulturen, die als Platzhirsche unsere „neuen Männer“ an die Wand drücken.

Doch hat diese Entwicklung wirklich das Gebot der Monosexualität erschüttert? Nicht zwingend. Eher im Gegenteil: Sie hat sie verfestigt. Denn heute sind die Menschen zwar nicht mehr zwangsheterosexuell, aber sie sind entweder heterosexuell oder homosexuell. Und es heißt wieder, die „sexuelle Orientierung“ sei angeblich angeboren, zumindest aber irreversibel geprägt.

Sicher, die sexuelle Präferenz mag häufig früh geprägt sein und die jeweilige Neigung eine tiefe Vorliebe – unerschütterlich jedoch ist sie nicht. Das haben nicht zuletzt die vielen heterosexuell lebenden Frauen in den 1970er Jahren gezeigt, die sich im Zuge der „neuen Zärtlichkeit“ plötzlich reihenweise in Frauen verliebten.

http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2010/fruehling-2010/sex-bestandsaufnahme-35-jahre/

So hat sie es nämlich selbst gemacht, und an ihrem sehr individuellem Wesen soll nun mal ganz Deutschland genesen. Das biographische Material erhellt, wie es für sie zu der Spaltung von Sexualität in eine ›zärtliche‹ (zwischen Frauen) und eine unterdrückende/gewalttätige (zwischen Männern und Frauen) kommen konnte. Liebe, Gender, Sexualität und Beziehung sind nur soziale Fragen, über die sich frei entscheiden läßt. Hätte sie sich ohne die Frauenbewegung plötzlich für Frauen als Sexualpartner entschieden? Folgerichtig wird die Biologie in die Pflicht genommen, diese absurde These der freien Wahl zu bestätigen (wobei mal wieder ungenannte Studien Eideshelfer spielen dürfen):

Alice Schwarzer:

Schließlich hat das Liebesmonopol von Männern über Frauen für das starke Geschlecht sehr nützliche Folgen: Im Namen der Liebe neigen Frauen zur Selbstaufgabe, Gratisarbeit und Relativierung ihrer eigenen Existenz.

Bemerkenswert ist, dass auch die Sexualpraktiken wieder schmalspuriger geworden sind. Das belegen Studien: Sex zwischen Frauen und Männern gleich Koitus. Das weibliche Sexualorgan ist bekanntermaßen nicht die empfindungslose Vagina, sondern die Klitoris. Dass Frauen trotzdem Lust empfinden beim Koitus, hat sowohl psychische Gründe (die Vereinigung), als auch physische: Beim Eindringen in die Vagina können die Schwellkörper der Klitoris aktiviert werden.

Soweit die Anatomie. Doch das wichtigste Sexualorgan ist und bleibt der Kopf. Und der scheint bei Frauen noch präsenter zu sein als bei Männern. So empfinden interessanterweise körperlich erregte Frauen keine Lust, solange sie nicht auch begehren. Gar nicht so einfach, das mit der Lust und den Frauen.

http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2010/fruehling-2010/sex-bestandsaufnahme-35-jahre/

Körperliche Erregung soll keine Lust sein? Was denn sonst? Janun. Man kann auch einfache Dinge verkomplizieren. Und komplizierte vereinfachen. Denn wenn der Koitus schon entbehrlich ist, wie die Expertin weiß, dann muß die falsche Lust wenigstens eingehegt, begrenzt und domestiziert werden. Da weiß sie sich einig mit der katholischen Sexualmoral:

Sexualmoral

„Alice Schwarzer könnte Verbündete des Papstes sein“

Aus: Ausgabe 47/2011

Benedikt XVI. hat an die Katholiken appelliert, entschieden gegen Pornografie vorzugehen. Der Moraltheologe Martin Lintner über Würde, Wollust und Weltbild

[…]

Buchtipp: Martin M. Lintner: Den Eros entgiften. Plädoyer für eine tragfähige Sexualmoral und Beziehungsethik. Tyrolia Verlag, Innsbruck 2011. 182 Seiten, 17,95 Euro.

