Hundstage in Warnemünde oder: vom Verschwinden des Strandkorbs

Ein Sommer-Capriccio

Die schönste aller Prokrastinationen – die hatten wir hier schon mal –

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/08/12/bloggen-die-grose-freiheit-oder-zwang-zur-produktion-mit-einem-seitenblick-auf-alice-schwarzer/

sind zweifellos Urlaubstage. Und wenn sich sogar in Deutschland einmal der Hochsommer einstellt, dann lockt das Meer sprich die naheliegende Ostsee. Wenn es so heiß ist, daß die Gedankenströme klebrig werden und gänzlich zu versiegen drohen, der Körper matt und matter wird, das Eis schon auf dem Weg vom Supermarkt zum heimischen Kühlschrank schmilzt, dann muß man einfach nach Warnemünde fahren.

Und war das wieder einmal schön: das kühle Naß –

und der zauberhafte Strand:

Fotos lügen nicht?

Weit gefehlt! Man muß nur den richtigen Ausschnitt wählen und ganz schnell abdrücken, bevor jemand durchs Bild latscht. Denn natürlich sah es am Wochenende dort ganz anders aus.

Hier das Meer:

Und hier der Strand:

Dort gab es dann einen richtigen Kulturschock (nein, nicht wegen des Menschengewimmels, das und nichts anderes hatte ich erwartet) –: kein einziger Strandkorb weit und breit. Stattdessen zeigte sich mal wieder der Trend zur Autarkie. Heutzutage bringt der Strandbesucher seinen eigenen Korb in Form eines bunten Nylon-Halb-Iglus mit, schließlich muß man sich vor Wind und Sonne zeitgemäß schützen, obwohl man doch gerade Strandurlaub macht, um Wind und Sonne zu genießen… Ich fand die Dinger praktisch, dienen sie doch als Orientierungspunkte bei der Suche nach dem eigenen Liegeplatz. Da tritt man den Gang ins Wasser ganz unbesorgt an, wenn man weiß, daß das altvertraute Handtuch zwischen dem orangefarbenen und dem blau-roten Halb-Iglu liegt.

Fatal nur, wenn der orangefarbene bei Rückkehr bereits abgebaut ist und eine massive Mehrheit blau-rote bevorzugt… Dann irrt man, mit vorgerecktem Kopf spähend, an der Wasserlinie umher und versucht krampfhaft, den Eindruck zu vermeiden, man sei voyeuristisch veranlagt (oder ein dummes Hühnchen ohne Orientierungssinn – man will ja keine Geschlechterstereotype verfestigen).

Ein entschiedener Vorzug des mobilen Strandkorbs ist das große Kino, das mitunter bei dessen Abbau gegeben wird.

Drei Frauen: eine studiert die Gebrauchsanweisung und weist die anderen beiden ein. Diese klappen das flexible Teil ein und um, verdrehen es zu  Achten, schütteln Sand heraus, ein Windstoß bläst die fragile Konstruktion wieder auseinander, alles beginnt von vorne – eine saukomische Choreographie, ein Menuett der Vergeblichkeit. Nach fünfzehn Minuten ist ein etwas sperriger kreisrunder widerspenstiger Gegenstand geformt, der aber immer noch doppelt so groß ist wie die Hülle mit dem praktischen Tragegriff, in die er hineinsoll. Die drei Frauen beschließen, eine benachbarte Halb-Iglu-Bewohner-Familie um Rat zu fragen. Der Familienvater verweist auf seine Ehefrau: die kenne sich damit besser aus. Nun beginnt das Ballett erneut, weitaus harmonischer als zuvor, denn nun mühen sich gleich vier Grazien ab. Und obwohl die Angelegenheit jetzt irgendwie zielstrebiger aussieht, dauert es dann doch noch fünf Minuten, bis das Teil dergestalt in die Tragetasche verfrachtet ist, daß der Reißverschluß noch funktioniert.

