Der STERN und Udo Jürgens – wie mit PC Auflage gemacht werden soll

Udo, 7.2.09[Udo Jürgens am 7.2.2009 in Köln]

Ein Großer ist gegangen. Einer, der Vielen etwas bedeutet hat. Nicht nur mir, die ihm als Zehnjährige im Jahr 1966 verfiel, als ich „Merci Chérie“ im Radio hörte, weil meine Mutter mit dem verhaßten Wäscheziehen plötzlich aufhörte und ganz andächtig sagte, daß dieses Lied gestern den Grand Prix Européen de la Chanson gewonnen habe.

Nie zuvor war mir Musik in einer solchen Intensität begegnet. Sie traf mich in den Magen, ich bekam eine Gänsehaut, ich hatte Tränen in den Augen. Rückblickend kann ich nicht verstehen, was mich damals als Kind so umgehauen hat; ich wußte ja nichts von Liebe und Schmerz der Erwachsenen – aber daß da von Höhen und Tiefen zu hören war, die die Fortsetzung meiner Märchenwelt waren, denen ich gerade entwuchs und die ich zeitgleich bei Karl May wiederfand, nur eben viel realistischer, das werde ich wohl „verstanden“ haben. Und auch, daß Musik viel tiefere Schichten anspricht als Worte. Diese drängenden Triolen, dieses Abzielen auf den hohen, erlösenden Ton, der sogleich beruhigende Abwärtsbewegungen auslöst…

Oliver Polak, 38, hat im SPIEGEL 1/2015 vom 29.12.2015 von einem ähnlichen Initiationserlebnis im Alter von elf Jahren erzählt, von einem Konzertbesuch in Oldenburg während der „Deinetwegen“-Tournee im Jahr 1987.

Ich musste weinen, ich weiß nicht, warum, da war ein Punkt, den dieser Typ in meinem Kinderherzen berührte – es umarmte, es verstand, mich verstand. Ich verliebte mich. Bei seinem Abgang klatschte Udo die zur Bühne hochragenden Hände ab. Auch meine kleine Kinderhand hielt er kurz in seiner großen verschwitzten Popstar-Hand. Ich saß versteinert auf dem Bühnenrand.

[aaO, S. 135]

Neben den vielen Millionen, die lediglich Udo Jürgens‘ kultige Hits kennen, gibt es Millionen, die mit Udo Jürgens seit ihrer Kindheit bis zu seinem Tod (und darüber hinaus) verbunden waren und kaum jemals eines seiner magischen Konzerte verpaßten, in denen er über sich hinauswuchs, sich völlig verausgabte und in denen eine geheimnisvolle Alchimie herrschte: Publikum und Sänger gaben in gleichem Maß. Dankbarkeit, Ergriffenheit, Jubel und Ekstase der einen Seite trieben die andere zu Energieleistungen, die an den Rand der Erschöpfung führten.

Bei seiner Tournee „Mitten im Leben“ in Köln am 5.11.2014 hatte dieses Bündnis zwischen Publikum und Sänger etwas Überirdisches: Udo Jürgens wurde mit standing ovations empfangen – Köln war immer ein besonders inniges Heimspiel für ihn -, weil die Endlichkeit dieser gemeinsamen Erlebnisse unausgesprochen im Raum stand. Weil man sich für die jahrelangen Beglückungen bedanken wollte. Und auch er wußte um die Endlichkeit dieser gemeinsamen Verschwörungen der idealen Lieder gegen die Realität. Schon beim ersten Lied nach der Pause begann der run auf die Bühne – das Pepe Lienhard-Orchester hat sich selbst übertroffen, Jürgens war nie besser als bei diesem Konzert, das ihn die letzten Kräfte kostete. Was man ihm bei den Zugaben, so nah an der Bühne, deutlich ansah – aber diese symbiotischen Kräfte trieben einander eben bis zum letzten an.

Obwohl ich ahnte, daß dieses Konzert ein Abschied war, kaufte ich Karten für das Wiederholungskonzert im März 2015. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und nun der STERN.

Erinnern Sie sich noch, wie er gegen Christian Wulff hetzte, ohne sich später für seine Entgleisungen zu entschuldigen?

https://gabrielewolff.wordpress.com/2012/03/08/der-stern-kontra-wulff-kann-journalismus-noch-tiefer-sinken/

Erinnern Sie sich noch an seine Sexismus-Kampagne gegen Rainer Brüderle, als die Täterin Laura Himmelreich diesen FDP-Politiker niederschrieb, und sich, gender mainstreaming sei Dank, zugleich zum Opfer stilisierte, das nach einem Jahr der im Busen gehüteten Schmach zum Rache-Artikel ausholte? Nun, Brüderle, die FDP und Himmelreich sind Geschichte – wer sie nachlesen will, findet sie hier:

http://www.stern.de/politik/deutschland/stern-portraet-ueber-rainer-bruederle-der-herrenwitz-1964668.html

Festzuhalten bleibt, daß der Feminismus, der Frauen als Opfer von Sexismus kleinhält, in Wirklichkeit denunziatorischen Täterinnen einen moralischen Vorwand liefert. Dieses Denkmuster schreitet immer weiter fort bis hin zur Forderung einer Aufweichung des Vergewaltigungsparagraphens, der Frauen die Definitionshoheit darüber zuspricht, wann ein später als unangenehm empfundener Geschlechtsverkehr strafbar sein soll. Und das auch noch zwanzig bis dreißig Jahre später. Ja, in den USA gehen die Überlegungen so weit, daß man sagt, daß ein zu Unrecht beschuldigter Mann weniger leide als eine Frau, deren Beschuldigungen man nicht glaube – diese Perversion des Rechtsstaats und seiner Unschuldsvermutung ist in Politik und Medien längst Mainstream, der wie immer gegen die Rechtswirklichkeit und gegen die Meinung des Volks steht. Das nämlich genau weiß, daß Gut und Böse, Dominanz und Schwäche zwischen Männern und Frauen ziemlich genau gleich verteilt sind. Auch Provokation und Aggression sind gleich verteilt, mag auch in der medialen Darstellung die spektakulärere physische Aggression der Männer überwiegen.

Nun sind die Leitmedien nicht ohne Grund wirtschaftlich bedroht: es muß Folgen haben, wenn ausschließlich neoliberalistische, feministische und transatlantische Positionen vertreten werden, Elitenmeinungen also, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Der Vorwurf der „Lügenpresse“ wird ja nicht nur durch „Pegida“ erhoben. Das Publikum wendet sich ab, wenn es merkt, daß es indoktriniert werden soll.

Ein schönes Beispiel bietet der gerade aktuelle Chefredakteur des STERN. Er meint, posthum Udo Jürgens diffamieren zu können. Christian Krug heißt der Mann, der zur Zeit dort Chefredakteur ist und der wohl hofft, mit diesem Editorial im STERN 2/2015 vom 2.1.2015 auf S. 5 auflagesteigernd zu wirken – man merkt ihm allerdings an, daß er keine Ahnung von Udo Jürgens und seiner Wirkung hat.

Ich bin sicher, dass unter den Weihnachtsbäumen nie so viel getanzt wurde. Vor allem nach „Merci Chérie“, dem nach meiner Überzeugung meist falsch interpretierten Lied, dem er seinen Durchbruch verdankte. Jürgens hatte den Song als eine Art Entschuldigung für ein Davonstehlen nach einer durchliebten Nacht getextet. Eine Liebeserklärung an die unbekannte Schöne, deren Namen er schnell wieder vergessen hatte, als er die Tür hinter sich zuzog.

[Hervorhebungen im STERN]

Krug kann weder Musik empfinden noch Texte lesen – es geht ihm um sexistische Denunziation des Mannes, wie es gerade feministische Mode ist. Männer sind Schweine, und Frauen Opfer. So der mediale Diskurs, der mit dem wahren Leben nichts zu tun  hat.

Der Text des Liedes aus dem Jahr 1966 lautet – und ich markiere die Silbe, die den höchsten Ton markiert, auf den die Musik hindrängt -:

Merci, Merci, Merci
Für die Stunden Cherie, Cherie
Unsere Liebe war schön, so schön
Merci Cherie
Sei nicht traurig, muß ich auch von Dir geh’n

Adieu, Adieu, Adieu
Deine Tränen tun weh, so weh, so weh
Unser Traum fliegt dahin, dahin
Merci Cherie, weine nicht
Auch das hat so seinen Sinn

Schau nach vor’n, nicht zurück
Zwingen kann man kein Glück
Denn kein Meer ist so wild, wie die Liebe
Die Liebe allein, nur die kann so sein, so sein

Merci, Merci, Merci
Für die Stunden Cherie, Cherie
Unsere Liebe war schön, so schön
Merci Cherie, so schön, so schön
Merci Cherie, so schön, so schön
Merci Cherie
Merci

http://www.golyr.de/udo-juergens/songtext-merci-cherie-196992.html

Nur ein politisch korrekter Chefredakteur kann im Jahr 2015 dieses Lied von 1966, dessen Schmelz von Liebe und Liebesleid kündet, so mißverstehen wie der Herr Krug das tut. Aber er macht das mit Absicht, denn er muß den denunziatorischen Charakter des in seinem Heft publizierten Artikels verteidigen. Und also schreibt er, wiederum komplett an der Realität vorbei und ohne Interpunktionskenntnis:

Diese dunklere Seite von ihm, dieser Ausdruck seiner Beziehungsunfähigkeit [,] wird heute als Schmachtschlager geträllert. Als Helene Fischer den Song auf ihrer Gala für ihn zum Besten gab, sah er sie an, als hätte sie rein gar nichts verstanden. Nichts von seiner Zerrissenheit, nichts von seinem Narzissmus, nichts von seiner Hintergründigkeit als Künstler.

