Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (4)

MH 17 TitelfotoFortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/09/28/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-1/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/10/23/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-2/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/01/19/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-3/

Ein kleiner Hinweis: die Lektüre dieses Artikels setzt die Kenntnisnahme der vorangegangenen Artikel voraus.

Als aufgeklärter Bürger fragt man sich, wieso sich gerade im Januar 2015 ersichtlich voreingenommene Medien wie Correctiv und SPIEGEL mit dem regierungstreuen britischen Blogger Eliot Higgins und seiner Bellingcat-Plattform verbündeten, um die von Anfang an durch den ukrainischen Geheimdienst produzierte Narration eines Buk-Abschusses der MH 17 durch eine aus Rußland gelieferte Buk-Abschußrampe (natürlich mit russischem Personal) zu bestätigen.

Obwohl Beweise dafür nicht existieren.

Es könnte daran liegen, daß etwaige durchgesickerte Ergebnisse der strafrechtlichen Ermittlungen dem westlichen Narrativ widersprechen. Schließlich liegen die Obduktionsergebnisse und die Untersuchungen der herauspräparierten Metall-Teile längst vor. Und es ist zu vermuten, daß die Ukraine ihr Veto gegen eine Veröffentlichung dieser – vermutlich nicht eindeutigen – Ergebnisse eingelegt hat. Es könnte auch daran liegen, daß seinerzeit zuvor vermehrt mediale russische Thesen von der Beteiligung eines Kampfjets am Abschuß diskutiert wurden, die genauso zweifelhaft erscheinen wie die westlichen medialen „Beweisführungen“. Um es klarzustellen: von beiden Seiten gab es niemals offizielle Darstellungen, auch wenn es im Westen Usus ist, russische Medien mit der offiziellen Kreml-Linie zu identifizieren:

http://fortruss.blogspot.de/2014/12/meet-pilot-who-shot-down-malysian.html

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=AmUmzqWRuco

http://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/luegendetektortest-bei-ukrainischem-deserteur-moskaus-ermittler-halten-zeugen-fuer-mh17-abschuss-glaubwuerdig_id_4367105.html

russische Erstausstrahlung der Karaulow-Dokumentation am 24.11.2014:

http://novorossia.today/editor-s-choice/-how-mh17-crashed-documentary-by-andrey-.html

http://www.youtube.com/watch?v=PlQ5hAgTl9Q

Hier die deutsche Version:

https://www.youtube.com/watch?v=G5yiRdQveC4&feature=youtu.be

Der SPIEGEL läßt in seinem Print-Bericht in Nr. 3/2015 vom 10.1.2015 von Anfang an keinen Zweifel an seinem Standpunkt:

Katastrophen

Wahrheit in Trümmern

Von Bensmann, Marcus; Buse, Uwe; Crawford, David; Goos, Hauke; Neef, Christian; Schnibben, Cordt; Stock, Jonathan

Ein halbes Jahr nach dem Abschuss einer Boeing der Malaysia Airlines tobt im Internet und in anderen Medien die Propagandaschlacht der Täter – mit Fotos und Videos, mit Dokumenten und Fälschungen. Ein Team von „Algemeen Dagblad“ und „Correctiv“ hat sich auf die Suche nach den Schuldigen gemacht.

[…]

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131242892.html

Entsprechend heißt es in der mühsam zu lesenden „multimedialen“ SPIEGEL Online-Präsentation:

Ein halbes Jahr nach dem Absturz einer Boeing über der Ukraine tobt der Propagandakrieg der Täter.

Ein gemeinsames Team von SPIEGEL, „Correctiv“ und dem „Algemeen Dagblad“ hat sich auf die Suche gemacht nach der Wahrheit.

Von Marcus Bensmann und Cordt Schnibben

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html

Klar, Propaganda machen nur die Täter, und wer die sind, wissen wir sowieso schon. Wir, die westlichen Medien, sind ausschließlich an der Wahrheit interessiert.

Stimmt das?

Correctiv schreibt:

Wo kommt die Waffe her?

Woher aber stammt die Lenkwaffe? Auch das hat Bellingcat ermittelt. Minutiös haben die Rechercheure Bilder von russischen BUKs mit Aufnahmen jener Abschussrampe verglichen, die am 17. Juli in Richtung Snizhe fuhr. Besonders ein Detail führte die Ermittler auf die richtige Spur: Abschürfungen an der Abdeckung über der linken Panzerkette. Genau die gleichen Abschürfungen hatte eine BUK-Rampe, die im Juni in Russland fotografiert wurde. Sie gehört zur 53. russischen Luftabwehrbrigade, stationiert in Kursk, und sie trägt die Kennziffer 3*2 – die mittlere Zahl war stets unleserlich. Zwei weitere Details passen: die übermalten Reste eben dieser Kennziffer und ein heller Farbfleck. Legt man die Aufnahmen beider BUKs übereinander, jener aus Russland, jener in Donetzk, ist die Übereinstimung offensichtlich.

Es gibt weitere Besonderheiten: Ein besonders internetaffiner Feldwebel der 53. Brigade postet etliche Bilder von seiner Einheit auf seiner Seite im russischen Facebook-Klon Vkontakte. Sein Name: Ivan Krasnoproshin. Unter seinen Bildern ein Foto, das seine Entlassung aus der russischen Armee Mitte Juni dokumentiert. Abgebildet auf dem Foto ist das Dienstbuch seiner Einheit, es zeigt die Namen derjenigen, die zum Abendappell antreten. Nummer eins: Feldwebel Krasnoproshin, dahinter: 13 einfache Soldaten. Jeder Tag wird angekreuzt. Nach dem 13. Juni enden die Eintragungen. „Entlassen wegen Beendigung der Dienstzeit nach Befehl Nr (unleserlich)“, ist handschriftlich hinter dem Namen des Feldwebels Krasnoproshin und dreien seiner Soldaten vermerkt.

Entlassungen in diesen Zeiten werfen Fragen auf. Das Komitee Russischer Soldatenmütter hat mehrfach davon berichtet, dass Soldaten vor ihrer Entsendung in die Ukraine Entlassungspapiere unterschreiben mussten.

Und wirklich: Mitte Juni, wenige Tage später, macht sich ein langer Konvoi der 53. Flugabwehrbrigade auf in Richtung Ukraine. Bellingcat veröffentlicht allein von diesem Konvoi mehr als ein Dutzend Fotos, mehrmals ist die BUK 3*2 dabei.

Es besteht kein Zweifel: Es ist die Abschussrampe der 53. russischen Luftabwehrbrigade aus Kursk, die Stellung bezogen hat in Snizhne, im Osten der Ukraine, an jenem verhängnisvollen Nachmittag.

https://mh17.correctiv.org/

Die Übereinstimmungen der beiden BUK-Startrampen sind nicht „offensichtlich“, sondern sie werden suggeriert. Die verschwommene Paris Match-Aufnahme aus Donezk eignet sich nicht für Identifizierungsversuche. Und die Bilder des Ivan Krasnoproshin nebst seiner hier suggerierten Pro-Forma Entlassung aus dem Jahr 2014 belegen den Einsatz der russischen BUK 3_2 aus Kursk am 17.7.2014 im Donbass? Es besteht kein Zweifel?

Bensmann ist hinsichtlich dieser Propaganda der Unwahrheit überführt worden.

By Anna Vatavu

A small introduction: there are two types of army service in Russia – conscription and professional contract service. Conscription service takes exactly one year (apart from fleet, where it can be 2 or 3 years) and it is compulsory. As for the contract service, one can sign a contract for at least 3 years. 53rd brigade has soldiers of both types.

I decided to find out, what type of a sergeant Krasnoproshin could have been. From the photos of his (now deleted) VK page we can estimate, that he started his army service in June 2012 (he took the oath on 22/07/2012). So, by 2014 he would have already left the army, if he was a conscript. And if he had a contract, he would not have been able to leave the army until 2015. So, his dismissal in June 2014 looks suspicious indeed.

But how do we know that Ivan was dismissed in June 2014? Mainly because Correctiv tells us this:

Correctiv Logbuch 1https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

The first line says: “was dismissed due to the end of service term according to the order №225 on 13(5)/06/13“. Other three soldiers were also dismissed in 2013. One does not have to know Russian to see the numbers clearly. They were all dismissed in 2013, more than one year before the tragedy. So, everything is crystal clear now – Krasnoproshin joined the army as a conscript in June 2012 and in June 2013 he finished his service. This fully corresponds to the Russian laws and regulations. Knowing this, we understand that this part -“This alleged dismissal of a lot of soldiers seems to be happening with one special reason: the Russian President Vladimir Putin wants to be able to claim that there are no Russian soldiers deployed to Eastern Ukraine” is complete bullshit.

Correctiv team were sure – if they say “In June, a week before he and his unit went to Ukraine, Ivan Krasnoproshin and some of his colleagues were dismissed from the Russian army“, nobody will look at the journal closer. What is more, in the Russian version of the report, Correctiv says that it is impossible to see what is written in the journal after the phrase “was dismissed due to the end of service term according to the order…“, though in fact we can clearly see the numbers. Obviously, they knew that Krasnoproshin and the other soldiers were dismissed in 2013 and had nothing to do with Ukraine and MH17 in particular.

http://thetruthspeaker.co/2015/04/15/bellingcat-caught-up-and-out-in-yet-another-mh17-falsification/

Anna Vatavu hat recht: Marcus Bensmann lügt.

In diesem Ausschnitt kann man es sehen:

Correctiv Logbuch 2Bellingcat selbst hat den Mund bei Publikation seiner zusammengefaßten Erkenntnisse am 8.11.2014 nicht so voll genommen wie Bensmann:

Es gibt starke Hinweise darauf, dass das russische Militär den Separatisten im Osten der Ukraine den im Osten der Ukraine am 17. Juli gefilmten und fotografierten Buk Raketenwerfer zur Verfügung stellten.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 3]

Heutzutage tönt er persönlich ganz anders; aber das liegt schlicht daran, daß er von den Mainstream-Medien als einer der Ihren anerkannt und dementsprechend nach seinen rein politischen Einschätzungen befragt wird, die nicht internet-gestützt sind. Und wie der Herr, so’s Gescherr:

Daniel Romein – April 26th, 2015

The Buk missile launcher has a small radar itself too, it does not always need a Buk radar system and control unit. The downside of that is that the crew does not know what type of aircraft is flying in their direction, which they would have known when a Buk control unit and radar was nearby. The Ukrainian army was not in control of Snizhne nor Torez, so they never could have fired a missile from there. You are right about the fact separatists did not fire the Buk missile, it were Russian soldiers.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17/comment-page-3/#comment-14583

Es gibt keinen Grund mehr, die eigene Voreingenommenheit zu verbergen. In der aktuellsten „journalistischen“ Überprüfung der Eliot Higgins-Bellingcat-Findungen durch die australische „60 Minutes“-Sendung tritt Higgins als politischer Journalist auf, während der Reporter in die Rolle desjenigen schlüpft, der durch seine oberflächlichen Bellingcat-Überprüfungen den ultimativen Beweis dafür präsentiert, daß „die Russen“ MH 17 abgeschossen haben:

MH17 | 60 Minutes | A Special Investigation [FULL]

CosplayerProductions

Veröffentlicht am 18.05.2015

Who shot down MH17? 60 Minutes tracks the killers deep inside rebel territory.

It is one of the most shocking war crimes of modern times. A passenger jet shot out of the sky, killing 298 people, 38 of them Australian. The images of the wreckage and debris of Flight MH17 strewn across the fields of Ukraine are seared into our memory. Australia’s leaders vowed to hunt down the killers, but nine months on no one has been held to account. This Sunday on 60 Minutes, reporter Michael Usher travels deep into Russian-controlled, eastern Ukraine to conduct a forensic investigation, painstakingly piecing together the evidence that leads to the very spot from where the missile was fired, finally revealing the proof about who shot down MH17.

Reporter: Michael Usher
Producer: Stephen Rice

https://www.youtube.com/watch?v=RrI0xrnvops

Dieses Reporter-Vertrauen der Transatlantiker in Bellingcats „Leistungen“ wird u.a. dadurch genährt, daß der wohlbekannte russische Invasionen-Erfinder General Breedlove Bellingcat lobte, weil er eine Seite einrichtete, auf der der interessierte Jedermann – jeder weiß, von welchem Interesse die ermunterte Gemeinde geleitet ist – Bilder von „russischem“ Kriegsmaterial im Donbass einstellen durfte.

Tweet Breedlovehttps://twitter.com/pmbreedlove/status/564855335627018242

Breedloves Link verweist auf diesen Bellingcat-Artikel:

Bellingcat Launches the Ukraine Conflict Vehicle Tracking Project

February 3, 2015

By Veli-Pekka Kivimäki

[…]

https://www.bellingcat.com/resources/2015/02/03/ukraine-conflict-vehicle-tracking-launch/

Eliot Higgins wird nicht müde, darauf hinzuweisen, daß er diesbezüglich auch mit dem Atlantic Council zusammenarbeite – was den Kreis schließt:

Bellingcat Atlantic Councilhttps://twitter.com/EliotHiggins/status/599900813486592000

Der von ihm gepostete Link verweist darauf, daß wir am 28.5.2015 Großes von den Transatlantikern zu erwarten haben:

May 28, 2015

Hiding in Plain Sight: Putin’s War in Ukraine and Boris Nemtsov’s Putin. War.

Russia is at war with Ukraine. The war’s toll—more than 6,000 dead, tens of thousands wounded, and nearly 1.3 million displaced persons—is the direct result of Russian President Vladimir Putin’s efforts to establish control over Ukraine. Putin continues to deny Russia’s military involvement, though the evidence that the Kremlin is directing the war is overwhelming.

Please join the Atlantic Council and the Free Russia Foundation for the release of two independently produced reports: Hiding in Plain Sight: Putin’s War in Ukraine and the English language release of Boris Nemtsov’s, Putin. War., on Thursday, May 28, 2015, from 2:00 p.m. to 3:30 p.m. at theAtlantic

http://www.atlanticcouncil.org/events/webcasts/hiding-in-plain-sight-putin-s-war-in-ukraine-and-boris-nemtsov-s-putin-war

Da die USA zwischenzeitlich ihren Kurs geändert haben und auf Diplomatie gegenüber Rußland und Einhegung der Kiew-Aggressionen durch die energische Victoria Nuland setzen, wird Bellingcat genauso entbehrlich werden wie das Atlantic Council.

Aber davon wußte Marcus Bensmann und sein Correctiv-Team ja noch nichts, als er sich im November 2014 auf die sicherlich vom SPIEGEL finanzierte Reise machte. Mit ein paar Grillen im Kopf: denn von Correctiv wird eine Karte mit einem unterstellten Reiseweg der Buk gepostet, die an der Fähigkeit zur Logik von Bensmann/Crawford zweifeln läßt:

Correctiv Karte Weg der Bukhttps://mh17.correctiv.org/wp-content/uploads/2014/12/karte-kampfgebiet1.jpg

Da fährt die Buk, vermutlich selbständig, aus Rußland eigens nach Donezk, nur um dort bei einer von den Rebellen requirierten Baufirma (laut Paris Match) auf einen Tieflader geladen zu werden ­– um danach nach Snischne zurückgefahren zu werden? An einen Ort, an dem sie zuvor blöderweise vorbeigefahren war? Come on.

In der SPIEGEL-Präsentation wird in einem Video demgegenüber diese Graphik eingeblendet:

Spiegel Kursk Rostowhttp://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html

Im SPIEGEL 3/2015 (Print) heißt es hierzu vage:

Das Bellingcat-Team fand bis heute insgesamt 20 Videos, die den Weg des Konvois zwischen dem 23. Juni (Kursk) und dem 25. Juni (Millerowo) zeigen.

Die Abschussrampe mit der Nummer „3×2“ ist auf vielen dieser Videos zu sehen. Neben der fehlenden mittleren Ziffer weist sie ein weiteres Merkmal auf: einen auffälligen weißen Fleck am Chassis. Zudem bilden Beschädigungen am Chassis über den Panzerketten ein charakteristisches Profil, eine Art Fingerabdruck.

Satellitenaufnahmen des russischen Militärstützpunktes in der Nähe von Rostow – 60 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt – lassen vermuten, dass der Konvoi mit den Raketenabschussrampen dort landet – die Zahl der Militärfahrzeuge nimmt deutlich zu.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131242892.html

Kein Wunder, daß die Zahl der Militärfahrzeuge dort zunahm, schließlich fanden dort Übungen statt. Beide eingezeichnete Wege sind Fiktion – denn Bellingcat ist damit gescheitert, die Buk 3_2 aus Kursk, für ihn Tatwerkzeug des Abschusses der MH 17 im Donbass, in die Nähe der Ukraine zu „transportieren“. Das ist für jeden ersichtlich. Das war es auch für Correctiv und SPIEGEL.

