Die Fußball-WM- und die Garten-Ecke (mit aktuellen Updates)

PassionsblumeUpdate vom 13.7.2014

W O W !

Deutschland – Argentinien  1 : 0 n. V.

Im verschlafenen Neuruppin steigen gehortete Silvester-Raketen, ein paar Autofahrer hupen, und ich bin ganz erschlagen nach diesem packenden Spiel. Zwei sehr unterschiedliche, aber zunächst gleichwertige Mannschaften rangen miteinander. Auf hohem Niveau. Als die Kräfte schwanden, wurden die Fouls der Argentinier härter, und der italienische Schiri sah plötzlich weg. Was mußte Bastian Schweinsteiger nicht alles einstecken… Ich konnte schon nicht mehr hinsehen, wie er nach diesem ungeahndeten Faustschlag ins Gesicht einen Cut erlitt und blutete.

Und in der 113. Minute schoß der frisch eingewechselte Mario Götze das Traumtor… Mit der Brust angenommen, locker abtropfen lassen, scharf aus einem unmöglich spitzen Winkel ins lange Eck. Da reagieren Instinkte, so was kann man weder planen noch üben.

Aber natürlich waren es die gesamte Mannschaft und ihr Trainer, die Weltmeister wurden. Sie haben es allen bösartigen Nörglern gezeigt. Alle waren an diesem Final-Sieg beteiligt, und man traut sich nicht, einen besonders auszuzeichnen. Aber ohne Neuer, Boateng und Hummels wäre dieses Spiel nicht gewonnen worden. Das muß einfach gesagt werden, denn Argentinien lieferte das beste Spiel dieser WM und spielte offensiver als üblich. Aber die Mannschaft ist grundsätzlich defensiv eingestellt, und muß auf Konter hoffen.

Die komplettere Mannschaft hat verdient den Titel geholt. Die Kanzlerin klatschte wie immer kindlich. Putin wird sich gefreut haben. Und wir alle haben ein tolles Fußballspiel gesehen.

Ich bedanke mich mit einem Gartenfoto vom 2.7.2014, das unwiederholbar ist, denn die rote Rose im Hintergrund hat mittlerweile ihre erste Blüte beendet, während das Cherry Girl im Vordergrund weiterhin blüht.

14-07-02 Cherry Girl rote Rose

 

 

 

 

Update vom 12.7.2014

Achnö, gerade haben wir den 13.7., und der paßt wohl besser.

Niederlande – Brasilien  3 : 0

Denn ich bin schwer deprimiert darüber, daß dieses Spiel durch zwei Schiedsrichter-Fehlentscheidungen innerhalb von 20 Minuten der ersten Halbzeit entschieden wurde: mal wieder ein unberechtigter Elfmeter dank Robbens Flugkünste in der 3. Minute, danach ein Abseitstor für die NL. Da ist es mit der Moral einer Mannschaft, die gerade eine historische Klatsche kassiert hatte, natürlich zu Ende, obwohl sie nie aufsteckte.

Holland spielte danach schlecht, aber das reichte wegen der fehlenden Chancenverwertung Brasiliens aus, um über die Runden zu kommen. In der Nachspielzeit der 2. Halbzeit erzielte Holland gar noch ein unverdientes 3 : 0.

Das Schlimmste: das von Anfang an Brasilien-Bashing-Gequatsche von ZDF-Sprecher Oliver Schmidt.

Das war ein trauriger Fußball-Abend. Mein Garten bietet entsprechende Bilder.

Die Reste einer Terrassen-Lobelie, die nach zwei Gewittertagen komplett von Schnecken aufgefressen war:

14-07-10 Schnecke Lobelie

Hier eine meiner ekligen Todfeinde, zugleich ein Tip, falls es mit der Bierfalle nicht klappt: sie stehen auf Katzenfutter.

14-07-10 Schnecke Katzenfutter

Aber so möchte ich die brasilianische Mannschaft nicht verabschieden. Die letzte verblühende Knospe der red diamond, bei der man nie weiß, ob und wie sie sich zur zweiten Blüte aufrafft, scheint mir doch der passendere Kommentar zu sein. Sie ist glamourös auch dann, wenn sie verblüht.

14-07-02 red diamond

 

 

 

 

 

Update vom 9.7.2014

Argentinien – Niederlande 1. Halbzeit 0 : 0

Das Spannendste an diesem Spiel war wohl der Versuch, es zu sehen. Denn nach dem unfaßbaren 7 : 1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien ging auch mein betagter Fernseher in die Knie und fiel aus. Mein für die Technikbeschaffung zuständiger Gatte ist beruflich unterwegs, ich selbst bin zu blöd, mit Technik-Verkäufern umzugehen, denn vielleicht liegt es ja auch am SAT-Receiver.

Mein Computer ist zu oft im Dienst und Livestreaming daher gefährdet. Die gute Idee, den Compi abzuschalten, faßte ich allerdings zu spät, nämlich erst kurz vor 22 Uhr. Daraufhin ergab sich Folgendes: Windows 7 erklärte mir heuchlerisch: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 1 von 15“. Der erste Update dauerte Minuten… Ich zog den Stecker. Stöpselte ihn nach 30 Sekunden wieder ein, nur um zu sehen, daß Window 7 mir sagte: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 2 von 15“. Das ist echt nicht normal, daß man in schweißtriefender Gewitterschwüle vor so einer Maschinendiktatur sitzt. Über zehn Minuten dauerte die Tortur. Dann schaltete sich der Computer aus. Ca. 3-4 Minuten soll man ihn ja in Ruhe lassen, menschlich verständlich. Aber auch das Anschalten gestaltete sich schwierig, da Window unbedingt etwas konfigurieren mußte, und gleich zwei Mal durchstartete.

Kurz und gut: ich konnte erst bei Minute 22 einsteigen. Und muß konstatieren: die Technikprobleme, die ich hatte, hatten beide Mannschaften auch. Wer beim Spiel Brasilien – Deutschland 20 Minuten verpaßt hat, hat 5 Tore verpaßt. Bei diesem Halbfinale hat er nicht viel verpaßt. Beide verteidigen, in der Spitze haben sie nichts zu bieten, und der Schiedsrichter hat sich zu spät darauf besonnen, Fouls zu ahnden.

Das wird womöglich langwierig und zäh.

Da ich nur schöne Gartenfotos produziere, habe ich auch leider kein Foto…

2. Halbzeit 0 : 0, n.V. 0 : 0, und im Elfmeterschießen versagten die Niederländer zwei Mal

Ehrlich gesagt: es war eine Pein, dieses Fußballspiel zu verfolgen. Und irgendwie waltete eine höhere Gerechtigkeit, daß gegen die Schwalben- und Psychotrick-Mannschaft der NL die fußballerisch bessere von Argentinien gewann.

Sie hat natürlich keine Chance im Finale… 😉

Aber dafür, daß die bessere Mannschaft ins Finale eingezogen ist und daß Südamerika dort noch vertreten ist, gibt es eine Rose:

14-07-06 Westzeit erste Blüte

Das ist die erste Blüte der zweiten Blüte der Westzeit-Rose. Ein Wunder insoweit, als alle anderen Rosen Wochen brauchen, um zur zweiten Blüte zu gelangen.

Und so hoffe ich auf ein wahnsinnig gutes Finale Deutschland-Argentinien.

 

2. Update vom 8.7.2014

Deutschland- Brasilien 7 :1

Da bleibt einem die Spucke weg, wie der für Klose eingewechselte Schürrle noch zwei weitere Tor machte.

Ich habe weder Worte noch Bilder für diese überragende Leistung der deutschen Mannschaft. Sie hat alle Chancen auf den Titel. Und hoffentlich hören jetzt die medialen Nörgeleien auf.

Ich bin nach diesem Fußballfest echt fertig.

Update vom 8.7.2014

Brasilien gegen Deutschland  0: 5 in der 1. Halbzeit

WAHNSINN!

Ich hatte zwar auf eine 60 zu 40 Chance für die deutsche Mannschaft getippt, aber was hier los war, hat doch alle meine Erwartungen übertroffen. War das erste frühe Tor durch Müller noch einer Standardsituation geschuldet, fielen die vier weiteren – Klose, Kroos, Kroos, Khedira, vielleicht war die Reihenfolge auch anders, sorry, bin gerade zu aufgeregt, selbst im friedlichen Neuruppin wurde gerade ein Silvesterböller gezündet – aus erspielten Situationen. Mann, was spielte die deutsche Mannschaft auf allen Positionen gut! Selbst nach dem 5 : 0 war sie dem 6 : 0 näher als Brasilien einem Anschlußtreffer. Zu verdanken war der Spielfluß natürlich auch dem Schiedsrichter Rodriguez, der die üblichen südamerikanischen Fouls konsequent abpfiff.

Ein Spiel, das in die Geschichte eingehen wird. Und das mich die vielen Regenschauer, Gewitter und Schnecken-Attacken des heutigen Tages vergessen läßt.

14-07-04 Cherry Girl Phlox

 

 

Update vom 6.7.2014

Niederlande – Costa Rica nach Verlängerung: 0 : 0, nach Elfmeterschießen 4 : 3

Wie hätten wohl deutsche Journalisten losgeblökt, wenn Deutschland auf diese Art und Weise mit Hängen und Würgen ins Halbfinale gekommen wäre?

Ich habe die Partie erst ab der sechzigsten Minute gesehen, als es 0 : 0 stand. Ich scheine nicht viel verpaßt zu haben. Es war Zufall, wer weiterkam. Natürlich wird jetzt die Legende verbreitet werden, daß es der geniale Trainer van Gaal war, der kurz vor Schluß den Torwart einwechselte, der zwei Elfmeter von Costa Rica hielt. Ich bin ziemlich immun, was derlei Geniestreiche angeht.

Es war Gück, nichts weiter.

14-07-02 Cosmea und UmgebungIn ein paar Tagen wird diese Idylle durch Schnecken zerstört sein. Die Blüten der Cosmea sind bereits weg.

 

 

 

 

2. Update vom 5.7.2014

Argentinien gegen Belgien 1 : 0

Das Gesetz der Serie: in den drei Viertelfinal-Spielen gewann immer die Mannschaft mit dem frühen Führungstor: Deutschland in der 12., Brasilien in der 7. und jetzt Argentinien in der 8. Minute. Aber anders als bei dem hektischen planlosen harten Herumgestümpere von Brasilien und Kolumbien konnte man hier ein packendes Fußballspiel mit Betonung auf „Spiel“ sehen. Das lag an dem famosen Schiedsrichter, der sofort nach der ersten Hakelei einen Freistoß gab und bei der zweiten danach ebenso eingriff, und sich die Gelb-Kandidaten später präventiv verbal zur Brust nahm. Als am Schluß die Nerven blank lagen, zögerte er auch nicht, gelbe Karten zu zücken.

So kam Spielfluß auf, und ich muß gestehen, daß mein Herz zuguterletzt für Belgien schlug, das nie aufsteckte und bis zum Schluß um den Ausgleich kämpfte – mit vielen Möglichkeiten.

Es hat nicht sollen sein. Am Ende trat Ermattung ein – jedenfalls bei der Zuschauerin.

14-07-02 Schöne aus HamburgEs klingt ja irgendwie schadenfroh, aber das soll es nicht. Brasiliens Top-Stürmer Neymar hat sich eine schwere Verletzung zugezogen und fällt für den Rest der WM aus. Das erhöht zwar die Chancen der deutschen Mannschaft – aber Neymar wünsche ich alles Gute!

14-07-02 Augusta Luise II und Cherry Girl

 

 

Update vom 5.7.2014

Brasilien – Kolumbien 2 : 1

Ich hatte ja das Ergebnis Kolumbien-Brasilien 1 : 0 getippt, und irgendwie ist das auch jetzt noch naheliegend. Deutschlands nächster Gegner Brasilien hat keine einzige Torchance herausgespielt, sondern die Tore nur durch Standards bewerkstelligt. Brasilien wurde durch nicht geahndete Fouls begünstigt, hat ihren Kapitän da Silva durch die 2. gelbe Karte für das Spiel gegen Deutschland verloren und hat in Neymar einen Blender, der davon ablenkt, daß Hulk der effektivste brasilianische Spieler ist (ich erwähnte ihn  bereits).

Selten konnte man ein konfuseres, hektischeres und härteres Fußballspiel sehen. Es war ein Fehler des spanischen Schiedrichters, nicht frühzeitig gelbe Karten zu ziehen. Die Mannschaft, die wirklich Fußball spielte, nämlich Kolumbien, hatte in dieser Atmosphäre keine Chance.

Die deutsche Mannschaft, die deutlich besser Fußball spielt als Kolumbien, und die hoffentlich auf einen besseren Schiedrichter stößt, ist favorisiert.

Disziplin siegt eigentlich immer gegen Wildwuchs.

14-06-27 3 Katzen

😉

 

Update vom 5.7.2014

Frankreich – Deutschland 0 : 1

Wer sagt’s denn! Geht doch! Allen mißgünstigen und besserwisserischen Nörglern zum Trotz steht die deutsche Elf im Halbfinale. Angehmerweise fiel das Tor durch einen Kopfball von Mats Hummels schon in der 13. Minute, so daß die ganz großen Herzinfarkt-Momente ausblieben. Schönes Kombinationsspiel, sichere Abwehr, ein wie immer hervorragender Manuel Neuer wurde nur zwei Mal gefordert: bei Valbuenas Schuß kurz vor Ende der ersten Halbzeit und bei Benzemas Versuch in der 94. (!) Minute: da rettete seine Faust. Aus dem Ansturm der Franzosen ergaben sich gute Konterchancen – ein spannendes Spiel.

