Gertrud Höhlers Merkel-Kritik – ein Fall für den medialen Kanzlerin-Rettungsschirm

 

Merk-Würdiges ereignet sich zur Zeit in unserer an Merkwürdigkeit ja nicht armen Presselandschaft: schon wieder führt sie eine Kampagne, staatstragend und unkritisch wie eh und je (wenn sie aus kommerziellen und Macht-Gelüsten in scheinmoralischem Furor einzelne Politiker oder Promis stürzt, oder auch nur nebenbei Existenzen zerstört, agiert sie ebenfalls staatstragend und unkritisch, dies nur nebenbei).

Gertrud Höhler hat es gewagt, den Regierungsstil der Kanzlerin fundamental und aus konservativer Sicht zu kritisieren, und schon fällt die gesamte Presse über sie her. Von der Springer-Presse war nichts anderes zu erwarten, das walte die Merkel-Freundin Friede Springer, zu deren Gefallen Merkel regiert:

Die Welt 24.08.12

Merkel? Frau Höhler hat da eine Meinung

Die Publizistin hat ein Kanzlerinnen-Buch geschrieben. Sie verunglimpft die Regierungschefin als Zerstörerin der Demokratie

Von Daniel Friedrich Sturm

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article108766968/Merkel-Frau-Hoehler-hat-da-eine-Meinung.html

Der STERN faßt das Unisono des medialen Sperrfeuers gegen Gertrud Höhler so zusammen:

Der „Spiegel“ interpretierte Höhlers Buch als Rache einer Frustrierten, die unter Kohl noch eine geschätzte Beraterin und Anwärterin auf einen Ministerposten war, von Merkel aber nicht weiter beachtet wird. Die „Süddeutsche Zeitung“ legte nach, und beschrieb auf der Reportageseite, wie Höhler zwei Mal kurz davor war, ein Interview abzubrechen, nur weil sie nach ihrem persönlichen Verhältnis zu Merkel gefragt wird.

Den Vorwurf, sie schlage allein aus persönlicher Eitelkeit um sich, empfindet Höhler als Beleidigung. Diese Deutung will sie unter allen Umständen unterbinden.

http://www.stern.de/politik/deutschland/die-patin-ueber-angela-merkel-gertrud-hoehlers-furor-1883460.html

Und selbstredend schließt sich der STERN dem medialen Mainstream an, der ihr Buch: ›Die Patin. Wie Angela Merkel Deutschland umbaut‹ ebenfalls als Dokument des Neides und der Stutenbissigkeit diskreditiert und den Furor verstörend findet, der dieses Buch antreibt – einen deutschen Verleger hätte es wohl kaum gefunden. Glücklicherweise war der Schweizer Verlag Orell Füssli mutig, unabhängig und geschäftstüchtig genug, die ewige Kumpanei zwischen Verlagen und Presse, wie sie in Deutschland dank der großen Konzerne gang und gäbe ist, zu durchbrechen und auf Lobeshymnen zu pfeifen. Auch schrille Begleitmusik fördert den Verkauf.

Der von der deutschen Presse reflexhaft aufgespannte Rettungsschirm für Angela Merkel ist mehr als nur nachvollziehbar. Die Denkverbote, die sich aus dem feministischen Mainstream der zur Mittelschicht zugehörigen Journaille ergeben, lassen es schlicht nicht zu, einen weiblichen Kanzler fundamental zu kritisieren. Und überhaupt muß ein solch engagiertes Buch wie das von Höhler die Defizite der eigenen Schreibe geradezu schmerzhaft vor Augen führen: die mediale Kritik an der Kanzlerin ist so harm- und zahnlos wie seinerzeit der gängige Birne-Spott gegen den gleicherweise machtversessenen Helmut Kohl, der nur von seiner kongenialen Ziehtochter Angela gestürzt werden konnte. Die macht es allerdings besser als er – sie hat weder Ziehsöhne noch Ziehtöchter, und Politiker ihrer eigenen Generation hat sie gezielt entsorgt, zuletzt in unnachahmlicher Manier den ihr zu gefährlich erscheinenden Umweltminister Norbert Röttgen. Der kann, im Gegensatz zu ihr, wenigstens reden. Sein Nachfolger, der eher mit Homestories und erwartungsdämpfender PR denn mit gestaltender Politik auf sich aufmerksam macht, ist haargenau eines jener loyalen Beta-Männchen, mit denen sie sich aus Gründen gern umgibt.

In dieser dumpfen Abwesenheitsperiode des kritischen Geistes verhalten sich ehedem geachtete Blätter wie die SÜDDEUTSCHE affirmativ und agieren als PR-Soldaten für Angela Merkel – das muß doch möglich sein, von ihr auf ein paar Promi-Fragen endlich einmal menschelnde Antworten zu erhalten – da muß es doch mehr als nur eine Machtmaschine geben:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/37939

Das Experiment ist allerdings gründlich mißlungen, öde und spröde kommen die wortkargen Antworten daher – Wahlkampfrhetorik aus der Retorte.

Es bleibt also konservativen, plumpem Feminismus abholden und nicht allzusehr in den kommerziellen Presse-Betrieb eingebundenen Frauen vorbehalten, sich laut und deutlich gegen Angela Merkel zu positionieren. Den Anfang machte im Februar 2011 Cora Stephan mit ihrem Buch: ›Angela Merkel. Ein Irrtum‹:

Angela Merkel ist nach Rot-Grün 2005 die Hoffnungsträgerin der Eliten, weit über das klassische CDU-Spektrum hinaus. Welch ein Irrtum. Auch wenn die Kanzlerin im Ausland eine gute Figur macht, im Lande selbst nimmt man sie nur noch als machtversessene, lavierende und konzeptionslose Staatsmann-Darstellerin wahr.

Nach Schröder, Fischer, Lafontaine, viel Basta und Testosteron sehnten sich viele nach einer neuen Politik. Nach einem sachbezogenen Regierungsstil. Nach einer Person wie Angela Merkel, die in der DDR den Wert von Freiheit und Unangepasstheit schätzen gelernt hat. Und endlich nach einer Frau im Amt. Die Physikerin Merkel machte Hoffnung auf eine Berliner Republik ohne Klientelpolitik, Mackertum und Lagerwahlkampf. Doch es ist alles beim Alten geblieben. Keine Reformen, nur Stillstand, keine Problemlösungen, nur Parolen. Kein Gedanke an die Zukunft, nur Wahlgeschenke zur Machtsicherung. An der Spitze eine ihre Macht bloß noch verwaltende verkrampfte Einzelkämpferin. Und deshalb sagt eine, die Angela Merkel einst gewählt hat, heute: »Basta, Frau Merkel!« Gewiss, da ist auch enttäuschte Liebe im Spiel. Cora Stephans schonungslose Analyse von Aufstieg und Fall der Angela Merkel ist radikal und subjektiv zugleich und spricht damit vielen aus der Seele.

