Die Fußball-WM- und die Garten-Ecke (mit aktuellen Updates)

PassionsblumeUpdate vom 13.7.2014

W O W !

Deutschland – Argentinien  1 : 0 n. V.

Im verschlafenen Neuruppin steigen gehortete Silvester-Raketen, ein paar Autofahrer hupen, und ich bin ganz erschlagen nach diesem packenden Spiel. Zwei sehr unterschiedliche, aber zunächst gleichwertige Mannschaften rangen miteinander. Auf hohem Niveau. Als die Kräfte schwanden, wurden die Fouls der Argentinier härter, und der italienische Schiri sah plötzlich weg. Was mußte Bastian Schweinsteiger nicht alles einstecken… Ich konnte schon nicht mehr hinsehen, wie er nach diesem ungeahndeten Faustschlag ins Gesicht einen Cut erlitt und blutete.

Und in der 113. Minute schoß der frisch eingewechselte Mario Götze das Traumtor… Mit der Brust angenommen, locker abtropfen lassen, scharf aus einem unmöglich spitzen Winkel ins lange Eck. Da reagieren Instinkte, so was kann man weder planen noch üben.

Aber natürlich waren es die gesamte Mannschaft und ihr Trainer, die Weltmeister wurden. Sie haben es allen bösartigen Nörglern gezeigt. Alle waren an diesem Final-Sieg beteiligt, und man traut sich nicht, einen besonders auszuzeichnen. Aber ohne Neuer, Boateng und Hummels wäre dieses Spiel nicht gewonnen worden. Das muß einfach gesagt werden, denn Argentinien lieferte das beste Spiel dieser WM und spielte offensiver als üblich. Aber die Mannschaft ist grundsätzlich defensiv eingestellt, und muß auf Konter hoffen.

Die komplettere Mannschaft hat verdient den Titel geholt. Die Kanzlerin klatschte wie immer kindlich. Putin wird sich gefreut haben. Und wir alle haben ein tolles Fußballspiel gesehen.

Ich bedanke mich mit einem Gartenfoto vom 2.7.2014, das unwiederholbar ist, denn die rote Rose im Hintergrund hat mittlerweile ihre erste Blüte beendet, während das Cherry Girl im Vordergrund weiterhin blüht.

14-07-02 Cherry Girl rote Rose

 

 

 

 

Update vom 12.7.2014

Achnö, gerade haben wir den 13.7., und der paßt wohl besser.

Niederlande – Brasilien  3 : 0

Denn ich bin schwer deprimiert darüber, daß dieses Spiel durch zwei Schiedsrichter-Fehlentscheidungen innerhalb von 20 Minuten der ersten Halbzeit entschieden wurde: mal wieder ein unberechtigter Elfmeter dank Robbens Flugkünste in der 3. Minute, danach ein Abseitstor für die NL. Da ist es mit der Moral einer Mannschaft, die gerade eine historische Klatsche kassiert hatte, natürlich zu Ende, obwohl sie nie aufsteckte.

Holland spielte danach schlecht, aber das reichte wegen der fehlenden Chancenverwertung Brasiliens aus, um über die Runden zu kommen. In der Nachspielzeit der 2. Halbzeit erzielte Holland gar noch ein unverdientes 3 : 0.

Das Schlimmste: das von Anfang an Brasilien-Bashing-Gequatsche von ZDF-Sprecher Oliver Schmidt.

Das war ein trauriger Fußball-Abend. Mein Garten bietet entsprechende Bilder.

Die Reste einer Terrassen-Lobelie, die nach zwei Gewittertagen komplett von Schnecken aufgefressen war:

14-07-10 Schnecke Lobelie

Hier eine meiner ekligen Todfeinde, zugleich ein Tip, falls es mit der Bierfalle nicht klappt: sie stehen auf Katzenfutter.

14-07-10 Schnecke Katzenfutter

Aber so möchte ich die brasilianische Mannschaft nicht verabschieden. Die letzte verblühende Knospe der red diamond, bei der man nie weiß, ob und wie sie sich zur zweiten Blüte aufrafft, scheint mir doch der passendere Kommentar zu sein. Sie ist glamourös auch dann, wenn sie verblüht.

14-07-02 red diamond

 

 

 

 

 

Update vom 9.7.2014

Argentinien – Niederlande 1. Halbzeit 0 : 0

Das Spannendste an diesem Spiel war wohl der Versuch, es zu sehen. Denn nach dem unfaßbaren 7 : 1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien ging auch mein betagter Fernseher in die Knie und fiel aus. Mein für die Technikbeschaffung zuständiger Gatte ist beruflich unterwegs, ich selbst bin zu blöd, mit Technik-Verkäufern umzugehen, denn vielleicht liegt es ja auch am SAT-Receiver.

Mein Computer ist zu oft im Dienst und Livestreaming daher gefährdet. Die gute Idee, den Compi abzuschalten, faßte ich allerdings zu spät, nämlich erst kurz vor 22 Uhr. Daraufhin ergab sich Folgendes: Windows 7 erklärte mir heuchlerisch: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 1 von 15“. Der erste Update dauerte Minuten… Ich zog den Stecker. Stöpselte ihn nach 30 Sekunden wieder ein, nur um zu sehen, daß Window 7 mir sagte: „Bitte schalten Sie den Computer nicht aus. Update 2 von 15“. Das ist echt nicht normal, daß man in schweißtriefender Gewitterschwüle vor so einer Maschinendiktatur sitzt. Über zehn Minuten dauerte die Tortur. Dann schaltete sich der Computer aus. Ca. 3-4 Minuten soll man ihn ja in Ruhe lassen, menschlich verständlich. Aber auch das Anschalten gestaltete sich schwierig, da Window unbedingt etwas konfigurieren mußte, und gleich zwei Mal durchstartete.

Kurz und gut: ich konnte erst bei Minute 22 einsteigen. Und muß konstatieren: die Technikprobleme, die ich hatte, hatten beide Mannschaften auch. Wer beim Spiel Brasilien – Deutschland 20 Minuten verpaßt hat, hat 5 Tore verpaßt. Bei diesem Halbfinale hat er nicht viel verpaßt. Beide verteidigen, in der Spitze haben sie nichts zu bieten, und der Schiedsrichter hat sich zu spät darauf besonnen, Fouls zu ahnden.

Das wird womöglich langwierig und zäh.

Da ich nur schöne Gartenfotos produziere, habe ich auch leider kein Foto…

2. Halbzeit 0 : 0, n.V. 0 : 0, und im Elfmeterschießen versagten die Niederländer zwei Mal

Ehrlich gesagt: es war eine Pein, dieses Fußballspiel zu verfolgen. Und irgendwie waltete eine höhere Gerechtigkeit, daß gegen die Schwalben- und Psychotrick-Mannschaft der NL die fußballerisch bessere von Argentinien gewann.

Sie hat natürlich keine Chance im Finale… 😉

Aber dafür, daß die bessere Mannschaft ins Finale eingezogen ist und daß Südamerika dort noch vertreten ist, gibt es eine Rose:

14-07-06 Westzeit erste Blüte

Das ist die erste Blüte der zweiten Blüte der Westzeit-Rose. Ein Wunder insoweit, als alle anderen Rosen Wochen brauchen, um zur zweiten Blüte zu gelangen.

Und so hoffe ich auf ein wahnsinnig gutes Finale Deutschland-Argentinien.

 

2. Update vom 8.7.2014

Deutschland- Brasilien 7 :1

Da bleibt einem die Spucke weg, wie der für Klose eingewechselte Schürrle noch zwei weitere Tor machte.

Ich habe weder Worte noch Bilder für diese überragende Leistung der deutschen Mannschaft. Sie hat alle Chancen auf den Titel. Und hoffentlich hören jetzt die medialen Nörgeleien auf.

Ich bin nach diesem Fußballfest echt fertig.

Update vom 8.7.2014

Brasilien gegen Deutschland  0: 5 in der 1. Halbzeit

WAHNSINN!

Ich hatte zwar auf eine 60 zu 40 Chance für die deutsche Mannschaft getippt, aber was hier los war, hat doch alle meine Erwartungen übertroffen. War das erste frühe Tor durch Müller noch einer Standardsituation geschuldet, fielen die vier weiteren – Klose, Kroos, Kroos, Khedira, vielleicht war die Reihenfolge auch anders, sorry, bin gerade zu aufgeregt, selbst im friedlichen Neuruppin wurde gerade ein Silvesterböller gezündet – aus erspielten Situationen. Mann, was spielte die deutsche Mannschaft auf allen Positionen gut! Selbst nach dem 5 : 0 war sie dem 6 : 0 näher als Brasilien einem Anschlußtreffer. Zu verdanken war der Spielfluß natürlich auch dem Schiedsrichter Rodriguez, der die üblichen südamerikanischen Fouls konsequent abpfiff.

Ein Spiel, das in die Geschichte eingehen wird. Und das mich die vielen Regenschauer, Gewitter und Schnecken-Attacken des heutigen Tages vergessen läßt.

14-07-04 Cherry Girl Phlox

 

 

Update vom 6.7.2014

Niederlande – Costa Rica nach Verlängerung: 0 : 0, nach Elfmeterschießen 4 : 3

Wie hätten wohl deutsche Journalisten losgeblökt, wenn Deutschland auf diese Art und Weise mit Hängen und Würgen ins Halbfinale gekommen wäre?

Ich habe die Partie erst ab der sechzigsten Minute gesehen, als es 0 : 0 stand. Ich scheine nicht viel verpaßt zu haben. Es war Zufall, wer weiterkam. Natürlich wird jetzt die Legende verbreitet werden, daß es der geniale Trainer van Gaal war, der kurz vor Schluß den Torwart einwechselte, der zwei Elfmeter von Costa Rica hielt. Ich bin ziemlich immun, was derlei Geniestreiche angeht.

Es war Gück, nichts weiter.

14-07-02 Cosmea und UmgebungIn ein paar Tagen wird diese Idylle durch Schnecken zerstört sein. Die Blüten der Cosmea sind bereits weg.

 

 

 

 

2. Update vom 5.7.2014

Argentinien gegen Belgien 1 : 0

Das Gesetz der Serie: in den drei Viertelfinal-Spielen gewann immer die Mannschaft mit dem frühen Führungstor: Deutschland in der 12., Brasilien in der 7. und jetzt Argentinien in der 8. Minute. Aber anders als bei dem hektischen planlosen harten Herumgestümpere von Brasilien und Kolumbien konnte man hier ein packendes Fußballspiel mit Betonung auf „Spiel“ sehen. Das lag an dem famosen Schiedsrichter, der sofort nach der ersten Hakelei einen Freistoß gab und bei der zweiten danach ebenso eingriff, und sich die Gelb-Kandidaten später präventiv verbal zur Brust nahm. Als am Schluß die Nerven blank lagen, zögerte er auch nicht, gelbe Karten zu zücken.

So kam Spielfluß auf, und ich muß gestehen, daß mein Herz zuguterletzt für Belgien schlug, das nie aufsteckte und bis zum Schluß um den Ausgleich kämpfte – mit vielen Möglichkeiten.

Es hat nicht sollen sein. Am Ende trat Ermattung ein – jedenfalls bei der Zuschauerin.

14-07-02 Schöne aus HamburgEs klingt ja irgendwie schadenfroh, aber das soll es nicht. Brasiliens Top-Stürmer Neymar hat sich eine schwere Verletzung zugezogen und fällt für den Rest der WM aus. Das erhöht zwar die Chancen der deutschen Mannschaft – aber Neymar wünsche ich alles Gute!

14-07-02 Augusta Luise II und Cherry Girl

 

 

Update vom 5.7.2014

Brasilien – Kolumbien 2 : 1

Ich hatte ja das Ergebnis Kolumbien-Brasilien 1 : 0 getippt, und irgendwie ist das auch jetzt noch naheliegend. Deutschlands nächster Gegner Brasilien hat keine einzige Torchance herausgespielt, sondern die Tore nur durch Standards bewerkstelligt. Brasilien wurde durch nicht geahndete Fouls begünstigt, hat ihren Kapitän da Silva durch die 2. gelbe Karte für das Spiel gegen Deutschland verloren und hat in Neymar einen Blender, der davon ablenkt, daß Hulk der effektivste brasilianische Spieler ist (ich erwähnte ihn  bereits).

Selten konnte man ein konfuseres, hektischeres und härteres Fußballspiel sehen. Es war ein Fehler des spanischen Schiedrichters, nicht frühzeitig gelbe Karten zu ziehen. Die Mannschaft, die wirklich Fußball spielte, nämlich Kolumbien, hatte in dieser Atmosphäre keine Chance.

Die deutsche Mannschaft, die deutlich besser Fußball spielt als Kolumbien, und die hoffentlich auf einen besseren Schiedrichter stößt, ist favorisiert.

Disziplin siegt eigentlich immer gegen Wildwuchs.

14-06-27 3 Katzen

😉

 

Update vom 5.7.2014

Frankreich – Deutschland 0 : 1

Wer sagt’s denn! Geht doch! Allen mißgünstigen und besserwisserischen Nörglern zum Trotz steht die deutsche Elf im Halbfinale. Angehmerweise fiel das Tor durch einen Kopfball von Mats Hummels schon in der 13. Minute, so daß die ganz großen Herzinfarkt-Momente ausblieben. Schönes Kombinationsspiel, sichere Abwehr, ein wie immer hervorragender Manuel Neuer wurde nur zwei Mal gefordert: bei Valbuenas Schuß kurz vor Ende der ersten Halbzeit und bei Benzemas Versuch in der 94. (!) Minute: da rettete seine Faust. Aus dem Ansturm der Franzosen ergaben sich gute Konterchancen – ein spannendes Spiel.

So ertrug ich dann auch den Kommentator, der die Franzosen „frischer“ fand und hervorhob, daß sie ja viel offensiver agierten als die Deutschen (klar, sie lagen schließlich zurück. Was hätte er gesagt, wenn die deutsche Mannschaft angegriffen und sich daraus eine Kontermöglichkeit für Frankreich ergeben hätte? Das ist doch klar). Kaum hat er Mesut Özil heruntergemacht, gab es dessen energische Aktion links außen nebst Vorlagen für Müller bzw. Schürrle, der leider wieder einmal nur den Torwart traf.

Sollte man den Ton abdrehen? Oder darauf hoffen, daß es nach dem pflichtgemäß erreichten Halbfinale nun eine Kür der Kommentatoren geben wird?

Egal. Eine Teatime-Rose für die deutsche Mannschaft gibt es auf jeden Fall.

 

14-06-28 Teatime 3

 

 

 

Update vom 2.7.2014

USA – Belgien  1 : 2 n. V.

Soviel zum Gerede von Favoriten und vom Genörgel am Spiel der deutschen Mannschaft. Deutschland hat die USA in der Normalspielzeit klar geschlagen, und dabei niemals den Eindruck erweckt, eventuell verlieren zu können. Ganz anders der Auftritt Belgiens. Offensiv aber abschlußschwach, zudem behindert durch den starken amerikanischen Torwart Howard, vermochte die belgische Mannschaft in der regulären Spielzeit, die 0 : 0 endete, nicht einmal den Hauch einer Überlegenheit zu entwickeln.

Mit Glück erzielte sie in der Verlängerung ein 2 : 0, das im Drama des Geschehens durch die USA umgehend auf 1: 2 verkürzt wurde. Es ist schicksalshaft für beide Seiten, wie das Spiel ausgegangen ist. Denn daß Belgien keine bessere Fußballmannschaft hat als Deutschland, ist klar erwiesen.

Der Klinsmann-Mannschaft reiche ich wegen des ungerechten Ausscheidens eine Rose, die ich am 1.7.2014 aufnahm (denn die Teatime hat den Regentagen zwar Tribut zollen müssen, aber sie behauptet sich doch):

14-07-01 Teatime 1

 

Zweites Update vom 1.7.2014

Argentinien – Schweiz 1 : 0 n.V.

Wow! Mein Schluß nach diesem Spiel: es gibt keine leichten Spiele in den Achtelfinals dieser WM 2014. Wer hätte gedacht, daß Argentinien und die Schweiz auf Augenhöhe spielen würden, und daß Argentinien erst in der 117. Minute DAS Tor gegen die Schweiz machen würde? Und das nicht einmal durch Messi, der nur vorbereitete – bei dem ersten und letzten machtvoll-schnellen Konterangriff auf eine in Auflösung befindliche Schweizer Abwehr?

