Entsorgte Väter – eine Nachlese

[aus dem Familienalbum Wolff: Großvater und Enkel, Juli 1992]

Ich habe mich gefreut, als Roger Lebien sich in einer Mail an mich wandte, in der sein Gastkommentar

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/11/17/feministische-sozialpadagogik-contra-recht-warum-vater-vor-gericht-auf-der-strecke-bleiben/

bereits nahezu vollständig enthalten war. Ich habe ihn spontan gefragt, ob er nicht für meinen Blog einen Gastkommentar daraus machen wolle. Denn das Thema der entsorgten Väter treibt mich ebenfalls um. Das läßt sich diesem Kommentar entnehmen, in dem ich auf den Kommentar eines Betroffenen antwortete:

Es gibt nichts Schlimmeres als die Zerstörung von Liebe, die so existenziell ist wie die zwischen einem Elternteil und einem Kind. Und die Erfahrung von staatlichem Unrecht ist absolut zerstörerisch.

Ich versuche, die Verkleisterungen, die 20 Jahre fundamentalfeministischer Mainstream in Gesellschaft, Medien und Politik verursacht haben, und die tief hinein in Ämter und Justiz wirken, wenigstens sichtbar zu machen, sie zu benennen, Opfer und Täter dingfest zu machen. Männer sind, so viel steht fest, wegen der zementierten Vorurteile (›Das verteufelte Geschlecht‹) die Verlierer vor den medialen wie justizförmigen Gerichten, Frauen die Gewinner, Kinder die Leidtragenden. Zuletzt auch unsere Zukunft, denn kaputtgemachte Kinder werden sie nicht gestalten können.

Die mittlerweile flächendeckende Ungerechtigkeit läßt sich bis hin zum Strafmaß für gleichartige Taten, die von Männern und Frauen begangen wurden, nachweisen.

Ich bin aber der Überzeugung, daß wir gerade jetzt an einem Wendepunkt stehen: die Ungerechtigkeit und das Leid, das sie verursacht, sind nicht mehr hinnehmbar. Es ist schlimm genug, daß der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und das Bundersverfassungsgerichtsgericht einschreiten müssen, um in diesem verkorksten Land natürliche Väterrechte zu implementieren. (Frau Zypries meinte ja sogar, das Recht der Frauen auf Untreue und Kuckuckskinder durch eine Strafnorm für Männer stärken zu müssen, die ihnen im Verdachtsfall Gentests verbot. Wegen dieser Frau bin ich aus der SPD ausgetreten.) Noch schlimmer ist es, daß die Verzweiflung von Vätern bis hin zur psychischen Erkrankung mittlerweile so groß ist, daß in den letzten Jahren auch Männer die üblicherweise Frauen vorbehaltene depressive ›Lösung‹ des erweiterten Suizids wählen: sie wissen, daß die Drohung der Frau bei Trennung, daß sie die Kinder nie wiedersehen werden, von den Gerichten eins zu eins umgesetzt werden wird.

Das alles ist furchtbar, und furchtbar falsch.

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/11/17/feministische-sozialpadagogik-contra-recht-warum-vater-vor-gericht-auf-der-strecke-bleiben/#comment-716

Ich halte es für angebracht und ehrlich, nun auch meine eigene biographische Betroffenheit zu offenbaren – denn jegliches Ideal von Gerechtigkeit, für das man streitet, kommt nicht von Ungefähr.

In meiner ›Lebensplanung‹ kamen Kinder immer vor – unter einer Voraussetzung allerdings: sie sollten einen Vater haben. Irgendwann war ich in einer verläßlichen, vertrauensvollen Beziehung mit einem Mann, der sich ebenfalls Kinder wünschte – aber so ist das Leben nun mal. Es läßt sich nicht planen. Ehrlich gesagt: wenn ich das große Wort vom ›Lebensentwurf‹ lese oder höre, denke ich immer, daß der Mensch, der es so selbstverständlich ausspricht, sehr jung sein muß. Der weiß noch nichts von Schicksal, Zufall oder Fügung. Und nichts von Schmerz.

Natürlich waren es meine eigenen, sehr positiven Erfahrungen mit meinem Vater, die mich dazu brachten, einem eigenen Kind den Vater nicht vorenthalten zu wollen. Es sind nicht nur die Söhne, die ihre Väter ganz unbedingt brauchen. Es gibt auch  klassische Vatertöchter…

Vaterlosigkeit: Der schädlichste demografische Trend

Aktuell besteht laut statistischem Bundesamt aber jede fünfte Familie aus nur einem Elternteil, in Großstädten sogar jede vierte. Der US-amerikanische Sozialhistoriker David Blankenhorn ist sogar davon überzeugt, dass Vaterlosigkeit der schädlichste demografische Trend unserer Gesellschaft sei. „Ohne Vater aufzuwachsen, ist die Hauptursache für die wachsenden sozialen Probleme wie Kriminalität, Teenager-Schwangerschaften und Gewalt gegen Frauen in der Familie“, warnt Blankenhorn.

Gute Väter als „Freikarte für beruflichen Erfolg und ein erfülltes Liebesleben“

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben: Töchter, die erleben, dass ihr Vater sie wirklich mag, haben ein besseres Selbstwertgefühl und weniger Ängste. Sie haben seltener Depressionen oder ein ungesundes Gewicht, nehmen seltener Drogen und sogar die Rate an Selbstmordversuchen ist erwiesenermaßen geringer. „Väter, die ihre Töchter ermutigen und fördern, sind so etwas wie eine Freikarte für beruflichen Erfolg und ein erfülltes Liebesleben einer Frau“, sagt Angelika Faas.

http://eltern.t-online.de/so-wichtig-ist-eine-gute-vater-tochter-beziehung/id_44610972/index

Und liebende, sorgende, fördernde Väter gab es auch schon in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Den Spruch, mit dem mein Vater sich gegen meine Mutter durchsetzte, die die Töchter nur auf die Realschule schicken wollte, da sie ja sowieso heiraten würden, weiß ich heute noch: »Meine Töchter bekommen keine Aussteuer, die bekommen eine Ausbildung!« Das war 1964, als die Frage diskutiert wurde, ob meine ein Jahr ältere Schwester nach vier Jahren Volksschule zum Gymnasium wechseln sollte oder nicht – trotz eindeutiger Gymnasialempfehlung durch die Schule gab es familiäre Diskussionen.

Alle wichtigen Lebensweichen, nicht nur die der weiterführenden Schule, schaltete er, nicht sie: die Sprachschulen-Ferien in Frankreich und England, die Ermöglichung von Auszug und Studium trotz knappen Budgets. Seine Liebe glomm verhalten, wortkarg, aber verläßlich, sie war unerschütterlich und unterlag keinen Gefühlsschwankungen. Er lehrte seine Töchter Schach und Skat (nebst allen dazugehörigen derben Ausdrücken), schenkte ihnen Rennautos, Achterbahnen und Roulette, baute komplizierte Tresore für Mädchen-Geheimnisse, führte Karl May als Größe im kindlichen Kosmos ein, ging mit uns auf die Kirmes, in den Zirkus, auf die Rheinwiesen und ins Theater, brachte uns sehr früh das Schwimmen bei: eigentlich war er der Einzige, der ›draußen‹ etwas mit uns unternahm. Meine Mutter war bei diesen Unternehmungen, insbesondere bei den sonntäglichen Spaziergängen zum Rhein mit dem traditionellen Stop beim Schneider Wibbel und der durch drei geteilten Tüte Pommes mit Mayo (deren Geschmack ich bis heute suche und vermisse) so gut wie nie dabei. Natürlich nahm er sich frei, als ich eingeschult wurde. Und war mindestens so stolz wie ich. Ohne ihn hätte ich die verschworene Gemeinschaft von Mutter und Schwester nicht aushalten können. Und das wußte er. In den so schönen wie traurigen gemeinsamen sechs Wochen vor seinem Tod im Alter von neunzig Jahren haben wir uns alles sagen können. Spät, aber nicht zu spät.

Kurz und gut: der Neue Vater ist gar nicht neu. Er ist immer nur verkannt worden, weil er an Außendarstellung kein Interesse hatte. Und da es in der Generation meiner Eltern (Jahrgang 1919/1923) so gut wie keine Scheidungen oder nichteheliche Kinder gab, hatten Väter auch keine Probleme, ihr natürliches Vater-Sein auszuleben. Überwiegend diskret, im Verborgenen der eigenen vier Wände. Nicht unbedingt als Windelwechsler und Kinderwagenschieber, aber als zugewandte, aufmerksame, liebende Begleiter ihrer Kinder. Wenn ich’s recht bedenke: sein Erziehungsprogramm war vorbildlich im Sinn von gender-mainstreaming. Bei der einen Tochter hat es funktioniert, bei der anderen nicht. Und darüber mag jetzt gern nachgegrübelt werden…

Das wird den Generationen nach mir nicht mehr vergönnt sein: im Nachlaß der Eltern handschriftliche Briefe, Aufzeichnungen und Tagebücher vorzufinden, die die spezifische Familiendynamik jäh erhellen. Sie machen klar, daß staatlich verordnete Umerziehungsprogramme zum Scheitern verurteilt sind. Aber das wissen ja nicht nur die Norweger durch Harald Eia schon. Der Genderquatsch hat gegen das Treibhaus Familie Null Chancen. Die Prägungen sind individuell.