Die erste persönliche Abrechnung mit Angela Merkel.

http://www.amazon.de/Angela-Merkel-Irrtum-Cora-Stephan/dp/3813504166

6.3.2011

Enttäuschte Liebe

Cora Stephan: „Angela Merkel. Ein Irrtum!“

Rezensiert von Reinhard Mohr

[…]

Heute nun, Jahrzehnte später, gilt es, einen neuen, ganz anderen Irrtum einzugestehen: „Angela Merkel. Ein Irrtum“ heißt Cora Stephans Abrechnung mit der Kanzlerin, die sich vom „funkensprühenden Rohdiamanten“ zur „stumpfen Murmel“ gewandelt habe: „Wohl selten hat jemand so anspruchslos vor sich hin regiert“, resümiert die enttäuschte Wählerin, die selbst von „enttäuschter Liebe“ spricht. Es wird sich irgendwie durchgewurstelt, bis Politik endgültig zum „alternativlosen“ Geschäft geworden ist, das man am besten gleich „Mutti“ überlässt. Um die Sache streitende Parteien braucht’s dann auch nicht mehr, Argumente und offene Diskussion schon gar nicht.

„There is no alternative“, kurz T.i.n.a. So lautet das Standardprogramm des organisierten politischen Stillstands.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1403452/

Seitdem hat sich das trostlose Erscheinungsbild einer überzeugungslosen Durchlaviererei noch weiter verfestigt, die aus dem Tritt geratenen Koalitionspartner CSU und FDP werden mit abstrusen Zugeständnissen ruhiggestellt, die Opposition gibt sich europapolitisch staatstragend, die Presse hat sich von der Kunst der grundlegenden Analyse verabschiedet und erschöpft sich in quotenträchtigen Skandalisierungs-Hypes.

Nun also hat sich Gertrud Höhler zu Wort gemeldet, und verknüpft Cora Stephans zutreffende Analyse der Person und des Wirkens von Angela Merkel kausal mit den zeitgleich zu beobachtenden Phänomenen von Politik(er)verdrossenheit, Demokratieabbau, Verfassungsverstößen und Rechtsbrüchen. (Das wäre noch zu untersuchen, ob unter der Kanzlerschaft Merkel nicht alle Rekorde gebrochen wurden, was die Aufhebung verfassungswidriger Gesetze durch das BVerfG anbelangt. Gefühlt: Ja, durchaus.) Die FAZ hat sehr klug gehandelt, als sie einen kleinen Vorabdruck aus dem Buch ›Die Patin‹ von Gertrud Höhler brachte:

Der Politikstil der Kanzlerin

Das System M

02.08.2012 ·  Mit Angela Merkel kam die Relativierung von Werten in die Politik. Ihre Führung lebt von den Missverständnissen, die über sie in Umlauf sind. So arbeitet sie am Zerfall der Demokratie.

Von Gertrud Höhler

Niemand unter den Tätern, die Europa durch Rechtsbrüche und Verfassungsverstöße retten wollen, bringt für diese lautlose Sprengung der Pfeiler, auf denen Europa und seine Staaten ruhten, eine so natürliche Qualifikation mit wie die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Die Ironie der Geschichte machte sie genau deshalb zur „Königin von Europa“, weil ihre Unbefangenheit beim Abbruchunternehmen Euro-Rettung von den beklommenen Vollstreckern als Überlegenheit erlebt wird. „Die Werte der anderen“ haben für die deutsche Chefin keinerlei Verbindlichkeit. So wird die Kanzlerin zur Protagonistin in einem dämonischen Spiel, das die „Rettung Europas“ zu einem absurden Preis auslobt: alle Spielregeln zu brechen, die den Geist von Europa garantieren. Die Stabilität des Kontinents wird nur noch über Geldwerte definiert. Der Irrtum am Start der Währungsunion wird damit wieder handlungsleitend; das geheime Motto lautet: Wir kaufen Europa.

Die Kanzlerin hat mit einer Rechtzeitigkeit die Szene betreten, die wir Zufall nennen können. Ob ohne diese unbeschwerte „gute Patin von Europa“ („Bild“ am 28. Oktober 2011) die deutsche Politik und ihre Dominanz im europäischen Projekt genauso aussähe, darf bezweifelt werden. „Führung“, wie die Kanzlerin sie praktiziert, ist ein zuverlässig codiertes Undercover-Stück, das von den Missverständnissen der Beobachter lebt. Jahrelang hat die Presse sich mit der Frage beschäftigt, ob sie besonders gut oder eher schlecht oder vielleicht gar nicht führt. In Wahrheit hat Merkel ein autokratisches System entwickelt, das von den Vorurteilen der Beobachter profitiert: Autoritäres Schweigen ist in diesen Vorurteilen nicht verzeichnet. Genau das praktiziert die Kanzlerin mit wachsendem Erfolg.

[…]

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-politikstil-der-kanzlerin-das-system-m-11841711.html

Auch Nicht-Konservative können sich dieser Analyse anschließen: ob Merkel sich als Präsidenten-Macherin oder -verhinderin betätigt, Rüstungsexporte in Spannungsgebiete ermöglicht oder Energiewenden per Abschaltungsverfügung ohne ausreichende Rechtsgrundlage einleitet (und gar die eine Ministerin nach der Frauenquote rufen läßt, während sie die andere gegen deren Willen dazu verdonnert, aus Koalitionszwängen ein sinnfreies Betreuungsgeld auf den Weg zu bringen) – nie wird etwas erklärt, niemals liegt diesen Entscheidungen eine innere Werte-Überzeugung zugrunde, wie es auch der gegen ihren Willen von der FDP installierte Bundespräsident Gauck, sozusagen ihr natürlicher Gegenspieler, moniert.

Gertrud Höhler ruft: ›Die Kaiserin ist nackt!‹ – ihre Partei, die CDU, schweigt betreten, denn niemand will es sich mit der Kanzlerin verderben, von der auch die eigene Karriere abhängt, und die wegen ihrer Leisetreterei beschämte Presse spammt ad hominem gegen die einsame Ruferin:

Irgendwann zischt sie nur noch. Ihr Kiefermuskel spannt sich an und das „S“ betont sie scharf: „So“, sagt Gertrud Höhler und beschließt damit jenen Satz, der erklären soll, an wen sich ihr Buch über Angela Merkel richten soll. „Für alle, die die Faust in der Tasche haben.“ So steht es auch als Widmung in ihrem Buch. Den gerechten Zorn müsse man entwickeln und ihn auch rauslassen – „als Warnung“. Und Gertrud Höhler hat die Faust ausgepackt und ihre Wut in Buchform gepresst. „Die Patin. Wie Angela Merkel Deutschland umbaut“, so hat sie ihr Werk betitelt und zeigt auf dem Cover einen Schattenriss der Kanzlerin – die Anmutung der dunklen Seite der Macht.

[…]

Mit einem politischen Amt, einem Ministerposten, hat es nie geklappt. Sie selbst reagiert erbost auf den Vorwurf, ihr Buch sei nur eine persönliche Abrechnung mit Angela Merkel. Ganze Interviews lässt sie platzen, wenn sie ihr zu sehr auf diesen Punkt zugespitzt sind.