[Hervorhebung im Originaltext]

Klar, Männer sind narzisstisch, und nur Männer, so will es die feministische Definition. Krug lügt allerdings, nur um dieses Klischee zu begründen. Und es ist ihm leicht nachzuweisen. Udo Jürgens war nach der Interpretration seines uralten Liedes durch Helene Fischer ergriffen, dankbar, begeistert, er fand sie wunderbar und er applaudierte jeweils, als sie den hohen Ton des „sauschwierigen“ Liedes ideal vortrug – er darf nämlich nicht angesungen und dann mit Schwellton ausgeführt werden, er muß mit Attacke vorgetragen werden. Das hat Helene Fischer getan – und Udo Jürgens hat jeweils anerkennend applaudiert. Wohlgemerkt: es geht um das Wort „Liebe“, dessen erste Silbe so vehement interpretiert werden muß.

Helene Fischer in der Geburtstagsshow für Udo Jürgens mit „Merci Chérie“ (aufgezeichnet am 1.9.2014)

http://www.youtube.com/watch?v=VOEAANdAN8g

Helene Fischer in ihrer Show mit Merci Chérie (aufgezeichnet am 11./12.12.2014)

https://www.youtube.com/watch?v=VnlqLm8208k

Krug lügt also. Und wieso? Weil er den unterirdischen Beitrag eines Interviews mit einem prekären Cousin von Udo Jürgens (die üblichen Geier umkreisen berühmte Tote sogleich) mithilfe eines feministischen Mainstreams adeln möchte:

Applaus war sein Antrieb und seine Lebensdroge. Er hat sein Publikum gebraucht wie ein Vampir das Blut. Sein Cousin Andrej Bockelmann beschreibt ihn im Interview mit dem STERN als einen Einzelgänger, der seine erste Ehe nur zum Schein aufrechterhielt (ab S. 70). Geliebt hat er wohl nur sich selbst.

[Hervorhebung im Editorial]

An dieser Stelle ist man wirklich dem Kotzen nah.

Die Familie Bockelmann hat von ihren Sprößlingen viel verlangt. Darunter hat auch Udo Jürgens gelitten. Andrej Bockelmann hat den Maßstäben seines Vaters Werner Bockelmann wohl kaum entsprochen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Bockelmann

Mit über siebzig Jahren muß er sich noch als Werbefilmer auf dem Markt verdingen, weil er als freier Autor sicherlich keine auskömmliche Rente hat:

Ich kann meine Arbeit sehr preiswert für 200 € pro Arbeitstag (incl. Ausrüstung) anbieten. In der Regel lässt sich ein etwa 15 Minuten langer Film an 4 – 5 Tagen herstellen und kostet um die Tausend EURO. Aber auch schon für 600 – 800 € lässt sich ein passabler 5 – 8-Minuten-Film realisieren. Größere Werke kosten je nach Aufwand in der Regel zwischen 2000 und 5000 €.

http://www.andrejbockelmann-imagefilm.de/kosten-und-preise.html

Das Gästbuch seiner seit 2011 eingerichteten Website sieht mau aus: es gibt dort sechs Einträge, drei stammen von ihm selbst, einer von seinem Sohn und zwei von obskuren Bekannten:

http://www.andrejbockelmann-imagefilm.de/guestbook.html

Dieser Mann darf also gegen Udo Jürgens losschießen; das Wichtigste hat der STERN auch online gestellt.

http://www.stern.de/kultur/musik/udo-juergens-vetter-im-stern-udo-hat-die-menschen-nie-geliebt-2163102.html

Natürlich macht dieser neidzerfressene unerfolgreiche Verwandte lediglich Reklame für sein Buch, das er im Frühjahr herausbringen will – der alberne Titel lautet: „Udo Jürgens – der Mann, der mir das Schwimmen beibrachte“ [STERN Nr.2, 2.1.2015, S. 78]

Wieso hat der STERN die haltlosen Aussagen dieses krückeligen Verwandten, der Udo Jürgens kaum kannte, für seine feministische Agenda und sein Bashing gegen Männer, die bei Frauen erfolgreich sind, derartig mißbraucht?

Daß die Frauen Udo Jürgens nachliefen und daß er Probleme hatte, Nein zu sagen, ist ja bekannt. Daran soll er jetzt schuld und die Frauen Opfer sein? Come on. Get it straight.

Udo Jürgens hat nie ein Hehl aus seiner Vita gemacht:

Talkrunde mit Lanz, 2012

https://www.youtube.com/watch?v=e_0C0EtN5TE

Hier ein letztes großes Interview mit Giovanni die Lorenzo, das am 28.8.2014 im ZEIT-Magazin erschienen ist und in dem er zur aktuellen sexuellen Verklemmtheit wie auch zu seinen Defiziten einiges sagt:

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/36/udo-juergens-geburtstag

Ich denke, daß die Kalkulation des STERN, mittels feministischer Mainstream-Schablonen ein Interview zu adeln, in dem ein minderer Verwandter Udo Jürgens abwertet, nicht aufgehen wird, auch wenn der prekäre Verwandte mehr als seinen üblichen 200-Euro-Stundensatz erhalten haben wird.

Udo Jürgens läßt sich dadurch nicht skandalisieren, und auf eine Auflagenerhöhung darf der STERN auch nicht hoffen. Mal sehen, wie lange es der neue Chefredakteur auf dem Schleudersitz aushält.

Ich bin sicher, daß ihm dieser Beitrag sehr übelgenommen wird. Da nützt es nichts, daß dieses Interview auf BILD-Niveau mit Andrej Bockelmann von einem weiblichen Reporter namens Sophie Albers Ben Chamo geführt wurde, die am Schluß anmerkte:

erlebte Andrej Bockelmann als warmherzigen Gesprächspartner, dem Gerechtigkeit ein besonderes Anliegen war.

[aaO, S. 79]

Frauen lassen sich, wie Männer auch, im prekären Job des Journalisten wirklich zu allem mißbrauchen. Warmherzig ist an diesem Interview nichts, das lediglich zu einer auflagesteigernden Skandalisierung eines gerade Verstorbenen beitragen soll. Wobei die Skandalisierung durch den Chefredakteur auch noch ideologisch geadelt wird. Da fehlen einem wirklich fast die Worte dazu, wie weit die Presse geht.

Dieser Schuß wird aber gewiß nach hinten losgehen. Udo Jürgens, der von derselben psychisch kranken Frau gestalkt und physisch bedroht wurde, die Karl Dall der Vergewaltigung zieh, der dennoch angeklagt aber dann zurecht freigesprochen wurde, kennt die Frauen sehr gut. Zuletzt hatte er es mit einer aggressiven Frau zu tun, die behauptete, seine Tochter zu sein, was sie allerdings nicht war. Einem Star wie ihm schlug schon immer weiblicher wie männlicher Haß entgegen – typisch, daß der um Auflagesteigerung barmende STERN diesem Haß ein Sprachrohr bietet und den auch noch ideologisch rechtfertigt. Ich sage mal voraus, daß dieser Schuß nach hinten losgeht.

Als Antidot empfehle ich dieses Interview mit Jürgens‘ langjährigem Manager Freddy Burger, der ihn wirklich kannte:

http://m.schweizamsonntag.ch/ipad/articleView.htm?article=bGluZTJfTFRHX2xpbmUyLTI4XzEyXzIwMTRfU29ubnRhZ19SZWRha3Rpb25fdjFfMTczMjgyNg%3D%3D

Nachtrag (26.1.2015):

Natürlich entschuldigt sich der STERN nicht für seine Entgleisungen in der Wulff-Hatz, die weder juristisch noch politisch angemessen war.

12.03.14

„Stern“-Reporter Tillack will sich nicht entschuldigen

Frankfurt am Main. Der „Stern“-Reporter Hans-Martin Tillack wehrt sich gegen Vorwürfe, Journalisten hätten im Fall Christian Wulff vorschnell unhaltbare Vorwürfe erhoben. „Mit Verlaub, das ist grober Unfug“, schreibt der Enthüllungsjournalist, der seit vielen Jahren für das Hamburger Magazin tätig ist, in einem Beitrag für das aktuelle „medium magazin“. „Keine einzige Zeile meiner Artikel wurde vor Gericht attackiert.“ In den Beiträgen sei es nicht um „Klein-Klein“ gegangen, sondern um millionenschwere Geschäfte. „Mich stört die Nonchalance, mit der jetzt einige Journalisten eine regelrechte neue Meute des Ermittler- und Journalisten-Bashings schaffen“, so Tillack in seinen Ausführungen. Neben der „Bild“-Zeitung war er einer der Ersten, die über den umstrittenen Hauskredit des einstigen Staatsoberhaupts berichtet hatten.

