Ukraine – quo vadis? (II)

Glanz und Gloria

Fortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/20/ukraine-quo-vadis/

Eigentlich müßte die Frage mittlerweile erweitert werden: Europa ­– quo vadis? Und noch eigentlicher müßte man feststellen, daß es sich hierbei um eine rhetorische Frage handelt, denn die Antwort liegt auf der Hand. Europa ist dabei, sich zum selbstzerstörerischen Anhängsel der USA und der NATO zu degradieren und auf diesem Weg Vernunft gegen Paranoia, Wahrheit gegen Lüge und Moral gegen eine doppelte Buchführung einzutauschen, bei der der Einsatz von schwerstem Kriegsgerät gegen Zivilisten wahlweise Entsetzen (die Opfer des MH 17 Fluges und die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen), wahlweise vollkommene Indifferenz (die ostukrainische Zivilbevölkerung) auslöst.

Wie empört hat Europa reagiert, als mit Jörg Haider ein Rechter in der österreichischen Regierung wirkte; und wie dröhnend ist sein Schweigen gegenüber Kiew, das seine entfesselte nationalistische Soldateska so wenig im Griff hat wie den rechtsradikalen Rada-Abgeordneten Oleg Lyashko, der auf seine eigene Art in den „befreiten Gebieten“ aufräumt.

Begleitet wird dieses Szenario durch einen transatlantischen Unisono-Mainstream in privaten wie auch öffentlich-rechtlichen Medien, der von allen journalistischen Tugenden verlassen ist, um es milde auszudrücken. Man könnte ihn als bellizistischen Kampagnenjournalismus bezeichnen, will man den treffenderen Begriff Propaganda vermeiden. Jeder Vorwurf gen Moskau wird als Tatsache behandelt, obwohl es keine Beweise gibt. Für nichts gibt es Beweise: weder für Ausrüstungslieferungen an die Rebellen noch für die Teilnahme russischer Soldaten an deren militärischen Operationen durch die russische Regierung. Daß es russische Staatsangehörige gibt, die auf Seiten der Rebellen kämpfen, daß es Waffenlieferungen gibt, die von russischem Staatsgebiet aus über die poröse Staatsgrenze in die Ukraine gelangen, dürfte zutreffen. Eine Verbindung zur Regierung ist damit allerdings noch nicht gezogen. Moskau solle die Grenze sichern, lautet eine der Forderungen des Westens. Moskau solle seine Soldaten von der Grenze abziehen, eine andere. Was also soll Putin tun? Und wie steht es um seine Einflußmöglichkeiten auf die bunt zusammengewürfelten Milizen der Regierungsgegner?

Da es bis heute noch nicht einmal Beweise für die behaupteten täglichen Unterstützungslieferungen Rußlands für die „Separatisten“ gibt, schien die große Stunde gekommen, als der britische Guardian-Journalist Shaun Walker am 15.8.2014 (zuvor per Twitter am 14.8.2014) verbreitete, er habe, auf russischem Staatsgebiet befindlich, 23 Militärfahrzeuge nebst Begleitfahrzeugen beobachtet, wie sie am späten Abend des 14.8.2014 über die Grenze in die Ukraine hineingefahren seien:

Aid convoy stops short of border as Russian military vehicles enter Ukraine

Armoured personnel carriers and support vehicles cross the border, while the 280-truck convoy comes to a halt separately

[…]

But, while the trucks came to a halt well short of Ukraine’s border, a different Russian convoy did make the crossing into Ukrainian territory late on Thursday evening.

The Guardian saw a column of 23 armoured personnel carriers, supported by fuel trucks and other logistics vehicles with official Russian military plates, travelling towards the border near the Russian town of Donetsk – about 200km away from Donetsk, Ukraine.

So @RolandOliphant and I just saw a column of APCs and vehicles with official Russian military plates cross border into Ukraine.

— Shaun Walker (@shaunwalker7) August 14, 2014

After pausing by the side of the road until nightfall, the convoy crossed into Ukrainian territory, using a rough dirt track and clearly crossing through a gap in a barbed wire fence that demarcates the border. Armed men were visible in the gloom by the border fence as the column moved into Ukraine. Kiev has lost control of its side of the border in this area.

The trucks are unlikely to represent a full-scale official Russian invasion, and it was unclear how far they planned to travel inside Ukrainian territory and how long they would stay. But it was incontrovertible evidence of what Ukraine has long claimed – that Russian troops are active inside its borders.

http://www.theguardian.com/world/2014/aug/14/russian-military-vehicles-enter-ukraine-aid-convoy-stops-short-border

Schade, daß es offenbar schon zu dunkel war, um dieses nicht näher lokalisierte Ereignis fotographisch zu sichern. Und wie der Reporter zu der Vermutung kam, daß es sich bei den Insassen um russische Soldaten handele, hat er leider nicht überliefert. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn alle, von den Medien über die Politik bis hin zur NATO, stürzten sich auf diesen ersten „Beweis“ und gossen wieder einmal Öl ins Feuer, nachdem Poroschenko persönlich die freudige Nachricht aufgegriffen und volltönend erklärte hatte, daß der überwiegende Teil dieses Militärkonvois vernichtet worden sei. Beweise? Wie immer keine. Nichts über den Ort des Gefechts, nichts über den Truppenteil, der beteiligt war, nichts zur Anzahl, Staatsangehörigkeit oder zum militärischen Status der Gegner, nichts zur Zahl der Toten, Verwundeten oder Gefangenen.

Freitag, 15.08.2014 – 18:17 Uhr

Kiew – Eskalation in der Ostukraine: Nachdem dort eine russische Militärkolonne die Grenze durchbrochen hat, meldet die ukrainische Armee nun, die meisten Fahrzeuge der Kolonne seien zerstört worden. Das teilte das Büro des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko mit. Demnach erfolgte der Artillerieangriff auf die gepanzerten Truppentransporter und Militärlastwagen bereits in der Nacht zum Freitag.

Ein Teil des Konvois „existiert nicht mehr“, bestätigte auch ein Militärsprecher. Auf der Internetseite des ukrainischen Präsidentenamtes hieß es, ein „bedeutender Teil“ des Verbandes sei durch Artillerie zerstört worden. Dies habe Poroschenko auch dem britischen Premierminister David Cameron mitgeteilt.

Das russische Verteidigungsministerium weist die ukrainischen Berichte zurück. So zitiert Reuters die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosty. Weil keine Militärfahrzeuge über die Grenze gefahren seien, habe das ukrainische Militär sie dort auch nicht zerstören können.

Von Seiten der Uno kann der Vorfall an der Grenze nicht bestätigt werden: „Wir haben von den Berichten in der Ukraine gehört, können sie jedoch nicht unabhängig bestätigen. Wir verfolgen die damit verbundenen Entwicklungen genau“, sagte Uno-Sprecher Farhan Haq. Berichte wie diese verdeutlichten den dringenden Bedarf, dass die Lage so schnell wie möglich deeskaliert werde und Lösungen durch Dialoge gefunden würden.

[…]

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätigte später die Grenzüberquerung. „Ich kann bestätigen, dass wir vergangene Nacht einen russischen Einmarsch über die ukrainische Grenze beobachtet haben“, sagte Rasmussen in Kopenhagen. „Ich kann bestätigen, dass wir einen kontinuierlichen Zustrom von Waffen und Kämpfern aus Russland in die Ostukraine beobachten.“ Das sei ein klares Anzeichen für eine fortdauernde Beteiligung Russlands an der Destabilisierung der Ostukraine.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-truppen-greifen-russischen-konvoi-an-a-986396.html

Sind die alle noch bei Sinnen? Ungeprüft auf eine windige Reporter-Meldung und die übliche Kiew-Propaganda hereinzufallen?

Großbritannien bestellte den russischen Botschafter Alexander Jajowenko in London ein. Frankreichs Präsident François Hollande rief Moskau auf, die „territoriale Integrität“ der Ukraine zu respektieren.

Die EU-Außenminister drängten Russland, „alle Feindseligkeiten“ an der Grenze zur Ukraine umgehend einzustellen. Insbesondere müsse der Fluss von Waffen, Militärberatern und bewaffneten Kräften gestoppt und die Truppen von der Grenze zurückgezogen werden, forderten die Minister nach einem Sondertreffen in Brüssel. Der britische Außenminister Philip Hammond warnte vor „sehr ernsten Konsequenzen“, sollten sich die Berichte über die Kolonne bestätigen.

http://web.de/magazine/nachrichten/ausland/ukraine-krise/19214802-russischer-militaerkonvoi-angeblich-ukraine.html#.A1000145

Das russische Dementi geriet zur Nebensache:

 Defense Ministry denies reports military column crossed into Ukraine

Published time: August 15, 2014 13:56
Edited time: August 15, 2014 19:16

Russia’s Defense Ministry has denied Kiev’s report that it “destroyed the Russian military column” which allegedly crossed into Ukraine, saying that no such column ever existed.

No Russian military column that allegedly crossed the Russian-Ukrainian border at night or during the day ever existed,” said Major General Igor Konashenkov, a spokesman for the Russian Defense Ministry.

The best scenario would be, the official said, if it was a “phantom” that the Ukrainian military destroyed “rather than refugees or their own servicemen.”

“Such statements – based on fantasies, or journalists’ assumptions, to be precise – should not be subject for a serious discussion by top officials of any country,” Konashenkov said.

The Defense Ministry’s comment comes shortly after Ukrainian President Petro Poroshenko announced that his country’s artillery had destroyed a “significant” number of Russian military vehicles that allegedly crossed into Ukraine on Thursday night. Reports of the alleged incident had appeared in several Ukrainian and Western media outlets.

[…]

In an article published by The Guardian, reporter Shaun Walker said he “saw a column of 23 armored personnel carriers, supported by fuel trucks and other logistics vehicles with official Russian military plates, traveling [toward] the border near the Russian town of Donetsk.” Late on Thursday the convoy “crossed into Ukrainian territory,” he said. However, no photographic or video evidence of the incident was presented either in his article or in his Twitter feed. The photograph published with the text was taken on Russian territory.

The Telegraph also reported that “at least 23” Russian vehicles had crossed into Ukraine. The report is accompanied by a video also filmed on Russian territory.

http://rt.com/news/180584-border-russian-military-troops/

Die Tagesschau hielt wegen der vermeintlichen russischen „Invasion“ sogar eine Sondersendung zum Thema für erforderlich; ihre bewährte Mitarbeiterin Atai durfte sich als distanzlose Pressesprecherin von Poroschenko profilieren, die dessen Angaben über eine Zerstörung des Militärskonvois vortrug und daran anknüpfend die Bewertung vornahm, daß es sich nach Einschätzung Poroschenkos hier wohl um ein alltägliches Ereignis handele. Der ebenso bewährte Lielischkies, zugeschaltet aus Moskau, brachte es fertig, das klare Dementi aus dem Kreml zu verschweigen. Stattdessen trug er die (natürlich lächerlichen) Befürchtungen des russischen Außenministeriums vor, rechtsextreme ukrainische Kräfte könnten den russischen Hilfs-Konvoi angreifen, sobald er sich auf ukrainischem Boden bewege. Die Agentur Interfax habe bestätigt, daß in Lugansk rechte Kräfte festgenommen worden seien, denen derartige Planungen vorgeworfen werden. Was das mit dem Militärkonvoi zu tun hat? Nichts.

Offenbar Angriffe auf Militärfahrzeuge in Ukraine: G. Atai und U. Lielischkies mit Details

15.08.2014 18:20 Uhr

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-17281~_parentId-ondemand100.html

SPIEGEL und SPON, üblicherweise auf knallchargigem anti-Putin-Kurs, leisten sich sehr selten auch mal nachdenklichere Artikel. Und so durfte mit Christian Neef ein Journalist die Lage analysieren:

Ukraine-Konflikt: Wenn Hysterie brandgefährlich wird

Samstag, 16.08.2014 – 16:09 Uhr

Von Christian Neef, Donezk

[…]

Freitagabend mussten Zuschauer und Leser im Westen glauben, in der Ostukraine sei der Casus Belli erreicht: Eine Meldung von der teilweisen Vernichtung eines „russischen Militärkonvois“ auf ukrainischem Gebiet durch die ukrainische Armee machte die Runde. Auch SPIEGEL ONLINE griff die Nachricht auf und sprach von einem Angriff auf den Militärkonvoi. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen „bestätigte“ in seiner wie üblich vorpreschenden Art sofort den „Einfall“ der russischen Armee in die Ostukraine. Die Amerikaner sprachen ebenfalls von einer „russischen Militärintervention“. Weltweit rutschten die Börsenkurse ab.

Es war ein Beispiel, wie in diesem Krieg Hysterie immer mehr die sachliche Analyse der Situation verdrängt. Hysterie ist in militärischen Konflikten wie diesem brandgefährlich.

[…]

Militärkolonnen wie diese überqueren seit Beginn des Konflikts fast jeden Tag die russisch-ukrainische Grenze und fahren in die „Volksrepubliken“ von Donezk und Luhansk, um dort die Separatisten zu unterstützen. Es ist kaum anzunehmen, dass am Steuer der Fahrzeuge russische Soldaten sitzen – es dürften russische Freiwillige oder Rebellen sein. Ist die Kolonne vom Freitagmorgen aber auch wirklich „vernichtet“ worden, wie behauptet wurde?

Das ist eher fraglich. Komischerweise war vom Kiewer Stab der sogenannten Anti-Terror-Operation dazu stundenlang nichts zu hören. Erst gegen Abend meldete das Büro von Präsident Petro Poroschenko – und nicht etwa der zuständige Militärstab – die „teilweise“ Vernichtung der Kolonne. Bilder davon hat die Regierung in Kiew bis heute nicht vorgelegt, auch die Amerikaner haben offenbar keine. Die besagte Kolonne ist inzwischen zudem von allen ukrainischen Nachrichtenseiten verschwunden.

So bleibt der Eindruck: Ja, den Einmarsch der 23 Fahrzeuge hat es tatsächlich gegeben, den Angriff möglicherweise aber nicht. Denn Kiew reagierte überhaupt erst, nachdem die Meldungen der beiden britischen Korrespondenten die Runde gemacht hatten. Eigentlich sollte es umgekehrt sein: Die eigene Aufklärung stellt das Eindringen der Fahrzeuge fest und berichtet darüber der Öffentlichkeit.

Die ukrainische Agentur UNIAN meldete aber erst um 12.06 Uhr, der „Anti-Terror-Stab“ habe – offenbar auf Nachfrage – das Eindringen russischer Militärfahrzeuge „bestätigt“. Sie seien „nicht sehr zahlreich“ gewesen, die genaue Zahl der gepanzerten Wagen und Lkw festzustellen, sei „den Aufklärern nicht gelungen“. Erst um 17.51 Uhr zitierte die Agentur die Worte von Präsident Poroschenko, wonach „ein bedeutender Teil der eingedrungenen Militärtechnik“ zerstört worden sei.

Hatte Kiew hier auf einmal nur die Chance erkannt, einen großen Propagandacoup gegen Russland zu landen? Und auf diese Weise, wie sich dann herausstellte, erst so richtig Öl ins Feuer gegossen und die ganze Welt in Aufruhr gebracht? Beobachter in Donezk konnten in den vergangenen Tagen mehrfach die Feststellung machen, dass so manche Mitteilung der Kiewer Militärs nicht stimmt. Oder zumindest nicht exakt ist.

