Deutschland gegen Portugal und Viecher & Blühgut: Fußball und Garten als Welt in der Nußschale

Es mag wichtigere Themen geben. Die Eurokrise beispielsweise, auch Finanzkrise, am liebsten aber Schuldenkrise genannt, die durchs Armsparen des Volkes, Reduzierung der staatlichen Steuereinnahmen und Abwürgen der Wirtschaft geheilt werden soll. Geht’s noch dümmer? Das kann doch allenfalls kurzfristig im Billiglohnland eines Exportweltmeisters klappen, der auf Binnennachfrage nicht groß angewiesen ist… Einzig genial in diesem Tollhaus war die Strategie der Finanzmarktlobbyisten, die es vermochten, das Wort Bankenkrise klammheimlich aus dem Diskurs zu entfernen. Das hat bis vor wenigen Tagen geklappt. Jetzt, wo Spaniens Banken wanken, ist das Wort endlich wieder im Spiel.

Womit wir im Leben angekommen sind. Denn was ist der Euro gegen die Europameisterschaft im Fußball, was herumfuchtelnde Weltuntergangs-Demagogie gegen die wahren Dramen hinter dem Gartenzaun?

Diesen Krempel hier lassen wir, zwei recht, zwei links, schlicht fallen und freuen uns auf das einzig wichtige Endspiel:

06.06.2012

Schuldenkrise

Ahnungslos in die Euro-Dämmerung

Eine Kolumne von Wolfgang Münchau

Die meisten Bürger ahnen es noch nicht, doch das Endspiel um den Euro hat begonnen: Entweder Europas Regierungen schaffen noch schnell eine politische Union oder die Währungsgemeinschaft zerbricht. Egal, für welchen Weg sie sich entscheiden – für eine billige Lösung ist es wahrscheinlich längst zu spät.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/wolfgang-muenchau-die-euro-zone-steht-vor-dem-zusammenbruch-a-837214.html

Werfen nur noch einen kurzen Blick zurück und fragen uns, was gewesen wäre, wenn Dominique Strauss-Kahn der Kanzlerin am 15.5.2011 massiv klargemacht hätte, daß Griechenland sofort geholfen werden müsse, um den Dominoeffekt zugunsten der gegen die Eurozone Spekulierenden zu vermeiden: wäre sie dann endlich endlich bereit gewesen, der widerlichen anti-Griechenland-BILD-Kampagne entschlossen die Stirn zu bieten?

Aber so ist das mit den Medien und den von ihnen erzeugten Stimmungen immer wieder: da legte die deutsche Mannschaft ein erstes Spiel hin, bei dem die Zuschauerin zu keinem Zeitpunkt die Ahnung beschlich, sie könne es verlieren. Eine solide stehende Abwehr, ein hervorragender Torhüter, gelungene Kombinationen im Mittelfeld – nur mit der Dynamik im Angriff haperte es noch etwas: die verständliche Angst, Fehler zu machen, bremste den Elan. Noch ist die Elf eben nicht eingespielt. Dann wird das Spiel sogar mit einem grandiosen Tor von Gomez in der 72. Minute gewonnen – und trotzdem wird genörgelt, was das Zeug hält. Der Fernseh-Kommentator Gottlob hielt nicht, was sein Name versprach, fand mithin Lahm zu lahm, Schweinsteiger nicht weltmeisterlich genug (obwohl es ja nur um die Europameisterschaft geht) und den überwiegenden Ballbesitz sowie die Spielkontrolle der deutschen Mannschaft nicht weiter der Rede wert.

