Jenseits des Protokolls: eine Rezension des Bettina Wulff-Buchs

Schwierig schwierig. Ist es überhaupt möglich, das Buch zu rezensieren, wenn das Gerede über das Buch kaum noch auszublenden ist? Kann es überhaupt noch rezensiert werden, ohne die PR drumherum, die angestrebte und die tatsächlich entstandene, immer mitzulesen?

Eines der giftigsten Elemente in der publizistischen Verwertungskette hat mal wieder Alice Schwarzer produziert: nicht nur, daß sie am 11.9.2012 auf ihrem Blog eine uneingeschränkte Verteidigung von Bettina Wulff, dem Medien-, Google- und Gerüchteopfer sexistischer Politiker und Internetmobber, ablieferte, um dann am 17.9.2012 für den STERN wunschgemäß eine Hinrichtung zu schreiben.

Näheres hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/09/23/jenseits-von-gut-und-bose-bettina-wulff-die-medien-und-das-internet/

Nein, jetzt brachte sie auch noch einen Emma-Titel heraus, der ermüdenderweise wiederum ihrem hochkatholisch-sittenstrengen Kreuzzug gegen die Prostitution gewidmet ist.

Kann Prostitution wirklich freiwillig sein?

lautet ihre rhetorische Frage auf der hautfarbenen Titelseite. Da lediglich zwei Aussteigerinnen, die sich freiwillig bei ihr gemeldet haben, interviewt werden, ist das Ergebnis dieser extrem repräsentativen Feldforschung absehbar.

Links oben auf dem Titel lächelt Bettina Wulff, im Heft selbst wird Schwarzers STERN-Artikel leicht variiert recycelt.

Die Entblößung der Bettina Wulff

Mit ihrem Buch „Jenseits des Protokolls“ hat Bettina Wulff sich nicht unbedingt einen Gefallen getan. Sie sagt bittere Wahrheiten, aber liefert neue Angriffsflächen.

Es gibt viele gute Gründe, mit Bettina Wulff solidarisch zu sein, angefangen bei den Rotlicht-Gerüchten bis hin zu der Häme so mancher der jetzigen Kommentare. Schade nur, dass sie die nun selber zunichte macht – mit der Veröffentlichung ihres Buches. Der Wiederherstellung der Ehre von Bettina Wulff dient das nicht, im Gegenteil: Die indiskrete Plapperei der ehemaligen First Lady bestätigt den schon vor dem Eklat um Hauskredit und Luxusurlaube dämmernden Verdacht, dass das Ehepaar Wulff die falsche Besetzung war für Schloss Bellevue.

http://www.aliceschwarzer.de/publikationen/aliceschwarzer-artikel-essays/die-entbloessung-der-bettina-wulff/

Netter Nebeneffekt: irgendwann wird bei der Google-Suche unter den Begriffen, gegen die die Buchautorin eine von Alice Schwarzer beklatschte Klage erhoben hat, auch die EMMA auftauchen. Die kostenlose Werbung nimmt man doch gerne mit.

Ich versuche trotz der Hintergrundgeräusche eine Rezension und fange mit der Bestimmung des Genres an: es handelt sich um eine autobiographische Streitschrift, daran lassen die rahmenden Texte »MAMA, HABT IHR GELOGEN?« (S.7 – 9) und »MAMA, ARBEITEST DU EIGENTLICH SCHON IMMER ALS PR-FRAU?« (S. 215 – 217) sowie die Widmung »Für meine Familie« keinen Zweifel. Der Ton ist kämpferisch, das Ziel ist klar:

Wenn es mir egal wäre, dass Leute Gerüchten über meine Person Glauben schenken, wenn es mir egal wäre, dass diese Menschen auch meinen, ich würde bewusst ständig nach einem Profit für mich und meine Familie suchen und ich eine oberflächliche, luxusverliebte und auf Glamour erpichte Frau sei, dann würde ich einfach alles auf sich beruhen lassen und kein weiteres Wort darüber verlieren. Aber es ist mir nicht egal, was Menschen über mich denken beziehungsweise dass in ihren Köpfen möglicherweise ein Bild über meine Person herumspukt, welches mir selbst absolut fremd ist. […] Ich möchte, dass die Menschen mich so sehen, wie ich bin: als eine ziemlich normale Frau und Mutter, die ihr Leben so leben möchte, wie sie es will, und nicht, wie andere es von ihr erwarten. Und die sich verantwortungsvoll für andere, vor allem eben auch für die eigenen Kinder, und für Themen einsetzt, die ihr wichtig sind. So einfach ist das eigentlich …

[S. 9]

Wenn es so einfach wäre – man muß schon PR studiert haben, um glauben zu können, man könne mittels Schrift, Interview, Fotos und Fernsehpräsenz das Selbstbild gegen mediale Fremdbilder durchsetzen. Mit diesen Mitteln läßt sich zwar für eine Sache streiten, aber Kontrolle über Sympathie, Antipathie, Empathie, Projektionen und Phantasmen Dritter über die eigene Person gewinnt man damit nicht. Und wer kann sich sicher sein, ob das eigene Selbstbild überhaupt richtig ist? Denn der Konflikt, der Bettina Wulffs Leben durchzieht, wird bereits in dieser kurzen Passage angesprochen: einerseits will sie nicht so leben, wie andere es von ihr erwarten. Andererseits ist es ihr nicht egal, was andere, weit entfernte Unbekannte, über sie denken. Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Freiheit beginnt erst, wenn es einem egal ist, was Unbekannte von einem denken.

Und so ist dieses Buch tatsächlich eine hochinteressante Studie über das Leben einer »ziemlich normalen«, wenig intellektuellen modernen Frau, die zwischen emanzipatorischen Ansprüchen an sich selbst, Erwartungen Dritter, den Rollenspielen, die sowohl die Politik als auch  die Medien abverlangen, und Beruf & Familie laviert und bis zur Erschöpfung an ihrer Selbstoptimierung arbeitet. Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung lautet folgerichtig ihr zukünftiges Ziel (S. 211).

Ich werde versuchen, es selbst zu bestimmen, wie viel ich von meinem Leben preisgebe und zeige und was ich der Öffentlichkeit entziehe, weil mein Leben einfach nur mein Leben ist.

[S. 213]

Doch im Moment ist Offensive angesagt, und da wird naturgemäß erst einmal gezeigt.

Sprachliche Höhenflüge waren von vorneherein nicht zu erwarten; nicht nur, weil mit Nicole Maibaum eine Ghostwriterin ausgewählt wurde, die Liebes-Ratgeber und Bücher über Kinderhilfsprojekte und starke Frauen für die Schauspielerinnen Veronica Ferres und Iris Berben geschrieben hat; die Autorin Wulff selbst ist keine brillante Rhetorikerin, wobei das Buch auf zahlreichen Interviews mit ihr basiert – die stilistische Nähe zur mündlichen Rede ist womöglich zur Erhöhung der Authentizität gewollt, nervt allerdings selbst den geneigtesten Leser: zu viel Jugendsprech, zu wenig Lektorat, und wer wie ich eine Allergie gegen die Formulierung »ein Stück weit« hat, sei vor den Risiken und Nebenwirkungen dieses Gemeinschaftswerks gewarnt. Es hat dem Buch sprachlich nicht gutgetan, daß sein Erscheinen zwei Monate vorgezogen wurde. Hier, als pars pro toto, zwei Beispiele für mißlungene Formulierungen, beide auf S. 82:

Wir schreiben uns Briefe, ganz klassisch noch mit Stift und auf Papier und schicken sie dann per Post los.

Was könnte man sonst mit einem Stift beschriften, wenn nicht Papier? Wer sollte einen klassischen Brief transportieren, wenn nicht die Post? Es fehlt, neben einem Komma, nur noch die Erwähnung von Briefumschlag und Briefmarke, dann wäre die Redundanz komplett…

In Berlin habe ich nie diese Orte gefunden, wo ich einmal wirklich durchatmen und abschalten konnte, nur ich war, wo ich mich nicht beobachtet fühlte, kontrolliert und mit dem Auftrag zu funktionieren, aber in Storkow stellte sich genau diese innere Gelassenheit und Ruhe ein.

Einen Sinn hat dieser Satz nicht. Es ist zwar eher unwahrscheinlich, daß das Buch angesichts der Erstauflage von 100.000 Exemplaren eine 2. Auflage erleben wird; für diesen Fall sollte jedenfalls eine bearbeitete Fassung vorgelegt werden, die die schlimmsten Sprachunfälle abräumt. Nett wäre auch die Klärung von Unstimmigkeiten: befindet sich im Schloß Bellevue nun eine Zweizimmerwohnung (S. 55) oder eine 60 qm große Dreizimmerwohnung (S. 63)?