[…]

Unübersehbar ist: In Kiew wie in Moskau gibt es Besonnene und Unbesonnene. Und es wird immer schwieriger, in diesem Krieg in der Ostukraine Wahres von Unwahrem zu unterscheiden. Darin liegt eine zusätzliche Gefahr, dass der Konflikt völlig außer Kontrolle gerät.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-und-militaerkonvoi-gab-es-einen-angriff-a-986481.html

Ja, Kiew eilt militärisch von Erfolg zu Erfolg – das erinnert an die Frontbegradigungsberichte der Wehrmacht; erstaunlich, daß die Kämpfe immer noch nicht beendet sind. Die Gegenseite prahlt nicht minder haltlos, um ihre Schlagkraft zu behaupten:

17. August 2014, 08:39

Angeblich 30 Panzer und 1.200 Kämpfer aus Moskau – USA sehen „anhaltende Militärintervention“ in der Ukraine – Heftige Kämpfe zwischen Armee und Separatisten

Donezk/Luhansk/Moskau – Die Separatisten in der Ostukraine erhalten nach eigener Darstellung massive militärische Unterstützung aus Russland. 30 Panzer sowie 1.200 auf russischem Gebiet ausgebildete Kämpfer seien zur Verstärkung gekommen, verkündete ihr Anführer Alexander Sachartschenko in einem Video auf einer den Separatisten nahestehenden Internetseite (übersetzt vom „Telegraph„). Die russische Führung hat eine direkte Beteiligung am Konflikt in der Ostukraine immer bestritten. Der Kreml teilte mehrfach mit, es sei möglich, dass Freiwillige zum Beispiel aus dem Nordkaukasus aus eigener Initiative aufseiten der Separatisten kämpfen könnten.

http://derstandard.at/2000004413943/Separatisten-bestaetigen-militaerische-Unterstuetzung-aus-Russland

Natürlich auch schon von Moskau dementiert. Zur Orientierung in diesem Desinformations-Chaos beider Seiten sei empfohlen, erst einmal skeptisch zu sein.

Nachdem zuvor der Hilfskonvoi, den Rußland auf den Weg gebracht hat, in Kiew und im Westen zu Verlegenheit, Abwehr, Hysterie und wilden Verdächtigungen ob eines Trojanischen Pferdes geführt hatte, obwohl Moskau mit allen Bedingungen – Wahl der Route durch Kiew, vorherige Kontrolle der Ladung, Verteilung der Güter durch das Internationale Rote Kreuz – einverstanden gewesen war, markiert diese vemeintliche verdeckte  „Invasion“ einen weiteren Tiefpunkt in der medialen wie politischen Behandlung von Vermutungen.

Sind die alle noch bei Trost?

Warum analysiert niemand, aus welchen Gründen Kiew sich zunächst tatsächlich so sehr gegen die Hilfslieferungen sträubte, die die notleidende Bevölkerung insbesondere in Lugansk (deren Leid sie erst verursacht hat) so dringend braucht?

Zumindest in einem Artikel gab es einen Hinweis:

Die russische Kolonne aus 280 Lastwagen habe bei Kamensk-Schachtinski auf einem Feld angehalten, sagte der epa-Fotograf. Von dort kann der Konvoi direkt auf ein Gebiet fahren, das von prorussischen Separatisten kontrolliert wird. Kiew hatte diese Variante zuletzt nicht ausgeschlossen. Eine Route über Charkow wurde verworfen, weil Kiew Angriffe von Radikalen auf den Konvoi fürchtet.

http://web.de/magazine/nachrichten/ausland/ukraine-krise/19213326-wladimir-putin-krim-ukraine-blutigem-chaos-versunken.html#.news_spotlight.Ukraine%20%22in%20Chaos%20versunken%22.272.1221

Dem entspricht diese russische Meldung vom 15.8.2014:

Aid convoy to Ukraine faces disruption, may be attacked – Russia

Published time: August 15, 2014 15:18
Edited time: August 15, 2014 18:21

Moscow has information that the convoy delivering humanitarian aid to eastern Ukraine may be attacked by Kiev’s forces, with the “punitive” Aidar Battalion planning to mine the road that the vehicles will use, the Russian Foreign Ministry says.

On Friday, Moscow accused Ukraine of attempting to disrupt the humanitarian aid convoy now that the preparations for its delivery have reached their final stages and all key issues have been agreed upon.

“We draw attention to the sharp intensification of military actions by Ukrainian forces with the obvious goal to block the route, agreed upon with Kiev, of the humanitarian convoy from the Russia-Ukraine border to Lugansk,” the Foreign Ministry said in a statement.

In Moscow’s view, all this gives the impression that there are people both in Ukraine and abroad who are willing to disrupt the humanitarian mission, even “at the cost of new casualties and destruction.”

Those nurturing such criminal plans are taking huge responsibility for their consequences,” the ministry said.

[…]

http://rt.com/news/180664-ukraine-russian-humanitarian-convoy/

So sieht es aus: Kiew hat die nationalistischen Schwadronen, derer es sich bei der Niederschlagung der Erhebung bedient und bedienen muß, in keiner Weise im Griff und zieht es daher vor, den Konvoi durch Separatisten-Gebiet fahren zu lassen. Andererseits hat die Regierung verkündet, Lugansk sei vollständig eingekreist, was vermutlich ebenfalls nicht stimmt, denn ansonsten hätte es keinen Sinn, den Konvoi in ein Separatistengebiet, wo er sicher ist, hineinfahren zu lassen. Es muß also auch noch von Regierungsgegnern beherrschte Korridore geben, die die Sicherheit des nun unter der Schirmherrschaft des Internationalen Roten Kreuzes stehenden Konvois, anders als Kiew, gewährleisten.

Denn mittlerweile blendet der Westen die Rolle der Nationalisten im Staatsgefüge der Ukraine nicht mehr aus, wie das der Fall war, als sie noch als „Maidan-Selbstverteidigungsgruppen“ bagatellisiert wurden. Mittlerweile ist beispielhaft das internationale rechtsextreme Asow-Bataillon in die Kritik westlicher Medien geraten:

Reportage aus Donezk
Neonazis für den Häuserkampf

Von Christian Esch

Die ukrainische Armee rückt auf Donezk vor, den Hauptsitz der Separatisten. Einheiten aus Freiwilligen sollen die Soldaten dabei unterstützen, die Stadt zu erobern – darunter ist auch ein Bataillon von Rechtsradikalen.
Am Rand der Industriestadt Donezk, an einem heißen Augustabend, haben sich plötzlich die Tore Walhallas geöffnet. Jetzt sitzt an Odins Tafel der junge Sergej Grek, Spitzname Balagan („Schabernack“). Balagan ahnte nicht, dass er im Vorort Marjinka in einen Hinterhalt geraten würde. Zusammen mit seinen Kameraden vom Bataillon „Asow“ ging er hinter einem Panzer der ukrainischen Armee her, als eine Sprengladung ferngezündet wurde. Die Explosion riss ihm ein Bein ab.
Nun liegt der tote Balagan im offenen Sarg, aufgebahrt in der Mittagshitze in Ursuf, dem Stützpunkt seines Bataillons. Am Kopfende weht die Fahne mit der Wolfsangel-Rune. Bataillonskommandeur Andrej Belezki hält vor dreihundert Kämpfern eine kurze Ansprache: Balagan habe gelebt wie ein Mann und sei gestorben wie ein Mann, sagt er, Balagan bereue nichts! „Versprechen können wir ihm nur eins“, sagt Belezki und schaut auf den Sarg – „dass wir ihn rächen bis zum letzten Mann!“ Dann wird in die Luft geschossen, und in langer Reihe nehmen sie Abschied. Die Männer heben den rechten Arm eckig vor die Brust, fast keiner bekreuzigt sich. Sie haben es nicht so mit dem Christentum. Sie haben andere Götter.
[…]

http://www.berliner-zeitung.de/politik/reportage-aus-donezk-neonazis-fuer-den-haeuserkampf,10808018,28084600,item,0.html

Lohnenswerte Lektüre.

Mitarbeiter des Telegraph haben dieses Azow-Freikorps mit seinen ausländischen Söldnern ebenfalls besucht – und sind entsetzt:

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/11025137/Ukraine-crisis-the-neo-Nazi-brigade-fighting-pro-Russian-separatists.html

Wer und wie für dieses Bataillon. in dem auch Putin-hassende Russen dienen, aus dem westlichen Ausland rekrutiert wird, erhellt dieser Artikel:

Ukraine: Ehemaliger Söldner von Blackwater vermietet Lizenz zum Töten

Von Jürgen Apitzsch – Am 15. Aug. 2014

Zum Kill In in die Ostukraine. Wer gerne mal ungestraft Menschen töten möchte, ist den Auftragskillern in der Ukraine herzlich willkommen – gegen Bares, versteht sich

Preisliste des Todes

Eine faschistische Safari der besonderen Art bietet der US- Söldner Stan Patton auf seinem Twitter- Account an. Wer krank genug ist, um auf hilflose Menschen in der Ostukraine schießen zu wollen, kann sich die dazu nötigen Werkzeuge direkt vor Ort mieten. Der ehemalige Blackwater- Mietkiller, der bei Twitter mit deren Firmenlogo, der Bärentatze, wirbt, hat auch sogleich eine Preisliste parat. Ein einzelner Schuss aus einer Haubitze ist für 100 Dollar zu haben. Teurer zu Buche schlägt ein Schuss aus einem Panzer mit 200 Dollar. Wer sich sogar 350 Dollar pro Schuss leisten kann, darf dafür ein Dorf beschießen. Ein ebenso ekelhaftes, wie auch bekanntes Buisiness. Bereits während des Jugoslawienkrieges wurde von dieser Praxis berichtet.

Don Francesco Fontana

Einer der Safaritouristen, der 53 jährige Italiener Francesco Fontana, firmiert derzeit unter dem Codenamen Don und ist offenbar zufrieden mit der Zahl seiner ‘Abschüsse’: „Wir, die Volontäre, bekommen kein Geld. Ich habe selbst für mein Flugticket bezahlt, um in die Ukraine zu gelangen. Von einer solchen Erfahrung habe ich mein Leben lang geträumt. Hier ist kein Platz für Gefühle. Das ist Krieg und ich bin gekommen, um zu töten.“ Der ehemalige Manager hatte sogar seinen Job bei einem Autohaus aufgegeben, um seinem unmenschlichen Hobby zu frönen. Identifiziert worden war der Mann anhand eines Tattoos am Hals.

[…]

Nachdem Fontana angereist war, wurde er dem Bataillon Azov zugeordnet, welches auf Wunsch der Berater aus Washington extra für ausländische Kämpfer angelegt worden war.

Der Anführer dieser ‘Slawischen Garde’ Wladimir Rogov hierzu: „Diese Leute verheimlichen noch nicht einmal, dass sie hier sind, um einfach die Zivilisten zu töten. Die Ukrainer sind für sie wie Papua, oder besser, wie Tiere. Im Grunde kaufen sie eine Lizenz, um hier Menschen abzuschießen, sogar mit Haubitzen, Panzern und so weiter.“

[…]

http://www.neopresse.com/politik/ukraine-ehemaliger-soeldner-von-blackwater-vermietet-lizenz-zum-toeten/

Zu abenteuerlich? Propaganda? Der Artikel ist gut belegt.

Die ARD-Frontfrau Golineh Atai verteidigt diese rechtsextreme Azow-Truppe stoisch, zumal der Justizminister betont, daß diese Leute der Regierung und deren Regeln unterstehen: dann ist ja alles easy. Außerdem, so Golineh Atai entsprechend der westlichen Sprachregelung, seien es ja nur einige hundert Leute, von denen 12 leider umgekommen seien – wobei deren Harmlosigkeit damit belegt werden soll, daß sie mit einem „einfachen Bus“ zur Front unterwegs gewesen seien:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=3ao3s0PGBWo

Daß es einen angesichts einer solchen „Berichterstattung“ gruselt, versteht sich von selbst.

Solange die USA, die sich Fracking-Rechte in der Ost-Ukraine um Slawjansk gesichert haben, von denen es durch die Entvölkerung des Donbass profitiert, dieses Regime noch stützt, ist Kritik an Kiew offenbar nicht opportun. Da mag Amnesty International noch so sehr anprangern:

Amnesty International kritisiert in einem Bericht die menschenrechtswidrigen Vergehen des rechtsextremen Politikers Oleh Ljaschko, der mit seinen eigenen Videos selbst Beweise liefert.

Amnesty International (AI) prangert in einem Bericht die sich rasant verschlechternde Menschenrechtssituation in der Ostukraine an. Dem Bericht zufolge häuften sich vor allem in den letzten Monaten Beweise für Entführungen und Gewaltausschreitungen in der Region. Ein Großteil der Menschenrechtsverstöße wurde laut Amnesty International zwar von prorussischen Separatisten verübt, doch steige auch die Beweislast für Verbrechen proukrainischer Milizen.

Ukrainischer Politiker prahlt mit Gewaltvideos

Besonders oft fällt in diesem Zusammenhang der Name Oleh Ljaschko, eines gewählten Volksvertreters der Radikalen Partei, der sich eigentlich für Recht und Ordnung in der Ukraine einsetzen sollte. Stattdessen handelt er laut Amnesty International nach seinen eigenen Gesetzen. Sein Leitspruch – den er oft auch zu wörtlich nimmt – lautet: „Ruhm der Ukraine, Tod den Besatzern!“

Amnesty International beschuldigt den ultranationalistischen Parlamentsabgeordneten schwerer Menschenrechtsverstöße – das Beweismaterial dafür findet sich paradoxerweise auf seiner eigenen Homepage: Oleh Ljaschko veröffentlichte in den letzten Monaten regelmäßig Videos von Entführungen, Misshandlungen und Überfällen. Sie zeigen, wie Ljaschko – der immer von einer Gruppe maskierter und bewaffneter Männer umgeben ist – in öffentliche und private Gebäude eindringt, Separatisten und Privatpersonen entführt und misshandelt. Morddrohungen, Folter und Erniedrigung sind auf diese Weise zu seinem Markenzeichen geworden.

[…]

http://derstandard.at/2000004225985/Ruhm-der-Ukraine-Tod-den-Besatzern

Oder Human Rights Watch:

Raketenangriff in Donezk: Human Rights Watch wirft Kiews Armee Kriegsverbrechen vor

[…]

New York/Kiew – Es geht um vier Raketenangriffe zwischen dem 12. und 21. Juli in der Großstadt Donezk im Osten der Ukraine. Mindestens 16 Menschen starben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, kurz HRW, wirft ukrainischen Truppen vor, bei ihren Attacken zielungenaue Raketen vom Typ “Grad” eingesetzt zu haben – und das in dem Gebiet der Millionenstadt.
Dies verstoße gegen internationales humanitäres Recht und könne als Kriegsverbrechen geahndet werden, so die Menschenrechtler. “‘Grad’-Raketen sind bekanntlich ungenaue Waffen, die nicht in bewohnten Gebieten eingesetzt werden sollten”, sagt Oleg Solvang von HRW. (Den ausführlichen Bericht der Menschenrechtler mit Video- und Bildmaterial finden sie hier).

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-human-rights-watch-wirft-kiews-armee-toeten-von-zivilisten-vor-a-982825.html

Die USA, die ja auch die CIA mit ihren Folterprogrammen gewähren ließ, kümmert das nicht:

Marie Harf

Deputy Spokesperson
Daily Press Briefing

Washington, DC

August 14, 2014

[…]

QUESTION: Okay, great. So at the same time, it seems like the city of Donetsk has come under some heavy shelling —

  1. HARF: Yes.

QUESTION: — apparently by Ukrainian forces. Do you have any comment on that?