So einigten sich die zur Einheitsmeinung tendierenden Medien rasch auf die Formel des glücklichen Siegs. Als ob Portugal die bessere Mannschaft gewesen wäre und der deutsche Sieg unverdient. Wie hätten sie wohl getönt, wenn die Deutschen es wie die Niederländer gemacht hätten: überlegen gespielt, aber 0:1 verloren? Auch die nölende Trantüte, die das Spiel Frankreich gegen England in Grund und Boden redete, paßt ins Bild. In der 70. Minute tönte sie, daß sich die Fehlpässe häuften, daß sich die Mannschaften nicht mehr weh tun würden, ein Nichtangriffspakt zum Halten des 1:1 sei zu besichtigen… Die verdutzte Zuschauerin sah nichtsdestotrotz eine packende Torraumszene nach der anderen und Torchancen zuhauf. Und natürlich hätte Frankreich gewinnen müssen, das meinte auch der verschwörungstheoretisierende Kommentator, der sich am Schluß den Freud’schen Versprecher leistete, Frankreich und England hätten sich 1:0 getrennt.

Dasselbe Phänomen findet sich beim Gärtner. Der kauft eine Knolle, deren Verpackung ihm eine Fülle wundersamster Lilienblüten vorgaukelt. Und dann registriert er mürrisch, wieviel raumgreifendes Grünzeug die Knolle produziert. Ist entsetzt, daß dann nicht viele, sondern manchmal nur ein Stengel dem Gewirr entwächst. Wenn er Pech hat und das Klima nicht stimmt, wird nicht einmal die übliche einzige Blüte Wirklichkeit. Der Jammer faßt ihn an.

(Da ich ja nur die Schönheit wahrnehme, habe ich die Mickrigkeit des Ertrags im Hinblick auf den Aufwand gar nicht erst fotographiert…)

So ist die Welt nun mal: Erwartungen, Wünsche und Träume sind groß, die Realität ernüchternd. Und selbst wenn das Ergebnis stimmt, gibt der Kritikaster keine Ruhe.

Versuch macht kluch, sagt sich der Gärtner, der per defintionem ein geduldiger Mensch ist. Medienmenschen dagegen werden nicht klug. Sie arbeiten mit Emotionen, wo Betrachtung und Analyse angebracht wäre.

Die Klasseleistung von Jérôme Boateng, der den Ballzauberer Ronaldo kaltstellte? Der auf keinen Übersteiger hereinfiel, auf keine Körpertäuschung, der stur nur den Ball betrachtete und entschlossen durchgriff? Tja, das war ja bloß eine Bringschuld. Denn BILD hatte ihn bereits abgeschossen, nachdem der offenbar naive Mann sich am Vortag, zusammen mit einem Freund, vor dem Abflug zur EM in einem Köpenicker Hotel mit der Notorikerin Gina-Lisa Lohfink getroffen hatte. Nun, man braucht die Dame nicht zu kennen, Hauptsache, daß BILD sie kennt, die ihren Absturz seit einer Germanys Next Top Model-Kandidatur im Jahr 2008 hautnah begleitet.

Was machte Boateng mit Gina-Lisa im Hotel?

Lukas Heinser weiß im BILDblog vom 5.6.2012 die Antwort:

 So wirklich genau weiß es auch „Bild“ nicht. Die einzige beteiligte Person, der „Bild“ ein Statement entlocken konnte, ist Gina-Lisa Lohfink selbst — und ihre Antwort dürfte nicht ganz dem entsprochen haben, was sich die „Bild“-Redakteure erhofft hatten:

Was lief in der Nacht in Zimmer 248?

Die TV-Blondine: „Wir haben uns nur unterhalten!“

Aber wer ist überhaupt diese Gina-Lisa Lohfink? Also mal ab von den Bezeichnungen „Nacktmodel“, „Ex-Topmodel“, „sexy Blondine“, „TV-Blondine“ bzw. schlicht „Blondine“, die ihr „Bild“ allein in diesem einen Artikel verpasst?

Die Zeitung erklärt es ihren Lesern gerne:

Die Blondine wurde „berühmt“, als sie 2008 in der Model-Show „Germany’s Next Topmodel“ mitmachte.