Diese Väter wie meiner, die es immer schon gab und die es immer geben wird, wurden durch die sexuelle Revolution, die dank der 68er und der Pille stattfand, später auch durch den Feminismus gefördert wurde, an den Rand gedrückt. Plötzlich gab es die Väter, die von einem nicht verhütenden one-night-stand überrumpelt und vor vollendete kostenpflichtige Tatsachen gestellt wurden. Diejenigen, die glaubten, in einer festen Beziehung mit gemeinsamen Entscheidungen zu leben, und die erleben mußten, daß über Abtreibung oder Austragung ohne ihr Mitwirken entschieden wurde. Es gab Schlußmachen durch die nichteheliche Partnerin, und nach Aufhebung des Schuldprinzips massenhaft Scheidungsanträge durch Frauen, die plötzlich zu Feindinnen mutierten, weil sie um Geld und Kinder zur Erlangung von Unterhalt kämpften – und spätestens seit den neunziger Jahren vermehrt den Mißbrauchsvorwurf zur Erreichung ihrer Ziele einsetzten.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich seit den Zeiten meiner Kindheit und Jugend dramatisch geändert – nicht zum Guten, wie diese Studie zeigt:

Mittels der KiMiss-Studie 2012 wurden Daten zur Lebenssituation von Trennungs- und Scheidungskindern in Deutschland aus der Sicht von Elternteilen erhoben, die getrennt von ihren Kindern leben und weniger Kontakt zu diesen haben, als sie sich wünschen. Im Befragungszeitraum 08.01.2012 bis 07.05.2012 wurden Fragebögen für 1426 Kinder ausgefüllt, 1170 davon erfüllten die (Deutschland-spezifischen) Einschlusskriterien für diese Studie.

Die Studienergebnisse zeigen systematische Probleme im familiengerichtlichen Bereich auf. 70-80% der Befragten berichten, dass ihnen systematisch eine Elternschaft verwehrt werde und sie an einem geeigneten Kontakt zum Kind / zu den Kindern gehindert würden. 75% der Befragten sehen ihr Kind in der geschilderten Trennungs- oder Scheidungssituation einer Form von Kindesmissbrauch oder -misshandlung durch den anderen Elternteil ausgesetzt, 49% verwenden diese Begriffe auch in ihrer direkten Form. Etwa 20% der Befragten geben an, dass das Kind vollständig von ihnen entfremdet sei.

Täuschung von Gerichten, Falschbeschuldigungen und Beeinflussung von Verfahren und Verfahrensbeteiligten werden in fast jedem zweiten Fall genannt. Eine Kommerzialisierung des familienrechtlichen Systems durch Rechtsanwälte und Sachverständige wird kritisiert. Betroffene berichten von Willkür und Inkompetenz von Behörden, oder dass sie psychisch und/oder finanziell zerstört und um einen der wichtigsten Bestandteile ihres Lebens beraubt worden seien.

http://www.kimiss.uni-tuebingen.de/de/2012studie.html

Über das Problem mangelnder Kompetenz von Jugendämtern, Familiengerichten, Sachverständigen und über die Kommerzialisierung der ›Scheidungsindustrie‹ hinaus war es aber letztlich der Gesetzgeber, der Väter- und Kinderrechte zugunsten eines ›Muttermythos‹ diskriminierte, was zur Verfestigung der väterbenachteiligenden Praxis führte.

Auch dieses Phänomen habe ich als Betroffene, wenn auch nur aus der Ferne, miterlebt, nämlich als Tante eines 1986 nichtehelich geborenen Neffen. Sein Vater war auf willkürliche Entscheidungen der Kindesmutter, die sich von ihm frühzeitig getrennt hatte (bzw. niemals richtig mit ihm zusammen gewesen war), angewiesen. Ein eigenes Vater-Recht, Umgang mit ihm zu haben, existierte nicht – als es endlich existierte, war mein Neffe volljährig und lebte bereits aus eigener Wahl bei seinem Vater:

Erst seit dem 01.07.1998 räumt das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) in § 1684 Abs. 1 dem nichtehelichen Kind das Recht auf Umgang mit seinem leiblichen Vater ein. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass es dem Kindeswohl dient, mit beiden Elternteilen regelmäßig Kontakt zu haben. Der Vater jedoch hatte bewusst vom Gesetzgeber kein eigenes Recht auf Umgang mit seinem Kind erhalten, obwohl das für andere Bezugspersonen (Großeltern, Tanten, Onkel u.a.) geregelt war. Mit Beschluss vom 09.04.2003 erklärte jedoch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) diese Regelung des § 1685 BGB wegen Verstoß gegen Art. 6 Abs. 1 Grundgesetz, der die Familie schützt, für verfassungswidrig. Der Gesetzgeber musste daraufhin das Gesetz bis 30.04.2004 anpassen.

http://www.anwalt.de/rechtstipps/nichteheliche-vaeter-ihre-rechte-und-pflichten-im-wandel-der-zeit_001589.html

Hier der Beschluß des Bundesverfassungsgerichts vom 9.4.2003:

http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20030409_1bvr149396.html

Soweit das Bundesverfassungsgericht den bis dato komplett entrechteten nur-biologischen Vätern (Beispielsfälle: ihr Kind wurde während einer formal bestehenden Ehe der Kindesmutter mit einem anderen Mann geboren und galt daher als ehelich; die Kindesmutter suchte sich einen anderen sozialen Vater aus; ein unbeteiligter Dritter erkannte auf ihren Wunsch die Vaterschaft an) erstmals überhaupt eigene Minimal-Rechte zuerkannte, wurden auch diese Zugeständnisse vom EGMR als diskriminierend zurückgewiesen. Weshalb es jetzt notgedrungen einen neuen Versuch gibt, auch biologischen Vätern gerecht zu werden, denen die Kindesmutter von vorneherein keine Chance gegeben hatte, eine Beziehung zum Kind aufzubauen – bis zum heutigen Tag haben diese entsorgten Männer noch nicht einmal das Recht, ihre Vaterschaft auch nur nachweisen zu dürfen. Unglaublich, aber wahr: Frauen können mit ihren Kindern machen, was sie wollen – sie anonym in einer Babyklappe entsorgen, sie als Kuckuckskinder den Ehemännern unterschieben, ihnen ihre Herkunft verschleiern, indem sie jemanden, womöglich aus kommerziellen Gründen zur Erlangung einer Aufenthaltsberechtigung in Deutschland, zur Vaterschaftsanerkennung autorisieren – immerhin, gegen diese umfassende Definitionsmacht von Frauen und Entrechtung von Vätern wie Kindern soll nun angegangen werden:

Gesetz zur Stärkung der Rechte des leiblichen, nicht rechtlichen Vaters

Aus dem Gesetzentwurf:

Dem leiblichen Vater eines Kindes, der mit der Mutter des Kindes nicht verheiratet ist und auch nicht die Vaterschaft anerkannt hat, steht nach der geltenden Regelung des § 1685 Absatz 2 in Verbindung mit Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ein Umgangsrecht zu, wenn er eine enge Bezugsperson des Kindes ist, für das Kind tatsächlich Verantwortung trägt oder getragen hat (sozial-familiäre Beziehung) und der Umgang dem Kindeswohl dient. Konnte der leibliche, nicht rechtliche Vater zu seinem Kind keine Beziehung aufbauen, so bleibt ihm der Kontakt zum Kind bisher verwehrt. Dies gilt unabhängig davon, aus welchen Gründen keine Beziehung zum Kind aufgebaut wurde, also auch dann, wenn der Vater bereit war, für das Kind Verantwortung zu übernehmen, und ihm dies allein aufgrund der Weigerung der rechtlichen Eltern nicht möglich war. Zudem bleibt ihm der Kontakt zum Kind ohne Rücksicht darauf verwehrt, ob der Umgang mit dem leiblichen, nicht rechtlichen Vater dem Wohl des Kindes dient.

Ein leiblicher, nicht rechtlicher Vater hat darüber hinaus derzeit auch kein Recht, Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes zu verlangen. Nach § 1686 Satz 1 BGB kann jeder Elternteil vom anderen Elternteil bei berechtigtem Interesse Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes verlangen, soweit dies dem Wohl des Kindes nicht widerspricht. Der Auskunftsanspruch nach § 1686 BGB steht jedoch nur den Eltern im rechtlichen Sinne zu. Der leibliche Vater, der nicht mit der Mutter verheiratet ist und auch nicht die Vaterschaft anerkannt hat und damit nicht rechtlicher Vater des Kindes ist, ist nicht Elternteil im Sinne des § 1686 BGB und kann aus dieser Vorschrift kein Auskunftsrecht herleiten.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat darin einen Verstoß gegen die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) erkannt.

Dem leiblichen Vater, dessen Kind mit den rechtlichen Eltern in einer (intakten) sozialen Familie lebt und der zu seinem Kind (bisher noch) keine enge persönliche Beziehung aufbauen konnte, ist deshalb unter bestimmten Voraussetzungen ein Umgangs- und Auskunftsrecht einzuräumen.

Bezug:

Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 21. Dezember 2010 und vom 15. September 2011 zur gesetzlichen Ausgestaltung des Umgangs- und Auskunftsrechts biologischer Väter (Beschwerden  20578/07 (PDF, 327 KB, Datei ist nicht barrierefrei) und  17080/07 (PDF, 302 KB, Datei ist nicht barrierefrei))

Referentenentwurf (PDF, 101 KB, Datei ist nicht barrierefrei) (Stand: 11.05.2012)

Regierungsentwurf (PDF, 5 MB, Datei ist nicht barrierefrei) (Stand: 17.10.2012)

http://www.bundesgerichtshof.de/DE/Bibliothek/GesMat/WP17/S/Staerkung_Rechte_leibl_Vaeter.html

Daß die strafrechtliche Privilegierung der Tötung nichtehelicher Kinder durch ihre Mütter gleich nach der Geburt abgeschafft wurde, ist ein zivilisatorischer Fortschritt., der reichlich spät kam. Dennoch gibt es viel zu viele Kindstötungen durch Mütter, die ihre Kinder nicht wollen: als ob es weder Verhütung noch Abtreibung gäbe. Als ob Babies keine Menschen seien. Gerichte urteilen, wie immer, milde gegenüber Frauen. Sie sind ja nur, immer wieder, Opfer der Verhältnisse und irgendwie eigentlich nicht recht verantwortlich.