Der inzwischen vom Vorwurf der Vorteilsnahme freigesprochene Ex-Bundespräsident hat laut Tillack in seinen Aussagen vor Gericht vieles zugegeben, was er in Statements zuvor bestritten habe. „Ich finde daher nicht, dass ich mich als Journalist heute dafür entschuldigen muss, wenn ich Anfang 2012 ein bisschen den Respekt vor ihm verloren hatte und nicht bereit war, mich auch noch für eine Inszenierung der präsidialen Normalität auf Staatsbesuch in Italien einspannen zu lassen.“

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article125698922/Stern-Reporter-Tillack-will-sich-nicht-entschuldigen.html

Das sieht Jan Fleischhauer zurecht vollkommen anders, denn Tillacks jeglichen Anstands entbehrende Entgleisung anläßlich des Italien-Besuches ist schlicht nicht zu rechtfertigen:

S.P.O.N. – Der Schwarze Kanal: Maßlose Jäger

Eine Kolumne von Jan Fleischhauer

Wenn sich Journalisten wie Staatsanwälte aufführen, dürfen sie sich nicht wundern, dass sie schlecht aussehen, wenn vor Gericht nichts herauskommt. Vielen Bürgern wird der Fall Wulff als Beispiel für Macht und Machtmissbrauch von Medien in Erinnerung bleiben.

Der MDR-Redakteur Michael Götschenberg hat in seinem Buch „Der böse Wulff?“ festgehalten, wie es an Bord des Regierungsfliegers zuging, als der Bundespräsident im Februar 2012 zu seiner letzten Dienstreise nach Italien aufbrach. Wenn die Details der Affäre längst in die Dämmerung des Vergessens gesunken sind, wird diese Szene bleiben.

„Treten Sie nur aus Angst vor Mittellosigkeit nicht zurück?“ fragte einer der Journalisten, als Christian Wulff die Presse begrüßte. „Glauben Sie im Ernst, dass sich jemand dafür interessiert, was Sie in Italien vorhaben?“, lautete später eine andere Frage. Vier Tage blieben Wulff zu diesem Zeitpunkt noch bis zu seinem Rücktritt, aber für die nachbohrenden Redakteure war schon nicht mehr genug Zeit für die korrekte Anrede. Für sie war das Staatsoberhaupt nur noch „Herr Wulff“.

„Absolut grenzwertig“ sei das Verhalten gewesen, erinnert sich Götschenberg: Einige Kollegen, die dabei waren, hätten aus Scham zu Boden geschaut. Zu denen, die sich besonders hervortaten, gehörte der „Stern“-Reporter Hans-Martin Tillack. „Etwas frech“, findet Tillack im Nachhinein seine Fragen, aber es sei das „Kennzeichen einer Untertanengesellschaft“, Amtsträgern eine Ehrerbietung unabhängig von ihrem Verhalten zu gewähren. Normaler menschlicher Anstand hätte auch gereicht, um einen vor solcher Anmaßung zu bewahren.

[…]

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/christian-wulff-jan-fleischhauer-kolumne-zum-freispruch-im-prozess-a-955971.html

Für die STERN-Hetze gegen Wulf, der heute als Repräsentant Deutschlands zu der Trauerfeierlichkeit in Saudiarabien geschickt wird, hat sich ein einziger entschuldigt. Der einzige unabhängige Journalist des STERN, der sich zu sehr spät zu einem einzigen Hetz-Artikel entschlossen hat, ist Hans-Ulrich Joerges:

http://www.stern.de/politik/deutschland/joerges-der-video-zwischenruf-die-medien-haben-wulff-kaputt-gemacht-2093252.html

http://www.stern.de/politik/deutschland/zwischenruf-aus-berlin-fuersorgliche-vernichtung-2001136.html

Aber Hans-Martin Tillack, um dessen Intellekt man sich ebensoviel Sorgen machen muß wie um seine intakte Psyche, setzt natürlich nach:

http://blogs.stern.de/hans-martin_tillack/wie-schoenfaerberisch-ist-das-wulff-buch/

Der STERN ist, wie sein Udo Jürgens-Editorial und -Artikel deutlich zeigt, auf einem falschen Weg. Noch deutlicher wird der falsche Weg, sieht man sich seine Ukraine. Berichterstattung an.

Auch hier ragt Jörges wie ein Leuchtturm heraus.

Denn hier muß man die Ausnahme hervorheben: Hans-Ulrich Jörges in seinem “Zwischenruf aus Berlin” im STERN vom 23.12.2014, S. 81. Üblicherweise kommt sein Zwischenruf weiter vorne. Aber der STERN mußte zuvor unbedingt noch zwei unendlich lange Propaganda-Artikel vorschalten.

Von S. 54 – 62 den Artikel

Der kalte Hauch des Gestrigen

Seit der Annexion durch Russland im März feiern die meisten Krimbewohner Putin, ihren starken Mann. Widerspruch wird nicht geduldet. Eine Reise durch eine Region am Wendepunkt der Geschichte

von Bettina Sengling

Düstere Fotos, fast ausschließlich Innenaufnahmen.
Die Autorin besucht ein Veteranen-Treffen (mit Stalin-Bild an der Wand), zwei Kadettenschulen (und wundert sich, daß die Kinder schon militärische Übungen machen), ein Armee-Museum, und sie redet ausschließlich mit Maidan-Anhängern, die schon nicht mehr in der Krim wohnen oder kurz davor sind, die Krim zu verlassen, und mit einem Krim-Tataren, dessen Sohn verschwunden ist, etc. Soweit die Ukraine vehement abgelehnt wird, sind das alles Leute, die von Propaganda vernebelt wurden. So kam es dann wohl zum mehrheitlichen Sezessions-Votum der Krimbewohner. Die waren alle von Propaganda umnebelt.

Unmittelbar danach folgt auf den S. 64 – 70 der Artikel

Aus dem Himmel gerissen
Auf Feldern in der Ostukraine liegen verstreut die Überreste des Fluges MH 17, zerfetzt von einer Rakete.298 Menschen starben, die meisten davon Niederländer.Ihre Angehörigen verzweifeln – an den Lügen, der Ungewissheit und der Unmöglichkeit, Abschied zu nehmen

Von Joachim Rienhardt

Zu sehen ist ein Kornfeld mit Flugzeugsitzen, also ein altes Foto. Die Machart des Artikels ist genauso, wie es schon die Überschrift andeutet: viel Herzeleid der Angehörigen, dazwischen eingestreut Unterstellungen (Rakete), Falschinformationen und Schuldzuweisungen.

Verbrannt, verkohlt, verstümmelt. Schutzlos bärtigen Kämpfern in Tarnuniform ausgeliefert, die vor laufender Kamera mit Plüschtieren der toten Kinder hantierten und Ringe von Fingern streiften.

[S. 66]

Nicht einmal vor der Wiederholung dieser bereits längst widerlegten Propaganda wird zurückgeschreckt.

Vom ersten Tag verteidigte sich Russland mit schmutziger Kriegspropaganda.

[S. 68]

Und kaum sagt ein Angehöriger, der drei Tage nach dem Abschuß vor Ort war, mal etwas Falsches, kriegt er einen drüber:

“Wieso kann ich da hin und meine Regierung nicht?”, fragt Oehlers, obwohl er weiß, dass die offiziellen Missionen immer wieder Attentatsversuchen der Separatisten ausgesetzt sind. Die haben kein Interesse daran, die Absturzstelle von Experten untersuchen zu lassen. Eher daran, Spuren zu verwischen.

[S. 70]

Ein einziger Lügensumpf, getarnt als Opferempathie.

Dagegen sticht Jörges tatsächlich heraus:

Amerikas Verirrungen
2014 gilt als russisches Krisenjahr. Doch die USA haben viel mehr angerichtet, ihre Fehler erschütttern die Welt.

Es ist ein Meisterwerk der Bewusstseinstrübung und Perspektivverschiebung, wie das Krisenjahr 2014 im öffentlichen Bewussstsein verankert wurde. Wegen der Annexion der Krim und des von Moskau mitgetragenen Bürgerkriegs in der Ostukraine gilt es gemeinhin als russisches Jahr. […]
Dabei müsste 2014 eher als amerikanisches Jahr in Erinnerung bleiben. Denn die globale Datenschnüffelei der NSA, die Bedrohung durch den IS, die nun auch amtlich bestätigte Folterpraxis nach 9/11 und selbst der Ukraine-Konflikt markieren fatale Fehler und Verirrungen amerikanischer Politik. Dagegen Putin zum Weltfeind Nummer eins zu erklären, ist ein Triumph gelenkter Kommunikation.

STERN Nr. 1 o.J., S. 70

Später spricht er es tatsächlich aus, was jeder weiß, es sich aber entweder nicht zu schreiben traut oder es bewußt verschweigt:

Beim Umsturz in der Ukraine Anfang des Jahres hatten die USA denn auch die Finger im Spiel, wie ein abgehörtes Telefonat der Diplomatin Victoria Nuland mit dem US-Botschafter in Kiew offenbarte. Sie empfahl “Jats” als Regierungschef, den Hardliner Arsenij Jazenjuk, der es dann auch wurde, und verwarf “Klitsch”, Vitali Klitschko. Europa? “Fuck the EU!”

Und er weiß sogar zu berichten, was 2008 geschah, als Deutschland sich vergebens der Aufnahme-Einladung der Ukraine und Georgiens in die NATO widersetzte.
Denn Steinmeier wurde von seiner US-Kollegin Condoleeza Rice am Telefon derart angebrüllt, dass er das niemals vergaß. Steinmeier wird mit den Worten zitiert:

“2008 war ein wichtiges Jahr, das schon Vorzeichen des heutigen Ukraine-Konflikts trägt.”

 

Ja, in Ausnahmefällen leistet sich der STERN mal die Wahrheit. Jörges ist so ein Ausnahmefall. Ansonsten hält er sich an den Mainstream, insbesondere den feministischen – der im Fall Udo Jürgens gewaltig in die Hose ging. Weil er ganz offensichtlich nur ein diffamierendes Interview mit einem prekären Verwandten rechtfertigen sollte.

