Der Fall Mollath: das Buch von Gerhard Strate

Rosenkrieg 2

 Der Fall Mollath

Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie

lautet der Titel des von Gerhard Strate verfaßten Buches zum Prozeß, das soeben im orell füssli Verlag erschienen ist.

Gleich zu Beginn wird der Leser darauf eingestimmt, daß dieses Werk des früheren Verteidigers von Gustl Mollath tatsächlich auch eine Abrechnung mit der Psychiatrie ist, die an seinem Mandanten schuldig wurde – und die diese Schuld an eine versagende Justiz weiterreicht, die ihr unkritisch folgt.

Vor der Titelei befindet sich ein Foto, das den Verfasser neben einem überlebensgroßen Porträt König Ludwigs II. zeigt, dessen Untertitel „Kennen Sie mich?“ lautet.

Gerhard Strates Kommentar:

Die Zuschreibung geistiger Verwirrtheit allein auf den Zuruf Dritter hat – wie das Beispiel König Ludwigs II. zeigt – eine unselige Tradition.

Auch die Widmung deutet in diese Richtung:

Dieses Buch ist gewidmet Dr. Johann Simmerl aus Mainkofen – einem Psychiater, der mit den Augen und Ohren eines Menschen seinen Beruf ausübt.

Was im Verfahren selbst kaum möglich war, weil die psychiatrische Meinung der lediglich als Zeugen gehörten Psychiater nicht gefragt war, wird hier nachgeholt; der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund. Er schont weder die Justiz noch die Psychiatrie noch deren Protagonisten, die, in bewährter Kraus’scher Manier, durch Zitieren ihrer schriftlichen wie mündlichen Aussagen hinreichend kenntlich gemacht werden. Mehr braucht es nicht, um als Leser Strates Einschätzung der Situation nach dem Freispruch vom 14.8.2014 zu teilen:

Damit ist klar: Das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 8. August 2006 war ein Unrechtsurteil. Die Anordnung der Unterbringung durch das Landgericht Nürnberg-Fürth war und ist eine Schande der Justiz in Deutschland, nicht nur in Bayern. Das gilt aber nicht allein für die Strafjustiz, sondern auch für die forensische Psychiatrie, die mit einer omnipotenten Weltsicht jede Regung des Andersseins als „Auffälligkeit“ registriert und zu jeder Einflüsterung von Krankheitsbildern in die Ohren vorurteilsstarker Richter gut und bereit ist. „Die Psychiatrie – der dunkle Ort des Rechts“ – so lautet die treffende Überschrift eines Kommentars von Heribert Prantl. Diesen dunklen Ort etwas aufzuhellen, ist das Anliegen dieses Buches. Es wird sich zeigen, dass die mit Hilfe der forensischen Psychiatrie erreichte schnelle Stigmatisierung von Menschen auch das Denken und Handeln von Juristen kontaminiert. Die Lust und Laune zur Entrechtung von Menschen befreit sich von den Fesseln des Gesetzes.

[S. 12]

Welches Publikum will der frühere Verteidiger des Gustl Mollath ansprechen, dem so viel Unrecht widerfahren ist? Einen kleinen Hinweis gibt diese Passage:

Die durch das Bundesverfassungsgericht vorgegebene Rechtslage war eindeutig. Sie wurde durch den Amtsrichter bei der Anordnung der Unterbringung ignoriert. Seine Unkenntnis einer für ihn verbindlichen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die er bei der Entscheidung über die vorläufige Unterbringung Mollaths objektiv missachtet hatte, reichte dem Oberlandesgericht aber nicht für den Vorwurf der schweren Freiheitsberaubung. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts möge vielfach veröffentlicht und kommentiert worden sein. Das beweise nicht – so das Oberlandesgericht –, dass der Amtsrichter auch Kenntnis von ihr erlangt hatte. Verallgemeinert gesagt: Rechtskenntnis ist bei einem Richter in Bayern nicht vorauszusetzen. So das höchste Gericht in der bayerischen Hauptstadt. Jede Beugung des Rechts ist damit stets frei von Vorsatz, allenfalls ein Geschehen aus Versehen. Eine Nachlässigkeit.

[…]

Lohnt es dann überhaupt, den Fall des Gustl Mollath zu berichten? Eine Kriminalgeschichte, die nicht richtig eine werden wird, da die Akteure um ihn herum absehbar nie zur Verantwortung gezogen werden? Die Frage ist rhetorisch. Sie ist zu bejahen. Im Staat des Grundgesetzes ist zwar die rechtsprechende Gewalt „den Richtern anvertraut“. Der Rechtsstaat selbst ist jedoch uns allen anvertraut. Urteilsgewalt haben nur wenige, Urteilskraft jedoch viele. Ihnen wird die Geschichte des Falles Mollath erzählt.

[S. 16 f.]

Damit ist der Kreis derjenigen, für die das Buch geschrieben wurde, schon sehr weit gezogen. Und wird auch nicht die „Kriminalgeschichte“, die Gerhard Strate im Sinn hatte, geschrieben werden können – zum traditionellen Krimi gehört die Überführung und Bestrafung der Täter –, so entfalten viele Passagen doch krimihafte Spannung, u.a. im zweiten Kapitel „Kriminalisierung Mollaths: Wechselnde Schauplätze“, das dem Plädoyer nachempfunden ist und (Jagd)-Szenen einer zu Ende gehenden Ehe beschreibt. Wie schnell Psychiatrie und Justiz zum Nachteil des Mannes Partei ergreifen, wie es anschaulich im 3. Kapitel geschildert wird, gibt einem auch dann zu denken, wenn man den Ausgang des Verfahrens schon kennt, das mit zeitlich unbegrenzter Unterbringung in der Psychiatrie endete. Wie war es angesichts dieser aktenkundigen Vorgeschichte möglich, daß die Unschuldsvermutung in den Wind geschlagen wurde?

Breiteste Leserkreise wird das Buch allerdings nicht erreichen: mag Gerhard Strate sprachlich auch alle Saiten aufziehen, vom untertourigen Reportagestil über Polemik und feine Ironie bis hin zu Funkelstücken an stilistischer Eleganz, so ist er als Jurist doch zu sehr der Genauigkeit verpflichtet, als daß er sich beim Publikum durch Betroffenheitsbekundungen und/oder journalistische Einebnungen anbiedern würde.

Bestsellererfolge à la Norbert Blüm mit seiner Justiz-Breitseite „Einspruch“ sind eher nicht zu erwarten.

Hier ein paar Auszüge aus dem Buch von Norbert Blüm:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=23403

RiBGH Prof. Dr. Thomas Fischer schießt allerdings mit Kanonen auf Spatzen und belegt damit unfreiwillig Blüms Verdikt, daß Kritik an Richtern als Majestätsbeleidigung aufgefaßt werde:

Norbert Blüm“Vom Recht verstehe ich wenig bis nichts“

In seinem neuen Buch „Einspruch“ führt der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm einen wütenden Feldzug gegen Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte – kurz, gegen die gesamte deutsche Justiz. Ein heftiger Widerspruch Ein Gastbeitrag von Thomas Fischer

DIE ZEIT Nº 45/2014 1. November 2014  15:58 Uhr

http://www.zeit.de/2014/45/norbert-bluem-einspruch-justiz

Die Anklagen von Gerhard Strate haben mehr Wucht – er nennt Roß und Reiter, bezieht sich auf Akten, zitiert die Normen: er hat schlicht und nachvollziehbar recht:

Die Verweigerung jeglichen Rechtsschutzes gegen die von den Regelbestimmungen der Untersuchungshaftvollzugsordnung abweichenden Maßnahmen der Klinik für Forensische Psychiatrie hinsichtlich Hofgang und Fesselung war Rechtsbeugung durch den Richter Brixner. Er kannte Mollaths Eingaben. Seine massiven Klagen über die Fesselung hatte Mollath sogar in der Anhörung vor der 7. Strafkammer am 31. März 2006 mündlich allen drei Richtern und zum Protokoll vorgetragen.

Trotzdem geschah nichts – kein Wort, keine Entscheidung. Nur Entrechtung.

[S. 104]

Anders als Norbert Blüms Werk mit dem offenbar zutreffenden Untertitel „Polemik“ wendet sich Gerhard Strate natürlich auch an Juristen, die aus dem entsetzten Staunen nicht herauskommen dürften, werden sie der Fülle an Rechtsfehlern gewahr, die sich in den Mollath-Verfahren ereignet haben, so auch im Betreuungsverfahren, das im 8. Kapitel mit beißender Ironie präsentiert wird (S. 105 ff.). Der unheimliche Subtext dieser Erzählung stellt das letztlich gescheiterte Unterfangen als ein Komplott zwischen Psychiatern in Bayreuth und Straubing und einer unzuständigen Amtsrichterin in Bayreuth dar, mit dem letztlich eine Zwangsmedikation des nur vorläufig gemäß § 126 a StPO untergebrachten Gustl Mollath ermöglicht werden sollte. Die angestrebte Maßnahme war rechtswidrig, denn über die Betreuerlösung können Zwangsbehandlungen bei dieser strafprozessualen Unterbringung nicht durch die Hintertür eingeführt werden.

Jetzt sollen sie nach dem aktuellen bayerischen Gesetzentwurf durch die Vordertür ermöglicht werden – die bayerischen Richter und Staatsanwälte haben anscheinend aus dem Mollath-Verfahren gelernt und laufen Sturm.

Stellungnahme des Bayerischen Richtervereins e.V.

Gesetzentwurf der Staatsregierung über den Vollzug der Maßregeln der Besserung und Sicherung sowie der einstweiligen Unterbringung
(Bayerisches Maßregelvollzugsgesetz – BayMRVG)

Der Bayerische Richterverein e.V. hält den vorgelegten Entwurf für überfällig.
Er ist jedoch insbesondere aus verfassungsrechtlichen Gründen, aber auch im Hinblick auf die Praktikabilität, dringend ergänzungs- und verbesserungsbedürftig.