Belllingcat präsentiert in seiner zusammenfassenden Studie am 8.11.2014 lediglich dies:

Das Bellingcat MH17 Untersuchungsteam hat 16 [also nicht 20] Videos auf Social Media Websites wie VKontakte, YouTube, Instagram und Odnoklassniki, die die Bewegung des 53. Brigade Konvois von Kursk am 23. Juni bis Millerowo 29 am 25. Juni zeigen gefunden.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 14]

Die Fußnote 29 zu „Millerowo“ verlinkt auf dieses Video, das absolut nichts mit den Findungen in Rußland zu tun hat:

Veröffentlicht am 26.08.2014

Уничтоженная военная техника из Шахтерска едет на парад в Донецк.
Запись сделана 23 августа

https://www.youtube.com/watch?v=GDy8wnfYzVI

Per Google-Übersetzer ins Englische übertragen:

Destroyed military equipment from Miner rides on parade in Donetsk.
Recorded on August 23

Dieses Video gehört vielmehr zur „Beweisführung“ Bellingcats, daß die Rebellen auch noch im August über den Tieflader verfügt hätten, mit dem am 17.7.2014 die Buk von Donezk nach Snischne transportiert worden sei:

Am 26. August 2014 wurden ein Foto und ein Video eines identischenTiefladers online veröffentlicht. Im Video spielt eine Frau ein Rolle, die bereits in früheren von Separatisten gefilmten Videos zu sehen war, und wahrscheinlich wurde der Tieflader verwendet, um ein beschädigtes Fahrzeug zu transportieren.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 12]

Auch die englischsprachige Version der Bellingcat-Studie vom 8.11.2014 führt nicht weiter, was die propagierten Findungen hinsichtlich der russischen Buk 3_2 angeht; im Gegenteil – diese weitere Fehlleistung deutet vielmehr auf eine bewußte Verschleierung hin:

The Bellingcat MH17 investigation team has collected 16 videos posted on social media sites including VKontakte, YouTube, Instagram, and Odnoklassniki that show the 53rd Brigade’s convoy moving from Kursk on June 23rd to Millerovo  on June 25th. The Bellingcat MH17 investigation team has also been able to identify the exact location at which each video was filmed and, by matching vehicles visible in different videos, to confirm that all these 16 videos show the same convoy.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/11/08/origin-of-the-separatists-buk-a-bellingcat-investigation/

Tippt man dieses Versprechen der “exact location” an, so gerät man ins Niemandsland eines “Article not found”. Bellingcat vertraut, offenbar zurecht, darauf, daß niemand seine Berichte gründlich liest.

Man muß sich also auf die mühsame Suche nach früheren Artikeln auf der Bellingcat-Seite mit Nachforschungen in Rußland machen. Und da findet man diesen Artikel:

Images Show the Buk that Downed Flight MH17, Inside Russia, Controlled by Russian Troops

September 8, 2014

By Magnitsky

New evidence has been found that shows the Buk missile system that was used to shoot down MH17 on the 17th of July came from Russia, and was most likely operated by Russian soldiers. Using videos posted by locals in Russia’s Belgorod region back in June it has been possible to identify the Buk missile launcher seen in Ukraine on July 17th as part of a convoy of Buk missile launchers. It has also been possible to identify the Russian brigade the Buk is likely to have belonged to, and who may have operated the Buk missile launcher when it was in Ukraine.

The Buk launcher can be identified because of a number of features, including white markings on the left side side of its chassis, and what looks like the traces of a number that has been painted over. Here is a comparison of the Buk seen in previously unpublicised video taken in Russia on the 23rd of June with a well known image from Paris Match, which shows a Buk in Donetsk at 9am on July the 17th.

[…]

On the left: the Buk in a column of Russian military vehicles seen on the evening on the 23rd of June on the motorway from Staryy Oskol to the OEMK steel works in the Belgorod area.

[…]

Left: Same Paris Match image as above. On the right: image from a video taken near the Magnit store in Alexeyevka, Russia on the 24th of June. [Source]

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/09/08/images-show-the-buk-that-downed-flight-mh17-inside-russia-controlled-by-russian-troops/

Da muß man schon sehr viel glauben, bis man was sehen kann.

Viele Links funktionieren nicht (mehr), es wird hilflos herumgetastet. Das Referenzbild ist immer das fragwürdige Buk-Foto von Paris Match aus dem Artikel vom 25.7.2014, gravierend geändert am 29.7.2014 (Austausch des angeblichen Aufnahmeorts Snischne in den zutreffenden Aufnahmeort Donezk).

Am 29.9.2014 tastet sich das Bellingcat-Team weiter vor:

Geolocating the MH17 Buk Convoy in Russia

September 29, 2014

By Veli-Pekka Kivimäki

[…]

Putting all these data points together we can plot these points on a map, which would fit on a possible route from Kursk to Alexeevka.

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/

Genau. Dort, bei Alexejewka, enden alle Nachweisversuche, diese ausschließlich für Bellingcat bedeutsame BUK mit der Nummer 3_2 zu orten – weit weg von der ukrainischen Grenze. Und auf kritische Kommentare zu seinen Findungen hatte der Belllingcat-Autor auch nichts Erhellendes beizutragen:

 Rob – September 30th, 2014

Thank you Veli-Pekka and team at Bellingcat, for this awesome work in tracking down the MH-17 BUK system. I’m a great admirer of your work, and hope that by crowd sourcing we can shed some light on this disaster.

One question I have :
You made a pretty compelling case that the convoy (most notably with the important BUKs) went through Gorodishche [Coordinates: 51.137286, 38.064599].

But in doing so, it will approach Alexeyevka from the North, and it would be almost impossible for the convoy to go through the Magnit store intersection in Alexeyevka, which you would only get through if you were to approach Alexeyevka from the south…

Is this convoy doing some sort of “parading” ?

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1496

Rob – September 30th, 2014

I’m sorry. I should have been more clear :
In the Magnit store Alexeyevka intersection video, both BUK 232 and suspect BUK 3’2 come from the right (the south) which suggests they took highway P185 to Alexeyevka. But if they did, they should not have come through Gorodishche. Isn’t that odd ?

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1498

Schon komisch, in der Tat. Der Bellingcat-Autor stimmt zu:

Veli-Pekka Kivimäki – September 30th, 2014

The Alexeyevka scene is quite interesting, don’t have a solid explanation what happened. Seems the convoy had either split up and was regrouping, or some kind of reordering was going on. It’s also the last known video currently of this convoy together.

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1520

Rob – October 1st, 2014

A re-ordering makes sense ; Russian military may often do that to avoid satellite tracking of individual vehicles.

The Alexeyevka intersection video is still very interesting though.

It seems that most vehicles (including TELAR 232 and suspect TELAR 3’2) are moving towards the train station (along with TELAR 221, 231, loader 323), while loader 223, TELAR 211 and 212 are moving back into the direction that the convoy came from…

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/09/29/geolocating-the-mh17-buk-convoy-in-russia/comment-page-1/#comment-1533

Da kann man natürlich die tiefsinnigsten Spekulationen anstellen; festzuhalten ist, daß sich der Konvoi in und bei Alexejewka auflöste, und danach gab es von ihm keine Spur mehr. Insbesondere nicht von der von Bellingcat als russisches Tatwerkzeug in der Ukraine angenommenen BUK-Startrampe (TELAR) mit der Nummer 3_2.

Der fehlende Link zu den vagen Findungen des Bellingcat-Teams über russische BUK-Bewegungen ist offenbar gewollt, denn der beglaubigende Artikel, was Millerowo in der Nähe der ukrainischen Grenze angeht (35 km entfernt), sieht so aus (und ist erst am selben Tag des zusammenfassenden Artikels, am 8.11.2014, „unauffindbar“ erstellt worden):

Geolocating the June Russian Buk Convoy in Millerovo

November 8, 2014

By Eliot Higgins

One of a series of videos that shows a convoy containing the Buk linked to the downing of MH17 was reportedly filmed near the town of Millerovo. The following demonstrates how it’s possible to use a combination of satellite map imagery and Google Street View imagery to find the exact location the video was filmed.

The video was originally uploaded here, with the date and time on the camera shown to be 11:31am on June 25th.

[…]

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/11/08/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo/

Das offenbar einzige Millerowo-Video war schon kurze Zeit später nicht mehr zugänglich, und die von Bellingcat in diesem bewußt ausgegrenzten Nebenartikel geposteten Standbilder aus diesem Video zeigen keine BUK-Abschußrampe. Inwiefern es sich um denselben Konvoi, der in Kursk startete, handeln soll, wird ebenfalls nicht ersichtlich. Auf die nachfolgenden Fragen eines Kommentators geht Eliot Higgins nicht ein:

Wouter (dutch) – November 20th, 2014

Hi Eliot,

Unfortunately, I cannot get to the url you give in this post: http://www.odnoklassniki.ru/video/13597280818. Any suggestion?

What is your conclusion based on what you’ve analysed? Is it authentic?

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/11/08/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo/comment-page-1/#comment-3552

Dabei betont Higgins doch gern, daß er wichtige Videos umgehend sichert. Das gehört schließlich zum Handwerkszeug eines Laptop-Detektivs. Gab es Gründe, dieses Video zu verstecken?

Auch auf der am 9.11.2014 veröffentlichten interaktiven Karte von Bellingcat wird zu Millerowo lediglich dieses Foto gezeigt:

Bellingcat Millerowo Maphttps://www.mapbox.com/labs/bellingcat/index.html

Auch hier ist kein BUK TELAR zu sehen, und schon gar keiner mit der Nummer 3_2.

Das letzte Mal wurde laut Bellingcat-Map vom 9.11.2014 die fragliche BUK an einem unbestimmten Tag südlich bei Alexejewka gesichtet, weit entfernt von der ukrainischen Grenze:

Bellingcat Alexejewka Maphttps://www.mapbox.com/labs/bellingcat/index.html

Halbseidener geht es nun wirklich nicht mehr.

In der SPIEGEL-Präsentation wird aus dem Millerowo-Video immerhin eine BUK-Abschußrampe gezeigt – man fragt sich, wieso Bellingcat auf dieses Bild verzichtete:

Spiegel Millerowohttp://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html

Da wächst zusammen, was zusammengehört. Zwei Ideologen arbeiten mit Bellingcat zusammen, der seine Nicht-Findungen mühsam verbirgt. Und sie dennoch zur Schau stellt.

Ich habe es zwar nicht für möglich gehalten, aber merkwürdigerweise hat Bellingcat das verschwundene Millerowo-Video

http://ok.ru/video/13597280818

dann doch wieder gepostet.

Am 13.5.2015 erschien ein langatmiger Bellingcat-Bericht, dessen Zweck es wohl war, für die strafrechtlichen Ermittler des JIT Zeugen zu finden, die die fragliche BUK 3_2, wie von Bellingcat beweislos behauptet, in die Ukraine gefahren haben könnten.

Routes, Destinations, and Involvement of the 2nd and 147 th Automobile Battalions in the June and July 2014 Buk Convoys

A bell¿ngcat Investigation

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2015/05/Routes-Destinations-and-Involvement-of-the-2nd-and-147th-Automobile-Battalions-in-the-June-and-July-Convoys.pdf.pdf

Der Immer-noch-Bellingcat-Fan Correctiv erkennt messerscharf, daß es hier um wertvolle Beweise gegen Rußland geht – eine geteilte Ideologie verbindet nun mal:

CORRECT!V@correctiv_org

Neuer Report von @bellingcat trägt weitere Belege zusammen für die Verantwortung Russlands beim Abschuss von #MH17: https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/05/13/tracking-the-trailers-investigation-of-mh17-buks-russian-convoy/ …

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23:47 – 14. Mai 2015

https://twitter.com/correctiv_org/status/599103834355605504

und postet den Link zu dem zusammenfassenden Ergebnis des über 5o-seitigen PDF-Berichts:

Tracking the Trailers: Investigation of MH17 Buk’s Russian Convoy

May 13, 2015

By Bellingcat

[…]

Dmitry Z, the driver of truck 6902 HH 50, which hauled Buk 232 in the 23-25 June convoy, did not transport Buk 3×2 to the border (he transported other vehicles to the border area during his last ride with his truck just before the end of his service). However, he might possibly know who did, considering that driver was behind him in the convoy with Buk 3×2. And, looking at the connections the drivers have on VK, it seems that the drivers of the Buk convoys may know each other.

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/05/13/tracking-the-trailers-investigation-of-mh17-buks-russian-convoy/

Der Berg kreißt, und er gebiert eine Maus. Diesen Nicht-Zeugen hatte die ukrainische Propagandaseite Informnapalm bereits zuvor präsentiert, unter voller Namensnennung (am 12.5. in Russisch, am 13.5. in Englisch):

https://en.informnapalm.org/the-last-haul-of-the-russian-soldier-to-mh17/

Es gibt kaum noch etwas, das Bellingcat von einer derartigen Seite unterscheidet.

Immerhin gab es für mich ein Erfolgserlebnis:

Auf S. 35 des PDF-Berichts von Bellingcat

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2015/05/Routes-Destinations-and-Involvement-of-the-2nd-and-147th-Automobile-Battalions-in-the-June-and-July-Convoys.pdf.pdf

wird in Fußnote 42 zu diesem Video verlinkt:

[0024] Идут войска к границе трасса Миллерово-Луганск

Bellingcat Vehicle Tracking Project

Veröffentlicht am 08.03.2015

0024

Original link: http://ok.ru/video/13597280818

https://www.youtube.com/watch?v=VrjbVIv61qE

Per Google übersetzt:

Go troops to the border route Millerovo-Lugansk

Da ist es also still und leise schon im März 2015 wieder aufgetaucht, das verschwundene Millerowo-Video!

Man sieht deutlich: dort ist weder die BUK 232 noch die BUK 3_2 zu erblicken. Sondern lediglich eine BUK mit der Nummer 200 (die der SPIEGEL zeigte) und ein BUK-Raketenlader (den Bellingcat zeigte) ohne Nummer. Ansonsten nur zahlreiche LKW und vier massive verhüllte Transportgegenstände, bei denen es sich um BUK-Kommando- oder Radarfahrzeuge handeln könnte, deren Elektronik vor Nässe geschützt werden mußte. Simple BUK TELAR-Abschußrampen wurden bei Transporten in Rußland niemals komplett verhüllt.

Millerovo Buk 200 Sek 26Millerovo Buk oN Sek 27

Millerovo Buk oN Sek 28Mag Bellingcat weiter seine Phantom-BUK und Phantom-Zeugen jagen…

Marcus Bensmann von Correctiv tut nichts weiter, als Bellingcats Bilder erneut – und schlechter – zu fotographieren.

Hier meint er, am Ort der Aufnahme der Paris Match-BUK in Donezk zu sein. Abgesehen davon, daß auf dem Foto die Umgebung nicht zu sehen ist, hat er sich auch noch die falsche Stelle ausgesucht, wie ein Vergleich zeigt:

Correctiv Donezkhttps://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Paris Match Bukhttp://www.parismatch.com/Actu/International/EXCLU-MATCH-Un-camion-vole-pour-transporter-le-systeme-lance-missiles-577289

Man sieht, daß der Transporter auf einem sich verjüngenden Standstreifen parkt, der im Bensmann-Foto nicht zu sehen ist. Ich kann mir keine Entschuldigung ausdenken, die Marcus Bensmann für diesen Fehlgriff vorbringen könnte. Schließlich heißt es in dem von ihm mitverfaßten SPIEGEL-Artikel:

Donezk, Ukraine, 11 Uhr Ortszeit

Auf der Schnellstraße N21 nach Luhansk fotografiert ein französischer Journalist [!] am Stadtausgang von Donezk einen auffälligen weißen Volvo-Sattelschlepper mit einem roten Tieflader. Die N21 ist hier noch zweispurig, beide Fahrtrichtungen sind durch einen Mittelstreifen getrennt. Der Tieflader steht auf dem Standstreifen, in Fahrtrichtung Osten.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131242892.html

Die Ungereimtheiten, die im Zusammenhang mit der Herkunft und der Publizierung dieses Paris Match-Fotos aufgetreten sind, habe ich in der zweiten Hälfte meines letzten Beitrags ausführlich erörtert:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/01/19/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-3/

Und danach war es naheliegend, die Behauptung, dieses Fahrzeug sei am 17.7.2014 von einer „équipe de Paris Match“ oder einem „französischen Journalisten“, wie der SPIEGEL unterstellt, fotographiert worden, für unglaubhaft zu halten. Schon damals hätte ich wissen können, daß diese Behauptung des Reporters Alfred de Montesquiou tatsächlich falsch war. Den Beweis lieferte er nämlich selbst in einem langen Artikel, der einen Tag vorher, am 24.7.2014, in Paris Match erschienen war. Das bzw. die beiden Fotos der BUK in Donezk sind ihm zugespielt worden, als er sich ab dem 18.7./19.7.2014 in der Ukraine aufhielt.

