Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (2)

MH 17 Titelfoto

Fortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/09/28/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-1/

Wenn es die Rebellen waren, die mittels einer Buk-Abschußrampe das Flugzeug von Malaysia Airlines abgeschossen haben, dann müßten sie logischerweise im Besitz einer solchen Flugabwehrwaffe gewesen sein.

Tatsächlich waren sie das. Am 29.6.2014 „eroberten“ die Rebellen (offensichtlich relativ kampflos) das Hauptquartier der Luftabwehrbasis A 1402 in Donezk, wobei ihnen auch mindestens eine Buk-Abschußrampe in die Hände fiel.

http://en.itar-tass.com/world/738262

Die Kiewer Regierung bestätigte diese Meldung am 30.6.2014, versicherte aber, daß das erbeutete Gerät nicht funktionstüchtig gewesen sei.

Militiamen seize military base in Donetsk – official

KYIV. June 30 (Interfax) – No one was hurt during a takeover of a Ukrainian air defense base in Donetsk, said Andriy Lysenko, a spokesman for the Ukrainian National Security and Defense Council.

„There have been reports that the base in Donetsk has been occupied, the personnel were not injured. Following the commander’s decision, all equipment was disabled and is not working only the territory was left to militants,“ Lysenko said at a briefing in Kyiv on Monday, adding that „militants have occupied the headquarters of the air defense base.“

[…]

„An attack on an air defense base took place this morning. Grenade and mortar launchers were used. The attack was well planned,“ Ukrainian security operation press officer Alexei Dmitrashkovsky was quoted as saying by the Ukrainska Pravda newspaper.

[…]

The militiamen seized two trucks, he said. He also confirmed that the base No. A1402 has a Buk air defense missile system. „But it is not operational. The operational ones are currently at other strategic facilities,“ the press officer added.

http://www.interfax.com/newsinf.asp?id=517080

Da der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat durch seinen Sprecher Andrej Lysenko allerdings kaum weniger Unwahrheiten verbreitet als der ukrainische Geheimdienst SBU, (Desinformation scheint mir generell die einzige Stärke von Geheimdiensten zu sein), könnte man den Wahrheitsgehalt dieser Verlautbarungen anzweifeln. Wenn es nicht die Rebellen selbst gewesen wären, die ihn, vermutlich unbeabsichtigt, bestätigt zu haben scheinen. Denn in einem Tweet von „dnrpress“ vom 29.6.2014 wurde die Einnahme dieses ukrainischen Luftabwehr-Stützpunktes (ohne nähere Details) sogleich verbreitet, dazu aber das Foto einer Buk-Abschußrampe mit vier Raketen gezeigt:

Tweet DPR 29.6.2014Dort ist ein roter Übungsgefechtskopf der ersten Rakete zu erkennen: funktionsfähige Gefechtsköpfe sind weiß. Das Foto wurde später entfernt und eine Nachfrage, ob dort auch Buks erbeutet wurden, nicht beantwortet:

https://twitter.com/dnrpress/status/483237900252098560

Vielleicht wurde das Foto aber auch deshalb entfernt, weil es sich nicht um ein Foto handelte, das am 29.6.2014 auf diesem Stützpunkt aufgenommen worden war. Es war vielmehr bereits im Januar 2011 auf V-Kontakte, dem russischen Facebook, veröffentlicht und von „dnrpress“ schlicht geklaut worden:

http://vk.com/photo-22680516_205618114

So viel zu den allseitigen Lügen in Zeiten des Krieges. Journalisten, die unüberprüft die Lügen der einen Seite übernehmen, verfehlen ihren Job. Man sollte sich beide Seiten anhören und dann abwägen.

Derartige Plausibilitätserwägungen führen allerdings zu dem Schluß, daß das oder die erbeuteten Buk-Systeme nicht funktionstüchtig waren, ansonsten wäre der Luftraum über dem Kriegsgebiet gesperrt worden, wie die nachfolgenden zusammenhängenden Ereignisse zeigen. Selbst der BND, dessen Einschätzungen mir eigentlich gleichgültig sind, weil ein Geheimdienst keine Ermittlungsbehörde ist, schließt eine am 29.6.2014 erbeutete Buk als „Tatwaffe“ aus:

Florian Rötzer am 21.10.2014 über Erkenntnisse von Hans Leyendecker [Hervorhebungen von mir]:

Der BND gehe hingegen wie andere Geheimdienste davon aus, dass Separatisten das Luftabwehrraketensystem erbeutet und dann vermutlich versehentlich die Passagiermaschine abgeschossen hätten. Für die russische Version, dass die Maschine von einem ukrainischen Kampfflugzeug zum Absturz gebracht wurde, gebe es keine Indizien. Schindler habe aber dem Gremium klar gemacht, dass es keine Beweise für eine Version gebe, so dass die Annahme, die Separatisten seien verantwortlich, nur die wahrscheinlichste sei. Dass die Separatisten einige Tage vor dem Abschuss ein Fahrzeug mit dem Buk-System erbeutet haben, gehe aus Fotos hervor. Da eigentlich eine Buk-M1-Batterie aus mindestens drei Fahrzeugen bestehe – neben dem angeblich erbeuteten Start- und Transportfahrzeug ein Kommando- und ein Radarfahrzeug – sei es „ein schrecklicher Zufall“, dass die Maschine getroffen worden sei, so Schindler.

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43114/1.html

Die sich zuspitzenden Ereignisse beginnen am Sonntag, dem 13.7.2014.

An diesem Tag gab es nicht nur zahlreiche Luftangriffe der Kiewer „ATO“ auf Ziele in der Ostukraine, sondern es schlugen auch vom ukrainischen Territorium abgeschossene Granaten im russischen Ort Donezk ein, die einen Mann töteten und zwei Frauen verletzten. Es war zwar nicht das erste Mal, daß beim Kampf um Grenzkontroll-Posten Geschosse aus der Ukraine in Rußland einschlugen: es war aber das erste russische Todesopfer, das bei einem solchen Vorfall zu beklagen war.

Granaten fliegen nach Russland

Grenzzwischenfall verschärft Ukraine-Krise

Auf russischem Boden ist ein Russe von einer ukrainischen Granate getötet worden. Moskau droht mit „unwiderruflichen“ Konsequenzen.

13.07.2014

[…]

Kiew: Haben „Epizentrum“ der Rebellen getroffen

Mit einer Serie von Luftangriffen im Osten des Landes hatte die Regierung der Ukraine die Lage am Samstag abermals verschärft. Nach Militärangaben wurden dabei etwa tausend Separatisten getötet. Kampfjets hätten das „Epizentrum“ der Rebellen nahe der Grenze zu Russland getroffen, sagte ein Militärsprecher am Samstag. Insgesamt seien 16 Kampfeinsätze geflogen worden, um Stellungen der Rebellen zu bombardieren. Die Separatisten dementierten auch diese Darstellung. Sie hätten keine großen Verluste erlitten, teilten sie mit.

Die Tötung von tausend Rebellen wäre mit Abstand die höchste Totenzahl im bisherigen Verlauf des Ukraine-Konflikts. Auch von Seiten der internationalen Gemeinschaft wurde auf die extrem hohe Opferzahl offenbar nicht ernstgenommen, denn es blieb jegliche Reaktion aus.

http://www.faz.net/aktuell/politik/granaten-fliegen-nach-russland-grenzzwischenfall-verschaerft-ukraine-krise-13043084.html

Natürlich hat die „internationale Gemeinschaft“ nach den zahlreichen Propagandalügen Lysenkos, der mich an „Comical Ali“ unter Saddam erinnert, gelernt, sich von dessen Übertreibungen zu distanzieren. Hier die russische Darstellung des tödlichen Angriffs, in der auch die früheren Verletzungen seines Territoriums aufgelistet werden:

http://rt.com/news/172404-russian-donetsk-shelled-victims/

Manche Medien neigten dennoch zur Dramatisierung:

Kreml erwägt „punktuelle Antwortschläge“

Nach dem Tod eines Russen durch die Explosion einer Granate, die von ukrainischer Seite auf russisches Territorium abgefeuert worden sein soll, erwägt Moskau „punktuelle Antwortschläge“ gegen das Nachbarland. Diese Möglichkeit werde geprüft, zitierte die Zeitung „Kommersant“ am Montag eine „dem Kreml nahestehende Quelle“. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin wies den Bericht jedoch als „Quatsch“ zurück und sagte, Russland erwäge keine „Schläge“ gegen die Ukraine.

Schon am Sonntag hatte das russische Außenministerium Kiew mit „unumkehrbaren Folgen“ gedroht, für welche  die „ukrainische Seite“ die Verantwortung trage. Am Sonntagmorgen war ein  Bewohner der russischen Grenzstadt Donezk – sie heißt wie die benachbarte ukrainische Millionenstadt – durch eine Granate getötet worden, die im Hof seines Wohnhauses explodiert war. Durch eine weitere Granate wurden zwei Frauen in der Nachbarschaft verletzt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-konflikt-separatisten-schiessen-militaerflugzeug-ab-13044720.html

Dieser Vorfall vom 13.7.2014 verschärfte die Spannungen, erhöhte die Sorge der ukrainischen Regierung vor einem russischen Gegenschlag (was die von russischer Seite behauptete ukrainische Buk-Gefechtsübung am 17.7.2014 begründen könnte) und erklärt das ersichtliche Bedürfnis Kiews, nun seinerseits Rußland der aktiven Teilnahme an dem Krieg zwischen Kiew und den Rebellen zu beschuldigen.

Schon am nächsten Tag, Montag, dem 14.7.2014, war es soweit.

Separatisten schießen Militärflugzeug ab

Im Osten der Ukraine eskaliert die Lage weiter: Eine ukrainische Militärmaschine wurde von einer Rakete abgeschossen. Die Regierung in Kiew behauptet, sie wurde von russischem Territorium aus abgefeuert.

14.07.2014

Ein ukrainisches Militärflugzeug ist nach Angaben der Regierung am Montag in der Ostukraine abgeschossen worden. Das Transportflugzeug sei von einer Rakete getroffen worden, die „wahrscheinlich“ von russischen Territorium aus abgeschossen worden sei, teilte das Verteidigungsministerium auf der Internetseite des Präsidialamtes mit.

Zuvor hatten die Separatisten schon bekannt gegeben ein Militärflugzeug abgeschossen zu haben. Vor dem Aufprall der Transportmaschine auf dem Boden seien drei Fallschirme am Himmel gesichtet worden, das Gebiet werde nun nach Überlebenden abgesucht, erklärten die Separatisten am Montag. Davor hatte die ukrainische Armee ein Flugzeug vom Typ AN-26 als vermisst gemeldet, das bis zu 20 Menschen an Bord nehmen kann.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-konflikt-separatisten-schiessen-militaerflugzeug-ab-13044720.html

Andererseits wurde behauptet, die Rebellen hätten das Transportflugzeug AN-26 in einer Höhe von 6,5 km abgeschossen, so daß davon auszugehen sei, daß sie über professionelle Luftabwehr-Technik verfügten, die über die 3,5 km-Reichweite einer schultergestützten Flak („manpad“) weit hinausgehe.

Ukraine: “Latest AN-26 downing more advanced”

AIRheads/MB 2014/07/15

UPDATE 17 JULY 2014 (CASAULTY NUMBERS) | The Ukrainian Air Force Antonov AN-26 that crashed on Monday 14 July was downed by a more powerful rocket than previously fielded by pro-Russian separatists, the Ukrainian Ministry of Defence claims.

According to a press release the transport aircraft was cruising at more than 21,000 feet, which should normally make it out of reach of most small arms and simpler shoulder-launched surface-to-air missiles (MANPADS) used successfully by the separatist forces in the east of Ukraine. Some Ukrainian sources even blame the Russian military to have fired the “more advanced” missile from Russian territory. If true, that would mean the first direct fire from the Russian military in the conflict in eastern Ukraine.

However, a Russian general denies that any of the Russian air defence systems fired accidentally (automatically) or on on purpose at the Ukrainian transport plane. Amongst the speculations about the missile: it could have been shot with the latest version of the Russian-made SA-24, with the relatively slow-moving AN-26 maybe just in reach of this MANPADS effective range.

[…]

http://airheadsfly.com/2014/07/15/ukraine-latest-an-26-downing-more-advanced/

Diese letzte Version wurde sogar von Außenminister Pawlo Klimkin in geneigten westlichen Medien verbreitet und verschärft. In einem vermutlich am Dienstag, den 15.7.2014, von Alice Bota für die ZEIT als hilfreiche Stichwortgeberin geführten Interview behauptete er Folgendes:

„Deutschland ist für uns da“

Ein Gespräch mit dem ukrainischen Außenminister Pawlo Klimkin über den Krieg in seinem Land, Russlands Beteiligung daran und das Nichtstun der EU Interview: Alice Bota

DIE ZEIT Nº 30/2014   17. Juli 2014  08:00 Uhr

[…]

ZEIT: Täglich sterben Menschen, auf beiden Seiten rollen Panzer, am Montag wurde ein ukrainisches Flugzeug aus über 6.000 Metern Höhe abgeschossen. Warum scheuen Sie das Wort Krieg?

Klimkin: Ich scheue nichts, aber wir pflegen eine alte Vorstellung von Krieg. Es gab immer zwei oder mehrere Seiten, die einander bekämpft haben. Jetzt erleben wir etwas anderes. Es gibt keine Truppen, die gegeneinander kämpfen. Wir sehen aber einen klaren Einfluss von Russland auf die Separatisten. Fast alle Separatisten sind Russen mit Verbindungen zu russischen Spezialeinheiten.

ZEIT: Sind auch russische Soldaten beteiligt?

Klimkin: Die Separatisten haben Panzer und Raketenabwehrsysteme. Man kann eine Kalaschnikow auf dem Schwarzmarkt kaufen …

ZEIT: … aber Raketenabwehrsysteme nicht. Haben Sie Beweise, dass es Waffen aus Russland sind?

Klimkin: Absolut. Bei manchen können wir die Herkunft genau nachverfolgen. Und ein Flugzeug aus 6.200 Metern Höhe abzuschießen – das ist für einen Separatisten mit einer normalen Luftabwehrrakete unmöglich.

http://www.zeit.de/2014/30/pawlo-klimkin-ukraine-aussenminister

Es bleibt hinzuzufügen, daß in der Print-Version dieses Interviews auf S. 5 ein Foto von einem Wrackteil abgedruckt ist, das folgende Bildunterschrift ziert:

Abgeschossen aus Russland? Das Wrack der ukrainischen Antonow

Damit hat die ZEIT die von Klimkin nicht explizit behauptete Version eines Abschusses durch Rußland vom russischen Staatsgebiet aus durch die Hintertür auch noch eingeführt. Niemand hat den Super-Gau dieser ukrainischen Propaganda durch den Außenminister bemerkt. Das Interview erschien ausgerechnet am 17.7.2014 – und Klimkin deutet an, daß die Rebellen bereits am 14.7.2014 im Besitz von hochentwickelten Flugabwehrraketen aus einer russischen Lieferung gewesen seien – was die sofortige Sperrung des Luftraums erfordert hätte.