So ertrug ich dann auch den Kommentator, der die Franzosen „frischer“ fand und hervorhob, daß sie ja viel offensiver agierten als die Deutschen (klar, sie lagen schließlich zurück. Was hätte er gesagt, wenn die deutsche Mannschaft angegriffen und sich daraus eine Kontermöglichkeit für Frankreich ergeben hätte? Das ist doch klar). Kaum hat er Mesut Özil heruntergemacht, gab es dessen energische Aktion links außen nebst Vorlagen für Müller bzw. Schürrle, der leider wieder einmal nur den Torwart traf.

Sollte man den Ton abdrehen? Oder darauf hoffen, daß es nach dem pflichtgemäß erreichten Halbfinale nun eine Kür der Kommentatoren geben wird?

Egal. Eine Teatime-Rose für die deutsche Mannschaft gibt es auf jeden Fall.

 

14-06-28 Teatime 3

 

 

 

Update vom 2.7.2014

USA – Belgien  1 : 2 n. V.

Soviel zum Gerede von Favoriten und vom Genörgel am Spiel der deutschen Mannschaft. Deutschland hat die USA in der Normalspielzeit klar geschlagen, und dabei niemals den Eindruck erweckt, eventuell verlieren zu können. Ganz anders der Auftritt Belgiens. Offensiv aber abschlußschwach, zudem behindert durch den starken amerikanischen Torwart Howard, vermochte die belgische Mannschaft in der regulären Spielzeit, die 0 : 0 endete, nicht einmal den Hauch einer Überlegenheit zu entwickeln.

Mit Glück erzielte sie in der Verlängerung ein 2 : 0, das im Drama des Geschehens durch die USA umgehend auf 1: 2 verkürzt wurde. Es ist schicksalshaft für beide Seiten, wie das Spiel ausgegangen ist. Denn daß Belgien keine bessere Fußballmannschaft hat als Deutschland, ist klar erwiesen.

Der Klinsmann-Mannschaft reiche ich wegen des ungerechten Ausscheidens eine Rose, die ich am 1.7.2014 aufnahm (denn die Teatime hat den Regentagen zwar Tribut zollen müssen, aber sie behauptet sich doch):

14-07-01 Teatime 1

 

Zweites Update vom 1.7.2014

Argentinien – Schweiz 1 : 0 n.V.

Wow! Mein Schluß nach diesem Spiel: es gibt keine leichten Spiele in den Achtelfinals dieser WM 2014. Wer hätte gedacht, daß Argentinien und die Schweiz auf Augenhöhe spielen würden, und daß Argentinien erst in der 117. Minute DAS Tor gegen die Schweiz machen würde? Und das nicht einmal durch Messi, der nur vorbereitete – bei dem ersten und letzten machtvoll-schnellen Konterangriff auf eine in Auflösung befindliche Schweizer Abwehr?

Kurz danach Powerplay der Schweizer mitsamt deren Wolfsburger Torwart Benaglio: ein Pfostenschuß. Zentimeter oder ein Lidschlag vorbei an der Sensation, daß die kleine Schweiz das große Argentinien ins Elfmeterschießen gezwungen hätte. Im Gegenzug traf Argentinien das noch leere Schweizer Tor nicht…

Die Preisfrage: was kommt dabei heraus, wenn eine defensiv eingestellte Mannschaft, die auf Konter lauert, auf eine Ballbesitz-versessene Mannschaft trifft, die nur über einen Star-Stürmer, nämlich Messi, verfügt? Genau, ein ewiges Null zu Null, das es dem Zuschauer nicht leicht machte, bei der Stange zu bleiben. Für beide Mannschaften ergaben sich nur wenige echte Chancen. Und es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, wie der Schweizer Dmric, völlig unbedrängt wenige Meter vor dem Torwart, der weit vor dem Tor steht, schießend, den Ball ganz zart direktemang in die hilfreichen Arme des Torwarts befördert. Sind das blackouts? Ist das ein archaischer Zwang, einen so in nächster Nähe stehenden Menschen nicht als Gegner, sondern als Partner aufzufassen?

Trotz des Sieges von Argentinien: als Favorit kann ich diese Mannschaft nicht sehen. Das Aufregendste an ihr war nach endlosen 117 Minuten fehlender Souveränität und Effektivität die Frisur des Spielers Palacio, sein „Rattenschwänzchen“, das aus einer kreisförmigen Haarwucherung am Hinterhaupt des ansonsten millimeterkurz gestutzten Kopfhaars hin- und herwedelte.

http://www.hna.de/sport/fussball-wm/stilfrage-setzt-argentiniens-rodrigo-palacio-einen-trend-3646711.html

Ich habe lange überlegt, welches Gartenfoto zu diesem Spiel bzw. meiner Stimmung danach paßt.

14-07-01 Phlox 1Ich bin dann auf das heutige Foto gestoßen – denn meine vier Phloxe, die zwischen und hinter den Rosen stehen, beginnen zu blühen.

Eine schöne Aussicht in unschönen Zeiten, in denen mitten in Europa Haß und Gewalt Platz greifen. In denen einem Fußball als Symbol für Völkerverständigung vorkommt…

 

Ab sofort stelle ich die Updates oben ein, um das lästige Scrollen zu vermeiden. Hier also ein Update vom 1.7.2014:

Auf Wunsch stelle ich hier ein Foto vom Eisenhut ein – to whom it may concern:

14-07-01 Eisenhut 2Er blüht wunderschön – aber erst im August; ich greife daher auf ein Foto aus dem letzten Jahr zurück.

Eisenhut, 4.8.2013

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Nichts ist unnützlicher als Fußball. Dennoch liebe ich ihn, und vielleicht gerade deshalb. Er schenkt uns magische Momente, wie dieses Foto einer Passionsblume, die in Wirklichkeit vor sich hinkränkelte, aber dann plötzlich eine Blüte produzierte, die von einer tiefstehenden Abendsonne geradezu enigmatisch erleuchtet wurde.

In der aktuellen ZEIT gibt es einen aufschlußreichen Briefwechsel zwischen Sabine Rückert, die Fußball haßt, und Harald Martenstein, der Fußball liebt.

Frau Rückert hat Probleme mit ihrem fußballbegeisterten Mann, der doch sonst so pflegeleicht ist, der sich aber leider stundenlang dem Fernsehen widmet, geht es um Fußball oder gar um die WM; der sich gar einen Kunstfaser-FC-Bayern-Schal um den sonst so leinen- und baumwoll-liebenden Hals schlingt, wenn er sich Spiele seiner Mannschaft ansieht. Und dessen leidende Ehefrau sich streng politisch korrekt den kapitalistischen Auswüchsen dieses Sports widmet, dessen wirtschaftliche Seite besonders korruptionsanfällig ist.

Alles richtig, konzediert Harald Martenstein, aber jemand, der diesem Sport nichts abgewinnen kann, sollte besser schweigen. Zur Partnerschaft gehöre es, dem Partner die Freiheit von abwegigen Hobbies einzuräumen, zumal ihr Mann sie ja nicht zwinge, mitzugucken. Kommerz, Korruption und unglaubliche Honorare gebe es auch in anderen Bereichen wie im Model-Business oder im Genre des Pop. Und überhaupt wolle er kein Leben führen, das politisch korrekt sei, dazu sei es zu kurz.

Drei zu Null für Martenstein.

Er darf der humorvoll-hedonistische Freigeist-Kolumnist sein, sie als Mitglied der Chefredaktion bedient protestantischen Zeitgeist und zugleich Mißtrauen gegen die Frauenquote. Denn seitdem Sabine Rückert Mitglied der Chefredaktion ist, läßt sie jegliche rechtsstaatlich orientierte Justizkritik vermissen, sondern deckt das psychiatrische Establishment in Gestalt von Prof. Dr. Kröber, der sich in den bayerischen Fehlurteilen bzw. Vollstreckungs-Desastern in den Fällen Ulvi Kulac und Gustl Mollath unsterblich blamiert hat.

Diese persönliche Psychiatrie-Allianz darf sie aus ihrer Machtposition heraus dahingehend ausleben, in unglaublicher Manier gegen die von bayerischen Fehlurteilen betroffenen Angeklagten Kulac und Mollath diffamierend zu Felde zu ziehen oder zu Felde ziehen zu lassen.

Und jetzt auch noch diese moralinsauren Traktate gegen den Fußball.

Ich habe heute ein 5:1 der Niederlande gegen Spanien gesehen, das aus magischen Momenten bestand.

Ich mag beide Mannschaften nicht, weil mir die Niederlande zu rüde spielen und Spanien zu technokratisch. Dennoch habe ich zu den Niederlanden gehalten, weil ich den spanischen Fußball für den Tod des Fußballs halte: Ballbesitz gleich Überlegenheit gleich Totlaufenlassen des Gegners gleich Konterchance. Das ist nicht der Fußball, der wirklich attraktiv ist. Gegen Paßgenauigkeit ist nichts einzuwenden, aber Tiki-Taka-Fußball ist schlicht langweilig.

Durch einen zu Unrecht gegebenen Elfmeter ging Spanien auch noch in Führung. Derlei Ungerechtigkeiten würzen ein Spiel, fördern manchmal sogar die Offensivkräfte des Gegners. Letztlich waren es individuelle Stärken und Schwächen, die das Spiel entschieden, und die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, die zum 1:0 für Spanien führte, wurde kompensiert durch die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, einen Angriff auf den spanischen Torwart zu übersehen, der zum 3:1 für die Niederlande führte.

Wie mag sich der spanische Torwart fühlen, der durch einen mangelhaften Paß auf einen eigenen Spieler das 1:4 verursachte? Und wie Arjen Robben, der durch eine Super-Einzelleistung das demütigende 5:1 gegen den Weltmeister besiegelte?

Drama pur, und nichts war vorhersehbar.

Das ist Fußball. So ähnlich ist auch Garten. Man plant und die Natur will es anders. In diesem Blog-Beitrag werden die weichen Themen behandelt. Die nicht planbaren. Die Momente, die berühren – die, die man braucht, um nicht vollends am Versagen des Rechtsstaats in Deutschland und an der macht- und wirtschaftspolitischen Gewalt in der Ukraine und anderswo zu verzweifeln.

Jetzt wird Obama mit dem Bush-Erbe eines verfehlten Irak-Krieges konfrontiert. Nun dürfen die USA womöglich Seit an Seit mit Iran gegen Extremisten vorgehen, die Alquaida weit in den Schatten stellen. Das ist alles nur noch verrückt.

So auch meine weltflüchtende Liebe zu Rosen, die aber zur Psychohygiene erforderlich ist. Insbesondere die zu meinen beiden sehr unterschiedlichen Rosen Augusta Luise, die sich im Mittelbeet ausbreiten.

14-06-09 Augusta Luise I 1 14-06-10 Augusta Luise II 214-06-09 Augusta Luise I Lavendel 2

 

Jeder kann sich vorstellen, was ein Gewitter oder ein Dauerregen diesen empfindlichen Schönheiten antut. So wenig, wie ich Kriegsfotographen verstehe, so wenig mag ich Schäden dokumentieren.

Mir ist der Optimismus zu eigen, daß der Fußball und die Natur siegen werden.

Was die Humanität angeht, bin ich skeptisch. Deren Gegner sind zu zahlreich.

Update 15.6.2014

1. Halbzeit England – Italien 1:1

Was für ein begeisterndes Fußballspiel!

Zwei gleichwertige, offensiv eingestellte Mannschaften, die einfallsloses Sicherheits-Kurzpaßspiel nicht nötig haben, um das Mittelfeld zu überqueren. Präzise lange Bälle tun es besser. Mir wird es angst und bange, wenn ich das temporeiche Spiel sehe, das in einem unerträglichen Dschungelklima vorgetragen wird. Mir wäre es wohl ergangen wie dem britischen Mannschafts-Physiotherapeuten, der schon im Sitzen abklappte.

Eigentlich darf das Spiel nur unentschieden enden. Und eigentlich sollte ich den Kommentator ausblenden, denn der stört.

[…]

Nun, Italien hat durch einen Glückstreffer das 2:1 erzielt, ich sage nur: Balotelli, das England mit all seiner wuchtigen Entschlossenheit nicht mehr ausgleichen konnte.

Das Drama schlechthin. So ist Fußball.

Der britische Physiotherapeut ist übrigens nicht wegen des mörderischen Klimas in Manaus zusammengebrochen, sondern weil ihm sein Freudentaumel angesichts des britischen Ausgleichs eine Knöchelverletzung beschert hatte.

Trotz des ungerechten Ausgangs: Reklame für echten Fußball.

Diese Fußball-Impressionen waren spontane Reaktionen auf ein begeisterndes Spiel. Morgen werden logistische Probleme angegangen: was kocht man, wenn man gewöhnlich zwischen 19:30 Uhr und 20:00 Uhr speist, das Spiel Deutschland gegen Portugal aber um 18:00 Uhr beginnt? Da bietet sich doch glatt eine Suppe an, die vorgekocht und in der Pause zwischen den Halbzeiten eingenommen wird.

Die Interviews, Analysen und Kurznachrichten dazwischen informieren eh recht wenig. Ob’s an mir liegt? Ich war, so sieht es aus, wohl noch nie mehrheitsfähig.

Meine Rosen offenbar auch nicht, denn laut Wikipedia bringt es die Rose Augusta Luise maximal auf einen Meter:

Sie ist eine überreich blühende Edelrose mit einem aufrechten Wuchs. Unter guten Bedingungen erreicht sie eine Höhe von 70 – 100 cm.

http://de.wikipedia.org/wiki/Augusta_Luise_%28Rose%29

Kürzlich habe ich in einem Kommentar gestrunzt, daß die höchste der meinigen 1,70 m erreicht habe. Heute habe ich das überprüft und muß zehn Zentimeter abziehen…

Nun sind die beiden Augusta Luises im Mittelbeet zwar prominent placiert und DER Blickfang. Mein rechtes Sonnen-Rosenbeet liebe ich aber nicht minder.