Kurz danach Powerplay der Schweizer mitsamt deren Wolfsburger Torwart Benaglio: ein Pfostenschuß. Zentimeter oder ein Lidschlag vorbei an der Sensation, daß die kleine Schweiz das große Argentinien ins Elfmeterschießen gezwungen hätte. Im Gegenzug traf Argentinien das noch leere Schweizer Tor nicht…

Die Preisfrage: was kommt dabei heraus, wenn eine defensiv eingestellte Mannschaft, die auf Konter lauert, auf eine Ballbesitz-versessene Mannschaft trifft, die nur über einen Star-Stürmer, nämlich Messi, verfügt? Genau, ein ewiges Null zu Null, das es dem Zuschauer nicht leicht machte, bei der Stange zu bleiben. Für beide Mannschaften ergaben sich nur wenige echte Chancen. Und es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, wie der Schweizer Dmric, völlig unbedrängt wenige Meter vor dem Torwart, der weit vor dem Tor steht, schießend, den Ball ganz zart direktemang in die hilfreichen Arme des Torwarts befördert. Sind das blackouts? Ist das ein archaischer Zwang, einen so in nächster Nähe stehenden Menschen nicht als Gegner, sondern als Partner aufzufassen?

Trotz des Sieges von Argentinien: als Favorit kann ich diese Mannschaft nicht sehen. Das Aufregendste an ihr war nach endlosen 117 Minuten fehlender Souveränität und Effektivität die Frisur des Spielers Palacio, sein „Rattenschwänzchen“, das aus einer kreisförmigen Haarwucherung am Hinterhaupt des ansonsten millimeterkurz gestutzten Kopfhaars hin- und herwedelte.

http://www.hna.de/sport/fussball-wm/stilfrage-setzt-argentiniens-rodrigo-palacio-einen-trend-3646711.html

Ich habe lange überlegt, welches Gartenfoto zu diesem Spiel bzw. meiner Stimmung danach paßt.

14-07-01 Phlox 1Ich bin dann auf das heutige Foto gestoßen – denn meine vier Phloxe, die zwischen und hinter den Rosen stehen, beginnen zu blühen.

Eine schöne Aussicht in unschönen Zeiten, in denen mitten in Europa Haß und Gewalt Platz greifen. In denen einem Fußball als Symbol für Völkerverständigung vorkommt…

 

Ab sofort stelle ich die Updates oben ein, um das lästige Scrollen zu vermeiden. Hier also ein Update vom 1.7.2014:

Auf Wunsch stelle ich hier ein Foto vom Eisenhut ein – to whom it may concern:

14-07-01 Eisenhut 2Er blüht wunderschön – aber erst im August; ich greife daher auf ein Foto aus dem letzten Jahr zurück.

Eisenhut, 4.8.2013

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Nichts ist unnützlicher als Fußball. Dennoch liebe ich ihn, und vielleicht gerade deshalb. Er schenkt uns magische Momente, wie dieses Foto einer Passionsblume, die in Wirklichkeit vor sich hinkränkelte, aber dann plötzlich eine Blüte produzierte, die von einer tiefstehenden Abendsonne geradezu enigmatisch erleuchtet wurde.

In der aktuellen ZEIT gibt es einen aufschlußreichen Briefwechsel zwischen Sabine Rückert, die Fußball haßt, und Harald Martenstein, der Fußball liebt.

Frau Rückert hat Probleme mit ihrem fußballbegeisterten Mann, der doch sonst so pflegeleicht ist, der sich aber leider stundenlang dem Fernsehen widmet, geht es um Fußball oder gar um die WM; der sich gar einen Kunstfaser-FC-Bayern-Schal um den sonst so leinen- und baumwoll-liebenden Hals schlingt, wenn er sich Spiele seiner Mannschaft ansieht. Und dessen leidende Ehefrau sich streng politisch korrekt den kapitalistischen Auswüchsen dieses Sports widmet, dessen wirtschaftliche Seite besonders korruptionsanfällig ist.

Alles richtig, konzediert Harald Martenstein, aber jemand, der diesem Sport nichts abgewinnen kann, sollte besser schweigen. Zur Partnerschaft gehöre es, dem Partner die Freiheit von abwegigen Hobbies einzuräumen, zumal ihr Mann sie ja nicht zwinge, mitzugucken. Kommerz, Korruption und unglaubliche Honorare gebe es auch in anderen Bereichen wie im Model-Business oder im Genre des Pop. Und überhaupt wolle er kein Leben führen, das politisch korrekt sei, dazu sei es zu kurz.

Drei zu Null für Martenstein.

Er darf der humorvoll-hedonistische Freigeist-Kolumnist sein, sie als Mitglied der Chefredaktion bedient protestantischen Zeitgeist und zugleich Mißtrauen gegen die Frauenquote. Denn seitdem Sabine Rückert Mitglied der Chefredaktion ist, läßt sie jegliche rechtsstaatlich orientierte Justizkritik vermissen, sondern deckt das psychiatrische Establishment in Gestalt von Prof. Dr. Kröber, der sich in den bayerischen Fehlurteilen bzw. Vollstreckungs-Desastern in den Fällen Ulvi Kulac und Gustl Mollath unsterblich blamiert hat.

Diese persönliche Psychiatrie-Allianz darf sie aus ihrer Machtposition heraus dahingehend ausleben, in unglaublicher Manier gegen die von bayerischen Fehlurteilen betroffenen Angeklagten Kulac und Mollath diffamierend zu Felde zu ziehen oder zu Felde ziehen zu lassen.

Und jetzt auch noch diese moralinsauren Traktate gegen den Fußball.

Ich habe heute ein 5:1 der Niederlande gegen Spanien gesehen, das aus magischen Momenten bestand.

Ich mag beide Mannschaften nicht, weil mir die Niederlande zu rüde spielen und Spanien zu technokratisch. Dennoch habe ich zu den Niederlanden gehalten, weil ich den spanischen Fußball für den Tod des Fußballs halte: Ballbesitz gleich Überlegenheit gleich Totlaufenlassen des Gegners gleich Konterchance. Das ist nicht der Fußball, der wirklich attraktiv ist. Gegen Paßgenauigkeit ist nichts einzuwenden, aber Tiki-Taka-Fußball ist schlicht langweilig.

Durch einen zu Unrecht gegebenen Elfmeter ging Spanien auch noch in Führung. Derlei Ungerechtigkeiten würzen ein Spiel, fördern manchmal sogar die Offensivkräfte des Gegners. Letztlich waren es individuelle Stärken und Schwächen, die das Spiel entschieden, und die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, die zum 1:0 für Spanien führte, wurde kompensiert durch die Schiedsrichter-Fehlentscheidung, einen Angriff auf den spanischen Torwart zu übersehen, der zum 3:1 für die Niederlande führte.

Wie mag sich der spanische Torwart fühlen, der durch einen mangelhaften Paß auf einen eigenen Spieler das 1:4 verursachte? Und wie Arjen Robben, der durch eine Super-Einzelleistung das demütigende 5:1 gegen den Weltmeister besiegelte?

Drama pur, und nichts war vorhersehbar.

Das ist Fußball. So ähnlich ist auch Garten. Man plant und die Natur will es anders. In diesem Blog-Beitrag werden die weichen Themen behandelt. Die nicht planbaren. Die Momente, die berühren – die, die man braucht, um nicht vollends am Versagen des Rechtsstaats in Deutschland und an der macht- und wirtschaftspolitischen Gewalt in der Ukraine und anderswo zu verzweifeln.

Jetzt wird Obama mit dem Bush-Erbe eines verfehlten Irak-Krieges konfrontiert. Nun dürfen die USA womöglich Seit an Seit mit Iran gegen Extremisten vorgehen, die Alquaida weit in den Schatten stellen. Das ist alles nur noch verrückt.

So auch meine weltflüchtende Liebe zu Rosen, die aber zur Psychohygiene erforderlich ist. Insbesondere die zu meinen beiden sehr unterschiedlichen Rosen Augusta Luise, die sich im Mittelbeet ausbreiten.

14-06-09 Augusta Luise I 1 14-06-10 Augusta Luise II 214-06-09 Augusta Luise I Lavendel 2

 

Jeder kann sich vorstellen, was ein Gewitter oder ein Dauerregen diesen empfindlichen Schönheiten antut. So wenig, wie ich Kriegsfotographen verstehe, so wenig mag ich Schäden dokumentieren.

Mir ist der Optimismus zu eigen, daß der Fußball und die Natur siegen werden.

Was die Humanität angeht, bin ich skeptisch. Deren Gegner sind zu zahlreich.

Update 15.6.2014

1. Halbzeit England – Italien 1:1

Was für ein begeisterndes Fußballspiel!

Zwei gleichwertige, offensiv eingestellte Mannschaften, die einfallsloses Sicherheits-Kurzpaßspiel nicht nötig haben, um das Mittelfeld zu überqueren. Präzise lange Bälle tun es besser. Mir wird es angst und bange, wenn ich das temporeiche Spiel sehe, das in einem unerträglichen Dschungelklima vorgetragen wird. Mir wäre es wohl ergangen wie dem britischen Mannschafts-Physiotherapeuten, der schon im Sitzen abklappte.

Eigentlich darf das Spiel nur unentschieden enden. Und eigentlich sollte ich den Kommentator ausblenden, denn der stört.

[…]

Nun, Italien hat durch einen Glückstreffer das 2:1 erzielt, ich sage nur: Balotelli, das England mit all seiner wuchtigen Entschlossenheit nicht mehr ausgleichen konnte.

Das Drama schlechthin. So ist Fußball.

Der britische Physiotherapeut ist übrigens nicht wegen des mörderischen Klimas in Manaus zusammengebrochen, sondern weil ihm sein Freudentaumel angesichts des britischen Ausgleichs eine Knöchelverletzung beschert hatte.

Trotz des ungerechten Ausgangs: Reklame für echten Fußball.

Diese Fußball-Impressionen waren spontane Reaktionen auf ein begeisterndes Spiel. Morgen werden logistische Probleme angegangen: was kocht man, wenn man gewöhnlich zwischen 19:30 Uhr und 20:00 Uhr speist, das Spiel Deutschland gegen Portugal aber um 18:00 Uhr beginnt? Da bietet sich doch glatt eine Suppe an, die vorgekocht und in der Pause zwischen den Halbzeiten eingenommen wird.

Die Interviews, Analysen und Kurznachrichten dazwischen informieren eh recht wenig. Ob’s an mir liegt? Ich war, so sieht es aus, wohl noch nie mehrheitsfähig.

Meine Rosen offenbar auch nicht, denn laut Wikipedia bringt es die Rose Augusta Luise maximal auf einen Meter:

Sie ist eine überreich blühende Edelrose mit einem aufrechten Wuchs. Unter guten Bedingungen erreicht sie eine Höhe von 70 – 100 cm.

http://de.wikipedia.org/wiki/Augusta_Luise_%28Rose%29

Kürzlich habe ich in einem Kommentar gestrunzt, daß die höchste der meinigen 1,70 m erreicht habe. Heute habe ich das überprüft und muß zehn Zentimeter abziehen…

Nun sind die beiden Augusta Luises im Mittelbeet zwar prominent placiert und DER Blickfang. Mein rechtes Sonnen-Rosenbeet liebe ich aber nicht minder.

14-06-14 Rosen Totale 14-06-14 rote Rose und UmgebungDort gibt es natürlich nicht ausschließlich Rosen, sondern auch Johanniskraut, Lilien und vier Phloxe, um die größeren Mitbewohner des Beetes zu erwähnen. Die kleineren wechseln, da sie als Schneckenfutter fungieren, so sehr ich mich auch dagegenstemme. Demut gehört zum Gärtnerdasein dazu…

Zu den Rosen gehört die aristokratische Teatime, im Hintergrund die Diva meiner Rosen, die zickige Red Diamond, die ihrem Namen aber immer alle Ehre macht:

14-06-15 Teatime und red diamond 3Und die robuste Westzeit:

14-06-15 Westzeit 2

Und die namenlose große rote Rose, die jetzt gerade erst loslegt und an die 50-70 Blüten haben wird. Viel Freude werde ich in diesem Jahr auch am Cherry Girl haben, das doppelt so groß geworden ist als sonst, und traditionell immer als letzte ihre Erstblüte hat, so kompliziert ist die Ausbildung der zahlreichen Knospen an jedem ihrer Zweige.

Aber die Augusta-Luisen sind schon was Besonderes. Und sie riechen so gut.

14-06-15 Augusta Luise I 1 14-06-15 Augusta Luise I 2 14-06-15 Augusta Luise I 3 14-06-15 Augusta Luise I 6 14-06-15 Augusta Luise II 1Daß sie in die Magnolie hineingewachsen sind, lag natürlich nicht im Plan. Aber sie haben sich nun mal nicht mit dem einen Meter beschieden, der ihnen vorausgesagt war. Weshalb ich den einen und anderen Magnolienzweig, so leid es mir tut, abschneide.

Das mit der Gerechtigkeit ist gar nicht so leicht.

Update: 16.6.2014

Deutschland – Portugal?

Da war doch mal was! Genau, vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich schon mal einen Garten-Fußball-Artikel, zur Fußball-Europameisterschaft.

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/06/13/deutschland-gegen-portugal-und-viecher-bluhgut-fusball-und-garten-als-welt-in-der-nusschale/

Damals endete es 1 : 0, heute 4: 0, aber was bedeutet das Ergebnis für die Frage, ob man ein tolles Spiel gesehen hat oder nicht? Die einzige Übereinstimmung zwischen beiden Spielen war, daß Boateng den gefürchteten Ronaldo wiederum voll im Griff hatte. Der nicht einmal mehr in Schönheit starb, sondern in kläglichem Mißerfolg. Da baut der Gegner nicht einmal mehr eine Mauer auf, wenn er zum Freistoß ansetzt – das muß bis ins Mark verunsichern.

Einen einzigen wirklich gefährlichen Schuß produzierte er. Für sowas haben wir Neuer, für die Tore den Thomas Müller (solange Klose und Podolski auf der Bank sitzen) und wenn’s sein muß, auch den Abwehrspieler Mats Hummels, der dafür sorgte, daß auch die Borussen-Fans einmal ganz befreit jubeln konnten. (Gell, Stringa?)

Nach der ersten Halbzeit hätte das Spiel eigentlich aufhören können. Es war überirdisch gut, mehr ist dazu nicht zu sagen: Tempowechsel, lange intelligente Pässe, Torszenen, Elfmeter, gute Kombinationen, eine aufmerksame Abwehr, die Überlegenheit einer klar besseren Mannschaft, die die Portugiesen zu Fouls verleitete, gar zu einer Tätlichkeit gegen Thomas Müller, die mit einer roten Karte geahndet wurde.

Klar, ohne die zweite taktische Schongang-Halbzeit hätte Müller das dritte Tor nicht geschossen; aber dann hätte sich Hummels auch nicht verletzt. Haderhaderhader.

Die Löw-Niederschreiber wurden in die Ecke gestellt, die Gina-Lisas dieser Welt hatten dieses Mal keine Chance (die kleinlichen Skandalisierungsversuche wg. Urinierens in einem Hotelfoyer oder Führerscheinverlustes verpufften), und nun darf man hoffen, daß dieser Teil der Medien endlich a Ruah gibt.

Kommen wir zur Preisverleihung:

Thomas Müller bekommt eine jugendliche Teatime-Rose:

14-06-15 Teatime solo

Mats Hummels ein Zweiglein einer kleinen Neu-Rose mit dem poetischen Namen „Die Schöne aus Hamburg“:

14-06-10 Schöne aus HamburgUnd Ronaldo den Trostpreis; angesichts der imaginierten Heftigkeit des Trostbedürfnisses muß es schon eine spektakuläre, wenn auch nicht sehr haltbare, Blüte sein:

14-06-10 Hiibiscus 2Die Augusta Luise behalte ich natürlich für mich. Da wird nichts abgeschnitten…

 

@ Stringa:

14-06-15 weiße Rose

Update: 17.6.2014

Brasilien-Mexiko, 1. Halbzeit 0 : 0

Heute hatte ich gelesen, daß nach der Papierform Mexiko überlegen sei, denn in 16 Begegnungen habe Mexiko 8 Mal gewonnen und Brasilien nur 4 Mal. Statistik eben, die nichts aussagt. Mexiko war nicht überlegen. Brasilien allerdings auch nicht. Irgendwie kam mir das alles sehr planlos vor, was beide Mannschaften da veranstalteten, und so viele Fehlpässe habe ich bislang auch noch nicht gesehen. Zwei klare Torchancen für Brasilien. Und die Erkenntnis, daß der mexikanische Torwart Guillermo Ochoa nicht nur sehr niedlich ist, sondern auch ein guter Torwart.