Das Buch soll also entblößend sein, indiskret, voyeuristischen Bedürfnissen dienend?

Das kann ja wohl nicht ernstgemeint sein. In jeder nachmittäglichen Talkshow gibt es mehr Seelenstriptease als in diesem Buch. Tatsächlich ordnet sich in ›Jenseits des Protokolls‹ jede private Mitteilung, fein säuberlich sortiert, dem erklärten Programm unter, die gehässigen Gerüchte und Unterstellungen, die medialen Bilder von ihr, die ihrerseits jegliche Diskretion vermissen ließen, zu widerlegen. Bettina Wulffs Buch spiegelt geradezu symmetrisch das Niveau wider, auf dem ihr begegnet wurde.

Wie kann sich eine junge Frau in einen Mann wie Christian Wulff verlieben?

wiederholt sie auf S. 11 die Klatschfrage des Boulevards und der mißgünstigen Politikerkollegen ihres Mannes, die natürlich so beantwortet wurde: die hat sich einen Promi geangelt. Dagegen setzt sie Kurzbeschreibungen ihrer vorangegangenen Beziehungen: keiner dieser Männer war reich oder prominent, und warum sollte sie mit Mitte dreißig mit dieser männermordenden Jagd anfangen? Darum im Kapitel »MEIN MANN« die ausführliche Darstellung des Kennenlernens ihres Mannes im April 2006, das durch einige Zufälle begünstigt wenn nicht gar ermöglicht wurde – Bettina Wulff kennt die Internet-Gerüchte und Presseberichterstattungen sehr gut, die ein Kennenlernen zu einem früheren Zeitpunkt in ganz anderen Zusammenhängen insinuieren. Daher auch die Ausführungen zum spießigen Image von Christian Wulff, und wie sehr sie die auch von ihr zunächst abstrakt geteilte Skepsis ihrer Freundinnen Josefine und Stephanie fürchtete, als sie ihnen den neuen Mann an ihrer Seite ›beichtete‹ (S. 85f.).

Was soll daran indiskreter sein als die Zumutungen und Insinuationen des Boulevards? Wie kommt Jürgen Dahlkamp im SPIEGEL 38/2012, S. 34 auf die Idee, hier lägen das Amt entwürdigende ›Enthüllungen‹ vor, wenn Bettina Wulff über die Einschränkungen spricht, die ein von Bodyguards bewachtes Leben auslösen? Walter Kohl darf über derlei verstörende und familienzerstörende Kindheitsverhältnisse schreiben, eine Ehefrau und Mutter nicht?

By the way: demokratisch gewählte Politiker sind Menschen aus Fleisch und Blut, und wenn das Amt endet, dürfen sie auch wieder Menschen sein (eigentlich sollte es uns lieber sein, wenn sie auch zwischendrin Menschen blieben, aber die mediale Dauer-Belauerung und das Niveau der politischen Auseinandersetzung zwingt offenbar zur Schutzpanzerung und Selbstaufgabe – das Buch von Bettina Wulff führt bestens in diese gnadenlose Welt ein). Das Motto des englischen Königshauses: ›Never complain, never explain‹ gilt nicht für demokratisch gewählte Politiker – und schon gar nicht für deren Familienangehörige. Und heutzutage nicht einmal mehr für Royals, die von rüden Paparazzi in vermeintlicher Privatheit befindlich abgeschossen werden.

Bettina Wulff plappert?

Auch das ist eine symmetrische Antwort auf das Plappern des Boulevards, das sich endlos lang an Äußerlichkeiten wie Tattoo und Bekleidung der First Lady abarbeitete.

In der Zeit in Berlin, als Frau des Bundespräsidenten, war ich doch das eine und andere Mal sehr überrascht, welche Bedeutung Banalem beigemessen wird. Dass selbst unwichtigste Dinge für Schlagzeilen in der Presse sorgen …

[S. 101]

Und so gibt es dann eben auch das Kapitel ۛDAS TATTOO‹ (S. 103 – 111) über die Tätowierung, Garderobe, die Schuhe etc., das, zusammen mit den Ausführungen über Leihgaben deutscher Modehersteller (S. 161f.) als Gegenentwurf zu dem Geraune und Gequatsche der Presse angelegt ist. Natürlich ist Mode ein Statement, natürlich ist Mode Repräsentation, natürlich ist das ein Thema – wie sehr, beweist der aktuelle STERN 40/2012 vom 27.9.2012, dem ein Modeheft Herbst/Winter 2012 beigelegt ist:

Politik und Pose

Nichts wirkt schneller als der äußere Eindruck: Die Schauspieler Jan Josef Liefers und Anna Loos zeigen, wie glanzvoll Wahlkampf aussehen kann

In dem dazugehörigen Artikel von Dirk van Versendaal:

Herrschende Mode

Das Outfit von Politikern wird immer wichtiger. Jedes Hemd, jeder Anzug sendet Botschaften

wird den »Botschafterinnen des guten Stils«, Bettina Wulff und Stephanie zu Guttenberg als »Antwort auf Carla Bruni und Michelle Obama«, richtiggehend nachgetrauert. Wer plappert hier? Dagegen sind die Informationen, die Bettina Wulff zur Garderobewahl am Tag des Rücktritts gibt, doch wahre Erleuchtungen:

Es sollte etwas Schlichtes sein, nicht zu edel und aufgesetzt. Es sollte etwas sein, in dem ich mich sicher und wohlfühle. Die Fassade mußte stimmen, das Innenleben ging keinen etwas an. Ich wollte mich als starke Frau präsentieren. Schnell fiel meine Wahl auf eines meiner Lieblingskostüme von Rena Lange. Im Grunde ein ganz klassisches schwarzes Ensemble mit Rock und kurzer Jacke, an den Rändern in Weiß gearbeitet.

[S. 197]

Wie ist das Selbstbild von Bettina Wulff denn nun beschaffen, das sie dem medialen Zerrbild der Glamour-Frau, die einen biederen Politiker ins Unglück stürzt, entgegenhalten will?

Auffällig ist, wie oft sie betont, eine selbständige, eigenständige, emanzipierte Frau zu sein, die ohne eigenen Beruf nicht leben könne:

Ich merkte, dass ich durch die Arbeit eine bessere, ausgeglichenere Mutter war

[S. 18]

die dann aber dennoch sehr plastisch die Mühen schildert, die den Alltag einer alleinerziehenden Mutter mit einer 80-Prozent-Stelle prägen.

Ja, ein Studium muß schon sein, das gehört zur Emanzipation dazu, aber leicht fiel es ihr nicht: zwar schloß sie es nach 10 Semestern mit allen Scheinen ab, schrieb aber die entscheidende Diplomarbeit nicht (S. 163). Durch bezahlte Arbeit ernstgenommen zu werden und ökonomisch unabhängig zu sein, ist wichtig. Aber Karriere?

Natürlich wollte ich arbeiten, natürlich wollte ich einen tollen Job, aber ich wollte nicht nur und nicht zwingend Karriere machen. Seltsamerweise glaubt einem dies ja heute kaum einer, wenn man es sagt. […] Warum ist das so? Warum meinen immer alle, dass man wie selbstverständlich nach großem beruflichen Erfolg strebt?

[S. 116 f.]

Als sie eine Halbtagsstelle nach der Geburt des ersten Sohnes hat und der Kindesvater als wenig erfolgreicher selbständiger Makler mit unstrukturiertem Tagesablauf in der Ernährerrolle ausfällt, macht sie Schluß:

Nicht zu wissen, ob überhaupt und wenn ja, wie viel er zur Miete, zu den Kosten für die Lebensmittel, einfach zu unserem Lebensunterhalt beisteuern kann, hat mich belastet. Permanent hatte ich das Gefühl, dass alles an mir hängt, dass ich bloß nicht krank werden darf, sondern immer perfekt performen muss, um den gesamten Laden zu schmeißen.

[S. 17]

Hätte eine wirklich emanzipierte Frau nicht vorgeschlagen, eine Vollzeitstelle zu übernehmen, während der Mann in der Zeit einer beruflichen Krise sich vorrangig um das gemeinsame Kind kümmert?

