Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (3)

MH 17 Titelfoto

 Fortsetzung von:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/09/28/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-1/

https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/10/23/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-2/

Ein kleiner Hinweis: die Lektüre dieses Artikels setzt die Kenntnisnahme der vorangegangenen Artikel voraus.

Es war nicht schlecht, zwei weitere Themen vorzuziehen, bevor die Fortsetzung dieses Threads begonnen wurde: denn die allseitige Propaganda, die den Abschuß der MH 17 umrankt, mußte nach dem bewußt nichtssagenden vorläufigen Berichts des Dutch Safety Board vom 9.9.2014 zwangsläufig ins Kraut schießen. Davon kann jemand, der Propaganda aufklären will, nur profitieren. Die Ernte war reich.

Zur Propaganda der Kiewer Regierung gehörte dieses noch am 17.7.2014 veröffentlichte Foto:

Torez BukWas sollte es zeigen?

Auskunft gibt Liveleakers, das noch am Abend des 17.7. die Indizienkette des ukrainischen Geheimdienstes SBU wiedergab und dieses Foto wie folgt ankündigte:

Timeline of evidence of Russian culpability for MAH17 shootdown.

Part of channel(s): Liveleakers (promoted), Ukraine (current event)

Barely a few hours old, and there’s a mountain of evidence incriminating Putin and his terrorists in Ukraine for the shooting down of Malaysia Airlines Flight 17, and the cold blooded murder to 295 innocent civilians.

– Sometime this morning, journalists in terrorist occupied Snizhne, Donetsk report seeing an SA-11 BUK surface to air missile system (capable of shooting down a passenger jet at cruising altitude)

[Es folgt das obige Foto]

http://www.liveleak.com/view?i=6ee_1405625074

Der niederländische Blogger ukraine@war, der sich dort zunächst als “Peter Martin” bezeichnete und seit dem 17.12.2014 bei Twitter nunmehr als „Dajey Petros“ firmiert, über dessen antirussische und westregierungsfreundliche Einstellung nie ein Zweifel bestand,

https://twitter.com/DajeyPetros/status/545301981301317632

http://ukraineatwar.blogspot.nl/p/about-me.html

hat dieses Foto am 17.7.2014 in sein gleichartiges Szenario „Putin und die russischen Terroristen“ übernommen, obwohl er es erklärungslos von Snischne nach Tores verlegte.

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/russian-transport-of-buk-into-ukraine.html

Wie kam das? Selbst sein Bruder im Geiste, Eliot Higgins alias Brown Moses alias Bellingcat, der von westlichen Leitmedien gern zitiert wird, weil er dem transatlantischen Regierungskurs zu- und nacharbeitet, hat sich bei diesem Foto einen Tag später mehr Mühe gegeben:

Buk Transporter Filmed “Heading to Russia” Sighted in an Earlier Photograph

July 18, 2014

By Eliot Higgins

Earlier today, the Ukranian Ministry of Internal Affairs posted the following video, claiming to the show the Buk Missile Launcher that has been linked by some to the downing of flight MH17 being transported to Russia

[…]

It was also claimed the following photograph was taken in Snizhne, showing the same missile system.  Despite those reports, it actually appears that this photograph was taken here in the town of Torez, with the cameraman facing northwards.  Video from 2 years ago filmed in the area shows the side of the market with the yellow signage, and the building with the white and black marks along the side of the building, confirming the location. (Thanks to Aric Toler for spotting that one)

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/07/18/buk-transporter-filmed-heading-to-russia-sighted-in-an-earlier-photograph/

Typischerweise erklärt er nicht, wer genau dieses Foto nach Snischne verpflanzt hat. Wie kam es, daß das Bild in Snischne verortet wurde, obwohl es doch Tores zeigt?

Die Lenkung des Publikums verantwortet wieder einmal Geraschtschenko, der Berater des Innenministers Awakow, Herr über den Geheimdienst SBU der Ukraine.

Der Interpreterblog in New York, obwohl gesponsert durch den Sohn des russischen Oligarchen Michail Chodorkowksi,

(Note: The Interpreter is a project of the Institute for Modern Russia which is funded by Pavel Khodorkovsky, son of Mikhail Khodorkovsky.)

— Catherine A. Fitzpatrick

http://www.interpretermag.com/category/blog/#6132

machte sich die Mühe, die Kiewer Propaganda aufzuklären und berichtete am 18.7.2014:

Pro-Russian Separatists‘ BUK Geolocated in Torez

20:08 (GMT)

The picture of the BUK missile system said to be in the possession of pro-Russian separatists which we reported 17 July, parked behind some stores in a town in southeastern Ukraine, has now been geolocated by Aric Toler on Gagarin Street in Torez.

fetching tweet…

fetching tweet…

There was some confusion between the two towns of Torez and Snezhnoye, which are about 12 km apart from each other, both of which have been occupied by separatists with heavy artillery.

Original regional news reports[Донетчина, 17 июля 2014, 21:37
http://ru.tsn.ua/politika/terroristy-spryatali-ustanovku-buk-za-supermarketom-v-snezhnom-sovetnik-avakova-377551.html ]

were based on a Facebook post by Anton Gerashchenko, an advisor to the Ukrainian Interior Ministry, who said one of two BUKs was parked „behind the Furshet in Snezhnoye.“ Furshet is a Ukrainian supermarket chain that has provided humanitarian assistance to the separatists. Then Information Resistance reported that the BUK was in Torez „near the Furshet.“

But there isn’t any Furshet store known to be in Torez, according to the company’s web site, so the theory was that the scene had to be in Snezhnoye. The eye-witnesses may have meant another supermarket chain or store.

Toller found a dash-cam video of a resident driving down Gagarin Street in Torez that clearly shows two of the buildings there that match the scene of the parked BUK — the store with the yellow awning and red and green sign and the brown building with the white-striped edges and a tall video banner:

Torez Buk Videohttp://www.interpretermag.com/ukraine-liveblog-day-151-who-shot-down-mh17/#3436

Der Fotograph des Tores-Fotos befindet sich demnach auf einem Gelände rechts von der Straße, und die Buk auf der Kreuzung in Höhe des Hauses mit den markanten Streifen.

Interessant, daß die ukrainische Regierung nur eine von gleich zwei den Rebellen zugeschriebenen Buks „lokalisierte“.

Am 18.7.2014 postete dann auch Eliott Higgins die ausführlichen Findungen seines „Followers“ Aric Toller:

Identifying the Location of the MH17 Linked Missile Launcher From One Photograph

July 18, 2014

By Eliot Higgins

In the aftermath of the MH17 downing in Ukraine various images and videos were shared on social media sites claiming to show the Buk missile launcher that was alleged by some to have been used to shoot down flight MH17.  One photograph was shared on social media sites, reportedly showing the missile launcher in Snizhne, close to where a video show a Buk missile launcher was filmed

[Es folgt das Tores-Bild]

There doesn’t seem much to go on in this picture, but one of my long term followers, Aric Toler, managed to piece together the location using a variety of open source information, in a way that impressed myself and others who have spent their time geolocating images from conflict zones.  I asked him to talk me through the process, and here’s what he told me.

[…]

https://www.bellingcat.com/resources/case-studies/2014/07/18/identifying-the-location-of-the-mh17-linked-missile-launcher-from-one-photograph/

Daß das vom Innenministerium mit der Interpretation „Snischne“ kontaminierte Foto ein Fake ist, ergibt sich schon aus dem Wetter, das auf diesem Bild betrachtet werden kann: strahlender Sonnenschein mit klaren Schatten. Zu langen Schatten für die Mittagszeit? Jedenfalls war das Wetter am 17.7.2014 zur Mittagszeit in Tores ganz anders, wie aus dem Satellitenbild im Report des Dutch Safety Board vom 9.9.2014 klar hervorgeht. Es bestand dort eine durchgehende Wolkenbedeckung im roten Bereich südöstlich der Absturzstelle:

DSB S. 18Quelle: http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

[S. 18]

Es ist Zeit, daran zu erinnern, daß der BND der Ukraine die Präsentation von gefälschten Fotos vorwarf; und sieht man sich dieses Foto, das auch auf der Website des SBU eingestellt ist, näher an, dann wirkt dieser Transporter mit seinem wuchtigen verhüllten Transportgegenstand wie hineinkopiert:

Torez A Buk[Ausschnitt aus dem Eingangsfoto]

Nach den Lokalisierungen „parkte“ der Buk-Transporter nicht mitten auf der Kreuzung, sondern fuhr entsprechend der Video-Sequenz bis zu dem Haus mit dem markanten Schwarz-Weißmuster an den Ecken auf einer ansteigenden Strecke. Im geposteten Foto scheint er sich in einer falschen abschüssigen Position zu befinden.

Über Photoshop und Mißbrauch der sozialen Netze auch durch Geheimdienste und deren Zuarbeiter machen sich regierungsbestätigende Blogger offenbar keine Gedanken.

In seinem zusammenfassenden Report vom 8.11.2014, dem die ZEIT begeistert applaudierte (klar, das Ergebnis stimmt ja!)

13.11.2014

Zur Bellingcat-Studie vom 8.11.2014

MH17-Absturz

Die Spur des Raketenwerfers

Neue Beweise entlarven die Lügen über den Absturz der Malaysia-Airlines-Maschine in der Ostukraine. Eine Rekonstruktion von Bastian Berbner

DIE ZEIT Nº 47/201413. November 2014  14:04 Uhr

[…]

[wobei auch dies dazu erfunden wird, was im Bellingcat-Bericht gar nicht vorkommt:]

Die Separatisten haben den Buk in der Zwischenzeit von dem Tieflader gefahren. Im kleinen Dorf Snischne bewegt sich das 32-Tonnen-Fahrzeug jetzt auf Ketten die Karapetjan-Straße entlang, bevor es nach rechts abbiegt in Richtung Süden, raus aus Snischne, in unbewohntes Gebiet. Satellitenaufnahmen werden später dicke Spuren im Feld zeigen. Sie folgen keinem Muster, scheinbar willkürlich führen sie zunächst ganz gerade über das Feld, kreuzen einen Weg, führen durch Büsche, dann biegen sie nach Osten ab, zurück auf eine Straße. Möglich, dass von hier die Rakete abgeschossen wird.

[…]

http://www.zeit.de/2014/47/malaysia-airlines-mh17-absturz-ukraine-neue-beweise/komplettansicht

läßt Bellingcat dann sämtliche ihm sicherlich bekannten Hinweise auf das ukrainische Innenministerium und die falschen Ortszuschreibungen „Snischne“ weg:

Torez

Das obige Bild wurde am Abend des 17.Juli veröffentlicht. Dem Bellingcat MH17 Untersuchungsteam ist es nicht gelungen, ein früheres Beispiel der Fotografie zu finden, als diesen Beitrag von einem Benutzer des russischen Social-Media-Website VKontakte(VK)11 am 17. Juli um 20:09 Uhr (Kiew Zeit).

Das Untersuchungsteam vermutet, dass das Bild ursprünglich in der “Overheard in Torez”12 VKontakte Seite gepostet wurde, aber diese Seite ist seitdem gelöscht.

Es war wieder möglich den genauen Ort zu finden, an dem das Foto aufgenommen wurde13, und mit den im Bild sichtbaren Schatten wurde die Zeit auf etwa 12:30 Uhr (Ortszeit) bestimmt.

Diese Zeitangabe wird gestützt durch Beiträge auf VKontakte und Twitter, in denen Einwohner über einen Konvoi von Militärfahrzeugen berichten, den sie am frühen Nachmittag ostwärts durch Torez in Richtung Snizhne fahrend sahen.

Drei Tweets, die die Fahrt des Raketenwerfers und eines Begleitkonvois durch Torez beschreiben wurden um 12:07Uhr14,12:15 Uhr15, und 12:26 Uhr16 Ortszeit gepostet.

————————————–

11

https://vk.com/wall-5063972_387136?reply=38716

[…]

14

https://twitter.com/WowihaY/status/489698009148837888

15

https://twitter.com/WowihaY/status/489700047215685632

16

https://twitter.com/MOR2537/status/48970273676658688

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 7]

Natürlich verweist der angeblich früheste Tweet mit diesem Foto auf den Ort Tores. Bellingcats Geheimnis bleibt es, wie er den Tweet, mit dem ein Eintrag des kiew-treuen „Euromaidan“ kommentiert wird, auf 20:09 Uhr (Ortszeit Kiew) datiert, während der Tweet selbst keine Uhrzeit aufweist:

Tweet Tores auf VKontaktehttps://vk.com/wall-5063972_387136?reply=38716

Wer nicht so ein begnadeter Internet-Freak ist, muß diese Datierung leider unüberprüft hinnehmen.

Bei den ersten beiden Tweets mit Sichtungen einer Buk in Tores handelt es sich um diese Tweets:

Wowi Torez-Tweet 1https://twitter.com/WowihaY/status/489698009148837888

Wowi Torez-Tweet 2https://twitter.com/WowihaY/status/489700047215685632

Bellingcat verrät uns leider ebenfalls nicht, wie die Umrechnungen von 02.07 Uhr und 02.16 Uhr der Tweets auf 12.07 Uhr und 12:15 Uhr Ortszeit gestaltet wurden. Die Internet-Experten bei Bellingcat müßten doch wissen, daß Zeitangaben von Postings bei Facebook, Twitter & Co. notorisch unzuverlässig sind, ebenso wie deren interne Lade-Daten.

Nicht nur der russische Geheimdienst hat damit also seine Probleme…

Und wie konnte „WowihaY“ vier Raketen erkennen, wenn doch das schwere Gerät auf dem Tieflader verhüllt war?

Die von Eliott Higgins gegründete Plattform Bellingcat, die mitunter mit dem gleichgesinnten Anonymus aus den Niederlanden „Martin“/“Petros“ („ukraine@war“) zusammenarbeitet, hätte auch wissen müssen, wie verdächtig dieser „WowihaY“ ist.

Denn der Kiew-Anhänger „WowihaY“ hatte am 17.7.2014 auch das Wölkchenfoto per Tweet verbreitet:

Wowi Tweet Wölkchenhttps://twitter.com/WowihaY/status/489807649509478400

Und der niederländische Kollege hatte bereits am 25.7.2014 diesen Austausch mit „WowihaY“ veröffentlicht, in dem es um das ebenfalls von Geraschtschenko schon am 17.7.2014 verbreitete „Wölkchen“-Foto geht, das das Titelbild meiner MH-17-Artikel ist.

Da heißt es:

Friday, July 25, 2014

EXIF data timestamp in MH17 missile launch photo is 16:25:48 17th July

[…]

I contacted @rrubanov and he said he recieved the tweet from @WowihaY. here it is:

свидетель скинул фотку момента пуска ракеты.На горизонте канатная дорога между Лутугина и Цоф #Торез граница #Снежное pic.twitter.com/Z3mBtLjWfa
— Хуевый Торез (@WowihaY) July 17, 2014

Timestamp 18:23, 2 minutes earlier. He says he got the photo from a witness.

Now the funny thing is that @Wowiha made a very similar calculation as I did. In the middle of the night at 1:27 he has already been tweeting about it!!!

нашли 2свид залпа.линии-направления набл-ния.Север вверху.Балка пос.Ремовка рядом хут.Берегись http://t.co/KKVTEvSMgF pic.twitter.com/EdddRkG11k
— Хуевый Торез (@WowihaY) July 17, 2014

He says that he found a second witness and so he is drawing the lines of sight on a map. He gets an approximate launch location.

[…]

I asked him [WowihaY] if he had the original photo with the EXIF info. He does. It has already been released to the Ukrainian Security Service. It can not be made public (now) because it will reveal who the author is and we don’t want to get this person killed.
So I asked him the next question:

[…]

16:25[:48] local time is 13:25 UTC, since in Ukraine the time is 3 hours ahead of UTC.

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/exif-data-in-mh17-missile-launch-photo.html

Wenn ein unbekannter „WowihaY“ die genaue Aufnahmezeit des Wölkchenfotos vom 17.7.2014 benennt, dann muß sie natürlich stimmen. Und daß seine Kalkulationen, wo denn der Abschußort gelegen sein mag, mit denen des ukrainischen Geheimdienstes übereinstimmen – ein paar Kilometer südlich von Snischne, wie es auch „Peter/Petros“ ergoogelt hatte ­­– macht ihn natürlich besonders glaubwürdig.

Wowi Abschußort Tweethttps://twitter.com/WowihaY/status/489914266439671808/photo/1

Da hatte er bereits das Video, das die Buk auf einer Straße, südlich aus Snischne herausfahrend, zeigen soll, „zutreffend“ lokalisiert. Wer dieses Video wiederum lanciert hat, wann es gefertigt wurde – niemand weiß es. Nach dem ersten Posting wurde es gelöscht, und die Bloggergemeinde arbeitet mit Kopien, die interessierte Kreise weitergeleitet haben. Noch erstaunlicher ist es, daß der SBU bei seiner phantasievollen Pressekonferenz vom 19.7. 2014 (dagegen sind sein Chef, Innenminister Awakow, mit seiner einsamen Buk-Startrampe auf dem Rückweg nach Rußland um 4:50 Uhr, und dessen Berater Geraschtschenko mit seinen zwei „russischen“ Buks am Tattag ja Waisenknaben) mit dem genauen Abschußort nicht herausrücken wollte – das geschah erst später:

Ukraine’s Security Service Counterintelligence Chief presents photo evidence of Russia’s direct involvement in the downing of Malaysian Flight MH17 that resulted in the deaths of 298 passengers

Kyiv, 19 July 2014

– Three Russian “BUK-M1” surface-to-air missile systems were located on Ukrainian territory controlled by terrorists at the time when Malaysia Airlines Boeing-777 was shot down. One of the systems, operated by a crew of 3 Russian citizens, fired the missile that hit MH17 airliner from a location near the town of Snizhne in Donetsk region.