[…]
2. Regelungsbedarf im Hinblick auf § 81 Strafprozessordnung (StPO) (Unterbringung zur Beobachtung des Beschuldigten) und das UnterbrG

Neben den Unterbringungen gemäß den §§ 63 und 64 Strafgesetzbuch (StGB) und Entscheidungen nach § 126a StPO kann eine Unterbringung auch nach § 81 StPO erforderlich sein. Obwohl es sich auch bei diesen Fällen um gravierende Eingriffe in das Freiheitsrecht des Betroffenen handelt, gibt es keine Vorschriften zum Vollzug. Es sollte deshalb im vorliegenden Gesetzentwurf auch der Vollzug dieser freiheitsentziehende Maßnahme geregelt werden. Die Praxis einer Unterbringung nach § 81 StPO zeigt, dass man die Betroffenen ohne Sonderstatus im Alltag einer geschlossenen Klinik alleine lässt. Dies ist nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Mitarbeiter der Klinik eine Zumutung. Es gibt schließlich in ganz Bayern keine Einrichtung, die speziell für eine Unterbringung zur Beobachtung Vorrichtungen bereithält. Das Zusammenleben mit psychisch kranken Patienten etwa auf einer Aufnahmestation dürfte für einen Menschen, der von heute auf morgen aus dem Alltag herausgerissen wurde, eine extreme Erfahrung sein und womöglich das Untersuchungsergebnis verfremden.

http://www.bayrv.de/DesktopModules/ExpandableTextHtml_News/PopUpContent.aspx?moduleid=615&itemid=64

Diese Forderung ist sicherlich ein Reflex auf die Causa Mollath, in der § 81 StPO nicht nur verfassungswidrig angewandt wurde, sondern man es auch noch mit Psychiatern wie Leipziger und Kröber zu tun hatte, die allen Ernstes meinten, man könne unter den Bedingungen dieser Extremerfahrung “Alltagsbeobachtungen” über das Verhalten eines Menschen anstellen. Ist es zwangsläufig, daß Psychiater, die in der Zwangseinrichtung „Maßregelvollzug“ arbeiten oder mit ihr beruflich befaßt sind, ethische Standards durch Abstumpfung verlieren?

  1. Kritik an den Regeln zum Vollzug der einstweiligen Unterbringung (Teil 3)

    a. Unschuldsvermutung […] Bis zur Rechtskraft hat der Untergebrachte als unschuldig zu gelten und muss auch so behandelt werden.

Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang Art. 41 Nr. 3 des Entwurfs. Demnach soll die Einrichtung alle Behandlungsmaßnahmen durchführen können und zwar auch gegen den Willen des Untergebrachten, solange sich die Behandlung auf die Erkrankung bezieht, die Anlass für die einstweilige Unterbringung ist. Eine derartige „Erkrankung“ muss aber erst einmal vom Gericht festgestellt werden, bevor man dem Staat die Befugnis erteilt, dass er sie möglicherweise auch zwangsweise behandelt.

Diese voreilige „Zwangsbehandlung“ ist auch aus anderen Gründen bedenklich. In der Praxis kann man auf den Untergebrachten durch Verabreichung von Psychopharmaka so einwirken, dass er sich ruhig, besonnen, apathisch, resignierend, kooperativ oder einfach nur „vernünftig“ verhält, entsprechend den Bedürfnissen der Klinik. Psychopharmaka sollen ja gerade auf die Psyche einwirken. Der Mensch wird dadurch aber nicht immer geheilt, sondern man erreicht nur, dass er nicht mehr unter den Symptomen leidet. Eine derartige medikamentöse „Einstellung“ des Betroffenen darf gerade im Hinblick auf das Verfahren nicht Folge der einstweiligen Unterbringung sein und wird fast ausnahmslos von den Staatsanwälten und Richtern nicht gewünscht.

Wer nunmehr einwendet, dass man den Betroffenen doch nicht ohne Heilbehandlung seinem Schicksal überlassen dürfe, sollte sich überlegen, was bei Behandlungsbedürftigkeit und krankheitsbedingter Uneinsichtigkeit mit einem Patienten in Freiheit passiert: Es wird ein Betreuer für ihn bestellt, der dann die ganze Palette des § 1906 BGB prüfen und nach betreuungsgerichtlicher Genehmigung durchführen kann. Diese Position darf man dem Betroffenen nicht nehmen, indem man ihn ohne Verurteilung dem Behandlungsregime der Einrichtung unterstellt.

Schließlich würde es niemanden einfallen, während der Untersuchungshaft mit der Resozialisierung zu beginnen, weil man damit die Verurteilung vorwegnehmen würde. Eine Zwangsbehandlung während der einstweiligen Unterbringung würde sich genauso auswirken.

http://www.bayrv.de/DesktopModules/ExpandableTextHtml_News/PopUpContent.aspx?moduleid=615&itemid=64

In der Tat, vorläufig ist vorläufig, weshalb sich auch U-Haft und Strafhaft voneinander unterscheiden. Ein Gegengutachten ist ja nichts Außergewöhnliches, und nicht wenigen Anklagen liegen fehlende Tatnachweise zugrunde. Daß die Juristen des Bayerischen Richtervereins grundsätzlich an der Behandlung mit Psychopharmaka zweifeln, ergibt sich nicht nur aus der Formulierung “oder einfach nur „vernünftig“ verhält, entsprechend den Bedürfnissen der Klinik”, sondern auch aus anderen Formulierungen, insbesondere bei der Kommentierung zu der vom Freistaat vorgesehen Regelung zur Zwangsbehandlung im Maßregelvollzug.

Insoweit ist das Buch Psychiatern nicht nur unverbindlich zu empfehlen, sondern es sollte zur Pflichtlektüre gedeihen. Denn es gibt in diesem Buch nicht nur eklatante Fehlleistungen bekannter und weniger bekannter Kollegen zu besichtigen, sondern auch Kapitel mit grundsätzlichen Fragestellungen, wie das Kapitel 15, „Zeitgeist – der Wahn der Mehrheit“.

Institutionelle Strukturen aller Art sind stets genaue Abbilder der sie hervorbringenden Gesellschaft und des kulturprägenden Menschenbildes. Vorherrschende Glaubenssätze und Überzeugungsinhalte, vermeintliches oder tatsächliches Wissen, all dies fließt in den Organen des Staates zu einer die allgemeine Ordnung vorgebenden Struktur zusammen, die ihre trügerische Ewigkeitsanmutung nur der zwangsläufigen Blindheit der Zeitgenossen verdankt. Würde man sich der psychiatrischen Terminologie befleißigen, könnte man die Erscheinungsbilder des wechselnden Zeitgeists durchaus als induzierte Wahnvorstellungen bezeichnen, die nur deshalb nicht leicht als solche erkennbar sind, weil sie von einer Mehrheit geteilt werden. So blicken wir heute mit Schaudern auf die Rechtsvorstellungen der Inquisition zurück. Mit welchen Gefühlen werden künftige Generationen die heute noch von vielen Menschen achselzuckend zur Kenntnis genommenen Errungenschaften der forensischen Psychiatrie betrachten? Wird der Gedanke, dass derartigem Unfug einst gerichtsfeste Beweiskraft zuerkannt worden war, allgemeines Kopfschütteln hervorrufen? Mit welchen Begriffen werden die Historiker der Zukunft das merkwürdige Phänomen rückblickend belegen, um darzustellen, dass man es eben damals einfach nicht besser wusste?

[S. 167]

So hebt dieses Grundsatz-Kapitel an, das man eigentlich in Gänze zitieren müßte, und es findet seine ebenbürtige Fortsetzung in Kapitel 19, „Einige Schlussbemerkungen zur forensischen Psychiatrie“, das sich mit den Stellungnahmen der DGPPN befaßt:

Der Fall des Gustl Mollath sei eine „Lackmusprobe“ für die forensische Psychiatrie, heißt es in der „Presseinformation Nr. 19 der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)“, welche die maßgebliche Fachgesellschaft hierzulande darstellt. Die Branche zeigt sich beunruhigt, wurde ihr doch durch den unbeugsamen Franken in nie gekannter Weise ein Spiegel vorgehalten, den man für das hässliche Bild, das er nun zurückwirft, nicht verantwortlich machen kann. Nun üben sich die Wortführer der Profession in Schadensbegrenzung, wie aus der genannten Pressemitteilung unschwer erkennbar hervorgeht. „Bundesweite Reform des Maßregelrechts konsequent vorantreiben“, so lautet die Kernforderung der Psychobranche. Und worin diese Reform bestehen soll, daran lässt sie keinen Zweifel: Die DGPPN sehe „dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die Qualifizierung forensischer Gutachter“. Weiter heißt es:

Dringender Reformbedarf besteht im Maßregelvollzug vor allem auch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Qualitätssicherung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung psychisch kranker Straftäter.

 

Die Stoßrichtung ist eindeutig: Nach Auffassung der maßgeblichen Fachgesellschaft lassen sich die Unsäglichkeiten nur durch den weiteren Ausbau eben jener Mechanismen lösen, die sie verursacht haben.

[S. 199 f.]

Strate ist kein Anhänger der Anti-Psychiatrie, die so weit geht, die Existenz psychischer Krankheiten zu leugnen. Als Jurist würde er auch niemals die rechtsstaatliche Lösung, Menschen, die wegen eines seelischen Ausnahmezustands Straftaten begehen, nicht mit Strafhaft zu belegen, ablehnen. Worin also sieht er die Lösung des Dilemmas?

Darin, die zerstörerische Definitionshoheit, die den Psychowissenschaften trotz fehlender Wissenschaftlichkeit der Diagnose (oder gar der einer Prognose) zuerkannt wird, durch eine ethisch-humanitäre Grunddisposition der im Machtbereich der Psychiatrie Tätigkeit auszutarieren.