Ich glaube nicht, daß Henri Nannen einen solchen Journalismus gut finden würde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jörg & Miriam Kachelmann: Recht und Gerechtigkeit – mehr als eine Rezension (III)

 

Mit der Überschrift: ›Miriams Sicht: Die Verhaftung‹ [S. 19 – 31] ist der erste Beitrag von Miriam Kachelmann versehen, und wenn man als Leser Doppelungen mit dem vorangegangenen Bericht über die Festnahme durch Jörg Kachelmann befürchtet hat, wird man angenehm enttäuscht. Denn als Begleiterin eines unversehens Festgenommenen entwickelt man, so liest sich dieses Kapitel, tatsächlich eine eigene Sicht – was nicht nur daran liegt, daß Miriam Kachelmanns Stil epischer, reflektierter ist als der ihres Co-Autors. Sie beschreibt präzise, detailreich und kennzeichnet immer, welche Erinnerungen dem unmittelbar Erlebten entspringen, welche durch spätere Ereignisse und Informationen überschrieben bzw. kontaminiert wurden, welche Erinnerungen unsicher und welche sehr subjektiv gefärbt sind. Als Psychologin weiß man, daß Erinnerungen vermintes Gelände sind. Sowohl durch den eigenen Zugriff auf den Stoff als auch durch die stilistischen Unterschiede ergibt sich für den Leser ein stupender Mehrwert, denn die geschilderten Ereignisse werden erst durch die Präsentation beider Blickwinkel der Co-Autoren zu einer ›Wahrheit‹, die immer komplex ist.

Während Jörg Kachelmann seinen gedrängten Bericht so abgefaßt hat, wie es seinem Vorsatz während der Festnahme entsprach (»versuchte, alles erwachsen und wie ein Mann über mich ergehen zu lassen« [S. 18]), folgt Miriam Kachelmann einem anderen Programm. Sie läßt den Leser an allen Verunsicherungen, die die Situation auslöst, teilhaben:

Miriam Kachelmann:

Ich weiß noch, dass ich zunächst dachte, wir bekämen Ärger mit der Flughafenpolizei, weil wir mit dem Gepäcktrolli im Fahrstuhl gefahren waren (was man wohl nicht darf, ich erinnere mich an einen großen Verbotsaufkleber an der Fahrstuhltür); später dachte ich, dass ich verhaftet werde, dann, dass wir beide festgenommen werden, und nach wenigen Minuten wurde mir schließlich klar, dass es um Jörg ging. Er wurde nach links zur Seite »gebeten«, ich nach vorne. Wir drehten uns, wie in amerikanischen Kitschfilmen immer eindrucksvoll inszeniert, in diesem Moment des Voneinanderweggezogen-Werdens noch einmal um, und ich konnte Entsetzen und Unverständnis in Jörgs Gesicht gesehen. Ich vermute, dass ich einen ähnlichen Gesichtsausdruck hatte.

[S.21]

Die Art und Weise, in der sie vermittelt, daß sie von oben herab, höhnisch und unwirsch behandelt wird, daß man ihr nicht sagt, worum es geht, daß die Schwetzinger Kripobeamtin, mit der sie es zu tun hat, nach ihrer Antwort, daß sie die Freundin Jörg Kachelmanns sei,

»Aha …« machte, begleitet von einem vielsagenden Aufreißen der Augen.

[S. 27]

läßt den Leser unmittelbar an der Szene teilhaben. Im Subtext wird die Geschichte einer Verwandlung erzählt:

Ich umarmte Jörg dabei und versuchte ihn zu beruhigen, indem ich sagte (und auch später noch mindestens einmal): »Du hast nichts gemacht, dir kann also nichts passieren!« Das habe ich damals tatsächlich gedacht in meinem aus heutiger Sicht schon sträflich naiven Glauben an Rechtsstaat und Gerechtigkeit.

[S. 23]

Wir sagten dann nichts mehr und umarmten uns mehrmals, und ich versuchte weiter, ihn irgendwie zu stabilisieren.

Später konnte man in der Zeitung lesen, dass sowohl Kriminalhauptkommissar [in der 3. Auflage mit einem Pseudonym bezeichnet] Werner Seele als auch die (mittlerweile beförderte) Kriminalhauptkommissarin [in der 3. Auflage mit einem Pseudonym bezeichnet] Martina Michel zu Beginn des Prozesses vor Gericht ausgesagt hätten, dass ich völlig aufgelöst gewesen sei und geweint hätte, wohingegen Jörg emotionslos und kühl reagiert und mich zur Beruhigung umarmt habe. Nun, das komplette Gegenteil war der Fall gewesen, und wenn ich bis dahin gedacht hatte, Polizisten würden immer die Wahrheit sagen, und wenn sie vielleicht auch nicht unbedingt »dein Freund und Helfer« sind, wären sie doch zumindest bürokratisch korrekt, so hatte ich mich gründlich geirrt.

[S. 23f.]

Tatsächlich: die Anzeigenerstatterin war laut ihrem (sicherlich mit ihrem Einverständnis) im FOCUS veröffentlichten Tagebuch noch ganz anders über die Reaktion von Kachelmann unterrichtet worden:

 20.3. Er sei festgenommen worden. Sie hätten ihn. Hoffentlich bleibe er in U-Haft. Er habe den Überraschten gespielt. Was für ein verdammter Heuchler.

http://www.focus.de/magazin/archiv/die-akte-kachelmann-er-ist-doch-nicht-tot-schade–_aid_536766.html

Im September 2011 sagten die beiden Schwetzinger Polizeibeamten dann aber ganz anders aus:

 15.09.2010 15:17 Uhr

Kachelmann blieb bei Festnahme gelassen

Mannheim (AP) . Wettermoderator Jörg Kachelmann hat bei seiner Festnahme auf dem Frankfurter Flughafen am 20. März dieses Jahres nach Aussage von Polizeibeamten keine emotionale Reaktion gezeigt – auch nicht als ihm der Haftbefehl mit dem Vorwurf der Vergewaltigung gezeigt wurde. Das sagten am Mittwoch zwei Polizeibeamte vor dem Landgericht Mannheim aus, wo sich Kachelmann verantworten muss.

[…]

http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/255966

Bei Kachelmanns Rückkehr seien acht Beamte am Flughafen eingesetzt gewesen, Kachelmann sei auf einem Parkdeck verhaftet worden. Während seine Freundin darauf mit sichtlichem Entsetzen reagiert habe, habe Kachelmann keine emotionalen Reaktionen gezeigt, berichteten die Beamten. Die Festnahme sei sehr ruhig verlaufen.

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/im-fall-kachelmann-schildert-die-polizei-vor-gericht-die-umstaende-der-festnahme-des-tv-wettermoderators-keine-emotionale-regung,10810590,10743086.html

Nur einer scherte aus:

Festnahme: Wie reagiert man, wenn man verhaftet wird? Zwei Polizisten sagen: Kachelmann sei bei seiner Festnahme völlig cool geblieben, habe kein Wort gesagt. Ein dritter Polizist beschreibt: «Er wirkte wie einer in der Sendung «Versteckte Kamera» – weiss nicht recht, wird er gerade reingelegt oder ist es ernst.»

http://www.sonntagszeitung.ch/nachrichten/artikel-detailseiten/?newsid=148586

Das war natürlich Futter für die Medienstaatsanwälte wie den Schwarzer-Fan Malte Arnsperger vom STERN, der genau weiß, wie ein durchschnittlicher Unschuldiger auf eine Verhaftung reagiert und ohnehin verzweifelt nach Verdachtsmomenten suchte, wo keine waren – es sollte ja schließlich spannend bleiben fürs Publikum:

Malte Arnsperger, 20.3.2011

Die Polizisten verfolgen die beiden und nehmen Kachelmann noch im Parkhaus fest. Vor Gericht werden sie später erzählen, er sei bei seiner Festnahme ruhig geblieben und habe nicht besonders überrascht gewirkt.

Dies ist ein winziges Detail, das seine Sprengkraft aber noch entwickeln sollte. Denn aus einem strafrechtlich eher unspektakulären und alltäglichen Vorwurf wird der „Fall des Jahres“ und dann der „Prozess des Jahres“, in dem alles auf die Goldwaage gelegt wird.

http://www.stern.de/panorama/kachelmann-prozess-vier-verliert-1665661.html

Es gibt zudem auch Verdachtsmomente, die für die Anklage sprechen. Darunter die angebliche Gelassenheit von Kachelmann bei der Festnahme.

http://www.stern.de/panorama/2-kachelmann-prozess-vier-verliert-1665661.html

Vom Verlust des Glaubens an den Rechtsstaat sind insbesondere Miriam Kachelmanns Beiträge geprägt. Sie eröffnen zudem einen ungeahnten Blick auf die Wirkungen, die ein Verfahren auf Angehörige und Partnerinnen eines Beschuldigten/Angeklagten ausübt. Nachdem die Durchsuchung des PKW abgeschlossen ist, steht sie plötzlich ganz allein da. Sie weiß nicht, wo ihr Freund hingebracht worden ist, sie will ihn sehen und ›abholen‹, sie weiß nicht, wohin sie mit dem ihr fremden Wagen hinfahren soll, als Führerschein-Neuling fährt sie verkrampft und unsicher in die Großstadt hinein und alsbald wieder heraus, und die einzige Hoffnung, die sie hegt, richtet sich darauf, daß ein Anwalt ihres Freundes sich bei ihr melden möge – und das geschieht auch.