  1. HARF: We do. We’re watching that. Obviously, we’ve stressed the importance of showing restraint to minimize casualties among the civilian – the local population. Ukrainian forces are seeking to dislodge the separatists from Luhansk and Donetsk. The separatists, as we’ve seen, have chosen to operate from heavily populated areas. We’ve called on the Ukrainians to take every step to avoid the local population as they try to free the city from the separatists.

QUESTION: But do you support the specific use of heavy artillery that could carry the risk of civilian casualties in order to do that?

  1. HARF: We’ve called on them not to use weapons that could increase that. But again, we’re very supportive of the Ukrainians here. It’s a tough fight they’re in, and we do think that the ultimate goal here needs to be these cities not being under the control of the separatists.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/08/230614.htm#RUSSIA

Der Zweck heiligt die Mittel – wer sich in Europa und in Deutschland jetzt noch auf eine Wertegemeinschaft des Westens beruft, ist ein Heuchler. Wer es aushält, möge sich dieses Video, aufgenommen am 15.8.2014 in einem Vorort von Lugansk, ansehen.

http://www.liveleak.com/view?i=063_1408119390

Oder dieses vom 14.8.2014 aus Donezk:

https://vk.com/ers2152?z=video234075632_169849259%2Fd00f573f79398c1ba7

Lugansk, 5.8.2014

https://www.youtube.com/watch?v=0P8exx-ekbw

12-05-07 Taube 4

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Thyssen AG, Dieter Spethmann, hat am 14.8.2014 erlebt, was passiert, wenn man bei FAZ-Net einen Kommentar schreibt, der daran, an diese Wertegemeinschaft, erinnert; hier sein Kommentar:

‚Seit Monaten zeigen die deutschen Medien hinter dem Kiew-Ministerpräsidenten Jazenjuk die ukrainische Flagge und die der EU, obwohl die Ukraine nicht Mitglied der EU ist. Das Regierungshandeln in Kiew erfolgt also im Zeichen der EU, mithin mit Billigung der EU, auch der Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Osten. Hat dagegen schon mal jemand im Namen der EU protestiert? Mir nicht bekannt. Oder im Namen der Bundesrepublik Deutschland? Mir auch nicht bekannt. Also akzeptiert man in Brüssel und Berlin zumindest stillschweigend, dass die Kiew-Regierung mit schwerem militärischen Gerät (Flugzeugbomben und Artillerie) gegen die eigene Bevölkerung vorgeht. Frau von der Leyen, von Frau Merkel wegen ‚Krieg oder nicht Krieg‘ offenbar im Besitz weitestgehender Vollmachten, sollte sich das Urteil des Nürnberger Gerichtshofes von 1946 ansehen. Es enthält nicht nur Todesurteile, sondern auch Maßstäbe, die bis heute gelten.‘

http://www.ef-magazin.de/2014/08/14/5647-dokumentation-krieg-im-zeichen-der-eu

Der Kommentar wurde binnen Stunden von FAZ-Net gelöscht.

Zuflucht fand er bei dem Internet-Magazin „eigentümlich frei“ – und er schrieb, in Erwartung weiterer Löschungen durch die stramm transatlantische FAZ, die sich von Recht und Moral nicht weiter beirren lassen möchte, einen Brief an Bundestagsabgeordnete, der ebenfalls bei ef unter diesem Link veröffentlicht worden ist. Darin geht es um folgende Punkte:

Beispiel eins: Auf dem ‚Majdan‘ wurden von Scharfschützen mindestens 150 Menschen getötet. Vielleicht hatten Putschisten ihre Hand im Spiel. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Nein.

Beispiel zwei: In Odessa wurden 40 oder mehr Bürger von Kiew-Anhängern in ein Haus getrieben und dann in Brand gesetzt. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Nein.

Beispiel drei: Der Abschuss des Fluges MH 17 mit rund 300 Toten am 17. Juli. Ist staatliche Aufklärung erfolgt? Vermutlich bis ins Detail hinein, aber dem Bürger bis heute verborgen geblieben.

Und jetzt also der Konvoi. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, den leidenden ukrainischen Bürgern dessen Hilfe vorzuenthalten.

Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, daß man gegen das vereinte Kriegsgeschrei von FAZ, ZEIT, BILD, SPIEGEL, SPON, SÜDDEUTSCHE, WELT & Co. noch etwas bewirken kann. Jakob Augstein nutzt seine Stellung als Kolumnist jedenfalls weidlich aus:

Krieg in Gaza, der Ukraine und im Irak: Waffen! Waffen! Waffen!

Donnerstag, 14.08.2014 – 15:14 Uhr

Eine Kolumne von Jakob Augstein

Ukraine, Gaza, Irak: Jeder weiß, Gewalt wird die Probleme dort nicht lösen. Dennoch findet die Gewalt kein Ende – und auf die eine oder andere Weise mischt Deutschland überall mit. Eine neue Kultur des Krieges breitet sich aus. Wir müssen uns ihr entgegenstellen.

Es herrscht Krieg. Niemals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs traf das mehr zu als heute. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählt mehr bewaffnete Konflikte denn je. Eine neue Kultur des Krieges ist auf dem Vormarsch. Auch Deutschland soll die Bomben wieder lieben lernen. Politiker und Medien wollen den Deutschen ihren Pazifismus abgewöhnen. Wer Gewaltlosigkeit predigt wie Margot Käßmann wird zur lächerlichen Figur gemacht. Wir müssen dem Einhalt gebieten. Die Zyniker, die nur noch den Krieg denken können, nicht mehr den Frieden, haben den Kampf um unsere Köpfe begonnen.

Deutschland soll eine neue Rolle in der Welt spielen. Der Bundespräsident sagt das, die Verteidigungsministerin und der Außenminister auch. Viele Zeitungen schließen sich an. Wie soll diese Rolle aussehen? Etwa so: In Kiew unterstützen wir eine Regierung, die ihre eigene Bevölkerung beschießen lässt. An Israel liefern wir Panzerfäuste und atomwaffenfähige U-Boote, während der Chef der UNO in Verbindung mit den Angriffen auf Gaza von „Verbrechen“ spricht. Und nun will Deutschland sich militärisch im Irak engagieren. „Bis an die Grenzen des politisch und rechtlich Machbaren“, sagt Frank-Walter Steinmeier. Wenn es gilt „einen Genozid zu verhindern“ vielleicht auch darüber hinaus, deutet Ursula von der Leyen an.

[…]

http://www.spiegel.de/politik/ausland/augstein-ueber-die-ukraine-gaza-irak-gewalt-loest-keine-probleme-a-986048.html

Auch Gabor Steingart schreibt wacker gegen diese unerträglich irrationale Hetze an und plädiert für wirtschaftliche Vernunft:

Politik der Eskalation

Der Irrweg des Westens (Ложный путь Запада)

08.08.2014, 13:53 Uhr

Regierung und Medien schalten angesichts der Ereignisse in der Ukraine von besonnen auf erregt um. Aber die Politik der Eskalation schadet deutschen Interessen. Ein Essay auf Deutsch, Russisch und Englisch.

von Gabor Steingart

Ein jeder Krieg geht mit einer geistigen Mobilmachung einher, einem Kriegskribbeln. Selbst kluge Köpfe sind vor diesen kontrolliert auftretenden Erregungsschüben nicht gefeit. „Dieser Krieg ist bei aller Scheußlichkeit doch groß und wunderbar, es lohnt sich ihn zu erleben“, jubelte Max Weber 1914, als in Europa die Lichter ausgingen. Thomas Mann empfand „Reinigung, Befreiung, und eine ungeheure Hoffnung.“

[…]

Blätter, von denen wir eben noch dachten, sie befänden sich im Wettbewerb der Gedanken und Ideen, gehen im Gleichschritt mit den Sanktionspolitikern auf Russlands Präsidenten Putin los. Schon in den Überschriften kommt eine aggressive Verspannung zum Ausdruck, wie wir sie sonst vor allem von den Hooligans der Fußballmannschaften kennen.

Der „Tagesspiegel“: „Genug gesprochen!“ Die „FAZ“: „Stärke zeigen“. Die „Süddeutsche Zeitung“: „Jetzt oder nie“. Der „Spiegel“ ruft zum „Ende der Feigheit“ auf: „Putins Gespinst aus Lügen, Propaganda und Täuschung ist aufgeflogen. Die Trümmer von MH 17 sind auch die Trümmer der Diplomatie.“
Westliche Politik und deutsche Medien sind eins.

http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/politik-der-eskalation-der-irrweg-des-westens-/10308844.html

Der kritische Monitor-Journalist Georg Restle weicht auf Facebook aus, offenbar, weil ihm im eigenen Haus kein ausreichendes Forum zur Verfügung gestellt wird.

  1. August um 19:12 ·

NATO und die Ukraine: Ein Besuch zur falschen Zeit

Mitten in der Schlacht um Donezk besucht der NATO-Chef die Ukraine. Verspricht militärische Hilfe für die Machthaber in Kiew und demonstriert Rückendeckung durch die NATO. Was immer Rasmussen geritten haben mag, es war definitv der falsche Besuch zur falschen Zeit. Solange das ukrainische Militär laut UNO die Zivilbevölkerung terrorisiert. Solange einige ukrainische Freiwilligenheere auch von dubiosen Nationalisten und Faschisten unterwandert werden. Solange sollte sich der Westen zurückhalten mit symbolischen militärischen Offerten, die allenfalls dazu geeignet sind, weiter Öl ins Feuer eines europäischen Brandherdes zu gießen. Wer Russland wegen seiner Unterstützung für die prorussischen Milizen kritisiert, darf nicht selbst als militärischer Waffenbruder einer Regierung unterwegs sein, die wegen ihrer Kriegsführung international in die Kritik geraten ist.
Wenn es dem Westen tatsächlich um Demokratie und Frieden in der Ukraine geht, dann sollte er auf freie Wahlen im Herbst setzen, auf Hilfen für die vom Krieg geplagte Zivilbevölkerung – und auf Deeskalation. Denn das braucht die ukrainische Bevölkerung im Osten des Landes am allerwenigsten: Zum Spielball eines geopolitischen Planspiels gemacht zu werden, in dem die Falken in Brüssel Morgenluft wittern.

Georg Restle

https://www.facebook.com/monitor.wdr/posts/750543678317908

Alexander Unzicker legt einen großen, so analytisch wie leidenschaftlichen, Kommentar zum Thema vor, der mit vielen weiterführenden Links versehen ist – Pflichtlektüre für Medienschaffende wie Politiker, die ihren Verstand verloren zu haben scheinen.

Die Irrationalität in der Ukraine-Krise gefährdet unsere Demokratie

Alexander Unzicker 15.08.2014

Ein Gastkommentar

Laut Julian Nida-Rümelin lebt die Demokratie von der Vision, dass sich die Öffentlichkeit ein verlässliches politisches Urteil bilden kann (Interview). Wenn dies zutrifft, muss man sich Sorgen machen.

Denn die Meinungsbildung der Öffentlichkeit scheint nach ähnlichen Mustern wie beim Fernsehen zu verlaufen: ein spannender Plot und gute Schauspieler befördern Emotionen und Überzeugungen, Auslassungen oder logische Brüche im Drehbuch spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Nur: die Nachrichten sind auch zu so einer Art von Fernsehen geworden. Die Rede ist von der Ukraine. Es ist nicht eine Krise wie viele andere, ihr Kennzeichen ist eine beunruhigende Irrationalität der Akteure. Wo Verstand und Logik ausgeschaltet ist, ist unsere Demokratie in Gefahr.

[…]

Zu meinem Entsetzen hat sich dies auf den Kopf gestellt. Vergleichen sie auf YouTube die Pressekonferenzen des russischen Verteidigungsministeriums mit den peinlichen Behauptungen der Sprecherin des State Department. Die Rollen des kalten Krieges sind, was Transparenz und Dokumentation betrifft, komplett vertauscht. Es gibt heute Meldungen, die nur auf Rianovosti, Russia Today oder im Internet thematisiert werden, aber nicht in den westlichen Leitmedien, nur Stichworte: Das „Fuck the EU“-Telefongespräch mit der entlarvenden Passage über die Installation von Jazenjuk, die Identität der Maidan-Schützen, die ukrainischen Neonazis, die Brandursache im Gewerkschaftshaus von Odessa, die Bombeneinschläge in der Ostukraine, die Flüchtlingsströme, die nicht nur in der Westukraine, sondern vor allem in Russland ankommen.

Im Westen findet man statt Recherche inszenierte Empörung wie mit den Beschuldigungen zum Flugzeugabsturz von MH 17. Nichts dazu im Folgenden über die black box, nichts über die von Kiew beschlagnahmten Gespräche zum Tower, nichts über den ukrainischen Kampfjet, nichts über die verräterischen Einschusslöcher in den Wrackteilen, stattdessen Rechtfertigen der endlosen Verzögerung der Untersuchung.

Schizophrene Medien

An solchen Nachrichten zu zweifeln, ist nur mehr ein sehr bescheidener Intelligenztest. Immerhin wird er von einigen bestanden, wenn das Niveau im freien Fall ist. Der Tiefpunkt war das „Stoppt Putin“-Cover des Spiegel. Dort, wo sich der Protest entlud, wie auf der Facebook-Seite des Spiegel, machen sich nun wohl die Redakteure auf die Suche nach russischen IP-Adressen von Putin-Trollen. Viel Spaß dabei, aber es gibt einen medizinischen Ausdruck dafür: Realitätsverlust.

[…]

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42531/1.html

Der ehemalige Richter des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, Peter Vonnahme, hat sich der Berichterstattung um den Absturz der MH 17 und der daraufhin beschlossenen Sanktionspolitik mit Ausblick auf Aufrüstung und Präsenz der NATO an den Grenzen zu Rußland angenommen:

MH 17 – der Glaubwürdigkeits-GAU

Zwischen Vasallenpolitik und willfährigen Medien – Von PETER VONNAHME, 15. August 2014 –

[…]

Der Aufsatz ist ein Versuch, die Mechanismen fremdgesteuerter Politik und die geistige Engführung des bundesdeutschen Nachrichtendschungels auszuleuchten. Er versucht, die mediale Spreu vom Weizen zu trennen. Das ist schwierig, weil in (Vor-)Kriegszeiten sogar Tatsachenberichte ideologisch eingefärbt und verfälscht werden. Die traditionellen Medien verlieren rapide an Verlässlichkeit. Umso wichtiger werden Kriterien für die eigene Bewertung von Nachrichten. Deshalb soll der Aufsatz die Beliebigkeit und Einseitigkeit politischer und publizistischer Aussagen anhand richterlicher Überprüfungsroutinen sichtbar machen. Zunächst müssen dazu möglichst viele Informationen gesammelt, auf ihre Plausibilität hin überprüft und gewichtet werden. Aus der Informationsfülle muss sodann von einer gedanklich und strukturell unabhängigen „Instanz“ ein nachprüfbar stimmiges Gesamtbild geformt werden. Unverzichtbar ist dabei, dass bei Bewertungen in jedem Fall die gleichen Maßstäbe angelegt werden. Wünschenswert ist, dass der Bewertende Unstimmigkeiten und Lügen erkennt und den Mut hat, sie als solche zu bezeichnen.
Unvermeidlich ist, dass bei einem solchen Unterfangen auch persönliche Überzeugungen des Verfassers sichtbar werden. Das ist auch so gewollt. Ich bemühe mich um Objektivität, nehme aber in Kauf, dass ich mich trotzdem angreifbar mache.