Nicht nur das Beispiel des Allgemeinpsychiaters Dr. Simmerl zeigt, dass es Mediziner gibt, deren lebendige Individualität in der Lage ist, sich der Mittel ihres Fachs in einfühlsamer Weise und zum Wohle der Menschheit zu bedienen: Derart eigenständige Denker gibt es immer wieder auch im Bereich der forensischen Psychiatrie. Erinnert sei an dieser Stelle an Willi Schumacher, einen der Nestoren der deutschen Gerichtspsychiatrie. Er setzte sich mit Vehemenz gegen die „Verobjektivierung“ des Menschen zum Zwecke der Beobachtung ein. Seine Gutachten blieben unabhängig und entsprachen nicht immer den Erwartungen der Strafjustiz, so im Fall Weimar und auch im Flowtex-Fall.

[…]

Solche Ärzte sind zum Glück nicht einmal selten und zeigen hohes Engagement, wenn es darum geht, den Leidensdruck ihrer Patienten auf einvernehmlichen Wegen zu vermindern. Ihrer täglichen Kreativität sollte unser aller Dank gelten. Ihre ethische Festigkeit alleine schützt sie davor, die ihnen anvertrauten, nicht unerheblichen Machtmittel missbrauchen zu wollen. Damit erweist sich gerade eine Eigenschaft, die mit keinem Zertifikat der Welt erworben werden kann, als ihre wichtigste Qualifikation. Eine Tatsache im Übrigen, die auch für Juristen gilt.

[S. 204 f.]

Deren Wissenschaftlichkeit er im übrigen ebenfalls in Frage stellt, als er die Verteidigungsartikel zugunsten der bankseitigen Steuerhinterziehungs-Beihelfer darstellt:

Die in Grünton gefärbten Annoncen der Dresdner Bank für „eine sichere Geldanlage“ nun ausgerechnet bei der Dresdner Bank Luxembourg S.A. mögen bei der Steuerfahndung in Düsseldorf und der dortigen Staatsanwaltschaft besonderen Anstoß erregt haben. Jedenfalls ist es die Dresdner Bank, die am 5. Januar 1994 Betroffene einer vom Amtsgericht Düsseldorf angeordneten Durchsuchung wird. Nach einer erfolglosen Beschwerde zum Landgericht ruft die Rechtsabteilung der Dresdner Bank, unterstützt durch eine Frankfurter Steuerrechtsozietät, erfolgsgewiss das Bundesverfassungsgericht an. Großangelegte Razzien bei Banken hat es bis dahin nicht gegeben. Der Ruf von Banken ist zu diesem Zeitpunkt noch frei von Tadel. Banken sind sakrosankt, weshalb die Gerichtsbeschlüsse aus Düsseldorf noch als Unfall gelten, eine Karambolage, deren Schrott schnell aus dem Weg geräumt werden muss. Doch die Eilentscheidung aus Karlsruhe fällt gänzlich anders als erwartet aus: Die Unterstützung der Bank bei der Anonymisierung von Geldtransfers nach Luxemburg lege den Schluss nahe,

„dass es sich bei den Beihilfehandlungen nicht um vereinzelte Taten handelte, sondern um aufgedeckte Teile einer geschäftsmäßig und in großem Umfang betriebenen Praxis der Verschleierung zum Zwecke der Erleichterung der Steuerhinterziehung.“

 

Der Verdacht einer Beihilfe zur Steuerhinterziehung – so die damaligen Verfassungsrichter, Mahrenholz, Kruis und Winter in ihrem Beschluss vom 23.3.1994 – sei verfassungsrechtlich nicht angreifbar.

 

Eigentlich war mit diesem Machtspruch aus Karlsruhe schon 1994 klar: Der anonymisierte Kapitaltransfer nach Luxemburg und in die Schweiz war eine Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Denn die Anonymisierung machte nur Sinn, wenn die Bankkunden die Erträge aus ihren im Ausland angelegten Geldern im Inland nicht versteuern wollten. Das wussten auch die Banken und ihre Mitarbeiter. Für den anonymen Geldverkehr ins Ausland war seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Ampel auf Rot geschaltet. Seit dem Frühjahr 1994!

 

Wenn dennoch – nicht nur am Arbeitsplatz von Petra Mollath bei der Hypobank in Nürnberg, sondern bei allen Vermögensberatern bundesdeutscher Banken – weiterhin so getan wurde, als sei die Ampel für den anonymen Kapitalverkehr ins Ausland allenfalls auf Gelb geschaltet, so ist hierfür eine Wissenschaft verantwortlich, die fern davon ist, eine zu sein, jedoch große Leistungen darin vollbringt, die Suggestion von Wissenschaftlichkeit zu verbreiten: die Strafrechtswissenschaft. Ihre Leistung war es, noch weitere sechs Jahre nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts den Anschein zu erwecken, Mitarbeiter von Geldinstituten, die ihren Kunden einen spurenlos bleibenden Kapitaltransfer in Ausland ermöglichen, handelten straflos. „Da wird nie was passieren“ – das war nicht nur (möglicherweise) die Einstellung von Petra Mollath, sondern auch die Devise der Strafrechtswissenschaft (jedenfalls des überwiegenden Teils der ihr Zugehörigen) […]

[S.20f.]

Eigentlich sollten auch diejenigen Unterstützer, die von dem Wiederaufnahmeverfahren mehr erwartet hätten, mit diesem Buch zufrieden sein. Einer hat sich bei AMAZON gemeldet und seine partielle Unzufriedenheit via 3 Sternen (von fünf) kundgetan.

Lesenswert. Aber der Autor bleibt unter seinen Möglichkeiten.

Von Erwin Bixler am 11. Dezember 2014

Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf

Das Buch ist durchaus lesenswert. Aber der Untertitel „Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie“ hätte eigentlich zum Titel des Buches erhoben werden sollen. Denn der Schwerpunkt liegt auf der „Abrechnung“ mit der forensischen Psychiatrie und einigen Psychiatern, der Justiz und einigen Richtern. Und anderen.
„Der Fall Mollath“ dient Strate vor allem als Aufhänger für besagte Abrechnung. Wobei die gründliche Ausleuchtung des eigentlichen Falles an entscheidender Stelle Not leidet. Das scheint vor allem dem Umstand geschuldet, dass sich Strate nach wie vor partout nicht dem Verdacht aussetzen will, im Fall Mollath einer Komplott-Theorie anzuhängen. Unter diesem Bestreben des Autors leidet die augenfällige Klärung und Aufklärung des Falles.
Dabei sind es doch gerade Strates eigene Feststellungen, Aussagen und Andeutungen, sonstige Veröffentlichungen (Mitschriften der Hauptverhandlung) und ihm vorliegende Akten, die bei genauerem Hinsehen eine perfide Intrige zum Nachteil Mollaths und einen „demolierenden“ Beweis für den Belastungseifer der Ex-Gattin liefern. In dieser Hinsicht bleibt der Autor weit unter seinen Möglichkeiten.

Lieber Herr Strate, insoweit schade.

http://www.amazon.de/review/R3QV4BQ4EEQU7D/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3280055598&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books

Erwin Bixler hat, so scheint es mir, das Buch nur oberflächlich gelesen. Tatsächlich eignet es sich nicht für eine Schnell-Lektüre: sein Reichtum liegt in der andeutenden Interpretation des Materials. Ein kurzer Vergleich mit dem tatsächlich ergangenen Urteil, das einen gravierenden Teil der Ergebnisse der Hauptverhandlung schlicht wegläßt und die verschwommenen Aussagen Nedopils auf eine Art und Weise ausbeutet, die ihm nicht recht sein kann, nur um einen kleinen Rest von Legitimität des ansonsten in die Tonne versenkten Nürnberger Urteils und seiner psychiatrischen Zuarbeiter zu erhalten, dürfte eigentlich ausreichen, um zu einer anderen Schlußfolgerung zu gelangen.

http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Urteil-schriftlich.pdf

Sowohl die Justiz als auch die Psychiatrie können ihre Macht mißbrauchen, das ist die Botschaft dieses Buches. Daß beide Institutionen das tun, ist hinlänglich historisch belegt und wird anhand dieses Falls auf die Ebene der Aktualität gehoben.

Woran mag es liegen, daß die Justiz sich gegenüber der Politik und autoritären Regimen traditionell willfährig erweist – und für ihre Entgleisungen nicht einmal bestraft wird? An der fehlenden Wissenschaftlichkeit der Disziplin? Logik allein ist nur ein methodischer Bestandteil von Wissenschaftlichkeit. Wenn die Materie, die derart behandelt wird, aus menschengemachten Gesetzen und gesellschaftlich-politischen Strömungen, die sie hervorbringen, besteht, dann kann „Gerechtigkeit“ nur gelingen, wenn Juristen den richtigen inneren Kompaß haben.

Dasselbe gilt für die Psycho-Wissenschaften, die dann zum Zuge kommen, wenn medizinische Erklärungen für „Auffälligkeiten“ und subjektives Leiden ausscheiden, die aber, soweit es um die Psychiatrie geht, dennoch darum buhlen, als Naturwissenschaftler anerkannt zu werden, und die mit verheerenden Psychodrogen arbeiten, obwohl die Behauptung von entgleisten Gehirn-Chemie-Prozessen als Ursache von psychischen Krankheiten nicht erwiesen ist und die uralten Mittel nur der Symptomunterdrückung und nicht der Heilung dienen. An dieser fehlenden diagnostischen biologischen Herleitung liegt es auch, daß es seit langem keine Psychopharmaka-Forschung mehr gibt.