http://www.christundwelt.de/themen/detail/artikel/alice-schwarzer-koennte-verbuendete-des-papstes-sein-1/

Der Eros an und für sich ist nämlich giftig, wie die Kirche (nicht etwa Jesus) schon lange vor dem Feminismus wußte. Wir würden glatt ums Leben kommen, wenn es keine Autorität gäbe, die uns sagen, was wir wie zu tun oder zu lassen haben im Umgang mit dem gefährlichen Tier in uns. Ja, das ist wörtlich zu nehmen: Vormünder wie Kirche und Feminismus bringen einen um das Leben, wenn man sich ihnen beugt…

Doch kommen wir zum versprochenen optimistischen Teil, denn Schwarzers Lebens- und Sexualrezepte taugen nichts für die Mehrheit der Frauen, die sich nun mal nicht in Frauen verlieben, sondern in Männer. Ein Verlieben auf Kommando oder aus höherer Einsicht gibt es nämlich nicht. So will es verteufelterweise die Evolution, die auf Fortpflanzung gerichtet ist und die der Mehrheit der Menschen daher eine eindeutige innere wie äußere Geschlechtszugehörigkeit sowie eine eindeutige Präferenz des gegengeschlechtlichen Partners verordnet. Daß wir Minderheiten, die anders empfinden und begehren, achten und vor Diskriminierung schützen, ist eine der schönsten Blüten der Humanität. Zur Auflösung der höheren Ordnung aber kann und soll diese aktive Toleranz allerdings nicht führen: es ist nicht alles nur ein soziales Konstrukt, an dem man beliebig herumdoktern kann.

Feministinnen wie Julia Seeliger haben Schwarzer denn auch entschieden widersprochen:

Es kann ja sein, dass der Koitus entbehrlich ist und dass er für sexuelle Lust nicht nötig ist. Er schadet aber auch nicht und es ist auch nicht nötig, so sehr dagegen zu hetzen.

Das klitorisfixierte Gerede von Schwarzer nützt nichts und schadet nur. Denn zum einen wird die Orgasmushatz noch größer und das Schweigen nach dem Sex noch kälter. “Wars schön für dich” “Ja klar”. Und zum anderen reißt die Sex-Ideologie Gräben auf, die nicht nötig sind.

Und verstärkt Klischees. Genauso falsch wie das blöde Klischee, das Schwule immer nur Analverkehr haben – in absoluten Zahlen sind da eindeutig die Heteros vorn – ist es auch nicht richtig, dass sich Lesben die ganze Zeit streicheln, BDSM brutal ist und Heterosexuelle immer nur Vaginalverkehr in Missionar- und Hündchenstellung haben. Sex ist vielfältiger als die billigen Klischees, die von Alice Schwarzer verbreitet werden.

[…]

In einer gleichberechtigten Beziehung sollte der Partner oder die Partnerin ein Interesse haben, dass Sex dem anderen auch Spaß macht. Und natürlich ist auch jeder Mensch selbst in der Verantwortung, herauszufinden und zu artikulieren, was gefällt. Nicht gleichberechtigte Beziehungen sollte es nicht geben. Gibt es sie doch, ist das nicht an erster Stelle ein strukturelles Problem mit sexuellen Orientierungen oder biologischen Geschlechtern, sondern ein Problem in der Beziehung, das kommunikativ gelöst werden sollte.

Zwar werden wir allein mit Kommunikation das Patriarchat nicht überwinden. Jedoch kann sie mehr bewirken, als es bislang versucht wurde. Das Private ist doch politisch.

http://seeliger.cc/2011/alice-und-der-sex/

So verstanden stimmt der Satz von dem politischen Privaten natürlich. Welch ein Lichtblick, endlich einmal das Wort von der eigenen Verantwortung zu lesen, die zu einer gelingenden Sexualität auf Augenhöhe führe, und nicht immer nur von patriarchalischen Strukturen, männlicher Hegemonie und maskulinen Privilegien, die es natürlich auch im Bett gebe.