Vol MH 17

Le massacre des innocents

Grabovo, le 17 juillet. A quelques kilomètres de la frontière russe, les premiers sauveteurs arrivés sur les lieux du drame éteignent les flammes de l’incendie du Boeing 777. © Capucine Granier-Deferre

Le 24 juillet 2014 | Mise à jour le 27 juillet 2014
De notre envoyé spécial en Ukraine Alfred de Montesquiou

[…]

http://www.parismatch.com/Actu/International/Vol-MH-17-Le-massacre-des-innocents-577249

In diesem hochspekulativen Artikel, der sich entsprechend der Blattlinie von Paris Match:

http://www.parismatch.com/Actu/International/Crash-en-Ukraine-Tant-pis-pour-les-avions-C-est-la-guerre-576131

bemüht, „den Russen“ die Schuld in die Schuhe zu schieben, wird behauptet, ein Zeuge am Absturzort namens „Alexandre“ und mehrere andere Zeugen hätten mitgeteilt, einen Abschuß aus Snischne wahrgenommen zu haben (während der Luftunfall-Experte Alain Diehl in demselben Artikel nachvollziehbar einschätzt, die Zeugen hätten den Abschuß weder hören noch sehen können); auch der ukrainische Geheimdienst habe erklärt, Rebellen in der Nähe von Snischne hätten die MH 17 abgeschossen. In Snischne seien zudem am 15.7.2014 (nach anderen, glaubwürdigeren, Artikeln am 16.7.2014) elf Menschen bei einem ukrainischen Luftangriff auf einen Vorort von Snischne gestorben. Danach heißt es, nachdem wahrheitswidrig behauptet wird, die CIA habe die Authentizität der vom ukrainischen Geheimdienst herausgegebenen “Telefonmitschnitte” bestätigt:

Des témoins fiables ont ainsi montré à Paris Match la photo volée d’un système lance-missiles Buk en train d’être conduit, justement vers ­Snijne, le matin même de l’incident. L’arme est transportée par un semi-­remorque aisément reconnaissable : il est blanc avec un gros liseré bleu sur le capot, et un panneau jaune canari sur le bord. Or, le renseignement ukrainien a, depuis, fait circuler les images d’un semi-­remorque repassant la frontière russe à la nuit tombée, au lendemain du crash. On discerne sans peine le même camion.

http://www.parismatch.com/Actu/International/Vol-MH-17-Le-massacre-des-innocents-577249

Meine Übersetzung:

Auch haben glaubwürdige Zeugen Paris Match ein heimlich aufgenommenes Foto eines BUK-Systems gezeigt, das gerade, genau an diesem Morgen des Zwischenfalls, nach Snischne transportiert wurde. Er wird auf einem leicht wiedererkennbarem Sattelschlepper transportiert: er ist weiß mit einer großen blauen Verzierung auf der Kabine und hat ein kanariengelbes Schild an der Seite. Zudem hat der ukrainische Geheimdienst zwischenzeitlich die Bilder eines Sattelschleppers verbreitet, der die russische Grenze im Schutz der Dunkelheit am Tag nach dem Absturz wieder überquert. Man erkennt mühelos denselben Lastwagen wieder.

Fotos glaubwürdiger Zeugen, die den ukrainischen Geheimdienst bestätigen, werden also mühelos als Fotos der „équipe de Paris Match“ eingemeindet. Kein Wunder, daß de Montesquiou über Aufnahmeort und -zeit nicht orientiert war und keine EXIF-Daten herausgab. Über die dürfte er schlicht nicht verfügen.

Die Paris Match-Fotos müssen als verbrannt gelten. Die einzigen Referenzfotos von Bellingcat, mit denen er die Identifizierung einer russischen BUK aus Kursk versucht, sind nicht nur qualitativ für derlei Versuche ungeeignet, sondern schon durch ihre Herkunft derartig kontaminiert, daß sie seriöserweise als Vergleichsmaterial ausscheiden müssen.

In Tores hat Bensmann, was nicht weiter schwierig war, den richtigen Standort erwischt. Bedeutet das auch, daß dort am 17.7.2014 eine BUK transportiert wurde bzw. sogar mitten auf einer Kreuzung „parkte“?

Correctiv ToresHatte Bensmann im Donbass nur ein Billig-Handy dabei oder wie erklärt sich die schlechte Qualität seiner Fotos?

Das bessere Foto hat der niederländische Bürgerjournalist Max van der Werff am 18.4.2015 gemacht – und er hat, wie sich das für einen Journalisten gehört, auch Erkundigungen eingeholt. Wenn man schon mal vor Ort ist…

Tweet Max Toreshttps://twitter.com/MaxvanderWerff/status/599862407306092544

Ein Vergleich mit dem vielfach getweeten Bild des BUK-Transports in Tores (Ausschnitt):

Torez A BukIst es wirklich plausibel, daß der BUK-Transporter sich in Höhe des Hauses mit den Streifen an den Hausecken in einer Abwärtsbewegung befindet, während die Straße bis zu diesem Haus relativ steil ansteigend ist?

Bensmann erklärt nicht, ob er in Tores nach Zeugen gesucht, aber eventuell keine bestätigenden Zeugen gefunden hat. Möglicherweise kannte er diesen vergeblichen Versuch von Kollegen, die das schon zeitnah am 22.7.2014 unternommen hatten.

Malaysia Airlines MH17 crash: Was a Russian-made missile really parked in this quiet square?

Andrew Buncombe , Cahal Milmo

Tuesday 22 July 2014

It is a photograph that could play a crucial role in proving the deadliest of deeds. Or else it could be dismissed as a fake, nothing more than crude propaganda.

At the weekend, Ukraine’s security services (SBU) released photographs and videos it said proved that Russian-made BUK-M1 surface-to-air missile systems were inside the rebel-held area shortly before Malaysian Airlines MH17 crashed to the ground.

Among the images, said to have been taken on the day of the tragedy, was one of a missile system, either parked or passing through the rebel-controlled town of Torez, barely five miles from where Boeing 777 tore into fields of wheat and sunflowers. According to Vitaliy Nayda, head of the SBU’s counterintelligence unit, the image was “evidence” of Russia’s involvement.

But on Tuesday, when The Independent visited the site where the image was taken and showed it to local people, they claimed they had seen no such missile truck and dismissed the image as hoax. “All the Ukrainian media is lying,” said one man, Andrei Sushparnov. “We have no missiles. If we did, would the Ukrainians be bombing our cities?”

[…]

“I saw this picture on the internet. But there was no such vehicle parked here,” said Svetlana Eivashenko, a 50-year woman with red hair. “I wish Ukraine would leave Donetsk in peace.”

The photograph released by Ukrainian intelligence appears to have been taken from somewhere on the forecourt of the Pit Stop Market and petrol station, located close to the junction of Gagarin and 50th Anniversary of the USSR streets in central Torez. Nearby is a large statue dedicated to coal miners, for whom this area of eastern Ukraine is famous.

The staff at the petrol station said none of them had been on duty last Thursday. A woman who gave her name as Diana and who worked in a toy shop called Briefcase, said she had been at work last Thursday and had seen nothing, even when she stepped out for a cigarette break. “I did not see that, for sure,” she said.

[…]

Mr Toler [Bellingcat-Mitarbeiter] admitted there was no irrefutable proof the image was taken on July 17 as claimed by the Ukrainians. But he said an internet search revealed the picture did not appear before the 17th. „And it matches accounts in other videos and pictures along with audio intercepts,“ he said.

The Independent spent around 90 minutes at the location in Torez, at times drawing a number of animated locals who looked at the image and shook their heads.

The only hint of a positive answer came indirectly from a woman working in the Sport betting shop. She had also been off last Thursday but her colleague, whom she contacted on the telephone, said she had „heard something heavy passing by“.

The woman said her friend did not wish to speak any further and added: „There are tanks passing by here all the time.“

http://www.independent.co.uk/news/world/europe/malaysia-airlines-mh17-crash-was-a-russianmade-missile-really-parked-in-this-quiet-square-9622031.html

Einen Zeugen hat Marcus Bensmann dann doch noch aufgetrieben. Leider fälschlicherweise im Norden von Snischne. Meine Frage dazu hat er nicht beantwortet, wie er sich auch sonst in Schweigen über seine mißlungene Reportage hüllt:

Gabriele Wolff

am 02.04.2015 01:27:20

Was sagen Sie dazu, Herr Bensmann, daß sämtliche anderen Rechercheure, von Bellingcat bis zum Rechercheteam der SÜDEUTSCHEN mit dem ör Fernsehen und Reuters, den Abschußort der Buk nicht wie Sie nördlich von Snischne in Puschkin, sondern südlich von Snischne zwischen Pervomais’ke und dem Dorf “Roter Oktober” lokalisiert haben? Auch die von RTL in Auftrag gegebene Studie kommt zu diesem vom SBU vorgezeichneten Ergebnis.

Was soll man also von den wackelnden Ziegeln in Puschkin halten?

Und wieso haben Sie nicht in Pervomais’ke gesucht, wo vor und nach Ihnen alle anderen gesucht haben? Dazu haben Sie jegliche Erklärung vermissen lassen.

https://correctiv.org/blog/2015/01/27/mh-17-zum-hintergrund-unserer-recherche/#comment-137

Tja. Vermutlich hat er es versucht und ist genauso gescheitert wie Roland Oliphant vom TELEGRAPH, der genauso russenfeindlich eingestellt ist wie ukraine@war, auf dessen Lokalisationsspuren eines Abschußortes südlich von Snischne er sich zeitnah am 22.7.2014 begab.

MH17: the clues which may lead to missile launch site

Telegraph pursues clues on the ground in Eastern Ukraine to try and track down where rocket launcher was based

By Roland Oliphant, Snizhnoye

9:39PM BST 22 Jul 2014

[…]

None the less, the quest for the launch site is a frustrating search for a needle in a wheat field.

Two possible launch sites – a rundown collective farm and a nearby wheat field – showed some track marks but no sign of any rocket launch whatsoever.

In the middle of one proposed launch site, an ancient combine harvester sedately chewed its way through the wheat on a rise that gave excellent views in all directions – including towards the MH17s flight path.

It seemed an ideal spot to park a radar unit for an anti-aircraft missile. But Vassily, the driver, said he had neither heard nor seen anything like signs of a missile launch.

„No, haven’t heard or seen anything like that. That said, I can’t even hear the shelling when I’m in the cab,“ he said.

„But the field down the way burnt the other day. Don’t know why. You might have a look there.“

The location of the fire lies on the supposed flight path of the rocket, and track marks – though indistinct – are present. Some unidentifiable bits of green plastic littered the site of the fire.

It is well within rebel control, in easy reach of the Russian border, and in an area where the Ukrainian air force has struck rebel positions in the past.

But with a strip of recently ploughed land running straight through the potential site, the evidence is inconclusive.

To add to the difficulties, experts approached by the Telegraph said a Buk launcher is a relatively light piece of kit. So any telltale track marks are unlikely to be particularly distinguishable.

„The launch of the surface-to-air missile leaves scorched strip behind the launcher, so the second picture in theory might be taken at the place where launcher stood,“ said Igor Sutyagin, a Russian military expert at the Royal United Services Institute (Rusi) said.

The photograph of the missile’s smoke trail also suggests the launch was „nearly vertical“ he said.

„In this case the plume from the missile’s nozzles will be to the very large extent ‚deflected‘ by the hull of the launcher.“

That might also place the launch site further north, much closer to the crash site.

Wherever it was fired from, the search for the Buk will be a long one.

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/ukraine/10984530/MH17-the-clues-which-may-lead-to-missile-launch-site.html

Das sah düster aus, sowohl für die “Analysen” aufgrund des Wölkchenfotos als auch für bestätigende zeitnahe Aussagen von Bewohnern dieser Gegend.

Marcus Bensmann bekam es mit einem der typischen „Zeugen“ zu tun, die Monate nach einem Ereignis, das sie nur am Rande mitbekommen haben, nicht mehr wissen, was sie wahrgenommen und was sie später erfahren haben. Hinzu kommen bei derartig verspäteten Recherchen bekanntlich der übliche Zeugentypus, der sich wichtig macht, sowie derjenige, der eine eigene politische Agenda verfolgt. Aussagepsychologie ist Reportern, die mit der Tür ins Haus fallen, so unbekannt wie überflüssig. Sie wollen O-Töne, die ihre Sicht der Dinge plakativ bestätigen.

Und so wird die Zeugenaussage eines Mannes in dem nördlich von Snischne befindlichen Dorf Puschkin von Bensmann in seiner „Hauptgeschichte“ präsentiert [Hervorhebungen von mir]:

Zwei Tage später ein weiterer Besuch. Es ist noch früh. Die Straßen in der Siedlung sind leer. Wieder bellen Hunde, sie zerren hinter Metalltoren an Ketten. Nach langem Klopfen öffnet ein Bewohner seine Haustür. „Vielleicht sind Sie ein Spion?“, ist die erste Frage nach einer hastigen Begrüßung. Am 17. Juli 2014 war er am Ort. Die Frage nach diesem Tag macht ihm Angst.

„Ich erinnere mich. Aber wissen Sie, ich sage Ihnen dazu nicht alles. Das könnte schlecht für mich enden.“ Der Reporter stellt sich vor. Er zeigt seine Ausweise. Er sagt, er sei hier, um mehr zu erfahren. Die Menschen in Europa wollten wissen, was passiert ist, warum so viele aus ihrer Mitte hier in der Ukraine sterben mussten, abgeschossen in einem friedlichen Flugzeug.

Der Mann stockt. Dann fängt er an zu erzählen: „Sie haben es mit einer Rakete abgeschossen. Die Rakete haben sie von dort abgeschossen. Wir haben sie gesehen, wie sie geflogen ist.“

Er weist auf den Bahndamm. Ein Freund von ihm habe die Raketen vorher schon gesehen. „Er hat mich angerufen und gesagt: Dort steht so ein krasses Teil mit vier Raketen.“ Auch der Freund bleibt ohne Namen. „Er hat auch Angst. Es sind gefährliche Zeiten.“ Aber eine andere Frage beschäftigt den Zeugen auch noch. „Sie haben alles geplant. Ich weiß nur nicht, warum Sie es hier hin gekarrt haben.“

Endlich kommt er ins Reden. “Ich war im Hof und habe eine Explosion gehört, einen Schlag. Da war so ein Chlop (russisch für Schlag). Die Ziegel auf dem Dach wackelten. Und dieser Schlag war dort drüben, das war hier sehr gut zu hören. Es gab so einen langen Ton. Und dann gab es eine sehr starke Explosion: Bach Bach. Und gerade als ich auf die Straße gelaufen bin, stürzte das Flugzeug ab, entlang der Straße einige Kilometer entfernt von hier. Verstehen Sie? Und man konnte sehen, wie es dort brannte.” Für den Chlop, den Schlag, hat der Zeuge eine Erklärung. “Da ist sie von dort offensichtlich losgeflogen.”

Auf die Frage ob russische Soldaten oder Separatisten die Rakete abgeschossen hätten, muss der Mann lachen. Für ihn können es nur russische Soldaten gewesen sein. “Nun, welcher Bergmann wird mit einer Rakete schießen? Das waren Spezialisten. Kann ich etwa Raketen abschießen?”

https://mh17.correctiv.org/

Ist die Aussage dieses Mannes richtig übersetzt worden? Ist sie zutreffend wiedergegeben worden?

Bensmann war – das unterscheidet ihn von seinen Nachfolgern – so großzügig, an versteckter Stelle sein Ausgangsmaterial (falls richtig übersetzt) freizugeben; und trotz der Zensur:

Zum Schutz des Zeugens vor Racheakten haben wir die Stimme von einem Schauspieler übersprechen lassen und Kürzungen vorgenommen.

läßt sich feststellen, daß die Ausage des Zeugen ganz anders ausgefallen ist als in der redaktionellen Bearbeitung auf der Correctiv-Hauptseite.

Journalist: Guten Tag. Ich bin Marcus Bensmann, ein deutscher Journalist. Ich gehe über die Dörfer und schaue, wie die Menschen so leben.

[…]

Journalist: Ich habe da noch eine Frage. Sie erinnern sich an den 17. Juli, als sie das Flugzeug abgeschossen haben, MH17, erinnern sie sich?

Bewohner: Aber wissen sie, ich sage ihnen dazu nicht alles, das könnte schlecht für mich enden.

Journalist: Das heißt, sie wollen darüber nicht sprechen?

Bewohner: Nein, ich habe Angst.

Journalist: Aber warum?

Bewohner: Ich weiss doch nicht, was sie im Schilde führen, in diesen wahnsinnigen Zeiten.