Tatsächlich geschah am 14.7.2014 durch die ukrainischen Behörden bzw. die Regierung aber etwas anderes.

Die Regierung setzte am 14.7.2014 sämtliche Militärflüge aus, um die näheren Umstände des Abschusses der AN-26 zu untersuchen.

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/24/ukraine-suspended-all-military-flights-from-14072014/

Am selben Tag veranlaßte die Flugsicherungsbehörde UkSATSE, daß ab 18 Uhr die seit dem 1.7.2014 für die zivile Luftfahrt geltende Mindestflughöhe über dem Kriegsgebiet von 26.000 Fuß auf 32.000 Fuß heraufgesetzt wurde.

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf#page=13

Das wäre eine untaugliche Aktion für den Fall gewesen, daß die Rebellen über eine Buk mit einer Höhenreichweite von 25 km verfügt hätten.

Aber offenbar kamen die amtlichen Stellen der Ukraine – woher sollten sie auch wissen, auf welcher Höhe sich die AN-26 befand, als sie abgeschossen wurde? – am 15.7.2014 zu dem Schluß, daß die „Separatisten“ nicht über eine Buk verfügten. Denn am 16.7.2014 erklärte Lysenko, daß das Startverbot für die Luftwaffe aufgehoben worden sei und daß sie heute bereits wieder zwölf Einsätze absolviert habe. Am 17.7.2014 sei natürlich kein Einsatz erfolgt. [sic!]

MH17: A visit at the Crash Site: The locals speak up – ENG SUBS
Exclusive Report from TV Channel 1 (Russia)

https://www.youtube.com/watch?v=_5j5Bpa010Q&feature=youtu.be

[Minute 10:35]

Das entsprach der Wahrheit. Die Einsätze der ukrainischen Luftwaffe am 16.7.2014 waren blutige Realität. Tatsächlich wurde an diesem Tag zwischen 6:10 und 6:30 Uhr die umkämpfte Kleinstadt Snischne von einem Luftangriff erschüttert, der zivile Wohngegenden traf.

USA bereiten weitere Sanktionen gegen Russland vor

16.07.2014 08:07 Uhr

von Nina Jeglinski

UpdateMerkel und Putin fordern aus der Ferne neue Friedensgespräche für die Ukraine – das erzürnt Kiew. Das Gespräch, das die beiden vor dem WM-Finale führten, wird als „Deal von Rio“ verhöhnt.

[…]

Luftangriff mit Folgen

Nachdem am Montag [14.7.2014] ein Militärflugzeug der ukrainischen Armee von Separatisten abgeschossen wurde, hat das Verteidigungsministerium bis auf Weiteres alle Flüge über das umkämpfte Gebiet gestoppt. Trotzdem kam es zu einem neuen Zwischenfall. Aus der seit Wochen umkämpften Kleinstadt Snischne wird ein Luftangriff gemeldet, bei dem vier Zivilisten ums Leben kamen. Die Kiewer Regierung macht Moskau für den Vorfall verantwortlich. „Dieser Flug ist eine zynische Provokation“, sagte Andreij Lyzenko, Sprecher des Sicherheitsrates vor Reportern.

[…]

http://www.tagesspiegel.de/politik/ukraine-krise-usa-bereiten-weitere-sanktionen-gegen-russland-vor/10205688.html

Die Schuldzuweisung für zivile Tote an die Rebellen (oder, wenn sie es mangels Flugzeugen nicht gewesen sein können, an Rußland) gehört zu Lysenkos Standardrepertoire, ebenso wie die Verringerung der Zahl der zivilen Opfer oder der der Gefallenen der ukrainischen Streitkräfte. In diesem Fall sollen es tatsächlich elf Menschen gewesen sein, die in Snischne gestorben sind. Was für eine absurde Vorstellung, daß Rußland einen Luftangriff auf das Wohngebiet einer von Rebellen gehaltenen ukrainischen Kleinstadt durchgeführt haben soll. Aber im Westen gibt es reichlich kritiklose Abnehmer für ukrainische Schuldzuweisungen an Rußland.

Child being rescued from debris: Ukraine bombing civilians in their beds. [Eng Subs]

Veröffentlicht am 16.07.2014
This time the Ukrainian Air Force killed 11 civilians early in the morning when bombing an apartment building in Snezhnoe. A small, crying boy was found alive in the debris and was dug out.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=zfNhbmcuNXw

[Die englischen Untertitel lassen sich durch Anklicken des zweiten Symbols am unteren Bildrand zuschalten.]

Die weitere Folge der neuen Angriffswelle der ukrainischen Luftwaffe bestand allerdings auch darin, daß die Rebellen am 16.7.2014 eine SU-25 abschossen und eine weitere schwer beschädigten, die aber, laut Regierungsangaben, entkommen konnte.

Natürlich wurde auch dieser Angriff Rußland in die Schuhe geschoben – business as usual:

On Wednesday evening [16.7.2014], a Ukrainian fighter jet was shot down by an air-to-air missile from a Russian plane, Ukrainian authorities said Thursday [17.7.2014], adding to what Kiev says is mounting evidence that Moscow is directly supporting the separatist insurgents. Ukraine Security Council spokesman Andrei Lysenko said the pilot of the Sukhoi-25 jet hit by the air-to-air missile was forced to bail after his jet was shot down.

Russia’s U.N. Ambassador Vitaly Churkin told reporters at U.N. headquarters in New York on Thursday that Russia did not shoot down the Ukrainian fighter jet on Wednesday. „We didn’t do it,“ Churkin said.

Pro-Russia rebels, meanwhile, claimed responsibility for strikes Wednesday on two Ukrainian Sukhoi-25 jets.

http://www.cbsnews.com/news/malaysia-airlines-flight-17-crashes-in-ukraine/

Die westlichen Medien, hier AP – auf diese Presseagentur wird noch näher einzugehen sein – hingen gläubig an Lysenkos Lippen, der immer furchtbarere Details über Rußlands direktes militärisches Eingreifen in den Konflikt zu erzählen wußte [Hervorhebung von mir]:

Ukraine: Air Force jet downed by Russian missile

By PETER LEONARD

— Jul. 17, 2014 10:51 AM EDT

KIEV, Ukraine (AP) — A Ukrainian fighter jet was shot down by an air-to-air missile from a Russian plane and Ukrainian troops were fired upon by missiles from a village inside Russia, a spokesman for Ukraine’s Security Council said Thursday.

The alleged episodes mark what Ukraine says is mounting evidence that Moscow is directly supporting the separatist insurgents in eastern Ukraine who have been seen to have substantial quantities of powerful weapons in recent weeks.

Security Council spokesman Andrei Lysenko said the pilot of the Sukhoi-25 jet hit by the air-to-air missile Wednesday evening was forced to bail after his jet was shot down. He said the rockets launched at Ukrainian troops were fired from the Russian village of Kuibyshevo.

Pro-Russia rebels, meanwhile, claimed responsibility for strikes Wednesday on two Ukrainian Sukhoi-25 jets.

The Defense Ministry said the second jet was hit by a portable surface-to-air missile, but added the pilot was unscathed and managed to land his plane safely

Moscow denies Western charges that is supporting the separatists or sowing unrest in its neighbor. The Russian Ministry of Defense could not be reached for comment Thursday about the latest accusations and Russia’s foreign ministry did not respond to multiple requests for comment.

[…]

http://bigstory.ap.org/article/russia-dismisses-us-sanctions-bullying

Immerhin, das Verteidigungsministerium bestätigt, daß die entkommene SU 25 von einer rebellen-üblichen schultergestützten Luftabwehr-Rakete getroffen wurde. Leider wurde der Ort dieser zweiten am 16.7.2014 getroffenen SU-25 nicht benannt:

The aircraft was hit in the tail section near the town of Amvrosiyivka in the Donetsk region while in a turn. According to Kiev the hostile fire came from Russian territory and not – like in many earlier incidents – from anti-government elements in the east of Ukraine. Russian military spokespersons have not yet commented on the latest accusation.

The Su-25M1 pilot ejected safely and was evacuated by the Ukrainian military. Su-25s (NATO reporting name Frogfoot) are typical ground attack and ground support aircraft, being able to carry a heavy load and a variety of weapons. They are able to sustain hits by most small arms fire.

Earlier on 16 July at least one of a pair of two Su-25s was hit by “portable air defence systems” around 13:00 local time while performing airstrikes on pro-Russian separatist positions in the east of Ukraine. This aircraft made a successful emergency landing on a nearby airbase, according to a Ukrainian military statement.

http://airheadsfly.com/2014/07/17/ukrainian-su-25-downed-near-russian-border/

So explosiv und durch die ukrainische Seite propagandistisch im Sinn einer Internationalisierung des Konflikts ausgeschlachtet stellt sich die Lage einen Tag vor dem 17.7.2014 dar.

Dann ereignete sich der Abschuß des zivilen Flugzeugs der Malaysia Airlines MH 17 am Donnerstag, den 17.7.2014 um 16:20 Uhr Ortszeit, im niederländischen Bericht mit 13:20 Uhr bezeichnet, nach Moskauer Zeit um 17:20 Uhr.

Daß die allseitige Propaganda-Maschine sofort heißlief, nachdem sich ein bedeutsamer Absturz herumgesprochen hatte, versteht sich von selbst.

Als erste waren die Rebellen am Zug, denen Erfolgsnachrichten Lebenselixier sind. Es ist zwar unbekannt, wer die VKontakte-Seite im Namen des seinerzeitigen „Verteidigungsministers“ der „Donezker Volksrepublik“, Igor Strelkow (tatsächlich: Girkin), betrieb. Unter dessen Foto-Logo erschien am 17.7.2014 gegen 17 Uhr jedenfalls dieser Eintrag:

Strelkow MH 17

Ich folge der Übersetzung von Paul Roderick Gregory in Forbes:

“In the Torez region, they have destroyed an AN-26 transport plane. Its wreckage landed near the ‘Progress’ mine. This will teach them: Do not fly in ‘our skies.’ And here is the video confirming the ‘crash of the bird.’ The bird fell on open fields. It did not damage inhabited sectors. Peaceful people did not suffer. And there is information about a second destroyed plane; looks like an SU.”

http://www.forbes.com/sites/paulroderickgregory/2014/07/18/smoking-guns-russian-separatists-shot-down-malaysian-plane/

Der Autor dieser Meldung weiß nur, daß größere Wrackteile in einem von Rebellen beherrschten Gebiet gelandet sind, woraus der Schluß gezogen wird, daß es sich um eine von den Rebellen abgeschossene AN-26 handeln muß. Was auch sonst? Die Erwähnung einer SU könnte darauf hindeuten, daß auch Beobachtungen von Militärflugzeugen durch Anwohner am Absturzort eingeflossen sind.

Das gepostete Video müßte von Einwohnern von Grabowo gefertigt worden sein, wo der größte Teil des Wracks sowie die Turbinen, eventuell auch Tanks, niedergingen. Dort ereignete sich nach dem Aufprall eine Explosion, aus der sich ein Brand entwickelte. Durch den Knall aufgeschreckt, dokumentierte ein Einwohner die dem Knall nachfolgenden Ereignisse, nämlich das Entstehen einer großen Rauchwolke.

Sieht man sich das Video an, das zur Beglaubigung eines AN-26-Abschusses gepostet wurde, erkennt man nicht nur, daß die Absturzstelle kilometerweit entfernt ist, sondern hört auch, daß der oder die Einwohner, die das Video aufnahmen, darüber spekulieren, was denn wohl geschehen sein mag:

http://www.youtube.com/watch?v=gdmM6pWoHso

Das Material, das zur Verkündung einer Erfolgsmeldung der Rebellen benutzt wurde, beweist den geltend gemachten Abschuß nicht.

Nachdem bekannt wurde, daß an dieser Stelle ein ziviles Flugzeug abgestürzt war, wurde die Meldung vom Abschuß einer AN-26 gelöscht.

Entsprechend heißt es später auf der im Namen von Strelkow geführten Seite:

Shortly thereafter, the Strelkov website issued an announcement with capitalized letters:

ATTENTION. This announcement declared that the news of the downing of the AN-26 was not official but came from residents and militia members on the scene. The only official announcements are published under the banner: Strelkov INFORMS. In other words, Strelkov asks his readers to forget the earlier announcement of the successful downing of a fascist Ukrainian plane.

http://www.forbes.com/sites/paulroderickgregory/2014/07/18/smoking-guns-russian-separatists-shot-down-malaysian-plane/

Es gibt habituell nicht nur sogenannte “Knallzeugen”, die erst durch ein Geräusch auf einen Vorgang, wie beispielsweise einen Verkehrsunfall, aufmerksam werden, sich den Hintergrund zusammenreimen und später, nach Gesprächen und weiteren Informationsüberlagerungen des Gedächtnisses, fest davon überzeugt sind, tatsächlich gesehen zu haben, was vor dem Knall geschah. Es gibt darüber hinaus auch Augenzeugen, insbesondere bei Aussagen gegenüber der Presse, die sehen, was sie nicht gesehen haben können.

Ost-Ukraine: Erneut Militärflugzeug laut Augenzeugen abgeschossen

19:15 17/07/2014

DONEZK, 17. Juli (RIA Novosti).

Die Volksmilizen im ostukrainischen Tores haben am Donnerstag nach Berichten von Augenzeugen ein weiteres Transportflugzeug der ukrainischen Luftwaffe abgeschossen.

Eine Antonow An-26 sei gegen 16.00 Uhr über die Stadt geflogen, erzählte ein Augenzeuge RIA Novosti. „Wir haben gesehen, dass eine Rakete das Flugzeug getroffen und eine Explosion ausgelöst hat.“ Die Maschine habe schwarzen Rauch hinter sich hergezogen und sei schließlich auf den Boden gestürzt.

Tores liegt unweit von Saur-Mogila, wo die Milizen am Mittwoch einen ukrainischen Jagdbomber abgeschossen haben. Am Montag hatten die Aufständischen im umkämpften Lugansk bereits ein Transportflugzeug vom Typ An-26 an Bord abgeschossen. Sechs der acht Insassen überlebten, zwei von ihnen wurden gefangen genommen. Zwei weitere werden vermisst.

http://de.ria.ru/politics/20140717/269034633.html

Nun, so war es definitiv nicht, wie der Augenzeuge behauptet.