Ihr nächster Beitrag: ›Miriams Sicht‹: Der Anwalt‹ [S. 115 – 119] ist ein kleines Kabinettstückchen. Ein Augenöffner gerade für in der Strafjustiz tätige Juristen, die sich niemals Rechenschaft darüber ablegen, wie denn ihr völlig übliches und systemkonformes Verhalten auf ratlose bis verstörte Dritte wirkt, die einfach nur wissen wollen, was los ist und wie es weitergeht. Da prallen Welten aufeinander: die Freundin, die nach langem Warten an einer Raststätte dem Treffen mit Rechtsanwalt Birkenstock entgegenfiebert, der Anwalt, der nach getaner Arbeit erst einmal speisen will: und so referiert Miriam Kachelmann entgeistert die Mahlzeit, die Birkenstock zu sich nimmt: »eine große Portion Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelbrei und Kaffee« [S. 115], während sie wegen der Aufregung den ganzen Tag noch nichts gegessen hat und auch spätabends nichts herunterkriegt.

SIE erwartet Zuwendung und Information, ER ist durch das Beratungsgeheimnis zur Zurückhaltung verpflichtet, klopft SIE auf verwertbare Informationen ab und muß immer bedenken, ob es sich nicht um eine Frau handeln könnte, die, wenn sie die Wahrheit über das Liebesleben ihres Partners erfährt, wieder abspringt und seinem Mandanten schadet (wie es später mehrfach geschehen sollte).

Miriam Kachelmann:

In meiner durch die Ereignisse des Tages erzeugten Paranoia steigerte ich mich fast in den Gedanken hinein, einen Staatsanwalt vor mir sitzen zu haben.

[S. 116]

Immerhin, sie erfährt, daß der Verteidiger seinen Mandanten für unschuldig hält, aber auch, daß es »eine Weile dauern könnte mit Jörg«. Frau Birkenstock nimmt sie als feindliche, reservierte Person wahr, akzeptiert aber, wo soll sie auch hin, die Einladung der Familie Birkenstock nach Köln. Frau Birkenstock steuert Kachelmanns Volvo, Miriam ist Beifahrerin, und nun steigert sich das diffuse Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben:

Die Fahrzeit von der »Wetterau« nach Köln beträgt ungefähr zwei Stunden, und das Gespräch deprimierte mich zusehends, da ich bemerkte, dass Frau Birkenstock offenbar Dinge über Jörg wusste, die mir unbekannt waren. Das half keineswegs, meine Stimmung aufzuhellen, sondern verstärkte das flaue Gefühl im Magen nur noch. Ich hatte nicht die Kraft zu fragen, wer die Frau war, die Jörg angezeigt hatte. Während der Verhaftung hatte ich noch gedacht, es sei diese Stalkerin, von der ich wusste, dass Jörg erfolgreich gegen sie vorgegangen war, aber die Andeutungen von Frau Birkenstock sprachen gegen diese Annahme.

[S. 118]

Es kommt noch zu einem freundlich-empathischen Gespräch mit Rechtsanwalt Birkenstock, aber dann ist es der Autorin doch auch wieder ganz fremd, daß die Familie sie zu einem Buffet bei Freunden mitnimmt, und daß man ihr gut zuredet, später noch in eine Disco zu gehen. Was für den Anwalt Profession ist, bedeutet ihr Weltuntergang. Juristen erholen sich von der Verantwortung, die mit dem Balancieren an Abgründen verbunden ist, nicht selten mit Geselligkeiten und Alkohol. Diejenigen, die in den Abgrund blicken (und dazu gehören auch die Angehörigen des unmittelbar Betroffenen), fühlen sich im Trubel fremd.

Die Psychologiestudentin Miriam Kachelmann ist allerdings eine Kämpferin, wie jedermann bei ihren öffentlichen Auftritten sehen konnte: die Phase der Hilflosigkeit wurde durch Aktivität überwunden, das Verfahren wurde auch zu ihrem, und was sie an ihm lernen konnte, im juristischen wie psychologischen Selbststudium, hat sie in dieses Buch eingebracht. Wie und warum das geschah, erzählt sie in dem grandiosen Herz-Stück ihrer Beiträge, ›Die Aussage‹ [S. 172 – 203].

Und daß sie wie nebenbei die Ehre der Frau an sich rettet, die durch die medialen Auftritte einiger weniger Ex-Geliebten nebst deren kalkulierter Opfer-Einvernahme durch Alice Schwarzer schwer gelitten hat, liest insbesondere die emanzipierte Leserin gern. Sie weiß ja, daß Schillers Worte über die Aggressivität von Frauen in Zeiten der entgrenzenden Revolution in heutigen friedliche Zeiten nur für gestörte Frauen gelten:

Da werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz.

Denn nach der Kenntnisnahme von der Untreue ihres Partners, die sie trotz vergleichsweise zahlreicher Treffen immer für möglich gehalten hatte, reagiert Miriam Kachelmann reflektiert:

Ich war also durchaus enttäuscht und verletzt, aber diese Gefühle haben mir nie den Verstand vernebelt und mich zu einer rachsüchtigen Amazone mutieren lassen. Es ist eine Sache, jemanden zu betrügen (wozu, wie gesagt, nach meiner Meinung immer jemand gehört, der sich betrügen lässt); eine andere ist es, jemandem eine schwere Straftat vorzuwerfen, die er nicht begangen hat. Wer Jörg kannte und eine ehrliche Einschätzung über ihn abgab, wusste, dass er zu einer solchen Tat nicht in der Lage war und auch niemals sein würde. Deswegen war es ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen der Nebenklägerin, ihm eine Sache anhängen zu wollen, die so weit von Jörgs Naturell entfernt war – zumindest hatte ich noch gedacht, das müsste aussichtslos sein. Die Monate seit seiner Verhaftung hatten mich eines Besseren belehrt, nämlich dass sich immer Mitmenschen finden, die von einem das Zerrbild einer gestörten Persönlichkeit, eines Menschen mit schlechten Neigungen oder mit einem üblen Charakter herstellen. Falls man dazu noch im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, gesellen sich auch die Stalker und Wahnsinnigen dazu, die ihre Hassgefühle im Internet verbreiten. Und vor allem fehlen diejenigen nicht, die den Kontakt ohnehin nur aus Profitgründen gesucht haben und die im Fall eines Falles schnell die Seiten wechseln. Dann ist es eben jetzt eine Zeitung, die viel Geld bezahlt, um intime oder »pikante Sexdetails« oder sonst irgendetwas zu erfahren. Da fallen die Masken sehr schnell.

[S. 177]

Daß das Gericht trotz der Ohrfeige durch das OLG Karlsruhe diese perfide Medienstrategie übernimmt, wie sie es an der Ladungsliste ablesen kann, empört sie zutiefst. Sie ist in der Lage, die Untreue-Kränkung nebst der ungeklärten Beziehungslage erst einmal auf Eis zu legen und diese emotionalen Dinge vollkommen von dem Kampf um Gerechtigkeit zu trennen, der viel wichtiger ist als eigene Befindlichkeiten.

Zeugen sind niemals neutral, können es gar nicht sein. Das ›wissen‹ Strafjuristen, vergessen es aber gern, um sich in der Illusion zu wiegen, gerechte Urteile zu fällen. Obwohl es bekannt ist, daß Zeugen das unzuverlässigste Beweismittel überhaupt sind – erst recht eine ›Opferzeugin‹, die Ansprüche durchsetzen will und ein Interesse am Verfahrensausgang hat. Die via Akteneinsicht ihres regelmäßig aus der Staatskasse finanzierten Anwalts ihre Aussage den Ermittlungsergebnissen anpassen kann und daher der Wahrheitsfindung nicht dient. Das aussagepsychologische Kriterium ›Konstanz‹ hat ausgedient, wenn frühere Aussagen im Ermittlungsverfahren nachgelesen, auswendiggelernt und wiederholt werden. Klar wie sonst nirgendwo zu lesen beschreibt Miriam Kachelmann die Konflikte, die mit ihrer Zeugenrolle einhergehen: sie reist mit Wut im Bauch gegen das verbohrte Gericht an und hat eine Philippika vorbereitet, die sie zu Gehör bringen will. Ihr Anwalt wirkt auf sie ein, es sei doch besser, darauf zu verzichten, denn eine als neutral rüberkommende Zeugin sei für den Angeklagten doch wesentlich günstiger. Sie, die Leidenschaft und Ratio locker vereinbaren kann, geht schweren Herzens darauf ein.

Was dann folgt, ist eine Groteske. Die Beschreibung der Vernehmung gerinnt zu einem Sittenbild der Vernehmer. Zu einem Spiegel, der den verklemmten Voyeurismus des Gerichts, blanke Unkenntnis von Realitäten jenseits der Provinz  und das Bemühen, irgendwelche Dominanzen des Angeklagten zu etablieren (schließlich soll das Greuelsche feministische Zerrbild einer Täter-Opfer-Beziehung bestätigt werden, das den albernen, von der Anzeigenerstatterin in Szene gesetzten plötzlichen Jekyll & Hyde-Blick, das Umschalten zur Straftat, plausibel machen könnte – und das bei einem Mann, der sich regelmäßig Konfrontationen durch Flucht entzog), reflektiert. Die Wahrheit enttäuscht die Vernehmer schwer.

Nun begann die Kammer aufgeregt, den genauen Zeitpunkt unseres ersten Sex einzugrenzen, und fragte nach einem Datum. Ein genaues Datum konnte ich nicht mehr nennen, aber allein die Tatsache, dass es viele Monate nach unserem ersten Treffen gewesen war, hatte sie schon genug deprimiert.