Es gibt aber noch ein anderes neuzeitliches Strandkorb-Modell, dessen Abbau ein gegerbtes Naturfreund-Ehepaar in mustergültigem Zusammenspiel in Null-Komma-Nichts bewältigte: Sie zupfte rhythmisch den Nylonstoff von den Stangen und faltete ihn zu einem ordentlichen Päckchen, während Er die zusammengesteckten Stangen auseinandernahm und die handlichen Teilstäbchen ordentlich bündelte und verschnürte. Zeitgleich beendete das Paar seine Tätigkeit, Sie hielt ihm die erstaunlich kleine Tragetasche hin, Er verstaute das ordentliche Bündel und das ordentliche Päckchen, woraufhin Sie den Reißverschluß zuzog. Ein eingespieltes Team, eine fast militärisch anmutende Präzision der Vorführung. Wurde hier mehr als der Abbau des modernen Strandkorbs vorgeführt? War das hier eine Schlüsselszene, die das Geheimnis einer gelungenen Ehe offenbarte?

Aber ach, es ist viel zu heiß zum Denken. Man liegt und fühlt und schaut und es denkelt nur noch zusammenhanglos & unsinnig vor sich hin, das Gehirn.

Der alte Schopi hatte schon recht, als er die Frauen das ›kurzbeinige Geschlecht‹ nannte.

Menschen mit Ganzkörper-Tatoos können eigentlich nur uni-Bademoden tragen, möglichst helle oder schockfarbene, sonst sieht man nicht, wo die Bekleidung anfängt und die Tätowierung aufhört.

Kein Körper gleicht dem anderen, und kaum einer dem Ideal. Entweder findet man sie alle schön oder alle häßlich. Und wie ist es nur möglich, daß es einheitliche medizinische Standards für so unterschiedliche Gebilde gibt?

Was das Meer und der Himmel alles schon gesehen haben und noch sehen werden.

Kinder haben es gut. Die vergleichen nur, wer von ihnen den besten Handstand hinbekommt.

Die riesige Möwe heute auf der Frühstücksterrasse, die sich ein ganzes Brötchen reinwürgte wie eine Boa constrictor ein Kaninchen. Fast hätte sie sich den Schnabel ausgerenkt oder wäre vor Gier erstickt.

Die zartgliedrige Maid nebenan, die sich oben ohne sonnte: keiner guckte hin. Aber als die junge afrikanische Frau, Typ Mammy, schwarzer Bikini, majestätisch-graziös, in unbeschreiblichem Stolz und unglaublicher Würde den Strand entlangschritt, zog sie die Blicke auf sich. Erotik hat nichts mit Schlankheit zu tun. Auch Masse kann schweben.

Ist noch Wasser in der Flasche? Warum sehe ich schon wieder so paniert aus?

Wie schön, nichts machen und nichts denken zu müssen… Da fällt mir ein, daß die Regierung in Gestalt unserer wackeren Verbraucherschützerin Frau Ilse Aigner ein Ampelsystem für Klamotten einführen sollte. Kombiniere nie eine zitronengelbe Hose mit blaurotorange-kariertem Hemd. Ein No-go für Leptosome: die geräumigen Bermuda-Shorts mit dem tiefhängenden Hosenboden. Quergestreiftes ab Größe 48 darf nicht einmal mehr produziert werden – der Verbraucher muß vor eigenschädigenden ästhetischen Mißgriffen ganz unbedingt geschützt werden. Dafür ist eine Regierung schließlich da. Tiefstrote Ampel für die Sandalensocke, kombiniert mit einem akustisch vernehmbaren Sockenschuß, wenn sie ins unpassende Schuhwerk gezwungen werden soll.

Hahaha, die Frau, die den Iglu-Abbau erklärt hat, braucht jetzt auch zehn Minuten, um das störrische Ding zusammenzufalten…

Kinners, war das wieder toll am Strand! Wenn ich in zehn Jahren noch mal vorbeischaue, karrt wohl jeder zweite schon sein eigenes Dixi-Klo heran.

Und auch spät abends, nach einem leichten Mahl und einem leichten Rosé, (schon lange keinen Rosé mehr getrunken: erst als die Dame am Nachbartisch fragte, wo denn ihr Riesling bleibe, fiel’s mir wie Schuppen von den nachtblinden Augen…) hält die Leichtigkeit des Seins an. Daß Häuser schwimmen können…

P.S.