Diese Anführungszeichen um „berühmt“ sind natürlich eine Gemeinheit. Frau Lohfinks Teilnahme bei Heidi Klums Casting-Show liegt immerhin schon vier Jahre zurück und sie wäre vermutlich schon vergessen wie so viele andere Kandidatinnen, wenn — ja, wenn eine Zeitung sie nicht seit vier Jahren immer wieder mit Aufmerksamkeit beschenken würde:

[…]

Die 268 Treffer bei Bild.de können Sie ja selbst durchgehen!

http://www.bildblog.de/39289/was-macht-eigentlich-gina-lisa/

Hach, und die Springer-Kollegen von der WELT wollen jetzt auch einen Nannen-Preis und recherchieren mutig, was die Hanseln von BILD & Co. denn so getrieben haben:

10.06.12

Löws Rechtsverteidiger

Jerome Boateng kämpft sich aus der Luder-Falle

Sportlich hat sich Jerome Boateng gegen Cristiano Ronaldo rehabilitiert. Doch sein nächtlicher Ausflug zu Gina-Lisa bleibt ein Lehrstück, wie schnell ein Fußballstar in eine Inszenierung geraten kann. Von Jürn Kruse

[…]

Es war offenbar eine Inszenierung, in die Boateng hineingeraten war. Denn es gibt keinen Grund für einen Reporter, um 2 Uhr in der Nacht im Berliner Ortsteil Köpenick vor einem Hotel herumzulungern, nur in der Hoffnung, dass sich dort Stars die Klinke in die Hand geben würden. Doch Boateng war dort, Gina-Lisa Lohfink auch und dazu ein Fotograf. Irgendwer muss ihm die Info vom Treffen gesteckt haben. Boateng wird es wohl nicht gewesen sein. Womöglich die Managerin der früheren „Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin? Mal nachfragen. Ein erster Anruf endet kurz nach der Vorstellung des eigenen Ansinnens. Aufgelegt. Vielleicht ein Versehen. Also noch mal probieren. Wieder aufgelegt. Beim dritten Mal geht die Mailbox ran.

Dabei ist Lohfink (25) doch auf jede Öffentlichkeit angewiesen, will die generalüberholte Blondine mit ihren Auftritten in Diskotheken und Fernsehshows Geld verdienen. Und ihr Marktwert dürfte in der abgelaufenen Woche deutlich gestiegen sein. Sie hat den Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendern die größte Geschichte vor der EM geliefert.

Arthur Boka, Stuttgarter Bundesliga-Profi und einst mit Lohfink liiert, erkannte das Muster: „Ich bin mir sicher, dass Jerome in eine Falle gelockt wurde“, sagte er der Münchner „TZ“ und beschrieb die Inszenierung so: „Ich glaube, dass der Fotograf in das Hotel bestellt wurde. Dann wurden die Bilder verkauft, und Gina-Lisa hat Geld dafür bekommen“, sagt er: „So bekommt sie Aufmerksamkeit und bleibt im Gespräch.“ Und im Gespräch bleibt sie tatsächlich: Jeden Tag legt die gelernte Arzthelferin nach, gibt Details aus der Nacht preis und beteuert in der „Bild am Sonntag“: „Ich will Boateng nichts Böses.“ Doch schweigen – es wäre das Beste für Boateng – kann sie nicht. Dann wäre das Theaterstück schließlich vorbei – und die Bühne der Aufmerksamkeit müsste für Micaela Schäfer oder Daniela Katzenberger geräumt werden.

http://www.welt.de/sport/fussball/em-2012/article106489085/Jerome-Boateng-kaempft-sich-aus-der-Luder-Falle.html

Soviel Heuchelei gehört zwar zur Welt, aber nicht zur Gartenwelt. Da geht es nämlich ganz offen fies, gemein und hinterhältig zu, wenn sich des Nachts oder nach Regenfällen schleimige Gesellen auf den kürzesten Weg in die leckere Lupine, auf die köstlich mundende Tagetes oder in die Blumentöpfe mit den Petunien und Verbenen machen.

Jakob Augstein irrt (nein, nicht wegen der nichtblühenden Igel, wo er recht hat, hat er recht):

Jakob Augstein

Igel blühen nicht

Jakob Augstein bramarbasiert über Lust und Last des Gärtnerns.

  • Elke von Radziewsky
  • Datum 16.03.2012 – 15:16 Uhr

[…]

Die ganze Welt ist ein Garten, der Garten die Welt. Man könnte das wirklich so sagen.