Gegen diesen Mainstream geht es nur in legislativen Trippelschrittchen voran, immer gegen den Widerstand des Juristinnenbundes, feministischer Organisationen, der SPD und den Grünen (die womöglich wähnen, modern zu sein, wenn sie einem archaischen Muttermythos aufsitzen) und weiblich dominierter Verbände von Alleinerziehenden: sie alle wollen Frauen die ›Macht‹ nicht entreißen lassen, die mit der alleinigen Verfügung über Kinder bis hin zu deren Vernichtung einhergeht. Um das Kindeswohl geht es den Frauen in aller Regel aber keineswegs, wenn sie die Väter entrechtend ausschließen, wie das Bundesverfassungsgericht durch Befragungen ermitteln konnte [Hervorhebung von mir]:

Bundesverfassungsgericht - Pressestelle -
 
Pressemitteilung Nr. 57/2010 vom 3. August 2010

Beschluss vom 21. Juli 2010 – 1 BvR 420/09

 

Die Regelung des § 1626a Abs. 1 Nr. 1 BGB, der die Teilhabe an der gemeinsamen Sorge von der Zustimmung der Mutter abhängig macht, stellt ohne die Möglichkeit einer gerichtlichen Überprüfung einen tiefgreifenden Eingriff in das Elternrecht des Vaters aus Art. 6 Abs. 2 GG dar. Der Gesetzgeber setzt das Elternrecht des Vaters in unverhältnismäßiger Weise generell hinter das der Mutter zurück, ohne dass dies durch die Wahrung des Kindeswohls geboten ist.

Denn die dem geltenden Recht zugrunde liegende Annahme des Gesetzgebers hat sich nicht als zutreffend erwiesen. Neuere empirische Erkenntnisse bestätigen nicht, dass Eltern die Möglichkeit gemeinsamer Sorgetragung in der Regel nutzen und die Zustimmungsverweigerung von Müttern in aller Regel auf einem sich nachteilig auf das Kind auswirkenden elterlichen Konflikt basiert sowie von Gründen getragen ist, die nicht Eigeninteressen der Mutter verfolgen, sondern der Wahrung des Kindeswohls dienen.

Vielmehr verständigen sich lediglich knapp über die Hälfte der Eltern nichtehelicher Kinder darauf, Erklärungen zur Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge abzugeben. Zum anderen ist nach durchgeführten Befragungen von Institutionen und Experten davon auszugehen, dass in nicht unbeträchtlicher Zahl Mütter allein deshalb die Zustimmung zur gemeinsamen Sorge verweigern, weil sie ihr angestammtes Sorgerecht nicht mit dem Vater ihres Kindes teilen wollen.

Auch die Regelung in § 1672 Abs. 1 BGB, der die Übertragung der Alleinsorge für ein nichteheliches Kind von der Zustimmung der Mutter abhängig macht, stellt einen schwerwiegenden und nicht gerechtfertigten Eingriff in das Elternrecht des Vaters aus Art. 6 Abs. 2 GG dar.

http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-057.html

So sieht die Realität nun mal aus. Frauen sind eben auch nur Menschen, die Machtpositionen zum eigenen Vorteil ausnutzen. (Die Quotenfrauen, die in Machtpositionen gelangen, werden sich nicht anders verhalten als Männer, die bereits in Machtpositionen sind: es ist immer die Position, die korrumpiert.)

Das weiß auch das Bundesjustizministerium, daß Frauen nicht per se edel, hilfreich und gut sind und daher die Selbstbestimmung über das Recht der Alleinsorge für das Kind vielfach nicht auch als Unterpfand im Rahmen der Beziehungsgestaltung oder –beendigung handhaben, mithin die Machtfrage über das Kindeswohl hinweg stellen – so jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die das BMJ in Auftrag gegeben hat:

Das vom Bundesministerium der Justiz in Auftrag gegebene Forschungsvorhaben „Gemeinsame Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern“ […] hat ergeben, dass in vielen Fällen eine gemeinsame Sorgetragung aus Gründen verweigert wird, die keinen Bezug zum Kindeswohl haben. Die Gründe sind sehr vielfältig.

Nur selten werden klare Risikofaktoren für das Kindeswohl, wie z. B. Sucht- und Gewaltprobleme, genannt. Häufiger werden – vor allem von Elternteilen ohne Partnerschaft mit dem anderen Elternteil – potenziell kindeswohlrelevante Probleme in der Elternbeziehung ins Feld geführt.

Darüber hinaus wollen auch immer mehr nicht verheiratete Väter eine echte Vaterrolle übernehmen und in diesem Zusammenhang auch mitsorgeberechtigt sein.

 http://gesetzgebung.beck.de/sites/gesetzgebung.beck.de/files/bt-drs1711048.pdf

[S. 14]

Aus diesem Grund wurde im Gesetzesvorhaben ein Schnellverfahren für den Fall entwickelt, daß sich eine Kindesmutter zur Frage des gemeinsamen Sorgerechts nicht äußert oder lediglich irrelevante Gründe vorträgt, die mit dem Kindeswohl nichts zu tun haben (Ziff.2):

Deutscher Bundestag Drucksache 17/11048

17. Wahlperiode 17. 10. 2012

Gesetzentwurf

der Bundesregierung

Entwurf eines Gesetzes zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern

[…]

Der Entwurf sieht vor:

1. Die Möglichkeiten des Zugangs des nicht mit der Kindesmutter verheirateten Vater zur gemeinsamen elterlichen Sorge werden deutlich erweitert. Die gemeinsame Sorge entsteht nunmehr auch, soweit das Familiengericht den Eltern auf Antrag eines Elternteils die gemeinsame elterliche Sorge überträgt. Dabei soll das Familiengericht regelmäßig die Übertragung der gemeinsamen Sorge beschließen, wenn sie dem Kindeswohl nicht widerspricht.

 

2. Schweigt der andere Elternteil oder trägt er keine potenziell kindeswohlrelevanten Gründe vor und sind solche Gründe auch sonst nicht ersichtlich, besteht eine gesetzliche Vermutung, dass die gemeinsame Sorge dem Kindeswohl nicht widerspricht. Ihr soll in diesen Fällen in einem beschleunigten und überdies vereinfachten Verfahren zur Durchsetzung verholfen werden.

3. Beide Elternteile sollen mit Hilfe des Familiengerichts die gemeinsame Sorge erreichen können. Auch die allein sorgeberechtigte Mutter soll mithin die Möglichkeit erhalten, den Vater in die gemeinsame Sorge einzubinden.

4. Außerdem wird dem Vater der Zugang zur Alleinsorge auch ohne Zustimmung der Mutter eröffnet, und zwar, sofern eine gemeinsame elterliche Sorge nicht in Betracht kommt und zu erwarten ist, dass die Übertragung auf den Vater dem Wohl des Kindes am besten entspricht.

http://gesetzgebung.beck.de/sites/gesetzgebung.beck.de/files/bt-drs1711048.pdf

Die vom Bundesjustizministerium beauftragte und angezogene Studie von Dr. Karin Jurczyk (Deutsches Jugendinstitut e.v.) und Prof. Dr. Sabine Walper (Ludwig-Maximilians-Universität München) vom 30.11.2010, die die vom Bundesverfassungsgericht initiierte Befragung bestätigt, befindet sich hier (und man sollte sie gründlich lesen…):

http://gesetzgebung.beck.de/sites/gesetzgebung.beck.de/files/Endbericht_Sorgerecht_final.pdf

Und man muß sich schon fragen, warum es so lange dauerte, bis das Ministerium aus dem BVerfG-Urteil und der Studie Schlüsse zog.

Aus diesen empirischen Tatsachen ist letztlich ein weitgehender Gesetzesentwurf erwachsen, von dem man nur hoffen kann, daß er sich durchsetzt. Denn manchmal muß der Gesetzgeber den Vorreiter spielen und durch echte Gleichstellung von heutzutage benachteiligten Männern in einem Bereich, in dem es wehtut, gesellschaftliche Verkrustungen aufbrechen. Nur so kann den allzu geläufigen billigen feministischen Szenarien vom Mann als Täter und schlechtem Vater versus der Frau als Opfer und guter Mutter der Boden entzogen werden. Wenn das gemeinsame Sorgerecht auch nichtehelicher Paare und Ex-Paare erst eine rechtliche Selbstverständlichkeit ist, die nur im begründeten Ausnahmefall ausgeschlossen wird, werden sich auch die Schwarz-Weißbilder aus den Köpfen der entscheidenden Akteure bei Jugendämtern und Familiengerichten verflüchtigen.

Bei der Abschaffung des Schuldprinzips bei Ehescheidungen und der Ächtung von elterlicher Gewalt, physischer wie psychischer, hat sich der Gesetzgeber als Avantgarde betätigt – und tatsächlich Mentalitätsveränderungen herbeigeführt. Jetzt könnte er das, wenn auch gezwungen durch das BVerfG und den EGMR, erneut schaffen, gegen den feministischen Mainstream, der die Mutterrechte als Machtbastion gegen die Männer begreift und natürlich Sturm läuft gegen den ›kurzen Prozeß‹, der den rechtlich unbeachtlichen, weil nicht mit dem Kindeswohl begründeten, Widerspruch der Mütter gegen Vaterrechte negiert. Die üblichen egozentrischen Motive von Frauen: ›Ich will den Typ einfach nicht mehr sehen‹ oder ›Solange der sich nicht mehr am Haushalt beteiligt, hat er auch bei meinem Kind nichts zu melden‹ dürfen zurecht keine Bedeutung mehr haben.