Daß allein die behauptete „Krankheit“ eines „abweichenden Verhaltens“ zur Stigmatisierung, Ausgrenzung, Einsperrung, schlimmstenfalls zur Tötung „lebensunwerten Lebens“ führt, ist bekannt. Wie aber können die Psychowissenschaften ihre Nähe zur Macht, auch zur wirtschaftlichen (Pharmaziebranche) eindämmen? Wie entfernt man die ethisch Unfähigen aus diesem System?

Diese Frage stellt sich umso drängender, wenn man sich vor Augen hält, wie zwei Psychologen das Folterprogramm der CIA inszeniert und umgesetzt haben.

Erich Möchel

11.12.2014

Die „schwarze Psychologie“ der CIA

Die CIA-Folterpsychologen orientierten sich an Tierversuchen mit Einsatz von Elektroschocks der kognitiven Verhaltensforschung der späten 60er Jahre.

Die im CIA-Bericht des US-Senats aufgezählten Folterpraktiken wurden weder von der CIA noch in den USA erfunden. Wie aus dem Senatsbericht hervorgeht, stammen sie vielmehr von erklärten Feinden der USA. Jene beiden Psychologen, deren Firma dieses millionenschwere Programm „verschärfter Verhörmethoden“ für die CIA betrieb, hatten ihren Katolog der Grausamkeiten nämlich anhand von Methoden der Gestapo und stalinistischer Regime zusammengestellt. Davor hatten James Mitchell und Bruce Jessen nämlich jahrelang für das SERE-Programm des US-Verteidigungsministeriums gearbeitet.

Jessen und Mitchell hatten das SERE-Überlebenstraining für US-Kriegsgefangene sozusagen umgedreht und daraus ein mit Elementen der kognitiven Verhaltensforschung pseudowissenschaftlich verbrämtes Folterprogramm konstruiert. Laut einem bereits 2010 veröffentlichten Erlass des Generalinspektors für die US-Militärgeheimdienste war ein solcher Ansatz, aus dem Überlebenstraining mittels „schwarzer Psychologie“ neue, „verschärfte Verhörmethoden“ abzuleiten, bereits im Juni 2009 bei den US-Streitkräften generell verboten worden.

„Erlernte Hilflosigkeit“

Ziel des mit insgesamt 81 Millionen Dollar dotierten Programms war erklärtermaßen, einen Zustand der „erlernten Hilflosigkeit“ bei den Gefolterten herbeizuführen. Dieser Begriff, der sich siebenmal im Text des Senatsberichts findet, stammt aus der kognitiven Verhaltensforschung der späten 60er Jahre. Er bezeichnet einen für das Krankheitsbild der Depression charakteristischen Zustand völliger Passivität.

[…]

Wie im Behaviorismus üblich arbeitete man dabei mit Kontrollgruppen, die jeweils eine andere Behandlung erfuhren. Die erste Gruppe bestand aus Hunden, die im Lauf des Experiments nur mit Riemen fixiert wurden. Die zweite Gruppe wurde zusätzlich so lange mit Stromstößen traktiert, bis diese Hunde gelernt hatten, einen Hebel umzulegen, der den Stromstoß abstellte. Die dritte Gruppe wurde ebenso behandelt wie die zweite – mit dem einzigen Unterschied, dass hier der Hebel die Stromstöße nicht abstellte.

CIA bespitzelte Ausschuss

Im Vorfeld der Veröffentlichung des Senatsberichts drangen Mitarbeiter der CIA in das Netzwerk jenes parlamentarischen Ausschusses, der ihre Aktivitäten kontrollieren soll, ein und durchsuchten den E-Mail-Verkehr – mehr dazu in fm4.ORF.at.

Tierversuche an Menschen

Diese Hunde ergaben sich nach einiger Zeit winselnd ihrem Schicksal, zeigten nur noch passive Reaktionen, aber keinerlei Versuche zur Abwehr mehr. Auch bei veränderten Bedingungen danach – wenn der Hebel tatsächlich Stromstöße abschaltete – konnten sie sich an die veränderte Situation nicht mehr anpassen, ein Lernprozess wie bei den Hunden der Gruppe zwei fand nicht mehr statt. Diese Tierversuche wurden im Rahmen des „verschärften Verhörmethoden“ von Jessen und Mitchell für Menschen adaptiert.

[…]

„Rektale Rehydration“

Von der Gestapo entlehnte man nicht nur den Begriff „verschärfte Verhöre“ („enhanced interrogation“) sondern auch Foltermethoden wie Schlafentzug über mehrere Tage und systematische Erniedrigung. Die Form musste dabei allerdings gewahrt bleiben, die von allen Folterknechten weltweit bekannten analsadistischen Quälereien wurden deshalb als medіzinische Maßnahmen getarnt. Den Gefangenen wurden Flüssigkeiten zwangsweise nicht nur über Mund und Nase bis knapp vor dem Ersticken zugeführt, sie wurden auch systematisch mit „rektalen Untersuchungen“, „rektaler Rehydration“ und sogar mit „rektaler Zwangsernährung“ gequält. Das Wort „rektal“ findet sich rund 50-mal im Text des Senatsberichts.

[…]

Empirisch falsifiziert

Die Fortführung der behavioristischen Tierversuche aus den 60er Jahren mit Menschen durch die beiden Folterpsychologen im Dienst der CIA hat die damaligen Erkenntnisse Seligmans jedenfalls bestätigt. Der Zustand „erlernter Hilflosigkeit“ führte zu einer vergleichbaren Reaktion auch jener Folteropfer, die sich anfangs kooperativ gezeigt hatten.

Mitchell und Jessen in Wikipedia

Die beiden Folterpsychologen James Elmer Mitchell und Bruce Jessen finden sich bereits in der Wikipedia.

Sie verfielen in einen für schwere Depressionen charaktistischen Zustand völliger Apathie, die für die Folterer keinerlei neue Erkenntnisse über bevorstehende Anschläge brachte. Die These der beiden Folterpsychologen, dass diese „erlernte Hilflosigkeit“ zu erhöhter Kooperationsbereitschaft der Gefangenen führen würde, wurde damit empirisch falsifiziert, um es in der Begrifflichkeit des Behaviorismus zu sagen.

[…]

http://fm4.orf.at/stories/1750651/

Die Reaktion eines der beiden Psychologen kommt einem bekannt vor:

Auch mit der Foltermethode Waterboarding hätten „Swigert“ und „Dunbar“ keinerlei Erfahrungen gehabt, da es im SERE-Training nicht vorgekommen sei, heißt es weiter. Trotzdem hätten sie es als „absolut überzeugende Technik“ beschrieben – und als notwendig, um die „Widerstandsfähigkeit“ von Zubaydah und anderen Gefangenen zu „brechen“.

Am häufigsten wurde 9/11-Drahtzieher Khalid Sheikh Mohammed dem Waterboarding unterzogen: 183 Mal. „Swigert“ und „Dunbar“ hätten die Prozeduren meist persönlich durchgeführt. 2006 wurde Scheich Mohammed ins US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba überführt. Im Jahr darauf löste die CIA ihren Vertrag mit dem Psychologen-Duo auf.

Am Dienstag stöberten US-Reporter „Dr. Swigert“ alias James Mitchell in Florida auf, wo er im Ruhestand lebt. „Warum können Sie mich nicht in Ruhe lassen?“, bellte er einen Reuters-Journalisten am Telefon an. „Sprechen Sie mit der CIA.“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/cia-folterbericht-us-psychologen-verdienten-mit-folter-millionen-a-1007587.html

Die Auftraggeber sind schuld. So rechtfertigen sich auch unsere willfährigen Psychiater.

Gerhard Strate hat ein wichtiges Buch geschrieben.

Kritik?

Natürlich hätte ich mir mehr Urteilskritik hinsichtlich des Urteils des LG Regensburg vom 14.8.2014 gewünscht.

Aber die ließ wohl nicht nur der Zeitfaktor, sondern auch das Zerwürfnis mit dem Mandanten nicht zu, dessen Ursachen wohl hier zu verorten sind:

Die Vorstellungen von Sinn und Möglichkeiten der Strafprozessordnung, die in den verschiedenen Lagern vorherrschten, hätten denn auch unvereinbarer nicht sein können. Hatten sich vor seiner Freilassung am 6. August 2013 noch viele Menschen unabhängig von der jeweiligen persönlichen Motivation gemeinsam in großartiger Weise für Mollath eingesetzt, sollten die unterschiedlichen Strömungen in der Folgezeit offen zutage treten und nicht zuletzt die Arbeit der Verteidigung schwer belasten. Der latente Grundkonflikt, die unausgesprochene Frage nämlich, ob in Regensburg ein solider Strafprozess oder aber ein systemstürzendes Staatstribunal stattfinden würde, vergiftete die Atmosphäre grundlegend: Die Stunde der Provokateure mit ganz eigener Agenda hatte geschlagen. Ihr Wirken, das durch manch wohlmeinenden, juristisch völlig unbeleckten Unterstützer wenn nicht in jedem Fall gefördert, so doch mangels Durchblick zumindest geduldet wurde, sollte auch Mollath selbst nicht unberührt lassen und ihm in der Folge schwer beschädigen.

[S. 207 f.]

Das ist leider sehr wahr, und ich kann es diesem engagierten Anwalt nicht verdenken, wenn er die Lichtseiten des aufwendig erstrittenen Urteils hervorhebt und dessen Schattenseiten verschweigt. Zumal sein Mandant mit seiner unzulänglichen Teileinlassung zum Anklagevorwurf der gefährlichen Körperverletzung vom 12.8.2001 das Material lieferte, das die Kammer brauchte – obwohl eine gefährliche Körperverletzung nicht nachweisbar war, allenfalls eine einfache (verjährte) Körperverletzung.