Journalist: Nur, Sie müssen verstehen. Die Menschen dort fragen das. Sie beschäftigt diese Frage.

Bewohner: Wo?

Journalist: In Deutschland.

Bewohner: Aber was wollen sie wissen? Sie haben es mit einer Rakete abgeschossen. Die Rakete haben sie von dort abgeschossen. Wir haben sie gesehen, wie sie geflogen ist. Verstehen sie? Was wollen sie noch wissen?

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Typischerweise beginnt das Gespräch zur Sache nicht mit einer Ich-, sondern mit einer „Wir“-Aussage, die als Reduzierung auf einen Behauptungskern daherkommt. In der Folge wird sie Stück für Stück zurückgenommen. Und hätte daher nicht mehr zitiert werden dürfen.

Journalist: Sie haben es gesehen?

Bewohner: Ich war im Hof und habe eine Explosion gehört, einen Schlag. Da war so ein „Chlop“ (russisch für Schlag). Und dieser Schlag war dort drüben, das war hier sehr gut zu hören. Und dann gab es eine sehr starke Explosion. Meine Ziegel haben gewackelt. Und gerade als ich auf die Straße gelaufen bin stürzte das Flugzeug ab, entlang der Straße einige Kilometer entfernt von hier. Verstehen Sie? Und man konnte sehen, wie es dort brannte. Ich bin auf die Strasse gerannt und sehe, da kam ein sehr grosse Schlag von dort und schwarzer Rauch. Kurz gesagt, ich bin in diesem Moment rausgelaufen, als es abstürzte. Ich habe es nicht gesehen, als es flog, das habe ich alles gehört. Und es hat dann dort gebrannt.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

In der Konkretisierung wird aus dem behaupteten Sehen einer fliegenden Rakete eine im Hof gehörte Explosion in der Nähe, danach folgt die Explosion des abgestürzten Flugzeugs nebst schwarzer Rauchwolke. Beide Ereignisse wurden jeweils nur gehört und später miteinander kausal verbunden.

Journalist: Das Flugzeug haben sie gesehen?

Bewohner: Nein, das Flugzeug habe ich nicht gesehen. Als ich nach dieser Explosion rausgelaufen bin, habe ich gehört, dass sich eine große Explosion dort ereignet hatte.

Journalist: Ja.

Bewohner: Ich war im Hof unter der Plane, höre eine Explosion: „Bach Bach“. Die Ziegel auf dem Dach wackelten und es gab so einen langen Ton. Ich bin sofort auf die Strasse gelaufen und sehe, wie es dann entlang dieser Strasse zur Erde stürzt. Es ereignete sich, dass es genau entlang dieser Strasse passierte.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

In der erneuten Wiederholung wird deutlich, daß der Zeuge im Hof unter einer Plane stand, als die erste Explosion erfolgte – gesehen hat er nichts. Dafür sieht er plötzlich das abstürzende Flugzeug, das er zuvor nicht gesehen hatte.

Journalist: Sie haben also von hier geschossen?

Bewohner: Von dort ungefähr. Ich habe einen Schlag gehört. Ich habe unter dem Verschlag ein „Chlop“ (russisch für Schlag) gehört. Ein „Chlop“, so ein Schlag eben. Da ist sie von dort offensichtlich losgeflogen. Aber dann eine starke Explosion. Den habe ich dann von hier aus gehört. Im Himmel war eine starke Explosion. Ich bin dann zwischen Garage und Strasse rausgerannt. Habe geschaut. Aber habe nichts gesehen. Aber als ich dann gelaufen bin, da habe ich gesehen, wie es auf die Erde gestürzt ist.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Bei der nächsten Variante (auf eine Suggestivfrage hin) erkennt man, wie die Schlußfolgerung „Da ist sie von dort offensichtlich losgeflogen“ die wahrgenommen Ereignisse überlagert. Gleichzeitig überlagert die Information über den Absturz der MH 17 die Erinnerung an das Erlebte; denn plötzlich will der Zeuge zusätzlich sogar eine Explosion im Himmel gesehen haben – die er wegen der geschlossenen Wolkendecke bei einer Explosion in 10 km Höhe nicht gesehen haben kann.

Journalist: Haben Sie Fahrzeuge gesehen dort?

Bewohner: Wo?

Journalist: Nun, wer dort geschossen hat, also die Raketen.

Bewohner: Nun, die Fahrzeuge habe ich nicht gesehen. Aber ein Freund hat diese Fahrzeuge gesehen. Er hat mich angerufen und gesagt: Dort steht so ein „krasses Teil“ mit vier Raketen. Sie haben in der Stadt gestanden.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

In der Stadt Snischne soll der Freund also die BUK gesehen haben – und nicht im nördlichen Vorort Puschkin, dem Wohnort des Zeugen. Das wird in der zusammenfassenden Präsentation des Interviews mehr als nur verschwiegen; im Gegenteil wird durch die Ortsbezeichnung „Bahndamm“ nahegelegt, daß der Freund eine BUK ganz in der Nähe, nämlich am Bahndamm in Puschkin, gesehen habe.

Journalist: Vier Raketen?

Bewohner: Ja, vier Raketen waren da.

Journalist: Waren das russische Soldaten oder Separatisten?

Bewohner: (lacht) Nun, welcher Bergmann wird mit einer Rakete schiessen? Das waren Spezialisten. Kann ich etwa Raketen abschiessen?

Journalist: Also das war von hier?

Bewohner: Ich weiss nur nicht, warum sie sie hierhin gekarrt haben.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Der Zusatz in der Präsentation: „Sie haben alles geplant. Ich weiß nur nicht, warum Sie es hier hin gekarrt haben.“ fehlt. Ob es sich hier um eine Erfindung Bensmanns oder um eine der Kürzung zum Opfer gefallene Stelle handelt – ich weiß es nicht. Irgendeine Bedeutung hat diese Aussage des unwissenden Dorfbewohners ohnehin nicht.

Journalist: Sie sind von hier.

Bewohner: Ja, ich bin von hier.

Journalist: Und das von hier geschossen wurde, dass hier Raketen gestanden haben, haben auch alle gesehen?

Bewohner: Nun, was heisst schon alle? Zu dieser Zeit sind wir nicht viel rumgefahren. Ich kenne einen, der das alles gesehen hat. Nur wird der nicht mit Ihnen reden. Er hat alles gesehen. Er hat als erster die Raketen gesehen. Er ist als erster hingefahren, nachdem das Flugzeug abgestürzt ist. Er ist hingefahren und hat geguckt. Er hat es mir erzählt.

Journalist: Nur, er wird nicht mir mir reden?

Bewohner: Kaum. Er hat auch Angst. Man weiss ja nicht, wo Du hingehst. Es sind gefährliche Zeiten. Wir haben hier keine Demokratie.

https://mh17.correctiv.org/die-zeugen-deutsch/

Zuguterletzt nimmt er sogar die Wir-Aussage der Eingangsbehauptung zurück. Er selbst hat gar nichts Konkretes mitbekommen. Es ist wahrscheinlich, daß es am 17.7. 2014 eine Kriegseinwirkung bei Puschkin gab – so berichtete eine Einwohnerin von Rauch über der nahegelegenen Fabrik, die später von Bellingcat als „KhimMash plant“ identifiziert wird (s.u.).

Die andere Frau hat von der Fabrik aus „starken Rauch gesehen. Alle haben sich erschreckt.“ Woher der Rauch gekommen sei? Sie reagiert verunsichert. „Woher sollten wir wissen, was das war? Wir haben gehört, wie etwas explodierte.“

https://mh17.correctiv.org/

Letztlich ist er der klassische Zeuge vom Hörensagen, der Monate später interviewt und dessen vage und widersprüchliche Aussage von voreingenommenen Reportern tendenziös wiedergegeben wird. Nach diesem Muster verfuhren alle weiteren Reporter, die sich nach Correctiv auf Recherchereise in den Spuren Bellingcats begeben haben.

Bensmann ist es zu verdanken, daß man Einblick in die journalistische Verdreherei von Zeugenaussagen gewonnen hat. Genauso hat man sich das als Medienkonsument immer vorgestellt.

Eine Ohrfeige für Marcus Bensmann hat Bellingcat jedenfalls am 27.1.2015 geliefert:

Is this the Launch Site of the Missile that Shot Down Flight MH17? A Look at the Claims and Evidence

January 27, 2015

By Daniel Romein

In a previous investigation related to the 17 July 2014 downing of Malaysian Airlines Flight 17 (MH17) in eastern Ukraine, the Bellingcat investigation team provided the origin and movements of a Buk M1 missile launcher filmed and photographed that same day that travelled from Donetsk past Zuhres, through Torez and Snizhne. Before reaching Snizhne, the Buk M1 missile launcher was transported on a red low-loader hauled by a white Volvo truck featuring a telephone number and unique blue stripes. In Snizhne, however, the Buk was unloaded off the hauler and driven south out of Snizhne under its own power. In the early hours of 18 July 2014 the missile launcher was spotted in Luhansk, where it was again being hauled by the same white Volvo truck, but this time it was missing one missile.

The location of the Buk between its last sighting in Snizhne and its appearance in Luhansk the following morning is a vital question that will shed light on the culprits and circumstances of the MH17 tragedy. This report will consider four vital clues that allow us to estimate the launch location for the missile that downed MH17: 1) photographs of a white smoke trail taken a few moments after the crash of flight MH17, 2) visible burn damage to a wheat field that appeared between 16 and 20 July 2014, 3) audio recordings reportedly from 17 July 2014, and 4) a US intelligence satellite image from 22 July 2014.

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17

Danach befindet sich der für ihn wahrscheinliche Abschußort nicht nördlich, wie Bensmann meint, sondern südlich von Snischne, und zwar hier:

Bellingcat Abschußorthttps://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17

Daß nach einem verbrannten Feld gefahndet wurde, mag Marcus Bensmann besonders irritiert haben, hatte er doch, eventuell unter dem Einfluß seines anonymen Militärberaters, kühn zur Buk-Rakete dekretiert:

Die Rakete wird aus einem feuerfesten Container gestartet, deshalb hinterlässt sie kaum Brandflecken; die Spuren der Abschussrampe auf dem Boden gleichen denen eines Panzers.

https://mh17.correctiv.org/

Dummerweise verortet Bellingcat das offiziell von den USA am 22.7.2014 verbreitete „Abschußfoto“ ebenfalls südlich von Snischne, wie ich das nach bloßem Augenschein auch eingeordnet hatte. Nix da mit der von Bensmann ohne Nachweis verbreiteten Behauptung, die USA hätten einen Abschußort nördlich von Snischne benannt. In die Ecke stellen und schämen, ist mein Ratschlag für diese Art von Journalismus.

Wie konnte es zu diesem Affront zwischen Bellingcat einerseits und Correctiv/SPIEGEL andererseits kommen, obwohl sich doch beide mit großer Naivität auf social media und Geolocating verlassen und in der Sache („Rußland war es!“) einig sind?

Ganz einfach: Elliot Higgins mißtraute am 22.7.2014 noch den entsprechenden „Findungen“ des ersichtlich vorurteilsbehafteten „ukraine@war“-Bloggers aus den Niederlanden.

The Latest Open Source Theories, Speculation and Debunks on Flight MH17

July 22, 2014

By Eliot Higgins

[…]

The Launch Site Found?

A couple of days ago Storyful shared high resolution satellite map imagery of the areas around the crash site and locations identified in images of the Buk Missile Launcher (shared here, open with Google Earth).  While many people focused on the crash site itself, others were looking for signs of the launchers. In a post on the Ukraine@WAr blog the author identified tracks in a field in images from July 20th, just south of the location the suspected Buk Missile Launcher was filmed, south of Snizhne

In his next post on the subject, the author also believes he’s identified the direction of smoke seen on the day, which some have claimed to be from the launch of the Buk’s missile, as being the same direction as the field.  Personally I believe there’s two things that would be useful here, having satellite map imagery from the day before the attack to confirm the tracks are fresh, and having someone on the ground examine the tracks, ideally measuring the distance between the two sides of the tracks to see if it matches the specifications of the Buk. While I don’t feel the posts are conclusive, it’s something that warrants further investigation.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/07/22/the-latest-open-source-theories-speculation-and-debunks-on-flight-mh17/

Diese Zurückhaltung legte das Bellingcat-Team erst am 27.1.2015 ab und schenkte dem Wölkchenfoto aus Tores erstmals Beachtung. Dazu trug natürlich die für RTL/NL gefertigte Studie bei, die zwar von Bellingcat erwähnt, zu der allerdings nicht verlinkt wurde. Diese am 22.12.2014 von RTL veröffentlichte Studie hatte just jenes spezifische Feld als Ort eines möglichen Brandes identifiziert, auf das sich Bellingcat jetzt, am 27.1.2015, risikolos als Abschußort festlegte:

RTL-Studie Abschußort S. 12http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf

[S. 12]

RTL-Studie Abschußort, S. 23http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf

[S. 23]

Und wie erklärt Bellingcat, daß ihr Kollege und Fan Marcus Bensmann mit seinem Zeugen und seinem freihändig erkorenen BUK-Abschußort derartig danebenlag?

Tweet Max Correctivhttps://twitter.com/MaxvanderWerff/status/601789446833479682

Sehr nüchtern auf eine entsprechende Anfrage im Kommentarteil seines Blogs:

Daniel Romein – January 28th, 2015

This location is based on testimonies of a few witnesses, the audio recordings of Zello conversations where some people mention the KhimMash plant and a wrong geolocation of the direction the pictures of 17 july in Torez were taken from. The tracks they have seen in the fields could have been made by tanks as well.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/27/is-this-the-launch-site-of-the-missile-that-shot-down-flight-mh17/comment-page-2/#comment-8611

Oder von Mähdreschern, denn Bensmann unterließ es, den Radstand einer verdächtigen Spur zu vermessen. Soviel zu Correctiv und SPIEGEL. Außer Spesen nichts gewesen. Aber das gilt natürlich gleichermaßen für seine Nachfolger, die den Bellingcat-Trip in den Donbass unternahmen, um sich dort der Nachbebilderung und/oder dem „Zeugenschütteln“ im Dienst einer unverhohlen offenbarten Agenda zu widmen.

Nachtrag (27.5.2015):

Eine erneute Überprüfung des deutschsprachigen Bellingcat-Beitrags „MH 17 Herkunft der Separatisten Buk“ vom 8.11.2014 ergab den endgültigen Beweis für die Verschleierungskünste, derer sich die Plattform Bellingcat bedient.

Das Bellingcat MH17 Untersuchungsteam hat 16 Videos auf Social Media Websites wie VKontakte, YouTube, Instagram und Odnoklassniki, die die Bewegung des 53. Brigade Konvois von Kursk am 23. Juni bis Millerowo 29 am 25. Juni zeigen gefunden.

Das Bellingcat MH17 Untersuchungsteam war auch in der Lage, den exakten Standort 30 zu identifizieren an dem jedes Video gefilmt wurde und anhand gleicher Fahrzeuge in verschiedenen Videos nachzuweisen, dass alle 16 Videos den gleichen Konvoi zeigen.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 14 f.]

So die Behauptung. Im Gegensatz zur englischsprachigen Fassung (in der es die in die Irre führende Fußnote 29 zu „Millerowo“ gar nicht gibt), führt in der deutschsprachigen Fassung das Versprechen des exakten Standorts nicht zu einem „article not found“ wie im englischsprachigen Pendant, sondern zu etwas sehr Eindeutigem. Offenbar schätzt Bellingcat deutsche Leser als die größeren Pedanten ein; Deutsche – mit Ausnahme von Journalisten – delektieren sich halt an Fußnoten, das ahnt man in Großbritannien.

Fußnote 30:

30 https://www.bellingcat.com/news/2014/11/07/geolocated-june-buk-convoy-videos-in-russia

verlinkt zu diesem oberflächlichen Artikel mit Landschaftsaufnahmen (man sieht kein einziges erkennbares militärisches Gerät) vom 7.11.2014, der also hastig einen Tag vorher erstellt wurde:

Geolocated June BUK convoy videos in Russia

November 7, 2014

By Veli-Pekka Kivimäki

In September, the discovery of six videos of a Buk convoy in Russia was reported on Bellingcat. During the research done by the Bellingcat team, another 10 videos have been discovered from June 23-25, which can be linked to the same convoy. As the basis for the geolocation work, the previous videos from June were utilized both as reference material, as well as to give indications of a possible route which would narrow down the search area.[…]

The tenth video is from Millerovo, and is addressed in a separate case study, walking through the geolocation process.

https://www.bellingcat.com/news/2014/11/07/geolocated-june-buk-convoy-videos-in-russia/

Logischerweise führt der Link zum Millerowo-Video zu dem gelöschten Video, und der Link zur “separate case study” nicht einmal zu dem bereits erörterten nichtssagenden Artikel von Eliot Higgins vom 8.11.2014,

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/11/08/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo/

sondern zu dem bereits bekannten:

Article Not Found!