Aber es wird noch besser: begeben wir uns in das dunkle Reich der weiblichen Lust.

Das hat Barbara Sichtermann in ihrem neuen Buch ›Was Frauen Sex bedeutet. Eine Befragung‹ erforscht, das ich hier

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/04/17/frauen-zwischen-schmerzensmannern-frauenquote-und-top-model-was-will-das-weib/

bereits erwähnte. Wer hätte das gedacht, daß dieses befreiende Werk in feministischen Kreisen auf warme Aufnahme stößt? Ich jedenfalls nicht. Und so wurde ich von Antje Schrupps positiver Rezension nicht nur kalt erwischt, sondern auch in gute Laune versetzt:

Ohne jede Moral: Was Frauen Sex bedeutet

Frauen und Sex ist ein mühsames Thema, vor allem weil es normalerweise nie diskutiert wird, ohne die Antwort mit den Männern zu vergleichen: Wollen Frauen seltener Sex oder genauso oft? Wollen sie “kuscheligeren” Sex oder ist das nur anerzogen?

Wunderbar anders geht Barbara Sichtermann an das Thema heran. Sie lässt sieben Frauen ihre Geschichte erzählen und verpackt das Ganze in Romanform: Ihre fiktive Ich-Erzählerin soll Frauen für eine sozialwissenschaftliche Studie zum Thema Sex befragen und gibt dabei nichts vor, sondern lässt die Interviewpartnerinnen einfach frei erzählen, was ihnen dazu einfällt.

[…]

Die Geschichten sind individuelle Geschichten, die Ansichten und Erfahrungen der Frauen unterscheiden sich stark, widersprechen sich teilweise krass, Gemeinsamkeiten finden sich eigentlich kaum, wenn man die äußeren Fakten ihres Umgangs mit Sexualität betrachtet oder ihre Einstellungen dazu.

Aber gerade deshalb tritt das, was sie gemeinsam haben, umso frappierender zu Tage: Und das ist die vollständige Abwesenheit jeglicher Moral. Das ist ein sehr interessanter Befund, denn schließlich hat man das den Frauen doch lange zugeschrieben – dass sie moralisch wären, gerade im Bezug auf Sexualität. Doch das sexuelle Begehren scheint sich, auch wenn es sich bei jeder Frau völlig anders äußert, genau nicht in konventionelle Beziehungsformen leiten zu lassen, selbst bei den Frauen nicht, die dieses Bild nach außen aufrechterhalten. Das Begehren folgt einer anderen Logik, es überwältigt, schmeißt Konventionen um, ist unverfügbar, bringt Dinge durcheinander.

[…]

Barbara Sichtermann: Was Frauen Sex bedeutet. 183 S., Brandes & Apsel, Frankfurt 2012, 17,90 Euro.

http://antjeschrupp.com/2012/05/15/ohne-jede-moral-was-frauen-sex-bedeutet/

Ja, die Liebe ist eine Himmelsmacht und die Lust ein reißender Strom. Wie schön, daß das Leben selbst sich endlich wieder in den Vordergrund schiebt, fernab von schablonenhaften Betrachtern. Antje Schrupp deutet sogar an, was das eigentliche Problem mit der Sexualität ist: die Unlebbarkeit von Monogamie, soweit sie mit sexueller Treue gleichgesetzt wird. Denn ach, die Attraktion schwindet, und was macht ein Paar dann, das dennoch zusammenbleiben will? Davon wußte schon Schiller, der zwei Schwestern liebte und eine Ehe zu dritt präferierte, ein Lied zu singen:

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
Lieblich in der Bräute Locken
Spielt der jungfräuliche Kranz,
Wenn die hellen Kirchenglocken
Laden zu des Festes Glanz.
Ach! des Lebens schönste Feier
Endigt auch den Lebensmai,
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
Reißt der schöne Wahn entzwei.
Die Leidenschaft flieht!
Die Liebe muß bleiben,
Die Blume verblüht,
Die Frucht muß treiben.