2. Halbzeit, 0 : 0

25 Minuten vor Schluß wachte die brasilianische Elf auf und zeigte, daß sie eigentlich ein Tor schießen wollte. Leider ist die brasilianische Mannschaft keine Mannschaft, und so wurde daraus nichts – produzierte aber Spannung bis zum Schluß, auch durch die Konterchancen, die sie ermögllichte.

Ich habe keine Mannschaften gesehen, die sich auch nur für’s Viertelfinale empfohlen hätten. Dafür aber einen superattraktiven Weltklassetorwart aus Mexiko namens Guillermo Ochoa.

Ich habe leider keine Fotos für Euch.

Was Ochoa angeht, muß ich noch suchen…

Und bin mit einem Reisefoto aus Side (Türkei) fündig geworden.

Promenade 07

 

Update: 19.6.2014

1. Halbzeit England – Uruguay 0 : 1

Hektisch, hirnlos, harmlos, Herzinfarkt-Momente; dann schoß ein Liverpooler das Tor. Leider spielte er für Uruguay. (Ich bin parteiisch, mein Mann ist Brite.)

Am Klima kann es nicht gelegen haben, typischer englischer Sommer, 12 Grad Celsius. Eher lag es am fehlenden inneren Feuer, und außerdem: zunächst hatten die Briten kein Glück, und dann kam noch das Pech hinzu. Wayne Rooneys Kopfball an die Latte – der hätte doch reingehen müssen. Tat er aber nicht.

Die Deutsche in mir sagt: Uruguay führt nicht unverdient.

Interessante Frisuren gab es zu bestaunen. Ich wußte gar nicht, daß männliches Haupthaar soviele kreative Möglichkeiten bietet. Und figurbetonte Leibchen bei den Südamerikanern. Ob’s daran gelegen hat? 😉

2. Halbzeit England Uruguay 1 : 2

Spannend war sie, keine Frage. Und der liebe Wayne Rooney machte endlich sein WM-Tor zum 1 : 1. Und dann kam schon wieder dieser Liverpooler „El Pistolero“ Suares und erzielte den zweiten Treffer für Uruguay. Irgendwie kam der aus dem Nichts und stand – nein, er stand nicht, er lief – frei im Strafraum und verwandelte, woraufhin er sich mit Wadenkrämpfen vom Platz verabschiedete. Großartig, und irgendwie war klar, daß es das war. Das Spiel war gelaufen.

Gewinnt wirklich derjenige, der den Sieg am meisten will?

Bye bye, England. In Europa ist der Wurm drin, neben Spanien ist jetzt auch England draußen. Das wird die Suche nach dem EU-Komissionspräsident nicht erleichtern, zumal Luxemburg bei der WM gar nicht erst mitspielt.

Nun sollte ich wieder ein Gartenfoto einstellen, aber das einzig passende wäre eins meiner schwarzen Petunie. Die ich bislang aber noch nicht fotographiert habe. Das hole ich morgen nach. Versprochen.

Nachtrag: 20.6.2014

Hier ist sie:

14-06-20 Schwarze Petunie 1

Schweiz – Frankreich, 1. Halbzeit, 0 : 3

Ein Spiel, das den Zuschauer erfreut – alles dabei: Drama, Torszenen, tolle Schüsse, tolle Tore, ein gehaltener Elfmeter durch die Schweiz (mit einem Nachschuß gegen die Latte und einem zweiten, der auch sehr gefährlich war). Zwei Mannschaften mit Leib und Seele und Drang zum Tor.

Und eine tapfere Schweizer Mannschaft, die auch nach dem Doppelpack binnen einer Minute nicht aufsteckte. Hach, die Zuschauerin ist entzückt. Und bewundert mal wieder das wahre menschliche Ingenium, das in der Friseur- und Barbierkunst sein eigentliches Zentrum hat. Von Totalglatze bis Gel-Igel, von Dutt bis Mittelstreifen, der teilweise blond gefärbt, teilweise am Hinterhaupt spitz zulaufend, mal mit Ponyfransen, mal minimalistisch ausgeprägt war. Von Kein-Bart über Bartandeutung, 5-Tage-Bart oder Ziegenbärtchen bis richtigem Bart war alles dabei. Style as style can.

An den Torwart der Herzen kam allerdings keiner ran:

http://successfortress.com/guillermo-ochoa-one-of-soccers-best-goallies/

Schweizer mit exotischen Namen, die überall spielen nur nicht in der Schweiz. Unter dem deutschen Trainer Hitzfeld, der ihnen jedenfalls ein großes Kämpferherz verpaßt hat.

BTW: nicht Belgien, Frankreich ist der Geheimtip!

Schweiz – Frankreich, 2. Halbzeit, 2 : 5

Das 2 : 6 fiel zwei Sekunden nach dem unsensiblen Abpfiff, der mitten in eine Torszene der Franzosen trillerte.

Ein traumhaftes Fußballspiel – jeder, der es verpaßt hat, tut mir leid… Beide Mannschaften spielten offensiv weiter, und wie die Schweizer auch nach einem 0 : 5-Rückstand nicht aufgaben und noch zwei Tore machten: Respekt! Das 2 : 5 war ein Freistoß-Tor, und das müssen die Franzosen noch lernen: in der Mauer steht man nicht breitbeinig…

Nach diesem Fußballfest reiche ich meine Großrose, an der sich beide Mannschaften bedienen mögen.

14-06-20 rote Rose 1

Update 21.6.2014

Deutschland gegen Ghana – 2: 2

Bin noch immer ganz aufgewühlt von diesem Klasse-Fußballspiel. Die Zeit der Klein-Klein-Ballschieberei ist definitiv vorbei, gottseidank. Ghana hat stark und mit Löwenmut gespielt, sehr athletisch im Einsatz.

0 : 0 in der ersten Halbzeit, was nicht bedeutet, daß sie nicht spannend war. Im Gegenteil! Beide Mannschaften spielten auf Sieg, Torchancen auf beiden Seiten, ein Genuß für den Zuschauer. Aber erst in der zweiten Halbzeit ging es so richtig zur Sache. Was ich am Fußball liebe, ist seine Unberechenbarkeit. Da geht die deutsche Mannschaft durch Götze mit 1 : 0 in Führung, und da sollte man doch denken, daß dieser Vorsprung Sicherheit verleiht. Das Gegenteil ist der Fall. Binnen Minuten zwei gravierende Abwehrfehler, und Ghana führt 2 : 1.

Ich bin total unsportlich und wäre, Sportlichkeit unterstellt, für einen Mannschaftssport auch nicht geeignet gewesen. Und daher weiß ich nicht, wie es in der Psyche eines Mannschaftsspielers zugeht. Führt der Vorsprung in einem so engen Spiel vielleicht zu einem trügerischen Gefühl der Sicherheit?

Danach die Auswechselung. Die offensiven Kämpen Schweinsteiger und Klose steigen ein, und nicht mal zwei Minuten später schießt Klose das 2 : 2. Als ob ein Ruck durch die Mannschaft gegangen wäre, häufen sich die Chancen – aber auch Ghana steckt nicht auf. Es blieb spannend bis zum Schluß.

Ein großartiges Spiel. Und irgendwie schon ein Sieg für Deutschland, daß es nicht verloren ging.

Ein Kompliment an beide Mannschaften, die sich verausgabt und Reklame für Fußball gemacht haben, wie er sein sollte. Da muß nun meine Garten-Diva, die Red Diamond, ran.

14-06-20 red diamond

 

Update: 23.6.2014

USA gegen Portugal 2 : 2

Ich habe es dann doch noch geschafft, dieses Spiel zu sehen. Und habe es nicht bereut. Das Glückstor der Portugiesen in der 5. Minute habe ich verpaßt, das gebe ich zu, weil ich erst in der 7. Minute einschaltete. Ab da gab es nur eine Mannschaft, die Fußball spielte, und das war die der USA. Sie spielte, das war dank Klinsmann nicht anders zu erwarten, deutsch – nur eben nicht ganz so gut.

Ein spannendes Spiel, ein Spiel, das begeisterte. Die USA legten in der 63. Minute nach, 1 : 1. Sie erzielten das 2 : 1, völlig verdient. Ronaldo blieb pomadig, versemmelte einen Freistoß hoch übers Tor, glänzte bei einem Alleingang durch einen Schuß ins Seitennetz, markierte eine Schwalbe – eine desolate Vorstellung.

Wie Fußball so ist, nämlich ungerecht, gab es 5 Minuten Nachspielzeit und Portugal quälte sich irgendwie in der letzten Sekunde zum 2 : 2.

Nun fangen die Rechner wieder an zu rechnen. Ich denke, daß ich wieder einmal ein mitreißendes Spiel gesehen habe, das durch zwei unverdiente Glückstore einer unterlegenen Mannschaft gedreht wurde.

Für Deutschland heißt das: man muß die Mannschaft der USA durchaus ernstnehmen – aber Angst muß man nicht haben 😉

Update: 24.6.2014

Italien gegen Uruguay 0 : 1

Die erste Halbzeit entging mir, weil im Garten größere Aufräumarbeiten anstanden nach drei heftigen Schauern am heutigen Tag, von den Schnecken-Killaktionen ganz zu schweigen. Die zweite Halbzeit kriegte ich so halbwegs mit beim Kochen: letztlich muß man nicht alles ständig kontrollieren, da blieb genug Zeit, um mehr als nur ab und zu reinzusehen. Und während die asiatische Nudelpfanne manierlich gelang, mißriet das Spiel durch eine inakzeptable Schiedsrichterleistung. Ab da vertagte ich das Essen und guckte nur noch. Mein Mann wußte beides zu versöhnen: Gucken beim Essen.

Kleiner Tip: vielleicht sollte man keinen mexikanischen Schiedsrichter nehmen, wenn eine südamerikanische Mannschaft gegen eine europäische spielt?

Das Ende vom Lied der WM-Teilnahme Italiens war eine ROTE KARTE wegen eines Allerweltfouls, das maximal GELB erfordert hätte. Danach zeigte „El Pistolero“ Suarez, daß er nicht nur schießen, sondern auch beißen kann, und irgendwie bot sich die linke Schulter eines italienischen Gegenspielers an, über den er sich offenbar geärgert hatte. Das bekam der Schiedsrichter nicht mit, und auch die Schulter-Entblößung des Gebissenen half nicht, weil sie definitiv unversehrt wirkte. Das Trikot hat wohl eine Spurenbildung verhindert.

Danach gab es kurz vor dem offiziellen Schluß ein Ecke-Tor-Tor für Uruguay, wogegen die Italiener anrannten. Drama pur, zwischendurch zückte der Schiri auch die gelbe Karte gegen den Torwart von Uruguay, wieso, ist mir entgangen in der Hektik, weil die fünf Minuten Nachspielzeit so kräftezehrend waren und ich schon an die Chinapfanne dachte. Und dann krönte der Schiri seine Leistung auch noch dadurch, daß er die Nachspielzeit eigenmächtig um 40 Sekunden verlängerte, was wohl seine Entschuldigung gen Italien sein sollte, denn deren Mannschaft war bei einem Freistoß am Zug.

Ich kann natürlich nicht sagen, woran es lag, daß die Italiener bis zur 70. Minute, als das Drama begann, kein Tor geschossen haben. Logischerweise haben sie sich das selber zuzuschreiben. Aber was in den letzten 25 Minuten der Partie geschah, muß man wohl wie ein Naturereignis hinnehmen. Such is life.

Jetzt sind die Angstgegner der Deutschen, nämlich Spanien, Italien und England draußen. Und neue Angstgegner wachsen nach.

Zwei Symbolbilder aus meinem Garten, in dem es auch ein Mini-Biotop gibt, bei dem man nie weiß, wie es im neuen Jahr aussehen wird:

14-05-20 Biotop 1

Und hier nature in a nutshell:

14-05-20 Terrasse Flieder 2Update: 25.6.2014

1. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

Irgendwie störend, dieser Kommentator Gottlob: jeden Furz der Ecuadorianer bejubelnd, aber das schöne Kombinationsspiel der Franzosen, die in dieser Halbzeit die dickste Chance hatten, ignorierend. Wir sehen ein sehr unterschiedliches Spiel – aber das ist wohl immer so.

Ich hadere mit der Technik, der olle Fernseher reagiert nicht mehr auf die Fernbedienung, an Batterieschwäche soll es nicht liegen (sagt mein Mann), oben weist er – der Fernseher – zwar Knöpfe mit verwirrenden Piktogrammen auf, die ich allesamt nicht verstehe (früher stand da schlicht „Ein“ und „Aus“, heute gibt es Symbole für Analphabeten, zu denen ich nicht gehöre), aber allesamt durchprobiert habe, leider tut sich da auch nichts, und meine Erfahrungen mit livestream-Internet-Fernsehen sind mies: wenn es spannend wird, fällt es aus. Plötzlich rotiert da was und es heißt: „Loading“, aber das ist nur eine Verheißung…

Kurz und gut: Frankreich, das mit einem Unentschieden Gruppenerster wäre, spielt auf Sieg, bislang glücklos, und Ecuador, das gewinnen muß, um weiterzukommen, präsentiert sich harmlos.

Die wackeren Schweizer führen 2 : 0 gegen Honduras, und wären weiter, wenn Frankreich gewönne. Und jetzt zurück zum Livestream.

2. Halbzeit Ecuador – Frankreich: 0 : 0

3 : 0 hätte die drückend überlegene französische Mannschaft, die in Zweitbesetzung auflief, gewinnen können, hätte sie nicht so glücklos gespielt. Sowas gibt’s im Fußball, im Kommentatorensprech heißt es dann gern, daß der Knoten nicht platze. Trotz beseelter Anfeuerungen von Herrn Gottlob, der sich die Ecuadorianer auch dann noch im Achtelfinale wünschte, als die wackere Schweiz schon 3 : 0 gegen Honduras führte, was dann auch der Endstand war, hatte der Simpelzuschauer wie ich niemals das Gefühl, daß einer der harmlosen Angriffe von Ecuador zum Erfolg hätten führen können.

Herr Gottlob hat wohl mitbekommen, wie enervierend falsch seine Kommentierung lag, sonst hätte er am Ende nicht behauptet, nicht Ecuador hätte Rot sehen sollen, sondern mindestens zwei Mal Frankreich. Sowas nennt man „Nachtreten“ zur Rechtfertigung des eigenen bias.

Gut. Frankreich und die Schweiz sind weiter. Ein schöner Fußballabend.

Und morgen werde ich es trotzdem ausprobieren mit einer neuen Batterie für die Fernseh-Fernbedienung. Und jetzt grüble ich nach, welches Blumenbild wohl zu diesem trefflichen Fußball-Abend am besten paßt. Hm. Ach ja. Die erste Pfingstrose in meinem Garten, die wirklich pfingstnah zu blühen begann, nämlich am 14.6.2014.

 

14-06-01 PfingstroseAuch wenn sie dieses Jahr schwächelte und nur diese eine Blüte produzierte.

Es ist wie beim Fußball. Man steckt nicht drin. 😉

 

Update: 26.6.2014

Deutschland – USA  1 : 0

Das Spannendste war ja vor dem Spiel. Vormittags hatte ich den Dreh raus, wie ich den Fernseher ankriege, eine Kombination aus Knopf am Gerät und halb funktionierender Fernbedienung. Kurz vor dem Spiel (muß an der Aufregung gelegen haben), klappte sie aber nicht mehr. Panik. Schließlich hatte ich doch ein Bild, nur daß mir die Mannschaftsaufstellung von Portugal präsentiert wurde. Portugal? Hektik, bis ich die Sendereinblendung „ZDF-Info“ entdeckte. Punkt 18 Uhr war ich drin im Spiel.