The article you were looking for was not found.

https://www.bellingcat.com/uncategorized/2014/11/07/geolocating-the-russian-buk-convoy-in-millerovo

Da bei Bellingcat Computer-Freaks arbeiten, die sich mit Verlinkungen auskennen müßten, sicherlich auch mit der Einrichtung einer Suchfunktion, die ich auf dieser Seite partout nicht finden kann, muß man Bellingcats Fehlleistungen in ihrer Gesamtheit wohl als bewußte Irreführung des Publikums bezeichnen. Aber für die Mainstream-Medien, die sich auf Verifizierungstour der Bellingcat-Behauptungen begeben, reichen derartige Schlampigkeiten allemal.

Wenn da nicht diese eindeutige Zusammenfassung am Ende des Artikels von Kivimäki wäre:

„# Location Coordinates Buk TELAR 3×2 in video?
1 Troitskiy 51.3590587,37.500688 Yes, 00:24
2 Stary Oskol 51.3590587,37.500688 Yes, 02:01
3 Popovy Dvory 51.6544589,36.7921105 No
4 Stary Oskol 51.3065105,37.9023863 No
5 Stary Oskol 51.2707467,37.9254813 No
6 Stary Oskol 51.3203988,37.886651 No
7 Neznamovo 51.2441558,37.9365475 No
8 Alexeyevka 50.624703,38.6503823 Yes, 6:22
9 Alexeyevka 50.5831713,38.7146552 Yes, 0:52
10 Millerovo 48.902343, 40.444658 No“

https://www.bellingcat.com/news/2014/11/07/geolocated-june-buk-convoy-videos-in-russia/

Bei SPIEGEL und Correctiv hat man über die Tatsache, daß die verdächtige BUK 3_2 in Millerowo nicht gesichtet wurde, großzügig hinweggesehen und das Gegenteil behauptet. Die bei Millerowo gesichtete BUK 200 zeigt durch die Nullen gerade an, daß sie keinem konkreten Truppenteil angehörte, ebensowenig wie der nicht gekennzeichnete BUK-Raketenlader. Ein Zusammenhang mit der 53. Brigade aus Kursk besteht daher offensichtlich nicht.

Das Bellingcat-Unternehmen ist lediglich ein interessegeleitetes Bindeglied zwischen Politik und Medien und hat mit „alternativer“ Recherche nichts zu tun. In diesen bitteren Apfel der Erkenntnis muß man beißen.

Aber das hatte ich ja schon in den Artikeln:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/02/01/ukraine-intermezzo-wie-bellingcat-arbeitet/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/03/28/ukraine-intermezzo-wie-bellingcat-arbeitet-2/

dargelegt.

Zur Fortsetzung geht es hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/07/29/informationskrieg-um-mh17-5/

(wird fortgesetzt)

Ukraine-Intermezzo: wie Bellingcat arbeitet (2)

MH 17 TitelfotoFortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/02/01/ukraine-intermezzo-wie-bellingcat-arbeitet/

Es muß noch einmal die Rede sein von Bellingcat alias Eliot Higgins und seinem Team, seinen Methoden und seinen Zielen, bevor das Thema des sich aufheizenden Informationskrieges um den Abschuß der MH 17 fortgesetzt werden kann. Denn letztlich gehen sämtliche Bemühungen westlich orientierter Medien, investigative „Aufklärung“ des Flugzeug-Abschusses zu betreiben, von Bellingcats nur allzu nützlichen Vorlagen aus. Während seine Studien wiederum den westlichen Mainstream in Politik und Medien visuell und mit scheinbarer Wissenschaftlichkeit lediglich aufbereiten. So viel Symbiose war noch nie zwischen herkömmlichen und vermeintlich alternativen Medien. Deren Methoden sollte also auf den Grund gegangen werden.

Am 23.10.2014 schrieb ich:

Die sich zuspitzenden Ereignisse beginnen am Sonntag, dem 13.7.2014.

An diesem Tag gab es nicht nur zahlreiche Luftangriffe der Kiewer “ATO” auf Ziele in der Ostukraine, sondern es schlugen auch vom ukrainischen Territorium abgeschossene Granaten im russischen Ort Donezk ein, die einen Mann töteten und zwei Frauen verletzten. Es war zwar nicht das erste Mal, daß beim Kampf um Grenzkontroll-Posten Geschosse aus der Ukraine in Rußland einschlugen: es war aber das erste russische Todesopfer, das bei einem solchen Vorfall zu beklagen war.

[…]

In diesem Beitrag hatte ich auch einen Link zu einem Artikel von RT vom 13.7.2014 gesetzt, in dem frühere Bombardierungen des russischen Staatsgebiets aufgelistet waren:

On Saturday [12.7.2014] a vehicle, carrying a squad of Russian border guards, came under fire from the Ukrainian side at the frontier between Russia and Ukraine.

On June 28, mortar shells from Ukraine hit Russian territory, damaging a building at the Gukovo border checkpoint and creating potholes in the ground in two villages.

The week before, on June 20, the Russian Novoshakhtinsk checkpoint in the Rostov region was shelled by mortars, Russia’s Border Service said.

http://rt.com/news/172404-russian-donetsk-shelled-victims/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/10/23/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-2/

Danach hatte ich angeführt, welche Gegenpropganda ab dem 13.7.2014, dem ersten tödlichen Angriff auf Rußland von ukrainischem Gebiet aus, von Kiew entfaltet wurde, jeweils mit dem Inhalt, Rußland habe von seinem Staatsgebiet aus per Grad-Beschuß und per Kampfjet-Angriff das ukrainische Militär bzw. am 16.7.2014 ein mehrstöckiges Wohnhaus in Snischne angegriffen.

Niemals hätte ich gedacht, daß diese – zum Teil widersprüchliche – Propaganda von irgendjemandem ernstgenommen werden könnte.

Vom explizit antirussisch eingestellten niederländischen Blogger ukraine@war natürlich abgesehen, der keine Mühe hat, die entsprechende Kiew-Propaganda durch Geolocation und Social Media jeweils zu „belegen“.

16.7.2014

http://ukraineatwar.blogspot.de/2014/07/russian-grad-firing-from-russian-soil.html

23.7.2014

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/russian-soldiers-vk-page-shows-russia.html

27.7.2014

http://ukraineatwar.blogspot.de/2014/07/us-satellite-images-show-russian.html

27.8.2014

http://ukraineatwar.blogspot.de/2014/08/russia-shelling-ukrainian-village-from.html

27.11.2014

http://ukraineatwar.blogspot.de/2014/11/unnoticed-video-of-26-downing-confirms.html

Das geht bei ihm flott wie das Brezelbacken. Auch wenn Eliot Higgins sehr früh mit ihm zusammenarbeitete, so schon am 2.8.2014 in einem Beitrag für „The Daily Beast“, als er bereits auf schmalster Basis (Verweis auf die Propaganda des ukrainischen Geheimdienstes SBU und auf die entsprechenden Begleitarbeiten von ukraine@war) Rußland für den Abschuß der MH 17 mittels eines Buk-Systems verantwortlich machte:

http://www.thedailybeast.com/articles/2014/08/01/the-buk-that-could-an-open-source-odyssey.html

so hat er es klüglicherweise später vermieden, seine Inspirationsquellen SBU oder ukraine@war zu erwähnen.

Ansonsten habe ich nur einen zeitnahen Versuch der US-Administration gefunden, die Kiew-Propaganda über russische Angriffe auf die Ukraine im Juli 2014 zu übernehmen, und zwar wie für die „Beweisführung“ der USA und der NATO üblich, mit Hilfe von nichtssagenden Digital Globe Fotos:

Satellite Images Show Russia Firing Into Ukraine: U.S. Government

Satellite images released Sunday show what the U.S. government says is evidence that Russian forces are firing rockets and heavy artillery into Ukraine in support of pro-Russian rebels. The four black and white images, which were taken between July 21 and July 26, were released by the State Department and include captions from the Director of National Intelligence. They support the U.S. government’s recent claim that Russia appeared to be moving heavy artillery systems toward Ukraine. Russian officials have denied involvement in the conflict.

One image shows the Ukrainian and Russian border area, and what are said to be the results of rocket fire, including impact craters on one side and blast marks on the other.

“The wide area of impacts near the Ukrainian military units indicates fire from multiple rocket launchers,” a caption says.

Other images show what are described as Russian self-propelled artillery that are “oriented in the direction” of a Ukrainian military unit, as well as a before and after shot of a Ukrainian unit that is said to have been fired on by an artillery strike. The images were released as fighting escalated between Russian separatists and Ukrainian forces near the crash site of the Malaysia Airlines flight MH17. On July 17, 298 people on board were killed after the plane was shot down.

—Tim Stelloh with The Associated Press

First published July 27th 2014, 10:42 pm

http://www.nbcnews.com/storyline/ukraine-plane-crash/satellite-images-show-russia-firing-ukraine-u-s-government-n166166

Hier drei der “Beweisfotos”:

Beweisfoto 1Beweisfoto 2

Daß die Fotos gar nichts belegen, erschließt sich von selbst. Dementsprechend verpuffte diese Aktivität, medial wie politisch. Zudem beherrschte der MH 17-Abschuß vom 17.7.2014 das öffentliche Interesse, das auch ohne Beweise von klaren Schuldzuweisungen geprägt war.

Umso überraschender war es, daß Eliot Higgins sich dem Thema von Artillerie-Angriffen Rußlands auf die Ukraine im Sommer 2014 dann doch noch gewidmet hat. Ich erfuhr davon durch einen Fanfarenstoß des Guardian vom 17. Februar 2015:

Russia shelled Ukrainians from within its own territory, says study

Satellite images, digital detective work and social media provide strongest evidence yet of Russian crossborder shelling, according to investigation

How blogger Brown Moses used open-source information to analyse missile attacks on Ukraine

Julian Borger and Eliot Higgins

Tuesday 17 February 2015 14.00 GMT

[…]

Read the full Bellingcat report in English, German or Russian

http://www.theguardian.com/world/2015/feb/17/russia-shelled-ukrainians-from-within-its-own-territory-says-study

Sehr kunstvoll: Eliot Higgins ist als Co-Autor an diesem Reklamestück beteiligt, als Autor der Studie wird sein früheres Pseudonym “Brown Moses” angeführt, das er nach seinem Syrien-Giftgas-Debakel nicht ohne Grund abgelegt hat, und in dem gesamten Werbe-Artikel wird nicht mit einem Wort erwähnt, daß der Guardian Autor Eliot Higgins für die gehypte Bellingcat-Studie selber verantwortlich ist.

Nun ja, ein eifriger Besucher des online-Auftritts des Guardian wird die weiteren Werbe-Kampagnen für Bellingcats aktuellen Coup nicht verpaßt, und also auch diesen Beitrag konsumiert haben, in dem immerhin Brown Moses und Eliot Higgins als ein und dieselbe Person identifiziert wurden. Tatsächlich ist das „Brown Moses“-Pseudonym abgelegt und Higgins agiert seit August 2014 als Blogger ausschließlich unter Bellingcat und als Twitterer unter seinem Klarnamen.

How blogger Brown Moses used open-source information to analyse missile attacks on Ukraine – video

Blogger and citizen journalist Eliot Higgins – aka Brown Moses – explains how he used open-source information to determine cross-border artillery attacks that appear to be being fired from Russian territory into Ukraine. His team used satellite imagery on Google Earth and crater analysis techniques

Mustafa Khalili and Alex Healey, theguardian.com

Tuesday 17 February 2015 14.00 GMT

[…]

http://www.theguardian.com/world/video/2015/feb/17/brown-moses-cross-border-artillery-analysis-video?CMP=share_btn_fb

Darüberhinaus bot der Guardian am selben Tag noch Raum für diese Reklame-Sendung, als deren Autor auch „Bellingcat“ firmiert:

How digital detectives say they proved Ukraine attacks came from Russia

A group of investigative journalists who specialise in image analysis say they have proved a series of key artillery strikes on Ukrainian forces in summer 2014 came from inside Russia. We focus on two attacks to show how the Bellingcat team examined satellite imagery and social media videos to support their theory

Bellingcat, Pablo Gutierrez and Paul Torpey

Tuesday 17 February 2015 14.02 GMT

[…]

http://www.theguardian.com/world/2015/feb/17/ukraine-russia-crossborder-attacks-satellite-evidence

So viel Propaganda kann nur einem Propaganda-Stück dienen, denkt man sich da unwillkürlich. Wie peinlich muß es für den Guardian gewesen sein, aufgrund einer Démarche nun gerade von Sputnik News nachträglich am 19.2.2015 darüber aufklären zu müssen, daß ihr Autor Eliot Higgins gleichzeitig Autor des gehypten Bellingcat-Stücks ist?

Guardian Corrects Anti-Russian Story Based on ‚Research‘ of Own Reporter

23:50 19.02.2015 (updated 08:34 20.02.2015)

[…]

EDINBURGH (Sputnik), Mark Hirst — The Guardian was forced to correct an article claiming Russian military units fired on the Ukrainian Army from inside the Russian border after Sputnik news agency learned the newspaper’s reporter had himself jointly authored the research on which the story was based.

On Tuesday Eliot Higgins, a self-styled „citizen journalist“ wrote a joint news article with the Guardian’s Diplomatic Editor, Julian Borger, based on a study published by the so-called „Bellingcat investigative group“. Under the headline „Russia shelled Ukrainians from within its own territory, says study“ Higgins and Borger detail the claims made by the group based on „self-taught“ analysis of satellite maps freely available on the internet.

[…]

But Sputnik News learned Thursday that Higgins was one of the co-authors of the study on which the apparent news story was based and was in fact responsible for founding the Bellingcat group.

„Eliot Higgins is the founder of the Bellingcat investigative journalism network and lead author of the report Origins of Artillery Attacks on Ukrainian Military Positions in Eastern Ukraine Between 14 July 2014 and 8 August 2014,“ said the footnote added to the article Thursday.

Responding to Sputnik an official spokesman for The Guardian newspaper, who declined to be named said, „The article in question should have made clear that Eliot Higgins was lead author of the report and the founder of the Bellingcat investigative journalism network. We have now footnoted the article to reflect this and amended Eliot Higgins‘ byline profile.“

[…]

The article had remained published online for more than two days and had attracted 1658 online comments before the changes were made.

[…]

http://sputniknews.com/military/20150219/1018504330.html

In Deutschland griffen die interessierten Medien ebenso begeistert zu:

Die ZEIT, natürlich…

Untersuchung

Ukraine soll von Russland aus beschossen worden sein

Im Sommer soll sich Russland aktiv am Krieg gegen die Ukraine beteiligt haben. Reifenspuren und die Winkel der Einschusslöcher liefern einer Analyse zufolge Beweise.

Aktualisiert 18. Februar 2015  00:28 Uhr

Britische Waffenexperten und Journalisten haben in den vergangenen Monaten Angriffe auf ukrainische Soldaten ausgewertet. Die Ergebnisse könnten bestätigen, was internationale Beobachter, westliche Medien und Politiker Russland seit Monaten vorwerfen: Dass sich das Land auf Seiten der Separatisten aktiv am Krieg gegen die Ukraine beteiligt. Mehr als 120 Artillerie-Angriffe sollen der Studie zufolge im Sommer 2014 von Russland ausgeführt worden sein.

DasBellingcat-Team um den Waffenblogger Eliot Higgins wertete für seine Analyse Google-Earth-Satellitenaufnahmen sowie Fotos und Videos aus sozialen Netzwerken aus. Zudem stellten Anwohner der russischen Stadt Gukowo Videos ins Netz, auf denen Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesysteme zu sehen sind und Rauchwolken über der vermuteten Abschussstelle. Die Abschussposition der Raketen müsste den Videos zufolge in der Nähe von Gukowo liegen. Satellitenbilder sollen dies mit Brandflecken und Reifenspuren bestätigen. Es gab offenbar auch keine Spuren, die über die Grenze hinweg in die Ukraine zurückführten. Auch der Guardian vermutet, dass die Fahrzeuge nicht von Separatisten, sondern von russischen Einheiten gefahren wurden.