[S. 191]

Es ist unglaublich, was man da lesen muß. Unglaublicher noch, daß weder ihr Anwalt noch RA Birkenstock einschritt. Immerhin, die Wut, die Miriam Kachelmann gegen das Gericht hegte, half ihr, diese entwürdigende Prozedur äußerlich unbeeindruckt zu überstehen. Und sie ist so klarsichtig, sich auch folgende Frage zu stellen:

Ich weiß nicht, ob Richter sich der Auswirkungen ihrer Befragungen bewusst sind und ob sich vielleicht auch eine gewisse Eigendynamik entwickelt, wenn man schon lange Richter ist, einen Zeugen, der stundenlang in diesem Saal sitzt, schon ein wenig zu kennen glaubt und sich in dieser allmächtigen Position befindet, in der man mehr oder weniger alles erfragen kann, was das Herz begehrt. Für mich hatte die Atmosphäre im Gerichtssaal etwas Unwirkliches, ohne Bezug zur Realität oder auch nur zum Verfahren. Ob das für die Gegenseite auch so war? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass das die freundlichste aller Deutungen ist. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass es auch aus diesem Grund richtig und wichtig gewesen wäre, die Öffentlichkeit nicht auszuschließen, denn die Richter hätten unter den Augen des Publikums sicher die Notwendigkeit einer jeden Frage genauer geprüft. Jörgs späterer Anwalt Johann Schwenn hatte das von seinem ersten Prozesstag an erkannt und zwang die Kammer deshalb in solcherlei Situation zur Wiederherstellung der Öffentlichkeit.

[S. 193]

Ein Kapitel, das Strafjuristen sehr betroffen machen sollte – es wird nicht nur die 5. Große Strafkammer sein, die Grenzen überschreitet. Aber letztlich war es kontraproduktiv, daß dieses Gericht auf der Suche nach Schlechtigkeiten in Jörg Kachelmanns Leben gerade diese Zeugin so quälte: diese eindrückliche Episode brachte sie dazu, das Verfahren gegen ihren auf Eis gelegten Freund verstärkt als ein gemeinsames Verfahren aufzufassen: fortan, nach erstmals möglicher Klärung des Verhältnisses nach Entlassung als Zeugin, arbeitete sie der Verteidigung zu, und der Ertrag ihrer Erkenntnisse floß in den Beitrag zur Aussagepsychologie [S. 221 – 230], insbesondere aber in den bedeutsamen Teil VII, ›Was sich ändern muss‹ [S. 285 – 348], ein.

Nun muß ich doch noch einen Teil IV dieser Rezension schreiben – denn hier geht es ins Eingemachte, gegen den feministischen Mainstream in Medien und Justiz. Es wird entsprechend kenntnislos aufgeheult, und so sei also der morgige Tag den Aktivistinnen gewidmet, die dank Miriam Kachelmanns fundierten Einsichten ihre Felle davonschwimmen sehen. Mal sehen, wieviele Demonstrantinnen diese obskure, 2012 in Frankfurt a. M. gegründete Organisation, promotet von der auseinandergebrochenen ›Mädchenmannschaft‹ und den letzten bezahlten Aufrechten bei ›EMMA‹, auf die Beine stellen kann.

http://www.facebook.com/InitiativeFuerGerechtigkeitBeiSexuellerGewalt

Nach meiner Erfahrung stecken hinter solchen anonymen Organisationen regelmäßig Aktivistinnen, die in Frauennotruf-Organisationen ihr staatlich gefördertes Auskommen gefunden haben und denen daher daran gelegen ist, daß möglichst hohe Dunkelziffer-Annahmen hinsichtlich tatsächlicher sexueller Gewalt gegen Frauen im Gespräch sind, während das Problem der Falschbeschuldigungen marginalisiert werden muß. Denn an Gerechtigkeit, gar an Einzelfallgerechtigkeit, ist diesen interessegeleiteten Frauen nicht gelegen: schließlich geht es um ihre Existenzberechtigung und ihr Einkommen.

Warte ich also das kleine Getöse morgen vor dem LG Frankfurt ab, das ja die Relevanz von Miriam Kachelmanns Beiträgen unterstreicht: nur getroffenen Hunde bellen.

Die unnachahmliche EMMA reagiert nachahmlich:

Nun reagiert die Opferindustrie: „Kommt zum Gericht und lasst uns gemeinsam ein sichtbares Gegengewicht gegen Kachelmanns in den Medien propagierte Tatsachenverkehrungen bilden!“ ruft die „Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt“ auf. Der Ausgang des Prozesses ist, wie die gesamte Causa Kachelmann, ein Signal an alle Opfer sexueller Gewalt: „Sollte er den Prozess gegen Claudia D. gewinnen, müssen Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, künftig fürchten, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen“, sagt Corina Haurová von der Initiative, im Interview mit EMMA. Auch Femen Deutschland kündigt eine Aktion an.

http://www.emma.de/news-artikel-seiten/kachelmann-proteste-in-frankfurt/

Nun weiß Google gar nichts über diese Frau Corina Haurová, aber wenn EMMA meint, sie gehöre zur Opferindustrie ohne Anführungszeichen, wird das schon seine Richtigkeit haben. Ob die Femen Deutschland auch so modelhaft attraktiv blankziehen können wie das ukrainische Original? Ich wage es zu bezweifeln. Models haben eher keine Affinität zu feministischem Gedankengut. Jedenfalls außerhalb der Ukraine nicht. Aber die Ankündigung dürfte den einen oder anderen tittengeilen Kameramann anlocken, der sich ganz bestimmt nicht zufriedengeben wird, wenn er nur auf verwelkte Sozialpädagoginnen aus Frauenprojekten stößt, die um ihren Arbeitsplatz fürchten. Schwarzer selbst ist klug genug, sich diesem Trüppchen nicht anzuschließen. Vergleichbare Aktivitäten betreibt sie nur, wenn BILD dafür bezahlt.

Dumm ist diese Frau Haurová sowieso: in Frankfurt a.M. geht es um ein Zivilverfahren, dessen Ergebnis keine Gefängnisstrafe sein kann. Die erstrebte Klagesumme dürfte nicht einmal 10 % der Einnahmen ausmachen, die die Anzeigeerstatterin Claudia D. clever aus dem Verfahren abschöpfte. Und daß intentionale Falschbeschuldigerinnen eine Gefängnisstrafe zu befürchten hätten, wäre auch ganz neu.

Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, die stattgefunden hat, haben gar nichts zu befürchten. Wenn durch das Kachelmann-Verfahren und das Kachelmann-Buch ein Signal an Falschbeschuldigerinnen ausgesendet werden könnte, wäre das im Interesse der wahren Opfer nur zu begrüßen. Das müßten doch auch Hardcore-Feministinnen einsehen können.

Als Galionsfigur der Bewegung taugt die der mehrfachen Lügen überführte Claudia D. jedenfalls nicht.

Update (31.10.2012, 11 Uhr)

Attraktive Femen-Demonstrantinnen konnten bislang noch nicht in der Nähe des Frankfurter Landgerichts gesichtet werden; lediglich ein Trüppchen von fünf gegen die Kälte gut vermummter Aktivistinnen, die doch tatsächlich glauben, es gebe 150.000 Opfer sexueller Gewalt in Deutschland pro Jahr.

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?key=standard_document_46516833&rubrik=36082&jm=2&jmpage=1&s=v&lugal=1&bp=0

Da haben sie sich, angesichts von aufgerundet 7.500 angezeigten Taten von Vergewaltigung/Vergewaltigung und sexuelle Nötigung mit Todesfolge, natürlich für die höchste der in interessierten Kreisen kursierenden Dunkelzifferquoten entschieden. Deren Schätzungen variieren zwischen dem Doppelten bis zum 20-fachen der angezeigten Taten, sind also bereits wegen dieser Spreizung nicht valide, sondern Glaubensfrage.

Update (1.11.2012)

Was ergab denn die Pressenachlese so?

Über Julia Jüttners SPIEGEL- (ja was denn nun? Bericht? Kolportage?) gab’s ja schon was in den Kommentaren zu meinem Blogbeitrag. Nun hat sich auch derjenige zu Wort gemeldet, über den falschberichtet wurde:

An dieser Geschichte http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kachelmann-fordert-schadensersatz-von-seiner-ex-geliebten-a-864460.html kann man exemplarisch zeigen, was ich jeweils mit #vollpfostenjournalismus meine. Es ist ein Journalismus, in dem nicht mehr berichtet wird, was passiert ist, es keinen Faktencheck mehr gibt, sondern freie Erfindung an die Stelle von Berichterstattung tritt. […]