(aus: Das Lied von der Glocke, 1799)

Mit diesem Problem schlägt sich auch die Menschheit im 21. Jahrhundert noch herum, und so erscheint es schon als Fortschritt, wenn die allen Konventionen trotzende weibliche Sexualität ›ohne Moral‹ in den Blick gerät. Das ist allemal besser als das biedermeierliche Opfergeschrei betrogener Frauen, die auf Exklusivität pochen und in den Medien dankbare Abnehmer für Herz-Schmerz-Stories finden; und das, obwohl die Fremdgehquote von Männern und Frauen, soweit sie eingestanden wird, laut einer aktuellen SPIEGEL-Studie nicht gerade himmelweit auseinanderliegt. 47% zu 38%. Die Dunkelziffer dürfte nicht nur weitaus höher sein, sondern auch ein relativ ausgeglichenes Verhältnis aufweisen.

Der Gründer des Seitensprung-Portals ›Ashley Madison‹, Noel Biderman, hat ein paar goldene Sätze zu diesem Menschheitsthema, das ja schon in der Bibel vorkommt, von sich gegeben:

Biderman: Unsere Gesellschaft sollte weniger Wert auf Monogamie legen. Studien zeigen, dass Scheidungsraten für offene Ehen viel niedriger sind. Wer freier atmet, sich weniger einsam fühlt, mehr lacht und mehr Sex hat, ist ein glücklicherer Mensch. Und nörgelt vielleicht weniger. Moderne Beziehungen haben so viele Ansprüche: Du musst vertraut und aufregend sein, durchgeknallt, romantisch und zuverlässig, ein guter Vater, bester Freund und weltbester Liebhaber. Es kann sehr befreiend sein, nicht alles gleichzeitig für seinen Partner sein zu müssen.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/noel-biderman-plant-seitenspruenge-und-ist-chef-von-ashley-madison-a-830225.html

Streben wir nun dem absoluten Höhepunkt der Aufklärung über die weibliche Sexualität zu: die lieferte der STERN 20/2012 vom 10.5.2012 mit seiner Titelstory: ›Mach mit mir, was ich will. Warum selbstbewusste Frauen von einer anderen Sexualität träumen.‹ An der linken Schulter der wollüstigen Frau mit Schmollippen prangte ein kleines STERN-Logo mit dem angeschlossenen Spruch: ›So sieht’s aus, Männer: wo ich bin, ist oben.‹ Will meinen: auch wenn ich mich unterwerfe, ist es meine Lust und mein Orgasmus. Denn eigentlich ist dem Blatt und seinen Journalistinnen das Thema zuwider. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber manchmal muß man eben auch als meinungsstarke Journalistin das real life zur Kenntnis nehmen, wenn die Chefs das verordnen.

Sage und schreibe sechs Journalistinnen haben an diesem Text der Titelstory gearbeitet: Christine Kruttschnitt und Carla Woter habe den Artikel geschrieben, Ulrike von Bülow, Irmgard Hochreither, Andrea Ritter und Stefanie Wilke haben recherchiert – es geht um Fessel-Sex, Gewalt, Kontrollverlust, Hingabe, Genuß. Eine Immobilienmaklerin, eine Beamtin, eine Lehrerin, eine Anwältin und eine Informatikerin kommen zu Wort, die Männer für einen ONS ›aufreißen‹, SM-Szenarien lieben, gewaltfrei dominiert werden wollen, Gäste ins ›Spielzimmer‹ hinzubitten, einen bisexuellen Mann zum Freund haben, dem sie zusehen, wenn er mit einem Mann zusammen ist – ›gefesselt‹, ›verspielt‹, ›hemmungslos‹ ›wehrlos‹ und ›mädchenhaft‹, so werden sie vorgestellt.