[…]

http://www.hintergrund.de/201408153197/hintergrund/medien/mh-17-der-glaubwuerdigkeits-gau.html

Nein, er hat sich nicht angreifbar gemacht, steht er doch für diejenigen Werte ein, die den Westen eigentlich auszeichnen sollten, derer er, der Westen,  aber vollständig verlustig gegangen ist. Dafür stehen exemplarisch die Grünen, deren realitätsblinde Maidan-Politikerin Rebecca Harms doch tatsächlich am 13.8.2014 Folgendes über die Lippen brachte [Hervorhebung von mir]:

 Interview vom 13.08.2014

Ukraine-Konflikt“Strategie des Westens kann aufgehen“Rebecca Harms im Gespräch mit Gerd Breker

[…]

Gerd Breker: Russland will den Menschen in der Ostukraine helfen – und dann dieses Misstrauen. Wie erklärt sich das?

Rebecca Harms: Also erstens ist natürlich klar, dass die Menschen in der Ukraine, im Osten, in Donbass, dass die Hilfe brauchen. Zweitens ist aber auch klar, dass diese ganze furchtbare Situation, dass alle diese Kämpfe, die da stattfinden, dass die darauf zurückgehen, dass Russland zuerst die Krim annektiert hat und dann ganz offensichtlich die selbst ernannten Separatisten mit Waffen und allem, was sie gebraucht haben, unterstützt haben, um eben den Osten der Ukraine zu destabilisieren. Und vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass man diesen Hilfskonvoi aus ukrainischer Perspektive auch als Trojanisches Pferd betrachtet.

Breker: Weder die Separatisten noch die ukrainische Armee gehen besonders rücksichtsvoll mit den Zivilisten um. Menschenrechtsorganisationen werfen beiden Seiten Kriegsverbrechen vor.

Harms: Die Organisation Amnesty International hat schon sehr früh einen Bericht veröffentlicht, in dem es um Menschenrechtsverletzungen in großem Umfang gegangen ist. In erster Linie wurden die sogenannten Separatisten angegriffen, aber auch der ukrainischen Regierung und der ukrainischen Armee sind schwere Vorwürfe gemacht worden. Und ich glaube, dass es richtig ist, dass hier immer wieder insistieren, dass die ukrainische Armee eben internationales Recht auch in diesem Einsatz in der Ukraine im Osten respektiert.

„Es wird keine rein militärische Lösung geben“

Breker: Offensichtlich, Frau Harms, setzt aber Kiew derzeit auf eine rein militärische Lösung.

Harms: Es wird keine rein militärische Lösung geben. Es gibt ein politisches Problem, selbst wenn diese Kämpfe da gestoppt werden können, wenn die selbst ernannten Separatisten oder die Milizen, die da auch aus dem Ausland wieder im Einsatz sind im Osten der Ukraine, selbst wenn die gestoppt werden können. Ich glaube, dass es wirklich nur eine politische Lösung geben kann. Und ich meine, es wäre nach wie vor nicht das Richtigste, jetzt humanitäre Hilfe zu leisten, sondern richtig wäre, dafür zu sorgen, dass diese Kampfhandlungen, dass die gestoppt werden. Seit Wochen fordern wir, Nachschub für die Separatisten, dass der gestoppt werden muss, dass ein Waffenstillstand endlich durchgesetzt werden muss. Und davon ausgehend muss man nach einer politischen Lösung in der Ukraine dann suchen.

[…]

http://www.deutschlandfunk.de/ukraine-konflikt-strategie-des-westens-kann-aufgehen.694.de.mhtml?dram:article_id=294419

Wie kann man nur gegen eine sofortige humanitäre Hilfe für Zivilisten sein? Und wieso verschließt eine Grüne die Augen vor der Vasalleneigenschaft Kiews gegenüber den USA? Was fehlt? Genau. Der Aufruf an Kiew, die Kampfhandlungen zu stoppen und sich der rechtsextremen Kräfte zu entledigen. Aber das schafft Kiew offensichtlich nicht mehr.

Ultimatum an Poroschenko: „Rechter Sektor“ droht Kiew mit Feldzug

13:53 17/08/2014

MOSKAU, 17. August (RIA Novosti).

Die ukrainische Nationalistenorganisation „Rechter Sektor“, die die Regierungsarmee bei den Gefechten gegen Regimegegner im Osten des Landes bislang unterstützt, hat der Führung in Kiew mit einer bewaffneten Offensive gedroht, wenn diese ihre Forderungen nicht erfüllen sollte.

In einer am Samstagabend veröffentlichten Erklärung forderte der „Rechte Sektor“ Präsident Pjotr Poroschenko ultimativ auf, binnen 48 Stunden alle festgenommenen Mitglieder der Bewegung freizulassen und die Ermittlungen gegen sie einzustellen. Auch sollten die Behörden die „rechtswidrig beschlagnahmten Waffen“ zurückgeben sowie alle „anti-ukrainischen Kräfte“ aus dem Innenministerium entlassen. „Wenn unsere Forderungen binnen 48 Stunden nicht erfüllt werden, werden wir gezwungen sein, unsere Kampfverbände von der Front abzuziehen, Reservistenbataillone zu mobilisieren und einen Feldzug auf Kiew zu beginnen.“

Der „Rechte Sektor“ hatte zu Jahresbeginn an den Krawallen auf dem Kiewer Protestplatz Maidan teilgenommen. Nach dem Februar-Umsturz kämpfen seine Schläger auf der Seite der Regierungsarmee gegen die Regierungsgegner im Osten der Ukraine. In der vergangenen Woche hat die Kiewer Polizei nach eigenen Angaben 35 mutmaßliche Maidan-Aktivisten wegen bewaffnetem Überfall auf ein Restaurant in der ukrainischen Hauptstadt festgenommen.

http://de.ria.ru/politics/20140817/269314407.html

Die Drohung war erfolgreich – ein Beleg dafür, welchen Einfluß die rechten Kräfte auf das korrupte ukrainische Polizei- und Justizsystem haben.

Rechter Sektor sagt Marsch auf Kiew ab: „Ultimatum teilweise erfüllt“

18:53 17/08/2014

KIEW, 17. August (RIA Novosti).

Der ultranationalistische „Rechte Sektor“ (RS) hat seinen angedrohten bewaffneten Feldzug gegen Kiew abgesagt und versprochen, weiter gegen die Regierungsgegner im Osten des Landes zu kämpfen. RS-Anführer Dmitri Jarosch erklärte den Rückzieher damit, dass die Regierung sein Ultimatum teilweise erfüllt habe.

„Uns wurde bekannt, dass alle unsere Waffenbrüder freigelassen wurden und dass die Frage des (Vize-Innenministers Wladimir – Red.) Jewdokimow  jetzt vom Kabinett erörtert wird“, sagte Jarosch am Sonntag in einer Videoansprache. Er hoffe, dass Jewdokimow  entlassen werde. „Das ist ein kleiner Sieg. Deshalb werden wir angesichts der aktuellen Situation an der Front in den Kampfstellungen bleiben.“ Jarosch betonte, dass der „Rechte Sektor“ seine Kämpfer auch weiterhin „mit Entschlossenheit gegen polizeiliche Willkür schützen“ werde.

http://de.ria.ru/politics/20140817/269316588.html

Aber das ist wohl nur russische Propaganda.

Nachtrag:

Das Aidar-Bataillon, das von Moskau beschuldigt wird, Angriffe auf den Hilfskonvoi zu planen, ist natürlich auch eine rechte Truppe, die unabhängig von irgendwelchen Regierungsanweisungen agiert. Die regimetreue Kiyv-Post charakterisiert sie so:

Volunteer Aidar Battalion fights on front lines in Luhansk Oblast

July 21, 2014, 2:35 p.m.

[…]

Dozens of armed men and women are walking over the territory of their base, while others are having lunch, watching TV, talking or napping. Even thoguht Aidar is subordinate to Ukraine’s Ministry of Defense, its fighters are quite different from army soldiers.

Only 10 percent of them had any military experience before joining the battalion. But the volunteers say they compensate their lack of military skill with a strong fighting spirit, developed over the months at the EuroMaidan Revolution in Kyiv that overthrew Viktor Yanukovych as president on Feb. 22.

“Aidar taught our army forces not to be afraid to shoot,” battalion’s spokesman Anatoliy Usychenko with a nome de guerre as the Tick said, quoting Andriy Parubiy, secretary of National Security and Defense Council

[…]

Now Aidar Battalion has some 400 fighters with dozens of volunteers coming almost every day. After two weeks of training every newcomer receives gun and a task he has to fulfill. Most of their weapon Aidar’s fighters received from the army, and then also seized some guns from separatists.

[…]

Aidar has already lost 10 of its fighters and many more have been wounded during this war. Shakh, 29, a Ukrainian of Chechen origin born in Vinnytsia Oblast, believes that the war is “nothing else but the dividing of money.” He condemns the Chechen mercenaries who fight on the side of the Kremlin-backed separatists, but admits getting offers to fight in Syria.

The ultra-nationalist orientation of Aidar people often makes the residents of Donbas in eastern Ukraine very suspicious of them. The separatists are reportedly more willing to arrest the army soldiers, when they often decide to finish the fighting volunteers, the reports said.

Aidar guys also behave sometimes more harshly than the army.

After liberating the city of Shchastya some 15 kilometers from the provincial capital of Luhansk on June 14, Aidar installed its own commandants in the city’s police station and even arrested the local deputy mayor for cooperation with separatists. Local residents find it scary to see armed strangers walking the streets and imposing their own rules, but they have no choice.

During the May 25 presidential elections, Aidar’s people successfully captured 13 separatists who seized ballots at several polling station in Novoaidar. Two civilians were killed, however, in the crossfire between Aidar and the Kremlin-backed guerrillas, as the Kyiv Post witnessed.

The incident exposed the Aidar’s lack of discipline and willingness to disobey army commands. “They may tell us what to do, but it doesn’t mean that we will necessarily do this,” said one of Aidar’s men, a businessman from Severodonetsk in Luhansk Oblast.

Many of Aidar’s fighters criticize the army for being too hesitant. “Maidan taught us to remove all the obstacles on our way,” Usychenko said.

http://www.kyivpost.com/multimedia/photo/volunteer-aidar-battalion-fights-on-front-lines-in-luhansk-oblast-357129.html

Nachtrag (18.8.2014)

Die Behauptung Poroschenkos, daß der angebliche russische Militärkonvoi zu einem erheblichen Teil vernichtet worden sei, dürfte endgültig als Propagandaluftblase zerplatzt sein. Denn wenn das Weiße Haus diesen Vorfall nicht bestätigt, dann war wirklich nichts dran.

@jimsciutto

CNN’s Chief National Security Correspondent http://on.cnn.com/1a7VCAU 

Washington, DC

jimsciutto.com

Jim Sciutto @jimsciutto  ·  15. Aug.

WH accuses Moscow of „repeated Russian & Russian-supported incursions“ into #Ukraine tho says can’t confirm convoy destroyed by Kiev

Im Außenministerium gab es seit dem 14.8. bis jetzt keine Pressekonferenz, so daß man sich mit der Nichtbestätigung durch das Weiße Haus zufriedengeben muß.

Was allerdings weiterhin durch die deutschen Medien wabert, ist die wegen eines „Übersetzungsfehlers“ falsch wiedergegebene Äußerung des neuen Premiers der „Volksrepublik Donezk“, Alexander Sachartschenko, in einem russischsprachigen Video vom 15.8.2015

Heute schrieb Nina Jeglinski im TAGESSPIEGEL (Print), S. 6:

Porträt

Alexander Sachartschenko

Ostukrainischer Separatist

„Russland schickt uns Kriegsgerät“

[…]

Doch der Mann ist hochnervös. Denn das, was Sachartschenko verkündete, war reiner Sprengstoff: In den vergangenen vier Monaten seien 1200 seiner Mitarbeiter in der Russischen Förderation geschult worden. Nun könnten diese Männer Panzer und Militärfahrzeuge fahren und bedienen. Am Ende des Lehrganges hätten die Russen ihnen 30 Panzer und 120 Fahrzeuge inklusive Waffen und Munition zur Verfügung gestellt.

Seit dem 16.8.2014 war allerdings schon die Erklärung der BBC in der Welt, daß die letzte Aussage auf einem Übersetzungsfehler beruhe:

16 August 2014 Last updated at 17:48 GMT

Ukraine crisis: Rebel fighters ‘trained in Russia’

[…]

The new rebel leader in east Ukraine’s Donetsk region has said his forces include 1,200 fighters who underwent military training in Russia.
Addressing a meeting, Alexander Zakharchenko said the fighters had trained “four months on the territory of the Russian Federation”.
The rebels, he said, had reserves of 150 combat vehicles, including tanks.
An earlier mistranslation of his words suggested Mr Zakharchenko had said the vehicles were on their way from Russia.
Russia has denied claims by Ukraine and Western reporters that military aid to the rebels has been crossing the border.
[…]
Mr Zakharchenko, who became the prime minister of the self-declared Donetsk People’s Republic (DPR) last week, made the announcement to the rebels’ parliament on Friday, with a video of his speech (in Russian) posted on YouTube.
Littering the speech with military jargon, he said: “There are, at present, in the axis of the corridor [linking rebels in Donetsk with those in Luhansk and the Russian border] – there have been assembled -reserves of the following order: 150 units of military hardware of which about 30 are actual tanks and the rest are infantry fighting vehicles and armoured personnel carriers, and 1,200 personnel who underwent four months of military training on the territory of the Russian Federation.”
The rebel leader went on a Russian pro-Kremlin TV channel on Saturday to reject reports that the hardware had come from Russia.
“The Ukrainian military have left us so much hardware that we can’t find enough people to crew it – I mean tanks, troop carriers, Grad [multiple rocket] launchers and so on,” he told Life News (video in Russian).
He added that “ethnic Ukrainian” volunteers from Russia, not servicemen, were fighting for the rebels, along with “Turks; a great many Serbs; Italians and Germans; and even two Romanians”.

http://www.bbc.com/news/world-europe-28817347

Ich bleibe dennoch dabei: Sachartschenko hat maßlos übertrieben, was die Kampfkraft seiner Truppen angeht – das ist schlicht und einfach psychologische Kriegsführung.

Stichwort Aidar-Batallion: die „Säuberungen“, die diese rechtextreme Truppe betreibt, werden noch viel Elend auslösen. Am 8.8.2014 wurde der Lugansker Bürgermeister von Kräften dieses Bataillons festgenommen und angeblich dem ukrainischen Geheimdienst übergeben. Letzterer bestreitet das und behauptet, den Aufenthaltsort des Bürgermeisters nicht zu kennen.

Latest from OSCE Special Monitoring Mission (SMM) to Ukraine based on information received as of 18:00 (Kyiv time), 15 August 2014

KYIV 16 August 2014

This report is for media and the general public.

In Donetsk the situation remained tense and the SMM heard repeated explosions on the city’s outskirts. Draftees protested against mobilization in Chernivtsi.

[…]

Relatives of Luhansk city Mayor, Sergey Kravchenko, told the SMM that as of 14 August he was still missing and his whereabouts unknown. Earlier on 13 August, an ATO commander informed the SMM that Mr. Kravchenko had been detained by the Security Service of Ukraine (SBU) and was kept in custody in Kyiv. Asked to confirm, SBU representatives in Kyiv denied responsibility for the detention and stated they are not aware of the individual’s whereabouts. The SMM was informed about his disappearance on 8 August after his arrested by the “Ajdar” Battalion (see Daily Report of 8 August and 11 August).

http://www.osce.org/ukraine-smm/122662

Nachtrag (19.8.2014)

Mit dem Phantom-Konvoi und seiner Behandlung durch SPON hat sich Jens Berger beschäftigt:

SPIEGEL Online und der Phantom-Konvoi – Hysterie, Lügen und Heuchelei

Verantwortlich: Jens Berger

http://www.nachdenkseiten.de/?p=22863

Und nun ist es amtlich, daß die Invasion eines russischen Militärkonvois in die Ukraine und seine nachfolgende Vernichtung eine Ente war: am Anfang stand journalistische Fahrlässigkeit, am Ende eines der übliches Lug- und Trug-Manöver aus Kiew, dieses Mal höchstpersönlich durch Poroschenko vorgetragen. Das macht Marie Harf deutlich, die als stv. Sprecherin des Außenministers John Kerry keinen leichten Stand hat – seine Glaubwürdigkeit ist seit langem dahin.