The Head of Ukraine’s Security Service (SBU), Counterintelligence Department, Vitaliy Nayda, told journalists that they have uncovered evidence of this during the course of their investigation, at a briefing in the Ukraine Crisis Media Center.

According to Mr. Nayda, Ukraine’s Security Service has photo materials proving that two “BUK-M1” missile systems crossed the border from Ukraine into Russia at 2:00 AM on 18 July 2014, the day after the act of terrorism took place  One of them had a full set of 4 missiles, the other – 3 missiles. At 4:00 AM, 4 transport vehicles crossed the border from Ukraine into Russia, one of them was carrying “BUK-M1” command vehicle.

[…]

Mr. Nayda also said that the SBU has evidence that a missile was launched at 16:20 on 17 July 2014, from an area near Torez, not far from Snizhne, and that was the missile that shot down the passenger plane. The exact launch spot is not being revealed at the moment while the investigation is ongoing.

[…]

http://uacrisis.org/v-sbu-eh-dokazi-bezposeredno%D1%97-priche/

Die Beweisfotos der zwei Grenzübertritte von insgesamt drei Buk-Systemen sind natürlich niemals aufgetaucht.

Merkwürdig ist jedenfalls das Auseinanderklaffen der Uhrzeiten: bei ukraine@war wird der Tweet von „WowihaY“ auf 1.27 Uhr in der Nacht zum 18.7.2014 datiert, auf Twitter wird der 17.7.2014, 16:27 Uhr genannt (was auf jeden Fall falsch ist).

Wieso sind eigentlich seit November 2014 von beiden Seiten verstärkt propagandistische Aktivitäten zu verzeichnen?

Der Westen hat keinen Aufwand gescheut, seine Narration vom MH 17- Abschuß durch eine Buk in Russsen/Rebellenhand durchzusetzen in der Zeit des bewußten Schweigens durch das Dutch Safety Board, das die übermittelten russischen Primärradar-Daten aus Rostow am Don schlicht nicht ausgewertet hatte. Das wiederum animierte die russische Seite, ihre These eines ukrainischen Kampfjet-Einsatzes nachdrücklich (in einem Fall auch desaströs daneben) deutlich zu machen. Darüberhinaus mußte das Informations-Vakuum nach Durchsetzung einer Vereinbarung der strafrechtlich ermittelnden Staaten, lediglich einvernehmliche gemeinsame Presseerklärungen herauszugeben, gefüllt werden. Da die beschuldigte Ukraine mitermittelt, und zwar durch ihren wahrheitsunfähigen Geheimdienst, kann sie gemäß der nondisclosure-Vereinbarung des Joint Investigation Teams jegliche Information über den Fortgang der Ermittlungen verhindern, soweit ihr das Ergebnis nicht paßt.

http://www.rtlnieuws.nl/nieuws/australische-documenten-over-geheimhoudingsovereenkomst-mh17

Selbst die Übereinkunft über die Generierung von Pressemitteilungen ist wegen staatlicher Interessen geheim und wird nicht veröffentlicht. Immerhin ist es Rußland gelungen, Anfang Dezember 2014 auch Malaysia gleichberechtigt in das Ermittlungs-Team hineinzudrücken. Man kann es nicht fassen: Malaysia als der meistbetroffene Staat dieses Abschusses wurde von den ermittelnden NATO-(Freund)Staaten einschließlich des ermittelnden Beschuldigten-Staates nicht als gleichberechtigt zugelassen. Und das, obwohl sich Malaysia über die Kiew-Verbote einer Näherung an den Absturzort hinweggesetzt, direkt mit den Repräsentanten der „Donezker Volksrepublik“ verhandelt und daher die Black Boxes erhalten hatte. Oder sollte man sagen: weil Malaysia das getan hatte?

Malaysia jedenfalls hofft weiter auf russischen Rückhalt:

http://www.rnews.co.za/article/2414/malaysia-hopes-for-russia-s-further-help-in-mh17-crash-probe

Das ersichtlich vom Westen gewünschte Verschweigen valider Informationen wird entsprechend anderweitig kompensiert. So müßten die Ergebnisse der chemischen Untersuchungen an den den Leichen und Gepäckstücken entnommenen Metallstücken längst vorliegen. Hätten diese Untersuchungen ein eindeutiges Ergebnis, wäre jeglichen Spekulationen ein Ende gesetzt. Falls es ausschließlich Splitter aus dem Gefechtskopf einer Buk-Rakete gewesen wären, hätte sich auch die Ukraine gegen eine Veröffentlichung nicht gewehrt, auch wenn dann noch die Frage anstünde, ob es eine von ukrainischen Kräften bediente Buk oder ob es eine „russische“ Buk gewesen war. Aus russischer Produktion sind beide. Logischerweise läßt dieser Befund darauf schließen, daß die Ergebnisse tatsächlich nicht eindeutig waren. Es gibt Thesen, wonach sowohl ein Kampfflugzeug als auch eine Buk-Rakete am Abschuß beteiligt waren. Es gibt nicht belastbare Hinweise (CyberBerkut), daß Buk-M1 Schrapnelle gefunden wurden, die in Rußland keine Verwendung mehr finden, weil dieses System dort längst ausgemustert und die älteste dort verwandte Version die Buk-M1-2 sei, die andere Eigenschaften aufweise.

Die journalistischen Bemühungen des Westens führten immerhin zur Kenntlichmachung des Status‘ von „WowihaY“.

So lancierte RTL Nieuws (NL) am 22.12 2014 die „Sensation“ eines weiteren Wölkchen-Fotos desselben Fotographen, das zu dessen Schutz allerdings nicht veröffentlicht wurde:

http://www.rtlnieuws.nl/nieuws/binnenland/hoe-onderzocht-rtl-nieuws-de-nieuwe-mh17-fotos

Dajey Petros dagegen verlor die am 25.7.2014 noch vorhandene entsprechende Hemmung: daß in der „Donezker Volksrepublik“ jeder gekillt wird, der Beweise gegen die Milizen vorlegt, ist ja nicht nur sein Credo. RTL, die Macher von Bellingcat und Correct!v glauben das auch.

Am 22.12.2014 präsentierte „Petros“ nichtsdestotrotz das erste, angemessen graugefärbte, Foto mit dem “Kondensstreifen” und der ersehnten Wolkenuntergrenze oben – zugleich in einer noch dunkleren Version, damit man den “Wölkchen-Streifen” überhaupt sehen kann.

Tweet Martin Wölkchen 22.12.2014https://twitter.com/DajeyPetros/status/547140124874899456

Könnten die durchhängenden Kabel den genauen Wohnort des Fotographen in Tores verraten? Egal, „Petros“ ist at war und veröffentlicht am 23.12.2014 auch noch einen Blogbeitrag zu diesem Foto:

Russian Propaganda Trolls have long argued that this photo was fake, because there were clouds above the area and those were not visible in the first photo.
This second photo clearly shows how there are indeed clouds above the area, which is compatible with the weather conditions at that time and day. The first photo had zoomed in on the horizon where only haze was apparent.

http://ukraineatwar.blogspot.de/search?updated-min=2014-01-01T00:00:00-08:00&updated-max=2015-01-01T00:00:00-08:00&max-results=50

Genau. Es den “russian trolls” zu zeigen, ist sicherlich ein Menschenleben wert.

Ich als Amateurfotographin frage mich eher, wie es dem Fotographen möglich war, das Zoom-Foto meines Titelbildes zu machen, ohne die Kabelstränge mit aufs Foto zu bekommen…

RTL-Nieuws hat sogar eine Studie anfertigen lassen. Untersucht wurde allerdings nur das bereits bekannte Zoom-Foto:

http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf

Diese Studie besagt leider nichts. Im Gegenteil begründet sie den Verdacht, daß das „Wölkchenfoto“, das sowohl der Berater des ukrainischen Innenminister Awakow, Geraschtschenko, als auch „WowihaY“ posteten, älteren Datums sein könnte. Hier wird eine große charakteristische Baumgruppe T 4 in dem untersuchten „Titelfoto“ festgestellt.

RTL-Studie T4 S. 12http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf#page=12

Und hier wird ein Digital Globe-Foto von 2014, das die fotographierte Gegend zeigen soll, eingestellt. Ohne die Baumgruppe T 4:

RTL-Studie T4 2, S. 11http://www.rtlnieuws.nl/sites/default/files/content/documents/2014/12/22/Rapport_Rookpluim_analyse_v1.0.pdf#page=11

Nun kann die Baumgruppe auch erst nach dem 17.7.2014 entfernt worden und das Digital Globe-Foto nach dem 17.7.2014 entstanden sein. Mir ist aus einem Forum jedenfalls bekannt, daß auch die Masten bereits am 17.7.2014 dort teilweise nicht mehr gestanden hätten (das Posting habe ich leider nicht gesichert und finde es jetzt nicht wieder). Problematisiert wird das Fehlen der Baumgruppe T 4 in dieser Studie jedenfalls nicht.

Überdies werden konkrete Lokalisierungen vermieden. Man kann lediglich nachvollziehen, daß die Abschußstelle südöstlich vom Standort des Fotographen vermutet wird, also entsprechend der Vorgaben des SBU, wonach die „Täter“-Buk ein paar Kilometer südlich von Snischne bei Pervomais’kyi verortet wird.

Landkarte Snischne - Krasnodon - Luganskhttps://www.google.de/maps/place/Tores,+Oblast+Donezk,+Ukraine/@48.0730654,38.596743,10z/data=!4m2!3m1!1s0x40e0510df0e54653:0x95eb26e70828bdff

Im übrigen wird in dieser Studie in der vermuteten Abschußgegend nach Brandspuren gesucht und sie werden auch gefunden, wobei deren Ursache allerdings ebenfalls nur vermutet werden kann. Belegen die Wölkchen überhaupt einen Buk-Abschuß? Nichts Genaues weiß man nicht.

Wer „WowihaY“ ist und welche Nähe er zum ukrainischen Geheimdienst pflegt, hat das RTL/NL-Interview mit dem angeblichen Fotographen des Wölkchenfotos jedenfalls herausgearbeitet; auch der Fotograph ist anti-separatistisch eingestellt und erklärt sogleich, wieso er der einzige ist, der dieses Wölkchen Foto gemacht hat: alle anderen hätten nämlich Angst vor den bösen Separatisten gehabt. Wie das? Erklären kann er das nicht. Wenn er doch nur spontan auf einen leiseren und dann auf einen lauteren Knall reagiert haben will, deren Grund und Zweck ihm unbekannt waren? Deren Reihenfolge eher unplausibel ist, weil der erste Knall (Abschuß) lauter gewesen sein muß als eine Explosion eines Buk-Gefechtskopfes in 10 km-Höhe und ca. 20 km Abstand. Oder war der zweite Knall eine Folge des Durchbruchs der Schallmauer? Leider sagt er auch nichts über das Entstehen des dritten Fotos, das Rauchwolken am Absturzort zeigt.

„Ukraine@war“ war so liebenswürdig, eine englische Übersetzung dieses Interviews bereitzustellen; ich zitiere hier nur den Auszug, der sich auf den Freund „WowihaY“ und den Einfluß des SBU beschränkt, empfehle aber die komplette Lektüre:

Do you still have the camera with which you took the photos?
„I contacted a friend of mine and gave him the photos, including the originals. That friend contacted the SBU and they were interested in the photos. He handed them over to the SBU. After that I had to explain the details of the photo to them and hand the camera over to them.“

Did they compensate you for this? 
„To replace it? Of course. They paid the value of the camera back to me.“

Did you make private copies?
„Sure. But I had to give them the flash-cards too.“

And after that you went to Kiev?
„Yes, in the beginning I directly spoke to with the SBU. After that representatives of the international investigation committee contacted me via the SBU. That was beginning of August, when I also handed them the camera. THe SBU didn’t need it themselves and gave it to the Dutch researches. They had asked for the camera.“

Did the researchers talk to you?
„Yes, I talked extensively with the researchers of the international committee. Those were two researchers: one from the Netherlands and one from Australia. We talked about three hours and it was recorded with a video camera.“

http://ukraineatwar.blogspot.com.tr/2014/12/interview-with-eyewitness-who-made.html

Daraus ergibt sich, daß Freund „WowihaY“ so nett war, die Fotos umgehend dem SBU zu übermitteln. Aber auch das ist vermutlich nur eine Legende. Die Zusammenarbeit zwischen angeblich journalistisch tätigen privaten Bloggern (die ersichtlich auf Regierungslinie sind) und den Geheimdiensten läuft auch umgekehrt. Blogger verbreiten in social media auch Material, das ihnen Geheimdienste zur Verfügung stellen. Im Fall des „Wölkchen“-Fotos liegt das nahe. Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, daß ein nach Nordwesten gerichteter Buk-Abschuß im von Tores aus östlich gelegenen Snischne entsprechende Fotos mit Kondensstreifen von rechts unten nach links oben in einem 45-Gradwinkel hätten erzeugen müssen. Die in einem 90-Gradwinkel zur Erdoberfläche aufsteigenden Wölkchen sind als Beweis für einen Buk-Abschuß indiskutabel.

Die mangelnde Kritik der angeblich unabhängigen Blogger wie Eliott Higgins, Ukraine@war (Martin/Petros) und seit dem 8.1.2015 von dem journalistischen Investigativ-Team Correct!v an Internet-Erzeugnissen stimmt einen bedenklich. Allerdings passen deren Findungen noch nicht einmal zueinander. Und nach dem Auftreten von Correct!v, das seine Zukunft als Recherche-Plattform schon dadurch verspielt hat, daß es sich mit dem SPIEGEL verbündete, der von vorneherein „Putin war’s“ ausgerufen hat, sieht es sehr schlecht für diese Branche aus, der man womöglich zu Unrecht eine Alternative zugetraut hatte.

Die USA haben den mit dem SBU abgestimmten Abschußort „Snischne“ dank der Verwendung von unscharfem Satelliten-Material nach dem Pressebriefing durch Geheimdienst-Mitarbeiter am 22.7.2014 im Vagen gelassen, wenn auch eher ein Abschuß südlich von Snischne angedeutet wird (aber das ist bereits eine Frage der subjektiven Interpretation, die jeder für sich anders beantworten wird):

FB US-Botschafthttps://www.facebook.com/photo.php?fbid=10152288664556936&set=a.431664811935.225869.43732151935&type=1&theater

Völlig unbelegt ist jedenfalls diese Aussage von Correct!v (Bensmann/Crawford):

Der Abschussort

Schon kurz nach dem Abschuss des Fluges MH17 benannte das US State Department einen Ort nördlich von Snizhne als Tatort. Von dort aus sei eine Rakete auf das zivile Flugzeug abgeschossen worden. Auf der Facebookseite der US-Botschaft findet sich immer noch ein verschwommenes Satelitenphoto, das die Behauptung bestätigen soll.

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Die USA haben niemals einen konkreten Abschußort genannt, sondern immer nur von „rebel hold territory“ gesprochen. Dieses nach dem Geheimdienstbriefing von ausgesuchten Medienvertretern am 22.7.2014 getwitterte „Beweisbild“ stellt die einzige konkrete „Lokalisation“ durch die USA dar.

https://twitter.com/barbarastarrcnn/status/491559153559932928

Pervomais’kyi als Abschußort südlich von Snischne spielt in einem vom ukrainischen Geheimdienst am 7.8.2014 verbreiteten Szenario allerdings eine entscheidende Rolle.

Danach haben die blöden Russen den mehrfach in der Ostukraine vorkommenden Ort Pervomais‘kyi schlicht verwechselt. Statt den beabsichtigten Ort Pervomais‘kyi zum geplanten Abschuß der russischen Zivilmaschine AFL-2074 Moskau-Larnaka im Rahmen einer false flag operation westlich von Donezk anzusteuern, hätten die Russen demnach wegen Ortsunkenntnis des Kommandeurs den falschen Ort Pervomais‘kyi südlich von Snischne erwischt, und MH 17 nur aus Versehen abgeschossen.

http://www.ssu.gov.ua/sbu/control/en/publish/article?art_id=129860&cat_id=35317

Entsprechend die Pressekonferenz des SBU vom 8.8.2014:

http://uacrisis.org/ukrainian-intelligence-agency/

Ziel des geplanten Abschusses einer zivilen russischen Maschine mit Absturzort in einem von Kiew kontrollierten Gebiet sei es gewesen, diesen der Ukraine in die Schuhe zu schieben und Rußland zum Eingreifen zu zwingen. Die Aufständischen im Donbass beklagten nämlich mangelnde Hilfe aus Moskau.