[…]

Merkel wird all diese Kritik sehr wohl registrieren, in Angst und Schrecken wird es sie nicht versetzen. Das Magazin „Forbes“ hat sie gerade erst wieder zur mächtigsten Frau der Welt gekürt – und das zählt in einer Partei, die gerne an der Macht ist und bleiben will, dann doch mehr als eine überdrehte Kritikerin und ihre Freunde.

http://www.tagesspiegel.de/politik/hoehler-schlarmann-und-co-angela-merkel-ist-nicht-zu-fassen/7047562.html

Ja, selbstverständlich geht es Merkel und ihrer CDU nur um Macht und Machterhalt – das ist ja gerade der Kernpunkt von Höhlers Kritik… Die kann eine Presse, der es selbst um Meinungsmacht und -mache geht, natürlich nicht teilen. Besonders läppisch kanzelt SPON, die BILD-Tochter des SPIEGEL, die Kritikerin ab:

Wie kann jemand, der die Regierungschefin in Grund und Boden schreibt, kein tiefergehendes Problem mit ihr haben? Die Frage steht im Raum, sie wird gestellt, immer wieder. „Es gibt keine Fehde, es gibt sie nicht!“, bricht es irgendwann aus Höhler heraus.

Auch ein Versuch des Moderators nach Verständigung geht daneben. Viele Anwesende seien interessiert am Verhältnis der Autorin zur Kanzlerin. Es sei schließlich „nicht gerade ein lobhudelndes Buch“ entstanden. Da erstarrt Höhlers Gesicht. „Ich wollte über das Buch referieren und hatte gerade damit begonnen“, sagt sie mit eisiger Stimme. Der Moderator schweigt erstmal.

[…]

Die Berichterstatterin meldet sich noch einmal: Ob Höhler das wirklich so gemeint habe, dass Ostdeutsche generell leidenschaftslos seien?

Höhler sagt, sie könne sich nicht erinnern, so etwas gesagt zu haben. Dabei fiel der Satz vor 20 Minuten, alle haben ihn mitgeschrieben: Merkel besitze „eine Coolness, eine Wertneutralität, eine Leidenschaftslosigkeit, die vielen Westbürgern fremd war“. Aber nein, daraus eine Ost-Legende zu generieren, das sei weit hergeholt, meint Höhler, und hat einen kühlen Rat parat: „Lesen Sie doch einfach das Buch.“

Mit Material von dpa und dapd

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-patin-gertrud-hoehler-stellt-ihr-buch-ueber-angela-merkel-vor-a-851709.html

Ja, so ist das wirklich, Journalisten haben keine Zeit, Bücher zu lesen, und verdrehen Interviewten gern das Wort im Munde, so viel Boulevard muß sein – da hat die SPON-Autorin mit ihrem Bericht von der Pressekonferenz, die eher einem suggestiven Verhör voreingenommener Staatsanwälte glich, ein perfektes Eigentor geschossen; und so durfte auch der Merkel-Biograph Gerd Langguth bei SPON den originellen Einwand gegen die Autorin erheben, daß die Medien ihr immerfort den Titel ›Kanzlerberaterin‹ beilegten, obwohl in den Archiven so gut wie nichts über eine entsprechende Tätigkeit für Helmut Kohl zu finden sei…

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gertrud-hoehler-zweifel-an-ihrer-taetigkeit-als-kohls-kanzlerberaterin-a-851820.html

Diese substanzlose Attacke erstaunt umso mehr, als Langguth schon im Jahr 2005, noch vor der Kanzlerschaft Angela Merkels, zu vergleichbaren Ergebnissen über Angela Merkel und ihren Weg an die Macht gekommen war:

Angela Merkel strebt nach Macht, bekennt sich dazu, lässt aber die Frage: „Macht, wozu?“ unbeantwortet. Auch für diese Zurückhaltung, sich festzulegen, klar Position zu beziehen, findet Langguth Erklärungen in ihrer Biografie. Sie habe als Teil der Gefahrenabwehr in einer Diktatur gelernt, nie zu offenbaren, was sie wirklich denkt. Sie könne daran allerdings auch scheitern, wenn es ihr nicht gelinge, sich ein tragfähiges Netzwerk an guten Freunden oder Vertrauten zu schaffen.

[…]

In wieweit Angela Merkel das Christdemokratische oder Konservative in der CDU verkörpere, beantwortet Gerd Langguth so:

Langguth: Dies ist eine generelle Frage: Was ist eigentlich heute in einer Zeit der Säkularisierung noch typisch christdemokratisch oder typisch sozialdemokratisch. Sie entspricht in ihren politischen Grundüberzeugungen eigentlich sogar sehr viel stärker dem normalen Typus des Wechselwählers, der auch in vielen Punkten gar nicht so sehr festgelegt ist. Sie kann sehr schnell, wenn es sein muss, inhaltlich die Positionen wechseln. Sie ist unideologisch und sie ist pragmatisch. Das ist ein Vorteil, aber auch ein Nachteil zugleich. Denn natürlich muss sie auch als Parteivorsitzende einer christlich-demokratischen Partei dieser ein prägnantes christlich-demokratisches Profil geben.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesbuch/389027/

Gertrud Höhler bestätigt demnach nur, wie zutreffend seine damaligen Einschätzungen waren – das sieben Jahre später vorliegende Beweismaterial ist schließlich erdrückend. War der Politik-Professor eventuell neidisch auf die Literatur-Professorin, die sich so blendend artikulieren kann? Brillanter als ein dröger Politikwissenschaftler? Man wird ja wohl noch fragen dürfen.

Den vorläufigen Höhepunkt in der Kanzlerin-Verteidigungsschlacht der Presse lieferte bislang allerdings der öffentlich-rechtliche Rundfunk ab, was zwar nicht weiter erstaunt angesichts der parteipolitischen Einflußnahme auf die Sender, die sich der Macht gern gefällig zeigen. Aber die Mischung aus Larmoyanz, Hochmut und Drohung, die den offenen Brief von Armin Conrad an Frau Höhler vom 23.8.2012 auszeichnet, übersteigt dann doch das Vorstellungsvermögen des gebührenzahlenden Zuschauers, der das ZDF/3sat-Kulturfernsehen bislang für unverdächtig hielt, mit boulevardesken Überrumpelungsmanövern zu arbeiten.

Das hier war laut ZDF/3sat geschehen (und es muß ja stimmen, wenn es fettgedruckt auf dem Sender-Blog steht):

Die Publizistin und Literaturwissenschaftlerin Professor Gertrud Höhler hat am 22. August 2012 unmittelbar vor einem Schalt-Interview mit Kulturzeit-Moderatorin Cécile Schortmann das zugeschaltete Studio in Berlin verlassen, nachdem sie die Fragen, die wir ihr stellen wollten, angefordert und zu lesen bekommen hatte. Kulturzeit-Redaktionsleiter Armin Conrad hat dazu einen Brief an Frau Professor Dr. Höhler verfasst.

http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2012/08/23/hochverehrte-frau-professor-dr-hoehler/

Aber vielleicht ist es auch nicht so geschehen – denn am 24.8.2012 hat sich Claudia Cornelsen, Autorin und PR-Beraterin, zu Wort gemeldet und erklärt, daß Frau Höhler die ihr zu stellenden Fragen keineswegs angefordert habe. Ihr Kommentar ist bislang nicht kommentiert worden, was tief blicken läßt.

