Die Fußball-WM- und die Garten-Ecke (mit aktuellen Updates)

PassionsblumeUpdate vom 13.7.2014

W O W !

Deutschland – Argentinien  1 : 0 n. V.

Im verschlafenen Neuruppin steigen gehortete Silvester-Raketen, ein paar Autofahrer hupen, und ich bin ganz erschlagen nach diesem packenden Spiel. Zwei sehr unterschiedliche, aber zunächst gleichwertige Mannschaften rangen miteinander. Auf hohem Niveau. Als die Kräfte schwanden, wurden die Fouls der Argentinier härter, und der italienische Schiri sah plötzlich weg. Was mußte Bastian Schweinsteiger nicht alles einstecken… Ich konnte schon nicht mehr hinsehen, wie er nach diesem ungeahndeten Faustschlag ins Gesicht einen Cut erlitt und blutete.

Und in der 113. Minute schoß der frisch eingewechselte Mario Götze das Traumtor… Mit der Brust angenommen, locker abtropfen lassen, scharf aus einem unmöglich spitzen Winkel ins lange Eck. Da reagieren Instinkte, so was kann man weder planen noch üben.

Aber natürlich waren es die gesamte Mannschaft und ihr Trainer, die Weltmeister wurden. Sie haben es allen bösartigen Nörglern gezeigt. Alle waren an diesem Final-Sieg beteiligt, und man traut sich nicht, einen besonders auszuzeichnen. Aber ohne Neuer, Boateng und Hummels wäre dieses Spiel nicht gewonnen worden. Das muß einfach gesagt werden, denn Argentinien lieferte das beste Spiel dieser WM und spielte offensiver als üblich. Aber die Mannschaft ist grundsätzlich defensiv eingestellt, und muß auf Konter hoffen.

Die komplettere Mannschaft hat verdient den Titel geholt. Die Kanzlerin klatschte wie immer kindlich. Putin wird sich gefreut haben. Und wir alle haben ein tolles Fußballspiel gesehen.

Ich bedanke mich mit einem Gartenfoto vom 2.7.2014, das unwiederholbar ist, denn die rote Rose im Hintergrund hat mittlerweile ihre erste Blüte beendet, während das Cherry Girl im Vordergrund weiterhin blüht.

14-07-02 Cherry Girl rote Rose

 

 

 

 

Update vom 12.7.2014

Achnö, gerade haben wir den 13.7., und der paßt wohl besser.

Niederlande – Brasilien  3 : 0

Denn ich bin schwer deprimiert darüber, daß dieses Spiel durch zwei Schiedsrichter-Fehlentscheidungen innerhalb von 20 Minuten der ersten Halbzeit entschieden wurde: mal wieder ein unberechtigter Elfmeter dank Robbens Flugkünste in der 3. Minute, danach ein Abseitstor für die NL. Da ist es mit der Moral einer Mannschaft, die gerade eine historische Klatsche kassiert hatte, natürlich zu Ende, obwohl sie nie aufsteckte.

Holland spielte danach schlecht, aber das reichte wegen der fehlenden Chancenverwertung Brasiliens aus, um über die Runden zu kommen. In der Nachspielzeit der 2. Halbzeit erzielte Holland gar noch ein unverdientes 3 : 0.

Das Schlimmste: das von Anfang an Brasilien-Bashing-Gequatsche von ZDF-Sprecher Oliver Schmidt.

Das war ein trauriger Fußball-Abend. Mein Garten bietet entsprechende Bilder.

Die Reste einer Terrassen-Lobelie, die nach zwei Gewittertagen komplett von Schnecken aufgefressen war:

14-07-10 Schnecke Lobelie

Hier eine meiner ekligen Todfeinde, zugleich ein Tip, falls es mit der Bierfalle nicht klappt: sie stehen auf Katzenfutter.

14-07-10 Schnecke Katzenfutter

Aber so möchte ich die brasilianische Mannschaft nicht verabschieden. Die letzte verblühende Knospe der red diamond, bei der man nie weiß, ob und wie sie sich zur zweiten Blüte aufrafft, scheint mir doch der passendere Kommentar zu sein. Sie ist glamourös auch dann, wenn sie verblüht.

14-07-02 red diamond

 

 

 

 

 

Update vom 9.7.2014

Argentinien – Niederlande 1. Halbzeit 0 : 0

Das Spannendste an diesem Spiel war wohl der Versuch, es zu sehen. Denn nach dem unfaßbaren 7 : 1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien ging auch mein betagter Fernseher in die Knie und fiel aus. Mein für die Technikbeschaffung zuständiger Gatte ist beruflich unterwegs, ich selbst bin zu blöd, mit Technik-Verkäufern umzugehen, denn vielleicht liegt es ja auch am SAT-Receiver.

Mein Computer ist zu oft im Dienst und Livestreaming daher gefährdet. Die gute Idee, den Compi abzuschalten, faßte ich allerdings zu spät, nämlich erst kurz vor 22 Uhr. Daraufhin ergab sich Folgendes: Windows 7 erklärte mir heuchlerisch: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 1 von 15“. Der erste Update dauerte Minuten… Ich zog den Stecker. Stöpselte ihn nach 30 Sekunden wieder ein, nur um zu sehen, daß Window 7 mir sagte: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 2 von 15“. Das ist echt nicht normal, daß man in schweißtriefender Gewitterschwüle vor so einer Maschinendiktatur sitzt. Über zehn Minuten dauerte die Tortur. Dann schaltete sich der Computer aus. Ca. 3-4 Minuten soll man ihn ja in Ruhe lassen, menschlich verständlich. Aber auch das Anschalten gestaltete sich schwierig, da Window unbedingt etwas konfigurieren mußte, und gleich zwei Mal durchstartete.

Kurz und gut: ich konnte erst bei Minute 22 einsteigen. Und muß konstatieren: die Technikprobleme, die ich hatte, hatten beide Mannschaften auch. Wer beim Spiel Brasilien – Deutschland 20 Minuten verpaßt hat, hat 5 Tore verpaßt. Bei diesem Halbfinale hat er nicht viel verpaßt. Beide verteidigen, in der Spitze haben sie nichts zu bieten, und der Schiedsrichter hat sich zu spät darauf besonnen, Fouls zu ahnden.

Das wird womöglich langwierig und zäh.

Da ich nur schöne Gartenfotos produziere, habe ich auch leider kein Foto…

2. Halbzeit 0 : 0, n.V. 0 : 0, und im Elfmeterschießen versagten die Niederländer zwei Mal

Ehrlich gesagt: es war eine Pein, dieses Fußballspiel zu verfolgen. Und irgendwie waltete eine höhere Gerechtigkeit, daß gegen die Schwalben- und Psychotrick-Mannschaft der NL die fußballerisch bessere von Argentinien gewann.

Sie hat natürlich keine Chance im Finale… 😉

Aber dafür, daß die bessere Mannschaft ins Finale eingezogen ist und daß Südamerika dort noch vertreten ist, gibt es eine Rose:

14-07-06 Westzeit erste Blüte

Das ist die erste Blüte der zweiten Blüte der Westzeit-Rose. Ein Wunder insoweit, als alle anderen Rosen Wochen brauchen, um zur zweiten Blüte zu gelangen.

Und so hoffe ich auf ein wahnsinnig gutes Finale Deutschland-Argentinien.

 

2. Update vom 8.7.2014

Deutschland- Brasilien 7 :1

Da bleibt einem die Spucke weg, wie der für Klose eingewechselte Schürrle noch zwei weitere Tor machte.

Ich habe weder Worte noch Bilder für diese überragende Leistung der deutschen Mannschaft. Sie hat alle Chancen auf den Titel. Und hoffentlich hören jetzt die medialen Nörgeleien auf.

Ich bin nach diesem Fußballfest echt fertig.

Update vom 8.7.2014

Brasilien gegen Deutschland  0: 5 in der 1. Halbzeit

WAHNSINN!

Ich hatte zwar auf eine 60 zu 40 Chance für die deutsche Mannschaft getippt, aber was hier los war, hat doch alle meine Erwartungen übertroffen. War das erste frühe Tor durch Müller noch einer Standardsituation geschuldet, fielen die vier weiteren – Klose, Kroos, Kroos, Khedira, vielleicht war die Reihenfolge auch anders, sorry, bin gerade zu aufgeregt, selbst im friedlichen Neuruppin wurde gerade ein Silvesterböller gezündet – aus erspielten Situationen. Mann, was spielte die deutsche Mannschaft auf allen Positionen gut! Selbst nach dem 5 : 0 war sie dem 6 : 0 näher als Brasilien einem Anschlußtreffer. Zu verdanken war der Spielfluß natürlich auch dem Schiedsrichter Rodriguez, der die üblichen südamerikanischen Fouls konsequent abpfiff.

Ein Spiel, das in die Geschichte eingehen wird. Und das mich die vielen Regenschauer, Gewitter und Schnecken-Attacken des heutigen Tages vergessen läßt.

14-07-04 Cherry Girl Phlox

 

 

Update vom 6.7.2014

Niederlande – Costa Rica nach Verlängerung: 0 : 0, nach Elfmeterschießen 4 : 3

Wie hätten wohl deutsche Journalisten losgeblökt, wenn Deutschland auf diese Art und Weise mit Hängen und Würgen ins Halbfinale gekommen wäre?

Ich habe die Partie erst ab der sechzigsten Minute gesehen, als es 0 : 0 stand. Ich scheine nicht viel verpaßt zu haben. Es war Zufall, wer weiterkam. Natürlich wird jetzt die Legende verbreitet werden, daß es der geniale Trainer van Gaal war, der kurz vor Schluß den Torwart einwechselte, der zwei Elfmeter von Costa Rica hielt. Ich bin ziemlich immun, was derlei Geniestreiche angeht.

Es war Gück, nichts weiter.

14-07-02 Cosmea und UmgebungIn ein paar Tagen wird diese Idylle durch Schnecken zerstört sein. Die Blüten der Cosmea sind bereits weg.

 

 

 

 

2. Update vom 5.7.2014

Argentinien gegen Belgien 1 : 0

Das Gesetz der Serie: in den drei Viertelfinal-Spielen gewann immer die Mannschaft mit dem frühen Führungstor: Deutschland in der 12., Brasilien in der 7. und jetzt Argentinien in der 8. Minute. Aber anders als bei dem hektischen planlosen harten Herumgestümpere von Brasilien und Kolumbien konnte man hier ein packendes Fußballspiel mit Betonung auf „Spiel“ sehen. Das lag an dem famosen Schiedsrichter, der sofort nach der ersten Hakelei einen Freistoß gab und bei der zweiten danach ebenso eingriff, und sich die Gelb-Kandidaten später präventiv verbal zur Brust nahm. Als am Schluß die Nerven blank lagen, zögerte er auch nicht, gelbe Karten zu zücken.

So kam Spielfluß auf, und ich muß gestehen, daß mein Herz zuguterletzt für Belgien schlug, das nie aufsteckte und bis zum Schluß um den Ausgleich kämpfte – mit vielen Möglichkeiten.

Es hat nicht sollen sein. Am Ende trat Ermattung ein – jedenfalls bei der Zuschauerin.

14-07-02 Schöne aus HamburgEs klingt ja irgendwie schadenfroh, aber das soll es nicht. Brasiliens Top-Stürmer Neymar hat sich eine schwere Verletzung zugezogen und fällt für den Rest der WM aus. Das erhöht zwar die Chancen der deutschen Mannschaft – aber Neymar wünsche ich alles Gute!

14-07-02 Augusta Luise II und Cherry Girl

 

 

Update vom 5.7.2014

Brasilien – Kolumbien 2 : 1

Ich hatte ja das Ergebnis Kolumbien-Brasilien 1 : 0 getippt, und irgendwie ist das auch jetzt noch naheliegend. Deutschlands nächster Gegner Brasilien hat keine einzige Torchance herausgespielt, sondern die Tore nur durch Standards bewerkstelligt. Brasilien wurde durch nicht geahndete Fouls begünstigt, hat ihren Kapitän da Silva durch die 2. gelbe Karte für das Spiel gegen Deutschland verloren und hat in Neymar einen Blender, der davon ablenkt, daß Hulk der effektivste brasilianische Spieler ist (ich erwähnte ihn  bereits).

Selten konnte man ein konfuseres, hektischeres und härteres Fußballspiel sehen. Es war ein Fehler des spanischen Schiedrichters, nicht frühzeitig gelbe Karten zu ziehen. Die Mannschaft, die wirklich Fußball spielte, nämlich Kolumbien, hatte in dieser Atmosphäre keine Chance.

Die deutsche Mannschaft, die deutlich besser Fußball spielt als Kolumbien, und die hoffentlich auf einen besseren Schiedrichter stößt, ist favorisiert.

Disziplin siegt eigentlich immer gegen Wildwuchs.

14-06-27 3 Katzen

😉

 

Update vom 5.7.2014

Frankreich – Deutschland 0 : 1

Wer sagt’s denn! Geht doch! Allen mißgünstigen und besserwisserischen Nörglern zum Trotz steht die deutsche Elf im Halbfinale. Angehmerweise fiel das Tor durch einen Kopfball von Mats Hummels schon in der 13. Minute, so daß die ganz großen Herzinfarkt-Momente ausblieben. Schönes Kombinationsspiel, sichere Abwehr, ein wie immer hervorragender Manuel Neuer wurde nur zwei Mal gefordert: bei Valbuenas Schuß kurz vor Ende der ersten Halbzeit und bei Benzemas Versuch in der 94. (!) Minute: da rettete seine Faust. Aus dem Ansturm der Franzosen ergaben sich gute Konterchancen – ein spannendes Spiel.

So ertrug ich dann auch den Kommentator, der die Franzosen „frischer“ fand und hervorhob, daß sie ja viel offensiver agierten als die Deutschen (klar, sie lagen schließlich zurück. Was hätte er gesagt, wenn die deutsche Mannschaft angegriffen und sich daraus eine Kontermöglichkeit für Frankreich ergeben hätte? Das ist doch klar). Kaum hat er Mesut Özil heruntergemacht, gab es dessen energische Aktion links außen nebst Vorlagen für Müller bzw. Schürrle, der leider wieder einmal nur den Torwart traf.

Sollte man den Ton abdrehen? Oder darauf hoffen, daß es nach dem pflichtgemäß erreichten Halbfinale nun eine Kür der Kommentatoren geben wird?

Egal. Eine Teatime-Rose für die deutsche Mannschaft gibt es auf jeden Fall.

 

14-06-28 Teatime 3

 

 

 

Update vom 2.7.2014

USA – Belgien  1 : 2 n. V.

Soviel zum Gerede von Favoriten und vom Genörgel am Spiel der deutschen Mannschaft. Deutschland hat die USA in der Normalspielzeit klar geschlagen, und dabei niemals den Eindruck erweckt, eventuell verlieren zu können. Ganz anders der Auftritt Belgiens. Offensiv aber abschlußschwach, zudem behindert durch den starken amerikanischen Torwart Howard, vermochte die belgische Mannschaft in der regulären Spielzeit, die 0 : 0 endete, nicht einmal den Hauch einer Überlegenheit zu entwickeln.