Ein disziplinierter Arbeitssieg, der die Kräfte der Spieler und die Nerven der Zuschauer schonte. Nie mußte man Angst um die Jungs haben, und das mal-wieder-Müller-Tor in der 54. Minute war das Sahnehäubchen auf dem grundsoliden Streuselkuchen. Zumal sie danach, anders als gegen Ghana, wieder schön diszipliniert weiterspielten, als wäre nichts geschehen.

Rundum gelungen – bis auf die Chancenverwertung. Auch die USA sind weiter, dank des 2 : 1 von Portugal gegen Ghana. Heute war der erste Sonnentag nach vier Regentagen, meine Schneckenfangquote der reine Wahnsinn, und so tritt jetzt behagliche Entspannung ein. Die werde ich nutzen, um Fotos auszusuchen…

Spielbegleitende Harmonie, so dachte ich’s mir, herrscht ja vor allen Dingen auf der Terrasse, selbst wenn es auch dort ungeahnt wild wuchert und man immerfort eingreifen muß. Die Susanne häkelt sich in den Oleander, die Geranie nimmt dem Jasmin das Licht weg, und Schneckenalarm herrscht täglich in den Töpfen der Verbene, der Petunie und der Lobelien. Aber ansonsten – die schönste Eintracht. Passend zum heutigen Tag.

14-06-10 Hibiscus

14-06-26 Terrasse Margerite

14-06-26 Terrasse Begonia Bionfire

14-06-26 Terrasse Petunie

14-06-26 Terrasse Schwarzäugige Susanne 214-06-26 Terrasse Kommode

 

Den nächsten Gegner der deutschen Mannschaft habe ich mir auch angesehen, jedenfallls ab der 37. Minute: Rußland oder Algerien? Rußland führte da mit 1 : 0. Die deutsche Mannschaft hat Glück gehabt: von zwei unorganisierten Mannschaften mit hoher Fehlpaßquote kam die schlechtere durch ein 1 : 1 weiter.

Ich denke nicht, daß Algerien ein Stolperstein für die deutsche Mannschaft werden wird. 🙂

 

Update: 28.6.2014

Brasilien gegen Chile: 1 : 1 nach Verlängerung, 3 : 2 im Elfmeterschießen = 4 : 3

Was für ein Spiel!

Die erste Halbzeit ungestüm, offensiv, ohne Spielfluß, da zu viel gefoult wurde (insbesondere von den Chilenen). Das 1 : 0 für Brasilien durch ein gut herausgespieltes Eigentor. Und dann das: die brasilianische Nr. 7, Hulk, vertändelt einen Ball im eigenen Strafraum, das gnadenlose 1 : 1 folgt auf dem Fuß.

Dieser Hulk war mir schon aufgefallen, als er auflief. Ein Bär von einem Mann, ganz untypisch für einen Südamerikaner. Ein gutmütiger Riese, tapsig aber schnell. Als ich dann hörte, daß er für St. Petersburg spielt, mußte ich lachen. Nach seinem Fehler in der ersten Halbzeit war es für mich ein Hulk-Spiel, zumal Neymar nur in der ersten Halbzeit zeigte, was für ein großer Fußballspieler er ist.

Und das ist Hulk, der eigentlich ganz anders heißt:

http://www.blick.ch/sport/fussball/fuer-96-millionen-st-petersburg-schnappt-sich-hulk-und-witsel-id2021434.html

In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung wollte Hulk seinen verhängnisvollen Fehler wiedergutmachen. Hulk war hinten, Hulk war vorne, Hulk flankte, Hulk schmiß sich hin und rein, Hulk donnerte wuchtige Fernschüsse aufs Tor. Einen faustete der chilenische Torwart Bravo, der nicht nur so hieß, sondern auch ein ums andere Mal so rettete, gerade noch so eben weg.

Nichts wollte gelingen. Eine Tragödie für den Mann, eine Tragödie für die Mannschaft. Nach sieben (!) gelben Karten das Elfmeterschießen.

Drama pur. Ganz Großes Kino. Der brasilianische Cäsar unter den Torhütern hält zwei Elfmeter. Dann kommt Hulk. Der braucht nur seine Masse einzusetzen. Ich sehe ihn anlaufen – nein, das ist nicht das richtige Wort. Er trippelt an, und da weiß ich schon: das geht daneben. Unglaublich, wie schwach so ein Kraftbündel schießen kann, wenn die Verantwortung niederdrückt. Bravo hält. Hulk ist am Boden – es wird ihn nicht getröstet haben, daß auch ein anderer Brasilianer daneben schießt.

Dann kommt Neymar, der es allen zeigen will und es auch tut. Nun ruht die Last auf dem letzten Chilenen. Der trifft den Pfosten. (Die größte Chance kurz vor Schluß hatten ebenfalls die Chilenen: da rettete die Latte.)

Was für ein Spiel! (Man kann es gar nicht oft genug ausrufen.) Mit dem glücklichen Ende für Brasilien, für die WM und für unsere Mannschaft. Denn gegen die ruppigen, leidenschaftlichen Chilenen spielen zu müssen, ist ausgesprochen undankbar. Mein Puls geht langsam runter.

Ich suche was Ruhiges aus dem Garten aus.

14-06-26 Terrasse lila Hortensie

Nachtrag:

Achja, ich vergaß – oder habe ich es verdrängt? Hulk schoß sogar das 2 : 1 für Brasilien – aber es zählte nicht und er kassierte dafür sogar eine gelbe Karte. Anders als bei einem weltberühmten argentinischen Spieler, der damit durchkam, lenkte zwar nicht die Hand Gottes den Ball ins Tor, aber sein Oberarm den Ball auf den Fuß, der das Tor erzielte. Hulk hat wirklich alles probiert, das muß man schon sagen.

Update: 29.6.2014

Uruguay-Kolumbien 0 : 2

Ich schrieb es schon in einem Kommentar:

Gesendet am 28.06.2014 um 23:03 | Als Antwort auf stringa .

Leider ist mein Tränendes Herz schon vor Jahren eingegangen, ich müßte also im Archiv suchen… Und außerdem sehe ich gerade Kolumbien-Uruguay, mit dem Traumtor dieser WM bislang durch Kolumbiens James Rodriguez. Perfektion in Reinkultur, und eine völlig verdiente Führung nach der ersten Halbzeit. Muß wieder weg!

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/06/14/die-fusball-wm-und-die-garten-ecke/comment-page-1/#comment-37108

Verwirrung herrscht bei mir nur, weil dieser Rodriguez ein Trikot trägt, auf dem lediglich „James“ zu lesen ist, was der Kommentator aber nicht englisch wie „Dschäims“, sondern spanisch wie „Chamess“ aussprach. Dennoch tauchte immer wieder die Kombination „James Rodriguez“ auf. Wie er nun auch immer heißen mag, der Mann ist Weltklasse und schoß das 0 : 2 in Thomas Müller-Manier, nach selbstredend genialer Vorbereitung durch seine Mannschaft. Er hat nun 5 Tore bei dieser WM gemacht und ist eine echte Gefahr nicht nur für Müller, was den Torschützen-Rang angeht. Sondern auch für Brasilien, auf das die junge, frische, offensive Mannschaft Kolumbiens demnächst treffen wird.

Diese Begegnung wird ein Fußballfest, ganz bestimmt!

Die Uruguay-Mannschaft war nach der 9-Spiele-Sperre ihres bissigen Leader of the Pack Suarez nur ein Schatten ihrer selbst. Und das ist auch gut so.

Für diese überzeugende Vorstellung gibt es einen Gruß meiner Cherry  Girl:

14-06-27 Cherry Girl 2

Weiteres Update vom 29.6.2014:

Niederlande – Mexiko 2 : 1

Wie ungerecht! Mexiko spielte Fußball, die Niederlande pennte im Schlafwagen. Trotz vieler Chancen in der ersten Halbzeit für Mexiko stand es 0 : 0, und so war es ausgleichende Gerechtigkeit, daß Arjen Robben, der gern Elfmeter herausschindet, den Elfmeter kurz vor Schluß der ersten Halbzeit nicht bekam.

Wegen Hollands Schlafmützigkeit war von Guillermo Ochoa, dem attraktiven Torwart Mexikos, leider nur sehr wenig zu sehen.

Das änderte sich zunächst auch in der zweiten Halbzeit kaum, denn wieder spielte nur eine Mannschaft: Mexiko, das in der 50. Minute das erlösende 1 : 0 erzielte. Eine völlig verdiente Führung, die die Niederlande aufrüttelte und der begeisterten Zuschauerin mögliche und eigentlich unmögliche Paraden Ochoas bescherte. Das Spiel wurde mitreißend, und es kam, was aufgrund des Drucks kommen mußte: ein gewaltiger Fernschuß, abgezogen mit all dem Frust, den das Oranje-Team angesammelt haben mußte. Ein unhaltbarer Schuß, „selbst für Ochoa“, wie der Kommentator anmerkte. Arjen Robben markierte eine Schwalbe und ließ sich in den Strafraum fallen, aber der Schiedsrichter durchschaute das Spiel.

Dummerweise bekam er „seinen“ Elfmeter doch noch, als er sich zwei Minuten vor Ende der sechsminütigen Verlängerung nach einer unwesentlichen Feindberührung wiederum mit Schmackes auf den Boden schmiß. Nie und nimmer war das einen Elfmeter wert! Ochoa entschied sich für die falsche Ecke, und das Spiel war gelaufen.

Ich weiß, ich weiß, Fußballergebnisse sind selten gerecht -: aber ich hätte es nun mal gern. Stringa hätte gern ein Tränendes Herz gehabt, nun habe ich es im Archiv gefunden, ein Foto vom 6.5.2007. Irgendwann hat die Pflanze den Winter nicht überstanden, und heute hätte sie dort ohnehin keinen Platz mehr gehabt, nachdem der Wein am Zaun und der Ranunkelstrauch daneben um die Vorherrschaft kämpfen.

Tränendes Herz 6.5.2007Aber eigentlich ist mir so zumute wie beim Anblick der Teatime-Rose nach vier Tagen Regen:

14-06-26 Teatime 2

Für die Freunde der Augusta Luise: ihre erste Blüte ist definitiv vorbei. Die vordere hat noch zwei Knospen, die hintere eine Blüte und zwei Knospen. Und endlich einen neuen Trieb, um den ich sie schon im letzten Jahr gebeten hatte – ohne Erfolg.

14-06-28 Augusta Luise II14-06-28 Augusta Luise II neuer TriebUnd so geht es doch immer weiter, trotz Träne im Knopfloch.

 

Update 30.6.2014

Frankreich – Nigeria 2: 0

Nö, das Achtelfinale Costa Rica – Griechenland habe ich nicht zu Ende gesehen. Zwei schlechte Mannschaften, ein schlechtes Spiel, und mir schwante, daß ein Elfmeterschießen entscheiden würde. Nun hat wenigstens ein Außenseiter im Elfmeterschießen gewonnen, und das ist ja immer irgendwie gut.

Deutschlands nächster Gegner ist Frankreich, sollte das Spiel gegen Algerien heute gewonnen werden. Und zwar zurecht. Nach einem munteren Offensiv-Fußballspiel beider Mannschaften, die lange Zeit gleichwertig waren, tolle Chancen hatten und nur insoweit den Genuß trübten, als allzuviele Pässe nicht ankamen und also der Zufall zuhilfe kommen mußte.

Da fiel mir ein französischer Spieler ins Auge: Matthieu Valbuena von Olympique Marseille, der Zwerg mit der Nummer 8. Mindestens einen Kopf kleiner als alle anderen Spieler auf dem Feld, ausgesprochen kurzbeinig, ein wenig erinnerte er mich an einen schlanken Dirk Bach. Großer Gott, wie der herumwuselte. Kaum hatte er eine Ecke getreten, lauerte er schon hinten in der Verteidigung. Der Mann war überall und immer rechtzeitig da, wie der Igel vor dem Hasen. Verteilte die Bälle, trat viele Ecken, ein kleiner Tausendsassa. Einmal gewann er sogar ein Kopfball-Duell – ich war platt. Der Lange neben ihm war einfach zu früh gestartet und war schon auf dem absteigenden Ast, als Valbuena zum richtigen Zeitpunkt wie ein Flummi hochschoß.

Valbuena trat die Ecke, die zum 1 : 0 durch Frankreich in der 79. Minute führte. Valbuena bereitete mit seinem Paß das Eigentor durch Yobo in der Nachspielzeit vor – und hey, Yobo konnte nichts dafür. Alle reden von Benzema und Giroud und wie sie alle heißen mögen. Held des Tages war allerdings die kleine große Nr. 8.

Wie auch im Garten die Nahaufnahmen oft die schönsten sind:

14-06-28 rote Rose Johanniskraut 214-06-28 Lavendel Schöne aus HamburgIch habe gerade gegoogelt:

Der Mann ist gerade einmal 3 cm größer als ich, nämlich 1, 67 m. Wow.

http://www.weltfussball.de/spieler_profil/matthieu-valbuena/

 

Update 1.7.2014

Deutschland- Algerien 2 : 1 n.V.

So ist das in K.O.-Spielen, die Angst ist groß, und daher manifestiert sich der Siegeswille erst in der Verlängerung. Mein Erkenntnisgewinn: Manuel Neuer ist ein klasse Feldspieler. Und Schürrle absolut ein Gewinn.

Wow. Es geht weiter. Jetzt gegen Frankreich.

Kompliment:

14-06-28 rote Rose 2

 

 

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Der Fall Gustl Mollath: Rosenkrieg und Versagen von Justiz & Psychiatrie IV

Rosenkrieg 1

Fortsetzung von

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/12/14/der-fall-gustl-mollath-rosenkrieg-und-versagen-von-justiz-psychiatrie-iii/

Nachdem die Autorinnen Blasberg, Kohlenberg und Rückert den Untergebrachten Gustl Mollath in der ZEIT vom 13.12.2012 kurzerhand, unter Verteidigung der angegriffenen Psychiater Leipziger und Kröber, auch aus eigener Anschauung zum Kranken erklärt haben (»Ein Kranker wird Held«), der den Wiederaufnahmespezialisten Rechtsanwalt Gerhard Strate abgelehnt habe, weil er womöglich gar kein Wiederaufnahmeverfahren wolle: »Hat er sich in der Rolle des Märtyrers der bayerischen Strafjustiz eingerichtet?«

http://www.zeit.de/2012/51/Mollath-Bankenskandal-Steuerhinterziehung/komplettansicht

ist diese letzte aller tendenziösen Tatsachenentstellungen in diesem unterkomplexen Artikel, mal wieder durch die in diesem Fall überlegene SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (Olaf Przybilla und Uwe Ritzer), am 20.12.2012 widerlegt worden:

Verwundert über die Berichterstattung

Alles Unsinn, erwidern nun sowohl Mollath als auch Strate – und wundern sich über Die Zeit, denn die Vollmacht wurde bereits Tage vor der Veröffentlichung erteilt. Mollath sagte der SZ, er habe nach einem Besuch Strates im Bezirkskrankenhaus Bayreuth lediglich zunächst mit seiner Anwältin – einer Münchnerin, die Mollath seit Monaten vertritt – über einen zusätzlichen Anwalt sprechen wollen. „So etwas gebietet, finde ich, der Anstand“, sagte Mollath, denn die Anwältin habe sehr viel Arbeit in seinen Fall investiert; und das zu einer Zeit, in der ein Wiederaufnahmeverfahren nahezu unmöglich erschienen sei.

Überdies habe er sich über Strate, der ihm bis dahin nur als Name ein Begriff gewesen sei, informieren wollen. Dies habe er dem Hamburger Anwalt auch so mitgeteilt; Strate bestätigte Mollaths Darstellung. Nachdem Mollath dies getan habe, habe er die Bevollmächtigung unterzeichnet. Die Fragen, ob er möglicherweise „gar keine Wiederaufnahme“ erreichen oder sich gar in einer angeblichen Rolle als „Märtyrer“ einrichten wolle, empfinde er als verstörend, sagte Mollath.

Bislang hat die nicht nur Mollath verstörende erste chefredaktionelle Leistung Sabine Rückerts dort rund 590 Kommentare geerntet, die in ihrer übergroßen Mehrheit hart mit den Autorinnen ins Gericht gehen – zurecht.