Armin Conrad tritt dennoch nach, allerdings ins Leere, denn Frau Höhler, so Cornelsen, verfügt über keinen Internetanschluß – ja, sowas gibt’s auch noch.

Hochverehrte Frau Professor Dr. Höhler, …

… jetzt ist das mit Ihnen für gestern vereinbarte Interview doch nicht zustande gekommen. Wir haben die Empörung auf Ihrem Gesicht mit angesehen, die Sie bei der Lektüre unserer Ihnen freundlicherweise vorher zur Verfügung gestellten Fragen empfunden haben. Uns sind nach Ihrem fulminanten Artikel in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” vom 3. August 2012 leider keine besseren Fragen eingefallen. Das Problem war wohl, wofür wir eigentlich nichts können, dass Ihr sicherlich ebenso fulminantes Buch “Die Patin” erst morgen, am Freitag, den 24. August, erscheint und uns Ihr Verlag bis gestern leider keine Fahnen zur Verfügung stellen konnte. Das ist ja das Dilemma: Dass man zu einem gescheiten Buch, das man nicht gelesen hat, keine gescheiten Fragen stellen kann. Und das ist gerade bezogen auf Ihre sicher sehr edlen Gedanken besonders schlimm.

[…]

Wir wissen, dass es auch andere Wege gibt, einem Interview die gewünschte intellektuelle Harmonie zu geben. Niedersachsens Ministerpräsident hat sich die Fragen, die man an ihn haben sollte, gleich selbst gestellt, sie beantwortet und dann das fertige Produkt an die Medien geschickt. Vielleicht ist da ja ein Modell, wenn Sie Ihr nächstes Buch schreiben.

[…]

Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind wir ja gehalten, mit den uns anvertrauten Gebührengeldern sparsam umzugehen. Das haben wir gestern nicht einlösen können. Aber seien Sie versichert: Wir haben den Reflex, Ihnen wegen Nichteinhaltung getroffener Absprachen eine Rechnung über die uns entstandenen Aufwendungen zuzusenden, sofort unterdrückt.

Es bedarf sicher keiner Erwähnung mehr, dass wir künftig auf jede Mitwirkung Ihrer Person in unserer Sendung verzichten werden. Es ist gut zu wissen, dass das deutsche Fernsehen,  in dessen Gesprächsformaten Sie ja seit Jahrzehnten zu Hause und dabei hoch angesehen sind, Ihnen genügend andere Gelegenheiten gibt, sich darzustellen. Hoffentlich werden dort die der Qualität Ihrer Gedanken angemessenen Fragen gestellt.

[…]

http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2012/08/23/hochverehrte-frau-professor-dr-hoehler/

In einer Antwort auf einen kritischen Kommentar hat Conrad am 23.8.2012 weiter ausgeführt:

 […]

Frau Höhler ist Fernsehprofi durch und durch. Sie kann über die Formulierung von Fragen bei diesem aufgezeichneten (!) Gespräch mit der Fragerin streiten. Sie kann auch vorher schon abgesagt haben. Frau Höhler hat jedoch wortlos bis vor sich hin schimpfend, ohne mit der Redaktion, die sie eingeladen hat, den Raum verlassen. Die Gefährdung der eine Stunde später stattfindenden Sendung folgte auf dem Fuße. Beitrag neu gestalten, Ablauf umstricken, neue Stellproben, Bilder neu laden. und das alles weitgehend in die Tarifpause der Kollegen im Studiobetrieb hinein. Aus ihrer Axiomatik heraus hat sie sicher die richtige Entscheidung getroffen, aber eben nur daraus. Hoffentlich ist sie zufrieden mit ihrer Entscheidung, dann muss man darüber nicht mehr soviel reden. Würden Sie denn jemanden wieder einladen, der Ihnen abrupt Ihre Arbeitsergebnisse gefährdet. Nicht nur die zu diesem Thema. Beste Grüße, Armin Conrad

[3sat] Armin Conrad | 23. August 2012 | 17:19 |

http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2012/08/23/hochverehrte-frau-professor-dr-hoehler/

Eine Direktverlinkung auf den Kommentar ist leider nicht möglich. Fein, wie sehr der Herr Conrad die effektive Verwendung unserer Gebühren im Auge hat, wie sehr ihm die tariflichen Arbeitszeiten der Mitarbeiter am Herzen liegen, und wie gründlich und zugleich flott in seiner Redaktion gearbeitet wird, die einer Autorin mit acht ächt kritischen Fragen zu Leibe rückt, ohne das betreffende Buch gelesen zu haben! Hach, wäre das toll gewesen, als erster schon am 22.8., vor Sperrfristablauf des erst am 24.8.2012 erscheinenden Buchs, berichten zu können. Und wie super sich das anfühlt, eine Autorin abzuwatschen und ihr für immer die Tür zu weisen; da sieht man doch gleich, wer die Macht hat und auf wen es im Literaturbetrieb ankommt: was sind denn schon Buchproduzenten gegenüber denjenigen, die Werbung für ihre Produkte machen, sei es durch Verriß & Attacke oder durch Lobhudelei? Was sind Schriften im Vergleich zu TV? Was wäre Kuhmilch ohne Molkereien?

Schon der Tonfall des düpierten Herrn Conrad ist entlarvend. Liest man dann, wie das Geschehen aus der unwidersprochenen Sicht der Betroffenen tatsächlich abgelaufen ist, wird einem flau angesichts der Methoden, die sowohl im Vorfeld als auch im Nachgang der gescheiterten Sendung von einem öffentlich-rechtlichen Sender angewandt wurden:

Claudia Cornelsen:

 […]