Juettner dichtet schon im Lead: „Doch den Trumpf, die Begegnung öffentlich auszuspielen, gewährte das Gericht ihm nicht.“ Und: „Kachelmann sucht die Öffentlichkeit geradezu, sie soll an seiner Reinwaschung genauso teilnehmen wie an dem teilweise würdelosen Prozedere im Strafprozess. Sein Lächeln versiegte, als Richter Kästner nach weniger als vier Minuten verkündete, die Öffentlichkeit werde von der Verhandlung ausgeschlossen, weil „persönliche Verhältnisse der Parteien erörtert werden, die nicht in die Öffentlichkeit gehören“. Der Punkt geht an Claudia D.“
Frei erfundener Schwachsinn und es tut weh, sowas zu lesen an einem Ort, wo SPIEGEL draufsteht, auch wenn es nicht die geliebte Printausgabe ist. Die Wahrheit: Das Gericht hatte im Vorfeld des Verhandlungstags vorgeschlagen, die Oeffentlichkeit auszuschliessen. Meine Anwaeltin, Frau Dr. Welker, hat nicht nur diesen Vorschlag begruesst, sondern auch einen separaten Antrag auf Ausschluss der Oeffentlichkeit gestellt, weil am Anfang eines zivilgerichtlichen Verfahrens die Gueteverhandlung steht und diese in einem entspannten Umfeld ohne die Anwesenheit von sabbernden Journalisten etc. stattfinden sollte, die einem wie Juettner ein versiegendes Laecheln ins Gesicht dichten.
Kurzum: Das Gericht hat unserem Antrag entsprochen und das hat uns gefreut und mit dem Laecheln muss sich die spon-Kollegin nun halt was Neues ueberlegen. Haette Frau Juettner wenigstens die Recherchekraft eines abgetauten Kuehlschranks, haette sie die Tatsache, wer den Vorschlag des Gerichts via Antrag unterstuetzt hat, wahrscheinlich vom Gericht erfahren, aber das haette den Lead und den Dreh der Geschichte kaputtgemacht, den sie zwar so als Einzige hatte, aber eben nicht den Fakten entspricht.
Wenigstens war Gisela Friedrichsen im Gerichtssaal. Sie hat als Nachfolgerin keine „Tochter Mannheims“ verdient

Jörg Kachelmann@J_Kachelmann

An dieser Geschichte (cont) http://tl.gd/jrngsb

https://twitter.com/J_Kachelmann/status/263952408831483904

http://www.twitlonger.com/show/jrngsb

Erstaunlich war es jedenfalls, daß Jüttner den Ausschluß der Öffentlichkeit als Wohltat für die Beklagte auffaßte, obwohl sie von dem Mannheimer Strafverfahren entschieden weniger weiß als ihre kompetente Kollegin Friedrichsen.

Nachtrag:

Julia Jüttner hat offenbar einen Ghostwriter – das ergibt sich aus ihrer Reaktion auf diese Richtigstellung [Hervorhebung von mir]. Dummerweise fiel ihr auch die Redaktion noch in den Rücken, weil sie aus der Klageschrift eine Anklageschrift gebastelt hatte:

Nachtrag: Das Landgericht Frankfurt am Main hatte im Vorfeld des Verhandlungstages vorgeschlagen, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen. Kachelmann legt Wert darauf, dass auch seine Anwältin Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gestellt hat. Das ist nach Angaben des Landgerichts korrekt. Nichtsdestotrotz versiegte nach unserer Wahrnehmung sein Lächeln, als die Zuschauer den Saal verließen.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war von einer Anklageschrift die Rede. Tatsächlich handelt es sich um eine Klageschrift. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kachelmann-fordert-schadensersatz-von-seiner-ex-geliebten-a-864460.html

Das muß man jetzt wirklich nicht mehr kommentieren, das spricht für sich. Ein grundlos versiegendes Lächeln – oder gab es gar den Grund, daß es nach der Entlassung des Publikums nun zur Sache ging? Klage, Anklage, ist eh alles dasselbe. Eigener Unschuldsbeweis und Beweis einer Straftat der Gegnerin ebenfalls, das ist doch Paragraphenreiterei. Und Gerichtsreporter kann sowieso jeder.

Wo viel Schatten ist, gibt es manchmal auch Licht. Die Frankfurter Neue Presse lieferte den Sonnenstrahl, der allerdings eine Gegend erhellte, in der man sich nicht länger als nötig aufhalten möchte:

Vier Minuten Kachelmann

Der Wettermoderator und seine Ex-Geliebte stehen sich in Frankfurt erneut vor Gericht gegenüber

Jörg Kachelmann fordert von seiner früheren Freundin über 13 000 Euro für Gutachter-Kosten. Der Auftritt von Claudia D. sorgt bei vielen für Verwunderung. Von Anne Zegelman

Von Anne Zegelman

[…]

Der Streit zwischen Jörg Kachelmann und Claudia D. geht in die nächste Runde. Diesmal verklagt zur Abwechslung einmal er sie: auf genau 13 352 Euro und 69 Cent. Diese Summe fordert Kachelmann, der vor gut eineinhalb Jahren vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde, für Gutachterkosten, die ihm nach eigenen Angaben während des Prozesses in Mannheim entstanden sind. Er wirft seiner ehemaligen Geliebten vor, ihn vorsätzlich falsch beschuldigt zu haben.

Richter bleibt gelassen

Das mediale Interesse ist auch diesmal groß. So groß, dass der Auftritt des vorsitzenden Richters Richard Kästner im lauten Geklicke der auf Claudia D. gerichteten Kameras völlig untergeht. „Aufstehen, aufstehen!“, geht plötzlich ein Raunen durch den Saal, und nach und nach erheben die Anwesenden sich. Richter Kästner sieht den Verstoß gegen das Protokoll gelassen: „Noch 30 Sekunden“, weist er an. Anschließend ist Schluss, die Fotografen werden freundlich, aber bestimmt zum Ausgang geleitet.

Und auch die restlichen Zuschauer dürfen gerade noch dabei zusehen, wie die Beklagte ihre Sonnenbrille abnimmt. Anschließend, nach ganzen vier Minuten, werden sie ebenfalls zum Gehen aufgefordert. Die Kammer hat beschlossen, die Öffentlichkeit auszuschließen.

Wer genau dies beantragt hat, bleibt unklar. „Beide Parteien wurden zum Ausschluss der Öffentlichkeit befragt“, erklärt Gerichtssprecher Arne Hasse den Journalisten. Und ohnehin sei es in Zivilverfahren vorgesehen, die Öffentlichkeit auszuschließen, wenn private Angelegenheiten verhandelt würden.

Später teilt das Gericht schriftlich mit, die ausführliche Güteverhandlung sei „in konstruktiver Atmosphäre verlaufen“, habe jedoch zu keinem Ergebnis geführt. Sowohl Jörg Kachelmann als auch Claudia D. hätten daraufhin gebeten, die Verhandlung zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. Eine persönliche Anhörung der Parteien habe nicht stattgefunden. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest, so Arne Hasse.

Es dürfte jedoch auch weiter spannend bleiben. Denn die Beweislast liegt diesmal beim Kläger. Kachelmann muss also nachweisen, dass seine Ex-Freundin gegen ihn falsche Anschuldigungen erhoben hat, so wie er nun behauptet.

Moralisch wichtig

Auf den vorangegangenen Prozess vor dem Landgericht Mannheim habe die Entscheidung des 18. Zivilsenats des Frankfurter Landgerichts jedoch keine Auswirkungen, sagte Hasse den Journalisten: „Das sind zwei unterschiedliche Verfahren.“ Vor allem vom moralischen Standpunkt aus ist der nun beginnende Prozess für Kachelmann wichtig. „Wenn die Kammer die Beklagte verurteilt, ist sie davon überzeugt, dass die Beschuldigungen falsch waren“, so Hasse. Gibt das Gericht dem ehemaligen Fernsehliebling Recht, könnte dies seine oft betonte Unschuld untermauern.

Die Verhandlung findet in Frankfurt statt, weil Kachelmann hier im März 2010 nach seiner Rückkehr von den Olympischen Winterspielen in Kanada verhaftet wurde.

Artikel vom 01. November 2012, 03.27 Uhr (letzte Änderung 01. November 2012, 12.16 Uhr)

http://www.fnp.de/fnp/nachrichten/vermischtes/vier-minuten-kachelmann_rmn01.c.10284876.de.html

Sachlich, neutral, informativ – und völlig frei von dem oft zu lesendem und zu hörendem Unfug, der Kläger müsse in diesem Verfahren seine Unschuld beweisen (das mußte er schon gar nicht in dem gegen ihn gerichteten Strafverfahren): es geht um den Beweis der Falschbeschuldigung mit dem Ziel der Freiheitsberaubung, die die Beklagte begangen haben soll.

Eine Stadt, zwei Blätter, wie sie unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Nun weiß ich nicht, wie die FNP wirtschaftlich dasteht; von der Frankfurter Rundschau weiß man es, und fast könnte man eine Korrelation zwischen ökonomischen und journalistischem Niedergang vermuten: schon in der Medienkampagne gegen den Bundespräsidenten Wulff tat sich die FR mit einer falschen Berichterstattung hervor, die sie zurücknehmen mußte. In einer Mischung aus Berichterstattung und hämischem Kommentar textete Stefan Behr:

Kachelmann will Schadensersatz

Wetterfrosch trifft Lausemädchen

Von Stefan Behr

Der erste Verhandlungstag im Prozess um Schadensersatz für Jörg Kachelmann bleibt ohne Ergebnisse. Der Wettermoderator versucht den Spagat zwischen Rache und Buchwerbung.

Darauf hat sich der Boulevard geeinigt: Rachefeldzug, Buchwerbung, Jammerei (denn Opfer sind nicht gleich Opfer). Witzig ist allerdings, wie Behr diejenigen qualifiziert, zu denen er ausweislich seines Artikels selber gehört:

Jetzt will Kachelmann Schadensersatz von Claudia D. – exakt 13352,69 Euro fordert er für Gutachten, die er für seine Verteidigung benötigt habe. Böse Zungen behaupten, dieser Prozess sei so eine Art Werbeevent für sein Buch.

http://www.fr-online.de/panorama/kachelmann-will-schadensersatz-wetterfrosch-trifft-lausemaedchen,1472782,20757608.html

Stefan Behr:

Wenn’s der Causa Kachelmann dient, lässt sich der gefallene Wetterprophet auch schon mal in einer Talkshow von Ex-Bild-Chef Hans-Hermann Tiedje beschimpfen, da ist er relativ schmerzfrei.