Manchmal mutiert voreilige Erfolgs-Propaganda zum Bumerang. Denn Kiew und die westlichen Medien benutzten dieses Strelkow-„Bekenntnis“ der Rebellen zum Abschuß einer AN-26 fortan als Beweis für deren Abschuß der MH 17. Tatsächlich kann man aus den vorliegenden Belegen nur auf das Gegenteil schließen. Die Rebellen hatten keine Ahnung, was da geschehen war, reklamierten den Erfolg aber erst einmal für sich.

Der CIA-angeleitete ukrainische Geheimdienst SBU reagierte prompt und bot eine Narration an, die der von Außenminister Klimkin in der ZEIT verbreiteten entschieden widersprach: keinesfalls hätten die Rebellen am 14.7.2014 über eine Buk verfügt. Diese sei erst am 17.7.2014 durch Rußland an die Rebellen geliefert, am selben Tag gegen MH 17 eingesetzt und am nächsten Tag wieder nach Rußland ausgeführt worden. Für diese Deutung der Ereignisse wurden keine Mühen der Beweisfabrikation gescheut und wie üblich hochrangige Regierungsmitglieder zur Unterstützung und Verbreitung in sozialen Netzwerken eingesetzt.

Kurze Zeit nach dem Absturz veröffentlichte der SUB auf seinem YouTube-Kanal ein Video, auf dem sich vom Geheimdienst gefertigte Gesprächsmitschnitte befinden sollen – es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt; die deutsche Version trägt die Nr. 115 der Videoauflistung:

http://www.youtube.com/watch?list=UURxyjhmvBewJIRb2yku5EuQ&v=jb3Y_eWkAmc&feature=player_detailpage#t=16http://www.youtube.com/watch?list=UURxyjhmvBewJIRb2yku5EuQ&v=jb3Y_eWkAmc&feature=player_detailpage#t=16

Zunächst wird ein Mitschnitt eines Gespräches zwischen Igor Bezler, Kommandeur der Rebellen in Gorlowka, mit einem Mann präsentiert, bei dem es sich um einen russischen Oberst der Hauptaufklärungsverwaltung im russischen Generalstab namens Wasyl M. Geranin, den „Kurator“ Bezlers, handeln soll. Eine Bestätigung dieser Personalie „Geranin“ habe ich im Netz nicht gefunden. Das Gespräch soll am 17.7.2014 um 16:40 Uhr, also knapp 16-17 Minuten nach dem Aufschlag, stattgefunden haben.

Bezler erklärt danach:

Wir haben ein Flugzeug abgeschossen. Gruppe von „Miner“. Es fiel nicht weit von Enakijewo.

Auf die in das Gespräch nicht passende Frage:

Flieger? Wo sind die Flieger?

antwortet er:

Sie sind hingefahren, um das Flugzeug zu finden und Fotos zu machen. Es raucht.

Der Abschuß sei vor 30 Minuten geschehen.

Das ist wenig informativ, denn Bezler, der in Gorlowka (Horliwka) stationiert ist, berichtet ebenso vom Hörensagen wie derjenige, der gegen 17 Uhr auf der Strelkow-Seite die Erfolgsmeldung einrückte. Die Abschußzeit stimmt nicht. Nicht einmal der Absturzort wird korrekt bezeichnet:

Foto Entf. Jena - GrabowoQuelle: Google Earth

Die Entfernung zwischen Enakijewo (Jenakijewe) und Grabowo (Hrabove) beträgt demnach ca. 34 km.

Auch die nächste Sequenz dieses Videos hat keinerlei Beweiskraft: da unterrichtet ein vor Ort recherchierender anonymer Rebell mit dem Spitznamen „Major“ einem ebenso anonymen Rebell namens „Grek“ am 17.7.2014 in mehreren Telefonaten zwischen 16:33 Uhr und 17: 32 von seinen Erkenntnissen, nämlich daß es sich um ein ziviles Flugzeug handelt, das abgestürzt ist. „Major“ ist ersichtlich in Petropavlivka unterwegs, wo das Cockpit und viele Leichen zu finden waren.

Beide wiederum wissen auch nur vom Hörensagen, wer für den Abschuß verantwortlich sein soll.

Major SUBDer dort genannte Abschußort „Tschernuhino“ (Chornukhyne) liegt nordwestlich des Absturzortes, wie auf dem zuvor geposteten Google Earth-Foto zu erkennen ist. Das paßt nicht zu der von den USA und der Ukraine vertretenen Version, wonach eine Buk, die am 17.7.2014 südlich von Snischne, also südöstlich des Luftpfades der MH 17, stationiert wurde, für den Abschuß verantwortlich sein soll. Auch nach der russischen Variante, die ein ukrainisches Buk-System bei Zaroshchens’ke ausgemacht haben will, das für einen Abschuß in Betracht kommen kann, befand sich dieses System südlich von der MH 17-Route (zu vgl. das Google Earth-Foto)-

Die letzte Sequenz von einem angeblich abgehörten Telefonat zwischen einem sogar kampfnamenlosen „Rebell“ und einem in Prunkuniform gekleideten, nicht näher bezeichneten „M. Kozitsin“ vom 17.7.2014 um 17: 42 Uhr ist gänzlich inhaltlos: da macht der Rebell Vorhaltungen, weil es einerseits im Fernsehen heiße, eine AN-26 sei getroffen worden, andererseits soll ein Zivilflugzeug getroffen worden sein, woraufhin jener unbekannte „Kozitsin“ antwortet:

KozitsinEs gibt noch weitere SBU-Geheimdienstveröffentlichungen von angeblichen Telefonmitschnitten, deren Anfertigung wohl mehr Zeit in Anspruch genommen haben wird. Die nachfolgende wurde am 18.7.2014 veröffentlicht. Da mag jeder selbst entscheiden, welchen Wert sie haben.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=Bg99JtZ7DTE#t=41

Besonders grotesk ist das vom SBU erst am 25.7.2014 hochgeladene Gespräch, das zwei Minuten vor dem Abschuß der MH 17 zwischen einem Kämpfer und Igor Bezler geführt worden sein soll: da wird dem Kommandeur ein eingeflogenes „Vöglein“ gemeldet, das wegen der Wolken leider nicht zu erkennen sei. Klar, daß das sofort gemeldet werden muß. Und von einem Buk-Radar ist natürlich keine Rede. Für wie blöd hält der ukrainische Geheimdienst sein Publikum?

http://www.youtube.com/watch?v=clzcRGvJASE&index=74&list=UURxyjhmvBewJIRb2yku5EuQ

Die Sprecherin des Außenministeriums der USA erklärte am 21.7.2014, nachdem sich ihr Chef weit aus dem Fenster gelehnt hatte:

HARF: Well, we have a great deal of information that the Secretary laid out yesterday, and I can go back through some of it today. But we do know first that Russian-backed separatists were in possession of an SA-11 system as early as Monday, July 14th. This is from intercepts of separatist communications posted on YouTube by the Ukrainian Government.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/07/229550.htm#UKRAINE

Keine Ahnung, auf welche SBU-Desinformation sich die schlingernde Marie Harf da bezieht. Vielleicht auf den Außenminister Klimkin in seinem Interview mit der ZEIT? Denn in der SBU-Produktion vom 18.7.2014 soll doch gerade verzweifelt belegt werden, daß die Buk erst am 17.7.2014 von Rußland an die Rebellen geliefert wurde.

Was die US-Regierung am 20.7.2014 durchsickern ließ, klang schon einschränkend, wenn man zwischen den Zeilen las [Hervorhebung von mir]:

Alleged intercepted phone conversations released by Ukraine’s security service of pro-Russian rebels discussing how they shot down Malaysian airliner MH17 are genuine, the US embassy in Kiev said Sunday.

Ukraine’s SBU security agency on Thursday released recordings of what it claimed were phone talks involving rebels and a Russian military intelligence officer admitting that they had hit the passenger jet after mistaking it for a military aircraft.

The recordings were presented as key evidence to back up Kiev’s claims that rebels — supported by Russia — downed the jet while the separatists accused Ukraine’s army of being responsible.

“Audio data provided to the press by the Ukrainian security service was evaluated by Intelligence Community analysts who confirmed these were authentic conversations between known separatist leaders,” the US embassy in Ukraine said in a statement.

http://www.rawstory.com/rs/2014/07/us-says-recordings-of-ukraine-rebels-admitting-mh17-downing-authentic/

Nun ja, wer sich auf die Identifikation von Stimmen “bekannter” Anführer der Separatisten beschränkt, wird mit den Kriegsnamen „Major“, „Grek“, dem unbekannten „Rebellen“, „Naimanets“, „Khmurij“ und den weiteren anonymen Protagonisten der SBU-Videos nichts anfangen können. Bekannt war lediglich der damalige Rebellen-Anführer Igor Bezler, und dessen Aussagen vom Hörensagen sind nicht von Belang. Bezler selbst soll sich laut Itar-Tass zu dem Telefonat so geäußert haben:

Bezler said the talk had really taken place but the he had talked about a Ukrainian attack aircraft shot down by the militia above Yenakiyevo a day before the Malaysian airliner crash.

http://en.itar-tass.com/russia/741521

Bezieht man sich auf die oben aufgeführten regierungsamtlichen Angaben zu dem Abschuß der SU-25 am Abend des 16.7.2014, so fand dieser entweder in Amwrossijiwka oder in Saur-Mogila statt. Beide Orte sind noch weiter von Jenakijewe entfernt als Grabowo (Hrabove).

Foto Entf. Jena - AmwroQuelle: Google Earth

Foto Entf. Jena- Saur-MogilaQuelle: Google Earth

Der Ort des Rebellenangriffs mittels manpads auf zwei bombardierende SU-25 gegen 13 Uhr desselben Tages ist allerdings unbekannt; und ob die getroffene Maschine tatsächlich notlanden konnte, ist angesichts der schönfärberischen Berichte Lysenkos über Verluste der Armee ungewiß. Der Einspruch Bezlers läßt sich daher nicht widerlegen.

Die deutsche Regierung hat sich am 9.9.2014 kurz und bündig über den Geheimdienst-Mitschnitt vom 17.7.,2014 geäußert:

Der Bundesregierung ist auch ein in den Medien veröffentlichter Telefonmitschnitt des ukrainischen Geheimdienstes bekannt. Dessen Authentizität konnte nicht verifiziert werden.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/025/1802521.pdf#Page=2

Der BND urteilte am 8.10.2014 – so der SPIEGEL – wie folgt:

Der BND kam zu eindeutigen Ergebnissen: Ukrainische Aufnahmen seien gefälscht, sagte Schindler, das lasse sich anhand von Details erkennen. Auch russische Darstellungen, wonach die Rakete von ukrainischen Soldaten abgefeuert wurde und ein ukrainischer Jagdbomber in der Nähe der Passagiermaschine geflogen sei, seien falsch.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/mh17-laut-bnd-waren-separatisten-fuer-absturz-verantwortlich-a-997885.html

Man beachte den feinen Unterschied zwischen gefälschten Aufnahmen und falschen Darstellungen. Man beachte aber auch den feinen Unterschied zwischen dem Begriff „Aufnahmen“ – worunter auch Ton- und Videoaufnahmen verstanden werden können – und dem Begriff „photos“, wie er in der englischsprachigen Version des SPIEGEL verwandt wird:

BND’s Schindler says his agency has come up with unambiguous findings. One is that Ukrainian photos have been manipulated and that there are details indicating this.

http://www.spiegel.de/international/europe/german-intelligence-blames-pro-russian-separatists-for-mh17-downing-a-997972.html

Insoweit ist, womöglich auch wegen fehlender Übersetzerkompetenz beim SPIEGEL, unklarer denn je, was der BND denn überhaupt überprüft hat. Kompetenznachweise dieses Dienstes sind mir bislang ohnehin nicht bekanntgeworden.

Russische Experten haben sich mit dem Video des SUB vom 17.7.2014 technisch beschäftigt:

Kiev’s evidence of militia’s responsibility for airliner crash faked – expert

July 20, 14:37 UTC+4
A group of experts studied the tape and came to the conclusion that it was made up of numerous unrelated recordings

[…]

http://en.itar-tass.com/russia/741521

Natürlich präsentieren Geheimdienste präpariertes Material. Alles andere würde einen verwundern. Wer das aufdecken will, muß allerdings auf der Höhe der Zeit sein. Dieses Argument ging jedenfalls fehl:

But the most indicative moment is that the audio tape clearly shows that it was created almost a day before the airliner crash, the expert said.

http://en.itar-tass.com/russia/741521

Da hat der russische Geheimdienst sich eine Blöße gegeben, denn eigentlich müßte er die Unzuverlässigeit von YouTube, Facebook und Twitter kennen, was die externe wie interne Dokumentation von Ladezeiten angeht.

Hier ein sehr ermüdender Bericht eines Technikfreaks, der zu dem Schluß kommt, daß Youtube wahrscheinlich einen 24-Stunden-„bug“ hat, was das intern angezeigte Upload-Datum angeht:

https://gist.github.com/klaufir/d1e694c064322a7fbc15

Nach seinen Ermittlungen wurde das fragliche „Beweisvideo“ des Geheimdienstes am 17.7.2014 um 19:11:54 Uhr hochgeladen.

Auch der Berater des Innenministers Arsen Awakow, Anton Geraschtschenko, wirkte an der Popularisierung der SBU-Version der Ereignisse mit, indem er in einer Talkshow Rußland für den Abschuß verantwortlich machte und am 17.7.2014 auf seiner Facebook-Seite jenes Foto zeigte, das ich als Titelfoto für die MH 17-Artikel gewählt habe:

MH 17 Titelfoto

Was sieht man auf diesem Foto? Eine Siedlung, Landschaft, blauen Himmel und ein paar senkrecht übereinandergestapelte weiße Wölkchen, die relativ bodennah beginnen. Und was soll man laut Geraschtschenko auf diesem Foto sehen?

Per holperigem Google-Übersetzer aus dem Russischen übersetzt (Russisch-Deutsch schafft er gar nicht):

Advisor Avakova reported shooting start Boeing rocket brought down

According to Anton Gerashchenko launch saw thousands of people

■ 17 July | 21:09

According to the adviser to the Minister of Internal Affairs of Ukraine Anton Gerashchenko Ukrainian military recorded near the Russian border rocket flight, which was hit by a Malaysian Boeing .

He said this on the air channel 112, according to the UNN .

„Yesterday, sanctions were imposed against the Russian Federation – is his (Putin’s) response to the sanctions that have been imposed … Our military fixed fact Departure missiles and shoot down the plane.

In his own Facebook Gerashchenko published photos trace departure missiles.