Mit Glück erzielte sie in der Verlängerung ein 2 : 0, das im Drama des Geschehens durch die USA umgehend auf 1: 2 verkürzt wurde. Es ist schicksalshaft für beide Seiten, wie das Spiel ausgegangen ist. Denn daß Belgien keine bessere Fußballmannschaft hat als Deutschland, ist klar erwiesen.

Der Klinsmann-Mannschaft reiche ich wegen des ungerechten Ausscheidens eine Rose, die ich am 1.7.2014 aufnahm (denn die Teatime hat den Regentagen zwar Tribut zollen müssen, aber sie behauptet sich doch):

14-07-01 Teatime 1

 

Zweites Update vom 1.7.2014

Argentinien – Schweiz 1 : 0 n.V.

Wow! Mein Schluß nach diesem Spiel: es gibt keine leichten Spiele in den Achtelfinals dieser WM 2014. Wer hätte gedacht, daß Argentinien und die Schweiz auf Augenhöhe spielen würden, und daß Argentinien erst in der 117. Minute DAS Tor gegen die Schweiz machen würde? Und das nicht einmal durch Messi, der nur vorbereitete – bei dem ersten und letzten machtvoll-schnellen Konterangriff auf eine in Auflösung befindliche Schweizer Abwehr?

Kurz danach Powerplay der Schweizer mitsamt deren Wolfsburger Torwart Benaglio: ein Pfostenschuß. Zentimeter oder ein Lidschlag vorbei an der Sensation, daß die kleine Schweiz das große Argentinien ins Elfmeterschießen gezwungen hätte. Im Gegenzug traf Argentinien das noch leere Schweizer Tor nicht…

Die Preisfrage: was kommt dabei heraus, wenn eine defensiv eingestellte Mannschaft, die auf Konter lauert, auf eine Ballbesitz-versessene Mannschaft trifft, die nur über einen Star-Stürmer, nämlich Messi, verfügt? Genau, ein ewiges Null zu Null, das es dem Zuschauer nicht leicht machte, bei der Stange zu bleiben. Für beide Mannschaften ergaben sich nur wenige echte Chancen. Und es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, wie der Schweizer Dmric, völlig unbedrängt wenige Meter vor dem Torwart, der weit vor dem Tor steht, schießend, den Ball ganz zart direktemang in die hilfreichen Arme des Torwarts befördert. Sind das blackouts? Ist das ein archaischer Zwang, einen so in nächster Nähe stehenden Menschen nicht als Gegner, sondern als Partner aufzufassen?

Trotz des Sieges von Argentinien: als Favorit kann ich diese Mannschaft nicht sehen. Das Aufregendste an ihr war nach endlosen 117 Minuten fehlender Souveränität und Effektivität die Frisur des Spielers Palacio, sein „Rattenschwänzchen“, das aus einer kreisförmigen Haarwucherung am Hinterhaupt des ansonsten millimeterkurz gestutzten Kopfhaars hin- und herwedelte.

http://www.hna.de/sport/fussball-wm/stilfrage-setzt-argentiniens-rodrigo-palacio-einen-trend-3646711.html

Ich habe lange überlegt, welches Gartenfoto zu diesem Spiel bzw. meiner Stimmung danach paßt.

14-07-01 Phlox 1Ich bin dann auf das heutige Foto gestoßen – denn meine vier Phloxe, die zwischen und hinter den Rosen stehen, beginnen zu blühen.

Eine schöne Aussicht in unschönen Zeiten, in denen mitten in Europa Haß und Gewalt Platz greifen. In denen einem Fußball als Symbol für Völkerverständigung vorkommt…

 

Ab sofort stelle ich die Updates oben ein, um das lästige Scrollen zu vermeiden. Hier also ein Update vom 1.7.2014:

Auf Wunsch stelle ich hier ein Foto vom Eisenhut ein – to whom it may concern:

14-07-01 Eisenhut 2Er blüht wunderschön – aber erst im August; ich greife daher auf ein Foto aus dem letzten Jahr zurück.

Eisenhut, 4.8.2013

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Nichts ist unnützlicher als Fußball. Dennoch liebe ich ihn, und vielleicht gerade deshalb. Er schenkt uns magische Momente, wie dieses Foto einer Passionsblume, die in Wirklichkeit vor sich hinkränkelte, aber dann plötzlich eine Blüte produzierte, die von einer tiefstehenden Abendsonne geradezu enigmatisch erleuchtet wurde.

In der aktuellen ZEIT gibt es einen aufschlußreichen Briefwechsel zwischen Sabine Rückert, die Fußball haßt, und Harald Martenstein, der Fußball liebt.

Frau Rückert hat Probleme mit ihrem fußballbegeisterten Mann, der doch sonst so pflegeleicht ist, der sich aber leider stundenlang dem Fernsehen widmet, geht es um Fußball oder gar um die WM; der sich gar einen Kunstfaser-FC-Bayern-Schal um den sonst so leinen- und baumwoll-liebenden Hals schlingt, wenn er sich Spiele seiner Mannschaft ansieht. Und dessen leidende Ehefrau sich streng politisch korrekt den kapitalistischen Auswüchsen dieses Sports widmet, dessen wirtschaftliche Seite besonders korruptionsanfällig ist.

Alles richtig, konzediert Harald Martenstein, aber jemand, der diesem Sport nichts abgewinnen kann, sollte besser schweigen. Zur Partnerschaft gehöre es, dem Partner die Freiheit von abwegigen Hobbies einzuräumen, zumal ihr Mann sie ja nicht zwinge, mitzugucken. Kommerz, Korruption und unglaubliche Honorare gebe es auch in anderen Bereichen wie im Model-Business oder im Genre des Pop. Und überhaupt wolle er kein Leben führen, das politisch korrekt sei, dazu sei es zu kurz.

Drei zu Null für Martenstein.

Er darf der humorvoll-hedonistische Freigeist-Kolumnist sein, sie als Mitglied der Chefredaktion bedient protestantischen Zeitgeist und zugleich Mißtrauen gegen die Frauenquote. Denn seitdem Sabine Rückert Mitglied der Chefredaktion ist, läßt sie jegliche rechtsstaatlich orientierte Justizkritik vermissen, sondern deckt das psychiatrische Establishment in Gestalt von Prof. Dr. Kröber, der sich in den bayerischen Fehlurteilen bzw. Vollstreckungs-Desastern in den Fällen Ulvi Kulac und Gustl Mollath unsterblich blamiert hat.

Diese persönliche Psychiatrie-Allianz darf sie aus ihrer Machtposition heraus dahingehend ausleben, in unglaublicher Manier gegen die von bayerischen Fehlurteilen betroffenen Angeklagten Kulac und Mollath diffamierend zu Felde zu ziehen oder zu Felde ziehen zu lassen.

Und jetzt auch noch diese moralinsauren Traktate gegen den Fußball.

Ich habe heute ein 5:1 der Niederlande gegen Spanien gesehen, das aus magischen Momenten bestand.

Ich mag beide Mannschaften nicht, weil mir die Niederlande zu rüde spielen und Spanien zu technokratisch. Dennoch habe ich zu den Niederlanden gehalten, weil ich den spanischen Fußball für den Tod des Fußballs halte: Ballbesitz gleich Überlegenheit gleich Totlaufenlassen des Gegners gleich Konterchance. Das ist nicht der Fußball, der wirklich attraktiv ist. Gegen Paßgenauigkeit ist nichts einzuwenden, aber Tiki-Taka-Fußball ist schlicht langweilig.

Durch einen zu Unrecht gegebenen Elfmeter ging Spanien auch noch in Führung. Derlei Ungerechtigkeiten würzen ein Spiel, fördern manchmal sogar die Offensivkräfte des Gegners. Letztlich waren es individuelle Stärken und Schwächen, die das Spiel entschieden, und die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, die zum 1:0 für Spanien führte, wurde kompensiert durch die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, einen Angriff auf den spanischen Torwart zu übersehen, der zum 3:1 für die Niederlande führte.

Wie mag sich der spanische Torwart fühlen, der durch einen mangelhaften Paß auf einen eigenen Spieler das 1:4 verursachte? Und wie Arjen Robben, der durch eine Super-Einzelleistung das demütigende 5:1 gegen den Weltmeister besiegelte?

Drama pur, und nichts war vorhersehbar.

Das ist Fußball. So ähnlich ist auch Garten. Man plant und die Natur will es anders. In diesem Blog-Beitrag werden die weichen Themen behandelt. Die nicht planbaren. Die Momente, die berühren – die, die man braucht, um nicht vollends am Versagen des Rechtsstaats in Deutschland und an der macht- und wirtschaftspolitischen Gewalt in der Ukraine und anderswo zu verzweifeln.

Jetzt wird Obama mit dem Bush-Erbe eines verfehlten Irak-Krieges konfrontiert. Nun dürfen die USA womöglich Seit an Seit mit Iran gegen Extremisten vorgehen, die Alquaida weit in den Schatten stellen. Das ist alles nur noch verrückt.

So auch meine weltflüchtende Liebe zu Rosen, die aber zur Psychohygiene erforderlich ist. Insbesondere die zu meinen beiden sehr unterschiedlichen Rosen Augusta Luise, die sich im Mittelbeet ausbreiten.

14-06-09 Augusta Luise I 1 14-06-10 Augusta Luise II 214-06-09 Augusta Luise I Lavendel 2

 

Jeder kann sich vorstellen, was ein Gewitter oder ein Dauerregen diesen empfindlichen Schönheiten antut. So wenig, wie ich Kriegsfotographen verstehe, so wenig mag ich Schäden dokumentieren.

Mir ist der Optimismus zu eigen, daß der Fußball und die Natur siegen werden.

Was die Humanität angeht, bin ich skeptisch. Deren Gegner sind zu zahlreich.

Update 15.6.2014

1. Halbzeit England – Italien 1:1

Was für ein begeisterndes Fußballspiel!

Zwei gleichwertige, offensiv eingestellte Mannschaften, die einfallsloses Sicherheits-Kurzpaßspiel nicht nötig haben, um das Mittelfeld zu überqueren. Präzise lange Bälle tun es besser. Mir wird es angst und bange, wenn ich das temporeiche Spiel sehe, das in einem unerträglichen Dschungelklima vorgetragen wird. Mir wäre es wohl ergangen wie dem britischen Mannschafts-Physiotherapeuten, der schon im Sitzen abklappte.

Eigentlich darf das Spiel nur unentschieden enden. Und eigentlich sollte ich den Kommentator ausblenden, denn der stört.

[…]

Nun, Italien hat durch einen Glückstreffer das 2:1 erzielt, ich sage nur: Balotelli, das England mit all seiner wuchtigen Entschlossenheit nicht mehr ausgleichen konnte.

Das Drama schlechthin. So ist Fußball.

Der britische Physiotherapeut ist übrigens nicht wegen des mörderischen Klimas in Manaus zusammengebrochen, sondern weil ihm sein Freudentaumel angesichts des britischen Ausgleichs eine Knöchelverletzung beschert hatte.

Trotz des ungerechten Ausgangs: Reklame für echten Fußball.

Diese Fußball-Impressionen waren spontane Reaktionen auf ein begeisterndes Spiel. Morgen werden logistische Probleme angegangen: was kocht man, wenn man gewöhnlich zwischen 19:30 Uhr und 20:00 Uhr speist, das Spiel Deutschland gegen Portugal aber um 18:00 Uhr beginnt? Da bietet sich doch glatt eine Suppe an, die vorgekocht und in der Pause zwischen den Halbzeiten eingenommen wird.

Die Interviews, Analysen und Kurznachrichten dazwischen informieren eh recht wenig. Ob’s an mir liegt? Ich war, so sieht es aus, wohl noch nie mehrheitsfähig.

Meine Rosen offenbar auch nicht, denn laut Wikipedia bringt es die Rose Augusta Luise maximal auf einen Meter:

Sie ist eine überreich blühende Edelrose mit einem aufrechten Wuchs. Unter guten Bedingungen erreicht sie eine Höhe von 70 – 100 cm.

http://de.wikipedia.org/wiki/Augusta_Luise_%28Rose%29

Kürzlich habe ich in einem Kommentar gestrunzt, daß die höchste der meinigen 1,70 m erreicht habe. Heute habe ich das überprüft und muß zehn Zentimeter abziehen…

Nun sind die beiden Augusta Luises im Mittelbeet zwar prominent placiert und DER Blickfang. Mein rechtes Sonnen-Rosenbeet liebe ich aber nicht minder.

14-06-14 Rosen Totale 14-06-14 rote Rose und UmgebungDort gibt es natürlich nicht ausschließlich Rosen, sondern auch Johanniskraut, Lilien und vier Phloxe, um die größeren Mitbewohner des Beetes zu erwähnen. Die kleineren wechseln, da sie als Schneckenfutter fungieren, so sehr ich mich auch dagegenstemme. Demut gehört zum Gärtnerdasein dazu…

Zu den Rosen gehört die aristokratische Teatime, im Hintergrund die Diva meiner Rosen, die zickige Red Diamond, die ihrem Namen aber immer alle Ehre macht:

14-06-15 Teatime und red diamond 3Und die robuste Westzeit:

14-06-15 Westzeit 2

Und die namenlose große rote Rose, die jetzt gerade erst loslegt und an die 50-70 Blüten haben wird. Viel Freude werde ich in diesem Jahr auch am Cherry Girl haben, das doppelt so groß geworden ist als sonst, und traditionell immer als letzte ihre Erstblüte hat, so kompliziert ist die Ausbildung der zahlreichen Knospen an jedem ihrer Zweige.

Aber die Augusta-Luisen sind schon was Besonderes. Und sie riechen so gut.

14-06-15 Augusta Luise I 1 14-06-15 Augusta Luise I 2 14-06-15 Augusta Luise I 3 14-06-15 Augusta Luise I 6 14-06-15 Augusta Luise II 1Daß sie in die Magnolie hineingewachsen sind, lag natürlich nicht im Plan. Aber sie haben sich nun mal nicht mit dem einen Meter beschieden, der ihnen vorausgesagt war. Weshalb ich den einen und anderen Magnolienzweig, so leid es mir tut, abschneide.

Das mit der Gerechtigkeit ist gar nicht so leicht.

Update: 16.6.2014

Deutschland – Portugal?

Da war doch mal was! Genau, vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich schon mal einen Garten-Fußball-Artikel, zur Fußball-Europameisterschaft.

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/06/13/deutschland-gegen-portugal-und-viecher-bluhgut-fusball-und-garten-als-welt-in-der-nusschale/

Damals endete es 1 : 0, heute 4: 0, aber was bedeutet das Ergebnis für die Frage, ob man ein tolles Spiel gesehen hat oder nicht? Die einzige Übereinstimmung zwischen beiden Spielen war, daß Boateng den gefürchteten Ronaldo wiederum voll im Griff hatte. Der nicht einmal mehr in Schönheit starb, sondern in kläglichem Mißerfolg. Da baut der Gegner nicht einmal mehr eine Mauer auf, wenn er zum Freistoß ansetzt – das muß bis ins Mark verunsichern.