Beate Lakotta wollte ebenfalls in Konkurrenz zu den Nürnberger Nachrichten, der SÜDDEUTSCHEN, den vielen Kommentatoren und den vielen Blogs treten, die Justiz-, Psychiatrie- und Politikkritik üben, und demgegenüber ihr eigenes Profil schärfen; nicht nur in ihrem SPON-Artikel vom 13.12.2012:

sondern auch in ihrem polemischen Kommentar »Schizo-Protestbürger« im SPIEGEL 51/2012 vom 17.12.2012, S. 19, in dem sie die angemessene Psychiatrie-Kritik (»Es gibt dazu jährliche Stellungnahmen der Klinik und weitere von zwei externen Gutachtern, sie haben nachvollziehbar begründet, weshalb sie Mollath weiterhin für krank und gefährlich halten.«) schlicht verweigerte.

In einem Blogbeitrag vom 19.12.2012 hat sie gar vor- und angegeben, die entsprechenden Gutachten selbst gelesen und kompetent evaluiert zu haben:

Natürlich gab es für die staatstragenden Journalistinnen (›Alles ist gut‹), die sich fragen lassen müssen, wer ihnen mit welcher Zielrichtung welche bislang nicht veröffentlichten Gutachten überließ, Applaus von der vielfach angegriffenen Ministerin:

„Wie kommen Sie darauf, dass es nicht nach Recht und Ordnung zugeht?“

Marcus Klöckner 18.12.2012

Die bayerische Justizministerin Beate Merk äußert sich im Telepolis-Interview zum Fall Mollath

[…]

Der Fall Mollath hat sich doch – und das wohlgemerkt: unabhängig davon, was noch dabei herauskommen wird, ob sich die Vorwürfe nun bestätigen oder nicht – längst zu einem Gau für die Bayerische Justiz, aber auch mittlerweile für die Politik entwickelt. Die Stimmen derer, die glauben, in Bayern herrsche der Filz, Teile der Justiz würden ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen und unliebsame Bürger einfach wegsperren, sind zahlreich. Mittlerweile berichten selbst ausländische Medien, wie etwa der Guardian von dem Fall. Ein ausgereiftes Krisenmanagement sieht anders aus.

Beate Merk: Genauso wie Sie ihre Fragen stellen – nämlich ausblendend, dass ich nicht die Unterbringung Herrn Mollaths verteidigt, sondern die Entscheidungen der Gerichte erklärt habe – agieren eben leider einige Medien. Aus dieser einseitigen Berichterstattung einiger Medien resultiert das Problem. Dass es auch besonnene Medien gibt, die den Fall Mollath objektiv sehen, statt Klischees zu bedienen, können Sie übrigens dem Spiegel vom 17. Dezember sowie der Zeit und Spiegel Online vom 13. Dezember entnehmen, um nur einige Beispiele zu nennen. Und, zum Krisenmanagement: Schauen Sie sich dessen Ergebnis doch an: Ich habe dafür gesorgt, dass das Verfahren neu aufgerollt und Klarheit geschaffen werden kann – genau darum geht es doch !

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38228/1.html

Das freundliche Ping-Pong-Spiel setzte sich nahtlos fort. Merk im Telepolis-Interview mit Marcus Klöckner:

Die Süddeutsche Zeitung hat nach ihrem Auftritt in der Münchner Runde einen Faktencheck gemacht. Die Zeitung schreibt unter anderem, dass auf Seite 7 und 16 des Revisionsberichts der HypoVereinsbank (der uns auch vorliegt) über Schwarzgeld bzw. über Geldwäsche gesprochen wird. Genau das haben Sie aber in der Münchner Runde verneint. Die SZ kommt zu dem Urteil: „Bewertung dieser Merk-Aussage: widerlegt.“ Halten sie nach wie vor an der Aussage fest, dass in dem Revisionsbericht nichts zum Thema Schwarzgeld bzw. Geldwäsche steht?

Beate Merk: Auch hier habe ich die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die von den Fachleuten im Ministerium geteilt wird, dargestellt. Die Schlussfolgerung der Süddeutschen Zeitung trifft nicht zu. Auf Seite 16 des Berichtes steht, dass sich die Geldwäschebeauftragten der HVB und damaligen Hypotochter Bethmann Bank, auf eine Geldwäscheverdachtsanzeige verzichtet haben – ich zitiere jetzt wörtlich die Begründung: „Da es sich nach Prüfung der Umstände nicht um deliktische Gelder handeln dürfte.“ Die auf Seite 16 erwähnten Verstöße betrafen, wie die SZ selbst darstellt, gerade nicht die von Herrn M. konkret erhobenen Vorwürfe und im Übrigen auch keine Schwarzgeldgeschäfte.

http://www.heise.de/tp/artikel/38/38228/1.html

Und so griff Lakotta, ganz herzlich von Beate zu Beate, dieses Argument in ihrem SPIEGEL-Blog-Beitrag vom 19.12.2012, in dem sie sich gegen diesen Beitrag von Oliver García

http://blog.delegibus.com/2012/12/14/fall-mollath-wenn-die-welle-des-journalismus-bricht/

und diesen von Rechtsanwalt Thomas Stadler

http://www.internet-law.de/2012/12/fall-mollath-alles-nur-heise-luft.html

wendete, dankbar auf:

Da zitieren Sie mich: „Bislang gibt es keinen Beweis dafür, dass Petra Mollath als Angestellte der HypoVereinsbank in Schwarzgeldgeschäfte und Beihilfe zur Steuerhinterziehung verstrickt war, wie ihr Mann behauptet.“

Das sei falsch, schreiben Sie, denn „auf S. 7 des Revisionsberichts der HVB ist explizit von Schwarzgeld die Rede“. Das stimmt. Genauer gesagt geht es auf der vielzitierten Seite 7 um Sortengeschäfte, die ein Kollege von Petra Mollath, Herr D., ausgeführt hat.

Auch Herr Garcia verweist übrigens auf diese Passage, mit der nach seiner Darstellung die „SZ“ die bayerische Justizministerin einer Falschbehauptung überführt hat.

In der zusammenfassenden Bewertung dieses Verhaltens im internen HVB-Bericht liest man allerdings auf S. 16 zu eben diesem Vorwurf: „Der Geldwäschebeauftragte der Bethmann-Bank verzichtet nach Abstimmung mit dem Geldwäschebeauftragten der HVB auf eine Verdachtsanzeige, da er annimmt, dass es sich nach Prüfung der Umstände nicht um deliktische Gelder handeln dürfte.“

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/fall-gustl-mollath-beate-lakotta-ueber-die-zweifel-an-der-opferrolle-a-873836.html

Wie billig ist das denn? Wenn sich eine Journalistin hinter einer Politikerin verstecken muß, ist das ja bereits ein Beweis für ihre mangelnde unvoreingenommene Betrachtung der Dinge. Die heile-Welt-Schwestern im Geiste setzen offenbar darauf, daß die Leser die anzitierten Stellen im Revisionsbericht der HypoVereinsbank nicht nachlesen oder sie nicht verstehen:

http://www.swr.de/report/-/id=10583092/property=download/nid=233454/1t395cp/index.pdf

Denn die Lektüre ergibt einwandfrei, daß der Mitarbeiter Wolfgang D. 2001 und 2002 70.000,- Franken in DM bzw. Euro – unter Umgehung der Aufzeichnungs- und Identifizierungspflicht sowie einer potentiellen Anzeigepflicht nach dem Geldwäschegesetz  »(Tatbestand des Smurfings)« gestückelt  – umgetauscht und über sein Konto gewaschen hatte. Außerdem gab er zu, eine größere Anzahl von alten 1.000,-DM-Noten in Euro im eigenen Namen umgetauscht zu haben. Beides, um einer Kundin einen Gefallen zu tun, die offiziell nicht in Erscheinung treten wollte, da es sich um »Schwarzgeld« handele. Damit ist gemeinhin Geld gemeint, das vor den Finanzbehörden geheimgehalten wird, um einer Besteuerung zu entgehen. Bei der Kundin handelte es sich um eine »allgemein bekannte Persönlichkeit«. »Der Geschäftsleitung der Bethmann Bank ist der Name der Kundin bekannt.«

Eine Anzeigepflicht nach dem Geldwäschegesetz bestand seinerzeit und besteht auch heute allerdings nur hinsichtlich von Transaktionen, wenn zugleich der Verdacht einer Geldwäsche gemäß § 261 StGB existierte  – heute besteht die Anzeigepflicht unabhängig von der Höhe des Betrages zusätzlich auch dann, wenn Terrorismusverdacht gehegt werden muß:

§ 11

Anzeige von Verdachtsfällen durch Institute

(1)  Ein Institut oder eine Spielbank hat bei Feststellung von Tatsachen, die darauf schließen lassen, daß eine Finanztransaktion einer Geldwäsche nach § 261 des Strafgesetzbuches dient oder im Falle ihrer Durchführung dienen würde, diese unverzüglich mündlich, fernmündlich, fernschriftlich oder durch elektronische Datenübermittlung den zuständigen Strafverfolgungsbehörden anzuzeigen. Eine angetragene Finanztransaktion darf frühestens durchgeführt werden, wenn dem Institut die Zustimmung der Staatsanwaltschaft übermittelt ist oder wenn der zweite Werktag nach dem Abgangstag der Anzeige verstrichen ist, ohne daß die Durchführung der Transaktion strafprozessual untersagt worden ist. Ist ein Aufschub der Finanztransaktion nicht möglich, so darf diese durchgeführt werden; die Anzeige ist unverzüglich nachzuholen.

http://archiv.jura.uni-saarland.de/BGBl/TEIL1/1993/19931773.1.HTML

Eine schlichte Steuerhinterziehung, wie sie die »allgemein bekannte Persönlichkeit« begangen hat, ist aber keine Vortat, wie sie der Geldwäscheparagraph 261 des Strafgesetzbuchs voraussetzt. Nach § 261 I Nr. 3 StGB kommen hierfür lediglich die gewerbsmäßige Einfuhr- und Ausfuhrabgabenhinterziehung gemäß § 373 AO und die gewerbsmäßige Steuerhehlerei gemäß § § 374 II AO in Betracht. Und die »dürfte« diese bekannte Persönlichkeit nun wirklich nicht begangen haben. Solche »Persönlichkeiten« begehen lediglich Steuerflucht ins steuerfreundlichere Ausland oder deklarieren ihre Einkünfte nicht.

Beihilfe zur Steuerhinterziehung lag jedenfalls vor, wie ja auch S. 3 des Sonderrevisionsberichts die systematische Beihilfe der HypoVereinsbank zur Steuerhinterziehung der vermögenden Kunden bis zum Jahr 1998 belegt. 1993 war die Zinsabschlagssteuer eingeführt worden, die die deutschen Banken zum Büttel der Finanzämter machte: da mußte doch was für die besonders guten Kunden getan werden… Sprich: verschleiernde Auslagerungen des sich durch Zinsen und Dividenden mehrenden Vermögens in die Schweiz zu Schweizer Tochterbanken, bei denen eine Quellensteuer noch nicht existierte. Darum geht es wirklich. Verwunderlich, daß angeblich kritische Journalistinnen das nicht verstehen.

Beate Lakotta hat schlicht Pech gehabt: sie plappert kenntnislos einer Justizministerin etwas nach, befangen in dem unbegreiflichen Kinderglauben, daß die nicht bloß politisch taktiere. Es wäre nicht schlecht, wenn die Journalistin einsehen könnte, daß der Fall Mollath für ein Loblied auf Rechtsstaat und Psychiatrie überaus ungeeignet ist. Hier die Antwort von Rechtsanwalt Thomas Stadler auf ihren SPIEGEL-Blog-Beitrag:

http://www.internet-law.de/2012/12/spiegel-autorin-antwortet-auf-meinen-blogbeitrag-zum-fall-mollath.html

Hier die Antwort von Dr. Hans Simmerl, Mainkofen:

http://www.gustl-for-help.de/analysen.html#Simmerl2

Und hier die von Oliver García:

http://blog.delegibus.com/2012/12/20/fall-mollath-meine-kritik-an-spiegel-autorin-war-zur-halfte-unberechtigt/

Andererseits läuft die Politikerin Merk natürlich Gefahr, von Lakotta »nüchtern betrachtet«, zu jemandem zu mutieren, der »Theater« macht, das »plemplem« ist. Denn untergräbt sie mit der Anordnung eines neuen psychiatrischen Gutachtens unter erstmaliger Zugrundelegung der Realität, nämlich des Revisionsberichts der HypoVereinsbank, und mit der Anweisung eines Wiederaufnahmeantrags durch die Staatsanwaltschaft Regensburg nicht höchstselbst »das Vertrauen in die Institutionen des Rechtsstaats« [Lakotta, SPIEGEL-Print, 17.12.2012, S. 19]?

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90157544.html

Es hat doch schließlich alles bestens funktioniert!

Weit gefehlt. Tatsächlich nahmen die Fehlleistungen in diesem Verfahren kein Ende. Sie setzten sich, sich unbarmherzig steigernd, fort.

Am 5.8.2004 erstattete Gustl Mollath insgesamt sechs Strafanzeigen, die er »Gemäß Strafprozessordnung § 158« an den Präsidenten des Amtsgerichts Nerlich, seit dem 1.10.2011 Generalstaatsanwalt in Nürnberg, richtete.

http://www.gustl-for-help.de/download/2003-2005-Mollath-Dokumente.pdf

Die erste war eine Wiederholung der bereits im November 2002 gegen den Bruder seiner Ex-Ehefrau erstatteten Strafanzeige nebst Strafantrag wegen Körperverletzung und Beleidigung, versehen mit einer genauen Sachverhaltsschilderung und unter Beifügung eines Attestes einer Notfallambulanz vom 23.11.2002 sowie Krankschreibungen vom 25. und 29.11.2002. Auch das Motiv des Übergriffs des Robert M. wurde bezeichnet:

Am Samstag den 23.11.2002 habe ich den Bruder meiner früheren Frau Petra Mollath, Robert M., und seine Lebensgefährtin Petra S. , aufgefordert die Schwarzgeldgeschäfte meiner Frau nicht länger zu unterstützen und auf sie einzuwirken, daß sie diese Geschäfte beendet.

Durch diese erneute Anzeige wollte er offensichtlich die Revision der damaligen staatsanwaltschaftlichen Entscheidung, ihn auf den Privatklageweg zu verweisen, erreichen, wenn sie, die Staatsanwaltschaft, denn den Zusammenhang aller gegen ihn gerichteten Verfolgungen begreife.

Die zweite richtete sich gegen seine Ehefrau wegen falscher Verdächtigung und Nötigung, da es aufgrund ihrer falschen Angaben über seinen Besitz von scharfen Waffen am 19.2.2003 zu einer massiven ergebnislosen Durchsuchung durch zwölf Polizeibeamte in seinem Haus gekommen war. Seine Frau, die ihn seit vierundzwanzig Jahren kenne, habe genau gewußt, daß er nie scharfe Waffen besessen habe, sondern sein Leben lang gegen Krieg und Waffen eingestellt gewesen sei. Mit dieser Aktion habe sie auf ihn Druck ausüben wollen, damit er mit seinen Versuchen, »die Schwarzgeldverschiebung und Pflege etc.« zu unterbinden, aufhöre.