14-06-14 Rosen Totale 14-06-14 rote Rose und UmgebungDort gibt es natürlich nicht ausschließlich Rosen, sondern auch Johanniskraut, Lilien und vier Phloxe, um die größeren Mitbewohner des Beetes zu erwähnen. Die kleineren wechseln, da sie als Schneckenfutter fungieren, so sehr ich mich auch dagegenstemme. Demut gehört zum Gärtnerdasein dazu…

Zu den Rosen gehört die aristokratische Teatime, im Hintergrund die Diva meiner Rosen, die zickige Red Diamond, die ihrem Namen aber immer alle Ehre macht:

14-06-15 Teatime und red diamond 3Und die robuste Westzeit:

14-06-15 Westzeit 2

Und die namenlose große rote Rose, die jetzt gerade erst loslegt und an die 50-70 Blüten haben wird. Viel Freude werde ich in diesem Jahr auch am Cherry Girl haben, das doppelt so groß geworden ist als sonst, und traditionell immer als letzte ihre Erstblüte hat, so kompliziert ist die Ausbildung der zahlreichen Knospen an jedem ihrer Zweige.

Aber die Augusta-Luisen sind schon was Besonderes. Und sie riechen so gut.

14-06-15 Augusta Luise I 1 14-06-15 Augusta Luise I 2 14-06-15 Augusta Luise I 3 14-06-15 Augusta Luise I 6 14-06-15 Augusta Luise II 1Daß sie in die Magnolie hineingewachsen sind, lag natürlich nicht im Plan. Aber sie haben sich nun mal nicht mit dem einen Meter beschieden, der ihnen vorausgesagt war. Weshalb ich den einen und anderen Magnolienzweig, so leid es mir tut, abschneide.

Das mit der Gerechtigkeit ist gar nicht so leicht.

Update: 16.6.2014

Deutschland – Portugal?

Da war doch mal was! Genau, vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich schon mal einen Garten-Fußball-Artikel, zur Fußball-Europameisterschaft.

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/06/13/deutschland-gegen-portugal-und-viecher-bluhgut-fusball-und-garten-als-welt-in-der-nusschale/

Damals endete es 1 : 0, heute 4: 0, aber was bedeutet das Ergebnis für die Frage, ob man ein tolles Spiel gesehen hat oder nicht? Die einzige Übereinstimmung zwischen beiden Spielen war, daß Boateng den gefürchteten Ronaldo wiederum voll im Griff hatte. Der nicht einmal mehr in Schönheit starb, sondern in kläglichem Mißerfolg. Da baut der Gegner nicht einmal mehr eine Mauer auf, wenn er zum Freistoß ansetzt – das muß bis ins Mark verunsichern.

Einen einzigen wirklich gefährlichen Schuß produzierte er. Für sowas haben wir Neuer, für die Tore den Thomas Müller (solange Klose und Podolski auf der Bank sitzen) und wenn’s sein muß, auch den Abwehrspieler Mats Hummels, der dafür sorgte, daß auch die Borussen-Fans einmal ganz befreit jubeln konnten. (Gell, Stringa?)

Nach der ersten Halbzeit hätte das Spiel eigentlich aufhören können. Es war überirdisch gut, mehr ist dazu nicht zu sagen: Tempowechsel, lange intelligente Pässe, Torszenen, Elfmeter, gute Kombinationen, eine aufmerksame Abwehr, die Überlegenheit einer klar besseren Mannschaft, die die Portugiesen zu Fouls verleitete, gar zu einer Tätlichkeit gegen Thomas Müller, die mit einer roten Karte geahndet wurde.

Klar, ohne die zweite taktische Schongang-Halbzeit hätte Müller das dritte Tor nicht geschossen; aber dann hätte sich Hummels auch nicht verletzt. Haderhaderhader.

Die Löw-Niederschreiber wurden in die Ecke gestellt, die Gina-Lisas dieser Welt hatten dieses Mal keine Chance (die kleinlichen Skandalisierungsversuche wg. Urinierens in einem Hotelfoyer oder Führerscheinverlustes verpufften), und nun darf man hoffen, daß dieser Teil der Medien endlich a Ruah gibt.

Kommen wir zur Preisverleihung:

Thomas Müller bekommt eine jugendliche Teatime-Rose:

14-06-15 Teatime solo

Mats Hummels ein Zweiglein einer kleinen Neu-Rose mit dem poetischen Namen „Die Schöne aus Hamburg“:

14-06-10 Schöne aus HamburgUnd Ronaldo den Trostpreis; angesichts der imaginierten Heftigkeit des Trostbedürfnisses muß es schon eine spektakuläre, wenn auch nicht sehr haltbare, Blüte sein:

14-06-10 Hiibiscus 2Die Augusta Luise behalte ich natürlich für mich. Da wird nichts abgeschnitten…

 

@ Stringa:

14-06-15 weiße Rose

Update: 17.6.2014

Brasilien-Mexiko, 1. Halbzeit 0 : 0

Heute hatte ich gelesen, daß nach der Papierform Mexiko überlegen sei, denn in 16 Begegnungen habe Mexiko 8 Mal gewonnen und Brasilien nur 4 Mal. Statistik eben, die nichts aussagt. Mexiko war nicht überlegen. Brasilien allerdings auch nicht. Irgendwie kam mir das alles sehr planlos vor, was beide Mannschaften da veranstalteten, und so viele Fehlpässe habe ich bislang auch noch nicht gesehen. Zwei klare Torchancen für Brasilien. Und die Erkenntnis, daß der mexikanische Torwart Guillermo Ochoa nicht nur sehr niedlich ist, sondern auch ein guter Torwart.

2. Halbzeit, 0 : 0

25 Minuten vor Schluß wachte die brasilianische Elf auf und zeigte, daß sie eigentlich ein Tor schießen wollte. Leider ist die brasilianische Mannschaft keine Mannschaft, und so wurde daraus nichts – produzierte aber Spannung bis zum Schluß, auch durch die Konterchancen, die sie ermögllichte.

Ich habe keine Mannschaften gesehen, die sich auch nur für’s Viertelfinale empfohlen hätten. Dafür aber einen superattraktiven Weltklassetorwart aus Mexiko namens Guillermo Ochoa.

Ich habe leider keine Fotos für Euch.

Was Ochoa angeht, muß ich noch suchen…

Und bin mit einem Reisefoto aus Side (Türkei) fündig geworden.

Promenade 07

 

Update: 19.6.2014

1. Halbzeit England – Uruguay 0 : 1

Hektisch, hirnlos, harmlos, Herzinfarkt-Momente; dann schoß ein Liverpooler das Tor. Leider spielte er für Uruguay. (Ich bin parteiisch, mein Mann ist Brite.)

Am Klima kann es nicht gelegen haben, typischer englischer Sommer, 12 Grad Celsius. Eher lag es am fehlenden inneren Feuer, und außerdem: zunächst hatten die Briten kein Glück, und dann kam noch das Pech hinzu. Wayne Rooneys Kopfball an die Latte – der hätte doch reingehen müssen. Tat er aber nicht.

Die Deutsche in mir sagt: Uruguay führt nicht unverdient.

Interessante Frisuren gab es zu bestaunen. Ich wußte gar nicht, daß männliches Haupthaar soviele kreative Möglichkeiten bietet. Und figurbetonte Leibchen bei den Südamerikanern. Ob’s daran gelegen hat? 😉

2. Halbzeit England Uruguay 1 : 2

Spannend war sie, keine Frage. Und der liebe Wayne Rooney machte endlich sein WM-Tor zum 1 : 1. Und dann kam schon wieder dieser Liverpooler „El Pistolero“ Suares und erzielte den zweiten Treffer für Uruguay. Irgendwie kam der aus dem Nichts und stand – nein, er stand nicht, er lief – frei im Strafraum und verwandelte, woraufhin er sich mit Wadenkrämpfen vom Platz verabschiedete. Großartig, und irgendwie war klar, daß es das war. Das Spiel war gelaufen.

Gewinnt wirklich derjenige, der den Sieg am meisten will?

Bye bye, England. In Europa ist der Wurm drin, neben Spanien ist jetzt auch England draußen. Das wird die Suche nach dem EU-Komissionspräsident nicht erleichtern, zumal Luxemburg bei der WM gar nicht erst mitspielt.

Nun sollte ich wieder ein Gartenfoto einstellen, aber das einzig passende wäre eins meiner schwarzen Petunie. Die ich bislang aber noch nicht fotographiert habe. Das hole ich morgen nach. Versprochen.

Nachtrag: 20.6.2014

Hier ist sie:

14-06-20 Schwarze Petunie 1

Schweiz – Frankreich, 1. Halbzeit, 0 : 3

Ein Spiel, das den Zuschauer erfreut – alles dabei: Drama, Torszenen, tolle Schüsse, tolle Tore, ein gehaltener Elfmeter durch die Schweiz (mit einem Nachschuß gegen die Latte und einem zweiten, der auch sehr gefährlich war). Zwei Mannschaften mit Leib und Seele und Drang zum Tor.

Und eine tapfere Schweizer Mannschaft, die auch nach dem Doppelpack binnen einer Minute nicht aufsteckte. Hach, die Zuschauerin ist entzückt. Und bewundert mal wieder das wahre menschliche Ingenium, das in der Friseur- und Barbierkunst sein eigentliches Zentrum hat. Von Totalglatze bis Gel-Igel, von Dutt bis Mittelstreifen, der teilweise blond gefärbt, teilweise am Hinterhaupt spitz zulaufend, mal mit Ponyfransen, mal minimalistisch ausgeprägt war. Von Kein-Bart über Bartandeutung, 5-Tage-Bart oder Ziegenbärtchen bis richtigem Bart war alles dabei. Style as style can.

An den Torwart der Herzen kam allerdings keiner ran:

http://successfortress.com/guillermo-ochoa-one-of-soccers-best-goallies/

Schweizer mit exotischen Namen, die überall spielen nur nicht in der Schweiz. Unter dem deutschen Trainer Hitzfeld, der ihnen jedenfalls ein großes Kämpferherz verpaßt hat.

BTW: nicht Belgien, Frankreich ist der Geheimtip!

Schweiz – Frankreich, 2. Halbzeit, 2 : 5

Das 2 : 6 fiel zwei Sekunden nach dem unsensiblen Abpfiff, der mitten in eine Torszene der Franzosen trillerte.

Ein traumhaftes Fußballspiel – jeder, der es verpaßt hat, tut mir leid… Beide Mannschaften spielten offensiv weiter, und wie die Schweizer auch nach einem 0 : 5-Rückstand nicht aufgaben und noch zwei Tore machten: Respekt! Das 2 : 5 war ein Freistoß-Tor, und das müssen die Franzosen noch lernen: in der Mauer steht man nicht breitbeinig…

Nach diesem Fußballfest reiche ich meine Großrose, an der sich beide Mannschaften bedienen mögen.

14-06-20 rote Rose 1

Update 21.6.2014

Deutschland gegen Ghana – 2: 2

Bin noch immer ganz aufgewühlt von diesem Klasse-Fußballspiel. Die Zeit der Klein-Klein-Ballschieberei ist definitiv vorbei, gottseidank. Ghana hat stark und mit Löwenmut gespielt, sehr athletisch im Einsatz.

0 : 0 in der ersten Halbzeit, was nicht bedeutet, daß sie nicht spannend war. Im Gegenteil! Beide Mannschaften spielten auf Sieg, Torchancen auf beiden Seiten, ein Genuß für den Zuschauer. Aber erst in der zweiten Halbzeit ging es so richtig zur Sache. Was ich am Fußball liebe, ist seine Unberechenbarkeit. Da geht die deutsche Mannschaft durch Götze mit 1 : 0 in Führung, und da sollte man doch denken, daß dieser Vorsprung Sicherheit verleiht. Das Gegenteil ist der Fall. Binnen Minuten zwei gravierende Abwehrfehler, und Ghana führt 2 : 1.

Ich bin total unsportlich und wäre, Sportlichkeit unterstellt, für einen Mannschaftssport auch nicht geeignet gewesen. Und daher weiß ich nicht, wie es in der Psyche eines Mannschaftsspielers zugeht. Führt der Vorsprung in einem so engen Spiel vielleicht zu einem trügerischen Gefühl der Sicherheit?

Danach die Auswechselung. Die offensiven Kämpen Schweinsteiger und Klose steigen ein, und nicht mal zwei Minuten später schießt Klose das 2 : 2. Als ob ein Ruck durch die Mannschaft gegangen wäre, häufen sich die Chancen – aber auch Ghana steckt nicht auf. Es blieb spannend bis zum Schluß.

Ein großartiges Spiel. Und irgendwie schon ein Sieg für Deutschland, daß es nicht verloren ging.

Ein Kompliment an beide Mannschaften, die sich verausgabt und Reklame für Fußball gemacht haben, wie er sein sollte. Da muß nun meine Garten-Diva, die Red Diamond, ran.

14-06-20 red diamond

 

Update: 23.6.2014

USA gegen Portugal 2 : 2

Ich habe es dann doch noch geschafft, dieses Spiel zu sehen. Und habe es nicht bereut. Das Glückstor der Portugiesen in der 5. Minute habe ich verpaßt, das gebe ich zu, weil ich erst in der 7. Minute einschaltete. Ab da gab es nur eine Mannschaft, die Fußball spielte, und das war die der USA. Sie spielte, das war dank Klinsmann nicht anders zu erwarten, deutsch – nur eben nicht ganz so gut.