Nicht mal als Strandlektüre hätte sich der Steinfeld-Krimi ›Der Sturm‹ geeignet, wäre er an jenem Warnemünde-Wochenende bereits im Handel erhältlich gewesen. O.K., wer sich bei Thomas Wörtche die Rezension eines deutschen Krimis (oder auch nur die Besprechung über einen, der gelesen werden will) bestellt, weiß, daß er einen Verriß aquiriert – das war also kulturbetriebsinterne quantité négligeable –

Mit Kriminalliteratur auf der Höhe der Zeit hat der Roman so wenig zu tun wie ein Ritterschmöker à la „Die Wanderhure“ mit der Artus-Epik. „Der Sturm“ versucht, tagespolitische Themen mit der biedersten kriminalliterarischen Ästhetik zu verhandeln. Das war auch die Achilles-Ferse der Wallander-Romane – insofern wäre die ursprüngliche Schweden-Fiktion schon sinnvoll gewesen. Das Getöse um das Buch ist ein anderes Thema.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1844300/

Aber auch Gerrit Bartels im TAGESSPIEGEL meint, daß das Buch weder als Krimi noch als Schlüsselroman taugt:

So ließe sich jetzt noch die eine oder andere Beschreibung von Meier zitieren – trotzdem bleibt er als Figur blass. Ronny Gustavsson sagt zwar einmal, dass ihn das Opfer mehr interessiere als der Täter. Nach Klärung der Opferidentität ist das aber eine reine Behauptung: Meier spielt im Folgenden keine Rolle mehr, sein Umfeld, sein Tun, all das, was in einem klassischen „Whodunnit“-Krimi von Bedeutung wäre.

Ansonsten ist „Der Sturm“ eine solide Genrearbeit geworden, gerade in den ersten zwei Dritteln. Eine schnelle Kapitelabfolge, viel schwedisches Lokalkolorit, ein kluger, sympathischer, in Liebes- wie Berufsdingen aber gescheiterter und alles andere als ermittelnder Reporter als Hauptfigur, ein weiterer Toter, New York und Berlin als Nebenschauplätze.

[…]

Der Wintersturm, der Schonen dann heimsucht und die Existenz schwedischer Bauern und Waldbesitzer bedroht, ist die etwas dick aufgetragene Metapher für diese heftig in Bewegung geratene Welt. Der Sturm fördert schließlich auch den BMW des Mordopfers zutage, auf dass Steinfeld/Winkler eine unspektakuläre, mäßig interessante Auflösung ihrer Geschichte präsentieren können.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/der-dax-und-die-dachse/7037320.html

Ach, wie war mir das alles am Strand von Warnemünde Hekuba – Sonne, Meer und Wind: das Existenzielle zählt.

Bloggen – die große Freiheit oder Zwang zur Produktion? (mit einem Seitenblick auf Alice Schwarzer)

Dieses Internet-Café in Side/Türkei hatte es mir angetan – denn bei aller beschworener Modernität hatte der Inhaber nicht darauf verzichtet, zwei Amulette gegen den ›Bösen Blick‹ über die Eingangstür zu hängen: ein Sinnbild für die Gleichzeitigkeit von technischem Fortschritt und archaischer Menschheitsgeschichte.

Ähnlich ergeht es dem ehrenamtlichen Blogger, der für nichts Reklame macht, nicht mal für sein Gewerbe, denn er hat keins, keinen Profit erstrebt, als Person unsichtbar und als Text sichtbar sein möchte und der das Schreiben immer als große Freiheit verstanden hat: plötzlich werden Erwartungen an ihn herangetragen, die an Autoren-Leserbindungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert gemahnen. Nur daß heute der Geduldsfaden schneller reißt als zu Schneckenpostzeiten. Ja, ich habe erfahren, daß mein Blog bereits von einer Blogroll entfernt wurde, weil er schlecht gepflegt werde… Das war zwar eine etwas übereilte Reaktion, aber wir leben nun mal in hektischen Zeiten mit überforderndem multi-tasking auf allen Kanälen und burnout-Syndromen, die ein rechtzeitiges Innehalten und ein Mindestmaß von Selbstreflektion unschwer verhindert hätten. Ich gestatte mir solche Auszeiten.

In der Zeit, als ich noch Kriminalromane verfaßte, habe ich keine einzige Zeile unter Schreibzwang verfaßt; Schreiben ist mir immer Freude, Notwendigkeit, persönlichster Ausdruck & freigewählte Arbeit gewesen – und so soll das auch in Internet-Zeiten bleiben. Zur bloßen quantitativen Blog-Pflege oder zur effektiven Schlagwort-Fütterung von Suchmaschinen fühle ich mich nicht berufen – liebe Leser, so ist das nun mal. Es gibt Zeiten, da kommt mir die Pflege anderer Dinge (Freundschaften, Haus & Garten, Bücherlesen) nützlicher vor als ›unnützliche Kommentare‹ zu verfassen, die im Wind verwehen.