Die Begründung seines Glaubwürdigkeitsverlustes findet sich in diesem Memorandum pensionierter Geheimdienstmitarbeiter an den Präsidenten der USA von Ende Juli 2014, in der Aufklärung über den Absturz der MH 17 gefordert wird:

http://futurefastforward.com/images/stories/financial/MH17MemoForThePresident.pdf#page=6

Wie der Herr, so’s Gescherr. So hat Marie Harf keine Probleme, noch am 18.8.2014 die humanitäre Hilfe Rußlands für ein Trojanisches Pferd zu halten, wobei sie sich weigert, öffentlich zu erklären, daß die Lage der Zivilisten in Lugansk und Donezk katastrophal ist. Außerdem weiß sie jetzt schon, daß entweder die Separatisten oder Rußland die MH 17 abgeschossen haben. Kiew habe damit nichts zu tun, weil es in dem fraglichen Gebiet keine BUK-Systeme stationiert hätte. Die entsprechenden Satelliten-Bilder ukrainischer BUK-Stellungen, die das russische Verteidigungsministerium am 21.7.2014 präsentiert hat, hat sie offenbar nicht zur Kenntnis genommen. Aber den Phantom-Konvoi will sie nicht bestätigen:

Marie Harf

Deputy Spokesperson
Daily Press Briefing

Washington, DC

August 18, 2014

[…]

QUESTION: There were also reports that a military convoy crossing from Russia into Ukraine was struck. Do you have any information on that?

  1. HARF: Yeah, and this was something we had a little bit on Friday talked about a little bit. We are working to gather more information regarding the Ukrainian reports that their security forces disabled vehicles in a Russian military column inside Ukraine. We, at this time, still, as we said on Friday, cannot confirm these reports. We are working to gather that information. Of course, at the same time reiterate our concern about repeated Russian and Russian-supported incursions into Ukraine, but can’t confirm those specific reports.

QUESTION: Okay.

  1. HARF: Yes.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/08/230695.htm#UKRAINE

Fortsetzung hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/09/28/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-1/

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Ukraine: Vermischte Nachrichten

 

Glanz und GloriaFortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/05/02/ukraine-krise-krieg-lugen-und-video/

Ein ereignisreicher Tag in der Ukraine, der 31.5.2014, wie ihn ein österreichisches Presseorgan – man sieht sich mittlerweile gezwungen, auf außerdeutsche Medien auszuweichen, will man einigermaßen unterrichtet bleiben – zeichnete:

Mehrere Tote bei Kämpfen in der Ostukraine

31. Mai 2014, 14:44

Zwei OSZE-Teams in der Gewalt prorussischer Separatisten – Russland zieht Truppen an der Grenze teilweise ab – Treffen zwischen Obama und Poroschenko am Mittwoch

Kiew – Bei neuen schweren Gefechten zwischen ukrainischen Sicherheitskräften und prorussischen Separatisten sind mindestens zwei Menschen getötet und acht verletzt worden. Im Zentrum der Zusammenstöße stand erneut die Stadt Slawjansk im Osten der Ukraine.

Hier seien beim nächtlichen Vorrücken von Regierungseinheiten zwei Zivilisten erschossen und vier verletzt worden, sagte ein Sprecher der prorussischen Aktivisten am Samstag. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Drei Soldaten verletzt

Bei einem Schusswechsel nahe des ukrainisch-russischen Grenzpostens Djakowo wurden zudem drei Soldaten verletzt. Etwa 80 unbekannte Angreifer hätten den Posten mit Granatwerfern attackiert, sagte ein Armeesprecher. Die Sicherheitskräfte hätten das Feuer erwidert und seien von einem Kampfjet des Typs Suchoi Su-27 unterstützt worden. Die Angreifer hätten sich später zurückgezogen.

Der von Moskau unterstützte Chef der Republik Tschetschenien hat unterdessen bestritten, dass seine Regierung Kämpfer zur Unterstützung der prorussischen Separatisten in die Ostukraine geschickt hat. Er schließe aber nicht aus, dass einige aus eigenem Entschluss dorthin gegangen seien, sagte Ramsan Kadyrow in einem Interview des russischen Fernsehens, das am Samstag ausgestrahlt werden soll. US-Außenminister John Kerry hatte sich am Vortag besorgt über Berichte geäußert, dass tschetschenische Kämpfer an der Seite der Separatisten kämpften.

OSZE-Teams weiter vermisst

Die beiden in der Ukraine vermissten Teams der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sind nach Angaben der OSZE weiter in der Hand ihrer Entführer. Der stellvertretende Leiter des Beobachtereinsatzes, Alexander Hug, sagte am Samstag im Deutschlandfunk, Berichte über eine Freilassung könne er nicht bestätigen. Es gebe weder direkt noch indirekt Kontakt zu den Vermissten.

Russland führt jedoch nach eigenen Angaben Gespräche mit den militanten Separatisten in der Ostukraine. „Die Freilassung zieht sich hin“, sagte Russlands OSZE-Botschafter Andrej Kelin am Samstag der Agentur Itar-Tass. Dauer und Ergebnis der Verhandlungen seien völlig offen.

Die russische Tageszeitung „Kommersant“ berichtete, dass der OSZE-Ukraine-Beauftragte Wolfgang Ischinger seinen Posten verlassen werde. Das Mandat des deutschen Diplomaten sei am Tag der ukrainischen Präsidentenwahl am 25. Mai abgelaufen, wurde Roland Bless von der OSZE zitiert. Ischinger hatte nach seiner Ernennung im Mai dreimal den Runden Tisch zur nationalen Einheit moderiert.

Offene Gasrechnungen zum Teil bezahlt

Im Streit zwischen Russland und der Ukraine über offene Gasrechnungen zeichnete sich unterdessen eine Annäherung ab. Die ukrainische Regierung hat mittlerweile eine Überweisung an den russischen Konzern Gazprom veranlasst.

Russland hat außerdem NATO-Angaben zufolge etwa zwei Drittel seiner Soldaten von der ukrainischen Grenze abgezogen. Dies seien erste Schritte, hieß es in Washington am Freitag. Ein vollständiger Rückzug sei aber notwendig.

US-Präsident Barack Obama trifft am Mittwoch in Warschau mit dem neu gewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zusammen. Das gab das Weiße Haus gestern in Washington bekannt. Obama wird in der polnischen Hauptstadt an den Feiern zum 25. Jahrestag der ersten halbdemokratischen Wahlen im Ostblock teilnehmen.

Zu dem Treffen werden 20 Staatsoberhäupter erwartet, darunter Francois Hollande (Frankreich), Joachim Gauck (Deutschland) und auch Bundespräsident Heinz Fischer. US-Präsident Obama wird in Warschau eine Rede halten.

Proteste am Maidan

In Kiew haben Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan unterdessen mehrere Stapel Autoreifen in Brand gesetzt. Sie protestierten damit gegen einen Appell des Ex-Boxchampions und künftigen Bürgermeisters Vitali Klitschko, der für eine Räumung des Protestlagers plädiert hatte.

„Klitschko hat uns nichts zu sagen, er ist – wie die gesamte frühere Opposition – nur dank uns an der Macht“, sagte ein Demonstrant. Die regierungskritischen Aktivisten wollen ihr Protestlager im Herzen der Hauptstadt Kiew nur unter Bedingungen auflösen. „Der Maidan geht nicht auseinander, solange unsere Forderungen nicht erfüllt sind“, betonten verschiedene Protestgruppen auf dem Unabhängigkeitsplatz in einem Manifest. Die Demonstranten halten den Platz seit Monaten mit Zelten und Barrikaden besetzt. (APA, 31.5.2014)

 

http://derstandard.at/2000001685202/Mehrere-Tote-bei-Kaempfen-in-der-Ostukraine

Ein in seiner Neutralität vorbildlich informierender Beitrag.

Der sich, geht man auf die Suche, ergänzen läßt.

Zum Beispiel durch ein Video von den Schäden des nächtlichen Artilleriebeschusses von Wohngebieten in Slawjansk:

https://www.youtube.com/watch?v=Z6Gnr7o8tJA

Das ist natürlich keine „Bestätigung“ des Berichtes, denn in Zeiten von allseitiger Propaganda wird von der Regierungsseite stereotyp vorgebracht, daß die „prorussischen Terroristen“ gegen die eigene Zivilbevölkerung vorgehen. Und es gibt tatsächlich Menschen, die das glauben. Unter anderem Journalisten deutscher öffentlich-rechtlicher Sender.

Ergänzend auch ein Video vom widerständigen Maidan, der sich Klitschkos Räumungsaufruf nicht beugen will – allerdings aus der Sicht von Radio Swoboda: die rechten Kräfte scheinen den originären zivilen, Konrad-Adenauer-Stiftung- und US-Think-Tank- konformen Maidan-Protest der hauptstädtischen Mittelschicht, die mit dem Ergebnis ihres Protestes – nun ist ein Oligarch Präsident – unzufrieden sein muß, komplett übernommen zu haben. Sie waren es, die Reifen in Brand setzten – was für ungute, schwankende Gestalten:

http://www.radiosvoboda.org/media/video/25405401.html

Was hat es mit den Russen und Tschetschenen auf sich, die in der Ukraine kämpfen? Natürlich weiß niemand, ob sie von Kadyrow oder von Putin geschickt wurden. Das wird, abhängig vom Standpunkt, schlicht unterstellt. Für diese parteiische Sichtweise spricht allerdings nichts.

Nina Jeglinski und Elke Windisch vom TAGESSPIEGEL wissen mehr – nämlich daß Tschtschenen auf beiden Seiten kämpfen.

Tschetschenische Milizen in Ukraine-Krise

Der unbekannte Feind

30.05.2014 19:14 Uhrvon Nina Jeglinski und Elke Windisch

[…]

Auf welcher Seite stehen die Tschetschenen?

Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Westliche Medien verorteten sie aufseiten der Separatisten, russische aufseiten der Regierungstruppen. Dass tschetschenische Gruppen im Donbass kämpfen ohne die Zustimmung Kadyrows oder ohne das Wissen der russischen Regierung, sei höchst unglaubwürdig, heißt es in Kiew: „Das sogenannte ,Wostok-Bataillon’ wird ohne Befehl nirgendwohin gehen.“

Russische Frontberichterstatter hingegen meldeten, dass Tschetschenen aufseiten der ukrainischen Nationalgarde gesichtet wurden. Sie rekrutiert sich vor allem aus dem ultraradikalen Rechten Sektor, der während Moskaus Tschetschenienkrieg in den Neunzigerjahren aufseiten der Rebellen kämpfte. Deren harter Kern, so mutmaßen die Russen, steht nun den einstigen Waffenbrüdern in der Ukraine bei.

Kadyrow konnte die Mehrheit der Untergrundkämpfer zwar dazu bewegen, die Waffen niederzulegen. Das gelang mit einer Amnestie und der Eingliederung in die Rechtschutzorgane der Teilrepublik – und oft auch mit Einschüchterungen und nackter Gewalt. Einige „Unversöhnliche“ verzogen sich aber dennoch in die Nachbarrepubliken, um dort den Kampf gegen die ungläubigen Okkupanten aus Moskau fortzusetzen. Russische Geheimdienste gehen von etwa 5000 Mann aus.

Die Kontakte des Rechten Sektors zum Chef der tschetschenischen Untergrundkämpfer, Doku Umarow, der die Verantwortung für alle größeren Terroranschläge der vergangenen Zeit in Russland übernahm, wurden vor einiger Zeit wieder deutlich. Auf dem Höhepunkt der Proteste auf dem Kiewer Maidan bat man um Hilfe bei der Schwächung Moskaus durch weitere Attentate.

Aber auch Behauptungen, wonach Tschetschenen aufseiten der prorussischen Separatisten kämpfen, sind nicht aus der Luft gegriffen. Kadyrow regiert seinen Beritt nach eigenem Gutdünken. Ihn schützt eine angeblich aus mehreren hundert Elitekämpfern seines Clans bestehende Leibgarde, die von Regierung und Parlament nicht kontrolliert wird.

Warum konnten die mutmaßlichen Kämpfer überhaupt in die Ukraine gelangen?

Wieso die ukrainischen Grenztruppen die per Bus oder Zug reisenden Soldaten gewähren ließen, bleibt das Geheimnis der politisch und militärisch Verantwortlichen in Kiew. Sicher ist, dass die russisch-ukrainische Grenze bis heute sehr durchlässig ist. Kein Tag vergeht, an dem nicht über Vorfälle berichtet wird, bei denen Soldaten in Bussen oder Lastwagen versuchen, ukrainisches Territorium zu erreichen. In den Regionen Lugansk und Donezk sind in jüngster Vergangenheit immer wieder Fahrzeuge und Waffen, darunter automatische Gewehre und Panzerabwehrraketen beschlagnahmt worden, trotzdem gelingt es den Eindringlingen nach wie vor, ins Land zu kommen.

http://www.tagesspiegel.de/politik/tschetschenische-milizen-in-ukraine-krise-der-unbekannte-feind/9972094.html

Wer sich für sachliche Berichte über tschetschenische Kämpfer in internationalen Auseinandersetzungen interessiert, wird hier fündig:

Understanding the Mysterious Appearance of the Chechen ‘Vostok’ Battalion in Eastern Ukraine

Publication: Eurasia Daily Monitor Volume: 11 Issue: 101

May 30, 2014 10:10 PM Age: 1 day

By: Mairbek Vatchagaev

 

[…]

 

However, it was not immediately clear from the report if the Chechens were dispatched to Ukraine by the Russian authorities. An armored personnel carrier (APC) carrying the armed men bore the inscription “Battalion Vostok” in large script to make sure it was visible to everyone. The Vostok battalion was disbanded on November 8, 2008, almost immediately after the war in Georgia. As Interfax reported at the time: “The battalions Vostok and Zapad of the 42nd Motorized Rifle Division of the Ministry of Defense of Russia were disbanded,” the deputy commander of Russian Defense Ministry’s ground forces, Colonel-General Vladimir Moltenskoi, told Ramzan Kadyrov in a face-to-face meeting (http://www.interfax.ru/44317).

Those who like to point to the Vostok battalion should understand that the battalion was led by Ramzan Kadyrov’s worst enemy, Sulim Yamadaev. So Kadyrov would not have allowed his people, the kadyrovtsy, to use the name of the battalion of his former nemesis. Another indicator that the group may not have ties to Kadyrov is the fact that fighters from the so-called Vostok battalion openly smoked in front of cameras—something which would be highly improbable, to put it mildly, in Kadyrov’s units because it is haram (forbidden) in Islam and the Chechen strongman, at least in public, tries to have his subordinates maintain the appearance of being good Muslims (http://argumentua.com/stati/donetsk-posle-vyborov-kadyrovskaya-svoloch-est-vlasti-net).