[…]

Und so ist das ehrgeizige Buch ein eigentümliches geworden. Eine der unhaltbaren Behauptungen: „Lassen Sie bloß die Finger von Rittersporn.“ Dieser total überschätzten Pflanze. Das könnte noch ironisch sein. Vielleicht hat Jakob Augstein zu viel vom Rittersporn-Papst Karl Foerster gelesen. Ernst ist es ihm mit der Ablehnung jeglicher Nutzpflanze (Spalierobst ausgenommen). Der plötzliche Hang zur Nutzgärtnerei sei eine ostdeutsche Infektion, nach 1989 in den Westen rübergeschwappt. Und vollkommen ungebremst ist seine Mission: „Im Garten kommen wir dem Ziel am nächsten: Herrschaft, Kontrolle, Ordnung.“ Schützen Sie gefährdete Pflanzen mit einer geballten, am besten dreifachen Dosis Schneckenkorn. Kein schlechtes Gewissen. Igel kommen eh nicht vor. Und wenn schon: „Igel blühen nicht.“

http://www.zeit.de/2012/12/L-SM-Garten

Wenn die Welt ein Garten ist und der Garten die Welt (so sehe ich das auch), ist es nicht möglich, Herrschaft, Kontrolle und Ordnung hineinzubekommen. Ein paar Glücksmomente lang, so wie hier, mag das angehen:

aber nach einem Starkregen sieht das Idyll schon wieder ganz anders aus. Stützen einziehen, hochbinden, die Tatwaffe einstecken:

und immer schön fachgerecht entsorgen:

Die Auswechselung zur rechten Zeit nicht versäumen:

Tatsächlich geht es dem Gärtner wie dem Fußballtrainer: ob er am Spielfeldrand hin- und herrennt, flucht, gestikuliert, sich die Haare rauft oder aber versteinert auf der Trainerbank sitzenbleibt und sein bestes Pokerface herzeigt – auf dem Platz geht alle Theorie zuschanden. Die Viererkette hält nicht, die Standardsituationen mißraten, die Kombinationen klappen nicht. Wo ist das Spiel ohne Ball geblieben? Warum tappen die Spieler in die Abseitsfalle? Die schöne Taktik zerfällt in Stückwerk und Einzelaktionen.

Woran liegt es, daß Garten- Spiel- und Lebensentwürfe in der Regel so kläglich scheitern?

Am Wetter. Am Gegner. An der eigenen Mannschaft, die nicht hören will. Am inneren Schweinehund. Am Übereifer. Am Schiedsrichter. Am Schicksal, dem unabänderlichen. (Denn der Schöpfer in seiner unerforschlichen Weisheit gesellte den Pflanzen die Schnecken, den Rosen die Blattläuse und den Lilien das Lilienhähnchen bei. Um von den kleineren Übeln des Lebens zu reden.)

http://www.hausgarten.net/blog/7188-lilienhahnchen-feuerroter-kafer-mit-vorliebe-fur-lilien/

Der neuen Lupine hatte ich Schneckenfreiheit versprochen. Für eine Nacht hat das auch geklappt. Leider hat meine couragierte Aktion sie um zwei Blüten gebracht. Wie schnell diese blöden Stengel aber auch abknicken…

Und so heißt es auf dem Platz, im Garten und im Leben:

Machen wir das Beste daraus!

Und fiebern dem neuen Spiel heute abend entgegen. Wenn es jetzt in Schönheit stirbt und verlorengeht, gibt’s wieder mal ganz was Neues zu lesen. Nein, nicht das:

Jerome Boateng und Freundin Sherin

Neun Tage nach dem Nacht-Treff mit Nacktmodell Gina-Lisa Lohfink kommt jetzt heraus: Der Nationalspieler und die Mutter seiner Zwillinge sind schon länger getrennt

Geheimes Liebes-Aus

13. Juni 2012 01.10 Uhr, BZ

Nein, Gewissensbisse muss er nicht haben, denn er hat niemanden betrogen. Jerome Boateng (23) kann treffen, wen er will und wo will – nur nicht unbedingt, wann er will.