Ein spannendes Spiel, ein Spiel, das begeisterte. Die USA legten in der 63. Minute nach, 1 : 1. Sie erzielten das 2 : 1, völlig verdient. Ronaldo blieb pomadig, versemmelte einen Freistoß hoch übers Tor, glänzte bei einem Alleingang durch einen Schuß ins Seitennetz, markierte eine Schwalbe – eine desolate Vorstellung.

Wie Fußball so ist, nämlich ungerecht, gab es 5 Minuten Nachspielzeit und Portugal quälte sich irgendwie in der letzten Sekunde zum 2 : 2.

Nun fangen die Rechner wieder an zu rechnen. Ich denke, daß ich wieder einmal ein mitreißendes Spiel gesehen habe, das durch zwei unverdiente Glückstore einer unterlegenen Mannschaft gedreht wurde.

Für Deutschland heißt das: man muß die Mannschaft der USA durchaus ernstnehmen – aber Angst muß man nicht haben 😉

Update: 24.6.2014

Italien gegen Uruguay 0 : 1

Die erste Halbzeit entging mir, weil im Garten größere Aufräumarbeiten anstanden nach drei heftigen Schauern am heutigen Tag, von den Schnecken-Killaktionen ganz zu schweigen. Die zweite Halbzeit kriegte ich so halbwegs mit beim Kochen: letztlich muß man nicht alles ständig kontrollieren, da blieb genug Zeit, um mehr als nur ab und zu reinzusehen. Und während die asiatische Nudelpfanne manierlich gelang, mißriet das Spiel durch eine inakzeptable Schiedsrichterleistung. Ab da vertagte ich das Essen und guckte nur noch. Mein Mann wußte beides zu versöhnen: Gucken beim Essen.

Kleiner Tip: vielleicht sollte man keinen mexikanischen Schiedsrichter nehmen, wenn eine südamerikanische Mannschaft gegen eine europäische spielt?

Das Ende vom Lied der WM-Teilnahme Italiens war eine ROTE KARTE wegen eines Allerweltfouls, das maximal GELB erfordert hätte. Danach zeigte „El Pistolero“ Suarez, daß er nicht nur schießen, sondern auch beißen kann, und irgendwie bot sich die linke Schulter eines italienischen Gegenspielers an, über den er sich offenbar geärgert hatte. Das bekam der Schiedsrichter nicht mit, und auch die Schulter-Entblößung des Gebissenen half nicht, weil sie definitiv unversehrt wirkte. Das Trikot hat wohl eine Spurenbildung verhindert.

Danach gab es kurz vor dem offiziellen Schluß ein Ecke-Tor-Tor für Uruguay, wogegen die Italiener anrannten. Drama pur, zwischendurch zückte der Schiri auch die gelbe Karte gegen den Torwart von Uruguay, wieso, ist mir entgangen in der Hektik, weil die fünf Minuten Nachspielzeit so kräftezehrend waren und ich schon an die Chinapfanne dachte. Und dann krönte der Schiri seine Leistung auch noch dadurch, daß er die Nachspielzeit eigenmächtig um 40 Sekunden verlängerte, was wohl seine Entschuldigung gen Italien sein sollte, denn deren Mannschaft war bei einem Freistoß am Zug.

Ich kann natürlich nicht sagen, woran es lag, daß die Italiener bis zur 70. Minute, als das Drama begann, kein Tor geschossen haben. Logischerweise haben sie sich das selber zuzuschreiben. Aber was in den letzten 25 Minuten der Partie geschah, muß man wohl wie ein Naturereignis hinnehmen. Such is life.

Jetzt sind die Angstgegner der Deutschen, nämlich Spanien, Italien und England draußen. Und neue Angstgegner wachsen nach.

Zwei Symbolbilder aus meinem Garten, in dem es auch ein Mini-Biotop gibt, bei dem man nie weiß, wie es im neuen Jahr aussehen wird:

14-05-20 Biotop 1

Und hier nature in a nutshell:

14-05-20 Terrasse Flieder 2Update: 25.6.2014

1. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

Irgendwie störend, dieser Kommentator Gottlob: jeden Furz der Ecuadorianer bejubelnd, aber das schöne Kombinationsspiel der Franzosen, die in dieser Halbzeit die dickste Chance hatten, ignorierend. Wir sehen ein sehr unterschiedliches Spiel – aber das ist wohl immer so.

Ich hadere mit der Technik, der olle Fernseher reagiert nicht mehr auf die Fernbedienung, an Batterieschwäche soll es nicht liegen (sagt mein Mann), oben weist er – der Fernseher – zwar Knöpfe mit verwirrenden Piktogrammen auf, die ich allesamt nicht verstehe (früher stand da schlicht „Ein“ und „Aus“, heute gibt es Symbole für Analphabeten, zu denen ich nicht gehöre), aber allesamt durchprobiert habe, leider tut sich da auch nichts, und meine Erfahrungen mit livestream-Internet-Fernsehen sind mies: wenn es spannend wird, fällt es aus. Plötzlich rotiert da was und es heißt: „Loading“, aber das ist nur eine Verheißung…

Kurz und gut: Frankreich, das mit einem Unentschieden Gruppenerster wäre, spielt auf Sieg, bislang glücklos, und Ecuador, das gewinnen muß, um weiterzukommen, präsentiert sich harmlos.

Die wackeren Schweizer führen 2 : 0 gegen Honduras, und wären weiter, wenn Frankreich gewönne. Und jetzt zurück zum Livestream.

2. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

3 : 0 hätte die drückend überlegene französische Mannschaft, die in Zweitbesetzung auflief, gewinnen können, hätte sie nicht so glücklos gespielt. Sowas gibt’s im Fußball, im Kommentatorensprech heißt es dann gern, daß der Knoten nicht platze. Trotz beseelter Anfeuerungen von Herrn Gottlob, der sich die Ecuadorianer auch dann noch im Achtelfinale wünschte, als die wackere Schweiz schon 3 : 0 gegen Honduras führte, was dann auch der Endstand war, hatte der Simpelzuschauer wie ich niemals das Gefühl, daß einer der harmlosen Angriffe von Ecuador zum Erfolg hätten führen können.

Herr Gottlob hat wohl mitbekommen, wie enervierend falsch seine Kommentierung lag, sonst hätte er am Ende nicht behauptet, nicht Ecuador hätte Rot sehen sollen, sondern mindestens zwei Mal Frankreich. Sowas nennt man „Nachtreten“ zur Rechtfertigung des eigenen bias.

Gut. Frankreich und die Schweiz sind weiter. Ein schöner Fußballabend.

Und morgen werde ich es trotzdem ausprobieren mit einer neuen Batterie für die Fernseh-Fernbedienung. Und jetzt grüble ich nach, welches Blumenbild wohl zu diesem trefflichen Fußball-Abend am besten paßt. Hm. Ach ja. Die erste Pfingstrose in meinem Garten, die wirklich pfingstnah zu blühen begann, nämlich am 14.6.2014.

 

14-06-01 PfingstroseAuch wenn sie dieses Jahr schwächelte und nur diese eine Blüte produzierte.

Es ist wie beim Fußball. Man steckt nicht drin. 😉

 

Update: 26.6.2014

Deutschland – USA  1 : 0

Das Spannendste war ja vor dem Spiel. Vormittags hatte ich den Dreh raus, wie ich den Fernseher ankriege, eine Kombination aus Knopf am Gerät und halb funktionierender Fernbedienung. Kurz vor dem Spiel (muß an der Aufregung gelegen haben), klappte sie aber nicht mehr. Panik. Schließlich hatte ich doch ein Bild, nur daß mir die Mannschaftsaufstellung von Portugal präsentiert wurde. Portugal? Hektik, bis ich die Sendereinblendung „ZDF-Info“ entdeckte. Punkt 18 Uhr war ich drin im Spiel.

Ein disziplinierter Arbeitssieg, der die Kräfte der Spieler und die Nerven der Zuschauer schonte. Nie mußte man Angst um die Jungs haben, und das mal-wieder-Müller-Tor in der 54. Minute war das Sahnehäubchen auf dem grundsoliden Streuselkuchen. Zumal sie danach, anders als gegen Ghana, wieder schön diszipliniert weiterspielten, als wäre nichts geschehen.

Rundum gelungen – bis auf die Chancenverwertung. Auch die USA sind weiter, dank des 2 : 1 von Portugal gegen Ghana. Heute war der erste Sonnentag nach vier Regentagen, meine Schneckenfangquote der reine Wahnsinn, und so tritt jetzt behagliche Entspannung ein. Die werde ich nutzen, um Fotos auszusuchen…

Spielbegleitende Harmonie, so dachte ich’s mir, herrscht ja vor allen Dingen auf der Terrasse, selbst wenn es auch dort ungeahnt wild wuchert und man immerfort eingreifen muß. Die Susanne häkelt sich in den Oleander, die Geranie nimmt dem Jasmin das Licht weg, und Schneckenalarm herrscht täglich in den Töpfen der Verbene, der Petunie und der Lobelien. Aber ansonsten – die schönste Eintracht. Passend zum heutigen Tag.

14-06-10 Hibiscus

14-06-26 Terrasse Margerite

14-06-26 Terrasse Begonia Bionfire

14-06-26 Terrasse Petunie

14-06-26 Terrasse Schwarzäugige Susanne 214-06-26 Terrasse Kommode

 

Den nächsten Gegner der deutschen Mannschaft habe ich mir auch angesehen, jedenfallls ab der 37. Minute: Rußland oder Algerien? Rußland führte da mit 1 : 0. Die deutsche Mannschaft hat Glück gehabt: von zwei unorganisierten Mannschaften mit hoher Fehlpaßquote kam die schlechtere durch ein 1 : 1 weiter.

Ich denke nicht, daß Algerien ein Stolperstein für die deutsche Mannschaft werden wird. 🙂

 

Update: 28.6.2014

Brasilien gegen Chile: 1 : 1 nach Verlängerung, 3 : 2 im Elfmeterschießen = 4 : 3

Was für ein Spiel!

Die erste Halbzeit ungestüm, offensiv, ohne Spielfluß, da zu viel gefoult wurde (insbesondere von den Chilenen). Das 1 : 0 für Brasilien durch ein gut herausgespieltes Eigentor. Und dann das: die brasilianische Nr. 7, Hulk, vertändelt einen Ball im eigenen Strafraum, das gnadenlose 1 : 1 folgt auf dem Fuß.

Dieser Hulk war mir schon aufgefallen, als er auflief. Ein Bär von einem Mann, ganz untypisch für einen Südamerikaner. Ein gutmütiger Riese, tapsig aber schnell. Als ich dann hörte, daß er für St. Petersburg spielt, mußte ich lachen. Nach seinem Fehler in der ersten Halbzeit war es für mich ein Hulk-Spiel, zumal Neymar nur in der ersten Halbzeit zeigte, was für ein großer Fußballspieler er ist.

Und das ist Hulk, der eigentlich ganz anders heißt:

http://www.blick.ch/sport/fussball/fuer-96-millionen-st-petersburg-schnappt-sich-hulk-und-witsel-id2021434.html

In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung wollte Hulk seinen verhängnisvollen Fehler wiedergutmachen. Hulk war hinten, Hulk war vorne, Hulk flankte, Hulk schmiß sich hin und rein, Hulk donnerte wuchtige Fernschüsse aufs Tor. Einen faustete der chilenische Torwart Bravo, der nicht nur so hieß, sondern auch ein ums andere Mal so rettete, gerade noch so eben weg.

Nichts wollte gelingen. Eine Tragödie für den Mann, eine Tragödie für die Mannschaft. Nach sieben (!) gelben Karten das Elfmeterschießen.

Drama pur. Ganz Großes Kino. Der brasilianische Cäsar unter den Torhütern hält zwei Elfmeter. Dann kommt Hulk. Der braucht nur seine Masse einzusetzen. Ich sehe ihn anlaufen – nein, das ist nicht das richtige Wort. Er trippelt an, und da weiß ich schon: das geht daneben. Unglaublich, wie schwach so ein Kraftbündel schießen kann, wenn die Verantwortung niederdrückt. Bravo hält. Hulk ist am Boden – es wird ihn nicht getröstet haben, daß auch ein anderer Brasilianer daneben schießt.

Dann kommt Neymar, der es allen zeigen will und es auch tut. Nun ruht die Last auf dem letzten Chilenen. Der trifft den Pfosten. (Die größte Chance kurz vor Schluß hatten ebenfalls die Chilenen: da rettete die Latte.)

Was für ein Spiel! (Man kann es gar nicht oft genug ausrufen.) Mit dem glücklichen Ende für Brasilien, für die WM und für unsere Mannschaft. Denn gegen die ruppigen, leidenschaftlichen Chilenen spielen zu müssen, ist ausgesprochen undankbar. Mein Puls geht langsam runter.

Ich suche was Ruhiges aus dem Garten aus.

14-06-26 Terrasse lila Hortensie

Nachtrag:

Achja, ich vergaß – oder habe ich es verdrängt? Hulk schoß sogar das 2 : 1 für Brasilien – aber es zählte nicht und er kassierte dafür sogar eine gelbe Karte. Anders als bei einem weltberühmten argentinischen Spieler, der damit durchkam, lenkte zwar nicht die Hand Gottes den Ball ins Tor, aber sein Oberarm den Ball auf den Fuß, der das Tor erzielte. Hulk hat wirklich alles probiert, das muß man schon sagen.

Update: 29.6.2014

Uruguay-Kolumbien 0 : 2

Ich schrieb es schon in einem Kommentar:

Gesendet am 28.06.2014 um 23:03 | Als Antwort auf stringa .