Jau, das ist die rechte Sichtweise. Nicht der Pöbler ist zu rügen, sondern derjenige, der nicht zurückpöbelt.

Stefan Behr:

Drinnen geht es um die Zivilsache Jörg Kachelmann gegen Claudia D. Eigentlich ist der Fall bis zum Überdruss bekannt und juristisch abgefrühstückt. Das Landgericht Mannheim hat Kachelmann im Mai 2011 von der Anklage der Vergewaltigung freigesprochen. Seitdem ist Kachelmann beleidigt.

[…]

Über Kachelmann wird gerne gesagt, er habe lediglich einen „Freispruch zweiter Klasse“ erhalten – was immer das sein soll. Freigesprochen wurde er jedenfalls. Was ihn in den Augen der Justiz unschuldig macht. Nicht in den Augen der Öffentlichkeit.

http://www.fr-online.de/panorama/kachelmann-will-schadensersatz-wetterfrosch-trifft-lausemaedchen,1472782,20757608.html

Wie kann jemand wegen eines Freispruchs „beleidigt“ sein? Wäre hier nicht der Begriff „empört“ angebrachter, weil die Mannheimer Justiz viel zu lange an Untersuchungshaft und an einem unhaltbaren Vorwurf festhielt? Und liegt es nicht an der ›Qualität‹ der mündlichen Urteilsbegründung, daß die ›Öffentlichkeit‹, genauer: viele Medien und ein kleinerer Teil des Publikums, ihn nicht für unschuldig halten? Eine Meinung, zu der Stefan Behr mit seinem polemischen Artikel durchaus beiträgt.

Stefan Behr:

Für Kachelmann ist es wohl der Beginn eines größer angelegten PR- und Rachefeldzugs. Das Landgericht Mannheim hat ihm erst unlängst erlaubt, Claudia D. in seinem Buch mit vollem Namen zu nennen und als „Falschbeschuldigerin“ zu bezeichnen. Und es besteht durchaus die Gefahr, dass die Gerichte nicht in allen Fällen so gnädig sein werden, die Öffentlichkeit auszuschließen.

http://www.fr-online.de/panorama/kachelmann-will-schadensersatz-wetterfrosch-trifft-lausemaedchen,1472782,20757608.html

Ja nun, Behr hat weder das Kachelmann-Verfahren verfolgt noch das Buch gelesen, da kommt man wohl schon mal auf solche Ideen. Er ist aber auch sonst ununterrichtet: es war der Beklagten-Vertreter, der das Zivilverfahren und die Verfahren wegen der einstweiligen Verfügungen in die Medien trug und einen Journalisten mit Aktendetails und privaten Informationen über Claudia D. versorgte. Prozeß-PR macht nicht Jörg Kachelmann. Und Gerechtigkeit kommt nicht von Rache.

Immerhin, Rechtsanwalt Zipper hat dazugelernt und verspricht Besserung, wenn auch mit angedeutetem Verfallsdatum:

Nach einer Einigung sah es am Mittwoch nicht aus. Kurz nach Prozessauftakt erklärte das Gericht die Güteverhandlung zwischen den Parteien für gescheitert. Auf übereinstimmenden Antrag der Parteien werde ein weiterer Verhandlungstermin angesetzt. Mehr wurde zunächst nicht bekannt. „Wir haben uns mit der Gegenseite darauf geeinigt, zum jetzigen Zeitpunkt Stillschweigen zu bewahren“, sagte der Rechtsanwalt der Beklagten, Manfred Zipper.

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_46516833

Und was die Motivation der fünf plakatierenden Damen –  Stefan Behr verteilt seine Häme großzügig auch auf sie – angeht, hat Hannelore Crolly in der WELT auch Folgendes in Erfahrung gebracht:

Derweil verteilt vor dem Frankfurter Gerichtssaal, wo sich, wie einst in Mannheim, Zuschauer und Internet-Blogger über die „Causa Kachelmann“ erhitzen, eine junge Frau kleine Flugblätter. Die „Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt“ empört sich darüber, dass Kachelmann wieder einmal eine große Bühne bekommen hat.

„Opferindustrie? Wo gibt’s denn die?“ steht auf dem Faltblatt, es folgt ein „Faktencheck“. Die Quote der Falschbeschuldigungen bei Vergewaltigungen liege lediglich bei drei Prozent, ähnlich wie bei anderen Delikten, heißt es. Frauenberatungsstellen seien unterfinanziert, eine psychosoziale Prozessbegleitung fehle. Fazit: Eine Opfer-Industrie existiere mitnichten.

http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article110460692/Fall-Kachelmann-Nun-ist-Claudia-D-die-Beklagte.html

Da hört man schon den Ruf nach mehr Geld heraus… Da sollten sie sich doch ein Beispiel am WEISSEN RING nehmen, dessen Frankfurter Statthalter, Rechtsanwalt Ulrich Warncke, gestern mal wieder die Reputation seines Vereins beschädigte.

O-Ton Ulrich Warncke: “Herr Kachelmann versucht hier, seinen Freispruch zweiter Klasse aufzuwerten, indem er einen Schadenersatz fordert und versucht, nachträglich die ganze Geschichte zu Lasten des Opfers zu klittern. Wie er es ja in seinem Buch auch schon versucht hat.”

http://www.stern.de/panorama/zivilklage-nach-strafverfahren-kachelmann-klagt-gegen-seine-ehemalige-freundin-1918770.html?srtest=1

Dabei sollte er zurückhaltender sein, immerhin sah er sich schon im Jahr 2009 aus den eigenen Reihen mit dem Vorwurf konfrontiert, er vermische seine Anwaltstätigkeit mit der Funktionärstätigkeit als Leiter von zwei Frankfurter Außenstellen des WEISSEN RINGS.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/hessen/hochtaunus-aussenstelle-aufgeloest-beim-weissen-ring-tobt-ein-heftiger-streit-1796314.html

In eigener Sache funktioniert die Akquise jedenfalls bestens, sieht man sich den aktuellen Finanzbericht 2011 an:

https://www.weisser-ring.de/fileadmin/content/Jahresberichte/neuEinzelWR_Jahresbericht_RZ_Komplett_2012_09_24.pdf

Die Spender wird es womöglich erstaunen, daß bei 14,2 Millionen Euro „Betriebsertrag“ und 740.000,- Euro Finanzertrag und einem ausgewiesenen Jahresüberschuß von ca. 1 Million Euro lediglich 5,9 Millionen Euro in die Opferhilfe fließen. Dieser Posten macht nur 42 % (2010: 45%) der Gesamtaufwandes aus (abzüglich von 16% Verwaltungskosten, was mir ebenfalls sehr hoch erscheint).

Und was geschieht mit den restlichen 58% der Einnahmen? Aus dem Bericht ergibt sich hierfür gar nichts. Aber die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter, die mal in NW CDU-Justizministerin war, verweist im Vorwort auf die weitere Tätigkeit des Vereins, nämlich das öffentliche Eintreten für die Belange der Geschädigten (sprich: Lobby-Tätigkeit) und die Kriminalitätsvorbeugung. Wieder was dazugelernt.

Update (3.11.2012)

Damit hat der WEISSE RING-Vertreter Ullrich Warncke seinen Verein ins Abseits geschossen – man könnte fast sagen, daß er den Mannheimer Richtern ein Fehlurteil zur Last gelegt:

http://unterhaltung.freenet.de/video/kachelmann-klagt-auf-entschaedigung_663024.html?page=3&assets=18&bcautostart=true

O-Ton Ulrich Warncke bei N 24:

Das ist ein Versuch, nachzutreten, dem ich allerdings keine großen Erfolgsaussichten beimesse, denn das Opfer hat ja nur das ausgesagt, was es wahrgenommen hat, und dafür gibt es keinen Rechtsgrund, zu bezahlen.

Und die unverdrossene Alice Schwarzer testet weiterhin die Grenzen der Meinungsfreiheit aus, witzig und charmant wie immer:

Eine Stunde vor der Lesung steht Alice Schwarzer auf der Bühne. Sie weiß aus Erfahrung, was schiefgehen kann. Und wirklich: Der Scheinwerfer steht falsch, der Lehnstuhl ist was für Großmütter, der Tisch ist zu groß. Also schleppt der Bürgermeister einen Stuhl heran, am Ende passt alles. Die Lesung vor ausverkauftem Haus kann beginnen, und es dauert nur wenige Minuten, bis Alice Schwarzer das Publikum mit ihren Geschichten, ihrem Witz und ihrem Charme bezaubert hat.

Beim anschließenden Gespräch geht es natürlich auch um die Kachelmann-Geschichte. Schwarzer sagt, sie habe sich eingemischt, weil die großen Zeitungen von vorneherein auf der Seite des Moderators gestanden hätten: „Ich weiß nicht, wer gelogen hat. Ich habe nur daran erinnert, dass in einem Vergewaltigungsprozess vielleicht doch das Opfer die Wahrheit sagt.“ Viel Applaus.

http://www.mainpost.de/regional/franken/Sie-nannten-sie-Alois;art1727,7112672

Irgendwo im Netz habe ich den Satz gelesen, daß Ideologen von ihren kognitiven Fähigkeiten keinen Gebrauch machen (wenn sich der Urheber bei mir meldet, liefere ich ihn gern nach!). Dem kann man sich nur anschließen.