Ihre Überlegungen vor der Entscheidung zur Kandidatur ihres Mannes für das Amt des Bundespräsidenten:

Doch mich beschäftigte das Wissen, dass ich dafür meinen Job und somit einen Großteil meiner Unabhängigkeit aufgeben müsste. Ich müsste mich einordnen, ja sogar unterordnen, in das Leben meines Mannes.

[S. 49]

Mir lag und liegt es fern, nur die »Frau von …« zu sein, nur Mutter zu sein, dazu ein eigenes Haus mit Garten zu haben, aber keinen Euro selbst zu verdienen. Ich werde dann unleidlich und das auch meinen Kindern gegenüber. Die Arbeit bei Rossmann stellte für mich einen elementaren Teil meines Lebens dar. Ich brauchte meinen Job, die Gespräche mit Erwachsenen, zu einem Team zu gehören, mich auch mit anderen Themen als Kinderkleidung, Kinderkrankheiten und Kinderspielzeug zu beschäftigen. Die Zeit im Büro war für mich ein wichtiger Ausgleich zum Mutterdasein und ich konnte, wenn ich Leander und Linus gegen 15 Uhr abholte, auch das Zusammensein mit meinen Söhnen mehr genießen und wertschätzen. Ich hatte Angst, meine Selbständigkeit und Unabhängigkeit aufzugeben für etwas, was für mich noch so absolut unvorstellbar war.

[S. 51]

Dann entpuppt sich die unbezahlte Tätigkeit als First Lady als »der pure Stress« (S. 57), insbesondere in der Zeit des Pendelns zwischen Großburgwedel und Berlin bis Dezember 2010, das Abholen der Kinder vom Hort klappt nicht immer, sie muß andere Eltern fragen, ob sie ihre Kinder mit zu sich nach Hause nehmen könnten:

Dieses Bittstellen war mir unangenehm. Auch weil ich mir nicht ausmalen wollte, was möglicherweise der eine oder andere Vater, die eine oder andere Mutter dachte. Von wegen: jetzt ist der Wulff Bundespräsident und schon werden die Kinder aufs Abstellgleis geschoben.

[S. 58]

Wieder und wieder beschäftigt sie, was andere von ihr denken könnten, und so schafft sie es auch nicht, ihre Repräsentationsaufgaben auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben – obwohl das zweifellos möglich gewesen wäre.

Dies bedeutete jedoch, dass ich bis dahin einmal wieder die Alleinerziehende war, dazu der Haushalt an den Hacken und die Pflichten der Frau des Bundespräsidenten. Und als Letztere dann vielleicht zu sagen: »Nee, sorry, liebe Leute, ich kann da heute nicht bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag teilnehmen. Mein ältester Sohn hat eine fiese Erkältung, liegt mit Fieber im Bett« – Pustekuchen. Das hätte dann gleich wieder für Gesprächsstoff gesorgt, beispielsweise ob denn die werte Frau Wulff sich über die Aufgaben einer Bundespräsidentengattin  im Klaren sei, und bestimmt hätte der eine oder andere Journalist eventuell auch in Frage gestellt, inwiefern mein Sohn wirklich krank ist und spekuliert, ob es da nicht doch noch ganz andere Gründe geben könnte.

[S. 60f.]

Mein Mann meinte zwar, es wäre bestimmt gegangen, sich ein Stück weit aus der öffentlichen Wahrnehmung, ja fast schon Kontrolle zurückzuziehen, doch ich war und bin fest davon überzeugt, dafür hätte man uns medial zerrissen. Also machten wir weiter wie gehabt und ich schob meine Ängste und  Zweifel beiseite.

[S. 118]

Eine Frau am Rand des Nervenzusammenbruchs – das Über-Ich verlangt Emanzipation und Disziplin bis hin zum miltärischen Tonfall, in dem der Haushalt und auch die Kinder durchgetaktet werden (S. 59), das Ich weiß, daß beides gar nichts nichts mit ihrem Leben zu tun hat, duckt sich aber vor der Meinung einer amorphen Masse, die sich in den Medien kristallisiert – das altmodisches Es reagiert psychosomatisch (Hautreizungen, Magenbeschwerden, Schwindelanfälle) und delegiert jegliche Verantwortung auf den Mann…

Ja, da spricht eine ganz normale Frau, die ihre wahrhaft emanzipierten Freundinnen bewundert und vor charismatischen Frauen auf die Knie geht. Die es als Kompensation auffaßt, daß sie für ihr Anhängsel-Dasein durch Zahlung des entgangenen Gehalts bei Roßmann auf ein eigenes Konto durch ihren Mann entschädigt wird – Emanzipation beschränkt sich allerdings nicht auf den ökonomischen Faktor. Kann es sein, daß die aktuellen feministischen Rollenbilder für Frauen für eine Unfreiheit gesorgt haben, die der femme fatale der vorletzten Jahrhundertwende, Alma Mahler-Werfel, oder der Ikone der Weiblichkeit schlechthin, Marilyn Monroe, noch gänzlich fremd waren? Daß Freiheit bedeutet, sich jeglichen Ansprüchen, die die ›Gesellschaft‹ an einen richtet, zu entziehen? Was für Frauen heute bedeutet: sich auch von jeglicher feministischer Bevormundung zu befreien? Nein, keine Frau muß sich dafür rechtfertigen, keine Karriere machen zu wollen oder Berufe abzulehnen, die sie langweilig findet. Oder sich lieber der Familie widmen zu wollen und den Beruf nur als Ausgleich zu betrachten.

Jegliches Korsett ist abzulehnen, jeder und jede soll nach seiner und ihrer Façon glücklich werden – aber wie soll eine normale Frau das noch können, wenn ihr die feminismusgeprägte öffentliche Meinung wichtiger ist als ihr rebellierender Körper und ihre Schuldgefühle als Mutter? Und sollten wir nicht auch lieber eine Arbeitswelt anstreben, in der auch Männer nicht zu Zombies werden müssen, wenn sie Spitzenämter übernehmen? Es ist ein gutes Zeichen, daß Politiker wie Gabriel und Steinmeier von sich aus auf eine Kanzlerkandidatur verzichten: beide, der eine ein junger Vater, der andere ein sehr verbundener Ehemann, möchten sich wenigstens ein Minimum an Privatleben erhalten. Es sind jene sinnlos zerstörerische Arbeitswelten mit ihren dämlichen Fototerminen, zeitraubenden Meetings und puren Präsenzzeiten, die es anzugreifen gilt…

Aber unter diesem gefühlten Diktat der öffentlichen Meinung stand auch Bettina Wulff. Gut vorstellbar, daß jenes Tattoo die erste Aktion in Bettina Wulffs Leben war, bei der sie nicht daran dachte, was andere wohl davon halten könnten – bezeichnenderweise ist es unvollendet geblieben, denn als Politikergattin ›funktionierte‹ sie wieder. Dieses Buch dürfte für sie ein Befreiungsschritt gewesen sein, ein wahrhaft emanzipatorischer Akt.

Und, das muß man sagen: ihre Breitseiten gegen die Medien sind aller Achtung wert.

Die beiden Rahmentexte, die Kapitel 11, »DIE KINDER«, 12 »Die Vorwürfe«, 13 »DIE GERÜCHTE«, 14 »Die MEDIEN«, 15 »DER RÜCKTRITT« sollten Pflichtlektüre an Journalistenschulen werden.

Ja, das Buch ist in vielen Aspekten interessant und lesenswert. Mittlerweile dürften auch die fiesesten Niedermacher ihres Mannes eingesehen haben, daß absolut nichts an ihren ›Vorwürfen‹ dran war – es war nichts weiter eine reine und ungeheuer selbstgerecht geführte Machtprobe zwischen Presse und Politik. Das sehr klug komponierte Kapitel »DIE VORWÜRFE« müßte manch einem wutschäumend geifernden Oberverfolger die Schamesröte ins Gesicht treiben, wären sie zu Scham überhaupt fähig. Nicht nur Bettina Wulff hat Defizite, was Selbstreflektion angeht. Aber sie ist naiv genug, sie vorzuzeigen.

Einer von einem mithetzenden Springer-Organ hatte immerhin die Größe, Folgendes zu konzedieren:

Ulrich Exner, 11.9.2012:

Die Ermittlungen gegen Christian Wulff wegen möglicher Vorteilnahme drehen sich zentral um einen dreitägigen Aufenthalt der Wulffs im Westerländer Hotel Stadt Hamburg, den der Filmhändler und Wulff-Freund David Groenewold zunächst bezahlte. Dieser Vorgang löste das Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Bundespräsidenten und damit letztlich seinen Rücktritt aus.