Leider ist mein Tränendes Herz schon vor Jahren eingegangen, ich müßte also im Archiv suchen… Und außerdem sehe ich gerade Kolumbien-Uruguay, mit dem Traumtor dieser WM bislang durch Kolumbiens James Rodriguez. Perfektion in Reinkultur, und eine völlig verdiente Führung nach der ersten Halbzeit. Muß wieder weg!

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/14/die-fusball-wm-und-die-garten-ecke/comment-page-1/#comment-37108

Verwirrung herrscht bei mir nur, weil dieser Rodriguez ein Trikot trägt, auf dem lediglich „James“ zu lesen ist, was der Kommentator aber nicht englisch wie „Dschäims“, sondern spanisch wie „Chamess“ aussprach. Dennoch tauchte immer wieder die Kombination „James Rodriguez“ auf. Wie er nun auch immer heißen mag, der Mann ist Weltklasse und schoß das 0 : 2 in Thomas Müller-Manier, nach selbstredend genialer Vorbereitung durch seine Mannschaft. Er hat nun 5 Tore bei dieser WM gemacht und ist eine echte Gefahr nicht nur für Müller, was den Torschützen-Rang angeht. Sondern auch für Brasilien, auf das die junge, frische, offensive Mannschaft Kolumbiens demnächst treffen wird.

Diese Begegnung wird ein Fußballfest, ganz bestimmt!

Die Uruguay-Mannschaft war nach der 9-Spiele-Sperre ihres bissigen Leader of the Pack Suarez nur ein Schatten ihrer selbst. Und das ist auch gut so.

Für diese überzeugende Vorstellung gibt es einen Gruß meiner Cherry  Girl:

14-06-27 Cherry Girl 2

Weiteres Update vom 29.6.2014:

Niederlande – Mexiko 2 : 1

Wie ungerecht! Mexiko spielte Fußball, die Niederlande pennte im Schlafwagen. Trotz vieler Chancen in der ersten Halbzeit für Mexiko stand es 0 : 0, und so war es ausgleichende Gerechtigkeit, daß Arjen Robben, der gern Elfmeter herausschindet, den Elfmeter kurz vor Schluß der ersten Halbzeit nicht bekam.

Wegen Hollands Schlafmützigkeit war von Guillermo Ochoa, dem attraktiven Torwart Mexikos, leider nur sehr wenig zu sehen.

Das änderte sich zunächst auch in der zweiten Halbzeit kaum, denn wieder spielte nur eine Mannschaft: Mexiko, das in der 50. Minute das erlösende 1 : 0 erzielte. Eine völlig verdiente Führung, die die Niederlande aufrüttelte und der begeisterten Zuschauerin mögliche und eigentlich unmögliche Paraden Ochoas bescherte. Das Spiel wurde mitreißend, und es kam, was aufgrund des Drucks kommen mußte: ein gewaltiger Fernschuß, abgezogen mit all dem Frust, den das Oranje-Team angesammelt haben mußte. Ein unhaltbarer Schuß, „selbst für Ochoa“, wie der Kommentator anmerkte. Arjen Robben markierte eine Schwalbe und ließ sich in den Strafraum fallen, aber der Schiedsrichter durchschaute das Spiel.

Dummerweise bekam er „seinen“ Elfmeter doch noch, als er sich zwei Minuten vor Ende der sechsminütigen Verlängerung nach einer unwesentlichen Feindberührung wiederum mit Schmackes auf den Boden schmiß. Nie und nimmer war das einen Elfmeter wert! Ochoa entschied sich für die falsche Ecke, und das Spiel war gelaufen.

Ich weiß, ich weiß, Fußballergebnisse sind selten gerecht -: aber ich hätte es nun mal gern. Stringa hätte gern ein Tränendes Herz gehabt, nun habe ich es im Archiv gefunden, ein Foto vom 6.5.2007. Irgendwann hat die Pflanze den Winter nicht überstanden, und heute hätte sie dort ohnehin keinen Platz mehr gehabt, nachdem der Wein am Zaun und der Ranunkelstrauch daneben um die Vorherrschaft kämpfen.

Tränendes Herz 6.5.2007Aber eigentlich ist mir so zumute wie beim Anblick der Teatime-Rose nach vier Tagen Regen:

14-06-26 Teatime 2

Für die Freunde der Augusta Luise: ihre erste Blüte ist definitiv vorbei. Die vordere hat noch zwei Knospen, die hintere eine Blüte und zwei Knospen. Und endlich einen neuen Trieb, um den ich sie schon im letzten Jahr gebeten hatte – ohne Erfolg.

14-06-28 Augusta Luise II14-06-28 Augusta Luise II neuer TriebUnd so geht es doch immer weiter, trotz Träne im Knopfloch.

 

Update 30.6.2014

Frankreich – Nigeria 2: 0

Nö, das Achtelfinale Costa Rica – Griechenland habe ich nicht zu Ende gesehen. Zwei schlechte Mannschaften, ein schlechtes Spiel, und mir schwante, daß ein Elfmeterschießen entscheiden würde. Nun hat wenigstens ein Außenseiter im Elfmeterschießen gewonnen, und das ist ja immer irgendwie gut.

Deutschlands nächster Gegner ist Frankreich, sollte das Spiel gegen Algerien heute gewonnen werden. Und zwar zurecht. Nach einem munteren Offensiv-Fußballspiel beider Mannschaften, die lange Zeit gleichwertig waren, tolle Chancen hatten und nur insoweit den Genuß trübten, als allzuviele Pässe nicht ankamen und also der Zufall zuhilfe kommen mußte.

Da fiel mir ein französischer Spieler ins Auge: Matthieu Valbuena von Olympique Marseille, der Zwerg mit der Nummer 8. Mindestens einen Kopf kleiner als alle anderen Spieler auf dem Feld, ausgesprochen kurzbeinig, ein wenig erinnerte er mich an einen schlanken Dirk Bach. Großer Gott, wie der herumwuselte. Kaum hatte er eine Ecke getreten, lauerte er schon hinten in der Verteidigung. Der Mann war überall und immer rechtzeitig da, wie der Igel vor dem Hasen. Verteilte die Bälle, trat viele Ecken, ein kleiner Tausendsassa. Einmal gewann er sogar ein Kopfball-Duell – ich war platt. Der Lange neben ihm war einfach zu früh gestartet und war schon auf dem absteigenden Ast, als Valbuena zum richtigen Zeitpunkt wie ein Flummi hochschoß.

Valbuena trat die Ecke, die zum 1 : 0 durch Frankreich in der 79. Minute führte. Valbuena bereitete mit seinem Paß das Eigentor durch Yobo in der Nachspielzeit vor – und hey, Yobo konnte nichts dafür. Alle reden von Benzema und Giroud und wie sie alle heißen mögen. Held des Tages war allerdings die kleine große Nr. 8.

Wie auch im Garten die Nahaufnahmen oft die schönsten sind:

14-06-28 rote Rose Johanniskraut 214-06-28 Lavendel Schöne aus HamburgIch habe gerade gegoogelt:

Der Mann ist gerade einmal 3 cm größer als ich, nämlich 1, 67 m. Wow.

http://www.weltfussball.de/spieler_profil/matthieu-valbuena/

 

Update 1.7.2014

Deutschland- Algerien 2 : 1 n.V.

So ist das in K.O.-Spielen, die Angst ist groß, und daher manifestiert sich der Siegeswille erst in der Verlängerung. Mein Erkenntnisgewinn: Manuel Neuer ist ein klasse Feldspieler. Und Schürrle absolut ein Gewinn.

Wow. Es geht weiter. Jetzt gegen Frankreich.

Kompliment:

14-06-28 rote Rose 2

 

 

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Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy: Dekonstruierung einer Konstruktion

12-05-07 Vergänglichkeit 4Heute beginnt das Wiederaufnahmeverfahren von Ulvi Kulac, der im Jahr 2004 vom Landgericht Hof zu Unrecht wegen Mordes der am 7.5.2001 verschwundenen 9-jährigen Peggy Knobloch aus Lichtenberg verurteilt worden ist. Das kann man deshalb so wuchtig sagen, weil es damals wie heute weder einen Beweis für ein Tötungsdelikt an jenem Tag noch für eine Täterschaft des geistig behinderten Ulvi Kulac gab und gibt. Wer von dem Fall noch nie etwas gehört hat, dem empfehle ich einen ersten Überblick anhand dieses Artikels:

Mordfall „Peggy Knobloch“

Viele Zweifel an einem zweifelsfreien Urteil

17.03.2013  ·  Im Mai 2001 verschwand die neunjährige Peggy Knobloch spurlos. Eine Leiche wurde nie gefunden, dennoch verurteilte das Landgericht Hof den geistig behinderten Ulvi Kulac wegen Mordes. Nun will sein Anwalt beweisen, dass er unschuldig ist.

Von David Klaubert

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mordfall-peggy-knobloch-viele-zweifel-an-einem-zweifelsfreien-urteil-12118132.html

Welches Ergebnis das Wiederaufnahmeverfahren haben muß, geht es dort rechtsstaatlich einwandfrei zu, steht bereits fest: eine Staatsanwaltschaft Bayreuth, die einerseits seit 2012, getrieben von den Medien, neue Ermittlungen zur Aufklärung des Falls Peggy aufgenommen hat, alte, nie ausermittelte Spuren der Soko Peggy II aufnehmend, kann andererseits in der neuen Hauptverhandlung nicht volltönend ihre Überzeugung von der Schuld des Ulvi Kulac vertreten. Auch dann nicht, wenn sie ihren engagierten ergebnisoffenen Ermittler, Oberstaatsanwalt Dr. Ernst Schmalz, kurz vor Prozeßbeginn öffentlich als überengagiert darstellte und ihren Experten auch als Sitzungsvertreter im Wiederaufnahmeverfahren aus dem Rennen nahm. Auf eigenen Wunsch selbstverständlich.

Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Bayreuth vom 2. April 2014

Seit Mitte 2012 ermittelt die Staatsanwaltschaft Bayreuth unabhängig vom Wiederaufnahmeantrag des Angeklagten Ulvi K. im Zusammenhang mit dem Verschwinden der damals 9-jährigen Peggy K.

In einem der entsprechenden Verfahren wurde in einer Vernehmung dem Wunsch des dortigen Verdächtigen nach Hinzuziehung eines Verteidigers in prozessual angreifbarer Weise nicht entsprochen. Der bisher mit der Sache betraute Staatsanwalt hat dies im Nachhinein erkannt und um seine Entbindung gebeten.

Um bestmöglich zu gewährleisten, dass auch das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy“ frei von jeglichen Belastungen ist, hat der bislang zuständige Staatsanwalt dort ebenfalls darum gebeten, einen anderen Staatsanwalt mit der Sachbearbeitung zu beauftragen. Dem ist nachgekommen worden.

Es wird um Verständnis dafür gebeten, dass dazu keine weiteren Einzelheiten bekannt gegeben werden können.

Im Wiederaufnahmeverfahren hinsichtlich Ulvi K. nehmen Frau Staatsanwältin als Gruppenleiterin Sandra Staade und Herr Staatsanwalt als Gruppenleiter Daniel Götz die Sitzungsvertretung wahr.

http://www.justiz.bayern.de/sta/sta/bt/presse/archiv/2014/04329/index.php

Wenig wahrscheinlich, daß sich die neuen Sitzungsvertreter in dem Aktenmaterial, das schon vor Stellung des Wiederaufnahmeantrags knapp 14.000 Seiten betrug, so zurechtfinden werden wie der versierte Oberstaatsanwalt.

Er hat das Wiederaufnahmeverfahren befürwortet und die neuen Ermittlungen im Fall Peggy vorangetrieben: der Bayreuther Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz. Am Mittwoch wurde er überraschend ausgetauscht, um den neuen Prozess „frei von jeglichen Belastungen“ zu halten, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Bei einer Vernehmung habe Schmalz einem Verdächtigen den Anwalt vorenthalten, so die Begründung, und deshalb um seine „Entbindung“ gebeten. Bei Prozessbeobachtern sorgt die Auswechslung kurz vor Verfahrensbeginn für große Verwunderung. Den engagierten Ermittler jetzt aus dem Verkehr zu ziehen, sei ein Skandal, sagt einer.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.das-verschwundene-maedchen-peggy-auf-ein-neues.8d59755f-f473-4330-93dd-38c042786d8a.html

Das kann man durchaus so sehen. Ulvi Kulac hat jedenfalls einen Verteidiger verloren. „Gruppenleiter“ bei den bayerischen Staatsanwaltschaften sollen übrigens, so wird gemunkelt, auf einem Karrieresprungbett stehen, das ihnen in der Regel eine Beförderungsstelle in der Richterschaft verschafft.

Die Wiederaufnahmeentscheidung hat das Landgericht Bayreuth so begründet:

Landgericht Bayreuth ordnet Wiederaufnahme des Strafverfahrens im Fall „Peggy“ an

Die 1. Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth hat mit Beschluss vom 09.12.2013 die Wiederaufnahme des Strafverfahrens im Fall „Peggy“ angeordnet. Damit kommt es gegen den am 30.04.2004 vom Landgericht Hof wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten Ulvi K. zu einer neuen Hauptverhandlung. Der Angeklagte befindet sich derzeit wegen anderer Taten in einem psychiatrischen Krankenhaus. Diese Unterbringung ist von der heutigen Entscheidung nicht betroffen.

Die Jugendkammer stützt sich auf zwei Gründe, welche die Wiederaufnahme notwendig machen.