Ob auch die Schattenseiten dieses Urteils ausnahmsweise angreifbar sind, erkundet nun ein anderer Anwalt, dem ich einerseits Erfolg wünsche, allein zur Klärung der Frage, ob ein Freispruch auch eine Beschwer darstellen kann, andererseits auch zurufen möchte, daß dieses Verfahren Gustl Mollath nichts nützen wird. Von der umfassenden Entschädigungsregelung hat er vor Rechtskraft des Urteils nichts, und eine Schadensersatzklage gegen Dr. Leipziger wegen durch Nedopil attestierter Fehler seines Gutachtens wird sich ebenfalls verzögern.

Das Buch von Gerhard Strate hat selbst mir, die ich seit Dezember 2012 den Fall begleite, noch Denkanstöße verpaßt. Aber bin ich, die in der Sache so engagiert war, eigentlich die Richtige, um dieses Buch nicht nur vorzustellen, sondern auch zu empfehlen?

Nachdem so viel von Ethik die Rede war: jeder kann sich über meine Vita und mein rechtsstaatliches Engagement informieren, sei es über meine (seit langem nicht mehr gepflegte) Homepage

http://www.gabrielewolff.de/

als auch über meinen Blog, insbesondere dessen Kachelmann-Beiträge.

Heute bekam ich folgende Mail:

Sofern Sie versuchen bzgl. MH-17 etwas in die Welt zu setzten sind Sie unglaubwürdig, solange Ihr Impressum und die  dahinter befindliche eMail-Adresse nicht stimmig sind….

Sorry, man sollte damit gabrielewolff.wordpress.com meiden …

Der Vorwurf ist mir unerfindlich – selten dürfte klarer sein, wer ich bin und wer da im Internet publiziert.

Nun könnte man einwenden, daß ich mich mit dieser Rezension für die Danksagung von Gerhard Strate bedanke:

Mollath hatte in den letzten zwei Jahren viele Unterstützer. Hervorheben möchte ich vor allem Gabriele Wolff und Ursula Prem mit den von ihnen initiierten Blogs. Hier wurde seit dem Dezember 2012 auf höchstem Niveau die Entwicklung des Wiederaufnahmeverfahrens und des Prozesses in Regensburg dokumentiert und diskutiert. Gleiches gilt für die juristischen Kommentare von Oliver García und Henning Ernst Müller. Der ständige Rat Ursula Prems hat insbesondere die Schlussphase bei der Abfassung dieses Buches begleitet. Den Vieren danke ich besonders.

Gerhard Strate

[S. 13]

Daß sich zwei Geistesverwandte zufälligerweise getroffen haben, ist allerdings zutreffend. Und das ist auch gut so. Ich fühle mich frei.

Update (13.12.2014)

Prof. Dr. Müller, der ebenso wie ich am Mollath-Verfahren Anteil nahm, hat gestern eine Rezension verfaßt, die mir bei Verfassung der meinigen unbekannt war.

Ich will sie nicht vorenthalten:

http://www.lto.de/recht/feuilleton/f/juraprof-und-blogger-mueller-rezensiert-gerhard-strates-der-fall-gustl-mollath/

 

 

 

 

 

 

 

 

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864 Gedanken zu „Der Fall Mollath: das Buch von Gerhard Strate

  1. Ich bin kein Jurist, sondern ein frei denkender Bürger, daher werte ich nachfolgend so:

    Die Staatsanwaltschaft Mannheim kotzt eine Unterlassungserklärung heraus, könnte man wohl auch als Eingeständnis der vorsätzlichen Lüge der Staatsanwaltschaft Mannheim im Fall Kachelmann werten.

    „Jörg Kachelmann hat in der zivilrechtlichen Aufarbeitung seines Strafprozesses in den Jahren 2010 und 2011 einen weiteren Erfolg erzielt. Gegenüber dem Wetter-Experten hat ausgerechnet die Staatsanwaltschaft Mannheim eine Unterlassungserklärung abgegeben. Mit dieser verpflichtet sie sich, bestimmte belastende Äußerungen aus die damaligen Ermittlungen gegen Kachelmann nicht mehr zu wiederholen.

    Von Marvin Schade

    Kachelmann war gegen eine Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Mannheim vorgegangen, die sie im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen den Wetterexperten aufgesetzt hatte und die in der RTL-Sendung „Stern TV“ wiedergegeben worden war. In dieser behaupteten die Ermittler, dass an einem Tatmesser DNA-Spuren von Jörg Kachelmann gefunden worden seien.

    […]

    Mittlerweile hat Kachelmann am Oberlandesgericht in Frankfurt feststellen lassen, dass das angebliche Opfer – seine Ex-Geliebte – ihn bewusst falsch angezeigt hatte. Kachelmann saß 130 Tage in Untersuchungshaft. Nun wird gegen die Ex-Geliebte wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt. Geleitet werden die Untersuchungen ebenfalls von der Mannheimer Staatsanwaltschaft.

    Wie Kachelmann-Anwalt Florian Heinze am Donnerstag bekannt gab, hat diese nun selbst ein Fehlverhalten eingeräumt und bezüglich ihrer Äußerung über das Tatmesser eine Unterlassungserklärung abgegeben. Demnach darf sie ihre Aussagen nicht wiederholen. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa hat ein Sprecher des Verwaltungsgerichtshofs in Baden-Württemberg dies bestätigt. Dort wurde die Unterlassungsklage (Az. 1 S 191/17) zuletzt verhandelt. Die Einigung fand letztlich auf Hinweis der dortigen Richter außergerichtlich statt.“

    http://meedia.de/2017/07/28/falsche-aussagen-ueber-tatmesser-staatsanwaltschaft-mannheim-gibt-unterlassungserklaerung-im-fall-kachelmann-ab/

    • Im Tagesspiegel gab es gestern eine kurze Agenturmeldung dazu; danach war es keine Äußerung der Staatsanwaltschaft während der Ermittlungen, sondern gemeinerweise eine von Oktober 2012, lange nach dem Freispruch von 2011.

      Und da hatte sie sich auf Presseanfrage so ausgedrückt:

      Es seien DNA-Spuren an dem Messer festgestellt worden, die „von einer männlichen Person stammen und mit der DNA-Typisierung des Herrn K. übereinstimmten“, hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft.

      Was einen vollkommen falschen Eindruck hervorrief, denn tatsächlich konnte der geringe Fund nicht dem seinerzeit Beschuldigten zugeordnet werden. Es ging hier also um eine eines Rechtsstaates unwürdige Form des Nachtretens gegen einen Freigesprochenen.

      Wie immer in solchen Fällen: zuerst wird groß gegen den Mann gehetzt und eine Falschbeschuldigerin publizistisch und von Feministinnen gestützt, aber die Nachrichten über Rehabilitierung des Opfers der Falschbeschuldigung fallen eher klein aus.

      So auch im Fall der Matratzenfrau Emma Sulkowicz, die ihre Falschbeschuldigung auch noch in den Rang eines politischen Happenings hievte.

      19. Juli 2017, 17:01 Uhr Editiert am 20. Juli 2017, 15:43 Uhr
      Columbia University New York: Keine Vergewaltigung auf der Matratze
      Von Rudi Novotny

      19. Juli 2017, 17:01 Uhr Editiert am 20. Juli 2017, 15:43 Uhr

      Wie sich eine US-Uni nach jahrelangem Streit bei einem deutschen Studenten entschuldigt.
      Drei Absätze ist das Statement lang, das ihm sein Leben, seinen Frieden wiedergeben soll. „Als Paul Nungeßer Student an der Columbia war, wurde er eines sexuellen Übergriffs beschuldigt. (…) nach einer genauen Untersuchung wurde er für nicht schuldig befunden. (…) Die Columbia erkennt an, dass Pauls universitäres Leben nach Ende der Untersuchung sehr schwierig wurde (…).“ Vier Jahre hat Paul Nungeßer um diese Absätze gekämpft. Erst privat, dann vor Gericht. Immer gegen seine einstige Universität, die Columbia University in New York.
      Es sind die finalen Absätze einer Geschichte, die im Frühjahr 2013 auf dem Campus der Columbia begann und bald von Zeitungen in aller Welt erzählt wurde, auch von der ZEIT.
      http://www.zeit.de/2015/21/columbia-university-sexueller-missbrauch-prozess

      Die Geschichte handelt von Paul Nungeßer aus Berlin und seiner Kommilitonin Emma Sulkowicz, berühmt geworden, weil sie monatelang eine Matratze über den Campus schleppte. Auf dieser Matratze, behauptete Sulkowicz, sei sie vergewaltigt worden, von Paul. Die Aktion war der Protest dagegen, dass die Universität ihren Fall nicht ernst nahm. So sah es Sulkowicz. Doch die Polizei hielt die Vorwürfe für nicht stichhaltig. Die Universität sprach Paul Nungeßer von allen Anschuldigungen frei. Und ließ ihn allein. Auch als sein Name bekannt wurde und ihn Aktivisten als „Serienvergewaltiger“ schmähten. Statt ihn zu schützen, erhob die Columbia Emmas Matratzenprojekt zur Abschlussarbeit.
      […]

      http://www.zeit.de/2017/30/columbia-university-new-york-vergewaltigung-deutscher-student

      Jetzt ist sie Performance-Künstlerin, immer noch mit Hang zum Sexuellen.

      https://news.artnet.com/art-world/emma-sulkowicz-ship-is-sinking-976988

      Ausführlich hierzu: Don Alphonso, der auch gleich zwei weitere Fälle feministischer falscher Opfererzählungen in den USA anspricht:

      Eine erfundene Vergewaltigung zu viel
      24. Juli 2017 von Don Alphonso

      Sie ist für viele eine Heldin. Hillary Clinton hat gesagt, man sollte sich anschauen, was sie tut – das Bild sollte alle verfolgen. Senatorin Kirsten Gillibrand lud sie ein, um bei Obamas Ansprache an das Volk auf einem prominenten Platz zu lauschen, was der Präsident zu sexueller Gewalt sagen würde. Sie konnte im Time Magazine ein gross präsentiertes Editorial schreiben. New York Times, Guardian, CNN und Washington Post berichteten über sie und ihr Kunstprojekt, das sie so lange fortsetzen wollte, bis der Mann, der sie nach ihrer Behauptung vergewaltigt haben sollte, die gemeinsame Universität verlassen hätte. Sie trug dazu eine Matratze über den Campus, um den Beschuldigten unter Druck zu setzen, und bekam dafür den Susan B. Anthony Award der National Organization for Women. Der Beschuldigte wurde auf dem Campus bedrängt, verfolgt, und in den Medien von – auch deutschen – Aktivistinnen, denen man dafür Platz einräumte, als “mutmasslicher Vergewaltiger“ diffamiert. Und das, obwohl die Untersuchungen der Universität als auch der Polizei kein Fehlverhalten feststellen konnten. Sie heisst Emma Sulkowicz und galt bislang als bekanntestes Opfer einer Campus Rape Serie, die die Demokraten in den USA zu bekämpfen versprachen.
      […]

      http://blogs.faz.net/deus/2017/07/24/eine-erfundene-vergewaltigung-zu-viel-4470/

      Bernd Mathies vom Tagesspiegel wunder sich, wieso Don Alphonso nicht auf der neuen (Schwarzen) Liste der Heinrich Böll Stiftung steht, auf der Feminismus- und Genderkritiker präsentiert werden:

      24.07.2017 21:40 Uhr
      Feminismus
      Eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene

      Die Heinrich-Böll-Stiftung hat das Portal „Agent*In“ freigeschaltet. Dort zu lesen: Eine denunziatorische Liste von Organisationen und Namen. Eine Glosse.
      von Bernd Matthies

      Wieder ein neues Schimpfwort gelernt: Familismus. Es bezeichnet die Auffassung, die Familie sei Kern und Leitbild der Gesellschaft. Und die ist praktisch verboten, oder sagen wir, noch wird sie abwartend beobachtet. Ich bin drauf gekommen, weil die Heinrich-Böll-Stiftung, also die Ebert-Stiftung der Grünen, in der vergangenen Woche das Portal „Agent*In“ freigeschaltet hat, das sich wie eine Art Verfassungsschutzbericht der Gender-Szene liest. Es kulminiert in einer absurd zusammengebastelten Liste von Organisationen und Namen, die nicht anders als denunziatorisch zu nennen ist: Die da sind gegen uns, und wir sind gegen sie. Versteckt wird das treuherzig hinter dem sachlich lexikalischen Anstrich eines „Wiki“.
      […]
      Und so stehen nun der äußerst rechte Verschwörungs-Pegidist Jürgen Elsässer, die konservative Publizistin Birgit Kelle („familistisch“) und der höchst liberale Tagesspiegel-Kollege Harald Martenstein auf einer schwarzen Liste. Komischerweise fehlt der fiese FAZ-Blogger Don Alphonso, und auch Henryk M. Broder wurde ausgespart – er schäumt schon und wird sich das Recht, auf „Agent*In“ erscheinen zu dürfen, vermutlich gerichtlich erkämpfen.

      Über die Untaten Martensteins heißt es übrigens, er sei ein „heteronormativ orientierter Journalist“, der die Gender-Forschung als ideologisch orientierte „Antiwissenschaft“ bezeichnet habe. Man denke!
      […]

      http://www.tagesspiegel.de/politik/feminismus-eine-art-verfassungsschutzbericht-der-gender-szene/20101430.html

      Auf uns kommen amerikanische Verhältnisse zu.

  2. Die kleine Vergewaltigung ist nicht strafbar.
    Auch eine Schwarzer sollte aufmerken und diese Realität zur Kenntnis nehmen.

    Ohne Vorsatz jibbet es keene Verjewaltigung. Ein interessantes Urteil.

    Sex mit Gewalt, aber keine Vergewaltigung
    Eine junge Frau lehnt es ab, mit einem Brandenburger Sex zu haben. Er wirft sie trotzdem aufs Bett, schiebt ihren Kopf zwischen zwei Metallstreben. Sie schreit, er soll aufhören, kratzt ihn. Der Akt ist gewalttätig, die Frau vier Stunden lang sein Opfer. Das zweifelt auch das Gericht nicht an – spricht aber den 23-Jährigen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung frei.
    http://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Sex-mit-Gewalt-aber-keine-Vergewaltigung

    • Die Zeugin der Anklage ist doch so krank, dass sie nicht ins Gericht kommen kann:

      ….“Auch Gustl Mollath selbst erschien neben zahlreichen Sympathisanten zu dem Regensburger Prozess. Seine frühere Frau wird in dem Meineidsverfahren jedoch nicht als Zeugin auftreten: Sie reichte zwei Atteste wegen „einer ernsthaften körperlichen Erkrankung“ ein. Ihre Aussage, teilte Richter Dr. Alexander Guth mit, soll an einem der sieben folgenden Prozesstage verlesen werden.“…

      http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/mollaths-freund-will-nicht-gelogen-haben-21705-art1500138.html

    • Vor anderthalb Jahren in der Rolle eines fränkischen Staatsanwalts (Pressesprecher) war der Vorsitzende Dr. Guth nicht so zimperlich:

      ……“Der 65-Jährige hat im vergangenen Jahr einen Schlaganfall erlitten. Davon hat seine Gesundheit nachhaltigen Schaden genommen, betont die Tochter gegenüber der MZ.“….

      „Wieso kommt ein Mann wegen eines Kaugummi-Diebstahls im Wert von 1,49 Euro vor Gericht, wollte die MZ von Dr. Alexander Guth, dem Pressesprecher am Amtsgericht Regensburg, wissen. Guth räumt ein, dass es nur wenige solcher Fälle gebe. Sollte jemand ein unbescholtener Bürger sein, es aber ein besonderes öffentliches Interesse geben, so könne es durchaus in solchen Fällen zum Verfahren kommen. Und dies ist hier der Fall: Zumindest sieht das die Staatsanwaltschaft laut Anklageschrift als gegeben an.“….

      Laut Pressesprecher Guth habe der Angeklagte auch ein Taschenmesser mit einer neun Zentimeter langen Klinge in seiner Jackentasche mit sich geführt. Gezückt hat der Mann das Messer allerdings nicht, räumt Guth ein; wäre dies der Fall gewesen, dann wäre der Mann sogar wegen Raubes angeklagt worden und nicht „nur“ wegen Diebstahls.“….

      http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg/stadtteile/innenstadt/mann-wegen-149-euro-vor-gericht-21345-art1244973.html

  3. Alle keine Ahnung, die bösen „Feinde“ der fränkischen Justiz – das Opfer im „Fall Mollath“ heißt Klaus Leipziger:

    „Forensik ade: Klaus Leipzigers Abschied“
    Von Otto Lapp

    ….“Leipziger wurde beschimpft, beleidigt und bedroht, dass er unter Polizeischutz stand. Noch im vergangenen Jahr stand einer der ermittelten Täter deswegen vor einem Bayreuther Richter. Menschen, die durch seine Arbeit zu Feinden geworden waren, unterstellten ihm – zu unrecht, weder ein Abitur gemacht zu haben noch einen Doktor-Titel zu Recht zu tragen und gingen damit an die Öffentlichkeit.

    Dies sei eine „Folge des Terrors“ Leipziger gegenüber, und eine von „Ignoranz und Dummheit“ seiner Feinde gewesen, sagte Chefarzt Michael Schüler. Er sprach nur ansatzweise den Namen des Patienten aus, der beispielhaft für die härtesten Anfeindungen stand. „Herr M.“ , der Deutschland bekanntester Psychiatrie-Patient werden sollte.

    Nur Leipziger selbst nannte Gustl Mollaths vollständigen Namen und erinnerte sich an die Zeit als eine der „Skandalisierung“. Allerdings, und das ein kaum verhohlener Tadel, habe er damals auch öffentliche Unterstützung aus Reihen der Justiz und des Bezirks vermisst. Dass diese „schweren Attacken“ gegen Leipziger überhaupt geritten worden seien, sei ein Zeichen dafür, dass die meisten keine Ahnung von der Arbeit in der Forensik hätten. Dies sagte Herbert Steinböck, der Leiter der Forensik des Isar-Amper-Klinikums in München.“….

    ….Die Presse sei allerdings „zunehmend kritisch“ bei den Verfahren vor Gericht dabei, sagte Clemens Lückemann, Präsident des Oberlandesgerichtes Bamberg. Vor allem wenn es um die Frage der Schuldfähigkeit von Tätern gehe und darum, Gefahrprognosen zu erstellen. Lückemann sprach, auch ohne das Verfahren näher zu nennen, von „schweren Stürmen“, denen Leipziger standgehalten habe. Und bedankte sich „voller Hochachtung“ für die Zusammenarbeit mit der Justiz.„….

    http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/forensik-ade-klaus-leipzigers-abschied_547533

    • Die Äußerung des Präsidenten des OLG Bamberg (zuvor: Generalstaatsanwalt Bamberg) bebildert schön den Schulterschlußeffekt innerhalb der strafprozessualen Abläufe, der Fehlurteile begünstigt und deren Bereinigung behindert. Zusammenhalten um jeden Preis, auch entgegen allen Tatsachen.

      Einer der größten Fehler Mollaths in seinem etwas erratischem Kampf um Rehabilitierung war es, daß er den effektivsten Weg nicht gegangen ist, nämlich Leipziger (und/oder die für ihn eintretende Körperschaft) zu verklagen. Wäre Leipziger wegen seines Fehlgutachtens verurteilt worden, hätte dies die zitierten Stimmen aus der Justiz, die sich hier mit Leipziger solidarisieren, vielleicht nicht zum Verstummen gebracht, jedenfalls aber die darin liegende Peinlichkeit schön offenbart. Meine Besprechung des Leipziger-Gutachtens: http://blog.delegibus.com/2013/08/26/fall-mollath-der-schleier-ist-gelueftet/

      Klüger als Mollath ist Kachelmann vorgegangen, als er auf die zivilrechtliche Schiene setzte. Man sieht, wie das nun Früchte trägt.