Als Beweise – auch für seine politische Einstellung – bot er seine Verteidigungsschrift vom 24.9.2003, zwei an der Durchsuchung beteiligte namentlich bezeichnete Polizeibeamte und die beteiligten Richter an. Hierbei handelte es sich um ein Gegenverfahren gegen das gegen ihn gerichtete Verfahren 802 Js 5183/03, das seine Frau gegen ihn mittels unzutreffender Angaben eingeleitet hatte.

http://www.gustl-for-help.de/download/2003-01-31-Beschluss-Prot.-Hausdurchsuchung.pdf

Gerade diese Ermittlungen wegen wider besseres Wisssen erhobener Falschbeschuldigung wäre wichtig zur Ermittlung der Belastungstendenz der Ehefrau gewesen: die hatte ja nicht nur am 2.1.2003 auf das ihr wohlbekannte ererbte Luftgewehr Mollaths und auf eine angebliche Aussage Mollaths hingewiesen, wonach er eine Pistole besitze (die natürlich nicht gefunden wurde, weil es sie nie gab), sondern Polizei und Staatsanwaltschaft durch eine angesichts der Realität vollkommen unglaubhafte Befürchtung in Marsch gesetzt:

2012-11-21 Nürnberger Nachrichten (Michael Kasperowitsch):

(Bisher ist bei den Nürnberger Nachrichten kein Artikel zum Thema Mollath online gestellt, deshalb wird der Artikel hier in Auszügen dokumentiert und [kommentiert]):

Mollaths schneller Weg in die Psychiatrie

Die Justiz schenkte der Ehefrau fast blinden Glauben – „Mein Mann leidet unter Störungen“

[…]

Als Beweis für die Allgemeingefährlichkeit ihres Mannes hat die Ehefrau kurz vor Prozessbeginn 2003 bei der Polizei gewarnt, ihr Ehemann besitze zahlreiche Schusswaffen. „Ich befürchte, er könnte sie auch gegen mich einsetzen“, sagt sie bei der Zeugenvernehmung. Beamte drangen daraufhin in das Haus des Mannes ein. Gefunden haben sie nichts.

http://www.gustl-for-help.de/medien.html

In einem Rosenkrieg stehen Polizei und Justiz blind auf der Seite der Frau, die das geborene Opfer ist. Und Gegenanzeigen wegen falscher Verdächtigung haben Null Chance…

Die dritte Anzeige richtete sich gegen die Polizeibeamtin, die ihm bei der Festnahme am 30.6.2004 zwecks Zuführung ins Klinikum in Erlangen bewußt die Handschellen zu fest angezogen habe, worüber er sich gleich beschwert habe. Die Verletzungen seien unmittelbar bei Ankunft im Klinikum von Dr. Wörtmüller festgestellt worden. Auch hinsichtlich dieses Vorwurfs werden ein namentlich bekannter Polizeibeamter, der anwesende Gerichtsvollzieher und weitere sechs Zeugen benannt.

Die vierte Anzeige, Strafanzeige und Strafantrag gegen Rechtsanwalt Dr. Woertge wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vom 30.6.2004, bezieht sich auf den Umstand, daß dieser trotz bestehenden Hausverbots Mollaths Festnahme und Verbringung dazu genutzt habe, beim Gerichtsvollziehertermin am 30.6.2004 sein Haus zu betreten und dort »nach Unterlagen die die Schwarzgeldverschiebung in die Schweiz beweisen und seine Mandanten und Freunde belasten könnten«, zu durchsuchen. »Dabei hat er dafür gesorgt, daß sinnlos die Heizungskellertür beschädigt wird , ein Lichtgitter herausgerissen , Heizungsbe- und entlüftungsrohre zerstört und ein Kellerfenster eingetreten wurde.« Zudem äußerte er den Verdacht, daß Dr. Woertge diesen Gerichtsvollzieherauftrag in Absprache mit der Polizei arrangiert habe, um die Abwesenheit Mollaths auszunutzen.

Als Zeugen benannte er die Zeugen der dritten Anzeige und legte zur weiteren Orientierung sein Schreiben vom 4.8.2004 an Rechtsanwalt Woertge bei, der sowohl für Petra Mollath als auch für Gläubiger Mollaths tätig und seit Jahren mit dem neuen Lebensgefährten Petra Mollaths, Martin M., einem Direktor der HypoVereinsbankGroup, befreundet war. Dieser Brief, in dem Personen aus dem Freundes- und Bekanntschaftskreis des Anwalts benannt wurden, die – mit einer Ausnahme – auch ihm gegenüber schon in Erscheinung getreten waren, sollte später einen Tatverdacht gegen ihn wegen Sachbeschädigung begründen. Seinen Verdacht, daß Rechtsanwalt Dr. Woertge am 30.6.2004 nicht nur einer Pfändungsmaßnahme beiwohnen, sondern im Interesse seiner Mandantin Petra Mollath und ggf. von Freunden und Mandanten auf der Suche nach Beweismaterial Mollaths für die Machenschaften seiner Frau war, begründete er in diesem Schreiben u.a. so:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Dr. Woertge,

schon am 23.5. wollten Sie zusammen mit Ihrem Freund, schon aus Urzeiten Ihres 1. FCN-Handballvereins, Martin M., Direktor der HypoVereinsbankGroup, Petra Mollath, Ihrer Mandantin und früheren Mitarbeiterin der HypoVereinsbankGroup, als auch einem Mitarbeiter von Joachim Z. vom Altwagenhandel  L. (der wiederum Jahrzehnte mit Martin M. von der HypoVereinsbank befreundet ist), in mein Haus eindringen, um an Unterlagen zu gelangen, die die Schwarzgeldverschiebung der HypoVereinsbank und deren Vorläuferbanken in die Schweiz beweisen.

[Briefzitat im Urteil vom 8.8.2006, S. 15]

http://www.gustl-for-help.de/download/2006-08-08-Mollath-Urteil-Landgericht.pdf

Tatsächlich klingen im Sonderrevisionsbericht der HypoVereinsbank vom 17.3.2003, S. 15, entsprechende Befürchtungen an:

Es ist nicht auszuschließen, dass Herr Mollath die Vorwürfe bezüglich des Transfers von Geldern von Deutschland in die Schweiz in die Öffentlichkeit bringt. Er selbst spricht in diesem Zusammenhang auch vom „größten und wahnsinnigsten Steuerhinterziehungsskandal“, in dem [sic!] auch die HypoVereinsbank verstrickt sei. […] Dies birgt die Gefahr, dass er eventuell versucht, sein Wissen zu „verkaufen“. Hinzu kommt, dass Herr Mollath möglicherweise noch über vertrauliche Belege/Unterlagen aus dem Besitz seiner Frau verfügt.

http://www.swr.de/report/-/id=10583092/property=download/nid=233454/1t395cp/index.pdf

Im Urteil vom 8.8.2006 heißt es zu der Aktion vom 30.6.2004 auf S. 13:

Anlässlich einer Pfändung eines Ferraris schickte Gerichtsvollzieher Hösl die Ehefrau des Angeklagten, Petra Mollath und ihren Lebensgefährten weg, um Streitigkeiten zu vermeiden. Bei einem Zwangsöffnungsauftrag war Rechtsanwalt Woertge jedoch als Gläubigervertreter mit anwesend. Der Gerichtsvollzieher durchsuchte das Haus des Angeklagten nach eventuellen Vermögenswerten.

http://www.gustl-for-help.de/download/2006-08-08-Mollath-Urteil-Landgericht.pdf

In der Tat, das ist bemerkenswert, daß ein Rechtsanwalt mit u.a. dem Spezialgebiet Bank- und Kapitalanlagerecht höchstselbst eine schlichte Mobiliarpfändung begleitet. Und daß der Gläubigervertreter eine Zwangsöffnung beantragt hatte, weil man Mollath bereits in der Unterbringung gemäß § 81 StPO (Beschluß vom 22.4.2004)  in Erlangen wähnte, von deren Anordnung Dr. Woertge praktischerweise als Nebenklägervertreter der Ehefrau Mollaths wußte.

Wegen eines Mißgeschicks hatte sich deren Vollstreckung allerdings verzögert: der Einweisungsbeschluß war zunächst bei der unzuständigen Kriminalpolizeidirektion Nürnberg/ Kommissariat 12.1 gelandet, im übrigen nebst den Verfahrensakten, die dessen Leiter, KHK F., am 9.6.2004 dem Klinikum Erlangen – Dr. Wörthmüller – zusandte, während der Vollstreckungsauftrag am selben Tag an die zuständige Polizeiinspektion Nürnberg-Ost ging. KHK F. war übrigens der leitende Beamte bei der Hausdurchsuchung von Mollaths Haus am 19.2.2003  gewesen.

http://www.gustl-for-help.de/download/2004-06-09-Brief-Kripo-Forensik-Erlangen.pdf

Im Hinblick auf realitätsausklammernde Wahn-Diagnosen von weltfremd aktenauslegenden Psychiatern kann man gar nicht akribisch genug auf die Realien hinweisen, die sich aus der Akte, keineswegs aber aus dem die Fakten bewußt verschleierndem Urteil ergeben.

Die fünfte Anzeige vom 5.8.2004 richtete sich gegen den Arzt Dr. Michael Wörthmüller/Erlangen wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung, weil dieser ihn trotz Bejahung eigener Befangenheit in der Sache am 1.7.2004 noch weitere 6 Tage festgehalten habe, um ihn zu einem Deal – harmloses Gutachten gegen Verschweigen der Befangenheit und ihrer Gründe (seine freundschaftliche Nachbarschaft zu dem Finanzmakler Bernhard R., der wiederum mit zwei Ex-Mitarbeitern von Mollaths früherer Frau im Vorstand einer Vermögensanlage AG agierte) – zu bewegen. Zu der Plausibilität dieses Vorbringens gibt es bereits in Teil III nähere Ausführungen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/12/14/der-fall-gustl-mollath-rosenkrieg-und-versagen-von-justiz-psychiatrie-iii/

In Großbuchstaben, die seine Traumatisierung belegen, wird zu den Bedingungen der (rechtswidrigen) Unterbringung gemäß § 81 StPO erklärt:

Ich wurde über Tage in Vollisolations- Einzelhaft gequält , durfte in über eine Woche nur drei mal Hofgang machen . Bekam Kreislaufbeschwerden und eine Krampfader , mußte die Behandlung und jämmerliche Schreie um Hilfe, andere Häftlinge erleben . Konnte denen keine Hilfe leisten .Nachts wurde durch eine erzwungene Beleuchtung der Schlaf entzogen . Ordentliche Körperpflege war nicht möglich . Ich mußte mich nackt ausziehen .

Ich war 24 Stunden , Tag und Nacht , von einer Kamera beobachtet .

Fesselung ans Bett wurde mir angedroht . Essen war für mich ungenießbar .

Trotzdem ließ ich mich nicht zu der geforderten Abmachung zwingen .

Ich war fast aller meiner Rechte beraubt !

http://www.gustl-for-help.de/download/2003-2005-Mollath-Dokumente.pdf

Als Beweis legte Mollath das Schreiben mit der Befangenheitserklärung Wörthmüllers vom 1.7.2004 vor, das aber erst am 5.7.2004 ans Amtsgericht gefaxt wurde – eine  Verzögerung, die durchaus Fragen aufwirft. Als Zeugen benannte er u.a. Rechtsanwalt Bernd Ophoff, der ihn nach Vermittlung von Dr. Wörthmüller während der Unterbringung aufgesucht und ihn seit dem 6.7.2004 als Wahlverteidiger vertreten hatte.

Die sechste Anzeige richtete sich wiederum gegen seine frühere Ehefrau und deren neuen Lebensgefährten, die am 16.6.2004 versucht hätten, sein BMW-Krad zu entwenden; nachdem dies nicht gelungen sei, hätten sie jedenfalls den im Krad befindlichen Motorradschlüssel und seinen Hausschlüssel mitgenommen. Als Zeugen gab er wiederum den Gerichtsvollzieher, darüberhinaus den Mitarbeiter einer Aufzugsfirma an, der auf einer am Tatort gelegenen Baustelle tätig geworden sei (selbst deren Bauherrn führte er namentlich und mit Adresse an). Verbotene Eigenmacht im Rahmen von Zwangsvollstreckungen?

Präziser, konkreter, detailreicher und überprüfbarer wird ein Laie wohl kaum eine Strafanzeige erstatten können.

Danach, am 16.9.2004, ereilte ihn das nächste Ungemach: ein erneuter Beschluß des Amtsgerichts Nürnberg-Fürth, Richter am Amtsgericht Eberl, über eine höchstens fünfwöchige Unterbringung im Bezirkskrankenhaus Bayreuth zur Erstellung eines Gutachtens durch dessen Chefarzt Dr. Klaus Leipziger. Dieser Beschluß war genauso rechtswidrig wie der vorangegangene vom 22.4.2004, denn es war klar ersichtlich, daß der Angeklagte zur Mitwirkung an einer Exploration nicht bereit war, so daß eine Unterbringung zu reinen Beobachtungszwecken ausschied.

Über diesen Beschluß erregte sich Mollath sehr: am 23.9.2004 wandte er sich mit einer Beschwerde gegen diese Entscheidung, die er an den Präsidenten des Amtsgerichts und an Richter Eberl sandte.

http://www.gustl-for-help.de/download/2004-09-23-Mollath-Brief-Amtsgericht-Nbg.pdf

Hierin bat er, seine Strafanzeige vom 5.8.2004 auch zu den Akten seines Verfahrens zu nehmen, um den Gesamtzusammenhang der gegen ihn gerichteten Aktivitäten seiner früheren Frau, »die mich mit ihren Schwarzgeldverschieberfreunden perfide fertig machen will , weil ich mich gegen das perverse Spiel auflehne« deutlich zu machen, machte politische Ausführungen, ergänzte den Anzeigenvortrag um die Vorkommnisse mit Dr. Wörthmüller und begründete seine Beschwerde im Wesentlichen wie folgt:

Der Chefarzt Dr. Leipziger , Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth , ist sehr gut bekannt , wenn nicht befreundet , mit Dr. Wörthmüller. Der zu den Schwarzgeldverschieberkreisen zu zählen ist wie vorher nochmals beschrieben .

Ein ordentliches unparteiliches Gutachten wäre nicht zu erwarten .

Beweis: Schreiben von Dr. Wörthmüller  an das Amtsgericht Nürnberg , Herr Richter Eberl v. 5.7.04 s.Anlage [Das Schreiben, in dem Wörthmüller darauf verweist, daß er mit Dr. Leipziger gesprochen habe und daß dieser kurzfristig zur Übernahme des Gutachtenauftrags wie auch des Probanden bereit sei]

Außerdem werde ich gegen das skandalöse Schnellgutachten im Gerichtssaal von Dr. Lippert vorgehen . Weiteres versuche ich mit Rechtsanwalt Ophoff zu besprechen, sobald mit Ihm ein Gesprächstermin möglich ist.

Dr. Lippert weist aktuell, am 18.12.2012,  die Verantwortung für sein Gutachten, das den Stein so richtig ins Rollen brachte, natürlich der Justiz zu:

Doch wie sehr beeinflusst ein Gutachter das Urteil? Stehen die Richter gar vor ihrer schleichenden Entmündigung? Sachverständige wie Lippert und Wörthmüller wollen dies gerade nicht.

Kaum ein Prozess, in dem sie den Richtern nicht Entscheidungsalternativen nennen, etwa ausführen, dass es denkbar ist, dass der Angeklagte im Affekt handelte — aber auch eine geplante Tat nicht auszuschließen ist. „Die Entscheidung treffen die Richter“, sagt Lippert, „ich biete nur Erklärungen an!“

Vielleicht mögen seine Gutachten so vage ausfallen, wie er sie gegenüber den Nürnberger Nachrichten darstellt, ich weiß davon nichts, und bin ehrlich gesagt froh, Gutachten dieses regionalen Hausgutachters nicht zu kennen: im Fall Mollath hat er in seinem unfundierten mündlichen Gutachten vom 22.4.2004 dem Richter jedenfalls klare falsche Handlungsempfehlungen erteilt:

http://www.gustl-for-help.de/download/2004-05-05-Mollath-Amtsgericht-Einweisungsbeschluss.pdf

Auch Mollaths Wahlverteidiger, Rechtsanwalt Ophoff, legte Beschwerde ein. Und obwohl nach dem Beschwerdeschreiben Mollaths eindeutig feststand, daß dieser eine Untersuchung gerade durch den konkret beauftragten Gutachter  ablehnte, verwarf das Landgericht am 8.10.2004 – ob die Kammer des Vorsitzenden Richters am Landgericht, Otto Brixner, zuständig war, ist unbekannt – beide Beschwerden. Und verstieß damit gegen die verfassungskonforme Auslegung von § 81 StPO:

http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20011009_2bvr152301.html

Das Maß an Unrecht, das Mollath widerfuhr, war allerdings noch nicht voll.