[…]

Kritik an „Bellingcat“

In einem Bericht des Guardian kritisiert ein unabhängiger Militärforensiker die Methoden des Bellingcat-Teams. Durch Satellitenaufnahmen könnten keine wissenschaftlichen Aussagen getroffen werden. Dennoch seien die Aufnahmen überzeugend und würden viele Fragen aufwerfen, wird der Experte zitiert.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-02/ukraine-krieg-russland-intervention-bellingcat?commentstart=1#comments

Wie schon am 13.11.2014 geschehen – was zur vorgefaßten meinung paßt, wird gelobt:

http://www.zeit.de/2014/47/malaysia-airlines-mh17-absturz-ukraine-neue-beweise

Der SPIEGEL, gebranntes Kind in Sachen Investigativ-Recherche zusammen mit Correctiv auf Bellingcats Spuren, wählt gar einen Agentur-Bericht, der den Autodidakten Higgins zum Waffenexperten hochzont. Higgins ist zu seinem eigenen Leidwesen für nichts Experte…

Krieg in der Ukraine: Experten dokumentieren Artilleriebeschuss aus Russland

Sie analysierten Einschusslöcher und Reifenspuren – und kamen zu einem brisanten Schluss: Das ukrainische Militär wurde im vergangenen Jahr von Russland aus beschossen. Das schreiben britische Waffenexperten in einer neuen Studie.

Dienstag, 17.02.2015 – 17:21 Uhr

Kiew/Berlin – Russische Militäreinheiten haben offenbar von Russland aus im Sommer 2014 das ukrainische Militär mit Artillerie bombardiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Waffenrecherche-Webseite Bellingcat.

Die per Crowdfunding finanzierte Webseite hat es mit ihren Untersuchungen bereits zu einigem Renommee gebracht. Gegründet wurde sie vor knapp einem Jahr vom britischen Waffenblogger Eliot Higgins.

Der jüngste Bericht zur Ukraine stützt sich auf den aufwendigen Abgleich von öffentlich zugänglichen Google-Earth-Satellitenaufnahmen mit Videos und Bildern in sozialen Netzwerken sowie Berichten örtlicher Journalisten.

[…]

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-und-bellingcat-russland-soll-das-land-beschossen-haben-a-1018957.html#ref=plista

Sieht man sich diesen von Westmedien gehypten Bellingcat-Coup genauer an, bleibt nicht viel übrig:

Zusammenfassung

Im Sommer des Jahres 2014 wurden in der Nähe der Grenze zu Russland positionierte ukrainische Streitkräfte von heftigem Artilleriefeuer angegriffen. Der ukrainische Grenzdienst bzw. der nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine berichtete im Zeitraum 9. Juli bis 5. September 2014 über mehr als 120 Artillerieangriffe aus Russland.

Offizielle russische Stellen haben bislang jegliche Artillerieangriffe aus ihrem Gebiet in Richtung Ukraine bestritten.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 3]

Immerhin legt er dar, wessen Behauptungen er bebildern möchte. Nämlich die des habituell lügenden Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine. Insoweit gebührt ihm Dank für diese Transparenz, die bereits die Grundlage der Recherche erschüttert.

Einleitung

Im Juli 2014 begannen ukrainische Streitkräfte eine „Anti-Terror-Operation“ (ATO) gegen die pro-russischen Separatisten, verzeichneten dabei bedeutende Gebietsgewinne im Bereich der Ostukraine und brachten einen großen Teil der russisch-ukrainischen Grenze wieder unter ihre Kontrolle.

Die Situation in den östlichen Regionen der Ukraine am 11. Juli 2014

Mit freundlicher Genehmigung des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine 2

http://www.rnbo.gov.ua/files/2014/RNBO_map_11_07_eng.jpghttp://www.rnbo.gov.ua/files/2014/RNBO_map_11_07_eng.jpg

http://web.archive.org/web/20150210142635/http:/www.rnbo.gov.ua/files/2014/RNBO_map_11_07_eng.jpg

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 4]

Das ist natürlich Unsinn, daß die ATO erst im Juli 2014 begann. Sie begann am 15.4.2014, als die ostukrainischen Kritiker des illegitimen Kiewer Putschregimes in ihren Protestformen die Gewalttätigkeiten der Maidan-Selbstverteidigungskräfte noch deutlich unterschritten. Aber gut, daß Bellingcat offenbart, wie es um seine Kenntnis der Fakten bestellt ist.

Jedenfalls zeigt Bellingcat eine Karte der militärischen Lage, wie sie der Nationale Verteidigungs- und Sicherheitsrat damals für opportun hielt – diese täglich herausgegebenen Karten spiegeln eher ein taktisches Denken wieder als die tatsächliche Lage, wie es die Verlautbarungen dieser Institution mit ihrem Sprecher Lysenko, dem „Comical Ali“ der Ukraine, allgemein tun.

Karte Kiew 11.7.2014

http://web.archive.org/web/20150210142635/http:/www.rnbo.gov.ua/files/2014/RNBO_map_11_07_eng.jpg

Die Originalveröffentlichung ist sicherlich nicht ohne Grund gelöscht worden. Der Grenzübergang Gukowo (nicht eingezeichnet, südlich von Chernovopartizansk) wird hier jedenfalls den Rebellen zugeordnet).

Die weiteren Findungen Bellingcats kann man schlicht abhaken, denn hier wird von Kratern, die auf unscharfen Satellitenfotos sichtbar sind, nicht nur auf die Himmelsrichtung, sondern auch auf die Abschußentfernung geschlossen. Und da ist selbstverständlich Rußland des Reich des Bösen. Wenn man sich die OSZE-Berichte über Krater vor Augen führt, die selbst bei einer konkreten Vermessung vor Ort lediglich wahrscheinliche Himmelsrichtungen des Beschusses hervorbrachten, kann man die Bellingcat „Kraterologie“ anhand von unscharfen Satelliten-Bildern nur als in mehrfacher Wortbedeutung als vermessen bezeichnen. Dazu braucht man kein Experte zu sein. Den es dann freilich doch gibt.

Nicht unzufällig wird erst ganz am Schluß des Guardian-Artikels die Bellingcat-Studie zertrümmert:

Stephen Johnson, a weapons expert at the Cranfield Forensic Institute, part of the Defence Academy of the United Kingdom, said that the application of crater analysis techniques to satellite imagery was “highly experimental and prone to inaccuracy”.

“This does not mean there is no value to the method, but that any results must be considered with caution and require corroboration,” Johnson said in an email after reviewing the Bellingcat report. He added that “the most significant part of the report” was the discovery of the apparent firing positions on the border.

[…]

http://www.theguardian.com/world/2015/feb/17/russia-shelled-ukrainians-from-within-its-own-territory-says-study

Naja, Feuerstellungen an der russischen Grenze sind angesichts des Kriegsgeschehens in der Ukraine, das oft genug zu Verletzungen des russischen Territoriums geführt hat, ja nun wirklich keine Überraschung. Man fragt sich, wieso sich Experten noch Experten nennen dürfen, wenn sie die simpelsten Tatsachen und Strategien übersehen.

Eliot Higgins reagiert allerdings aggressiv, wenn ihm die „Wissenschaftlichkeit“ seines Vorgehens abgesprochen wird; ist dieser Anschein von „Wissenschaftlichkeit“ doch sein einziges Abgrenzungsmerkmal gegenüber ersichtlich fanatischen Bloggern und Twitterern wie ukraine@war.

Eliot Higgins @EliotHiggins  ·  21. Feb.

Working on what will be a peer reviewed paper on the crater analysis methodology we used in the recent @Bellingcat report

https://twitter.com/EliotHiggins/status/569056646531579904

Eliot Higgins @EliotHiggins  ·  21. Feb.

@phil4truth you realise I’m a visiting research associate at King’s College London and working towards a PhD? Is that academic enough?

https://twitter.com/EliotHiggins/status/569076646264889344

Eliot Higgins @EliotHiggins  ·  21. Feb.

@phil4truth so I’m researching, studying and teaching at a university yet I’m not an academic. I think you need to recheck your definition

https://twitter.com/EliotHiggins/status/569084494231281664

Eliot Higgins @EliotHiggins  ·  21. Feb.

@phil4truth you continue to prove you’re an idiot

https://twitter.com/EliotHiggins/status/569086978119098368

Der gesamte freundliche Austausch läßt sich hier nachlesen:

https://twitter.com/EliotHiggins/status/569086978119098368

Es müssen natürlich Idioten sein, die bezweifeln, daß ein Nicht-Akademiker ein Akademiker sei. Und daß man eine Diss ohne einen akademischen Abschluß anfertigen kann, ist auch mir neu.

Wie Bellingcat wirklich arbeitet, wird erst aus aus den Passagen über konkrete Angriffe aus Gukowo (Rußland) deutlich.

Zu einem angeblichen Beschuß ukrainischen Gebiets am 16.7.2014 von russischem Territorium in der Nähe von Gukowo aus werden nämlich geradezu abenteuerliche Ausführungen gemacht.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 19]

Hierzu werden Videos ausgewertet, die am 16.7.2014 hochgeladen wurden, die von einem Standpunkt östlich des Kovalevka-Sees in der Nähe von Gukowo gemacht wurden. Hier eine Übersichtskarte:

Gukowo Kovalevka-See, Grenze

Die weiteste Entfernung zur ukrainischen Grenze, berechnet vom nördlichen Stadtteil Platovo (östlich davon befindet sich der fragliche See), beträgt 5,6 km.

Das erste Video ist bereits nicht mehr vorhanden, doch Bellingcat hat es gesichert und neu veröffentlicht:

Bellingcat Video 1

https://www.youtube.com/watch?v=6SIDxVxdIjw

Wie weit mag der Abschuß eines Mehrfachraketenwerfers von dem See entfernt sein? In welche Richtung wurde geschossen? Wo befand sich derjenige, der die Aufnahme machte?

Zu letzterem dekretiert Bellingcat:

Kamera Position: 48°4’30.76″N 39°55’36.94″E

[Quelle: wie vor]

Klickt man die Koordinaten an, so gerät man an dieses Bild:

Gukowo See Kameraposition 1

Wie das? Nun, da stützt sich Bellingcat auf bewährte Vorarbeiter.

Video001 zeigt mehrere MLRS Salven westlich vom See. Die Kameraposition wurde bereits mehrmals von verschiedenen Journalisten, Bloggern und Open-Source-Ermittlern lokalisiert.26

Die Fußnote 26 informiert über die einzige (!) Quelle; und da stößt man auf einen guten alten Bekannten:

26

http://ukraineatwar.blogspot.dk/2014/07/russian-Grad-firing-from-russian-soil.html

http://web.archive.org/web/20150115124112/http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/russian-grad-firing-from-russian-soil.html

[Quelle: wie vor]

Klar, der niederländische Kumpel Peter Martin alias Dajey Petros alias ukraine@war hat natürlich recht. Und es war auch gänzlich überflüssig, dessen Beitrag zu sichern. Der Mann steht zu seinen antirussisch motivierten Findungen. Daß Bellingcat den funktionierenden Link zu ukraine@war verhunzt hat (dk statt de), ist nur wieder eine der Ungenauigkeiten, die Bellingcat sich öfters leistet. Bleibt die Frage, in welche Richtung ein Mehrfachraketenwerfer schießt, wenn er aus einer Blickrichtung von Ost nach West nach links schießt, also in eine generell südliche, evt. auch süd-südwestliche Richtung?

In die Ukraine nicht, legt man die maximale Reichweite des angenommenen Grad-Raketenwerfers von 20 km zugrunde:

Gukowo Grad 20 km

Zu Video 4 verwirren diese Anmerkungen:

Video004

Залп российских ГРАДов из Гуково в сторону

Украины

“Salven von russischen Grads aus Gukovo in Richtung Ukraine“

hinzugefügt 16. Juli 2014

Kamera Position: 48° 4’29.80″N 39°55’36.07″E

https://www.youtube.com/watch?v=8pu0h2O7RnI

Alternativer Link:

https://www.youtube.com/watch?v=8F9WFkA9C08

Video004 zeigt die Feuerstellung von der südwestlichen Seite des Kovalevsky See.

Markante Punkte in diesem Video sind der solitäre Baum an der rechten Seite, der große Busch etwa in der Mitte und die Strommasten im linken Bereich des Bildes.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 22]

Ruft man den Link der angegebenen Koordinaten auf, erhält man denselben Standort wie bei Video 1, also einen östlich des Sees.

Dasselbe Ergebnis findet sich bei Video 5: die Koordinaten weisen einen Standort östlich des Sees auf, im Text wird behauptet, der Standort befinde sich südwestlich des Sees.

[aaO, S. 23]

Man wird müde, sich mit dieser willkürlichen Kleinkrämerei zu beschäftigen, die zwar den Eindruck von Akribie erweckt, tatsächlich aber nicht nachvollziehbare, sondern lediglich interessegeleitete Behauptungen aufstellt, die noch nicht einmal stimmig sind.

Aus diesen widersprüchlichen Behauptungen wird schließlich ein durch viele Linien beglaubigtes Sichtwinkel-Schnittpunkt-Bild konstruiert, denn alle Wege führen nach Rom und die von Bellingcat schnurstracks auf Spuren von Gradraketenwerferstellungen in Rußland:

Bellingcat Schnittpunkte

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 25]

Das muß man jetzt einfach glauben, denn sehen kann man die Brandspuren nicht.

Aber es wird noch toller (und überfordert selbst die kindlichste Leichtgläubigkeit):

Aus dem Satellitenbild ergibt sich offensichtlich, dass es sich um zwei Feuerstellungen von jeweils vier MLRS-Werfern bei 48°05’25.0″N 39°54’45.3″E handelt. Das Bellingcat Untersuchungsteam hat jede einzelne Richtung der Brandspuren gemessen und daraus eine durchschnittliche Flugbahn für jede Feuerstellung berechnet.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 26]

Wie man eine Flugbahn aus Brandspuren errechnet, die man sich schon sehr herbeiphantasieren muß, bis man sie erkennen kann, bleibt Geheimnis des Teams. Unverdrossen verkündet es:

Die berechneten Flugbahnen der Brandspuren zeigen in Richtung zweier unterschiedlicher Kraterfelder auf ukrainischen Territorium (Bild unten). Bei der Analyse der einzelnen Krater im beschossenen Gebiet wurde festgestellt, dass die berechneten Flugbahnen der Feuerstellungen fast genau zu zwei Flugbahnen aus der Krater-Analyse des Kraterfeldes in der Nähe des Bergwerks „Dolzhanskaya-Kapital“ passen.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 27]

Wie so oft bringt Bellingcat keine Landkarten, auf denen sich die Lage des besagten Bergwerks feststellen ließe. Dessen Erwähnungen erfolgen aber unter dieser Überschrift:

Artillerieangriffe im Gebiet um Chervonopartyzansk

vom 14. Juli bis 8. August 2014

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 12]

Ein Überblick ergibt, daß Chervonopartyzansk – siehe auch die Lagekarte des ukranischen Verteidigungs- und Sicherheitsrates – nordwestlich von Gukowo liegt:

Gukowo Chervo

Das paßt nicht zu den südlichen bis südwestlichen Flugbahnen aus den Videos.

Bellingcat kommt ungeachtet dieser Diskrepanz zu diesem zweifelsfreien Ergebnis:

Vier Angriffe wurden aus dem Bereich Gukovo, Russland auf ukrainische Streitkräfte in der Nähe des Bergwergs “Dolzhanskaya-Kapital” und dem Dorf Panchenkove zwischen dem 16. Juli und 8. August durchgeführt.

Zwei weitere Angriffe auf dieses ukrainische Gebiet erfolgten nördlich vom Ortsteil Platovo (Gukovo) aus.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 34]

Seine in den Fußnoten erwähnten Quellen? Neben zum Teil bereits gelöschten Videos und ukraine@war hat er die üblichen Verdächtigen, nämlich pro-Kiew Propagandisten, versammelt:

http://www.interpretermag.com/ukraine-liveblog-day-144-30-ukrainian-soldiers-killed-near-russias-border/

http://web.archive.org/web/20150210142924/https:/en.informnapalm.org/anti-terrorist-operation-summary-for-july-14-2014/

[Die ukrainische Propagandaschleuder „Informnapalm“, ein Twitter-Favorit von Udo Lielischkies (WDR), scheint bedauerlicherweis nicht mehr erreichbar zu sein.]

http://uacrisis.org/lysenko2-22-07-2014/

http://maidantranslations.com/category/opinions/dmitry-tymchuk/

http://maidantranslations.com/2014/07/27/towns-in-donbas-have-been-liberated-thanks-to-the-72nd-and-79th-brigades/

http://euromaidanpress.com/2014/08/05/dmitry-tymchuks-military-blog-summary-august-4-2014/

Vielleicht sollte Bellingcat sich auch einmal der Realität und neutralen Quellen widmen, so den OSZE-Berichten von der Überwachung der russisch-ukrainischen Grenze vom russischen Staatsgebiet aus, deren Beobachtung am 24.7.2014 beschlossen worden war. Dort wurden die ukrainischen Versuche, den Grenzposten Gukowo zu übernehmen, durchaus registriert.