      • Sie erinnern sich an diese Ihre Aussage, August 2013?

        O.Garcia:

        “Statt darzulegen, ob das Gutachten tatsächlich ausreichend überzeugend war und von der Staatsanwaltschaft ihren Maßnahmen zugrundegelegt werden durfte, wird also nur gesagt, daß der Gutachter generell zuverlässig sei. Dabei wird sogar die enge Partnerschaft der entscheidenden Kammer mit diesem Gutachter hervorgehoben. Nicht anders ist die Strafvollstreckungskammer Bayreuth im Fall Mollath vorgegangen, als sie schrieb, Leipziger sei ihr schließlich seit Jahren als kompetent, gewissenhaft und zuverlässig bekannt.

        https://gabrielewolff.wordpress.com/2013/08/18/der-fall-mollath-etappensieg-und-raumgewinn/comment-page-2/#comment-23624

        Es handelte sich um eine Replik auf meine Veröffentlichung hier im Blog von G. Wolff, wie die fränkische Justiz „ihren“ Fehlgutachter deckt, der zur Anwendung des § 63 StGB riet, nachdem ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen von Lückemanns Staatsanwälten wingereicht hatte, was von „Wahn“ zeugt.

        Aus der Abweisung der Zivilklage gegen Dr. Groß, Landgericht Würzburg:

        ….“Dies gilt umso mehr, als der Sachverständige Dr. Groß – wie auch der Kammer aus eigener Anschauung in zahlreichen anderen Verfahren bekannt ist – im Allgemeinen als umsichtiger, erfahrener und sorgfältig arbeitender Gutachter mit hoher Sachkompetenz gilt, der seine medizinischen Schlussfolgerungen und Diagnosen erst nach sorgfältiger Abwägung und umfassender Begründung zu treffen pflegt.”…

        Der fränkische Gerichtsgutachter Dr. Groß, aufgrund dessen eklatantem und m.E. vorsätzlichem Fehlgutachten (durch Obergutachten Nedopi nachgewiesen) ich sieben Monate in der Forensik Lohr eingesperrt war und analog Mollath mittels § 63 StGB versenkt werden sollte, wird von mir seit Jahren zivilrechtlich als auch straftechtlich angegangen – die Justiz in Franken erteilte u.a. „ihrem“ Sachverständigen im PKH-Verfahren die obige „Ehrerklärung“. Der Vorgang ist weiter aktuell, Polizei in BW geht von struktureller Korruption aus, als federführend ist u.a. der oben genannte OLG-Präsident anzusehen, der ja im Artikel des Nordbayerischen Kuriers wieder entlarvend aufzeigte, worum es geht: die Reihen schließen! Fassade wahren! (Lückemanns Frau und der Fehlgutachter saßen übrigens damals zusammen im CSU-Stadtrat)

        Auch ein schönes Zitat einer Würzburger Richterin in Sachen Fehlgutachter Dr. Groß:

        …..“Erfahrungsgemäß teilt die begutachtete Person, zumal in Strafverfahren, in den wenigsten Fällen die Auffassung des gerichtlichen Sachverständigen. Zumal wenn dieser zu dem Ergebnis kommt, dass, wie der Antragsteller vorträgt, bei dem Probanden „Wahn“ und „seelische Abartigkeit“ vorliegt.“….

        Pfister-Luz, Richterin am Landgericht Würzburg

        http://www.chillingeffects.de/2010-02-03-pfister-luz.pdf

        Wieso also sollte Mollath mehr Erfolg haben, wenn er Leipziger verklagt?
        Nedopil hat in meinem Fall nachgewiesen, dass Dr. Groß die Mindeststandards psychiatrischer Begutachtung grob verletzt hat. Keine Pathologien, keine Anknüfungstatsachen für irgendwas, kein Wahn! Und?

        Dr. Groß ist weiter unbehelligt als Gerichtssachverständiger tätig und erstattet eifrig Gutachten für die Justizbehörden Würzburg…..

        • Auf Ihre Frage „Wieso also sollte Mollath mehr Erfolg haben, wenn er Leipziger verklagt?“ kann ich zunächst antworten, daß jeder Fall anders ist.

          Entscheidend ist aber auch, wie der Fall vor Gericht aufbereitet wird. Im Zivilprozeß gilt der Beibringungsgrundsatz. Da reicht es nicht, sich an das Gericht zu wenden, sich (durchaus zutreffend) als Justizopfer vorzustellen und alles weitere einer Art Amtsaufklärung durch das Gericht zu überlassen. So funktioniert das nicht. Ihre PKH-Anträge wurden zurückgewiesen, weil die Gerichte Ihren Vortrag nicht für schlüssig gehalten haben. Ich kann nicht beurteilen, ob zu Recht, aber das kann durchaus lege artis sein. Wenn die Justiz „abblockt“, dann muß man nicht gleich böse Absicht vermuten. Es kann auch schlicht an der eigenen schlechten Prozeßführung liegen.

          Hier ein paar Entscheidungen, in denen die Haftung für ein Falschgutachten bejaht wurde: https://dejure.org/2007,2386, https://dejure.org/2015,54034, https://dejure.org/2015,685.

        • Und weil der „Fall“ Manfred Genditzki so prägnant aufzeigt, was für ein widerwärtiger Machtmissbrauch sich gegen Rechtsuchende in Bayerns CSU-Justizsystem etabliert hat – nicht nur gegen Gustl Mollath – hier zwei treffende und fundierte Leserreaktionen auf diesen Bericht:

          http://www.sueddeutsche.de/panorama/kriminalfall-genditzki-lebenslang-aus-mangel-an-beweisen-1.3417958

          Richter und ihr Korpsgeist

          Der Fall des Hausmeisters Manfred Genditzki hat mich erschüttert und tief bewegt. Es ist offenbar eine schlimme Verknüpfung von Verfolgungseifer und richterlicher Hybris, leider verbunden mit guter Kenntnis der Regeln des Handwerks. Als Referendar wurde mir beigebracht, dass es keine Kunst sei, ein Urteil „revisionssicher“ zu machen, und was Hans Holzhaider aus dem Urteil des Münchener Schwurgericht wiedergibt, ist ein Schulbeispiel für die sorgfältige Anwendung der Regeln: Mit der „Überzeugung des Gerichts“ lässt sich fast jede Lücke in der Beweiskette schließen, und Berichterstatter/in und Vorsitzende haben nur darauf zu achten, dass da alles „dicht“ ist. Beim Bundesgerichtshof wird darauf auch in erster Linie geachtet, nur dass das Urteil auch noch „passen“ muss, das heißt, es muss „im Ergebnis stimmen“. Bei Zurückverweisungen aus der Revisionsinstanz spielt leider oft noch der (uneingestandene) Korpsgeist eine Rolle: Das will man den Kollegen nicht antun, dass man ihr nach mehrtägiger Verhandlung gefundenes, also per se sorgfältiges Urteil aufhebt, es muss irgendwie gehalten werden. Die „Überzeugung der Kammer“ hilft dabei.

          […]
          Dr. Hans-Christoph Bechthold, Kehl

          Eitelkeit et al.

          Selbst in einem demokratischen Staat mit einer unabhängigen Justiz bleiben Angeklagte dem richterlichen (Fehl-)Urteil ausgeliefert. Eitelkeit (einen Fehler zuzugeben), Rechthaberei, Konkurrenzgefühl (dem prominenten Verteidiger bloß nicht unterliegen) – dazu willfährige Kollegen, die ihre Karriere nicht gefährden wollen, das genügt schon, einen höchstwahrscheinlich Unschuldigen auch ohne solide Beweise lebenslang wegen Mordes einzusperren. Möge Hans Holzhaiders engagierter Artikel neue Bewegung in diesen „abgeschlossenen“ Fall bringen! Regine Beyer, Klein Nordende

          http://www.sueddeutsche.de/kolumne/fall-genditzki-wenn-gerechtigkeit-verweigert-wird-1.3427781

    • Ermittlungen gegen die Ex-Geliebte hin oder her:
      Jörg Kachelmann sollte aufpassen, dass er demnächst nicht wieder einsitzt.
      Sein Prozess hat gezeigt, dass die Mannheimer Justiz zu allem fähig ist.

      • Na, das halte ich dann doch für übertrieben.

        Es bleibt allerdings abzuwarten, mit welchem Ergebnis das Ermittlungsverfahren endet, und wieviel Zeit sich die StA nehmen wird: allein von der Mitteilung der Einleitung des Prüfvorgangs (28.9.2016) bis zur Bejahung des Tatverdachts sind 5 Monate vergangen. O.K., man weiß nicht, wie lange es gedauert hat, bis die Akten aus Frankfurt eingetroffen sind…

        Die DPA-Meldung ist jedenfalls von vielen Medien weiterverteilt worden, regelmäßig ohne Änderungen.
        Diese hier meinte, noch etwas anfügen zu müssen, und zwar eine fake news nebst Orthographiefehler:

        Zuletzt hatte Kachelmann damit auf sich aufmerksam gemacht, dass er einen Vortrag der Frauenrechtsaktivistin Alice Schwarzer rüde unterbrpchen hatte. Kachelmann und Schwarzer hatten sich zerstritten, nachdem Schwarzer 2010 eine einseitige und parteiische Berichterstattung in der Bild-Zeitung über den Kachelmann-Prozess getätigt hatte.
        dpa

        https://www.tz.de/stars/justiz-ermittelt-gegen-ex-geliebte-von-kachelmann-zr-7530251.html

        Die liebe Presse…

        • Genau. „Einbildung“ im Kontext eines „geschlechterpolitischen Prozesses“ – mit Strafjustiz hat der Kachelmann-Prozess gar nichts zu tun, wie Alice Schwarzer vergangene Woche im TV kundtat:

          ……“Schwarzer erklärte: „Das nenne ich einen politischen Prozess, einen geschlechterpolitischen Prozess – exemplarisch wurde von den Medien die Frage der sexuellen Gewalt in der Beziehung abgehandelt.“

          Die Feministin führte aus, es sei um die Frage gegangen: „Wo fängt Gewalt an?“

          Spätestens jetzt verlor Lanz die Geduld. Er machte seinen Standpunkt unmissverständlich klar: „Ich finde, bei diesem Prozess ging es ausschließlich um die Frage: Hat ein Mann eine Frau vergewaltigt ja oder nein? Und dieser Mann ist freigesprochen worden. Punkt.“….

          http://www.huffingtonpost.de/2017/03/17/markus-lanz-alice-schwarz_n_15422110.html

          Auch wenn man die Sendung gesehen hat, ist das gedruckt nochmal wirkungsvoll:

          …..“Markus Lanz will von Alice Schwarzer wissen, ob sie ihre Rolle im Jörg-Kachelmann-Prozess als Fehler sieht.