Im Unterschied zu Ihnen war ich live vor Ort dabei, als Frau Professor Höhler das ZDF-Studio der Sendung “Kulturzeit”(3SAT) empört verlassen hat. Ich kenne die Gründe und will Sie Ihnen gern erläutern. Es war fast so wie Sie es darstellen:
Der Redakteur Ralf Rättig hatte Frau Höhler – übrigens unaufgefordert – mit “herzlichen Grüßen” eine knappe Stunde vor der Aufzeichnung des Interviews die Fragen zugeschickt, die man ihr stellen wolle. Vier kurze sachliche Fragen, nämlich diese:
– Was kennzeichnet das System Merkel?
– Wohin steuert sie Deutschland? Gefahr für die Demokratie?
– Werterelativismus, ein Problem der CDU oder der Zeit?
– was unterscheidet das System Merkel vom System Kohl?
Als sie bereits verkabelt vor der Kamera saß, legte eine Studio-Mitarbeiterin Frau Höhler einen Zettel vor. Dies seien die Fragen, die man ihr stellen würde: Acht lange und sehr polemische Fragen, die Sie (bis auf die Korrektur der zahlreichen Grammatik- und Schreibfehler) sauber hier im Netz dokumentiert haben.
Sie müssen zugegeben, dass in Quantität und Qualität ein erheblicher Unterschied zwischen den zuerst vorgelegten Fragen und den tatsächlich beabsichtigten Fragen besteht. Allein die Masse der „echten“ Fragen übertrifft das Volumen dessen, was in einem (auf acht Minuten angesetzten) aufgezeichneten Gespräch, das später auf drei Minuten gekürzt gesendet werden soll, bewältigbar ist.
Ist das nicht seltsam? Warum sagen Sie erst A, dann B? Muss man da nicht misstrauisch werden? Wird da jemand bewusst auf eine falsche Fährte geführt? Wer mit Tricks versucht einen Gesprächspartner vor die Kamera zu locken – was führt der im Schilde?
Und bedenkt man nicht nur die Zahl der neuen Fragen, sondern auch ihre Tonart, dann muss man erheblich ins Grübeln kommen (wozu im Studio keine Minute Zeit war, weil bereits die Techniker die Geräte einschalteten):
Wie soll man mit den zahlreichen Unterstellungen, die Ihre langen Fragen enthalten, in der Kürze der Zeit umgehen? Um alles richtigzustellen, bräuchte es sehr viel länger: Nein, Frau Höhler wirft Frau Merkel NICHT unverblümt ihre DDR-Jugend vor. Nein, „autoritäres Schweigen“ ist NICHT dasselbe wie „Aussitzen“. Nein, das Buch ist KEINE persönliche Kampfansage gegen Frau Merkel. usw.
Wer im allerersten Fernsehinterview (Frau Höhler hatte Ihnen das Interview in Wertschätzung Ihrer Sendung zugesagt und zwar VOR allen anderen Fernsehsendern in Deutschland, die ebenfalls alle angefragt hatten, sich aber alle bis zum offiziellen Pressegespräch am Folgetag gedulden mussten) nicht ausschließlich als „Nein-Sagerin“ auftreten will, der MUSS an dieser Stelle aufstehen und das Gespräch abbrechen. Das ist das einzig richtige und angemessene. Ich habe Frau Höhler deswegen sehr zugeraten, das zu tun. Sie hat nur einmal “Nein” gesagt und das richtig.

[…]

PS: Frau Höhler hatten Sie gesagt, dass die Sendung erst am Freitag [24.8.2012] laufe und allein aus technischen Gründen vorab aufgezeichnet werden müsse. Dass Sie vorhatten, das Interview bereits am Mittwochabend [22.8.2012] zu senden, erfahre ich jetzt erst anhand Ihrer Kommentare zu den Blogkommentaren: „Die Gefährdung der eine Stunde später stattfindenden Sendung folgte auf dem Fuße. Beitrag neu gestalten, Ablauf umstricken, neue Stellproben, Bilder neu laden. und das alles weitgehend in die Tarifpause der Kollegen im Studiobetrieb hinein.“ – Sie Ärmster. Da wollten Sie still und heimlich die allseits beachtete Sperrfrist unterlaufen und jetzt kommt auch das noch raus…

Claudia Cornelsen | 24. August 2012 | 16:31 |

http://blog.zdf.de/3sat.Kulturtube/2012/08/23/hochverehrte-frau-professor-dr-hoehler/

Die geballte Arroganz der vermeintlichen Medienmacht hat es vermocht, dieses wichtige Buch in kürzester Frist auf einen Bestseller-Rang zu katapultieren (wie ja auch bereits – mal wieder – die überwiegend kritischen Leserkommentare zu den flachen Zickenkrieg-Artikeln unserer Qualitätsmedien andeuteten, deren Affinität zum ›System M‹ unverkennbar ist – es wird dort vermutlich ebenfalls praktiziert, anders läßt sich die Abwesenheit von klugen Köpfen einfach nicht mehr erklären). Bei AMAZON rangiert das Höhler-Werk heute unter Nr. 8 bei Büchern und als Nr. 1 in den Kategorien Politik/Geschichte nach Ländern bzw. Deutsche Politik.

Mephisto läßt grüßen…

Friede Springer & die Frauenquote

 

Die Witwe und Erbin Friede Springer hat der WELT AM SONNTAG ein längliches Interview gegeben, das am 29.4.2012 veröffentlicht wurde:

„Ich wollte es dem Herrn Kirch beweisen“

Am 2. Mai wäre der Verleger Axel Springer 100 Jahre alt geworden. Seine Frau Friede öffnet deshalb ihr privates Fotoalbum und spricht im Interview über ihre Ehe mit einem Visionär und dessen Erbe. Von Andrea Seibel

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

Die Interviewerin gibt wohlwollende Stichworte und Frau Springer extemporiert wolkig, wie das nun mal ist, wenn eine Angestellte die Chefin befragt.

Das hier ist schon der Höhepunkt an Kritik, die sich Andrea Seibel leistet:

Welt am Sonntag: Ernst Cramer, der langjährige Weggefährte Ihres Mannes und auch Ihr Freund bis zu seinem Tod vor zwei Jahren, sagte 2008 versöhnend in einem Gespräch mit dem Schriftsteller Peter Schneider, Springer hätte in Rudi Dutschke zwar einen Zerstörer aller demokratischen Werte gesehen, aber den deutschen Patrioten in ihm verkannt. Damals war Ihr Mann hart in seiner Kritik. Würde er heute anders auf diese Zeit blicken, gemäßigter, wie Ernst Cramer oder auch Peter Boenisch, der sich später für manche Überschrift der „Bild“ entschuldigte?

Friede Springer: Eines ist sicher: Er war ein sensibler, mitfühlender Mensch. Es fiel ihm nicht schwer, sich zu entschuldigen. Er konnte auch schnell verzeihen. Sicher täte ihm vieles leid. Einmal sagte er ja auch im Laufe eines Ben-Witter-Interviews, manchmal fiele er vor Schreck aus dem Bett, wenn er die Überschriften seiner Blätter läse. So war er. Er war sehr emotional.

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

Nun mußte das Interview vielleicht nicht ganz so harsch ausfallen wie jenes, das Gerhard Henschel am 5.9.2006 führte:

„Friede Springer ist pervers!“

Der Fall Natascha Kampusch. Interview mit dem Psychoanalytiker Erwin Sonderbrügge

taz: Herr Sonderbrügge, die nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft der Gewalt ihres Entführers entkommene Natascha Kampusch hat sich in einem offenen Brief intime Fragen ausdrücklich verbeten und erklärt: „Die Intimität gehört mir alleine.“ Nun haben das österreichische Magazin News und die deutsche Bild-Zeitung ausführlich Intimstes aus den unrechtmäßig angezapften Vernehmungsprotokollen zitiert, die die Öffentlichkeit einen Dreck angehen …

Erwin Sonderbrügge: Ich bin kein Jurist und kann mich nur auf mein Gerechtigkeitsempfinden berufen, wenn ich sage, dass die presserechtlich dafür Verantwortlichen hinter schwedische Gardinen gehören. Außerdem bedürfen sie einer intensiven Therapie. Es ist allerdings fraglich, inwieweit Menschen, die seit Jahren ihren Lebensunterhalt mit Schnüffeleien in fremden Betten bestreiten, therapierbar sind.

Bild hat die Leserschaft auch über die Existenz von DNA-Spuren der Geisel am Bettlaken des Entführers informiert.

Wer so etwas tut, ist pervers. Der finanzielle Vorteil, den die Sexualnachrichtenhehler aus ihrem Geschäft ziehen, sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass ihnen als Triebtätern die Fähigkeit fehlt, moralisch und sozial verantwortlich zu handeln. Im Grunde sind diese Leute arme Schweine.