In ihrem Buch empört sich Bettina Wulff über diese Vorwürfe, schildert detailliert, wie sie die Schuld bei Groenewold schon vor Ort in bar beglichen hätten und beschreibt auch ganz plausibel, warum der Filmhändler in Vorlage trat. Bei allem Vorbehalt: Wer diese Schilderungen liest, fragt sich in der Tat, was aus den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Christian Wulff – bei allem Hautgout, der die Dinge umweht – eigentlich konkret herauskommen soll.

http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article109135429/Lieber-Gott-lass-mich-nicht-bewusstlos-werden.html

Ein speziell von der Journaille erwitterter Hautgoût gegen einen speziellen Amtsträger – nur der trieb Wulff aus dem Amt. Alles andere als eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Christian Wulff würde mich überraschen…

Adorno-Preis für die feministische Gender-Ikone Judith Butler: ein Skandal?

Und was für einer.

Aber nicht wegen der sattsam bekannten, nur noch ermüdenden ewig gleichen Vorwürfe von Antisemitismus, Terrorunterstützung  bzw. jüdischen Selbsthasses gegen die der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik kritisch gegenüberstehenden Autorin – das ist die alte Leier, die man nicht mehr hören mag, angeschlagen von den ewig gleichen Protagonisten,  die niemand mehr ernst nimmt, weil jeder, der noch einigermaßen geradeaus denken kann, weiß, daß Kritik an Regierungshandeln nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Und nie stand eine israelische Regierung so zurecht in der Kritik wie heute – die eigene, ja wohl kaum antisemitische, Bevölkerung lehnt die kriegerischen Angriffspläne der Regierung genauso ab wie ihre verheerende Sozialpolitik und die grassierende Korruption. Und auch in Israel gibt es eine Friedensbewegung und Kräfte, die sich gegen die Diskriminierung von Palästinensern innerhalb wie außerhalb der schwammigen Staatsgrenzen engagieren.

Der Schein-Skandal, der sich im Feuilleton unter den üblichen Verdächtigen abspielt, sei daher nur kurz gestreift.

04.09.2012

Adorno-Preis für Judith Butler

Israelische Orangen

Die Kontroverse um die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an Judith Butler hält an. Die Debatte droht, ihrem Werk die politische Dimension zu nehmen.

von Sonja Vogel

„Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als ‚Halbjude‘ in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als ein bloßer Fehlgriff gelten.“ Mit drastischen Worten kommentierte der Sekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, die für kommenden Dienstag geplante Vergabe des Theodor-W.-Adorno-Preises der Stadt Frankfurt am Main an Judith Butler.

Die Philosophie Butlers, die sich mit „den Todfeinden des israelischen Staates“ verbündet habe, sei nicht von „ihrer moralischen Verderbtheit zu trennen“. Der Zentralrat kündigte daher an, die Verleihung zu boykottieren.

Das Adorno-Preis-Kuratorium hingegen verteidigte seine Entscheidung. Butler soll wie vorgesehen am 11. September als eine „maßgebliche Denkerin unserer Zeit“ in der Frankfurter Paulskirche mit dem mit 50.000 Euro dotierten Adorno-Preis ausgezeichnet und geehrt werden.

http://www.taz.de/Adorno-Preis-fuer-Judith-Butler/!100970/

Die ZEIT räumte der so maßlos Angegriffenen glücklicherweise viel Raum zur Verteidigung ein:

Adorno-Preisträgerin Butler

„Diese Antisemitismus-Vorwürfe sind verleumderisch und haltlos“

Die jüdische Philosophin Judith Butler, Anwärterin auf den Adorno-Preis, wird bezichtigt, sie unterstütze Hamas und Hisbollah. Hier antwortet sie ihren Kritikern.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-08/judith-butler-kritik-israel-antwort

Dieser Theaterdonner, der fast schon wie eine Pflichtübung daherkommt, überlagert und verdeckt allerdings den eigentlichen Skandal: nämlich die Mainstream-Würdigung der Philosophin und Literatur-Professorin Butler als »maßgebliche Denkerin unserer Zeit«, was allenfalls Bände über unsere Zeit spricht. »Maßgeblich« sind die theologisch anmutenden Thesen, achwas, Axiome, von Judith Butlers Gender Studies leider tatsächlich – aber von »Denken« kann weder bei ihr noch bei ihren Anhängern und institutionellen Profiteuren nun mal keine Rede sein.

Pseudowissenschaftliche Genderstudien wie die von Butler gehen von feministischen Glaubenssätzen aus, die besagen, daß wir weder unseren Augen noch unseren Hormonen über den Weg trauen können: die 90 % der Menschheit, die sich mit Körpergefühl, Geschlechtsidentität und gegengeschlechtlichem Begehren in Harmonie mit der Natur und der auf Fortpflanzung ausgerichteten Evolution befinden, leben nämlich unter einer unbemerkten Diktatur; nur die 10 %, die im falschen Körper leben, denen die Natur ein uneindeutiges Geschlecht zugeordnet hat oder diejenigen, die gegengeschlechtlich lieben, genießen Freiheit, haben den Durchblick und dekretieren daher: es gibt kein Geschlecht, Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, dem sich die Körper durch wiederholte Übung erst anpassen.

So ein Quatsch, sagen Sie, lieber Leser, zurecht. Stimmt. Laut darf man das wirklich nicht sagen, sonst lachen ja die Hühner. Laut darf es nur eine leider maßgebliche Denkerin sagen, so wie im aktuellen ZEIT-Interview:

In diesem Sinne ist das soziale Geschlecht auch eine Inszenierung und »die hegemoniale Heterosexualität selbst ein andauernder und wiederholter Versuch, die eigenen Idealisierungen zu imitieren«. Judith Butler behauptet nicht nur, dass es so etwas wie eine »heterosexuelle Melancholie« gibt, nämlich die Trauer um die aufgegebenen Möglichkeiten anderer sexueller Orientierung. Sie sagt sogar, dass »die ›echteste‹ lesbische Melancholikerin die strikt heterosexuelle Frau und der ›echteste‹ schwule Melancholiker der strikt heterosexuelle Mann« ist, sie erklärt darüber hinaus, dass »Heterosexualität nicht ausschließlich den Heterosexuellen zukommt«. Als Beispiel nennt sie den Fall eines Mannes mit frühkindlicher Mutteridentifizierung. Wenn dieser Mann, fragt sie, »nun einen anderen Mann begehrt oder eine Frau, ist sein Begehren dann homosexuell, heterosexuell oder gar lesbisch?« Nicht ohne Sinn für Selbstironie zitiert Butler die italienische Zeitung La Repubblica mit der Bekanntmachung, »dass sich die Zahl der Gender in den Vereinigten Staaten auf fünf erhöht« habe.

http://www.zeit.de/2012/37/Judith-Butler-Portraet/komplettansicht

Letzteres ist übrigens stark untertrieben.

Nun versteht es jeder, daß eine burschikos-jungenhafte Frau, die Frauen liebt, sich so ihre Gedanken über die Launen der Natur macht, Normen ablehnt und ihr Anderssein als Freiheit proklamiert, zumal sie sie sich erkämpfen mußte. Daß von der Norm abweichende Lebens- und Liebesformen nicht nur nicht diskriminiert, sondern anerkannt und geschützt werden sollten, liegt jedem Humanisten am Herzen. In Köln formuliert man das so: ›Jeder Jeck ist anders‹ – und wer das (Achtung, soziales Konstrukt!) mit der rheinischen Muttermilch aufgesogen hat, hat nicht die geringsten Probleme, lieb und freundlich mit Menschen umzugehen, die anders als die Mehrheit sind. Dafür brauchen wir keine Judith Butler, eine Scharlatanin des akademischen Überbaus eines boomenden Wirtschaftszweiges, den zuletzt nur Machtbegehren steuert.

Das akademische Postulat: „Es gibt kein Geschlecht“ heißt nämlich, überführt in die Realität, daß Männer kastriert und Frauen in bislang den Männern vorbehaltene (genau: erstrebte) Positionen gefördert werden müssen – auf daß es endlich freie Menschen gebe.

Als Simone de Beauvoir 1949 sagte, daß man zur Frau erst gemacht werde, nahm sie die mangelnden Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen ihrer Zeit in den Blick (daß Männer erst gemacht werden, hat sie bezeichnenderweise nie gesagt). Die Zeiten haben sich geändert. Geschlechterforschung heute, die sich auf Butler beruft, beruft sich in Wahrheit auf einen fatalen Menschenversuch mit tödlichem Ausgang.