Dieses Szenario wurde zurecht in der westlichen Welt nicht aufgegriffen, denn es entlarvte den ukrainischen Geheimdienst als dumm-dreist, schließlich waren nach eigenen Angaben des SBU in seinen am 18.7.2014 veröffentlichten „Telefonmitschnitten“ ortskundige Rebellen als Entscheider über den Verwendungszweck der Buk tätig. Dennoch wurde in den Medien der behauptete Abschußort südlich von Snischne allgemein akzeptiert.

Nur der wackere Investigativ-Reporter Marcus Bensmann von Correct!v kündigte die Gefolgschaft auf und verortete den Abschußort der westlicherseits mehrheitsfähigen Buk plötzlich im Norden von Snischne. Ich tippe mal, daß er im Süden nicht so einen putzig-„überzeugenden“ Zeugen wie im Norden gefunden hat.  Allerdings hätten seine ebenfalls nichts hörenden Zeugen im nahegelegenen Zaroshchens‘ke, nach russischen Angaben Stellung einer ukrainischen Buk-Abschußrampe, etwas hören müssen, auch wenn von Pervomais’kyi aus geschossen worden wäre. Das war aber nicht der Fall:

Die Einwohner von Zaroshchens‘ke sind sich sicher: Hier waren keine ukrainischen BUKs.

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Es sind ja schon einige Reporter-Kollegen bei dem Versuch gescheitert, südlich von Snischne Abschußort und –zeugen aufzutreiben. Zur Transparenz hätte es gehört, mitzuteilen, ob und mit welchem Ergebnis durch Bensmann südlich von Snischne gefahndet worden ist.

Man schaue sich das ganze Elend der Begründung selber an:

https://mh17.correctiv.org/

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Hier gibt es fundierte Kritik an Correct!v, insbesondere an seinem anonymen Militärberater, der allen Grund hat, anonym zu bleiben:

https://www.freitag.de/autoren/gunnar-jeschke/correct-v-korrigiert

Ich selbst bringe kein Verständnis für einen Journalismus auf, der sich auf die Bestätigung von Aufnahmeorten als Verifizierung beschränkt. Was trägt die Stimmigkeit des Ortes bei social media-Produkten zur Frage einer Photoshop-Tätigkeit oder zu der nach dem Entstehungszeitpunkt einer Aufnahme bei?

Zu dem laut Innenminister Awakow um 4:50 Uhr nach Rußland zurückkehrenden Buk-Fahrzeug im Grenzport Krasnodon, dessen wahrer Aufnahmeort längst anderswo verortet ist – und zwar im Westen von Lugansk, im ATO-Gebiet Kiews:

HRI Lugansk Bukhttp://humanrightsinvestigations.org/2014/08/05/mh17-the-lugansk-buk-video/

wo am 14.7.2014 westlich von Lugansk mit Stoßrichtung Süden ein Angriff des ukrainischen Militärs stattgefunden hatte:

http://www.directupload.net/file/d/3868/ogtnqfhl_jpg.htm

teilt Correct!v lapidar mit:

Der rauchende Colt aus Luhansk

[…]

Tatsächlich wurde das Video mit der fehlenden Rakete in Luhansk aufgenommen, am Ende der Landstraße N21 – zwischen Snizhne und der russischen Grenze. CORRECT!V-Reporter waren im November hier an der Straßenkreuzung in Luhansk, und können bestätigen: Das Foto ist authentisch. Selbst das Plakat des Autohändlers „Bogdan“ klebt, wenn auch eingerissen, noch an der Werbetafel.

https://mh17.correctiv.org/

Das nichtssagende Foto zu diesem Text wurde in diesem Thread veröffentlicht:

https://mh17.correctiv.org/wegbuk_german/

Kartenmaterial? Eine genaue Lokalisierung? Fehlanzeige.

Nicht einmal das ist wahr: daß die N 21 [in kyrillischer Schrift: H 21] in Lugansk endet.

Lugansk, N 21, Google MapQuelle: Google Map

Aber was soll man schon von einem Journalisten erwarten, der sich derartig platt äußert?:

Bensmann: Russland bemüht sich, eine zweite Theorie aufzubauen. Die dortige Propagandamaschine bringt immer wieder Zeugen und Behauptungen vor, MH17 hätte auch aus der Luft hätte abgeschossen werden können. Gleichzeitig sagt Russland, dass es die BUK gab, die Abschussrampe. Wenn also vom Boden geschossen wurde, dann wurde eine BUK-Rakete abgefeuert. Da sind sich alle einig.

[…]

Bensmann: Man muss sagen, dass das Internetportal Bellingcat hervorragende Vorarbeit geleistet hat. Bellingcat hat Bilder geordnet, die in sozialen Netzwerken in Russland kursierten. Darauf haben wir uns in unserer Arbeit auch gerne gestützt.

[…]

Bensmann: Das darf man aber nicht missverstehen. Natürlich ist auch Onlinerecherche wichtig. Die Arbeit von Bellingcat wurde auch deswegen von anderen Journalisten – auch von uns – übernommen. Aber wir haben auch gesagt: die Onlinearbeit alleine reicht nicht. Wir müssen vor Ort suchen. Wir sehen nach, ob das, was Bellingcat beschreibt, auch wirklich stimmt. Sind die Fotos wirklich dort entstanden, wo sie entstanden sein sollen? Kommen wir zum selben Ergebnis durch den Vor-Ort-Besuch? Und finden wir vor Ort weitere Hinweise? Insofern haben wir die Arbeit von Bellingcat ergänzt.

[…]

https://mh17.correctiv.org/interviewgerman/

Da bahnen sich unheilige Allianzen an: einseitig westlich orientierte Propaganda-Blogger wie Bellingcat oder Ukraine@war filtern das Internet auf ihre eigene Art und Weise. Dies wird selbstverständlich von westlichen Medien goûtiert, weil es die eigenen Voreinstellungen auf eine alternative Art, ganz modern, bestätigt. Und nun schaltet sich auch noch ein „Investigativ“-Journalismus-Team dazwischen, das den Schulterschluß zwischen Kampagnenjournalismus à la SPIEGEL („Stoppt Putin“) und den Internet-Propaganda-Medien herstellt.

Ist denn wirklich niemandem aufgefallen, daß mit den angeblichen Sichtungen der Buk-Abschußrampe ab 13:30 Uhr, angeblich auf einer Straße südlich aus Snischne herausfahrend – und diese Sichtungen fanden in politisch Kiew-treuen Kreisen statt – schlagartig Schluß war? Daß niemand diese Buk auf der Fahrt zu ihrem möglichen Einsatzort gesehen hat? Daß niemand gesehen hat, wie sie nach 16:20 Uhr wieder zurückfuhr, irgendwo wieder auf den Tieflader geladen wurde, auf unbekannten Wegen fuhr und dann erst auf einem Video von verdeckten Ermittlern des Innenministeriums, dazu noch mit einer falschen Ortsbezeichnung, nämlich dem Grenzort Krasnodon, am 18.7.2014 um 4:50 Uhr auftauchte? Die spätere Korrektur der Ortsbezeichnung, nämlich ein westlicher Vorort von Lugansk, macht die Sache wahrhaftig nicht besser, sieht man sich die Landkarte an: wieso sollten diese Umwege gefahren werden, wenn es von Snischne aus den kurzen Weg nach Rußland über die von Rebellen beherrschten Übergänge Gukovo und Krasnodon gab? Während der Westen und der Süden von Lugansk aktuell umkämpft waren?

Hinzu kommt die obskure Quelle für das einzige Snischne-Foto, auf dem vermutlich der hintere Teil einer Buk-Abschußrampe zu sehen ist:

https://twitter.com/girkingirkin/status/489884062577094656

Der Igor Girkin, seinerzeit „Verteidigungsminister“ der „Donezker Volksrepublik“, verspottende Twitterer ist ein entschiedener Gegner der Separatisten, und in seinem einschlägigen Dunstkreis wird auch ukraine@war adressiert. Harmlos-unpolitische Ortsansässige sind es jedenfalls nie, die diese „passenden“ Bilder twittern.

Einstweilen genug der Quellenkritik an Social Media-„Beweisen“? Eigentlich ja, weil der Artikel schon viel zu lang geraten ist.

Aber nein, ein Beispiel will ich doch noch bringen, weil mit diesem Foto die Bellingcat-These, für den Abschuß sei eine russische Buk mit der Aufschrift 3_2, die in Kursk/RU stationiert sei, benutzt worden, steht und fällt. Eigentlich sollte das Foto über jeden Verdacht erhaben sein, wurde es doch von einem Team der Paris Match aufgenommen und am 25.7.2014 auch dort veröffentlicht:

Paris Match Bukhttp://www.parismatch.com/Actu/International/EXCLU-MATCH-Un-camion-vole-pour-transporter-le-systeme-lance-missiles-577289

Leider ist es für Beweisführungen ungeeignet, da nun ausgerechnet der geladene Gegenstand auf dem Tieflader so verschwommen ist, daß nicht einmal eine Fotomontage ausgeschlossen werden kann. Darüber können auch keine kunstvollen Neben- und Übereinanderlegungen, wie Bellingcat sie vornimmt, hinwegtäuschen: nur wer bereits glaubt, daß die in Rußland aufgenommene Buk 3_2 mit der hier fahrenden identisch ist, kann das auch „sehen“.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S. 18ff]

Interessanter ist der französische Artikel selbst:

 Le 25 juillet 2014 | Mise à jour le 29 juillet 2014
Alfred de Montesquiou

[…]

Les photographies de Paris Match montrent que les rebelles avaient omis d’ôter le panneau publicitaire sur le camion qu’ils avaient volé. C’est ainsi que nous avons joint le propriétaire du véhicule. Vassili a indiqué que les rebelles occupaient ses entrepôts dans la banlieue de Donetsk depuis le 8 juillet. «Ce sont des combattants de Slaviansk. Ils ont débarqué en me disant qu’ils aimaient mes locaux et qu’on devait dégager. Ils m’ont embarqué une dizaine de gros véhicules, dont le camion blanc. Je sais pas ce qu’ils sont devenus», a avoué Vassili, désemparé.

[…]

http://www.parismatch.com/Actu/International/EXCLU-MATCH-Un-camion-vole-pour-transporter-le-systeme-lance-missiles-577289

Ja, schon komisch, daß die Rebellen die Reklameschilder mit der Telefonnummer nicht entfernt haben. Immerhin widerlegt diese Episode den SBU-Unfug von den ortsunkundigen Russen, die das falsche Permovais’kyi angesteuert hättten.

Alfred de Montesquiou berichtet zu dem Foto, daß man hier einen Buk-Raketenwerfer sehe, der sich am Vormittag des 17.7.2014 in einem Vorort von Donezk auf der N 21 in Richtung Snischne bewege. Über die dort ersichtliche Telefonnummer habe man den Eigentümer Wassili der Firma Stroy-Bud Montage in Donezk erreicht. Dieser erklärte, daß Kämpfer aus Slwajansk am 8.7.2014 seine Firma besetzt, den Tieflader und und ungefähr zehn andere Fahrzeuge weggefahren hätten und daß man ihm gesagt habe, daß man sein Firmengelände schätze und daß er ausscheiden solle. So der Stand nach dem Update vom 29.7.2014.

Ähnlich hätte sich jeder Fahrzeughalter herausgeredet, dessen Auto an einer Unfallflucht beteiligt war. Seltsamerweise war der Firmenchef aber spätestens am 25.7.2014 noch oder wieder unter seiner Firmennummer erreichbar. Das paßt schlecht mit der Firmenbesetzung durch Rebellen zusammen.

In der Erstfassung des Paris Match-Artikels vom 25.7.2014 war allerdings behauptet worden, das Foto sei in Snischne aufgenommen worden. Wie kann einem „Paris Match-Team“ ein solch grober Fehler unterlaufen?

Am 28.7.2014 beschäftigte sich ukraine@war mit dem „Snischne“-Foto von Paris Match und stellte klar, daß die Aufnahme in Donezk entstanden sein muß:

Monday, July 28, 2014

Another photo of the MH17 BUK transport leads to the truck company

A French newspaper claims to have another photo of the BUK on transport:

[Paris Match Foto]

The photo had been made by a Paris Match journalist while in Snizhne, although it is strange that they publish this one week after the incident. But maybe they wanted to trace the owner down first.

Geolocating the photo is a bit tricky, because there are little clues. The article says the journalist took the photo in Snizhne in the morning, but it is more likely to be in Donetsk, because there are trolley bus lines ahead the road and these are only to be found in Donetsk and Lugansk.

Chris Postal managed to do the job by going along the route from the truck company in Donetsk to Torez:

[…]

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/another-photo-of-mh17-buk-transport.html

Da ihm das Ergebnis in den Kram paßt, stört ihn die falsche Ortsbezeichnung von Paris Match nicht weiter.

Ein Blogger von Human Rights Investigation veröffentlichte am 28.7.2014 einen Tweet von Alfred de Montesquiou:

@olposoch @ParisMatch @EmLemoine Bonjour, la photographie du camion prise par @ParisMatch est à l’entrée de Snijne, 6h avant le crash

— AlfredDeMontesquiou (@AdeMontesquiou) July 25, 2014

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/28/why-is-paris-match-on-the-location-of-a-buk/

Ein anderer diesen Tweet:

 EXCLUSIF: Crash du MH17. Un camion volé pour transporter le lance-missiles

Paris Match

Les rebelles pro-russes du Donbass ont dérobé un camion pour transporter le système lance-missile BUK photographié dans la ville de Snijne quelques heures avant le crash du vol MH17, a indiqué à Paris Match le propriétaire du véhicule.

https://plus.google.com/+IainMartin/posts/MWyx9pgG4tN

HRI stellte die Sachlage klar und hat sich an den Journalisten von Paris Match gewandt, woraufhin am 29.7.2014 die Korrektur des Aufnahmeorts durch Paris Match erfolgte.

Update 1/8/2014 As we know

1) Paris Match have said that their photographers took this vital photograph.
2) Paris Match say there was some kind of mix-up in locations accounting for them saying it was in Snizhne rather than Donetsk (75km away).
4) This is an incredible error to make in a matter of this seriousness, but these things do happen.
3) We have pointed out Paris Match’s error with regard to the SBU-provided “Krasnodon” clip – actually in Lugansk – but they still haven’t corrected it, saying this is because it was officially provided information.
4) We have asked Paris Match for a copy of the photograph to check EXIF data etc and will update everyone when we receive a response.

Update 5/8/2014
Alfred De Montesquiou has told HRI that it was coincidence that the BUK was seen by Paris Match on that morning as lots of journalists were heading out towards Snizhne that day as there was fighting in the area.

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/28/why-is-paris-match-on-the-location-of-a-buk/

Die Exif-Daten des Fotos wurden offensichtlich nicht herausgerückt, und Paris Match weigerte sich, die falsche Ortsangabe Krasnodon hinsichtlich der “zurückreisenden” Buk, die Innenminister Awakow bereits zurückgenommen hatte, zu korrigieren.

Update 30/07/2014 Despite the geolocation of the BUK video to Lugansk, and pictures at the location being taken to confirm it media, including Paris Match, have continued to insist it is in Krasnodon (ie heading into Russia). The reason for this has been explained by Paris Match journalist Alfred De Montesquiou:

@HRIMark @ParisMatch regarding Krasnodon, we have official, on record Ukranian source saying it’s the picture’s location.

— AlfredDeMontesquiou (@AdeMontesquiou) July 30, 2014

http://humanrightsinvestigations.org/2014/07/22/ukraines-krasnodon-video-actually-in-lugansk/

Auch Eliot Higgins kannte die falsche Ortsbezeichnung in dem ursprünglichen Paris Match-Artikel vom 25.7.2014:

Two More Key Sightings of the MH17 Buk Missile Launcher

July 28, 2014

By Eliot Higgins

[…]

But can we confirm the claim of the witness it was in the town of Snizhne, near the possible launch site? In fact we can’t, because it has been possible to locate it in a different town altogether, Donetsk.  The Ukraine@War blog highlighted the work of Chris Postal, who managed to find the precise location by creating a route between Donetsk and Snizhne using a route planning website, and checking the the road along the automatically created route.

[…]

Using SunCalc the shadows point to the Paris Match image being from early morning, roughly around 9am.  In my next post, I’ll take a look at all the evidence that has been gathered so far, and how it all fits together.

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/07/28/two-more-key-sightings-of-the-mh17-buk-missile-launcher/

Nach Mitteilung von de Montesquiou soll das Foto aber gegen 10:20 Uhr (sechs Stunden vor dem Abschuß) aufgenommen worden sein. Schon wieder ein Widerspruch.

Angesichts dieser Vorgeschichte und der ersichtlichen Einstellung von Paris Match, die an der Falschinformation des Innenministers Awakow, Krasnodon sei der Aufnahmeort der nach Rußland ausreisenden Buk, auch dann noch festhielt, nachdem Awakow am 22.7.2014 davon Abstand genommen hatte, sollte das Foto als seriöse Grundlage weiterer Schlußfolgerungen ausscheiden.