Nach dem feministisch daherkommenden Puritanismus-Export liefern die USA nun also einen neuen Trend, meinen die Autorinnen beklommen:

In Amerika feiert derzeit der pornografische Roman „Fifty Shades of Grey“ [von E. L. James] einer englischen Hausfrau und Mutter einen beispiellosen Erfolg – ein Buch, das von der Begeisterung einer jungen Frau für einen gewalttätigen Geschäftsmann und dessen sado-masochistischen Praktiken handelt. Mit diesem Buch wird im Sommer auch die Diskussion um feminine Unterwerfungsrituale nach Deutschland kommen.

(STERN 20/2012, S. 104).

Und so weichen sie erst einmal auf das harmlosere Thema der sexuellen Phantasie aus:

Bei Bettina Fürst ist es wie bei anderen auch: Ob auf Knien oder gegen die Wand, ob mit Fremden oder mit George Clooney, mit mehreren Männern und/oder Publikum – der beste Sex findet erstmal im Kopf statt.

Die Kurve ist genommen, wenn auch auf Kosten der zuvor präsentierten freien Frauen, die das leben, was nun als Phantasie abgehandelt wird. Puh, Schweiß auf der Stirn. Dann pirscht man sich an das Thema heran, indem man eine Kubanerin namens Jimena Martinez sagen läßt:

»Deutsche Frauen haben Angst davor, dass etwas sexistisch sein könnte. Ständig hinterfragen sie sich: Bin ich zu sehr Weibchen? Lasse ich mich als Objekt behandeln? Wenn man sich ständig selbst beobachtet – dann ist man doch nicht emanzipiert?«

Aha, da haben wir also nur ein deutsches Nationalproblem, das eine feurige Kubanerin selbstverständlich nicht hat. Das feministisch-ideologische Über-Ich, das viele Frauen hemmt, sich nach gusto gehen zu lassen, und viele Männer verunsichert, ob und wie man heutzutage denn noch flirten soll, ist damit elegant entsorgt. Aber es kommt noch besser: die hemmungslos leidenschaftliche Überwältigung, die Männern gern eine Anzeige wegen sexueller Nötigung beschert, wird durch die gleichartige Handlungsweise einer Frau zum Erweckungserlebnis:

Für Carola Struve war eine Frau das Schlüsselerlebnis. „Von einem Mann bin ich noch nie so krass angemacht worden wie damals von Hanna. Sie hat mich an der Garderobe gekrallt, mich an die Wand gedrückt, eine Hand an meiner Kehle. Einem Kerl hätte ich sofort eine gescheuert. Von ihr habe ich mich direkt auf die Toilette ziehen zu lassen. Ich war total überwältigt. Ich mochte das.“

Inzwischen spielt sie solche Situationen mit ihrem Freund durch. „Einer Frau konnte ich mich ausliefern. So habe ich entdeckt, dass mir Machtlosigkeit gefällt. Auch mit Männern. Als Spiel.«

(STERN 20/2012, S. 104f.)

Ja, die Autorinnen ringen sich sogar dazu durch, die Frage zu stellen, warum männliche Kunden von Dominas nie mit der Unterstellung konfrontiert werden, daß sich hierin ein typisch männliches Bedürfnis nach Unterdrückung äußere. In derlei kniffligen Lagen fragt man doch am besten einen Experten, hier die feministische Psychologin Marta Meana, die über diesen ›politisch unkorrekten Reiz‹, dem 30 – 60 % aller Frauen frönen sollen, folgendes sagt:

„weibliche Lust“ drücke sich laut ihren Studien am besten in folgendem Szenarium aus: von einem Mann in einem Hauseingang fast aufgefressen zu werden, ohne Rücksicht auf Zeugen, unter Wegfall sämtlicher Manieren. „Was Frauen wollen, ist ein echtes Dilemma: solchen Typen begegnen, aber nicht wirklich in Gefahr sein. Sie wollen einen Höhlenmenschen, der Rücksicht nimmt.