Es sei daran erinnert, daß die These, auf die Biologie komme es nicht an, auf einem menschenverachtenden, die These auch noch widerlegenden, Experiment eines Psychiaters namens Dr. John Money basiert. Der hatte in den sechziger Jahren proklamiert, daß die Geschlechtsidentität allein eine soziale Konstruktion sei – und der am 22.8.1965 geborene Bruce Reimer sollte diese These belegen. Nach einer mißlungenen Beschneidung (ja, das gibt es auch!) im Jahr 1967 war dessen Penis verstümmelt, und seine Eltern wußten sich keinen Rat. Money witterte seine Chance – und schritt zu einem Experiment, das einem den Atem verschlägt: auf seine Empfehlung hin wurde das zweijährige Kind kastriert, eine künstliche Scheide angelegt, weibliche Hormone zugeführt und aus Bruce wurde Brenda, von heute auf morgen. Die Eltern wies Money strikt an, dem Kind nie die Wahrheit zu sagen, es klassisch weiblich zu erziehen und vollkommen anders als dessen Zwillingsbruder zu behandeln.

Das Martyrium, das die falsche Brenda, die sich nie wie ein Mädchen fühlte und benahm, bis zum 14. Lebensjahr durchmachte, ist unbeschreiblich… Weder medizinische noch soziale Einwirkungen konnten ihre männliche Identität auslöschen. Auch ihr Bruder litt unter den gefürchteten jährlichen Kontrollen dieses Dr. Mabuse. Mit vierzehn konnte Bruce endlich die Wahrheit einfordern – und wurde ein unglücklicher David, der sich im Jahr 2004 das Leben nahm. Wer die Tragödie in Gänze lesen möchte, lese bei Volker Zastrow nach:

http://www.faz.net/themenarchiv/2.1198/gender-mainstreaming-der-kleine-unterschied-1329701.html

Wie es Money gelang, dieses zynische (und grausam fehlgeschlagene) Modell als Beleg für seine These im Wissenschaftsbetrieb durchzusetzen: man weiß es nicht.  Daß auch der Wissenschaftsbetrieb von Korruption und Blendern gebeutelt wird, ist eine Erkenntnis, die nur langsam einsickert. Butler jedenfalls gelang es in den neunziger Jahren, die krude These des Geschlechts als soziales Konstrukt als Wissenschaft zu etablieren. Theologie ist schließlich auch eine Wissenschaft, die von Dogmen und Denkverboten geprägt ist (und gilt das grundsätzlich nicht auch für die Mathematik?).

Für einen wissenschaftlichen Anstrich in geisteswisseschaftlichen Fächern reicht es offensichtlich aus, sich eines unverständlichen, umständlichen und bedeutungsschwangeren Jargons zu bedienen:

Alan Posener:

Butler ist berühmt für ihre komplizierten Sätze. Dafür hat sie sogar den ersten Preis im „Wettbewerb für schlechtes Schreiben“ erhalten, der von der Zeitschrift „Philosophy and Literature“ veranstaltet wird. Der in der Laudatio zitierte Satz Butlers geht so: „The move from a structuralist account in which capital is understood to structure social relations in relatively homologous ways to a view of hegemony in which power relations are subject to repetition, convergence, and rearticulation brought the question of temporality into the thinking of structure, and marked a shift from a form of Althusserian theory that takes structural totalities as theoretical objects to one in which the insights into the contingent possibility of structure inaugurate a renewed conception of hegemony as bound up with the contingent sites and strategies of the rearticulation of power.“ Auf Deutsch: Ganz so leicht, wie sich die Marxisten die Welt erklären, ist sie nicht.

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article108993984/Wenn-Schafe-bloeken.html

Nun sind die Genderstudies an den Unis zwar ein Stilblüten-, aber keinesfalls ein Orchideenfach. Nicht nur, daß sie weiblichen Lehrkräften eine gutalimentierte Domäne sichern – allein in Nordrhein-Westfalen befassen sich 270 Professorinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sowie ein (!) männlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Genderfragen und netzwerken eifrig miteinander –

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/wissenschaftlerinnen/portrait/

während jeder Mann weiß, daß es auf die Biologie ankommt beim Mann-Sein, alles andere würden sexuell aktive Frauen auch nicht akzeptieren, nein, deren theologische Axiome sind mittlerweile schon seit 1998 verpflichtende Regierungspolitik:

30.12.2006

Regierung

Der neue Mensch

Von René Pfister

Unter dem Begriff „Gender Mainstreaming“ haben Politiker ein Erziehungsprogramm für Männer und Frauen gestartet. Vorn dabei: Familienministerin Ursula von der Leyen.

[…]

Die wohl einflussreichste und radikalste Vertreterin der Gender-Theorie ist die im kalifornischen Berkeley lehrende Professorin Judith Butler. Für Butler ist die Geschlechtsidentität der meisten Menschen eine Fiktion, eine „Komödie“, die aufzuführen sie von frühester Kindheit an eingebläut bekommen. Das Zusammenleben von Mann und Frau und das sexuelle Begehren zwischen den unterschiedlichen Geschlechtern betrachtet sie als Ausdruck eines perfiden Repressionssystems, der „Zwangsheterosexualität“.

Es ist leicht, Butler für das Produkt eines etwas überdrehten amerikanischen Universitätsbetriebs zu halten. Aber das hieße, ihre Wirkung zu unterschätzen. An jeder der zahlreichen deutschen Hochschulen, die Gender-Studien anbieten, gehört Butler zum Kanon, und für die Studenten bieten sich immer mehr Möglichkeiten, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Den Gender-Theoretikern ist es gelungen, aus ihrer akademischen Nischendisziplin ein bürokratisches Großprojekt zu machen.

Bis in die Provinz sind die Gender-Arbeiter schon vorgedrungen. Für die Dorferneuerung von Jützenbach, einer 550-Einwohner-Gemeinde im Südharz, gab das Erfurter Landwirtschaftsministerium einen „Gender-Check“ für 15 000 Euro in Auftrag, der unter anderem zu der Erkenntnis führte, dass in der freiwilligen Feuerwehr nur eine einzige Frau Dienst tut. Die Freiburger Stadtverwaltung hat einen Leitfaden für Erzieher herausgegeben, damit „negativen Einwirkungen jungmännlicher Dominanz“ schon im Kindergarten begegnet wird.

http://www.spiegel.de/spiegel/a-457053.html

Millionen von Staatsgeldern versickern in diesen sinnlosen politisch korrekten Aktionen, die ersichtlich nur eins im Sinn haben: eine Machtverschiebung hin zu den Frauen und eine Verteufelung des männlichen Geschlechts. Verdutzt fragen sich die Politiker heute, wieso nur 3 % der Erzieher in Kitas männlich seien – die Antwort ist simpel: nicht wegen der schlechten Entlohnung, auch Wachmänner arbeiten für einen Appel und ein Ei, sondern wegen des Verdachts der Eltern, ein männlicher Erzieher könne ja nur pädophil sein. Aktuell läuft wieder eine Kampagne zur Steigerung der „Sensibilität“ für sexuellen Mißbrauch – auch in Kitas, in denen weibliche Erzieher generell verdachtsfrei agieren.

Die angeblich widerständige Butler ist absoluter mainstream, insbesondere bei geistfernen Politikern, für die Renate Künast bei ihrer Laudatio für Butler anläßlich der Verleihung des Zivilcouragepreises der Christopher Street Day-Organisatoren in Berlin 2010 ein beredt-gestammeltes Zeugnis ablegte:

Christopher Street Day

Zivilcouragepreis 2010 für Judith Butler: Laudatio von Renate Künast

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Queer-Community!

Der Zivilcouragepreis 2010 geht an die Philosophin Professor Dr. Judith Butler, herzlichen Glückwunsch!

[…]

Queer sein bedeutet für Judith Butler frei sein. Frei von festgefügten Rollen, ihnen nicht entsprechen zu müssen. Was ich faszinierend finde, dass sie sagt: Es gibt keinen richtigen Hetero. Es gibt auch nicht die richtige Lesbe. Sie sagt einfach an der Stelle, die Frage ist vollkommen offen wer wir sind und wer jeder und jede von uns noch werden kann. Und das finde ich faszinierend.