Besonders arm ist der Bild-Herausgeber Kai Diekmann ja nun nicht.

Das ist auch wieder wahr.

Die Verlegerin Friede Springer ist sogar Milliardärin und verdient sich in diesen Tagen noch dümmer und dämlicher mit dem Ausplärren der im Schlafzimmer des Entführers zusammengetragenen polizeilichen Ermittlungsergebnisse.

Und eben daraus spricht ja die bittere Geistesarmut dieser Person. Sie ist betriebsblind, sozial inkompetent, seelisch verroht und absolut unfähig, ihre Geldgier aus Rücksicht auf andere Menschen zu zügeln, und so lässt sie ihre Angestellten eben das Bettlaken eines Entführers auslutschen und Schindluder in Frau Kampuschs Intimsphäre treiben.

Wie würden Sie Friede Springer, Kai Diekmann und Mathias Döpfner, den Chef des Springerkonzerns, therapieren?

Pffffff … (Kratzt sich am Kopf und schweigt ratlos.)

[…]

http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/09/05/a0198

Aber eine kleine Nachfrage, wie es denn um ihren eigenen Seelenfrieden bestellt sei, wenn sie die Schlagzeilen ihrer Cash-Cow BILD lese, wäre doch wohl möglich gewesen, ohne eine Abmahnung zu kassieren? Und wie sie selbst zu den Haß-Parolen der BILD stehe, die das Klima der Jahre 67/68 vergiftete. Marek Dutschke hat es jedenfalls probiert:

Es ist für mich unerheblich, ob Josef Bachmann selbst die „Bild“-Zeitung gelesen oder die Parolen irgendwo aufgeschnappt hat, als er beschloss, meinen Vater zu erschießen. Die Parolen der Springer-Presse waren längst in die Mitte der Gesellschaft gedrungen.

Hat Axel Springer in der Studentenbewegung wirklich eine Bedrohung für Westdeutschland gesehen? Woher rührte das krasse Feindbild und die Hetzjagd durch seine Scharfmacher in der Redaktion? Fand er es unverschämt, dass vermeintlich privilegierte Studenten einen Machtanspruch formuliert hatten? Hatte der große Medienmogul Axel Cäsar Springer einen Minderwertigkeitskomplex, weil er selbst nicht studiert hatte? War er neidisch auf Jugend und Tatendrang der Studenten? Oder kalkulierte er trocken, je drastischer die Schlagzeile, desto größer die Auflage? Wie dem auch sei, er ist mitverantwortlich für das Attentat auf meinen Vater und für die weitere Eskalation der Gewalt.

Als ich im Jahr 2000 längere Zeit in Berlin lebte, wohnte ich bei Freunden zufällig genau in der Straße, in der Friede Springers Villa steht. Ich war Anfang Zwanzig und naiv. Ich schrieb einen formlosen Brief an sie und fragte, wieso ihr späterer Mann damals eine solch verantwortungslose und gefährliche Berichterstattung zugelassen hat. Warum musste alles so kommen, wie es gekommen ist?

Ich ging zu ihrem Haus und steckte den Brief einfach in den Kasten. Die Antwort folgte prompt. „Erstaunt, aber auch erfreut“, sandte Friede Springer mir („dem lieben Herrn Dutschke“) „freundliche Grüße von Tür zu Tür“. Es sei eine „aufregende Zeit“ gewesen damals. Ihr verstorbener Mann sei von allen Seiten angefeindet worden. Die „Ursachen der ganzen Entwicklung“ könne man „im Archiv nachlesen“. Der Brief war freundlich und milde. Im wichtigsten Punkt blieb Friede Springer der alten Linie treu: „Schuld am Tod Ihres Vaters kann Axel Springer gar nicht gewesen sein“. Begründet hat sie das nicht. Es ist ein starkes Stück, Springer als Opfer darzustellen. Er, der reiche Meinungsmacher, ein Opfer der Studenten? An dieser Argumentation hat sich, soweit mir bekannt ist, bis heute nichts geändert. Es hat beim Springer-Verlag keine Aufarbeitung der Geschichte gegeben.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,829694,00.html

Nein, dieses Terrain ist zu gefährlich. Friede Springer arbeitet lieber weiter am kitschigen Verklärungswerk, das ihren charmanten Götter-Gatten der Zone der gemeinen Kritik entrückt. Sie trägt aber auch, was ihr eigenes Leben angeht, eine rosarote Brille. Und insoweit ist dieses Interview wirklich interessant.

Wie sieht sie ihr Leben ›als Frau‹, das in seiner Spannweite von Kindermädchen ohne Ausbildung über ausgehaltene Geliebte, fünfte Ehefrau eines dreißig Jahre älteren Wirtschaftsmagnaten, Aufsichtsrätin bis hin zur Erbin und machtbewußten Milliardärin genug Anlaß zur Reflektion bietet? Was hält sie vor diesem biographischen Hintergrund von der Frauenquote? Gibt es ihr zu denken, daß nahezu alle mächtigen Frauen in der Wirtschaft auf dieselbe Art und Weise zu Rang, Namen und Vermögen gekommen sind?

Mächtige Wirtschaftsfrauen

Von seiner Seite an die Spitze

Von Maria Marquart

Sie machten Karriere ohne Quote: Friede Springer und Liz Mohn stiegen vom Kindermädchen und der Telefonistin zu den mächtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft auf. Jetzt rückt Ursula Piëch in den VW-Aufsichtsrat auf. Denn wenn es ums Erbe geht, vertrauen die Bosse ihren Frauen.

[…]

Eine Frauenquote lehnen viele Vorstandsbosse oft mit dem Verweis ab, es gebe zu wenig qualifizierte Bewerberinnen. Ursula Piëch gibt in der Kandidatur für den VW-Aufsichtsrat ihren Beruf mit „Kindergärtnerin und Horterzieherin mit zusätzlichem Prüfungsfach Wirtschaft und Recht“ an – und VW-Chef Martin Winterkorn gibt sich von der künftigen Konzern-Kontrolleurin begeistert. Der Manager – und Untergebene von Ferdinand Piëch – nannte dessen Gattin eine „sehr kompetente und unternehmerisch denkende Frau“.

Protegiert vom mächtigen Ehemann haben Frauen offenbar gute Chancen, sich in der Wirtschaft zu etablieren. Piëchs Strategie haben andere Unternehmer bereits umgesetzt. Die Verleger Axel Springer und Reinhard Mohn, der Industriezulieferer Georg Schaeffler und der BMW-Großaktionär Herbert Quandt – sie alle zogen ihre Ehefrauen als Nachfolgerinnen heran. Die Lebenswege dieser Frauen weisen überraschende Parallelen auf.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,820887,00.html

Das ist zweifellos die für die Männer schmerzloseste Variante der Frauenquote: die Mehrheitsaktionäre installieren ihre entsprechend geführten Frauen und Töchter im Aufsichtsrat, und die setzen dort die Strategie der Ehemänner und Väter um.