Einen einzigen wirklich gefährlichen Schuß produzierte er. Für sowas haben wir Neuer, für die Tore den Thomas Müller (solange Klose und Podolski auf der Bank sitzen) und wenn’s sein muß, auch den Abwehrspieler Mats Hummels, der dafür sorgte, daß auch die Borussen-Fans einmal ganz befreit jubeln konnten. (Gell, Stringa?)

Nach der ersten Halbzeit hätte das Spiel eigentlich aufhören können. Es war überirdisch gut, mehr ist dazu nicht zu sagen: Tempowechsel, lange intelligente Pässe, Torszenen, Elfmeter, gute Kombinationen, eine aufmerksame Abwehr, die Überlegenheit einer klar besseren Mannschaft, die die Portugiesen zu Fouls verleitete, gar zu einer Tätlichkeit gegen Thomas Müller, die mit einer roten Karte geahndet wurde.

Klar, ohne die zweite taktische Schongang-Halbzeit hätte Müller das dritte Tor nicht geschossen; aber dann hätte sich Hummels auch nicht verletzt. Haderhaderhader.

Die Löw-Niederschreiber wurden in die Ecke gestellt, die Gina-Lisas dieser Welt hatten dieses Mal keine Chance (die kleinlichen Skandalisierungsversuche wg. Urinierens in einem Hotelfoyer oder Führerscheinverlustes verpufften), und nun darf man hoffen, daß dieser Teil der Medien endlich a Ruah gibt.

Kommen wir zur Preisverleihung:

Thomas Müller bekommt eine jugendliche Teatime-Rose:

14-06-15 Teatime solo

Mats Hummels ein Zweiglein einer kleinen Neu-Rose mit dem poetischen Namen „Die Schöne aus Hamburg“:

14-06-10 Schöne aus HamburgUnd Ronaldo den Trostpreis; angesichts der imaginierten Heftigkeit des Trostbedürfnisses muß es schon eine spektakuläre, wenn auch nicht sehr haltbare, Blüte sein:

14-06-10 Hiibiscus 2Die Augusta Luise behalte ich natürlich für mich. Da wird nichts abgeschnitten…

 

@ Stringa:

14-06-15 weiße Rose

Update: 17.6.2014

Brasilien-Mexiko, 1. Halbzeit 0 : 0

Heute hatte ich gelesen, daß nach der Papierform Mexiko überlegen sei, denn in 16 Begegnungen habe Mexiko 8 Mal gewonnen und Brasilien nur 4 Mal. Statistik eben, die nichts aussagt. Mexiko war nicht überlegen. Brasilien allerdings auch nicht. Irgendwie kam mir das alles sehr planlos vor, was beide Mannschaften da veranstalteten, und so viele Fehlpässe habe ich bislang auch noch nicht gesehen. Zwei klare Torchancen für Brasilien. Und die Erkenntnis, daß der mexikanische Torwart Guillermo Ochoa nicht nur sehr niedlich ist, sondern auch ein guter Torwart.

2. Halbzeit, 0 : 0

25 Minuten vor Schluß wachte die brasilianische Elf auf und zeigte, daß sie eigentlich ein Tor schießen wollte. Leider ist die brasilianische Mannschaft keine Mannschaft, und so wurde daraus nichts – produzierte aber Spannung bis zum Schluß, auch durch die Konterchancen, die sie ermögllichte.

Ich habe keine Mannschaften gesehen, die sich auch nur für’s Viertelfinale empfohlen hätten. Dafür aber einen superattraktiven Weltklassetorwart aus Mexiko namens Guillermo Ochoa.

Ich habe leider keine Fotos für Euch.

Was Ochoa angeht, muß ich noch suchen…

Und bin mit einem Reisefoto aus Side (Türkei) fündig geworden.

Promenade 07

 

Update: 19.6.2014

1. Halbzeit England – Uruguay 0 : 1

Hektisch, hirnlos, harmlos, Herzinfarkt-Momente; dann schoß ein Liverpooler das Tor. Leider spielte er für Uruguay. (Ich bin parteiisch, mein Mann ist Brite.)

Am Klima kann es nicht gelegen haben, typischer englischer Sommer, 12 Grad Celsius. Eher lag es am fehlenden inneren Feuer, und außerdem: zunächst hatten die Briten kein Glück, und dann kam noch das Pech hinzu. Wayne Rooneys Kopfball an die Latte – der hätte doch reingehen müssen. Tat er aber nicht.

Die Deutsche in mir sagt: Uruguay führt nicht unverdient.

Interessante Frisuren gab es zu bestaunen. Ich wußte gar nicht, daß männliches Haupthaar soviele kreative Möglichkeiten bietet. Und figurbetonte Leibchen bei den Südamerikanern. Ob’s daran gelegen hat? 😉

2. Halbzeit England Uruguay 1 : 2

Spannend war sie, keine Frage. Und der liebe Wayne Rooney machte endlich sein WM-Tor zum 1 : 1. Und dann kam schon wieder dieser Liverpooler „El Pistolero“ Suares und erzielte den zweiten Treffer für Uruguay. Irgendwie kam der aus dem Nichts und stand – nein, er stand nicht, er lief – frei im Strafraum und verwandelte, woraufhin er sich mit Wadenkrämpfen vom Platz verabschiedete. Großartig, und irgendwie war klar, daß es das war. Das Spiel war gelaufen.

Gewinnt wirklich derjenige, der den Sieg am meisten will?

Bye bye, England. In Europa ist der Wurm drin, neben Spanien ist jetzt auch England draußen. Das wird die Suche nach dem EU-Komissionspräsident nicht erleichtern, zumal Luxemburg bei der WM gar nicht erst mitspielt.

Nun sollte ich wieder ein Gartenfoto einstellen, aber das einzig passende wäre eins meiner schwarzen Petunie. Die ich bislang aber noch nicht fotographiert habe. Das hole ich morgen nach. Versprochen.

Nachtrag: 20.6.2014

Hier ist sie:

14-06-20 Schwarze Petunie 1

Schweiz – Frankreich, 1. Halbzeit, 0 : 3

Ein Spiel, das den Zuschauer erfreut – alles dabei: Drama, Torszenen, tolle Schüsse, tolle Tore, ein gehaltener Elfmeter durch die Schweiz (mit einem Nachschuß gegen die Latte und einem zweiten, der auch sehr gefährlich war). Zwei Mannschaften mit Leib und Seele und Drang zum Tor.

Und eine tapfere Schweizer Mannschaft, die auch nach dem Doppelpack binnen einer Minute nicht aufsteckte. Hach, die Zuschauerin ist entzückt. Und bewundert mal wieder das wahre menschliche Ingenium, das in der Friseur- und Barbierkunst sein eigentliches Zentrum hat. Von Totalglatze bis Gel-Igel, von Dutt bis Mittelstreifen, der teilweise blond gefärbt, teilweise am Hinterhaupt spitz zulaufend, mal mit Ponyfransen, mal minimalistisch ausgeprägt war. Von Kein-Bart über Bartandeutung, 5-Tage-Bart oder Ziegenbärtchen bis richtigem Bart war alles dabei. Style as style can.

An den Torwart der Herzen kam allerdings keiner ran:

http://successfortress.com/guillermo-ochoa-one-of-soccers-best-goallies/

Schweizer mit exotischen Namen, die überall spielen nur nicht in der Schweiz. Unter dem deutschen Trainer Hitzfeld, der ihnen jedenfalls ein großes Kämpferherz verpaßt hat.

BTW: nicht Belgien, Frankreich ist der Geheimtip!

Schweiz – Frankreich, 2. Halbzeit, 2 : 5

Das 2 : 6 fiel zwei Sekunden nach dem unsensiblen Abpfiff, der mitten in eine Torszene der Franzosen trillerte.

Ein traumhaftes Fußballspiel – jeder, der es verpaßt hat, tut mir leid… Beide Mannschaften spielten offensiv weiter, und wie die Schweizer auch nach einem 0 : 5-Rückstand nicht aufgaben und noch zwei Tore machten: Respekt! Das 2 : 5 war ein Freistoß-Tor, und das müssen die Franzosen noch lernen: in der Mauer steht man nicht breitbeinig…

Nach diesem Fußballfest reiche ich meine Großrose, an der sich beide Mannschaften bedienen mögen.

14-06-20 rote Rose 1

Update 21.6.2014

Deutschland gegen Ghana – 2: 2

Bin noch immer ganz aufgewühlt von diesem Klasse-Fußballspiel. Die Zeit der Klein-Klein-Ballschieberei ist definitiv vorbei, gottseidank. Ghana hat stark und mit Löwenmut gespielt, sehr athletisch im Einsatz.

0 : 0 in der ersten Halbzeit, was nicht bedeutet, daß sie nicht spannend war. Im Gegenteil! Beide Mannschaften spielten auf Sieg, Torchancen auf beiden Seiten, ein Genuß für den Zuschauer. Aber erst in der zweiten Halbzeit ging es so richtig zur Sache. Was ich am Fußball liebe, ist seine Unberechenbarkeit. Da geht die deutsche Mannschaft durch Götze mit 1 : 0 in Führung, und da sollte man doch denken, daß dieser Vorsprung Sicherheit verleiht. Das Gegenteil ist der Fall. Binnen Minuten zwei gravierende Abwehrfehler, und Ghana führt 2 : 1.

Ich bin total unsportlich und wäre, Sportlichkeit unterstellt, für einen Mannschaftssport auch nicht geeignet gewesen. Und daher weiß ich nicht, wie es in der Psyche eines Mannschaftsspielers zugeht. Führt der Vorsprung in einem so engen Spiel vielleicht zu einem trügerischen Gefühl der Sicherheit?

Danach die Auswechselung. Die offensiven Kämpen Schweinsteiger und Klose steigen ein, und nicht mal zwei Minuten später schießt Klose das 2 : 2. Als ob ein Ruck durch die Mannschaft gegangen wäre, häufen sich die Chancen – aber auch Ghana steckt nicht auf. Es blieb spannend bis zum Schluß.

Ein großartiges Spiel. Und irgendwie schon ein Sieg für Deutschland, daß es nicht verloren ging.

Ein Kompliment an beide Mannschaften, die sich verausgabt und Reklame für Fußball gemacht haben, wie er sein sollte. Da muß nun meine Garten-Diva, die Red Diamond, ran.

14-06-20 red diamond

 

Update: 23.6.2014

USA gegen Portugal 2 : 2

Ich habe es dann doch noch geschafft, dieses Spiel zu sehen. Und habe es nicht bereut. Das Glückstor der Portugiesen in der 5. Minute habe ich verpaßt, das gebe ich zu, weil ich erst in der 7. Minute einschaltete. Ab da gab es nur eine Mannschaft, die Fußball spielte, und das war die der USA. Sie spielte, das war dank Klinsmann nicht anders zu erwarten, deutsch – nur eben nicht ganz so gut.

Ein spannendes Spiel, ein Spiel, das begeisterte. Die USA legten in der 63. Minute nach, 1 : 1. Sie erzielten das 2 : 1, völlig verdient. Ronaldo blieb pomadig, versemmelte einen Freistoß hoch übers Tor, glänzte bei einem Alleingang durch einen Schuß ins Seitennetz, markierte eine Schwalbe – eine desolate Vorstellung.

Wie Fußball so ist, nämlich ungerecht, gab es 5 Minuten Nachspielzeit und Portugal quälte sich irgendwie in der letzten Sekunde zum 2 : 2.

Nun fangen die Rechner wieder an zu rechnen. Ich denke, daß ich wieder einmal ein mitreißendes Spiel gesehen habe, das durch zwei unverdiente Glückstore einer unterlegenen Mannschaft gedreht wurde.

Für Deutschland heißt das: man muß die Mannschaft der USA durchaus ernstnehmen – aber Angst muß man nicht haben 😉

Update: 24.6.2014

Italien gegen Uruguay 0 : 1

Die erste Halbzeit entging mir, weil im Garten größere Aufräumarbeiten anstanden nach drei heftigen Schauern am heutigen Tag, von den Schnecken-Killaktionen ganz zu schweigen. Die zweite Halbzeit kriegte ich so halbwegs mit beim Kochen: letztlich muß man nicht alles ständig kontrollieren, da blieb genug Zeit, um mehr als nur ab und zu reinzusehen. Und während die asiatische Nudelpfanne manierlich gelang, mißriet das Spiel durch eine inakzeptable Schiedsrichterleistung. Ab da vertagte ich das Essen und guckte nur noch. Mein Mann wußte beides zu versöhnen: Gucken beim Essen.

Kleiner Tip: vielleicht sollte man keinen mexikanischen Schiedsrichter nehmen, wenn eine südamerikanische Mannschaft gegen eine europäische spielt?

Das Ende vom Lied der WM-Teilnahme Italiens war eine ROTE KARTE wegen eines Allerweltfouls, das maximal GELB erfordert hätte. Danach zeigte „El Pistolero“ Suarez, daß er nicht nur schießen, sondern auch beißen kann, und irgendwie bot sich die linke Schulter eines italienischen Gegenspielers an, über den er sich offenbar geärgert hatte. Das bekam der Schiedsrichter nicht mit, und auch die Schulter-Entblößung des Gebissenen half nicht, weil sie definitiv unversehrt wirkte. Das Trikot hat wohl eine Spurenbildung verhindert.

Danach gab es kurz vor dem offiziellen Schluß ein Ecke-Tor-Tor für Uruguay, wogegen die Italiener anrannten. Drama pur, zwischendurch zückte der Schiri auch die gelbe Karte gegen den Torwart von Uruguay, wieso, ist mir entgangen in der Hektik, weil die fünf Minuten Nachspielzeit so kräftezehrend waren und ich schon an die Chinapfanne dachte. Und dann krönte der Schiri seine Leistung auch noch dadurch, daß er die Nachspielzeit eigenmächtig um 40 Sekunden verlängerte, was wohl seine Entschuldigung gen Italien sein sollte, denn deren Mannschaft war bei einem Freistoß am Zug.

Ich kann natürlich nicht sagen, woran es lag, daß die Italiener bis zur 70. Minute, als das Drama begann, kein Tor geschossen haben. Logischerweise haben sie sich das selber zuzuschreiben. Aber was in den letzten 25 Minuten der Partie geschah, muß man wohl wie ein Naturereignis hinnehmen. Such is life.

Jetzt sind die Angstgegner der Deutschen, nämlich Spanien, Italien und England draußen. Und neue Angstgegner wachsen nach.

Zwei Symbolbilder aus meinem Garten, in dem es auch ein Mini-Biotop gibt, bei dem man nie weiß, wie es im neuen Jahr aussehen wird:

14-05-20 Biotop 1

Und hier nature in a nutshell:

14-05-20 Terrasse Flieder 2Update: 25.6.2014

1. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

Irgendwie störend, dieser Kommentator Gottlob: jeden Furz der Ecuadorianer bejubelnd, aber das schöne Kombinationsspiel der Franzosen, die in dieser Halbzeit die dickste Chance hatten, ignorierend. Wir sehen ein sehr unterschiedliches Spiel – aber das ist wohl immer so.