Erst am 28.9.2004 hatte ihm der Präsident des Amtsgerichts mitgeteilt, daß seine Strafanzeige vom 5.8.2004 an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden sei. Am 4.10.2004 richtete Gustl Mollath eine Sachstandsanfrage (»Sehr geehrter Herr Oberstaatsanwalt Klaus Hubmann«) an die Staatsanwaltschaft – tatsächlich war Hubmann Leitender Oberstaatsanwalt und stand in der Zeit vom 1.8.1996 bis zum 30.6.2008 der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth vor, bis er am 1.7.2008 Generalstaatsanwalt in Nürnberg wurde.

http://www.justiz.bayern.de/gericht/olg/n/presse/archiv/2008/01483/index.php

Mollath legte seiner Sachstandsanfrage seine Strafanzeige vom 5.8.2004 und seine Beschwerde vom 23.9.2004 gegen den Unterbringungsbeschluß gemäß § 81 StPO bei. Das war ein schwerer taktischer Fehler. Denn in dem letztgenannten Schreiben hatte er auf eine Beziehung zu seinem Fall, dem ›Familienbetrieb‹ Diehl und LOStA Hubmann hingewiesen:

Rechtsanwalt Ophoff konnte von Dr. Wörthmüller bewegt werden  samstagmittag [3.7.2004] in die Klinik zu kommen , dennn ich bestand auf eine Rechtsberatung , weil ich sonst mit Ihm nicht über seinen Vorschlag verhandeln kann: er schreibt ein für mich passendes Gutachten , dafür bleibt seine Beziehung zu den Schwarzgeldverschiebern in Form von Bernhard R… (was ich ihm kurz vorher nachwies) unter uns .

Als er  Rechtsanwalt Ophoff hörte der Rüstungs – Familien Diehl clan spielt in meinem Fall eine Rolle sagte er kreidebleich : „Die schrecken ja auch vor Mord nicht zurück“, sprang auf und wollte gehen . Bei einem späteren Gespräch in der Kanzlei ( Dr. Wörthmüller hatte sich zu spät für befangen erklären müssen, da ich auf sein Geschäft, auch unter Folter, nicht ein ging ), meinte Rechtsanwalt Ophoff: „seien Sie doch froh  als ich sie besuchte , hätten Sie doch auch blödgespritzt sein können“.

http://www.gustl-for-help.de/download/2003-2005-Mollath-Dokumente.pdf

Darüberhinaus hatte er in seiner Beschwerdeschrift vom 23.9.2004, S. 3, erklärt:

Was ist in Deutschland, was ist in Nürnberg los ?

Z.B. 6 Nürnberger Rotary Clubs ( diese angelsächsische Erfindung unterwandert wie der Lions Club) mit karitativen Deckmäntelchen alle Entscheidenden Stellen unserer Stadt Nürnberg.

Karl Diehl ist Rotarier der ersten Stunde .

Klaus Hubmann , Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Nürnberg ist Stadthalter der Rotarier in Nürnberg .

Das Sekretariat, aller Rotary Clubs in Nürnberg, ist am Lorenzerplatz 21, innerhalb der Hauptstelle der HypoVereinsbank . Diese ist die Schwarzgeldverschiebende Bank gewesen !

Frühere Chefs meiner früheren Frau Petra Mollath, gehörten der HypoVereinsbank und dem Rotary- oder Lions-Club an . Die Klinik von Dr. Wörthmüller in Erlangen wird von Rotary- und Lions-Club unterstützt.

http://www.gustl-for-help.de/download/2003-2005-Mollath-Dokumente.pdf

Ist das ein Beweis für Wahn? Oder lediglich realistische Kenntnis spezifischer regionaler Verflechtungen? Letzteres scheint zuzutreffen, denn genauso ist es auch in der Zeitung zu lesen (und die Einstellungen der Verfahren der StA Nürnberg im Februar und April 2004 gegen die Firma Diehl wegen Steuerhinterziehung und Bedienstete der Oberfinanzdirektion, die eine engagierte kleine und daher abgestrafte Steuerbeamtin ausgebremst hatten, werden dem Behördenleiter seinerzeit auch noch mächtig in den Knochen gesessen haben). Die Journalisten Reitzner und Stoll von den Nürnberger Nachrichten faßten den Fall, der sich in den Jahren 1995 – 2004 abspielte, rückblickend so zusammen [Hervorhebung von mir]:

Neue Strafanzeige gegen Finanzamts-Chef

von Hans Peter Reitzner und Sabine Stoll

Diehl-Affäre: Es geht um die Beurteilung einer Betriebsprüferin – 15.07.2009

NÜRNBERG  – Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) sieht keinen Grund, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in der Diehl-Affäre neu zu bewerten oder die gemaßregelte Betriebsprüferin des Finanzamtes zu rehabilitieren. Doch die juristischen Spätfolgen des Steuerstreits befassen die Staatsanwälte noch immer: Eine neue Strafanzeige gegen einen damals leitenden Finanzbeamten ist nach Informationen unserer Zeitung gestellt worden.

Der Vorwurf der Anzeige und des Strafantrags: Verdacht des Betrugs, der Untreue, der Urkundenfälschung, der Verletzung der Amtspflichten und der Falschaussage vor dem Verwaltungsgericht Ansbach durch den damaligen Vorsteher des Zentralfinanzamtes Nürnberg, einen Leitenden Regierungsdirektor. Wie unsere Zeitung aus Justizkreisen erfahren hat, geht es um die (mutmaßlich zu negative) Beurteilung der Betriebsprüferin, die dagegen gekämpft hatte, dass der Rüstungskonzern Diehl von einer Steuerschuld von über 30 Millionen Euro befreit wurde. Die Staatsanwaltschaft muss nun prüfen, ob ein Anfangsverdacht besteht.

Stahl fordert Rehabilitation

Die Bündnisgrünen im bayerischen Landtag hatten sich (wie berichtet) in die Steuer-Affäre eingeschaltet. Die Nürnberger Abgeordnete Christine Stahl forderte das Justiz- und das Finanzministerium auf, die Betriebsprüferin zu rehabilitieren. Stahl bezog sich in Schreiben an Justizministerin Merk und Finanzminister Georg Fahrenschon (beide CSU) auf die Berichterstattung der Nürnberger Nachrichten über bisher der Öffentlichkeit nicht bekannte Details des Verfahrens. Bis hinauf in die Ministerien seien die Informationsstränge gelaufen; eine Einflussnahme auf die Ermittlungen könne nicht ausgeschlossen werden.

Bei zwei lukrativen Deals des Rüstungsunternehmens mit Rheinmetall- und Krauss-Maffei-Aktien hätten nach Ansicht der Finanzbeamtin die Gewinne versteuert werden müssen; der Konzern müsse 60 Millionen Mark abführen. Diehl verwahrte sich stets gegen diese Sicht; die Oberfinanzdirektion (OFD) gab dem Konzern recht. Als die Betriebsprüferin beharrlich bei ihrer Ansicht blieb, wurde sie von der OFD angewiesen, die Betriebsprüfung abzuschließen und die Beteiligungen als Privatvermögen anzuerkennen. Die Finanzbeamtin wehrte sich – mit der Folge, dass ihr der Fall entzogen wurde.

Strafanzeige gegen Diehl

Sie stellte Strafanzeige und Strafantrag gegen den damaligen Seniorchef Karl Diehl und die Verantwortlichen bei der OFD: wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe dazu. Die Staatsanwaltschaft ermittelte intensiv und sah in einem Gutachten eines Experten den Verdacht der Steuerhinterziehung bei Diehl und der Untreue bei Beamten der OFD. Dann der Skandal: Die Durchsuchung der Dresdner Bank Luxemburg (DreBaLux) wurde angeordnet, doch die luxemburgische Finanzpolizei stellte den Durchsuchungsbeschluss der Bank nach Informationen unserer Zeitung drei Monate vor dem Besuch zu (!) – Folge: Die wichtigsten Unterlagen waren vernichtet.

Danach sah die Nürnberger Justiz keine Handhabe mehr. Die Ermittlungsverfahren wurden im Februar und im April 2004 eingestellt.

Zu Einzelheiten vermöge sie «angesichts des inmitten stehenden Steuergeheimnisses» nicht Stellung zu nehmen,antwortet Justizministerin Merk nun lapidar – wie zuvor Fahrenschon – auf Stahls Anfrage. Das Gutachten des Experten der Staatsanwaltschaft habe die zentrale steuerliche Frage nicht abschließend geklärt. Die strafrechtlichen Ermittlungen hätten keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben. Eine «unbotmäßige Einflussnahme» von oben sieht Merk nicht.

Steuerbefreiung höchst umstritten

Fest steht allerdings, dass die Steuerbefreiung für Diehl auch in der Oberfinanzdirektion Nürnberg selbst höchst umstritten war. Zahlreiche leitende Beamte seien davon überzeugt gewesen, dass der Deal hätte besteuert werden müssen, berichten pensionierte Finanzbedienstete unserer Zeitung; der Verdacht der Einflussnahme aus München und sogar aus Berlin sei Tagesgespräch gewesen. Auch der angebliche Einfluss von Rotary-Clubs war Gegenstand lebhafter Spekulationen – führende Finanzbeamte, Staatsanwälte und Seniorchef Karl Diehl sind oder waren bekennende Rotarier.

Der damalige Hauptpersonalrat Josef Bugiel beim Finanzministerium sprach bei einem Besuch von «nicht nachvollziehbaren und sehr personenbezogenen Entscheidungen» bei der OFD Nürnberg und kritisierte den damaligen OFD-Präsidenten. Die Rotary-Mitgliederliste lag immerhin demonstrativ in dessen Vorzimmer aus.

http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/nuernberg/neue-strafanzeige-gegen-finanzamts-chef-1.551870

Daß die beiden Journalisten wahnhaft Realitäten verbiegen, wird wohl nicht einmal ein Psychiater behaupten. Unangenehm war zudem auch das Geschmäckle, das die im Jahr 2004 das Verfahren gegen Diehl und die pro Diehl beeinflussenden Beamten der Oberfinanzdirektion einstellende Staatsanwältin umgab:

Schwägerin der Staatsanwältin arbeitet bei Diehl

Trotz allem verliefen die Ermittlungen im Sand. Im Februar und im April 2004 wurden die Verfahren gegen Diehl und die OFD eingestellt. Besonders pikant ist, dass das Verfahren damals ausgerechnet von einer Staatsanwältin geführt und schließlich eingestellt wurde, deren Schwägerin wenige Monate später, am 1. Dezember 2004, eine Stelle bei Diehl angetreten hat. Zwei Jahre später wurde die dann 35-jährige Betriebswirtin Prokuristin und stieg in den Vorstand der Diehl Verwaltungs-Stiftung auf. Das sei schon sehr merkwürdig, dass Verfahren innerhalb der Familie eingestellt werden, ätzt auf Anfrage Rechtsanwalt Rainer Roth, der die Betriebsprüferin vertreten hat.

Die Justiz sieht das anders. Die Staatsanwältin «stand in keinem Verhältnis zu einem der Verfahrensbeteiligten, das geeignet gewesen wäre, ihre Objektivität in Zweifel zu ziehen«, so Sprecher Andreas Quentin.Der Umstand, dass eine Schwägerin der Sachbearbeiterin viele Monate nach der Einstellungsverfügung in ein Anstellungsverhältnis bei einer Verfahrensbeteiligten trat, sei ohne Bedeutung.

Die im Juli 2008 gestellte Strafanzeige gegen Finanzbeamte führte nicht einmal mehr zu Ermittlungen. Die «angezweifelte steuerliche Festlegung war bereits Gegenstand eines früheren Ermitttlungsverfahrens. Dort konnten keine Unregelmäßigkeiten festgestellt werden«, sagt Quentin. Diehl und die Beteiligten wollten sich trotz Anfragen unserer Zeitung bislang nicht zu den Vorwürfen äußern.

Hans Peter Reitzner und Sabine Stoll

http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/nuernberg/geheimgutachten-deal-mit-diehl-1.525735

Auch Wilhelm Schlötterer, jetzt für den Unterstützerkreis von Gustl Mollath wirkend, hat sich eingehend mit diesem Fall befaßt:

Wilhelm Schlötterer hat nicht nur 30 Jahre im Finanzministerium gearbeitet, er ist auch seit über 30 Jahren CSU-Mitglied ­– und will es bleiben. Die Machenschaften an der Spitze, die er beschreibt, will er sauber getrennt wissen von der tadellosen Arbeit ungezählter Landräte, Kommunalpolitiker und einfacher Mitglieder der Partei. Der Mann ist geradlinig.

Wilhelm Schlötterer: Macht und Missbrauch – Franz Josef Strauß und seine Nachfolger, 412 Seiten, Fackelträger Verlag, Köln 2009.

http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/nuernberg/diehl-ministerialbeamter-stutzt-abgestrafte-betriebspruferin-1.596733

Eins ist klar: der Behördenleiter der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, der auf eine Karriere hoffte, wie sie ihm dann ja auch über die übliche Politschiene zuteil wurde, konnte just im Jahr 2004, als die umstrittene Einstellung des Verfahrens gegen die Fa. Diehl und die sie begünstigenden Beamten der Oberfinanzdirektion erfolgte, einen neuen und alten Schlamm aufwühlenden Mollath ganz und gar nicht gebrauchen. Er stand schließlich mächtig unter dem Druck von Generalstaatsanwalt und Justizministerium:

Der Leitende Oberstaatsanwalt hatte schon all die Monate über immer wieder über den Fortgang an den Nürnberger Generalstaatsanwalt, dem der bayerische Ministerpräsident Weisungen erteilen kann, berichten müssen. Auch ein Ministerialrat des CSU-geführten Justizministeriums löchert in einem Schreiben die Nürnberger Staatsanwälte mit Fragen: worauf sie denn ihren Verdacht stützen; er äußert Zweifel am Rechtshilfeersuchen «angesichts der bekannten Schwierigkeiten mit Luxemburg in Steuerstrafsachen«.

http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/nuernberg/diehl-steueraffare-polizei-meldet-sich-an-1.525731

Nur so ist zu erklären, was auf Mollaths präzise Strafanzeige vom 5.8.2004 hin geschah: sie wurde nicht einmal ins Js-Register für Strafsachen, sondern ins AR-Register für außerrechtliche Angelegenheiten eingetragen: 807 AR 233174/04 – da kommt man ja ins Grübeln: befindet sich in Nürnberg etwa eine Querulantenhochburg, in der sich bis August/September 2004 über 233.000 querulatorische Eingaben ansammeln? Man kann es nicht glauben, und die unterzeichnende Staatsanwältin ist gewiß nicht allein verantwortlich für den unsäglichen Bescheid vom 20.10.2004, den sie unter diesem Aktenzeichen verfaßte:

Ermittlungsverfahren [sic! unter AR-Aktenzeichen!]

gegen Petra Mollath

Robert F. M.

Dr. Jur. Hans Georg Wöertge

Martin M.

Michael Wörthmüller

wegen Nötigung u.a.

Strafanzeige vom 05.08.2004

Sehr geehrter Herr Mollath,

von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens habe ich mit Verfügung vom 13.10.2004 gemäß § 152 Abs. 2 Strafprozeßordnung abgesehen.

Gründe:

Gemäß § 152 Abs. 2 Strafprozeßordnung ist ein Ermittlungsverfahren wegen verfolgbarer Straftaten nur dann einzuleiten, wenn hierfür zureichende tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen. Diese müssen es nach den kriminalistischen Erfahrungen als möglich erscheinen lassen, daß eine verfolgbare Straftat vorliegt.

Bloße Vermutungen rechtfertigen es nicht, jemandem eine Tat zur Last zu legen.

[…]

http://www.gustl-for-help.de/download/2003-2005-Mollath-Dokumente.pdf

Da hat sie zwar die Anzeige gegen die Polizeibeamtin wegen Körperverletzung im Amt im Rubrum vergessen, aber was soll‘s. Bloße Vermutungen? Man faßt das Ausmaß dieser Rechtsverweigerung schlicht nicht.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg hatte, per ordre mufti, Gustl Mollath pflicht- und rechtswidrigerweise als Querulanten, der dem Betrieb ein Dorn im Auge war, ausgesteuert. Dabei beruhten alle seine Anzeigen auf präzisen Behauptungen, die durch Beweisantritte belegt wurden und deren Realitätsgehalt durch Beiziehung der einschlägigen Akten (Verfahren wegen Körperverletzung gegen den Bruder seiner geschiedenen Ehefrau, Verfahren gegen Mollath wegen unerlaubten Waffenbesitzes, das gegen ihn gerichtete Verfahren, seine Strafanzeige wegen Steuerdelikten) bestätigt worden wären.