http://www.bz-berlin.de/archiv/geheimes-liebes-aus-article1480625.html

Geheime Dinge, die in der Zeitung stehen, gibt es doch schon mehr als genug…

 

Update, 13.6.2012, 23:25

 

Was sich der medienkritischen Beobachterin schon beim ersten Spiel der deutschen Mannschaft erschloß, zeigte die deutsche Mannschaft im zweiten Spiel: 2:1 gegen die Niederlande vulgo Holland. Schweinsteiger bereitete vor, Gomez vollstreckte meisterlich. Lahm war gar nicht lahm, Boateng warf sich mit Verve in einen Scharfschuß aufs Tor und kriegte eins in die Rippen. Das mediale Gerede von Rehabilitation (wofür eigentlich?) und Bringschuld sollte nun langsam zu Ende sei. Das Gegentor trübt die positive Bilanz nicht: durch die Einwechslung von Klose für Gomez kurz aus dem Tritt gekommen, ließ die deutsche Mannschaft eine Einzelleistung zu, die ihresgleichen sucht (und wohl kaum wiederholbar ist): da schießt der Stürmer zwischen den Beinen des Verteidigers hindurch aufs Tor – unhaltbar für den Torwart.  Ein Glücksschuß. Das erwartbare Pressing des Gegners machte die Sache noch einmal spannend…

Ein tolles Spiel. Congrats.

Und dann die reporterdämliche Frage an Philipp Lahm:

»Warum ist es dann doch noch ein Zitterspiel geworden?«

Ei, Kall, mei Drobbe…

In der Halbzeitpause wurden sechs gefräßige Gartengegner zur Strecke gebracht – ganz ohne Einsatz der Taschenlampe. Ein rundum gelungener Abend. Und daß eine der beiden abgebrochenen Lupinenblüten in der Vase statt in rosa nun in gelb erblüht, belegt, daß man von der Natur noch nicht allzuviel weiß, dämlichen Computersimulationen zum Trotz…

Erfrorene Rosen – der Mensch und die Jahreszeiten

Mir kam zu Ohren, daß in Internetzeiten Wortlastiges nicht so gut ankomme. Bildchen müßten schon sein. Und wenn man dann auch noch längere Texte darbiete als es der Häppchen-Journalismus tut, bedeute das eine schiere Überforderung des multitask-fähigen Users, der lieber fünf Sachen gleichzeitig macht und keine davon richtig. Da ist natürlich was dran. Obwohl man schwächlich einwenden könnte, ob es nicht kontraproduktiv sei, Notwehrmaßnahmen gegen Arbeitsverdichtung und Technikterror zum positiven Leitbild zu verklären?

Ich bin jedenfalls in mich gegangen – und das ist nun dabei herausgekommen. Ein Neuruppiner Bilderbogen.

Als ich dieses Schild an der Filiale meines vietnamesischen Gemüsehändlers in der Friedrich-Engels-Straße im November 2011 erstmals sah, war ich mit dessen Botschaft sehr einverstanden. ›Wegen Winter geschlossen‹, ja, so müßte sich jeder gegen die Zumutungen des Winters wehren können. Man läßt die Jalousie herunter und bleibt bei menschenunfreundlichen Temperaturen einfach zu Hause, läßt sich beliefern und schaudert wohlig ob der draußen herrschenden Sturzgefahr. Freut sich, daß jeder Jeck anders ist und daß die Evolution auch den Typus der Naturburschen und -mädels hervorgebracht hat, der sogar noch Geld dafür bezahlt, um sich im alpinen Schnee die Haxen brechen zu dürfen. Die Belieferung wäre also sichergestellt, denn es gibt genügend Menschen, die finden, daß es kein falsches Wetter gebe, sondern allenfalls unpassende Kleidung. Halleluja!

Und daß der Engels irgendwann mal keine Lust haben würde, den Marx weiter durchzufüttern, leuchtete mir damals ebenfalls ein.