Ich hadere mit der Technik, der olle Fernseher reagiert nicht mehr auf die Fernbedienung, an Batterieschwäche soll es nicht liegen (sagt mein Mann), oben weist er – der Fernseher – zwar Knöpfe mit verwirrenden Piktogrammen auf, die ich allesamt nicht verstehe (früher stand da schlicht „Ein“ und „Aus“, heute gibt es Symbole für Analphabeten, zu denen ich nicht gehöre), aber allesamt durchprobiert habe, leider tut sich da auch nichts, und meine Erfahrungen mit livestream-Internet-Fernsehen sind mies: wenn es spannend wird, fällt es aus. Plötzlich rotiert da was und es heißt: „Loading“, aber das ist nur eine Verheißung…

Kurz und gut: Frankreich, das mit einem Unentschieden Gruppenerster wäre, spielt auf Sieg, bislang glücklos, und Ecuador, das gewinnen muß, um weiterzukommen, präsentiert sich harmlos.

Die wackeren Schweizer führen 2 : 0 gegen Honduras, und wären weiter, wenn Frankreich gewönne. Und jetzt zurück zum Livestream.

2. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

3 : 0 hätte die drückend überlegene französische Mannschaft, die in Zweitbesetzung auflief, gewinnen können, hätte sie nicht so glücklos gespielt. Sowas gibt’s im Fußball, im Kommentatorensprech heißt es dann gern, daß der Knoten nicht platze. Trotz beseelter Anfeuerungen von Herrn Gottlob, der sich die Ecuadorianer auch dann noch im Achtelfinale wünschte, als die wackere Schweiz schon 3 : 0 gegen Honduras führte, was dann auch der Endstand war, hatte der Simpelzuschauer wie ich niemals das Gefühl, daß einer der harmlosen Angriffe von Ecuador zum Erfolg hätten führen können.

Herr Gottlob hat wohl mitbekommen, wie enervierend falsch seine Kommentierung lag, sonst hätte er am Ende nicht behauptet, nicht Ecuador hätte Rot sehen sollen, sondern mindestens zwei Mal Frankreich. Sowas nennt man „Nachtreten“ zur Rechtfertigung des eigenen bias.

Gut. Frankreich und die Schweiz sind weiter. Ein schöner Fußballabend.

Und morgen werde ich es trotzdem ausprobieren mit einer neuen Batterie für die Fernseh-Fernbedienung. Und jetzt grüble ich nach, welches Blumenbild wohl zu diesem trefflichen Fußball-Abend am besten paßt. Hm. Ach ja. Die erste Pfingstrose in meinem Garten, die wirklich pfingstnah zu blühen begann, nämlich am 14.6.2014.

 

14-06-01 PfingstroseAuch wenn sie dieses Jahr schwächelte und nur diese eine Blüte produzierte.

Es ist wie beim Fußball. Man steckt nicht drin. 😉

 

Update: 26.6.2014

Deutschland – USA  1 : 0

Das Spannendste war ja vor dem Spiel. Vormittags hatte ich den Dreh raus, wie ich den Fernseher ankriege, eine Kombination aus Knopf am Gerät und halb funktionierender Fernbedienung. Kurz vor dem Spiel (muß an der Aufregung gelegen haben), klappte sie aber nicht mehr. Panik. Schließlich hatte ich doch ein Bild, nur daß mir die Mannschaftsaufstellung von Portugal präsentiert wurde. Portugal? Hektik, bis ich die Sendereinblendung „ZDF-Info“ entdeckte. Punkt 18 Uhr war ich drin im Spiel.

Ein disziplinierter Arbeitssieg, der die Kräfte der Spieler und die Nerven der Zuschauer schonte. Nie mußte man Angst um die Jungs haben, und das mal-wieder-Müller-Tor in der 54. Minute war das Sahnehäubchen auf dem grundsoliden Streuselkuchen. Zumal sie danach, anders als gegen Ghana, wieder schön diszipliniert weiterspielten, als wäre nichts geschehen.

Rundum gelungen – bis auf die Chancenverwertung. Auch die USA sind weiter, dank des 2 : 1 von Portugal gegen Ghana. Heute war der erste Sonnentag nach vier Regentagen, meine Schneckenfangquote der reine Wahnsinn, und so tritt jetzt behagliche Entspannung ein. Die werde ich nutzen, um Fotos auszusuchen…

Spielbegleitende Harmonie, so dachte ich’s mir, herrscht ja vor allen Dingen auf der Terrasse, selbst wenn es auch dort ungeahnt wild wuchert und man immerfort eingreifen muß. Die Susanne häkelt sich in den Oleander, die Geranie nimmt dem Jasmin das Licht weg, und Schneckenalarm herrscht täglich in den Töpfen der Verbene, der Petunie und der Lobelien. Aber ansonsten – die schönste Eintracht. Passend zum heutigen Tag.

14-06-10 Hibiscus

14-06-26 Terrasse Margerite

14-06-26 Terrasse Begonia Bionfire

14-06-26 Terrasse Petunie

14-06-26 Terrasse Schwarzäugige Susanne 214-06-26 Terrasse Kommode

 

Den nächsten Gegner der deutschen Mannschaft habe ich mir auch angesehen, jedenfallls ab der 37. Minute: Rußland oder Algerien? Rußland führte da mit 1 : 0. Die deutsche Mannschaft hat Glück gehabt: von zwei unorganisierten Mannschaften mit hoher Fehlpaßquote kam die schlechtere durch ein 1 : 1 weiter.

Ich denke nicht, daß Algerien ein Stolperstein für die deutsche Mannschaft werden wird. 🙂

 

Update: 28.6.2014

Brasilien gegen Chile: 1 : 1 nach Verlängerung, 3 : 2 im Elfmeterschießen = 4 : 3

Was für ein Spiel!

Die erste Halbzeit ungestüm, offensiv, ohne Spielfluß, da zu viel gefoult wurde (insbesondere von den Chilenen). Das 1 : 0 für Brasilien durch ein gut herausgespieltes Eigentor. Und dann das: die brasilianische Nr. 7, Hulk, vertändelt einen Ball im eigenen Strafraum, das gnadenlose 1 : 1 folgt auf dem Fuß.

Dieser Hulk war mir schon aufgefallen, als er auflief. Ein Bär von einem Mann, ganz untypisch für einen Südamerikaner. Ein gutmütiger Riese, tapsig aber schnell. Als ich dann hörte, daß er für St. Petersburg spielt, mußte ich lachen. Nach seinem Fehler in der ersten Halbzeit war es für mich ein Hulk-Spiel, zumal Neymar nur in der ersten Halbzeit zeigte, was für ein großer Fußballspieler er ist.

Und das ist Hulk, der eigentlich ganz anders heißt:

http://www.blick.ch/sport/fussball/fuer-96-millionen-st-petersburg-schnappt-sich-hulk-und-witsel-id2021434.html

In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung wollte Hulk seinen verhängnisvollen Fehler wiedergutmachen. Hulk war hinten, Hulk war vorne, Hulk flankte, Hulk schmiß sich hin und rein, Hulk donnerte wuchtige Fernschüsse aufs Tor. Einen faustete der chilenische Torwart Bravo, der nicht nur so hieß, sondern auch ein ums andere Mal so rettete, gerade noch so eben weg.

Nichts wollte gelingen. Eine Tragödie für den Mann, eine Tragödie für die Mannschaft. Nach sieben (!) gelben Karten das Elfmeterschießen.

Drama pur. Ganz Großes Kino. Der brasilianische Cäsar unter den Torhütern hält zwei Elfmeter. Dann kommt Hulk. Der braucht nur seine Masse einzusetzen. Ich sehe ihn anlaufen – nein, das ist nicht das richtige Wort. Er trippelt an, und da weiß ich schon: das geht daneben. Unglaublich, wie schwach so ein Kraftbündel schießen kann, wenn die Verantwortung niederdrückt. Bravo hält. Hulk ist am Boden – es wird ihn nicht getröstet haben, daß auch ein anderer Brasilianer daneben schießt.

Dann kommt Neymar, der es allen zeigen will und es auch tut. Nun ruht die Last auf dem letzten Chilenen. Der trifft den Pfosten. (Die größte Chance kurz vor Schluß hatten ebenfalls die Chilenen: da rettete die Latte.)

Was für ein Spiel! (Man kann es gar nicht oft genug ausrufen.) Mit dem glücklichen Ende für Brasilien, für die WM und für unsere Mannschaft. Denn gegen die ruppigen, leidenschaftlichen Chilenen spielen zu müssen, ist ausgesprochen undankbar. Mein Puls geht langsam runter.

Ich suche was Ruhiges aus dem Garten aus.

14-06-26 Terrasse lila Hortensie

Nachtrag:

Achja, ich vergaß – oder habe ich es verdrängt? Hulk schoß sogar das 2 : 1 für Brasilien – aber es zählte nicht und er kassierte dafür sogar eine gelbe Karte. Anders als bei einem weltberühmten argentinischen Spieler, der damit durchkam, lenkte zwar nicht die Hand Gottes den Ball ins Tor, aber sein Oberarm den Ball auf den Fuß, der das Tor erzielte. Hulk hat wirklich alles probiert, das muß man schon sagen.

Update: 29.6.2014

Uruguay-Kolumbien 0 : 2

Ich schrieb es schon in einem Kommentar:

Gesendet am 28.06.2014 um 23:03 | Als Antwort auf stringa .

Leider ist mein Tränendes Herz schon vor Jahren eingegangen, ich müßte also im Archiv suchen… Und außerdem sehe ich gerade Kolumbien-Uruguay, mit dem Traumtor dieser WM bislang durch Kolumbiens James Rodriguez. Perfektion in Reinkultur, und eine völlig verdiente Führung nach der ersten Halbzeit. Muß wieder weg!

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/14/die-fusball-wm-und-die-garten-ecke/comment-page-1/#comment-37108

Verwirrung herrscht bei mir nur, weil dieser Rodriguez ein Trikot trägt, auf dem lediglich „James“ zu lesen ist, was der Kommentator aber nicht englisch wie „Dschäims“, sondern spanisch wie „Chamess“ aussprach. Dennoch tauchte immer wieder die Kombination „James Rodriguez“ auf. Wie er nun auch immer heißen mag, der Mann ist Weltklasse und schoß das 0 : 2 in Thomas Müller-Manier, nach selbstredend genialer Vorbereitung durch seine Mannschaft. Er hat nun 5 Tore bei dieser WM gemacht und ist eine echte Gefahr nicht nur für Müller, was den Torschützen-Rang angeht. Sondern auch für Brasilien, auf das die junge, frische, offensive Mannschaft Kolumbiens demnächst treffen wird.

Diese Begegnung wird ein Fußballfest, ganz bestimmt!

Die Uruguay-Mannschaft war nach der 9-Spiele-Sperre ihres bissigen Leader of the Pack Suarez nur ein Schatten ihrer selbst. Und das ist auch gut so.

Für diese überzeugende Vorstellung gibt es einen Gruß meiner Cherry  Girl:

14-06-27 Cherry Girl 2

Weiteres Update vom 29.6.2014:

Niederlande – Mexiko 2 : 1

Wie ungerecht! Mexiko spielte Fußball, die Niederlande pennte im Schlafwagen. Trotz vieler Chancen in der ersten Halbzeit für Mexiko stand es 0 : 0, und so war es ausgleichende Gerechtigkeit, daß Arjen Robben, der gern Elfmeter herausschindet, den Elfmeter kurz vor Schluß der ersten Halbzeit nicht bekam.

Wegen Hollands Schlafmützigkeit war von Guillermo Ochoa, dem attraktiven Torwart Mexikos, leider nur sehr wenig zu sehen.

Das änderte sich zunächst auch in der zweiten Halbzeit kaum, denn wieder spielte nur eine Mannschaft: Mexiko, das in der 50. Minute das erlösende 1 : 0 erzielte. Eine völlig verdiente Führung, die die Niederlande aufrüttelte und der begeisterten Zuschauerin mögliche und eigentlich unmögliche Paraden Ochoas bescherte. Das Spiel wurde mitreißend, und es kam, was aufgrund des Drucks kommen mußte: ein gewaltiger Fernschuß, abgezogen mit all dem Frust, den das Oranje-Team angesammelt haben mußte. Ein unhaltbarer Schuß, „selbst für Ochoa“, wie der Kommentator anmerkte. Arjen Robben markierte eine Schwalbe und ließ sich in den Strafraum fallen, aber der Schiedsrichter durchschaute das Spiel.

Dummerweise bekam er „seinen“ Elfmeter doch noch, als er sich zwei Minuten vor Ende der sechsminütigen Verlängerung nach einer unwesentlichen Feindberührung wiederum mit Schmackes auf den Boden schmiß. Nie und nimmer war das einen Elfmeter wert! Ochoa entschied sich für die falsche Ecke, und das Spiel war gelaufen.

Ich weiß, ich weiß, Fußballergebnisse sind selten gerecht -: aber ich hätte es nun mal gern. Stringa hätte gern ein Tränendes Herz gehabt, nun habe ich es im Archiv gefunden, ein Foto vom 6.5.2007. Irgendwann hat die Pflanze den Winter nicht überstanden, und heute hätte sie dort ohnehin keinen Platz mehr gehabt, nachdem der Wein am Zaun und der Ranunkelstrauch daneben um die Vorherrschaft kämpfen.

Tränendes Herz 6.5.2007Aber eigentlich ist mir so zumute wie beim Anblick der Teatime-Rose nach vier Tagen Regen:

14-06-26 Teatime 2

Für die Freunde der Augusta Luise: ihre erste Blüte ist definitiv vorbei. Die vordere hat noch zwei Knospen, die hintere eine Blüte und zwei Knospen. Und endlich einen neuen Trieb, um den ich sie schon im letzten Jahr gebeten hatte – ohne Erfolg.

14-06-28 Augusta Luise II14-06-28 Augusta Luise II neuer TriebUnd so geht es doch immer weiter, trotz Träne im Knopfloch.

 

Update 30.6.2014

Frankreich – Nigeria 2: 0

Nö, das Achtelfinale Costa Rica – Griechenland habe ich nicht zu Ende gesehen. Zwei schlechte Mannschaften, ein schlechtes Spiel, und mir schwante, daß ein Elfmeterschießen entscheiden würde. Nun hat wenigstens ein Außenseiter im Elfmeterschießen gewonnen, und das ist ja immer irgendwie gut.

Deutschlands nächster Gegner ist Frankreich, sollte das Spiel gegen Algerien heute gewonnen werden. Und zwar zurecht. Nach einem munteren Offensiv-Fußballspiel beider Mannschaften, die lange Zeit gleichwertig waren, tolle Chancen hatten und nur insoweit den Genuß trübten, als allzuviele Pässe nicht ankamen und also der Zufall zuhilfe kommen mußte.