Und vielleicht gelingt es sogar, die größte Schwachstelle in diesen Verfahren, nämlich die sogenannten Sachverständigen, auszuschalten, indem man sie überflüssig macht. Hier ein Artikel, der erschütternd deutlich vor Augen führt, wie inkompetente Gutachter Leben zerstören:

Gutachter an Familiengerichten

Da ist schlechter Rat teuer

12.11.2012 ·  Gutachter an Familiengerichten sind oft ungenügend ausgebildet – doch sie können über die Zukunft von Kindern und Eltern entscheiden. Ihr Geschäft ist höchst lukrativ.

Von Katrin Hummel

Michelle ist zwei, als ihr Vater Peter Becker* merkt, dass sie schlecht hört. Der Arzt diagnostiziert eine „mittelgradige Innenohrschwerhörigkeit“ – wenn man hinter ihr steht und sie ruft, hört sie es nicht. Sie bekommt ein Hörgerät, erleidet einen Hörsturz. Die Ehe der Eltern tröpfelt nur noch vor sich hin, nach der Scheidung kämpfen sie um die Kinder und darum, wer sich um Michelles Hörversorgung kümmern darf. Eine vom Gericht bestellte „psychologische Gutachterin“ – von der Ausbildung her ist sie Diplom-Pädagogin – schreibt, Michelle und ihr jüngerer Bruder sollten bei der Mutter leben.

Der Vater hat den Eindruck, die Gutachterin möge ihn nicht, und erkundigt sich bei Michelles Ärzten und anderen Experten, die von dieser Gutachterin befragt worden sind, ob sie wirklich all das gesagt hätten, was die Frau im Gutachten geschrieben hat. Die Ärzte und Experten teilen ihm schriftlich mit, dass sie die fraglichen Äußerungen nie gemacht haben. Da sind die Kinder vom Gericht aber schon der Mutter zugesprochen worden.

Becker, von Beruf Journalist, lässt nicht locker. Er legt viele Beweise dafür vor, dass das Gutachten fehlerhaft ist, und so lehnt die nächste Instanz, das Oberlandesgericht München, das Gutachten im Nachhinein ab. Es schreibt, die Gutachterin habe „Informationen einseitig zu Lasten des Antragstellers“ gewertet und sei dadurch „zu sachlich nicht begründeten Wertungen die Person des Antragstellers betreffend“ gekommen. Es folgert, dass „bei vernünftiger Betrachtung eines unbeteiligten Dritten die Befürchtung besteht, die Sachverständige stehe dem Antragsteller nicht unvoreingenommen und unparteiisch gegenüber“. Michelle aber wohnt weiter bei der Mutter, denn da ist sie aufgrund der auf dem Gutachten basierenden Gerichtsentscheidung nun mal gelandet, und der Vater darf sich nicht um ihre Hörversorgung kümmern.

Parteiische Gutachten

Das Gericht gibt ein neues Gutachten in Auftrag, diesmal bei der „Gesellschaft für wissenschaftliche Gerichts- und Rechtspsychologie“ (GWG). Die GWG ist eine private Firma, die den Gerichten Gutachter vermittelt. Nach zwei Jahren liegt endlich das Gutachten für die Beckers vor: Empfohlen wird, die Kinder bei der Mutter zu lassen, der Kontinuität wegen; dass die Mutter sich nach Auffassung des Vaters nicht gut um die schwerhörige Michelle kümmert, spielt der neue Gutachter herunter.

Ein von Becker beauftragter und bezahlter Zweitgutachter schreibt indessen: „Dieses Ergebnis erstaunt sehr, wenn man das Verhalten der Mutter kritisch beleuchtet, die die bewährte Hörversorgung grundlos abbrach, die Fahrten nach München als Ausflüge bezeichnete und eine Verschlechterung des Hörvermögens (die ja auch tatsächlich eintrat) billigend in Kauf nahm. Dass der Kindsvater zwei Gerichtsverhandlungen anstrengen musste, bis die Kindsmutter endlich tätig wurde und dem Kind die notwendige Behandlung zuteil werden ließ, spricht doch sehr deutlich gegen eine Eignung der Mutter auf diesem Gebiet.“

[…]

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/gutachter-an-familiengerichten-da-ist-schlechter-rat-teuer-11957100.html

Ja, die schon oft in Verruf gekommene GWG. Immerhin, gegen einen der von ihr vermarkteten Gutachter, an denen sie per Provision verdient, läuft ein Ermittlungsverfahren.

Es lohnt sich, diesen Artikel, der fehlende Standards über Gutachter, die für Familiengerichte tätig werden dürfen, der die Verflechtungen der GWG mit der Justiz und die unbegründete Mütterfreundlichkeit deutscher Gerichte thematisiert, komplett zu lesen. Und natürlich kann sich nur jemand gegen diesen empörend ungerechten Mainstream auflehnen, der über genügend Geld für gute Gutachter und gute Rechtsanwälte verfügt. ›Peter Becker‹ obsiegte zu spät: die unterlassene medizinische Versorgung durch die Mutter ließ die Tochter nahezu ertauben.

Dass die Erfahrungen [mit der GWG] rundum gut sind, stimmt jedoch nicht. So hat die Staatsanwaltschaft des Landesgerichts im österreichischen Linz ein Ermittlungsverfahren gegen einen Gutachter eingeleitet, von dem sich die GWG zwischenzeitlich getrennt hat. Der Psychologe betreibt in Bayern eine Praxis und soll mindestens 15 Gutachten erstellt haben, indem er Textbausteine kopiert hat. Zwei österreichische Väter, ein Jurist und ein Versicherungsmakler, fanden in seinen Gutachten Personenbeschreibungen über sich, die in Teilen völlig identisch waren. Der Beschuldigte bestreitet die Taten und sieht sich einer „diffamierenden Kampagne“ ausgesetzt. Und selbst wenn es nicht zum Ermittlungsverfahren kommt, ist „die Qualität der GWG-Gutachten sehr verschieden, manche sind sehr gut, manche eher schwach“, gibt Pfaffenhofens Amtsgerichtsdirektorin Bettina Gschwilm zu und schränkt ein: „Die schwachen Gutachter nimmt man dann natürlich nie wieder.“

Für die Betroffenen kommt diese Erkenntnis meist zu spät: Die inzwischen achtzehn Jahre alte Michelle, die heute fast taub ist, muss mit den Konsequenzen leben, die die fehlerhaften Gutachten für sie hatten. Ihrer Mutter hat sie kürzlich geschrieben: „Manchmal frage ich mich, wieso das alles? Hast du mich jemals geliebt? Wolltest du mich nur wegen des Kindergeldes behalten? Diese Kindheit wird immer wie eine Wunde bleiben.“

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/gutachter-an-familiengerichten-da-ist-schlechter-rat-teuer-11957100.html

Ob Kachelmann, ob Mollath, ob die unzähligen vor Jugendämtern und Familiengerichten unterlegenen Väter: wenn Frauen gegen Männer streiten, hat das weibliche Geschlecht die besseren Karten.

Adorno-Preis für die feministische Gender-Ikone Judith Butler: ein Skandal?

Und was für einer.

Aber nicht wegen der sattsam bekannten, nur noch ermüdenden ewig gleichen Vorwürfe von Antisemitismus, Terrorunterstützung  bzw. jüdischen Selbsthasses gegen die der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik kritisch gegenüberstehenden Autorin – das ist die alte Leier, die man nicht mehr hören mag, angeschlagen von den ewig gleichen Protagonisten,  die niemand mehr ernst nimmt, weil jeder, der noch einigermaßen geradeaus denken kann, weiß, daß Kritik an Regierungshandeln nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Und nie stand eine israelische Regierung so zurecht in der Kritik wie heute – die eigene, ja wohl kaum antisemitische, Bevölkerung lehnt die kriegerischen Angriffspläne der Regierung genauso ab wie ihre verheerende Sozialpolitik und die grassierende Korruption. Und auch in Israel gibt es eine Friedensbewegung und Kräfte, die sich gegen die Diskriminierung von Palästinensern innerhalb wie außerhalb der schwammigen Staatsgrenzen engagieren.

Der Schein-Skandal, der sich im Feuilleton unter den üblichen Verdächtigen abspielt, sei daher nur kurz gestreift.

04.09.2012

Adorno-Preis für Judith Butler

Israelische Orangen

Die Kontroverse um die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an Judith Butler hält an. Die Debatte droht, ihrem Werk die politische Dimension zu nehmen.

von Sonja Vogel

„Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als ‚Halbjude‘ in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als ein bloßer Fehlgriff gelten.“ Mit drastischen Worten kommentierte der Sekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, die für kommenden Dienstag geplante Vergabe des Theodor-W.-Adorno-Preises der Stadt Frankfurt am Main an Judith Butler.

Die Philosophie Butlers, die sich mit „den Todfeinden des israelischen Staates“ verbündet habe, sei nicht von „ihrer moralischen Verderbtheit zu trennen“. Der Zentralrat kündigte daher an, die Verleihung zu boykottieren.