(STERN 20/2012, S. 106)

Unsere Autorinnen plagt das ideologische Über-Ich so sehr, daß sie an dieser Stelle noch einmal die Warntafel aufstellen:

Nun begehrt die weibliche Seele in ihrem tiefsten Inneren das, was schon der Höhlenmann wusste: „Stell dich nicht so an, du willst es doch auch!“ Oder? Nein! Nein heißt NEIN, immer und für alle Zeiten.

Bis SIE es sich anders überlegt jedenfalls. Denn leidenschaftlich begehrt zu werden ist der größte Kick.

Mit dem Feminismus, der den STERN seit vielen Jahren unterwandert hat, haben es sich die Autorinnen also nicht verdorben, und so können sie das interessante Detail liefern, daß das partnerschaftliche Verhältnis nicht die primäre Quelle weiblicher Lust sei, und daß Frauen in langjährigen Beziehungen schneller das Interesse am Sexualpartner verlieren als umgekehrt. Wie schon gesagt, die falsch verstandene Monogamie ist das Problem…

Aber dann sinkt der Artikel wieder auf typisches STERN-Niveau, wenn die Autorinnen sich vor den Talkshows gruseln, die nach Erscheinen des Buchs ›Shades of Grey – Geheimes Verlangen‹ Band 1, im Goldmann-Verlag im Juli zu erwarten seien.

Man kann sich schon die Talkshowrunden ausmalen, besetzt mit alarmierten Feministinnen und Psychologen, die darüber rätseln, weshalb Frauen gerade heute, da sie so intensiv an der Glasdecke kratzen, sich nach den Primaten sehnen.

Die Frauen sind immer noch zu bevormundende Geisteskranke und die Männer Tiere. Das alte feministische Klischee, das ohne Opfer und Feinde nicht existieren kann.

Dann noch ein paar Worte über den im Mainstream angekommenen BDSM-Schick, und schon werden in der Schlußkurve alte feministische Glaubenssätze in Stein gemeißelt, mit einer Frauke Werner aus Hamburg als Eideshelferin:

„Es kann sein“, sagt sie mit tapferem Lächeln, „dass es mal puff macht, so in 10, 15 Jahren, und dann finde ich ihn. Ich bin eben doch ein Scheißromantiker.“

(STERN 20/2012, S. 107)

Denn eigentlich, so wollen es die Axiome des Feminismus’, können Frauen Liebe und Sex nicht trennen, das können nur Männer, die daher auch keine Probleme haben, ihre Bedürfnisse bei Prostituierten zu befriedigen. Die im STERN interviewten Frauen behaupten das Gegenteil, und jede unkonventionell lebende Frau weiß, daß es Lust ohne Liebe gibt. Liebe ohne Leiden allerdings nicht…

Unsere Autorinnen machen es sich leicht: Zynismus und Beton sind nicht die Mittel, mit denen man solchen Lebensthemen begegnet. Aber offenbar waren sie froh, diese Pflichtaufgabe der Chefredaktion erledigt zu haben, ohne es sich mit ihresgleichen zu verscherzen. Sie agieren ja in einem stickigen Milieu der Mittelschicht, in dem man sich Freiheit verbietet und das auch noch ideologisch verbrämt. Das ist nicht emanzipiert, wie die reizende Kubanerin angemerkt hatte. Aber das Ducken unter der ideologischen Knute ist ja schon in Fleisch und Blut übergegangen… So also schließen unsere Autorinnen folgerichtig:

Aaah, die kühnste aller Frauenfantasien: wahre Liebe. Und der Vollständigkeit halber noch die wichtigste: Lohn- und Chancengleichheit. Das will das Weib.

Das ist nun wirklich voll daneben: wahre Liebe existiert genauso wie Lohn- und Chancengleichheit. Haben die Autorinnen auch unzulänglich gearbeitet, so ist es doch zu loben, daß man mal auf zwölf Seiten im STERN darüber, über die wahre Wildheit und Unkorrektheit weiblicher Sexualität, geredet hat.