Da fiel mir ein französischer Spieler ins Auge: Matthieu Valbuena von Olympique Marseille, der Zwerg mit der Nummer 8. Mindestens einen Kopf kleiner als alle anderen Spieler auf dem Feld, ausgesprochen kurzbeinig, ein wenig erinnerte er mich an einen schlanken Dirk Bach. Großer Gott, wie der herumwuselte. Kaum hatte er eine Ecke getreten, lauerte er schon hinten in der Verteidigung. Der Mann war überall und immer rechtzeitig da, wie der Igel vor dem Hasen. Verteilte die Bälle, trat viele Ecken, ein kleiner Tausendsassa. Einmal gewann er sogar ein Kopfball-Duell – ich war platt. Der Lange neben ihm war einfach zu früh gestartet und war schon auf dem absteigenden Ast, als Valbuena zum richtigen Zeitpunkt wie ein Flummi hochschoß.

Valbuena trat die Ecke, die zum 1 : 0 durch Frankreich in der 79. Minute führte. Valbuena bereitete mit seinem Paß das Eigentor durch Yobo in der Nachspielzeit vor – und hey, Yobo konnte nichts dafür. Alle reden von Benzema und Giroud und wie sie alle heißen mögen. Held des Tages war allerdings die kleine große Nr. 8.

Wie auch im Garten die Nahaufnahmen oft die schönsten sind:

14-06-28 rote Rose Johanniskraut 214-06-28 Lavendel Schöne aus HamburgIch habe gerade gegoogelt:

Der Mann ist gerade einmal 3 cm größer als ich, nämlich 1, 67 m. Wow.

http://www.weltfussball.de/spieler_profil/matthieu-valbuena/

 

Update 1.7.2014

Deutschland- Algerien 2 : 1 n.V.

So ist das in K.O.-Spielen, die Angst ist groß, und daher manifestiert sich der Siegeswille erst in der Verlängerung. Mein Erkenntnisgewinn: Manuel Neuer ist ein klasse Feldspieler. Und Schürrle absolut ein Gewinn.

Wow. Es geht weiter. Jetzt gegen Frankreich.

Kompliment:

14-06-28 rote Rose 2

 

 

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Politik, Medien, Volkes Stimme & die Justiz: der Versuch eines Überblicks

Nebel

 

Seit über drei Monaten habe ich keinen Blog-Artikel mehr verfaßt, obwohl das Thema, die Analyse des psychiatrischen Gutachtens von Dr. Klaus Leipziger im Verfahren gegen Gustl Mollath, keineswegs beendet ist. Spüre ich den Ursachen meiner mangelnden Konsequenz nach, so muß ich eine merkliche Unlust, mich mit diesem Gutachten zu beschäftigen, eingestehen. Sie ist, diese Arbeit, bloße Destruierung ohne konstruktiven Mehrwert. Das Gutachten ist Geschichte wie die auf ihm fußende Verurteilung. Und was im Wesentlichen aus juristischer Sicht dazu zu sagen wäre, hat Oliver García schon vor langer Zeit in aller Kürze gesagt:

http://blog.delegibus.com/2013/08/26/fall-mollath-der-schleier-ist-gelueftet/

Neben dieser Unlust war es aber auch etwas anderes, das mich von der konzentrierten Arbeit an einem Artikel abhielt. Es waren die weiteren aus dem Ruder gelaufenen Ermittlungs- und Strafverfahren, die seit Ende 2013 auf die unnützliche Kommentatorin einwirkten. Seit Januar 2014 führten sie zu über 3.500 Kommentaren auf diesem Blog, von denen gut 25 % von ihr selber stammen dürften.

Die Verfahrensstoffe mögen noch so unterschiedlich sein: es eint sie doch das Phänomen, daß medialer und politischer Overkill deren eigentliche juristische Bedeutung bis zur Unkenntlichkeit überlagern. Gemeinsam ist diesen Fällen auch, daß das Verfahren selbst, unabhängig von seinem Ausgang, die eigentliche Strafe ist. Daß mit Mitteln des Strafrechts Politik gemacht wird. Und als basso continuo erklingt in User-Kommentaren und Blogs mehrheitlich das Mißtönendste, zu dem Volkes gern kernig- rauhe Stammtischstimme fähig ist: ein ohrengellendes „Kreuziget ihn!“ aus niedrigen Beweggründen.

Nehmen wir den Fall Uli Hoeneß. Verhandelt auf Seite eins in allen Printmedien, Live-Ticker in den online-Medien, Zigtausende von dissenden anti-FC-Bayern-Leser-Kommentaren, vom Opfer auch noch wurstsemmelverwöhnte Paparazzi am Tegernsee, Ferndiagnosen von unberufenen Seelenflüsteren, die zwischen Spielsucht und Narzißmus schwankten -: alle alle engagierten sie sich, ob Sportreporter, Gerichtsberichterstatter oder Wirtschaftsjournalist; allen voran der STERN, der sich mit Journalistenstolz nach dem Präsidentensturz nun auch noch den Abschuß einer Sport- und Gesellschaftsgröße ordensmäßig an die geschwellte Brust heftet. In dieser Selbstbesoffenheit scheinen juristisch geahndete Falschinformationen nur eine Petitesse zu sein, zumal es ja noch eine zweite Instanz gibt:

28. März 2014 19:21

Zivilprozess gegen den „Stern“ 4:0 für Hoeneß

Im Strafprozess in München wurde Uli Hoeneß zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, im Zivilprozess gegen den „Stern“ bleibt der ehemalige Fußballmanager der Gewinner. Das Landgericht Hamburg verurteilt den Verlag Gruner + Jahr und einen Reporter zu einer Unterlassungserklärung in vier Punkten.

Von Hans Leyendecker

http://www.sueddeutsche.de/sport/zivilprozess-gegen-den-stern-fuer-hoeness-1.1924434

Andererseits wird jetzt deutlich, daß der vermutlich gutbezahlte STERN-Informant von der Vontobel-Bank, wahrscheinlich ein finanztechnisch eher unbeleckter System-Administrator, nur oberflächlich über die wirtschaftlichen Hintergründe der Kontenbewegungen unterrichtet war, wie man diesem klug analysierenden Artikel entnehmen kann:

Banken

Die Helfer des Uli Hoeneß

An der Zockerei des Managers waren mehrere Banken beteiligt – unter ihnen Julius Bär. So manches Rätsel scheint inzwischen gelöst. von Arne Storn

DIE ZEIT Nº 14/2014 26. März 2014  19:15 Uhr

Einmal schauen, wie der berühmteste Straftäter der Republik bald leben wird, einmal hören, welche Arbeiten auf ihn zukommen: Nächste Woche dürfen Journalisten sich ein Bild davon machen, welche Haftbedingungen Uli Hoeneß in der Justizvollzugsanstalt in Landsberg am Lech erwarten. Dort muss der Ex-Präsident des FC Bayern München demnächst seine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten antreten.

Während sich die Scheinwerfer der Medien bereits auf die Zukunft richten, scheinen sich langsam ein paar Rätsel der Vergangenheit zu klären, die nach dem Urteil offen geblieben waren: Woher kam das Geld zum Beispiel? Wie konnte es sich so drastisch vermehren?

http://www.zeit.de/2014/14/uli-hoeness-zockerei-banken/komplettansicht

In all diesem Getöse wirkte die Hauptverhandlung selbst wie eine gutgeölte Inszenierung, die zu unaufwendig daherkam, um den außerprozessualen Aufwand rechtfertigen zu können. Eine notwendige Fußnote im Gesamtgeschehen, den Gesetzen der Prozeßökonomie gehorchend, einen unausgesprochenen Deal vollziehend. Ob das Urteil „gerecht“ war? Janun, das ist so wie mit dem halbleeren und dem halbvollen Glas. Zwischen der kompletten Strafbefreiung durch eine wirksame Selbstanzeige und einer ausschließlich an der Höhe der hinterzogenen Steuer orientierten Strafzumessung hat man sich auf dem kürzesten, nämlich dem halben, Weg getroffen. Und die Schlußrechnung wird ohnehin das Finanzamt Miesbach aufmachen…

Das Strafverfahren war lediglich conditio sine qua non für das Eigentliche, nämlich das wollüstige Suhlen im Schicksal des gefallenen Helden, ein antikisches Drama mühsam wiederbelebend. Ein Circus Maximus der öffentlichen Erregung. Gut 150 Reporter tummelten sich am Tag der offenen Zelle im Landsberger Gefängnis. Es blieb der ZEIT vorbehalten, beim JVA-Sightseeing sowohl mitzumischen als auch Distanz zu BILD-Reportern einzunehmen, die dort Selfies im Knastraum produzierten. Und nebenbei daran zu erinnern, daß Knast bürokratische Gewaltunterworfenheit bedeutet, die der angeblich angestrebten Resozialisierung diametral entgegenwirkt. Von der Subkultur, die im Erstverbüßer-Vollzug in Landsberg allerdings nicht sehr ausgeprägt sein dürfte, mal ganz abgesehen.

Haftstrafe Hoeneß und die JVA-Metzgerei

Kurz vor Haftantritt des früheren FC-Bayern-Präsidenten öffnet die Justizvollzugsanstalt Landsberg ihre Türen für Journalisten. Denen vergeht auf dem Rundgang das Lachen. von Georg Etscheit, Landsberg

Aktualisiert 31. März 2014  17:52 Uhr

„Die Mitnahme von Geschirr und Besteck in die Hafträume ist grundsätzlich verboten.“

„Die Spülküche ist kein Aufenthaltsraum. Nichtbeachtung wird disziplinarrechtlich geahndet.“

„Badeschlappen und Hauspantoffeln nur im Haftraum und auf dem Weg zur Dusche und zurück. Sonst ist das Tragen wegen Unfallgefahr verboten.“

„Ab Februar 2009 besteht bis auf weiteres die Möglichkeit, einmal im Monat Gebäck aus der Anstaltsbäckerei zu bestellen. Es gibt drei verschiedene Sorten.“

Es gleicht einem radikalen Akt konkreter Poesie, all die Anordnungen, Vorschriften, Erlasse und Verfügungen, die hier die Wände bedecken und die Aushängekästen füllen, unkommentiert hintereinander zu stellen.  Schnell lässt sich zumindest ansatzweise ermessen, was es bedeutet, hier in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech Tage, Monate, gar Jahre verbringen zu müssen: Wer hier einsitzt, verliert nicht nur die Bewegungsfreiheit, sondern auch, ganz allgemein gesprochen, die Verfügungsgewalt über das eigene Leben.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-03/jva-landsberg-gefaengnis-hoeness

Ich hätte nicht gedacht, daß ich Horst Seehofer einmal würde loben können: aber für diese Aktion tue ich es:

Am Ende der Debatte stand nach Aussage Aigners „die Bitte des Ministerpräsidenten, dass in Zukunft staatliche Stellen nicht dazu beitragen, hier Tür und Tor zu öffnen“.

Teilnehmer der Kabinettssitzung schilderten den Vorgang etwas drastischer. Seehofer sei schon „sehr, sehr sauer“ zur Tür hereingekommen und habe gleich zu Beginn der Sitzung Bausback zur Rede gestellt. Hintergrund war angeblich eine Beschwerde des FC Bayern über die Fotos und Filme sowie die Live-Reportagen von Fernsehsendern aus der Justizvollzugsanstalt. Dabei wurden nicht nur Gebäude, Gänge und der Fußballplatz der Anstalt gezeigt, sondern auch das Innenleben der Zellen. Dies wurde beim FC Bayern und dann auch vom Ministerpräsidenten offenkundig als Verletzung der Intimsphäre gewertet und soll sich künftig nicht wiederholen. Seehofer wurde mit den Worten zitiert: „Das hört sich auf!“ Bausback habe sich im Kabinett, wie es gestern hieß, mit Hinweis auf das große Medieninteresse verteidigt.

Uli Bachmaier

http://www.mainpost.de/regional/bayern/Nach-Pressetermin-im-Fall-Hoeness-Seehofer-aergert-sich-ueber-JVA;art16683,8063581

Das ist allerdings auch bereits Schnee von gestern in unserer schnellebigen Welt, denn nun wird schon in eine ganz andere Richtung spekuliert:

Die Führung von 157 Reportern und Fernsehtechnikern durch die JVA Landsberg hat in der Öffentlichkeit ein geteiltes Echo gefunden. Hat Gefängnisleiterin Monika Groß den Informationsanspruch von Presse, Funk und Fernsehen übererfüllt, indem sie auch exemplarische Zellen zur Besichtigung öffnete? Wurde die Privatsphäre von Hoeneß bereits verletzt, bevor er seine Strafe überhaupt angetreten hat? Oder war alles ohnehin nur Show, weil Hoeneß gar nicht lange in Landsberg bleiben, sondern an die JVA-Außenstelle in Rothenfeld nahe Andechs am Ammersee überstellt wird?

Das glaubt ein ehemaliger Landtagsabgeordneter, der einst selbst im Polizeidienst war. Er bescheinigt Landsberg, eine „Muster-JVA zu sein, die auch vorzüglich geleitet wird“, erwartet aber die baldige Verlegung des Promi-Inhaftierten Hoeneß („Innerhalb von 24 Stunden – denn ein normaler Vollzug dürfte in der Haupteinrichtung nicht zu realisieren sein“) nach „Rothenfeld Nr. 2“. Dort finde man „wenig Gemeinsamkeiten mit der Haftanstalt für Jedermann in Landsberg. Sie verfügt über Einrichtungen und Möglichkeiten, die den gehobenen Ansprüchen ,gehobener Gäste’ entspricht. Auch der Kontakt zu den Häftlingen in der Landsberger Einrichtung und auch die Freigängermöglichkeiten sind hier den besonderen Gästen angepasst.“

http://www.merkur-online.de/sport/fc-bayern/uli-hoeness-jva-landsberg-gemueseanbau-rothenfeld-3452066.html

Voilà, für Medienfutter und Neiddebatten wird auch weiterhin gesorgt sein.

Unter umgekehrten Vorzeichen fand der Prozeß gegen Christian Wulff statt. Hier hatten die Medien das Wild bereits erlegt, und der Staatsanwaltschaft Hannover oblag die undankbare Aufgabe, ihren Antrag auf Aufhebung der Immunität des damaligen Bundespräsidenten im Nachhinein zu rechtfertigen. Mit einem in jederlei Hinsicht unproblematischen privaten Hauskredit hatte die Medienmeute unter Anführerschaft von BILD-Heidemann begonnen, nachgelegt wurde mit allerlei Verdächtigungen wie einem späteren angeblichen „Schnäppchen-Kredit“; sie machten vor dem berühmten Bobby-Car für den Sohn und Kleider-Ausleihe für die Gattin nicht halt, sogar Erfindungen wie die einer kostenlose Zur-Verfügung-Stellung eines Spezialfahrzeugs der Firma Audi zugunsten der Ehefrau dienten dem ersichtlichen Ziel, den ungeliebten Präsidenten loszuwerden. Nachdem BILD wahrheitswidrig verbreitet hatte, Präsi-Kumpel Groenewold habe versucht, in Sylt Beweismittel beiseitezuschaffen (tatsächlich hatte er sich dort nur Buchungs- und Rechnungskopien besorgt), gab es kein Halten mehr. Die Staatsanwaltschaft witterte Verdunkelungsgefahr, und wo verdunkelt wird, muß zwingend eine Straftat vorliegen.