It is more likely that the Donetsk separatists set up their own version of the “Vostok” battalion that has nothing to do with the original Chechen battalion. The well-known analyst Oleg Kashin pointed out that Chechens once served as bodyguards for Ukraine’s richest businessmen, Renat Akhmetov. According to Kashin, there are Chechens, Ossetians and members of other ethnic groups active in eastern Ukraine (http://kashin.guru/2014/05/25/checehn/).
[…]

http://www.jamestown.org/single/?tx_ttnews[tt_news]=42447&tx_ttnews[backPid]=7&cHash=edb06260fcad09e60fabefff15b0f638#.U4t3CChi2mG

Hier wurden also Mythen aufgebaut, und der kundige Autor sieht auch keinen Beweis dafür, daß die Mehrzahl der 33 Toten nach dem Kampf um den Flughafen in Donezk Tschetschenen waren.

Es gibt glücklicherweise eben auch Journalisten, die über profundes Wissen verfügen oder mehr tun, als nur ausgewogen sowohl die eine als auch die andere parteiisch gefilterte Nachricht zu transportieren. Obwohl man als deutscher Medienkonsument ja schon froh sein muß, wenn wenigstens ausgewogen beide Seiten zu Wort kommen…

Zu den Journalisten, die selber recherchieren, gehört Harriet Salem von Vice-News, die sich in Donezk (aus dem sich ARD und ZDF zurückgezogen haben und die unter dem Schutz des mafiösen Oligarchen Kolomoisky und seines Kompagnons Filatow nebst deren ultrarechten Privatarmeen aus Dnipropetrowsk nun solche unbedarfte „Nachrichten“ twittern:

https://twitter.com/KEigendorf/status/471702849236107264

https://twitter.com/KEigendorf/status/472254197455659009

https://twitter.com/KEigendorf/status/472256269680914433 )

bei eben jenen tschetschenischen Kämpfern auf Seiten der „Separatisten“ erkundigt hat, was sie antreibt und wie sie in die Ukraine gekommen sind. Nebenbei: für die Grenzsicherung ist immer noch die Ukraine zuständig und nicht Rußland, das ja dringlich aufgefordert wurde, seine Militärübungssoldaten aus dem Grenzbereich zurückzuziehen. Mittlerweile ist der Abzug so deutlich, daß sich nicht einmal die NATO mehr auf die unglaubwürdige Position zurückziehen kann, sie wisse nicht, ob Rußlands Abzugs-Ankündigung umgesetzt werde. Dafür nölt sie jetzt herum, weil das letzte Drittel noch nicht abgezogen sei, mahnt aber gleichzeitig an, Rußland solle die Ausreisen an seiner Grenze zur Ukraine besser kontrollieren. Welches Rechtsverständnis steckt eigentlich hinter der Vorstellung, ein Staat müsse Ausreisen kontrollieren?

Gewiß kein rechtsstaatlich-demokratisches. Meines Wissens wurden Ausreisen zuletzt von der DDR kontrolliert und unterdrückt…

Harriet Salem kann zwar ihre antirussische Einstellung nicht verbergen – aber immerhin: sie recherchiert vor Ort!

Ice Cream, Corpses, and the Big Bear: Repatriating Dead Russians From Ukraine

By Harriet Salem

May 30, 2014 | 9:19 pm

[…]

Despite Moscow’s persistent rejection of Russian men fighting in Ukraine’s east, it is now undeniable they are here.

Paperwork shown to VICE News confirmed that at least some of the dead being transported across the border were, as claimed by the rebels, Russians.

[…]

Sayid, a Chechen fighter being treated at the Donetsk trauma unit for a gunshot wound in his ankle, told VICE News how he had travelled to Rostov in Russia for construction work. Once there, he was offered the opportunity to fight in Ukraine and headed with his unit for the border.

Aslan, a nervous gunman in a black tracksuit who patrols the ice cream factory, told VICE News a similar story. The 33-year-old Ossetian says that his group traveled to Donetsk to provide humanitarian aid, but then decided to join the fight.

Others from the Caucasus and other post-Soviet states are also thought to be among the swirling mix of paramilitaries descending on the region.

“The more the Ukrainian army attack us, the more fighters we have,” says Varan, Head of Security for the DPR tells VICE News.

Varan, whose name means “monitor lizard” in Russian, is a Chechen, but claimed that men are coming from all around the region. “All the neighboring countries have offered to send fighters,” he tells VICE News. “They come legally into the country in civilian clothes, and then form units once they arrive,” he adds.

Some may well be volunteers fighting for a patriotic belief in “Novorossiya.” The expansionist concept, which echoes from the Soviet Union and even Russian Empire past, also resonates with the contemporary neo-nationalist groups that emerged at the beginning of Putin’s second term in the early 2000s.

Yet while some may be fighting for the idea, others are likely paid mercenaries, or bandits looking for their slice of power and money when the spoils of revolution are divvied up.

Guarding his wounded comrades outside the hospital, 30 year-old Chechen fighter Magomed said he came to Donetsk for “personal interests” and would “like to be a boss.”

There are plenty of opportunities here for the aspiring rebel fighter. Yesterday, in a seeming coup, the infamous Vostok Battalion cleared out the men of the self-styled people’s leader Pavel Gubarev from the city’s occupied administration building.

The heavily armed Vostok Battalion, whose name is a hat tip to a defunct Russian special military unit, said they were just dealing with looters. But it is suspected that the operation was in fact a takeover that concludes, at least temporarily, a simmering power struggle between competing rebel factions.

Locals are still hoping Putin will a little more support than bandits and humanitarian aid — the latter was pledged yesterday by the Russian president — but the pleas for military reinforcements, or at least peacekeeping troops, have gone unanswered.

Indeed, as the truck lumbered away from the ice cream factory with its cargo of corpses, the distance between the powers in Moscow and the rebel-run Donetsk could not be clearer.

[…]

https://news.vice.com/article/ice-cream-corpses-and-the-big-bear-repatriating-dead-russians-from-ukraine

Auch die New York Times hakte zwei Mal nach – mit ähnlichen Ergebnissen.

http://www.nytimes.com/2014/05/28/world/europe/ukraine.html?ref=world&_r=0

In Ukraine War, Kremlin Leaves No Fingerprints

By SABRINA TAVERNISEMAY 31, 2014

While Russian tanks never crossed the border with Ukraine, many of its civilians did, bolstering a pro-Russian agenda that has destabilized the divided east.

http://www.nytimes.com/2014/06/01/world/europe/in-ukraine-war-kremlin-leaves-no-fingerprints.html?_r=0

Interessant, daß der uns wohlbekannte Herr Ponomarow der NYT die Bilder zum Artikel lieferte – Slawjansk hat Vorbehalte gegen den Donezker „Premier“ Alexander Borodai. Man sieht, die Situation ist kompliziert geworden. Es sind zu viele Freelancer im Spiel, und die Dementi von Putin und Kadyrow, mit diesen Kräften etwas zu tun zu haben, sind absolut plausibel.

Was sollte russische Grenzbeamte eigentlich dazu veranlassen, ausreisende Zivilisten an der Ausreise zu hindern? Auf welcher Rechtsgrundlage überhaupt? Und kann etwa der deutsche Grenzschutz Waffen- und sonstigen Schmuggel verhindern? Harriet Salem hat recht: Rußland sind diese Terror-Touristen peinlich. Putin will mit ihnen, ob tot oder lebendig, nicht in Verbindung gebracht werden. Der Mann handelt nämlich, was man vom Westen und der Mehrheit seiner Medien nicht sagen kann, absolut rational.

Rußland hat bei den lokalen Rebellen in der Ost-Ukraine um eine Verschiebung des Referendums vom 11.5.2014 gebeten, das dann dennoch stattfand. Auf die anschließende Bitte um Anschluß des Donbass an Rußland hat es bis heute nicht reagiert. Rußland hat, was der Westen im Geist des Genfer Abkommens schon längst hätte tun müssen, Kiew um Einstellung der kontraproduktiven Gewalt des sogenannten Anti-Terror-Einsatzes gebeten. Nun bemüht sich ein OSZE-Vertreter Rußlands, direkten Kontakt mit den mutmaßlichen Entführern von zwei OSZE-Beobachter-Gruppen in den aufständischen Gebieten aufzunehmen, was angesichts der unübersichtlichen Lage dort nicht einfach sein wird – aber wenigstens wird ein Versuch gestartet.

Meines Erachtens sollte die OSZE-Beobachtung gestoppt werden. Deren Berichte sind absolut inhaltlos. Die Beobachter halten sich in Gebieten auf, in denen nichts los ist. Halten sie sich in der Nähe von Gebieten auf, in denen etwas los ist, zitieren sie Presseberichte. Halten sie sich in Gebieten auf, in denen etwas los ist, werden sie gekidnapped. Und über russische OSZE-Bemühungen weiß die Organisation auch nichts.

http://www.osce.org/press

(Auf „Latest News“ klicken)

Die West-Marionette Poroschenko, die vor der Wahl von Dialog mit dem Osten seines Landes und von mehr Autonomie für den abgehängten Donbass gesprochen hatte, wechselte einen Tag nach dem Wahlsieg in den Kampfmodus, und machte sich lächerlich, als er davon sprach, den Aufstand im Osten binnen Stunden militärisch beenden zu wollen.

Poroschenko hatte nach seiner Wahl am Sonntag angekündigt, den „Terroristen nicht in Monaten, sondern in Stunden“ das Handwerk zu legen. Doch die Regierungskräfte treffen auf entschlossenen Widerstand der separatistischen Milizen. Was das bedeutet, erfahren die Bürger von Donezk seit Montag am eigenen Leib.

Rückblick: Noch in der Nacht nach der Präsidentenwahl besetzen bewaffnete Separatisten den Flughafen der Millionenstadt. Die ukrainische Armee reagiert kompromisslos und entsendet Militärhubschrauber, Kampfjets und Fallschirmjäger. Am Airport entbrennt ein Häuserkampf, der sich am Nachmittag in das dicht besiedelte Gebiet um den Bahnhof der Metropole verlagert.

Zu diesem Zeitpunkt herrscht dort reger Betrieb. Niemand warnt die Menschen. Niemand kommt auf die Idee, den Zugverkehr einzustellen. Die Separatisten feuern auf einen Hubschrauber, der über dem Bahnhofsgebiet kreist. Mörsergranaten schlagen auf dem Vorplatz ein. Die Menschen flüchten in Panik. Dennoch trifft ein Splitter eine Frau am Kopf und reißt ihr Teile der Schädeldecke weg. Ein Mann wird von einer Kugel getroffen und stirbt ebenfalls.

Wie wenig die gesamte Stadt darauf eingestellt ist, zum heißen Kampfgebiet zu werden, zeigt die weitere Reaktion an diesem Montag. Die Leichen werden abtransportiert, aber der Bahnhof wird weder dauerhaft gesperrt noch evakuiert. Die Menschen gehen auch nicht von selbst nach Hause. Es ist, als könnten oder wollten sie all das nicht glauben. Als das Blut auf den Bürgersteigen noch nicht getrocket ist, schlagen erneut Granaten auf dem Vorplatz ein. Wieder fallen Schüsse. Die Reisenden flüchten in die Unterführungen. Eine Frau ruft: „Die sind alle wahnsinnig geworden. Das ist doch ein Albtraum!“

http://kroekel.com/2014/05/29/der-albtraum-von-donezk/

Ulrich Krökel ist meines Wissens der einzige unabhängige deutsche Journalist, der vor Ort berichtet.

Was für ein Wahn, den Poroschenko ausgebildet hat! Als Antidot sei das Interview des Ex-Nato-Militarausschuß-Mitglieds Generaloberst a. D. Harald Kujat mit dem Deutschlandfunk empfohlen:

http://www.deutschlandfunk.de/ostukraine-die-lage-ist-voellig-unuebersichtlich.694.de.html?dram:article_id=287869

Ist Poroschenko womöglich selbst der ukrainischen Propaganda verfallen, wonach es im Süden und Osten des Landes lediglich ein paar Moskau-gesteuerte Terroristen gebe, die die eigene Bevölkerung terrorisiere, eine Bevölkerung, die nichts weiter ersehne als eine Kiewer Zentralregierung, die den Osten wie in den letzten Jahren wirtschaftlich verkommen läßt, obwohl es sich um den produktivsten Landesteil handelt? Weiß er nicht, daß die ukrainische Armee auf Landsleute nicht schießen will, weil ein solches Vorgehen verfassungsrechtlich nicht erlaubt ist, und er daher zusätzlich auf die frisch gegründete Nationalgarde, bestehend aus ehemaligen Berkut-Leuten und Kämpfern des rechten Sektors, nebst deren ultranationalistischen zugeordneten Söldnern, die von Oligarchen bezahlt werden, zurückgreifen muß?

Wie sehr der Einsatz der ukrainischen Armee den Widerstand der Bevölkerung in der Ostukraine erst hervorruft, zeigt dieser Bericht über einen gescheiterten Armee-Einsatz vom 22.5.2014:

East Ukraine Town Digs In for Fight

Pro-Russian Locals Rally to Repel Military Attempt to Retake Town, Blaming Government for Bloodshed

By

James Marson

May 29, 2014 6:53 p.m. ET

NOVODRUZHESK, Ukraine—Coal miner Andrei Sharenko never fired an automatic rifle in his life, he says, until he saw a Ukrainian army column emerging from the woods across the river from his hometown early one morning last week.

„We knew we couldn’t let them across the bridge and into town. My wife and daughters are here,“ said Mr. Sharenko, a tough-looking 42-year-old with a buzzcut and scars on his hands from years of toiling underground. (Read the latest updates on the crisis in Ukraine.)

By the end of the day, on-and-off fighting had left several people dead—with no gain in territory for either side. A railway station was shot up, windows and nerves were shattered and anger toward the government in Kiev became more deeply entrenched.

As President-elect Petro Poroshenko vows to press the fight against armed pro-Russia rebels who control much of two big regions in the east, the battle around the checkpoint last week shows how difficult his task will be.

The government has sought to calm the crisis with measures that would allow the east and other regions to take greater charge of their own affairs. But in Novodruzhesk, a ramshackle town of about 9,000 people where sewage runs in the street, many locals blame the government for provoking fighting by sending in troops.

Ukraine’s army is taking on an amorphous enemy that is often well-armed and enjoys plenty of support. Mr. Sharenko’s ragtag unit was reinforced by a mix of enthusiastic amateurs, local men with military experience and Russian irregulars from places such as Chechnya.

The unit sent to clear the checkpoint was a poorly trained, hungry group of 100 mostly reservist soldiers riding on aging armored vehicles.

This account of the fighting on May 22 was based on interviews with two dozen local residents, rebel fighters, soldiers and government officials.

The dozen or so men at the checkpoint on the river bridge hadn’t seen any action since they’d thrown the checkpoint together out of concrete blocks and tires a week earlier.

They were motivated by fear incited by propaganda on Russian state television, widely available near the border, that the government in Kiev is dominated by brutal fascists out to get them. Most of their weapons came from the armory of the state security service in the regional capital of Luhansk, which was seized in early April.

Men who took part in that raid later fanned across the region to command local „self-defense forces.“ The rebels around Novodruzhesk answer to a 31-year-old electrician and former border guard from Lysychansk, a nearby industrial hub.

Around 4 a.m., as the armored vehicles rolled from their base to the north into Rubizhne, the town across the river, a lookout at the railway station there warned them to get ready.

When the soldiers emerged from the woods a few hundred yards away, Mr. Sharenko’s unit started firing. As he and his comrades, armed with seven automatic rifles and one rocket-propelled grenade launcher, held them off, other men hurtled down the slope from Novodruzhesk on bicycles and on foot to join them.

More reinforcements soon came from nearby towns. A man in his mid-30s called Stas from the town of Stakhanov was the first to die on the slope. No one is quite sure what his surname was.

As the men dug a trench and set up sniper positions, women set up a makeshift kitchen not far from the front line to supply porridge and other food.