Judith Butler hat diesen Preis verdient, weil das was sie denkt, eigentlich normal sein sollte. Normal ist eben anders. Ich könnte auch sagen, wir sind eben anders normal – wer auch ein Thema; vielleicht fürs nächste Jahr.

Transkript der Laudatio von Renate Künast, gehalten am 19. Juni 2010.

http://berlinercsd.blogspot.de/2010/07/zivilcouragepreis-2010-fur-judith_08.html

Ich sage an der Stelle, daß Künast für das fehlerhafte Transkript natürlich nicht verantwortlich ist – wohl aber für den Unsinn, den sie da abließ. Normal ist eben anders, und so wer das schon ein Thema, ob Butler den Preis nicht wegen dieser Friede-Freude-Eierkuchen-Laudatio einer Politikerin, die wohl noch nie etwas von Butler gelesen hat, abgelehnt hat. Aber nein, Butler ging es darum, daß Minderheiten nicht gegen Minderheiten ausgespielt werden sollen. Und Hedonismus ist auch nix für eine brillante Asketin, die einen Ruf zu verlieren hat.

Auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor hörte sich die amerikanische Philosophin erst die Laudatio der grünen Bundestagsfraktionschefin Renate Künast an, um dann in einer kurzen Rede die Annahme der Auszeichnung abzulehnen. Ihre Begründung: Der Berliner CSD sei „zu kommerziell und oberflächlich“.

Die Veranstaltung richte sich zudem nicht genügend gegen Rassismus und doppelte Diskriminierung – etwa von Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden, sagte die 54-jährige linke Theoretikerin, die an der Universität im kalifornischen Berkeley lehrt. Butler schlug vor, den Preis lieber an Organisationen wie dem Verein der türkeistämmigen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen und Transgendern GLADT e.V. zu vergeben. Ausdrücklich lobte sie den alternativen „Transgenialen CSD“, der seit einigen Jahren im Stadtbezirk Kreuzberg veranstaltet wird. Dort werde sich noch mit „den großen Fragen von Krieg und Frieden und sexueller Identität in einer modernen Gesellschaft“ auseinandergesetzt.

[…]

Die CSD-Veranstalter zahlten Butlers Flug und ihre Unterkunft im Hotel Adlon.

http://www.queer.de/detail.php?article_id=12336

Janun, das Adlon muß es schon sein – schließlich sind ihre Hokus-Pokus-Thesen sogar Regierungspolitik.

Hier ihre Rede zur Ablehnung des Preises – wie Künast da wohl aus der Wäsche geguckt haben mag? Bilder sind leider nicht überliefert. Gottlob, war es doch ein wenig erfolgreicher Pressetermin. Erfolg in der Politik beruht ja auf schönen Bildern.

http://www.egs.edu/faculty/judith-butler/articles/ich-muss-mich-distanzieren/

Vielleicht habe ich nicht konsequent genug gegoogelt: aber in unserer Mainstream-Presse, die selbstverständlich die regierungsamtlichen gender-mainstream-Programme unterstützt und Frauenquoten in Pressebetrieben fordert, die ohnehin schon Frauen propagieren und Männer runterschreiben, habe ich ganze zwei Stimmen gefunden, die sich aus inhaltlichen Gründen gegen den Adorno-Preis für Judith Butler wenden.

Räusper. Wie merkwürdig, daß es zwei Publizisten sind, denen ich ansonsten gar nicht zustimme? Auch Gertrud Höhler kritisiert Merkel aus einer Position heraus, die ganz und gar nicht die meine ist… Mich beschleicht der Verdacht, daß sich niemand, der sich als Mitte-Links verortet, überhaupt noch Kritik an Frauen zu wagen traut, weil es die doch zu fördern gilt?!

Henryk M. Broder, der natürlich ansonsten ebenfalls die Antisemitismus- und anti- 68er-Keule schwang, denen er Adorno glatt zuordnete, der 1969 gestorben ist, hat sich jedenfalls ins Herz des eigentlichen Vorwurfs gewagt:

06.09.12

Intellektuelle

Warum Judith Butler den Adorno-Preis verdient hat

Wegen ihrer umstrittenen Äußerungen zu Israel, Hamas und Hisbollah gibt es Streit um die Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler. Dabei passen Adorno und Butler bestens zusammen. Im Schlechten. Von Henryk M. Broder

Im Jahre 1900 erschien in der Verlagsbuchhandlung Carl Marhold in Halle an der Saale ein 23-seitiges Pamphlet eines bis dahin wenig bekannten Neurologen und Psychiaters namens Dr. Paul Julius Möbius: „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“. Möbius behauptete, Frauen hätten von Natur aus eine physiologisch bedingte geringere geistige Begabung als Männer.

Die Veröffentlichung kam zu einer Zeit, da in Deutschland über die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium gestritten wurde. Entsprechend fielen die Reaktionen aus. Die einen feierten den Leipziger Privatgelehrten als mutigen Vordenker, die anderen verdammten ihn als verbohrten Ignoranten. Die kleine Schrift erreichte viele Auflagen und gilt bis heute als Musterbeispiel für wissenschaftlich verbrämten Unsinn.

Unsinn kommt nie aus der Mode

Über 100 Jahre, zwei Weltkriege und viele Revolutionen später haben sich die Parameter gründlich verschoben. Es gilt das allgemeine Wahlrecht, Frauen dienen in Polizei und Armee, sie boxen, spielen Fußball und fällen politische Entscheidungen von größter Tragweite. Wer heute „den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ zur Diskussion stellen würde, wäre nicht nur blamiert, er wäre erledigt.

Was freilich nicht bedeutet, dass wissenschaftlich verbrämter Unsinn aus der Mode gekommen wäre, im Gegenteil. Wie zur Zeit von Möbius findet jedes schräge Angebot ein dankbares Publikum, wenn es nur den Bedürfnissen der Klientel entgegenkommt. Egal, ob es sich um Ökostrom handelt, der aus der Steckdose fließt, während der Nachbar gegenüber Atomstrom bezieht, oder die These, „dass die Identifikation mit einem Geschlecht, also die Vorstellung, ein Mann oder eine Frau zu sein, eine elaborierte, von der Gesellschaft oktroyierte Fantasie ist – ein Konstrukt aus internalisierten Bildern und Diskursen also und keine von den Merkmalen des eigenen Körpers vorgegebene Kategorie“.

Männern bleibt das Kinderkriegen versagt

Mit diesen Worten bringt der Kulturkritiker Daniel Schreiber die Thesen der amerikanischen Philosophin Judith Butler auf eine griffige Formel. Eine Person ist nicht ein Mann oder eine Frau, die Person hat nur die „Vorstellung“, ein Mann oder eine Frau zu sein, und die ist eine „von der Gesellschaft“ aufgezwungene Fantasie. Das ist eine durchaus reizvolle philosophische Figur, der allerdings Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Disziplinen entgegenstehen – der Biologie, der Medizin und der Verhaltensforschung zum Beispiel. Ein Mann mag die Vorstellung genießen, eine Frau zu sein, das Menstruieren, das Kinderkriegen und die Menopause bleiben ihm dennoch versagt.

http://www.welt.de/debatte/article109056853/Warum-Judith-Butler-den-Adorno-Preis-verdient-hat.html

Das geht schon in die richtige Richtung, Butlers ›maßgebliches Denken‹ als ausgemachten Quatsch zu dekonstruieren.

Aber so richtig hat nur Bettina Röhl begriffen, welcher Unfug da als Wissenschaft durchgeht und welche handfesten materiellen Ziele Frauen damit verfolgen; leider muß man in ihrem lesenswerten Artikel mal wieder reichlich scrollen, um ihre bekannten Ressentiments gegen die Alt-68er überlesen zu können – Bettina Röhl hat es leider noch nicht realisiert, daß die von ihr zurecht kritisierten Scharlatanerieen eines gender-mainstreaming heute sogar von Figuren wie von der Leyen und Kristina Schröder vertreten werden (müssen), wobei die letztere immerhin zurückzurudern wagt…

04.09.2012

Bettina Röhl direkt

Judith Butler – systemkonforme Genderkönigin

Kolumne von Bettina Röhl

Am 11. September bekommt die Amerikanerin Judith Butler den Theodor W. Adorno-Preis verliehen. Butler ist vielleicht die bedeutendste Ikone der weltweiten Gender-Ideologie, die sich zum Motor der Quotenregelungen für Frauen entwickelt hat.