By the way: einem BILD-Verantwortlichen wie Kai Diekmann wahre Worte auf den Anrufbeantworter zu sprechen, halte ich nicht für einen Angriff auf die Pressefreiheit, sondern für Bürgerpflicht. Und Christian Wulff ist lediglich vorzuwerfen, daß er teilweise die winselnde Diktion eines Bittstellers verwandte.

http://www.bild.de/politik/inland/wulff-kredit-affaere/das-sprach-wulff-dem-bild-chef-auf-die-mailbox-34832232.bild.html

So nahm das Verhängnis seinen Lauf. Mit Millionenaufwand und einem Heer von sich verselbstständigenden LKA-Ermittlern wurde jeder Stein umgedreht. Zwischenzeitlich leakten strafrechtlich unerhebliche Ermittlungsergebnisse an die Presse, vom zeitweise überzogenen Konto des Ministerpräsidenten bis zur verpfändeten Rolex. Der Berg kreißte, aber er gebar nur das 750-Euro-Mäuslein einer Oktoberfest-Einladung im Jahr 2008 durch Freund Groenewold. Der Komplex „Sylt“ hatte sich genauso unergiebig wie alles andere auch erwiesen, das bereits geräuschlos von den Staatsanwaltschaften in Stuttgart und Berlin eingestellt worden war. Da man sich als Staatsanwaltschaft ja sonst nichts gönnt, leistete man sich jedenfalls Starfotos der wackeren Ankläger, die Generalstaatsanwalt Frank Lüttig, von Wulffs Intim-Parteifeind Bernd Busemann ernannt, als Kanonenfutter an die unhaltbare Front schickte, während der General selbst die Vorverurteilungs-Werbetrommel rührte.

http://www.staatsanwaltschaften.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=22924&article_id=119405&_psmand=165

[Fotos links unten]

Generalstaatsanwalt verteidigt Verfahren

Beweise sind „sehr stark“: Wulff-Anklage wegen Bestechlichkeit

Samstag, 20.04.2013, 10:03

In die Ermittlungen gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat sich nun auch Generalstaatsanwalt Frank Lüttig eingeschaltet. Die Beweise gegen Wulff seien „sehr stark“, sagte er dem FOCUS. Außerdem verteidigte er die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Hannover gegen Kritik.

http://www.focus.de/politik/deutschland/wulff-unter-druck/generalstaatsanwalt-verteidigt-verfahren-beweise-sind-sehr-stark-wulff-anklage-wegen-bestechlichkeit_aid_966243.html

Es kam, wie es kommen mußte: die Hauptverhandlung ergab Nullkommanichts für eine durch das Landgericht Hanover bereits im Eröffnungsbeschluß von der angeklagten Bestechlichkeit heruntergezonte Vorteilsnahme; begann die Hauptverhandlung zunächst sachlich, entwickelte sie sich zunehmend zur Farce und endete als das Trauerspiel eines realitätsblinden Oberstaatsanwalts, der sich zuletzt sogar seiner Pflicht entzog, ein Plädoyer zu halten – stattdessen stellte er weitere sinnlose Beweisanträge. Der Freispruch vom 27.2.2014 folgte auf dem Fuße, ebenso die von Generalstaatsanwalt Lüttig bereits im Vorfeld angekündigte Revision.

Freispruch im Korruptionsprozess: Die gerettete Ehre des Christian Wulff

Von Gisela Friedrichsen, Hannover

Der Freispruch für Christian Wulff war zugleich Kritik an den Anklägern. Sie hätten eine eindrucksvolle Indizienkette präsentiert, doch entlastende Faktoren nicht gewürdigt und letztlich keine Beweise für ein Vergehen geliefert – dies sagte Richter Rosenow in der Urteilsbegründung.

[…]

Dann befasste sich das Gericht mit den Anklagepunkten, von denen die Staatsanwaltschaft – ohne sie beweisen zu können – nicht lassen wollte.

  • Die Kammer habe nicht feststellen können, ob Wulff am Abend des 26. September 2008 im Restaurant Trader Vics, einem Lokal im Keller des Hotels Bayerischer Hof in München an einem von Groenewold bezahlten Abendessen teilgenommen habe.

  • Sie habe auch nicht feststellen können, ob Wulff überhaupt gemerkt habe, dass Groenewold einen Teil der Wulffschen Hotelkosten übernahm.

  • Es gebe auch keinen Beleg dafür, dass er Groenewold nicht die Babysitter-Kosten in bar zurückgab, als er bemerkte, dass die auf seiner eigenen Rechnung fehlten.

  • Eine unter Juristen sogenannte „Unrechtsvereinbarung“ (nach dem Motto: Ich gebe dir etwas, damit du mir dann dafür einen Gefallen tust) habe man auch nicht feststellen können.

Die Angaben der Angeklagten, so Rosenow, seien „im Kern“ nicht widerlegbar. Für eine Verurteilung reiche es nicht aus, wenn ein Geschehen „möglich“ gewesen wäre, Handlungsalternativen aber auch denkbar seien. Die Staatsanwaltschaft habe eine Indizienkette geknüpft, die „auf den ersten Blick in dieser Zusammenballung ihre Wirkung nicht verfehlt“, so der Vorsitzende. Aber bei näherer Betrachtung, in der Gesamtschau, gebe es eben auch eine ganze Reihe entlastender Gesichtspunkte. „Bei dieser Ausgangssituation hätte es schon sehr handfester Beweise bedurft“, sagte Rosenow, „die hat man hier nicht.“ Die Abläufe „könnten so gewesen sein, wie die Staatsanwaltschaft annimmt. Aber es könnte auch anders gewesen sein.“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-gerettete-ehre-des-christian-wulff-a-956089.html

Die Sache wird enden wie das Kachelmann-Verfahren: eine maßlose Staatsanwaltschaft wird nach Lektüre der schriftlichen Urteilsgründe kapitulieren und die Revision zurücknehmen.

Bleiben wir zunächst bei der politisierten Staatsanwaltschaft Hannover, die mit dem Anfangsverdacht so ihre Probleme hat. Wenden wir uns also dem krassen Nicht-Fall Sebastian Edathy zu.

Man weiß gar nicht, wo man zuerst anfangen soll. Bei einem schlingernden BKA, das einerseits sehr früh auf die kanadischen Daten von Azovfilms des Brian Way aus der Operation „Spade“ reagiert, die aus unerfindlichen Gründen beim BKA als Operation „Selm“ firmiert. Das andererseits sehr viel sehr lange liegen läßt und angeblich erst am 15.10.2013 durch das Polizeipräsidium in Nienburg darüber informiert wird, daß einer der Besteller der selbst vorsortierten strafrechtlich unbedenklichen Fotos und Filme der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy sei. Desjenigen Abgeordneten, der seit Ende Januar 2012 als Vorsitzender des NSU-Ausschusses dem BKA und dessen Freunden vom Bundesverfassungsschutz Feuer unter dem Hintern machte. Muß eigentlich eine strafrechtlich nicht relevante Tatsache durch den BKA-Chef Ziercke zwingend dem bekannt schwatzhaften Politikbetrieb gemeldet werden? Was soll der denn damit anfangen?

Ziercke tut es jedenfalls, er meldet diese strafrechtlich irrelevante Erkenntnis zunächst an den Staatssekretär des Innern, Fritsche, jener an seinen Minister-Chef Friedrich, der sich gerade in Koalitionsverhandlungen mit der SPD befindet. Und daß die den aufstrebenden NSU-Untersuchungsausschuß-Star Edathy in ein Regierungs- oder Koalitionsamt befördern könnte, muß im Interesse auch der CDU verhindert werden. Partei, Regierung und Staat sind ja irgendwie identisch, alle drei müssen vor Schaden bewahrt werden, und so landet die Stille Post rechtswidrigerweise via Friedrich beim SPD-Chef Gabriel, der tratscht die wie auch immer mittlerweile deformierte Information an den Fraktionsvorsitzenden Steinmeier weiter, der an den Fraktionsgeschäftsführer Oppermann und letzterer schließlich an seine Nachfolgerin im Amt. Und nun schließt sich der Kreis, denn SPD-Oppermann ruft bei SPD-Ziercke an und erkundigt sich, was an der Sache dran sei. Vielsagendes Schweigen soll, so seine zweite Version des Telefonats, ertönt sein, und daraufhin weiß Oppermann, was zu tun ist, nämlich größtmögliche Distanz zum verdienten Parteifreund einzunehmen. Indem er, als alles publik geworden ist, am 11.2.2014 vollmundig erklärt:

SPD-Politiker Edathy

Oppermann fordert schnelle Klärung

Der SPD-Fraktionschef drängt die Staatsanwaltschaft, die Vorwürfe gegen Sebastian Edathy schnell aufzuklären. Sie wögen „ungeheuer schwer“.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-02/thomas-oppermann-sebastian-edathy-ermittlungen

Dabei ist er ja eigentlich darüber informiert worden, daß strafrechtlich inkriminierende Bestellungen gar nicht vorliegen, und als Jurist müßte ihm schwanen, daß die Staatsanwaltschaft Hannover ohne einen validen Anfangsverdacht zugeschlagen hatte, wie der VorsRBGH Prof. Thomas Fischer in der ZEIT fulminant dargelegt hat:

Bitte entschuldigen Sie, Herr Edathy

Das Recht lebt von klaren Grenzen zwischen erlaubtem und verbotenem Verhalten. Wer nichts Strafbares tut, den darf die Justiz nicht verfolgen. Im Fall Edathy wurde diese Regel missachtet –Einspruch eines Bundesrichters von Thomas Fischer

http://www.zeit.de/2014/10/staatsanwaltschaft-fall-edathy

Aber Juristen, die zu Politikern mutieren, vergessen gern ihre nutzlos gewordene Ausbildung.

Nach dreimonatigem ergebnislosen Grübelns, ob die bloßen FKK-Filme nicht vielleicht doch irgendwie den Pornographie-Tatbestand erfüllen könnten – während dieser Zeit haben die kanadischen Behörden eine große und eher verschleiernde als wahrheitsgemäße Pressekonferenz über ihren Fall abgehalten, der betroffene Besteller Edathy hatte zwei Mal das kooperative Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht, die wahrheitswidrig so tat, als ob sie gar nicht wisse, was er wolle – bejahte sie ganz plötzlich einen Tatverdacht (denn wer harmlose Sachen hat, hat nach „kriminalistischer Erfahrung“ auch schlimmere). Einen Tag zuvor hatte Sebastian Edathy, der genugsam gewarnt und seit Anfang Januar krankgeschrieben war, notariell auf sein Bundestagsmandat verzichtet. So stellt er die Sachlage, im Einklang mit den bekanntgewordenen Tatsachen, in einem hochnotpeinlich geführten Verhör durch die inquisitorisch agierenden SPIEGEL-Redakteure Medick und Nelles dar, in einem am 17.3.2014 veröffentlichten Interview:

Edathy: Die Seite Azov Films ist vor einigen Jahren vom Netz gegangen. Man konnte damals durch eine einfache Internetrecherche feststellen, dass die kanadischen Behörden, die die Seite jahrelang nicht beanstandet hatten, ihre Position verändert hatten. Es sind daraufhin Maßnahmen in den USA und in Kanada erfolgt. Im Laufe des vergangenen Novembers gab es entsprechende Medienberichte in Deutschland, auf die ich aufmerksam wurde.

SPIEGEL: Es gibt den Verdacht, Sie hätten einen Tippgeber gehabt. Informiert waren nach eigenen Angaben in der SPD-Spitze Parteichef Gabriel, Frank-Walter Steinmeier, Thomas Oppermann und Christine Lambrecht. Haben Sie mit einer dieser Personen über den Fall gesprochen?

Edathy: Nein.

SPIEGEL: Haben Sie mit dem damaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich darüber gesprochen, der ebenfalls frühzeitig informiert war?

Edathy: Nein.

SPIEGEL: Haben Sie mit Mitarbeitern des Bundeskriminalamts oder anderer Sicherheitsbehörden darüber gesprochen?

Edathy: Nein.

SPIEGEL: Sie legten am 7. Februar Ihr Mandat nieder. Etwa zur gleichen Zeit wollte die Staatsanwaltschaft den Bundestagspräsidenten über den Plan informieren, gegen Sie zu ermitteln. Auch da besteht der Verdacht, Sie seien gewarnt worden.

Edathy: Ich konnte zwischen November 2013 und Anfang Februar 2014 nicht wissen, ob und in welcher Form tatsächlich staatsanwaltschaftliche Maßnahmen auf den Weg gebracht werden. Das war eine psychisch sehr belastende Situation. Ich habe mir diese innere Anspannung nicht länger zumuten wollen. Deswegen habe ich das Mandat vorsorglich abgegeben. Das habe ich am 6. Februar gegenüber einem Notar getan, der Termin war bereits Tage zuvor vereinbart worden, ohne Kenntnis davon gehabt zu haben, dass am selben Tag ein Brief der Staatsanwaltschaft auf dem Weg nach Berlin sein würde. Von dem habe ich erst am 10. Februar durch die Staatsanwaltschaft selber erfahren.

SPIEGEL: Warum haben Sie nicht schon im November oder Dezember Ihr Mandat zurückgegeben?

Edathy: Ich bin bis Ende Januar optimistisch gewesen, dass die zuständige Staatsanwaltschaft, wie andere Staatsanwaltschaften in vergleichbaren Fällen, ohne Anhaltspunkte für strafbares Verhalten auch, von Aktivitäten absehen würde. Ich hatte ihr ja frühzeitig über meinen Anwalt Kooperationsbereitschaft signalisiert. Dann aber wurde die Unsicherheit mir schlicht zu groß. Und es gab zeitgleich im Internet Berichte über andere Hausdurchsuchungen. Ich habe dann für mich eine politische Konsequenz gezogen. Meine Hoffnung war, dass mögliche Ermittlungen mit geringerer Wahrscheinlichkeit öffentlich werden würden, wenn ich nicht mehr Abgeordneter bin. Das hat, muss man wohl feststellen, nicht funktioniert.

[SPIEGEL 12/2014, S. 25]

Das alles hat ihm natürlich nichts genutzt, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover am 14.2.2014 eine über einstündige Pressekonferenz zur Rechtfertigung ihres rechtswidrig geschöpften Anfangsverdachts abgehalten und dabei massiv Edathys Persönlichkeitsrechte verletzt hatte. Wer das System kennt, wird nicht mit einem Erfolg der hiergegen gerichteten Dienstaufsichtsbeschwerde Edathys rechnen, obwohl sie begründet ist.

http://www.youtube.com/watch?v=l8-O5uot-Yk

Sein bürgerlicher Tod ist bei der voraussichtlichen Einstellung des Verfahrens eingepreist, was LOStA Fröhlich nicht weiter kümmert. Der schon bekannte GStA Frank Lüttig hält die Hand über ihn, die grüne Justizministerin muß ihn decken, damit sie als Grüne nicht selbst unter Pädophilie-Verharmlosungsverdacht gerät, und die Medien interessiert der Rechtsstaat schlichtweg gar nicht, weil es ihnen auf ihrem falschen Trip allein darum geht, eine politische Seilschaft auszumachen, die Edathy gewarnt haben könnte. Dabei überhören sie geflissentlich, daß LOStA Fröhlich das mediale Gerücht, Edathy habe Festplatten zerstört, diskret widerlegt hat. Man habe Krümel gefunden, die man daraufhin untersuchen müsse, ob sie zu einer Festplatte gehört haben könnten. Ahja.