Bellingcat sieht das anders: im zusammenfassenden Report vom 8.11.2014 wird die fragwürdige Vorgeschichte das Paris Match-Fotos schlicht verschwiegen:

Eine Anfrage bei der Redaktion3 von Paris Match ergab, dass die Fotografie “morgens gegen 11:00 Uhr des 17.Juli“ gemacht wurde.

Die Schatten des Fahrzeugs auf dem Foto stimmen mit dieser Tageszeit überein.

Paris Match bestätigte auch, dass dies die qualitativ beste Version des Bildes ist, die zur Verfügung steht.

https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

[S.4f.]

So schmerzlos nimmt Bellingcat von dem famosen Schattenkalkulationsprogramm „SunCalc“ Abschied, das zum Ergebnis 9 Uhr gekommen war… Und es wird auch nicht die sich aufdrängende Frage gestellt, ob Paris Match möglicherweise vom korrumpierten ukrainischen Bodenpersonal geleimt wurde. Angesichts der ungenauen Zeitangaben von Paris Match kann man fast sicher sein, daß man dort über die Exif-Daten des Fotos nicht verfügt und sich auf den freien Mitarbeiter vor Ort verlassen hat.

Die Polit- und Medien-Inkompetenz der Internet-Detektive paart sich also mit dem Politikgestaltungswillen der Leitmedien, die idealerweise kritisch berichten sollten. Was sie schon seit längerer Zeit nicht mehr tun. Schlimmer hätte es kaum kommen können.

Am 17.1.2015 hängt sich Bellingcat an Correct!v und SPIEGEL an, von denen sich diese Plattform endlich angemessen gewürdigt sieht; Bellingcat nimmt ein zweites Foto von Paris Match, abgedruckt im SPIEGEL (Print 3/2015) vom 10.1.2014, S. 61, in den wunscherfüllenden Blick:

Paris Match Buk 2https://wp4553-flywheel.netdna-ssl.com/wp-content/uploads/2015/01/PM2-BUK-Snijne17072014.jpeg

Paris Match hatte recht: sie haben das gelungenere Foto abgedruckt, während das zweite noch verschwommener ist und noch viel mehr an eine Fotomontage gemahnt: die kastenförmige schräg abfallende Rückfront, die auf dem eingangs gezeigten Tores-Foto ganz anders aussieht, läßt sich mit den Umrissen eine Buk- M1 zwanglos nicht vereinbaren.

Buk Skizzehttp://www.financetwitter.com/2014/07/here-is-how-russian-made-buk-missile-systems-shot-down-flight-mh17-in-nine-point-eight-six-seconds.html

Die noch schlechtere und vor allen Dingen fragwürdige Bildqualität hält Higgins nicht ab, sein Identifizierungskunststückchen, jetzt sogar als Videosequenz, zu wiederholen:

New Images of the MH17 Buk Missile Launcher in Ukraine and Russia

January 17, 2015

By Eliot Higgins

Following the Bellingcat report Origin of the Separatists’ Buk, which showed that the Buk missile launcher linked to the downing of MH17 was filmed inside Russia a few weeks earlier, the Bellingcat investigation team has continued to search for additional information, and has recently discovered two more images of the Buk missile launcher linked to the downing of MH17.

The first image is one that appeared recently in the print edition of Der Spiegel, which was part of their joint investigation with Correct!v into the downing of MH17, which included visiting the same sites Bellingcat identified as being part of the route the MH17 linked Buk missile launcher travelled along on July 17th. This image shows the Buk missile launcher travelling through separatist controlled Donetsk on the morning of July 17th:

[…]

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/17/new-images-of-the-mh17-buk-missile-launcher-in-ukraine-and-russia/

Das zweite Paris Match-Foto wird bearbeitet, gedreht und gestaucht, und dann kann das Spiel mit dem Überblenden eines russischen Fotos erneut beginnen. Das ist nicht überzeugend. Aber schön, daß der ohnehin schon überzeugte Reporter Udo Lielischkies vom WDR applaudiert. Der die Premiere auslöste, daß sich Moderator Thomas Roth in den Tagesthemen für eine von Lielischkies zu verantwortende antirussische Falschmeldung entschuldigen mußte.

Udo Lielischkies @ULielischkies  ·  3 Std. Vor 3 Stunden

#MH17: Mehr Indizien für ein russ. BUK-System! https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/17/new-images-of-the-mh17-buk-missile-launcher-in-ukraine-and-russia/ … https://www.youtube.com/watch?v=wVl_wY7glSk … #MH17

https://twitter.com/ULielischkies/status/556566418108735489

Daß weder dem WDR noch der ARD seine parteiische Twitterei peinlich ist, ist bezeichnend. Lielischkies scheint der bevorstehenden Kiew-Militär-Aktion gegen den Osten des Landes ja geradezu entgegenzufiebern, während unsere Regierung trotz der Mobilisierungswellen noch so tut, als glaube sie an einen Friedenswillen Kiews. Und wen er retweetet, von Euromaidan über Conflict Report, Bellingcat und Aric Toller, spricht ebenfalls für sich. Dieser entsprechend bebilderte Theiner-Tweet, den er am 17.1.2015 retweetete, drückt womöglich aus, worauf er hofft:

Thomas C. Theiner@noclador

#Ukraine army preparing to enter #Donetsk in force. If executed swiftly & ruthless then Donetsk will fall in hours.

https://twitter.com/noclador/status/556577930252681217

Ich mache natürlich weiter.

(Fortsetzung folgt)

Und zwar hier:

https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/05/24/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-4/

Und zwar hier

1.591 Gedanken zu „Ukraine: Informationskrieg um MH 17 (3)

  1. Zum Abschied noch eine gute Nachricht, mit der wir Bellingcat, Guardian und tutti quanti so richtig ärgern können:

    http://www.forbes.com/sites/kenrapoza/2015/03/20/one-year-after-russia-annexed-crimea-locals-prefer-moscow-to-kiev/

    „Little has changed over the last 12 months. Despite huge efforts on the part of Kiev, Brussels, Washington and the Organization for Security and Cooperation in Europe, the bulk of humanity living on the Black Sea peninsula believe the referendum to secede from Ukraine was legit. At some point, the West will have to recognize Crimea’s right to self rule. Unless we are all to believe that the locals polled by Gallup and GfK were done so with FSB bogey men standing by with guns in their hands.

    In June 2014, a Gallup poll with the Broadcasting Board of Governors asked Crimeans if the results in the March 16, 2014 referendum to secede reflected the views of the people. A total of 82.8% of Crimeans said yes. When broken down by ethnicity, 93.6% of ethnic Russians said they believed the vote to secede was legitimate, while 68.4% of Ukrainians felt so. Moreover, when asked if joining Russia will ultimately make life better for them and their family, 73.9% said yes while 5.5% said no.“
    …….
    „In February 2015, a poll by German polling firm GfK revealed that attitudes have not changed. When asked “Do you endorse Russia’s annexation of Crimea?”, a total of 82% of the respondents answered “yes, definitely,” and another 11% answered “yes, for the most part.” Only 2% said they didn’t know, and another 2% said no. Three percent did not specify their position.

    With two studies out of the way, both Western-based, it seems without question that the vast majority of Crimeans do not feel they were duped into voting for annexation, and that life with Russia will be better for them and their families than life with Ukraine. A year ago this week, 83% of Crimeans went to the polling stations and almost 97% expressed support for reunification with their former Soviet parent. The majority of people living on the peninsula are ethnic Russians.“
    …….
    „This week, the State Department’s press secretary Jen Psaki said sanctions on Russia will continue until Crimea is returned to Ukraine.“

    „Freedom and Democracy“ á la USA.

    • Da können die bis in alle Ewigkeit drauf warten.
      Vermutlich ich ebenso mit meiner Hoffnung, doch irgendwann mal eine Umfrage zu sehen, die sinngemäß fragt, ob man in der vermeintlichen „Annexion“ der Krim einen Völkerrechtsbruch sehe…

  2. Es gibt einen neuen Blogbeitrag zu Bellingcat:

    https://gabrielewolff.wordpress.com/2015/03/28/ukraine-intermezzo-wie-bellingcat-arbeitet-2/

    Ich schlage vor, daß die Diskussionen zur Ukraine sich dorthin verlagern, denn hier wird es langsam unübersichtlich, 😉

    Beim dem ersten Bellingcat-Beitrag bezogen sich die Rückmeldungen zumeist auf das engere Thema -: ich meine, daß es jetzt genug Argumente dafür gibt, daß man jetzt umziehen sollte…

  3. Offenbar soll der Rechte Sektor jetzt eingebunden werden – man fürchtet sich in Kiew vor diesen unberechenbaren, von niemanden kontrollierten rechten Banden (die selber behaupten, auch nicht von Oligarchen finanziert zu werden):

    3/26/2015
    Poroshenko offers Yarosh a Ministry of Defense job
    Translated from Ukrainian by J.Hawk

    President of Ukraine Poroshenko offered Right Sector leader a position at the Ministry of Defense. This was announced on the [Poroshenko-owned] TV Channel 5 by Anton Gerashchenko, a Poroshenko advisor.

    “I can confirm that Dmitriy Yarosh received a proposal from the president to take up a position at the Ministry of Defense. I would be very pleased if Yarosh were to start working as part of the state administration. I’ll say more: I can see that he is very bored at the Rada. Plus he was wounded in battle. I would be most pleased to create, together with Yarosh, a Volunteer Union for the Defense of Ukraine based on the Estonian, Finnish, and Swiss systems,” Gerashchenko added.
    […]

    http://fortruss.blogspot.de/2015/03/normal-0-false-false-false-en-us-x-none_26.html

    Ist Geraschtschenko jetzt vom Innenminister- zum Präsidentenberater aufgestiegen?

    Seit dem Clash zwischen Poroschenko und Kolomoiskij steigt die Fieberkurve. Sieht man sich das Video mit Kolomoiskij nach den Ereignissen von Donnerstag, dem 19.3. (UkrTransnafta-Gebäude) an, und reduziert es nicht nur auf die Kraftworte, dann behauptet Kolomoiskij einen völlig anderen Ablauf als denjenigen, wie er sich in der öffentlichen Meinung durchgesetzt hat. Danach hätten nämlich nicht seine Leute die Firma besetzt, sondern von Poroschenkos Mannschaft geschickte Schlägertypen, die die Umsetzung der Auswechslung des am 19.3.2015 beschlossenen Chefwechels erzwingen wollten. Kolomoiskij hielt weder die Personalie noch deren Umsetzung durch einen Ex-SBU-Mann aus Lugansk namens Savchenko für legitim – und macht hierfür Poroschenko verantwortlich.

    Danach erst, am Sonntag, den 23.3.2015, fand die Besetzung der Zentrale des Mutterkonzerns UkrNafta durch Kolomoiskijs Männer statt.

    Then on Sunday, fighters of the Dnepr-1 battalion funded by Kolomoysky took control of Ukrnafta’s central Kiev offices.

    http://rt.com/news/243785-poroshenko-fires-kolomoysky-ukraine/

    Kolomoisky speaks to journalist of „Radio Liberty“

    Auszüge aus dem transscript:

    K:And why don’t you ask how there was a hostile takeover in UkrTransNafta (i.e., the Ukrainian Oil Transport Company)? And how the Russian saboteurs came here? Huh? Why don’t you ask me this?
    […]
    We have been liberating the building of UkrTransNafta from the Russian saboteurs. Who captured it.
    […]
    [1:08]
    Female Correspondent 1: So you checked the documents now, and what did you learn?
    K: From the documents we learned that there was no task for a vote from the cabinet of ministers.There was no task for a vote from the NAK Neftegaz (the oil and gas state company). There are no documents whatsoever. Under the disguise of ahh….m this things, whatever it’s called…
    Police or whatever there was some sort of weird private security organization.
    They broke in, they broke the windows, they injured the people, they broke somebody’s arm. That’s it. Now all of them are gone.
    So, a typical attempt of some pitiful hostile takeover of a state enterprise.
    And as for what I’m doing here, I’ll tell you later in the Prosecutor General’s office.
    […]
    K: I’m taking these scribbles and pieces of paper and going with them to the President.
    And with his ’security organization‘ that allegedly broke in here.
    Because everyone’s quoting this. Demchishyn [ukrainischer Energieminister Vladimir Demchishyn aus dem Poroschenko-Block] came in and says „I have an order from above.“ And I say „above from who?“. I say „who let you raiders capture a state firm in violation of the procedure?“
    The prime minister left for Brussels? Kobolev left? Nobody’s home.
    So you decided to go in, good & slow, decided to take over the organization?
    You haven’t looted every enterprise yet so you decided to plunder this one?
    [2:58]
    K (to MC1): So why are you silent?
    MC2 (nervously): Who did you see inside?
    K: Who did I see? Nobody. When I came in there was nobody there anymore.
    Later came Demchishyn, Savchenko came, this new lardass, former SBU.
    So I ask him, where did you work before?
    He says „In the SBU of the Lugansk region.“
    I say „So you were a smuggler? Go liberate the Lugansk region.“
    Why the fuck did you come here, to TransNafta?
    Everything’s OK here. And he is from the SBU of the Lugansk region.
    He doesn’t want to liberate Crimea. He doesn’t want to liberate the Lugansk region.
    He came to make a living here. This ‚Miroshnyk‘ [der frisch ernannte Chef von UkrTransNafta, Yuri Miroshnyk, Partei unbekannt] dude.
    [3:40]
    He appointed himself. He appointed himself, see: „I appoint myself… temporarily start to perform the duty of…“
    Did you see that?
    Look at this.
    Male Correspondent 3: And who do you think is behind this?
    K: Well, I don’t know. They told me it is Kononenko. The leader… one of the leaders of the fraction „Block of Petro Poroshenko“ in the Rada.
    So now I’m going to the president’s administration and we’ll be figuring out what these papers are. Who is behind this.
    http://cassad-eng.livejournal.com/147595.html

    Hier eine ausführliche Darstellung der Konflikte um die Firma durch die ukrainische Forbes, die sich auf die Seite des Energieministers stellt:
    http://redpilltimes.com/useu-democracy-in-action-video-of-ukraine-oligarch-kolomoisky-taking-over-mafia-style-energy-company-ukrtransnafta/

    Bedeutsam erscheint mir diese Akzentverschiebung, weil es womöglich nicht nur um einen Machtkampf unter Oligarchen geht, sondern auch um einen zwischen Poroschenko und Jazenjuk (der abwesend war und mit der Sache offenbar nichts zu tun hat).
    Hier eine weitere Deutung:

    USA haben ukrainische Gaspipelines im Visier – Medien
    09:51 26.03.2015(aktualisiert 10:00 26.03.2015)

    Die USA erleiden eine vernichtende Niederlage in der Ukraine und wollen zum Schluss den Kampf zwischen ukrainischen Oligarchen ausnutzen und die über Europa verlaufenden Gaspipelines unter ihre Kontrolle nehmen, schreibt die französische Online-Zeitung AgoraVox.
    „Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, mit Hilfe der Marionettenregierung in Kiew Kontrolle über alle Gaspipelines zu bekommen, die über die Ukraine nach Europa verlaufen“, heißt es im Beitrag. „Die erste Etappe dieser Operation beobachten wir jetzt in der Kollision zwischen Pjotr Poroschenko und Igor Kolomoiski.“
    Im Falle eines Erfolgs dieser „Kampagne“ werde Europa in puncto Gaslieferungen von den USA abhängen. Washington werde die Möglichkeit bekommen, Einfluss auf die europäischen Länder zu haben, die zunehmend Zweifel an der US-Politik an den Tag legen.
    Die Rivalität zwischen dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko und dem Oligarchen Kolomoiski sei ein Kampf nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern auch um die Macht in der Ukraine.
    […]

    http://de.sputniknews.com/politik/20150326/301658415.html

    Als politischen Machtkampf kann man auch den Show-act verstehen, als am 25.3. vor laufender Fernsehkamera mitten aus einer Kabinettsitzung zwei Chefs der Katastrophenbehörde wegen Korruptionsverdachts verhaftet wurden. Obwohl sich Innenminister Awakow (ein Jazenjuk-Verbündeter) offiziell an die Spitze der Bewegung stellt:

    Ukraine arrests two top officials at cabinet meeting
    25 March 2015

    Two senior Ukrainian officials have been arrested during a cabinet meeting as part of an anti-corruption crackdown, hours after a powerful regional governor was sacked.
    The head of Ukraine’s state emergencies service, Serhiy Bochkovsky, and his deputy Vasyl Stoyetsky were handcuffed by police at the televised meeting.
    […]
    Mr Avakov said he was also dismissing all regional heads of the state emergencies service, as they were suspected of involvement in a corrupt scheme that had diverted money offshore.
    Speaking on Ukrainian TV, he said officials at the service had used a private company to transfer funds „to a non-resident of Ukraine, a Jersey-based offshore company“.
    From there, he said, money went to „another private company owned by Stoyetsky and Bochkovsky, after which this money was divided between card accounts opened, in particular, in Cypriot banks“. He showed printouts of what appeared to be card statements.
    Mr Yatsenyuk’s government is under pressure from Western lenders to prove that it is cleaning up government finances, as Ukraine has been plagued by high-level corruption since independence in 1991.
    […]

    http://www.bbc.com/news/world-europe-32051743

    Wie dem auch sei, erste Folgen dieser allseitigen Rivalitäten sind schon sichtbar:

    24.3.2015

    The breach between Mr. Poroshenko and Mr. Kolomoisky could have far-reaching ramifications. On Tuesday, there were reports that private militia forces had disappeared from the streets of Odessa, in southeastern Ukraine, where they had been helping to maintain order.
    Critics of the militias have long warned that they could easily turn against the government in Kiev. And Mr. Poroshenko had said that he would take steps to incorporate private militias like those controlled by Mr. Kolomoisky into Ukraine’s military.
    The governor in Odessa is Ihor Palytsia, an ally of Mr. Kolomoisky, who had served as an executive of Ukrnafta.

    http://www.nytimes.com/2015/03/25/world/europe/ukraine-president-dismisses-billionaire-ally-from-governors-role.html?_r=1

    Daß die Milizen in Odessa „für Ordnung“ sorgten, ist eine euphemistische Beschreibung für die Unterdrückung prorussischer Tendenzen in der Bevölkerung.