So habe sich ein – zwischenzeitlich verstorbener – Zeuge mit seiner Aussage vor dem Landgericht Hof einer vorsätzlichen falschen uneidlichen Aussage zu Ungunsten des Angeklagten schuldig gemacht. Dieser Zeuge hat seine Falschaussage im Jahr 2010 vor dem Ermittlungsrichter eingeräumt. Es könne auch nicht sicher ausgeschlossen werden, dass die Aussage dieses Zeugen auf die Urteilsfindung Einfluss hatte. Die Aussage dieses Zeugen habe auch als Tatsachengrundlage für das seinerzeitige psychiatrische Sachverständigengutachten gedient.

Als weiteren Grund für die Wiederaufnahme führt die Jugendkammer das Vorliegen einer sogenannten Tathergangshypothese vom 30.04.2002 an, welche dem Gericht in Hof nicht bekannt gewesen sei. Diese Tathergangshypothese sei erheblich, weil der Sachverständige, der im Verfahren vor dem Landgericht Hof die Glaubhaftigkeit der Geständnisse des Angeklagten zu beurteilten hatte, ausgeschlossen habe, dass deren Inhalt ihm durch vernehmende Kriminalbeamte suggeriert worden sei. Der Sachverständige begründete dies damit, dass den Beamten selbst zum Zeitpunkt der Geständnisse am 02.07.2002 ein hypothetisches Tatszenario gefehlt habe, das sie dem Angeklagten hätten vorhalten können. Eine solche Tathergangshypothese hat es aber, wie sich im Wiederaufnahmeverfahren herausgestellt hat, tatsächlich gegeben. Auf die weiteren von der Verteidigung vorgetragenen möglichen Wiederaufnahmegründe kam es nicht an.

http://www.justiz.bayern.de/imperia/md/content/stmj_internet/gerichte/landgerichte/bayreuth/peggy_13_12_09_pressemitteilung.pdf

Eine bemerkenswert mutige Entscheidung, denn sie zielt in medias res eines konstruierten Verfahrens: die Polizei hatte einen Spitzel auf den bereits im BKH untergebrachten Ulvi Kulac angesetzt, Peter Hoffmann, der dort ebenfalls untergebracht war und der sich Vorteile erhoffte, wenn er der Polizei vorlog, Kulac habe ihm gegenüber ein Geständnis abgelegt. Dieses angebliche durch Hoffman kolportierte Geständnis von Kulac war wiederum Grundlage der Tathergangshypothese der Polizei. Jedenfalls in dem Vernehmungskonzept der durch den Innenminister Günther Beckstein unter Erfolgsdruck gesetzten, seit Februar 2002 neuformierten Soko Peggy II unter der Leitung von Wolfgang Geier, die vorwiegend auf Geständniserwirkung bedacht war.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hatte sich dem Wiederaufnahmeantrag der Verteidigung zwar angeschlossen, allerdings eine andere, gesichtswahrende, Begründung gewählt:

Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Bayreuth vom 20.11.2013 zum Fall Peggy

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat nach eingehender Überprüfung am 20. Nov. 2013 dem Landgericht Bayreuth ihre Stellungnahme zum Wiederaufnahmeantrag des Verurteilten Ulvi K. vom 03./19. April 2013 vorgelegt.

Zumindest einer der im Antrag des Verurteilten vorgebrachten Punkte – nämlich die Benennung einer Zeugin, die dem damals erkennenden Landgericht Hof nicht bekannt war – könnte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens hinsichtlich der Verurteilung wegen Mordes an Peggy Knobloch rechtfertigen.

Zu Einzelheiten können vor einer Entscheidung durch das Landgericht Bayreuth keine weiteren Erklärungen abgegeben werden.

http://www.justiz.bayern.de/sta/sta/bt/presse/archiv/2013/04132/

Nun ist unbekannt, welche Zeugin die Staatsanwaltschaft dabei im Visier hatte; schließlich gibt es zahlreiche Zeugen und Zeuginnen, die Peggy nach der vom Gericht „festgestellten“ Tötung durch Ulvi Kulac am 7.5.2001 bis 13:45 Uhr gesehen oder gesprochen haben. Aber die Präsentation von neuen Beweismitteln ist immer geeignet, das ersturteilende Gericht zu entlasten…

Man war also guten Mutes, was das Wiederaufnahmeverfahren anging. Bis diese Nachricht hineinplatzte:

Neuer Prozess, alter Gutachter Fall Peggy: Schock-Nachricht für Ulvi K.

Helmut Reister, 14.01.2014 12:21 Uhr

[…]

Ein Skandal?

Für die Jugendkammer des Landgerichts, wo der neue Prozess gegen Ulvi im April starten wird, stellt der Berliner Universitätsprofessor als Gutachter kein Problem dar. „Er hat den gerichtlichen Auftrag bekommen, sein früheres Gutachten zu ergänzen“, erklärt Behördensprecher Thomas Goger die juristische Ebene.

Irgendwelche Interessenskonflikte oder mögliche Befangenheitsgründe sind für ihn nicht erkennbar: „Er hat damals sein Gutachten auf der Grundlage objektiv unzureichender oder falscher Vorgaben gemacht und kann das jetzt berücksichtigen.“

Für Rechtsanwalt Michael Euler, der Ulvi K. vertritt und den neuen Prozess durchgesetzt hat, stellt sich die erneute Beauftragung Kröbers als Gutachter wesentlich komplizierter dar. „Mein erster Gedanke war, sofort einen Befangenheitsantrag zu stellen, als ich das gehört habe“, sagt Euler.

Nach der Schock-Nachricht will er seinen Worten zufolge erst einmal abwarten, zu welchen Ergebnissen der psychiatrische Sachverständige diesmal kommt –  und erst dann entscheiden, wie es weiterläuft.

Skeptisch, sagt Euler, bleibe er auch deshalb, weil er Zweifel an der handwerklichen Qualität des ersten Gutachtens bestünden. Er könne dies auch belegen.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.neuer-prozess-alter-gutachter-fall-peggy-schock-nachricht-fuer-ulvi-k.c2ea9834-3aec-445a-86a1-ba6a596eb168.html

Wie wahr. Der Psychiater Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber hatte die zweifelhaften Geständnisse von Juli 2002 trotz fehlender Kompetenz als Aussagepsychologe und unterbliebener Wertung polizeilicher Vernehmungsmethoden im Ergebnis so gewürdigt:

Zusammenfassend sprechen die zu prüfenden aussagepsychologischen Gesichtspunkte im Falle von Herrn Kulac gegen die Nullhypothese, dass das in seinen Geständnissen dargestellte Geschehen unwahr, z.B. von ihm erfunden ist oder ihm suggeriert wurde und mithin für die Annahme, dass diese Angaben in tatsächlichem Erleben begründet sind.

[S. 124 f. seines Gutachtens vom 19.10.2002]

Diese bloße Annahme reichte dem Landgericht Hof für eine Verurteilung von Ulvi Kulac aufgrund seines widerrufenen Geständnisses aus.

Das Landgericht Bayreuth, das diesen Gutachter zur „Ergänzung“ seiner Expertise unter Zugrundelegung des Vernehmungskonzepts der Soko Peggy II beauftragte, ging offenbar davon aus, es mit einem unbefangenen Gutachter zu tun haben, der zur Selbstkorrektur angesichts neuer Sachverhalte fähig ist.

Nun bilden womöglich Richter eine Berufsgruppe, die nicht besonders internetaffin ist – aber es lohnt sich manchmal, sich im Internet zu informieren. Der Journalist Christoph Lemmer, Co-Autor von Ina Jung („Der Fall Peggy. Die Geschichte eines Skandals“, Droemer 2013, ein Buch, in dem exakt jene polizeiliche Geständnisproduktion nach dem rechtlich bedenklichen Reid-Verfahren und die angebliche Unkenntnis des Gutachters Kröbers von der Tathergangshypothese thematisiert wurde), hat bereits am 12.12.2013 offenbart, wie emotional-voreingenommen Kröber auf bloße kritische Nachfragen zu seinen Peggy-Gutachten reagiert.

Warum sich der Fall #Peggy zum Debakel für Psychiatrie-Gutachter #Kröber entwickelt

[…]

Ich habe auch versucht, Kröber selbst zu einer Stellungnahme zu bewegen, und zwar erstmals im April 2012. Da hatte Rechtsanwalt Michael Euler gerade erst mit der Arbeit an seinem – nunmehr erfolgreichen – Wiederaufnahmeantrag begonnen. Ich wollte von Kröber wissen, wie er angesichts der wachsenden Zweifel am Mordurteil gegen Ulvi Kulac zu seinem Gutachten stehe. Er antwortete:

Sehr geehrter Herr Lemmer,
dieser Rechtsanwalt Michael Euler, nicht zu verwechseln mit dem renommierten Rechtsanwalt Wolfgang Euler, hat mich schon vor mehr als einem Jahr “zwecks Wiederaufnahme” mit vermeintlich neuen Erkenntnissen konfrontiert, von denen jedes einzelne im Prozess in Hof lang und breit erörtert und geklärt worden ist.
Die Verschwörungstheoretiker verschweigen übrigens alle, dass Ulvi unstreitig Peggy am Donnerstag vor der Tat am Montag massiv vergewaltigt hatte und vorher bekanntermaßen andere Kinder des Ortes sexuell missbraucht hatte.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Kröber

http://www.bitterlemmer.net/wp/2013/12/12/peggy-justizirrtum-fehlurteil-kroeber-mollath-gutachten-psychiatrie-wiederaufnahme-bayreuth-lichtenberg/

Aus seiner subjektiven Sicht müßten mithin jetzt auch die Staatsanwaltschaft und das Landgericht Bayreuth zu „Verschwörungstheoretikern“ mutiert sein, und, wie auch im Fall Mollath, in dem er bei seiner Verteidigung seines bayernfreundlichen Bestätigungsgutachtens feuilletonistisch zu Werke ging, weist er bei dieser Replik bedenkliche Gedächtnislücken auf *. Von einer „unstreitigen massiven Vergewaltigung“ Peggys durch Ulvi Kulac kann nämlich keine Rede sein, wie er wissen muß. Kröber selbst hat in seinem Gutachten die beiden Varianten des „Geständnisses“ von Ulvi Kulac aufgeführt:

Ulvi Kulac hatte einen schweren sexuellen Mißbrauch der Peggy, begangen am Donnerstag, dem 3.5.2001, in einer Vernehmung am 06.09.2001 gestanden. Bei einer weiteren Beschuldigtenvernehmung zu diesem Thema am 24.06.2002 hatte er, wie auch nachher immer wieder, betont, daß er mit seinem Glied nicht in Scheide oder Anus des Mädchens gewesen sei, sonden dieses zwischen ihren Pobacken auf- und nieder bewegt habe.

[S. 6 des Gutachtens]

Ihm gegenüber hat Ulvi Kulac konstant die zweite Variante aufrechterhalten.

Ulvi Kulacs überaus fragwürdiges und aktuell bestrittenes „Geständnis“, was die Tat vom 3.5.2001 zum Nachteil Peggys angeht – sie weicht von den niedrigschwelligeren sonstigen Sexualdelikten, die durch Zeugenaussagen von ausschließlich männlichen Kindern belegt sind, auffällig ab – ist vom Landgericht Hof in seinem nun wegen der Mord-Verurteilung hinfälligen Urteil vom 30.4.2004 als „Tatsache“ im Sinn des zweiten und der späteren Geständnisse „festgestellt“ worden.

In der Beweiswürdigung zur Geständnisqualität heißt es dort:

Im Fall B V. 4. schilderte der Angeklagte in der Hauptverhandlung das Geschehen gleichfalls in sich widerspruchsfrei in einem stimmigen, zeitlichen, räumlichen und situativen Zusammenhang mit hohem Grad an Konkretisierung und Detaillierung sowohl hinsichtlich des Kerngeschehens als auch des Rahmengeschehens: So bekundete er zum Rahmengeschehen, es sei am Donnerstag gewesen. Das sei der Donnerstag vor dem Verschwinden von Peggy gewesen. Peggy habe am Nachmittag ans Fenster seiner Wohnung geklopft, es sei das linke der beiden Fenster gewesen. Er habe aufgemacht, sie reingelassen, sie hätten sich unterhalten und play-Station gespielt. Zum Geschehen nach den Vorfällen bekundete der Angeklagte, Peggy habe geheult, sie habe raus rennen wollen. Er habe zu ihr gesagt, sie solle sich anziehen. Sie habe sich angezogen und er habe sie gefragt, ob sie so einen Brauereilaster habe, wie er sie sammele. Sie habe gesagt, sie habe so einen und habe einen gebracht. Das sei aber nicht der Richtige gewesen, sondern ein „orangener Straßenbaulaster“.

[UA, S. 22 f.]

Über die Plausibilität einer solchen Nachtat-Schilderung möge jeder selbst urteilen. Für unvoreingenommene Betrachter, die ein Motiv für einen  Verdeckungsmord nicht benötigen, hat dieses Geständnis jedenfalls den Anschein, als sei ein sexueller Vorgang lediglich in einen typischen Alltagsbesuch eingebaut worden.

Erschwerend kommt hinzu, daß eine faktische Überprüfung des „Geständnisses“, wie es Gerichten auferlegt ist, nicht stattgefunden hat. Gudrun Röbel, Ulvi Kulacs rührige Betreuerin, hat aus den Akten den Tagesablauf Peggys am 3.5.2001 rekonstruiert: es kann praktisch ausgeschlossen werden, daß Peggy den Beschuldigten Kulac am Nachmittag des 3.5.2001 besuchte und daß es hier zu einem sie belastenden Geschehen kam.

http://www.ulvi-kulac.de/prozess.html

Prof. Kröber scheint bei seiner Antwort an Christoph Lemmer auch auszublenden, daß Ulvi Kulac entsprechend dem psychiatrischen Gutachten von Prof. Nedopil wegen nicht ausschließbarer Schuldunfähigkeit bezüglich der Sexualdelikte freigesprochen und gegen ihn die Maßregel gemäß § 63 StGB verhängt wurde.