„This is a photo contrail left as you launch missiles SAM“ Buk „. Made a few minutes after launch missiles with 3 Thorez district of the city from west to east. Thousands of people have seen the launch and flight of the missile,“ – he wrote.

http://vesti.ua/donbass/61554-sovetnik-avakova-soobwil-o-semke-puska-sbivshej-boeing-rakety?utm_medium=referral&utm_source=marketgid&utm_campaign=vesti.ua&utm_term=1308&utm_content=2976008

Tausende hätten in Tores eine von West nach Ost fliegende Rakete gesehen, deren Kondensstreifen wenige Minuten später fotographiert worden sei.

Die paar senkrecht angeordneten Wölkchen sollen demnach die Reste des Kondensstreifens einer Rakete sein, die südlich von Snischne abgeschossen worden sein soll (natürlich in Richtung Westen und nicht umgekehrt, wie behauptet). Man betrachte das erste hier gepostete Google Earth-Foto, das die Lage von Snischne, Tores und Grabowo zeigt. Über Tores müßte sie aber schon so viel an Höhe gewonnen haben, daß sie keinesfalls mehr bodennahe „Spuren“ hätte hinterlassen können. Der Verband der Ingenieure Rußlands versichert:

Kondensstreifen Ing. S. 7Quelle: http://www.tlaxcala-int.org/upload/telechargements/147.pdf#page=7

Auch die meteorologischen Bedingunungen belegen, daß dieses Foto mit dem blauen Himmel nicht am 17.7.2014 aufgenommen worden sein kann. Für Tores, 15 Uhr, wird eine „durchgehende Wolkendecke“ verzeichnet (wie vor, S. 2, dort versehentlich als „17.6.2014“ notiert).

Entsprechende Witterungsbedingungen zeigt das Satellitenbild im niederländischen Untersuchungsbericht vom 9.9.2014 für 12 Uhr:

DSB Wolken, S. 18Quelle: http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf#page=18

Tores liegt im roten Bereich unter hundertprozentiger Wolkenbedeckung.

Außerdem erwies es sich als schwierig, die „Tausende“ zu finden, die in Tores oder Snischne die Flugbahn der Rakete bzw. deren lauten Geräusche bei Start und Flug wahrgenommen hätten…

Innenminister Arsen Awakow steuerte am 18.7.2014 um 3:32 Uhr auf seiner Facebook-Seite das legendäre 13-Sekunden-Video bei, das eine auf einem Hänger befindliche Buk-Abschußrampe, von deren vier Raketen eine fehle, wie es später gemeinhin heißen wird (ich selbst kann nur zwei vorhandene Raketen erkennen) zeigen soll, wie es in der Grenzstadt Krasnodon „zurück“ nach Rußland fahre.

https://m.facebook.com/arsen.avakov.1/posts/670837696339673

In seinem Begleittext heißt es laut Google-Übersetzer:

Arsen Avakov

Covert surveillance units of MIA of Ukraine today, July 18 at 4.50 am registered with the loaded tractor crawler missile system, moving in the direction through Krasnodon, toward the border with the Russian Federation. The video can be seen uncovered missiles. Two missiles at the site – the average is not visible.
There is an analysis of this and other information collected. Presumably this is the missile system „Buk“ that made a last shot at a civilian airplane Amsterdam -Kuala Lumpur ..
Criminals are trying to hide the traces of this heinous crime. Not succeed. Security Service and Interior Ministry of Ukraine has collected and collects more hard facts and evidence, the author points out the tragedy of the terrorist organization, the DNI / LC and its Russian backers Putin.
The investigation of events MIA issue a comprehensive report on the information. This piece I consider it necessary to publish immediately.

Interessant, daß die verdeckt ermittelnden Kräfte des Innenministeriums (MIA) die Kamera schon 5 Sekunden lang draufhalten, bevor der Hänger mit der Buk auftaucht. Da wird ihnen jemand einen Tip gegeben haben. Noch interessanter, daß niemand von den dezidiert antirussischen westlichen Geolocatern die Angabe des grenznahen Ortes „Krasnodon“ des Innenministers überprüfen; das geschieht erst, nachdem auf der Pressekonferenz des russischen Verteidungsministeriums am 21.7.2014 der Köder ausgelegt wird, daß sich aus der im Video ersichtlichen Plakataufschrift ergebe, daß die Aufnahme in Krasnoarmeisk, einem seit dem 11.5.2014 unter ukrainischer Kontrolle stehenden Ort, gefertigt worden sei.

http://youtu.be/4bNPInuSqfs?t=25m3s

Und schon haben am 22.7.2014 „Euromaidan“ et. al. und „Bellingcat“ (Eliot Higgins) herausgefunden, daß die russische Meldung falsch ist und die Aufnahme in Lugansk entstanden ist; daß die Ortsangabe des Innenministers falsch war, der dieses Video als erster gepostet hat (als Arbeitsergebnis seiner verdeckten Ermittler), findet keine Erwähnung:

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/07/22/evidence-that-russian-claims-about-the-mh17-buk-missile-launcher-are-false/

Genauer gesagt, wie ein weniger befangener Untersucher herausgefunden hat, wurde die Aufnahme in einem Vorort von Lugansk gemacht, in dem die Kiewer ATO bereits aktiv gewesen war und zum Zeitpunkt der Aufnahme keine Kontrolle durch die Rebellen bestand:

22) (added 7/9/2014) According to an interactive map from Kiev (http://liveuamap.com) this position in Lugansk was not under separatist control on that day:

http://humanrightsinvestigations.org/2014/08/05/mh17-the-lugansk-buk-video/

Dem ukrainischen Geheimdienst unterliefen bei seinem Bemühen, eine stringente Geschichte zu erzählen, peinliche Fehler.

So illustrierte er seine Narration von dem ein- und ausgeführten russischen Buk-Start-Fahrzeug mit einem Foto, das ein Buk-Startfahrzeug mit der Nummer 312 zeigte.

„Humanrightsinvestigation“ fand am 21.7.2014, heraus, daß es sich um eine ukrainische Buk handelt, die am 5.3.2014 bei Gorlowka gesichtet wurde:

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/21/the-mh17-investigation-and-buk-312/

Ein weiterer Blogger fand heraus, daß die Buk-Abschußrampe 312 am 8.3.2014 neben zehn anderen nach Soledar verlegt worden war:

On March 8, Censor.Net, a Ukrainian Nationalist cite, says „Ukraine Defends Donetsk From Russian Incursion: ‚Buk‘ Air Defense Rocket Systems Are Taking Up Positions. PHOTO + VIDEO“

The sub-headline reads: „A resident of Gorlovka, driving to work in Soledar, came across an entire convoy of military equipment. …My coworkers and I counted 11 missile launchers …“

http://globaleconomicanalysis.blogspot.com/2014/07/ukraine-caught-in-third-major-lie-magic.html#doCMHSQlmZVvO8V6.99

Das spezifische Video von März 2014, aus dem der SBU das Foto der Buk 312 geklaut hatte, ist natürlich verschwunden. Nachdem RT am 23.7.2014 die Erkenntnisse der Blogger, nämlich daß der ukrainische Geheimdienst eine ukrainische Buk gezeigt hatte, obwohl doch behauptet werden sollte, die Russen hätten eine aus ihren Beständen geliefert, verschwand das Foto von der Seite des SBU:

Bogus photos of ‘Russian’ air-defense systems in Ukraine debunked by bloggers

Published time: July 23, 2014 10:27
Edited time: July 23, 2014 15:32

Ukraine continues to concoct ‘evidence’ a Russian air defense system brought down Flight MH17. Ukraine’s secret service published as ‘proof’ month–old photos of a Ukrainian BUK-M missile system, claiming it is Russian.

Despite the US admitted it has no evidence Russia is directly involved in the Malaysian Airlines disaster of July 17, Kiev has its own ideas.

On July 19 Kiev’s Security Service (SBU) published photos online it claimed showed ‘Russia’ secretly withdrawing a BUK-M (NATO designation SA-11) surface-to-air missile system from the Ukraine civil war zone.

UPDATE – shortly after publishing this article the photos in question were deleted. Below are screenshots from the SBU site.

[…]

http://rt.com/news/174868-ukraine-buk-falsification-continues/

Der Generalstaatsanwalt der Ukraine, Mitglied der rechtsextremen Swoboda-Partei, unterstützte die Geheimdienst-Fabrikation, indem er am 18.7.2014 erklärte, daß nach Mitteilungen des Militärs keine der Buk-Einheiten der Ukraine fehlen würde (demnach also nur eine russische Buk in Frage komme).

Ukrainischer Generalstaatsanwalt: Volkswehr hat keine Buk-Raketensysteme erbeutet
10:53 18/07/2014
MOSKAU, 18. Juli (RIA Novosti).

Nach Angaben des ukrainischen Generalstaatsanwalts Vitali Jarjoma haben die Volkswehr-Milizen bei den Kampfhandlungen gegen die regulären Kräfte keine Fla-Raketenkomplexe erbeutet.
„Als das Passagierflugzeug abgeschossen wurde, teilten die Militärs dem Präsidenten mit, dass die Terroristen keine Raketensysteme der Typen Buk und S-300 von uns haben. Solche Waffen wurden nicht erbeutet“, erklärte Jarjoma in einem Interview für „Ukrainskaja Prawda“.

[…]

http://de.ria.ru/politics/20140718/269041378.html

http://en.interfax.com.ua/news/general/214197.html

Ebenfalls am 18.7.2014 legte Geraschtschenko emotional nach, indem er auf seiner FB-Seite das Foto einer Baby-Leiche präsentierte::

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2697010/Faces-innocent-victims-Melbourne-real-estate-agent-wife-student-leading-AIDS-doctors-confirmed-dead-Flight-MH17-terrorist-attack-killed-298-people-board.html

Am 18.7.2014 wetterte der mittlerweile Ex-Verteidigungsminister Geletej (er hatte zuletzt zu viel gelogen und zu wenig erreicht) gegen die „Terroristen“, die mit russischer Hilfe die MH 17 abgeschossen hätten:

https://news.vice.com/video/exclusive-footage-of-mh17-aftermath-russian-roulette-dispatch-60

[ab Minute 4:35]

Am 18.7.2014 delirierte der SBU (in einer Übersetzung durch die pro-Kiew-Seite „Interpreter“):

On Friday the Ukrainian security services issued a press release in which a Ukraine SBU (Security Service) officer explains Ukraine’s narrative — that three vehicles carrying Buk missiles came from Russia and returned back to Russia after the incident:

“At 2:00, July 18, two movers each with a Buk missile launcher crossed the Russian border in Luhansk region. At 4:00, another three movers: one of them empty, other carrying a launcher with four missiles and the latter allegedly with a control unit, crossed the state border.”

http://www.interpretermag.com/ukraine-liveblog-day-154-heavy-fighting-in-donetsk/#3487

Die verlinkte SBU Seite trägt nun Datum von Samstag, dem 19.7.2014.

http://www.sbu.gov.ua/sbu/control/uk/publish/article?art_id=129099&cat_id=39574

Für alle diese sich teilweise widersprechenden Behauptungen gibt es Null Beweise. Die Indizienkette des SBU ist dünn, alle „Nachrichten“ und „Bilder“ wurden von ihm selbst und der Regierung lanciert. Deren Intentionen waren seit dem 14.7.2014 sichtbar: der Konflikt sollte internationalisiert und Rußland als Kriegsteilnehmer desavouiert werden. Daran ließ Poroschenko am 18.7.2014 keinen Zweifel:

18.07.2014 00:45

Press office of President

Address of the President on the occasion of the crash of Malaysia Airlines aircraft

Today the war has overspilled from the territory of Ukraine.

Over the past months Ukraine was overwhelmed by the events caused by the aggressors and militaries in the East of the country. But the tragedy which took place in the Ukrainian skies today is horrendous.

[…]

The State Security Service of Ukraine has intercepted a conversation in which one of the leaders of the mercenaries boasted about bringing down the plane in his reporting to his Russian supervisor, colonel of the General Intelligence Unit of Russia’s Armed Forces. Other terrorists have also boasted about their success.

In the past couple of days it is the third tragic incident, following two Ukrainian military planes which were shot down.

[…]

In the past couple of weeks, thanks to the courage and heroism of our soldiers, the territory, controlled by the terrorists, bandits and Russian mercenaries has decreased by more than half.

Each and every citizen of Ukraine is fighting for our independence, sovereignty and territorial integrity.

Today, the whole world had seen the real face of the aggressor.

Shooting down a civilian aircraft is an act of international terrorism, targeted against the entire world.

This is a wake-up call for the whole world.

We expect for an adequate response from the international community.

http://www.president.gov.ua/en/news/30787.html

Klarer kann man die Intentionen dieser Kiew-Narration seit dem 14.7.2014 nicht benennen. Da sie im Interesse der USA erfolgte, die auch die Presse an sich zu binden versteht, war sie sogar relativ erfolgreich – gegen jede Vernunft. Wie diese durchsichtige Geschichte überhaupt Karriere machen konnte, läßt sich nur durch die Einflußnahme westlicher Medien erklären.

Im Westen gibt es einen entsprechenden transatlantischen Empfangsraum, und sogar Reporter wie den n-tv und RTL-Korrespondenten Dirk Emmerich, der selbst „Nachrichten“ wie diese twittert:

Dirk EmmerichVerifizierter Account @DEmmerich

#Ukraine: Buk-Rakete samt Personal kam aus Russland. 2 Festnahmen beim Versuch der Rückführung über Grenze > http://zn.ua/UKRAINE/sbu-zaderzhala-dvuh-rossiyskih-korrektirovschikov-ognya-149218_.html … #MH17

https://twitter.com/DEmmerich/status/490133763750260736

Nachtrag: (24.11.2014)

Nun ist klar, wer jener „M. Kositsin“ ist, bei dem sich ein anonymer Rebell laut angeblichen Mitschnitts des ukrainischen Geheimdienstes am 17.7.2014 um 17:42 Uhr über das Informationschaos beklagt, weil das abgeschossene Flugzeug einerseits eine AN 26, anderseits ein Zivilflugzeug sein soll.

Über diesen Mann, Nikolai Kozitsyn, gab es am 11.11.2014 ein Porträt:

Ukraine Rebels: A Disunited Front Run by Warlords

By Associated Press | November 11, 2014

Last Updated: November 11, 2014 8:22 pm

[…]

PEREVALSK, Ukraine—They don’t call Nikolai Kozitsyn “Daddy” for nothing. In this rebel-held eastern Ukrainian town, the mustachioed Cossack lords it over the locals and pays little heed to the bosses of the breakaway movement.

[…]

As armed pro-Russian separatists were seizing one town after another in eastern Ukraine, groups of Cossacks in early May crossed from southern Russia to occupy territories along the border. They claimed they did so to defend the interests of the native Russian-speaking population.

“I’m fighting for this people and together with this people,” said Kozistyn, “defending our rights to own this territory and the riches with which our Lord and forefathers endowed us.”

[…]

Kozitsyn, who leads a Cossack unit calling itself the Great Don Army, claims to rule over four-fifths of the rebel-controlled section of the Luhansk region, with thousands of men under his command. Rival rebels disagree.