    In Kharkiw berichtet eine „Partisanen“-Organisation über den Ausbau militärischer Anlagen durch Kiew:

    Nachrichten des Partisanen Stabs für Koordination Charkiw. 23.03.2015. Philipp Ekosjanz
    Veröffentlicht am 25.03.2015
    „Nach den Aussagen der Einwohner und Augenzeugen wurden große Mengen an Radiotechnik in Einzelteilen ran geschafft und in die unterirdischen Bereich verfrachtet.
    Viele Militärangehörige Personen bewegen sich frei in den Dörfern. In dem Dorf Rakitnoe wird an einem Tag etwa 200 Liter Selbstgebrannten verkauft. Auf allen nahe liegenden Straßen sind viele Betonklötze gelegt worden und so positioniert, das man das Gefühl bekommt, dass dort Straßen Sperren und Militärstützpunkte errichtet werden sollen, zugleich spricht die riesige Anzahl an Bauressourcen dafür, dass dort eine massive Verteidigungslinie aufgestellt werden soll…

    Auch die Kyiv Post hegt Befürchtungen:

    Power Play: As Kolomoisky leaves Dnipropetrovsk, fears rise over security in eastern Ukraine
    March 27, 2015, 12:32 a.m. | Allison Quinn, Kyiv Post+, Olga Rudenko
    […]
    Kolomoisky’s team in Dnipropetrovsk is credited with stopping the westward advance of Russian-backed forces. Now, some fear the creation of a separatist Dnipropetrovsk People’s Republic.
    […]
    The threat to the region comes not only from the east, where Russian forces and their allies are eager to snatch up more territory, but also from within Dnipropetrovsk, where Kolomoisky’s allies had been keeping local separatists in check.
    According to Oliynyk, they were “maintaining a dialogue” with local separatist organizations to prevent attempts at seizing local government buildings. Two attempts took place in March 2014, but were unsuccessful.

    Viktor Marchenko, leader of Soviet Officers Union, a non-government organization in Dnipropetrovsk, was one of the most active pro-Russian activists in the city. During the March rallies last year he called on the Russian army to come to the city. However, under the rule of Kolomoisky, Marchenko was forced to stop such activities. Marchenko blamed it on the pressure of local authorities, who started eight criminal investigations of separatism expressions in the region, and questioned him on all of them.

    Such precautions paid off.

    “There were terrorist attacks in Odesa and Kharkiv, but not a single one in Dnipropetrovsk,” Oliynyk said. “I know of three attacks that were prevented, and organizers were arrested. I’m sure there were more.”
    […]

    http://www.kyivpost.com/content/kyiv-post-plus/power-play-kolomoiskys-departure-triggers-security-debate-384579.html

    Bei der SÜDDEUTSCHEN sind die Befürchtungen angekommen:

    25. März 2015, 17:49 Uhr

    Machtkampf in der Ukraine
    Angst vor der Rache des Oligarchen

    Es könnte der erste Höhepunkt in einem gefährlichen Machtkampf sein: Der Gouverneur von Dnjepopetrowsk, Ihor Kolomojskij, ist zurückgetreten. Bisher hatte der als brutal geltende Geschäftsmann den Südosten der Ukraine beherrscht.
    Von Cathrin Kahlweit
    […]
    Nach dem Regimewechsel als Gouverneur von Dnjepropetrowsk zur Stabilisierung der Lage eingesetzt, finanzierte er mit seinem Geld Freiwilligen-Bataillone, die vor allem in der Region um Mariupol an der sensiblen Südflanke auf dem Weg zur Krim die vorrückenden Separatisten-Truppen bekämpften. Pro-russische Abspaltungsbewegungen in seinem eigenen Machtbereich unterdrückte er, und auch die volatilen Nachbarbezirke Saporoschija und Odessa, die auf der Landkarte „Neurusslands“ auftauchen, wurden von Handlangern Kolomojskijs kontrolliert – und weitgehend ruhig gehalten.
    […]
    „Natürlich soll dieses Land endlich nicht von Oligarchen, sondern vom Recht regiert werden“, sagt ein hochrangiger Kiewer Beamter. Aber es sei riskant, das gerade jetzt durchzusetzen: „Kolomojskij hat aus eigener Tasche Leute finanziert, die gegen die Russen kämpfen, er hat sich den Separatisten in den Weg gestellt.“ Jetzt, da er aus dem Amt gedrängt worden sei, werde er sich rächen; „Unruhestifter“ würden ermutigt.
    Tatsächlich: In Odessa, wo ein Günstling Kolomojskijs Gouverneur ist, sollen bereits am Mittwochmorgen die Sicherheitskräfte, die gemeinsam mit der Polizei patrouillierten, verschwunden sein. Was als Sieg staatlicher Strukturen gesehen werden kann, betrachten viele Ukrainer als ersten Racheakt des Oligarchen.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/machtkampf-in-der-ukraine-angst-vor-der-rache-des-oligarchen-1.2409538

    Zum Schluß möchte ich noch die Bewertung in der Wirtschaftswoche hervorheben, die auch die Rolle des IWF beleuchtet:

    Ukraine
    Machtkämpfe in Kiew
    25. März 2015
    von Gerald Cesar

    Von dem 40-Milliarden-Dollar-Hilfspaket für die Ukraine dürfte bei der Bevölkerung nicht viel ankommen. Wahrscheinlicher ist, dass viel Geld für Waffenkäufe draufgeht und Oligarchen an die Macht streben.

    Die Kampfhandlungen in der Ostukraine haben aufgehört, das Leiden der Bevölkerung mitnichten. Die Regierung in Kiew drangsaliert ihre Landsleute. So werden die weitgehend verarmten Pensionäre neuerdings besteuert. Von April an will die Regierung die Strompreise um 300 Prozent erhöhen. Dabei ist die Inflation durch den Wertverfall der ukrainischen Währung Hrywnja bereits auf 30 Prozent in die Höhe geschnellt. Den Ukrainern bleibt nicht mehr viel zum Leben. Während es der Bevölkerung immer schlechter geht, können Oligarchen wie Staatspräsident Petro Poroschenko nicht klagen. Die Gewinne seiner Schokoladenfabriken haben sich verachtfacht. Auch seinen Freunden und Rivalen geht es nicht schlecht. Die Oligarchen kontrollieren das Bankensystem, die Stromversorgung und die Ölgesellschaften des Landes.
    […]
    Es geht um Macht und viel Geld. Am 11. März hat der IWF 17,5 Milliarden Dollar für die Ukraine bewilligt. Mit zusätzlichen bilateralen und multilaterale Hilfen soll der Gesamtumfang des Hilfspakets 40 Milliarden Dollar erreichen. Davon sind 15 Milliarden Dollar vorgesehen für die Schuldenrestrukturierung. Der Rest soll in den Wiederaufbau der Infrastruktur im Osten des Landes gehen. Soweit die Theorie.

    Der IWF übersieht dabei fahrlässig, dass der Krieg im Osten noch nicht vorbei ist. Es wurde lediglich ein Waffenstillstand vereinbart. Viel Geld dürfte daher für Waffenkäufe eingesetzt werden. Nach der katastrophalen und inkompetenten Kriegsführung in den Wintermonaten verschaffte sich die Regierung in Kiew dadurch die Chance für einen neuen Anlauf. Der IWF unterminiert das bisher weitgehend tragfähige, von Angela Merkel und François Hollande ausgehandelte zweite Minsker Waffenstillstandsabkommen.
    […]

    http://www.wiwo.de/politik/ausland/ukraine-machtkaempfe-in-kiew/11550912.html

    • Die WiWo bringt es auf den Punkt! Allerdings haben die Kämpfe in der Ostukraine mitnichten aufgehört, wie wir den regelmäßigen OSZE updates ja entnehmen konnten. Gibt es eigentlich kein Kontrollgremium für den IWF? Und wieviel schlimmer wird die Situation noch werden, sobald diese knapp 800 Mann „Militärausbilder“ samt Kriegsgerät aus den USA in Kürze dort eingetroffen sind um die „Nationalgarde“ zu schulen!

    • http://russia-insider.com/en/2015/03/27/5052

      „Friends, my dear Ukrainians! A year ago, you have proven to the world that you can not be brought to your knees. Now is the time to prove it once again! Some in Kiev have forgotten that you — not cattle — are a great and free nation! „Revolution dignity“ continues!

      Compatriots! Support the initiative of residents of Dnipropetrovsk! I encourage you on March 28 to take to the streets of our cities and say a firm „no“ to the attempts of the current regime to return Ukraine back to the days of authoritarianism and lawlessness! We begin to fight for our rights, for our future, for the future of our country!“

      Außer bei RI habe ich nichts dazu gefunden, es handelt sich möglicherweise um. ein fake.

      • Was hier in Russia Insider als Aufruf Kolomoiskijs zur Demonstration der Bürger gegen Kiew am 28.3. in Übersetzung dargeboten wird, stand original in der Ukrainischen Prawda=Wahrheit, und dann muß es ja stimmen… 😉

        Ernstlich: weder Poroschenko noch Jazenjuk genießen das Vertrauen der Bürger, und ab dem 1.4. wird ihre wirtschaftliche Lage geradezu verzweifelt sein; hier eine Umfrage von Anfang März:

        Nearly 60% Ukrainians Unhappy With Petro Poroshenko: Poll

        By Aditya Tejas @Artejas a.tejas@ibtimes.com on March 24 2015 2:43 AM EDT

        Almost two-thirds of Ukrainians were unhappy with the performance of President Petro Poroshenko, who came to power last June, after the ouster of former President Viktor Yanukovych, according to a recent survey conducted by Kiev-based Research and Branding Group.

        The survey, which was carried out in early March, showed that 58 percent of those polled disapproved of Poroshenko’s job performance, while only one-third favored him.

        The poll was conducted across all of Ukraine except the disputed Crimea, Donetsk and Luhansk regions, and interviewed a total of 1,501 adults. The results also showed that Prime Minister Arseniy Yatsenyuk was even less popular as only 24 percent of the respondents supported him.
        […]

        http://www.ibtimes.com/nearly-60-ukrainians-unhappy-petro-poroshenko-poll-1856734

        Nun mögen 1.500 Erwachsene ein zu kleines Quorum darstellen; aber es ist jedenfalls verläßlicher als das, was unsere Reporter als geneigte Zeitzeugen (pars pro toto) vor das Mikro zerren. Jeder Reporter wird einen Zeugen finden, der seine eigene Meinung bestätigt. So finden gerade westliche Investigativ-Reporter in Sachen MH 17 just in den „Volksrepubliken“ fast ausschließlich Gegner der Separatisten. Geht das mit rechten Dingen zu? Man sollte viel mehr alle Seiten hören. Hier ein mit dem Gefangenenaustausch befaßter Milizionär aus Donezk, der über das Schicksal der von der ukrainischen Presse als „Cyborgs“ verklärten „Verteidiger“ des Flughafens in Donezk als Kriegsgefangene berichtet.

        Cyborgs – Die Ukraine möchte ihre Helden nicht zurück (deutsche Untertitel)

        Stimmen des Donbass
        Veröffentlicht am 18.03.2015

        „Denn damit bekommen sie eine starke Informationswaffe, welche erzählen werden, dass hier was ganz anderes ist, als das was man in den ukrainischen Fernsehen zeigt. Dass dort gelogen wird und dass es ein Bürgerkrieg und keine Anti-Terror-Aktion ist, dass dort tausende Zivilisten sterben und ähnliches.“

        Oder hier eine Regierungskritikerin aus der – ich nenne sie mal so – Westukraine, die Klartext redet, was heutzutage schon sehr mutig ist.

        Interview: Tatjana Montjan • DIE UKRAINE GIBT ES NICHT MEHR 1/3

        Veröffentlicht am 21.03.2015
        Interview: Tatjana Montjan • DIE UKRAINE GIBT ES NICHT MEHR
        Kiew, den 11. März 2015

        Wie Gesetzlos ist die Ukraine? Wie steht es mit dem Griwna und wird es einen Kollaps geben? Diese und andere Fragen wurden Tatjana Montjan, die Vorsitzende der Partei „Geimsam handeln“, in Kiew gestellt. Sie erzählte von der Oligarchenmafia, IWF Krediten, wie über die landwirtschaftliche und instustrielle Katastrophe in der Ukraine. Hat Tschetschetow wirklich Selbstmord begangen, und falls ja, was erwarten anderen Oppositonellen der Kiewer Junta? Was für eine Rolle spielen die Rothschilds und die USA im Ukraine-Konflikt – Und vorallen, was denken die Ukrainer selber über das alles. Ein interessantes Interview für alle, die sich rund um diesen Konflikt beschäftigen.

        Interview: Tatjana Montjan • DIE UKRAINE GIBT ES NICHT MEHR 2/3

        Interview: Tatjana Montjan • DIE UKRAINE GIBT ES NICHT MEHR 3/3

        Das sind alles subjektive Meinungen, die da vorgebracht werden, gewiß. Aber sie haben kein Stimme in den Westmedien, und deshalb sollte man sie ergänzend zur Kenntnis nehmen. Die Ukraine ist vielstimmiger als die nette Mittelschichts-Tatjana, die für den lieben Freiwilligen-Freund an der Front Schals strickt und ihm Schutzwesten besorgt versus durchgeknallte propagandahörige Separatisten-Anhänger aus der Unterschicht, die sich von der russischen Glotze haben verblöden lassen.

    • „Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, mit Hilfe der Marionettenregierung in Kiew Kontrolle über alle Gaspipelines zu bekommen, die über die Ukraine nach Europa verlaufen“

      Wenn ich mich richtig erinnere, gabs dafür doch sogar schon eine (gescheiterte) Abstimmung in der Rada, kurz nach den Präsidentschaftswahlen. Ich finds nur nicht mehr.

      …und der IWF verlangt doch „Privatisierungen“.

      • Vage habe ich es auch im Hinterkopf, daß es um den Verkauf von Staatseigentums an Ausländer ging und daß die Frage umstritten war.

        Ich hätte ja nicht gedacht, daß ich mal der Linken applaudieren würde – aber in dieser Rede bringt Frau Wagenknecht die Dinge auf den Punkt – und auch die amerikanischen Wirtschaftsinteressen werden benannt. Ich kann daraus nur den Schluß ziehen, daß man bereits „links“ ist, wenn man schlichte belegbare Tatsachen anspricht statt den Qualm der „gemeinsamen Werte“ als Handlungsgrund zu bemühen:

        Über STRATFOR-Video wird im Deutschen Bundestag gesprochen – Merkel hört zu

        Deutschland+Russland
        Veröffentlicht am 25.03.2015
        19 März 2015. Ausschnitte aus der Rede von Sahra Wagenknecht (Linke) im Deutschen Bundestag, über den Inhalt der Rede von STARTFOR-Chef George Friedman, Merkels Russland-Politik und US-Einfluss über die EU.
        Quelle: https://www.youtube.com/watch?