Das Adorno-Preis-Kuratorium hingegen verteidigte seine Entscheidung. Butler soll wie vorgesehen am 11. September als eine „maßgebliche Denkerin unserer Zeit“ in der Frankfurter Paulskirche mit dem mit 50.000 Euro dotierten Adorno-Preis ausgezeichnet und geehrt werden.

http://www.taz.de/Adorno-Preis-fuer-Judith-Butler/!100970/

Die ZEIT räumte der so maßlos Angegriffenen glücklicherweise viel Raum zur Verteidigung ein:

Adorno-Preisträgerin Butler

„Diese Antisemitismus-Vorwürfe sind verleumderisch und haltlos“

Die jüdische Philosophin Judith Butler, Anwärterin auf den Adorno-Preis, wird bezichtigt, sie unterstütze Hamas und Hisbollah. Hier antwortet sie ihren Kritikern.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-08/judith-butler-kritik-israel-antwort

Dieser Theaterdonner, der fast schon wie eine Pflichtübung daherkommt, überlagert und verdeckt allerdings den eigentlichen Skandal: nämlich die Mainstream-Würdigung der Philosophin und Literatur-Professorin Butler als »maßgebliche Denkerin unserer Zeit«, was allenfalls Bände über unsere Zeit spricht. »Maßgeblich« sind die theologisch anmutenden Thesen, achwas, Axiome, von Judith Butlers Gender Studies leider tatsächlich – aber von »Denken« kann weder bei ihr noch bei ihren Anhängern und institutionellen Profiteuren nun mal keine Rede sein.

Pseudowissenschaftliche Genderstudien wie die von Butler gehen von feministischen Glaubenssätzen aus, die besagen, daß wir weder unseren Augen noch unseren Hormonen über den Weg trauen können: die 90 % der Menschheit, die sich mit Körpergefühl, Geschlechtsidentität und gegengeschlechtlichem Begehren in Harmonie mit der Natur und der auf Fortpflanzung ausgerichteten Evolution befinden, leben nämlich unter einer unbemerkten Diktatur; nur die 10 %, die im falschen Körper leben, denen die Natur ein uneindeutiges Geschlecht zugeordnet hat oder diejenigen, die gegengeschlechtlich lieben, genießen Freiheit, haben den Durchblick und dekretieren daher: es gibt kein Geschlecht, Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, dem sich die Körper durch wiederholte Übung erst anpassen.

So ein Quatsch, sagen Sie, lieber Leser, zurecht. Stimmt. Laut darf man das wirklich nicht sagen, sonst lachen ja die Hühner. Laut darf es nur eine leider maßgebliche Denkerin sagen, so wie im aktuellen ZEIT-Interview:

In diesem Sinne ist das soziale Geschlecht auch eine Inszenierung und »die hegemoniale Heterosexualität selbst ein andauernder und wiederholter Versuch, die eigenen Idealisierungen zu imitieren«. Judith Butler behauptet nicht nur, dass es so etwas wie eine »heterosexuelle Melancholie« gibt, nämlich die Trauer um die aufgegebenen Möglichkeiten anderer sexueller Orientierung. Sie sagt sogar, dass »die ›echteste‹ lesbische Melancholikerin die strikt heterosexuelle Frau und der ›echteste‹ schwule Melancholiker der strikt heterosexuelle Mann« ist, sie erklärt darüber hinaus, dass »Heterosexualität nicht ausschließlich den Heterosexuellen zukommt«. Als Beispiel nennt sie den Fall eines Mannes mit frühkindlicher Mutteridentifizierung. Wenn dieser Mann, fragt sie, »nun einen anderen Mann begehrt oder eine Frau, ist sein Begehren dann homosexuell, heterosexuell oder gar lesbisch?« Nicht ohne Sinn für Selbstironie zitiert Butler die italienische Zeitung La Repubblica mit der Bekanntmachung, »dass sich die Zahl der Gender in den Vereinigten Staaten auf fünf erhöht« habe.

http://www.zeit.de/2012/37/Judith-Butler-Portraet/komplettansicht

Letzteres ist übrigens stark untertrieben.

Nun versteht es jeder, daß eine burschikos-jungenhafte Frau, die Frauen liebt, sich so ihre Gedanken über die Launen der Natur macht, Normen ablehnt und ihr Anderssein als Freiheit proklamiert, zumal sie sie sich erkämpfen mußte. Daß von der Norm abweichende Lebens- und Liebesformen nicht nur nicht diskriminiert, sondern anerkannt und geschützt werden sollten, liegt jedem Humanisten am Herzen. In Köln formuliert man das so: ›Jeder Jeck ist anders‹ – und wer das (Achtung, soziales Konstrukt!) mit der rheinischen Muttermilch aufgesogen hat, hat nicht die geringsten Probleme, lieb und freundlich mit Menschen umzugehen, die anders als die Mehrheit sind. Dafür brauchen wir keine Judith Butler, eine Scharlatanin des akademischen Überbaus eines boomenden Wirtschaftszweiges, den zuletzt nur Machtbegehren steuert.

Das akademische Postulat: „Es gibt kein Geschlecht“ heißt nämlich, überführt in die Realität, daß Männer kastriert und Frauen in bislang den Männern vorbehaltene (genau: erstrebte) Positionen gefördert werden müssen – auf daß es endlich freie Menschen gebe.

Als Simone de Beauvoir 1949 sagte, daß man zur Frau erst gemacht werde, nahm sie die mangelnden Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen ihrer Zeit in den Blick (daß Männer erst gemacht werden, hat sie bezeichnenderweise nie gesagt). Die Zeiten haben sich geändert. Geschlechterforschung heute, die sich auf Butler beruft, beruft sich in Wahrheit auf einen fatalen Menschenversuch mit tödlichem Ausgang.

Es sei daran erinnert, daß die These, auf die Biologie komme es nicht an, auf einem menschenverachtenden, die These auch noch widerlegenden, Experiment eines Psychiaters namens Dr. John Money basiert. Der hatte in den sechziger Jahren proklamiert, daß die Geschlechtsidentität allein eine soziale Konstruktion sei – und der am 22.8.1965 geborene Bruce Reimer sollte diese These belegen. Nach einer mißlungenen Beschneidung (ja, das gibt es auch!) im Jahr 1967 war dessen Penis verstümmelt, und seine Eltern wußten sich keinen Rat. Money witterte seine Chance – und schritt zu einem Experiment, das einem den Atem verschlägt: auf seine Empfehlung hin wurde das zweijährige Kind kastriert, eine künstliche Scheide angelegt, weibliche Hormone zugeführt und aus Bruce wurde Brenda, von heute auf morgen. Die Eltern wies Money strikt an, dem Kind nie die Wahrheit zu sagen, es klassisch weiblich zu erziehen und vollkommen anders als dessen Zwillingsbruder zu behandeln.

Das Martyrium, das die falsche Brenda, die sich nie wie ein Mädchen fühlte und benahm, bis zum 14. Lebensjahr durchmachte, ist unbeschreiblich… Weder medizinische noch soziale Einwirkungen konnten ihre männliche Identität auslöschen. Auch ihr Bruder litt unter den gefürchteten jährlichen Kontrollen dieses Dr. Mabuse. Mit vierzehn konnte Bruce endlich die Wahrheit einfordern – und wurde ein unglücklicher David, der sich im Jahr 2004 das Leben nahm. Wer die Tragödie in Gänze lesen möchte, lese bei Volker Zastrow nach:

http://www.faz.net/themenarchiv/2.1198/gender-mainstreaming-der-kleine-unterschied-1329701.html

Wie es Money gelang, dieses zynische (und grausam fehlgeschlagene) Modell als Beleg für seine These im Wissenschaftsbetrieb durchzusetzen: man weiß es nicht.  Daß auch der Wissenschaftsbetrieb von Korruption und Blendern gebeutelt wird, ist eine Erkenntnis, die nur langsam einsickert. Butler jedenfalls gelang es in den neunziger Jahren, die krude These des Geschlechts als soziales Konstrukt als Wissenschaft zu etablieren. Theologie ist schließlich auch eine Wissenschaft, die von Dogmen und Denkverboten geprägt ist (und gilt das grundsätzlich nicht auch für die Mathematik?).

Für einen wissenschaftlichen Anstrich in geisteswisseschaftlichen Fächern reicht es offensichtlich aus, sich eines unverständlichen, umständlichen und bedeutungsschwangeren Jargons zu bedienen:

Alan Posener:

Butler ist berühmt für ihre komplizierten Sätze. Dafür hat sie sogar den ersten Preis im „Wettbewerb für schlechtes Schreiben“ erhalten, der von der Zeitschrift „Philosophy and Literature“ veranstaltet wird. Der in der Laudatio zitierte Satz Butlers geht so: „The move from a structuralist account in which capital is understood to structure social relations in relatively homologous ways to a view of hegemony in which power relations are subject to repetition, convergence, and rearticulation brought the question of temporality into the thinking of structure, and marked a shift from a form of Althusserian theory that takes structural totalities as theoretical objects to one in which the insights into the contingent possibility of structure inaugurate a renewed conception of hegemony as bound up with the contingent sites and strategies of the rearticulation of power.“ Auf Deutsch: Ganz so leicht, wie sich die Marxisten die Welt erklären, ist sie nicht.

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article108993984/Wenn-Schafe-bloeken.html

Nun sind die Genderstudies an den Unis zwar ein Stilblüten-, aber keinesfalls ein Orchideenfach. Nicht nur, daß sie weiblichen Lehrkräften eine gutalimentierte Domäne sichern – allein in Nordrhein-Westfalen befassen sich 270 Professorinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sowie ein (!) männlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Genderfragen und netzwerken eifrig miteinander –

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/wissenschaftlerinnen/portrait/

während jeder Mann weiß, daß es auf die Biologie ankommt beim Mann-Sein, alles andere würden sexuell aktive Frauen auch nicht akzeptieren, nein, deren theologische Axiome sind mittlerweile schon seit 1998 verpflichtende Regierungspolitik:

30.12.2006

Regierung

Der neue Mensch

Von René Pfister

Unter dem Begriff „Gender Mainstreaming“ haben Politiker ein Erziehungsprogramm für Männer und Frauen gestartet. Vorn dabei: Familienministerin Ursula von der Leyen.