Am 3. 8 2014 erschien ein Bericht, der über einen Beschuß des russischen Gebiets durch ukrainische Kräfte informiert:

Spot report by the OSCE observer mission at the Russian checkpoints Gukovo and Donetsk, 3 August 2014

Kamensk-Shakhtinsky, Russian Federation 4 August 2014

Shelling incident at the Gukovo border crossing point

SUMMARY

Kamensk-Shakhtinsky, 3 August 2014

Fighting between Ukrainian troops and militants resumed around Gukovo Border Crossing Point (BCP). Two shells fell in the BCP compound one of which provoked light building damage.

DETAIL

From noon to the evening, the sounds of various kinds of weapons were heard (including machine gun and mortar) in the vicinity of the Gukovo BCP but on the Ukrainian side of the border.

At 13:35, a shell fell inside the Russian BCP compound on a piece of land between two buildings provoking the standard evacuation procedure. No damage and injury was reported.

At 15:00, a second shell round fell inside the same compound. It seems that it exploded before reaching the ground and shattered a window and damaged lightly the surrounding walls.

http://www.osce.org/om/122235

Wie schon am 13.7.2015 und zuvor versuchte die ukrainische Armee vergeblich, den von den Rebellen gehaltenen Grenzübergang nach Gukovo zu erobern. Anfang August flohen viele ukrainische Soldaten nach Rußland.

Latest update by the OSCE Observer Mission at the Russian checkpoints Gukovo and Donetsk, based on information received as of 22hrs, 4 August 2014

KAMENSK-SHAKHTINSKY, Russian Federation 4 August 2014

SUMMARY

KAMENSK-SHAKHTINSKY, Russian Federation, 4 August 2014 – On 1-2 August 2014 Ukrainian army officers made contact with the OSCE Observer Mission (OM) to request OSCE assistance to open a passageway to the Gukovo border crossing point (BCP) of the Russian Federation (RF) for several hundred Ukrainian servicemen. On 2 August, an initial group of 12 Ukrainian troops crossed into the RF. On 4 August, the OSCE Observer Mission witnessed the passage of 437 Ukrainian servicemen. They were sent to a nearby transit facility and, according to the local Russian authorities, all of them were set to return to Ukraine in the hours to come.

[…]

http://www.osce.org/om/122341

Hier ein zusammenfassender Bericht vom 30.7. – 5.8.2014:

http://www.osce.org/om/122444

Von Artillerie-Beschuß von Gukowo aus in die Ukraine ist dort nicht die Rede. Seit dem 31.7.2014 kann dergleichen dort nicht stattgefunden haben, sonst hätten es die dort stationierten OSZE-Beobachter bemerkt.

So schmort Bellingcat alias Eliot Higgins im Saft der pro-Kiew-Propaganda und der Überschätzung der Möglichkeiten, die die – leicht mißbrauchbaren und unterwanderten – social media und Satelliten-Bilder bieten können. Wobei deren Interpretationsergebnis ohnehin von vorneherein feststeht – Rußland (wahlweise Assad) ist der Böse, der Westen der Gute. Ohne diese Ergebnisse hätte Higgins mit seinen Bild-Spielereien niemals den Zuspruch der „seriösen“ West-Presse erreichen können. Ob er, dieser Zuspruch, ihm finanziell nutzt?

Zuletzt, am 4.2.2015, klagte er ja in der ihm gewogenen Mainstream-Presse, daß die Crowdfunding-Summe von August 2014 aufgebraucht sei und daß er mangels Qualifikation nirgendwo Stipendien bekomme:

Der „Ein-Mann-Nachrichtenagentur“ geht das Geld aus

Aber dem Mann, der sich selbst eine „Ein-Mann-Nachrichtenagentur“ nannte, geht schon wieder das Geld aus. „Ich bekomme jede Menge Anerkennung, aber keiner will mich bezahlen.“ Am liebsten wäre er Projektmanager für eine ganze Horde von Leuten, die nach seinen Methoden die Rätsel dieser Erde lösen, von der Terrorbekämpfung über Geldwäsche bis zur Korruption. Er würde seine ehrenamtlichen Rechercheure gerne bezahlen.

Die Verbreitung seiner Techniken hält er für die wichtigste Aufgabe – und zugleich das tragfähigste Konzept für sein weiteres Leben. „Ich suche nicht nach einem Job – ich suche nach Geld.“ Der lustlose Schüler und Student ohne Abschluss weiß jetzt, dass Bellingcat seine Identität ist. Zwar gilt er noch als merkwürdiger Einzelgänger, aber zugleich als Pionier, der den Journalismus revolutioniert. Quasi im Vorbeigehen rehabilitiert er die Glaubwürdigkeit eines ganzen Mediums.

Trotzdem bewirbt er sich gerade erfolglos um Stipendien. Sie sagen ihm dann, die Angebote gelten für Wissenschaftler, aber ein Wissenschaftler sei er ja nicht. Sie gelten für Journalisten, aber ein Journalist sei er auch nicht. Wer er eigentlich sei? Etwas Geld bekam er, um seinen Blog ins Arabische übersetzen zu lassen. Aber ansonsten ist Higgins ein Mann zwischen den Stühlen, der mit dem Geld aus Vorträgen und Workshops seine Familie über Wasser hält. Wie jeder Engländer zahlt er Raten für sein Haus, vor drei Monaten wurde das zweite Kind geboren.

Der Text erschien auf der Dritten Seite des gedruckten Tagesspiegels.

http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/der-enthuellungs-blogger-eliot-higgins-im-portraet-anerkennung-bekommt-er-reichlich-bezahlen-will-ihn-niemand/11323084-3.html

Wieviel Geld bekam er, um seinen Beitrag vom 17.2.2015 zeitgleich ins Deutsche und ins Russische übersetzen zu lassen? Und von wem? Und wer hat diesen Beitrag verfaßt?

Mitwirkende

Basierend auf einer Arbeit von Sean Case

Das Untersuchungsteam:

Timmi Allen

Sean Case

Eliot Higgins

Veli-Pekka Kivimaki

Iggy Ostanin

Aric Toler

Redaktionelle Bearbeitung: Nathan Patin

Dieser Bericht wurde in Zusammenarbeit mit Slack.com erstellt.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2016/02/Bellingcat-Origin-of-Artillery-Attacks-German.pdf

[S. 35]

Vergleicht man diese Artikel-Mitarbeiter mit der Liste der offiziellen Bellingcat-Mitarbeiter, findet man kaum Übereinstimmungen:

https://www.bellingcat.com/contributors/

Bis auf Sean Case und Eliot Higgins selbst ist dort keiner der Beiträger genannt; dafür gibt es in der offiziellen Mitarbeiterliste Pseudonyme namens “Bellingcat” und „regular contributor“, zu denen nichts erklärt wird. Transparenz geht anders.

Aber die hat er ja auch nicht nötig, denn der Guardian steht treu und fest zu seiner PR-Kampagne für Bellingcat. Julian Borger tut, was er kann, immer voll auf der NATO-Linie:

Russian military shelled Ukraine from mid-July, report says

Moscow’s involvement in conflict has been on such a scale that strain on its military is starting to show, according to report by Royal United Services Institute

Julian Borger Diplomatic editor

Wednesday 11 March 2015 09.48 GMT

Large-scale intervention in eastern Ukraine by regular Russian troops began last August, reaching a peak of 10,000 in December, and Moscow has been struggling to maintain operations on such a scale and intensity, according to a report.

The report, by the Royal United Services Institute (Rusi), claims small teams of reconnaissance and Spetsnaz special operations units crossed the border earlier, in mid-July after Ukrainian government forces had won a series of battles and had pushed pro-Moscow separatists out of territory they had previously occupied.

The Rusi report also confirms the findings of a February investigation, based on analysis of satellite imagery by the Bellingcat group of investigative journalists, that Russian artillery shelled Ukrainian positions from inside Russian territory.

[…]

http://www.theguardian.com/world/2015/mar/11/russia-struggling-ukraine-military-operations-report

Aber mit diesem Königlichen Institut ist es nicht weit her. Sieht man sich diese RUSI-„Analyse“ von Igor Sutyagin an, amüsiert man sich zwar königlich, ist aber gleichzeitig geschockt davon, was das Expertentum angeht, das heutzutage im Schwange ist. Denn dort liest man:

Russian Forces in Ukraine

Igor Sutyagin

Royal United Services Institute

March 2015

Briefing Paper

The annexation of Crimea and the subsequent large-scale deployment of Russian troops near the Russo-Ukrainian border were popularly referred to in Russia as ‘Operation Russian Spring’. While the annexation itself of Crimea was relatively peaceful, the actions of Russian and Russian-backed forces in eastern Ukraine turned into an increasingly fierce fight as the Ukrainian government launched its own ‘anti-terrorist operation’ against the Russian-supported rebels.

In this way, the comparatively bloodless Russian spring gave way to a Russian winter of fierce combat. The first operational successes of Ukrainian forces in late June and early July 2014 first prompted Russian artillery fire from within Russian territory, targeted against advancing Ukrainian troops on their own soil, from mid-July onwards. Direct intervention by Russian troops in combat roles then followed in the middle of August, when the prospect of rebel defeat had become realistic. The presence of large numbers of Russian troops on Ukrainian sovereign territory has, more or less, since become a permanent feature of the conflict.

The first phase of large-scale incursions by regular Russian troops commenced on 11 August 2014 and has involved a substantial array of forces (see Table 1). Elements of some Russian reconnaissance and special operations units have operated on Ukrainian soil since 14 July (at the latest), comprising teams generated by six units.

The Russian military operation against Ukraine is instructive, having been waged in accordance with the Gerasimov Doctrine of Ambiguous Warfare.1

1. Presented by the Chief of the Russian General Staff, Army General Valeriy Gerasimov, in January 2013 at the Russian Academy of Military Sciences’ annual meeting; key elements of the Gerasimov Doctrine have since been integrated into the new edition of the Russian Military Doctrine, as approved in December 2014.

https://www.rusi.org/downloads/assets/201503_BP_Russian_Forces_in_Ukraine_FINAL.pdf

Aber nicht nur diese erste Seite des Reports kommt völlig beleglos daher. So kriegt also auch Bellingcat keine credits. Nicht einmal ein Link zur Gerasimov-Doktrin, die die bewährten amerikanischen Konzepte des regime changes und der hybriden Kriege lediglich aufnimmt, wird angegeben. Insgesamt ist es ein NATO-Stück, das sich nicht die geringste Mühe gibt, auch nur irgendeinen Nachweis für seine Behauptungen zu liefern. Stattdessen gibt es dort Fußnoten dieses Kalibers:

4.

Sergiy Leschenko, ‘Ukraina: mizh vyboramy ta voennym stanom’ [‘Ukraine: between Elections and a State of War], Ukrainska Pravda, 5 September 2014; author interview with a senior officer of the Operations Directorate, Ukrainian General Staff, 9 February 2015.

5.

The US military estimates around 12,000 Russian soldiers to be supporting separatists in eastern Ukraine, according to the US Army’s Commander in Europe, General Ben Hodges. He estimates the amount of Russian troops on the Ukrainian border and in Crimea as 50,000 and 29,000, respectively. Reuters, ‘Some 12,000 Russian Soldiers in Ukraine Supporting Rebels: U.S. Commander’, 3 March 2015

aaO, S. 4

Daß auch die Einschätzungen, Rußland habe sich mit dem (angenommenen) militärischen Engagement bereits verhoben, nicht einmal von den Herren Breedlove und Hodges geteilt werden würde, kommt noch hinzu.

Mit Igor Sutyagin hat man allerdings auch den Bock zum Gärtner gemacht. Hier seine Lebensgeschichte als spät ausgetauschter russischer West-Spion, der nach eigenen zweifelhaften Angaben unschuldig verurteilt wurde – und der gewiß nicht in der Lage ist, neutrale Analysen über Rußland abzuliefern:

Igor Sutyagin is odd man out in spy swap deal

After 11 years in a Russian prison, a researcher who always maintained he was not guilty of espionage was suddenly a free man. Now exiled in London and separated from his family, he wonders what the future holds

Ian Black

Tuesday 17 August 2010 17.04 BST Last modified on Friday 3 October 2014 09.59 BST

In 1998, at a conference in Birmingham he was introduced to a British company called Alternative Futures which retained him for $1,000 a month to write reports for them. Sutyagin insists he was not being naive. „I was born in the Soviet Union and grew up there. We were educated to be suspicious of foreigners. But the intention was to provide information on the investment climate in Russia.“ Russia’s security service, the FSB, took a different view and arrested him in October 1999, claiming the UK company was a front for the CIA. „They tried to prove that it was an exchange of information, but that was not the main purpose. It was intended to illustrate trends to prove that it was secure to invest in Russia.“

[…]

http://www.theguardian.com/world/2010/aug/17/igor-sutyagin-spy-swap

Daß Großbritannien den von einer britischen Firma exponierten „Spion“ sozial integriert, finde ich ja noch verständlich. Aber doch nicht in dieser Position…

Es geht kein Weg daran vorbei: die westlichen Medien lieben Bellingcat: selbst diese Untersuchung wurde gelobt:

Freitag, 13. März 2015

Russische Soldaten in Debalzewe

Welpen überführen Russland in Ukraine

Russland bestreitet hartnäckig, sein Militär in der Ostukraine einzusetzen. In akribischer Kleinarbeit überführt ein Blogger eine russische Panzereinheit – unter anderem mit Hilfe von zwei süßen kleinen Husky-Welpen.

Der Vorwurf ist politisch brisant: Die unabhängige russische Zeitung Nowaja Gaseta veröffentlichte Anfang März ein Interview mit einem jungen russischen Soldaten. Der behauptete, er sei bei Kämpfen mit seiner russischen Panzerkompanie gegen ukrainische Soldaten am 19. Februar in der Nähe von Debalzewe verletzt worden. Diese Kämpfe hatten großes Aufsehen erregt. Denn die Separatisten, offenbar mit massiver Hilfe der russischen Armee, eroberten die Stadt trotz des Tage zuvor – unter anderem von Russland unterzeichneten – Waffenstillstandsabkommen von Minsk.

Bisher wies Russland allerdings alle Vorwürfe zurück, sein Militär werde in der Ostukraine eingesetzt. Den Tod oder die Verwundung russischer Bürger in den Kämpfen erklärte Moskau bisher immer damit, dass einzelne Russen sich den Separatisten als Freiwillige angeschlossen hätten.

Ein Blogger der britischen Internetseite „Bellingcat“ jedoch überprüfte die Behauptungen des jungen Panzergrenadiers anhand im Internet zugänglicher Quellen in mühsamer Kleinarbeit. Er wertete zahllose Satellitenaufnahmen, Fotos und Augenzeugenberichte sowie Medien aus: Das Ergebnis, das er auf seinem Blog veröffentlichte: „Nahezu alle überprüfbaren Details in dem Interview können durch öffentlich zugängliche Quellen bestätigt werden.“ Das Interview müsse als „Schlüsselbeweis“ für Russlands Verwicklung in der Ostukraine auch nach dem Minsker Waffenstillstand betrachtet werden.

[…]

http://www.n-tv.de/politik/Welpen-ueberfuehren-Russland-in-Ukraine-article14694771.html

Auch wenn Aric Toler bei Bellingcat mit einer knalligen Überschrift aufwartete:

How These Adorable Puppies Exposed Russian Involvement in Ukraine

March 11, 2015

By Aric Toler

Данный отчет также доступен на русском языке.

On March 2, Elena Kostyuchenko of the Russian independent newspaper Novaya Gazeta published an explosive interview (English) with Dorzhi Batomunkuyev, a 20-year old tankist from Mogoytuy in the Zabaykalsky Krai, bordering Buryatia. Batomunkuyev is a member of military unit 46108, the 5th Tank Brigade, based out of Buryatia, lying between Lake Baikal and Mongolia in the far east of Siberia. However, Batomunkuyev is far from home, now recovering from serious injuries in Rostov after being transferred from a burn recovery unit in a Donetsk, Ukraine hospital. Like many other Russian soldiers, Batomunkuyev sustained injuries while fighting against Ukrainian soldiers in eastern Ukraine. In this case, the Mogoytoy native and his fellow 5th Tank Brigade soldiers were firing upon Ukrainian soldiers in the “Debaltseve pocket” on February 19.

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/03/11/vreditel-sobaka/

Es hilft nix.

Das angebliche Interwiew von Elena Kostyuchenko mit Dorzhi Batomunkuyev, an dessen Wahrheitsgehalt Zweifel bestehen, läßt sich mit niedlichen Hundewelpen nicht verifizieren. Toler begeht auch den Fehler, seine Voreinstellung allzu deutlich heraushängen zu lassen („Like many other Russian soldiers, Batomunkuyev sustained injuries while fighting against Ukrainian soldiers in eastern Ukraine.“). Und es ist ja nicht so, daß ein russisches Oppositionsblatt per se wahrheitsgemäß berichten und von Propaganda Abstand nehmen würde. Ob Batomunkuyev, wie einige Burjaten, als Freiwilliger in Debalzewe war oder mitsamt einer Formation im Auftrag der russischen Armee, läßt sich mit den üblichen Bellingcat-Methoden nicht feststellen.