        Seit gestern ist nun endlich auch der Essay von Jörg Baberowski, auf den Gerd Koenen so verstiegen geantwortet hatte, online:

        Der Westen kapiert es nicht

        Ahnungslos und ignorant: So reagieren Europa und die USA noch immer auf den Krieg in der Ukraine. Sie haben nicht begriffen, warum die Russen Putin so treu ergeben sind. Sein Imperium soll ihnen Ordnung statt Chaos bieten – und eine neue Heimat. Ein Gastbeitrag von Jörg Baberowski

        DIE ZEIT Nº 11/2015 12. März 2015 07:00 Uhr
        […]

        http://www.zeit.de/2015/11/ukraine-krieg-fehler-usa-europa-putin-treue-russland/komplettansicht

        • Eigentlich kann ich ja überhaupt nicht verstehen, weshalb Du den Linken nicht auch mal applaudieren kannst. 🙂 Aber Du schreibst ja Folgendes: „Ich kann daraus nur den Schluß ziehen, daß man bereits “links” ist, wenn man schlichte belegbare Tatsachen anspricht statt den Qualm der “gemeinsamen Werte” als Handlungsgrund zu bemühen:“

          Heute gerade einen Artikel gelesen, der ein bisschen in eine ähnliche Richtung geht und auch sonst ganz lesenswert ist – es heisst dort:

          „Denn was vor 40 Jahren noch als Mitte galt, mag heute schon “links”, wenn nicht “linksradikal” sein.“

          Wenn der Mainstream zum Extremismus wird
          http://le-bohemien.net/2015/03/27/wenn-der-mainstream-zum-extremismus-wird/

        • Ich habe auch den Eindruck, daß ich mich weniger geändert habe über die Jahrzehnte als die Weltläufte. Nur deshalb wundere ich mich ja, daß ich jetzt einer dezidiert Linken applaudieren MUSS! 😉
          Und dieser Gedanke hat etwas Reizvolles:

          Studie zum Linksextremismus
          Wenn der Mainstream zum Extremismus wird

          le Bohémien am 27. März 2015 | 2 Kommentare

          Was sagt die Studie über den deutschen Linksextremismus eigentlich über die Geisteshaltung des Mainstreams aus?
          […]
          “Solche historisch munitionierte Gegenwartsblindheit erwartet Unheil offenbar nur dann, wenn es in Uniform auftritt.” – Harald Welzer

          Darin scheint, wie Harald Welzer es treffend sagte, “die ganze Dialektik der Freiheits- und Demokratiebedrohungen auf, wie sie aus dem staatlich-informationsindustriellen Komplex resultieren.” Statt über die Potentiale eines modernen, in ganz neutral-technoidem und/oder ökonomistisch-technokratischem Gewand erscheinenden Totalitarismus besorgt zu sein, verlässt man sich auf “die rituelle Macht des nachholenden Widerstands.” Das heißt, “um nicht gegen das sein zu müssen, was heute Freiheit und Demokratie bedroht, tritt man öffentlich gegen das auf, was vor einem dreiviertel Jahrhundert geschehen war.”
          […]

          http://le-bohemien.net/2015/03/27/wenn-der-mainstream-zum-extremismus-wird/

          Paßt gut zum Ukraine-Konflikt, bei dem der Westen den Kalten Krieg gegen eine imperialistische Sowjetunion nachholt, während die wahren Gefahren, die die westlichen Demokratien bedrohen, aus diesen anderen Komplexen stammen und hauptsächlich durch die USA gespeist werden.
          Schön, daß wenigstens der Buchmarkt der Journaille viel entgegensetzt: Bodes Buch gegen TTIP ist bereits in der Bestsellerliste, das Krone-Schmalz-Buch auch (beim SPIEGEL taucht es nicht auf, weil es als Taschenbuch gilt und in der SPIEGEL-Bestsellerliste nur Hard- und Softcoverbücher Einzug halten, beim STERN steht es Platz Nr.2), Scholl-Latour und Ulfkotte verkaufen sich weiterhin gut.

          Auf das Krone-Schmalz-Buch mußte ich eine Woche warten, offenbar gab es Lieferprobleme: ich habe nun heute das Buch in der 5. Auflage erhalten…
          Und mußte doch sehr schmunzeln, als ich diese substanzlose „Entgegnung“ in der ZEIT las:

          Naiv, aber moralisch richtig

          Die These von Europas Naivität hat gerade Konjunktur. Man hätte den Konflikt um die Ukraine kommen sehen können, heißt es. Doch falsch gehandelt haben die Europäer nicht. von Jochen Bittner
          26. März 2015 07:24 Uhr

          Eine These hat gerade Konjunktur, die man wieder einmal unter dem westlichen Hang zur Selbstbezichtigung verbuchen könnte. Aber womöglich wäre das vorschnell. Nennen wir sie die Gabriele-Krone-Schmalz-These.
          Nach der Gabriele-Krone-Schmalz-These hätte Europa den Konflikt um die Ukraine kommen sehen können, wäre es nicht so schrecklich naiv gewesen. In ihrem Buch Russland verstehen sagt die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Krone-Schmalz sinngemäß, jeder Stratege hätte wissen müssen, dass es die Ukraine „zerreißen“ würde, wenn man sie vor die geopolitische Wahl zwischen Europa und Russland stellt.

          Sehen wir einmal davon ab, dass man lange darüber streiten kann, ob die EU die Ukraine bei den Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen tatsächlich vor ein solches „Entweder-oder“ gestellt hat, sondern nehmen an, Gabriele Krone-Schmalz hätte recht. Was würde daraus folgen?
          […]

          http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/ukraine-russland-europa-gabriele-krone-these?commentstart=9#comments

          Hier breche ich ab, denn Moral-Argumente der transatlantischen Seite, die faktisch knallharte Realpolitik betreibt, entsprechen nicht dem Niveau dieses Blogs. 😉

        • Nehmen wir einmal an, Jochen Bittner hätte recht, und es liesse sich tatsächlich lange darüber diskutieren, ob die Bruchlinien innerhalb der Ukraine schon lange erkennbar waren. Ich bin kein Fan von langen Diskussionen, und da ich Thomas heisse, glaube ich nur, was ich sehe:

          Die Grenze zwischen Rot-gelb und Blau-violett entspricht in etwa den historischen Grenzen zwischen dem russischen Zarenreich und dem polnisch-littauischen.

        • Gar nicht so schlecht, mit der Festlegung im Glauben. Doch es gibt auch optische Täuschungen:
          https://www.google.de/search?q=optische+t%C3%A4uschungen&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=1dYVVYDOJ4fwaNKvgtgO&ved=0CCEQsAQ&biw=1366&bih=633
          Die Grenze, beziehungsweise die Trennlinie sollten die Menschen selbst definieren. Am frühen Nachmittag saß ich in einem Café, in dem russischsprachigen Griechen und türkischstämmigen Deutschen miteinander ihr Unwesen betreiben – sich einfach um die Gäste kümmern. Und sie tun es vor allem deswegen miteinander, weil sie kreuz und Quer verheiratet und verschwägert sind.

          Das heißt aber nicht, dass die historische Bewertung der Farben grundsätzlich falsch wäre…

  4. Joost Niemöller setzt sich auf seiner Webseite in einem Artikel „Nederlandse onderzoek naar MH17 zo lek als een mandje“ (etwa: „Die Niederländische Untersuchung von MH17 ist so löchrig wie ein Korb“) noch einmal mit den von der Untersuchung in die Ukraine durchgestochenen Informationen wie Fotos aus den Hangars in Gilze-Rijen und die angeblich gefundenen BUK-Schrapnelle auseinander und zitiert auch das Interview von Max van der Werff mit Niemöller, das Sie weiter unten in der englischen Übersetzung zitiert haben.

    http://joostniemoller.nl/2015/03/nederlandse-onderzoek-naar-mh17-zo-lek-als-een-mandje/

    Schön fand ich folgenden Kommentar von „Bas“:

    Er is een moord gepleegd. Twee verdachten. A + B. Onderzoeker Sherlock Holmes zoekt en vind. B is schuldig. De bewijs stukken, indirect en direct, wijzen naar A. Indirect door geheimhouding van geluidsband opname in de cockpit en van verkeerstoren, en de piloten lijkschouw. Direct door ronde en zichtbare kogel gaatjes. Direct ook door de armzalige pogingen om het gesprek naar een doodlopend BUK pad te voeren.

    Deutsche Übersetzung:

    Es wurde ein Mord begangen. Zwei Verdächtige. A + B. Der Detektiv Sherlock Holmes sucht und findet. B ist schuldig. Die Beweise, indirekt und direkt, zeigen auf A. Indirekt durch die Geheimhaltung der Tonaufnahmen im Cockpit und bei der Flugsicherung und der Obduktionsergebnisse der Piloten. Direkt durch runde und sichtbare Einschußlöcher. Direkt auch durch die armseligen Versuche, die Diskussion in eine BUK-Sackgasse zu führen.

    • Im direkten Kontrast dazu, was sich heute mittag der RBB wieder mal leistete: Im Rahmen der Berichterstattung zur Germanwings Katastrophe merkte ein Korrespondent an, wie zügig hier ja offensichtlich die Ermittlungen voran gingen, im Gegensatz zum MH 17 Fall. Es sei unnachvollziehbar, wie lange die niederländischen Behörden brauchen, trotz „nahezu überzeugender Beweiskette für eine BUK russischer Bauart“. – man möchte immer schreien und sofort eine neue Protest e-mail losschicken.

  5. Manche Flugzeugabstürze werden nie geklärt, manche anscheinend sehr schnell (insbesondere, was die Auswertung der Recorder angeht) – und transparent geht es auch noch zu:

    Ermittler zum Germanwings-Absturz: Co-Pilot löste Sinkflug bewusst aus

    Die französischen Ermittler haben die Audiodateien aus dem Stimmrekorder ausgewertet. Sie kommen zu dem Schluss, dass der Co-Pilot die Maschine steuerte und den Absturz offenbar absichtlich herbeiführte.

    Marseille – In den letzten Minuten von Germanwings-Flug 4U9525 müssen sich an Bord dramatische Szenen abgespielt haben – das geht aus neuen Erkenntnissen hervor, die der ermittelnde französische Staatsanwalt Brice Robin in Marseille bekanntgab. Demnach war der Co-Pilot der Maschine alleine im Cockpit und leitete bewusst einen Sinkflug ein.
    Der Flugkapitän versuchte derweil, zurück ins Cockpit zu gelangen, doch die Tür ließ sich nicht öffnen. Das legen laut Staatsanwalt die Aufnahmen des Stimmrekorders nahe, die Ermittler auswerten konnten.
    „Es sieht so aus, als habe der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört“, sagte Robin.
    Mehr in Kürze auf SPIEGEL ONLINE
    hut/ulz/dpa/Reuters

    http://www.spiegel.de/panorama/germanwings-absturz-co-pilot-steuerte-die-ungluecksmaschine-in-den-letzten-minuten-a-1025713.html

    • Ich höre noch die Live Übertragung der Pressekonferenz des Staatsanwalts.
      Frage an die Frau Staatsanwältin hier: Ist es üblich, dass der Staatswanwalt keine direkten Daten,d.h. den O-Ton der Aufzeichnungen des Stimmrekorders erhält, wie er vorhin sagte, sondern nur (übersetzte)Schriftprotokolle des BEA?

      • Aus der Pressekonferenz:
        „15:07 Uhr: Spohr: „In Amerika ist es so, dass, wenn ein Pilot das Cockpit verlässt, ein anderes Crewmitglied ins Cockpit muss. Bei uns ist das nicht so.“ Er sehe nicht die Notwendigkeit, das zu ändern. Es handle sich hier um einen Einzelfall.“ Hr. Spohr betonte ja auch, dies sei in ganz Europe so, nicht Lufthansa-oder Deutschland spezifisch.
        Diese Aussage des Lufthansa Chefs wurde sofort anschießend von der US Presse (CNN) durch einen „Experten“ dahingehend kommentiert, dass er überzeugt sei, diese Regelung würde nun „sofort, binnen Tagen“ wohl geändert auf US Standards.

        • „Früher“ flog neben den beiden Piloten immer noch ein Bordingenieur mit – der ist längst eingespart worden. Und das System, daß die Tür zur Pilotenkabine von innen dauerhaft gesperrt werden kann, muß ebenfalls geändert werden. Zwei Lehren, die aus diesem schrecklichen Fall gezogen werden müßten.

        • . Durch diese Antiterror-Maßnahme des „sterile cockpit“ sind mehr Menschen ums Leben gekommen als bei „Terroranschlägen“ in Deutschland. Welch schrecklich paradoxer „Erfolg“. Gilt es nun, sich vor denen zu schützen, denen man sein Leben gerade anvertraut hat? Das ist an Absurdität nicht mehr zu übertreffen. Flugzeuge können heutzutage mit remote control geflogen werden, und wenn das nicht geschieht, liegt es daran, daß die Passagiere sich lieber einem Menschen als einer Maschine anvertrauen. Könnte sich das jetzt ändern?

        • Ich habe mich bei meinem Mann erkundigt: er kennt eigentlich nur zwei Klassen des medicals. Aber unabhängig davon: die Einstufung bezieht sich lediglich auf die Privatfliegerei des Andreas L. als Segelflieger und als Pilot einmotoriger Flugzeuge. Üblicherweise muß jedes Jahr ein Gesundheitscheck gemacht werden (das wäre dann 1. Klasse), bei unter Vierzigjährigen reichen Checks alle fünf Jahre – für den Bereich der Privatfliegerei – aus (das wäre nach seinen Auskünften dann die 2. Klasse).

          Aber eventuell erfolgte die Staffelung auf dieser Seite auch so:
          1. Klasse Berufspilot auf einmotorigen Maschinen (hier ist der Check aufwendiger)
          2. Klasse: Privatpilot (über vierzig Jahre)
          3. Klasse: Privatpilot (unter vierzig Jahre)

          Auf jeden Fall sagt diese Seite nichts über seinen Gesundheitszustand aus.

        • Thematisch nicht passend, aber erwähnenswert: die OSZE hat nun auch ukrainische Streitkräfte – genauer gesagt: Freiwilligenbataillone – als Verletzer der Waffenruhe festgestellt. Überhaupt schweigen die Waffen dort nicht, nämlich bei Mariupol und am Donezker Flughafen, wo immer noch Asow/Aidar und der rechte Sektor auf Seiten Kiews tätig ist:

          Latest from OSCE Special Monitoring Mission (SMM) to Ukraine based on information received as of 18:00 (Kyiv time), 23 March 2015

          […]
          The SMM unarmed/unmanned aerial vehicle (UAV) monitored both sides of the contact line east of Mariupol. At 17:38hrs, in Shyrokyne the SMM UAV observed outgoing mortar fire from a Ukrainian Armed Forces position. Additionally, the UAV also observed several armoured vehicles and tanks in Shyrokyne and Sakhanka (“DPR”-controlled, 22km east of Mariupol 5km north-east of Shyrokyne).
          […]

          http://www.osce.org/ukraine-smm/146546

          Und dann noch eine Nachricht, die Spekulationen auslöst:

          Obama Snubs NATO Chief as Crisis Rages
          1446 Mar 24, 2015 7:20 PM EDT
          By Josh Rogin

          President Barack Obama has yet to meet with the new head of the North Atlantic Treaty Organization, and won’t see Secretary General Jens Stoltenberg this week, even though he is in Washington for three days. Stoltenberg’s office requested a meeting with Obama well in advance of the visit, but never heard anything from the White House, two sources close to the NATO chief told me.
          […]
          According to White House press releases, Obama didn’t exactly have a packed schedule. On Tuesday, he held important meetings and a press conference with Afghan President Ashraf Ghani at the White House (Ghani will meet with Stoltenberg while they are both in town). But the only event on Obama’s public schedule for Wednesday is a short speech to kick off a meeting related to the Affordable Care Act. On Thursday, he will head to Alabama to give a speech about the economy.
          […]
          Polish President Bronislaw Komorowski told the Brussels Forum that there has been a worrisome lag between NATO’s promises of more defensive equipment for Poland and what has actually arrived, a blow to the alliance’s credibility. “It’s very important and necessary for everyone to have the conviction, including the potential aggressor to have this conviction, that NATO is truly determined to execute contingency plans,” he said.

          The White House missed a perfect opportunity to reinforce that message this week in snubbing Stoltenberg. It fits into a narrative pushed by Obama critics that he would rather meet with problematic leaders such as Iraqi Prime Minister Haider al-Abadi, who will get an Oval Office meeting next month, than firm allies. The message Russian President Vladimir Putin will take away is that the White House-NATO relationship is rocky, and he will be right.

          http://www.bloombergview.com/articles/2015-03-24/obama-snubs-nato-chief-as-crisis-rages

          Ich hoffe, daß die Interpretation von Bloomberg zutreffend ist, denn nach all dem Kriegsgeschrei aus dem Kongreß:

          Veröffentlicht am 24.03.2015

          Hardliner im US-Repräsentantenhaus setzen sich allmählich gegen Präsident Obama durch: Im Rahmen einer „überwältigenden Resolution“ wollen sie den Präsidenten dazu drängen, trotz Einhaltung des Minsker Abkommens schwere Waffen in die bürgerkriegsgeschüttelte Ukraine zu entsenden. Obwohl Waffenlieferungen in Kriegsgebiete keinen Frieden bringen, wollen die Volksvertreter im vermeintlichen Widerwillen der US-Regierung, der Ukraine Kriegsgerät zu schicken, eine gefährliche Passivität entdeckt haben.

          muß auch wieder ein Zeichen der Zurückhaltung gesendet werden.

        • Und nicht vergessen, sich Galgenhumor zu bewahren.