[…]

Gender ist eine weltweit mit Milliardenaufwand finanzierte Ideologie, die von inzwischen 1000senden Wissenschaftlern jahrein jahraus beforscht wird und bisher nicht über die Behauptung hinaus gekommen ist, dass es zwar Menschen, aber keineswegs Männer und Frauen gäbe. Gender ist demnach ein fiktives Geschlecht, gern als das „soziale Geschlecht“ bezeichnet, nämlich das Geschlecht, das sich jeder Mensch selber in seinem sozialen Umwelt aussucht und dass er je nach Gusto täglich oder häufiger ändern könnte. Butler dreht das Rad dieses Verwirrspiels weiter, in dem sie behauptet, dass es entgegen dem äußeren Anschein auch körperlich zwischen Mann und Frau, keine Differenz gäbe. Dass also das, was jeder täglich biologisch wahrnimmt, nämlich das körperliche Geschlecht seines Gegenüber, nur Produkt seiner im Prinzip wahnhaften Wahrnehmung beziehungsweise die Anpassung des Körpers an die falsche Vorstellung vom eigenen und von fremden Körpern sei usw.usw.

Für Menschen, die in Mathematik nicht so fit sind, wird es langsam schwierig, denn die Gender-Forscher, die aber unter dem Dach des Bundeskanzleramtes, des Frauen und Familienministeriums, der Bildungsministerien und vieler anderer Machtzentren für oder gegen uns alle Politik machen, haben inzwischen 16 und mehr unterschiedliche Geschlechter ausgemacht. Da ist alles dabei, nur nicht Mann oder Frau. Und wer das zaghaft bezweifelt ist in den Augen der Gender-Fanatiker bestenfalls ein Antiquierter und schlimmstenfalls ein Reaktionär oder gar ein Rassist und im Zweifel mindestens frauenfeindlich.
Gender ist, um es beim Namen zu nennen, ein pseudowissenschaftliches Unternehmen mit ähnlichen Denkfehlern behaftet wie der „wissenschaftliche Sozialismus“, der bereits unzählige Male gescheitert ist. Gender ist ein Unternehmen, das 20.000 Jahre und mehr Patriarchat mindestens vorübergehend durch die Einführung frauendominanter Strukturen zwecks schlussendlicher Herstellung von Gleichberechtigung aller Menschen, insbesondere der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, die es nach der Gender-Doktrin eigentlich gar nicht gibt, kompensieren will.

[…]

Die Gender-Ideologie kommt nicht als männermordender Feminismus daher. Es ist in Wahrheit viel schlimmer. Butlers permanenter Selbsteinschätzung besonderer Friedfertigkeit, passt zu einer Ideologie, die mit Systemgewalt den Mann aus dem Mann austreiben will. Gender kämpft nicht gegen den Mann, sondern „nur“ gegen dessen Männlichkeit. Gender kämpft nicht gegen den Mann, sondern gegen das Testosteron im Mann, so dass vom Mann nichts übrig bleibt. Weshalb bis in die Kindergärten hinunter, je nachdem wie indoktriniert die Kindergärtner schon sind, die Entmännlichung der Gesellschaft insgesamt und die der Männer und Jungen im Besonderen das erklärte strategische Gender-Ziel ist.
Da die Gender-Ideologie das geltende Recht fatalerweise schon beherrscht, aber noch nicht in der Rechtswirklichkeit sprich in den Köpfen der Menschen angekommen ist, geschweige denn von der Mehrheit durchschaut und als Scharlatanerie entlarvt ist, wäre Aufklärung über Gender und zwar Massenaufklärung das Gebot der Stunde, statt Gender-Apologeten wie Judith Butler derart mit Preisen zu ehren, dass deren Gender-Mission immer weiter und immer hemmungsloser unterstützt wird.

[…]

Quotenfrauen will wohl Niemand und doch ist nicht auszuschließen, dass Quotenregelungen Ebensolche generieren. Letzten Endes aber muss man wissen, dass in Wahrheit der Gender-Druck hinter der Einführung der Quotenregelung bezüglich Großunternehmen steckt, dass also eine Ideologie, die man getrost furchtbar nennen darf, der Quote zum Durchbruch verholfen hat. In Skandinavien, wo es schon 100 Jahre Gender-Politik gab, bevor der furchtbare amerikanische Arzt John Money diesen Begriff erfand, scheint man aus dem Wahnsinn zu erwachen. In Norwegen ist die staatlich mit fast 60 Millionen Euro jährlich subventionierte Gender-Forschung gerade Knall auf Fall quasi wegen erwiesener Scharlatanerie gestrichen worden. Gegen den erbitterten Widerstand der Mainstream-Medien und der Gender-Ideologen, versteht sich. Ein Heer arbeitsloser Genderforscher ist die in Kauf genommene Folge. Im nostalgischen Frankfurt ticken die Uhren offenbar deutlich langsamer.

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-judith-butler-systemkonforme-genderkoenigin-seite-all/7090556-all.html

Röhls Ausführungen zur Quote, deren europaweiter Anordnung für Aufsichtsräte gerade gescheitert ist (Deutschland enthielt sich feige der Stimme), habe ich weggelassen.

Denn viel wichtiger ist es, daß sie hier endlich einmal in die Mainstream-Presse einbrachte, daß diese ganze Gender-Chose, die hunderttausende weibliche Karrieren hervorbrachte und staatliche Millionen in den Sand setzte, auf falschen theologischen Prämissen beruhte und daher rausgeschmissenes Geld, vergebliche Erziehungsbemühungen und eine kontraproduktive Männerverteufelung hervorgebracht hat – natürlich auch die unsägliche Frauenquote: aber das ist ein eigenes Thema.

Im genderbewegten Norwegen hat es ein Komiker vermocht, die Scheinwissenschaftlichkeit von Gender Studies zu entlarven und diesen Wissenschaftszweig ein für allemal zu entsorgen – in unserer Mainstream-Presse war darüber natürlich nichts zu lesen. Da sei die PC vor!

02.09.12

Aus für Gender (mit Updates)

……zumindest für die staatliche Genderforschung des Nordic Institut ab 2012 mit einem ursprünglichen Jahresbudget von 56 Millionen. Wie war das möglich? Ein intelligenter Komiker mit einem Kamerateam stellte Genderexperten einfache Fragen.  Mit ihren Antworten kam eine Lawine ins Rollen…….Hier ist die Geschichte:

Ein Mann, eine Idee, eine Tat.

Harald Eia, mit einem MA in Soziologie und Norwegens bekanntester Komiker, kam nach seinem Studium zu der Erkenntnis, dass die Gendertheorie – nach der Mann und Frau gleich seien und alle Unterschiede ihre Ursache ausnahmslos in gesellschaftlichen Prägungen hätten, und nicht mit den klassischen Wissenschaften wie  Biologie, Anthropologie etc. übereinstimmen. Sein Kommentar: „Ich fühlte mich von meinen Universitätslehrern betrogen“.

Die Idee

Harald Eia’s Idee war es, das „Gender Paradox“ in Norwegen zu hinterfragen. Dieses Paradox besteht in einem Widerspruch zwischen jahrzehntelanger „gendersensibler Erziehung“ zur Gleichheit (hier der norwegische Genderplan) auf der einen Seite und der Berufswahl und Ausbildung in die altbekannten männertypischen und frauentypische Berufe auf der anderen Seite. Ein solches klassische Berufswahlverhalten  hätte eigentlich die jahrzehntelange(!)  Gleichheitserziehung in Norwegen verändern  sollen. Aber: Dieser Unterschied in Norwegen  ist seit langem größer als in vergleichbaren  Ländern mit weniger Frauenförderung und keiner „gendersensiblen Erziehung“. Dieses Paradox, das die Genderforschung nicht erklären konnte, wurde mehr und mehr zu einem Tabu in der norwegischen Öffentlichkeit und einem Problem für die regierende Sozialdemokratie. Das wollte Harald Eia durchbrechen.