Ist golddigging also tatsächlich eine Option für den weiblichen Lebensweg? Wie denkt Friede Springer über die elf Jahre, in denen sie von der Großzügigkeit eines Frauenhelden abhängig war? (Was ließen sich heute nicht für Strauss-Kahn’sche Titelstories über den Eroberer Axel Springer schreiben…)

Friede Springer: Wir haben uns so gut verstanden, nie gab er mir das Gefühl, nur eine Affäre zu sein. Klar, ich war schüchtern, still, zurückhaltend. Aber nie war ich nur Geliebte, ich lebte schließlich mit ihm in seinen vielen Häusern, ich gehörte dazu, ich wurde geachtet. Als Axel Springer 1978 dann zu mir sagte: „Ich kann dieses Fräulein Riewerts nicht mehr hören. Wir heiraten!“, kam das so überraschend, dass ich fast vom Stuhl fiel.

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

So kann es nicht gewesen sein – ganz abgesehen davon, daß der Heiratsantrag im Dezember 1977 gemacht wurde… Ihre Biographin Inge Kloepfer zeichnet diese Periode ihres Lebens in aller Deutlichkeit:

Er verwöhnte sie, wann immer er sie besuchte. Er kaufte ihr sündhaft teure Schuhe, die er im Schaufenster entdeckte, vermied es aber, mit seiner Neuen das Geschäft zu betreten. „Das Paar gefällt mir. Geh schnell hinein und kauf es dir“, sagte er zu ihr, drückte ihr ein paar große Scheine in die Hand und wartete, bis sie im Handumdrehen mit einer Tüte wieder aus dem Laden kam.

Springer unterhielt sich mit ihr – meinte er zumindest, denn was er für Unterhaltung hielt, endete häufig in Monologen. Nur zu Freunden und Bekannten nahm er sie nicht mit. So blieb sie allein, wenn er nicht bei ihr war, eingesperrt in einem goldenen Käfig. Sie fühlte sich einsam und nicht wirklich glücklich. Deshalb vermied sie es, die Nachmittage in ihren vier Wänden zu verbringen und auf Springer zu warten. Sie rannte aus dem Haus, besuchte Ausstellungen und Museen, ging spazieren und floh vor ihren eigenen Gedanken. Sie lenkte sich ab, so gut es ging. Über sich selbst und ihre Situation wollte sie nicht grübeln. Auf keinen Fall. Ihrem Unwohlsein wollte sie sich nicht stellen. Dann hätte sie sich eingestehen müssen, daß sie sich aushalten ließ, das Leben einer Mätresse führte, deren Wohl und Wehe nur von ihrem Gönner abhing. Und das wiederum wollte sie nicht wahrhaben. Es konnte und durfte nicht sein.

http://www.welt.de/print-wams/article122803/Die-Frau-von-der-Insel-und-ihre-grosse-Liebe.html

Elf  Jahre, in denen die Hoffnung auf Prestigegewinn und Vorzeigbarkeit mittels Eheschließung bereits begraben worden ist; Jahre, die aus Warten auf den Mann, Ablenkungen, dem Horten von Schmuck und Pelzen, dem Aufschauen, dem Aufgehen in ihm bestehen, alles bei ungesichertem sozialen und rechtlichen Status und der Gefahr, vor dem Nichts zu stehen, wenn der Mann sie verläßt. Wie hätte sie sich selbst ernähren können, ohne Berufsausbildung und Erwerbsbiographie? Über den demütigenden Aspekt dieses fremdbestimmt-abhängigen Lebens eilt sie hinweg und reklamiert ›Augenhöhe‹:

Welt am Sonntag: Was liebte und schätzte Axel Springer besonders an Ihnen?

Friede Springer: Ich kümmerte mich hundert Prozent um ihn, das gefiel ihm. Ich war eine gute Zuhörerin und ich lernte dazu. Das Verlagsgeschäft habe ich am Frühstückstisch, am Mittagstisch und beim Abendessen mit aufgesogen. Im Urlaub lasen wir gemeinsam Bücher und unterhielten uns darüber. Das kannte er nicht, dass sich jemand derartig mit ihm auseinandersetzte und beschäftigte, intensiv und auf gleicher Augenhöhe.

[…]

Friede Springer: Er hatte zu jeder Phase seines Lebens die richtige Frau. Wie mich auch.

Welt am Sonntag: Sie, die so gut mit Kindern konnten, durften keine haben. Er wollte Ihre ganze Aufmerksamkeit. Haben Sie ihm das nicht nachgetragen?

Friede Springer: Das war ein großes Opfer für mich. Ich liebe Kinder. Aber ich wusste, dass das nicht gut gehen würde. Er wollte meine Aufmerksamkeit. Und er wusste, hätten wir ein Kind, würde ich es niemals an ein Kindermädchen abgeben. Dafür kannte er mich zu gut. Heute habe ich elf Patenkinder und ich genieße das sehr.

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

Tatsächlich beschreibt sie ein Programm der Unterwerfung. Einzig die Bedürfnisse des Mannes nach exklusiver mütterlicher Zuwendung zählen. Weiter weg von Emanzipation könnte ein solches Frauenleben nicht angesiedelt sein, und da hilft auch nicht die herbeibeschworene Illusion, als ein auf Augenhöhe agierender Partner angesehen zu werden.

Der Springer-Enkel Axel Sven Springer hat im SPIEGEL-Interview vom 16.4.2012 Folgendes zu dem Verhältnis des Paares gesagt:

Springer: Die Friede Springer von damals hat mit der Friede Springer von heute wenig zu tun. Damals war sie nicht sehr selbstbewusst.

SPIEGEL: Es war kein Verhältnis auf Augenhöhe?

Springer: Niemand hatte zu meinem Großvater ein Verhältnis auf Augenhöhe. Friede war für meinen Großvater da. Das hat sie auch wirklich sehr liebevoll gemacht.

SPIEGEL: Aber sie tat nur, was er wollte?

Springer: Egal, was passierte, egal, wonach er fragte – mein Großvater bekam fast immer von allen nur die Antwort: „Bereits veranlaßt, Herr Springer“. Das ist ein geflügeltes Wort in der Familie.

SPIEGEL 16/2012, S. 141

Umso erstaunlicher, wie sie sich nach seinem Tod entwickelt hat: zäh in der familiären Erbauseinandersetzung, die ihr 20 % mehr sicherte als im vorhandenen rechtsgültigen schriftlichen Testament Axel Springers vorgesehen war; erfolgreich in der Rückeroberung der Aktienmehrheit – natürlich durch Männer wie Bernhard Servatius, Aufsichtsratsvorsitzender, Familienfreund und Testamentsvollstrecker, entsprechend beraten. Sie selbst führt diesen auch von Tränen, Ängsten und Einsamkeit begleiteten Wesenswandel auf ein Lehrer-Schüler-Verhältnis zurück:

Welt am Sonntag: „Friede darf alles wissen“, sagte einst Ihr Mann zu Ernst Cramer. Sie haben viel von ihm gelernt.

Friede Springer: Einmal meinte ich, ich sei ein Produkt von ihm, das ist missverständlich, es klingt, als hätte ich keinen eigenen Willen. Heute sage ich: Er hat mich ausgebildet, ich bin dank ihm gewachsen.