Aber vielleicht mache ich mir auch nur etwas vor und leide tatsächlich bloß unter der neuen Psychomode-Krankheit Prokrastination. Harald Martenstein hat meinen Wortschatz um dieses häßliche Wort erweitert, als er neulich wieder das Klagelied eines unter Schreibzwang produzierenden Kolumnisten sang, der pünktlich liefern muß, um sein Mittelklasse-Leben fristen zu können – ja, das muß ein schreckliches Schicksal sein…

Martenstein:

Wenn ich schreiben muss, dann nehme ich mir vor, zu einer bestimmten Uhrzeit anzufangen. Wenn diese Zeit gekommen ist, meistens um neun oder zehn, und ich sitze nicht im Büro, beginne ich, die Küche zu putzen. Danach checke ich meine Mails. Anschließend gehe ich einkaufen und räume auf.

Ich fühle mich dabei nicht gut. Ich weiß genau, dass ich diese Dinge nicht deshalb tue, weil sie unbedingt getan werden müssten. Ich mache das, um dem Schreiben aus dem Weg zu gehen. Inzwischen weiß ich, dass es für dieses Verhalten, das Verschieben, einen Fachbegriff gibt. Er heißt »Prokrastination«, auf Deutsch: Vermorgung.

http://www.zeit.de/2012/30/Martenstein

Das kenne ich auch – und auch ich neige dazu, erst einmal gründlich aufzuräumen, virtuell und im real life, bevor ich mich wohlgemut und mit freiem Kopf wieder ans Werk setzen kann. Zumal viele prokrastinative (sagt man das so? Habe ich soeben erfunden) Tätigkeiten den freien Gedankenfluß fördern und Formulierungen heranschwemmen, die man später gut gebrauchen kann. Unter diesem Gesichtspunkt kann ich Unkrautjäten und Rasenkantenschnitt wärmstens empfehlen. In Ermangelung eines Gartens tuns aber auch Geschirrspülen und eine gründliche Kühlschrankreinigung. Und jetzt weiß ich auch, warum mir das immer noch nicht beendete Aufräumen so sehr in die Quere gekommen ist. Der Breno-Artikel schrie nach Fortsetzung, und das war vielleicht schon zuviel an drohendem Schreibzwang – insbesondere in einer Zeit, in der einen so viele Themen ansprangen, daß sich die ausgeschnittenen Zeitungsartikel schon wieder auf dem Schreibtisch stapeln und man sich schier verzetteln muß. Das thematische Ordnen in Klarsichthüllen und das Abspeichern von interessanten Online-Artikeln haben einen Überblick nur vorgetäuscht.

Beschämt und der Bewunderung voll warf ich so manchen Seitenblick auf den Blog der unermüdlichen Alice Schwarzer, die die seltene Gabe hat, auch die heikelsten Weltprobleme auf knackige anderthalb DIN A 4-Seiten einzudampfen und sich auf dieser Grundlage eine unerschütterliche Meinung zu bilden – schade, daß sie sich zur Euro-Krise nicht zu Wort meldet. Das wäre doch eine große Hilfe für sämtliche Regierungen, wenn Schwarzer erklärte, daß eine Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten von Banken und Hedgefonds die Lösung schlechthin sei. Denn Frauen sind edel, hilfreich und gut, kennen mangels Macht keinen Machtmißbrauch, betatschen ihre Assistenten nicht und Geldgier ist ihnen von Natur aus fremd. So viel Natur muß auch für eine Gender-Verfechterin sein, wenn’s der Sache dient.

Innerhalb gut eines Monats erledigte sie rüstig folgende Themen – und ich befleißige mich, meinem unerreichbaren Vorbild nachzueifern, indem ich keine Links setze und den Inhalt der Postings frei paraphrasiere: denn in der Kürze liegt bekanntlich die Würze, wie BILD es ja auch schon so erfolgreich vorführt:

02.07.2012

Soll die Beschneidung verboten werden?

Natürlich nicht. Religion ist zwar nicht ihr Ding, aber soviel Gedöns um einen kleinen Schnitt, der die ganze ohnehin unerfreuliche Sache viel hygienischer gestaltet, muß ja nicht sein. Betrifft ja eh nur Jungs, für die sie nicht zuständig ist.

06.07.2012

Es reicht, Herr Kachelmann!