[…]

Perevalsk and Alchevsk both participated in a contentious vote in early November to elect separatist deputies and leaders, but it is evident the outcome of the poll means little on the ground.

Kozitsyn, in Perevalsk, said his authority came from a higher power.

“We are an independent organization and we don’t depend on anyone,” he said. “I’m answerable only to President Putin and our Lord.”

http://m.theepochtimes.com/n3/1075445-ukraine-rebels-a-disunited-front-run-by-warlords/

Wie kommt nun ein ungenannter Rebell dazu, den in Lugansk tätigen Kosakenführer Kozitsyn um Aufklärung wegen des Abschusses der MH 17, der in Donezk stattfand, aufzufordern? Den Donezker Rebellen war gerüchteweise zu Ohren zu kommen, daß Kosaken in Chornukhyne ein Flugzeug abgeschossen hätten. Sieht man sich die Landkarte an, dann liegt es nahe, den in Perevalsk stationierten Kosaken Kozitsyn zu befragen:

Perewalsk KozitsynQuelle: Google Earth

Mit einer militärischen Aktion in Chornukhyne hätte er zwar den Verwaltungs- bzw. Republikbezirk überschritten, aber geographisch lagen nur knapp 26 km zwischen seinem Sitz und dem vermeintlichen Abschußort, der von allen anderen Parteien (USA, Ukraine, Rußland) allerdings ganz woanders verortet wird.

Entsprechend ausweichend antwortet Kozitsyn auch (der so eitel ist, sich nicht die Chance entgehen zu lassen, vorzugeben, irgendwie etwas über diesen Abschuß zu wissen).

In einem interessanten Video von Vice News vom 20.11.2014 zu MH 17 wird er zu diesem Gespräch interviewt (ab Minute 6:14); der Reporter legt ihm allerdings die Sätze seines Gesprächspartners in den Mund, und es wird offenbar, daß der ukrainische Geheimdienst offensichtlich ein “Jugendfoto” von ihm ausgesucht hat.
Der Reporter Simon Ostrovsky irrt sich auch, was den Luftangriff auf Snischne mit elf Toten angeht: der fand am 16.7. und nicht am 11.7. statt.

Russian Roulette (Dispatch 87)
November 20, 2014 | 9:41 pm

On July 17, 2014, Malaysia Airlines Flight 17 was shot down over eastern Ukraine, killing 298 innocent people. While investigations continue into exactly what happened, representatives from the Dutch Safety Board are still recovering pieces of the plane that have been lying in fields for four months. In the absence of an official determination, pro-Russia separatists and the Ukrainian government are putting out their own theories.
VICE News correspondent Simon Ostrovsky traveled to the site of the MH17 crash, where Dutch investigators continue their work, and spoke with a Cossack commander as well as a representative from the Ukrainian Security Services about the blame game between the two camps that will likely persist for months to come.

https://news.vice.com/video/russian-roulette-dispatch-87

Auch hier sieht man Ausweichendes: Kozitsyn faßt seine Antwort sinngemäß so zusammen, daß er der Ukraine die Schuld an der Nichtsperrung des Luftraums gibt. Auf die Nachfrage des Reporters, was wohl die Ursache des Absturzes sei, sagt er: „Rakete“ und grinst dabei. Auf die weitere Nachfrage, wer die denn abgeschossen habe, will er nicht antworten.

Ich halte es für falsch, aus den Eitelkeiten einzelner Protagonisten Schlüsse auf Tatsachen ziehen zu wollen. Der abservierte Igor Strelkow (Girkin) ist dafür ein gutes Beispiel.

Nachtrag (6.12.2014)

Die Tagesschau vermeldet:

Schwere Vorwürfe an ukrainische Behörden Luftraum hätte für MH17 gesperrt werden müssen

Stand: 03.12.2014 18:00 Uhr

Die ukrainische Flugaufsicht hätte nach Ansicht von Militärexperten den Luftraum über dem Osten des Landes schon vor dem Abschuss der Passagiermaschine MH17 zwingend sperren müssen. Das ergeben Recherchen von WDR, NDR “Süddeutscher Zeitung” und dem niederländischen Investigativteam “ARGOS”. Hintergrund ist der Abschuss einer Antonov-Militärmaschine wenige Tage vorher. Ein Satz, der auf diesen Zusammenhang hindeutet, wurde aus dem niederländischen Zwischenbericht vor der Veröffentlichung gestrichen. Beim Abschuss des Malaysia Airlines-Fluges waren im Juli 298 Menschen ums Leben gekommen.

[…]

Das Schlüsselereignis fand am 14. Juli 2014 statt, drei Tage vor dem Abschuss von MH17. Eine Rakete zerstörte eine Antonov, ein propellergetriebenes Transportflugzeug der ukrainischen Streitkräfte. Das Besondere an diesem Vorfall: Die Maschine wurde in einer Höhe von 6500 Metern getroffen – der erste Abschuss eines Flugzeugs in dem Konflikt in so großer Höhe.

Die zuständige ukrainische Behörde reagierte: Etwa sieben Stunden nach dem Abschuss der Militärtransportmaschine verbat sie das Fliegen, allerdings nur bis auf 9750 Metern – wenige Hundert Meter von der Standard-Reiseflughöhe der Langstreckenflieger entfernt. Bei ihrem Abschuss war die malaysische Boeing 777 auf etwa 10.050 Metern unterwegs.

Großes Flugabwehr-Raketensystem war im Einsatz

Laut Siemon Wezeman vom renommierten Stockholmer Institut für Friedensforschung (SIPRI) musste nach dem Abschuss der Antonov jedem klar gewesen sein: Hier wird nicht mehr von der Schulter geschossen. “Mit dem Abschuss der Antonov auf einer Höhe von 6500 Metern war es absolut klar, dass das nicht mit kleinen, sondern nur mit schweren Flugabwehr-Raketensystemen geschehen konnte”, so Wezemann.

“Diese größeren Raketensysteme zur Flugabwehr erreichen normalerweise ohne Probleme Höhen zwischen 10.000 und 13.000 Metern”, so Wezeman. “Dadurch, dass man gewusst hat, dass die Antonov nur durch schwere Flugabwehr-Raketensysteme vom Himmel geholt werden konnte, muss man sich wirklich wundern, warum die ukrainischen Behörden den Luftraum in der Region nicht komplett gesperrt haben“, so Wezeman weiter. Das ukrainische Verkehrsministerium äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Man habe gerade einen Ministerwechsel.
[…]
In einer unveröffentlichten Version des niederländischen Zwischenberichts zu den Ursachen des Absturzes wurde auf die Sperrung des Luftraums durch die Ukraine hingewiesen. Das belegen Recherchen von WDR, NDR, “SZ” und dem niederländischen Investigativteam “ARGOS”.
Die Sperrung bis zu 9750 Meter wurde auf dem international üblichen Weg per sogenannter NOTAM (engl. “notice to airmen”) herausgegeben. Auf Seite 14 der unveröffentlichten Version des holländischen Zwischenberichts hieß es: “Die NOTAM mit der Luftraumbegrenzung wurde verfasst als Reaktion auf den Abschuss einer Antonov 24 am 14. Juli auf einer Flughöhe von 6500 Metern.”

Ein heikler Satz, denn er macht das Versagen der ukrainischen Flugaufsichtsbehörde offenbar. Eine Flughöhe von 9750 Meter – ausdrücklich genannt als Reaktion auf den Antonov-Abschuss – verweist genau auf den fatalen Fehler, den 298 Menschen mit dem Leben bezahlten. In der offiziellen Version des Zwischenberichts ist der Satz nicht mehr enthalten. Warum? Das “Dutch Safety Board” lehnt unsere Interview-Anfrage dazu ab und antwortet schriftlich, es sei nicht “100 Prozent” sicher gewesen, dass die Information in dem Satz korrekt sei. Seltsam, denn Fakt ist: Wenige Stunden nach dem Abschuss der Antonov hat die ukrainische Luftaufsicht eine Teilsperrung des Luftraums auf 9750 Meter verhängt.
[…]

http://www.tagesschau.de/ausland/malaysian-airlines-abschuss-101.html

Natürlich hat das Dutch Safety Board recht: den Verlautbarungen ukrainischer Behörden kann man nicht trauen: hinsichtlich des Abschusses der AN 26 (nicht: 24) am 14.7.2014 wurden zwei sich widersprechende propagandistische Nachrichten in die Welt gesetzt: einmal, daß dieses Flugzeug von russischem Staatsgebiet aus abgeschossen wurde, ein anderes Mal, daß diese Maschine in einer Höhe von 6.500 Metern geflogen sei, als sie von Rebellen abgeschossen wurde, die demnach über Waffen verfügt haben müssen, die über die üblichen manpads hinausreichten.

Kiew lügt, und das DSB hat darauf adäquat reagiert.

Daß regierungstreue Internet-Aktivisten die gewünschten Ergebnisse zusammengoogeln, läßt rational agierende Behörden natürlich kalt. In diesem Fall schon deshalb, weil die nachgereichte Beschuldigung durch den notorischen Peter Martin (NL) viel zu spät kam – von der mangelnden Beweiskraft seiner Bilder ganz zu schweigen.

Thursday, November 27, 2014

Unnoticed video of AN-26 downing confirms shot down from Russian territory.

Largely unnoticed video of the downing of Ukrainian AN-26 confirms it was shot down from Russian territory.[…]

http://ukraineatwar.blogspot.de/2014/11/unnoticed-video-of-26-downing-confirms.html

(wird fortgesetzt)

Und zwar hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/01/19/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-3/

Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (1)

MH 17 TitelfotoFortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/08/17/ukraine-quo-vadis-ii/

Die Berichterstattung zur Ukraine-Krise krankt nicht nur an ihrer ideologischen Aufladung – Transatlantiker hier, Entspannungspolitiker dort –, mit der Fakten bewertet, entstellt oder auch weggelassen werden, wenn sie zur eigenen Sicht nicht recht passen wollen. Sie krankt auch daran, daß die Protagonisten der Krise lügen und deren Unwahrheiten von den Medien unkritisch als Fakten überliefert werden. Dies gilt insbesondere für Kiewer Falschdarstellungen und deren unfallfreien Transport durch westliche Medien.

Bis zum 22.9.2014 hat es gedauert, bis selbst die WELT einsah, daß (auch) die ukrainische Seite lügt wie gedruckt und die Pressefreiheit mißachtet…

http://www.welt.de/politik/ausland/article132448944/Kiews-zweifelhafter-Umgang-mit-der-Wahrheit.html

Am selben Tag dämmerte es auch dem SPIEGEL, daß man antirussische Regierungsfanfaren aus Kiew immer erst einmal überprüfen sollte, bevor man sie weitertrompetet:

22.9.2014

Facebook-Propaganda: Kiews Verteidigungsminister erntet Spott für Bericht über Atomschlag

Das war dann doch zu viel der Propaganda: Der ukrainische Verteidigungsminister behauptete, Luhansk sei von russischen Atomgranaten getroffen worden. Auch aus den eigenen Reihen musste er sich Belehrungen über Waffentechnik gefallen lassen.

[…]

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-minister-erntet-spott-fuer-bericht-ueber-atomschlag-a-993149.html#ref=veeseoartikel

Die kritische Einordnung der absurden Äußerungen von Verteidigungsminister Geletey war in diesem Fall allerdings schon durch das ukrainische Innenministerium vorgenommen worden. RT berichtet nicht nur präziser über diesen Vorfall, sondern bringt auch die Vorgeschichte dieser regierungsinternen Auseinandersetzung:

If anything, the defense minister and the journalist, who misreported his words, have given ammo to critics of Ukraine, said Anton Gerashchenko, an aide to Interior Minister Arsen Avakov.

“Why would anyone make such statements that can be easily checked and proven false?” he wrote on his Facebook page. “In the end Russia and the entire world will now ridicule us. Too bad, it’s nothing new for us.”

The two Ukrainian ministries involved in the military campaign against rebel forces in the east have been trading accusations lately. The latest round of bickering this week came after Geletey said in an interview that “there were no real heroes” among the commanders of the Interior Ministry’s National Guard, who are now seeking seats in parliament. Avakov responded with a demand for an apology from his fellow minister.

http://rt.com/news/189420-ukraine-nuclear-strike-russia/

Wer sich für die ukrainischen Machtproben in Politik und Gesellschaft, zwischen Militär und Milizen, die zur Zeit inszeniert werden, interessiert, wird bei Lektüre des Poroschenko-Interviews vom 21.9.2014 feststellen, wie notwendig für diesen Prozeß die Behauptung ist, russische reguläre Truppen hätten die Kriegswende herbeigeführt:

http://euromaidanpress.com/2014/09/22/poroshenko-discusses-ilovaisk-and-ukraines-army/

Am unwürdigsten gestaltet sich dieses seit Monaten andauernde Gezerre um die Meinungs- und Faktenhoheit allerdings bei der Frage, wer und was hinter dem Abschuß der malaisischen Boeing MH 17 vom 17.7.2014 steckt. Sie ist bis heute ungeklärt – aber die sie begleitenden Lügen, Halbwahrheiten und Deutungen lassen sich doch auf eine so genaue Art und Weise nachverfolgen, daß dieses Bild schon aufschlußreich genug ist.

Der Abschuß dieses Flugzeugs, dem 298 Menschen zum Opfer fielen, war der „game-changer“, der die Sanktionsspirale des Westens gegenüber Rußland eröffnete. Die cui bono-Frage wäre damit beantwortet. Was nun allerdings Rußland mit dem tragischen Tod dieser Menschen zu tun hat? Das wußte auch der SPIEGEL nicht, als er am 28.7.2014 den Titel seiner Nummer 31/2014 mit roten Lettern „STOPPT PUTIN JETZT!“, unterlegt von zahlreichen unbefugt erlangten Fotos namentlich bezeichneter Opfer, im BILD-Stil aufpeppte. Zurecht wurde er für diese Aktion wegen politischer Instrumentalisierung der Opfer vom Presserat mit einer Mißbilligung bedacht.

http://meedia.de/2014/09/09/opferschutz-verletzt-presserat-missbilligt-u-a-spiegel-berichterstattung-zu-mh17/

Man muß kein „Putinversteher“ sein, um die Berechtigung dieser Anklage festzustellen:

19.09.2014

Russlands Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN), Witali Tschurkin, hat die bisherigen Ermittlungen zum Flugzeugabsturz der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine als „Informationskrieg“ bezeichnet. Tschurkin kritisierte, der russischen Regierung sowie den prorussischen Separatisten in der Ostukraine sei ohne jegliche Beweise vorgeworfen worden, in den Abschuss von Flug MH17 verwickelt gewesen zu sein. Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York erklärte der Botschafter, eine transparente und objektive Untersuchung des Flugzeugabsturzes sei nur unter Beteiligung der UN möglich.