Der Diebstahl seines Laptops vom 31.1.2014: hochverdächtig. So geht das fort und fort in den Medien und bei ihren Leser-Kommentatoren, die ihr Unwert-Urteil längst gesprochen haben. Aber da alle genau wissen, daß strafrechtlich nichts zu machen ist, setzt sich die Verurteilung auf der moralischen Ebene fort: wer bei einem „Kinderporno-Ring“ bestellt, muß damit rechnen, daß die Kinder, die in harmlosen FKK-Filmen mitwirken, für härtere Produktionen mißbraucht werden.

Auch dieser Vorwurf geht an der Realität vorbei. Azovfilms war eine legale Plattform, die jahrelang unbehelligt existierte und florierte, bis die kanadischen Behörden entdeckten, daß der Betreiber Brian Way daneben auch eine anonyme Seite mit Kinderpornographie betrieb, persönlich eine riesige Menge an kinderpornographischem Material besaß und daß einige der auch über die legale Seite vertriebenen Filme sexuelle Handlungen zeigten.

Wie die legale Seite von Azovfilms tatsächlich aufgebaut war, läßt sich eher zufällig diesem Bericht entnehmen, in dem es um einen Polizeibeamten in Mecklenburg-Vorpommern geht, der im Zuge der Edathy-Berichterstattung als Kollateralschaden ebenfalls, wenn auch noch anonym, ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde:

Obwohl der Beamte nur auf der Liste derjenigen stand, die kein strafrechtlich relevantes Material bestellt hatten, leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein und ordnete eine Hausdurchsuchung an. Die Auswertung der sichergestellten Materialen – darunter Computer-Festplatten und Kontoauszüge – ergab zunächst nichts, was den Verdacht pädophiler Neigungen hätte erhärten können.

Auch die meisten der beim kanadischen Azov-Versand zwischen 2005 und 2008 bestellten Filme hatten mit Kinderpornografie oder Pädophilie angeblich nichts zu tun. Es seien Klassiker der Kinogeschichte darunter gewesen – und Filme, die auf internationalen und nationalen Festspielen gezeigt oder prämiert worden waren. Zwei Werke auf der Liste aber seien „nicht als künstlerisch zu bezeichnen“, wie es in Ermittlerkreisen heißt. Der Beamte soll ausgesagt haben, er habe diese Filme weder gesehen, noch bestellt.

Einstellung des Verfahrens gilt als wahrscheinlich

Auf den kanadischen Filmversand sei er demnach gestoßen, nachdem er in Internet-Suchmaschinen die Titel der ihn interessierenden Filme eingegeben habe. Nichts auf den dann aufgerufenen Webseiten sei ihm schmuddelig oder anderweitig verdächtig vorgekommen. In Justizkreisen gilt eine baldige Einstellung des Verfahrens, mangels hinreichenden Tatverdachts, als wahrscheinlich.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/edathy-affaere-polizist-aus-meck-pomm-auf-kinderporno-kundenliste-a-962095.html

Rechtswidrige Hausdurchsuchungen scheinen in Deutschland mithin üblich geworden zu sein. Das Landgericht Hannover hat am 1.4.2014 Edathys Beschwerde gegen den Durchsuchungsbeschluß verworfen.

http://www.n-tv.de/politik/Edathy-scheitert-mit-Beschwerde-article12606881.html

Ganz offensichtlich muß das BVerfG die seinerzeit von Verfassungsrichter a. D. Mellinghoff angestoßene Serie der Aufhebungen derartiger Durchsuchungsbeschlüsse dringend fortsetzen, wie zuletzt am 13.3.2014 geschehen.

http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20140313_2bvr097412.html

Denn es wachsen immer wieder neue Richtergenerationen heran, die dahingehend erzogen werden müssen, unsittliche Anträge der Staatsanwaltschaft nicht wegen Arbeitsüberlastung oder fehlender Distanz zur Staatsanwaltschaft mehr oder weniger prüfungslos durchzuwinken. Der Begriff „Richtervorbehalt“ hatte mal einen bedeutsamen Klang. Heute kommt einem eher eher die Assoziation von Schall und Rauch in den Sinn.

Wie immer in derlei moralisierender Skandalisierungsatmosphäre – niemand empört sich über ausgebeutete rumänische Bauarbeiter, selbst wenn ihnen der Lohn vorenthalten wird oder sie Opfer von Arbeitsunfällen werden, viele aber, wenn es um Kinder und deren Persönlichkeitsrechte geht, selbst wenn sie von ihren eigenen Eltern, der Globalisierung sei dank, verkauft werden – wird plötzlich eine strafrechtliche Regelungslücke entdeckt, die zu schließen sei. Daß in einem Rechtsstaat das Schwert des Strafrechts stets nur das letzte Mittel ist, um unliebsames Verhalten abzustellen, gerät in diesem Sog der öffentlichen Empörung unter die Räder. Ebenso die rechtsstaatliche Voraussetzung, daß es um rationale Strafzwecke gehen muß. Politiker sind offenbar, parteiübergreifend, Populisten und keine Rechtsstaatler. Zu der geplanten Strafvorschrift des Verbots eines kommerziellen Handels von FKK-Bildern und Filmen lasse ich daher eine Strafrechtlerin zu Wort kommen.

Der Fall Edathy

Schutzlos?

19.03.2014  ·  Nacktfotos von Kindern: Der Gesetzgeber sollte aus dem Fall Edathy keine vorschnellen Schlüsse ziehen.

Von Tatjana Hörnle

Welche kriminalpolitischen Forderungen sind aus den Diskussionen zu ziehen, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Sebastian Edathy entstanden? Für Verfahrensrecht und Medienethik drängt sich eine Folgerung auf: Presse und Justizbehörden sollten vor Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen (solange es Vermutungen, aber keine Nachweise gibt) auf keinen Fall die Namen von Beschuldigten nennen. Im Hinblick auf das materielle Strafrecht steht die Frage im Raum, ob es bei Straftatbeständen Änderungsbedarf gibt. In Meinungsäußerungen war oft zu lesen und zu hören, dass die Strafnormen gegen Kinderpornographie erweitert werden sollten. Der Bundesjustizminister hat umgehend auf öffentliche Empörung reagiert, indem er einen Gesetzentwurf ankündigte, der den gewerbsmäßigen Handel mit Bildern, die Kinder nackt zeigen, unter Strafe stellen soll. Die Schnelligkeit solcher Reaktionen ist politisch nachvollziehbar. Sie ist aber auch Anlass für Warnungen: Der Qualität eines Rechtssystems ist es nicht zuträglich, wenn Kriminalpolitik vorwiegend oder gar ausschließlich in reaktiver Weise am Tagesaktuellen ausgerichtet wird. Zu bedenken ist, dass es in hohem Maße zufallsabhängig ist, auf welchen Einzelfall sich der Scheinwerfer der öffentlichen Aufmerksamkeit gerade richtet.

Nacktaufnahmen von Kindern sind keine Kinderpornographie. Kennzeichen pornographischer Schriften ist, dass diese sexuelle Handlungen zeigen (so § 184b Abs. 1 StGB) – die Betonung liegt auf Handlungen. Die Porträtaufnahme eines nackten Körpers oder die Aufnahme von unbekleideten Kindern am Strand, beim Spielen und so weiter ist keine pornographische Schrift.

[…]

http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/nacktfotos-von-kindern-12854284.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Kehren wir zurück nach Bayern, wo der Fall Cornelius Gurlitt langsam aber sicher die Absurdität offenbart, die ihn gebar. Bei einer Zugfahrt von Zürich nach München wird im September 2010 ein älterer Herr kontrolliert, der sich mit seinem österreichischen Paß (Wohnsitz Salzburg) ausweist und erklärt, daß er nichts anzumelden habe. Da er einen nervösen Eindruck macht, wird er durchsucht (im Umgang mit Zollbeamten sei also eine gewisse Chuzpe empfohlen), man findet 9.000,- Euro, die tatsächlich unterhalb der meldepflichtigen Grenze liegen. Gurlitt teilt mit:

Das Geld stamme von Bilderverkäufen, die sein Vater während der NS-Zeit mit dem Berner Auktionshaus Kornfeld getätigt habe.

[FOCUS 14/2014, 31.3.2014, S. 45]

Jetzt nehmen wir mal dem FOCUS, der in aller Selbstverständlichkeit, Steuergeheimnis hin, Steuergeheimnis her, strafbare Durchstechereien im Interesse der Strafverfolgungsbehörden an die Presse sind mittlerweile an der Tagesordnung, in demselben Artikel behauptet, „FOCUS konnte erstmals die wichtigsten Ermittlungsakten einsehen“, ab, daß er jene Akten auch lesen kann und daß die zitierte Wiedergabe zutreffend ist. Mit dieser Erklärung Gurlitts gegenüber den Zollbeamten hätte die Sache erledigt sein können, wenn nicht müssen.

Genau an dieser Stelle gibt es ein missing link. War bereits die Kontrolle kein zufälliges Ereignis? Was genau animierte die Zollbeamten, nach diesem banalen Ereignis in Vorermittlungen einzutreten? Ein naheliegender Verdacht wäre die Vermutung eines schweizerischen Schwarzgeldkontos gewesen, dessen Kapitalerträge nicht versteuert werden. Zur Verfolgung dieses Vorwurfs wäre aber weder der Zoll noch die Staatsanwaltschaft Augsburg zuständig gewesen, sondern die für den Wohnsitz des Steuerpflichtigen zuständige Staatsanwaltschaft. Nun war Cornelius Gurlitt in München zwar nicht gemeldet, bezahlte dort aber, was leicht zu überprüfen war, die Grundsteuer für seine dort gelegene Eigentumswohnung. Sonstige leicht zu ermittelnde Datenspuren – Krankenkasse, Rentenversicherung, Steuernummer – hatte er nicht hinterlassen. Völlig unbekannt war zudem, ob der ältere Herr mit zwei Staatsbürgerschaften und angemeldetem Wohnsitz in Salzburg überhaupt in Deutschland einkommensteuerpflichtig war.

Offenbar stieß man im Internet auf seinen Vater Hildebrand Gurlitt, den schillernden Kunsthändler, und ließ der Phantasie auf der Suche nach einem zuständigkeitsbegründendem Delikt freien Lauf. Denn schon im Dezember 2010 kam es zu einem aufschlußreichen Rechtshilfeersuchen an die Schweiz.

In einem Rechtshilfe-Antrag an die Schweiz vom 17. Dezember 2010 äußerten deutsche Ermittler den Verdacht, Gurlitt verfüge in der Schweiz über weitere Vermögenswerte. Es könnten sich rechtswidrig entzogene Kunst- und Kulturgüter in seinem Besitz befinden. Gurlitt bestreite seinen Lebensunterhalt, so vermuteten die Fahnder, zum großen Teil mit Geld, das er aus der Schweiz hole, oder mit „aktuell durchgeführten Verkäufen von Kunstgegenständen in der Schweiz und in Deutschland“. Die Fahnder gehen davon aus, dass Gurlitt „sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart Kunstgegenstände, die in der Schweiz lagerten bzw. lagern, entgegen zoll- und steuerrechtlichen Vorschriften aus der Schweiz einführte oder einführen ließ, um diese dann innerhalb der Europäischen Gemeinschaft zu verkaufen.“

[wie vor, S. 45f.]

Diese Konstruktion wies den zusätzlichen Charme auf, daß die Schweiz, anders als bei bloßer Steuerverkürzung, Rechtshilfe leistet. Insoweit gleichen sich die Fälle Edathy und Gurlitt: ein Anfangsverdacht ist schnell gezimmert, man muß lediglich über kriminalistische Erfahrung, unbekümmerte Vermutungsfähigkeit und ansprechende Formulierungskunst („ist davon auszugehen“) verfügen. Die Staatsanwaltschaft Augsburg, die dieses Verfahren am 20.5.2011 übernahm, gebietet idealerweise auch über die entgegengesetzten Fähigkeiten, die es erlauben, auf die wohlbegründete Strafanzeige Gustl Mollaths wegen Freiheitsberaubung gegen einen Amtsrichter und einen Psychiater in Augen-zu-und-durch-Manier einen Anfangsverdacht abzulehnen. So bleibt sie stets „Herrin des Verfahrens“.

http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Einstellungsverfuegung-Augsburg-2013-02-26.pdf

Bezeichnenderweise teilt der FOCUS nicht mit, was denn aus diesem uralten Rechtshilfebegehren geworden ist. Kein Wunder, lautet doch der reißerische Titel des Artikels von Krischer/Röll/Spilcker:

Schatz in der Schweiz?

Im Fall Gurlitt wissen die Fahnder von Schließfächern in Zürich. Dort vermuten sie neben Geldvermögen ein Versteck für weitere Kunstwerke

[wie vor, S. 44]

Gurlitts PR-Mann – ja, so etwas braucht ein an die Öffentlichkeit gezerrter „Beschuldigter“, der von der Presse der Presse zum Fraß vorgeworfen wird – Stephan Holzinger winkt per Twitter müde ab:

@promi24 Nein. Kalter Kaffee. Längst von CH-Behörden geprüft. Es gab solche Fächer, aber sie enthielten weder Geld noch Bilder #Gurlitt
Stephan Holzinger (@Holzinger_Assoc) March 30, 2014

Seit dem 4.11.2013 überlagert das vom FOCUS ausgelöste internationale mediale Treiben um den „Nazi-Schatz“ das eigentliche Ermittlungsverfahren, das seit zwei Jahren auf der Stelle zu treten scheint. Warum sollte jemand, der in der EU, nämlich in Österreich und in Deutschland, über umfangreiche Kunstsammlungen verfügt, nun ausgerechnet aus der Schweiz Waren zum Verkauf einführen? Wie kommt die Staatsanwaltschaft auf die eher fernliegende Idee, Cornelius Gurlitt sei ein gewerblicher Kunsthändler, der daher in Deutschland, tatsächlicher Lebensmittelpunkt erst seit 2011, einkommensteuerpflichtig sei? Welche zivilrechtlichen Subsumtionen mögen zu dem nachträglichen Vorwurf von noch zu konkretisierenden Unterschlagungen geführt haben, der die Auftragsvergabe von Provenienzforschung begründete?

c) Unterschlagung

Die Staatsanwaltschaft geht ferner für einzelne Kunstwerke von dem Vorwurf der Unterschlagung (§ 246 StGB) aus. Dem liegt die Annahme zugrunde, bereits der Vater von Cornelius Gurlitt, Dr. Hildebrandt Gurlitt, habe beim Erwerb der Kunstwerke in der NS-Zeit aus Rechtsgründen nicht wirksam Eigentum daran erlangt. Deshalb habe Cornelius Gurlitt auf dem Wege der Erbfolge ebenfalls kein wirksames Eigentum daran erlangen können, weshalb es sich für ihn rechtlich um fremde Gegenstände handele. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Herr Gurlitt sich dieser Umstände auch bewusst war. Die eigentliche Unterschlagungshandlung sieht die Staatsanwaltschaften in dem Angebot dieser Bilder zum Verkauf an ein Auktionshaus. Herr Gurlitt bestreitet diesen Vorwurf; auch die Verteidigung hält ihn für unbegründet.