Toler scheitert bereits an dem ersten Versuch einer Verifizierung, nämlich hinsichtlich der Behauptung, der Interviewte sei am 19.2.2015 durch einen ukrainischen Panzerangriff in der Nähe von Debalzewe schwer verletzt worden:

On February 19, I got blown up. It was dusk. The 19th was the Buddhist New Year. So the year started poorly for me. (Tries to smile, blood immediately starts gushing from the lip).

[…]

How were you wounded?

In a tank. There was a tank battle. I hit the enemy tank, it blew up. I hit another tank, but it had [active] armor, it worked well. It turned around and hid in the forest belt. Then, as we rolled back to another position, it got us.

http://euromaidanpress.com/2015/03/02/the-story-of-a-russian-soldiers-war-in-ukraine-we-all-knew-what-we-had-to-do-and-what-could-happen/

Es ist bezeichnend, daß Euromaidan diesen Artikel aus der Nowaja Gaseta übersetzte – er paßte ideal ins Kiewer antirussische Konzept.

Toler bemüht sich vergeblich, Kampfhandlungen der ukrainischen Armee bei Debalzewe noch am 19.2.2015 zu belegen:

The specific battle that led to Batomunkuyev’s injury during dusk of February 19 is difficult to verify; however, fighting was reported as Ukrainian troops withdrew near Lohvynove on February 19.

A dispatch from separatist fighters on February 19 describes how the road between Debaltseve-Artemivsk in the area of Lohvynove has become a “road of death” for Ukrainian soldiers. From the other side, Ukrainian military blogger Dmytro Tymchuk wrote on the morning of February 19 that separatist forces, including about a dozen tanks, were positioned near the Debaltseve-Artemivsk road near north Lohvynove. Lastly, a member of the Ukrainian military claims that his 1st Tank Brigade damaged or destroyed three separatist/Russian T-72b tanks on February 19 near Lohyvnove, but this information cannot be independently verified and only appeared after the Novaya Gazeta report.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/03/11/vreditel-sobaka/

Exakt. Schließlich ist es allgemein bekannt, daß die ukrainische Armee ihre Flucht aus Debalzewe bereits in der Nacht zum 18.2.2015 durchführte.

Ukrainische Armee zieht sich aus Debalzewe zurück

Ukrainische Regierungstruppen ziehen aus dem seit Tagen umkämpften strategischen Verkehrsknotenpunkt Debalzewe im Osten des Landes ab. Viele Soldaten ergaben sich.

18.02.2015

[…]

http://www.dw.de/ukrainische-armee-zieht-sich-aus-debalzewe-zur%C3%BCck/a-18265156

Ein Panzergefecht am 19.2.2015 unter aktiver Beteiligung der ukrainischen Armee hat schlicht nicht nicht stattgefunden.

Zum Beweis, daß es den Interviewten tatsächlich und namentlich gibt, präsentiert Toler zwar einen Screenshot der mittlerweile gelöschten VK-Seite des Interviewten (obwohl eine Identifizierung des entstellend Verletzten anhand der VK-Fotos nicht möglich ist):

Lastly, many online sleuths quickly confirmed the tankist’s identity after the Novaya Gazeta interview surfaced by finding Batomunkuyev’s VK (VKontakte) profile. Batomunkuyev’s VK profile has since been deleted, but numerous screenshots and archived versions of the profile are available:

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/03/11/vreditel-sobaka/

Aber er präsentiert eben nur einen screenshot und keinen Link, schon gar keinen funktionierenden Link zum Archiv-Material. Natürlich wertet er die Eintragungen von Batomunkuyev auf dessen VK-Seite auch nicht aus – sie sind nämlich, was seine Zugehörigkeit zum russischen Militär über Oktober 2014 hinaus angeht, unergiebig und sogar kontraproduktiv, was die Behauptungen in dem Interview angehen.

http://web.archive.org/web/20150302223909/https://vk.com/id85846983

(Euromaidan war so freundlich, diesen Link bereitzustellen. Dort ist man offenbar nicht so schlau wie bei Bellingcat.)

Hier die Übersetzung per Google translate:

https://translate.google.com/translate?hl=en&sl=ru&tl=en&u=http%3A%2F%2Fweb.archive.org%2Fweb%2F20150302223909%2Fhttps%3A%2F%2Fvk.com%2Fid85846983&sandbox=1

Kein Wunder, daß Bellingcat diese Seite ignorierte. Deren letzte Eintragung lautet:

Dorzhik Batomunkuev

For a while I will not be in touch.

23 Jan at 4:28 pm

Im Interview mit Nowaja Gaseta soll er gesagt haben:

We’d passed the 3-month training, just as planned. And then… we were already counting the days until the training’s end. We had special people, political officers, who worked with the soldiers. What they were told at the meetings, they told us. The political officer says: “Wait another week, we’ll go home”. Our replacement was already there. We were told: “The trailers will come soon, we will load the tanks, the technicians and drivers will go by train, others – commanders and gunners – will go by plane from Rostov to Ulan-Ude. A 12-hour flight and we will be home.”

And then we got the signal. And we went in.

When?

On February 8, I believe. Our group’s captain just came to us and said: “That’s it, guys, were are going, on high alert.” On high alert means sitting in the tank, engine started. Then the convoy goes in.

http://euromaidanpress.com/2015/03/02/the-story-of-a-russian-soldiers-war-in-ukraine-we-all-knew-what-we-had-to-do-and-what-could-happen/

Diesen Widerspruch – freiwilliges Abtauchen am 23.1.2015 einerseits, militärische Abkommandierung in die Ukraine am 8.2.2015 andererseits – möchte Bellingcat verständlicherweise eher nicht thematisieren. Dafür legt Aric Toler sehr boulevardesk Wert auf Hundewelpen in irgendwelchen russischen Training-Camps. Tatsächlich ist klar, daß dieses fragwürdige Interview in der russischen Oppositionszeitung nur durch ein neues Interview mit dem Betroffenen und dessen Mutter verifiziert oder falsifiziert werden kann. Wenn überhaupt. Hundewelpen in harmlosen Trainingscamps auf russischem Staatsterritorium bringen‘s nicht. Sehen aber wirklich niedlich aus. Schade, daß es kein Foto von Batomunkuyev in diesem Trainingscamp gibt.

Was am meisten erschreckt: auch die angeblich kritischen Krautreporter fallen auf die Propaganda-Maschine Bellingcat herein:

Friedemann Karig

Der Plan von der Abschaffung der Wahrheit

06.03.2015

Rund um den Ukraine-Konflikt tobt die vielleicht größte Propaganda-Schlacht aller Zeiten. Das Recherche-Netzwerk Bellingcat sucht die Wahrheit, per Open Source und Social Media. Seinen Gegenspielern geht es jedoch um viel mehr als eine Lüge.

[…]

https://krautreporter.de/473–der-plan-von-der-abschaffung-der-wahrheit

Mehr möchte ich von diesem unterirdischen Artikel, der das gesamte Krautreporter-Konzept desavouiert, wirklich nicht zitieren.

Das Selberdenken bleibt erste Wahl.

Wer sich dabei helfen lassen will, lese diese fundamentale Kritik an Eliot Higgins:

We Stand on Firm Ground

There Goes the Guardian, Lying About Ukraine…Again!

by ERIC DRAITSER

The western media is busily trying to prop up their failed narrative of “Russian aggression” in Ukraine in a desperate attempt to legitimize their consciously deceitful reporting. To do so, they are now relying not on experts or western intelligence reports, but a discredited blogger and his corporate media chums.

[…]

http://www.counterpunch.org/2015/02/20/the-guardian-lying-about-ukraine-again/

Ich empfehle diese Lektüre.

Nachtrag (24.4.2015):

Angedenk der niedlichen, aber nicht zielführenden Husky-Welpen, die Aric Toler bei Bellingcat boulevardesk postete – niemand würde bestreiten, daß auch östliche Einheiten mit Burjaten in westlicheren Trainigscamps in Rußland ausgebildet werden – sollen sie jedenfalls auch hier zu Ehren kommen:

Huskies

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/03/11/vreditel-sobaka/

Ob der Burjate Dorzhi Batomunkuyev allerdings als Freiwilliger bei Debaltseve kämpfte oder aber als Soldat zusammen mit Kameraden und russischen Panzern auf Kommando seiner Vorgesetzten, läßt sich mit solchen Bildern nicht belegen. Derlei untaugliche Versuche machen lediglich deutlich, wo Bellingcat ideologisch anzusiedeln ist.

Nun hat sich Batomunkuyevs Mutter zu Wort gemeldet. Die von Michail Chodorkowskis Sohn Pawel finanzierte Anti-Putin-Seite Interpreter hat dieses Interview am 3.4.2015 so wiedergegeben:

Mother Of Russian Soldier, Severely Burnt In Ukraine, Says Family Receiving No Help From State

14:14 (GMT)

Sesegma Batomunkuevna, the mother of Russian tank gunner, Dorzhi, who was severely burnt in battle near Debaltsevo and gave a revelatory interview to Novaya Gazeta’s Yelena Kostyuchenko last month, has told Novaya Buryatiya’s Sergei Basayev that the family has received „no help whatsoever“ from the army or state.
The Interpreter translates:

When asked by Novaya Buryatiya whether Dorzhi Batomunkuev’s family, as the family of a participant in an armed conflict or, perhaps, as the family of someone wounded during military service, is receiving any kind of help from the Russian Ministry of Defence, the mother’s reaction was thus:

„What help?! Come on! There is no help, nothing of that kind at all!“

Sesegma says that Dorzhi Batomunkuev is still in a „very critical condition“ and the paper reports that he is now in hospital in Mogoytuy, Zabaykalsky Krai.

Notably, Batomunkueva denies her son gave an interview to Kostyuchenko, claiming the entire affair was concocted, which may well reflect pressure either from the army or the wider media climate, in which, Novaya Buratiya reports, the interview has been widely portrayed as a fabrication by enemies of the state.
— Pierre Vaux

http://www.interpretermag.com/category/blog/#7776

Natürlich interpretiert Interpretermag die Aussage der Mutter, ihr Sohn habe Elena Kostyuchenko vom Oppositionsblatt Nowaja Gaseta im Donezker Krankenhaus kein Interview gegeben, auf seine vorhersehbare Weise. Wie es zu interpretieren ist, daß der übersetzte Artikel selbst nicht mehr aufzurufen ist, weiß ich auch nicht.

Wegen der schweren Verletzungen des jungen Mannes mußte man aber bereits daran zweifeln, daß er überhaupt in der Lage gewesen war, ein so langes Interview zu führen:

http://euromaidanpress.com/2015/03/02/the-story-of-a-russian-soldiers-war-in-ukraine-we-all-knew-what-we-had-to-do-and-what-could-happen/

Im Hinblick auf die teilweise falschen, zum Teil in Widerspruch zu der online-Präsenz des Interviewten stehenden Angaben in diesem Interview steht jedenfalls eins fest: der Ansatz, mit Bildern aus dem Internet die Tatsache oder den Wahrheitsgehalt eines Interviews entscheidend verifizieren zu können, ist verfehlt.

Angesichts der Verseuchung des Internets mit Fakes und Propaganda von jeglicher interessierter Seite hat das Bellingcat-Geschäftsmodell keine Zukunft. Es ist vielmehr Teil der Desinformation, soweit es sich kritiklos auf social media stützt. Oder diese einsetzt, um ein Interview zu verifizieren, das sich durch solche social media-Produkte schlicht nicht evaluieren läßt.

Betrachten wir es realistischerweise so: der russische Staat kompensiert Verletzte und Angehörige von Freiwilligen, die Soldaten gewesen waren. Man kann davon ausgehen, daß nicht nur im russischen Internet, sondern auch in der Armee Freiwillige geworben werden.

Wer garantiert keine Unterstützung erhält, ist jemand, der behauptet, er sei als Armeeangehöriger zusammen mit Teilen seiner Einheit im Auftrag von Vorgesetzten in die Ukraine geschickt worden.

Es ist daher unwahrscheinlich, daß dieses Interview mit dem russischen Oppositionsblatt mit diesen Aussagen stattgefunden hat.

Wir befinden uns in einem Informationskrieg, und die russische Opposition arbeitet mit denselben Methoden wie das bekämpfte Regime. Bellingcat macht das schließlich auch…

Vielleicht sollte Eliot Higgins diesen eigenen Werbespruch ernster nehmen:

Bellingcat’s Eliot Higgins: Citizen journalists need to be obsessive but not crazy

By Tim ChesterUK Mar 28, 2015

[…]

http://mashable.com/2015/03/27/eliot-higgins-bellingcat-brown-moses/

Ehrlich gesagt: ich lehne bereits Obsessionen ab.

Man sollte die medialen Geräusche rund um die realen Geschehnisse so kühl wie möglich betrachten. Auch wenn es schwerfällt.

Update (11.5.2015):

Reuters hat sich wieder einmal aufgemacht, Beweise für die angeblich im Donbass tätigen aktiven russischen Soldaten unter russischem Kommando beizubringen. Entstanden ist ein wortreicher Artikel, dem es aber wiederum an harten Fakten mangelt. Gerüchte, Hörensagen, das Anwerben von Freiwilligen durch Armeeangehörige, unüberprüfbare Angaben von Soldatenmütter-Organisationen und Menschenrechtlern, Soldaten, die den Dienst quittieren, weil sie befürchten, zum Einsatz in der Ukraine überredet zu werden, ein Soldat, der befürchtet, mit einem in Rußland stationierten Grad-Raketenwerfer auf ein ukrainisches Ziel gezielt zu haben, es aber nicht weiß…

Ein einziger anonymer Kronzeuge wird ausgegraben, der behauptet, unfreiwillig Dienst im Donbass versehen zu haben. Der ist allerdings enttäuscht über ausgebliebene versprochene Gratifikationen, und so muß man diese Aussage zurückhaltend bewerten.

Das alles hatten wir schon. Auf Breedloves und Bellingcats Spuren verirrt man sich eben leicht.

Auch der Welpenfall von Nowaja Gaseta und Aric Toler wird noch einmal aufgewärmt.

Zu Dorzhi Batomunkuyev heißt es in dem Artikel:

Special Report: Russian soldiers quit over Ukraine

Sun May 10, 2015 4:22am EDT

By Maria Tsvetkova

MOSCOW/DONETSK (Reuters) – Some Russian soldiers are quitting the army because of the conflict in Ukraine, several soldiers and human rights activists have told Reuters. Their accounts call into question the Kremlin’s continued assertions that no Russian soldiers have been sent to Ukraine, and that any Russians fighting alongside rebels there are volunteers.

[…]

In February, a Buryat soldier also appeared in an interview on a TV station in eastern Ukraine. Popular singer Iosif Kobzon, who is a member of Russia’s State Duma, the lower house of parliament, was filmed visiting injured fighters in a hospital in Donetsk, eastern Ukraine’s biggest city. Kobzon says he spoke to a soldier who said he was a member of a tank crew from Buryatiya. The Russian independent newspaper Novaya Gazeta later identified the soldier as Dorji Batomunkoyev from military unit 46108 based in Ulan-Ude, the capital of Buryatiya.

Rebels in Ukraine said the Buryat were not soldiers sent by Russia but volunteers. „We have volunteers from the Russian Federation,“ Vladimir Kononov, the Ukrainian rebel defense minister, told Reuters in early March. „This tankman could have left the army before he came here.“

Reuters could not reach Batomunkoyev. His mother Sesegma, contacted by telephone, confirmed that her son had served in the army and been injured in Ukraine. She visited him in a hospital after he was transferred back to Russia. She declined to say whether he had been ordered to go to Ukraine or had volunteered.

„He did not say he was going,“ she said. „He called me on February 19 and shouted ‚Mum, I got burnt in a tank.‘ And that’s it.“

(Additional reporting by Thomas Grove; Edited by Richard Woods and Sara Ledwith)

http://mobile.reuters.com/article/idUSKBN0NV06Q20150510?irpc=932

Merkwürdig – da wird der Besuch des russischen Sängers in Donezk erwähnt, der nur ein paar Worte mit dem verletzten Mann wechselte (wobei dessen Status keine Rolle spielte) – und das später bestrittene „Enthüllungs“-Interview mit dem russischen Oppositionsblatt Nowaja Gaseta, mit dem seine Eigenschaft als in den Donbass abkommandierter aktiver Soldat propagiert wurde, wird nicht erwähnt? Nowaja Gaseta habe lediglich dessen – eventuell frühere – Einheit identifiziert?

Ideologie kontra Wahrheit.

Und nicht zu vergessen: Aussagen von Menschen sind genau so mehrdeutig wie Bilder.

Ich empfehle diese Lektüre.