In dem vorläufigen Bericht der niederländischen Sicherheitsbehörde vom 9. September über die möglichen Gründe für den Absturz wird davon gesprochen, die Boeing 777 sei von mehreren „von mit großer Energie betriebenen Objekten“ getroffen worden und dann auseinander gebrochen. Das sei „nicht wirklich informativ“ erklärte Tschurkin.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nach-absturz-von-flug-mh17-russland-spricht-von-informationskrieg-13163379.html

Tatsächlich konnte man von einer Flugunfall-Untersuchung generell nicht viel erwarten, weil sie keine Schuldigen benennt, sondern den Zweck erfüllen soll, unfallvermeidende Konzepte für die Zukunft zu gestalten. Erschwerend kommt hinzu, daß dem Dutch Safety Board ersichtlich der Ermittlungseifer fehlte. Die Entscheidung des DSB – oder vielmehr der niederländischen Regierung – , nicht zugleich mit den Pathologen auch Unfallermittler und Chemiker zur Unfallstelle zu schicken, ist nicht nachvollziehbar:

21.8.2014

  1. Why has the Dutch Safety Board not yet visited the crash site?

The Dutch Safety Board was not abled to visit the crash site because the safety of the investigators could not be guaranteed. The Dutch government believes that people investigating the causes of the crash will be at greater risk than forensic investigators, next of kin or journalists. In this respect, the safety of others at the crash site is also being taken into account: the presence of Dutch Safety Board investigators must not put others in danger.

Moreover, recovering the victims‘ bodies and searching for personal belongings had top priority. The opportunities for visiting the crash site were limited, and priority was given to forensic investigators (and the supporting marechaussees).

http://www.onderzoeksraad.nl/en/onderzoek/2049/investigation-crash-mh17-17-july-2014/onderzoek/1559/questions-and-answers-concerning-the-investigation-into-flight-mh17#fasen

Von den Rebellen ging allerdings keinerlei Gefahr aus. Entgegen der sofort einsetzenden westlichen Propaganda waren sie von Anfang an kooperativ, klauten weder Teddybären noch Eheringe, und zu diesem Zeitpunkt hielt sich auch die ukrainische Armee noch mit Angriffen zurück, wie die zahlreiche Anwesenheit von Journalisten vor Ort eindrücklich belegt:

https://www.youtube.com/watch?v=JhjN3baw57M&feature=youtu.be

Auch die mehreren hundert freiwilligen Helfer des Katastrophenschutzamtes, die man wahlweise schalt, weil sie die Leichen zu früh bargen – Veränderung des Unfallorts! –, wahlweise, weil sie sie zu spät bargen – unwürdiger Umgang mit sterblichen Überresten! –, wurden von dem niederländischen Pathologen-Team ausdrücklich gelobt:

Dutch forensic team ‘impressed’ by work at MH17 crash site
21 July 2014 Last updated at 18:06 BST

The leader of a Dutch forensics team has said he was impressed with the work done at the site of the MH17 airliner crash in Ukraine.
Forensics expert Peter Van Vliet said: “I think they did a hell of a job in a hell of a place”.
Pro-Russian rebels have allowed bodies from the Malaysia Airlines plane crash to be taken to the city of Kharkiv.

http://www.bbc.com/news/world-europe-28405448

Überhaupt zeigte die malaysische Regierung ein größeres Aufklärungsinteresse als die niederländische, ließ sich von der Kiewer Regierung nicht abhalten und nahm direkte Verhandlungen mit der politischen Führung der Rebellen auf, die das unmittelbare Umfeld der Absturzstelle bei Hrabowe/Grawoba kontrollierten.

Tuesday, July 22, 12:45 AM GMT +0800 Prime Minister Najib Razak Statement on MH17 Agreement

[…]

Earlier this evening I spoke to Alexander Borodai, who is in command of the region where the tragedy occurred. We have agreed the following:

Firstly, the remains of 282 people, currently in Torez, will be moved by train to Kharkiv, where they will be handed over to representatives from the Netherlands. The train will depart this evening Ukraine time, and will be accompanied by six Malaysian members of the recovery team. The remains will then be flown to Amsterdam on board a Dutch C130 Hercules, together with the Malaysian team. Following any necessary forensic work, the remains of Malaysian citizens will then be flown home to Malaysia.

Secondly, at approximately 9pm tonight Ukraine time, the two black boxes will be handed over to a Malaysian team in Donetsk, who will take custody of them.

Thirdly, independent international investigators will be guaranteed safe access to the crash site to begin a full investigation of the incident.

I must stress that although agreement has been reached, there remain a number of steps required before it is completed.

There is work still to be done, work which relies on continued communication in good faith. Mr Borodai and his people have so far given their co-operation.

[…]

http://www.malaysiaairlines.com/mh17

So geschah es dann auch am 22.7.2014: Borodai übergab die black boxes (Flugdatenspeicher und Aufnahmen der letzten 30 Minuten der Cockpit-Gespräche) Vertretern der malaysischen Regierung.

Am 27.7.2014 erreichte die malaysische Regierung sogar folgendes Abkommen mit der politischen Führung der Separatisten:

Sunday, July 27, 05:33 PM GMT +0800 MALAYSIA SECURES AGREEMENT FOR INTERNATIONAL POLICE DEPLOYMENT TO MH17 CRASH SITE

[…]

Malaysia has secured an agreement with Ukrainian separatists, who control the area around the MH17 crash site, to allow a group of international police personnel to enter the area in order to provide protection for international crash investigators.

Pursuant to the earlier agreement between Prime Minister Najib Razak and Alexander Borodai, leader of the separatist forces, Mr Borodai today agreed to allow a deployment of international police personnel to enter the crash site.

Prime Minister Najib has today spoken to the prime ministers of the Netherlands and Australia, and the three grieving countries have agreed to work closely together in deploying police personnel.

68 Malaysian police personnel will leave Kuala Lumpur for the crash site on Wednesday as part of the international deployment.

Under the original three point agreement brokered between Prime Minister Najib and Mr Borodai last week, the Ukrainian separatists agreed to:
transfer the black boxes to Malaysia;
handover the human remains to international officials;
and grant full access to the crash site for international investigators.

So far, international air crash investigators have been unable to properly deploy across the vast crash site in eastern Ukraine and collect evidence due to ongoing security concerns, including continued military activity. Malaysia calls for an immediate cessation of all military activities in and around the crash site.

[…]

http://www.malaysiaairlines.com/mh17

Die erfolgreichen Exklusiv-Verhandlungen zwischen der malaysischen Regierung und den „Terroristen“ konnte die Regierung in Kiew als Signal einer „internationalen“ Anerkennung der selbsternannten Volksrepublik Donezk nicht dulden. Zwar war sie durch das Versprechen Poroschenkos gebunden, in einer 40 km-Zone rund um das Absturzgebiet nicht militärisch vorzugehen; zudem gab es die UNO-Resolution des Sicherheitsrates 2166 (2014) vom 21.7.2014, die in Ziff. 7 Folgendes niederlegte:

7.

verlangt, dass alle militärischen Aktivitäten, einschließlich derjenigen bewaffneter Gruppen, in der unmittelbaren Umgebung der Absturzstelle sofort eingestellt werden, damit die Sicherheit der internationalen Untersuchung gewährleistet werden kann;

http://www.un.org/Depts/german/sr/sr_14/sr2166.pdf

Das kümmerte die Regierung in Kiew nicht weiter. Zeitgleich mit der malaysischen Vereinbarung machte sie jegliche weitere Untersuchung des Absturzortes zunichte.

Gefechte rund um MH17-Absturzstelle

Internationale Experten haben den Besuch der Absturzstelle von Flug MH17 abgesagt. In dem Gebiet in der Ostukraine brachen Panzergefechte zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Rebellen aus.

27.07.2014

Die internationalen Bemühungen um Zugang zur Absturzstelle vom Flug MH17 in der Ostukraine haben einen schweren Rückschlag erlitten. Zwar erreichten die Niederlande und Malaysia Absprachen mit den prorussischen Separatisten, Experten an die Unglücksstelle zu lassen. Doch am Sonntag brachen dort heftige Panzergefechte aus. Die ukrainische Armee versuchte nach Angaben aus Kiew, die Absturzstelle der malaysischen Boeing 777-200 bei Grabowo von den Aufständischen zu erobern.

[…]

Die bislang geborgenen Toten waren in einer Luftbrücke bis Samstag [26.7.2014] nach Eindhoven ausgeflogen worden. Ein erstes Opfer, ein Mann aus den Niederlanden, konnte gerichtsmedizinisch identifiziert werden.

[…]

Die ukrainischen Truppen wollten „das Absturzgebiet der Boeing 777 von Terroristen befreien, um internationalen Experten Sicherheit zu garantieren und die Möglichkeit für ihre Untersuchungen“. Das sagte der Sprecher des Sicherheitsrates, Andrej Lyssenko, in Kiew nach Angaben der Agentur Interfax. In den Tagen vorher hatte Präsident Petro Poroschenko eine Waffenruhe im Umkreis von 40 Kilometern um die Unglücksstelle zugesagt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/ostukraine-gefechte-rund-um-mh17-absturzstelle-13067171.html

Halten wir als erstes Zwischenergebnis fest: es waren nicht die Rebellen, die eine Untersuchung der Unfallstelle verhindert haben. Es war die niederländische Regierung, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen meinte, sie könne zwar Pathologen, aber keine Unfallexperten und Chemiker zur Unfallstelle entsenden. Es waren Kiew-unabhängige Direkt-Verhandlungen der malaysischen Regierung, die dazu führten, daß die politische Vertretung der Rebellen ihr die innerlich unversehrten und unmanipulierten black boxes übergab. Es war die Kiewer Regierung, die ab dem 27.7.2014 unter Verstoß gegen ein Poroschenko-Versprechen und gegen eine UNO-Resolution militärisch eingriff und eine weitere Untersuchung verhinderte. Dies setzte sich trotz des (brüchigen) Waffenstillstands vom 5.9.2014 fort. Hier ein Bericht der OSZE, die am 14.9.2014 wegen Beschusses von beiden Seiten vergeblich versuchte, die Absturzstelle zu erreichen.

Spot report by the OSCE Special Monitoring Mission to Ukraine (SMM), 15 September 2014: Monitoring to the east of Donetsk, SMM patrol vehicles hit by fire

DONETSK 15 September 2014

SUMMARY

On 14 September the SMM monitored the situation and adherence to Minsk Protocol provisions in the areas east of Donetsk city. These areas have not been regularly patrolled by the SMM since the signing of the Protocol; breaches of the Protocol in these areas have been reported to the SMM.  The SMM covered the areas of the H21 road after Shakhtarsk (60 km to the east of Donetsk), Torez (69 km east of Donetsk) and the route northwards towards Debaltseve (70 km north-east of Donetsk), a strategic area which had been subject to intense fighting prior to the signing of the Protocol. The SMM also carried out an on-site assessment in the area of the MH17 crash site, upon request of the Dutch, Australian and Malaysian authorities. The patrol vehicles were damaged by artillery or mortar fire at 18:37. The team left the area in the remaining useable vehicle and returned to Donetsk city at 00:32 hrs today.

[…]

http://www.osce.org/ukraine-smm/123587

Von dem vorläufigen Bericht des Dutch Safety Board war schon deshalb nicht viel zu erwarten, weil es in einem Artikel der unverdächtigen SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG – die wegen Verdruß ob der kritischen Leser-Kommentare zu ihrer Ukraine-Berichterstattung ihren Kommentarbereich komplett schloß, während die FAZ lediglich Kommentierungen ihrer Ukraine-Artikel unterband – vom 3.9.2014 hieß:

Mittwoch, 03.09.2014

Immer mehr Rätsel um Flug MH17

Die bisherige Theorie über den Abschuss ist nicht belegt – und die Zweifel an der Unabhängigkeit der Ermittler wachsen.

Von Detlef Drewes, SZ-Korrespondent in Den Haag

[…]

Inzwischen diskutiert die niederländische Öffentlichkeit heftig über eine kleine Nachricht der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die zunächst lange unbeachtet geblieben war. Schon im August hatte deren Sprecher nämlich betont, „die Ergebnisse der Ermittlungen werden nach Abschluss sowie nach Zustimmung aller Parteien, die an der Untersuchung beteiligt sind, bekannt gegeben.“ Dies sind neben den Niederländern auch Belgier, Australier und die Ukraine – erstaunlicherweise aber nicht die malaysische Seite. Die Vorstellung, dass man sich nicht auf die Preisgabe aller Details verständigen könnte, „macht mich rasend und wütend“, sagte gestern ein Angehöriger der Opfer in Den Haag gegenüber der SZ.

[…]

http://www.sz-online.de/nachrichten/immer-mehr-raetsel-um-flug-mh17-2919260.html

Um die Angehörigen der Opfer geht es natürlich nicht – diese Untersuchung ist politisch kontaminiert. Es wird die Angehörigen auch nicht trösten, daß die berichtete Vereinbarung vom 8.8.2014 sich nicht auf die Flugunfall-Untersuchung, sondern auf die parallel laufenden strafrechtlichen Ermittlungen bezieht. Daß die Ukraine als potentielle Beschuldigte hier ein Mitspracherecht hat, was die Veröffentlichung von Ergebnissen angeht, ist schlicht ein Unding und kann nicht rechtlich, sondern nur politisch begründet werden.

Unter diesen Prämissen war es nicht überraschend, daß der vorläufige Bericht des DSB vom 9.9.2014 sich im Ergebnis auf das Minimum beschränkte, nämlich zu konstatieren:

Based on the preliminary findings to date, no indications of any technical or operational issues were found with the aircraft or crew prior to the ending of the CVR and FDR recording at 13.20:03 hrs.

The damage observed in the forward section of the aircraft appears to indicate that the aircraft was penetrated by a large number of high-energy objects from outside the aircraft. It is likely that this damage resulted in a loss of structural integrity of the aircraft, leading to an in-flight break up.

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 30]

Das wußte man von Anfang an. „Hochenergie-Objekte“ – pfft. Abstrakter als mit diesem Kunstbegriff kann man es nicht ausdrücken. Als ob das DSB nicht wüßte, daß es der Öffentlichkeit darauf ankommt, ob ein Buk-Beschuß mittels Boden-Luft-Rakete vorliegt (dann ist die Frage offen, ob es sich um eine von ukrainischem Militär oder von Separatisten benutzte Waffe handelt) oder alternativ um Beschuß durch ein Kampfflugzeug (mittels Bordkanone und/oder Luft-Luft-Rakete). In diesem schlimmsten anzunehmenden Fall wäre die ukrainische Armee schuldig, wobei ein Versehen nicht unterstellt werden könnte.