After four hours of shooting, Ukrainian forces began to fall back along the dirt track toward Rubizhne, a mile away. But when they reached the railway station there, their path was blocked by felled trees and a crowd of residents urging them to put down their weapons and leave.

Alexander Khomenko, secretary of Rubizhne’s town council, rushed to the spot and started talks with the soldiers. „We don’t want shooting in our town,“ he told them.

An agreement for the soldiers, thirsty in the spring heat, to put down their weapons and leave on trucks was reached by midafternoon.

It isn’t clear exactly what happened next, but the result was the kind of deadly mayhem that is becoming routine in these parts. Some said the soldiers came under attack from rebels in the woods. Others said the troops had opened fire to simulate combat.

On the dirt track that links Rubizhne and Novodruzhesk through the woods, the shooting went in all directions for hours.

The ragtag locals were reinforced by irregulars, including some of those who seem to be flooding across Ukraine’s porous border with Russia. Firing from grenade launchers, they destroyed an armored vehicle about 200 yards from the station near a 10-foot wooden Orthodox cross bearing the inscription „Save and Protect.“

Rubizhne’s railway station is now pockmarked with bullet holes and strewed with debris blown from walls. Inside, a pool of blood marked where one man died after being shot and dragged inside.

One video posted on a local news Website shows a half-dozen men in shorts running along the dirt track carrying a limp body, apparently a rebel fighter, as gunfire crackles close by.

„He’s finished,“ says one of the men as they drop him to the ground. A second covers his face with a Nike cap.

Government forces sent in at least two helicopters to fire at rebel positions, some in a group of houses overlooking the bridge.

The soldiers burned three vehicles to stop them falling into rebel hands. Ultimately, they returned to the town they’d set out from that morning.

Both sides claim victory, and present wildly different death tolls. Militants say they killed 14 soldiers and lost seven of their own; the Defense Ministry says the army killed 20 militants and lost only two men.

Whatever the toll, locals say it already feels like war.

http://online.wsj.com/articles/east-ukraine-digs-in-for-fight-1401403504

In deutschen Zeitungen liest man keine derartig hautnahen Reportagen, die ein Bild transportieren, das der Realität gewiß näherkommt als ideologische Nachrichten-Verstümmelungen und  einseitige Kommentare.

Ist es nicht beschämend, daß allein Rußland dem Blutvergießen ein Ende setzen will, während der US-gestützte Poroschenko offen auf Gewalt setzt, und dabei die Zivilbevölkerung trifft, wie immer in Kriegen?

Ein wenig beruhigend ist es, daß zuletzt öffentlich-rechtlich wenigstens ein einziges Mal zutreffend berichtet wurde:

ab Minute 7:50:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2166360/ZDF-heute-Sendung-vom-31-Mai-2014

Also unter anderem von der Demo von Zehntausenden in Donezk, die gegen die Gewalt der ukrainischen Armee protestieren. Der Reporter Bernhard Lichte darf gar mitteilen, daß Putin mit den Separatisten über die Freilassung von OSZE-Beobachtern verhandelt, und er fügt an:

Eine wichtige Neupositionierung Moskaus, dem doch gern unterstellt wird, im Hintergrund die Strippen zu ziehen.

Es ist zwar keine Neupositionierung Moskaus, schließlich hat Moskau schon für die Befreiung der bilateralen Deutschland-Kiew-Militärberatungs-Mission, die auf angeblicher OSZE-Basis stattfand, gesorgt, aber es handelt sich immerhin um eine Neupositionierung eines deutschen öffentlich-rechtlichen Senders.

Zu welchen Desinformationen deutsche öffentlich-rechtliche Sender in der Lage sind, zeigt dieses Video über eine angeblich riesige öffentliche Protestaktion von Zehntausenden gegen die „Separatisten“ im Donezker Fußballstadion. Der Oligarch Achmetow hatte ein paar hundert seiner Angestellten, augenscheinlich bevorzugt Frauen aus der Verwaltung, dorthin locken können, vermutlich während ihrer bezahlten Arbeitszeit. (Achmetow beschäftigt weit über 100.000 Arbeitnehmer in der Gegend).

Die „Tagesthemen“ fertigten am 20.5.2014 mittels der ahnungslosen Caren Miosga und des zielgerichtet desinformierenden Reporters Udo Lielischkies (ab Minute 7:24) daraus folgenden Beitrag, der hier découvriert wird:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8ed_NQJl4YM

Udo Lielischkies war offenbar im Stadion anwesend; durch eine gezielte Kameraführung erreichte er es, seine Desinformation über eine „massenhafte“ Zustimmung zur geeinten Ukraine und gegen die „Separatisten“ zu bebildern. Tatsächlich war das Stadion leer, bis auf ein schmales Segment, in dem ein paar hundert Achmetow-Angestellte heftig orangefarbene Fahnen schwenkten und tröteten, während ihr Chef, der Tschetschenen als Leibwächter beschäftigt, per Video eine flammende Rede hielt.

Wen Achmetow zur Zeit fördert, ist unbekannt. Ein echter Oligarch denkt zuerst an seine Unternehmungen und hängt sein politisches Mäntelchen in den Wind. Um ihn ist es merkwürdig still geworden.

Nachdem ein anderer Oligarch die Macht übernommen hat, ist eine Neupositionierung Achmetows natürlich schwierig. Da muß man abwarten, wie sehr der wirtschaftliche Gegner Poroschenko im Interesse des Westens, der ihn auf den Schild gehoben hat, tatsächlich agiert und seine Lippenbekenntnisse, mit den Oligarchen aufräumen zu wollen, umsetzt.

Ich bin es wirklich satt, mich ernsthaft intellektuell mit den USA beschäftigen zu sollen. Ich sehe nicht, daß dort Intellekt überhaupt eine Bedeutung hat.

Hier ist Obamas Rede vor Westpoint-Absolventen vom 28.5.2014, bei der er sich wegen innerstaatlichen Protestes durch dumpfe „patriotische“ Ressentiments wohl nicht traute, richtig in die Offensive zu gehen. Noch immer beschwört er, gänzlich irrational, den „exceptionalism“ des US-amerikanischen Staates, der niemanden fragen muß, bevor er zuschlägt. Gleichzeitig soll militärisches Eingreifen heruntergefahren und mehr auf Diplomatie, Recht und ökonomische Förderung gesetzt werden.

http://www.washingtonpost.com/politics/full-text-of-president-obamas-commencement-address-at-west-point/2014/05/28/cfbcdcaa-e670-11e3-afc6-a1dd9407abcf_story.html

Mit dieser Rede hat er sowohl Falken wie auch Tauben nicht überzeugen können. Ich kann mir zwar vorstellen, was er wirklich denkt, aber in seinem Land ist Vernunft wohl nicht vermittelbar, weder im Volk noch bei den Lobbygruppen, den rightwings bei den Republikanern und den Demokraten, noch bei den Medien. Und schon gar nicht im Apparat, dem er ausgeliefert ist.

Den Rest gibt es einem, wenn man Pressekonferenzen von Jen Psaki, der Sprecherin des Außenministers Kerry, folgt. Diese Frau ist wirklich ein Ereignis und vermutlich Weltmeisterin im Herumeiern. Hier versucht sie am 27.5.2014 zu erklären, daß es eine militärische Lösung der Ukraine-Krise nicht gibt, daß die USA schon eingreifen werde, wenn ihnen die militärische Aktivität von Kiew kritisch vorkommen würde und daß der militärische Einsatz von Kiew eigentlich kein militärischer sei.

Jen Psaki

Spokesperson
Daily Press Briefing

Washington, DC

May 27, 2014

 

[…]

QUESTION: Well, so you believe that this violence is the responsibility entirely of pro-Russian separatists? Is that – I mean, do you have any words of caution or advice of restraint to the Ukrainian Government?

MS. PSAKI: Well, certainly to all parties. But I would remind you – and obviously there are a range of reports out there about events that have happened over the course of the past couple of days. There are some involving the airport.

QUESTION: Right.

MS. PSAKI: There are some involving the fact that a special monitoring mission is missing. So there are a range of different reports, different – and I guess I could speak to all of those. But my point I was making is that the Ukrainian Government and the Ukrainian authorities have every right to certainly take steps to maintain calm and order where they see fit.

QUESTION: Right. But you don’t have any concerns about whether they are acting – that they’re going too far? You don’t have any concern that – do you believe that everything the Ukrainian authorities have done to this point in trying to maintain law and order has been reasonable and appropriate?

MS. PSAKI: Well, if we have concerns we will express them. But certainly —

QUESTION: But as of this moment, you don’t have any concerns?

MS. PSAKI: I’m not expressing a concern about the events over the course of the weekend, no, in terms of the Ukrainian authorities, no.

QUESTION: Okay. So in the view of the State Department, view of the Administration, is that what is happening on the ground in the east right now, in Donetsk and other places where there are clashes, where there’s fighting, that is all the fault of the separatists?

MS. PSAKI: Well, again, Matt, obviously —

QUESTION: They are the instigators?

MS. PSAKI: Obvious – they are – certainly, we believe they’re the instigators, yes. And we believe – and I think there’s broad reporting on their involvement in what’s happening at the airport or what happened at the airport over the course of the weekend.

QUESTION: Okay.

MS. PSAKI: I think there’s a – much question about that.

QUESTION: Well, but there are a lot of reports from my news organization, from others as well, that this isn’t entirely one-sided, that – and I mean, the separatists – some of the separatists leaders say that they’ve been – that the Ukrainian authorities have been shooting at civilians. But you don’t – you haven’t seen that?

MS. PSAKI: Well, if we have concerns, we’ll express them.

QUESTION: Okay.

MS. PSAKI: But that’s not where we are at this moment —

QUESTION: All right.

MS. PSAKI: Do we —

QUESTION: And then do you have —

MS. PSAKI: Oh, go ahead.

QUESTION: Just on the OSCE monitors.

MS. PSAKI: Sure.

QUESTION: Do you have anything more to say about that?

MS. PSAKI: We don’t have a new update, unfortunately, for all of you. The OSCE reports that it has lost contact – that it lost contact Monday evening with one of its special monitoring mission teams in the Donetsk region. The four-person team was last heard from as they approached a separatist checkpoint near the city of Torez. We condemn this abduction and call for Russia to use its influence with the militants to secure the team’s immediate release.

This team, this particular team, has been observing the situation across Ukraine since March to reduce tensions and promote security, so they weren’t kind of a new election monitoring —

QUESTION: Okay. But you’re convinced, again, that this is – that they have been abducted by the separatists? That that’s the – I mean, do you know that for certain, or is that just the most plausible explanation you have?

MS. PSAKI: That is the most plausible explanation, yes, Matt.

QUESTION: Is there any —

MS. PSAKI: Go ahead.

QUESTION: Staying on Ukraine, is there any evidence that Russia’s hand is still in – is part of any of this fighting that’s going on from the separatists’ side?

MS. PSAKI: Well, I think there’s been evidence all along that there has been a Russian hand in the activities that have been happening on the ground, whether it’s the – how equipped the militants have been, what their equipped with, kind of a trend that we’ve seen from Crimea that has carried forth to parts of eastern Ukraine. So we’ve seen a great deal of evidence on the ground of their engagement.

QUESTION: And today Russian President Putin called for an immediate halt to the Ukraine’s military operations, and he expressed this to the Italians. And he said that he called for Ukraine to talk to the Russian separatist leaders. Would you support that kind of dialogue to try to resolve this? Or I mean, there’s a possibility this could just escalate, so how is the U.S. seeing this being resolved?

MS. PSAKI: Well, as you know, our primary goal here has been de-escalation from the beginning. But I would remind you that there are a range of calls that President Putin and others have been made that have not been backed up by action in terms of taking their own de-escalatory steps. And we certainly feel there are a range of steps that they could take in order to show they’re going to back their words with action. We eagerly await that.

I would also point you to the fact that President-elect Poroshenko made clear that his number one priority after taking office will be to restore order in eastern Ukraine by increasing dialogue with citizens of that region, traveling to the area soon after his inauguration, increasing transparency of the ongoing constitutional reform process. And so we believe that’s a positive step and the right approach to return stability to the area.

QUESTION: Jen, real quick on the monitors, do you know their nationalities?

MS. PSAKI: I do not have that information, no.

QUESTION: I mean, sorry if you just went over this while I was walking in.

MS. PSAKI: It’s okay. Go ahead.

QUESTION: But I mean, have you urged the Ukrainians to use restraint in their military operations? I mean —

MS. PSAKI: Certainly, Elise, we’ve urged that across the board. But let’s not forget we’re talking about a group of armed militants, armed Russian militants, who have been aggressively engaging in, whether it’s taking over of buildings or going – attacking airports. The Ukrainians have every right to defend and maintain stability and order in their own country, and that’s our belief.

QUESTION: But I mean, there has been a concern that they’ve – that perhaps the Ukrainians would use, like, disproportional force against these militants.

MS. PSAKI: Well again, Elise, as we have concerns, we’ll express them. But I think there’s no question in our view that they have every right to maintain stability or take steps to maintain stability within their own country.

[…]

QUESTION: Okay. Are you aware of the numbers that were killed as a result of the bombardment of the Ukrainian air force?

MS. PSAKI: We have seen a range of numbers. Yes, we’ve seen a range of numbers.

QUESTION: Okay. Can you share with us these numbers?

MS. PSAKI: I don’t have any to confirm for you. There’s a range of reports out there, Said. Do we have any – Ukraine or – okay. Go ahead, both of you on Ukraine.

[…]

QUESTION: There is another – my last question is regarding in the last 24 hours, once again it was raised the issue of the necessity or the importance to support or provide Ukrainian with the lethal weapons to face the reality, the so-called – whether you call them separatists or terrorists, do you have any intention or reviewing going on regarding this point?

MS. PSAKI: Well, the President has approved three tranches of nonlethal security assistance to the Ukrainian military and border services so far. We continue to review additional Ukrainian requests. Our main focus continues to be on supporting economic and diplomatic efforts. We don’t see a military solution as the outcome to this crisis, but we – and we’re not considering lethal assistance, but we’ll continue to review their requests.

QUESTION: Wait a second. You don’t consider a military solution? You don’t believe there’s a military – why are you saying that the Ukrainian Government has – is doing the right thing in going after the authorities of —

MS. PSAKI: Because we believe, Matt, that maintaining stability and order in their own country —

QUESTION: Right.

MS. PSAKI: — they have every right to do that.

QUESTION: Right. But isn’t that a military solution?

MS. PSAKI: That is not a military solution.

QUESTION: No? Okay.

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2014/05/226556.htm#UKRAINE

Wer sich ihr Gelaber über die Ukraine in Gänze antun will, kann nach Anklickien des Links feststellen, daß es mit der „evidence“ über Putins Verantwortung wegen der Geschehnisse in der Ukraine ganz schlecht bestellt ist, daß aber dennoch Sanktionen gegen Rußland irgendwie wegen irgendwas immer noch auf dem Tisch liegen.

Ich habe mir, weil ich Realsatire mag, dieses Lesezeichen gesetzt:

http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/index.htm

Weil Originalzitate von dummen Gegnern in Karl Kraus-Manier immer noch das beste Mittel sind, hat RT ein „best-of“ von Jen Psaki veröffentlicht:

http://rt.com/usa/162608-jen-psaki-fails-grilling/

Der beste Erfolg der Frauenquote ist wohl der, daß nunmehr erwiesen ist, daß die Beförderung von Unfähigen geschlechtsunabhängig erfolgt.