Die Schadensersatzklage von Jörg Kachelmann gegen die frühere Anzeigenerstatterin ist nach Auffassung unserer frischgebackenen Rechtsexpertin juristisch Kokolores und dient nur der Werbung für das für Oktober angekündigte Buch ›Recht und Gerechtigkeit‹ des Klägers und seiner Frau (weshalb auch der Anwalt der Beklagten die Chefreporterin Tanja May von der BUNTE über das Zivilverfahren unterrichtete). Irgendwie alles Litigation-PR durch Prozeßführung. Und daß das Landgericht Frankfurt a. M. in einer Sache, der kein Erfolg beschieden sein kann, auch noch Termin anberaumt, ist schlicht und einfach ungeheuerlich.

13.07.2012

Wie masochistisch sind Frauen?

Erstens: ›Fifty Shades of Grey‹ ist kein Porno-Roman. Zweitens: Die Heldin ist nicht sub, denn sie verläßt ihren Herrn und Meister (was dann wohl in den zwei Fortsetzungsbänden vor sich gehen mag?). Drittens: Phantasie darf sein, da ist sie großzügig. Viertens: In der Realität gibt es so gut wie kein BDSM. Fünftens: wenn es ihn dann doch marginalst gibt, ist die heterosexuelle Variante männlicher Dom – weibliche Sub aufs schärfste zu verurteilen. Alle anderen Formen sind unbedenklich, da sie dem emanzipatorischen Fortschritt der FRAU nicht in die Speichen greifen.

16.07.2012

Die SM-Debatte & Spiegel TV

Die medienunerfahrene Alice im Fernsehland mußte die bittere Erfahrung machen, daß man aus ihrem differenzierten Statement lediglich einen Satz brachte:

In diesem Fall blieben von einem knapp halbstündigen Dreh – mit immer wieder denselben, zunehmend suggestiven Fragen – genau 20 Sekunden. Und darin ließ der Spiegel-TV-Reporter mich zwischen zwei Auspeitschungen Folgendes sagen:

Die Männer von heute seien irritiert und so mancher, der beruflich mit Frauen konkurriere, stelle sich das weibliche Geschlecht eben lieber auf allen vieren vor als im aufrechten Gang.

Das ist allerdings eine sehr zutreffende und juristisch unanfechtbare Beschneidung gewesen, die die Sache auf den Punkt bringt…

Nina Pauer, eine Frau von heute, sieht die Sache realistisch:

Dass sich heute, in einer Zeit, in der Frauen Männer in Ausbildung und Arbeitspensum abhängen und Familien ernähren, der Topos des ausgepeitschten Managers um den der ausgepeitschten Managerin erweitert, ist nur plausibel.

http://www.zeit.de/2012/29/Shades-of-grey

17.07.2012

Outing: Argumentieren statt Denunzieren!

Hier meint sie, ein Zwangs-Outing eines Politikers erkannt zu haben und findet das gar nicht gut, die Entschuldigung der taz-Chefredakteurin für den Anschlag dagegen umso besser, während sie zugleich einen dissentierenden Kollegen als homosexuell outet, der aber, anders als sie, kein Problem mit der Öffentlichmachung seiner sexuellen Orientierung hat. Ein Kabinettstückchen! Die Kunst des entstellenden Zitats mit anschließendem Bashing erreicht Alpengipfelhöhe!

26.07.2012

NEIN zur Intervention in Syrien

Lieber Auto- und Kleptokraten, Tyrannen und Gewaltherrscher (deren Opfer überwiegend Männer sind) als böse Islamisten, die nach jeder Volkserhebung in der islamischen Welt zwangsläufig an die Macht kommen und Frauen entrechten, selbst wenn die vorher auch schon nichts zu lachen hatten. Da steht sie seit zwanzig Jahren und kann nicht anders. So ist es nun mal, da beißt keine Maus einen Faden ab.

03.08.2012

Liebeserklärung an Marilyn

Marilyn war kein unglückliches sexy Dummchen, sondern eine belesene toughe Karrierefrau, die sich durchgesetzt hat. Und daher ist sie zurecht eine Feminismus-Ikone, neben der Simone de Beauvoir alt und grau aussieht.

Ein Blog, der einen das Fürchten lehrt. Aber gepflegt, das muß man Alice Schwarzer lassen, sieht er schon aus. Öfter mal was Neues – wenn auch im zerschlissenen alten Gewand.