Im Grunde könnte die Flugunfall-Untersuchung hier Schluß machen und sich auf die Aufgabe konzentrieren, wie zukünftig Kriegsereignisse durch verbesserte Überflug-Regelungen als Unfallursache ausgeschlossen werden können.

Man darf allerdings nicht annehmen, daß die untersuchenden Fachleute Technokraten seien, die in stiller Einfalt im Auge des Hurrikans der politischen und medialen Verwirbelungen ihre rein technischen Überprüfungen veranstalten. Die Berichtsverfasser jedenfalls haben sich als ausgefuchste Politiker erwiesen: dieses so sachlich daherkommende vorläufige Ergebnis, abgestimmt zwischen allen teilnehmenden Staaten, ist ein diplomatisch feinziseliertes Papier. Es ist ein Mosaikstück im Informationskrieg rund um den MH 17-Abschuß.

War es dieses erwartbare Ergebnis, das die  Bundesregierung davon abhielt, offizieller Teilnehmer dieser Untersuchung zu werden, obwohl doch vier der getöteten Menschen deutsche Staatsangehörige waren, mithin ein Teilnahmerecht existierte?

Die USA wurden wegen ihrer Eigenschaft als Staat der Boeing-Konstrukteure Teilnehmer der Untersuchung. Ob sie irgendetwas zur Aufklärung beigesteuert haben, wird in dem Bericht nicht mitgeteilt. Man muß schon zwischen den Zeilen lesen, um zu erfahren, daß sie nichts geliefert haben.

The investigation is making use of a wide range of information, including:

[…]

satellite imagery taken in the days after the occurrence;

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 9]

Satellitenbilder aus den USA, aufgenommen kurz vor oder während des Abschusses, lagen demnach nicht vor.

Das konnte man schon ahnen, als man Marie Harf, stv. Sprecherin des Außenministeriums der USA, lauschte, wie sie um den heißen Brei herumredete:

Marie Harf
Deputy Spokesperson
Daily Press Briefing
Washington, DC
July 21, 2014
[…]

QUESTION: Is all – really? Ganging up, huh? (Laughter.)
I just want to make sure – so you’re saying that the information that the Secretary – that James just went through – the imagery, all that kind – that this is stuff that you’re going to provide to the investigators?

HARF: I did not say that, Matt.

QUESTION: Oh.

HARF: I said that we endeavor to make as much public as we can.

QUESTION: But whether or not it’s made public, you will give them to the investigation team, right?

HARF: Well, the Dutch is leading the investigation. We’re obviously a part of it, as are other countries as well. I don’t have anything to preview for what we’ll provide to them, but we’ve said we’ll cooperate as much as we can.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/07/229550.htm#UKRAINE

Einen Tag später, nach einem Geheimdienst-Briefing vor auserwählten Journalisten, erfuhr man, daß die USA offiziell nicht die geringsten Beweise hatten, dennoch dieses und jenes schlicht „glaubten“:

U.S. officials believe attack against Malaysian plane was mistake

By Brian Bennett

July 22, 2014, 2:45 PM REPORTING FROM RUSSIA

American intelligence agencies believe Ukrainian separatists shot down a Malaysia Airlines passenger jet by mistake, possibly by misreading fuzzy radar images on a sophisticated surface-to-air missile launcher provided by Russia, senior U.S. intelligence officials said Tuesday.

[…]

The launcher that U.S. officials believe fired the SA-11 heat-seeking missile used a rudimentary radar system that gives an incomplete picture of what is flying above, officials said. Such antiaircraft systems are designed to be linked to other radar that would allow the crew on the ground to distinguish between military and civilian aircraft.

Because separatists did not have secondary radar images available, they probably mistook the airliner for a Ukrainian military plane, the officials said.

The missile that took down the jetliner was probably fired by an „ill-trained crew,“ said one U.S. official who requested anonymity because he was not authorized to speak publicly on the issue. „It does appear to be a mistake.“

[…]

U.S. officials have not released evidence proving that Russia’s military played a direct role in the downing of the jet or in training separatists to use the SA-11 missile system.

[…]

Since the crash, Russia has increased the movement of military hardware into eastern Ukraine, officials said. On Tuesday morning, U.S. intelligence agencies confirmed that about 20 tanks and armored vehicles crossed Russia into eastern Ukraine.

The Russian government is also training separatists on a „gigantic“ military base near the southwestern town of Rostov, officials said. Officials shared satellite images of the base that showed a large buildup of vehicles between June and mid-July. One image was dated June 19 and the other image, which showed dozens of rows of additional vehicles, was dated July 21.

Tanks and infantry fighting vehicles from Russia have been driven into the area around Luhansk in eastern Ukraine in the last week, officials said.

[…]

U.S. intelligence agencies have so far been unable to determine the nationalities or identities of the crew that launched the missile. U.S. officials said it was possible the SA-11 was launched by a defector from the Ukrainian military who was trained to use similar missile systems.

[…]

http://www.latimes.com/world/europe/la-fg-ukraine-intelligence-us-20140722-story.html

Da Buk-Raketen nicht hitzesuchend, sondern radargeleitet sind, dürfte es sich hier um einen journalistischen Fehler handeln. Es ist zu konstatieren, daß der Geheimdienst weder einen Buk-Transport aus Rußland in die Ostukraine behauptet noch gar weiß, welche Seite die Rakete abgefeuert hat. Ein versehentlicher Abschuß wird daraus hergeleitet, daß ohne den Betrieb einer kompletten Buk-Batterie, bestehend aus dem Radarfahrzeug „Kupol“, der Kommando-Zentrale, die die Zielerfassung vornimmt und verfolgt sowie die Daten an die Abschußrampe weitergibt, und den Abschußrampen mit ihrem bloßen Feuerleitradar, ein Abschuß schwierig bis unmöglich ist.

Und was mag die Grundlage für die Annahme sein, daß ein übergelaufener ukrainischer Soldat die nahezu zielerfassungsunfähige Buk-Abschußrampe bedient haben könnte? Weil selbst die Radar-Einrichtung der Abschußrampe ausgesprochen kompliziert zu bedienen ist?

Hier ein „Werbefilm“ über Buk-Batterien, der einen Einblick in die komplizierte Radartechnik ermöglicht – ich empfehle, vor Anklicken des YouTube-Films den Ton abzustellen:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=mBlU2hHYJMg

Noch deutlicher wird AP, die ebenfalls vom Geheimdienst gebrieft wurde:

U.S.: No evidence of Russian government in plane downing

BY Ken Dilanian, Associated Press  July 22, 2014 at 5:09 PM EDT

 

Senior U.S. intelligence officials said Tuesday that Russia was responsible for “creating the conditions” that led to the shooting down of Malaysia Airlines Flight 17, but they offered no evidence of direct Russian government involvement.

[…]

But the officials said they did not know who fired the missile or whether any Russian operatives were present at the missile launch. They were not certain that the missile crew was trained in Russia, although they described a stepped-up campaign in recent weeks by Russia to arm and train the rebels, which they say has continued even after the downing of the commercial jetliner.

In terms of who fired the missile, “we don’t know a name, we don’t know a rank and we’re not even 100 percent sure of a nationality,” one official said, adding at another point, “There is not going to be a Perry Mason moment here.”

The officials said the most likely explanation for why the plane was shot down is that the rebels made a mistake. Separatists previously had shot down 12 Ukrainian military airplanes, the officials said.

The officials made clear they were relying in part on social media postings and videos made public in recent days by the Ukrainian government, even though they have not been able to authenticate all of it. For example, they cited a video of a missile launcher said to have been crossing the Russian border after the launch, appearing to be missing a missile.

But later, under questioning, the officials acknowledged they had not yet verified that the video was exactly what it purported to be.

[…]

http://www.pbs.org/newshour/rundown/us-evidence-direct-russian-link-plane/

Es kann natürlich auch einen anderen Grund haben, daß die USA ihre Satellitenbilder dem Dutch Safety Board nicht übergeben haben: weil darauf etwas zu sehen war, was nicht zu sehen sein soll. Der investigative Journalist Robert Parry berichtet von Mitteilungen einer Quelle:

What Did US Spy Satellites See in Ukraine?
July 20, 2014

Exclusive: The U.S. media’s Ukraine bias has been obvious, siding with the Kiev regime and bashing ethnic Russian rebels and Russia’s President Putin. But now – with the scramble to blame Putin for the Malaysia Airlines shoot-down – the shoddy journalism has grown truly dangerous, says Robert Parry.

By Robert Parry

[…]

What I’ve been told by one source, who has provided accurate information on similar matters in the past, is that U.S. intelligence agencies do have detailed satellite images of the likely missile battery that launched the fateful missile, but the battery appears to have been under the control of Ukrainian government troops dressed in what look like Ukrainian uniforms.

The source said CIA analysts were still not ruling out the possibility that the troops were actually eastern Ukrainian rebels in similar uniforms but the initial assessment was that the troops were Ukrainian soldiers. There also was the suggestion that the soldiers involved were undisciplined and possibly drunk, since the imagery showed what looked like beer bottles scattered around the site, the source said.
[…]
http://consortiumnews.com/2014/07/20/what-did-us-spy-satellites-see-in-ukraine/

Betrunkene ukrainische Soldaten einer kompletten Buk-Batterie kontra einen nüchternen ukrainischen Überläufer, der in der Lage ist, ein 900 km/h schnelles Objekt in einer Höhe von 10 km mit einem Feuerleitradar zu finden, der über eine Reichweite von 35 km nicht hinausgeht…

Auch die russische Seite hat ihre am 21.7.2014 öffentlich vorgeführten Satellitenfotos nicht abgeliefert, dafür allerdings die Aufzeichnungen ihres Primary Radar der Flugsicherung von Rostow-am-Don: dieser ist dem Sekundär-Radar der ukrainischen Flugsicherung von Dnipropetrowsk dahingehend überlegen, daß er auch Objekte erfassen kann, die lediglich reflektieren, und nicht nur mittels Transponder-Signalen und sonstigen zivilen Flugzeug-Datensendungen auf dem Radar erscheinen.

Dem Dutch Safety Board war bekannt, daß Rußland auf seinem der Ukraine nicht zur Verfügung stehenden Primary Radar ein Militärflugzeug aufgefallen war.

Als einziges vorläufiges Auswertungsergebnis präsentiert der Untersuchungsbericht dann aber nur die grundstürzende Erkenntnis, daß der Flug MH 17 sowohl auf dem ukrainischen wie auch auf dem russischen Radar mit „B 777-200“ auf der Höhe FL330 (33.000 Fuß, ca. 10 km) gekennzeichnet sei.

2.5.1
ATC surveillance data

For this investigation ATC surveillance data was obtained from both Ukraine (UkSATSE) and the Russian Federation. The data obtained was the following:
•Primary surveillance radar recorded by the Russian surveillance aids
•Secondary surveillance radar (SSR / Mode S)6
•Automatic Dependant Surveillance – Broadcast (ADS-B)7ground based reception.

Preliminary information shows that Ukrainian and Russian ATC surveillance radar identified flight MH17 as a B777-200 at FL330. Analyses of recorded ATC surveillance data is ongoing.

[…]
2.5.3
Other traffic

According to information received from the NBAAI, recorded ATC surveillance information revealed that three other commercial airliners overflew the same restricted airspace as flight MH17 around the time of the occurrence. Two of those aircraft were cruising eastbound and one was cruising westbound. All were under control of Dnipro Radar. At 13.20 hrs the distance between MH17 and the closest of the three aircraft was approximately 30 kilometres. Analyses is ongoing.

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 14]

Das überlegene russische Radar-Material, das allein hätte die Anwesenheit von Militärmaschinen beweisen können, wurde demnach monatelang vernachlässigt. Bei der Detektion weiterer drei ziviler Maschinen im Luftraum, die auch durch das russische Material belegt war, bezieht sich der Bericht allein auf Informationen durch „NBAAI“.

Letzteres Kürzel repräsentiert nichts anderes als:

the National Bureau of Air Accident Investigation of Ukraine (NBAAI)

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 7]

Hat sich tatsächlich niemand das russische Radarmaterial angesehen? Oder sollte mit diesem vorläufigen Ergebnis der Eindruck hervorgerufen werden, daß sich ausschließlich die drei weiteren bekannten Zivilmaschinen im benachbarten Luftraum bewegt hätten?

Aktuell fordert die russische Seite Folgendes:

Boeing-Absturz: Russland fordert Offenlegung der Flüge ukrainischer Kampfjets

MOSKAU, 25. September (RIA Novosti).

Nach dem Absturz des malaysischen Verkehrsflugzeuges in der Ukraine fordert Russland, den Flugplan der ukrainischen Luftwaffe am Tag der Katastrophe offenzulegen. Die Luftfahrtbehörde Rosaviazia hat an die zuständige internationale Ermittlungskommission einen entsprechenden Brief gerichtet.

Darin werden die Ermittler aufgefordert, die Flüge der ukrainischen Militärflugzeuge  am 17. Juli im Kampfgebiet im Osten des Landes zu analysieren, die Betriebsfähigkeit der ukrainischen Radare zu überprüfen sowie die entsprechenden Kontrolldaten der ukrainischen Luftverteidigung auszuwerten.

[…]

http://de.ria.ru/society/20140925/269642095.html

Eine Forderung, der sich das DSB unter Hinweis darauf, daß es zur Ermittlung von Schuldigen nicht zuständig sei, entziehen könnte.

Zweifel wirft auch diese Passage auf [Hervorhebungen von mir]:

History of the flight

On 17 July 2014, a Malaysia Airlines Boeing 777-2H6ER operating as flight MH17, departed Amsterdam Airport Schiphol in the Netherlands at 10.31 hrs on a scheduled passenger flight to Kuala Lumpur International Airport in Malaysia. Malaysia Airlines had determined and filed the flight plan for flight MH17, which was approved by all involved air traffic control centres for their concerned regions. According to the flight plan, flight MH17 would initially fly at Flight Level 330 (FL330)5 above Ukraine until the waypoint PEKIT, which is on the Flight Information Region (FIR) boundary between Kiev FIR (UKBV) and Dnipropetrovs’k FIR (UKDV). From waypoint PEKIT the flight plan indicates FL350 for the remaining part over Ukraine.

According to ATC data, at 12.53 hrs the aircraft was flying within the Dnipropetrovs’k FIR, Control Sector 2, at FL330, controlled by Dnipro Control. At that time, Dnipro Control asked whether MH17 was able to climb to FL350 in accordance with the flight plan of MH17 and also to clear a potential separation conflict with other traffic in the area, another Boeing 777 flying at FL330 and approaching from behind.

The crew replied they were unable to comply and requested to maintain at FL330.This was agreed by Dnipro Control. As an alternative to solve the separation conflict, the other traffic climbed to FL350.