Diese Minderbegabung des Angeklagten mit der darauf fußenden Retardierung im psychosozialen und psychosexuellen Bereich ist den Ausführungen des Sachverständigen Professor Dr. Nedopil zufolge als Schwachsinn im Sinne des § 20 StGB zu qualifizieren.

[UA S. 117]

Daß Kröber zu dieser Wertung im psychiatrischen Teil seiner Beurteilung der Aussagetüchtigkeit nicht gelangte, versteht sich von selbst.

Am 2.4.2014 lancierten Ina Jung und Christoph Lemmer folgendes:

Zeitgleich haben am Mittwoch zwei Journalisten schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden Richter Michael Eckstein erhoben. Die Autoren Christoph Lemmer und Ina Jung, die ein vieldiskutiertes Buch über den Fall geschrieben haben, erklärten in einer Pressekonferenz in Bayreuth, ihnen lägen Informationen vor, wonach der Richter in einem Telefongespräch mit dem Berliner Gerichtspsychiater Hans Ludwig Kröber „diskutiert“ habe, zu welchem Ergebnis ein von Kröber zu erstellendes Gutachten über die Glaubwürdigkeit des wegen des Mordes an Peggy verurteilten Ulvi K. kommen solle.

„Mehr oder weniger frei erfunden“

Kröber war im ersten Peggy-Prozess vor dem Landgericht Hof zu dem Ergebnis gekommen, das von Ulvi K. später widerrufene Geständnis sei glaubwürdig. Dafür, so Kröber damals, spreche auch, dass die Polizei kein Szenario über den Tathergang gehabt habe, mit dem sie Ulvi hätte konfrontieren und so sein Geständnis beeinflussen können. Dass es ein solches Tatszenario doch gab, war einer der Gründe, warum das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens verfügte.

Das Landgericht will von Kröber nun wissen, ob er unter diesen Umständen zu einer neuen Einschätzung komme. Der Vorsitzende Richter, so Lemmer, habe Kröber nahegelegt, er möge Ulvis Geständnis für „mehr oder weniger frei erfunden“ erklären. Kröber, so besagten die Informationen, deren Quelle Lemmer nicht offenlegte, „soll das vom Richter gewünschte Ergebnis schon zugesagt haben“. Überraschenderweise, so Lemmer, sei Kröber aber in seiner Stellungnahme entgegen dieser Zusage zu dem Ergebnis gekommen, Ulvis Geständnis sei doch glaubwürdig.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/wiederaufnahme-im-fall-peggy-staatsanwalt-legt-mandat-nieder-1.1927817

Die beiden Journalisten berufen sich dabei auf nicht näher bezeichnete Quellen aus dem „Berliner Umfeld“ des Gutachters.

http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Schwere-Vorwuerfe-gegen-das-Gericht;art2388,3253552

Im Licht der ersichtlichen Voreinstellung des Gutachters scheint eine solche Fehldeutung des Vorgangs des Gutachtenauftrags plausibel. Denn wie sollte er aus seiner Sicht die wiederholt vorgetragenen Ergänzungswünsche des Gerichts anders verstehen als ein Mißtrauensvotum gegen sein altes Gutachtenergebnis?

Es kann ihm schließlich nicht entgangen sein, daß die Staatsanwaltschaft Hof ihn deshalb bereits am 8.8.2002 mit einem Gutachten über die Aussagetüchtigkeit von Ulvi Kulac betraut hatte, weil die polizeilich erwirkten Geständnisse eines geistig Behinderten allein, die zeitnah aus gutem Grund nicht als Ermittlungserfolg öffentlich gemacht wurden, zur Überführung nicht ausreichten. Bei Abwesenheit von polizeilichem Druck war erfahrungsgemäß jederzeit mit einem Widerruf zu rechnen.

Prompt bestritt Ulvi Kulac gegenüber dem Sachverständigen am 22. und 23.08.2002 sowie am 10.09. 2002 (selbst noch am 14. 10.2002) die Tötung Peggys. War das der Grund, weshalb diese Explorationen entgegen den Mindestbestimmungen für die Anfertigung von aussagepsychologischen Gutachten nicht aufgezeichnet wurden? Waren diese Explorationen nur Aufwärmübungen für die eigentliche (aufgezeichnete) Exploration vom 14.10.2002, in der Ulvi Kulac aufgefordert wurde, sein gegenüber der Polizei abgegebenes Geständnis zu wiederholen?

In seiner methodenkritischen Erstanalyse des Gutachtens kommt der forensische Psychologe Dr. Rudolf Sponsel bei Untersuchung dieser zunächst komplett fehlgeschlagenen Gedächtnisprobe vom 14.10.2002 u.a. zu folgenden Ergebnissen:

4.5  Komplizierte Mehrfachvorgaben – mindestens zwei  – , die miteinander nicht in direktem, unmittelbaren Zusammenhang stehen, die überwiegend auch zudem noch Suggestivfragen beinhalten. Ein ganz fatales Beispiel (siehe auch oben Kröber-01):

Kröber-02.2: Jetzt haben wir uns das angehört, das letzte Stückchen, und das ist soweit okay. Nun haben Sie ja eine Geschichte erzählt, die noch nicht ganz dem entspricht, was Sie bei der Polizei erzählt haben. [S. 74] Da fehlt mittags rum ein Stück. Dieses Stück würde mich noch mal interessieren, was Sie da der Polizei erzählt haben, daß Sie der Peggy begegnet sind. Ich weiß, daß Sie jetzt sagen, Sie sind der Peggy an dem Montag nicht begegnet. Aber damals haben Sie der Polizei was anderes erzählt. Das würde ich gerne noch einmal von Ihnen hören, was Sie damals der Polizei erzählt haben, als Sie da am Henri-Marteau-Platz sitzen, auf der Rentnerbank, glaube ich.“
Kulac-02: Das war nicht die Rentnerbank.“

Wie hätte an dieser Stelle richtig gefragt werden können und müssen? Nun, z.B.

  • Gibt es noch was oder ist diese Geschichte fertig? Falsch suggestiv wären: Gibt es noch was? ebenso wie Ist die Geschichte fertig? Oder: Fehlt noch was?
  • Hm. Ist das haarklein die Geschichte, die Sie der Polizei erzählt haben oder ist das noch nicht haarklein die Geschichte, die Sie der Polizei erzählt haben?
  • Haben Sie etwas vergessen oder fehlt nichts mehr? Falsch suggestiv wäre: Haben Sie etwas vergessen? Oder: Fehlt vielleicht noch was?

Völlig unmöglich sind natürlich Kröbers Suggestionen: 1) entspricht nicht der Geschichte bei der Polizei. 2) Es fehlt mittags rum ein Stück. Und völlig fatal 3) Peggybegegnung. 4) Henri-Marteau-Platz, 5) sitzen, 6)  Rentnerbank  – von Ulvi Kulac übrigens zurückgewiesen. Kröber gibt hier – wie der allerschlimmste Anfänger – genau das vor, was Ulvi erzählen soll, um anschließend zu schlussfolgern, dass Ulvi die „falsche“ Geschichte gut nacherzählen konnte – bei einer Suggestivfragenrate von 68%. Tatsächlich erzählte Ulvi Kulac bereits in seiner ersten umfassenden Antwort weitgehend die seiner Meinung nach richtige (Erst)- Geschichte

[…]

6.2.c  Geständnisvergleiche
Ulvi Kulac wird aufgefordert dem Gutachter „haarklein“ zu erzählen, was er im Juli der Polizei erzählt hat. Die Konstanz bezieht sich auf das widerrufene Geständnis und damit auf die Nacherzählung einer falschen Geschichte, die noch dazu eine ganze Reihe durch Zeugenaussagen und Rekonstruktion bestätigbarer Aussageteile enthält. Was soll das für einen Beweiswert haben? Die Schlusslogik ist mir aus der aussagepsychologischen Literatur auch nicht bekannt. Grundidee und Hauptsatz des Kröber’schen Ergebnisses:
Eine falsche Geschichte ist wahr, wenn sie richtig nacherzählt werden kann. Ein solches Kriterium findet sich nicht unter den 19 Kriterien, die der BGH in seinem aussagepsychologischen Urteil 1999 ausweist.

http://www.sgipt.org/forpsy/Kulac/MKEAKr%C3%B6b.htm

Aus welchen Gründen könnte sein „Berliner Umfeld“ gegenüber Journalisten Auskunft über sein Verständnis des neuen Gutachtenauftrags gegeben haben? Anhaltspunkte dafür ergeben sich aus seinem Gutachten, denn so rechtfertigte er sein Tätigwerden auf einem fachfremden Gebiet:

In der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Einlassungen von Herrn Kulac bei den Vernehmungen am 2. Juli 2002, 23.07.2002 und 24.07.2002 sowie den Video-Rekonstruktionen vom 30.07 und 01.08.2002 stützt sich das Gutachten auf die Kriterien und Qualitätsmaßstäbe zur aussagepsychologischen Beurteilung, wie sie von Max Steller und Renate Volbert, Institut für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin, in ihrem Gutachten für den Bundesgerichtshof dargelegt wurden.

Dieses Gutachten bildete eine wesentliche Grundlage des Urteils des BGH vom 30. Juli 1999 (1 StR 618/98)2 „Wissenschaftliche Anforderungen an aussagepsychologische Begutachtungen (Glaubhaftigkeitsgutachten )“.

M. Steller, R. Volbert (1999) Wissenschaftliches Gutachten Forersisch- aussagepsychologische Begutachtung (Glaubwürdigkeitsbegutachtung).

Praxis der Rechtspsychologie 9: 46-112; siehe auch: M. Steller, R. Volbert (2000) Anforderungen an die Qualität forensisch-psychologischer Glaubhaftigkeitsbegutachtungen. Praxis der Rechtspsychologie 10, Sonderheft 1, 102-116: 46-112 2 I;3GH, Urteil vom 30.07.1999 – 1 StR 618198, abgedruckt in: NJW 1999, S. 2746-2751, Strafverteidiger 9199, S. 473-478, Neue Zeitschrift für Strafrecht (NStZ) 2000, S. 100-105, sowie Praxis der Rechtspsychologie 9 (1999) 113-125 sowie 10 (Sonderheft Glaubhaftigkeitsbegutachtung) S. 117-130

Der Sachverständige ist als Leiter dieses Instituts in ständiger Diskussion mit Prof. Dr. Max Steiler, Frau Dr. Renate Volbert und weiteren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Instituts im Hinblick auf die fortlaufende Forschung zu Realkennzeichen und Qualitätskriterien der Glaubhaftigkeitsbegutachtung; der konkrete Fall wurde vom Sachverständigen auch eingehend mit Prof. Steller diskutiert.

[S. 3 f. des Kröber-Gutachtens]

Daß er sich mit dieser indirekten Einbeziehung des leitenden Personals der Abteilung „Rechtspsychologie“ in seinem Berliner Umfeld nicht nur Freunde gemacht haben wird, leuchtet ein.

Christoph Lemmer hatte schon im Dezember 2013 versucht, die behauptete Assistenz der aussagepsychologischen Koryphäen Steller/Volbert zu ermitteln:

Dass Kröbers Gutachten erst jetzt kritisch untersucht wird, könnte damit zusammenhängen, dass er als Direktor des Instituts für forensische Psychiatrie in Berlin in seiner Zunft zu den Mächtigen gehört, mit denen man sich nicht ohne weiteres anlegt. Es könnte außerdem damit zusammenhängen, dass er in seinem Gutachten anmerkt, er habe sich mit zweien seiner Kollegen ausgetauscht, nämlich Professorin Renate Volbert und Professor Max Steller, was wohl auf zusätzliche fachliche Autorität weisen soll. Das hätte ich gern hinterfragt, was aber größtenteils misslang. Steller wollte das auf meine Anfrage nicht kommentieren. Auch Frau Volbert beantwortete meine Fragen nicht, schickte mir aber stattdessen einen von ihr verfassten Aufsatz. Der trägt sinnigerweise den Titel “Falsche Geständnisse”, zitiert Studien, bei denen zehn bis 20 Prozent früherer Verhörpersonen sagten, sie hätten schon einmal falsche Geständnisse abgelegt und befasst sich umfassend mit den Motiven für falsche Geständnisse.

http://www.bitterlemmer.net/wp/2013/12/12/peggy-justizirrtum-fehlurteil-kroeber-mollath-gutachten-psychiatrie-wiederaufnahme-bayreuth-lichtenberg/

Was ist demnach von der angeblichen „Absprache“ zwischen dem Vorsitzenden Richter und dem Sachverständigen zu halten?