Die Tat

Eia organisierte ein Kamerateam und stellte bekannten norwegischen Wissenschaftlern kritische Fragen zur Gendertheorie und stellte deren Antworten jene von international anerkannten Wissenschaftlern klassischer Disziplinen gegenüber. Es waren Fragen über sexuelle Orientierung, Geschlechtsrollen, Gewalt, Rasse und Erziehung. Er tat dies mit fundierten Wissen und einer bewußt naiven, aber humorvollen Fragetechnik. Solche Art von Fragen  waren die Genderwissenschaftler nicht gewohnt. Schon gar nicht kritische Fragen zur Gendertheorie. Viele Interviewte merkten erst danach, was da eigentlich abgelaufen war. Ehe sie sich beschweren konnten, was sie später nachholten, gingen seine Interviews beim staatlichen TV-Sender NRK in der Sendereihe „Gehirnwäsche“ auf Sendung. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Wissenschaft entsetzt.  Vor allem das Feature „The Gender Equality Paradox“ heizte erstmals eine offene Debatte über die skandinavische Genderdebatte an. Zum Video hier. Es ist eins von sieben ausgestrahlten Videos

Dazu wird in der englischen  Pressemitteilung des Europäischen Journalistenverbandes  folgendes Resümee gezogen:

“So even if Eia’s methods have been critisised, there is now a general agreement that the result of this project has been good for both the sciences and society as a whole. For the first time, science is really being discussed. Even if many strange things have been said and written, this has been (and still is) a unique educational process for both the general public and the scientific community.

Ein späteres Ereignis in diesem Zusammenhang war noch sensationeller: am 19.Oktober 2011 erschien eine Pressemitteilung, die die  Schließung des NIKK, Nordic Gender Institute, zum 31.12.2011 ankündigte. Damit war der Förderstopp auch für Genderstudies des skandinavischen Instituts verfügt. Die „Wissenschaft“ der  Genderstudies wurde mit einer einstimmigen Entscheidung des Nordic Council beendet. (Update 2.9.:  Der Coucil begründete seine Entscheidung damit, dass es dem NIKK mit seinen Gender Studies nicht gelungen sei, weder zur wisenschaftlichen Debatte in allen nordischen Ländern bei zu tragen, noch  mit ihrer Arbeit die Brücke zur Gesamtgesellschaft zu schlagen.  Und das in dem „Genderland“ Nr. 2 auf der Welt (nach dem Global Gender Gap Index 2011.) ! Auch der Versuch, die Gender Studies durch sinnvolle Projekte zu ersetzen, wurde von dem Coucil abgelehnt. Obige Pressemitteilung fand zunächst nur in Norwegen Verbreitung. In Deutschland ist sie den Medien bislang gänzlich entgangen, obwohl – oder gerade weil – die Gründe für die Einstellung der skandinavischen Genderforschung auf Einwänden beruhen, die für unser Genderforschung hierzulande uneingeschränkt ebenfalls zutreffen.

http://agensev.de/agens-meint/aus-fur-gender-2/

Hier ein weiterer Artikel zum Thema:

http://genderama.blogspot.de/2012/08/56-millionen-euro-gerettet-komiker.html

Und Deutschland ehrt die Dinosaurierin einer Pseudowissenschaft, die als solche längst entlarvt und dem Untergang geweiht ist. Manchmal überdauert ein Lebenswerk ein Leben nicht.

Adorno würde sich im Grabe umdrehen angesicht der Preisverleihung in seinem Namen an diese unselige Schwätzerin, die pseudointellektuell soviel Haß und Elend legitimiert hat. Meine ich. Broder, der Adorno nicht gelesen zu haben scheint, wie seine zum Allgemeingut gewordenen Zitat-Schnipsel belegen, behauptet natürlich das Gegenteil:

Vieles von dem, das Adorno und Horkheimer geschrieben haben, wirkt heute nicht nur angestaubt, sondern auch pompös und prätentiös. Adornos „Minima Moralia“, lange Zeit der philosophische Ratgeber für alle Lebenslagen, liest sich heute wie eine Sammlung von Sprüchen aus einem Fortune-Cookie: „Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein“, „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Was, wenn doch?

Diesen moralischen Rigorismus, darüber zu verfügen, was für andere gut sein soll, pflegt auch Judith Butler. Insofern hat sie sich den Adorno-Preis redlich verdient. Solange es keinen Paul-Julius-Möbius-Preis gibt.

http://www.welt.de/debatte/article109056853/Warum-Judith-Butler-den-Adorno-Preis-verdient-hat.html

Sein WELT-Kollege Alan Posener sieht die Sache genau andersherum:

Theordor [sic!] Adorno zeigte in seiner „Dialektik der Aufklärung“, wie aus fortschrittlichem unversehens reaktionäres Denken werden kann. Judith Butler illustriert Adornos These geradezu lehrbuchmäßig. Eben deshalb eignet sie sich nicht als Preisträgerin.

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article108993984/Wenn-Schafe-bloeken.html

Broder bewertet Adorno falsch und hält den Preis für Butler daher für richtig. Alan Posener bewertet Adorno richtig und hält den Preis für Butler daher für falsch. Himmel hilf! Dann googelt man herum, weil der Himmel nicht hilft, und gerät unversehens an Vorlesungsgegenstände, deren Inhalation Punkte zur Erringung eines akademischen Grades versprechen, obwohl sich die Veranstaltung eher wie eine intellektuelle Therapie für Liebeskummergeschädigte ausnimmt.

Ich bitte alle Leserinnen und Leser, sich anzuschnallen – so etwas ereignet sich tatsächlich auf Staatskosten und auf Kosten Adornos:

Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität, Berlin

53 820 Du und ich und in_zwischen uns der Kapitalismus – Perspektiven jenseits der

Herrschaftsförmigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen?

2 SWS

PT Mo 18-20 wöch. DOR 24, 3.018 C. Kurbjuhn

Als vereinzelte Einzelne begeben wir uns in der verwalteten Welt des Kapitalismus auf die Suche nach dem einen Menschen, der uns ganz macht: vom Single zur Romantischen Zweierbeziehung (RZB). „Du und ich – in Ewigkeit (d.h. bis zur nächsten RZB), amen.“ Doch die romantische Liebe, die wir suchen, steht mitnichten außerhalb kapitalistischer und geschlechtlicher Herrschaftsverhältnisse, sondern beruht selbst auf warenförmigen und sexistischen Organisationsprinzipien.

Im Kurs soll die Vermachtung romantischer Liebe thematisiert werden, ohne die ihr zugrunde liegende Sehnsucht nach einem „besseren menschlichen Zustand“ (Horkheimer) zu suspendieren. Anschließend werden wir uns mit alternativen Ansätzen zwischenmenschlicher Beziehungen (z.B. Polyamory) auseinandersetzen und diese kritisch nach ihrem emanzipatorischen Gehalt befragen.

Literatur:

Adorno, Theodor W. (1989): Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt am Main.

Illouz, Eva (2003): Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus, Frankfurt am Main. Fremdgenese (2007): Glück im Unglück. Un/möglichkeiten der romantischen Zweierbeziehung, in: A.G. Gender-Killer (Hrsg): Das gute Leben. Linke Perspektiven auf einen besseren Alltag, Münster, S. 95-113.

 

https://agnes.hu-berlin.de/lupo/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=UeberschriftDetail&publishConfFile=ueberschrift&publishSubDir=ueberschrift&keep=y&publishid=53968&fachrichtung=$fach

Ach, die liebe RZB, wie ist sie nur auf den Hund gekommen… Ich habe in den ›Minima Moralia‹ geblättert und treffliche Zitate zum Thema gefunden. Aber Adornos Worte gehören ja Reemtsma, Geist kann man nämlich kaufen, und wenn ich mehr zitiere als kommentiere, kriege ich es mit seinen Rechtsanwälten zu tun. Man sollte Adorno also wieder selber lesen – dann wüßte man, daß Adorno mit dieser Preisverleihung nicht einverstanden gewesen wäre.

Aber vielleicht lehnt Butler diesen Preis ja auch mal wieder ab nach diesen Scheinquerelen des Feuilletons und der Jüdischen Gemeinde, für deren Repräsentation wohlfeiler Empörungsgestus Bedingung zu sein scheint.

Wer ist eigentlich ihr Laudator? Alice Schwarzer? Die Künast des Alt-Feminismus? Da müßte man freilich Hoffnung hegen, daß der Stadtsäckel 50.000,- sinnlos verpulverte Euro einsparen kann.

Update (10.9.2012)

Die Laudatorin ist Prof. Dr. Eva Geulen von der  Universität Bonn. Das paßt.

http://www.gleichstellung.uni-bonn.de/perspektive_wissenschaft/professorinnen/geulen

Wobei es dann doch verwunderlich ist, daß die gender-erfahrene Professorin im entsprechenden Netzwerk von Nordrhein-Westfalen nicht aufscheint:

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/wissenschaftlerinnen/portrait/

Ob sie um ihre wissenschaftliche Reputation besorgt ist?