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

Ich lasse diese Lebensdeutung so stehen, einfach schon deshalb, weil mir außer dem Phänomen der Seelenwanderung keine anderen plausiblen Erklärungen einfallen wollen. Friede Springer ist jedenfalls eine Frau, deren Leben die Extrema der Skala zwischen Abhängigkeit und Machtausübung, zwischen unkritisch-liebevollem Umsorgen und knallharter Geschäftstätigkeit berührt. Eigentlich müßte gerade sie Erhellendes zu Emanzipation und Frauenquote sagen können.

Und dann liest man das:

Welt am Sonntag: Sie sind emanzipiert, sind eine moderne Frau, die sich in einer Männerwelt bewährt hat, ein Vorbild. Sie haben gesagt, ich habe immer Herausforderungen gesucht, ich bin ein Mann.

Friede Springer: Nein, ich habe gesagt, ich wäre lieber ein Mann geworden. Männer haben es einfacher im Leben. Wäre ich heute 18, würde ich das natürlich nicht mehr so sagen. Heute steht jungen Frauen die Welt offen. Aber ich werde 70 in diesem Jahr und ich denke manchmal, als Mann wäre ich früher sicherlich weiter gekommen im Leben.

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

Erschütternd. Als Mann wäre sie leistungslos Milliardärin und Unternehmenslenkerin geworden? Als Sohnemann vielleicht… Da wagt sogar Andrea Seibel einen zaghaften Widerspruch:

Welt am Sonntag: Aber das sind Sie doch! Und außerdem hätten Sie Ihren Mann dann nicht gehabt.

Friede Springer: Das stimmt auch wieder.

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

Wie sie das nur vergessen konnte, die große Liebe… Gut, daß noch einmal nachgehakt wurde.

Zur Frauenquote sagt sie jedenfalls entschieden JEIN:

Welt am Sonntag: Heute sind Frauen so frei wie nie, Sie sagten es, und doch ist immer noch die Erfahrung vieler, dass sie es schwerer haben als Männer. Brauchen wir die Quote?

Friede Springer: Ich bin sicher oft eine Quotenfrau gewesen, in vielen Kreisen und Kuratorien, in die man mich berief, aber ich habe das nie als negativ empfunden. In dem Sinne bin ich nicht gegen die Quote. Vehement dafür bin ich aber auch nicht, weil ihr ein Hauch von Unfreiheit und Zwang anhaftet. Aber wir wollen schließlich weiterkommen! Vielleicht braucht es daher einfach diesen Schub.

http://www.welt.de/vermischtes/article106233685/Ich-wollte-es-dem-Herrn-Kirch-beweisen.html

Sie scheint nicht verstanden zu haben, was der Begriff ›Quotenfrau‹ bedeutet und welche Abwertung er vermittelt: nur wegen des Geschlechts und nicht wegen der Qualifikation befördert zu werden, muß jede Frau kränken, die tatsächlich qualifiziert ist. Friede Springer war nirgendwo Quotenfrau, sondern im Konzern als Anteilseignerin sozusagen ein ›geborener‹ Aufsichtsrat. Und in den diversen Kuratorien ist sie eine hochqualifizierte Repräsentantin von Macht, Geld und Einfluß – ihr Geschlecht ist unerheblich.

Dem ›Hauch von Unfreiheit und Zwang‹, ja, dem sieht sie als Unternehmerin freilich beklommen entgegen. Das würde ihr nicht gefallen, wenn sie im eigenen Machtbereich die bewährten Vertrauten austauschen müßte. Und das steht zu befürchten, daß irgendwann auch die Vorstandsebene dran glauben soll. Letztlich geht es um den geschäftlichen Erfolg, und die Ära der geschassten Manager mit ihren Millionenabfindungen bei Springer sollte nun wirklich abgeschlossen sein.

Und der ›Schub‹, ja nun, ich weiß nicht. Es wird immer Menschen, Frauen wie Männer, geben, deren Vorstellung von ›Weiterkommen‹ begrenzt ist. Kloepfer über die Bewerbung der 23-jährigen Friede als Kindermädchen bei, wie es sich später herausstellte, der Springer-Familie:

Ein Villenhaushalt in Hamburg – war das nicht das, was sie wollte? Dort sollte sie nicht Mädchen für alles sein, sondern ausschließlich das Kinderfräulein für einen niedlichen Jungen in einem herrlichen Haus, sicher bei wohlhabenden Leuten, die sie womöglich ebenso freundlich und offen aufnähmen wie die beiden anderen Familien, bei denen sie bisher gearbeitet hatte. Die Vorstellung, die diese Anzeige bei ihr weckte, gefiel ihr. Sie bewarb sich, formulierte ihr Anschreiben schlicht und verbindlich und schrieb auch ein wenig von sich selbst. Viel gab es ja nicht zu berichten über ihren Werdegang. Gerade einmal die Volksschule hatte sie absolviert und in zwei Haushalten mit Kindern Erfahrung gesammelt. Mit ihrer schwungvollen Schrift setzte sie ihren Namen unter den Text und die Adresse des Springer-Verlages in Hamburg auf den Briefumschlag.

http://www.welt.de/print-wams/article122803/Die-Frau-von-der-Insel-und-ihre-grosse-Liebe.html

Ob sie die 1958 begonnene Lehre im Hotelfach im Duus-Hotel in Wyk nicht nach wenigen Monaten abgebrochen hätte, wenn es seinerzeit schon Quotenfrauen in Aufsichtsräten von DAX-Konzernen gegeben hätte?

http://www.klixs.de/friede-springer/F/1136.html

Angesichts des Lebensziels ›Villenhaushalt‹ ist das zu bezweifeln. Sicher erscheint dagegen, daß Friede Springer nicht weiter mit Fragen zur Emanzipation und der Frauenquote behelligt werden sollte. Denn ihre Kern-Botschaft lautet recht eigentlich: Tu, felix femina, nube. Und nutze den jungen Witwenstand.

Das ist ganz und gar nicht emanzipiert. Und da die Frauen von heute ja alle so frei und selbstbewußt sind, hätte das uns vor Augen geführte Beziehungsmodell sowieso nicht den Hauch einer Chance…

Update:

Hier gibt es eine umfangreiche Darstellung über das gerichtliche Berufungsverfahren (2 U 35/04 OLG Hamburg), das Axel Sven Springer gegen Friede Springer wegen der Erbschaftsauseinandersetzung geführt hat:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/0,2828,517817,00.html

Friede Springer hat diesen Prozeß gewonnen:

http://justiz.hamburg.de/oberlandesgericht/aktuelles/1289468/pressemeldung-2008-01-22-olg-01.html

Mir ist bereits der mitgeteilte Sachverhalt unverständlich: wenn der anwaltlich nicht beratene 19-jährige Axel Sven Springer am 31.10.1985 in einem Erbvertrag auf die ihm gemäß gültigem Testament zustehenden 25% des Erbes verzichtet und er sich mit 5% beschieden hat, wie kann er dann am 17.12.1985 von seinem gar nicht existierenden 25% -Anteil 10% an Friede Springer abgetreten haben? Rätselhaftes Zivilrecht…

Der BGH wies am 15.7.2009 die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision zurück.

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=48759&pos=0&anz=1