Das glaubwürdige Dementi des LG Bayreuth liest sich so:

In diesem Zusammenhang hat der Vorsitzende in Telefonaten mit dem Sachverständigen im Rahmen seiner Verpflichtung zur sachgerechten Vorbereitung der Hauptverhandlung diesem den Wiederaufnahmegrund erläutert, der sein Gutachten betrifft. Der Vorsitzende hat dem Sachverständigen, welchem zum Zeitpunkt der vorbereitenden Telefonate die Akten und der Wiederaufnahmebeschluss noch nicht vorlagen, deutlich gemacht, weshalb es sich bei der Existenz der Tathergangshypothese aus Sicht der Kammer um eine wesentliche Änderung der Tatsachengrundlage seines vormals erstatteten Gutachtens handelt. Zu keinem Zeitpunkt hat der Vorsitzende dem Sachverständigen inhaltliche Vorgaben für das von ihm zu erstattende Gutachten gemacht oder gar ein Ergebnis vorgegeben. Der Vorsitzende hat dies auch den Verfahrensbeteiligten heute so mitgeteilt.

http://www.justiz.bayern.de/imperia/md/content/stmj_internet/gerichte/landgerichte/bayreuth/peggy_14_04_03_pressemitteilung.pdf

Übersetzt: es bedurfte mehrere Telefonate, um den Gutachter Kröber davon zu überzeugen, sein damaliges Gutachten zu ergänzen. Kröber mußte mehrfach klargemacht werden, daß die Tathergangsghypothese, die ihm seinerzeit nicht vorgelegen haben soll, eine wesentliche Änderung der Tatsachengrundlage seines Gutachtens darstelle. Diese Wertung greift der sachverständigen Stellungnahme vor; denn wenn eine wesentliche Änderung vorliegt, dann müßte sich auch am Ergebnis etwas ändern – insoweit könnte der Eindruck entstanden sein, das Gericht habe eine inhaltliche Vorgabe gemacht. Daß Prof. Kröber entsprechendes explizit zugesagt haben soll, halte ich angesichts seiner akzentuierten Persönlichkeit wiederum für absolut unwahrscheinlich. Ihm dürfte subjektiv bereits die Annahme des neuen Auftrags als Niederlage erschienen sein, stellt man seine vehemente Mail an Christoph Lemmer von April/Mai 2012 in Rechnung.

Aufklärungsbedarf sehe ich eher bei der Vorfrage, die Gisela Friedrichsen aufwirft:

Kröber, der Ulvi K.s Geständnis für glaubhaft hält, ist Psychiater, nicht Psychologe. Warum ausgerechnet er und nicht, wie üblich und geboten, ein namhafter Aussagepsychologe von der Staatsanwaltschaft beauftragt wurde, bleibt das Geheimnis der Ankläger in Hof. Dass es nur pragmatische oder ökonomische Gründe gewesen sein sollen, ist wenig glaubhaft.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-peggy-knobloch-ulvi-k-bekommt-neues-verfahren-a-963089.html

Da hat sie recht. Prof. Kröber macht solche pragmatischen Gründe in seinem Gutachten zwar geltend:

Nach den beiden ersten Untersuchungsgesprächen wurde in Rücksprache mit der auftraggebenden Staatsanwaltschaft entschieden, daß auch die aussagepsychologische Beurteilung durch den Sachverständigen übernommen wird, zumal unter pragmatischem Aspekt ansonsten ein Begutachtungsabschluß im Jahre 2002 nicht möglich gewesen wäre.

Speziell unter diesem Gesichtspunkt erfolgten dann die beiden nachfolgenden Gespräche am 10.09. und am 14.10.2002, wobei Herr Kulac bei letztgenanntem Gespräch bereit war, nochmals eingehend sein der Polizei gemachtes Geständnis dem Sachverständigen zu wiederholen und auf Tonband aufzeichnen zu lassen.

[S. 114]

Aber er widerspricht dieser angeblich nachträglichen Auftragserweiterung aus praktischen Gründen durch die Staatsanwaltschaft selbst. Bei der Wiedergabe seiner Belehrung von Ulvi Kulac vor der ersten Exploration am 22.8.2002 heißt es [Hervorhebung von mir]:

Herr Ulvi Kulac wurde nach Vorankündigung erstmals am 22.08.2002 im BKH Bayreuth auf der Station FP 6 aufgesucht. Er war über das Kommen des Sachverständigen informiert.

Es wurden ihm zu Beginn Gegenstand und Ablauf der Begutachtung erläutert.

Er wurde darauf hingewiesen, daß es hierbei speziell um die Aussagetüchtigkeit ginge und um die Glaubhaftigkeit seiner Aussage. Er wurde darauf hingewiesen, daß er die Teilnahme an der Begutachtung verweigern könne.

[S. 47]

Soll man sich jetzt aussuchen, an welcher Stelle Kröber die Unwahrheit spricht?

Daß Kröber bei seinem Gutachtenergebnis trotz Vorliegens einer in ein umfassendes Vernehmungskonzept eingebetteten Tathergangshypothese geblieben sein soll, ist nahezu unerklärlich; Friedrichsen hierzu:

Unter anderem heißt es in der Tathergangshypothese: „Im vorliegenden Delikt dürfte es zu einer Eskalation im Handlungsablauf gekommen sein… Grund für die Eskalation könnte die Vergewaltigung der Peggy durch Ulvi im Vorfeld sein und er am 7.5.01 bei einer erneuten Kontaktaufnahme mit Peggy eine Überreaktion auf ihre ‚Flucht‘ vor ihm zeigte, wobei eine Einwirkung auf den Hals aufgrund von Schreien der Peggy nicht auszuschließen ist. Bei der Beseitigung der Leiche wirkten weitere Personen, evtl. enges familiäres Umfeld des Ulvi mit…“ Dürfte, könnte, eventuell, alles Hypothesen, bis heute. Genauso hat es Ulvi K. dann gestanden. Zudem hatte man ihn mit angeblichen Blutspuren an seiner Kleidung konfrontiert, die tatsächlich nicht existierten.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-peggy-knobloch-ulvi-k-bekommt-neues-verfahren-a-963089.html

Aber letztlich, da stimme ich ihr zu, wird es auf ein unrichtiges Gutachten zu einem falschen Geständnis gar nicht ankommen. Die Tatsachen sprechen für sich.

Falsch ist auf jeden Fall der Tathergang, von dem die Polizei ausging, da sind sich Jung und Lemmer einig. Ein Indiz: Ulvi K. soll Peggy aus dem Ortskern bis zur Burg nachgelaufen sein (siehe Karte). „Ulvi K. kann gar nicht rennen“, sagt Lemmer.

Am Nachmittag nach dem Pressetermin in Bayreuth stehen er und Jung hinter dem Haus in Lichtenberg, in dem Peggy lebte. Es ist verwahrlost, am Fenster im ersten Stock verblassen Kinder-Aufkleber. Zwischen dem Grundstück und dem Friedhof verläuft der bucklige, schmale Weg, den die Ermittler für Peggys Fluchtweg hielten. „Hätten die Polizisten Ulvi nur ein einziges Mal die Strecke rennen lassen“, sagt Ina Jung, „dann hätten sie gemerkt, dass es so nicht gewesen sein kann.“

Gleich der erste Prozesstag könnte für die Polizei brisant werden. Zwei junge Männer werden aussagen – sie sahen ihre Schulkameradin Peggy am 7. Mai 2001 in einen roten Mercedes mit tschechischem Kennzeichen einsteigen. Sie machten detaillierte Aussagen, wussten sogar noch, dass sie an dem Tag Würstel zu Mittag gegessen hatten. Doch ihre Aussage spielte im ersten Prozess keine Rolle.

Jung und Lemmer machten die beiden ausfindig. Sie erzählten ihnen, dass die Ermittler sie kurz nach ihrer ersten Aussage unter Druck gesetzt hatten: Die Polizisten besuchten die Buben getrennt voneinander, ohne Eltern, erzählten ihnen, der jeweils andere habe seine Angaben zurückgenommen. Die Kinder bekamen Angst, zogen ihre Aussagen zurück. Jetzt bekommen sie eine zweite Chance. Und vielleicht auch Ulvi K.

Von Carina Lechner

http://www.merkur-online.de/aktuelles/bayern/peggy-suche-nach-wahrheit-3466751.html

Die Vernehmung

Am zweiten Tag des „Peggy-Prozesses“ sind etliche Kripo-Beamte als Zeugen geladen. Auf sie warten viele, sehr unangenehme Fragen.

Von Joachim Dankbar

Hof Es spricht viel für die Annahme, dass der kommende Freitag, als der zweite Verhandlungstag des Peggy-Prozesses, ein besonders unangenehmer Tag werden wird. Das gilt weniger für den Angeklagten Ulvi Kulac, als viel mehr für die Polizisten, die ihn im Juli 2002 vernommen haben. Das Bayreuther Gericht hat an diesem Tag die Chance zu klären, wie es zu jenem Geständnis kam, das der wesentliche Grund für die Verurteilung von Kulac am 30. April 2004 durch das Hofer Landgericht geworden ist. Das Wiederaufnahmeverfahren fußt auf der Annahme, dass das Hofer Gericht wesentliche Umstände des – später widerrufenen – Geständnisses nicht kannte. In Bayreuth könnte nun geklärt werden, ob die Richter bewusst getäuscht wurden.

Als Zeugen sind der prominente Profiler bei der Münchner Kripo, Alexander Horn, und Wolfgang Geier, der damalige Chef der „Soko Peggy II“ geladen. Der damals 31-jährige Alexander Horn verfasste eine genaue Gebrauchsanleitung für die Vernehmung von Ulvi Kulac, die am 2. Mai 2001 bei der Soko Peggy II einging. Darin stand, wo die Vernehmung stattfinden sollte, wer an ihr teilnehmen sollte und im Grunde stand auch darin, was dabei herauskommen sollte. Denn Horn gab eine komplette Version der angeblichen Vorgänge vor, die am 7. Mai 2011 zum Tod von Peggy Knobloch geführt haben sollen. Unter dem Begriff „Tathergangshypothese“ sollte diese Version noch traurige Berühmtheit erlangen. Fakt ist: Diese Hypothese ähnelt in weiten Zügen dem Geständnis, das Ulvi Kulac später ablegen sollte.

[…]

Es ist nicht das einzige Mal, dass Geier Ärger mit den eigenen Mitarbeitern bekommt. Nach Informationen unserer Zeitung gab es auch innerhalb der Kripo immer wieder Beschwerden über Geiers Ermittlungsmethoden. So sollen Hinweise der Beamten auf andere Spuren oder Bedenken weggefegt worden sein.

Der forsche Geier gilt als „Mann mit Scheuklappen“. Das wird ihm später spektakulär zum Verhängnis. Die von ihm geleitete „Soko Bosporus“ übersieht jahrelang jede Spur der NSU-Mörder und sucht nur Täter im Umfeld der zumeist türkischen Opfer. Sie kriminalisiert sie und ihre Familien – obwohl Profiler Horn auf die Handschrift rechtsextremer Einzeltäter hinweist.

Trotz aller penibler Vorbereitungen bestreitet Ulvi Kulac auch am 2. Juli zunächst jede Schuld. Nun überschlagen sich die Merkwürdigkeiten: Am Ende des Verhörs soll Kulac in die Psychiatrie zurückgebracht werden. Deswegen verabschiedet sich sein Verteidiger. Kaum ist er fort, soll Kulac es sich anders überlegt haben. Die Beamten bringen ihn zurück in den Verhörraum, wo Kulac gesteht. Auf einmal ist aber das Tonband defekt, mit dem die Vernehmungen sonst protokolliert werden. Im Nebenzimmer soll es ein weiteres Tonband gegeben haben, das aber auch nicht verwendet wird. Warum, das weiß keiner mehr – oder keiner kann es schlüssig erklären.

So gibt es vom Geständnis nur ein Gedächtnisprotokoll eines einfachen Polizeihauptmeisters, eben „jenes väterlichen Freundes“ aus Lichtenberg. Trotz der Tragweite des Geschehens fertigt er es auch erst am nächsten Morgen an. Später wird Ulvi sagen, dass er nur gestanden habe, um wieder in Ruhe gelassen zu werden. Er klagt auch darüber, dass er körperlich angegangen wurde.

Obwohl sich später alles, was Ulvi Kulac an jenem Abend zum Verbleib der Leiche sagt, als erfunden herausstellt, bleibt das Geständnis die wichtigste Grundlage seiner Verurteilung wegen Mordes. Es gibt nicht einen einzigen Sachbeweis gegen ihn.

[…]

Klarheit könnte auch Gerhard Heindl schaffen. Er vertrat 2003 und 2004 die Anklage gegen Ulvi Kulac. Unserer Zeitung sagte Heindl, dass er zu diesem Fall gar nichts mehr sagen werde, da er nicht mehr Staatsanwalt sei. Heindl ist heute Direktor des Amtsgerichts in Weiden. Alexander Horn ist weiter der prominenteste Profiler Bayerns. Wolfgang Geier ist der oberste Verbrechensbekämpfer der Kripo in Unterfranken. Ulvi Kulac freut sich über den ersten Freigang seit zwölf Jahren.

http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Die-Vernehmung;art2388,3263713

Ja, über „Erfolge“ bei einer Staatsanwaltschaft Bayerns macht man Karriere als Richter. Amtsgerichtsdirektor wird nicht jeder.

Nachzutragen bleibt, daß an jenem berüchtigten 2. Juli 2002 nicht nur das Tonbandgerät versagte, sondern auch die Videokamera: da funktionierte nur der Ton…

Beides ist verständlich. Das Geständnis vom 2.7.2002 war ja in seinen nachprüfbaren Teilen schnell widerlegt, und mußte in den nachfolgenden zwei Vernehmungen optimiert werden. Es ist zu hoffen, daß dieser Polizei-, Psychiatrie- und Justizskandal in der jetzt anstehenden Hauptverhandlung geklärt wird. Denn noch steht die Behauptung von Jung/Lemmer im Raum, daß sowohl das Gericht als auch der Gutachter Kröber die Tathergangshypothese gekannt hätten, bevor sie ihr Urteil fällten.

*http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Nachtrag-zur-Anmerkung-der-Verteidigung-2013-11-17.pdf

http://strate.net/de/dokumentation/Mollath-Anmerkung-der-Verteidigung-2013-11-16.pdf