http://www.gurlitt.info/de/strafrecht.html

Wie im Fall Edathy überlagert die moralische Frage, wie mit Raubkunst umzugehen sei, wenn es keine Rechtsansprüche auf Herausgabe mehr gibt, die rechtliche, wie in einem Rechtsstaat mit Anfangsverdacht, Beschlagnahme, Ermittlungen und deren Öffentlichmachung umzugehen ist. Während der Staatsanwaltschaft Hannover zu Unrecht vorgeworfen wird, sie habe den Anfangsverdacht um drei Monate zu spät gefaßt (tatsächlich hätte sie ihn ablehnen müssen), wird der Staatsanwaltschaft Augsburg fälschlicherweise zur Last gelegt, sie hätte die Provenienzforschung offensiver und öffentlich betreiben sollen (dabei hätte sie die Bilder gar nicht erst sicherstellen dürfen). Und selbstverständlich tut sich auch im Fall Gurlitt eine Regelungslücke auf, die Bayerns Justizminister Prof. Bausback mit einem hastig zusammengeschusterten Gesetzesentwurf schließen wollte: dieser hätte nicht nur das gesamte BGB umgekrempelt, denn um Kulturgut-Rückgewährung ging es nur in der Gesetzesüberschrift, sondern auch im konkreten Fall Gurlitt nichts genutzt. Der Entwurf ist am 14.3.2014 kurzerhand vom Bundesrat versenkt worden und lebt als unverbindliche Prüfempfehlung an die Bundesregierung unter Beteuerung hehrer und weniger hehrer Absichten fort. Denn nun reihen sich auch die öffentlichen Museen unter die NS-Opfer ein und begehren die ihnen vom Nazi-Staat „geraubte“ „entartete Kunst“ zurück.

http://www.justiz.bayern.de/media/pdf/gesetze/kulturgut_rs.pdf

http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2014/0001-0100/94-14%28B%29.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Es blieb dem Betreuer des überforderten und herzkranken Cornelius Gurlitt vorbehalten, ein schlagkräftiges Team von Anwälten und einem PR-Fachmann zu bilden, das die amorphe Struktur des öffentlichen Diskurses kanalisierte und die ruinierte Reputation und Existenz des Mandanten, der bestensfalls als „Sonderling“ und „komischer Kauz“, schlimmstenfalls als „Messie“ und „Hüter des Nazi-Schatzes“ durch den Blätterwald getrieben wurde, wiederherstellte. Zweigleisigkeit, Trennung und Transparenz kennzeichnen das Konzept.

Pressemitteilung

Beschwerde gegen Beschlagnahmebeschluss des Augsburger Amtsgerichts eingereicht – Cornelius Gurlitt weiterhin dialogbereit und sich seiner moralischen Verantwortung bewusst

München, 19.02.2014. Die Strafverteidiger von Cornelius Gurlitt, Professor Dr. Tido Park und Derek Setz, haben am 14.02.2014 beim Amtsgericht Augsburg auf Grundlage des Paragrafen 304 Strafprozessordnung (StPO) Beschwerde gegen den Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss des Amtsgerichts Augsburg vom 23.09.2011 (Az. 61 Gs 5213/11) eingelegt.

Mit dieser Beschwerde ist der Antrag verbunden, den damals ergangenen Beschluss und die auf seiner Grundlage erfolgte Beschlagnahme aufzuheben.

„Herr Gurlitt und ebenso seine Verteidigung sind sich der moralischen Dimension dieses Falls durchaus bewusst. Das Strafverfahren ist jedoch nicht der richtige Ort für moralische Kategorien“ betont Tido Park. Sein Kollege Derek Setz ergänzt: „Wir haben vor dem Hintergrund des immensen öffentlichen Interesses und der politischen Debatten eine begründete Sorge um die Rechtsstaatlichkeit dieses Verfahrens.“

Die Beschlagnahmeanordnung war mit dem Verdacht der Einfuhrumsatzsteuerhinterziehung begründet worden, der aus Sicht der Verteidigung nicht gerechtfertigt ist.

Die ausführlich begründete, 45 Seiten umfassende Beschwerde stützt sich unter anderem auf formelle Mängel des damaligen Gerichtsbeschlusses und die mangelnde Verdachtsgrundlage. Des Weiteren wird bemängelt, dass eine Beweisrelevanz der beschlagnahmten Bilder für den Vorwurf der Einfuhrumsatzsteuerhinterziehung nicht ersichtlich ist und die Beschlagnahme der gesamten Sammlung gegen das Verhältnismäßigkeitsprinzip verstößt. Dies wiegt nach Ansicht der Verteidigung besonders schwer.

Cornelius Gurlitt weiterhin dialogbereit und sich seiner moralischen Verantwortung bewusst

Obwohl Cornelius Gurlitt selbst in keiner Weise an möglicherweise fragwürdigen Erwerbsvorgängen beteiligt war, empfindet er eine starke moralische Verantwortung. Er strebt deshalb nach wie vor freiwillig und in eigener Verantwortung einvernehmliche Lösungen mit privaten Anspruchstellern bei Kunstgegenständen an, deren Herkunft möglicherweise problematisch ist.

„Gleichwohl ist die gerichtliche Feststellung der Rechtswidrigkeit der Beschlagnahme des Schwabinger Teils seiner Sammlung für Cornelius Gurlitt insbesondere deshalb von besonderer Bedeutung, weil in einem Strafverfahren Recht und Moral strikt zu trennen sind und ein Strafverfahren auch nicht dazu zweckentfremdet werden darf, Restitutionsansprüche zu klären“ erläutert Tido Park.

http://www.gurlitt.info/de/pressemitteilungen/pressemitteilung-19-02-2014.html

Mit der Beschwerde gegen einen dürren zweiseitigen Beschluß des Amtsgerichts Augsburg – in der SÜDDEUTSCHEN vom 27.3.2014, S. 3, wird sie von den Autoren Leyendecker, Mascolo und Häntzschel als „kleines Kunstwerk dieser juristischen Sparte“ bezeichnet und eingeschätzt, „sie könnte selbst Bundesrichtern etwas abverlangen“ – soll Klarheit in strafrechtlicher Hinsicht erreicht werden. Mit der bevorstehenden Rückgabe des wertvollen Matisse-Gemäldes „Die Sitzende“ an die Erbinnen des beraubten Kunsthändlers Paul Rosenberg ein Zeichen des guten Willens gesetzt werden:

Beitrag vom 27.03.2014

Gurlitt Ein möglicherweise beispielhafter Schritt

Von Stefan Koldehoff

In Salzburg sind wieder neue Bilder der Sammlung von Cornelius Gurlitt gefunden worden. Er hat angekündigt, alle Werke auf ihre Herkunft hin untersuchen zu lassen und sie ihren legitimen Besitzern zurückzugeben. Das könnte Vorbild für private und öffentliche Besitzer von NS-Raubkunst sein, sich dem anzuschließen, kommentiert Stefan Koldehoff im Deutschlandfunk.

[…]

Während bei der Staatsanwaltschaft und bei den kunsthistorischen Erfüllungsgehilfen der eigens eingerichteten „Taskforce“ seit Monaten Funkstille herrscht, werden Cornelius Gurlitt und seine Anwälte nun aktiv: Sie kündigen die Rückgabe eines ersten Bildes von Matisse an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Paul Rosenberg an. Weitere sollen folgen: Man sei sich der historischen und moralischen Verpflichtung bewusst, heißt es. Und Gurlitt will alle in Salzburg gefundenen Bilder auf deren Herkunft hin untersuchen – und jene ebenfalls restituieren, die auch zwischen ’33 und ’45 ihren legitimen Besitzern abgepresst oder gestohlen wurden. Sollten sie diese Ankündigungen tatsächlich umsetzen, wäre damit ein Beispiel gegeben, dem sich viele private und öffentliche Besitzer von NS-Raubkunst anschließen sollten.

http://www.deutschlandfunk.de/gurlitt-ein-moeglicherweise-beispielhafter-schritt.720.de.html?dram:article_id=281375

Zum Transparenz-Angebot gehört es auch, ausgewählten Journalisten, sogar einer heftigen Kritikerin wie Ira Mazzoni, einen Blick auf die in einem gesicherten Depot in Österreich lagernden Bilder aus dem Salzburger Haus werfen zu lassen:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/fall-gurlitt-gefangene-der-geschichte-1.1922658

Mittlerweile bietet glücklicherweise die Justiz in zweiter Instanz Schutz vor den gewohnheitsmäßigen Verletzern der Privatsphäre von der BILD-Zeitung, die sich hier als Doppel-Agentin für mögliche Anspruchsteller einerseits, als Auflagen-Optimiererin andererseits inszenieren wollte:

München, 28. März 2014

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof

– Pressemitteilung –

Schwabinger Kunstfund: kein Auskunftsanspruch der Presse

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hat mit Beschluss vom 27. März 2014 einen presserechtlichen Auskunftsanspruch abgelehnt, mit dem der Freistaat Bayern im gerichtlichen Eilverfahren zur Auskunft über alle im Zusammenhang mit dem Schwabinger Kunstfund beschlagnahmten Kunstwerke verpflichtet werden sollte.

Ein Journalist einer deutschen Tageszeitung begehrte vom Freistaat Bayern im Wege des vorläufigen Rechtsschutzes Auskunft über alle in der Münchener Wohnung eines Kunstsammlers aufgefundenen und beschlagnahmten Kunstwerke und zu den bisherigen Bemühungen des Freistaats Bayern um Aufklärung der Eigentumsverhältnisse an diesen Werken. Vor dem Verwaltungsgericht Augsburg hatte der Journalist im Wesentlichen Erfolg (vgl. Pressemitteilung des VG Augsburg vom 31.1.2014, http://www.vgh.bayern.de/vgaugsburg/oeffentl/pm/index.php).

Der BayVGH hat auf die Beschwerden des Freistaats Bayern und des Kunstsammlers die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Augsburg abgeändert und den Antrag abgelehnt.

[…]

Die Entscheidung des BayVGH ist unanfechtbar.

(Bayer. Verwaltungsgerichtshof, Beschluss vom 27.3.2014, Az. 7 CE 14.253)

http://www.vgh.bayern.de/media/bayvgh/presse/pm_2014-03-28.pdf

Hier der aufgehobene Beschluss der Vorinstanz vom 29.1.2014:

http://openjur.de/u/680756.html

Wieviel finanzieller Aufwand erforderlich war und ist, um sich gegen den Freistaat Bayern, die Bundesregierung und die Medien zur Wehr setzen zu können, kann man sich vorstellen. Den ersetzt niemand – wehe dem, der in ein solches Räderwerk gerät…

Wenigstens in der Presse kann man einen wind of change feststellen:

Bild-Rückgabe im Fall Gurlitt

Später Sieg über die Nazis

31.3.2014 15:40 Uhrvon Bernhard Schulz

 

Je ferner die Nazizeit rückt – desto lieber debattieren wir über den Umgang mit ihr. Im Fall Gurlitt läuft dabei allerdings einiges schief.

[…]

Hinsichtlich der Rückgabe von NS-geraubtem Kulturgut hat sich eine eigenartige Dynamik entwickelt. Jede Herausgabe, bildsprachlich als „Rückgabe“ verbrämt, wird insgeheim als später Sieg über Hitler gefeiert. Damit gerät die historische Perspektive in Schieflage. Denn wie viele Bilder auch restituiert werden mögen – sie bleiben die Spitze eines Eisbergs. Des Eisbergs der untilgbaren Tatsache, dass es dieses NS-Regime gegeben hat, mit allen Taten und Untaten.

Die Treibjagd auf Einzelne mindert daran kein Jota. Die Brandmarkung eines Gurlitt entlastet nichts und niemanden. Und der Rechtsstaat mit all seinen, bisweilen als störend empfundenen Schutzrechten ist eine zu kostbare Errungenschaft, um ihn für Stellvertretersiege einer wohlfeilen Moralität zu beschädigen.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/bild-rueckgabe-im-fall-gurlitt-spaeter-sieg-ueber-die-nazis/9690064.html

Im Windschatten dieser spektakulären Fälle ereignete sich eher unbeachtet ein weiteres bayerisches Justiz-Debakel in Sachen Gustl Mollath. Man ist es zwar schon gewohnt, daß dort unheimliche Mächte und Kräfte am Werk sind, die eine Einsicht in eigene Fehler verhindern. Aber daß das Oberlandesgericht Bamberg einen klaren Auftrag des Bundesverfassungsgerichts glatt unterlaufen würde, hätte ich mir dann doch nicht träumen lassen. Selbst die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg hatte beantragt, den vom BVerfG als verfassungswidrig gerügten Fortdauerbeschluß des Landgerichts Bayreuth von Juni 2011 aufzuheben, den das OLG seinerzeit mit ebenfalls als verfassungswidrig gerügtem routinierten Bestätigungsbeschluß gehalten hatte. Letzterer war durch das BVerfG aufgehoben worden.

Nun war das OLG zu neuer Sachentscheidung berufen, die es allerdings glatt verweigerte. Ein entsprechendes Rechtsschutzinteresse des rechtswidrig seit 2011 der Freiheit Beraubten bestünde nicht, behauptete das OLG keck, es reiche aus, die damalige Beschwerde gegen den verfassungswidrigen Beschluß des Landgerichts Bayreuth schlicht für erledigt zu erklären. Denn der (rechts- und verfassungswidrige) mit der Beschwerde angegriffene Beschluß des Landgerichts Bayreuth von Juni 2011 sei gegenstandlos, seitdem Gustl Mollath wegen der Anordnung der Wiederaufnahme am 6.8.2013 entlassen worden sei.

Das BVerfG hatte indes am 26.8.2013 wegen des Rehabilitierungsinteresses von Mollath in der Sache entschieden, obwohl er bereits zu diesem Zeitpunkt aus anderen Gründen bereits freigekommen war.

Angesichts dieser Halsstarrigkeit bleibt einem die Spucke weg. Rechtsanwalt Strate glücklicherweise nicht.

http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-OLG-Bamberg-Beschluss-2014-03-24.pdf

http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-OLG-Bamberg-2014-03-27.pdf

Aber es hilft nichts: gegen eine solche hartleibige Justiz hilft nur ein neuer Geschäftsverteilungsplan beim Oberlandesgericht und, erneut, das Bundesverfassungsgericht. Rechtsstaat muß immer wieder neu erkämpft werden, ganz besonders in Bayern.

Alle diese Verfahren erschüttern das Vertrauen in die Justiz.

Hinzu kommt: die Aufarbeitung des nächsten bayerischen Polizei- und Justizskandals, die erneute Hauptverhandlung im Fall „Peggy“ im Wiederaufnahmeverfahren von Ulvi Kulac ab dem 10.4.2014, steht vor der Tür – und sie wirft ihre unguten Schatten bereits voraus.