          Alice Schwarzer (im folgenden AS): Nein, nein. Ich stehe da einfach gegen alles oder fast alles. Das ist auch wahnsinnig manipuliert worden. Es hat sich in meiner ganzen Berichterstattung nie die Frage gestellt, ist Jörg Kachelmann in juristischem Sinne in der Sache schuldig oder nicht. Von Anfang an habe ich die Haltung vertreten, die nach acht Monaten Verhandlung der Richter vertreten hat. Nämlich folgende: Wir wissen es nicht. Das hat ja ganz ausführlich der Richter beurteilt und begründet. Er hat gesagt Freispruch aus Mangel an Beweisen und so ist das richtig in unserem Rechtsstaat. Das heißt aber nicht, dass die Zeugin gelogen hat.“….

          AS…..“Mir ist das überhaupt nicht unangenehm. Aber es dreht sich im Kreis. Sie wollen mir schon bei meiner Argumentation nicht folgen, dass es manchmal Prozesse gibt, bei denen gesamtgesellschaftliche Probleme von der Öffentlichkeit exemplarisch abgehandelt werden. Weimar war so, Bubi Scholz war so ein Prozess und Kachelmann ist so ein Prozess. Und dann kann man nicht nur juristisch argumentieren, sondern jenseits der Frage von Schuld und Unschuld muss man sagen: Was läuft da eigentlich ab?

          ML: Ich finde, im Jörg Kachelmann Prozess – tut mir leid – kann man nur juristisch argumentieren. Da hat jemand erwiesenermaßen monatelang unschuldig im Gefängnis gesessen.“….

          http://meedia.de/2017/03/17/herr-lanz-was-reden-sie-da-das-zoff-protokoll-zwischen-markus-lanz-und-alice-schwarze-zum-fall-kachelmann/

        • Eine Autosuggestion schloß das OLG Frankfurt aus:

          (4) Die Beklagte handelte mit direktem Vorsatz. Aus den Gesamtumständen ergibt sich, dass die Beklagte die Ermittlungsbehörden bewusst und gewollt über die Täterschaft des Klägers getäuscht hat, indem sie wahrheitswidrig aussagte und der besonders schweren Vergewaltigung unter Einsatz eines Messers bezichtigte und indem sie zur Bekräftigung dieser Angaben sich selbst verletzte. Dabei folgt schon aus der von der Beklagten aufgewendeten kriminellen Energie, dass es ihr darauf ankam, die Verhaftung des Klägers herbeizuführen. Hinzu kommt, dass die Beklagte in den Vernehmungen ein Interesse an der Verhaftung des Klägers zeigte, indem sie sich danach erkundigte, ob der Kläger nun festgenommen werde. Auch bei der staatsanwaltlichen Vernehmung am 20.4.2010 zeigte die Beklagte ein Interesse daran, dass der Kläger in Untersuchungshaft verbleibt, indem sie bezugnehmend auf ihr Eingeständnis, wahrheitswidrige Angaben gemacht zu haben, unter Tränen gegenüber den Staatsanwälten äußerte, der Kläger komme jetzt bestimmt frei. Nachdem einer der Staatsanwälte sinngemäß erwiderte, dass dies nicht so schnell gehe, beruhigte sich die Beklagte. Außer Streit steht auch, dass die Beklagte in der Hauptverhandlung in dem Strafverfahren u.a. Folgendes bekundete: „(…) ich hab ja, als ich zur Polizei bin an dem Morgen, ich wusste ja, dass er um halb eins nach (…) fliegt, mittags. Und das hab ich denen ja auch gleich gesagt. Gesagt, der fliegt von Stadt1 nach (…), und kann man am Flughafen kann man ihn doch fassen, und das war mir ja auch wichtig.“ Schließlich ist unstreitig, dass die Beklagte in das von ihr geführte Computertagebuch das Folgende eintrug: „Hätten sie ihn doch gleich am 09.02. am (…) flughafen geschnappt. Warum haben sie ihn fliegen lassen? Ich habe geahnt, dass es so kommen wird.“

          Dass bei der Beklagten eine „Autosuggestion“ vorlag, die dazu führte, dass die Beklagte nur glaubte, sie sei vergewaltigt worden, ist nach Auffassung des Senats ausgeschlossen. Insbesondere ist die aus dem Strafurteil stammende Feststellung des Landgerichts, es sei aussagepsychologisch nicht ausgeschlossen „die Angaben der Beklagten zum forensisch relevanten Kerngeschehen (könnten) durch autosuggestive Einflüsse zum Nachteil des Klägers kontaminiert und damit möglicherweise in einer Weise aggraviert worden seien, die einer zuverlässigen Aufdeckung anhand struktureller Unterschiede zwischen etwaigen erlebnisbasierten und rekonstruierten Erinnerungen nicht zugänglich sei“, nicht nur spekulativ, sondern nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme, wonach sich die Beklagte die Verletzungen selbst zugefügt hat, widerlegt.

          http://www.lareda.hessenrecht.hessen.de/lexsoft/default/hessenrecht_lareda.html#docid:7654545

          Schön, daß Lanz sie in die Zange genommne hat. Man fragt sich, warum sie den Job als Gerichtsberichterstatterin angenommen hat, wenn das Ganze ja irgendwie eigentlich geschlechterpolitisch zu betrachten war. Was die Frau alles so von sich gibt…

          Aber ihre Mitarbeiterinnen sind ja nicht besser (daß sie als Einzige den Namen der Beschuldigten nennen, macht die Sache nicht besser):

          Ein Drei-Tage-Zivil-Prozess in Frankfurt war zu dem Schluss gekommen, der Acht-Monate-Strafprozess in Mannheim habe sich mit seinen Zweifeln und seinem „Freispruch aus Mangel an Beweisen “ geirrt: Es sei jetzt erwiesen, dass Dinkel gelogen habe.

          http://www.emma.de/artikel/der-fall-kachelmann-eine-neue-etappe-334281

          Natürlich hat auch der OLG-Prozeß Monate gedauert; nur daß eben schriftlich vorgetragen wurde, wie es im Zivilrecht nun mal vor sich geht.

          Und ein Klassiker:

          Doch nun ist das Mannheimer Gericht gezwungen, erneut zu ermitteln.

          Und Markus Lanz macht natürlich PR für Jörg Kachelmann, schließlich sind beide Männer, da versteht sich das von selbst. 😉

        • Noch zwei Nachträge hierzu:

          Erheblich an dem Meedia-Protokoll erscheint mir doch diese Passage über den Gutachter im Kachelmann-Prozess, Prof. Püschel, der ja nun alle Zurückhaltung fallen lassen kann:

          ML Wir hatten neulich einen Gutachter hier sitzen, der sagte – einen sehr renommierten Hamburger Gutachter – der sagte, in Hamburg wäre dieser Prozess niemals aufgenommen worden, weil so früh klar war, dass es sich um eine Falschbeschuldigung handelt.

          AS Sie wissen mehr als der Richter nach acht Monaten …

          ML Professor Püschel, einer der Gutachter auch in diesem Verfahren.

          AS Es gibt auch noch ein paar kleine andere Themen. Haben Sie noch eins?

          ML Ich weiß, ist unangenehm …

          http://meedia.de/2017/03/17/herr-lanz-was-reden-sie-da-das-zoff-protokoll-zwischen-markus-lanz-und-alice-schwarze-zum-fall-kachelmann/

          Genau das ist der Skandal des Verfahrens: daß es nicht nur zur Anklage, sondern auch noch zur Verfahrenseröffnung kam. Nun dürfen die Kollegen Wiedergutmachung betreiben. Obwohl der Versuch, sich als Opfer einer raffinierten Lügnerin zu stilisieren, danebengehen wird. Schließlich haben sie der nach Aufdeckung ihrer Intrige verprochen, daß Jörg Kachelmann dennoch so schnell nicht freikommen werde. Die Staatsanwaltschaft hat ihr Spiel also mitgespielt, weil die Intrige ja nicht zum „Kernbereich“ der Aussage gehöre.

          Die Anklage wurde vorsichtshalber vor Eingang des Glaubwürdigkeitsgutachtens erhoben, das für die Kronzeugin desaströs ausfiel, trotz Engagements einer feministischen Polizei-ausbildenden Psychologin. Nun soll es deren Ausweg, die Autosuggestion, richten, geht es nach der Verteidigung der Beschuldigten.

          Zur Falschberichterstattung vieler Medien über einen Jörg Kachelmann, der angeblich Alice Schwarzers Vortrag in Köln „sprengte“: hier gibt es Aufklärung:

          http://uebermedien.de/13027/journalisten-lassen-kachelmann-sprengen/

          „fake news“ sind geradezu endemisch in den MSM.

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