[…]

Die wohl einflussreichste und radikalste Vertreterin der Gender-Theorie ist die im kalifornischen Berkeley lehrende Professorin Judith Butler. Für Butler ist die Geschlechtsidentität der meisten Menschen eine Fiktion, eine „Komödie“, die aufzuführen sie von frühester Kindheit an eingebläut bekommen. Das Zusammenleben von Mann und Frau und das sexuelle Begehren zwischen den unterschiedlichen Geschlechtern betrachtet sie als Ausdruck eines perfiden Repressionssystems, der „Zwangsheterosexualität“.

Es ist leicht, Butler für das Produkt eines etwas überdrehten amerikanischen Universitätsbetriebs zu halten. Aber das hieße, ihre Wirkung zu unterschätzen. An jeder der zahlreichen deutschen Hochschulen, die Gender-Studien anbieten, gehört Butler zum Kanon, und für die Studenten bieten sich immer mehr Möglichkeiten, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Den Gender-Theoretikern ist es gelungen, aus ihrer akademischen Nischendisziplin ein bürokratisches Großprojekt zu machen.

Bis in die Provinz sind die Gender-Arbeiter schon vorgedrungen. Für die Dorferneuerung von Jützenbach, einer 550-Einwohner-Gemeinde im Südharz, gab das Erfurter Landwirtschaftsministerium einen „Gender-Check“ für 15 000 Euro in Auftrag, der unter anderem zu der Erkenntnis führte, dass in der freiwilligen Feuerwehr nur eine einzige Frau Dienst tut. Die Freiburger Stadtverwaltung hat einen Leitfaden für Erzieher herausgegeben, damit „negativen Einwirkungen jungmännlicher Dominanz“ schon im Kindergarten begegnet wird.

http://www.spiegel.de/spiegel/a-457053.html

Millionen von Staatsgeldern versickern in diesen sinnlosen politisch korrekten Aktionen, die ersichtlich nur eins im Sinn haben: eine Machtverschiebung hin zu den Frauen und eine Verteufelung des männlichen Geschlechts. Verdutzt fragen sich die Politiker heute, wieso nur 3 % der Erzieher in Kitas männlich seien – die Antwort ist simpel: nicht wegen der schlechten Entlohnung, auch Wachmänner arbeiten für einen Appel und ein Ei, sondern wegen des Verdachts der Eltern, ein männlicher Erzieher könne ja nur pädophil sein. Aktuell läuft wieder eine Kampagne zur Steigerung der „Sensibilität“ für sexuellen Mißbrauch – auch in Kitas, in denen weibliche Erzieher generell verdachtsfrei agieren.

Die angeblich widerständige Butler ist absoluter mainstream, insbesondere bei geistfernen Politikern, für die Renate Künast bei ihrer Laudatio für Butler anläßlich der Verleihung des Zivilcouragepreises der Christopher Street Day-Organisatoren in Berlin 2010 ein beredt-gestammeltes Zeugnis ablegte:

Christopher Street Day

Zivilcouragepreis 2010 für Judith Butler: Laudatio von Renate Künast

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Queer-Community!

Der Zivilcouragepreis 2010 geht an die Philosophin Professor Dr. Judith Butler, herzlichen Glückwunsch!

[…]

Queer sein bedeutet für Judith Butler frei sein. Frei von festgefügten Rollen, ihnen nicht entsprechen zu müssen. Was ich faszinierend finde, dass sie sagt: Es gibt keinen richtigen Hetero. Es gibt auch nicht die richtige Lesbe. Sie sagt einfach an der Stelle, die Frage ist vollkommen offen wer wir sind und wer jeder und jede von uns noch werden kann. Und das finde ich faszinierend.

Judith Butler hat diesen Preis verdient, weil das was sie denkt, eigentlich normal sein sollte. Normal ist eben anders. Ich könnte auch sagen, wir sind eben anders normal – wer auch ein Thema; vielleicht fürs nächste Jahr.

Transkript der Laudatio von Renate Künast, gehalten am 19. Juni 2010.

http://berlinercsd.blogspot.de/2010/07/zivilcouragepreis-2010-fur-judith_08.html

Ich sage an der Stelle, daß Künast für das fehlerhafte Transkript natürlich nicht verantwortlich ist – wohl aber für den Unsinn, den sie da abließ. Normal ist eben anders, und so wer das schon ein Thema, ob Butler den Preis nicht wegen dieser Friede-Freude-Eierkuchen-Laudatio einer Politikerin, die wohl noch nie etwas von Butler gelesen hat, abgelehnt hat. Aber nein, Butler ging es darum, daß Minderheiten nicht gegen Minderheiten ausgespielt werden sollen. Und Hedonismus ist auch nix für eine brillante Asketin, die einen Ruf zu verlieren hat.

Auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor hörte sich die amerikanische Philosophin erst die Laudatio der grünen Bundestagsfraktionschefin Renate Künast an, um dann in einer kurzen Rede die Annahme der Auszeichnung abzulehnen. Ihre Begründung: Der Berliner CSD sei „zu kommerziell und oberflächlich“.

Die Veranstaltung richte sich zudem nicht genügend gegen Rassismus und doppelte Diskriminierung – etwa von Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden, sagte die 54-jährige linke Theoretikerin, die an der Universität im kalifornischen Berkeley lehrt. Butler schlug vor, den Preis lieber an Organisationen wie dem Verein der türkeistämmigen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen und Transgendern GLADT e.V. zu vergeben. Ausdrücklich lobte sie den alternativen „Transgenialen CSD“, der seit einigen Jahren im Stadtbezirk Kreuzberg veranstaltet wird. Dort werde sich noch mit „den großen Fragen von Krieg und Frieden und sexueller Identität in einer modernen Gesellschaft“ auseinandergesetzt.

[…]

Die CSD-Veranstalter zahlten Butlers Flug und ihre Unterkunft im Hotel Adlon.

http://www.queer.de/detail.php?article_id=12336

Janun, das Adlon muß es schon sein – schließlich sind ihre Hokus-Pokus-Thesen sogar Regierungspolitik.

Hier ihre Rede zur Ablehnung des Preises – wie Künast da wohl aus der Wäsche geguckt haben mag? Bilder sind leider nicht überliefert. Gottlob, war es doch ein wenig erfolgreicher Pressetermin. Erfolg in der Politik beruht ja auf schönen Bildern.

http://www.egs.edu/faculty/judith-butler/articles/ich-muss-mich-distanzieren/

Vielleicht habe ich nicht konsequent genug gegoogelt: aber in unserer Mainstream-Presse, die selbstverständlich die regierungsamtlichen gender-mainstream-Programme unterstützt und Frauenquoten in Pressebetrieben fordert, die ohnehin schon Frauen propagieren und Männer runterschreiben, habe ich ganze zwei Stimmen gefunden, die sich aus inhaltlichen Gründen gegen den Adorno-Preis für Judith Butler wenden.

Räusper. Wie merkwürdig, daß es zwei Publizisten sind, denen ich ansonsten gar nicht zustimme? Auch Gertrud Höhler kritisiert Merkel aus einer Position heraus, die ganz und gar nicht die meine ist… Mich beschleicht der Verdacht, daß sich niemand, der sich als Mitte-Links verortet, überhaupt noch Kritik an Frauen zu wagen traut, weil es die doch zu fördern gilt?!

Henryk M. Broder, der natürlich ansonsten ebenfalls die Antisemitismus- und anti- 68er-Keule schwang, denen er Adorno glatt zuordnete, der 1969 gestorben ist, hat sich jedenfalls ins Herz des eigentlichen Vorwurfs gewagt:

06.09.12

Intellektuelle

Warum Judith Butler den Adorno-Preis verdient hat

Wegen ihrer umstrittenen Äußerungen zu Israel, Hamas und Hisbollah gibt es Streit um die Verleihung des Adorno-Preises an Judith Butler. Dabei passen Adorno und Butler bestens zusammen. Im Schlechten. Von Henryk M. Broder

Im Jahre 1900 erschien in der Verlagsbuchhandlung Carl Marhold in Halle an der Saale ein 23-seitiges Pamphlet eines bis dahin wenig bekannten Neurologen und Psychiaters namens Dr. Paul Julius Möbius: „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“. Möbius behauptete, Frauen hätten von Natur aus eine physiologisch bedingte geringere geistige Begabung als Männer.

Die Veröffentlichung kam zu einer Zeit, da in Deutschland über die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium gestritten wurde. Entsprechend fielen die Reaktionen aus. Die einen feierten den Leipziger Privatgelehrten als mutigen Vordenker, die anderen verdammten ihn als verbohrten Ignoranten. Die kleine Schrift erreichte viele Auflagen und gilt bis heute als Musterbeispiel für wissenschaftlich verbrämten Unsinn.

Unsinn kommt nie aus der Mode

Über 100 Jahre, zwei Weltkriege und viele Revolutionen später haben sich die Parameter gründlich verschoben. Es gilt das allgemeine Wahlrecht, Frauen dienen in Polizei und Armee, sie boxen, spielen Fußball und fällen politische Entscheidungen von größter Tragweite. Wer heute „den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ zur Diskussion stellen würde, wäre nicht nur blamiert, er wäre erledigt.

Was freilich nicht bedeutet, dass wissenschaftlich verbrämter Unsinn aus der Mode gekommen wäre, im Gegenteil. Wie zur Zeit von Möbius findet jedes schräge Angebot ein dankbares Publikum, wenn es nur den Bedürfnissen der Klientel entgegenkommt. Egal, ob es sich um Ökostrom handelt, der aus der Steckdose fließt, während der Nachbar gegenüber Atomstrom bezieht, oder die These, „dass die Identifikation mit einem Geschlecht, also die Vorstellung, ein Mann oder eine Frau zu sein, eine elaborierte, von der Gesellschaft oktroyierte Fantasie ist – ein Konstrukt aus internalisierten Bildern und Diskursen also und keine von den Merkmalen des eigenen Körpers vorgegebene Kategorie“.