According to ATC data, at 13.00 hrs the crew of flight MH17 requested to divert the track 20 NM to the left, due to weather. This also was agreed by Dnipro Control, after which the crew requested whether FL340 was available.
Dnipro control informed MH17 that FL340 was not available at that moment and instructed the flight to maintain FL330 for a while
. At 13.07 hrs the flight was transferred to Dnipropetrovs’k CTA 4, also with call sign Dnipro Control.

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[SW. 11]

Nichts von alldem hat das DSB anhand der von Kiew übermittelten Daten dokumentiert. Die Wiedergabe der Gespräche zwischen Cockpit und Flugsicherung setzt erst um 13:08 ein. Man soll wohl einfach glauben, was da erklärt wird. Warum weigert sich MH 17, auf 35.000 Fuß zu steigen, wenn es der hinter ihr fliegenden Maschine problemlos möglich ist? Wieso bittet es nach der nördlichen Abweichung von der Flugroute wegen Witterungsbedingungen zwischen 13 Uhr und 13:08, auf 34.000 Fuß zu steigen, wenn doch bekannt ist, daß Maschinen mit östlicher Richtung grundsätzlich auf ungeraden Flight Levels unterwegs sind?

2.4.2
Standard flight levels

For IFR air traffic the general principle of standard flight levels apply: odd thousands of feet (flight levels 310, 330, 350) when on an magnetic track of 0º through 179º degrees and even thousands of feet (flight levels 300, 320, 340) when on a magnetic track of 180º through 359º. Other flight levels may be available by ATC clearance.
For flight MH17, following route L980 on an eastbound track, it was kept to the odd standard flight levels as depicted in its flight plan for this part of its routing: FL330 and FL350.

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 13]

Und welcher weitere Flugverkehr verhinderte eine individuelle Freigabe von FL340?

Die Darstellung auf S. 12, für die auf unzulängliches ukrainisches Material zurückgegriffen wurde (es zeigt nicht die weiteren beabsichtigten Routen der drei weiteren im Luftraum anwesenden zivilen Flugzeuge), deutet auf keine Kollisions-Probleme hin. Bezeichnend, daß hier allein auf die ukrainische Flugsicherungs-Quelle zurückgegriffen wurde. Und die wich dann auch noch von der Berichts-Behauptung ab, daß die Radaraufzeichnungen der Ukraine wie auch Rußlands für den MH 17 Flug dieselbe Bezeichnung gewählt hätten.

DSB S.12Zum Vergleich die Version, die das russische Verteidigungsministerium vorhält:

Verteid.Min Originalhttp://stat.multimedia.mil.ru/multimedia/photo/gallery.htm?id=17402@cmsPhotoGallery

Daß diese Visualisierung der Radaraufzeichnungen aussagekräftiger ist als die der ukrainischen Seite, leuchtet unmittelbar ein. Neben dem nicht-zivilen Flieger Nr. 3505 finden sich Routen von zivilen Flugzeugen nebst Markierung von deren Standorten um 17:20 Uhr Moskauer Zeit = 16:20 Ortszeit = 13:20 UTC, die dem niederländischen Bericht zugrundeliegt – dies war der Zeitpunkt, als nach dem niederländischen Bericht die Blackboxes nichts mehr aufzeichneten, also deren Stromzufuhr unterbrochen wurde, und nach russischen Angaben die Geschwindigkeit von MH 17 von 900 km/h auf 200 km/h gedrosselt wurde. Dies war also der Zeitpunkt des Angriffs.

Im benachbarten Luftraum waren demnach eine 747 von Kopenhagen nach Singapur (17:17 Uhr), eine 778 von Paris nach Taipei (17:24 Uhr) und eine 778 von Delhi nach Birmingham (irrtümlich mit !6:10 Uhr bezeichnet) unterwegs. Im Hinblick auf die unterschiedlichen Flugrouten und Höhen kann eine Kollisionsgefahr ausgeschlossen werden.

Eine Überprüfung dieser Visualisierung anhand der Daten hat angeblich nicht stattgefunden.

Welche Wetterprobleme gab es, die zur angeblich erbetenen nördlichen Abweichung vom üblichen Flugpfad L980 führten? Nach den vorläufigen meteorologischen Befunden auf S. 17 f. gab es hierfür keinen Grund:

DSB S. 18„Versehentlich“ ist nicht eingezeichnet, über welchem Gebiet die nördliche Abweichung erbeten wurde. Aber die hier präsentierten Erkenntnisse über das Wetter am Tattag kann man ohnehin nur als laienhaft bezeichnen, denn dargestellt wird das Wetter um 12 Uhr. Die dazugehörige Fußnote 10 auf S. 18 im Bericht lautet:

10

This image was chosen from the available satellite images. The time this image was made, was the most close to the time of the accident.

Man fragt sich, was da für Experten zugange sind. Seit wann verläßt man sich auf Satellitenbilder, um meteorologische Bedingungen an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit nachzuvollziehen? Gibt es in der Ukraine etwa keine amtlichen Wetterstationen, die punktgenau nachvollziehen können, wann welches Wetter in welcher Region herrschte?

Nein, „glauben“ kann man diesem Bericht gar nichts. Schon deshalb nicht, weil Malaysian Airlines der im Bericht unbelegten Behauptung, daß der Flugplan bei Erreichen des ukrainischen Luftraums (kontrolliert durch die Flugsicherung Kiew) eine Flughöhe von 33.000 Fuß vorgesehen habe, schon am 18.7.2014 klar widersprochen hatte [Hervorhebungen von mir]:

Statement & Information on Flight MH17

Friday, July 18, 08:20 PM GMT +0800 Media Statement 4 : MH17 Incident

  1. Flight plan
    MH17’s flight plan was approved by Eurocontrol, who are solely responsible for determining civil aircraft flight paths over European airspace. Eurocontrol is the air navigation service provider for Europe and is governed under ICAO rules.
    The route over Ukrainian airspace where the incident occurred is commonly used for Europe to Asia flights. A flight from a different carrier was on the same route at the time of the MH17 incident, as were a number of other flights from other carriers in the days and weeks before. Eurocontrol maintains records of all flights across European airspace, including those across Ukraine.
    In April, the International Civil Aviation Organization identified an area over the Crimean peninsula as risky. At no point did MH17 fly into, or request to fly into, this area. At all times, MH17 was in airspace approved by the ICAO.
  2. Altitude
    MH17 filed a flight plan requesting to fly at 35,000ft throughout Ukrainian airspace. This is close to the ‘optimum’ altitude.
    However, an aircraft’s altitude in flight is determined by air traffic control on the ground. Upon entering Ukrainian airspace, MH17 was instructed by Ukrainian air traffic control to fly at 33,000ft.

http://www.malaysiaairlines.com/my/en/site/mh17.html

Der Erklärung von Malaysia Airlines folge ich um so mehr, weil das Dutch Safety Board seine gegenteilige Darstellung nicht mit Gesprächen zwischen Flugsicherung und Cockpit unterlegt hat. Hieraus dürfte zu schließen sein, daß Kiew nicht sämtliche ATC-Aufzeichnungen übergeben hat, insbesondere nicht die der Kiewer Flugsicherung.

Besonders unglaubhaft erscheint mir diese Ankündigung im vorläufigen Bericht des Dutch Safety Board:

This report is preliminary. The information must necessarily be regarded as tentative and subject to alteration or correction if additional evidence becomes available. Further work will at least include the following areas of interest to substantiate the factual information regarding:

[…]

  • results of the pathological investigation;

[…]

http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 32]

Natürlich ist es für eine Flugunfall-Untersuchung unerheblich, was die Pathologen befundet haben, denn denen kommt es nur darauf an, festzustellen, an welcher Waffeneinwirkung Piloten und evt. Passagiere verstorben sind, soweit sie nicht wegen des Auseinanderbrechens der Maschine in Sekundenbruchteilen ums Leben kamen. Diese Untersuchungen sind natürlich längst abgeschlossen.

Man bedenke, wie schnell derartige Untersuchungen, nämlich binnen einer Woche, stattfanden, nachdem die Ukraine im Jahr 2001 während eines Manövers versehentlich eine zivile russische Maschine abgeschossen hatte:

Ukraine admits it shot down Russian airliner

By Ben Aris in Moscow

12:01AM BST 13 Oct 2001

Ukraine finally admitted yesterday that its military shot down a Russian airliner that crashed into the Black Sea last week, killing all 78 passengers and crew.

Evhen Marchuk, the chairman of Ukraine’s security council, conceded that the plane had probably been brought down by „an accidental hit from an S-200 rocket fired during exercises“.

Russian investigators believe a missile exploded near the plane, spraying it with shrapnel. Russian and Israeli scientists found metal pellets in the victims and in the fuselage.

Vladimir Rushailo, the chairman of Russia’s security council, said: „The investigation has found that the disaster resulted from a strike by a warhead from an anti-aircraft missile.“

Although both Russia and Ukraine were almost certainly aware of the cause from the start, it took eight days for Ukraine to accept responsibility.

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/1359353/Ukraine-admits-it-shot-down-Russian-airliner.html

Fotos eines Pilotensitzes der MH 17 befinden sich hier:

https://www.flickr.com/photos/33705716@N05/14687968889/in/set-72157646326477044

http://aviaforum.ru/attachment.php?attachmentid=448667&d=1406975116

Vor diesem Foto muß ich warnen, weil es auch eine Aufnahme der Leiche des Co-Piloten enthält:

https://www.flickr.com/photos/128147213@N02/15358469675/lightbox/

Es ist daher davon auszugehen, daß bei den spätestens ab dem 22.7.2014 vorgenommenen Obduktionen entsprechende Metallteile herauspräpariert wurden und daß deren chemische Untersuchung längst stattgefunden hat, was eine Bestimmung der Munitionsart ermöglicht.

Insoweit halte ich es für Desinformation, wenn das Dutch Safety Board einen Tag nach Präsentation des vorläufigen Berichts erklärt, man habe in den Körpern der Piloten Metallteile gefunden, die nun untersucht werden müßten:

Unidentified Fragments Found in Bodies of MH17 Crew: Dutch Safety Board

Topic: Malaysia Airlines Boeing Crashes in Ukraine

13:49 10/09/2014

Updated 2:40 p.m. Moscow time

MOSCOW, September 10 (RIA Novosti) – Unidentified fragments have been found in the bodies of Malaysia Airlines flight MH17 pilots, their origin is currently being established, a Dutch Safety Board (DSB) spokeswoman told RIA Novosti Wednesday.

“Some fragments are found in the bodies of flight crew, pilots. We have to investigate them to see if they are fragments of the plane. If they are not, it might be fragments of the objects, coming from outside. We’re not sure yet what these pieces are fragments of. Experts are working with bodies,” DSB spokeswoman Sara Vernooij said.

http://en.ria.ru/world/20140910/192802348/Unidentified-Fragments-Found-in-Bodies-of-MH17-Crew-Dutch-Safety.html

Selbstverständlich haben die Obduzenten ihre Arbeit längst erledigt; seitdem sind DNA-Experten mit der Identifizierung der Opfer beschäftigt.

Zur Abrundung brach am 12.9.2014 sogar die niederländische Staatsanwaltschaft erstmals ihr Schweigen, um dem nichtssagenden Bericht der Unfalluntersuchungs-Behörde den richtigen Spin zu geben – was die FAZ, die das schon einen Tag zuvor erledigt hatte, mit tiefer Befriedigung erfüllte. Bedauerlicherweise bebilderte sie ihren Artikel mit einem Wrackteil-Foto, das einen glatten kreisförmigen Durchschuß wie von einer 30 mm-Bordkanone aufwies:

MH-17-Ermittler

Ein Angriff vom Boden aus das „wahrscheinlichste Szenario“

Ohne Spezialwissen ließen sich die Schlüsse aus dem am Montag vorgestellten Bericht kaum ziehen. Nun leistet der niederländische Chefermittler Interpretationshilfe. Eine Boden-Luft-Rakete soll MH17 getroffen haben.

12.09.2014

Das über der Ostukraine abgestürzte malaysische Passagierflugzeug ist nach Ansicht der Strafermittler in den Niederlanden vermutlich von einer Luftabwehrrakete abgeschossen worden. Das sei das „wahrscheinlichste Szenario“ sagte Staatsanwalt Fred Westerbeke am Freitag in Rotterdam. Damit bestätigte Westerbeke eine Analyse dieser Zeitung auf Grundlage des am Montag vorgestellten Berichts.

Von den 500 Spuren, die die Sonderkommission sichergestellt habe, konzentrierten sich die Ermittlungen auf 25 Metallteile, die an Opfern und Gepäckstücken gefunden worden seien. Zurzeit werde überprüft, ob diese von dem Flugzeug stammten oder von einer Rakete, sagte Polizeichefin Patricia Zorko.

[…]

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/mh-17-ermittler-ein-angriff-vom-boden-aus-das-wahrscheinlichste-szenario-13150071.html

Der SPIEGEL wußte am 12.9.2014 noch folgendes beizusteuern:

„Es ist klar, dass es nicht einfach wird,“ sagte Westerbeke, der die internationalen Ermittlungen leitet, „aber ich erwarte, dass wir sehr weit kommen.“ Hoffnungen setzt er auch auf US-Satellitenaufnahmen, die Aufschluss über Raketenstellungen geben könnten. „Wenn wir wissen, wo sie (eine Rakete) abgefeuert wurde, dann können wir herausfinden, wer das Gebiet kontrolliert hat.“ Die US-Aufnahmen lägen noch nicht vor. „Wir werden sie bekommen“, sagte Westerbeke, aber es sei „ein langer Prozess.“ Sobald die Sicherheitslage es zulasse, sollen Ermittler auch die Absturzstelle untersuchen.

http://www.spiegel.de/panorama/mh17-ermittler-haelt-abschuss-fuer-hoechstwahrscheinlich-a-991360.html

Ein Rechtshilfeersuchen an die USA ist ein langwieriges Verfahren – und man kann sicher sein, daß es mit dem Argument, man wolle nicht offenbaren, wie effektiv die eigenen Aufklärungs-Satelliten arbeiten, aus Gründen der Staatsraison abgelehnt werden wird. Vielleicht sollte Herr Westerbeke in der Zwischenzeit die russischen Satelliten-Aufnahmen beiziehen und kritisch würdigen?

http://stat.multimedia.mil.ru/multimedia/photo/gallery.htm?id=17402@cmsPhotoGallery

Mit den „Beweisfotos“ der USA, hier auf der Facebookseite der amerikanischen Botschaft in Kiew vom 22.7.2014, kann er sich jedenfalls nicht zufriedengeben:

FB US-Botschaft

 

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10152288664556936&set=a.431664811935.225869.43732151935&type=1&theater

(Fortsetzung folgt)

Und zwar hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/10/23/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-2/