Während deutsche Konsumenten von öffentlich rechtlichen Sendern per Twitter-Verfolgung ein Bild davon gewinnen, wie unsere Fernseh-Korrespondenten ticken und wie wenig deren fragwürdige subjektiven Befindlichkeiten mit dem Senderauftrag zu tun haben.

Udo Lielischkies:

https://twitter.com/ULielischkies/status/472664926600044544

https://twitter.com/ULielischkies/status/472497602072952832

https://twitter.com/ULielischkies/status/472395178624712704

Golineh Atai:

https://twitter.com/GolinehAtai/status/473068918446096384

https://twitter.com/GolinehAtai/status/472343580678561793

https://twitter.com/GolinehAtai/status/472316133622960128

Unglaublich, daß solche Leute den Anspruch erheben, objektiv zu berichten, wie es sich für einen öffentlich-rechtlichen Sender gehört.

Immerhin: die Politik scheint schlauer geworden zu sein als die Medien, die ja keine Verantwortung tragen und daher schreiben und berichten können, wie es ihnen gerade durch das transatlantische Kleinhirn säuselt:

1.6.2014

USA und Europa streiten um Putin

Europäer und Amerikaner streiten über den Umgang mit Wladimir Putin. Der russische Präsident soll trotz US-Bedenken an den Feiern zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni teilnehmen. Darauf hatten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande gedrängt. Merkel sei immer der Meinung gewesen, dass bei einer Gedenkfeier jenes Land eingeladen werden müsse, das im Zweiten Weltkrieg die meisten Opfer gebracht habe, heißt es im Kanzleramt. In Washington verweist man dagegen auf Moskaus Rolle in der Ukraine-Krise und unterstellt den Europäern eine zu weiche Linie gegenüber Putin. Ein weiterer Streitpunkt zwischen Bundesregierung und US-Administration ist das Vorgehen der ukrainischen Regierung gegen die Separatisten im Osten des Landes. Das Auswärtige Amt wirft den USA vor, Kiew darin zu bestärken, nicht mit den Aufständischen zu sprechen. Eine militärische Lösung, wie sie die ukrainische Regierung mit politischer Unterstützung Washingtons anstrebe, werde es aber nicht geben, heißt es in Berlin. „Die USA spielen in dieser Frage keine gute Rolle“, sagt ein hoher Regierungsbeamter.

http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/usa-und-europa-streiten-um-putin-a-972665.html

Unfaßbar die Geschichtsvergessenheit der USA. Lange bevor sich die USA sich zum Eingreifen in den 2.Weltkrieg entschlossen, hatte Rußland unter einem unermeßlichen Blutzoll eingegriffen. Bis heute ist ungeklärt, warum die USA und Großbritannien seit Juni 1944 noch so quälend lange brauchten, um Nazi-Deutschland zu besiegen. Die Drecksarbeit ließen sie die rote Armee machen, derweil sie deutsche Zivilisten im ungefährdeten Luftkampf töteten. Wieviele Tote es in den letzten überflüssigen Kriegsmonaten bis Mai 1945 noch gab, insbesondere wegen der Aktivität der deutschen Militärgerichtsbarkeit wegen Desertationen… Wieviele KZ-Internierte starben auf Todesmärschen?

Die USA sind weder historisch noch rechtsstaatlich noch ethisch ernst zu nehmen.

Nachtrag, 3.6.2014:

Im Zuge der Korrekturlesung meines Artikels habe ich festgestellt, daß ich den RT-Link mit Videos der Pressekonferenzen von Jen Psaki, Sprecherin des Außenministers Kerry, versehentlich nicht eingestellt hatte. Das war natürlich ein grober Fehler, denn es ist schon bezeichnend, wie sie auf kritische Fragen reagiert. Ich empfehle insbesondere das Video nach diesem Kommentar von RT:

“I think we are ready for the next question.” Jen Psaki’s universal answer goes well with any question.

http://rt.com/usa/162608-jen-psaki-fails-grilling/

Da fragt eine kritische Reporterin, ob es Zufall sei, daß Kiew jeweils nach den Besuchen von CIA-Chef Brennan und dem US-Vize Biden militärisch gegen den Osten der Ukraine vorgegangen sei.

Diese Frage beantwortet die Sprecherin des US-Außenministeriums nicht.

Denn natürlich gehört es zur neuen amerikanischen Doktrin, sich selbst aus militärischen Verwicklungen herauszuhalten, andere dazu aber zu ermutigen. Bislang hat sich die Unterstützung der USA für die militärische Intervention der Kiewer Regierung in Grenzen gehalten. Es gab Verpflegungsunterstützung und Geld für die Bezahlung der Militärs, aber keine Waffenlieferungen.

Diese politischen und ökonomischen Unterstützungshandlungen, die gegen die Genfer Vereinbarung verstoßen, stellt Rußland jetzt auf den Prüfstand:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-resolution-russlands-fluchtkorridore-und-ende-der-gewalt-a-972859.html

Mit den covert actions und regime-change-Aktivitäten der USA muß es ein Ende haben. Nun muß sich die Regierung der Vereinigten Staaten positionieren. Das Herumeiern einer Jen Psaki ist jetzt nicht mehr möglich.

Im aktuellen SPIEGEL-Print von heute gibt es einen der üblichen Artikel, die sich auf „Linie“ befinden und daher bedeutungslos sind.

Unter der Überschrift

Bataillon der Bärtigen

[S. 88f.]

wird von den Autoren Moritz Gathmann und Christian Neef insinuiert, daß das Auftauchen tschetschenischer Kämpfer eine „direkte Einmischung Russlands“ bereits belege. Armseliger Journalismus, der im übrigen von abstrusen Einflüsterungen eines Jurij Luzenko gespeist wird, der Berater von Poroschenko sein soll. Dieser war laut SPIEGEL zuvor unter Timonschenko zwei Mal Innenminister und wurde zuletzt von Janukowitsch wegen „Machtmißbrauchs“ 2010 eingesperrt, bevor er „auf Druck der Westeuropäer“ im April 2013 wieder freigekommen sei.

Zusammengenommen alles Gründe, diesen Interview-Partner als Quelle nicht ernstzunehmen und sich zu fragen, ob Poroschenko gut beraten ist, einen solchen Mann als Berater zu engagieren. Daß Poroschenko in einer Blase jenseits der Realität agiert, hatte ich ja thematisiert.

Die einzige Information, die man diesem Meinungsartikel entnehmen kann, ist die über Achmetow auf S. 90.

„Poroschenko will sie effektiver führen“, sagt sein Berater Luzenko, „er will Nationalgarde, Geheimdienst und Armee in einer Befehlsvertikale zusammenfassen.“ Und von den Amerikanern erhofft sich der Präsident Waffen, Treibstoff und Lebensmittel zu günstigen Preisen. Einen neuen „Lend-Lease-Act“ hat er das genannt, in Erinnerung an Roosevelts Hilfe für die Verbündeten im Zweiten Weltkrieg.

Bis dahin wird es allerdings dauern, im Moment setzt Poroschenko daher auf Rinat Achmetnow, der 300 000 Menschen beschäftigt, die meisten davon in der Ostukraine. Der Oligarch hat bereits angekündigt, seine Angestellten würden eine unbewaffnete Bürgerwehr aufstellen. Aber noch sitzt Achmetow in Kiew und traut sich nicht nach Donezk zurück.

 

Kein Wunder, war doch seine PR-Aktion mit der Bürgerwehr-Aktion seiner Angestellten nutzlos. Er braucht Zeit, um eine Position zu finden, die ihm am meisten nutzt.

Zu den persönlichen Kollateralschäden der Ukraine-Krise ein privates Wort.

Unsere Fotobiene, die zu 90 Prozent ihre Retweets und Tweets stramm auf Proukraine-Tweets und auf deutsche Öffentlich-Rechtliche verlinkt, ist Opfer eines fanatischen Pro-Kiew Twitterers geworden, der sie nun, vollkommen zu Unrecht, als prorussischen Troll verunglimpft:

http://fotobieneblog.wordpress.com/2014/06/02/how-to-get-involved-in-a-twitter-war-without-shooting/

Das hätte sie freilich vorher wissen können. Diese fanatischen Antirussen sind vollkommen unfähig, Kritik zu ertragen.

Aber natürlich sind Twitterkriege vollkommen belanglos. Ich habe diesen spezifischen nur deshalb aufgegriffen, weil Fotobiene auf diesem Blog einmal präsent war, und weil diese Pro-Ukraine-Poster eigentlich keine Argumente haben.

Nachtrag, 13.6.2014:

Die unbedarft fröhlichen Tweets von Katrin Eigendorf aus Dnipropetrowsk hatte ich ja bereits thematisiert.

Völlig zurecht charakterisiert sich Frau Eigendorf auf Twitter so:

ZDF Reporter focusing on international affairs from Afghanistan to Russia. The views are my own.

Ja, stimmt, ihre subjektive Sichtweise gipfelt darin, daß sie den Krieg in der von ihr gemiedenen Ost-Ukraine (zu gefährlich) aus einem einfachen Grund als Krieg bezeichnet:

https://twitter.com/KEigendorf/status/472256269680914433

Man faßt es nicht. Die sich gegen die ATO wehrenden Separatisten haben schwere Waffen, und deshalb ist ihr Widerstand gegen die Kiew-Streitmacht Krieg. Die schweren Waffen der „Separatisten“ sind tragbare Granatwerfer von geringer Reichweite und erbeutete Waffen von der kampfunwilligen ukrainischen Armee. Panzer, weitreichende, auf Wohngebiete gerichtete, Artillerie und Luftstreitkräfte werden allein von Kiew eingesetzt. Aktuell wird KIew vorgeworfen, sogar Phosphor-Brandbomben einzusetzen:

http://rt.com/news/165628-ukraine-incendiary-bombs-phosphorus/

Ist zwar nur RT – aber muß es deshalb Propaganda sein? Die Bilder müßten erst einmal widerlegt werden.

Auf welche Weise die von Frau Eigendorf so geschätzte Friedhofsruhe in Dnipropetrowsk herbeigeführt wurde und wie brüchig sie ist, hat das NYT-sidekick „The daily beast“ herausgefunden. Die NYT versucht zwar immer, auf US-Linie zu bleiben, konterkariert dieses Bemühen aber regelmäßig durch ihre seriösen Recherchen. Ich wüßte nicht, welches deutsche Medium recherchiert.

Crisis in Ukraine

06.12.14

The Town Determined to Stop Putin

In Dnipropetrovsk, just 150 miles from the Donetsk People’s Republic, the regional governor is a very rich man with very big plans to stop pro-Russian separatists in their tracks.

[…]

Meanwhile, Kolomoisky’s bank also offered a highly-publicized reward of $10,000 for the capture of pro-Russian separatists. The pro-Russian demonstrations swiftly dwindled in number, until none were being organized. Hardcore Moscow supporters like Oleg Tsarev, a local parliament member, were chased out of town with bounties their heads. With a $500,000 reward being offered by PrivatBank for Tsarev’s capture, he has decided to cool his heels in Moscow. His palatial residence in the center of the city has been taken over by the government and turned into a refugee center for displaced citizens from the East.

“Dnipropetrovsk will become Second Stalingrad for those who want war here. And the Ukrainians will win,” threatened Deputy Governor Gennady Korban on local television.

While these bold initiatives have stanched the separatist threat for now, Kolomoisky is not taking any chances. He has also spent over $10 million creating his own citizen militia, the Dnipro Battalion, which has been supplied with SUVs, semi-automatics, and new uniforms. The Governor’s private army has set up armed checkpoints around the city, and now controls traffic into and out of the city. It also makes forays into separatist territory, and was reportedly behind the separatist massacre in nearby Mariupol after pro-Russians took control of a police station. The entire station was burned down, along with those inside.

While these strong-arm tactics have been criticized by some, the governor enjoys strong support from the local population. “I don’t care if he’s like Hitler, as long as he prevents war coming here,” says a local restaurateur. With more refugees from the troubled East arriving every day, and ominous reports of war dominating the news, residents are counting their blessings and hoping that their city stays unscathed.

“Julia Timoshenko [former Prime Minister and Presidential canditate] was our local hero. Now it’s Kolomoisky, no question about it,” says Tsenia Tokaruik, a journalist with the Evening Dnipropetrovsk, which won an award last week for the country’s best regional paper.

[…]

It’s possibly this culture of tolerance—along with Kolomoisky’s gung-ho tactics—that have saved this city from the fate of its eastern neighbors. However, the spraying of an incoming train from Donetsk with machine gun fire last week, and the fatal stabbing of a pro-Ukrainian in the center of the city, have jangled nerves. Many fear that Kolomoisky, who has boldly called Putin a “schizophrenic of short stature,” might suffer the same fate as Kharkiv’s former mayor, Gennady Kernes, who was shot in the back while out for a swim.

“He has to tread very carefully,” says Tokaruik. “There are still many pro-Russians amongst us. The situation could change for the worse in the blink of an eye.”

http://www.thedailybeast.com/articles/2014/06/12/dnipropetrovsk-the-ukrainian-town-determined-to-stop-putin.html

Vielleicht kriegt Katrin Eigendorf Bedenken, was die durch Oligarchengewalt erzwungene Ruhe in Dnipropetrowsk angeht. Derweil setzt das öffentlich-rechtliche Fernsehen seine Wahrheitsfälschungen fort:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/02/ukraine-vermischte-nachrichten/comment-page-1/#comment-36689

und bemüht sich andererseits durch Golineh Atai, die bereits hinlänglich durch Propaganda-Beiträge aufgefallen ist, um den Nachweis, daß es da eine ukrainische Organisation namens „stopfake“ gebe, die russische wie auch ukrainische Propaganda-Fakes découvriere.

Medienmanipulation im Ukraine-Konflikt „Stopfake“ – Stoppt die Fälschung!

Stand: 12.06.2014 02:36 Uhr

Im Ukraine-Konflikt können viele Menschen kaum erkennen, was Wahrheit oder Lüge ist. Junge Ukrainer gründeten deshalb „Stopfake“. Sie untersuchen die Berichte von russischen und auch ukrainischen Medien, um Propaganda zu enttarnen.

Von Golineh Atai, ARD Moskau, zzt. Kiew

http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-110.html

Das ist natürlich wiederum nur Propaganda. Ein Blick auf deren Website belegt, daß ausschließlich russische Propaganda (und zwar sehr plumpe, die ohnehin niemand ernstnimmt) entlarvt wird.

http://www.stopfake.org/en/

Die Deutsche Welle ist da weiter und widmet sich der ukrainischen Propaganda:

http://www.dw.de/ukraines-information-war/a-17700203

Hier ein weiteres Beispiel für regierungsnahe ukrainische Propaganda:

https://twitter.com/djp3tros/status/477093734216388610

https://twitter.com/djp3tros/status/477096576159318016

Es ist klar: Menschen sterben, fliehen, es herrscht Krieg. Es braucht Stimmen wie diejenige der britisch-ukrainischen Bloggerin Vera Graciadei

http://veragraziadei.wordpress.com/2014/06/10/western-media-and-war-crimes-anyone-here-not-been-raped-and-speaks-english/

um ins Bewußtsein zu rufen, daß es hier um Menschen und um menschliche Tragödien geht.

Dies ist ihr erster, herzzerreißender, Blog-Eintrag:

http://veragraziadei.wordpress.com/2014/06/03/would-you-read-this-blog-2/

Es ist an der Zeit, daß die Humanität in ihr Recht tritt und daß die allseitigen Regierungslügen aufhören. Und daß Journalisten nicht nur prekär arbeiten und zukünftig verweigern, die Regierungslügen mitzutragen und zu verbreiten.

 

Zur Fortsetzung geht es hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/20/ukraine-quo-vadis/