Männern bleibt das Kinderkriegen versagt

Mit diesen Worten bringt der Kulturkritiker Daniel Schreiber die Thesen der amerikanischen Philosophin Judith Butler auf eine griffige Formel. Eine Person ist nicht ein Mann oder eine Frau, die Person hat nur die „Vorstellung“, ein Mann oder eine Frau zu sein, und die ist eine „von der Gesellschaft“ aufgezwungene Fantasie. Das ist eine durchaus reizvolle philosophische Figur, der allerdings Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Disziplinen entgegenstehen – der Biologie, der Medizin und der Verhaltensforschung zum Beispiel. Ein Mann mag die Vorstellung genießen, eine Frau zu sein, das Menstruieren, das Kinderkriegen und die Menopause bleiben ihm dennoch versagt.

http://www.welt.de/debatte/article109056853/Warum-Judith-Butler-den-Adorno-Preis-verdient-hat.html

Das geht schon in die richtige Richtung, Butlers ›maßgebliches Denken‹ als ausgemachten Quatsch zu dekonstruieren.

Aber so richtig hat nur Bettina Röhl begriffen, welcher Unfug da als Wissenschaft durchgeht und welche handfesten materiellen Ziele Frauen damit verfolgen; leider muß man in ihrem lesenswerten Artikel mal wieder reichlich scrollen, um ihre bekannten Ressentiments gegen die Alt-68er überlesen zu können – Bettina Röhl hat es leider noch nicht realisiert, daß die von ihr zurecht kritisierten Scharlatanerieen eines gender-mainstreaming heute sogar von Figuren wie von der Leyen und Kristina Schröder vertreten werden (müssen), wobei die letztere immerhin zurückzurudern wagt…

04.09.2012

Bettina Röhl direkt

Judith Butler – systemkonforme Genderkönigin

Kolumne von Bettina Röhl

Am 11. September bekommt die Amerikanerin Judith Butler den Theodor W. Adorno-Preis verliehen. Butler ist vielleicht die bedeutendste Ikone der weltweiten Gender-Ideologie, die sich zum Motor der Quotenregelungen für Frauen entwickelt hat.

[…]

Gender ist eine weltweit mit Milliardenaufwand finanzierte Ideologie, die von inzwischen 1000senden Wissenschaftlern jahrein jahraus beforscht wird und bisher nicht über die Behauptung hinaus gekommen ist, dass es zwar Menschen, aber keineswegs Männer und Frauen gäbe. Gender ist demnach ein fiktives Geschlecht, gern als das „soziale Geschlecht“ bezeichnet, nämlich das Geschlecht, das sich jeder Mensch selber in seinem sozialen Umwelt aussucht und dass er je nach Gusto täglich oder häufiger ändern könnte. Butler dreht das Rad dieses Verwirrspiels weiter, in dem sie behauptet, dass es entgegen dem äußeren Anschein auch körperlich zwischen Mann und Frau, keine Differenz gäbe. Dass also das, was jeder täglich biologisch wahrnimmt, nämlich das körperliche Geschlecht seines Gegenüber, nur Produkt seiner im Prinzip wahnhaften Wahrnehmung beziehungsweise die Anpassung des Körpers an die falsche Vorstellung vom eigenen und von fremden Körpern sei usw.usw.

Für Menschen, die in Mathematik nicht so fit sind, wird es langsam schwierig, denn die Gender-Forscher, die aber unter dem Dach des Bundeskanzleramtes, des Frauen und Familienministeriums, der Bildungsministerien und vieler anderer Machtzentren für oder gegen uns alle Politik machen, haben inzwischen 16 und mehr unterschiedliche Geschlechter ausgemacht. Da ist alles dabei, nur nicht Mann oder Frau. Und wer das zaghaft bezweifelt ist in den Augen der Gender-Fanatiker bestenfalls ein Antiquierter und schlimmstenfalls ein Reaktionär oder gar ein Rassist und im Zweifel mindestens frauenfeindlich.
Gender ist, um es beim Namen zu nennen, ein pseudowissenschaftliches Unternehmen mit ähnlichen Denkfehlern behaftet wie der „wissenschaftliche Sozialismus“, der bereits unzählige Male gescheitert ist. Gender ist ein Unternehmen, das 20.000 Jahre und mehr Patriarchat mindestens vorübergehend durch die Einführung frauendominanter Strukturen zwecks schlussendlicher Herstellung von Gleichberechtigung aller Menschen, insbesondere der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, die es nach der Gender-Doktrin eigentlich gar nicht gibt, kompensieren will.

[…]

Die Gender-Ideologie kommt nicht als männermordender Feminismus daher. Es ist in Wahrheit viel schlimmer. Butlers permanenter Selbsteinschätzung besonderer Friedfertigkeit, passt zu einer Ideologie, die mit Systemgewalt den Mann aus dem Mann austreiben will. Gender kämpft nicht gegen den Mann, sondern „nur“ gegen dessen Männlichkeit. Gender kämpft nicht gegen den Mann, sondern gegen das Testosteron im Mann, so dass vom Mann nichts übrig bleibt. Weshalb bis in die Kindergärten hinunter, je nachdem wie indoktriniert die Kindergärtner schon sind, die Entmännlichung der Gesellschaft insgesamt und die der Männer und Jungen im Besonderen das erklärte strategische Gender-Ziel ist.
Da die Gender-Ideologie das geltende Recht fatalerweise schon beherrscht, aber noch nicht in der Rechtswirklichkeit sprich in den Köpfen der Menschen angekommen ist, geschweige denn von der Mehrheit durchschaut und als Scharlatanerie entlarvt ist, wäre Aufklärung über Gender und zwar Massenaufklärung das Gebot der Stunde, statt Gender-Apologeten wie Judith Butler derart mit Preisen zu ehren, dass deren Gender-Mission immer weiter und immer hemmungsloser unterstützt wird.

[…]

Quotenfrauen will wohl Niemand und doch ist nicht auszuschließen, dass Quotenregelungen Ebensolche generieren. Letzten Endes aber muss man wissen, dass in Wahrheit der Gender-Druck hinter der Einführung der Quotenregelung bezüglich Großunternehmen steckt, dass also eine Ideologie, die man getrost furchtbar nennen darf, der Quote zum Durchbruch verholfen hat. In Skandinavien, wo es schon 100 Jahre Gender-Politik gab, bevor der furchtbare amerikanische Arzt John Money diesen Begriff erfand, scheint man aus dem Wahnsinn zu erwachen. In Norwegen ist die staatlich mit fast 60 Millionen Euro jährlich subventionierte Gender-Forschung gerade Knall auf Fall quasi wegen erwiesener Scharlatanerie gestrichen worden. Gegen den erbitterten Widerstand der Mainstream-Medien und der Gender-Ideologen, versteht sich. Ein Heer arbeitsloser Genderforscher ist die in Kauf genommene Folge. Im nostalgischen Frankfurt ticken die Uhren offenbar deutlich langsamer.

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-judith-butler-systemkonforme-genderkoenigin-seite-all/7090556-all.html

Röhls Ausführungen zur Quote, deren europaweiter Anordnung für Aufsichtsräte gerade gescheitert ist (Deutschland enthielt sich feige der Stimme), habe ich weggelassen.

Denn viel wichtiger ist es, daß sie hier endlich einmal in die Mainstream-Presse einbrachte, daß diese ganze Gender-Chose, die hunderttausende weibliche Karrieren hervorbrachte und staatliche Millionen in den Sand setzte, auf falschen theologischen Prämissen beruhte und daher rausgeschmissenes Geld, vergebliche Erziehungsbemühungen und eine kontraproduktive Männerverteufelung hervorgebracht hat – natürlich auch die unsägliche Frauenquote: aber das ist ein eigenes Thema.

Im genderbewegten Norwegen hat es ein Komiker vermocht, die Scheinwissenschaftlichkeit von Gender Studies zu entlarven und diesen Wissenschaftszweig ein für allemal zu entsorgen – in unserer Mainstream-Presse war darüber natürlich nichts zu lesen. Da sei die PC vor!

02.09.12

Aus für Gender (mit Updates)

……zumindest für die staatliche Genderforschung des Nordic Institut ab 2012 mit einem ursprünglichen Jahresbudget von 56 Millionen. Wie war das möglich? Ein intelligenter Komiker mit einem Kamerateam stellte Genderexperten einfache Fragen.  Mit ihren Antworten kam eine Lawine ins Rollen…….Hier ist die Geschichte:

Ein Mann, eine Idee, eine Tat.

Harald Eia, mit einem MA in Soziologie und Norwegens bekanntester Komiker, kam nach seinem Studium zu der Erkenntnis, dass die Gendertheorie – nach der Mann und Frau gleich seien und alle Unterschiede ihre Ursache ausnahmslos in gesellschaftlichen Prägungen hätten, und nicht mit den klassischen Wissenschaften wie  Biologie, Anthropologie etc. übereinstimmen. Sein Kommentar: „Ich fühlte mich von meinen Universitätslehrern betrogen“.