Am 27.10.2004 verfaßte Mollath eine Beschwerde gegen diesen unglaublichen Bescheid, der schlichtweg ein Skandal ist, viel schlimmer noch als die rechtswidrige Nichtbearbeitung seiner Anzeige wegen Steuervergehen vom 9.12.2003. Und spätestens jetzt wäre auf einen weiteren Grund einzugehen, warum er es sich buchstäblich mit der Nürnberger Justiz ›verscherzt‹ hatte: sein grimmig-anarchischer Humor à la Herbert Achternbusch.

http://www.gustl-for-help.de/download/2004-10-27-Mollath-Beschwerde-Staatsanwalt-Nbg.pdf

Denn diese Beschwerde hatte er nicht nur an den Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Heinz Stöckel, sondern auch an Oberstaatsanwalt Klaus Hubmann, c/o HypoVereinsbank/c/o Rotary Club Nürnberg, Sekretariat aller Rotary Clubs in Nürnberg In der Hypovereinsbank adressiert. Seine ansonsten sachliche Sachstandsanfrage vom 4.10.2004 trug unter dem Datum folgende Unterzeilen:

Noch 88 Tage bis Jahresende

1924 Geburtstag von Charlton Heston [recte: 4.10.1923]

„Planet der Affen“ machte Ihn berühmt

Und dank seines früheren Pflichtverteidigers seit dem 3.12.2003, Rechtsanwalt Dolmany, auch weiterhin der wohlverstandenen gerichtsnahen Verteidigung verpflichtet, wissen wir, wie Gustl Mollath sich im Dezembertermin des Jahres 2003 verhielt, als der Fall mit der ersten Gutachterbeauftragung in der Hauptverhandlung vom 25.9.2003 (bei der er unverteidigt war) bereits eine vorentscheidende Prägung erhalten hatte:

„Ich habe Herrn Mollath erst im Prozess kennengelernt. Er hatte bis zur Hauptverhandlung keinen Kontakt zu mir gesucht, sich aber auch keinen anderen Pflichtverteidiger ausgewählt, was er hätte tun können“, schildert der Anwalt. Er erinnert sich noch genau, wie er dann seinem Mandanten erstmals im Sitzungssaal begegnete. Der sei schick gekleidet gewesen mit einem edlen Sakko, aus dessen Brusttasche eine Zahnbürste herausgeschaut habe. Auf Dolmánys Frage, was dies zu bedeuten habe, habe Mollath geantwortet: „Ich komme ja sowieso ins Gefängnis.“ Er, der Anwalt, habe ihm dann erklärt, dass er im Falle eines Geständnisses mit Bewährung rechnen könne. Doch von Mollath sei keine Reaktion gekommen. In der Verhandlung habe der Angeklagte vor sich auf dem Tisch plötzlich Bücher und Broschüren über die Nürnberger Prozesse ausgebreitet und während der Anklageverlesung demonstrativ darin geblättert. „Da nahm das Schicksal seinen Lauf“, meint Dolmány. „Er hätte ja sagen können: Ich war’s nicht, die Anklage ist falsch.“ Doch Mollath habe sich nicht geäußert.

http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/nz-news/wer-ist-gustl-mollath-wirklich-1.2576199

Hat sich der gerichtlich genehme Pflichtverteidiger jemals gefragt, ob billige anwaltliche Ratschläge à la ›Geständnis bringt Bewährung‹ existenziell getroffenen Angeklagten etwas nutzen? Angeklagten, die nicht bereit sind, mitzuspielen?

Subversive Happenings und anarchischer Witz kommen in der Justiz allerdings gar nicht gut an, und Generalstaatsanwälte werden, nicht nur in Bayern, nach zuverlässiger politischer Funktionstüchtigkeit ausgewählt: daran ändert der Umstand, daß ihr Status als ›Politischer Beamter‹, der jederzeit ohne Angabe von Gründen durch das Ministerium in den Ruhestand versetzt werden kann, sukzessive flächendeckend abgeschafft worden ist, gar nichts. Ihre Ernennung ist eine politische Machtfrage, wie gerade die Ernennung des Präsidenten des Amtsgerichts Nürnberg, Hasso Nerlich, zum Generalstaatsanwalt in Nürnberg belegt:

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.posten-poker-mauschelei-bei-der-justiz-nuernberger-richter-kaltgestellt.1c33ac3a-0bf3-4d4b-a999-e616c8efa1ed.html

Im Hinblick auf diese Verflechtungen von Politik und Justiz, bei denen es nur tertiär um Eignung für den Job geht (inwiefern hat ein Amtsgerichtspräsident überhaupt Ahnung von Strafrecht und Staatsanwaltschaften?), ist es, objektiv betrachtet, natürlich ungeschickt, den Familienkonzern Diehl zu thematisieren. Denn der spielt, nicht nur in Nürnberg oder Bayern, in einer anderen Liga.

http://www.franken-wiki.de/index.php/Karl_Diehl

Das schreckte Mollath nicht. Er machte keine Kompromisse. In seiner Beschwerde vom 27.10.2004 führte er u.a. aus:

Auch das Umfeld des Familien-Rüstungs-Konzerns-Diehls ist mehrfach betroffen.

Kleines Beispiel : sogar das Schwarzgeld der Haushaltshilfe der Familie Diehl wurde durch die Hypobank und deren Mitarbeiter auser Landes , in die Schweiz, zur Tochter Bank  AKB in Zürich , geschafft. Dann Bank von Ernst. Dann von Dieter Rampl an Angelsachsen verhöckert .

Coults Bank , Royal Bank of Scotland.

http://www.gustl-for-help.de/download/2004-10-27-Mollath-Beschwerde-Staatsanwalt-Nbg.pdf

Im übrigen half es natürlich nicht, daß die berechtigte Beschwerde gegen die Staatsanwältin wegen der Ablehnung der Aufnahme von Ermittlungen nicht begründet wurde, sondern sich in politischen und ökonomischen Betrachtungen rund um die Firma Diehl, die HypoVereinsbank, Edmund Stoiber, den Rotarier Hubmann und die Kriege im Irak und in Afghanistan erschöpfte. Hier nur ein kleiner Auszug:

Als ich hörte , daß der Diehl-„Familien“-Waffenkonzern sogar Streubomben produziert und die Bundeswehr 1.000 sende davon auf Lager hat , alles gegen das Völkerrecht und gegen unser Grundgesetz , war bei mir schluß.   Ausprobiert wurden die Diehl Horrowaffen, durch die NATO im Kosovo Krieg !

Eins muß man Gustav Mollath lassen: sein Gespür dafür, wer machtlos ist (nämlich er selbst) und wer Macht hat (u.a. die Justiz, die Psychiatrie und die Firma Diehl), war gut entwickelt. Der Einfluß solcher Konzerne erstreckt sich bis nach Berlin:

Diehl

Österreich erlaubt Diehl-Munition

Paradox: Dass Österreich vor knapp 14 Tagen das Oslo-Abkommen zum Verbot von Streumunition ratifiziert hat, ist vor allem ein Erfolg für die deutsche Waffenindustrie. Das im Januar 2008 in Kraft getretene österreichische Streumunitionsverbot wurde entsprechend deutscher Geschäftsinteressen aufgeweicht.

Ursprünglich war auch das Geschoss SMArt 155, hergestellt von der „Gesellschaft für intelligente Wirksysteme“ (GIWS), einer Kooperation der deutschen Rüstungskonzerne Diehl und Rheinmetall, in Österreich verboten. Als Streumunition. Diese Zeiten sind mit der Ratifizierung des Oslo-Abkommens vorbei. Das Gesetz wurde entsprechend modifiziert. SMArt wird künftig in Österreich erlaubt.

Im Oslo-Abkommen wurde die SMArt 155 auf Druck der bundesdeutschen Delegation vom Verbot ausgenommen (Eine Broschüre zur Diskussion um das Verbot von Streumunition). „Die Bundesregierung ist in Oslo als Handelsvertreter der deutschen Rüstungsindustrie aufgetreten und hat im Verbotsvertrag Ausnahmen durchgesetzt, die exakt auf die Produktbeschreibung von Diehl zutreffen“, sagte dazu Grünen-Chefin Claudia Roth Anfang März. Es habe einen „Deal für Diehl” gegeben. Zwar sagt Roth: „Ich werde die SMArt 155 weiter als das bezeichnen, was sie in meinen Augen ist: Als Streumunition.”

Aber: Der Deal wirkt. Diehl und Rheinmetall garantieren den Abnehmern ihrer Kriegswaffe angesichts des Einsatzes der Bundesregierung: „Die Beschaffung ist OHNE RISIKO.“ Ein Verbot scheint man nicht zu befürchten, schlechte Publicity versucht man zu vermeiden(Zum taz-Artikel „Waffen bauen, Sprache säubern”).

[…]

http://www.regensburg-digital.de/osterreich-erlaubt-diehl-munition/15042009/

Mollath hatte von der Nürnberger Justiz keine Gerechtigkeit zu erwarten. 2004 war schlecht gelaufen. 2005/2006 sollte noch viel schlimmer werden.

(wird fortgesetzt)

Update (23.12.2012)

Wem das Warten aufs Christkind zu lang wird, den möchte ich auf folgende Qualitätsbeiträge hinweisen: reichlich verspätet auf Sascha Pommrenkes blitzsaubere Analyse des Lakotta-Blogbeitrags vom 19.12.2012:

“Bitte um entsprechende Belege”

Wer Recht erkennen will,
muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben.
Aristoteles

Aufgrund des manipulativen „Behauptungsjournalismus“ von Beate Lakotta auf spiegel online hatte ich mich mit der Art und Weise der „Berichterstattung“ im Fall Mollath auseinandergesetzt. Andere Blogger und Kommentatoren haben sich mal mehr mit den juristischen Aspekten und mal mehr mit den psychiatrischen beschäftigt.

Nun ist Lakotta wohl der Meinung sie müsse ihren Ruf retten und hat auf spon zwei „Briefe“ veröffentlicht. Zum einen „antwortet“ sie auf Oliver Garcias Einlassungen und zum anderen auf die Kommentierung von Thomas Stadler.

[…]

„In der vergangenen Woche habe ich auf SPIEGEL ONLINE über den Fall Gustl Mollath berichtet und den Fall in einem Kommentar im SPIEGEL dieser Woche noch einmal aufgegriffen.“

Da wird man schon im ersten Satz wieder völlig überrascht. Sie hat über den Fall berichtet. Ich kenne jedenfalls keinen solchen Artikel in dem sie das getan hätte. Von Bericht, also einer Tatsachenbeschreibung ohne eigene Wertung, kann nicht im Geringsten die Rede sein. Aber auch hier ist die Richtung sofort klar. Sie als Journalistin ist nur ihrem beruflichen Auftrag nachgegangen und hat berichtet. Damit ist schon einmal die Selbstpositionierung eingeleitet: sie ist der Profi.

[…]

http://www.humana-conditio.de/?p=191

Und dann gab es heute noch so ein Kabinettstückchen, aus dem ich die besten Teile weglasse, um die Leserneugier zu befördern:

 

Gustl for help II: Der Fall Mollath und die Ferndiagnosen

Wolfgang Michal |

In der Forensik scheint es üblich zu sein, Menschen zu begutachten, die man gar nicht persönlich kennt. Das erleichtert die Arbeit und fördert die Neigung zur Wegschließung.

23.12.2012 |

[…]

Machen wir deshalb ein kleines gemeines Experiment. Ich verfahre bei der Beurteilung des Gutachters Hans-Ludwig Kröber einmal so wie ein “Papier-Gutachter” im Fall Mollath. Dann käme folgende ferndiagnostische Beweiskette aufgrund von Akten zustande:

[…]

Wäre aufgrund dieser Ferndiagnose nicht auch eine fortdauernde Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung leicht zu begründen? Ließe sich mit etwas bösem Willen – rein nach Aktenlage – nicht ein zünftiges Negativ-Gutachten zusammenzimmern?

Nein, werden kritische Leser da völlig zu Recht einwenden. Denn Kröber habe seinem Wahn ja beizeiten abgeschworen, er habe “Krankheitseinsicht” gezeigt und sei – nach seinen Taten – zu einem nützlichen Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft geworden. Mollath dagegen beharre stur auf seinem Wahn. Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt, der im Fall Mollath umstritten ist: Es ist eben doch der “Wahn” (der “Schwarzgeldwahn”) und nicht – wie behauptet – die vor 12 Jahren begangene Beziehungstat, die Mollath den fortgesetzten Freiheitsentzug beschert. Er wird nicht wegen seiner Gemeingefährlichkeit festgehalten, sondern wegen seiner Verweigerungshaltung. Und deshalb sprengt das Vorgehen gegen Mollath die gebotene Verhältnismäßigkeit.

Vielleicht sollten sich manche Gutachter der Forensik die Möglichkeit, eines Tages selbst in die Mühlen der Justiz und der forensischen Psychiatrie zu geraten, wenigstens in stillen Stunden einmal vor Augen führen.

Lesen Sie dazu auch Teil 1: Gustl for help: Darf man den Fall Mollath allein der Justiz überlassen?

http://carta.info/52068/gustl-for-help-ii-der-fall-mollath-und-die-ferndiagnosen/

Update (25.12.2012)

Nun hat Ursula Prem in ihrem medienkritischen Artikel

Presseskandal um Gustl Mollath

auch noch den letzten Funken der Illusion ausgelöscht, daß Rückert & Co. lediglich von allen guten Geistern verlassen waren, als sie ihren „Ein Kranker wird Held“-Artikel verfaßten. Nein, dem Unterfangen liegt ein ethischer und moralischer Substanzverlust zugrunde, den ich niemals bei der ZEIT verortet hätte.

In ihrem Artikel vom 14.12.2012 schrieb die ZEIT:

»Auch der Unterstützerkreis des Gustl Mollath ermittelt: Hier sucht man einen prominenten Verteidiger für die Wiederaufnahme. Offenbar traut man den Beteuerungen der Staatsanwaltschaft nicht.  Florian Streibl von den Freien Wählern hat den Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate akquiriert. Der hat Gustl Mollath in der Psychiatrie besucht, drei Vollmachten hatte er dabei – Mollath hat nicht unterschrieben. Dabei hätte Strate nicht einmal Geld verlangt. Will Mollath etwa gar keine Wiederaufnahme? Hat er sich in der Rolle des Märtyrers der bayerischen Strafjustiz eingerichtet?«

Welches Gefühl hinterlässt diese Darstellung beim unbefangenen Leser? – Ganz klar: Mollath kann wirklich nicht ganz dicht sein, wenn er in seiner Situation einen erfahrenen Staranwalt, der ihm seine Hilfe anbietet, unverrichteter Dinge wieder ziehen lässt. Hat er vielleicht doch nicht alle Latten am Zaun? Oder ist er auf derart unsympathische Weise arrogant, dass der Schritt zur Gefährlichkeit nur noch klein ist?

[…]

Rechtsanwalt Dr. Gerhard Strate selbst kommentierte den Vorgang mir gegenüber folgendermaßen:

»Der Hinweis von Frau Rückert [Anm.: Sabine Rückert, Journalistin und Mitglied der ZEIT-Chefredaktion] auf die nicht unterschriebenen Vollmachten ist besonders deshalb anstößig, weil sie mir in dem mit ihr fünf Tage vor der Veröffentlichung in der ZEIT geführten persönlichen Gespräch zugesagt hatte, alle Zitate durch mich autorisieren zu lassen. Indem sie mich nicht als Quelle zitierte, schien sie sich offenbar der Verpflichtung zur Autorisierung enthoben zu fühlen. Ich hatte ihr lediglich deshalb von den Vollmachten erzählt, weil die Reaktion von Mollath, vor Unterzeichnung der Vollmachten zunächst noch mit der für ihn bisher tätigen Rechtsanwältin Rücksprache nehmen zu wollen, gerade ein Ausweis überlegten und auch moralisch gebundenen Handelns war. Ich bekomme im Jahr mindesten fünfzig/sechzig Briefe von tatsächlich oder angeblich Unschuldigen aus Deutschlands Knästen und geschlossenen Anstalten, von denen in vergleichbarer Situation bestimmt jeder sofort unterschrieben hätte. Gerade dass Mollath dies nicht sofort getan hat, zeichnete ihn für mich aus.«

[…]

http://www.newsandbuy.de/Presseskandal_Gustl_Mollath.htm

Hier geht es zur Fortsetzung:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2013/01/01/der-fall-gustl-mollath-rosenkrieg-und-versagen-von-justiz-psychiatrie-v/