          „Die Europäische Union soll ein Milliarden schweres Hilfspaket aufsetzen, um der Ukraine zu helfen und das Geld ausländischer Investoren abzusichern. Das fordert Investorenlegende Georg Soros. Er will dann selbst in dem Land investieren.“
          (…)
          „Würde die EU diese Forderungen erfüllen, wäre er bereit einen entsprechenden Fonds mit einer Milliarde Dollar auszustatten – mit der Aussicht auf gute Investitionschancen etwa bei Infrastrukturprojekten, Landwirtschaft und Internetausbau. Soros betont: „Es geht mir nicht darum, diesen Gewinn einzubehalten. Er würde wieder der Stiftung zu Gute kommen, um das Geld zu re-investieren.
          Russland könne die Ukraine nur wirtschaftlich übertrumpfen: „Man kann Putin nicht auf der militärischen Seite überbieten, weil er ja wirklich bereit ist, sich auf einen Krieg einzulassen. Und wir nicht.“

          http://www.focus.de/finanzen/boerse/schutz-fuer-investoren-50-milliarden-euro-soros-fordert-eu-finanzhilfen-fuer-die-ukraine_id_4568934.html

          „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen. Ich kann deine Schei…. nicht mehr hören“-Pofalla wurde durch einen Anruf unserer Pastorentochter gebeten, den Petersburger Dialog zukünftig zu leiten.

          http://www.welt.de/politik/deutschland/article138652406/Wie-Pofalla-die-Beziehung-zu-Russland-retten-soll.html

          Ich bin für eine Umbenennung in Pofallas Monolog.
          „Hiermit erkläre ich den Peterburger Dialog für beendet“

          http://pofallabeendetdinge.de/ 🙂

    • Interessante Beobachtung zu diesem Flugzeugunglück: Auf Spiegel-Online wurde offenbar versucht, dem Spiegel einen Spiegel vorzuhalten, indem die Kommentatoren kund taten, dass hinter dem Flugzeugabsturz sicherlich Putin stecken würde. Das kam aber gar nicht gut an bei Spiegel-Online. Die Anspielung war natürlich auf Flug MH17 gemünzt, wo der Spiegel ja sofort wusste, dass nur Putin dahinter stecken könne.

      • Ja, das war bemerkenswert, wie die deutsche Politik mantrahaft vor „voreiligen Spekulationen“ warnte; das hätte sie mal bei MH 17 tun sollen, statt wegen dieses Abschusses Sanktionen gegen Rußland zu verhängen.

        • Auch an anderer Stelle fällt die ganz unterschiedliche Beurteilung eines ähnlichen Vorgangs auf:

          Der von bewaffneten Aufständischen ins Nachbarland geflohene „rechtmäßige Präsident“ muß unbedingt mit Waffengewalt wieder eingesetzt werden. Mit Unterstützung der westlichen Führungsmacht bombardiert dieses Nachbarland
          die Hauptstadt und bereitet zusammen mit anderen Ländern den Einmarsch mit Bodentruppen vor. Schließlich hat man berechtigte eigene interessen dort zu verteidigen wie z.B. den Zugang zum ……Meer oder Stabilität an der eigenen Grenze und die Verhinderung der Einflußnahme eines politischen Gegenspielers etc.

          UN anybody?

        • Zu diesem Thema hatten Sie ja schon am 5.3.20125 diesen köstlichen Erklärungsversuch von Frau Psaki gepostet:

          http://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2015/02/237795.htm

          “QUESTION: Frankly, I had another subject. On Yemen, how come if this president when he left his capital is still technically president in his country?

          MS. PSAKI: That’s —

          QUESTION: How come the Ukrainian president was not in the same position?

          MS. PSAKI: That’s the Yemeni constitution and what the Yemeni constitution says, so I encourage you to take a look at the Yemeni constitution if you’re interested.

          QUESTION: And the Ukrainian constitution said the same thing.

          MS. PSAKI: Well, I think —

          QUESTION: Until constitutional proceedings are followed, the president is the president.

          MS. PSAKI: I know you like to revise history here in this case, but I’ll just reiterate that president – that Yanukovych left his own country. We all remember what happened here. I’m sure we can provide you with the specific details if you’d like.”

          Aber wer blickt hier schon noch durch: im Irak bekämpfen die USA gemeinsam mit dem Iran und schiitischen Milizen sunnitische Islamisten, im Jemen gegen den Iran schiitische Islamisten. Das kann wohl auf Dauer nicht gutgehen. In Syrien wird ein militärischer Einsatz alle gegen einen unternommen, nur Lybien muß sich einstweilen noch selbst zerfleischen.
          Und Lawrow hat bereits das nächste – ebenfalls von Ms. Psaki dementierte – Projekt vor Augen:

          Lawrow warnt
          „Akzeptieren Staatsstreich in Venezuela nicht“

          Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat auf seiner Lateinamerikareise der linksgerichteten Regierung Venezuelas den Rücken gestärkt. Russland werde einen Umsturzversuch in dem Land nicht hinnehmen, sagte Lawrow am Mittwoch bei einem Besuch in Nicaragua. Die USA hatten die Lage in Venezuela zuletzt als Bedrohung eingestuft und Sanktionen gegen ranghohe Funktionäre verhängt.

          „Wir akzeptieren keinen Staatsstreich, keine gewalttätigen Aktionen und vor allem keinen Umsturz als Form des Machtwechsels“, sagte Lawrow. Russland verteidige das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und die Herrschaft des internationalen Rechts.
          […]

          http://www.krone.at/Welt/Akzeptieren_Staatsstreich_in_Venezuela_nicht-Lawrow_warnt_-Story-445498

          Das ist fatal, wenn die Vorwürfe, die gegen Rußland im Ukraine-Konflikt erhoben werden, nun gegen die USA gewendet werden. Einen Namen für den Volksaufstand wegen Nahrungsmittel-Knappheit hätte ich schon: die Revolution der leeren Einkaufswagen.

        • Man kann nur hoffen, dass die anderen lateinamerikanischen Länder nicht zulassen werden, dass die USA in Venezuela „eingreift“. Vor kurzem war irgendwo zu lesen, dass 120 Blockfreie Staaten sich gegen die US-„Politik“ bezüglich Venezuela ausgesprochen hat. Und Lateinamerika ist wohl im Allgemeinen nicht gut auf die Amerikaner zu sprechen – wer kann es ihnen verdenken. Da sie sich auch in einem „Verbund“ befinden – incl. den USA – hatten sie die Amerikaner schon letztes Jahr ziemlich deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass sie die Embargo-Politik der USA gegen Kuba verurteilen und ansonsten den nächsten Lateinamerika-Gipfel(?) boykottieren.
          Dass der venezuelanische Präsident die US-Botschafts-Belegung minimiert hat, ist absolut verständlich. Eigentlich sollte man viel selbstbewußter da weltweit auftreten denn die Botschaften der USA werden fast überall missbraucht um Unfrieden zu stiften und Chaos anzurichten.
          Es wird eher Zeit, dass sich mehr Länder gegen die USA stellen und das ganz öffentlich.

        • Was würden wir nur ohne den Weltpolizisten Russland machen..und besonders ohne den genialen Lavrow…
          Der Revolutionstitel für Venezuela trifft sicher ins Schwarze, nur bezweifle ich mal Ihr Copyright darauf, 😉 genau diese headline las ich schon vor ca einer Woche ! Es könnte aber natürlich auch ein Fall der „great minds think alike“ sein. 🙂

    • Im Februar 2014 gab es eine „Entführung“ eines Flugzeugs durch den Copiloten, wie Peter Haisenko im Artikel „Flug ET-702 vom Copilot entführt – Security ad Absurdum“ vom 18. Februar 2014 berichtete:

      „Statt wie geplant in Rom, gingen am 16. Februar Passagiere und Crew des Ethiopian Flugs ET-702 in Genf von Bord – unter strenger Bewachung durch die lokale Polizei. Wie sich herausstellte, war es kein Terrorist, der die in Addis Abeba gestartete Boeing 767 „entführt“ hat, sondern der Copilot! Er hatte den Kapitän nach einem Toilettenbesuch vom Cockpit ausgesperrt und dann den Kurs gewechselt.“

      http://www.anderweltonline.com/wissenschaft-und-technik/luftfahrt-2014/flug-et-702-vom-copilot-entfuehrt-security-ad-absurdum/

      • Nun, jetzt wird reagiert – umgehend, ohne auf die langwierige ICAO-Untersuchung und deren noch viel langwierigere Schlußfolgerungs-Konferenz zu warten; man paßt sich den US-Standards an:

        Zwei-Personen-Regel: Deutsche Airlines verschärfen Cockpit-Vorschriften

        Berlin – Wegen des offenbar absichtlich herbeigeführten Absturzes einer Germanwings-Maschine verschärfen die größten deutschen und mehrere internationale Fluggesellschaften ihre Cockpit-Vorschriften. Künftig müssen sich demnach immer mindestens zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten. Weitere deutsche Airlines hätten sich darauf geeinigt solche Maßnahmen zu diskutieren, sagte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow.
        Das neue Verfahren soll laut Randow unverzüglich eingeführt werden. Mit dem Luftfahrtbundesamt werde am Freitag besprochen, wie die Vorschrift konkretisiert werden könne. Die Germanwings-Mutter Lufthansa wollte diese Gespräche zunächst abwarten.
        Air Berlin hingegen teilte mit, die Regel gelte auf ihren Flügen bereits am Freitag. Laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ würden die Crewmitglieder noch in der Nacht über die neue Maßnahme informiert.
        […]

        http://www.spiegel.de/panorama/germanwings-absturz-airlines-verschaerfen-cockpit-regeln-a-1025817.html

        Nur: ob eine Stewardess tatsächlich eingreifen kann, sollte der Pilot durchdrehen? Da müßte das Bordpersonal qualifizierter sein.
        Aber schön, daß sich die Fluggesellschaften freiwillig zu besseren Regeln entschließen. Das hätten sie nach MH 17 auch tun können; aber die erforderlichen Maßnahmen wären wohl zu teuer gewesen.

        Eine weitere Sicherheitslücke ergibt sich im Bereich der Personalauswahl; es gibt Hinweise auf eine akute psychische Erkrankung des Co-Piloten – und darauf, daß er bereits seine Flugausbildung bei der Lufthansa wegen Depressionen für Monate unterbrechen mußte, danach aber gesundgeschrieben wurde. Weitere Psychotests danach haben nicht stattgefunden.

        • 2Nach neuesten vom Bundesaufsichtsamt bestätigten Berichten waren durchaus psychologische Untersuchungen für Hr Lubitz vorgeschrieben, wie ein Aktenvermerk „SIC“ belegt; außerdem fand man eine zerrissene Krankschreibung, die auch für den Absturztag gegolten habe. Es wird immer erschreckender.
          http://www.n-tv.de/panorama/13-12-Fliegerarztverband-Wie-wollen-Sie-das-vorhersagen-article14789941.html
          http://web.de/magazine/panorama/germanwings-absturz-airbus-a320/flugzeugabsturz-germanwings-airbus-frankreich-co-piloten-eingeleitet-news-tag-liveblog-30539802

        • Hier noch -laut BILD- die Düsseldorfer staatsanwaltschaftliche Erklärung im Wortlaut:
          http://www.bild.de/bildlive/2015/12-co-pilot-40327106.bild.html
          Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat am gestrigen Abend die Durchsuchung der Wohnungen des verstorbenen Co-Piloten in Düsseldorf und Rheinland-Pfalz abgeschlossen. Die Maßnahmen haben nicht zur Auffindung eines sog. Abschiedsbriefes oder Bekennerschreibens geführt. Ebenso wenig haben sich Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund des Geschehens ergeben. Allerdings wurden Dokumente medizinischen Inhalts sichergestellt, die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinweisen. Der Umstand, dass dabei u.a. zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen gefunden wurden, stützt nach vorläufiger Bewertung die Annahme, dass der Verstorbene seine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht hat. Vernehmungen hierzu sowie die Auswertung von Behandlungsunterlagen werden noch einige Tage in Anspruch nehmen. Sobald belastbare Erkenntnisse vorliegen, werden wir die Angehörigen und die Öffentlichkeit weiter informieren. Die Kolleginnen und Kollegen in Frankreich sind vom Dezernenten des Verfahrens über die vorläufigen Ergebnisse der auch von französischer Seite angeregten Maßnahmen in Kenntnis gesetzt worden.

        • In der Tat, es wird wirklich immer erschreckender; dies meldete auch der Deutschlandfunk gegen 13:30. Als ärtzlich attestierter kranker Pilot dennoch alleine im Cockpit seine Macht und seinen Willen als Multi-Kamizkat-Pilot ausgeübt zu haben – im Herzen wohl eine hochexplosive Bombe tragend – dazu fehlen auch mir die Worte. Der Kranich-Airline kann man keine Vorwürfe machen – es war ein Akt höherer Gewalt, weil einfach unvorhersehbar. Wie ich mich erinnere, wurde vor fast 50 Jahren erstmals mit dem Muster Boeing 737 eine 2-Mann-Flugzeugführer-Besatzung eingeführt, die sich bislang vollkommen bewährt hat.

        • ..wie gesagt, „bislang“. Nun wird damit Schluß gemacht, inwieweit die freiwillige Regelung sich bewährt und wer ihr überhaupt folgen wird, muss man abwarten. Ich meine, eher früher als später sollte aber die 4-Augen Praxis vepflichtend werden.
          Zu dem tragischen Lubitz Fall machte ich mir Gedanken, ob er möglicherweise vorausplanend genau diesen Fug wählte, sich möglicherweise auch gezielt dazu anmeldete, der vom relativ geringen Passagieraufkommen her und der perfekten Kurzflugroute über die Alpen ja sehr geeignet für sein Vorhaben schien.
          Auch sein fast unmittelbar zuvor geschlossener Facebook account könnte das nahelegen.

  6. Ein Blick auf die globale Wirtschaftslage lohnt sich, denn Kriegs- und Wirtschaftsfragen hängen untrennbar zusammen: es gab noch keinen Krieg, der aus immateriellen Motiven geführt worden wäre.
    Und da findet man folgende aktuelle Entwicklung:

    Der IWF bereitet sich auf das Ende der US-Dollar-Ära vor

    Ernst Wolff 24.03.2015
    Der Schritt des IWF signalisiert eine Zeitenwende
    […]
    „Wir hoffen, dass der IWF die Fortschritte bei der Internationalisierung des Yuan berücksichtigt, um ihn in absehbarer Zukunft in den Korb aufzunehmen, der den Sonderziehungsrechten unterliegt“, sagte Yi Gang, Vizegouverneur der Chinesischen Zentralbank auf einer Pressekonferenz am Rande der alljährlichen Tagung des Volkskongresses in Beijing und ergänzte, China werde sich in Geduld üben, bis die Zeit reif sei.

    Das scheint kaum nötig. Knapp eine Woche nach Yi Gangs Auftritt gab Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des IWF, anlässlich eines Besuches der Fudan-Universität von Schanghai bekannt, die Frage sei nicht „ob“, sondern „wann“ der Yuan in den Währungskorb aufgenommen werde.

    Die Mainstream-Medien schenkten der Meldung kaum Aufmerksamkeit und taten, als ginge es hier um eine unbedeutende und eher technische Angelegenheit. Das Gegenteil ist der Fall: Der Schritt des IWF signalisiert eine Zeitenwende. Die mächtigste Finanzorganisation der Welt reagiert auf eine Kette katastrophaler politischer Veränderungen für die USA und unternimmt erste sichtbare Schritte, um sich auf das bevorstehende Ende der Weltherrschaft des US-Dollars vorzubereiten.

    Christine Lagardes großzügiges Entgegenkommen entspringt nicht etwa gutem Willen, sondern der dringenden Notwendigkeit, angesichts einer rasanten internationalen Entwicklung schnell zu handeln. Die vergangene Woche war für die USA nämlich ein außenpolitisches Desaster von historischem Ausmaß. Nur drei Tage vor Lagardes Auftritt in Schanghai kündigten Deutschland, Frankreich und Italien an, sich an der von China und Russland beschlossenen Gründung der Asiatischen Infrastruktur Investment Bank (AIIB) beteiligen zu wollen. Zuvor hatte bereits Großbritannien offizielles Interesse angemeldet, inzwischen sind die Schweiz, Australien und Japan ebenfalls nachgezogen.

    Die USA hatten im Vorfeld alles versucht, die eigenen Verbündeten von diesem Schritt abzuhalten, da die AIIB in direkter Konkurrenz zu den von ihnen dominierten Institutionen Weltbank und Asiatische Entwicklungsbank steht und ihre Gründung den Zerfall des US-Dollars als weltweite Leit- und Reservewährung beschleunigt. Doch alle Appelle nützten nichts, selbst die engsten Verbündeten verweigerten die Gefolgschaft. Ihnen ist inzwischen klar, dass sie sich auf neue globale Machtstrukturen einstellen müssen, weil die Weltherrschaft des US-Dollars unerbittlich zu Ende geht.
    […]
    Ernst Wolff ist freiberuflicher Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

    http://www.heise.de/tp/artikel/44/44461/1.html

    In der ZEIT ließ man die erste Entwicklung ganz weg und versuchte, die Bedeutung der Gründung der Konkurrenz-Bank zum IWF herunterzuspielen, was nicht so ganz gelang:

    Entwicklungsfinanzierung
    Zu viel Wirbel um Chinas neue Bank

    China gründet eine Infrastrukturbank, und Europa macht mit, obwohl die USA das verhindern wollten. So beginnt eine neue Normalität in der Entwicklungsfinanzierung. Ein Gastbeitrag von Peter Wolff
    24. März 2015 21:41 Uhr
    […]
    Die US-Regierung hat seit Monaten hinter den Kulissen Einfluss auf Ihre Verbündeten genommen, um das zu verhindern. Dennoch traten schon auf der AIIB-Gründungszeremonie im vergangenen Oktober 21 asiatische Länder der Bank bei. Es fehlten Japan, Südkorea und Australien. Die Zahl der Gründungsmitglieder wird sich durch die Beteiligung der Europäer nun rasch erhöhen.