Irritierend war nur, daß ich die Aufnahmen noch am 23.3.2012 machen konnte. Denn da war ja schon zu ahnen, daß der Frühling in der freilich noch arg kühlen Luft lag. Folgerichtig trat er am 27.3.2012 machtvoll aus allen Ritzen in die Erscheinung:

Was dem Menschen keine Ruhe läßt, der die Spezies Löwenzahn aus dem Garten verbannt hat und sich mit der einsam blühenden Forsythie nicht bescheiden mag. Die Natur muß doch zu optimieren sein!

Doch die Natur läßt sich nicht überlisten. Acht der zehn eingangs gezeigten Stiefmütterchen, ins von halbvertrockneten und sich unmäßig ausbreitenden Spindelsträuchern verunstaltete Mittelbeet gepflanzt, waren binnen einer Woche von Schnecken niedergemacht. Die hausten fröhlich undetektierbar unter den Sträuchern, lachten sich eins ins Fäustchen und schwärmten los, um sich an dem zarten frischen Grünzeug zu laben. Schnecklich verständlich, saftige Stiefmütterchen munden besser als vertrocknete Spindelsträucher.

O Freude und Farbtupfer, dahin, dahin! Nur die zwei Exemplare auf der Fensterbank haben überlebt.

Dieser Affront ließ die Gärtnerin nicht rasten und ruhen. Eine radikale Lösung war das Gebot der Stunde. Bzw. von so einigen Stunden, denn die Entfernung von acht halbtoten aber nach vier Jahren außer Rand und Band geratenen Spindelsträuchern nebst Ausläufern war keine Kleinigkeit. Aber eben nicht nur wegen der Schnecken notwendig. Denn sie umwucherten auch die Veredelungspunkte der erfrorenen schönduftenden zwei Augusta Luise-Rosen, und die sollten doch Licht und Wärme kriegen. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt…

Die Sache mit den erfrorenen Rosen hatte ich ja schon mal angesprochen:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/03/19/108-demokraten-erfrorene-rosen/

Und so sieht eine ehedem 2x2x2 m riesige rote Rose am 2.5.2012 aus:

So berappelt sich eine bescheidenere Westzeit-Rose (in den schönsten Orangetönen leuchtend):

Alle meine Rosen sehen zur Zeit so oder ähnlich aus. Die Gärtnerin weiß nicht, ob sie jubeln oder verzweifeln soll, denn es wird Jahre dauern, bis die alte Pracht wieder auferstehen wird. Dann ermahnt sie sich zur Rationalität. Sieht die alten Fotos wieder an, von denen sie weiß, daß sie nur die Schönheit und nicht die Dekadenz einfangen. Räumt ein, daß die neue Chance auch ihr Gutes hat. Ist aber dennoch zutiefst betrübt, daß es die Stämmchenrose Jubile du Prince de Monaco (links im Bild) und die zarte Harzola (rechts dahinter), wenig robuste überzüchtete Produkte, nicht geschafft haben. Fragt sich, wieso die Diva unter ihren Rosen, die farbschöne Red Diamond (im Hintergrund), es gepackt hat und aus Ruinen neu ersteht…

Und will es nicht wahrhaben, daß just die schleswig-holsteinische Bauernrose, die bei maximal zwei Stunden Sonne am Tag von oft verfluchter Vitalität war (2 Meter hoch, Hunderte von Blüten), bis heute nicht den kleinsten Trieb zeigt. Diese anspruchsloseste aller Rosen, die seit 1998 immer mehr produzierte, als sie tragen konnte, die im Dauerregen im Juli des letzten Jahres buchstäblich nicht mehr zu halten war, soll es plötzlich nicht mehr geben?

Da hilft nur eins: Mensch wie Tier verdrängen und tun so, als sei es ein Frühling wie früher. Als die Welt noch in Ordnung und nicht so kalt und böse war wie jetzt (pssst: die Klimakatastrophe ist ein Phantom! Nichts weiter als das Phänomen einer von Forschungsgeldern abhängigen Wissenschaft, die Gleichklang produziert und Gegenstimmen als Spinnerei aussortiert. Die Wahrheit ist, daß das Klima für Gärtner und Landwirte schon immer eine Katastrophe war…).