Die Idee

Harald Eia’s Idee war es, das „Gender Paradox“ in Norwegen zu hinterfragen. Dieses Paradox besteht in einem Widerspruch zwischen jahrzehntelanger „gendersensibler Erziehung“ zur Gleichheit (hier der norwegische Genderplan) auf der einen Seite und der Berufswahl und Ausbildung in die altbekannten männertypischen und frauentypische Berufe auf der anderen Seite. Ein solches klassische Berufswahlverhalten  hätte eigentlich die jahrzehntelange(!)  Gleichheitserziehung in Norwegen verändern  sollen. Aber: Dieser Unterschied in Norwegen  ist seit langem größer als in vergleichbaren  Ländern mit weniger Frauenförderung und keiner „gendersensiblen Erziehung“. Dieses Paradox, das die Genderforschung nicht erklären konnte, wurde mehr und mehr zu einem Tabu in der norwegischen Öffentlichkeit und einem Problem für die regierende Sozialdemokratie. Das wollte Harald Eia durchbrechen.

Die Tat

Eia organisierte ein Kamerateam und stellte bekannten norwegischen Wissenschaftlern kritische Fragen zur Gendertheorie und stellte deren Antworten jene von international anerkannten Wissenschaftlern klassischer Disziplinen gegenüber. Es waren Fragen über sexuelle Orientierung, Geschlechtsrollen, Gewalt, Rasse und Erziehung. Er tat dies mit fundierten Wissen und einer bewußt naiven, aber humorvollen Fragetechnik. Solche Art von Fragen  waren die Genderwissenschaftler nicht gewohnt. Schon gar nicht kritische Fragen zur Gendertheorie. Viele Interviewte merkten erst danach, was da eigentlich abgelaufen war. Ehe sie sich beschweren konnten, was sie später nachholten, gingen seine Interviews beim staatlichen TV-Sender NRK in der Sendereihe „Gehirnwäsche“ auf Sendung. Die Öffentlichkeit war schockiert und die Wissenschaft entsetzt.  Vor allem das Feature „The Gender Equality Paradox“ heizte erstmals eine offene Debatte über die skandinavische Genderdebatte an. Zum Video hier. Es ist eins von sieben ausgestrahlten Videos

Dazu wird in der englischen  Pressemitteilung des Europäischen Journalistenverbandes  folgendes Resümee gezogen:

“So even if Eia’s methods have been critisised, there is now a general agreement that the result of this project has been good for both the sciences and society as a whole. For the first time, science is really being discussed. Even if many strange things have been said and written, this has been (and still is) a unique educational process for both the general public and the scientific community.

Ein späteres Ereignis in diesem Zusammenhang war noch sensationeller: am 19.Oktober 2011 erschien eine Pressemitteilung, die die  Schließung des NIKK, Nordic Gender Institute, zum 31.12.2011 ankündigte. Damit war der Förderstopp auch für Genderstudies des skandinavischen Instituts verfügt. Die „Wissenschaft“ der  Genderstudies wurde mit einer einstimmigen Entscheidung des Nordic Council beendet. (Update 2.9.:  Der Coucil begründete seine Entscheidung damit, dass es dem NIKK mit seinen Gender Studies nicht gelungen sei, weder zur wisenschaftlichen Debatte in allen nordischen Ländern bei zu tragen, noch  mit ihrer Arbeit die Brücke zur Gesamtgesellschaft zu schlagen.  Und das in dem „Genderland“ Nr. 2 auf der Welt (nach dem Global Gender Gap Index 2011.) ! Auch der Versuch, die Gender Studies durch sinnvolle Projekte zu ersetzen, wurde von dem Coucil abgelehnt. Obige Pressemitteilung fand zunächst nur in Norwegen Verbreitung. In Deutschland ist sie den Medien bislang gänzlich entgangen, obwohl – oder gerade weil – die Gründe für die Einstellung der skandinavischen Genderforschung auf Einwänden beruhen, die für unser Genderforschung hierzulande uneingeschränkt ebenfalls zutreffen.

http://agensev.de/agens-meint/aus-fur-gender-2/

Hier ein weiterer Artikel zum Thema:

http://genderama.blogspot.de/2012/08/56-millionen-euro-gerettet-komiker.html

Und Deutschland ehrt die Dinosaurierin einer Pseudowissenschaft, die als solche längst entlarvt und dem Untergang geweiht ist. Manchmal überdauert ein Lebenswerk ein Leben nicht.

Adorno würde sich im Grabe umdrehen angesicht der Preisverleihung in seinem Namen an diese unselige Schwätzerin, die pseudointellektuell soviel Haß und Elend legitimiert hat. Meine ich. Broder, der Adorno nicht gelesen zu haben scheint, wie seine zum Allgemeingut gewordenen Zitat-Schnipsel belegen, behauptet natürlich das Gegenteil:

Vieles von dem, das Adorno und Horkheimer geschrieben haben, wirkt heute nicht nur angestaubt, sondern auch pompös und prätentiös. Adornos „Minima Moralia“, lange Zeit der philosophische Ratgeber für alle Lebenslagen, liest sich heute wie eine Sammlung von Sprüchen aus einem Fortune-Cookie: „Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein“, „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Was, wenn doch?

Diesen moralischen Rigorismus, darüber zu verfügen, was für andere gut sein soll, pflegt auch Judith Butler. Insofern hat sie sich den Adorno-Preis redlich verdient. Solange es keinen Paul-Julius-Möbius-Preis gibt.

http://www.welt.de/debatte/article109056853/Warum-Judith-Butler-den-Adorno-Preis-verdient-hat.html

Sein WELT-Kollege Alan Posener sieht die Sache genau andersherum:

Theordor [sic!] Adorno zeigte in seiner „Dialektik der Aufklärung“, wie aus fortschrittlichem unversehens reaktionäres Denken werden kann. Judith Butler illustriert Adornos These geradezu lehrbuchmäßig. Eben deshalb eignet sie sich nicht als Preisträgerin.

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article108993984/Wenn-Schafe-bloeken.html

Broder bewertet Adorno falsch und hält den Preis für Butler daher für richtig. Alan Posener bewertet Adorno richtig und hält den Preis für Butler daher für falsch. Himmel hilf! Dann googelt man herum, weil der Himmel nicht hilft, und gerät unversehens an Vorlesungsgegenstände, deren Inhalation Punkte zur Erringung eines akademischen Grades versprechen, obwohl sich die Veranstaltung eher wie eine intellektuelle Therapie für Liebeskummergeschädigte ausnimmt.

Ich bitte alle Leserinnen und Leser, sich anzuschnallen – so etwas ereignet sich tatsächlich auf Staatskosten und auf Kosten Adornos:

Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität, Berlin

53 820 Du und ich und in_zwischen uns der Kapitalismus – Perspektiven jenseits der

Herrschaftsförmigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen?

2 SWS

PT Mo 18-20 wöch. DOR 24, 3.018 C. Kurbjuhn

Als vereinzelte Einzelne begeben wir uns in der verwalteten Welt des Kapitalismus auf die Suche nach dem einen Menschen, der uns ganz macht: vom Single zur Romantischen Zweierbeziehung (RZB). „Du und ich – in Ewigkeit (d.h. bis zur nächsten RZB), amen.“ Doch die romantische Liebe, die wir suchen, steht mitnichten außerhalb kapitalistischer und geschlechtlicher Herrschaftsverhältnisse, sondern beruht selbst auf warenförmigen und sexistischen Organisationsprinzipien.

Im Kurs soll die Vermachtung romantischer Liebe thematisiert werden, ohne die ihr zugrunde liegende Sehnsucht nach einem „besseren menschlichen Zustand“ (Horkheimer) zu suspendieren. Anschließend werden wir uns mit alternativen Ansätzen zwischenmenschlicher Beziehungen (z.B. Polyamory) auseinandersetzen und diese kritisch nach ihrem emanzipatorischen Gehalt befragen.

Literatur:

Adorno, Theodor W. (1989): Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt am Main.

Illouz, Eva (2003): Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus, Frankfurt am Main. Fremdgenese (2007): Glück im Unglück. Un/möglichkeiten der romantischen Zweierbeziehung, in: A.G. Gender-Killer (Hrsg): Das gute Leben. Linke Perspektiven auf einen besseren Alltag, Münster, S. 95-113.

 

https://agnes.hu-berlin.de/lupo/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=UeberschriftDetail&publishConfFile=ueberschrift&publishSubDir=ueberschrift&keep=y&publishid=53968&fachrichtung=$fach

Ach, die liebe RZB, wie ist sie nur auf den Hund gekommen… Ich habe in den ›Minima Moralia‹ geblättert und treffliche Zitate zum Thema gefunden. Aber Adornos Worte gehören ja Reemtsma, Geist kann man nämlich kaufen, und wenn ich mehr zitiere als kommentiere, kriege ich es mit seinen Rechtsanwälten zu tun. Man sollte Adorno also wieder selber lesen – dann wüßte man, daß Adorno mit dieser Preisverleihung nicht einverstanden gewesen wäre.

Aber vielleicht lehnt Butler diesen Preis ja auch mal wieder ab nach diesen Scheinquerelen des Feuilletons und der Jüdischen Gemeinde, für deren Repräsentation wohlfeiler Empörungsgestus Bedingung zu sein scheint.

Wer ist eigentlich ihr Laudator? Alice Schwarzer? Die Künast des Alt-Feminismus? Da müßte man freilich Hoffnung hegen, daß der Stadtsäckel 50.000,- sinnlos verpulverte Euro einsparen kann.

Update (10.9.2012)

Die Laudatorin ist Prof. Dr. Eva Geulen von der  Universität Bonn. Das paßt.

http://www.gleichstellung.uni-bonn.de/perspektive_wissenschaft/professorinnen/geulen

Wobei es dann doch verwunderlich ist, daß die gender-erfahrene Professorin im entsprechenden Netzwerk von Nordrhein-Westfalen nicht aufscheint:

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/wissenschaftlerinnen/portrait/

Ob sie um ihre wissenschaftliche Reputation besorgt ist?