    Möglicherweise erreicht die neue Bank dadurch bald die Größenordnung der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), die mit 67 Mitgliedsländern – 19 davon nicht-asiatisch – und 162 Milliarden Dollar gezeichnetem Kapital jährlich Projekte in einer Größenordnung von etwa 20 Milliarden Dollar finanziert. Für die AIBB hat China zunächst ein gezeichnetes Kapital von 100 Milliarden Dollar vorgeschlagen. Da davon nur ein kleiner Teil, möglicherweise nur zehn Prozent, eingezahlt werden muss, kann sich die Summe durch die Beteiligung der Europäer durchaus noch erhöhen. Es ist einfach und nicht besonders teuer, eine neue Entwicklungsbank zu gründen.

    Ende der US-Hegemonie?

    Die Gründung der AIIB lässt sich als Signal für das Ende der US-amerikanischen Hegemonie im internationalen System der Entwicklungsbanken interpretieren – oder, etwas weniger dramatisch, einfach als einen Schritt hin zu seiner Normalisierung dadurch, dass die Finanzierung von Entwicklungsprojekten künftig in den Regionen selbst liegt.
    […]
    Peter Wolff
    Dr. Peter Wolff ist Leiter der Abteilung „Weltwirtschaft und Entwicklungsfinanzierung“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn. Das DIE zählt weltweit zu den führenden Forschungsinstituten und Think Tanks zu Fragen globaler Entwicklung und internationaler Entwicklungspolitik.

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-03/entwicklungsfinanzierung-china-infrastrukturbank/komplettansicht

    Totgesagte leben länger, sagt man, und so hat sich, wohl auch in der Folge dieser neuen Entwicklungen, der Rubel wieder erholt:

    Russian rouble surges to new 2015 highs ahead of tax payments

    Reuters
    MOSCOW, March 24 (Reuters) – The Russian rouble rose strongly on Tuesday ahead of monthly tax payments, continuing a rally since February that has taken it to its highest levels against the dollar and euro since the end of last year.
    The Russian currency has now gained 7 percent against the dollar over the last week, reflecting a weaker dollar globally as well as Russian tax payments, although it is still down almost 40 percent since the middle of last year.

    By 1615 GMT it had gained 1.3 percent against the dollar, to 57.98, and was 1.4 percent stronger at 63.38 against the euro.
    The rouble hit 2015 highs earlier in the day at 57.45 against the dollar and 62.92 against the euro.

    It shrugged off a weakening of the price of oil, Russia’s main export. That illustrates a recent trend whereby the rouble has proven resilient despite volatile oil prices — in sharp contrast to the second half of last year when it plunged in the face of an oil price slump and Western sanctions imposed on Russia over Moscow’s involvement in Ukraine.
    […]

    http://finance.yahoo.com/news/russian-rouble-surges-2015-highs-162034051.html;_ylt=AwrBJR6JkhFVVQUAm9TQtDMD

    Was die Vermutung begründet, daß der Kurssturz des Rubel Ende des vergangenen Jahrs das Ergebnis von Devisenspekulation gewesen sein könnte.
    Wirtschaftlich haben die USA jedenfalls Boden verloren, und wenn die auf Pump erschaffene Fracking-Blase wegen der niedrigen Ölpreise platzt, dann kann man nur hofffen, daß dieser zu erwartende Rückschlag nicht wieder die gesamte Weltwirtschaft beeinträchtigt.
    Vielleicht erklären diese Wirtschaftsdaten, warum der Kongreß diese kriegerische Resolution 162 (Aufforderung zur Lieferung von tödlichen Waffen in die Ukraine und zur „challenge“ von Putin) gerade jetzt eingebracht hat?

    Aber auch im Rüstungsbereich (von der Weltraumfahrt müssen wir gar nicht erst reden) geraten die USA demnächst ins Hintertreffen – so die Befürchtung:

    With the U.S. F-35 Grounded, Putin’s New Jet Beats Us Hands-Down

    By Rob Garver March 24, 2015 6:15 AM

    With the U.S. F-35 Joint Strike Fighter still in limbo over reliability problems, Russian President Vladimir Putin’s administration on Monday said it would begin regular production of its newest fighter jet, the T-50, next year.
    According to state-run media, the Russian military will begin mass-producing the advanced fighter jet in several versions, and will also begin making models that will be available for export.
    “We have plans to deliver the first series of fifth-generation fighter jets next year,” said Deputy Defense Minister Yuri Borisov, after visiting a plant owned by Sukhoi, the Russian defense contractor responsible for the new plane, which is also known as the PAK-FA.

    The “fifth generation” of fighter jets to which Borisov refers is a category of the very newest military aircraft in the world. To date, the only true fifth generation fighter in operation is the U.S. F-22, a wildly expensive and not terribly reliable plane that Congress agreed to stop funding in 2009. The last F-22 was built in 2011, giving the U.S. Air Force an inventory of 187.

    One of the reasons Congress and the Pentagon agreed to eliminate the F-22 was that the F-35 was in the pipeline. The joint strike fighter was supposed to be cheaper to produce and operationally superior to the F-22. To date, it has been neither.

    The F-35 has consumed some $400 billion in resources, about $170 billion more than was originally projected, and the prototypes that have been produced have failed to meet the necessary performance standards. A scathing report from the Department of Defense’s Director of Operational Test and Evaluation cited a laundry list of flaws and shortcomings, from vulnerability to engine fires to computer malfunctions.
    […]

    http://finance.yahoo.com/news/u-f-35-grounded-putin-101500633.html

    Letzteres erinnert sehr an die deutschen gescheiterten militärischen Großprojekte. Es kann sein, daß die amerikanische Scharfmacherei in Sachen Krieg gegen Rußland diese Rückschläge wirtschaftlicher und militärischer Art kompensieren soll. Das wäre genauso fatal wie auch gefährlich. Nicht nur für das Stellvertreter-Schlachtfeld Ukraine.

    • Wenn man der Petro-Dollar zu Ende geht, also das Öl nicht mehr in US-Dollar gehandelt wird, wäre das m.E. auch des Ende der militärischen Hegemonie der USA – also vermutlich! 🙂

    • Die Frage ist, kommt das Ende des Petrodollars langsam und schleichend oder mit einem großen Knall?

      Der „Saker“ hat Paul Craig Roberts interviewt, da ging es auch um die Frage „Will we see the day when the US Dollar suddenly become worthless or will another mechanism precipitate the collapse of this Empire?“ oder zum Beispiel um einen drohenden Krieg zwischen den USA und Russland:

      The Saker: If the USA is really deliberately going down the path towards war with Russia – what should Russia do? Should Russia back down and accept to be subjugated as a preferable option to a thermonuclear war, or should Russia resist and thereby accept the possibility of a thermonuclear war? Do you believe that a very deliberate and strong show of strength on the part of Russia could deter a US attack?

      Paul Craig Roberts: I have often wondered about this. I can’t say that I know. I think Putin is humane enough to surrender rather than to be part of the destruction of the world, but Putin has to answer to others inside Russia and I doubt the nationalists would stand for surrender.

      http://www.paulcraigroberts.org/2015/03/23/washington-intend-war-russia-pcr-interviewed-saker/

      http://thesaker.is/the-saker-interviews-paul-craig-roberts/

      • Ich persönlich glaube nicht daran, daß es zu einer nuklearen Konfrontation kommen wird. Nicht, weil ich die Falken in den USA und in der Ukraine für vernünftig halte (Putin scheint mir der rationale Typ zu sein, der sowohl auf der Krim als auch im Donbass nur sehr unterschwellig (re)agiert und schlicht das dort herrschende Momentum unterstützt, um die nachvollziehbaren Ziele seiner Verteidigungspolitik zu erreichen).

        Nein, ich setze auf die ersichtliche Unvernunft jener westlichen Falken, die die russische Föderation als Regionalmacht einstufen und im Traum nicht daran denken, daß da noch eine Nuklearoption jener Regionalmacht existiert. Diese US-Hardliner sind ja noch nicht einmal in der Lage, den explosiven Zustand der Ukraine einzuschätzen. Wer an diese nicht existente Armee tödliche Waffen liefert, trägt nur dazu bei, daß sich die friendly fire-Tode der Armee erhöhen und sich die Kriegsbeute der Donbass-Milizen erhöht, wenn es zur dritten Angriffswelle der Kiewer ATO gegen die eigene Bevölkerung kommt.

        Putin hat den Nationalisten in Rußland bislang gut widerstanden und wird das auch weiterhin tun. Die muß er nicht befürchten, da er den allgemein herrschenden Patriotismus gut bedient. Die „liberale“ Opposition hat sich durch ihre Oligarchen- und US-Nähe sowie ihre internen Machtkämpfe selber demontiert, und so sitzt er fest im Sattel. Putin deeskaliert, das ist doch offensichtlich. Hier eine Botschaft der rührigen russischen Botschaft in Wien:

        Russische Botschaft Wien / Посольство России в Австрии hat 5 neue Fotos hinzugefügt.
        6 Std. ·
        Botschafter Sergej Netschajew im großen Interview für die Zeitschrift «International»: Ukraine-Krise, «Revolutionsexport», Krim, Sanktionen, Ostpartnerschaft und Österreich
        „Die Gefahr besteht darin, dass jemand den Konflikt zwischen Russland und Ukraine schüren will. Wir halten uns fest an Minsk 2. Und hinter Minsk 2 stehen nun auch das Ansehen der Europäischen Union und eine Resolution des UN-Sicherheitsrates vom 18. Februar 2015… Das ist ein völkerrechtliches Dokument. Und einzelne Versuche in Kiew es zu relativieren – manche behaupten bestimmte Punkte des Planes sind nicht annehmbar – sind nicht fördernd.“

    • Zum F-35 weiss ich genug, um hier zu kommentieren:

      Ende der 1980er Jahre wurde in den USA der „Advanced Tactical Fighter“ projektiert, der sämtlichen existierenden Kampfflugzeugen überlegen sein sollte, und den Massen von MiG-29 und Su-27 soweie deren Nachfolgern Klasse entgegensetzen sollte. Der Erstflug der Ecaluationsmaschinen YF-22 und YF-23 erfolgte just am Ende des kalten Krieges im September 1990, kurz nachdem Saddam Hussein Kuwait annektiert hatte. Anstatt angesichts der sich verändernden politischen Lage einen Entscheid aufzuschieben, entschied man sich recht schnell für die YF-22, da sie der Serienversion näher schien, und besser in der Lage wäre, auch die Anforderung der US Navy („Navy ATF“) zu erfüllen – eine Lektion, die man gelernt geglaubt hatte, als sich die USAF für die YF-16 und gegen die YF-17 entschied, und das Pentagon danach hoffte, diese Maschine auch der Navy schmackhaft zu machen, nur um zu lernen, dass diese keine einmotorigen Flugzeuge beschaffen wollte. Hauptgrund dafür, die YF-16 zu bevorzugen, war, dass sie ein Triebwerk F-100 verwendete, während die grössere F-15 zwei davon hatte, so dass man auf gemeinsame Komponenten zurückgreifen konnte, und keine Doppelspur fahren musste. Allerdings musste dann die YF-17 teuer und aufwendig zur F/A-18 weiterentwickelt werden, während die USAF die ursprünglich als Gegner des „fliegenden Faustkeils“ MiG-21 gedachte F-16A zur schweren, teuren und aufwendigen F-16 C/D/E/F weiterentwickelte.

      Kurz nach Ende des Kalten Krieges wurde das Projekt „Navy ATF“ gestoppt, und als Ersatz für die in die Jahre gekommenen F-14 „Tomcat“ aus den 70ern wurden F/A-18 E/F beschafft, die zur F/A-18A in ähnlichem Verhältnis stehen wie „Block 50/60“ F-16 zur ursprünglichen F-16A.

      Der Bedarf der USAF an Luftüberlegenheitsjägern reduzierte sich drastisch in den 1990ern, da die während des Kalten Kriegs beschafften F-15 sich als durchaus gewachsen zeigten gegenüber den paar wenigen moderne Jagdflugzeugen, welche der Rest der Welt produzierte. In der Tat hat die F-15 Exporterfolge gegen die (auf dem Papier sehr viel) modernere Konkurrenz von Eurofighter Typhoon und Dassault Rafale erzielt.

      Der Preis pro gefertigte Einheit für die F-22 stieg so invers proportional an, und da auch die Hoffnungen auf eine schnelle Serienproduktion sich zerschlugen (das definitive Flugexemplar startete erst 1997) geriet das Programm in die Kritik. Allerdings hat der Hersteller Lockheed-Martin die Produktion so geschickt auf die 47 Flächenstaaten der USA aufgeteilt, dass fast jeder Politiker behaupten konnte, eine Einstelung des F-22 würde Arbeitsplätze in seinem Wahlkreis gefährden.

      So kam die Idee auf, analog zu einem kostengünstigen Modell auf dessen Basis, ähnlich wie die F-16 auf Technologie basierte, die für die F-15 entwickelt wurde, oder sogar verbesserte, was wieder zurück in die F-15 zurückfliessen würde, den „Joint Strike Fighter“ zu entwickeln, als einmotorige Variante der zweimotorigen F-22.

      Als Hersteller wurde wiederum Lockheed-Martin ausgewählt, so dass mittlerweile die Kosten pro Ex. diejenigen der F-22 übersteigen.

      Ob die russische PAK-FA, oder die Chinesischen J-20 und J-31 wirklich besser sind, oder ihrerseits Geldbeschaffungsmaschinen für die dortige Rüstungsindustrie, sei dahingestellt.

      • Ich denke, daß niemand diesen Ihren Beitrag verstehen wird – ich auch nicht. Aber Verständlichkeit war wohl auch nicht Ihre Absicht. 😉

        Ich bin dieser „Experten“ doch langsam sehr müde. In dem Artikel ging es um die Einstellung der zu teuren und unzuverlässigen Version der F-22 und um das Desaster des projektierten Nachfolgemodells F-35.

        Was nun eine russische PAF-FA sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis. In dem Artikel geht es um die Serienreife einer russischen T-50 im nächsten Jahr. Es wäre schön, wenn an die Begrifflichkeiten in dem von mir zitierten Artikel angeknüpft werden könnte.

        Trifft der Artikel zu oder ist dessen Einschätzung eines russischen Technologievorsprungs im Bereich der aktuellen Kampfjet-Produktion falsch? Das weiß ich nach Ihrem Kommentar nicht.

        • Der Forist merkt an, dass die amerikanischen Düsenjäger wahre Geldvernichtungsmaschinen sind und die Projektkosten aus dem Ruder laufen. Dies zum Wohle eines Rüstungsunternehmens namens Lockheed Martin, die vermutlich Milliarden mit den Entwickeln von Flugzeugen verdienen, die nie gebaut werden.
          Zur Überlegenheit anderer (russischer / chinesischer /europäischer) Maschinen meint er, die könne auch der Werbung geschuldet sein – die bei für den Hersteller höchst profitablen Geldvernichtungsmaschinen nunmal sehr notwendig ist. Wer finanziert denn so einen Quatsch sonst? Solange Überlegenheit nur auf dem Papier steht: Dieses ist bekanntlich äußerst geduldig.

        • Sorry, eine 30 Jahre dauernde Geschichte in einen Blogkommentar einzudampfen, war wohl ein Fehler von mir. Übrigens betrachte ich mich nicht als Experten, sondern lediglich als interessierten Zeitgenossen.

          Nur kurz zu Ihren Fragen: PAK-FA und T-50 sind dasselbe (PAK-FA oder „Perspektivnij Aviatsionnij Komplex – Frontalnaja Aviatsija“ ist der Name der Ausschreibung des russischen Militärs; T-50 ist der Entwurf des Konstruktionsbüros Suchoj als Antwort darauf). Das Flugzeug wird vermutlich noch einen weiteren Namen erhalten, wenn es in Dienst geht, Su- irgendetwas, als Abkürzung für Suchoj. Ob die Maschine wirklich besser ist als ihre US- Gegenstücke weiss ich auch nicht. Die Russen behaupten es, die Amerikaner das Gegenteil. Fest steht aber, dass die USA mit ihrem ATF („advanced Tactical Fighter“ ungefähre englische Entsprechung des Namens) so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen kann, was zulasten der Steuerzahler ging, aber zugunsten der Rüstungsindustrie. Ob es in Russland diesbezüglich weniger korrupt zugeht wird sich weisen.

        • Ja, danke (auch an Horst Pachulke).

          Ich denke, in Sachen Korruption gibt es keine Unterschiede zwischen privatem und öffentlichen Sektor (das gilt auch für rechtsstaatlich organisierte Staaten). Wenn es um Milliarden-Projekte geht, wird immer „abgezweigt“…

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