Und nicht minder hat mir gefallen, daß der hervorgehobene Leserinnenbrief zu diesem Artikel im STERN 21/2012 von Sabine Kowalski aus Hamburg so lautete:

Es ist mir unbegreiflich, wie es heutzutage noch verwunderlich erscheinen kann, dass eine selbstbewusste Frau sich beim Sex gern unterwirft oder dass eine scheinbar schüchterne Frau im Bett den Ton angibt. Das hat weder mit Gewaltverherrlichung noch mit Emanzipation zu tun, sondern mit individuellen menschlichen Bedürfnissen.

So einfach kann Wahrheit sein. Aber das müssen Scheuklappen-Ideologinnen, die das Leben in seinen individuellen Façetten vor lauter Gender-Theoretisiererei nicht mehr in den Blick nehmen wollen, erst auf die harte Tour lernen. Schade, daß so viele Journalistinnen nicht mehr frei denken können. Daher in Großbuchstaben:

ES GIBT KEINEN POLITISCH KORREKTEN SEX. SEX IST INDIVIDUELLE FREIHEIT.

Es gibt nur Lust, die sich zu allen Zeiten nichts vorschreiben ließ. Alle Umerziehungsprogramme, ob sie Männer betreffen oder Frauen, sind zum Scheitern verurteilt. Es ist mehr Biologie im Spiel, als die Umerzieher wahrhaben wollen. Sie richten nur Schaden an.

Das Sahnehäubchen meines optimistischen Artikels ist der Passus eines Interviews mit der Sexologin (ja, da macht man Scheine und ein Examen und ist dann Expertin!) Ann-Marlene Henning.

Was Frauen wollen

Geschrieben von  Sigrun Friederike Priemer,

„Frauen wollen eingenommen werden“, sagt Sexologin und Psychotherapeutin Ann-Marlene Henning. Ein Gespräch über Männer und die Frage, was Frauen wirklich wollen.

Typisch Mann – gibt es das?

Es gibt im Wesentlichen zwei Sorten von Männern. Solche, die sich ihrer Männlichkeit sehr bewusst sind und sich damit wohl fühlen, und andere, unsichere Männer, die sich selbst noch nicht gefunden haben.

Der typische moderne Mann ist eher unsicher. Er denkt, ich will doch nett sein, ich will auf die Bedürfnisse meiner Partnerin achten. Solche Männer kommen in die Praxis, weil ihre Partnerinnen es möchten. Liebevolle Männer, die kommunizieren, die weinen können, die ihre Frau lieben, die aber deshalb ihre Frau sexuell nicht einnehmen können: sie empfinden ihre stoßende Männlichkeit, ihre bestimmende Männlichkeit, als negativ.

Aber genau das ist das Problem.

Der eigentliche Unterschied zwischen Mann und Frau besteht für mich nämlich darin, dass der Mann penetrierend ist. Er kann und sollte stoßen! Er kann eine Frau einnehmen. Nicht im bösen, sondern weil er ein Bedürfnis danach hat und weil Frau es auch möchte. Sie ist ja das Gegenstück zu ihm, sie möchte ihn in sich aufnehmen, ihn entgegennehmen. Wissenschaftler sprechen sogar von einem „Zelteffekt“ bei der Frau: Wenn sie sexuell erregt ist, zieht sich ihre Gebärmutter etwas nach oben, was von vielen Frauen als Bedürfnis empfunden wird „ausgefüllt zu werden“.

http://www.menscore.de/sex-orgasmus/sex/item/151

Soweit sind wir nämlich schon gekommen: daß die durch alberne akademische Diskurse, deren Täter-Opfer-Abklatsch es in den medialen Mainstream geschafft hat, in manchen Milieus geschaffene Verunsicherung bereits Natur ausgetrieben hat? Da schämen sich Männer wegen des natürlichen Akts, der ihnen die aktive Rolle zuschreibt, und Frauen müssen verleugnen, daß sie Hingabe genießen?

Ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

Laßt uns Menschen doch einfach in Ruhe und moralisiert nicht, ihr Medienschaffenden und Ideologen. Das wäre doch die Lösung eines gar nicht existierenden Problems…